Über Aufwachprozesse und die Geburt einer neuen Kultur


Manches will gesagt oder geschrieben werden, weil es sonst keiner sagt oder schreibt – wenn es mir keiner erklärt, dann muss ich es mir selber erklären.

Und manches will geschrieben werden, weil dem Autor sonst langweilig ist.

Eines davon kann schon ausreichende Motivation für die folgende Gedankensammlung sein. Ich verspreche aber auch, mich trotz aller Versuchungen bei den entscheidenden Punkten auf Andeutungen zu beschränken.

Teil I: Aufwachprozesse

Große Erwartungen erfüllen den Aufwachraum der psycho-politischen Anästhesieabteilung. Die meisten liegen noch still träumend im tiefen Koma, aber unter den Aufwachenden überlappen sich Traumbilder und erste Wahrnehmungsfetzen der Realität in einem schwankenden Gemisch von Aufregung und verzweifelter Ungeduld. Die eigentliche Aufwachphase ist die unruhigste von allen, weil die jahrzehntelange, für die meisten lebenslange Sedierung nachlässt und zunächst unkontrollierte Kampf-oder-Flucht-Reflexe freilegt, die im halbschlafähnlichen Zustand noch voller verzerrter Bilder ohne Realitätsbezug sind. Man kann die Aufgewachten recht leicht von den Aufwachenden in ihren verschiedenen Stadien unterscheiden anhand der Ruhe, Besonnenheit und Sicherheit, die proportional mit der Berührung mit Wirklichkeit wachsen. Das Personal bewegt sich sehr ruhig und geschmeidig zwischen den Betten…

Keiner der Neuankömmlinge weiß, wo er ist. Aber sie gehen sehr unterschiedlich damit um. Denn jeder kommt aus einer etwas anderen Traumwelt, die noch lange nicht erkannt und noch weniger abgestreift ist. Während das freundliche Personal die Spritzen zur verstärkten kollektiven Narkoseausleitung vorbereitet, braucht es vielleicht ein paar Hinweise für die verträumten Rückkehrer zur Orientierung und zum störungsfreien Umgang mit den lauteren und aufsehenerregenden Gefährten in dieser forcierten Ausnüchterungskur.

Aufwachen bedeutet nicht zu erwachen so wie Aufwachsen nicht das gleiche ist wie Erwachsen (werden). Das eine ist eine Veränderung der Wahrnehmung ohne Selbstveränderung. Das andere ist der Übergang in ein neues Selbstgewahrsein und eine neue Identität.

Aufwachen ist wie zu erkennen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Und man ist dann umgeben von lauter Kindern, die das nicht verstehen. Die Sache mit dem Weihnachtsmann haben die meisten heutzutage ja verstanden, aber das war es dann im Großen und Ganzen auch schon.

Der eigentliche Aufwachprozess beginnt erst ab dem Moment, in dem man versteht, worum es eigentlich geht und um was es alles nicht geht. Alles andere bis dahin ist nur Vorbereitung. Durch äußere Hammerschläge gezwungen zu werden, hier und da mal ein bisschen genauer hinzuschauen ist noch kein Aufwachen, höchstens eine somnambule Lernerfahrung.

Das „Great Awakening“ ist ein notwendiger Lernprozess, ein Augenöffner, aber kein Erwachensprozess. Die Menschen werden kollektiv wacher, weil sie geweckt werden und nicht weil sie von innen heraus, aus sich selbst heraus irgendeine Umwandlung initiieren. Das Aufwecken ist nötig, um von der sinkenden Titanic hinüber in die Arche einer neuen Kultur und planetenweiten neuen sozialen Ordnung zu wechseln. Dort können und werden die meisten dann wieder einschlafen bzw. weiter dösen können.

Nicht die Menschen ändern sich oder müssten sich verändern, sondern die Kultur, in die sie hinein geboren werden, in der sie leben und sich entfalten.

Das ist es, worum es in diesem Artikel gehen soll: die Differenzierung von individuellen Bewusstseinsveränderungen und kulturellen Paradigmen- und Narrativwechseln. Der plötzliche Wechsel vieler oder sogar aller grundlegender Narrative über die Welt, über die Menschen und wie alles funktioniert, ist ein eher seltenes Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Die meisten Anpassungen und Evolutionsschritte finden langsam über größere Zeiträume statt, betreffen meist nur ein Segment der Sozialisierung und Anschauungen und ereignen sich außerdem erst nur sporadisch bevor sie allgemeinwirksam werden.

Diesmal probiert die Menschheit etwas Neues, indem sie die notwendigen Anpassungen in ihrer psychischen und geistigen Entwicklung über Hunderte von Jahren hinauszögerte und durch ein hypnotisches Wegschauen versuchte zu ignorieren. Dadurch entstand ein Entwicklungs- und Lernrückstand, der sich zu einer gewaltigen Kluft zwischen Weltbild und realer Welt auswuchs. Jetzt brechen die künstlichen (Stau-)dämme und überfluten die Menschheit mit einer gewaltigen Welle an Totalveränderungen.

Kehren wir zurück in den Aufwachraum.

Aufwachen braucht Zeit. Die ersten durchdringenden Merkmale der Realität werden nur sehr vage empfangen und vermischen sich noch hochgradig mit Traumildern, so dass die Verwirrung zunächst größer ist als in der Traumwelt zuvor. Für die nur noch halb Schlafenden übersetzt sich das Geschehen im Aufwachraum um sie herum, die Formen und Bewegungen, die sie schemenhaft erkennen können und die Kommunikation, die sie als Geräusch mit Bedeutungsfetzen empfinden, in das semitransparente Traumbild eines Kampfes von Gut gegen Böse. Ihr Gehirn verarbeitet die noch unbekannte Komplexität und unberechenbare Fluktuation des Geschehens erstmal noch auf einfachste emotionale und konkretistischste Weise wie einen Kinderfilm, in dem die Guten gegen die Bösen kämpfen und somit die Welt – vielleicht – man weiß es nicht genau – hoffentlich – in Ordnung bringen.

All diese Narrative sind aber nur sehr vage und extrem reduzierte Übersetzungen des Aufwachprozesses, der zunächst nur als „neuer Film“, als ein veränderter Traum, als ungewohnte Bilderwelt und exotischer Plot von außen betrachtet werden kann. Das Bewusstsein befindet sich noch auf einer zu dissoziierten Stufe, um eine Wahrnehmung des eigenen Selbst geschweige denn eine Wahrnehmung der eigenen Zustandsveränderung mit einzubeziehen. Das führt dazu, dass der aus dem Koma langsam Erwachende sein Aufwachen als Weltveränderung, als Weltzusammenbruch, als plötzlichen Fall ins Bodenlose und als gefährlichen Actionfilm erlebt, während er von außen – objektiv – betrachtet ziemlich still im Bett liegt und nur ab und zu mit den Augenlidern zuckt.

Wenn wir das verstehen, können wir auch besser erfassen, was der Deep State ist (und was er in realiter nicht ist). „Deep State“ ist der tiefe Zustand, er ist das Koma. Es ist der tiefe Start, von dem aus Bewusstwerdung beginnt, an dem es aber noch kein Bewusstsein gibt. Im Deep-State-Koma-Traumzustand gibt es kein konstantes Ich-Gefühl, sondern nur stetig wechselnde, flackernde Bilder und unzusammenhängende Fetzen von Reizen. Es gibt Reflexe und primitive Reiz-Reaktionen, aber kein zusammenhängendes Weltbild geschweige denn ein Verständnis davon, wie, warum und wann irgendetwas passiert. Es gibt keine Unterscheidungsfähigkeit zwischen (physischer) Realität und den ununterbrochenen chaotischen Traumsequenzen, denen der vollkommen abgekoppelte Neokortex ausgeliefert ist.

Es gibt deshalb auch kein Ich-Erleben, keine innere Kohärenz, kein Erkennen von Wirklichkeit und vor allem: keine Steuerungsmöglichkeiten. Aus der realen dreidimensionalen Welt betrachtet ist der „Deep State“ ein hilfloser Blindflug, ein Zustand völliger Fremdsteuerung innerhalb einer komplett zweidimensionalen Matrix von Einbildungen und inner-psychischen Leinwandereignissen. Das Hauptcharakteristikum des „Deep States“, dieses tiefen Zustandes ist Abkopplung. Abkopplung von dem, was wir hier als Realität bezeichnen wollen, welche erst mit der Wahrnehmung der dritten Dimension, des Körperlichen beginnt. Beginnt, aber nicht aufhört.

Die dritte so wie jede Dimension, also auch die vierte bis sechste, existiert auch dann, wenn sie nicht wahrgenommen wird. Die Erlebnisse in der zweidimensionalen Traumwelt werden natürlich beeinflusst von den realeren Geschehnissen, die nur mit dreidimensionalem Bewusstsein (nicht-komatös) erkennbar sind. In der flachen Bilderwelt erscheinen sie wie unverständliche Magie, wie ein Wunder oder werden in zweidimensionale, nicht-körperliche, realitätsferne Erklärungsmodelle gezwängt, die auf Zweifel und Irritation beruhigend wirken. Diese Beruhigungsmodelle im 2D-Bewusstsein sind Ideologien, Dogmen, Glaubensvorgaben, jede Art einfacher Denkschablonen und die konkretistische Verwendung von Symbolen als Signale und Erkennungszeichen einfacher Zugehörigkeiten.

In der ich-losen Bilderwelt der Komaträume kann ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität nur ersatzweise durch konkrete Zeichen, Embleme, Markierungen und ausgefeilte Accessoires erzeugt werden. Mit anderen Worten: du kannst die chronische Angst und Ohnmacht des Komazustandes nur dadurch abblenden, dass du dich zu irgendeinem eingebildeten Club zugehörig fühlst.

Zum Aufwachen müssen zwei Aspekte zusammen kommen: ein Aufweckimpuls von außen (aus der nächst-höheren Bewusstseinsdimension) und die Bereitschaft im Sinne von Befähigung und Neigung zum Aufwachen. Das hat nichts mit wollen zu tun. Ein Aufwachen-„Wollen“ oder Nicht-Aufwachen-„Wollen“ auf der imaginativen Traumebene hat keinen Einfluss auf den tatsächlichen Zustand. Tatsächlich findet das Aufwachen sogar in den allermeisten Fällen gegen den gefühlten oder erklärten „Willen“ innerhalb der gewohnten Traumlandschaft statt.

Neo (aus der Matrix-Trilogie) muss sich für die rote Pille entscheiden, d.h. er muss sich dem Unbekannten und Unvermuteten öffnen, er muss sich ausliefern. Würde er sie ohne diese Bereitschaft einnehmen, hätte er nichts weiter als einen schlechten, eventuell einen sehr schlechten Trip innerhalb der Matrix.

Rote Pillen für sich genommen bewirken nichts, sie müssen auf ein aufwachbereites Bewusstsein treffen mit allem was dazu gehört. Es muss dafür im Organismus bereits etwas geben, das unabhängig vom Narrativ und den Bildern der Traumwelt existiert und auf das man sich beziehen kann. Etwas, das man auf die höhere Erkenntnis- und Wahrnehmungsstufe „mitnehmen“ kann. Genauer gesagt eine Anbindung an etwas Beständiges, Nicht-Illusorisches, das als Identitäts-Anker dient, wenn einem das Korsett der imaginierten Welt abgenommen wird.

Man kann im Aufwachraum so viel Lärm machen und so viele Erschütterungen erzeugen wie man will, der Komatöse baut all dies nur in sein Traumerleben ein und bekommt so nur ein massiv verzerrtes Echo von all dem mit. Auch der Halberwachte und der noch Dösende können die realen Gegebenheiten noch nicht erkennen und richtig interpretieren, sondern sie sehen alles durch den Schleier und die Filter ihrer gewohnten Traumwelt. Dadurch werden manche Nebenaspekte unverhältnismäßig vergrößert, andere tatsächlich wichtige Aspekte werden ignoriert, Formen verschwimmen miteinander, die Profile und Trennlinien der Objekte werden noch nicht richtig erkannt, so dass ein Schrank als drei Möbelstücke gesehen wird und die Blumen auf der Fensterbank mit den Bäumen draußen und den Gardinen verschmelzen.

Vielleicht wird die Krankenschwester als böse Hexe gesehen oder der Anästhesist als gefährlicher Zauberonkel, der bekämpft werden muss. Die unklaren Geräusche anderer Aufwachender werden vielleicht als wichtige Zeichen der Rettung gedeutet und das Stammeln des noch Verschlafenen im Nachbarbett als prophetische Aufklärung über die neue Realität. Typisch für diesen halbbewussten Zustand zwischen Traum und Realität ist, dass alles emotional Aufgeladene dominant und wichtig erscheint, während nüchterne rationale Botschaften ignoriert werden oder sogar störend erscheinen.

1. Exkurs: Das Corona-Programm für die psychische Transit-Zone

Es war niemals offensichtlicher als im Jahr der medialen Corona-Injektion, dass Verständnis und Denkfähigkeiten vom Bewusstseinszustand abhängen.

Noch bis heute, nach über 14 Monaten intellektueller, medizinischer, sozialer und wirtschaftlicher Daumenschrauben bis weit über die Schmerzgrenze einer gesunden Psyche hinaus, ist es für die meisten Aufwachenden unfassbar, dass Dreiviertel ihrer Mitmenschen nicht nur die Absurdität des Ganzen nicht erkennen können, sondern, viel gravierender, immer noch keine Fragen stellen. Bei den meisten endet die kognitive Auseinandersetzung – was schon sehr euphemistisch ausgedrückt ist – mit generalisierter Empörung und diffusen Angstzuständen.

Noch immer versuchen jüngst Aufgeweckte, die anderen durch Erklärungen und offensichtliche Widersprüche im Narrativ dazu zu bringen, hin zu schauen und ihre Konformitätsautomatismen zu hinterfragen. Wir stoßen da auf ein sehr interessantes Phänomen, nämlich die grundlegende Annahme, dass uns äußerlich ähnelnde Wesen das gleiche Bewusstsein haben müssten wie wir. Es ist nicht leicht, einzusehen, dass das nicht der Fall ist. Es gibt überhaupt keinen größeren und essentielleren Unterschied zwischen menschlichen Wesen als ihr Bewusstseinslevel.

Menschlich erwachsenes Bewusstsein beginnt erst auf der Stufe, auf der es ein Bewusstsein für Bewusstsein gibt. Erst dort, wo es möglich wird, über das Denken nachzudenken, die (eigene) Wahrnehmung wahrzunehmen und somit einen Blickwinkel auf den eigenen und damit auch auf fremde Blickwinkel einzunehmen. Mit anderen Worten: erst dort, wo man die eigene Perspektive auf die Welt als relativ und veränderbar konzeptionalisieren kann.

Wir werden noch sehen, dass diese selbstreferentielle Bewusstseinsstufe das Fundament für die neue Kultur und ihre Dynamiken darstellt. Zunächst müssen wir einsehen, dass mehr als zwei Drittel der hiesigen Bevölkerung auf einer Bewusstseinsstufe unterhalb der Selbstreferenz leben.

Die darunter liegenden Stufen sind in aller Kürze folgende:

  1. Null-Bewusstsein / Ich-Losigkeit: kein Eigenbewusstsein, Selbststeuerung nur durch Instinkte und programmierbare Reiz-Reaktionsmechanismen, also überwiegend nur situative Fremdsteuerung; entspricht maximal einem Neugeborenen.
  2. Körperbewusstsein / rudimentäres Körper-Ich: Eigenbewusstsein und Selbststeuerung beschränken sich auf grobe körperliche und räumliche Wahrnehmung und Koordination; darüber hinaus, also sozial und emotional abhängig von Fremdsteuerung und Kontrolle, sonst massive Überforderung durch Emotionen, Komplexität und jede Form der Abstraktion; entspricht maximal einem 18 Monate alten Säugling.
  3. Emotionales Ich-Bewusstsein: das Eigenbewusstsein umfasst den eigenen Körper, Emotionen und einfache soziale Regeln und Rollen; diese können also selbständig reguliert und gesteuert werden; Gedanken, Ideen und alles, was intellektuelle Abstraktion fordert werden als Überforderung und als bedrohlich erlebt und deshalb negiert oder bekämpft; andere Menschen werden als mehr oder weniger berechenbare Verhaltens-Objekte betrachtet; entspricht maximal einem fünfjährigen Kind.

Unsere aktuelle Kultur wird von einem Bewusstsein am oberen Rand der 3. Stufe getragen (siehe Mittelstand, das Gros der „Akademiker“ und Unternehmer) – mit ersten Anknüpfungen zur nächste-höheren, der vierten Stufe. Da sie aber institutionell manipuliert und gelenkt wird von einem Null-Bewusstsein (1. Stufe in psychopathischer Form), ist ihre Tendenz seit Jahrzehnten schon, sich um ein Bewusstsein der 2. Stufe herum zu ordnen: instinktives, primitiv-egoistisches Clanverhalten (Anpassen und Gehorchen) mit chronischer Überforderung durch die Komplexität der realen Welt. Das ist die Stufe, auf der im großen Ganzen die Verwaltung funktioniert, welche immer einflussreicher wurde in der Steuerung des Lebens in allen seinen Facetten.

Menschen auf den Stufen 1-3 haben keine Möglichkeit, von Ideen und neuen Gedanken zu profitieren, weil ihre Denkfähigkeiten dafür nicht ausgebildet sind. Erklärungen und jede Art von intellektueller Anforderung stellen für sie sofort eine Bedrohung dar, wenn sie nicht zu ihrer verinnerlichten Struktur und Weltanschauung passen. Sie können darauf nur emotional oder physisch reagieren, d.h. sie bekommen Angst, werden wütend, verzweifelt oder beschämt, greifen zu Gewalt oder laufen weg, aber sie können diese Reaktionen nicht einordnen oder verstehen. Sie werden einfach von ihnen überflutet und gesteuert.

Diese Tatsache ist jedoch erst ab der vierten Bewusstseins-Stufe zu verstehen, auf der man beginnt zu erkennen, dass es Bewusstsein und subjektive Wahrnehmung überhaupt gibt und dass man deshalb seine Meinung, seine Ansichten, seine Standpunkte und Erkenntnisse verändern kann, und zwar am besten durch Zuhören und Dialog. Für die Stufen 1-3 machen diese keinen Sinn außer aus Furcht, aus Gehorsam oder als Verhaltensstrategie zur Selbstbereicherung.

Systemische Veränderungen wie jene, in denen wir gerade schwimmen, sind erst ab Stufe 4 ansatzweise denkbar und mit gestaltbar. Alle anderen müssen erstmal einfach nur mitgenommen und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wer nach einem Jahr „Corona“-Aufweckprogramm immer noch Angst vor einem erfundenen Virus hat, Anti-Atem-Masken, Wirtschaftsblockaden und ungeprüfte Gen-Impfungen befürwortet, der kann das, was kommen wird und vor allem den Grund, warum es kommen muss, nicht verstehen. Er kann nur mitmachen, wenn man ihm sagt, was er tun soll und dass alles in Ordnung ist. So kindisch wie das klingt ist es tatsächlich. Es ist keine Frage der besseren oder leichteren Erklärung, sondern eine Frage des Bewusstseins, und das entwickelt sich – wenn überhaupt – nur über lange Strecken der schulenden Förderung und Unterstützung hinweg.

2. Exkurs: telegramatisches Tauziehen und Blutvergießen

Ein Beispiel für diese traumbilddurchzogenen und emotional aufgeladenen Schattengefechte im Übergang von einem Zustand der Illusionen, des Nicht-Wissens, Nicht-Sehens und Nicht-Verstehens hin zu einem Zustand der korrekteren Realitätswahrnehmung kann man aktuell in den Anfeindungen und Grabenkämpfen zwischen Betreiber, Moderatoren und Teilnehmern verschiedener „Aufklärungs“-Kanäle z.B. auf Telegram mit verfolgen.

Nachdem diese Kanäle in den Anfangsphasen der Aufwachprozedur noch ganz für sich und isoliert funktionierten, kaum Notiz voneinander nahmen und sich darauf beschränkten, Informationen, Meinungen und Diskussionen zu teilen und dabei eine interessierte Teilnehmerschaft zu sammeln, ist nun in der nächsten Phase der Realitätserkennung ein Krieg um die „Wahrheits“- und Authentizitäts-Hoheit ausgebrochen.

Man merkt, dass die vormals Sedierten im Aufwachraum nun als nächstes beginnen, Notiz voneinander zu nehmen. Die noch fehlende Orientierung in der massiv erweiterten Wirklichkeits- und Bewusstseinsdimension führt dazu, dass die Reste eigener Traumbilder mit der realen Umgebung verwechselt werden. Wenn die Psyche noch nicht gelernt hat, innen und außen, d.h. Traumwelt und wahrgenommene Welt klar zu unterscheiden, dann wird der innere Kampf ums Aufwachen und klarere Sehen zuweilen noch auf das „Dort draußen“ projiziert oder besser gesagt: falsch zugeordnet. Dies führt dazu, dass man glaubt, gestört zu sein, weil man sich gestört fühlt. Oder dass man sich bedroht fühlt, weil man Angst hat. Oder dass man hieb-und-stichfest überzeugt ist, dass der Gefährte im Nebenbett (der einen eigenen Informationskanal betreibt) derjenige ist, der andere im Komazustand („Deep State“) hält.

Die aktuelle Hyperbel der Verfluchung ist es, den anderen oder sich gegenseitig vor ein Militärtribunal zu wünschen, dessen hochgeschätzte Autorität dann auch die eigene und einzige Rechtschaffenheit und soziale Heiligsprechung für „die ganze Welt sichtbar“ rehabilitieren und offiziell anerkennen wird. Bis allerdings Papa mit seinem Machtwort kommt und diese Wunschfantasie erfüllt, müssen die Kinder sich noch alleine auseinandersetzen. Die eigentlichen Anforderungen und die Größenordnung unserer kollektiven und militärischen Probleme kann man mit solchen unreifen Verbohrtheiten natürlich nicht mehr einschätzen, weil die persönliche Motivation und das persönliche Konfliktmanagement noch alles dominieren.

