Teil 1: Die Matrix


Das Chaos, das mittlerweile den meisten Menschen unleugbar vor Augen steht, ist sehr alt und schon sehr lange die Grundlage unserer gesellschaftlichen und kulturellen Verfassung. Jetzt, am Ende seiner Herrschaftszeit, wird es allerdings sichtbar gemacht. Es muss sichtbar werden, um überwunden werden zu können.

Chaos ist ein rein mentales Phänomen. In der Realität gibt es keine Unordnung. Der Kosmos (gr. „Ordnung“) folgt ausschließlich seinen inhärenten Gesetzmäßigkeiten und kann deshalb nicht anders als gesetzlich, geordnet und somit „in Ordnung“ sein. Was jedoch in Unordnung geraten kann, ist das Verständnis dieses Kosmos und seiner Vorgänge. Was wir nicht begreifen, einordnen und kohärent konzeptualisieren können, das erscheint uns chaotisch. Auch unsere eigenen Reaktionen, Affekte und Gefühle erleben wir nur dann als „chaotisch“, wenn wir sie nicht benennen, nicht zuordnen und nicht verstehen können.

„Chaos“ bezeichnet also keinen wirklichen Zustand, sondern die Abweichung des inneren Verarbeitung und Abbildung von „Welt“ von der unmittelbaren Perzeption der Wirklichkeit. Chaos ist ein Aspekt der Beziehung zwischen Realität und Bewusstsein, wobei mit Bewusstsein zunächst einmal nur die Funktion der abstrahierenden Repräsentation von Wahrnehmungen gemeint ist. Man kann also auch Chaos in einem Tier auslösen, indem man ihm die Möglichkeit entzieht, seine Wahrnehmung angemessen zu verarbeiten. Bei Tieren braucht es dafür schon sehr drastische Eingriffe in ihre Lebenswelt oder eine massive Störung ihrer natürlichen Entwicklung, um sie unfähig zu machen, sich in der Realität zu orientieren.

Den Menschen jedoch kann man viel leichter in den psychischen Zustand von Chaos stürzen, weil er nicht vom Instinkt gesteuert wird, sondern von seiner Fähigkeit zum abstrahierenden Denken. Kleinkinder und geistig schwerbehinderte Menschen, die dazu (noch) nicht fähig sind, sind deshalb auch ohne eine ganz basale Betreuung nicht überlebensfähig. Es ist im Vergleich zum Tier für einen Menschen also viel wahrscheinlicher, dass er desorientiert ist, denn er braucht für seine selbständige Orientierung die viel fragilere Funktion des begrifflichen Denkens, die frühestens nach 16-18 Jahren soweit ausgebildet sein kann, dass sie eine eigenständige und stabile Steuerungszentrale werden kann.

Wenn ein Kind nicht darin unterstützt wird, klare Begriffe und Konzepte in Bezug auf seine eigene Wahrnehmung zu entwickeln, oder wenn es darin sogar aktiv behindert und gestört wird, dann ist das eine Verletzung seiner Integrität. Es ist eine Verletzung seines natürlichen Strebens nach Integration der eigenen Wahrnehmung und des eigenen Erlebens in richtige, differenzierte und kommunizierbare Schemata. Und Integration komplexer Zusammenhänge wie sie die Welt nun einmal ausmachen, ist nur über das begriffliche Denken möglich, nicht durch Gefühle und auch nicht durch Bilder.

Diese Verletzung der Integrationsmöglichkeiten also löst einen Schmerz aus, dem das Kind, wenn es keine Hilfe und Lösung von außen bekommt, nur dadurch ausweichen kann, indem es jeden weiteren Versuch der realen Begriffsbildung und des wahrnehmungsbezogenen Denkens, d.h. des rationalen Denkens, unterbindet. Es wird dann auf der einen Seite Empfindungen, Gefühle und Wahrnehmungen haben, die es nicht in Worte fassen und über die es in Folge nicht nachdenken kann. Auf der anderen Seite wird es Gedanken, Ideen, Maßstäbe, Normen und Axiome aufnehmen und sich intellektuell an sie klammern, die überhaupt keinen Zusammenhang mit seinem eigenen Erleben haben. Statt an seiner Wahrnehmung und damit der Realität orientiert es sich intellektuell, moralisch und im Verhalten nur noch an sozialen Vorgaben. Um den Schmerz über diese existenzielle Abtrennung von der Realität zu vermeiden, wird es jedes Bewusstsein davon verdrängen und alles unterdrücken und bekämpfen, was es an diese innere Spaltung erinnern könnte.

Existenziell ist diese Spaltung deshalb, weil die Trennung von Wahrnehmung und Denken jegliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit verhindert, somit also die psychische Entwicklung zum Erwachsensein stoppt und den Menschen auf Lebenszeit zu einem Zustand infantiler Abhängigkeit, Desorientierung und Hörigkeit verdammt.

Ein solch kindlich-abhängig gebliebener Mensch wird sich in keiner Gemeinschaft und keiner Situation wohlfühlen, in der er dazu aufgefordert wird, eigenständig und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Er wird sich um jeden Preis in eine Gesellschaft und eine politische Struktur flüchten, die für ihn die Führung und die Verantwortung übernimmt, ihn versorgt und von den anstrengenden Pflichten des Erwachsenwerdens – nämlich des Denkens – entbindet. Weil seine rationale Verarbeitung der eigenen Wahrnehmung von diesem enormen, verdrängten und unaussprechlichen Schmerz blockiert wird.

Das väterliche Prinzip der Förderung würde dann als überfordernd und bedrohlich erlebt werden. Es würde gemieden werden zugunsten nur noch des mütterlichen Prinzips des Versorgens, Behütens und Bewahrens als erträgliche Umgebung und Struktur. Dementsprechend würde eine derart verletzte und gelähmte Gesellschaft sich zunehmend matriarchal organisieren und patriarchale Prinzipien immer mehr ablehnen oder „vergessen“. Dieser Prozess ist eine sich selbst beschleunigende Abwärtsspirale, weil immer mehr Kompetenzen, Mut und Selbstsicherheit verloren gehen würden, wodurch die Unsicherheit und Überforderungsgefühle immer dominanter werden und die Flucht in die Arme mütterlicher Fürsorge- und Versorgungssysteme immer radikaler wird.

Da wir seit längerem schon kulturell und politisch am Ende dieser Abwärtsspirale leben, schon im Übergang zu einer noch destruktiveren Spirale, sollten wir uns diese matriarchalen Strukturen genauer ansehen, um sie zu durchschauen als das, was sie sind: Angst-, Abwehr- und Aufhalte-Srategien gegen menschlich-geistige Entwicklung.

Die Grundprinzipien matriarchaler Strukturen

Nachdem dieser Prozess der Abspaltung von der rationalen Realitätswahrnehmung schon seit über 150 Jahren ohne Unterbrechung voran (also hinab) schreitet, leben wir heute in einem fest etablierten, auf Regression und Unmündigkeit ausgerichteten Matriarchat mit nur noch wenigen zusammenhangslosen, unwirksamen und überwiegend missbrauchten Überresten vorhergender patriarchaler Strukturen.

Das wird die meisten wundern, da man uns doch ununterbrochen eingehämmert hat, wir lebten in einem Patriarchat, was im Übrigen als Ursache all unserer Probleme verkauft wird.

Das Wörterbuch beschränkt den Begriff Matriarchat auf die Regelung der Erbfolge, nämlich als an die mütterliche Erblinie angebunden. Wenn das die Bedeutung des Begriffs wäre, dann wäre er unbedeutend und irrelevant – vielleicht soll er das werden? Wir werden auf diese Möglichkeit darauf zurückkommen…

Das Matriarchat (von lat. mater = Mutter und gr. archēs = ‘Oberhaupt’ zu árchein ‘der Erste sein, Führer sein, herrschen’) ist eine Gesellschaftsstruktur, eine Organisationsform auf der Basis von Prinzipien, die sich aus „mütterlicher Macht“ und Mutter-Bezogenheit ableiten. Mutter-Bezogenheit bedeutet die Position eines Kindes einzunehmen, also Infantilität, Abhängigkeit, Unmündigkeit und das Ausweichen auf Anpassung an größere, bergende und versorgende Instanzen, von denen man sich Schutz erhofft, als einzige Reaktionsmöglichketi auf Konflikte.

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive stellt das Matriarchat eine kindliche, regressiver Gesellschaft dar, deren Selbst- und Weltbewusstsein auf unmittelbarem, emotionalem Erleben beruhen und die um soziale Bindungsmechanismen und ihren eigenen Erhalt kreist. Das psychisch-kognitive Äquivalent zu dieser Regression oder Fixierung auf primitivere, prä-rationale Bewusstseinsstufen ist die Abkopplung von Sprache und Denken von der Realität und das Abdriften der Denkfunktion in imaginäres, ideologisches Wunschdenken, in Träume und Trance-Bilder.

Wenn heute der Begriff Matriarchat verwendet wird, dann meist nur in Verbindung mit ideologisierten, diffusen aber fantasievoll hochstilisierten Wunschvorstellungen und Sehnsüchten nach einer Welt, in der weise, wohlwollende und wache Frauen, also eigentlich Mütter, eine naturbezogene und naturanbetende Gemeinschaft führen und formen und sich darum kümmern, dass es immer allen gut geht. Man muss kein Psychoanalytiker sein, um darin die sehr deutlichen Spuren infantiler Mutter-Projektionen und -Sehnsüchte zu erkennen.

Tatsächlich ist das Matriarchat jene Gemeinschaftsstruktur, die sich an den Zyklen der Natur, überhaupt an Naturkräften und Ereignissen ausrichtet und den Menschen im besten Fall als Teil der Natur sieht, wenn nicht sogar als armes, in jeder Hinsicht dem Tier unterlegenes Opfer der Natur. Diese Sichtweise zwingt die Menschen im Matriarchat dazu, das instinktive Element besonders hoch zu schätzen, was sich im intuitiv-schamanistischen, drogen- und trance-affinen Umgang mit jeglicher Art von Problemen, Konflikten und Herausforderungen zeigt.

Das zweit-wichtigste Element in dieser Bewusstseinsstruktur ist der soziale Zusammenhalt, denn Überleben kann der Mensch, der den Naturkräften hilflos ausgeliefert ist nur, wenn er als Gruppe, wie ein Organismus funktioniert. Deshalb muss sich das Individuum darin stets der Gruppe fügen und unterstellen – niemals umgekehrt. Auch die Anführer in matriarchalen Strukturen sind nur Macht- und Funktionsträger, keine Führungspersönlichkeiten, die durch Individualität führen.

Der Bezug zur der einen, eigenen Gruppe ist existenziell. Fremde Gruppen werden argwöhnisch oder feindlich betrachtet, einfach deshalb, weil sie eine andere Gruppe sind – die tatsächlichen Unterschiede spielen dabei nur eine symbolische, keine qualitative Rolle. Das Anderssein bezieht sich auf Bräuche, Rituale, Symbole, Traditionen, Narrative, Mythen und Glaubensdogmen – jene Merkmale also, die Menschen durch dingliche Gewohnheiten und konkrete Routinen an eine Gruppe binden – nicht durch Werte oder besondere Fähigkeiten.

Angelehnt an das erlebbare und offensichtlich Zyklische in allen Prozessen der Natur, ist die Grundfigur der matriarchalen Organisation der Kreis.

Im natur-mystischen Bewusstsein matriarchaler Gesellschaften ist alles „in Ordnung“, wenn es im Kreis und innerhalb des Kreises ist: die offensichtlichsten Zyklen von Tag und Nacht und von Frühling, Sommer, Herbst, Winter und wieder Frühling; der des Mondes und der von Geburt, Leben, Sterben und… wieder geboren werden. In der modernen Welt ist es der Funktions-Zyklus von Aufstehen, Arbeiten gehen, Essen schlafen gehen und wieder aufstehen. Was das Kreisdenken nicht kennt, ist die positive, erstrebenswerte Idee der Geraden, die Idee des Vektorpfeils, der – egal in welche Richtung – irgendwann aus dem Kreis heraus führt, sich davon befreit und darüber hinauswächst. Es gibt im Kreisdenken keine relevanten Ziele, keine Ausgänge und kein Ende. Der Kreis ist endlos. Auch die Spirale ist es, denn sie bildet nur einen größeren Umkreis, in dem sie sich zu ihrem Ausgangspunkt zurückbiegt und wiederholt.

Und wie hält sich menschliches Bewusstsein im Orbit seiner Funktionskreisläufe und in immer engeren, kontrollierbaren Umdrehungen? Indem es jedes Zieldenken, jede Aspiration und Motivation umbiegt auf nur noch ganz Konkretes und Unmittelbares, auf Materielles, auf Alltägliches, Banales und soziale Trivialitäten in Dauerschleife. Welches System muss der Mensch erschaffen und fixieren, damit niemand mehr höher hinaus denkt und will, niemand mehr wachsen will und niemand mehr den Blick zum Horizont erhebt? Ein System, das chronisch Gefühle der Knappheit, Frustration, Bedrohung und Ausweglosigkeit erzeugt. Man muss eine Philosophie der Vergeblichkeit in sie einpflanzen, eine Weltanschauung der permanenten Bedrohung (z.B. durch nahende Naturkatastrophen, unberechenbare Feinde oder immer neue tödliche Krankheiten) und ein Lebensgefühl des chronischen Mangels, der Ressourcenknappheit und der Überbevölkerung. Die Basis ist also Angst gekoppelt mit Ohnmacht. Man muss aber darüber hinaus auch dafür sorgen, dass alle Moral- und Idealvorstellungen durch Widersprüchlichkeiten, undurchschaubare Kompliziertheit, durch Ablenkung und gehaltlose Zerstreuung betäubt und niedergedrückt werden. Man muss das Bewusstsein von nicht-materiellen, nicht-physischen und nicht-sozialen Werten vernichten.

Jede Kombination dieser Strategien sorgt dafür, dass die Moral und das Selbstwertgefühl der Menschen keine Referenzpunkte mehr „oben“, im Geistigen, in höheren Idealen suchen, sondern nur noch im physischen und sozialen Überleben, im „Einfach-nur-Weitermachen“, im „Augen-zu-und-durch“ und dafür in der sozialen Anpassung und maximalen Unauffälligkeit. Die Kernmotivation der Menschen mit so einem Weltbild ist Erhalten, Konservieren, Bewahren dessen, was man schon hat – festhalten und horten – kein Risiko eingehen, nichts wagen und nichts verändern. Der zentrale Referenzpunkt der Menschen im matriarchalen Kreisdenken ist die Mittelmäßigkeit.

Dieses geschlossene, schützende Samsara wird zum Circulum vitiosum, sobald der Wunsch nach einem Ausgang oder Endpunkt auftaucht, denn im Kreisdenken gibt es nur die ewige Wiederholung.

In einer matriarchalischen Gesellschaft ist Kolumbus kein Held oder Vorbild, sondern ein Ketzer und Staatsfeind. In einem modernen, post-kolumbianischen Matriarchat werden sich die Menschen notgedrungen an die Idee klammern, die Erde sei eine Kugel, also die dreidimensionale Variante eines geschlossenen Kreises: egal in welche Richtung du gehst, du kommst immer am Ausgangspunkt aus. Und nützlicherweise erzeugt die Idee, auf der Oberfläche einer Kugel zu leben, auch gleich das systembindende Gefühl chronischer Schutzlosigkeit und kollektivem Ausgeliefertseins. Das „Hilfe-wir-leben-auf-einer-Kugel“-Modell ist also auch eine subtile psychische Folter: du bist nicht „drinnen“ und geschützt, sondern klebst nur außen am Rand; der nächste Asteroid könnte dich treffen, die bösen Sonnenstrahlen tun es sowieso ständig und die Ozonschicht wird immer dünner! Das ist die Weltanschauung von psychischen Gefängniswärtern: da draußen ist nur dunkle Öde und luftlose Leere, eine Flucht ist zwecklos, es gibt kein Entkommen. Wir haben unsere Gefängniswärter im Kopf.

Dieses kreisbezogene Bewusstsein erkennt nur in der Figur des geschlossenen Kreis die „kosmische Ordnung“, Stimmigkeit und Angemessenheit. Nur in Kreisstrukturen kommt es zur Ruhe, Zentrierung, findet Sicherheit und Frieden. Alles andere, z.B. geradlinige oder vertikale (zum Kreis orthogonale) Ausrichtungen erlebt es als Gefährdung oder gar Zerstörung des Kreises und damit seiner Sicherheit, die auf Geborgenheit angewiesen ist. Matriarchale Kulturen und Gemeinschaften werden sich daher stets am Kreis orientieren und geschlossene Kreise bilden.

Es ist jedoch ein grober Irrtum zu glauben, dass es in der Kreisstruktur keine Hierarchien gäbe. Das ist einer jener automatisierten Denkschemata, mit denen heute für derartige Regressionen ins Kindliche und Archaische als „Fortschritt“ und „Lösung“ geworben wird, wobei das Thema Macht geradezu schreiend verschwiegen und auffallend weitläufig umfahren wird. Auch im Kreis gibt es Hierarchien, nämlich die zwischen Mittelpunkt und Peripherie. Auf dieser Achse spielt sich alle Ordnung ab – und zwar hierarchisch. Und was steht im Mittelpunkt der matriarchalen Organisation? Die Macht.

„Macht“ ist linguistisch verwandt mit Mater, Materie, Matrix, Magie, Maschine, Manipulation … jenen Worten mit der gleichen Wurzel für einen betont weiblichen und mütterlichen Aspekt – nämlich der weiblichen Form von Macht. Das Wort „Macht“ geht zurück auf das althochdeutsche Wort „maht“, das gebraucht wurde im Sinne von „Vermögen, Körperkraft, Anstrengung, Gewalt, Vollmacht, Menge, Fülle“. Es lässt sich auch in Zusammenhang bringen mit dem altnordischen Wort „māttr“, was so viel bedeutete wie ‘Macht, Kraft, Gesundheit’. Wir sehen an dieser Etymologie schon, dass es hier vor allem um Körperkraft geht und nicht um geistige, mentale oder intellektuelle Kraft. Diese stellt nämlich ihr Komplementär dar, die wir als Potenz kennen (von lat. posse = können), die sich mehr auf Kompetenz als auf physische oder energetische Kraft bezieht. Man kann dieses bipolare, komplementäre Verständnis von Macht auch im Englischen erkennen im Unterschied der Wörter power und might, die beide mit Macht übersetzbar sind. Letzteres aber entstand aus der Wurzel magh, in der jener weibliche Aspekt von Macht liegt.

Wir finden in dieser Unterscheidung bereits einen wichtigen Hinweis darauf, dass wir wohl zwei Formen von Macht und Machtstrukturen unterscheiden müssen: eine (weiblich-) matriarchale und eine (männlich-) patriarchale; und dass wir sie nicht als antagonistisch oder einander ausschließend zu betrachten haben, sondern als ergänzend und erweiternd: nämlich von der physischen materiellen Kraft-Macht zur mehr geistig-mentalen Kompetenz-Macht.

Die Revolutions-Ideologen, denen es tatsächlich um Re-volution, also Rückwärtswendung geht und nicht um Evolution (ex-volvere = (sich) heraus drehen/entwickeln), beklagen die Unfreiheit, Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeiten der Moderne regelmäßig als die üblen Merkmale eines Patriarchats. In der Folge dieses falschen Verständnisses und ihrer auch sonst recht ausgereiften Einfältigkeit streben nicht nur die Feministen, sondern mittlerweile so gut wie alle links-alternativ programmierten Utopisten nach einer Wiedererrichtung matriarchaler Strukturen. Was sie nicht bemerken, ist, dass sie danach gar nicht streben müssen, denn das ist seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts die allgemeine Rückwärts-Tendenz aller Gesellschaften und Makro-Institutionen weltweit. Sie sind bloß Teil dieser Bewegung und zuweilen ihr grob-mechanischer Bohrkopf.

Die vom System sanktionierten, weil ungefährlichen und sogar systemfördernden, Ideologien und Rebellionsspielplätze bleiben in ihren Weltanschauungen so kurzsichtig und konkretistisch, dass sie sich höchstens in oberflächlicher Sabotage oder selbstschädigenden Exzentriken verausgaben können. Für die feministische und ihre Tochter, die „Gender“-Schiene der kontrollierten Ideologisierung besteht die typische Fehlleitung darin, dass man glaubt, ein Matriarchat sei eine System, das von Frauen gelenkt werde, während eine Patriarchat eine „Männerwirtschaft“ sei. Mal abgesehen von der stupiden Polarisierung „Frauen gegen Männer“ beweist das die vollkommene Abwesenheit eines korrekten Begriffsverständnisses. Die Begriffe „Matriarchat“ und „Patriarchat“ beziehen sich auf Prinzipien der gesellschaftlichen Ordnung und Organisation, nicht auf das biologische Geschlecht ihres Leitungspersonals.

Die Begriffe beziehen sich allerdings überhaupt nicht auf die Geschlechts-Polarität „weiblich-männlich“, sondern auf die Rollen-Prinzipien „mütterlich“ und „väterlich“. Und diese sind noch viel offensichtlicher gegenseitig ergänzend als „Mann und Weib“ es ist. Es geht hier um weit mehr als linguistische Haarspalterei. Es ist ein Hinweis, worum es im Kern der unterschiedlichen Machtstrukturen geht – und worum es ganz und gar nicht geht.

Das Gebärmutter-Prinzip

Die matriarchale Gemeinschaft strukturiert sich nach dem Grundprinzip des Mütterlichen, also des Empfangens und Einnistens, des Gebärens, Versorgens, Einschließens und Schützens. Im Zentrum des matriarchalen Bewusstseins steht symbolisch, archetypisch oder sogar ganz konkret die Gebärmutter (lat.: Matrix).

Also nicht die Frau oder das Weib. Sondern höchstens ein Teil, eine Funktion des Weibes. Woran sich diese Bewusstseinsstruktur und dementsprechend die von ihr geformten Gemeinschaften ausrichten, sind die Magie des Gebärens, der Fruchtbarkeit, des Zyklischen, und die Macht des Enthaltens (In-sich-Tragens), des Hervorbringens und Formens. Diese Aspekte werden als übergroße Leitfiguren über alle menschlichen Belange und Prozesse gestellt, weil sie der Rahmen sind, in dem sich dieses Bewusstsein fest eingefügt, sicher und belebt findet, den es aber nicht versteht, nicht durchschaut und dem es nichts gegenüberstellen kann. So werden diese natürlichen Prinzipien und Prozesse von Fortpflanzung und Versorgung zu den geheimnisvollen und übermächtigen „Göttern“ solcher Strukturen und aus diesem naturbezogenen, intuitiven Bewusstsein der Unterlegenheit ihnen gegenüber ergeben sich die Selbst- und Weltbilder, in die alle Wahrnehmung eingeordnet wird.

Die allegorische Grundbotschaft der Gebärmutter lässt sich so zusammenfassen: Alle werden versorgt, solange sie nicht aus der Reihe tanzen, sondern sich einfügen und embryonal verhalten.

Das heißt, versorgt wird, wer abhängig bleibt, sich dem Regime unterwirft, keine Individualität oder Persönlichkeit entwickelt, und sein Bewusstsein im Land der Fantasie, Vorstellungen und Mythen fixiert hält.

Die Grundhaltung des Selbst- und Weltbewusstseins, das sich darin zuhause fühlt, ist im besten Falle eine von Teilhabe, Anpassung und Einfügung in das Geschehen der Welt, im Negativen die der Unterwerfung, Überforderung und Auflösung im übergroßen Außen.

Wenn im Mittelpunkt einer Weltanschauung die Gebärmutter steht, dann stehen damit also die biologischen, instinktiv-körperlichen, fortpflanzungs- und wachstumsbezogenen, naturgegebenen, unbewussten und verborgenen Prozesse im Mittelpunkt. Das Geschehen in der Gebärmutter ist essentiell davon abhängig, dass es im Verborgenen, im Dunklen, unsichtbar und unberührbar stattfindet, weit weg von allem Menschengemachten, Ausgedachten und überhaupt von allem Bewussten und Mentalen.

Wir müssen uns verdeutlichen, dass es bei all dem nicht um Frauen, schon gar nicht um die einzelne Frau geht. Wer das glaubt, der ist einer mentalen Manipulation zum Opfer gefallen, deren Folgen verheerend sein können. Das matriarchale Denken ist vollkommen unpersönlich und un- wenn nicht sogar anti-individuell. Wir werden auch noch sehen, dass es mindestens genauso grundlegend und aggressiv gegen das intakte Weibliche ist wie gegen das intakte Männliche, wobei es grundsätzlich beide blockiert.

„Mann“ und „Frau“ sind Konzepte oder Aspekte des Menschseins, die sich aus seiner Sicht der großen Macht der Natur und ihren Zyklen zu unterwerfen haben, indem sie ihre Rolle darin gut spielen – und ansonsten aussortiert werden. Die Mystifizierung und Vergötterung von Naturgeschehen macht den Menschen zum unwichtigen Staubkorn und zu einem ewig gefährdeten, weil schwachen und minderbemittelten Wesen, das nur hoffen kann, von den unpersönlichen, für ihn unberechenbaren Kräften der Schöpfung verschont zu werden. Seine größte Größe kann er in dieser Anschauung nur symbolisch und stellvertretend erleben in der körperlichen und emotionalen Teilnahme am biologischen Schöpfungsvorgang, also vor allem durch das Wunder des Gebärens. Nur diese Funktion erhöht „die Frau“ als potenzielle Mutter zu einer geheimnisvollen, angebeteten und gefürchteten Figur.

Wenn die größte und geheimnisvollste Macht des Universums die Gebärmutter ist, dann muss auch jedes Weib eine besondere Macht und mit ihr die Möglichkeit haben, über allem anderen zu stehen bzw. alles andere zu beherrschen. Tatsächlich ist dies die unabdingbare reale Erfahrung von allen Menschen, denn die ersten Monate unseres körperlichen Lebens verbringen wir ja in der Gebärmutter. Dort beginnt das Bewusstsein unserer selbst, noch ganz rudimentär, aber als Grundlage für jede weitere Bewusstseinsentwicklung in unserem Leben. In der Gebärmutter zu sein, in der Matrix, ist die Grunderfahrung unseres physischen Daseins und sie gilt für Männer und Frauen ohne Unterschied.

Sich nicht aus der Matrix herausdrehen oder -winden (evolvere) zu können, bedeutet also, sich nicht über das Grundbewusstsein eines Embryos hinaus entwickeln zu können. Es spielt dabei keine Rolle, dass die pränatale Entwicklungsstufe mit der Geburt endete, wir laufen, sprechen, denken, Auto fahren und Prüfungen zu bestehen gelernt haben. Die Selbstrepräsentation als ein geborgenes, umfangenes, versorgtes und eingeschlossenes Wesen bleibt in unsrem Nervensystem erhalten. Die Frage ist nur, ob sich darüber hinaus noch weitere, übergeordnete Selbstrepräsentationen entwickeln, die es uns ermöglichen, uns als außer-matrizische Wesen zu verstehen.

Je weniger uns das gelingt, desto mehr werden wir die Welt und jede Erfahrung, die wir in ihr machen, als bloße Variation des Grundschemas „Ich in der Matrix (alias Gebärmutter)“ betrachten und verarbeiten. Das heißt auch, dass wir auf jedes Problem, jeden Konflikt, jeden neuen Impuls inklusive neuer Ideen und Erkenntnisse reagieren werden mit diesem Grundverständnis, in dem es nur zwei Elemente gibt: „Ich“ (d.h. genauer: mein Körper) und „Das-da-draußen“, wobei „Ich“ zwar geborgen, aber auch hilflos bin, während die Höhle, die mich umgibt zwar fremd, aber sehr mächtig ist. Alles, was mich überfordert, muss also von dieser Höhle gelöst werden. Ansonsten wird die Höhle zur Hölle, die also nicht nur etymologisch auf die gleichen Wurzeln zurückgeht.

Das Ich-in-der-Höhle- (oder -Hölle)-Bewusstsein ist also kreisförmig: es ist ein bipolares-Machtbewusstsein: es gibt das (eher unbewusste), empfangende und erlebende, abhängige „Innen“ und das mächtige, umhüllende Außen. Während also das Erleben innen in der Mitte stattfindet, liegt so gut wie alle Macht in der umgebenden „Welt“. Aus dieser Anschauung heraus muss dann in Folge jedes spätere Machtstreben im Leben darauf beruhen, sich diese magisch-mystische Macht der „umgebenden Welt“ irgendwie zu eigen zu machen. Sobald wir erkennen, dass die Höhle, aus der wir kamen, nämlich die Gebärmutter, in den Weibern ist (und nicht in den Männern), entsteht dadurch ein sehr machtbezogen geformtes Verhältnis zu den zwei Geschlechtern männlich und weiblich. In den Weibern muss dann wohl jenes mächtige, schutz- und lebengebende Geheimnis liegen, dessen die Männer entbehren.

Wohlgemerkt, nicht die Frauen werden dabei überhöht, sondern ihr Mutterschaftspotenzial, also die genannten Funktionen und Fähigkeiten der Gebärmutter, als deren Träger oder Repräsentanten das Weib höchstens sozial erhöht wird. Diese Funktion mit ihrer Macht über unsere ersten Lebenserfahrungen ist ebenso bewunderungswürdig und ehrfurchtsgebietend wie einschüchternd und angsteinflößend. Die biografischen inklusive der pränatalen Erfahrungen jedes Einzelnen dürften darüber entscheiden, welche Aspekte davon im Selbstbild und der Weltwahrnehmung dominieren und welche komplexen Abwehrmechanismen und Charakterprägungen daraus im Laufe eines individuellen Lebens entstehen. Das sei aber hier nicht unser Thema. Hier soll es vielmehr darum gehen, den „Geist“ des matriarchalen Denkens und seiner Strukturen zu verstehen.

Dieser matriarchale Geist ist also hochgradig durch ein extrem polarisiertes Machtbild definiert, wobei dieses Bild von Macht tief assoziiert ist mit Naturkraft, Unberechenbarkeit, Emotionalität bis hin zur Launenhaftigkeit, mit allen Prinzipien und Aspekten des Mütterlichen und – das ist sehr wichtig zu verstehen – mit einem starken hierarchischen (!) Gefälle zwischen Macht und Ohnmacht, Fülle und Bedürftigkeit, Geben (können) und Nehmen (müssen), Dominieren und Dominiert-Werden. Was wir hier beschreiben, ist das natürliche Verhältnis zwischen Mutter und Kind, das umso polarisierter ist, je jünger es ist. Die ausgepägteste Form dieses Verhältnisses finden wir deshalb zwischen (Gebär-) Mutter und Embryo.

Auf der Gegenseite der Macht findet sich daher die Position der nahezu absoluten Bedürftigkeit, Abhängigkeit und passiven Empfänglichkeit. Da das Bewusstsein von der Gesamtpolarität, also stets von beiden Polen strukturiert wird, wird der Mensch im matriarchalen Bewusstsein von beiden psychologischen Aspekten wie zwischen zwei Magnetpolen gehalten und gelenkt. Er wird also sowohl stets nach eigener Macht streben und sie dabei gleichzeitig auch immer im Außen lokalisieren und suchen. Genauso wird er sich aber allem Natürlichen, der Natur als solcher und allem Mütterlichen immer unterlegen und hilflos fühlen, was wiederum sein Streben nach Macht in allen möglichen erreichbaren Feldern befeuern wird. Strukturell denkt er stets kreisförmig: der Kreis verspricht Sicherheit und Stabilität und je weiter man zu seiner Mitte hin rückt oder die umlagernden Kräfte erweitert, desto sicherer und geschützter ist man.

Wir erkennen schon, dass das matriarchale, also matrix-, d.h. gebärmutterzentrierte Weltbild in seiner Grundprägung ein hochgradig machtzentriertes Bewusstsein ist, wobei der Begriff „Macht“ keine inhärente positive oder negative Wertung enthält, sondern ausschließlich den Kernaspekt einer vertikalen Beziehung bezeichnet. Macht im matriarchalen Verständnis bedeutet nicht nur, innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft tonangebend zu sein, sondern vor allem wichtig genug, um von ihr geschützt und versorgt zu werden. Damit ist die höchste Hierarchie-Position in diesen Strukturen, die Mitte, durch zwei Aspekte definiert: einerseits zentripetal durch Wirkungsmacht im Sinne von Dominanz, Bestimmung und Entscheidungsmacht und andererseits protektiv als besonders geschützte Position vor Einflüssen von außen und Bedrohungen jenseits der Gruppe, weil sie am weitesten entfernt ist von der Peripherie.

Ein Matriarchat ist ein Protektorat. Wer zum Kreis gehört, wird geschützt und gefördert solange er dem Gruppenzusammenhalt nicht schadet – egal welche sonstigen Werte er vertritt, egal wie kriminell, unmoralisch oder gestört er sich aufführt. Das Gegenteil gilt dementsprechend für alle, die nicht zum schutzberechtigten, vereinnahmten und vereinnahmenden Kreis gehören: egal wie moralisch, vorbildich, hilfreich und nützlich er sich der Gruppe gegenüber verhält – er hat keinerlei „Rechte“ und wird bei nächstbester Gelegenheit betrogen, ausgeraubt und geopfert. Denn es gibt im Matriarchat keine abstrakten, übergeordneten Werte, nur den Erhalt der sicherheits-stiftenden konkret-sozialen und gewohnten Struktur.

In matriarchalischen Strukturen richten sich deshalb die Menschen stets an einer zentralen Person oder „Elite“ aus, die als Gegenleistung wiederum dafür sorgen, dass sich alle Zugehörigen im Kreis sicher und versorgt fühlen. Das bedeutet auch, dass der zentripetale Magnetismus oder die Sogwirkung einer solchen Gemeinschaft nicht auf einer Zustimmung zu den Vorgaben des Personals in ihrer Mitte beruht, sondern auf ihrer unpersönlichen systemischen Funktion, Schutz und Versorgung zu bieten. Ein Kind und noch weniger ein Embryo haben ja auch keinen Bezug zu ihrer Mutter als Individuum mit persönlichen Vorstellungen, Vorlieben und Eigenschaften, sondern nur zu ihr als Funktionsträgerin insofern sie eben mütterliche Funktionen erfüllt. Mit anderen Worten: in matriarchalen Strukturen geht es gar nicht um Personen, Persönlichkeiten oder Individuen, sondern primär um Funktionsträger und funktionelle Platzhalter, die das Gesamtsystem, die Gruppe oder Institution in der Form aufrechterhalten, die am meisten Sicherheit und Versorgung für die Zugehörigen bietet. Das heißt, Menschen sind austauschbar, Funktionen sind fix.

Ins Psychologische übersetzt heißt das, dass matriarchalische Strukturen sich dadurch auszeichnen, dass ihre Mitglieder die Gruppe oder Gemeinschaft als solche und zwar als Schutz- und Versorgungsgarant begehren und brauchen und dass es bloß um Zugehörigkeit zum schützenden Kreis geht, nicht aber um die Inhalte, Ausrichtungen oder Werte, die propagiert werden. Diese sind nur Mittel zum Zweck, nämlich die Gruppe nach innen zusammen zu binden und nach außen hin stärker abzuschirmen und abzugrenzen. 

Eines der Hauptcharakteristika, an denen man matriarchale Strukturen und Denkweisen deshalb erkennen kann, ist ihre strenge Fixierung auf Erhalt und Festigung des Status Quo und dementsprechend ihre Angst vor und Abwehr gegen jegliche Art von Veränderung und Dezentralisierung.

Die offensichtlichst matriarchalischen Strukturen, die wir heute kennen, sind die (katholische) Kirche und die Mafia. (Interessant, dass wir in beiden Fällen an Italien denken müssen, an ein Land, in dem die „Mama mia“ und die „Madonna“ (Muttergottes) sozialpsychologisch ganz offensichtlich und alltäglich eine zentrale und strukturgebende Rolle spielen.) All die bisher beschriebenen Aspekte matriarchaler Strukturen lassen sich exemplarisch an diesen beiden sehr alten Institutionen aufzeigen. Allerdings sind heutzutage bereits alle größeren Gemeinschaften, Länder und Institutionen matriarchalisch strukturiert, analog zur Bewusstseinsstruktur der Menschen allgemein. Deshalb werden wir auf die Einzelheiten dieses Phänomens in unserer Epoche später noch ausführlich eingehen.