Im großen Ganzen ist dies die Phase mit den berüchtigten Brettern vor dem Kopf, in der man ständig den Splitter im Auge der anderen zu entfernen beschäftigt ist und sich selbst als Frühwarnsystem gegen eine wachsende Flut an Demagogen sieht, die es täglich aufzuzeigen, anzuzeigen, und zu verhöhnen gilt. Berufung verpflichtet. Und wo es an echter Berufung fehlt, da tun es auch Aktionismus und Schattenboxen. So funktioniert Projektion.

Je dichter noch der Schleier der eigenen Traumwelt, desto größer die emotionale Aufladung und desto vehementer der Kampf gegen die Blindheit der anderen. Diese Phase der Außen-Projektion, d.h. der falschen Verortung von Störendem, ist nicht falsch, sie gehört mit zum Aufwach- und Neusortierungsprozess dazu. Es geht nur darum, sie so zügig, so unbeschadet und so unschädlich wie möglich zu durchlaufen und die eigene Energie in ein umfassenderes Erkennen der Realität zu investieren statt in die vermeintliche Reparatur oder Richtigstellung der Außenwelt. Ansonsten bleibt das Brett vor deinem Kopf nicht nur die Scheuklappe der Weltwahrnehmung, sondern auch die Leinwand für die Projektionen deiner eigenen Defizite und Verdrängungen.

Alle Kanalbetreiber, die sich mit dem Aufwachen beschäftigen, haben ihren Sinn, ihre Rolle und ihre Berechtigung im Gesamtprozess. Aber sie sind nur ein Teil davon und es fordert einige geistige und psychische Reife, sich als Teil dieses größeren Ganzen korrekt verorten zu können und das ego-zentrische Weltbild durch ein partizipatives Selbst- und Weltbild zu ersetzen.

Es ist die fragmentarische Natur des Schlafzustandes, die zu einer starken Perspektivierung der Wahrnehmung führt. Sie führt dazu, dass man die Welt zunächst nur in Ausschnitten wahrnimmt und dazu neigt, den aktuellen eigenen Wahrnehmungs- und Denksektor für den einzig richtigen oder zumindest den zentralen unter allen anderen zu halten. Dies ist der natürliche „Fehler“, der in den frühen Phasen der eigenen Neupositionierung und jungen Ich-Bildung im Verhältnis zur gänzlich neu betrachteten Welt auftritt, weil dabei der eigenen Position stets zu viel (Über-)Gewicht und Bedeutung gegeben wird. Das ist auch notwendig, um das Empfinden einer stabilen und konstanten Position erstmal zu festigen.

Die schlichte aber dringende Empfehlung für diese Phase des Aufwachens lautet: halt die Klappe. Mach die Augen auf, schau genauer hin, erweitere deinen Horizont, ändere deine Perspektive und geh davon aus, dass du dich meistenteils irrst – ganz besonders da, wo du dir „ganz sicher“ bist.

Nur wer eine tatsächlich stabile, d.h. mehrfach verifizierte, selbstreflektierte und relativierte eigene Position gefunden hat, der kann sich erlauben, den Sinn und die Bedeutung anderer, entfernterer Positionen zu untersuchen und zu entdecken – ohne dabei seine eigene Gleichgewichtsachse zu verlieren und dadurch in posttraumatisch-asoziales Verhalten zum eigenen Selbsterhalt zu verfallen (Angriff oder Flucht). Nur wer tatsächlich souverän ist, kann Andersartiges auch souverän sein lassen. Nur wer sich als Teil eines Ganzen sehen kann, kann auch andere als Teil dieses gleichen größeren Ganzen betrachten. Nur wer sich den eigenen schrittweisen Aufwach- und Ganzwerdungs-Prozess bewusst machen kann, kann sich vorstellen, dass es noch weitere Integrationsstufen und umfassendere Erkenntnispositionen gibt, zu denen Andersdenkende, Anderssprechende und Andersmeinende eine Hilfe und ein Komplementär sein können – aber keine Widersacher.

Für den einen ist der Aufwachprozess vor allem ein immer engmaschigeres Daten- und Faktensammeln, ein Puzzlespiel der Realitätsrekonstruktion. Er wird sich auf immer kleinere Informationsteilchen und deren Verbindung miteinander konzentrieren und die wachsende informationelle Munitionierung immer einseitiger auch gegen jegliche Einwände richten, die mit Zahlen und Fakten gar nicht zu beantworten sind, sondern in die Dimension des Verstehens und Anwendens fallen – die ihm fremd und überfordernd bleibt.
Je mehr ihm psychologische Tiefe, gefühlter Maßstab und das Gespür für Bedeutung fehlen, desto mehr verliert er sich in immer größer wachsenden Informationsbergen, die auch in den immer komplizierteren Mindmaps und immer flüchtigeren Quer-Assoziationen nicht verdecken können, dass er aus alldem keine persönliche Bedeutung ableiten kann – weder für sich noch für andere. Das atomisierende Analysieren und das manische Sammeln von Informationsbrocken koppeln ihn zunehmend von der Welt ab, obwohl er glaubt, über sie einen Bezug herstellen zu können – zur Welt und zu einer eigenen Bedeutung in der Welt. Zusammenhängende Gedanken werden dabei ebenso selten wie das Vollenden grammatisch korrekter und vollständiger Sätze. Immer wenn sich Steigerungen in Quantität verlieren, wird es oberflächlich, unsortiert und damit verständnislos. Das eigene Unverständnis kann sich dann in hyperaktiver Kommunikation, besser: gestammelter Nachrichtenproduktion noch eine Zeit lang maskieren, wird jedoch mit dem abnehmendem Bodenkontakt immer aggressiver und asozialer. Am Ende haben wir einen übervollen Kopf, dem so sehr Körper und Füße fehlen, dass ihm vor lauter Überflug und Stroboskop-Denken nur noch schwindelig werden kann.

Für einen anderen ist der Aufwachprozess vor allem ein emotionaler Prozess der Ablösung von allem Unsozialen, Trennenden, Abkoppelnden und Denaturierenden. Er wird sich auf alles Verbindende und Verbindliche, auf alles Soziale und Gruppenbildung konzentrieren. Da er vor allem andere mitreißen und motivieren will, verfällt er leicht in immer banalere Klischees und verliert das qualitative Ziel und den Tiefgang. Er wird dazu neigen, sektenartige Gruppierungen mit immer engerem Glaubens- und Meinungskorridor zu erzeugen, weil für ihn der Zusammenhalt und das „Wir! (gegen den Rest der Welt)“ haltgebend sind.

Wieder jemand anderes sieht den Aufwachprozess aus dem Blickwinkel der historischen (Rück-) Anbindung und der Wiederherstellung eines kohärenten geschichtlichen Narrativs. Er wird sich mit der Rekonstruktion von Geschehenem mit Geschichte und Geschichten, Geschichtsfälschungen, mit Lügen und Aufdeckungen, mit der Verbindung zu den Ahnen und ihren Hinterlassenschaften beschäftigen. Allen Anforderungen der Selbst- und Neugestaltung wird er aus dem Weg gehen und sich stattdessen wie ein Archivar auf immer kompliziertere und verästeltere Details seines Narrativs von der Vergangenheit beziehen. Die dadurch künstlich kreierte Lähmung in Bezug auf Gegenwart und Zukunft führt ihn dann immer tiefer in hoffnungslose Resignation und pessimistische Verzweiflung, denn der goldene Berg des Schönen und Wertvollen rückt für ihn mit jedem Tag weiter in die Ferne, während sich in der aktuellen Weltwahrnehmung die ungelösten Probleme stapeln.

Ein Vierter fühlt sich durch einschneidende persönliche Erlebnisse berufen, einen Dienst an der Gemeinschaft zu tun und Zeit und Mühe in all das zu investieren, von dem er überzeugt ist, dass dies dem Personal der Aufwachabteilung und dessen Zielen hilft. Aktion hat da stets Vorrang vor Nachdenken und Verstehen und so überschlägt er sich in immer kurzfristigeren Projekten, Aufrufen zu Aktionen, Handlungsempfehlungen und Mustervorlagen, um die wachsenden Risse seiner brechenden Weltwahrnehmung zu kitten.

Jede dieser Motivationen hat ihre Gültigkeit, ihre Beschränkungen und ihre Tücken. Meistens treffen wir auf verschiedene Mischungen von ihnen. Jede Fähigkeit und jedes Engagement, die eingebracht werden, haben ihren Gewinn, ihre Grenzen und ihren Kipppunkt, ab dem sie beginnen, sich abzukoppeln von ihrer Funktion, sich in einem isoliertem Selbstzweck zu verlieren und dann das Gegenteil von dem zu erzeugen, was sie ursprünglich anvisierten.

Was im Moment in der Aufklärer-Szene, wenn wir sie einmal so nennen wollen, am deutlichsten sichtbar ist, ist die mangelnde Fähigkeit des Perspektivwechsels bzw. einer umfassenderen integrativen Sicht durch Abstraktion von den eigenen Präferenzen und Fokuspunkten; und außerdem die fehlende Selbstreflexion und Relativierung des eigenen Standpunktes auf einer größeren Landkarte. Das liegt auch daran, dass natürlich gerade die emotional Hochmotivierten sich auf die Bühnen und Podien drängen und auf sich aufmerksam machen. Diese emotionale Motivation ist in dieser frühen Phase des Aufwachens noch ganz persönlich und idiosynkratisch gefärbt – auch wenn sie sich in das Gewand des Altruismus oder der sozialen Hingabe hüllt – aber gefüttert und gesteuert wird sie vom kollektiven, und das heißt mechanischen Aufwachprozess. Nur ihre einfärbende Verzerrung beruht auf einem ungelösten inneren Konflikt, der projektiv in die Außenwelt verlagert wird, um dann dort – vielleicht eine Tages – stellvertretend gelöst zu werden. Als Anführer oder Vorbilder sind die Protagonisten in dieser Phase wenig geeignet.

Ein typisches Merkmal dominant emotionaler und prä-rationaler Verarbeitung ist das Denken in einfachen Schubladen und Kategorien bis hinunter zur bloßen Schwarz-Weiß-Logik. Wenn jeder, der nicht meiner Ansichten ist oder andere Aspekte im Fokus hat als ich, gleich „zum Deep State“ gehört, „vom Verfassungsschutz gelenkt“ wird oder eine „kriminelle erpressbare Marionette“ sein muss, dann sagt das nichts über den anderen aus, aber viel über mich und meine Denkbeschränkungen. Was den neuen eifrigen Hobby-Kriminalisten entgeht, ist, dass fast alle Störungen, Unrichtigkeiten, Fehlinformationen, Irrmeinungen und Streitereien auf Mangel an Kompetenz beruhen und nicht auf der stets a-priori geargwöhnten bösen Agenda und Deep State-Kontrolle. Jeden Irrtum und jede Fehlinformation sofort als Lüge zu brandmarken ist vor allem ein Zeichen fehlender Differenzierung und Redlichkeit, denn der meiste Schwachsinn – und die sozialen Medien sind randvoll von Schwachsinn – ist gar keine Lüge, weil dafür zu wenig intentional und informiert. Wissens- und Verständnismangel dürfen nicht mit Bösartigkeit verwechselt werden.

Diese paranoide Denkweise beruht auf einer psychischen Wahrnehmungsverzerrung, die Intentionalität auf die Außenwelt projiziert, wo immer einem etwas nicht gefällt. D.h. man nimmt automatisch an, dass die anderen absichtlich und zielgerichtet handeln, weil man kein anderes Erklärungsmodell für ihr Verhalten parat hat – es fehlt an Menschenkenntnis. Die Anderen werden deshalb nicht bloß als anders (und vielleicht sogar interessant) betrachtet, sondern stets als „gegen mich“ oder „gegen die Wahrheit“, „gegen das Gute“, „gegen die Aufklärung“ oder gegen womit auch immer jemand sich ängstlich identifiziert.

Solche Weltanschauung entsteht auf der Grundlage unbewusster Ohnmachtsgefühle nach dem Prinzip: je ohnmächtiger ich mich fühle, desto mächtiger müssen wohl alle sein, die anders sind oder denken; je weniger ich das Verhalten anderer verstehen kann, desto gemeiner und gefährlicher müssen sie sein; und je weniger Sinn ich im Verhalten der anderen erkennen kann, desto zielgerichteter und gewollter muss es sein. Diese affektiv generierten Fehlattributionen führen dazu, dass immer drastischere Schuldvermutungen ausgesprochen werden, die Schwelle zur Verleumdung weit überschritten wird und die eigenen Angst-Fantasien als intuitive Wahrheitsschau umgedeutet werden. Immer wenn das Denken von Emotionen gesteuert wird, wird es flach, hyper-simplifiziert und kann nicht mehr unterscheiden zwischen Annahmen und Feststellungen. Man „weiß“ einfach, weil man ja starke Gefühle hat, und so kann man dem eigenen Unverständnis und der tatsächlichen Komplexität und Vielschichtigkeit anderer aus dem Weg gehen. Alles in eine Schublade und fertig. Die darunter liegende, unreflektierte Seite dieser massiven Wahrnehmungsverzerrung besteht aus Angst, Desorientierung und Ohnmacht, denen man sich jedoch noch nicht stellen kann.

Das Phänomen dieser Freund-oder-Feind-Denkweisen ist verständlich: nachdem wir jahrzehntelang nichts oder kaum etwas vom organisierten Deep State wussten und den größten Teil des öffentlichen Narrativs ungefragt akzeptierten, schwingt das Pendel nun ins Gegenextrem und wir glauben überall nur noch Deep State und Hochkriminelle zu sehen, sobald die kleinste Unstimmigkeit am Horizont auftaucht. Diese bipolare Reaktionsweise ist Teil der frühen Aufwachphase und ein typisches Symptom affektiv-emotionaler Dominanz des limbischen (Säugetier-) Teils unseres Gehirns über unsere kognitive Verarbeitung. Es ist aber definitiv kein Zeichen für situationsangemessenes Wahrnehmen und Denken.

Es ist auch noch kein Zeichen für eine integrative Haltung, wenn man Andersdenkenden den Dialog anbietet, dabei aber Bedingungen, Themen, Form und Ziel schon soweit vorgibt, dass es um nichts anderes geht als eine schwach verbrämte Unterwerfung des anderen unter die eigenen Dogmen. Die unnötige und irrige Vergrößerung der Gräben und Verschärfung der intellektuellen und sozialen Ächtung ist ja gar nicht gewollt, sondern bloß die traurige Nebenwirkung eines Machtkampfes, der die eigenen Unzulänglichkeiten, Zweifel und Beschränkungen verschleiern soll. Die Sache, für die die „Aufklärer“-Protagonisten einst in den Ring gestiegen sind, geht dabei allerdings hopps und mit ihr die Ideale, die Moral und die hohen Ziele, für die sie das Wort immer wieder ergreifen. Es ist weitaus schwieriger, Maßstäben gerecht zu werden als sie zu postulieren.

Aufwachen und menschliche Reife bedingen sich gegenseitig und beschränken sich gegenseitig. Diesbezüglich wird in den Rempel- und Rüpeleien zwischen den Kanal- und Chat-Häuptlingen für manchen stillen Indianer ersichtlich, dass die Sprinter der ersten Stunde im tatsächlichen Marathon des Aufwachens immer weiter ins Hintertreffen geraten und dass ihre PR-Abteilungen meist mehr Erwartungen schüren, als ihre Produktentwicklung erfüllen kann. Und sowohl Kunden- als auch Kunde-Orientierung werden dabei immer miserabler.

Denn das Prinzip der emotionalen Bipolarität und projektiven Konfliktauslagerung gilt auch für die Kommunikationsstile in diesen stammesartigen Auseinandersetzungen. Sie sind noch weit davon entfernt, gewaltfrei zu sein und jenseits konstruktiver Tendenzen. Sie sind noch nicht mehr als medial-publik ausgeführte Territorialkämpfe um die Meinungshoheit, als ob es darum ginge, einen einzigen Sieger auf den ersten Platz zu setzen. Auch darin zeigt sich die bipolare Pendelbewegung des Mittelhirns, das langsam aus der jahrzehntelangen Sedierung und Amnesie erwacht. In Ermangelung adäquater Ziele für die aufgestauten Aggressionen und Verteidigungsimpulse sucht es sich die erstbeste Figur, um eine Schießscheibe aus ihr zu machen. Dabei geht es weniger um das Ziel, sondern vor allem um das entgrenzte Schießen selbst. Man weiß aus Experimenten mit Tieren, dass sie nach einer gemeinsamen traumatischen Belastung anfangen sich selbst und gegenseitig zu beißen und anzunagen, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, die Traumabelastung auf gesunde Weise aus ihrem System zu lösen und abzuschütteln. Posttraumatische Belastung macht auto-aggressiv und antisozial. Wir Deutsche müssen da doppelt und dreifach behutsam sein, dass wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, weil bei den meisten von uns immer noch die Beißhemmungen in jede andere Richtung als gegen uns selbst und die unsrigen installiert sind.

Die größte Falle im Aufwachprozess ist stets, den eigenen Zustand nur noch in Bezug auf niedere Zustände zu betrachten und sich dadurch selbst schon am Ende der Reise zu glauben. Wenn dann das momentane Gemisch aus Traumbildern, post-komatösen Hormonresten und ihren stammhirngesteuerten Kampf-oder-Flucht-Impulsen mit Bruchstücken erster Realitätswahrnehmung zusammenfließt, entsteht jene schädliche Mischung aus Angst und Selbstüberschätzung, die die Psyche auf einer sehr subjektiven und idiosynkratisch verzerrten Stufe der Realitätswahrnehmung fixiert. Es ist dann nur eine Frage der Zeit bis die ursprünglich konstruktive, aufwachensorientierte Motivation kippt in einen Motor der Selbstverherrlichung und ein toxisches Amalgam aus einer sinnvollen sozialen Rolle und einem Identitätsgefühl, das davon abhängig wird, immer inflationärer (sprich: aufgeblasener) bestätigt und bewiesen zu werden. Kurz: man kann nicht mehr aufhören und fährt immer weiter in eine Sackgasse hinein, weil umkehren und wieder klein von vorne beginnen sich wie eine Niederlage anfühlen. Aus der Suche wurde dann eine Sucht und aus dem Bedürfnis etwas zu machen wurde ein Bedürfnis nach Macht. So wird der begonnene Aufwachprozess gestoppt und in einem recht frühen Stadium arretiert, von dem aus es dann nur noch und beschleunigend bergab geht – entwicklungspsychologisch betrachtet.

Aber wir dürfen auch nicht zu viel erwarten. Die Mitarbeiter des Abriss- und Ausgrabungsteams arbeiten nicht in der Konstruktions- und Aufbau-Branche. Es wird nur für manche schwer werden, aus dem Rausch der exponierten Total-Zerlegung und der täglichen Sensationsmeldungen wieder zurück zu finden in ein Leben mit normalisierten Adrenalinpegeln und weniger gebanntem Publikum. Es ist schwer, eine Rolle abzulegen, die einem soziale Wichtigkeit gegeben hat, vor allem, wenn man zwischen sich selbst und der Rolle nie wirklich zu unterscheiden gelernt hat und die funktionale Beteiligung am Weltgeschehen als persönlichen Kreuzzug oder als sozialen Ritterschlag missversteht.

All den Aufkläreren, die sich einig sind, dass sie die Rätsel und die verheimlichten Tatsachen dieser Welt wie ein Puzzle Teil für Teil zusammensetzen und dadurch erst entdecken müssen, übersehen durch die Bank, dass sie selbst in all dem auch („nur“) ein Puzzleteil sind, das ebenso eingebaut werden muss. Ihre Aufmerksamkeit ist aber so sehr von der Welt gebannt, dass sie keine Wahrnehmung für sich selbst, den Betrachtenden, Interpretierenden und Kommunizierenden haben. Ergo auch wenig Selbstreflexion, Selbstrelativierung und realistische Bescheidenheit. Diese Blindheit für sich selbst lässt links und rechts neben dem gewohnten Wahrnehmungskorridor riesige Schattenfelder ungesehen und ignoriert, in denen sich all jene eigenen Schwächen, Konflikte, Zweifel, Defizite und unverarbeiteten Gefühle sammeln, die nicht zum selbstgestrickten Ritter- und Retter-Kostüm der öffentlichen Rolle passen. Meine Großmutter hätte gesagt: denen ist ihr Erfolg zu Kopf gestiegen. Wobei man hinzufügen muss, dass kleinen Geistern auch kleine Erfolge schon sehr schnell über ihren Kopf hinauswachsen. Das führt zu einer Menge Selbstherrlichkeit auf Kosten von Selbstehrlichkeit.

Jeder von ihnen erfüllt eine wichtige Funktion im Gesamtprozess und auch das gegenseitige Abschlachten im Namen der eigenen intellektuellen Verabsolutierung wird per negativum seinen Dienst tun, aber eine menschliche Reifeprüfung bestehen nur sehr wenige von ihnen. So mancher hilft anderen zu größerer Freiheit ohne selbst frei zu sein oder zu werden.

Wir lernen gerade schmerzhaft, dass mediale Aufmerksamkeit und Multiplikation nichts mit Bedeutung und Wert zu tun haben. Das gilt auch für die neuen privaten Hobby-Nachrichtensender, die auf dem Boden allgemeiner Desorientierung und Auflösung alter Narrative hervorsprießen. Die Aufmerksamkeit von mehreren Zehntausend anonymen Zuschauern verführt so manchen dazu, sich weit aus dem Fensterrahmen seiner Kompetenzen zu lehnen. Da wollen plötzlich Menschen ohne entsprechende Vorbildung aufklären über Geschichte, Psychologie, die Philosophie von Gut und Böse, die Geheimnisse der Geopolitik, Militärstrategien, Gesundheit, mehrdimensionale Spiritualität und den Sinn des Lebens.

Faszination und Begeisterung aber sind kein Ersatz für ein intensives Studium, auch wenn sie sich zuweilen viel motivierender anfühlen, Proselyten der eigenen ungeprüften Entdeckungen von heute Morgen zu machen. Je mehr man weiß, desto schwieriger ist es zu teilen und desto schwerer wiegt das Verantwortungsgefühl – nicht so sehr gegenüber den Zuhörern und Mitlesern, als vielmehr gegenüber dem, was man weiß. Je mehr man versteht, desto stiller und wählerischer im Ausdruck wird man. Diese handliche Heuristik gibt Orientierung im Ansichten-Dschungel und wenn man auf Menschen trifft, die sich chronisch im Sendemodus zeigen.

Aber die Lauten und Sichtbarsten, die auf der Welle der Veränderung und Verunsicherung reiten, sind weder repräsentativ noch Vorbilder. Ihre wichtige Aufgabe ist es, einen Durchbruch durch die dicken Wände der Weltanschauungen, Tabus und Verblendungen der Menschen zu schlagen – jeder in einem etwas anderen Sektor der Gemeinschaft. Die Veränderungs- und Aufbauarbeit selbst findet immer im Stillen und Unsichtbaren statt, wo große Teams ungestört wirken können bis alles vorbereitet und fertig ist. Die provisorisch ausstaffierten neuen Trompeten- und Zeitungsträger dienen bis dahin dem Wachrütteln und als Magneten der Aufmerksamkeit, um den Rückfall ins komatöse Träumen und den Abstieg in blinde Angstreflexe zu verhindern. In einem kollektiven Prozess haben alle ihre Rolle und ihre Funktion, man kann nicht nicht Teil davon sein (auch wenn man es sich zuweilen wünscht).

Machen wir es nochmal deutlich mit Bezug auf all die Aufklärer-Stimmen und die Aufwach-Kampagnen: sich besser in der Matrix auszukennen, tiefere Geheimnisse innerhalb der Matrix aufzudecken, die Matrix-Ganoven von den Matrix-Ganoven-Opfern unterscheiden zu können oder neue Selbsthilfe- und Aktions-Gruppen in der Matrix zu organisieren ist alles schwer in Ordnung, aber all das bleibt innerhalb der Matrix. Es ist kein Erwachen und auch nur ein sehr relatives Aufwachen. Es ist nur der Übergang, ein Update von einer defizient gewordenen Matrix-Version zu einer neuen, in der man es vielleicht mal für ein paar hundert Jahre wieder „menschlicher“, d.h. freier und angenehmer hat. In der aber auch der Anreiz, aufzuwachen, zu erwachen, deutlich geringer ausfallen wird.

Wir sollten in diesen Zeiten mehr denn je noch alle freundlich zueinander sein und uns in Geduld, wiederholtem Perspektivwechsel und Bescheidenheit üben. Wir befinden uns alle im Aufwachraum und brauchen noch unentwegt sehr viel Hilfe von oben und untereinander – egal welche Funktion wir erfüllen. Die meisten allerdings noch ohne es zu wissen.

Zehn Kompetenzen für gemeinsamen Erfolg

Wer einen grundsätzlichen Überblick über die nötigen Funktionen von Unternehmungen oder Veränderungsprozessen haben möchte, der kann sich an der folgenden Liste von Kompetenzen orientieren, welche alle gebraucht werden, um ein Unterfangen erfolgreich zu machen. Jeder in einem Team, einem Unternehmen oder einer Bewegung hat andere Schwerpunkte und Stärken und erst in der vereinigenden Summe mehrerer Mitstreiter wird die Gesamtheit an Bedarf und Notwendigem abgedeckt.

Diese essentiellen Grundkompetenzen werden gebraucht und müssen sowohl vertreten sein als auch eingefordert und wertgeschätzt werden:

  1. Visionen und Überblick einbringen
  2. Initiieren und Ausführen
  3. Neue Ideen und Impulse haben und eingeben
  4. Neues prüfen und bewerten
  5. Meinungen formen und Standpunkte einnehmen
  6. Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen
  7. Fürsorge und Unterstützung für Gleichgesinnte/Mitstreiter
  8. Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen
  9. Wissen/Informationen und Bezug zu Bestehendem vergrößern/hinzufügen
  10. Selbst-/Innenreflexion und Kommunikation mit Außenstehenden

Die Liste ist so gestaltet, dass jede Kompetenz sowohl in ihrer eher maskulinen (aktiven, selbstbezogenen) als auch in ihrer eher femininen (reaktiven, außenbezogenen) Facette bezeichnet ist. Außerdem bilden die jeweils nacheinander genannten Kompetenzen (1-2, 3-4, 5-6, 7-8, 9-10) jeweils ein Polaritätspärchen, innerhalb dessen sie sich gegenseitig ergänzen und regulieren. 

Man kann mit dieser Liste so arbeiten, dass man sich in Bezug auf sich selbst und andere fragt, was ihre 3-4 hervorstechenden Kompetenzen sind und auch, welche Kompetenzen sie am wenigsten abdecken können. Man kann auch schauen, welche Kompetenzen in einer bestimmten Gruppe oder Bewegung besonders hervorgehoben und gelobt und welche marginalisiert, ignoriert oder sogar tabuisiert werden.

Alle diese zehn Kompetenzdimensionen sind gleichermaßen wichtig und werden gebraucht. Sobald auch nur eine davon fehlt, ist das Ziel einer Bewegung oder eines Unternehmens gefährdet. Wenn mehr als drei von ihnen fehlen, ist ihr Scheitern vorprogrammiert, egal welchen Illusionen sich die Teilnehmer hingeben.

Eine weitere Arbeitsweise mit dieser Liste ist es deshalb, zu jeder Kompetenzdimension einzutragen, wer sie am meisten vertritt und dann zu schauen, welche „überbesetzt“ und welche „unterbesetzt“ sind. Man kann auch prüfen, die Vertreter welcher Fähigkeiten mehr als andere ausgeschlossen, gemobbt oder als schwarze Schafe behandelt werden. Am schwersten haben es meist jene Mitstreiter, die in den Funktionen „Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen“ oder in „Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen“ stark sind. Denn die meisten Menschen gehen sowohl Konflikten als auch Zielsetzungen und damit dem Setzen von Maßstäben aus dem Weg, weil sie damit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und zu wenig Kompetenzen im Umgang mit ihnen haben. Statt nur die Konflikte zu meiden, meiden sie dann außerdem auch noch die Aufzeiger der Konflikte. Statt sich nur vor Maßstäben zu drücken, drücken sie sich dann auch vor denen, die Ziele setzen wollen und können. Oder sie bekämpfen sie sogar.

Für den Erfolg einer jeden Unternehmung ist jedoch das genaue Gegenteil elementar wichtig: dass gerade die Widerspruchs- und Konfliktaufdecker und die Ziel- und Maßstabssetzer eingebunden und gehegt werden, denn ohne sie rennt der Rest gegen Wände, verliert sich auf Holzwegen, in selbstverliebtem Getue oder zerfleischt und spaltet sich zunehmend ohne die wahren Beweggründe – nämlich meist Angst und Wut – anzuschauen.

Wenn man ein Team oder eine Bewegung ohne Zwang, Manipulation und Gewalt zusammenhalten und erfolgreich machen will, dann muss man diese Grundregeln beachten und für diese zehn Grundkompetenzen und ihre allgemeine und gleichverteilte Wertschätzung sorgen. Ansonsten stelle man sich auf Spaltung, wachsende Konflikte, viel Leid und Misserfolg ein.

Wir Deutsche haben diesbezüglich noch eine besonders große Menge zu lernen und einen immensen ungedeckten Bedarf an Vorbildern.

Hiermit beenden wir den zweiten Exkurs.

Die Notwendigkeit einer Aufwach-Betreuung

Jede Trennung tut weh. Aber keine Trennung versucht der Mensch mehr zu vermeiden als die Trennung von seinen Illusionen. Für sie ist er bereit, alles andere loszulassen oder sogar zu verleugnen, sogar sein Leben. Illusionen sind Schutzpflaster und Polster gegen psychische Überforderung und somit gegen den Schmerz der Desintegration. Dies bedeutet, dass der, der seine Illusionen ablegen will, zunächst ein stabiles alternatives Instrument zum Erhalt der eigenen Integrität und Intaktheit benötigt. Wer ohne Gerüst stehen will, braucht ein festes und verlässliches Fundament.

All dies sind Aspekte des Aufwachens. Kehren wir deshalb damit nochmal zur Allegorie des Aufwachraumes zurück.

Solange die sedierten Wesen nur in ihren Betten oder Höhlen vor sich hin schlafen und träumen, und von außen leicht zu lenken und zu führen sind, gibt es keine großen Probleme. Probleme entstehen jedoch dann, wenn die äußere Hilfe sich zurückzieht und die Komapatienten schlafwandlerisch werden, aus ihren Betten aufstehen und – immer noch völlig gefangen in ihren Traumbildern – der technischen Einrichtung des Aufwachraumes und vor allem anderen Komatösen begegnen.

Da sie kein dreidimensionales Bewusstsein haben, können sie sich nicht angemessen orientieren und es ist nur eine Frage der Zeit bis Chaos, Gewalt und Panik ausbrechen. Diese finden real statt, werden aber innerhalb der Traumzustände unterschiedlich übersetzt. Der eine erlebt den Weltuntergang, ein anderer rettet sich in eine immer engere Schleife dissoziativ-autistischer Vermeidungs- und Routinebilder und wieder ein anderer flüchtet sich in immer größenwahnsinnigere Macht- und Kontrollfantasien, die er als destruktive Herrschaft über alle und alles zusammenbastelt. Wohlgemerkt, all dieses findet auf der Traumebene statt, während im abgedunkelten Aufwachraum zunehmendes Durcheinander herrscht und immer mehr Unfälle und Ausfälle geschehen.

Irgendwann muss dann das betreuende Personal einschreiten. Es hat zwei Dinge zu tun: die Komatösen zu beruhigen und dann möglichst viele so aufzuwecken und ins 3D-Bewusstsein zu holen, dass sie sich selbständig orientieren und eines Tages vielleicht sogar mithelfen können.

Das ist der wirkliche und reale Kampf gegen den Deep State. Es ist nicht ein Kampf von Traumfiguren gegen andere Traumfiguren.

Wir können an dieser sehr dienlichen Metapher auch erkennen, warum die wachen Kräfte (High State) die exzentrischen Schlafwandler (im „Deep State“) nicht im Geringsten zu fürchten, ja nicht einmal als Gegner zu sehen haben. Es müssen Dinge aus- und durchgeführt werden und sie benötigen Konzentration, Ausdauer und Wissen, wie es geht und was zu beachten ist. Aber die Komatösen stellen dabei keine aktive Bedrohung dar. Wenn das Personal weiß, was zu tun ist und den Anforderungen „von oben“ folgt, dann „kann nichts aufhalten, was kommt“ und kommen soll. Ein ganz gewöhnlicher Routinetag im kosmischen Gesundheitszentrum.

„Bitte bleiben sie ruhig, es ist alles in Ordnung. Wir klären Sie Schritt für Schritt über Ihren Zustand und die nächsten Schritte auf. Sie können nun beginnen, Ihre Augen zu öffnen. Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich bei uns, wir sind jederzeit für Sie da. Es läuft alles nach Plan, es gab keine Komplikationen und Sie sind auf dem besten Wege. Das Q-Team freut sich, Sie bald schon auf der Dachterrasse begrüßen zu dürfen, von wo wir einen sehr schönen Ausblick haben werden.“

Ein interessanter Aspekt des Komazustandes sei noch erwähnt bevor wir diese Allegorie hinter uns lassen, weil wir auf ihn später nochmal in Übertragung auf die aktuelle Situation der Menschheit zurückkommen werden. Je geringer der Einfluss der wachen Kräfte auf die Komatösen ist, also je weniger Steuerung und Regulation von außen übernommen werden, desto tiefer gleiten sowohl die Träume als auch das somnambule Verhalten der Anästhesierten ins Skurrile, Bizarre und Destruktive ab. Die Tendenz von nicht-betreutem, im Stich gelassenen Koma- oder Tiefschlafbewusstsein ist stets Sodom und Gomorrha. Der Grund dafür liegt darin, dass in diesem Zustand die ordnenden und strukturierenden Kräfte noch gar nicht oder zu schwach zugänglich sind und dass es noch keine Verarbeitungsmöglichkeit für Zusammenhänge und grundlegend vorhandene Gesetzmäßigkeiten gibt. Philosophisch gesprochen ist der Geist zu weit entfernt vom Körper, und Körper ohne Geist verfügt über keinen inneren (Zusammen) Halt und neigt deshalb ständig zu immer weiterem Zerfall und Verfall, also zur Formlosigkeit. Das gilt ebenso für die Psyche, die ein Körper-Geist-Phänomen ist.

Deshalb driften Träume und Träumer ohne äußere und höher geordnete Hilfe stets in Angst-, Gewalt- und Untergangsszenarien ab. Das Paradies ist nur als Zustand perfekter Ordnung zu verstehen. Außerhalb davon ist noch nicht alles in Ordnung.

3. Exkurs: Satanismus als Absturz in Bewusstlosigkeit

Noch ein Exkurs? Also gut, noch ein Exkurs.

So wie man in der Aufklärer-Szene als „Deep-State-Marionette“ beschimpft werden kann, wenn man eine abweichende Ansicht hat oder eine Bewegung macht, die unter den Hobby-Kriminalisten als Geheimzeichen identifiziert wurde, so kann man auch als „Satanist“, „reptiloid“ oder als „Dämon“ stigmatisiert werden. Man ist allseits bereit, alles zu kritisieren und zu entrümpeln, nur nicht das eigene Denken. Auch vor der Entmenschlichung macht man nicht Halt, damit den magischen Fluch über die identifizierten Bösewichter aussprechen und sie aus der Gemeinschaft der Menschen ausschließen kann. Man will sie vor allem entrechten und sich davon entlasten, zuhören und genauer hinsehen zu müssen.

Lassen wir die angstgeladenen Begründungen, die naiven Prämissen und die miserable intellektuelle Argumentation, in denen Fiktion, Annahmen und Beurteilungen bunt durcheinander geworfen und verwechselt werden, hier jetzt einmal beiseite und wenden uns einem viel interessanterem und grundlegenderem Missverständnis in Bezug auf Satanismus und die Funktionsweise des organisierten Deep States zu.

Nochmal zur Begriffsklärung: „Satanisch“ ist die Bezeichnung für die Verbindung von basalen destruktiven Kräften mit der Absicht, Leben, vor allem menschliches Leben und alles was dazu gehört, zu zerstören. Das ist also die maximale Steigerung von Kriminalität, weil sie sich gegen das kosmisch höchste Gut richtet: gegen Lebendigkeit und gegen das Leben selbst. Metaphysischer formuliert ist es die vollständig antagonistische Kraft zu den schöpferischen, verlebendigenden Kräften. Satan – als dieses antagonistische Prinzip betrachtet – ist somit auch die Steigerung vom Diabolus, dem „der alles durcheinander wirft“. Ein weiterer Hinweis, dass es sich um Kräfte handelt, die sich gegen Ordnung, gegen jede Ordnung richten.

Diese Kräfte zerstören Ordnung, sie können aber keine schaffen oder erhalten. Es ist deshalb einer der irreführendsten Denkschablonen, den Deep State für eine eigenständig errichtete Ordnung mit hochentwickelter Steuerung zu halten. Steuerung ist nur durch Ordnung möglich. Macht auf andere muss nicht durch Steuerung wirken, es gibt viele andere Wege der Beeinflussung und Kontrolle. Wir müssen diesbezüglich unsere Landkarten erweitern und genauer hinschauen lernen. Systeme und Strukturen können auf Macht basieren und absolut berechenbar funktionieren ohne dass es einen Steuermann oder überhaupt einen top-down-Einfluss gibt. Alle infra-computationalen Maschinen und Mechaniken sind ein gutes Beispiel dafür. Und Menschen können eben auch „einfach nur funktionieren“, ohne dass es eine steuernde Einheit in ihnen gibt. das ist gruselig, aber verifizierbar und häufig.

Luzifer, Diabolus und Satan – diese drei Steigerungsformen ordnungs-aversiver Zerstörung können niemals steuern, sondern nur manipulieren, unterwandern, infiltrieren und missbrauchen. Sie können nur bestehende, von schöpferischen Kräften errichtete Strukturen und Hierarchien benutzen, um sich wie ein Parasit über seinen Wirt auszubreiten und wirksam zu werden. Deshalb auch die Verkehrung der Logen, Geheimbünde und elitären Klubs von ursprünglich wohlmeinenden in zerstörerische Organisationen. Deshalb auch die Verdrehung bestehender Symbole in eine fragmentierte, isolierte und lebensfeindliche Bedeutung (z.B. die „666“, der Widderkopf, der gedrehten Venusstern, das Swastika usw.).

Wichtig ist: satanische Kräfte und dergleichen steuern nichts und niemanden, weil sie das nicht können. Der Deep State als planetenweites Spinnennetz der Kontrolle (!) über beinahe alle menschlichen Organisationen und Institutionen funktioniert(e) nicht deshalb, weil er eine ausgeklügelt aufgebaute, disziplinierte Kommando- und Loyalitätsstruktur ist, sondern weil er auf einer Störung der menschlichen Psyche beruht, die das Bewusstsein herunter reduziert auf ein Niveau, das nur noch mechanisch wie ein Uhrwerk funktioniert.

Dieser extrem herabgesetzte Dämmer-Zustand erzeugt in der menschlichen Psyche einen analogen „Deep State“-Zustand der totalen Un- und Anti-Ordnung: eine Zustand der Ich-Losigkeit, d.h. fehlender Einheit und Steuerung, so dass der Mensch nur noch roboterhafte Hülle ist, die durch einfache Mechanismen von Angst, Belohnung, Bestrafung und Suchtverhalten lenkbar ist. Deshalb die Hinweise für Insider: „These people are sick“ und: „These people are stupid“. Krank und dumm – das ist in Kurzform die satanische Richtung.

Aber – und diese Logik ist für die meisten ungewohnt: die fremdgesteuerten Roboter werden von einem ebenso fremdgesteuerten System gelenkt. Und das fremdgesteuerte System wird gesteuert von… von was? Von nichts. Es ist die Abwesenheit von Ordnung und Steuerung. Satanisch heißt also: es gibt Gesteuerte und Gelenkte, jedoch keine Steuernden und keinen Lenker. Das ist das Böse. Und das ist es, dem wir es nicht wagen oder nicht fähig sind in die Augen zu sehen: der Abwesenheit von Geist, der Leere.

Lieber glauben wir an die „Erlösung von dem Bösen“ durch das Umnieten von Schießfiguren… und die Drähte der Wettbüros laufen heiß. Ja, wir bevorzugen diese Kinder-Version mit einem oder ein paar Erzschurken, die von amerikanischen Spezialeinheiten über Nacht auf ihrer jährlichen Version von Weihnachtsfeier entfernt werden. Und das, obwohl uns gesagt wurde, dass damit noch gar nichts wirklich verändert wurde; dass „das Böse überall ist“. Nicht „an vielen Orten“, nein, überall! Haben wir das verstanden? Das, was überall ist, ist das Kranke, das Dumme, das Anti-Bewusste. Es steuert nicht, es reduziert nur auf das tiefste Niveau von Funktion und Mechanik. Am Ende dieser Kette sind Steine und das ewige Eis. Satan steht nicht im Feuer, sondern im leblosen Eis (siehe Dantes Hölle).

Also, das gilt es zu verstehen: es gibt keinen Club der Bösewicht-Elite, der all die Maschinen-Wesen lenkt. Es gibt keinen Super-Ober-Bösewicht, der über all dem steht und es an seinen Strippen hält bis James Bond kommt und ihn umlegt. Die Idee von „Satan“ ist nicht die eines Wesens, sondern die eines metaphysischen Prinzips: nämlich des Prinzips der alles verschlingenden und zerstörenden Leere.

Sauron ist kein jemand, sondern ein schwarzes Loch, ein Vakuum (in der letzten Hobbit-Verfilmung ist es bildlich gut dargestellt). Es ist das Nichts in der Unendlichen Geschichte, das alles Bewusstsein, alle Erinnerung und damit alles Innere, sprich die individuelle Psyche auffrisst. Deshalb ist die Zahl des Teufels die Zwei, weil das Dritte, das übergeordnete, verbindende und steuernde Element in ihr fehlt, es ist der reine Antagonismus gegen das Leben ohne Geist, ohne Sinn, ohne Ziel und ohne Bezug zu etwas. Es ist Bezugslosigkeit, die Vernichtung von Bezug.

Wie aber bekämpft man das Nichts? Wie bekämpft man etwas, das nicht real existiert, sondern sich nur in der Entfernung und Abnahme von der Realität auswirkt? Wie bekämpft man Mangel an Bewusstheit? Die Antwort lautet: indem man sich nicht in einen Kampf hineinziehen lässt. „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft“ (Sun-Tsu). Ich habe darauf schon an anderer Stelle hingewiesen: es ist ein Krieg, der nur durch das Beenden des Krieges an sich zu besiegen ist (Der Krieg, den wir besiegen müssen).