Der Hinweis sei nur deshalb hier schon mal eingefügt, um auf das grobe und verheerende Missverständnis aufmerksam zu machen, nachdem all diese Strukturen hyper-patriarchalisch seien und deshalb unbedingt (noch) mehr matriarchalen Einfluss bräuchten. Warum matriarchale Systeme heutzutage genau dieses Narrativ aktiv aufrecht erhalten und damit in ganz klassisch matriarchaler Weise Männer der Masse zum Fraß und zur Abreaktion vorwerfen, wird auch noch näher zu beleuchten sein.

Die Herrschaft von Macht und Gewalt

Im Matriarchat herrschen nicht, wie sich die modernen Feministinnen gerne ausmalen, die Frauen und schon gar nicht warmherzige, wohlwollende, mütterliche Gefühle, die nur immer alle so satt und zufrieden machen wollen wie eine Mutter ihr Baby. Sondern es herrscht das Prinzip von Macht und Überlegenheit, um mit allen Mitteln die Struktur und ihre Funktionen aufrecht zu erhalten. Daher herrscht das Gesetz von Zwang und Gewalt.

Matriarchale Gruppen strukturieren sich um den- oder diejenigen herum, die ihnen den besten Schutz vor Bedrohungen jeglicher Art, vor allem auch vor anderen Gruppen bieten können. In archaischen Epochen waren das zunächst einmal diejenigen, die körperlich stark und ausdauernd waren. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Stammes- oder Clan-Führer eine Frau ist. Ganz im Gegenteil, je mehr die Frauen die oberste Führungsposition innehatten, desto mehr musste das Gebot der physischen Überlegenheit dominant sein, denn diese obersten Frauen werden zuallererst dafür sorgen müssen, dass ihnen gehorcht und gefolgt wird und dass sie für Ruhe und Frieden innerhalb der Gemeinschaft und für Schutz nach außen hin sorgen können. Dafür werden sie vor allem starke, kriegerische Männer brauchen, die ihnen folgen und von ihnen abhängig sind, also ihnen die Machtpositionen nicht streitig machen.

Das größte Glück in einer matriarchal organisierten, denkenden und wahrnehmenden Gemeinschaft ist der Einklang mit den Prozessen der Natur und dem „Lauf der Dinge“. Wir bekommen das heute sehr eindrücklich vorgeführt durch die zuweilen aufwendig vertriebenen und allseits beliebten „Weisheiten“ indigener Völker oder ihrer Vertreter. Aus dieser Richtung bekommen wir dann jene Kalender-Sprüche und Poster-Predigten, die uns beschwören, wieder „zur Natur zurückzukehren“, „mit dem Wind im Einklang zu leben“, „vom Wasser zu lernen“ und natürlich die Kinder als Vorbild (für Erwachsene) zu nehmen. Der Grundtenor darin ist hinter aller sehnsuchtsvollen Poesie und kindlicher Empfindungsfülle ebenso simpel wie fehlgeleitet: die einzige Lösung für alle Probleme des modernen Menschen soll darin bestehen, zurück zu kehren zum Bewusstseins-Niveau, zur Denkweise und folglich zum Lebensstandard von Schafhirten, Büffeljägern in Wigwams oder verständnislosen Kindern.

Was in allem matriarchalen Denken fehlt und vollkommen ausgeschlossen ist, ist die Dominanz des rationalen Denkens. Der instinktiv-soziale und emotional-gemeinschaftliche Mensch ist so gut wie allen Naturkräften machtlos ausgeliefert. Er kann sie kennenlernen und nutzen so wie ein Surfer eine Welle nutzen kann, aber er kann ihnen nichts entgegensetzen und sie nicht gestalten. Das gilt sowohl für äußere Geschehnisse wie auch für die biologisch-autonomen Prozesse im Menschen. Daher liegt in den Weltbildern und Erklärungsmythen jedes Matriarchats die größere Macht stets außerhalb des Menschen und der Mensch ist ihr zufolge stets Oper, klein und hilflos ausgeliefert.

Der Mensch, vor allem der einzelne Mensch mit seinen Fähigkeiten und Talenten, zählt im matriarchalen Menschenbild wenig bis gar nichts. Die Gruppe und ihr Zusammenhalt, ihre Geschichte, ihre Mythen und Symbole hingegen sind alles: das ist, was über allem steht und es ist auch das einzige, das langfristig überleben kann. Und Überleben, Leben bewahren und fortpflanzen sind die obersten Werte in einer Bewusstseinsstruktur, die sich aus der Logik der Gebärmutter ergibt.

Das heißt, es gibt im Matriarchat keine Helden, denn ein Held ist stets ein Einzelner, der sich gegen über- und außermenschliche Kräfte in seiner Individualität und Einzigartigkeit behauptet. Das ist im mythischen Kollektivdenken gar nicht vorstellbar und ergibt darin gar keinen Sinn. Das Schlüssel-Prinzip des Matriarchats ist Anpassung an alles Naturgegebene und damit Umformung, Flexibilität bis hin zur Verbiegung, Verstellung, Täuschung und Manipulation – was auch immer gebraucht wird, um irgendwie durchzukommen und zu überleben.

Die Idee des Helden und des vorbildlichen, inspirierenden Einzelnen, ist eine Idee des Patriarchats, dessen Schlüsselprinzip Überwindung und Beherrschung durch den Geist, also durch den rationalen Intellekt ist. Dieses Prinzip fügt zu den zwei Bewusstseinsdimensionen der matriarchalen Strukturen eine dritte Dimension hinzu: die mentale Dimension des abstrakten, begrifflichen Denkens.

Sobald das rationale Denken die Oberhand in einer Gemeinschaft bekommt, wird diese nicht mehr von Ängsten, Instinkt, sozialen Bedürfnissen, Launen und anderen hormonellen, klimakterischen oder klimatischen Schwankungen und Zyklen bestimmt, sondern durch die Erkenntnis und Mentalisierung abstrakter, allgemeingültiger, zeitloser Prinzipien, an denen sich jeder gleichermaßen orientieren kann. Damit wird der Einfluss aller persönlichen Macht auf die Wirkebene einer bloßen Exekutive und Durchsetzung reduziert, welche wiederum anhand objektiver Maßstäbe bewertbar ist.

Dabei spielt es also noch weniger als im Matriarchat eine Rolle, ob an der Spitze einer solchen Organisationsstruktur ein Mann oder eine Frau stehen, denn die geltenden Prinzipien, also Regeln und Gesetze, sind die entscheidenden Leitlinien für alle, und an der Spitze einer solchen Logik müsste derjenige stehen, der die Gesetze am besten kennt, versteht und anwenden kann, also jemand, der primär aus dem rationalen Bewusstsein heraus führt, nicht aus emotionalen oder sozialen Reaktionen des Moments, schon gar nicht aus Angst und Selbsterhaltungstrieb. Die Notwendigkeit physischer Gewalt innerhalb einer solchen Gemeinschaftsstruktur hängt vom allgemeinen Bewusstseinszustand der Mitglieder ab. Je mehr Teilnehmer einer solchen Gesellschaft die Gesetze verstehen, verinnerlichen und anwenden können, desto weniger Gewalt braucht es. Diese ist nur nötig gegen Einzelne oder Gruppen, wenn sie von innen oder außen versuchen, die Integrität der Gesetze zu brechen und sich mit initiierter Gewalt über sie zu stellen.

Das heißt nichts anderes, als dass das Patriachat nur Gewalt braucht gegen die Angriffe aus dem regellosen, selbstsüchtigen Clan- und Instinkt-Bewusstsein der matriarchalen Strukturen. Und das auch nur in dem Maße, wie diese primitiveren und minderbewussten Strukturen mit (physischer) Gewalt wirken. Es ist das Prinzip „Mafia gegen Rechtsstaat“. Die Mafia ist ein Familiensystem und durch und durch matriarchalisch. Man muss sich dafür gar nicht erst das offensichtlich massiv gestörte Verhältnis der „Patres“ und überhaupt der teilnehmenden Männer solcher Organisationen zu Frauen und allen weiblichen Prinzipien anschauen, die Gesamtstruktur ist kreisförmig, um ein „Zentrum der Macht“ herum organisiert, das nur einem einzigen Prinzip folgt: Selbsterhalt und Selbstbereicherung – koste es was es wolle.

Macht in diesen Systemen ist stets die Macht der Kontrolle über das Denken der „Clanmitglieder“. Deshalb sind Zensur und Tabuisierung ihre wichtigsten Herrschaftswerkzeuge. Man darf so gut wie alles, nur nicht eigenständig denken und entscheiden. Es darf auf keinen Fall Individualität, Differenzierung und Selbständigkeit geben. Es gibt nur „die Mutter“ und die (ewig abhängigen) Kinder um sie herum. Als Gegenleistung bekommt man Schutz und Versorgung. Je näher man der Mitte, dem Machtzentrum, gestellt ist, desto mehr persönliche Bedürfnisse und Vorlieben kann man sich auf Kosten des Gesamtsystems – letztlich also auf Kosten seiner Peripherie und natürlich der Außenwelt – erfüllen. In Mafiasystemen – also matriarchalen Strukturen – sind deshalb die Mächtigsten stets die, die sich am wenigsten an Regeln, Gesetze und Normen halten müssen und sich stattdessen von allen am launenhaftesten, exzentrischsten, unberechenbarsten, rücksichtslosesten und selbstsüchtigsten verhalten „dürfen“. Man setze einmal Äußerungen von modernen Politikern eines angeblichen „Rechtsstaates“ oder von Konzernvorständen nach dem Motto „Was kümmert mich mein Geschwätz?“ damit in Beziehung.

All das sind keine patriarchalen und schon gar nicht hyper-patriarchale Haltungen. Ein Vater hat kein Interesse, seine Kinder ewig in der Abhängigkeit zu halten, ganz im Gegenteil, denn das bedeutet für ihn eine extreme Belastung. Er will sie – schon aus reinem Eigennutz – so schnell wie möglich stark und unabhängig. Erfolgreiche Vaterschaft definiert sich durch die kraftvolle Entfaltung der Sprösslinge (des Samens) – übrigens vielleicht die griffigste Tatsache, die all die Pseudo-Patriarchen, die sich in matriarchalen Strukturen verschanzen, entlarvt: denn wenn das selbstherrliche und selbstbereichernde Oberhaupt der „Familie“ nur verängstigte Töchter und Söhne voller Minderwertigkeitskomplexe, Hass und Selbstzweifel hervorbringt, dann ist dies doch der eindeutigste Hinweis auf Mangel an Väterlichkeit. Und es löst in der Erbfolge eine Kettenreaktion der Schwächung aus, die im Matriarchat ganz unproblematisch und routiniert gelöst wird: da es in erster Linie um Funktionen und den Gruppenerhalt geht, werden solche schwächlichen Oberhäupter einfach gestürzt – von innen oder außen – und durch stärkere, machtvollere Figuren ersetzt.

Die Forderung an die Vaterschaft sind andere als die an eine Mutterschaft. Die Aufgabe der Mutterrolle ist nicht die Verselbständigung und Individualisierung, sondern deren Vorbereitung durch bergenden und schützenden Raum. Den zweiten Teil, nämlich die Bemächtigung zur Separation, Unabhängigkeit und damit zum Erwachsensein, übernimmt die Rolle des Vaters. Die Mutterschaft wird ja auch durch die Verselbständigung der „Zöglinge“ immer weniger gebraucht und schließlich ab- und aufgelöst. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von modernen Ideologieschablonen verführen lassen. Die Funktionen und Charakteristika von Mutter- und Vaterschaft sind weder austauschbar noch symmetrisch.

Wir sollten uns an dieser Stelle für später schon einmal merken, dass es in der gesunden Entwicklung eine feste Reihenfolge in dem Bedürfnis nach und damit in der Dominanz von Mutter- und Vaterschaft gibt: das Mütterliche wird zuerst gebraucht, das Väterliche danach und darauf aufbauend. Mütterlichkeit und Väterlichkeit schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich. Dasselbe gilt für die Prinzipien des Matriarchats und des Patriarchats. Auch für sie gibt es eine evolutionäre Reihenfolge und sie schließen sich – außer in den Köpfen moderner Ideologieopfer – nicht aus, sondern ergänzen sich und komplementieren einander.

Der Mensch als ängstliche Masse

Lassen wir uns nicht in die Irre führen von dem Umstand, dass fast alle matriarchalen Systeme heute – und wir haben fast nur noch matriarchale Systeme seit über hundert Jahren – an ihren Spitzen von Männern besetzt sind. Das ist nur eine Besetzungsfrage, keine prinzipielle. Diese „Männer“, die selten über das rein biologische Mannsein hinausgekommen, seltenst wirklich Männer geworden sind, stehen komplett unter der Dominanz der weiblichen, materiellen, mutterbezogenen Kräfte. Es ist gar nicht nötig, sich die Mühe zu machen und bei all diesen Mega-Machos, Patres und Tyrannen das Verhältnis zu ihrer Mutter, zu Müttern und zum Mütterlichen allgemein einzeln psychologisch festzustellen. Die Art und Weise, wie sie selbst hilflos eingewoben sind in das Spinnennetz ihres Machtsystems, wie sie völlig abhängig und fremdgesteuert an den Fäden von Gier, Angst und  Launen hängen, ist Beweis genug für ihre vollkommene Unterwerfung unter die feminine Dominanz. Sie werden beherrscht von den mater-iellen Kräften, von ihrer Angst vor der „großen Mutter“ – sei es Natur oder Maschinerie – die überall in ihnen und um sie herum unverstanden und unüberwindbar mächtig ist: jene Baba Yaga, von denen viele Märchen und die Tiefenpsychologen eine Menge ehrfurchtsvoll zu erzählen haben, wenn man bereit ist, ihnen zuzuhören; jene doppelköpfige Naturgesetzlichkeit der bezaubernden Shakti und ihrer anderen Hälfte, der schrecklichen Kali.

Das Gegenstück zu diesen Psychopathen und Großmäulern ist der Held, also das Individuum, das sich in die Freiheit, vor allem in die innere Freiheit gekämpft, sich seinen menschlichen und körperlichen Grenzen gestellt hat und auf diesem Weg einen eigenständigen Geist erworben hat – und sich von der Herrschaft der Angst befreit hat. Das aber ist die Grundgestalt des Patriarchats, welches im Geistigen, im zeitlos Prinzipiellen wurzelt.

Ein wichtiges Charakteristikum, welches das matriarchale Denken vom patriarchalen unterscheidet, ist seine starke Tendenz zur Verschleierung, zum Verstecken, Verbergen und Täuschen. Feminine Macht bevorzugt es, aus dem Verborgenen, aus dem Dunklen heraus zu agieren und auf keinen Fall gesehen und schon gar nicht erkannt zu werden. Ihre Macht beruht nicht auf konfrontativer Stärke und Überlegenheit, sondern darauf, dass andere sich selbst ihr gegenüber schwach und hilflos glauben oder fühlen. Sie vermeidet deshalb jede offene Konfrontation und greift nie freiwillig direkt und von vorne an, sondern wird stets versuchen, den anderen indirekt zu schwächen oder zu lähmen, um die eigene Macht zu sichern.

Anders als der Patriarch will das matriarchale Oberhaupt so wenig wie möglich gesehen werden. Sein Machtstreben beruht nicht auf Stolz und Wille, sondern auf Angst (vor all dem, was es nicht versteht, und das ist so ziemlich alles, was die menschliche Welt ausmacht) und auf Gier – also auf dem chronischen Gefühl von Mangel, Leere und Defizit – sei es real gegenüber größeren Kräften oder sei es psychisch halluziniert als neurotische Traumaresonanzen.

In einIn einem gesunden Matriarchat wird auf diese Weise durch eher indirekte und subtile Einflussnahme für Ruhe und Ordnung gesorgt. Ein wohlwollendes (Kreis-) Zentrum sorgt dann nicht nur für sich wie ein ewig hungriger Magen, der vom Rest der Gemeinschaft gefüttert und besänftigt werden muss, sondern es wird dafür sorgen, dass alle, die zum Kreis gehören, satt und zufrieden sind. Ein gesundes Matriarchat beruht auf materieller Fülle und physischer und sozialer Erfüllung. Der Frieden im Matriarchat hängt vom Sicherheitsempfinden, Sattheitsgrad und Schmerzfreiheit ab. Solange diese Zustände erhalten werden können, kann eine solche Gemeinschaft stabil funktionieren.

Allerdings ohne Entwicklung darüber hinaus. Sie wird keine Fragen nach dem Sinn des Lebens stellen, sie wird keine Technologie entwickeln wie Telefone, Waschmaschinen oder Flugzeuge, sondern darauf bestehen, dass die Tradition bewahrt und geschützt wird, d.h. alles so gemacht wird, „wie wir es schon immer gemacht haben“. Siehe die indigenen Völker überall in der Welt, in denen es seit tausenden von Jahren keine Entwicklung gibt und die überaus glücklich wie Kinder sein können, aber gegenüber den Veränderungen auf der sonstigen Welt jenseits ihrer kleinen Naturnische vollkommen hilflos ausgeliefert sind und vor allem nichts davon verstehen. Sie sind in einem ewigen Kreislauf gefangen, was dem als schreckliche Gefangenschaft deutlich wird, der erkennt oder ahnt, dass der Mensch seinem Wesen nach zu sehr viel mehr gemacht und fähig ist, als nur wie ein Tier im Einklang mit der Natur geboren zu werden, anspruchslos zu leben und ebenso anspruchslos zu sterben.