Das Nichts wird niemals „verschwinden“ – weil es nichts weiter ist als die Rückseite des Etwas. „Satan“ ist jene andere Seite, die es immer geben muss, solange es Bewusstsein gibt, denn dann gibt es auch Unbewusstsein und die Kräfte, die wie eine Schwerkraft in die Bewusstlosigkeit zurück ziehen. „Satan“, das „Nichts“, der „Widersacher der Schöpfung“ – wie auch immer wir diesen Ur-Gegenpol nennen wollen, er wird nur dadurch entkräftet und „in Schach gehalten“, dass Bewusstsein mehr und stärker wird – sich also intensiviert. Nicht gegen ihn, sondern trotz seiner und durch ihn. Polaritäten lassen sich nicht auslöschen, nur ins Gleichgewicht bringen und zu einer höheren Ausdrucksform ihrer Einheit steigern.

Der Drache wird niemals getötet (wer hat diese Geschichte erfunden?), sondern nur an die Leine gelegt, gezähmt oder in einen Berg eingesperrt und bewacht. Drachen, die getötet werden können, sind keine echten Drachen. Denn „echte Drachen“ gibt es real nicht. Wie kann man etwas töten, das es nicht real gibt?

Nun können wir vielleicht besser verstehen, warum mit der Zunahme von Satanischem, von Angst, Korruption, Unterdrückung und Lebenszerstörung die Steuerung proportional abnimmt. Das graue Netz des Deep States ist ohne Steuermann und ohne Kopf. Es kann manipulieren, spalten, fragmentieren, zersetzen und deformieren, aber nicht erschaffen, nicht steuern.

Warum funktioniert dieses scheinbar so gut organisierte „System“ (es ist kein System, sondern nur eine Mechanik!) bis zum hinterletzten Dorfpolizisten, bis zum unwichtigsten Verwaltungs- und Bankangestellten, bis in die Klassenzimmer, wo Lehrer ja gar nicht mehr konkret kontrolliert werden? Weil jeder Einzelne täglich gesteuert und koordiniert wird? Warum wurde es stärker, je mehr Massenmedien und Kommunikationstechnik zur breiten Verfügung standen? Weil es auf einer mentalen Konfiguration oder besser einer mentalen Diskonfiguration beruht, und eben nicht auf Steuerung.

Die Marionetten des organisierten Deep States funktionieren nicht aufgrund einer übergeordneten Lenkung (top-down), sondern aufgrund einer untergeordneten Fehlfunktion und Krankheit (bottom-up), die jede gesunde Ordnung unterwandert. Dieses Unterwandern jeder lebendigen und gesunden Ordnung ist ihre Logik, auf die Verlass ist, wenn eine Psyche einmal weit genug zerrüttet und fragmentiert wurde, so dass sie von sich aus destruktiv funktioniert. Die „Deep State“-Strukturen arbeiten deshalb höchstens mit Kontrolle durch Angst und Druck, weil Angst diese psychische und systemische Unterwanderung hervorbringt und antreibt.

Ernähren tun sich diese parasitären Strukturen jedoch nur von bestehender Ordnung (die sie zerlegen, aber nicht durch eine neue ersetzen) und von Lebendigkeit. Das ist ihre Grundlage, ohne sie funktionieren sie gar nicht. Am Ende steht die totale Unordnung (das Dia-bolische), das Chaos. Wer dem „Deep State“ gegenüber steht, steht dem zunehmenden Chaos und Chaoten gegenüber. Man entziehe ihnen die Möglichkeit, Unordnung zu stiften und lebendige Strukturen oder geistige Errungenschaften zu zerstören und sie verwandeln sich in schreiende, stampfende und fuchtelnde, armselige und hohle Geschöpfe, mit denen man nichts anfangen kann.

In dem Maße, in dem wir also Chaos stiften oder destruktiv gegen Lebendiges agieren, unterliegen wir dem satanischen Prinzip und tragen ein Stück „Deep State“ in uns: einen dunklen Winkel in unserem Bewusstsein, aus dem heraus Kräfte wirken, die wir noch nicht integriert haben. Niemand tut dies „absichtlich“. Niemand entscheidet sich willentlich, satanisch zu werden. Vorher muss etwas mit Gewalt gebrochen werden, denn der Abstieg oder Absturz ins Destruktive ist ein Zwang, eine mechanische Gesetzmäßigkeit, die sich vor allem durch den Mangel an Wille und Willenskraft auszeichnet.

Im Sozialen und in unserem sozialen Alltagsbewusstsein hören wir das gar nicht gern und wollen es auch nicht wahr haben. Denn wir möchten jemanden schuldig sprechen und zur Verantwortung ziehen. Zumindest behaupten wir das. In Wirklichkeit wollen wie jemanden bestrafen und etwas rächen. Oder milder ausgedrückt: wir wollen, dass etwas „wieder gut gemacht wird“, dass etwas ins Gleichgewicht kommt. Deshalb wollen wir, dass etwas gesühnt wird. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Biologisch ist das richtig und notwendig, aber psychologisch wird so kein Schuh draus, denn das Gleichgewicht ist psychisch und noch mehr geistig nur dadurch wiederherzustellen, dass wir dem Satanischen eine überlegene Macht entgegensetzen, um es auszubalancieren.

Diese überlegene Macht ist Bewusstsein. Die notwendige Wiedergutmachung, die wir also eigentlich brauchen, ist nicht alttestamentarische Bestrafung und physische Ausrottung, sondern Überwindung und die Erschaffung von mehr Bewusstheit. Das ist der Kern des Neuen Testaments: aufwachen, wach bleiben, erkennen und benennen. Licht auf unsere blinden Flecken und unser unbewusstes Funktionieren und Reagieren werfen; so leuchten, dass die Flüsse schöpferischer Kräfte sichtbarer und breiter werden.

Aber das ist anstrengender und ein langer Weg…

Abschluss von Teil I

Schließen wir jetzt das Thema Aufwachen ab, indem wir den Bogen nochmal zurück zu unserer Ausgangs-Allegorie des Aufwachraums spannen. Das Erwachen der Patienten stellt den Prozess eines Bewusstseinswechsels dar von einer geringen Bewusstseins-Intensität zu einer höheren. Dabei durchläuft er verschiedene Stadien vom Tiefschlaf über die Traumphase zum halbwachen Dämmerzustand, der schließlich übergehen könnte in ein immer wacheres und genaueres Wahrnehmen der Realität um ihn herum und dadurch auch seiner selbst.

Was heißt „wacher“? Es bedeutet: umfassender, differenzierter, präziser und vor allem zusammenhängender in der Wahrnehmung.

Die Aufwachstufen erinnern nicht nur an die Wachstumsphasen eines Kindes vom unbewussten Embryo über den Fötus zum Neugeborenen („Aufgewachten“), das sich erst langsam in seiner Wahrnehmung der Welt entwickelt. Sie erinnern auch an die Bewusstseinskonfigurationen, die den Kulturepochen der Menschheit zu Grunde liegen. Die urzeitlichen archaischen Zustände ohne Ich- und Trennungsbewusstsein. Dann die naturverschmolzenen Stammeskulturen, die schon ein erstes Bewusstsein für unterschiedliche Wirkebenen hatten, die sie in Ritualen imitierten und nacherlebten. Ihr folgten die Epochen eines intensivierten Bewusstseins mit einer verstärkten Differenzierung zwischen „Wir“-Identität einerseits und Natur und Welt andererseits, das sich in matriarchalen, kreisbezogenen Strukturen ausdrückte und organisierte. Das vormals rein körperlich-instinktive Erleben von „Selbst“ wurde in dieser Phase differenzierter durch die Ergänzung von emotional-intuitivem Erleben, das sich in einheitsschaffenden Mythen, zeitlosen Erzählungen und ambivalenten (doppeldeutigen) Symbolen ausdrückte.

Auf diese Phase folgte die Intensivierung menschlichen Bewusstseins durch das mentale Element: das zielgerichtete Planen, Analysieren und das rationale, kausale Denken, durch das auch die zusätzlich Abgrenzung vom einzelnen „Ich“ gegenüber der Gruppe entstand. Dadurch wurde das matriarchale Prinzip vom patriarchalen, Gesetzes- und Schrift-bezogenen abgelöst. Diese Phase, die etwa mit den griechischen Philosophen begann, steigerte sich über 2500 Jahre (bisheriges Narrativ, wahrscheinlich richtiger ist: 1500 Jahre) bis zu dem einseitigen, technologischen und materialistischen Rationalismus, dessen verzerrteste Fratzen wir seit dem letzten Jahrhundert erkennen können.

Jedem Übergang in eine neue Bewusstseinsintensität geht eine Leidensphase der Erschöpfung und Ausweglosigkeit innerhalb der bestehenden Bewusstseinsstufen und ihrer Modalitäten voraus. Es ist wie bei einer Geburt: das Baby wird nicht geboren, weil es sich wünscht, jetzt endlich auf die Welt zu kommen (von der es gar nichts weiß und gar nichts wissen kann), sondern weil es im Mutterbauch zu eng wird und nicht mehr auszuhalten ist.

Wir erleben aktuell die Zuspitzung dieser Übergangsphase bis an die Grenzen des Aushaltbaren. Die extremisierten und gleichzeitig überforderten bisherigen Möglichkeiten, Werkzeuge und Lösungsansätze des rein Mentalen, sind der Welt, in der wir mittlerweile leben, nicht mehr gewachsen. In ihrer Verbohrtheit und hilflosen Ausweglosigkeit sind sie verzweifelt und fanatisch geworden.

Was wir aber auch noch mit uns „mitschleppen“ sind Menschen und ihre Subkulturen, die noch in den frühen archaischen und primitiven Bewusstseinsstrukturen „hängen“ – und zwar in ihren extremisierten, überforderten und schädlichsten Formen.

Die schwierige Aufgabe jeder Bewusstseinssteigerung und jeder neuen Kultur ist es, zum einen alle früheren Entwicklungsstufen zu umfassen und konstruktiv in sich einzubinden und zum anderen dafür auch die Verletzungen und Erkrankungen der niedergehenden, defizienten Kultur zu heilen.

Die Herausforderung höherer Integration

Je mehr sich die Intensität von Bewusstsein steigert, desto integrativer kann es sein, aber desto fragiler wird es auch. Denn je mehr der Mensch sich in seiner Selbst-Bewusstwerdung aus der Einheit mit und der Teilhabe an der Natur herauslöst, desto mehr muss er auch Selbst-Verantwortung übernehmen für sein Dasein und Wirken. Wie bei allen Unternehmungen gilt auch in der Welt der Bewusstseinssteigerung die Regel: je höher der Einsatz, desto höher der mögliche Gewinn, aber desto höher auch das Risiko. In der spirituellen Akrobatik wächst das Verletzungsrisiko mit jeder neuen, riskanteren Figur.

Es gibt dabei gerade in den Übergangsphasen zu einem intensivierten Bewusstsein wie der gegenwärtigen zwei Fehler, zu denen die menschliche Psyche neigt: sie möchte sich in Sicherheit bringen vor den anstehenden Anforderungen und zieht sich auf frühere Bewusstseinsstadien zurück – d.h. sie schläft ein, verdämmert sich und reduziert die Selbst- und Weltwahrnehmung zur eigenen Entlastung. Der Preis für diese Selbstvernebelung ist wachsende Überforderung durch die Welt, die dadurch ja nicht einfacher wird und schließlich zu einer Überwältigung und Terrorisierung wird durch immer mehr agitierte und unbeherrschte Mechanismen (siehe das Jahr 2020). So verständlich der Wunsch nach Rückkehr zu geborgeneren, einfacheren und verantwortungsloseren Zuständen mystischer Natureingebundenheit, intuitiver Emotionalität oder kollektiver Selbstauflösung auch ist, er ist nur in künstlich erzeugten Subwelten und „Kult-Szenen“ möglich und verhindert in seiner Rückwärtsgewandtheit die geistige Entwicklung.

Der andere Fehler aus der Not der zunehmenden Überforderung in einer defizient werdenden Bewusstseinsstruktur ist die Fragmentierung und Abspaltung der verschiedenen Bewusstseinsstufen in getrennte Erfahrungswelten. Dann bauen sie nicht mehr aufeinander auf und verbinden sich zu einer vielfältigen Wahrnehmung des Ganzen, sondern erzeugen den Eindruck einer undurchdringlichen Vielfältigkeit, die Angst macht. Durch diese Desintegration des Bewusstseins und der Weltwahrnehmung entstehen Einseitigkeit und als Reaktion auf die zunehmend bedrohliche Überforderung immer rigidere Intoleranz und fanatischer Starrsinn.  

Letztere Reaktion auf den Stress einer nicht mehr zu bewältigenden Komplexität führt z.B. dazu, dass ein Teil des Lebens oder ein Bereich einer Kultur nur mit enger, analytischer Rationalität bewältigt wird (z.B. Wissenschaft) und ein anderer Bereich mit naiv-impressionistischer Emotionalität, die ins Sentimentale kippt. Die Wirkung der Medien, angefangen vom Fernsehen bis zu den flackernden Bilder- und Video-Landschaften der asozialen Netzwerke sind zwar eine Errungenschaft rationaler Ingenieurs- und IT-Künste, werden aber überwiegend zur Erzeugung prä-rationaler, pseudo-mythischer Auflösungs-Zustände und basale Instinktbedürfnisse nach Tranceinduktion und affektiver symbolischer Gruppenzugehörigkeit benutzt. Voilà, eine desintegrierende Kultur!

Ein anderes Beispiel sind jene emotionslastigen, intuitiv-reaktiven Subkulturen, die seit Jahrzehnten überall im Vormarsch sind und die alles Rationale und Verstandesorientierte, jede Begriffsbildung, jede kritische Selbstreflexion, jeden intellektuell scharfkantigen Diskurs pauschal als schädlich und „falsch“ verteufeln und ausklammern, weil sie keine Verbindung zwischen ihrer Gefühlswelt mit ihren monopolaren Selbst-Bildern und dem begrifflich-analytischen Bewusstsein herstellen können. Letzteres macht ihnen Angst, weil sie in jeder denkenden, begrifflichen Auseinandersetzung nur die wörtliche Auseinander-Setzung, einen Zerfall und damit die Bedrohung ihrer gewohnten Kohärenz sehen. Mit dem emotionalen Bewusstsein kann man nämlich viel leichter Unbequemes, Schwieriges oder Komplexes ausblenden oder überblenden. Der Verstand ist da viel weniger manipulierbar und korrumpierbar. Sie kämpfen also mit allen Mitteln des reaktiv-emotionalen Bewusstseins für einen Erhalt des schwammigen „Wir“-Gefühls und gegen jegliche begriffliche Festlegung, auch wenn sie dafür gegen ihren eigenen Vorstellungen und ihr Gerechtigkeits-Gefühl agieren müssen, immer radikaler werden und physische Gewalt anwenden müssen, um die Stimmen des Verstandes mundtot zu bekommen.

Die Lösung für diese Probleme liegt in der Anstrengung zur Integration, also zur Entwicklung eines Bewusstseins, das alle vorhergehenden Bewusstseinsstufen umfasst und so überblickt, dass es als Ganzes und in sich Vollständiges wahrgenommen wird, nicht als bedrohliche Zerstückelung. Basal-instinktive Mechanismen werden durch emotional-soziales Bewusstsein integriert, emotionale Impulse werden durch kognitive Landschaften und Begriffsbildung integriert und die rational zerlegende Analytik wird durch die Fähigkeit zum synthetisierenden, inklusiven Verstehen integriert, welches somit alle minderkomplexen Erfahrungswelten überblickt und in ihrer Ganzheit erfassen kann.

Dies ist die Bewusstseinsintensität, die uns nun kulturell und planetenweit zu verwirklichen bevorsteht.

Teil II: Bausteine für eine neue Kultur

Einzelne Menschen erwachen seit es Menschen gibt.

Sie erwachen stets trotz und entgegen der Kultur und dem Zeitgeist, in dem sie leben. Einige von ihnen werden dann zu Leuchttürmen für ihre Zeitgenossen oder für spätere Generationen, weil sie von einem Standpunkt außerhalb der zeitgenössischen Paradigmen und geläufigen Denkschablonen sehen und agieren können. Sie schaffen dann manchmal Werke, die für ihre Zeitgenossen noch nicht verständlich, zumindest rätselhaft, und von ihnen meist sogar als bedrohlich und gefährlich empfunden werden – weil sie etwas zum Ausdruck bringen, das den Menschen vor Augen (oder Ohren) führt, dass es jenseits der Welt ihres Bewusstseins Leben gibt, bewusstes Leben. Dieses ultimativ Fremde und Unbegreifbare, weil jenseits des eigenen Vorstellungsvermögens Liegende, ist den Menschen unheimlich und angsteinflößend. Daher tritt es meist verkleidet und maskiert auf, um weniger zu schrecken und nur noch von ähnlich erhobenen Geistern erkannt zu werden.

Es sind diese Menschen erhobenen Bewusstseins, die Kulturen prägen und verändern. In herausragenden Fällen sogar gänzlich neue Kulturen hervorbringen und den Samen zu einer neuen Zivilisation legen. Das ist nur möglich von Bewusstseinsebenen aus, die weit oberhalb und außerhalb fixierter Funktions- und Ausdrucksweisen liegen und in den grundsätzlichen, transpersonalen Gefilden von geistigen Gesetzen und zeitlosen Prinzipien verankert sind.

Ohne diese Leuchttürme und Samensetzer würde es nicht nur völligen kulturellen Stillstand ohne Erneuerungen und Entwicklungen geben, sondern sogar nur noch stetigen Abstieg in immer desorganisiertere, desorientiertere und regressivere Zustände bis hin zu Auflösung jeglicher Kultur. Keine Epoche hat das deutlicher erfahren als die unsrige der letzten 150 Jahre. Das Ergebnis ist offensichtlich.

Die gegenwärtig laut und deutlich endende Kulturepoche, die wir als die „Rational-Technologische“ bezeichnen können, hat in ihrem letzen Viertel, also in den letzten 150 Jahren, ihr letztes Lebensstadium durchlebt, das für jede Kulturepoche gekennzeichnet ist durch die eskalierende Übertreibung ihrer Hauptmerkmale und Errungenschaften bis zur Degeneration und Selbstauflösung durch nicht mehr lebensfähige Einseitigkeit und sackgassenartige Fixierungen.

Die Entdeckung der Raumperspektive um den Beginn des 15. Jahrhunderts herum führte zu einer „Eroberung des Raumes“ und einer zunehmenden allgemeinen Bewusstheit der dritten Dimension. Daraus erwuchs mit der Zeit ein neues Selbstverständnis des Menschen vom mittelalterlichen Teilhaber an einem mystischen Großen und Ganzen hin zum Gestalter der Raum- und Objektwelt, der er sich selbst gegenüber gestellt sah. Vom Erkennen der Zentralperspektive über das technische Zeichnen begann sich das Vorstellungsvermögen der Menschen mehr und mehr im Dreidimensionalen zu schulen, wodurch die Entwicklung von komplexeren Geräten und Maschinen möglich wurde. Mit der wachsenden Begeisterung für die Eingriffs- und Veränderungsmöglichkeiten in der Welt der Materie und Objekte schwand das Verständnis des unterlegenen und leicht verwundbaren, nur von himmlischen (d.h. mysteriösen, undurchschaubaren) Kräften zu beschützenden und zu lenkenden Menschen. Der Mensch war immer weniger der Natur und ihren Kräften ausgeliefert, sondern begann mehr und mehr, die Natur planvoll und zweckmäßig für sich zu nutzen und zu gestalten. Dafür waren der analytische Verstand und das drei- schließlich vierdimensionale Vorstellungsvermögen die wichtigsten Eigenschaften. Die sichtbaren und offensichtlichen Erfolge der wachsenden Verstandes-Kultur und ihrer Technologie führten zu einer Überhöhung dieser menschlichen Fähigkeit, die sich irgendwann über das gesunde Maß von Harmonie und Relation mit den anderen Kräften wie z.B. dem Fühlen und dem Sinn für Ästhetik und Ethik, hinaus steigerten und zu Überschätzung, Übertreibung und Desintegration führten.

Der technologische Verstand und der Erfindungswille begannen aus dieser Maßlosigkeit heraus, sich zu verselbständigen. Da es keine Philosophie und keine Kultur gab, die ihnen Grenzen setzen und Einhalt gebieten konnten, setzte sich eben dieser technologische, kontrollorientierte Verstand durch und schwang sich auf zum neuen Richtungsgeber für alle Angelegenheiten der Kultur. Dem war er natürlich nicht gewachsen, denn trotz aller Versuche von rationaler Philosophie, dann Soziologie und Psychologie schaffte er es – bis heute – nicht, das menschliche Bewusstsein in seinem Wesen, in seinen Bedürfnissen und mit seinen Kräften zu erfassen. Wie auch, da er selbst ja nur ein kleiner Teil davon ist?

Halb aus blinder Unwissenheit, halb aus Kontrollwahn kippte diese Situation etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dann vollends in einen Kampf des immer engeren, vom Leben abgeschnürten analytischen Verstandes gegen alle anderen Merkmale des Menschseins, die er nicht quantitativ und berechnend erfassen konnte. Die Überbewertung des logisch-analytischen Verstandes hatte dazu geführt, dass Menschen sich berechtigt fühlten, ihn gegen alle anderen Wesensmerkmale des Menschen ins Feld zu führen, denn nur so konnte die Illusion seiner Überlegenheit aufrecht erhalten werden. Er hätte sich sonst unterordnen müssen und das hätte zu einer großen Desorientierung geführt, denn es fehlte an durchsetzungsstarken alternativen integrativen Kräften. Die Geister der Romantik hatten sie schon entdeckt, benannt und eingefordert, aber sie hatten noch nicht genug Kraft gegen die schon Jahrhunderte lang aufgebaute Stoßkraft der rationalen Selbstüberschätzung.

Aus der Haltung des fanatischen Rationalismus heraus entstanden die Ideen des Darwinismus, die Ideologien und später die grauenvollen Großprojekte des Sozialismus (Kommunismus, Faschismus, Überwachungsstaat), die Maschinenkriege des 20. Jahrhunderts, die Psychoanalyse und der Behaviorismus bis hin zu den menschenverachtenden Philosophien, die sich Existenzialismus und Nihilismus nannten. Das Endstadium dieser kulturellen Abwärtsbewegung ist jene Welt, die wir bis vor kurzem noch als „freiheitliche demokratische Grundordnung“ gelernt haben zu beschreiben, die sich aber unter der dünnen Oberfläche institutioneller Täuschung und medialer Ablenkung als technokratische Diktatur super-analytischer, psychopathischer Kräfte entpuppte. 

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschen bis zum Punkte ihrer vollkommenen Zerstörung von den krankesten und degeneriertesten Kräften, also von den extremsten Abspaltungen des menschlichen Bewusstseinsspektrums beherrscht und gelenkt werden konnten, müssen wir verstehen, wie die hyper-analytische Verstandeskultur zwei Phänomene ermöglichte und sogar förderte, die ohne ihre Grundlage nicht möglich gewesen wären: Spaltung und Lähmung.

Psychische Spaltung entsteht durch massive Überforderung. Der analytische Verstand ist per se überfordert mit der Welt, weil er sie nur zerlegt und damit das innere Zusammenwirken zwischen Teilen und Kräften ignoriert. Das ist der Unterschied zwischen einem Mediziner und einem Arzt. Ein Mediziner ist einer, der einen Frosch sauber in seine Einzelteile zerlegt und dann all die Kadaverteile als Beweis vorlegt, dass es Leben gar nicht gibt. Ein Arzt arbeitet mit Zusammenhängen und Bezügen – je mehr und je differenzierter desto besser ist er als Arzt. Heutzutage gibt es kaum noch Ärzte und fast nur noch Mediziner.

Eine Überbetonung des analytischen Verstandes führt dazu, dass immer mehr Aspekte des menschlichen Wesens und auch der Welt schlichtweg nicht mehr wahrgenommen und nicht mehr verarbeitet werden. Die dadurch entstehende Desorientierung und Hilflosigkeit kann dann nur noch dadurch kompensiert werden, dass man versucht, alles unter Kontrolle zu bringen. Voilà, die Grundmotivation der Sozialisten und Technokraten! Erstere wollen jede menschliche Bewegung und jede Einzigartigkeit unter die Kontrolle der Gleichschaltung bringen und letztere helfen dabei mit der totalen Funktionalisierung, Steuerung und Überwachung von allem durch Technik – je toter desto besser.

Diese Abspaltung von den fühlenden und integrativen Kräften des menschlichen Bewusstseins ist noch steigerungsfähig, aber für diese Varianten müssen wir den Boden der allgemein anerkannten Welterklärungen verlassen und uns auf das Terrain von Phänomenen wagen, die ihrer Natur nach immer im Dunklen und ungesehen bleiben wollen – sie scheuen menschliches Bewusstsein und den integrativen Verstand wie die Vampire das Licht.

Analytischer Fanatismus und Kontrollwahn führen nicht nur zu Erdverwüstung und Skrupellosigkeit gegen alles Lebendige, wie heute zum Schrecken der meisten gut sichtbar ist, sondern vor allem zum Hass gegen alles gesunde Menschliche schlechthin. Die organisierte Form von diesem Hass nennt sich Satanismus. Die oberste Steigerung dieser Pathologie ist ritualisierter Kannibalismus. Warum? Weil er die höchste Form der Illusion darstellt, mit dem der abgekoppelte Verstand sich die Macht über das Leben selbst vorgaukeln kann – nicht nur symbolisch, was für diese Art von Wahnsinnigen auch sehr wichtig ist – sondern auch biochemisch. Wer sich mit der Biochemie von Kannibalismus beschäftigt, der wird feststellen, dass sie sowohl hochgradig psychedelische und halluzinogene Merkmale umfasst als auch den Einfluss tief verankerter sozialer Hemmmechanismen aufhebt, so dass die Hemmschwelle zu Gräueltaten und anti-sozialem Verhalten immer weiter herabgesetzt wird.

Wir wollen das hier nicht vertiefen. Für unseren Gedankengang ist nur wichtig: das mit dem analytischen Verstand konstruierte „Ich“ und seine Identität sind aufgrund ihrer permanenten Überforderung durch die Welt und alle Aspekte des Menschlichen darauf angewiesen, zu wachsender Gewalt und zu biochemischen (Selbst-)Manipulationen zu greifen, um sich und ihre Existenz-Illusion zu erhalten. Was für die Psyche des Einzelnen gilt, gilt auch für den psychischen Basiszustand einer Kultur. Eine Kultur, die aus dem analytischen Verstand heraus versucht, mit den Anforderungen des Menschseins und der immer komplexeren Welt um sich herum fertig zu werden, muss zu immer drastischeren Mitteln greifen, die in Folge die Abspaltung von der eigenen Wesensnatur und vom ganzheitlichen Bewusstsein im tiefer treiben und extremisieren.

Auf der anderen Seite haben wir – auch als Folge von überfordertem Verstand und Abspaltung – eine wachsende Lähmung in der Kultur der analytischen Ratio, welche zum einen aus der zunehmenden Abschnürung von vitalen Kräften entsteht und zum anderen aus der mentalen und moralischen Hilflosigkeit gegenüber dem hastigen und gewaltbereiten Treiben der Rationalisten und ihren immer mächtigeren Technologien.

Der Niedergang der aktuellen Kulturepoche ist daher auch ein Absturz der Menschlichkeit in fundamentale Spaltung und Lähmung, welche dazu führten, dass zuletzt nur noch das Böse, d.h. ein intelligentes, zielstrebiges Krankes, die Kultur und die Welt in die Selbstzerstörung trieben.

Am Ende einer jeden Kulturepoche kommen die Menschen somit an die Grenzen ihrer Überlebensfähigkeit und ihrer Lösungswerkzeuge. Nichts von dem Gewohnten funktioniert mehr, jeder Versuch einer Reparatur oder Revolution im bekannten Stil macht alles nur noch schlimmer. Allgemeine Angst, Unruhe und kopflose Agitiertheit machen sich breit. Die Schreihälse auf dem Marktplatz der Wichtigtuerei wechseln täglich ebenso wie die Lagebeschreibungen und Zukunftsvorhersagen. Jeder schüttelt nur noch den Kopf und die Angst treibt die Menschen in immer bizarrere Formen ihrer Neurosen. In den deutschen Gefilden ist es vor allem die Neurose des Gehorsams, des Masochismus‘ und des Kontrollwahns.

So sieht das Ende einer Kultur aus. Es ist im Grunde das Ende einer Entdeckungsphase einer menschlichen Fähigkeit, die über ihre Grenzen hinaus bis in ein krankes Extrem ausprobiert wurde. Der einzig rettende und zukunftsfähige Impuls aus dieser Sackgasse kann nur von etwas fundamental anderem und neuem kommen. Nur daraus kann der Keim für eine neue Kultur entstehen.

Kultur-Tod und Kultur-Geburt

Kulturen entstehen aus ihren vorhergehenden Kulturen heraus. Der Übergang ist also immer fließend und überlappend. Im Endstadium einer Kultur wird bereits der Keim der neuen sichtbar. Er wird natürlich von der bestehenden Kultur als fremd und bedrohlich bekämpft.

Die Menschen, die im Geiste der alten Kultur, ihrer Ansichten und Denkweisen und Beschränkungen leben, können nur vage erkennen, dass das Korsett ihres Weltbildes zusammenbricht und machen dann aus generalisierter Angst vor allem Neuen den Fehler, Ursache und Wirkung zu verwechseln: die neu entstehenden Paradigmen und Leitlinien sind nicht der Grund für den Untergang, sondern eine Begleiterscheinung.

Ebenso empfinden aber auch die Anhänger der neuen Bewegung alles Alte und dessen Vertreter zunehmend als Feinde und tappen in die Falle, sich in Kämpfen gegen Vertreter des Alten zu verstricken, statt sich darauf zu konzentrieren, das Neue zu schützen und zu kultivieren.

Das ist der Stand, auf dem wir jetzt sind: immer mehr Verstrickungen und Jeder-gegen-jeden. Das immer offensichtlichere Vakuum an Wissen und Verstehen führt zu wachsender Paranoia und Kampf-oder-Flucht-Reaktionen, so dass die Linie zum Feind immer enger und näher an der eigenen Position gezogen wird. Sobald die eigene intellektuelle Kapazitätsgrenze erreicht ist, übernehmen basale Kindheitsemotionen, die sich in simplem Schubladen- und Schwarz-Weiß-Denken äußern im Stile von „alle, die nicht für mich sind, sind gegen mich“, „alle, die nicht meine Meinung/Ansichten teilen, sind Spione und V-Männer des Feindes (gibt es auch V-Frauen?)“ oder „alle, die nicht die Ziele meiner Gruppe propagieren, sind Saboteure und Kollaborateure der Gegenseite“. So entstehen die intellektuellen Blutbäder, die zu nichts führen als zu immer mehr zersplitterten Einzelgrüppchen mit ihren idiosynkratischen Glaubens-Versionen von Richtig und Falsch, Zukunft und Vergangenheit, Gut und Böse.

Wie und wo aber entsteht das fundamental Neue?

Wir haben drei sehr bekannte biblische Bilder für das Hinauswachsen einer neuen Kultur aus einer alten, die einseitig und defizitär und dadurch krank und destruktiv geworden ist: Noahs Arche, Moses Auszug aus Ägypten und Jesus Christus mit seinen Jüngern.

Im Grunde ist die Bibel – auch in der uns bis dato nur bekannten arg verstümmelten und reduzierten Version – eine Sammlung von Texten, in denen es um gar nichts anderes geht als das Hinauswachsen einer höheren Bewusstseinsstufe aus einer niederen. Aber diese drei der bekanntesten Sinnbilder wollen wir zur Veranschaulichung unseres Grundgedankens herausnehmen.

Noah, Moses und Jesus sind für uns hier weniger als historische Figuren zu verstehen, sondern können betrachtet werden als Aspekte und Wirkmechanismen des ewig gültigen Prinzips der Neuwerdung und der Regeneration, hier insbesondere derRegeneration von Kultur. Deshalb und nur deshalb sind diese allegorischen Figuren und ihre Geschichten für Menschen in jeder Epoche bedeutsam. Für uns heute sind sie noch um ein Vielfaches relevanter, weil sie uns auch helfen, die Makroprozesse des Welt- und Kulturwandels, in dem wir uns befinden, besser zu verstehen.

In dieser Regeneration und Neustiftung von Kultur gibt es verschiedene Phasen und Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Konzeption eines neuen Kultur-Impulses funktioniert und sich entfalten kann. Der erste Aspekt ist der der Auswahl und Abschirmung (die Arche Noah). Der zweite Aspekt ist der der Ablösung und Neupostitionierung (Moses Exodus mit dem „auserwählten Volk“ zum „gelobten Land“). Der dritte Aspekt ist der der Beständigkeit und Verbreitung (Christi Auferstehung (d.h. auch Unsterblichkeit) und seine ausströmenden Apostel).

Wir sollten uns bewusst machen, dass es in der Bibel keine „göttlichen“, d.h. der geistigen Entwicklung förderlichen Revolutionen gibt. Revolutionen sind Bottom-up-Prozesse, die sich von unten nach oben durchsetzen und somit stets einen Zuwachs an Chaos, Gewalt und Unterdrückung bringen. „Von unten nach oben“ heißt ja, von den unteren, d.h. niederen, weniger strukturierten, abhängigeren, jüngeren, gesteuerten und damit am Alten, Bekannten hängenden Ebenen ausgehend. Revolution heißt deshalb immer Abstieg in Tumult, Unordnung, Beliebigkeit und primitivere Organisationsformen wie z.B. Faustrecht oder Stammesdenken. Moses ist nicht angetan als er mit den neuen Gesetzen vom Berge kommt und die Menge während seiner Abwesenheit angefangen hat, in die alte Gold- und Kalbsanbetung zurück zu fallen.

Der gegenteilige Prozess ist der der Evolution. Evolution (von lat. ex-volvere) bedeutet, dass sich etwas aus etwas heraus wendet oder windet, herauswächst und sich ent-wickelt, wörtlicher: aus-/heraus gerollt wird (wie eine Schriftrolle), also ent-hüllt wird und sich auf- oder auseinanderfaltet. Im Begriff der Evolution stecken also zwei Ideen: zum einen die Idee einer Höher- und Weiterentwicklung und zum zweiten die Idee, dass bereits etwas Vollständiges vorhanden ist, welches sich nur noch entfaltet und schrittweise zeigt.

Evolution führt zu einer höheren Ordnung, einer feineren Strukturierung und einer überlegenen Intelligenz, weil sie von einer Information, einer Idee bzw. einem geistigen Impuls ausgeht und sich daraus dann mehr und mehr sichtbar und wirksam manifestiert. Das ist ein Top-down-Prozess, von oben nach unten, vom Geistig-Abstrakten zum Materiell-Konkreten, von der Idee zur Umsetzung, von der Einzahl und Einmaligkeit zur Vielzahl und Vielfältigkeit, von der verdichteten Qualität zur expandierenden Quantität, von einer Zelle zum Organismus und zum Körper, von der Original-Matrize zu den Variationen.

Also auch – und das ist sehr wichtig einzusehen – immer vom Einzelnen ausgehend zu einer kleinen Gruppe, von der Gruppe zur Gemeinschaft, von einer Gemeinschaft zu einem Volk, vom Volk zur ganzen Welt. Evolution und Bewusstseinsentwicklung beginnt also stets beim Einzelnen und wird dann hierarchisch und kaskadenförmig kollektiv wirksam. Es ist anders nicht möglich und alle modernen Fantasien von „Graswurzelbewegungen“, Volksrevolutionen und demokratischen Neugründungen bestehen aus der fatalen Mischung von Halbwissen und bodenlosen Ideologien. Alle tatsächlich stattfindenden sogenannten „Basis-Bewegungen“ und „Revolutionen“ sind top-down organisierte, hierarchisch koordinierte und streng kontrollierte Ausführungen von Ideen und Plänen, auch wenn das den Aktionisten mit den Mistgabeln oder den selbstgeschriebenen Verfassungen nicht bewusst ist.

Jene Wunschprojektion der leidenden Mitläufer, dass sie das System zu Fall bringen und dann ein neues, besseres errichten können, ist so kurzsichtig und absurd, dass es sich gar nicht lohnt, das genauer zu beleuchten. Es ist allerdings psychologisch interessant: es lässt sich soziologisch zeigen, dass die Menschen umso mehr von Revolutionen und Massenerhebungen schwärmen und sich von ihnen instrumentalisieren lassen, je hilfloser, ohnmächtiger und desorientierter sie realiter sind. Wenn sie dann feststellen, dass sie zu ihren Ungunsten missbraucht und in die Irre geführt wurden, ist es regelmäßig zu spät und sie müssen sich mit schlechteren Zuständen als zuvor arrangieren.

Eine neue Kultur oder Zivilisation entsteht also nicht durch Frust und unruhige „Bewegungen an der Basis“, sondern ganz im Gegenteil durch Einzelne oder sogar nur einen Einzelnen, die einen geistigen Impuls und das Wissen um seine wirksame Umsetzung an einige wenige weitergeben, welche sich davon führen lassen. Dies ist der wichtigste Aspekt, der auch in der Bibel immer wieder betont wird: das Neue kann nur kommen, wenn man sich davon führen lässt.

So betrachtet ist auch jede Form von Ungeduld, Verselbständigung, Eigenermächtigung und Aktionismus gegen den Entwicklungsimpuls, der seine eigene organische Entfaltungsdynamik hat, an die es sich zu halten gilt. An dieser Stelle haben viele Deutsche (die „Israeliten“) heutzutage ihr größtes Problem: da sie sich kein gesundes Außen mehr vorstellen können und kein Konzept mehr von einem höheren Außen haben, können sie auch an das Versprechen einer Rettung und Erneuerung „von außen“ nicht glauben. Ihre implizit verinnerlichte Hilflosigkeit hält sie gefangen in einer Weltanschauung der Hoffnungslosigkeit, die nur noch gelähmtes Ertragen oder verzweifelten Aktionismus zulässt. 

Jede kleinste Verweigerung des Folgens und Befolgens oder jede eigenwillige Hinzufügung oder Veränderung aber bewirken sofort eine Verunreinigung und Entkräftigung des originalen Impulses, weil sie das Alte und Sterbende mit einfügen. Sie erzeugen dadurch einen Trägheitsmoment, der die Verwirklichung des neuen Impulses verlangsamt und ihn im Alten, Gewohnten untergehen lässt. Es ist wie mit einem guten Neujahrsvorsatz, der schon nach ein paar Tagen relativiert und „angepasst“ wird, dadurch an Energie verliert und schließlich nur noch zu einem wirkungslosen Gedanken, einer kraftlosen Hülle wird.

Deshalb muss der Anfang einer neuen Kultur sowie der Anfang eines jeden jungen Entwicklungs-Impulses besonders geschützt werden. Das ist die Arche Noah in der Sintflut. In der bestehenden Welt mit ihren Kontroll- und Steuerungsmechanismen sind die ersten Manifestationsstufen des Neuen stets massiv bedroht von Sintfluten: den Unverständigen, die voller Hohn oder sogar Angst und Gewalt sind, den Herrschenden („Pharao“, „Herodes“) und den halbherzigen, ungläubigen, schwachen Mitläufern, die die neue Idee nicht wirklich verstehen und denen es vor allem unmöglich ist, sich ihr zu unterstellen und ihr zu dienen („ungläubige, ängstliche Israeliten“, „ungläubige, schlafende Jünger“).

Je weiter der neue Impuls sich manifestiert und umgesetzt wird, desto wichtiger werden das Prinzip der Auswahl von Repräsentanten und Führern und das Prinzip der Separation vom Alten. Von ihnen hängt ab, ob das Neue weiter wachsen und sich authentisch entfalten kann. Seine Vertreter, Vorkämpfer und Apostel müssen es verkörpern und dürfen keine fremde Agenda einführen. Sie müssen außerdem stark genug sein, dem Druck der zunehmend feindlichen und aversiven alten Umgebung standzuhalten und intelligent genug, um ihr Verhalten den Umständen anzupassen ohne das Ziel und die Original-Idee zu verändern. Das heißt sie müssen ihnen treu bleiben können.

Ab einem gewissen Stadium der Entwicklung des Neuen ist es vom Alten nicht mehr ignorierbar aber auch nicht mehr leicht zerstörbar. Dann beginnt der Kampf ums Überleben und um die Herrschaft. In diesem Kampf ist das Neue grundsätzlich weit überlegen, denn es beruht auf einer höheren Idee, ist mit einer höheren, umfassenderen Intelligenz verbunden, speist sich aus einem frischeren, tatsächlich inspirierteren Lebensimpuls, hatte mehr Zeit sich vorzubereiten und kennt und versteht deshalb als einzige Seite beide Seiten, so dass es strategischer vorgehen kann.

Die Gefahren für den Keim einer neuen Kultur erwachsen auf dieser Stufe weniger aus einer Bedrohung durch das behäbige, reaktive Establishment, sondern fast ausschließlich aus inneren Störungen wie mangelnde Stabilität, mangelnde Struktur, mangelnde Loyalität, Disziplin oder Fokus, Unterwanderung mit fremden Ideen, Verwässerung des Ursprungs-Impulses oder Zweifel und Unsicherheit, d.h. mangelndes Verstehen. Der wichtigste Aspekt für den neuen Kultur-Organismus ist also ein starkes psycho-spirituelles Immunsystem, entsprechend starke Selbstreinigungsfähigkeiten und eine stabile Gesundheit, das ist die Übereinstimmung mit seinen eigenen Wesensmerkmalen und übergeordneten Gesetzmäßigkeiten. Metaphysisch formuliert: sie muss ihrer Wahrheit treu bleiben – das ist die Bedeutung davon, etwas zu bewahren. Theologisch ausgedrückt: sie muss ihrem Gott und dem geschauten Göttlichen treu bleiben, an ihn glauben, das kommt von ge-loben, Treue geloben.

Damit haben wir ein grobe Skizze verfertigt, wo wir im Jahre 2021 gerade stehen: im Angesicht der Sintflut, für die die bewahrende Arche schon gefertigt sein muss, in der langen Transit-Zone zwischen dem sterbenden „Ägypten“ und dem „gelobten Land“ einer neuen geistigen Freiheit und in der bewegungslosen Wartezeit bis zur Rückkehr der erhebenden Verkörperung geistiger Führung, nachdem sie psychisch im Kollektiv schon längst gekreuzigt und begraben wurde. Für die wissenden und sehenden Teilnehmer dieses Umbruchs und zur Beruhigung der jüngst wacher Werdenden ist allerdings auch schon seit über zwei Jahren schon deutlich: Die Arche ist schon lange fertig, seetauglich und bis an die Zähne (besser: bis zu den Sternen) bewaffnet, die „Pharaonen“ und ihre Lakaien sind von ihren Thronen und Chefsesseln längst entfernt und die Personifizierung des Freiheitskampfes und der Kultur-Regeneration wartet nur noch darauf, in der vollen medialen Bandbreite verkündet zu werden.

Vorbereitet sein ist nun alles. Sobald die neuen Rahmensysteme installiert und die neuen Gesetzestafeln graviert sind, werden die alten und die Übergangsprogramme heruntergefahren und wir werden freien Blick auf die weite neue Spielfläche bekommen. Auf dieser können wir mitwirken, eine neue Kultur aufzubauen – und je mehr wir deren Grundidee verstehen und in uns nachzeichnen können, desto besser wird uns das gelingen. Schauen wir deshalb als nächstes auf das Werdende und Kommende:

Eine Kultur des sozialen Bewusstseins

Der geistige Vorteil der modernen alltagsdominanten Technik und Hochtechnologie ist, dass wir sie nun als allseits verständliche Metaphern zur Beschreibung des menschlichen Bewusstseins und seiner Psychologie nutzen können. Ich habe mich schon vor 20 Jahren darüber gewundert, dass die Psychologie, die sich immer mehr der Schnittstelle zur Neurobiologie bedient, sich vermehrt über das Vokabular und die Terminologie der Informationstechnik und der Computertechnik ausdrückt, um ihre Modelle zu beschreiben.