Das glücklich und ewig kreisende Matriarchat endet in dem Moment, in dem der Mensch entdeckt, dass er rational denken kann, d.h. dass er die Natur verstehen, erforschen und sogar verändern kann. In dem Moment entsteht ein blutiger und brutaler Kampf, in dem es nicht um Territorien oder Bedürfnisse geht, sondern um das Überleben einer Bewusstseinsidentität. Sobald die anderen Menschen im Bewusstseinskreis des mythisch-sozialen Clandenkens bemerken, dass es „da draußen“ (also jenseits ihres Denk- und Bewusstseinshorizontes) etwas gibt, dem sie sich weder einpassen noch das sie entmachten können, geraten sie in Panik und einen verzweifelten, blinden Zorn, denn dieses „Andere“, dieses undefinierbar Überlegene bedroht alles, womit sie sich identifizieren: nicht bloß ihre Gewohnheiten, Traditionen und Glaubemsdogmen, sondern ihre gesamte Identität, ihre Mythen und Narrative, die ihre Selbstdefinitionen ausmachen.

Da all das aus rationaler Sicht relativ und sogar überwiegend unnötig, bellastend und störend ist, fühlen sich die Menschen im zweidimensionalen Kollektivbezug in ihrem Wesen angegriffen. Sie werden nicht in ihrem Wesen angegriffen, sondern nur in ihrem Glauben und ihren Bildern von ihrem Wesen, aber das macht für sie keinen Unterschied, denn etwas anderes als ihre Bilder und Formeln haben sie nicht.

Die Morgenröte rationalen Bewusstseins am Horizont matriarchaler Organisationen ist ein Angriff auf ihr Selbst-Bewusstsein und damit subjektiv die existentiellste Bedrohung, die für sie überhaupt vorstellbar ist. Wären die Menschen in diesem Übergang fähig, sich kampflos der höheren Bewusstseinsstruktur hinzugeben oder zumindest „auszuliefern“, dann würden sie bemerken, dass ihnen gar nichts passiert, sondern sie nur neu eingebettet und neu ausgerichtet werden. Aber dafür müssen sie zumindest das Bild oder den Glauben haben, dass dieses neue Bewusstsein und die erweiterte rationale Struktur nicht gegen sie sind, sondern für sie. Von diesem Faktor hängt ab, ob Clans, Gruppen oder Gemeinschaften bis an ihr Ende kämpfen oder sich einfügen. Die Mehrzahl der sogenannten „Religionsstifter“ und „Heiligen“ dürfte auch die Rolle gehabt haben, die Erweiterung des allgemeinen Bewusstseins so vorzubereiten, dass sie weniger angstvoll, weniger panisch und damit weniger destruktiv wird. In der global vernetzten Postmoderne könnte diese elementare Übergangsrolle von übergeordneten Geheimdienststrukturen übernommen werden, die eine Kommunikationsform und -weise nutzen, mit der sie schrittweise nur die Verständnisvollsten und Wandlungsfähigsten ansprechen, welche das Wissen um die großen Umbrüche und Transformationen für die nächst niedrigere Verständnisebene herunterbrechen.

Eine sehr gesunde matriarchale Kultur ließe sich so recht leicht in eine patriarchale, rationale Kultur transformieren, wenn sie den Übergang vom dogmatisch-bildhaften Denken zum rational-logischen Denken bewerkstelligt und die Macht der Person oder des Clans abgibt an die Macht der Gesetze und objektiven Regeln. Ein defizientes Matriarchat jedoch wird nicht aus Fülle und (Natur-) Vertrauen heraus agieren können, sondern nur aus Angst und Minderwertigkeitsgefühlen. Wenn sich dann der Verstand und die Vernunft als neue Leitlinien durchsetzen wollen, dann geht das im letzten Durchsetzungsschritt nur mit roher Gewalt, denn eine Integration von Piraten, Psychopathen und Mafia-Clans in einen Rechtsstaat ist unmöglich. Da diese Gang-Figuren immer ganz oben sein und alles unter Kontrolle haben wollen, sich also per se niemals an allgemeingültige, abstrakte Gesetze halten, erfüllen sie die Grundbedingung für die Teilnahme nicht und können nur aussortiert oder – als ein korrupter Schurkenstaat und damit als Feind – vor die Tore gesetzt werden. Letztlich werden sie immer vernichtet werden müssen, denn sie stellen ansonsten eine nie endende, stetig wachsende reale Bedrohung dar, mit der kein Verhandeln oder sonst irgendeine Beziehung auf Augenhöhe möglich ist.

Die Feindschaft gegen den Verstand und den Einzelnen

Das Matriarchat ist jene Gesellschaftsorganisation, in der der rationale Verstand und somit die Vernunft keinen Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Die Basis für Entscheidungen im Matriarchat sind die Zughörigkeit zu einer Gruppe, die Launen und Stimmungen der Anführer und die Bedürfnisse ihrer unterwürfigsten und folgsamsten Untergebenen. Und natürlich die Bedingungen und ihrer Veränderungen wie sie von Naturereignissen vorgegeben werden. Es ist deshalb passend, wenn wir beim Matriarchat an archaische Stammeskulturen und Naturvölker denken, deren Kultur für die Neuzeit und das, was wir westliche oder europäische Kultur nennen keine Rolle spielt.

Denn das Matriarchat ist feindlich nicht nur gegenüber dem rationalen Verstand und mentalem Selbst- und Weltbewusstsein, sondern es ist in Folge davon feindlich gesinnt gegen jede Form von Selbständigkeit, Individualismus, individuelle Rechte, gegen Fortschritt durch neue Erfindungen, gegen Veränderungen des Weltbildes durch neue Erkenntnisse. Es ist gegen das Denken schlechthin. Es wird daher immer bemüht sein, das Denken durch irrationale Narrative lahm zu legen oder zu marginalisieren. Und diese Narrative werden zur Not mit Gewalt durchgesetzt. Entweder „missionarisch“ durch physische Bedrohung oder – in der modernen Variante – durch psychische Manipulation, Propaganda und soziale Korruption.

Die Abwesenheit von Verstand in der Weltanschauung erzeugt Religion. Religion im institutionellen, macht-politischen Sinne beruht auf Konditionierung des Denkens durch blinde Imitation, Routine, Wiederholung, Aushebelung von Logik, irrationalen Forderungen (die sozial oder physisch erpresst werden) und Abhängigkeit von Autoritäten bis zur völlig gedankenlosen Hörigkeit und Folgsamkeit. Der moderne Ersatz für die klassischen Religionen sind Ideologien – abstrakte Weltanschauungskonzepte mit meist hohem Anteil an Weltverbesserungs-Konstrukten, deren große Gemeinsamkeit darin besteht, das ehemalige Konzept von einem Gott durch „das Kollektiv“, „den Staat“ oder irgendeine ähnlich ungreifbare abstrakte Idee von sozialem Paradies ohne Verantwortung, Anstrengung oder Konflikten zu ersetzen. Früher kämpften die Menschen für ihren Gott, heute kämpfen sie für irreale Sozialträume – und glauben, das sei Fortschritt.

Religion ist der soziale-emotionale Ersatz für Sippen- oder Rassenzugehörigkeit. Für gewöhnlich wird man in diese Weltanschauung als Teil einer Gemeinschaft hineingeboren und sie liefert einem bei Bedarf ein Leben lang die Rechtfertigungen dafür, mental und moralisch in dem Dorf zu bleiben, in dem man aufgewachsen ist. In der matriarchalen Weltanschauung, die sich durch solche Religiosität aufrecht und zusammenhält, gibt es keine Objektivität – bzw. sie spielt keine Rolle und muss sogar bekämpft werden.

Im religiösen Weltanschauungsbewusstsein wird nicht durch logische oder rationale Prinzipien festgestellt, was 2 + 2 ist, sondern die Führung der Gruppe bestimmt dies auf der Basis von Tradition, aktuellen Launen und Bedürfnissen und allem voran nach den Notwendigkeiten für den Machterhalt. Für letzteres ist es wichtig, sich von anderen Gruppen, Sippen, Gemeinschaften, Ländern oder Ideologiekreisen so scharf wie möglich abzugrenzen und sich so weit wie möglich von ihnen zu distanzieren, damit man sie leichter als Feind und als Ursache aller Probleme darstellen kann. Matriarchale Machthaber brauchen immer einen Sündenbock, um die system-inhärenten, selbstproduzierten und für sie unlösbaren Probleme und Konflikte auf irgendetwas außerhalb der eigenen Gruppe zu schieben und das Bewusstsein und Denken ihrer Mitglieder stets beherrscht zu halten in der Spaltung zwischen „wir“ (= „gut und richtig“) und „die anderen“ (= „falsch und böse“). Das berechtigt sie dann zu den üblichen Überfällen, Plünderungen, Vergewaltigungen, Unterwerfungen und Ausrottungen anderer Gruppen oder sonstiger unliebsamer Stimmen, mit denen sich die angestauten weil unterdrückten Freiheits- und Wachstumsimpulse der kindlich primitiven Gemeinschaft abreagieren können und jeder Ansatz von Denken erneut von Angst und Zorn überspült und ausgelöscht wird.

Solche Gemeinschaften definieren sich und unterscheiden sich voneinander nur durch ihre eigene – traditionelle oder ideologische Variante von 2 + 2. Die einen sind stolz darauf, dass es 5 ist, weil es schon immer so war. Die anderen schwören darauf, dass es 3 ist, weil ihr Gott es ihnen in ihren Büchern sagt. Ein dritter „weiß“, dass es mal 3 und mal 7 ist und blickt auf die anderen herab, die das nicht akzeptieren wollen. Eine ganz moderne Splittergruppe möchte durchsetzen, dass alle Mitglieder der Gemeinschaft jährlich per freien Wahlen neu entscheiden, was 2 + 2 für sie für die nächsten 4 Jahre sein soll und sie legen Wert darauf, dass dabei vernachlässigte Minderheiten, wie zum Beispiel Menschen mit Fußpilz oder mit Glutenunverträglichkeit eine doppelte Stimme bekommen sollen, um ihren ansonsten statistisch eingeschränkten politischen Einfluss aufzuwiegen.

Auf der Basis solcher Narrative bilden matriarchale Gesellschaften ein Identitätsgefühl heraus – das einzige, was sie haben können – das sich ausschließlich auf die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft bezieht und Individualität oder Einzigartigkeit jenseits von Körpermerkmalen ausschließt. Die Inhalte ihres Glaubens sind vollkommen irrelevant und austauschbar, es sind bloß Gewohnheiten und Insignien ihrer sozialen und irrationalen Zusammengehörigkeit. Das ist für rational strukturierte Menschen oft schwer nachzuvollziehen: dass es überhaupt keinen Sinn hat, auf Inhalte und deren Mangelhaftigkeit gegenüber diesen irrationalen Glaubensgruppen einzugehen.  Es ist ihr Bewusstseinszustand, den es zu verändern und erweitern gälte, damit eine begriffliche, inhaltiche Auseinandersetzung überhaupt einen Ansatz von Sinn haben kann.

Matriarchalisch strukturierte Gruppen bekämpfen sich als Glaubensgruppen auch gegenseitig bis auf den Tod, weil jede Idee, ja schon die Befürchtung, dass es noch eine andersdenkende Gruppe geben könnte, eine chronische existenzielle Bedrohung dieser extrem labilen, herbei fantasierten Pseudo-Identität darstellen. Denn in Wirklichkeit haben sie keine. Auf dieser Stufe des Bewusstseins gibt es keine stabile Identität, nur fluktuierende Bilder und Gefühle.

In den letzten Jahrzehnten nannten sich diese Gruppen in unseren Breitengraden Parteien, Vereine, Gewerkschaften, Logen, Ethnien, Minderheitenvertretungen, Nichtregierungsorganisationen, Aktivistengruppen oder – im ehrlichsten Fall – Interessengemeinschaften. Was auch immer ihre Narrative und Forderungen sind, sie alle sind Teil und Produkt des einen großen, alles durchwebenden Sozialismus und Kollektivismus, denn jede kämpft nur dafür – und hält sich allein für und durch diesen Kampf zusammen –, für ihre Mitglieder ein noch größeres Stück vom großen gemeinsamen Versorgungs- und Machtkuchen abzubekommen.

Diesen Kampf um den Futtertrog gibt es nur in defizienten matriarchalen Strukturen wie z.B. den modernen sozialistischen Systemen. Wir nennen sie verschämt „Demokratie“ oder „soziale Marktwirtschaft“ – offensichtlich brauchen wir den darin enthaltenen Selbstbetrug oder die Ablenkung von der finsteren, unheilvollen Grundidee in ihrem Fundament, dass nämlich das Leben und die Leistungen des Einzelnen dem „Kollektiv“ gehören, einem ungreifbaren, von der Realität abgelösten Konstrukt. Unsere Regierungen legitimieren sich nur als die Stellvertreter dieses „Kollektivs“ als die sie also allen Besitz, alle Leistungen und Produkte, alle Ressourcen und „Chancen“, ja alle Rechte, Privilegien und Pflichten, sogar Gedanken und Ideen horten, verwalten und verteilen. Dafür müssen sie natürlich vorher bei ihnen abgegeben werden, aber dafür sorgen sie schon – sie haben sich die Rechte dazu und die exorbitanten Entlohnungen dafür selbst verfasst und unterschrieben.

In diesem System wählen wir die Vertreter und Parteien, damit sie unsere Interessen, Präferenzen und Ideen durchsetzen – und zwar gegen jede andere. Das hat mit der Struktur eines Rechtsstaates überhaupt nichts zu tun. In einem Rechtsstaat hat die Regierung nur die feststehende Aufgabe, die allgemeingültigen Rechte und die Freiheit jedes Einzelnen zu schützen. Niemals aber seine Interessen! Im Matriarchat hingegen gibt es solche Rechte nicht, sondern nur Interessen und Bedarf. Privilegien und Vorteile werden darin nicht erwirtschaftet, verdient oder errungen, sondern ergattert, geraubt, erzwungen und erpresst von denen, die gerade die strukturelle Macht haben.

Wie lange kann so etwas gut gehen? Wann sind die Ressourcen und Werkzeuge der vorhergehenden Epoche von Freiheit und Produktivität aufgebraucht und verschlissen? Wann sind die Denker, Erfinder und echten Künstler vergrault oder ausgelöscht? Wann kann man die Ingenieure nicht mehr mit Sonderbehandlungen locken und auch nicht mehr mit Gewalt zwingen, die Maschinen zu reparieren? Ab welcher Generation verschwinden dann das Wissen und die Kompetenzen völlig, mit der geerbten Technik umzugehen und neue zu entwickeln? Wann endet die Erinnerung, dass es viel erfolgreichere und wohlhabendere Gesellschaften in der Geschichte gab? Wann bricht die vernachlässigte Infrastruktur zusammen? Wann zerfällt die Sprache in ideologisch-babylonisches Kauderwelsch von tausend Splittergruppen mit ihren idiosynkratischen Lieblingsschablonen der Realitätsverleugnung? Wann beginnt der brutale Kampf um die einfachsten Lebensnotwendigkeiten, die in einer leistungsbelohnenden Gesellschaft immer im Überfluss für alle vorhanden wären? Wann beginnen die Menschen, sich in wirtschaftspolitischen Kartellen, politischen Gangs oder bewaffneten „Aktionsgruppen“ zu organisieren und ihren eigenen Sub-Staat, ihr eigenes Gewaltmonopol zu gründen? Wie viel Täuschung, Zensur, Sedierung und letztlich rohe Gewalt braucht es, um dieses zerfallende Konstrukt einigermaßen zusammenzuhalten? Wann beginnt dann das einfache Volk, nach einer „starken Hand“ zu rufen, die dem Treiben versprenkelter Mafiosigruppen und ihren Bandenkriegen ein Ende bereitet, damit eine Diktatur wenigstens einen Waffenstillstand erzwingt?

Unsere vielgelobte und selten durchschaute „Demokratie“ ist eine dürftig verbrämte Technokratisierung dieses degenerierenden Schwein-am-trog-Spiels. Deshalb durchschaut sie kaum jemand als die primitive, matriarchale Machtmaschinerie, die sie hinter der politisch romantisierten Fassade ist. Alle vier Jahre muss man sich eine Mehrheit oder anders manipulierende Machtposition verschaffen, um die eigenen Wünsche und Vorstellungen allen anderen aufzudrücken. Tatsächlich ist aber auch das längst nur noch Makulatur, die wirklichen Machthaber lassen dieses „Demokratie-und-freie-Wahlen“-Narrativ nur noch als wirkungslose Attrappe und Verschleierung medial aufbereiten. Selbst in dem geringsten, lokal-politischen Umkreis, in dem es noch Effekt hat, können wir nur Matriarchen und matriarchale Institutionen wählen: Verteiler, Versorger und Vormunde. Ein Rechtsstaat, eine freie Marktwirtschaft und eine Souveränität des Volkes sind damit unvereinbar.

Das einzige, das der der Einzelne in so einer anti-rationalen und anti-freiheitlichen Hölle tun kann – wenn eine Flucht nicht möglich ist – ist es, seine Individualität, seine Einzigartigkeit, seine Ansprüche auf Besitz, Verdienst und Eigentum nach außen hin aufzugeben und sich der Gruppe anzuschließen, die am meisten Macht und Einfluss entwickeln kann. Es wird die Gruppe sein, die von allen am wenigsten vor Gewalt und Rücksichtslosigkeit zurückschreckt. Man muss also auch seine Moralvorstellungen, das Streben nach Fairness und objektiver Gerechtigkeit, überhaupt nach allem Allgemeingültigem aufgeben und sich seine erwünschten Privilegien und „Rechte“ bis hin zum nackten Überleben, dadurch sichern, dass man sie anderen wegnimmt bzw. wegnehmen lässt durch Gewalt, Manipulation, Betrug und durch opportune Anpassung an das aktuell herrschende Macht- und Verteilungssystem. Es wird nicht produziert, es werden keine Konflikte gelöst, es werden keine neuen Wege gefunden. Wie auch, wenn die Machthaber selbstsüchtige, rücksichtslose Despoten sind, denen es nur um Prestige und Einfluss geht? Die Ressourcen werden tatsächlich immer knapper und man kann nur noch mehr bekommen, indem man anderen mehr entreisst.