Das ist eine wichtige Chance für unsere Selbst-Bewusstwerdung, denn nun können wir vieles Psychologische in technischen Begriffen darstellen und es dadurch aus dem mytho-poetischen Bilder-Denken befreien, um präziser und differenzierter zu werden. Vieles an der menschlichen Psyche ist mechanisch und gut vergleichbar mit IT-Logik. Weder geistiges Wachstum noch die Festigung der Würde finden durch die Verklärung alles „irgendwie Menschlichen“ zu einem erhabenen mystischen Wesen statt, über das man höchstens in impressionistischen Gefühls-Bildern sprechen oder sogar am besten eigentlich gar nicht sprechen sollte. Das wäre Regression in prä-mentale Selbstverwirrung.

Unsere kultur-evolutionäre Aufgabe ist vielmehr, die biologischen und die geistigen Aspekte unseres menschlichen Wesens und unserer Selbstwahrnehmung immer genauer unterscheiden und dann miteinander in Einklang bringen zu lernen. Der Mensch ist zum Teil Roboter und zum Teil Engel. Aber was in uns ist was? Wann haben wir nur noch Roboter vor uns? Und wie fördern wir den Engelsanteil und -einfluss?

Zunächst einmal müssen wir dafür das in uns entdecken, was oberhalb und außerhalb aller Technologie liegt. Ein Weg, uns wieder über die Technik zu stellen statt von ihr beherrscht zu werden, ist es, alle Technik zunächst als Metapher für den menschlichen Geist bzw. seine Psyche zu betrachten, um dann als nächstes auch erkennen zu können, dass alle Technologie ja Abbild oder Schattenwurf des menschlichen Geistes ist – nicht nur im Sinne von menschlicher Erfindung und Produktion, sondern mehr noch im Sinne von Reproduktion oder Ausstülpung aus dem menschlichen Geist, d.h. als nachgebaute Außenmanifestation einer im Menschen bereits angelegten Eigenschaft und Kapazität.

Alles, was wir erfinden konnten und können, hat seine Grundlage in unserem Geist – sonst könnten wir es uns gar nicht ausdenken. Die neue kulturelle Prägung braucht die Umkehr dieses Prozesses für die Formung eines differenzierteren Menschenbildes, eine Art reverse engeneering, die uns unsere Schöpferqualitäten und unsere bereits bestehende, in uns angelegte, wesenhafte Geistigkeit in all ihrer Vielfältigkeit und Vollständigkeit bewusst macht. So können wir anhand der menschengeschaffenen Technik (über deren wirklichen Stand auch bei den Technologie-Forschern nur sehr wenig bekannt ist) unsere geistige, nicht-biologische Seite klarer erkennen und zum Fundament unserer Identität und Kultur machen: wir sind diejenigen, die erschaffen und gestalten können.

So wie wir in der Kunst oder jeder kreativen Tätigkeit etwas „aus uns heraus“ und vor uns stellen, damit wir es als etwas Getrenntes und Isoliertes betrachten können, so ist auch alle Technologie etwas aus uns heraus- und vor uns Gestelltes. Eine Vor-Stellung von etwas bekommen wir ja erst, wenn wir es vor uns gestellt betrachten können. Vorstellungen sind auch deshalb so sehr an unsere visuelle Wahrnehmung geknüpft. Aber die Vorstellung im Sinne eines Bildes, das wir uns machen, ist ja immer nur zweidimensional, während das vor uns gestellte Objekt von uns mindestens dreidimensional erfahren wird – eigentlich stets vierdimensional, denn wir erleben es ja mit unseren Sinnen in der Zeit. Allerdings ist die vierte, die Zeit-Dimension eine, in der wir kulturell noch verhältnismäßig wenig Bewusstsein, wenig Differenzierung, wenig Konzepte und wenig Verständnis haben. Es ist die moderne Technologie die uns hilft, Zeit relativer und „von außen“ zu betrachten, mit anderen Worten, sie aus uns heraus separiert vor uns zu stellen und damit betrachtbar zu machen.

Aus dem materialistischen Konzept von Zeit als etwas, das man z.B. „sparen“, „gewinnen“ oder „nutzen“ könne, weil es objektiv vorhanden wäre wie ein Ölvorkommen oder wie Holz in einem Wald, sind wir schon hinausgewachsen. Da wir aber noch keine hilfreichen neuen Konzepte in unserem Weltbewusstsein verankert haben, ist der Bezug zu Zeit gegenwärtig überwiegend von Desorientierung, Ratlosigkeit und Angst geprägt. Die Taktung durch konstruierte Mechaniken funktionierte noch ganz gut bei Standuhren und stündlichen Kirchenglocken, aber bei der Sekundentaktung von Abfahrtszeiten und den Millisekunden im medialen Grundrhythmus, müssten wir etwas entdecken, das es in unserer Kultur bisher nicht als Referenz gab: unsere eigene Zeit.

Wir könnten hier ein ausführliches Kapitel darüber einfügen, was denn das ist, was wir „Zeit“ nennen, aber für diesen Artikel wollen wir uns darauf beschränken zu sagen, dass Zeit unsere Wahrnehmung von Veränderung und Bewegung ist.

Die bewusste Verarbeitung und Abstraktion von Veränderungs- und Bewegungswahrnehmung ist Zeit-Wahrnehmung. Tiere dürften sie höchstens rudimentär haben, weil diese Fähigkeit eine Abstraktion, also Generalisierung und Konzeptualisierung von Veränderungs- und Bewegungsabläufen fordert, die Tiere nicht leisten können.

Schauen wir uns ein Beispiel dazu an, wie viel mehr Zeit-Abstraktion und ‑Landkarte wir durch unsere Technologie, vor allem die Medientechnik ganz nebenbei im Alltag entwickelt haben: die Aufnahme von Ereignissen auf Schallplatte, dann auf Filmbänder, Kassetten, schließlich CDs und anderen digitalen Speichermedien erlaubte uns nicht nur, sie zu „wiederholen“, sondern vor allem als räumlich-motorischen Ablauf zu betrachten. Das Konzert auf einer Schallplatte konnte man ja bereits an jedem beliebigen Punkt beginnen lassen, verlangsamen, beschleunigen und sogar rückwärts laufen lassen. Das machte uns versierter und unabhängiger in der Bewegung „in der Zeit“ (genauer: innerhalb eines zeitlichen Ablaufs). Wenn wir heute mit mp3-Aufnahmen oder digitalen Videoclips umgehen, ist für uns bereits selbstverständlich, was sechs oder sieben Generationen früher noch reichlich unbekannt und fremd war: nämlich einen Ablauf in seiner Zeitdimension flexibel steuern zu können. Das funktioniert nur dann koordiniert und zweckmäßig, wenn wir eine innere Repräsentation des Ganzen und des richtigen Ablaufs in seiner Folge in uns tragen. Ansonsten würden wir ständig die Orientierung innerhalb der Zeitdimension verlieren – und vielen mag das auch passieren. Dann wissen wir nicht mehr, was früher oder später ist, was zuerst kommt und was danach. Das wiederum erschwert das Verständnis von Ursache und Wirkung. Daran können wir erkennen, dass die Bewegung in der Zeit eine größere Herausforderung als nur die Bewegung im Raum ist, weil sie eine umfassendere und komplexere geistige Leistung erfordert.

Wir müssen dafür zunächst einmal einen eigenen Standpunkt entwickeln, der stabil und gleichzeitig unabhängig von fixen Zeitabläufen ist. Salopp ausgedrückt müssen wir ein Bewusstsein entwickeln, das unabhängig von der Dauer und Dynamik von Abläufen steht. In seiner ausgereiften Form würde so ein Bewusstsein dann außerhalb der Zeit stehen, also von einem zeitlosen Standpunkt aus schauen können. Dies muss dann ein Standpunkt sein, der auf (zeitlosen) Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten, Archetypen und Begriffen beruht und unabhängig von Erfahrung ist. Denn Erfahrungen finden ja nur in der Zeit statt.  So ein Bewusstsein ist also mehr im Geistigen, Ideellen und Informationellen verankert als im Räumlichen, Sinnlichen und Motorischen.

Um diesen Bewusstseinszustand jedoch zu erreichen brauchen wir ausreichend Erfahrungen, sonst haben wir ja nichts, von dem wir korrekt abstrahieren und generalisieren können. Wer die zeitliche Struktur z.B. einer Geschichte oder eines Musikstückes von Anfang, Folge und Ende nicht gut genug kennergelernt und verinnerlicht hat, der hat keine innere unabhängige Landkarte, um sich innerhalb von zeitlichen Prozessen frei bewegen zu können. Das, was die Menschen sich mit zwei- oder dreidimensionalem Bewusstsein als „Zeitreisen“ vorstellen – nämlich eine körperliche, also eigentlich räumliche Bewegung innerhalb der Zeit, beruht auf dem typischen Mangel an Vorstellungsvermögen für höhere Dimensionen. Für sie ist die nächste Dimension eine sensationelle Steigerung der bekannten mit einer fantastischen Ergänzung von „Wundern“ und „Unglaublichkeiten“. 

Das Zeitalter der technologischen Kultur geht zu Ende, denn es hat nicht nur seine Aufgabe erfüllt, sondern auch schon seine konstruktive Ausrichtung verloren und ist längst in seiner Abschlussphase mit ihren dafür typischen Merkmalen einer defizienten, negativ wirkenden Grundkraft. Es spricht vieles dafür, dass die neue Kultur nicht mehr auf einer weiterentwickelten Technik beruhen wird, obwohl diese Teil von ihr sein wird, sondern dass das tatsächlich neue Fundament für die kommenden Entwicklungen in der sozialen Gestaltung von Gemeinschaften und deren Interaktionen liegen werden.

Die nächste Dimension des allgemeinen Bewusstseins, die durch einen neuen kulturellen Rahmen zu erobern sein wird, liegt jenseits von Zeit und könnte annähernd bezeichnet werden mit dem Begriff Willen. Wenn die vierte Dimension des Bewusstseins das ist, was wir „Zeit“ nennen, dann muss die fünfte Dimension etwas sein, das orthogonal zu ihr steht und unabhängig von ihr ist. Eine Kraft also, die dimensional außerhalb und über dem steht, was „in der Zeit“ geschieht und es beeinflussen kann. Also auch etwas, das unabhängig vom Prinzip von Ursache und Wirkung (Karma) ist.

Die Eroberung der Zeit innerhalb der allgemeinen Kultur hat etwa 800 Jahre gedauert. Seitdem gibt es mechanische Uhren, also Zeitmesser, die von Menschen erfunden wurden und unabhängig von der natürlichen Zeit wie Sonne- und Mondzyklen sind. Über diesen langen Zeitraum hinweg wurde die Menschheit geschult – oder schulte sich selbst – innerhalb der Zeitdimension kompetent und gestaltungsfähig zu werden. Für die nächsten 800 bis 1000 Jahre könnten die Menschheit die Aufgabe haben, sich ebenso die Dimension von Gestaltungswillen anzueignen, also die geistige Dimension von Impulssetzung und Gestaltung aus Prinzipien und Idealen heraus statt nur auf der Basis von Erfahrungen, Reaktionen oder anvisierten Ergebnissen in der Zeit.

Mit der Bewusstseinsdimension von Willen ist nicht Durchsetzungsstärke, Ausdauer und Intentionalität gemeint – all diese sind keine Merkmale einer neuen Dimension, sondern ergeben sich aus dem Lernen in der vierdimensionalen Welt durch die Auseinandersetzung mit Kraft und Widerstand. Sie brauchen die Zeit zum Ausdruck, stehen aber nicht über oder außerhalb von ihr.

Um zu verstehen, was mit Wille gemeint sein könnte, könnte es helfen, sich zunächst einmal mit der Bedeutung des Wortes richten zu beschäftigen. Wir denken da heutzutage fast nur noch an das juristische Entscheiden und Beschließen im Sinne von Recht und menschengesetzter Ordnung. Eigentlich ist es jedoch das Verb zum Nomen Richtung. Richten heißt zunächst einmal: Richtung geben oder wiederherstellen. Wir sagen ja auch, dass wir „uns richten“ oder „die Möbel richten“ und meinen damit herrichten und ausrichten im Sinne von „in Ordnung bringen“ – nicht dass wir sie hinrichten. Ebenso enthält der Ausdruck, eine Tätigkeit zu verrichten, die Idee, dass wir einer vorgegebenen Richtung (Intention, Anforderung, Notwendigkeit) folgen. Ein Gericht ist so ein zweck-gerichtetes Produkt: eine Mahlzeit zur Nahrungsaufnahme. Während richtende Tätigkeiten also in der Zeit stattfinden, kommt ihre Richtung, also die Information darüber, was richtig und zweckmäßig ist, offensichtlich von einer zeitlosen geistigen Ebene, die vor, nach und während  des Prozesses des Richtens maßgeblich mit- und einwirkt.

Nur dadurch bekommt die Tätigkeit einen höheren, d.h. geistigen Sinn. Und was bedeutet das Wort Sinn? Es bedeutet ebenfalls „Richtung“, wie wir es noch aus dem Wort „Uhrzeigersinn“ kennen. Einen Sinn hat etwas, wenn es eine (geistige) Richtung, d.h. eine Ausrichtung in sich trägt und ihr untersteht. Unsere fünf oder sechs oder mehr Sinne, sind ebenfalls als Richtungen in die Welt hinaus bzw. von der Welt zu uns zu verstehen: die Richtung des Hörens, des Sehens, des Tastens usw.

Diese geistige Ebene, die also Richtung und Sinn in zeitlich-räumliche Geschehnisse bringt, ist gemeint, wenn wir von Willen sprechen. Es geht ja auch ohne sie: z.B. können Dinge geschehen, weil sie schlichtweg die mechanische Folge einer Ursache sind. Oder sie geschehen aus Zufall, d.h. aus der Begegnung von zwei oder mehreren Ereignisfolgen, die weder eine gemeinsame Ursache noch eine übergeordnete Kraft miteinander verbindet. Schließlich können Dinge auch aus Schicksal geschehen, d.h. aus der tieferen Struktur und dem Wesenscharakter eines Menschen heraus, aus dem sich sein einzigartiges Leben entfaltet.

In die fünfte Dimension hineinzuwachsen bedeutet, ein Bewusstsein über diese unterschiedlichen Dynamiken innerhalb von Raum-Zeit-Ereignissen zu bekommen. Man wird nicht Superman und kann plötzlich fliegen oder seine Urgroßeltern in der Vergangenheit besuchen, sondern man entwickelt das Seh- und Unterscheidungsvermögen für den geistigen Einfluss und damit für den geistigen Gehalt von Erfahrungen, Ereignissen und Handlungen. Nur daraus kann sich Willenskraft entwickeln. Exakter formuliert: Anteilnahme an der Dimension von Willen. Denn es geht dabei wie gesagt nicht um eine Steigerung drei- oder vierdimensionaler Fähigkeiten, sondern um etwas gänzlich anderes. Es geht um die Fähigkeit, immer früher und genauer erkennen zu können, ob etwas „im Willen geschieht“ oder nicht. Die Bewusstseinsintensivierung von der Vierdimensionalität zur Fünfdimensionalität umfasst also auch die Akzentverschiebung vom personalen „Dein Wille geschehe“ hin zum bedeutsameren „Wille geschehe“, sobald die Erkenntnis stabil geworden ist, dass Wille eine Kraft jenseits des Personalen ist und somit weder „mir“ noch „dir“ noch sonst irgendwem eignen kann.

Aus dem gleichen Grunde kann sich auch nichts Persönliches (Zweidimensionalität), nichts Körperlich-Wesenhaftes (Dreidimensionalität) und auch nichts Prozesshaft-Zeitliches (Vierdimensionalität) gegen den Willen stellen. Die fünfte Dimension umfasst die niederen vier Dimensionen so wie ein Kreis alle seine Punkte umfasst, ein Würfel alle seine Flächen und die Lebensspanne alle Erfahrungen und Zustände eines Menschen. Die Aussage „Nichts kann aufhalten, was kommt“ (Nothing can stop what is coming) ist eine Willensäußerung und macht nur vom Standpunkt eines fünfdimensionalen Bewusstseins Sinn – es entspricht seiner Logik, sobald der Wille – also die gegebene Richtung – erkannt ist. Ab diesem Erkennen gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: ihm in den unterstehenden vier Dimensionen zu folgen oder zu leiden.

Aus der vierdimensionalen Sicht hat der Satz wenig Gehalt, weil er entweder nur als banale Rekursion im Sinne von „Was passiert, das passiert eben“ oder als magisch-fantastische bzw. technologische Hyperdiktatur verstanden werden kann, welche aus einer unvorstellbar übersteigerten Überlegenheit heraus alles so erzwingen kann, wie sie es möchte. Aus dreidimensionaler Sicht kann der Satz nur als halb verlogener, halb gezwinkerter Werbeslogan verstanden werden nach dem Motto „Alles ist möglich“ oder „Yes, we can“ – eine scheinbar offensichtliche Übertreibung, die keine Tatsache beschreibt, sondern nur Motivation und irrationale Begeisterung anstacheln soll wie bei einer Pausen-Ansprache im Umkleideraum. Die bildliche Übersetzung in ein dreidimensionales Verständnis wäre eine Riesendampfwalze mit der Aufschrift: „Ist mir egal, immer geradeaus“.

Im Unterschied zu diesen reduzierten und dadurch verfälschten Auslegungen handelt es sich für fünfdimensionales Bewusstsein um ein schlichtes und aufregungsfreies Wissen, also um eine erkennbare Gewissheit. Um den Zustand einer solchen Gewissheit zu erlangen muss man gelernt haben, Zusammenhänge und Muster außerhalb des Zeitlichen, also jenseits der ersten vier Dimensionen zu erkennen. Es geht dabei um das Erkennen von Kohärenz, aber nicht zwischen oder innerhalb von Ereignissen oder „Tatsachen“, sondern zwischen oder innerhalb von Richtungen und Sinnzusammenhängen von Ereignissen.

Man muss also gewissermaßen durch die Ereignisse und Prozesse hindurchschauen, um zu erkennen, welcher Art die in ihnen wirkende, ordnende und steuernde Kraft ist, ob es bloß mechanische, ob es wesensanteilige oder ob es willensartige Kräfte sind. Man muss, mit anderen Worten gesagt, den geistigen Gehalt von ihnen erkennen können, statt sich nur mit ihrer unmittelbaren sinnlichen Erscheinung zu beschäftigen.

Dieser geistige Gehalt ist z.B. sehr anders in einem künstlerischen Foto als in einem Schnappschuss aus dem Urlaub. Um das sehen und erkennen zu können, bedarf es einiger Übung, vor allem aber der Empfänglichkeit für inhärente Aspekte wie Stimmigkeit, Harmonie, Motivik, Ästhetik und Intentionalität. Ein Selbstportrait von Rembrandt enthält eine höhere Intensität dieser Aspekte als z.B. eines von Rubens, obwohl beide technisch auf etwa dem gleichen Niveau liegen. Ein Theaterstück von Shakespeare wie z.B. „Der Sturm“ liegt am einen Ende einer solchen Intensitätsskala, während die meisten pseudo-zeitkritischen Skripte der letzten Jahrzehnte sich am anderen Ende dieser Skala klumpen.

Man kann diese Wahrnehmungsdimension geistiger Intensität am besten an Kunstwerken aufzeigen und erlernen. Sei es an Musikstücken, Bildern, Skulpturen, Architektur, Literatur, philosophischen Werken oder Theaterstücken. Wenn man sich eine Zeit lang mit dieser Dimension beschäftigt, wird man feststellen, dass alle Bereiche unserer Kultur – nicht nur die der Kunst, sondern auch die der Politik, des gesellschaftlichen Lebens, des öffentlichen Diskurses, all dem voran natürlich der Bildung usw. – seit über hundert Jahren in einem kontinuierlichen Abwärtstrend befinden und seit etwa 20 Jahren in Gänze den Boden der geistigen Intensitätsskala erreicht haben, mit anderen Worten: Ausdruck fast vollkommener Geistlosigkeit geworden sind.

Da wir uns nun schon mit den Dimensionen des Bewusstseins beschäftigt haben und weil seit einiger Zeit eine Menge Total- und Semi-Unsinn zu ihnen kursiert, wollen wir noch einmal zusammenfassen:

Eindimensionalität, als Linien-Artigkeit, ist prä-rationales, instinktiv-affektives Bewusstsein, dass sich bloß aus unmittelbaren Wahrnehmungen der Sinne konstituiert (erste Bewusstseins-Dimension). Es gibt kein „Ich“, Identität ist rein physisch und auf das konkrete Eingebundensein in einen Stamm oder Clan bezogen; entspricht dem Bewusstsein eines Neugeborenen.

Zweidimensionales Bewusstsein, also „flächiges“, besser: kreis-artiges Bewusstsein, ist irrationales, emotionales Bewusstsein, in dem die Dimension von Empfindungen, bildlich-traumartiger Imagination und sozialem Gewahrsein hinzukommt. Über die Clan-Zugehörigkeit hinaus entsteht so ein Identitäts-Bewusstsein von (emotionaler, persönlicher) Gruppen-Zugehörigkeit und einem „Wir“-Gefühl, entspricht einem Kleinkind.

Hinweis: Die dogmatische Unterwerfung unter und Abhängigkeit von Ideologien, einfachen Welterklärungen und Glaubenssystemen gehört zum zweidimensionalen, irrationalen Bewusstsein, welches die allgemeine Stufe des Bewusstseins der Kultur und mit ihr der Masse der Menschen heutzutage ist.

Dreidimensionales Bewusstsein ist räumliches, kugelartiges Bewusstsein. Es umfasst zusätzlich zu den anderen beiden Dimensionen die Sphäre des Mentalen und Rationalen, also des abstrakten und kausalen Denkens, des Planens und der Selbstreflexion. Dadurch erst entsteht eine Ich-Repräsentation, der Beginn von Individualität; entspricht einem Kind etwa ab dem sechsten Lebensjahr.

Vierdimensionales Bewusstsein ist räumlich-zeitliches Bewusstsein, also nicht nur kugelartig sondern inklusive ihrer Veränderungen von ihrem Entstehen bis hin zu ihrem Vergehen („in der Zeit“). Diese trans-rationale Bewusstseinsstufe beruht auf mental-emotionaler Gegenwärtigkeit und bildet eine biografische Ich-Identität, die alle persönlichen Werde- und Transformationserfahrungen umfasst – sie steht außerhalb der Zeit; entspricht der geistigen Jugend, mit der Selbsterkenntnis beginnt. Wird in unserer Epoche nur von wenigen Menschen sichtbar verkörpert.

In der fünften Dimension des Bewusstseins kommt zum „Leben der Kugel“ noch die Kraft des Willens, also der Beeinflussung von Abläufen von der geistigen Ebene aus hinzu. Die Ich-Identität wird auf dieser Stufe trans-personal und umfasst alle anderen Ich-Aspekte als Ganzheit; entspricht geistigem Erwachsensein und dem Anfang von Bewusstsein von Geist über sich selbst.

Über diese und die nächst-höhere, all-umfassende Dimension von Bewusstsein zu sprechen, ist jedoch wenig ergiebig, da mental-begriffliche Beschreibungen ihnen bezüglich einschränkend und daher fehlleitend wirken. Diese Mini-Skizze soll nur dazu dienen, kritisch und immun zu werden gegen all die Dimensionen-Fantasien und Erfindungen, die von Apostel im zweidimensionalen Bewusstsein verbreitet werden.

Das All und Alles ist sechsdimensional (drei „materielle“ (Raum-) Dimensionen und drei „höhere“, „geistige“ Dimensionen). Die verschiedenen Bewusstseinsstufen nehmen nur mehr oder weniger an all dem und dem All teil.

Nieder-dimensionale Stufen können höhere nicht erfassen, sich nicht einmal vorstellen. Sie haben meist Angst vor ihnen und ihren Äußerungen, und wenn sie über sie sprechen, dann stets nur in vereinfachter und extrem verzerrter Form, so wie man mit einer Zeichnung von einem Haus nicht die Erfahrung des realen Hauses erfassen kann. Etwas, das die ehrliche Bezeichnung „Freiheit“ verdient und nicht bloß Scheuklappen-Illusion ist, ist nur erreichbar durch die Öffnung des Bewusstseins für seine höheren, umfassenderen Dimensionen.

Jedes Auftauchen und Wirksamwerden einer höheren Bewusstseinsstufe wird als „Aufwachen“ erlebt und umso erschütternder, dramatischer und bedrohlicher, je plötzlicher, unvorbereiteter und unbegleiteter es geschieht. Mit zunehmendem Bewusstsein wird der Prozess allerdings innerlicher und vor allem leiser. Der emotionale Krawall und das Bedürfnis nach kollektiver Rettungsgemeinschaft treten vor allem auf, wenn Bewusstsein sich von der zweiten in die dritte Dimension erweitert.

Es sei diesbezüglich auch darauf hingewiesen, dass in diesen Andeutungen wissentlich und begründet weder das Wort „Liebe“ noch Wort-Vignetten wie „Energie“, „Einswerdung“, „Mitgefühl“, „Weisheit“, „Paralleluniversen“, „Numerologie“, „kosmisches Wissen“, „Egolosigkeit“, „Illuminaten-Matrix“, „luziferisch“, „Geiheimlogen“, „Blutlinien“ etc. verwendet wurden. Diese verbalen Gerätschaften sind meist Hinweis darauf, dass zweidimensionales, emotional-mythisches Bewusstsein spricht und sich Bilder von höheren, schöneren Traumgefilden zusammenreimt, in denen alle seine Wünsche erfüllt und alle seine Sorgen und Überforderungs-Probleme magisch aufgelöst sind.

Unsere Kultur ist seit einigen Jahrzehnten in all ihren Auswüchsen und Subkulturen auf das Niveau zweidimensionalen Bewusstseins herab gerutscht. Dreidimensionale Menschen schwimmen offensichtlich erkennbar gegen den Hauptstrom und finden innerhalb von Massenbewegungen weder Platz noch Gehör. Die neue Kultur, die den Menschen vor dem kollektiven Selbstmord retten wird, wird von fünfdimensionalen Menschen inspiriert, von vierdimensionalen ein- und angeleitet und von dreidimensionalen aufgebaut und getragen. Auch für die Kinder wird es einen Platz geben, an dem sie sich weiter entwickeln oder auf ihre Weise einrichten können.

Die Bewusstseinskompetenz der Zukunft: soziale Gestaltungskraft

Während die noch unvollständig und ringende Selbst-Bewusstwerdung der vierten Dimension sich auf Prozess-Intelligenz und die Beherrschung von „Zeit“ durch abstrakte Informations-Technologie bezieht, wird die Eroberung der fünften Dimension als kulturprägendes Agens in der Zukunft vor allem Komplexitäts- und Gestaltungs-Intelligenz und mit ihr die Entwicklung einer Art „Sozial-Technologie“ benötigen.

Denn es wird nicht bloß darum gehen, eine andere Welt zu bauen, sondern vielmehr darum, eine Welt zu bauen, die alle vorhergehenden Welten und ihre Bewusstseins-Kompetenzen anerkennt, umfasst und in ihren gesündesten Ausdrucksformen fördert. Als Arbeitsbegriff würde ich für diese neue, hoch-integrative Welt die Kompetenz der „sozialen Gestaltung“ ganz nach vorne stellen.

Wir müssen verstehen, dass soziale Gestaltung mehr ist als nur eine Rahmensetzung in Form rechtlicher und moralischer Leitplanken. Es geht dabei nicht bloß darum, festzulegen, was getan werden darf und muss, sondern vielmehr darum, zu ermöglichen und zu unterstützen, Fähigkeiten für jede situative Herausforderung zu entwickeln. Je besser diese Fähigkeiten und die dafür notwendige Wahrnehmung ausgebildet sind, desto weniger Regeln und Gesetze braucht es. Somit dürfte die nächste lange Menschheitsepoche auch davon geprägt sein, mit immer weniger Gesetzen und juristischen Institutionen auszukommen und in einem viel größeren Maße als jemals zuvor in die Bildung aller und jedes Einzelnen zu investieren.

Die Kunst sozialer Gestaltung beginnt mit einer umfassend persönlichen Bildung und dem Herausbilden von sozialen Kompetenzen, das heißt vor allem von Wahrnehmungsfähigkeiten und Fertigkeiten des Ein- und Mitwirkens in Bezug auf jegliche Form von Interaktionen zwischen Menschen, zwischen Gruppen und zwischen Institutionen.

Ich nenne diese zukunftsbezogenen Aspekte und voraussichtlichen Makro-Aufgaben nur beschreibend und ableitend, keineswegs mit aufforderndem oder wegweisendem Tonfall. Wenn meine Schlussfolgerungen aus den bestehenden Anzeichen richtig sind, so werden sie sich genauso von selbst und ohne ängstliche Zwänge oder ungeduldige Einmischungen ergeben wie sich auch alle anderen kulturellen Verschiebungen bisher ergeben haben. Im besten Falle dienen meine Ausführungen und Skizzen dazu, diese Strömungen freizulegen und von Missverständnissen und Fehlinterpretationen abzulösen.

Zukunfts-Impulse

„Die Menschheit wacht auf“ können wir nach aller vorhergehenden Darstellung nun als den Übergang einer kulturstiftenden Bewusstseinsstufe zu einer neuen, höheren verstehen.

Damit eine neue Kultur auf der Basis eines umfassenderen Bewusstseins entstehen kann, müssen jedoch nicht alle aufwachen, d.h. adhoc eine höhere Bewusstseinsintensität entwickeln. Nicht einmal ein Großteil muss es. Aufwachen muss nur die Spitze, dafür reicht theoretisch eine Handvoll Menschen für den Rest der Welt.

Auch die Essenz des Christentums wurde von einer einzigen Person in die Welt gesetzt. Alle anderen waren ihre Schüler oder Nachfolger.

„Das große Aufwachen“ bezieht sich also qualitativ nur auf einige sehr wenige – mehr braucht es auch gar nicht – und nur quantitativ auf das Kollektiv der Menschheit. Die Menschheit wird nicht deshalb wacher, weil jeder Einzelne „aufwacht“, sondern weil eine neue Kultur geschaffen wird, die auf den Prinzipien des Aufwachens oder des Aufgewachtseins fußt.

Was für Bakterien gilt, gilt für alle Lebewesen und auch für die menschliche Psyche und ihre Wachheit gegenüber sich selbst und der Welt: der Einzelne allein ist nichts, das Milieu ist alles. Unser psychisches Milieu ist die Kultur, in der wir leben. Nur die Kultur ermöglicht es, aus einem vorbewussten Neugeborenen einen selbstbewussten, kulturaufbauenden Erwachsenen zu machen.

Kulturentwicklung beruht auf Bewusstseinsentwicklung. Entwicklung im Bewusstsein zeigt sich durch zunehmenden Fokus und durch die zunehmend willentliche, d.h. zielgerichtete Bündelung von Aufmerksamkeit. Körperlich-instinktives Bewusstsein gleicht einer Radarstation ohne Fokus. Emotional-soziales Bewusstsein ist schon gebündelter und ermöglicht es uns, klarere Konturen und Unterscheidungen zu ziehen zwischen Tier und Mensch, zwischen Stimmungen, nuancierten Reaktionen und Charakteren. Intellektuell-mentales Bewusstsein ist um ein Vielfaches mehr gebündelt und erlaubt uns die noch viel schärfere Konturierung und Differenzierung in immer genaueren und subtileren Begriffen.

Die nächst-höhere Bewusstseinsstufe ist dann die des Selbstgewahrseins, wir könnten es psycho-mentales Bewusstsein nennen, weil es die zusätzliche Differenzierung unserer Wahrnehmung anhand von Echtheit (im Sinne von Authentizität) und Bedeutung (im Sinne von Sinnhaftigkeit und Wesensentsprechung) ermöglicht.

Bewusstseinsentwicklung ist Bewusstseinsdifferenzierung und diese braucht Fokus. Je höher der Fokus, desto größer wird auch die Integrationskapazität. Es ist wie beim Verstehen von Texten. Zunächst müssen wir lernen, Buchstaben zu erkennen, dann Worte und ihren semantischen Bezug innerhalb von Sätzen. Schließlich fokussieren wir noch weiter und können „zwischen den Zeilen lesen“, d.h. Andeutungen, Impliziertes und Mitgemeintes erkennen. So wird Lesen Stufe um Stufe fokussierter und gleichzeitig komplexer und integrativer. Analog dazu funktioniert Bewusstseinsentwicklung: sie befähigt Stufe um Stufe zu komplexerer Wahrnehmung und somit auch Kommunikation, Steuerung und Gestaltung.

Nebenbemerkung

Wer glaubt, Bewusstseins-Entwicklung verliefe in Richtung Verklärung und überwältigender Empfindsamkeit, der ist in die Regressions-Falle getappt. Alle Angebote gegen Klärung und Schärfung des Denkens und der begrifflichen Selbsterfassung sind rückwärtsgewandt und beruhen auf Angst vor Überforderung. Dazu gehören auch all die unzähligen Stimmen, die das Emotionale, das Soziale, das „Intuitive“, das Energetische oder andere prä-rationale Stufen des Bewusstseins anpreisen und als Entwicklungsschritt deklarieren. Was sie alle gemeinsam haben, auch wenn sie diese Tatsache aufwendig verschleiern wollen: sie sind von der Welt, wie sie bereits ist, schon massiv überfordert und stehen ihr hilflos gegenüber. Im Grunde rufen sie nach Entlastung und Befreiung von der Komplexität durch die Rückkehr auf frühere Entwicklungsstufen, deren tatsächliches Entlastungspotenzial sie stets völlig überschätzen. Sie behaupten, Kindlichkeit und Unmittelbarkeit zu fördern, bringen aber nichts weiter zustande, als kindische Naivität und Abkopplung von Reifungsmöglichkeiten.

Mann und Frau in der Zukunft

Schauen wir uns zum Abschluss noch ein konkretes Beispiel für die Veränderung kultureller Wahrnehmungs-Referenz an: den Bezug zum Geschlecht, Sexualität und sozialen Geschlechterrollen.

Es bedarf sicher keiner weiteren Ausführungen, dass wir aktuell diesbezüglich in einer großen Verwirrung und verzweifelten Realitätsabkopplung leben.

Die Menschheit durchwanderte Kulturepochen des Matriarchats, das irgendwann so emotional-willkürlich und blutrünstig wurde, dass es zur Rettung des menschlichen Wesens vom abstrahierenden, gesetzesorientierten Bewusstsein des Patriarchats abgelöst werden musste. Dieses birgt jedoch die Gefahr der Extremisierung ins Militante, weshalb auch diese Kulturbasis nun durch eine neue abgelöst und gesteigert werden muss. Nämlich von der Herrschaft des Menschlichen.

Wie wir oben schon gezeigt haben, hat jede neue Epoche die Aufgabe, alle ihr vorhergehenden zu integrieren, also sie nicht bloß zu ersetzen, sondern in sich aufzunehmen. Die Dynamik des Patriarchats der letzten 2500 Jahre und ihren Kulturepochen war mehr als eine Verlagerung sozialer Macht und Ordnungsprinzipien vom Mütterlichen auf das Väterliche. Es war eine Weiterentwicklung von der mythischen Abstammungs-, Eltern- und Ahnenkultur hin zu einer Individualkultur mit der Betonung des Mentalen und schließlich des Rationalen durch Recht und Zukunftsorientierung.

Wichtig: das patriarchale Denken ist nicht bloß männlich und bezieht sich auf mehr als nur das Männliche. Moderne politisch instrumentalisierte Bewegungen, die die Bevölkerung spalten und gegeneinander aufhetzen wollen, indem sie gegen Männer und alles Männliche kämpfen, lenken meist ganz gezielt davon ab, dass alles Patriarchale sich auf das Väterliche bezieht, also auf die Kombination aus Männlichkeit und verantwortungsvoller Fürsorge. Aber dagegen lässt sich schwerer agitieren als gegen eine pauschale Idee von „Männerwelt“. Männerherrschaft oder Männer-Privilegierung sind Symptome der einseitig und defizient gewordenen patriarchalen Kultur. Das Väterliche ist uns ja längst massiv abhanden gekommen, so dass wir es auch wiederherstellen müssen, um wieder psychisch ins Gleichgewicht und sozial gesund zu werden.

Das Männliche wird von alters her mit Recht, rechts und Richtigkeit verbunden so wie mit der Ratio, dem Mentalen und dem begrifflichen und planenden Verstand. Auch linguistisch beruhen Worte wie „Recht“, “Richtung“ und „richtig“ auf dem Wurzel-Laut „regh“, den wir im Lateinischen im Wort „recte“ wiederfinden, das einen sehr breiten und interessanten semantischen Umfang hat, nämlich: geradeaus, aufgerichtet, aufrecht; gehörig, glücklich, günstig, gut; recht, ordentlich, sicher, teuer, tüchtig, „mit Recht“ oder „zu Recht“, i.d.S. auch: „ohne Gefahr“ und – besonders für uns hier interessant: „in gerader Linie“ und „in gerader Richtung“. Es geht also, wenn wir über den Pol des „Männlichen“ sprechen, ideengeschichtlich-ursprünglich um den Bewusstseinsaspekt des Geraden, der geraden Linie – im Gegensatz zum weiblichen Kreis- und Zyklus-Bewusstsein, das immer bergenden, geschlossenen Charakter hat und deshalb auch essentiell ein- und ausschließend ist.

Durch die Bewusstwerdung des Prinzips von Geradlinigkeit wandelten sich auch die fundamentalen Prinzipien und Referenzpunkte einer Kultur: sowohl Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, als überhaupt Richtung, Richten und lineare Zielstrebigkeit wurden bedeutsam und brachten neue Lösungsansätze und Möglichkeiten hervor jenseits der ist-bezogenen Kreisförmigkeit und Zeitlosigkeit. Wir können sagen: die Kultur wurde maskulinisiert, männlicher – aber nicht biologisch, sondern psychisch. Das Männliche als das aufrichtende Element, das somit auch die gerade Linie nach oben, die vertikale Verbindung von der Erde zum Himmel (statt horizontal zwischen Erde und Natur) erzeugt, und somit die Erektion (Aufrichtung) in die Kulturpsyche einfügte, war eine Erweiterung des Bewusstseins des Menschen von sich selbst und seiner Einzigartigkeit, nämlich das einzige aufrecht gehende Wesen auf dem Planeten zu sein.

Schauen wir noch ein wenig weiter zum Begriff des Rechten. Die rechte Hand und die ganze rechte Körperseite werden von der linken Gehirnhälfte gesteuert, die auf analytische Logik, Sprache, Abstraktion und allgemein Distanzierung vom Körperlichen spezialisiert ist. Rechtslastig zu sein bedeutet also auch neuro-anatomisch, mehr aus den rational-analytischen Kompetenzen heraus zu agieren.

Es ist kein qualitativer Sprung, wenn bloß „mehr Rechte für Frauen“ gefordert werden. Ebenso könnte man mehr „Linke für Männer“ fordern. Oder vielleicht sollten die Frauen sich „die Linke“ zurückerobern…? Nein, die Überwindung oder besser: die integrative Neu-Einbettung von matriarchalen und patriarchalen Ordnungsdynamiken kann nur durch eine umfassendere Referenzstruktur möglich werden: also den Menschen und noch mehr das Wesentlich-Menschliche als zentraler Ordnungsaspekt für die neue Kultur.

Es scheint in der Entwicklungsfolge der kulturellen Schwerpunkte auch eine Pendelbewegung zwischen dem Femininen und dem Maskulinen zu geben, denen sich die sozialen und geistigen Entwicklungen unterordnen. Es ist daher davon auszugehen, dass uns als nächster Schritt der Kulturentwicklung eine spürbare Bewegung ins Feminine bevorsteht, also auch wieder eine Neu-Betonung jener Kompetenzen und Stärken der rechten Gehirnhälfte von Integration, Gesamtschau, Fokus auf Verbindung und Gemeinsamkeiten, mehr Aufmerksamkeit für alles Körperliche und Sinnliche, auf Fürsorge, Soziales und Raumgebendes.

Dabei werden aber nicht die mütterlichen Aspekte des Weiblichen tonangebend sein (das wäre ein Rückschritt zu matriarchalen, prä-mentalen Bewusstseinsstufen), sondern wahrscheinlich eher jener Aspekt, den wir als den Musischen (sind Musen nicht stets weiblich?) bezeichnen könnten: Kreativität, Kunstbezug, Ästhetik und der rezeptive Bezug zur geistigen Welt. Die besondere Macht des Weiblichen, die es darin besonders für Frauen wieder zu entdecken gilt ist die Macht der Schönheit – wohlgemerkt nicht jener Schönheit, die vom defizient-patriarchalen Geist (von Männern wie von Frauen) als „fotogen“, herstellbar und instrumentalisierbar definiert wird, sondern jene echte Schönheit, die aus der authentischen Anbindung an das eigene Wesen und dessen Ausdruck heraus leuchtet.

Ich hatte das schon in meinem „Brief an die Frauen der Dichter und Denker“ angedeutet: das Weibliche kann uns zum Besseren und Guten verführen, wo das Männliche – auf sich allein gestellt – auf Fokus, Kraft, Klugheit, Disziplin und Askese angewiesen ist. Letztere Eigenschaften sind in allen klassischen Helden-Bildern bis in die heutigen Kinogeschichten enthalten. Es ist deshalb überhaupt kein qualitativer Sprung, wenn diese Eigenschaften nun von Frauen – maskulinen Frauen-Helden – verkörpert werden, sondern zeigt nur die Hilflosigkeit unserer Kultur, sich mit all ihren Bedrängnissen und Sehnsüchten in ein erweitertes konstruktives Bewusstsein hinein zu versetzen.

Aber es ist im Kanon des Christentums bereits eine andersartige weibliche Integrationsfigur enthalten, nämlich in Maria und ihrer mythologisierten Geschichte. Sogar die katholische Kirche hat interessanterweise 1950 „schon“ das „neue Marien-Dogma“ durch den Papst verkünden lassen. In diese Richtung weist also schon der Zeitgeist.

Die Antwort auf die exzentrisch überdrehten und ausgezerrten Denkfiguren der erschöpften patriarchalen Logik ist, wenn wir so wollen, eine Marien-Logik: die vom Geist empfangende Jungfrau, die einen Bewusstseinsimpuls in den Körper holt und für alle sichtbar hervorbringt. Es ist auch interessant, wie Kirche und Kunst seit je her intuitiv bemüht waren, Maria nicht als typische „Mama“ darzustellen, sondern immer eher wie ein Mädchen. So bleibt die Botschaft erhalten, dass es sich nicht um einen biologischen Prozess handelt und dass die Jungfrau auch nach unzähligen Konzeptionen und Geburten Jungfrau bleibt. Das ist biologisch-materiell nicht zu verstehen, sondern nur symbolisch und nur gültig für das Psychische und Geistige. Und nur so kann eine solche „Marien-Kultur“ davor bewahrt werden, in matriarchale Grundhaltungen zurück zu kippen.