Niemand kann sich in so einem System noch über Talente, Kompetenzen und Leistungen definieren und hervortun, sondern nur noch über Bedürfnisse, Schwächen, sexuelle oder sonstige Vorlieben, über Hautfarbe, religiöse, ethnische, territoriale oder vererbte Zugehörigkeit zu einer Kohorte, Kaste oder Sippe – also durch Merkmale, die nichts mit dem Verstand und eigener Leistungsfähigkeit zu tun haben dürfen. Der eigenständige Denker und der Erfinder werden gehasst, weil sie etwas haben, das die Vertretungsgruppen von Mangel und Ohnmacht nicht haben und nicht kontrollieren können. Es würde ihr gesamtes Schwein-am-Trog-Spiel als das entlarven, was es ist: unmenschlich.

Das ist übrigens auch der Grund, warum in matriarchal strukturierten Gemeinschaften und also heute so gut wie überall alle Emotionen erlaubt und erwünscht sind bis auf eine – Stolz. Denn Stolz ist die Begleitemotion von steigendem Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit bis hin zur Vorbildlichkeit im Sinne von Werterfüllung und erstrebenswertem Ideal. Was Menschen mit matriarchalen Denk- und Anschauungsstrukturen mit am meisten an patriarchalen Strukturen und rational organisierten Menschen hassen, ist deren Zentrierung um und deren Wertschätzung für echten, verdienten Stolz. Wenn man unmittelbar abschätzen möchte, wie matriarchalisch das Denken einer Gruppe oder eines Menschen ist, braucht man daher nur zu erkunden, wie ihr Verhältnis zum Stolz ist. 

Ich überlasse es dem aufmerksamen Leser, die Parallelen in all diesen Aspekten zu unserer heutigen Welt, unseren allgemein anerkannten Denkweisen, den medialen Standardnarrativen, unseren weltweiten politischen Systemen, vor allem der allgemeinem Grundstimmung der westlichen Welt und dem darin wirkenden Bewusstseinszustand der Menschheit zu ziehen.

Der Übergang, den wir erleben

Die bisherigen Skizzierungen von matriarchaler Ordnung und von ihren Unterschieden zur patriarchalen Ordnung geben uns einen ersten Eindruck von dem Kampf und seinen Antagonisten, in dessen Kulminations- und Wendepunkt wir in diesen Jahren jetzt stehen. Unserer Situation ist jedoch um einiges vertrackter als der urtümliche Übergang einer Gesellschaft vom mythischen zum rationalen Bewusstsein. Denn diesen Schritt machte die Menschheit über viele hunderte von Jahren bereits in den Epochen bis zur Hochzeit der griechischen Kultur, die als die Wiege des rationalen Denkens als führende Kraft für alle gesellschaftlichen Fragen gelten kann.

Heute sind wir an einem ganz anderen Punkt, denn wir haben die maßgebliche Kraft des Verstandes über hunderte Jahre wieder verloren – kontinuierlich seit der Renaissance – und müssen sie nicht bloß wiedererringen, sondern uns auch mit dem gefährlichen Problem auseinandersetzen, dass die Menschheit einerseits im Besitz von wissenschaftlich-rationalen Artefakten, vor allem Hochtechnologie und Medientechnologie ist, aber längst keine rationale Kultur, Philosophie, Politik und Weltanschauung mehr hat. D.h. wir haben die Technik, um uns und weitgehend alles Leben auf der Erde zu vernichten oder Menschen unter totalitäre psychologische Kontrolle zu bringen, aber wir haben kein Bewusstsein, kein Verständnis und keinen Weitblick, um damit verantwortungsbewusst und förderlich umzugehen. Kurz: die intelligenten Erfindungen und Waffen einer rational-logischen Kultur sind nun in den Händen von Kollektiv-Mystikern und Macht-Fetischisten, deren Ich- und Weltbewusstsein höchstens eine matriarchale Gesellschaftsorganisation mit primitiver, clanartiger Machtzentrierung erfassen und aufrechterhalten kann. High-Tech-Geräte und High-Tech-Medien in den Händen von völlig überforderten, chronisch naturängstlichen Kindermenschen!

Das ist die Herausforderung, die wir zu bewältigen haben. Und wir sind mittendrin. Es geht gar nicht mehr darum, Pläne zu schmieden, das ist glücklicherweise vor 60 Jahren und früher schon passiert, denn es gab immer Zirkel und Gruppen, die den Abstieg der führenden Kulturen beobachteten und verstanden ohne davon mitgerissen zu werden. Diese Pläne sind seit Jahrzehnten schon in der Umsetzung und sie sind sehr umfassend und weitreichend, denn sie müssen alle Aspekte des menschlichen Lebens in unserer Zeit und für die ganze Welt mit einbeziehen.

Unsere Aufgabe als zunächst nur Teilnehmer dieser gewaltigen Transformation kann es fürs Erste nur sein, sie in ihren Ursachen, in ihren Bedeutungstiefen und Folgen zu verstehen. Nur dann können wir uns selbst als Einzelne darin verorten und orientieren. Die Möglichkeit, sich als separat und ausgeschlossen davon zu betrachten besteht rational nicht. Das wäre so als würden wir uns als unberührt und außenstehend gegenüber der Erde und der lebenden Menschheit selbst betrachten.

Ganz besonders wichtig ist ein Tiefenverständnis des epochalen Vorgangs für all jene, die sich berufen fühlen, eine führende Rolle zu übernehmen und anderen Richtung und Orientierung zu geben.

Aus diesem Grunde müssen wir uns den regredierten Bewusstseinszustand unserer Zeit noch einmal genauer ansehen, denn das ist der Status Quo, von dem aus wir in die Erweiterung und Umwandlung gehen.

Das mythisch-matriarchale Bewusstsein im 21. Jahrhundert

Wir haben die Prinzipien der matriarchalen Macht- und Gesellschaftsstrukturen schon umrissen und es mag anhand dieser Skizzierung äußerst abwegig erscheinen, den heutigen „modernen“ Gesellschaftssystemen und sogar den führenden westlichen Hochtechnologie-Kulturen genau diese archaische und verhältnismäßig primitive Form der Organisation mit ihrer mystischen Epistemologie und irrationalen Grundverfassung zu unterstellen.

Wir dürfen bei der Diagnose jedoch nicht die oberflächlich sichtbaren Symptome mit den wirkenden Prinzipien und Ursachen dahinter verwechseln. Hier geht es um die Grundprinzipien und Grunddynamiken, die unsere Kultur, unser Denken und unser Leben bis in die kleinsten Alltagsdetails hin bestimmen.

Nach den bisherigen Charakterisierungen der sozial-mythischen Bewusstseinsstruktur mit ihren matriarchalen Prinzipien der Gemeinschaftsbildung sollte es uns nun nicht mehr wundern festzustellen, dass dieser Bewusstseinsstruktur die Tendenz zum Verstecken, Verbergen, Verschleiern und Verdunkeln inhärent ist. Wir müssen mit diesem Verständnis sogar davon ausgehen, dass sie stets darum bemüht ist, nicht nur anders zu erscheinen als sie nach innen hin wirklich ist, sondern letztlich möglichst unsichtbar zu sein und zu wirken. Zur Erinnerung: die feminine Form der Dominanz ist nicht offenkundig und direkt, sondern versteckt und indirekt, subtil und im Verborgenen, Unbewussten wirkend. Ihr primäres Ziel ist Selbsterhalt und keineswegs Eroberung, schon gar nicht Kampf. Sie wird also stets einen großen Teil ihrer Einflussmöglichkeiten darauf richten, nicht erkannt und identifiziert zu werden, sondern ihre Macht „unterhalb des Radars“ der öffentlichen Wahrnehmung und Denkens auszubauen.

Das gängigste und bis zur Ermüdung wiedergekäute Narrativ in der gesamten postmodernen intellektuellen und semi-intellektuellen Welt ist: „Wir werden von einem exzentrischen und hypertonen Patriarchat kontrolliert und gegängelt“. Damit ist für Reiz-Reaktions-Denker und Bestseller-Autoren bereits die Ursache aller Misere, Frustrationen, Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten gefunden, so dass sie gleich zum nächsten Denk- und Kategorisierungsfehler übergehen, nämlich: „Also sind die Männer an allem schuld!“, woraus sie dann die Stammtisch-Konsequenz ziehen: „Die Männer sind das Problem!“ oder „Wenn die  Männer nicht … wären, dann…!“

Dass dieses Narrativ vom bösen, dauerquälenden Patriarchat so verbreitet ist unter den systemisch gut versorgten professionellen Beschwerdeführern und medial geförderten ideologischen Reklamationsanbietern und dass diese nie auch nur eine annähernd realistische und realisierbare Lösung aus dieser Hypothese heraus formulieren können, sollte uns einigermaßen stutzig machen. Es wird nur geklagt und geschimpft, aber keine Anstrengung zu einer Veränderung unternommen.

Die Lüge mit dem Patriarchat ist ausgesprochen billig und lebt davon, dass keiner weiß, was das Wort eigentlich bedeutet und auch nicht nachfragt. Vielleicht traut man sich nicht mehr, weil man es sich im bequemen Dunstkreis solcher emotional aufgepumpten Wortblasen nicht mit scharfen Definitionen unbequem machen will. Das Lügennarrativ stützt sich auf die Begründung, dass ja in unserer Gesellschaft und schon seit langem, alle Autoritäts- und Entscheidungspositionen überwiegend von Männern besetzt sind. Das ist Fakt. Aber die Interpretation, die dann stillschweigend und ohne jegliche Begründung geschweige denn realistische Untersuchung aus Männern „Patriarchen“ macht und aus Funktionsträgern Herrscher und Systemlenker, ist so albern und intellektuell so schlampig, dass sie es nicht einmal wert ist, näher betrachtet zu werden.

Wir haben bereits aufgezeigt, dass in matriarchalen Strukturen der Erhalt des Clans oder der Gemeinschaft die zentrale Grundausrichtung ausmacht und dass dafür die Funktionen und Traditionen innerhalb der Gruppe wichtiger sind als die Individuen, die diese tragen. Es spielt dabei keine Rolle, ob in ihrer Mitte eine Matriarchin oder ein Matriarch sitzen – das System und seine essentiellen Charakteristika sind dieselben.

Die Frau an sich (nicht die individuelle Person) ist im Matriarchat insofern bedeutender, als dass sie in der Rolle als Mutter das Mysterium des Gebärens und Versorgens und damit die geheimnisvollen Kräfte der übermächtigen Natur repräsentiert. Die Männer sind im Matriarchat hingegen: Drohnen. Also Krieger-Drohnen, Arbeiter-Drohnen und Begattungs-Drohnen. Eine Drohne, genauer: ein Drohn, ist ein (Mit-)Arbeiter, der jedoch an der „Honigeinbringung“ nicht teilhat, also nicht produktiv ist. Drohnen sind ferngesteuerte, unbemannte Fluggeräte „zum Einsatz an schwer zugänglichen oder gefährlichen Orten“ (so das Wörterbuch). Männer sind Drohnen in Systemen und Kollektiven, in denen der Selbsterhalt der Gruppe und ihrer Narrative höher gewertet wird als das Individuum und seine Kompetenzen oder Talente.

Im Matriarchat ist das männliche Prinzip dem weiblich-mütterlichen Prinzip des Erhaltens und des Sich-Fügens in gegebene Naturprozesse nach- und untergestellt. Im Matriarchat gibt es keine Männer, sondern nur Männchen. Es herrscht – nicht die Frau – sondern die Große Mutter, und zwar nicht als Person, sondern als Prinzip im Bewusstsein aller Mitglieder und höchstens personifiziert oder genauer gesagt figuriert.

Diese Figuration des alles umfassenden und alles fassenden Mütterlichen kann übernommen werden von einer Matriarchin, einer Königin oder einem Matriarch und „Oberhaupt“, von Priesterinnen oder Priestern, von Orakeln, Medizinmännern oder -frauen oder – von einer Institution.

Letzteres ist für uns heute sehr wichtig zu erkennen. Denn mit den zuvor genannten Rollentypen können wir so gut wie nichts mehr anfangen und betrachten sie als archaisch, zumindest antiquiert oder als seltsam nostalgische Fetische marginaler Subkulturen. Was wir aber heute überall erkennen können, ist die Figuration der matriarchalen Herrschaft und Grundstruktur in Institutionen: Firma, Kirche und Gemeinde, Universität, internationale Organisation, Loge, Republik, Regierung, Vereinsgemeinschaft, Sport-Liga usw. Es ist der Geist dieser selbstbezogenen, sich-selbst bewahrenden und zum reinen Selbstzweck sich ausdehnenden Organisationen, der heute all unsere Kultur und unser Denken bestimmt.

Wir beten heute keine tönernen Fruchtbarkeitsgöttinnen an und vergöttern auch nicht mehr irgendwelche Naturprozesse als lebensbestimmende Kräfte oder „Zeichen Gottes“. Aber wir leben mit einer so grundsätzlichen und umfassenden Funktionalisierung des Menschen allein zum Zwecke des Erhalts eines technokratischen Systems, das keinen weiteren Sinn mehr hat als den reinen Selbsterhalt, wie es das nur in einem Matriarchat geben kann.

Wir sind über viele Generationen hinweg zurückgefallen auf das Niveau vor-hellenistischer Gesellschaften, nur mit dem Unterschied, dass uns die Technologie, die Ergebnisse der Wissenschaft, die Philosophie-, Rechts- und Politiksysteme aus patriarchalen Epochen heute zur Verfügung stehen. Wir benutzen sie jedoch nicht mehr, um den Menschen in seinem menschlichen Wesen und Potenzial zu fördern, sondern um ihn zu unterdrücken. Für was? Für den Erhalt des Großen Systems – ein neurotisch degeneriertes Zerrbild des Große-Mutter-Archetyps.

Die Funktionalisierung des Menschen für eine unpersönliche Maschinerie oder für irreale Ideologien und unmögliche Zukunftskonstrukte ist Symptom einer matriarchalen Bewusstseinsstruktur, und zwar einer schwer gestörten und defizienten, denn sie strebt nach selbstverformender Anpassung nicht an die Natur, sondern an menschengebaute, leblose und starre Systeme und Verwaltungsapparate. Im macht-emittierenden Mittelpunkt des modernen Techno-Matriarchats steht keine sichtbare Person mehr, sondern nur noch eine Idee, ein Bild oder ein Narrativ. Also eine Schimäre, eine konstruierte Vorstellung. Um dieses fiktive Zentrum herum baut sich ein komplexer, immer weiter ausufernder Apparat von Funktionen, auf deren Positionen sich kaskadenförmig von der Mitte weg nicht nur Macht, sondern vor allem auch das Recht auf Fütterung vom Gesamtsystem herabstufen bis an die Peripherie dieses Machtkreises, wo es weder Macht noch Versorgung, sondern nur noch völlige Selbstopferung für ein Minimum an Leben-gelassen-Werden und Dienen-Dürfen ohne weitere Rechte gibt.

In diesen Systemen spielt das Geschlecht keine Rolle mehr – weder das biologische noch ein sozial konstruiertes. Und wenn wir ihre Dynamik einmal durchschaut haben, können wir die substanzlosen Scheingefechte von „Frauen gegen Männer“ oder „Frauen für mehr Frauenrechte“ ein für allemal hinter uns lassen. In diesen toten Strukturen herrscht die technisch-bürokratische Logik der Geschlechtslosigkeit. Vor dem System sind alle gleich, und zwar gleich wertlos. Die hektischen Elenden, die sofortige und totale Gleichberechtigung einfordern oder zwangsverschreiben wollen, haben nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis ihrer hitzigen Anti-Haltung und Instant-Reformen die Gleich-Entrechtung sein würde und dass die längst gewählte Abkürzung zur einzig möglichen Gleichmachung der Menschen führte, indem man alles Menschliche und Wesenhafte an ihnen ignoriert und sie nur noch als Funktionsträger in einem Gesellschaftsapparat betrachtet. Der Sieger dieses ideologischen Wettbewerbs der Negation ist natürlich der Psychopath, das seelenlose Monster. Und auf dem zweiten Platz mit der Silbermedaille steht aufrecht und über alle anderen erhaben der Bürokrat.

Den dritten Platz in dieser Mechanik hat der willen- und selbstlose Mitläufer, der nicht gequält wird von einem eigenen Gewissen und das Getriebe nicht durch rationale, logische oder sinnbezogene Fragen stört. Dies ist die Macht-Hierarchie der modernen Gesellschaften: die psychopathische Spitze gibt einem Heer von Bürokraten Richtung und Narrative, mit welchen diese wiederum eine Masse von widerstandslosen Funktionsträgern steuern und dauer-beschäftigen. Wir müssen an dieser Stelle jedoch mit dem Begriff „Hierarchie“ aufpassen. Die Stufung ist – matriarchalisch eben – nach innen aufsteigend gerichtet und nicht nach oben wie in einer patriarchalischen Struktur.

Diese Matrix der konstruierten Systeme und Institutionen ist gemäß ihrer gebärmuterartigen Ordnung umso undurchdringlicher, geheimnisvoller und verschlossener, je mehr man zu den Zentren ihrer Macht vordringt. Die Ordnung in solchen Systemen wird nicht durch ein trans-parentes (lat. trans = „durch/hindurch“ und lat. pārēre = „erscheinen, sichtbar sein, erschaffen“, vergleiche auch mit parentes = „Eltern“) Werk von Regeln und Gesetzen aufrecht erhalten, sondern durch ständige private Übereinkünfte zwischen Teilnehmern und Untergruppen, in denen mit den Währungen Einfluss (Macht), Versorgung (Selbstbereicherung) und Absicherung (Schutz) Tauschhandel betrieben wird. Die Gegenbezahlung für diese käuflichen Privilegien besteht aus Unterordnung, Gehorsam und Anpassung, Folgsamkeit gegenüber der nächsthöheren Macht-Stufe und Verzicht auf eigenständiges Denken, Handeln und Entscheiden.