Und: so sehr es hier um das Empfangen von höheren, d.h. geistigen Prinzipien und Impulsen geht, so sehr geht es auch um Verkörperung und Körperwerdung. Die einseitige Figuration der Maria als keusches, anti-sinnliches, reines und naives Herzwesen, ist vermutlich schon eine reaktive Verformung aus einer überforderten Hypermaskulinität, der interessanterweise vor allem Frauen und besonders solche mit sexualitätsbezogenen Ängsten anheimfallen.

Das neue „Marien“-Bild, das es erst wieder zu ent-decken gilt – unter welchem Namen dann auch immer – wird den Eros und die Sinnlichkeit voll mit einbeziehen. Vielleicht sollten wir dafür die Figur der Maria Magdalena auch noch einmal neu und genauer anschauen und einbeziehen.

Dieses neue Ent-Decken femininer Bewusstseinsqualitäten bedeutet, metaphorisch gesprochen, dass die Gewänder und Umhänge der Maria sehr durchscheinend werden müssen und ihre mytho-symbolische Bedeutung sanft erweitert wird von der sorgfältigen Verhüllung und verdunkelnden Geheimhaltung der letzten Jahrhunderte hin zu einer erotischen Aufforderung zu behutsamer und ehrfurchtsvoller, aber entschlossener Enthüllung und Transparenz.

Licht und Sex – zur Verdeutlichung von Bewusstseinsentwicklung

Da wir nun schon bei der Erotik gelandet sind, wollen wir unser Momentum nutzen für ein paar Hinweise für zukünftig notwendige psycho-kulturelle Generalüberholungen.

Wie alle Begriffe von Lebendigem und Essentiellem, so wurde auch der Begriff der Erotik im Niedergang der alten Kultur luziferisch in sein Gegenteil verdreht. Erotik ist in Wahrheit das völlige Gegenteil von den nervös flimmernden Rotlicht-Inszenierungen, die uns unter ihrem Namen angedreht werden: sie ist das Leuchten von Tiefen-Vitalität und Lebensverbundenheit im Körper, durch alle Poren des Körpers und im gesamten gestischen und motorischen Ausdruck des Körpers. Eros ist das Prinzip der polaren Anziehung und Ergänzung. Je lebloser ein Körper und je unauthentischer eine Darstellung, desto weniger erotisch sind sie. Der Verkauf von Körperoberflächen und jede wirtschaftliche Instrumentalisierung von Körperlichem sind wegen ihrer De-Vitalisierung des Körpers per se völlig unerotisch. Wir neigen dazu, Erotik und Neurotik zu verwechseln. Der Neuro-Tick des modernen Abgekoppelt-Seins mag entstellte Ersatz-Befriedigungen und skurrile, psychotoide Praktiken erzeugen, aber er ist weit entfernt von jener Gesundheit und psycho-somatischer Intaktheit, die absolut notwendig sind, um die Bekanntschaft mit dem Gott Eros und seinen Lustbarkeiten zu machen.

Eine analoge Sinn-Verkehrung gibt es in Bezug auf Stolz, der einen unmittelbaren Bezug zur Erotik hat. Stolz ist eine natürliche Grundemotion, die wir auch bei allen Säugetieren finden: jene aufrichtende und vitalisierende Kraft, die uns sichtbarer und selbstbewusster macht. Und Vitalisierung oder Energetisierung in Verbindung mit Kontakt- und  Kommunikationsfreudigkeit laden auch erotisch auf.

Dass gesunder Stolz seit geraumer Zeit in der westlichen Welt unterdrückt und tabuisiert wird, liegt zum einen daran, dass auf diese Weise Herrschaftssysteme die Oberhand und Kontrolle über Menschen bewahren und zum anderen an der Verwechslung von Stolz mit Arroganz, deren Unterschied darin liegt, dass sie zugewandten Kontakt und wohlmeinende Kommunikation vermeidet, weil sie auf Angst beruht.

Die sogenannten „Pride Parades“ und verwandte Massenveranstaltungen versuchen Stolz und seine Vitalität aktionistisch zu inszenieren und aufzuführen, was jedoch mehr gewollt als authentisch und schon gar nicht spontan aussieht. Sie wirken deshalb in ihrer übertriebenen Aufdringlichkeit und aufmerksamkeitssuchenden Flitterhaftigkeit eher wie kontraphobischer Aktionismus zur Verdeckung des Mangels an natürlichem Stolz und von Desorientierung. Man kann Stolz nicht herbei imitieren und man kann seinen Gegenpol, die Scham, nicht weg demonstrieren.

Während Stolz bewirkt, dass man sich aktiv zeigt und so sichtbar wie möglich macht, bewirkt Scham eine Art innere Paralyse, die einen möglichst passiv, zurückhaltend und unsichtbar macht. Man kann diese innere Lähmung durch Scham nicht durch Aktionismus überwinden, sondern nur dadurch, dass man ihre Ursache behebt, nämlich die Desorientierung und Hilflosigkeit, sich in etwas oder etwas in sich nicht integrieren und verstehen zu können. Scham löst sich auf durch Bewusstwerdung, Integration und Verständnis.

Machen wir uns die stufenweise Bewusstseinsentwicklung, um die es in diesem Artikel geht, zu seinem Abschluss noch einmal an dem delikaten Beispiel der Sexualität deutlich. Dafür nehmen wir die klassische Metapher von Licht, um das steigende Bewusstsein darzustellen:

Auf der anfänglichen ersten Stufe haben wir Finsternis, das Stockdunkle und Lichtlose. Sexualität ist auf dieser Stufe noch unbewusst, archaisch-triebhaft und außerhalb jeder Kontroll-Dimension. Sie wirkt als unpersönliche instinktive Kraft aus dem Dunklen heraus und im Dunklen.

Auf der zweiten Stufe haben wir die Dunkelheit der Nacht, in der es unter dem Licht des Mondes nicht mehr völlig finster ist. Sexualität beginnt nun, bezogen zu sein, noch sehr rudimentär und kindlich-mutterbezogen, nach Geborgenheit und nach Ich-Auflösung in der Verschmelzung suchend. Sex wird als Bedürfnis erlebt, mit dem wir nach Vitalisierung durch Regression streben.

Die dritte Stufe ist die der Morgendämmerung, in der ein erstes indirektes Sonnenlicht auftaucht – das Zwielicht. Zwielichtige Sexualität beginnt ambivalent zu werden zwischen der Tendenz sich aufzulösen und überwältigen zu lassen einerseits und dem Impuls nach Selbsterhalt, Eroberung und Einverleibung des attraktiven Anderen andererseits. Die persönliche Bezogenheit nimmt zu und gewinnt den Charakter von Kräftemessen, Macht-Spielen und Unterwerfung, hinter denen sich im Grunde schon eine Begegnung auf Augenhöhe verbirgt, denn der Andere ist nicht von vorneherein über- oder unterlegen, sondern man will ihn in seiner Kraft wie einen Gegner spüren bevor man sich ihm hingibt oder ihn „sich nimmt“.

Mit der vierten Stufe beginnt der Tag mit dem vollen Sonnenlicht, das alles bescheint und sichtbar macht. Dieses Tageslicht bringt eine enorme Vielzahl von Farben hervor, die von den Oberflächen der Dinge abstrahlen. Es ist wie das Licht einer Bühne, das Faszination, Begeisterung und emotionale Intensität hervorbringt, aber dafür auch noch mehr den Schein als das Sein leuchten lässt. Auf dieser Bewusstseinsstufe wird Sexualität romantisch-polar. Es geht nicht mehr darum, zu verschmelzen und sich aufzulösen, sondern im Gegenteil, es geht um die maximalen Unterschiede und die Gegen-Pole maximaler Attraktion: man will den Anderen gerade in seiner aufregenden Andersartigkeit – nicht gleich verschlingen, sondern bei sich haben. Es geht um den Erhalt und die Polarisierung der eigenen Identität und um die Wahrung ihrer Grenzen. Das Archetypische und das Ideelle, Träume, Wunsch-Fantasien und Sehnsüchte werden wichtiger als körperliche Erfüllung. Auf dieser Stufe beginnt das Seelische über das Instinktive und Soziale zu dominieren. Das Herz und seine nach oben strebenden Gefühle dominieren nun über das Becken und die Triebe. Wir neigen dazu, das andere Geschlecht zu idealisieren und in die luftigen Höhen des (körperlich) Unerreichbaren zu heben. Auf dieser Ebene aber beginnt die Begegnung auf Augenhöhe, nicht mehr als Kampf, sondern als gegenseitige Ergänzung. Wir suchen in der romantisch-polaren Sexualität ein höheres Drittes, das nur zu zweit in einer ganzheitlichen Vereinigung (nicht Verschmelzung) zu finden ist.

Die fünfte Stufe bringt ein neues Licht hervor: das Licht, das durch die Körper hindurch scheint und sie transluzent macht und anfängt, mit Licht und seiner Energie aufzuladen.  Auf dieser nächsten Bewusstseins- und Integrations-Stufe webt sich das „Licht des Verstandes“ hinein in unser sexuelles Bewusstsein, jene Kraft, die wir als Klärung, Klarheit, Helligkeit und Leichtigkeit erleben. In der englischen Sprache noch mehr als in der deutschen können wir erkennen, dass die Worte „Licht“ und „leicht“ den gleichen Bezugsursprung haben. Auf dieser Stufe beginnt das Verstehen von Sexualität. In ihren früheren Stadien mag sie noch zu einer Dominanz des Mentalen führen, man will mit Techniken, Theorien und Hilfsmitteln der Sexualität auf die Schliche kommen, was aber dazu führt, dass sie sich zurückzieht und unter der Überhitze vertrocknet. Der Zugewinn an Kontrolle und ausgefalleneren Praktiken fordert auch, dass man lernt zu befeuchten. Der instrumentelle linke (maskuline) Neokortex muss sich ergänzen durch den gefühls- und beziehungsbetonten rechten (weiblichen), der dafür sorgen kann, dass es im Kontakt zwischen den Polen feucht, flüssig und schlüpfrig bleibt. Dann beginnt Sexualität erhellend und erhebend zu werden, weil die sexuelle Begegnung auch geistig angereichert ist.

Auf Stufe sechs intensiviert sich der Einfluss dieser geistigen Dimension nochmals. Das mehr geistige als physische Licht dominiert nun in seiner Wellen- und nicht mehr so sehr in körperlicher Teilchen-Form. Das UV- oder Röntgen-Spektrum des Sonnenlichtes geht nicht nur durch die Oberflächen hindurch, sondern erzeugt nun ein Licht in den Körpern selbst: wir beginnen von innen zu leuchten, wir beginnen, Schönheit und Ganzheit auszustrahlen. Auf dieser Stufe wird Sexualität transparent-ästhetisch.  Sex ist nun eine Begegnung oder besser: eine Verschränkung von Licht. Der Kontakt findet auf Schwingungs-, Energie- oder Photonen-Ebene statt, eine Art Quantenfeld-Begegnung, in der es sowohl klare Grenzen als auch Grenzenlosigkeit gleichzeitig gibt. Auf dieser Stufe erlangen wir Bewusstheit über unsere Zeugungskraft und über den Zeugungsakt selbst. Unser Ich löst sich nicht mehr auf, sondern lässt sich durchströmen und kann sich hingeben ohne sich aufzugeben. Wir können opfern ohne zum Opfer zu werden. Wenn Sexualität das Attribut heilig verdienen kann, dann auf dieser Stufe. Die levitierenden Kräfte überwiegen und umhüllen nun alle anderen, vor allem die gravitativen Triebkräfte, so dass wir schweben. Sex findet nun in den Wolken – und überall und ständig – statt, wobei unser volles Bewusstsein jedoch auf dem Teppich bleibt.

Ab Stufe 4 wirkt Sex zunehmend sowohl heilend und regenerierend als auch bewusstseinssteigernd, weil Sex-Energie mehr und mehr bewusstseinsfördernd transformiert und nicht mehr bewusstseinsvernebelnd eingesetzt wird. Darüber hinaus wirkt Sexualität ab einer „Licht“-Intensität von Stufe 5 kreativ, das heißt schöpferisch und aufbauend über seine biologischen Funktionen hinaus.

Die Entwicklung des Sexualitäts-Bewusstseins über die Stufe 4 hinaus ist in unserer Kultur schwierig, weil es für sie keine Förderung gibt. Es ist schon viel, wenn Menschen eine gesunde Form der Stufe 4 entwickeln, die meisten erreichen nur eine defiziente Ausprägung, in der Herz- und Beckenenergie nicht zu einer sich-ergänzenden Einheit finden. Dann bleibt es bei der mehr oder wenigen subtilen Trennung von „Sex“ und Gefühl. Wir können auch die inflationäre Verbreitung von Pornografie als Versuch einer Bewusstseinsentwicklung zu Stufe 5 betrachten: nämlich durch die Sichtbarmachung und die Visualisierung von Sex als etwas Zu-Betrachtendes, also als Versuch, eine übergeordnete Beobachter-Perspektive zu erobern und als hilflosen und so gut wie immer fehlgeleiteten und schädigenden Versuch, Sex und menschliche Sexualität zu ästhetisieren. Das dies nicht gelingt, liegt vor allem an mangelder Integration und Stabilität der ersten 4 Stufen, die in Folge neurotische und völlig pervertierte Formen der Sex-Visualisierung hervorbringen, welche leicht ersichtlich von Abspaltung, Angst und Missbrauch geprägt sind.

Die grundsätzliche Gefahr in der Entwicklung höherer Bewusstseins-Intensitäten liegt auch hier wieder darin, sie bloß aneinander zu reihen und zu „stapeln“ statt sie auseinander hervorgehen und sich ineinander integrieren zu lassen. Dann ergibt sich eine Fragmentierung der Identität und der Fähigkeiten, mit der man den starken Energien der Sexualität gar nicht gewachsen ist. So wird dieser ganze Lebensbereich zunehmend von Angst vor Überforderung, Anspannung und Verdrängung belastet.

Die konstruktive Alternative, die es zu finden gilt, sorgt für ein langsames und organisches Wachstum, in dem sich unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmungsfähigkeiten kontinuierlich erweitern und verfeinern, um zum einen die Sexualität in unser körperliches, emotionales, soziales und mentales Bewusstsein zu integrieren und andererseits uns mit all unserem Körperlichen, unseren Emotionen, Beziehungsweisen und Konzepten in unserer Sexualität präsent sein zu lassen.

Eine Bühne für die entschleierte Maria

Vielleicht hilft uns dabei die beschriebene neue Figuration der Maria als nicht nur durchscheinende, sondern als leuchtende Jungfrau. Vielleicht können wir dadurch die psychische Kluft zwischen dem Sinnlichen und dem Herzlichen schließen, um die Kräfte ihrer Vereinigung kulturell fruchtbar zu machen. Sowohl Männer als auch Frauen werden eine solche Vor-Stellung von einer zeugungsbewussten und zeugungsanlockenden Weiblichkeit brauchen, um ebenfalls die Kluft zwischen hochtrabenden Ideen und mutiger Tatkraft zu schließen.

Ein neues kulturelles Bewusstsein könnte irgendwann weit genug gereift sein, um dafür – für diese Form von geist-empfangender Femininität – Bühne und Licht zu bereiten. Also auch nicht mehr ohnmächtig zu werden vor dem sich langsam entschleiernden Bildnis der Göttin von Sais. Während die Frauen dafür vor allem die Tiefen ihres weiblichen Wesens zu ent-decken und sichtbar zu machen haben, dürfte den Männern in erster Linie die Aufgabe zukommen, die Bühnen- und die Lichttechnik zu entwerfen, aufzubauen und zu erhalten – primär innerlich, psychisch-geistig, versteht sich.

Dann werden wir auf eine neue Weise fähig werden, eine bisher verborgene und nun beinahe hüllenlose Maria in uns und in allem Unsrigen zu erkennen als ein strahlendes Symbol und Versprechen des Glücks, gesund und lustvoll Mensch auf Erden zu sein.

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8 Kommentare
  1. barbara
    barbara sagte:

    Lieber Phillip, du schreibst du wirst dich auf Andeutungen beschränken. Diese vermeintlichen Beschränkungen lassen Raum für eigene Gedanken und Wege. Ich bin einer der Menschen, die Anderen Wege aus Ihren Ängsten und Begrenzungen aufzeigen und zum Wohle aller verändern dürfen. Gerade Sexualität ist ein hohes Gut, welches immer mehr pervertiert und mit Füssen getreten wird. Recht hat der, der heilt und das geschieht in der Vielfalt an Möglichkeiten in der es Menschen gibt. Deine Gedankengänge zeugen von großer Klarheit des großen Ganzen und ich bin dankbar, dass du sie hier im Blog weitergibst. Auch so kann Heilung geschehen, denn wir sind Köper, Geist und Seele. Deine Worte erreichen den Geist, treffen auf Gefühl, regen zum Nachdenken an und machen bewußt – ein Geschenk!
    Herz-lichte Grüße
    Barbara

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  2. Siegelbruch
    Siegelbruch sagte:

    Da hier schon einmal von der Zeit die Rede ist, deswegen möchte ich sie gleich einmal, aus der Sicht des Menschen heraus, der ja bekanntlich der Maßstab aller Dinge ist, für alle einleuchtend definieren; die Zeit ist von ihrem sich beschleunigenden Ursprung her eine immer stärker sich entwickelnde Gier, ja, sie ist ein Gieren, die Säurebildung im Menschen, die resultiert nämlich genau da heraus, tut er sich intensiv auf etwas (muttersprachlich Anspruch erhebend und diesbezüglich regelnd) konzentrieren. Kurz gesagt: Die Zeit ist eine materielle Bewegung durch den Raum zum Zweck des materiellen Zugewinns, motiviert durch konzentrierte Gier. Warum also übersäuern wir? Sauer werdend geht es uns dann unter die Haut, wo es mit dem ausbrennenden Zusammenfalten (z. B. in den Wechseljahren) perfekt hinhaut.
    Wer die Zeit neutralisieren will, der müsste die regelnde und geregelte Muttersprache der heutigen Babylonier, eben als menschlichen Anspruchsaspekt, abschaffen. Dass ich daran mit dem Erkenntniswort arbeite, das darf ich nun aber nicht so laut sagen, sonst werden gleich alle sauer und greifen mir gegenüber zu ihren moralisch gerechtfertigten Vernichtungswaffen.

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  3. Martina Florenz
    Martina Florenz sagte:

    Ich bin überwältigt Philipp.
    So eine klare Analyse! Sicher, ohne gewisse Vorkenntnisse nicht so einfach zu erfassen, auch ich hatte teilweise Schwierigkeiten, trotz NLP-und Psycho-Ausbildungen…;-)

    Auf jeden Fall ein Meisterwerk, wie ich finde.
    Werde es auch abschnittsweise ausdrucken und gezielt weiterreichen, denn wie du schon schreibst: Es bedarf nicht Vieler. Die Gesetze von Anziehung und Resonanz usw. werden dafür sorgen, dass deine Worte an die Richtigen gelangen. Danke für diese anschaulichen Verdeutlichungen. Ich mag’ diese gesunden Strukturen sehr. Danke für dein Sein und dein Wirken.

    Antworten
  4. Ingeborg
    Ingeborg sagte:

    Sehr geehrter Herr Alsleben, könnten Sie mir diesen Satz noch etwas erklären? Irgendetwas verstehe ich nicht.
    “Nicht die Menschen ändern sich oder müssten sich verändern, sondern die Kultur, in die sie hinein geboren werden, in der sie leben und sich entfalten.”

    Wir Menschen müssen ja die Kultur gestalten? Ohne uns auch keine Kultur. Wir haben sie verfallen lassen anstatt veredelt und weiterentwickelt, soviel ist klar. Und wenn wir wieder eine gesunde schöne Kultur aufgebaut haben, werden es die Kinder, die hineingeboren werden auch wieder leichter haben als wir, die wir den Wirrwarr erst wieder entwirren müssen.
    Ich freue mich auf Ihre Antwort
    Ingeborg

    Antworten
    • Philipp
      Philipp sagte:

      Kultur wird durch Menschen geformt, aber die (!) Menschen nur durch die Kultur. Ein ordentlicher Knoten zum Drübernachdenken und Schleifen der Denkwerkzeuge.
      Im Grunde ein Henne-Ei-Problem, das man nur lösen kann, wenn man ein Drittes mit einbezieht…

      Antworten
      • Ingeborg
        Ingeborg sagte:

        DANKE! Ich glaube ich habs??? Die Schöpfungsordnung ist Grundbaustein? (… dass Dritte, unser Schöpfer?) Einfügen in diese Schöpfungsordnung bringt eine gesunde aufbauende Kultur mit sich in der sich die Menschen immer nur förderlich entwickeln können.

        Ich habe übrigens all Ihre Seiten studiert. An allem habe ich viel Freude. Und wenn es mir zu viel ist, weil die Texte ja sehr inhaltreich und lang sind, dann stelle ich die Vorlesefunktion ein, dann kann ich, wenn ich irgendwo hängen bleibe, also etwas nicht verstehe, es wiederholt abspielen um tief denken zu können. Sehr glücklich macht mich ihr Beitrag über “Mann und Frau”. So wertvoll und so wichtig!!!!

        Antworten
  5. carlos
    carlos sagte:

    Deinen Gedankengängen, lieber Philipp,zu folgen gleicht einem Aufenthalt an einer Quelle zu verweilen & dem erfrischenden Sprudeln des Wassers zu zuhören.
    Ich bin mir sicher Deine Ausführungen sorgen für ein tieferes Verständnis & Halt für Suchende in diesen peinigenden Zeiten der Orientierungslosigkeit.
    Keimzellen werden dafür sorgen wieder ein Gleichgewicht der Kräfte zu schaffen – diese kann man getrost als Elite bezeichnen welche die Ethik zur Basis hat.
    Danke für Deine Arbeit.

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