Zur Mitte hin nehmen also, wie wir es bereits für matriarchale Ordnungen beschrieben haben, Macht, Schutz und Versorgung zu. Es nehmen im gleichen Maße aber auch Selbständigkeit, Integrität und Individualität ab. Was für ein Konstrukt ergibt sich daraus? Ein soziales Konstrukt, das auf Abhängigkeit, Gefügigkeit, Launenhaftigkeit und Selbstlosigkeit beruht.  Damit sind jedoch nur die inneren Einfluss- und Bevorzugungsdynamiken beschrieben. Die Narrative, die innerhalb des Systems, wie alles andere auch ausgehend von seiner bestimmenden Mitte den System-Mythos bilden, können davon komplett abweichen. Oder besser: sie müssen davon abweichen. In Systemen, die auf funktionaler Macht und Fügsamkeit beruhen, muss die selbstherrliche und sich selbst versorgende Macht stets sicherstellen, verschleiert zu werden. Sonst würden ihre Gefolgsleute nicht bloß die Ungerechtigkeit der Ressourcenverteilung und das Positionen-Geschachere erkennen, sondern viel schlimmer noch das unsägliche Kompetenz-Vakuum im Machtzentrum.

Deshalb ist der Bezugs-Mythos in solchen Systemen das entscheidende Hypnosemittel, um die Menschen in ihren Funktionen und Positionen zu halten und zur immer weiteren Selbstaufgabe anzuspornen. Die Hauptfunktion des Mythos mit seinen Dogmen, Katechismen, Narrativen, Normierungen und besonders auch Tabus und Denkverboten ist die Verschleierung der Machtdynamik, denn die wertvollen Ressourcen fließen immer nur in eine Richtung: zur Mitte hin, das heißt zu den Funktionären und Eliten, die sich das System für ihre Selbstbereicherung und Abschirmung zunutze machen und es, also die Menschen in ihm, für sich arbeiten lassen. Was zurückfließt zu den Drohnen und Arbeiterinnen sind neben lebenserhaltenden Minimal-Nährstoffen in erster Linie Betäubungsmittel: alles, was Sicherheit, Zugehörigkeit, Gebundenheit, Wohlbefinden, Versorgung und Alternativlosigkeit suggeriert und das Nachdenken, Hinterfragen, Anzweifeln, Forschen, Prüfen, Kritisieren oder Anfechten lähmt.

Wenn wir uns also fragen, warum Menschen an so einem ungerechten, menschenunwürdigen System freiwillig teilnehmen und es sogar mit Zähnen und Klauen verteidigen, sobald sie sich darin destabilisiert fühlen, dann haben wir hier die Antwort: weil die Mitgliedschaft ein Deal ist, in dem man Integrität gegen Verantwortungslosigkeit tauscht. Gib Dein eigenständiges Denken und Dein Wahrnehmung von Dir selbst, Deinem Wesen, Deinen Werten und Deinem Potenzial ab und erhalte dafür die volle System-Absolution für Achtlosigkeit, Naivität, Oberflächlichkeit, Bequemlichkeit und Vergnügungssucht – mit einem Wort: Selbstvergessenheit. Damit also Selbstlosigkeit. Im psychologischen Sinne zumindest Sinnlosigkeit.

Daraus lässt sich auch ablesen, mit welchem tiefgreifenden Schmerz eine Ablösung aus diesem Deal verbunden sein muss. Denn wer sich aus dem Spinnennetz eines matriarchalen Systems lösen will oder von außen herausgelöst wird, der muss sich seiner Selbstleugnung und der Abtrennung von seiner Veranlagung als selbständiges, rationales Wesen stellen, für die er nichts anderes erhalten hat als geistige Betäubung. Das ist so zutiefst unmoralisch und gegen die Bestimmung des Menschen, dass der Schmerz weit darüber hinaus geht, physisch zu sein. Er ist seelisch, um ein einigermaßen angemessenes Wort zu nutzen: im untersten Fundament unseres Seins und unserer Identität. Menschen werden alles versuchen, um diesem Schmerz auszuweichen, auch wenn es sie ihr Leben kostet.

Die Merkmale unserer matriarchalen Apathie

Der Leser wird in den bisherigen sehr allgemeinen und grundsätzlichen Charakterisierungen matriarchaler Strukturen bereits die Parallelen und Übereinstimmungen mit dem Status quo unserer modernen Gesellschaftsstrukturen erkannt haben. Die einzige Überraschung mag dabei sein, dass die gängigen Erklärungsmodelle gar nicht zutreffen und dass all das, was in der Breite als Lösung für die stetig wachsenden Konflikte, Mängel und Degenerationserscheinungen verkauft wird, tatsächlich nur die Grunddynamik des defizienten Systems mit seinen Irrlehren fördert und verstärkt. Alle willkommenen und wohlklingenden weil systemimmanenten Lösungsvorschläge jagen alles nur noch tiefer in die Sackgasse und Ausweglosigkeit hinein – und beschleunigen damit den kulturellen und schließlich den sozialen Niedergang.

Dass aber innerhalb einer sozial-mythischen, matriarchalen Weltanschauung keine echten Lösungen im Sinne einer Ablösung von falschen Narrativen generiert und gefördert werden, sollte uns nun gar nicht mehr überraschen. Auch nicht, dass alle erlaubten und gestützten Anstrengungen innerhalb dieses Macht- und Selbstversorgungssystems tatsächlich nur bemüht sind, den eigenen und damit den gesamten Status quo zu erhalten, jede fundamentale Veränderung zu bekämpfen und allein schon die Idee einer Prinzipienänderung mit allen Mitteln zu negieren.

Welche stichhaltige, plausible Begründung finden wir denn sonst dafür, dass die Leistungsfähigkeit der Menschen weltweit seit Generationen kontinuierlich zurückgeht (während gleichzeitig das Narrativ mit aller Gewalt aufrechterhalten wird, es gehe immer bergauf und ergo seien wir heute die höchste Spitze der menschlichen Kulturentwicklung aller Zeiten)?

Wie anders können wir denn das mittlerweile schon sprichwörtlich gewordene weil völlig offenkundige Phänomen erklären, dass in allen größeren Institutionen unserer Gesellschaft – und besonders in den angeblich sozialen und den internationalen Organisationen in ihren Hierarchien nach oben hin die Inkompetenz, die Charakterlosigkeit, die Korruptheit und damit die Verantwortungsunfähigkeit berechenbar zunehmen?

Wenn die „Demokratie“, in der wir angeblich seit 75 Jahren leben, die großartigste und menschlichste Staatsform ist, warum degenerierte dann in genau der gleichen Zeit alles Kulturelle so rasant, dass die Chronisten gar nicht mehr mitkommen?

Warum haben die Menschen immer weniger Interesse an Politik und politischen Diskursen, am Verständnis von Zusammenhängen, Hintergründen und plausiblen Erklärungen? Warum fragt niemand mehr nach, während die offensichtlichen Widersprüche und Schwankungen in den offiziellen Narrativen immer extremer und surrealer werden?

Warum wehren sich die meisten Menschen mit heftigsten Emotionen und geradezu zügellosem Zorn gegen jegliche Andeutung, die die tatsächlichen Machtstrukturen ihrer Welt beleuchtet oder hinterfragt? Warum die geradezu instinktiv-körperliche Abwehr gegen alles, das den Stempel „Verschwörungstheorie“ aufgesetzt bekommen könnte. Und warum ist dieses Phänomen umso stärker, je höher jemand auf der sozialen (Macht- und Versorgungs-) Leiter steht?

Wie ist es möglich, dass wir seit Jahrzehnten eine multi-millionen geförderte Krebs-, Aids- und Virus-Forschung haben, deren Spitzenköpfe nicht erklären können, was sie mit „Krebs“ überhaupt meinen und bezeichnen oder die sich wie beleidigte Kinder gegen die mehrfach belegte Tatsache wehren, dass es biologisch gar keine „Viren“ gibt, schon gar kein „Humanes Immundefizienz-Virus“, von „Covid-xy“ gar nicht zu reden? Was für Wissenschaftler sind das? Was ist das für eine Wissenschaft und worauf beruhen diese pseudo-elitären Zugehörigkeitskreise wirklich?

Wie kommt es, dass die Menschen in der größten Mehrheit jeden groben Unsinn glauben, den sie im Fernsehen sehen oder in der Zeitung lesen, solange sie dazu auch nur ein einziges stümperhaft gefälschtes Foto und eine hanebüchene Geschichte zu hören bekommen? Warum sind die Menschen so durch und durch irrational in Bezug auf alles, was mit Machtstrukturen und Welterklärungen zu tun hat? (Während sie in den konkreten Belangen ihres alltäglichen Lebens, vor allem im Geschäftsleben und bei allem Finanziellen penibel rational und strategisch zu sein versuchen.)

Warum degeneriert unser Bildungssystem so rapide und kontinuierlich, so dass heute Menschen mit den höchsten Abschlüssen die einfachsten Sachverhalte nicht mehr darstellen und verstehen können? Warum muss das Niveau der Elementarschulen immer weiter abgesenkt werden, damit die Kinder noch halbwegs mitkommen?

Warum glauben die Menschen jeder Figur, die sich als Autorität ausgibt oder inszeniert und stoßen jede echte Autorität, die mit Wissen, Verständnis und Kompetenz helfen könnte, empört beiseite?

Warum sinkt der moralische Standard vor allem überall dort, wo die Menschen materiall gut versorgt sind und viel mehr zur Verfügung haben als sie zum „guten Leben“ bräuchten? Warum die wachsende Frustration der Menschen im materiellen (!) Überfluss und warum ihre universale Hoffnungs- und Fantasielosigkeit in Bezug auf jegliche Alternative oder Chance?

Warum sind die Menschen von allen möglichen Narrativen und einfachen Handlungsaufforderungen so leicht zu begeistern und warum schließen sie sich weltanschaulichen Gruppen an, die ihnen nur durch Zugehörigkeit ein Gefühl von Wichtigkeit und Bedeutung geben (nicht als Individuum, sondern als Teil dieser Gruppe)? Warum engagieren sich kaum Menschen für nüchterne Analysen, empirisch-rationale Erklärungen, logisch und ganzheitlich bedachte Lösungskonzepte? Warum versucht überhaupt niemand mehr, ein Problem zu lösen? Warum nur noch das immer lautere und grellere Schreien nach Aufmerksamkeit, nach mehr Ressourcen (Geld und mediale Aufmerksamkeit), nach Einschränkungen, nach staatlichem Einschreiten und Regulieren, nach Sonderbehandlungen für sich und systematische Benachteiligung oder sogar Opferung der anderen?

Warum versuchen die, die am besten versorgt und privilegiert sind, sich am meisten als Opfer und Bedürftige zu inszenieren? Wodurch entsteht überhaupt dieser gesamtgesellschaftliche Dauerwettbewerb um das größte Opferimage und die größte Bedürftigkeit?

Warum engagieren sich die Menschen in alle möglichen Richtungen für die Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gemeinschaft, die ihnen Identität gibt, bleiben dabei aber resigniert und intellektuell völlig passiv?

All diese Fragen, die sich endlos weiter auffächern ließen, lassen sich mit einer einzigen Frage zusammenfassen: Warum verhalten sich die Menschen wie immer jüngere, abhängige Kinder und wehren sich dagegen, ihren Verstand, ihre Fähigkeiten zum rationalen Denken zu benutzen?

Die Antwort ist nun nicht mehr von weit herzuholen: weil sie in einer Kultur und Bewusstseinsstruktur leben, die nur das fördert und belohnt. Und das ist, wie jetzt überdeutlich klar sein sollte, keine patriarchale Kultur, sondern eine matriarchale. Allerdings eine insofern spezielle matriarchale Kultur, als dass sie die Artefakte vergangener patriarchaler Gesellschaften benutzt und sich ihrer noch vorhandenen Überreste bedient. Ihre verschleierten Machtzentren schützen sich nur durch das öffentlich ausgegebene und geförderte Narrativ, alle Probleme kämen aus einer Hyperdominanz „patriarchaler Strukturen“, die also noch weiter bekämpft und geschwächt werden müssen.

Das Prinzip dürfte klar sein. Ich will dennoch zur Veranschaulichung ein paar konkretere Hinweise geben, wo und in welchem Ausmaß wir matriarchale Strukturen und Denkweisen in der Welt finden, in der wir leben.

Das sicherlich plakativste Beispiel für diese Form der Gemeinschaftsformung ist die Kirche. Gemeint ist jede Form von Kirche, also die Grundidee von Kirche überhaupt. Von den „freien“ Gemeinden, in denen man nur fertige und weitgehend zahnlose Denk- und Begriffsvorgaben vorgekaut bekommt, über die katholische Kirche mit ihrer konsequent anti-geistigen und anti-vitalen Ideologie bis hin zum fundamentalen Islamismus und jenen versprenkelten noch mehr abgeschotteten, noch morbideren Suizid-Sekten, die jegliches kleinste Merkmal von Menschlichkeit und Individualität bereits im Keim ersticken und nur fremdgesteuerte humanoide Hüllen hervorbringen. Sie alle funktionieren ausschließlich auf der Basis von Angst, Orientierungslosigkeit und autoritärer Bevormundung. Die Mitglieder müssen hochgradig infantil und abhängig sein, damit das funktioniert und sich selbst erhält. Die Aufgabe einer „Kirche“ ist es, dafür zu sorgen, dass das so bleibt.

Das Gleiche gilt auf einer abstrakteren Eben für jede Form der institutionalisierten Religion. Da Religion, richtig verstanden, ein ideologischer, d.h. eigentlich philosophischer, weltanschaulicher Rahmen zur geistigen Wesens- und Potenzialentfaltung und damit immer zur Individualisierung, Selbstverwirklichung und Verselbständigung ist, ist jede Form ihrer Institutionalisierung bereits ihre Zerstörung und Verdrehung in ihr Gegenteil.

Man mag es nicht glauben wollen, aber auch die sogenannten „Wissenschaften“ sind der Epistemologie des Sozial-Mystizismus völlig unterworfen und haben ihr Interesse an der Realität verloren. Wie auch sonst sollten sie in einem matriarchalen Verteilungssystem überleben – und zwar so satt und gut überleben?

Die sogenannten „Geisteswissenschaften“ sind eine reine Sammlung von Glaubensrichtungen, -bekenntnissen und -kriegen. Sie handeln nur noch mit Narrativen und Narrativen über Narrative, wobei das Kriterium für Richtigkeit sich aus dem ergibt, was dem jeweiligen „Wissenschaftler“ oder Institut aus nicht weiter reflektierten Gründen gerade opportun erscheint; z.B. um mehr Forschungsgelder zu erhalten. So kann man sich seinen Lebensunterhalt auch verdienen – und Weltbilder erfinden.

Aber sogar in den Naturwissenschaften gilt schon längst das Prinzip der „Wahrheit durch Mehrheit“. Nicht mehr Fakten und empirische Beweise sind ausschlaggebend, sondern die Anzahl und vor allem die institutionelle Stellung der zustimmenden Protagonisten. Richtig und wahr ist, worauf sich „namhafte Wissenschaftler“ einigen. Auf welcher Basis? Man weiß es nicht. Vermutlich auf der Basis, die im Matriarchat für alles gilt: was mehr Macht gibt und/oder einem mehr Ressourcen verschafft. Nicht harte Beweise zählen, sondern ein „ausreichender Konsens“ von „Wissenschaftlern“, deren Motivation alles Mögliche sein kann, aber definitiv nicht die Erforschung der Realität und der Welt wie sie faktisch-objektiv ist. Denn – und das bitte wörtlich verstehen: daran glauben sie schon lange nicht mehr.

Mit viel Euphemismus könnte man so eine Wissenschaft „demokratisch“ nennen – die Veranstaltung ist tatsächlich demokratisch, nur eben keine Wissenschaft. Begrifflich korrekter wäre es, diese Vorgehensweise als „Wissenschaftspolitik von Interessengruppen“ zu bezeichnen, wobei die Interessengruppen eben wie alle anderen auch, darauf aus sind, vom „großen gemeinsamen Topf“ so viel wie möglich abzubekommen.

Daran können wir erkennen, dass das Matriarchat die Menschen keineswegs unpolitisch macht, sondern nur blind und apathisch gegenüber den realen politischen Zusammenhängen. Tatsächlich werden in so einem System jede menschliche Handlung und jeder Aspekt von Kultur politisiert. Überall bestimmt die Untergruppe die Richtung, die gerade an der Macht ist. Einen anderen Maßstab gibt es nicht.

Diese Machtpolitisierung allen Denkens und Handelns ist heutzutage längst und fest in den Köpfen der Menschen verankert. Wer käme heute noch auf die Idee, nach so etwas wie einer objektiven Wahrheit zu fragen? Wir haben gelernt, dass „jeder seine eigene Wahrheit hat“. Man könnte es für eine begriffliche Ungenauigkeit halten, dass nämlich „Wahrnehmung“ gemeint ist, was  die Aussage aber immer noch ausreichend falsch sein lassen würde. Aber nein, es ist keine Ungenauigkeit, sondern exakt die Weltanschauung, die die Menschen heute teilen: Wahrheit ist für sie etwas Subjektives, also tatsächlich etwas, dass sich jeder ausdenken und zusammenreimen kann, wie er möchte. Und wie möchte er wohl? Was ist der Maßstab? Die Erfüllung eigener Bedürfnisse, die aktuell dominanten Launen und das, was gesellschaftlich gerade die meisten Vorteile in Sachen Zugehörigkeitsgefühl, Macht und Ressourcen bringt.

Epistemologisch gibt es also keine Wahrheit mehr, sondern nur noch emotional oder strategisch angezeigte Meinungen und Narrative, die sich als Konsens durchsetzen. Konsens ist z.B. heute, dass es Wahrheit gar nicht gibt (also frag erst gar nicht danach) und dass man designierten Autoritäten glauben muss (sonst kommst du in Schwierigkeiten mit dem System und nicht vorwärts und schon gar nicht „nach oben“). Die Frage nach Realität, Fakten und objektiven Gesetzmäßigkeiten ist schon seit langem eine Frage der sozialen Einigung, der aktuellen Mode und der persönlichen oder kollektiven Wahl. Rational-philosophisch betrachtet ist das Unsinn auf unterstem Kindergartenniveau.

Psychologisch jedoch – und das ist viel wichtiger zu erkennen – wird dadurch alles, woran Menschen sich intellektuell orientieren – also woran sie alle Entscheidungen und Handlungen ihres Lebens ausrichten – nur noch eine machtpolitische Frage der Manipulation und der Meinungs- und Medienhoheit. Alles ist dann richtig, wenn du nur ausreichend viele dazu bringen kannst, es zu glauben, es penetrant genug veröffentlichst oder – noch besser – es mit einer ausreichend starken Interessengruppe öffentlich-politisch durchsetzt. Wahrheit, Realität und Maßstab sind dann also das, was gerade von „oben“ verkündet wird. Glaub es oder… du wirst schon sehen, was du davon hast.

Da die Natur und der Kosmos mit ihren feststehenden Gesetzmäßigkeiten allerdings nicht an diesem mystisch-verblendeten Kinderspiel teilnehmen, sind so eine Gesellschaft und die Menschen, die solcher Irrationalität verfallen, über kurz oder lang dem Untergang geweiht.

Ich weise noch einmal daraufhin, dass die Ursache all der Probleme und des kulturellen Verfalls also nicht darin liegt, dass die armen Menschen, ihre Kultur und ihr Bewusstsein von super-intelligenten aber leider auch super-bösen Wesen gekapert und in die Irre geführt wurden. Dieses Narrativ dient nur der Selbsttäuschung und Ausflucht. Viel plausibler, einfacher und stichhaltiger ist es, davon auszugehen, dass die Menschen ihr Bewusstseinsniveau und damit ihre Kultur und Errungenschaften früherer Zeiten aus einem eigenen, inneren, psychischen Grund aufgegeben und verlassen haben. Die Ermächtigung der Schwachköpfe und Monster auf schließlich globaler Ebene war eine Folge davon, nicht die Ursache. Wenn wir etwas daraus lernen wollen und den Grundfehler – unseren Grundfehler – aus der Welt räumen wollen, müssen wir uns dieser selbstgemachten Ursache stellen, auch wenn sie sehr viel weniger schmeichelhaft ist als all die bunten Wir-sind-Opfer-eines-Überfalls-Theorien.

Kommen wir aber noch einmal auf das Stichwort ‚katholische Kirche‘ zurück. Sie ist auch eines der eindringlichsten Beispiele für das negierende und restriktive Verhältnis des Matriarchats zu allem, was mit Sexualität zu tun hat. Wir müssen uns erinnern: das Matriarchat betet die geheimnisvolle Magie und Macht der Mutterschaft an, aber keineswegs die anderen Aspekte menschlicher Sexualität. Deshalb finden wir in derart geprägten Gemeinschaften stets ein gespaltenes Verhältnis zur Sexualität: auf der einen Seite wird sie versucht, in den jeweils zentralen Gruppen-Mythos einzufügen und darin unter Kontrolle zu bringen. Da das nicht funktionieren kann, weil Sexualität viel zu sehr individualisierend und selbstermächtigend wirkt, wenn man sie nicht früh genug unterdrückt und tabuisiert, wird sie auf der anderen Seite immer mit Argwohn und Abwertung betrachtet.

Die katholische Kirche lässt ihr Ober-Vorzeige-Matriarch konsequent verkünden, dass Sexualität zur rein biologischen Fortpflanzung zwar göttlich, aber zur Bewusstwerdung als Individuum und vor allem als Quelle körperlicher Lust und Selbsterfüllung ist sie teuflisch, also böse und nach der katholisch-matriarchalen Variante anti-geistiger Moralität falsch. Diese Spaltung eines ganzheitlichen Phänomens in eine „gute“ naturtriebhafte und eine „schlechte“ geistige Seite ist typisch für sozial-mythische Strukturen, die versuchen, ohne rationalen Verstand auszukommen und ihre Mitglieder unterhalb der rationalen Bewusstseinsschwelle zu halten. Dass die Kirche eine bestehende Naturkraft nur verdrängt und mit einem rein mentalen Bann belegt, führt – wenig verwunderlich – zu all den skandalösen und abgründigen sexueller Perversitäten hinter verschlossenen Türen, von denen wir im Steuerungsapparat der selektiven öffentlichen Wahrnehmung selten etwas erfahren.

Zur Erinnerung und zum besseren Verständnis: im Matriarchat herrschen nicht Gesetze, die für alle gelten, sondern situative Regeln und willkürliche Normen, die von den Machtzentren konstruiert und beliebig manipuliert und relativiert werden können. Wer sich selbst für die Quelle des Gesetzes (oder die Stimme Gottes hält), der ist keinem realen Maßstab unterworfen und fällt leicht in Triebhaftigkeit und Liederlichkeit.

Vergessen wir nicht: die matriarchale Matrix-Struktur ergibt sich aus der Funktionalität der Gebärmutter und ganz und gar nicht aus der weiblichen Sexualität oder einer ihr assoziierten Weiblichkeit, welche nämlich als Ganzes in ihren ekstatischen und selbstbezogenen Grundzügen einen dermaßen eindeutig normensprengenden Charakter hat, dass sie für jeden matriarchalen Gruppenbezug  einen gefährlichen Antagonismus darstellt. Matriarchale Gemeinschaften, Gesellschaften und Organisationen mögen – mehr oder weniger metaphorisch gesprochen – die Gebärmutter und das gebärbereite Weib anbeten und umkreisen – geradezu feindlich stehen sie dabei aber gegen alles, was alle anderen Aspekte weiblicher Sexualität betrifft.

Wenn wir für einen Moment bei anatomischen Metaphern bleiben wollen, sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass die Klitoris, anders als die Allgemeinbildung uns glauben lässt, ein langer Schwellkörper ist, der in der Form exakt dem männlich-sexuellen Schwellkörper entspricht. Wir finden also auch in der Natur unseres Körpers eine sehr vielsagende Analogie dafür wieder, dass der sexuelle Selbstbezug der Frau auf einer maskulin-phallischen Grundstruktur beruht und gar nicht auf einer Steigerung einseitig weiblicher Attribute.

Die Angst matriarchaler Strukturen vor dem „Vollweib“ in seiner enormen körperlichen Selbstgenussfähigkeit wird nicht nur bei der katholischen Kirche bis heute sichtbar in ihrer Geschichte der archaischen und auffällig doppeldeutigen Madonnen-Anbetung und den ebenso inbrünstigen Hexenverbrennungen, die in Wirklichkeit Verfolgungspogrome gegen sexuell selbstbestimmte, autonome und vor allem naturheilkundlich sehr kompetente Frauen waren. Nein, wir sehen das gleiche psychische Angst-Programm bis heute auch in fundamental-islamistischen Kulturkreisen, in denen bereits kleinsten Mädchen schon die Genitale verstümmelt werden, um sie lustunfähig zu machen und sexuell zu neutralisieren – und zwar nicht von Männern, sondern von den alten Frauen, den Großmüttern, also Müttern!

Diese Angst vor dem sexuellen, d.h. nicht rein-mütterlichen, nicht funktionsfügigen Weib ist eine der offensichtlichsten Erkennungsmerkmale matriarchaler Gemeinschaften. Wir finden diese Angst und ihre gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Blüten heute in allen möglichen Abstufungen überall und so verbreitet, dass alles andere mittlerweile als bewundernswerte und äußerst schützenswerte Seltenheit betrachtet werden muss. Wir brauchen uns gar nicht auf die extremen Auswüchse dieser Neurose in islamischen, erz-katholischen oder puritanischen Kulturkreisen zu fokussieren. Die meisten „Nur-für-Männer“-Clubs, Vereine und Unternehmensetagen kristallisieren sich um diese Angst und Überforderung herum, um sich davon abzukapseln und sich in einen sozialen (nicht geistigen und deshalb auch nicht sexuellen!) Gegengefechtsstand zurückzuziehen. Gegen was? Gegen jenes erwachsenes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, das erst auf die Probe gestellt wird, wenn (sexuell) selbstbewusste Frauen anwesend sind.

Und dieses Ängstliches-Männchen-Syndrom mit seiner narzisstischen Überspanntheit und seiner schmierigen, betrügerischen Vettern- und Bruderwirtschaft, welches die Welt umspannt und lahmlegt, sollen wir heute als den schlagenden Beweis für ein überdominantes Patriarchat nehmen? Ich bitte um mehr Scharfsinn.

Das, was heute so geläufig unreflektiert als verkrustete und verengende „patriarchale Strukturen“ beklagt und beschimpft werden, ist tatsächlich ein fest eingefleischtes defizientes Matriarchat, dessen Machtzentren bloß von Männchen ausstaffiert wurde. Ein Patriarchat ist etwas fundamental und qualitativ ganz anderes als bloß eine matriarchale Cliquen- oder Mafiaherrschaft, die von Männchen besetzt wird. Es hat einen ganz anderen Referenzpunkt, nämlich das Geistige, Allgemeingültige, also z.B. übergeordnete Gesetze, grundlegende Prinzipien, und somit den erkennenden Verstand und die Vernunft als zentrale Machtwerkzeuge.

Auf das Verhältnis wahrhaft patriarchaler Strukturen zu Männern und Frauen als geistig und sexuell freie Individuen und Persönlichkeiten werden wir noch zurückkommen…

Werfen wir aber erst noch einen klärenden Blick auf die Wertschätzung, die unsere Kultur für Männer und Frauen generell hat. Die angeblich so mächtigen, bevorteilten und überprivilegierten Männer leben in der Masse und in allen Gesellschaftsschichten tatsächlich in einer geist- und sinnlosen Dauerschleife, in der sie der Firma, dem Staat, der Familie, also den übergeordneten Systemen dienen, aber wohl kaum sich selbst als einem einmaligem geistigen Individuum. Wer sich traut, genauer hinzusehen, wird schnell erkennen, dass all die angeblich sozial höhergestellten Männer überhaupt nichts zu melden haben und selbst an den einfachsten Umständen ihres Lebens nichts ändern können. Selbst den Vorständen und Top-Vorsitzenden der angeblich so machtvollen, „patriarchalischen“ Organisationen sind die Hände gefesselt durch eine endlos komplexe Verstrickung mit Machtpolitik, formellen und informellen Regeln, Lobby-Gruppen, Gepflogenheiten und medialen Abhängigkeiten – von den in diesen inneren Kreisen notwendigen Abhängigkeiten durch Korruption, Bestechlichkeit und Logen-Mitgliedschaft ganz zu schweigen. Auf diesen Machtstufen landet schon seit langem kaum noch jemand, der integer ist und tatsächlich etwas verantwortungsvoll für die Gesamtheit verbessern möchte. Solche Störenfriede des großen Selbstversorgersystems werden immer früher aussortiert, damit das System sich erhalten kann. Hier herrschen keine Männer, die das System noch lenken und bestimmen könnten und schon gar keine Patriarchen, die einem Labyrinth von Funktions-Apparaten ihren eigenen Fingerabdruck aufdrücken – oder sie abschaffen würden. In einem dermaßen erstarrten System hat ein selbstbewusstes Individuum keine Chance und kein Interesse – außer es explodieren zu lassen.

Männer sind in unserer Kultur seit Generation schon nur noch Drohnen. Ebenso wie Frauen. Und was wie eine Männerdomäne der Macht aussieht, ist längst zu einem vollautomatischen Funktionen-Apparat geworden, in dem jeder, der „nach oben“ (wir wissen, was das heißt: näher an die Macht-Mitte) will, sich an die Marionettenfäden der Technokratie und Systemvorgaben hängen muss. Das Geschlecht spielt dabei – entgegen der Projektionen der Phantom-Feministen und Gleichberechtigungs-Prediger – gar keine Rolle. Roboter und Computer haben keinen Bezug zur Geschlechtlichkeit, denn diese ist ein geistiges Phänomen, kein mechanisches, nicht einmal ein primär biologisches. In den aktuellen Kultursystemen ist Geschlechtslosigkeit das höchste Ideal und Voraussetzung für die Beförderung zu höheren Einfluss- oder Versorgungspositionen.

Angefangen von der absurden und realitätsfremden Auflage, dass Unternehmer ihre Mitarbeiter „ohne Berücksichtigung des Geschlechts“ anwerben und einstellen sollen, über die systemweit ausgerollte Programmatik von Gender-Ideologisierung, die nur aus verkappten und aufwendigen Leugnungsmechanismen gegen die einfachsten und offensichtlichsten biologischen und sozialen Tatsachen bestehen, bis hin zum sogenannten „Transgender“-Wahn, dessen Bezeichnung bereits eine Verdrehung der Begriffe ist, denn es geht dabei nicht um „trans“ („über etwas hinaus“), sondern um „anti“ und „prä“, also um einen Kampf gegen jegliche Verkörperung von Geschlechtlichkeit (und damit Sexualität) bis zu einer lebenslang fixierten Rekonstruktion der infantilen und unreifen Vorstufe von Geschlechtsidentität: der psychischen Geschlechtslosigkeit.

Deshalb kommen die Männer und alles Maskuline ebenso unter die Räder wie die Frauen und alles Weibliche. Da allerdings die größte Gefahr für jedes matriarchale Konstrukt stets von den testosterontragenden Männern ausgeht, wird es immer eine Dynamik entwickeln, um Männlichkeit und ihr Streben nach Unabhängigkeit so früh wie möglich im Keim zu ersticken. Und dafür wiederum muss die sexuell selbstbewusste und selbstbestimmte Frau verhindert werden, denn diese wird immer nach ebenso vollerwachsenen Männern fragen und sich niemals mit den Männchen zufrieden geben, die es sich im System wie Maden bequem machen und alles mit ihren Kontrollzügeln lenken wollen.

Die Methode der Moderne für diese Unterdrückung ist es, nicht nur die Frauen, sondern alle Menschen der Gemeinschaft so grundsätzlich gegen Männer und Männlichkeit, vor allem aber gegen Väterlichkeit so sehr zu indoktrinieren und aufzuhetzen, dass sie all ihre soziale Macht dafür nutzen, eigenständige Männer und selbstbewusste Männlichkeit an jeder nur möglichen Stelle zu schwächen, zu bremsen, zu verunglimpfen, zu marginalisieren und zu verhindern. Letztlich führt das zunächst dazu, dass die Menschen für Männlichkeit blind werden, dann aber längerfristig dazu, dass sie sie mehr und mehr beginnen wieder zu suchen. Seit Jahrzehnten versammeln sich immer mehr Männer untereinander auf der Suche nach Männlichkeit. Und auch die Frauen klagen immer häufiger und offener: Wo sind denn bloß die „echten Männer“ hin? Man muss allerdings erst erkennen, wie man Männlichkeit aktiv verdrängt hat, um sie ebenso aktiv wieder zurückholen und erkennen zu können.

Der Kampf „Männer gegen Frauen“ jedenfalls ist bodenlos und sinnlos. Kämpfen müssen wir „Menschen gegen Roboter“ und „Individuen gegen entmenschlichte, sich selbst erhaltende Systemkonstrukte“, also gegen irrationales, mystisches und mechanisches Bewusstsein. Denn in der tatsächlichen, steuernden Mitte aller gegenwärtig wirksamen Machtkreise und Institutionen, jener Mitte, die kaum jemand jemals sehen oder auch nur erahnen wird, sitzt kein Patriarch, nicht einmal ein mürrischer, schlechter oder böswilliger, sondern eine schwarze Techno-Spinne: die virale monomanische Obsession von der totalen Synthetisierung  allen Lebens und von der absoluten Mechanisierung der Welt. Um sie herum sitzt (saß) priesterlich ergeben der Kreis jener gesichtsloser Psychopathen und Macht-Fanatiker, die nur von kalter Panik um ihr Überleben getrieben werden und nicht anders können als jede Minute des Tages alles, was sich bewegt oder bewegen könnte, ängstlich zu kontrollieren.

Mit anderen Worten: in der Mitte des postmodernen globalen Matriarchats, von der alle Macht, Kontrolle und Versorgung ausgeht, sitzt niemand, nur ein psychologischer Mechanismus der Angst, eine künstliche, autistische Intelligenz mit großer Rechenleistung, die sich in Milliarden Gehirnen eingenistet und inthronisiert hat, die aber null Verständnis, null Weitblick und null Sinn kennt. Ein großes, dunkles Vakuum. Es bleibe den Menschen erspart, dies zu sehen. Jene Narrative von Drachen, Salamandern, Außerirdischen oder beliebigen Vermischungen dieser Elemente, die selbst in der fortschrittlichsten Aufklärungsszene als Anführer der Oberverschwörung seit märchenhaften Zeiten gelten, sind als sinnvolle Schutzfantasien im Übergang vom Realen ins vagere Mytho-Symbolische, Metaphorische verständlich.

Wir sehen daran: jede Art von Monster kann man lernen zu ertragen und sich eine Schlacht gegen sie ausdenken. Aber diese ungreifbare, unbekämpfbare Leere, dieses Nichts zu sehen (wirklich zu sehen und zu fühlen) und dabei zu wissen, dass von ihm alles und fast alle Menschen beherrscht werden, das dürfte jeden Unvorbereiteten seiner Grundfesten innerer Stabilität und seines Grundvertrauens berauben. Manche letzte Schleier sollten deshalb besser nicht gelüftet werden. Belassen wir es bei diesen wenigen Andeutungen.

Die psychische Verfassung im Matriarchat

So wie es real keinen Konflikt zwischen Frauen und Männern gibt, so gibt es auch keinen zwischen „Rechten“ und „Linken“. Das, was wir über die letzten 150 Jahre gelernt haben als politisch „rechts“ oder „links“ zu bezeichnen, sind bloß zwei unterschiedliche Aspekte derselben Ideologie. Sie stehen beide für das im Grunde selbe Narrativ, nämlich das Grundnarrativ des Matriarchats: gib deine Individualität auf für das alles-umfassende, mächtigere, große Ganze. Also für das wie auch immer konzipierte Surrogat der archetypischen Gebärmutter. Die Bedeutung von „links“ und „rechts“ hat sich deshalb auch ständig verändert, je nachdem, welche poltischen Narrative und Ideologien gerade gegeneinander aufgehetzt werden.

Sobald wir uns erlauben, dieses mytho-politische Spektakel von oben zu betrachten, können wir erkennen, dass „links“ und „rechts“ stets zwei sich ergänzende, konstitutive Elemente der Gesellschaft sind. Ebenso kann man rechtsherum um den Berg wandern oder links herum – der Weg und der Berg sind immer die gleichen. Nur die Perspektive ändert sich.

Die „Linken“ erheben klassischerweise „das Kollektiv“ oder „den Staat“ zu ihrem ideellen Götzen, während die „Rechten“ ursprünglich diejenigen waren, die an oberster Stelle den König und den königlichen Hof sahen und erhalten wollten. In diesen beiden Positionen liegt jedoch kein Widerspruch. Wenn sich ein König um das Volk kümmert und sich als „ersten Diener des Staates“ betrachten würde, dann ist die „linke“ Seite davon das Volk als Souverän und die „rechte“ Seite desselben gesunden Konstruktes sind jene Personen und Institutionen, die diese Gesamtordnung verantworten, vertreten und hauptberuflich schützen.

Nur wenn eine gesunde Monarchie (die per se patriarchalisch sein muss) zerfällt und degeneriert zu einem persönlichen Bevorzugungs- und Bereicherungskonstrukt, dann zerfallen auch diese beiden Aspekte in zwei getrennte Parteien: die einen wollen die Misere des Verfalls dadurch lösen, dass sie das Volk in eine abstrakte, unpersönliche und irreale Idee von „Kollektiv“ oder „Staat“ ummünzen und dem Hirngespinst eines sich selbst führenden Apparates hinterher rennen. Und die anderen versuchen die Formalitäten und Strukturen einer gesunden Monarchie wiederherzustellen. Den ersteren fehlt jegliches Verständnis von der Notwendigkeit von Hierarchien und verantwortlicher Steuerung, während den letzteren der Blick für die veränderten Bedingungen und Bedürfnisse des Volkes fehlen. Beides sind keine Lösungen, sondern intellektuelle Ausflüchte. Die einen flüchten sich in überhitzte, irreale, mystische Abstraktionen, die anderen in vertrockneten Traditionalismus und Formalismus. Beide wenden sich von der Realität und den Menschen ab. Beide beschleunigen damit in ihrer Einseitigkeit nur den Verfall, dessen Richtung bereits vorgegeben ist: hinein in den Zustand der strukturellen Auflösung und Diffusion, in dem Machtzentren nur noch verschleiert und aus dem Unsichtbaren heraus agieren und objektive Gesetze durch Launen und Clanwirtschaft ausgetauscht werden. Also ins Matriarchat.

Seitdem es nun keine Könige und Monarchien mehr gibt, musste das „Rechts“-Narrativ angepasst werden, so dass es in die einzig noch allgemeingültige und wirkende Links-Ideologie passte. Denn die Funktionsweise matriarchaler Strukturen fordert es, die Menschen permanent und verlässlich von der Realität, vor allem von der Realität ihrer Möglichkeiten und Potenziale abzulenken. Am wirkungsvollsten ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen sich in immer kleineren Splittergruppen gegenseitig beneiden, beargwöhnen und bekämpfen. Dann schaut niemand in die Richtung der tatsächlichen Machtzentren, von denen aus das ganze System mit seinen irrealen Narrativen erzeugt, manipuliert und ausgesaugt wird.

Die ursprünglich einmal „Rechten“ werden in einer matriarchalen Struktur als allererstes abgeschafft, denn die Erinnerung an einen guten, sichtbaren König, der für Recht und Ordnung sorgte, können die Sklavenhalter und Schattenregenten überhaupt nicht gebrauchen. Die Utopie-Bilder, die sie heraufbeschwören, müssen verführerisch und zum Greifen nah erscheinen, dürfen aber nie erreicht werden und schon gar nicht einmal erreicht worden sein in der Vergangenheit. Damit nun aber trotzdem das Narrativ „Rechts gegen Links“ aufrechterhalten werden kann, wird einfach eine Variation des Links-Themas als „rechts“ bezeichnet. Heute ordnen wir zum Beispiel die Nationalsozialisten „rechts“ ein, obwohl es eingefleischte Sozialisten und sogar Linksradikale waren.

Der Verfall einer Struktur von einer patriarchalischen in eine matriarchalische Ordnung ist ein mehrstufiger, fließender Prozess, in dem sich zunächst die Schattenmächte im Verdeckten installieren und etablieren müssen, bevor dann langsam eine Kultur des Irrationalen und der Unterwürfigkeit unter oligarchische Clanstrukturen ausgebreitet wird. Nachdem der Sozialismus in Zentraleuropa erst einmal die monarchistischen Strukturen aufgebrochen hatte, konnte er den nächsten Schritt machen und jede Art von sichtbarer Führung und Führerschaft verteufeln. Die Menschen mussten erst über einige Generationen hinweg daran gewöhnt werden, in einer Gesellschaft zu leben, deren Machtzentren nicht sichtbar und deren Steuerung nicht rational und nicht durschaubar ist. Heute sind wir sogar schon einen zusätzlichen Schritt weiter, denn heute sind die Menschen politisch so weit erzogen, dass sie gar nicht mehr nach den realen Machtstrukturen und -zentren fragen und sogar jedes nachfragende Interesse daran verteufeln und ablehnen.

Von der nationalsozialistischen Struktur, in der ein Großteil der tatsächlichen Herrschaft und vor allem ihr rücksichtsloser Selbstbezug noch ganz offensichtlich waren, ging es deshalb weiter hinab im Verfall der gesunden Strukturen Richtung Anarchie und totaler Schattenherrschaft in die Form der sogenannten „Demokratie“. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine zentralistisch geführte Oligarchie, die sich unter einer Demokratie-Simulation verborgen hält. Das Volk hat dabei effektiv gar keine Stimme und keinerlei Beteiligung an politischen Entscheidungen, wird aber durch einen aufwendigen Medienapparat und immer frühere politische Ideologisierung in der Illusion gehalten, es könne „irgendwie“ mitwirken und sei als Souverän mächtig. In Wirklichkeit findet hinter den offiziellen Kulissen ein kaltblütiger Kampf um die Besetzung der Steuerungs- und Selbstbereicherungspositionen statt.

Da hinter der Makulatur eines „Rechtstaates“ schon längst nur noch das matriarchale Prinzip der sozialen Macht durch Manipulation und Clanherrschaft alle Prozesse bestimmt, rutscht das Gesamtsystem zunächst in immer brutalere und rücksichtlosere zentralistische Matriarchatsstrukturen und schließlich sogar noch tiefer hinab in rohe archaische Gewaltherrschaft. Die letzte Stufe dieser Abwärtsspirale ist die reine Gewaltherrschaft, in der der rücksichtsloseste Clan alles vorgibt und steuert, also die Tyrannei. Die zwei grundsätzlichen Unterschiede zur Monarchie sind dabei, dass erstens die real herrschende Clique unsichtbar ist und nur aus dem Versteckten heraus lenkt, und es zweitens keine objektiven Gesetze gibt.

Nun werden einige einwenden, dass wir davon doch weit entfernt seien, denn wir haben ja Gesetze, sehr viele sogar. Und ein „Grundgesetz“. Dann noch international anerkannte Völker- und Menschenrechte. Oder nicht? Das ist zwar richtig, aber ohne an dieser auf die Details von Rechtskreisen und gültigen oder nur geltenden Gesetzen einzugehen ist der entscheidende Punkt prinzipieller Natur: ist das System als Ganzes an Gesetze geknüpft oder sind Gesetze nur ein Subsystem zur Steuerung spezifischer Prozesse ohne dabei objektiv und allgemeingültg zu sein? Anders ausgedrückt: sind die gegebenen Machtstrukturen des Systems den Gesetzen unterworfen oder unterliegen die Gesetze den Machtstrukturen?

In einem integeren Patriachat steht das Gesetz über allen. In einem Matriarchat hingegen stehen die aktuell herrschenden Clans oder Systeme über allem und damit eben auch über allem, das nach Gesetz aussieht. In einem Patriarchat ist der Gesetzesbrecher ein verfolgter Krimineller, der gegen das System steht. Im Matriarchat hingegen kann sich die herrschende Elite ihre eigenen Gesetze machen wie sie möchte, denn über ihr steht nichts als die Prinzipien der Durchsetzung und Dominanz. Recht hat dann immer nur der Stärkere.

Im Jahre 2021 ist es nicht über zu übersehen, dass wir weltweit ausschließlich in Machtkreisen und Strukturen der letzteren Variante leben. Und wir haben auch zwei weitere eindeutige Hinweise darauf, dass dies schon seit sehr, sehr langer Zeit so ist (nämlich seit Anfang des letzten Jahrhunderts, also über hundert Jahre: zum einen die Tiefe und Reibungslosigkeit, mit der alle Rechtsstaats- und Demokratie-Simulationen laufen und von ausnahmslos allen Institutionen, politisch, juristisch, wirtschaftlich, edukativ und medial vollkommen gestützt und gefördert werden; und zum anderen die Schwerfälligkeit bis hin zur aktiven Abwehr der Menschen, die tatsächlichen Machtverhältnisse und die tatsächliche Geschichte der westlichen Welt zu betrachten. Die Simulation ist längst nicht mehr äußerlich und rein institutionell – das hat in den 50er und 60er Jahren noch funktioniert, würde aber heute gar nicht mehr ausreichen. Die Simulation und die ihre matriarchale Grundstruktur sind psychologisch geworden, sie finden in erster Linie im Kopf der Menschen statt und stabilisieren sich von dort im Äußeren.

Das heißt, die Fähigkeiten, Machtstrukturen zu hinterfragen, zu erkennen und begrifflich zu erfassen, ist bereits auf so basalem Niveau aus den Köpfen der Menschen herausoperiert, betäubt und tabuisiert worden, so dass nur noch eine winzige Minderheit der westlichen Bevölkerung dazu überhaupt noch im Stande ist. Wir können die Implikationen davon gar nicht zu wichtig nehmen. Es bedeutet nämlich, dass die matriarchalen Herrschaftsstrukturen bereits auf der Stufe emotionaler Programmierung etabliert sind. Die Menschen innerhalb dieses Machtkreises – das sind so gut wie alle Menschen der Erde, denn es gibt kaum noch einen Ort, der außerhalb davon liegt – reagieren auf alle Signale, Informationen oder Gedanken, die auch nur das Thema der realen Macht berühren mit einer emotionalen Abwehr- und Vermeidungsreaktion. Diese Programmierung des limbischen Systems, auf intellektuelle und abstrakte Inhalte mit basaler Angst zu reagieren muss bereits im frühen Kindesalter beginnen, sonst lässt sich das nicht so sicher etablieren wie es heute schon der Fall ist.

Das ist heute der Standard. Wir haben heute bereits die vierte Generation der (macht-) politischen Totalamnesie, die einen großen und zentralen Aspekt menschlicher Kultur und Geschichte gar nicht mehr konzeptualisieren und also nicht mehr wahrnehmen können. Ihnen wurde der Reflex einprogrammiert, davon wegzuschauen und abzulenken noch bevor ein Signal aus der Realität ihr Bewusstsein erreicht.

An die Stelle dieses mentalen Vakuums tritt dann automatisch die Fantasie. Wenn auch immer unser Gehirn etwas nicht vollständig wahrnehmen kann, füllt es die Wahrnehmungslücken mit Annahmen, Erinnerungen, Fantasien oder Introjekten, von außen eingegebenen Schemata und Denkschablonen. Das Matriarchat, in dem wir leben, lebt also vom und nur durch den mentalen Zombie-Zustand der breiten Masse. Das zentral matriarchale Prinzip der Undurchschaubarkeit wird in der modernen Technokratie auf zwei Wegen erreicht: erstens durch absichtlich immer kompliziertere ineinander verschachtelte und verwirrende Macht- und Regelkreise und zweitens durch die systematische Verblödung und intellektuelle Lähmung der Massen von frühester Kindheit an.

Solange wir es noch mit matriarchalen, also mütterlichen Grundstrukturen zu tun haben, bleibt es aber ein Deal, wie wir oben schon gezeigt haben: man gibt sein Denken und seine Rechte ab, erhält dafür aber Schutz, Versorgung und die notwendigen Betäubungsmittel, um den Schmerz des Selbstverrats und der Entmenschlichung zu verdrängen. Für unsere Kultur sind das Koffein, um sich zum eifrigen Mitfunktionieren anzutreiben, Alkohol, um den Selbstverrat und die Selbstzerstörung zu verdrängen, Nikotin zur Vernebelung und die tägliche Medienzufuhr durch Fernsehen, Radio und Internet, um die Fiktion, nämlich den Mythos der sinnvollen gemeinsamen Selbstopferung und vom Streben nach Ruhe und Zufriedenheit durch Eingliederung und Funktionieren im System, aufrecht zu erhalten. Der Irrglaube hält sich durch die Beziehungssimulation der „sozialen Medien“ aufrecht, die die Menschen in ihren autistoiden Funktionsblasen halten während sie meinen, mit vielen anderen „vernetzt“ zu sein.

Im nächsten Schritt, dessen Zeitraffer-Simulation wir als pädagogische Vorbereitung für die dringend anstehende Rückabwicklung dieser Dynamik in den letzten Jahren überdeutlich zu sehen und zu spüren bekamen, würde jedoch auch das matriarchale Prinzipien immer mehr wegbröckeln und den tatsächlichen Kern der Machtstrukturen offenlegen: die Herrschaft des reinen Überlebensinstinkts, nur noch gesteuert von Angst und wirksam durch rohe, ungebremste Gewalt. Dann gibt es auch keine Versorgung und keinen Schutz als Dank für die Teilnahme am Machtapparat mehr, sondern nur noch ein Jeder-gegen-Jeden, auch Anarchie genannt. Dabei hätten die Psychopathen schon im Voraus gewonnen, denn sie leben schon seit vielen Generationen im Gefühl und in der Erwartung einer solchen brutalen Welt des nackten Überlebens, sind schon immer durch schiere Angst vor allen Menschen außerhalb ihrer kleinen Kreise getrieben und deshalb bestens vorbereitet (gewesen): mit Waffen bis an die Zähne und ganzen Heeren von Söldnern und Kampfmaschinen, so dass sie innerhalb von wenigen Jahren den gesamten Planeten unbewohnbar gemacht hätten. Übrigens wäre das auch kein Problem für sie gewesen, denn sie wollen seit eh und je lieber unter der Erde leben, gut abgeschirmt vom Sonnenlicht, worauf sie sich auch über mehrere Generationen erwartungsvoll vorbereiteten.

Und da emotionale Programmierung und das Aufrechterhalten eines immer abwegigeren Lügenkonstruktes immer schwieriger, aufwendiger und fehleranfälliger werden würde, ist es doch naheliegend, die mentale Lähmung und Zombisierung auf einer noch früheren Stufe anzusetzen und die Menschen, möglichst die Kinder schon im Mutterleib, genetisch zu kastrieren, so dass sie nicht einmal mehr die Bewusstseinsstufe der sozialen Wahrnehmung erreichen könnten. Das würde es für die Psychopathen mit ihrer Autistischen Intelligenz viel leichter und überschaubarer machen, alles und alle zu kontrollieren. Die Menschen würden sich also nicht mehr über das Bewusstsein eines Dreijährigen hinaus entwickeln, würden zusätzlich auch keine Gefühle von Zugehörigkeit, Geborgenheit, Freiheit oder gar Individualität entwickeln, sondern nur noch danach streben, sich irgendwo sicher und nicht überfordert zu fühlen. Sie würden dann jedem Monster aus der Hand fressen. Also ist es logisch folgerichtig, in Vorbereitung darauf über Jahrzehnte hinweg eine Medizintechnik zu entwickeln, die die Menschen genetisch so manipuliert, dass sie nur noch auf dem Bewusstseinslevel von einfachen Säugern leben und ansonsten komplett steuerbar sind. Im Grunde will man in den Machtzentren aber gar nicht so viele Menschen, schon gar nicht acht Milliarden. Also müsste man auch dafür sorgen, dass die meisten sterben und von den übrigbleibenden die meisten sterilisiert werden…

Nun, der Rest ist mehr oder weniger bekannt. Wichtig ist, dass dieser Vorgang voraussetzt, dass die große Mehrheit der Menschen sich nicht mehr für die Realität interessiert, sondern nur noch gehorsam das tut, was die einprogrammierten Autoritäts-Figuren oder -Apparate ihnen sagen. Und das geht, wie nun ausführlich gezeigt wurde, nur in den Macht- und Gesellschaftsstrukturen des Matriarchats, in dem das Kollektiv oder eine abstrakte Idee von einer Gesamtheit stets über jeden Einzelnen, das Gehorchen über das Verstehen und die soziale Anpassung über das Denken gestellt werden.

Dass es dazu nicht kam und auch nicht mehr kommen wird, sei nicht unser Thema hier. Worum es hier geht, ist das Verständnis des psychologischen Spinnennetzes aus Ideologie, Emotionen, halbwahren Narrativen und unbewussten Abwehrmechanismen, die uns dazu brachten, die defizient matriarchalen Grundstrukturen unserer Gesellschaft nicht mehr zu erkennen und uns stattdessen gegen den Strohmann eines undefinierten und unauffindbaren Patriarchats aufzulehnen. Wir müssen erkennen, dass wir nicht bloß Opfer sind, sondern Mitwirkende. Wir sind den Deal eingegangen und haben ihn täglich neu angenommen: nicht denken, nicht hinschauen, uns dafür aber materiell versorgen lassen und von jeglichem Verantwortungsgefühl befreit werden. Die meisten von uns sind Cyphers, die einen Deal mit den Schutzmechanismen der Matrix machten, um zurückkehren, vollversorgt werden und vergessen zu können.

Und aus diesen Erkenntnissen ergeben sich auch schon die Hinweise auf eines der wichtigsten Gegenmittel, das wir wieder finden und regelmäßig nutzen müssen, wenn wir dem psycho-sozialen Gefängnis und dem kulturellen Abstieg entkommen und entwachsen wollen:

das Erinnern.

Wird fortgesetzt (dann hier als Link).

Aufrufe: 15.092


Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog.