Mentale Tiefenbohrungen, Entkleidungen und Querverbindungen hinter den Kulissen der Theateraufführung genannt „Welt“.

Vater um Mutter um Kind

Teil 2: Auferstehung


5.2.2022

Wir haben im ersten Teil gesehen, dass das gesamte Spektrum unseres kulturellen Abstiegs, auf der philosophischen, sozialen, wirtschaftlichen bis zur persönlich-mentalen und moralischen Ebene, begriffen werden kann als die Symptome eines Abgleitens in matriarchale Strukturen, die wiederum nur die gesellschaftlich-politische Folge eines eklatanten Bewusstseinsmangels, zum großen Teil sogar Bewusstseinsverlusts der Menschheit sind. Wir haben es hier also mit einem so umfassenden und grundsätzlichen Vorgang zu tun, dass Fragen nach Schuld und Verursachung viel zu kurz greifen und uns in die falsche Richtung leiten würden.

Man könnte einmal hypothetisch ein von Menschen oder sonstigen intelligenten Wesen initiiertes Projekt zur allgemeinen Absenkung des Bewusstseinsniveaus der gesamten Menschheit annehmen, aber die Frage wäre dann immer noch, was solch einem Projekt die Grundlage gab und wie es denn kam, dass die Menschen daran – als Mittäter und Opfer – mitwirkten. Wenn wir dieses weltweite kulturatmosphärische Phänomen wirklich verstehen wollen, müssen wir bereit sein, die Ursache-Wirkungskette so weit zurückzuverfolgen, bis wir auf eine Ursache oder initiierende Kraft stoßen, die wir als essentiell gegeben und als Teil – wenn nicht des Kosmos so doch zumindest der Menschheit an sich – erkennen können. Wir können nicht einfach den diabolus ex machina erklären und alle weiteren Fragen einstellen, wenn wir den Mummenschanz beenden wollen.

Wir müssen etwas finden, dass nicht gemacht wurde, sondern der Sache selbst, also der Menschheit ihrer Natur nach immanent ist. Das wäre dann die Ur-Ursache, jene prozessauslösende Seinsqualität, die andernorts als „Karma“ bezeichnet wird: das Substrat, aus dem Ursache-Wirkungs-Vorgänge hervortreten und nur durch eine Veränderung eben dieser Seinsqualität, also des Substrats, verändert oder beendet werden können. Vorher dürfen wir nicht aufhören zu fragen, weil wir sonst nicht an die bewirkende Kraft kommen und uns nur immer weiter in jenen Kampf verheddern, dessen Ursprung in uns selbst, in unserer inneren Struktur wir nicht zu erkennen vermögen.

Die Aufklärer und Ursachenforscher, die sich dieser Dimension nicht bewusst sind oder nicht bewusst sein wollen, enden an willkürlich gewählten Punkten der Ursachenforschung und Beziehungs-Verkettung und tüfteln ihre Erklärungsmodelle nur noch in die Breite aus, ohne jemals noch einen Zentimeter an Tiefe zu gewinnen. Die Endpunkte des Nachfragens und Nachforschens sind sehr unterschiedlich – ja nach Vorlieben, emotionalen und mentalen Grenzen und biografisch vorformatierten Weltbildern. So ist zu erklären, warum gleichermaßen ernsthafte und engagierte Politik-Detektive so unterschiedliche Ursachenkonzepte präsentieren. Für die einen endet die Ursachenforschung bei den Freimaurern, andere nennen Jesuiten und Dunkelpäpste oder alte geheime Stammbaumdynastien, und der nächste glaubt, dass diese wiederum von Außerirdischen oder atavistischen Riesen eingesetzt oder gesteuert werden, welche zum letzten Mal im Alten Testament oder in ägyptischen Hieroglyphen beurkundet wurden. Was alle diese Modelle gemeinsam haben ist, dass nur die Protagonisten weltlicher, politisch steuernder Macht, also nur ausführende Figuren als Täter gesehen und dass diese Täter mit Verschuldern verwechselt werden; dass außerdem die Opfer und deren Mentalität und Motivation gar nicht untersucht werden und dass es immer bei dem Schema „die starken Bösen gegen die schwachen Guten“ bleibt ohne dass die Ursache für diese Dynamik jemals aufs Tablett kommt. Von einem Sinn und Zweck ganz zu schweigen. Ich habe in vorhergehenden Artikeln schon näher erläutert, dass zu solchen Spielen, egal ob Täter-Opfer-, Betrüger-Betrogener-, Mächtige-Ohnmächtige- oder Wissende-gegen-Unwissende-Spiel, immer zwei gehören, die beide mitspielen müssen und beide gemeinsam mit ihren Rollen das Spiel überhaupt erst zustande bringen.

Die Einwände an dieser Stelle sind stets die gleichen: wer würde denn so ein Spiel wollen? Wer würde seine Kinder opfern? Wer würde sich freiwillig versklaven lassen? Wer würde sich auf ein Spiel einlassen, bei dem er nur verlieren kann, unterdrückt, missbraucht und ausgeraubt wird? Und so weiter.

Die Antwort lautet: erstens der, der keine Wahlfähigkeit hat und zweitens der, der dieses Spiel für seine Entwicklung braucht.

Eine klügere Frage für ein tieferes Verständnis wäre deshalb: welche Bedingungen und Kräfte führten zu dieser Dynamik? Und nicht, „Wer ist schuld?“. Ein weitere kluge Frage wäre: was können wir daraus lernen?

Es wird sichtbar: wir geraten in eine völlig andere und weitere Erkenntnisdimension, wenn wir uns als betrachtende, erlebende und erkennend-lernfähige Subjekte mit in die Untersuchung der sich auftürmenden Misere einbeziehen. Also auch mit in die Fragen und mit in die Ursachenforschung einbeziehen. Damit ist jene Schwelle markiert, vor der die meisten schon mit großem Abstand kehrt machen oder abbiegen. Auch an einigen Leser-Kommentaren unter dem ersten Teil ist zu erkennen, dass die Grenze zum besseren Verständnis selbst der deutlich beschriebenen Implikationen und Bedingungen an der Stelle für manche zu einer unüberwindbaren Mauer wird, an der es darum geht, psychische Mechanismen und Bewusstseinsprinzipien als Ursache für soziale, politische und mentale Strukturen zu erkennen und den gängigen Fehler (und Selbstschutzmechanismus) zu vermeiden, dass man Ursache und Wirkung verwechselt und die psycho-kulturelle Verfassung inklusive ihrer Bewusstseinsräume für eine Folge philosophischer, sozialer oder politischer Strukturen und Veränderungen hält.

Dabei hat uns doch die Quantenphysik angeblich nichts so sehr versucht zu vermitteln wie die epistemologische Notwendigkeit, den Betrachter mit dem Betrachteten zusammen in die Betrachtung einzubeziehen. Und wenn „Schönheit im Auge des Betrachters“ liegt, warum dann nicht auch alles andere, z.B. Hässlichkeit, Macht, Geheimnistuerei, Außerirdisches, Irrungen und Wirrungen oder Täter-Opfer-Spaltung und ähnliche Schwarz-Weiß-Kachelungen?

Was das für den Einzelnen bedeuten kann und warum dieser Weg des Verstehens nur für den Einzelnen beschreitbar und zweckmäßig ist, darauf werden wir in einem dritten Teil dieser Reihe zurückzukommen haben.

In diesem Teil soll es erst einmal darum gehen, den Ausweg aus der matriarchalen Verpuppung sichtbarer zu machen und dass es – wie bei Verpuppungen so üblich – die Möglichkeit der Weiterentwicklung und Befreiung gibt – wenn man nicht vorher gefressen wird.

Setzen wir also an der Stelle fort, an der wir zuletzt geendet haben, bei dem Hinweis auf das Erinnern als Teil einer großen bevorstehenden Aufgabe zur Befreiung aus der Matrix und zur Umkehr der Abstiegsprozesse wieder aufwärts in eine Evolution.

Die Wachstumsaufgabe

Aus dem im ersten Teil Dargestellten ergibt sich die not-wendige Aufgabe, vor der wir stehen als logisch leicht erkennbare Konsequenz, wenn wir nicht im Spinnennetz der matriarchalen Hyperdominanz untergehen wollen: wir müssen intellektuell, moralisch, politisch, sozial und strukturell wieder zu den Prinzipien des Patriarchats zurückfinden. Und zwar am besten in genau dieser Reihenfolge.

Es gibt auch einen Entwicklungsweg darüber hinaus – selbst die gesunde und intakte patriarchale Ordnung ist nicht die höchstmögliche für uns Menschen und aller Weisheit letztes Wort, aber das wird frühestens für den übernächsten Entwicklungsschritt relevant werden und nichts ist relevanter (und seltener) als den unmittelbar nächsten notwendigen Schritt des Entwicklungsweges zu kennen und zu fokussieren, auf dem man sich selbst befindet.

Wenn wir erkannt haben, wie tief wir in defizienten und degenerierten matriarchalen Bewusstseins- und Machtstrukturen stecken und dass gesunde patriarchale Strukturen die Bedingungen für mehr Freiheit, mehr Wesenskongruenz und mehr menschliche Entfaltungsmöglichkeiten sind, dann ist der nächste notwendige mentale Schritt die Befreiung von der Idee, patriarchale Strukturen ständen antagonistisch gegen matriarchale. Es ist kein Entweder-oder und Nebeneinander, sondern ein Kleiner-oder-größer, ein Enger-oder-weiter, ein Niedriger-oder-höher, ein Kindlicher-oder-reifer. Also kein Konkurrenzverhältnis, sondern das von Stufen einer Entwicklung, die aufeinander folgen und aufbauen. Es geht um Wachstum und Erweiterung.

Denn die patriarchale Logik der Ausrichtung an objektiven Gesetzen, welche nur mit dem rationalen Verstand erkannt und formuliert werden können, schließt die gesunde matriarchale Versorgungs- und Bewahrungslogik nicht aus, sondern sie schließt sie mit ein und umfängt sie. Wie soll es auch anders gehen? Der Wechsel ins patriarchale, gesetzesfundierte Denken ist ein Zuwachs an Bewusstsein für menschliche Fähigkeiten, Eigenschaften und vor allem Potenziale, nämlich insbesondere für die geistigen, abstrahierenden und begriffsbildenden Fähigkeiten und somit eben auch für die Form und Struktur der Gemeinschaften, die ihm entsprechen. Durch einen Zuwachs an Bewusstsein wird das vorhandene Bewusstsein für primäre und basale Prozesse und Bedürfnisse nicht beseitigt, sondern nur relativiert und ergänzt.

Das Bewusstsein für das Zyklische und für die Notwendigkeit geschlossener Kreise und Kreisläufe bleibt im Patriarchat erhalten, aber es verliert seine Absolutheit und Dominanz, weil das abstrakt denkende Bewusstsein höhere, d.h. umfassendere Gesetzmäßigkeiten und Abhängigkeiten erkennen und nutzen kann.

Alles, was sich dreht, impliziert einen Antrieb und ist Motor, aber es hat keine Richtung. Das patriarchale Denken, also das abstrakt-rationale Denken fügt zu der Dimension des Antriebs die Dimension der Richtung hinzu – und zwar im Bewusstsein der Menschen. Rein matriarchale Gesellschaften sind Triebwerke oder Steuerruder ohne Cockpit. Ihre Kapitäne haben kein Ziel und keinen Kurs. Erst das rationale Denken in zeitlosen, nicht-dinglichen Begriffen und Gesetzmäßigkeiten kann die stetige Umdrehung des natürlich Kreisenden in eine lineare Bewegung umwandeln. Ein Auto oder ein Flugzeug beruhen auf Ideen, die über einen Motor weit hinausgehen. Ein Motor ohne Getriebe und Ausrichtung seiner Energie und Bewegung auf ein Gefüge von umwandelnden Mechanismen (Räder, Turbinen, Düsen) ist nichts weiter als ein Ding, das sich dreht, Energie verbraucht und mehr oder weniger Hitze und Lärm produziert.

Alles, was heute als Hochgeschwindigkeitsstillstand diagnostiziert werden kann, entspricht dem Prinzip „Energien und Motoren ohne Richtung und ohne Lenker“. Wenn wir zusätzlich bedenken, dass ein alter Begriff für Richtung Sinn ist, dann können wir feststellen, dass so gut wie alles Treiben der Menschen heutzutage sinnlos ist. Es ist sogar unsinnig und die darin sich um und um immer schneller Drehenden nicht mehr bei Sinnen. Das althochdeutsche sinnīg bedeutete das Gegenteil davon, nämlich „mit Vernunft begabt“, „verständig“ und “erkennend“.

Der Schritt ins patriarchale Bewusstsein ist also auch der Schritt ins verstehende, ins ingenieurstechnische und architektonische, also ins funktionale Denken.

Der Mensch kann sich damit selbst erkennen als mehr als nur einen Teil der ewig kreisenden Natur, nämlich als derjenige, der diese Kraft des Gegebenen, des natürlichen Antriebs, benutzen kann, um das Gegebene zu gestalten und zu formen. Damit als Vertreter von Geist und nicht Materie.

Das Selbstverständnis des Menschen erweitert sich auf dieser Bewusstseinsstufe also vom Nur-Teilhabenden und Gesteuerten hin zum auch Gestaltenden und Steuernden. Und zwar durch das Erkennen der Wirkmechanismen und Prinzipien der gegebenen Kräfte und Bedingungen. Das, was unsere Muskeln und später dann unsere Apparate und Maschinen steuert, sind nicht unsere Instinkte, Emotionen, Bedürfnisse oder Vorstellungen, sondern unser erkennendes und verstehendes Denken.

Während im Matriarchat die Kraft (letztlich der Muskeln und der Impulse aus dem Vegetativen) die Dominanz hatten, übernimmt im Patriarchat das Denken die Herrschaft. Wenn wir für einen Moment bei der physiologischen Analogie bleiben wollen: die Kultur einer Gemeinschaft wächst dabei von einer hormonell dominierten und organzentrierten Reiz-Reaktions-Kultur des Autonomen Nervensystems zu einem senso-motorischen Steuerungs-Bewusstsein des Neokortex. Und die zentrale Hauptfunktion des Neokortex ist Integration, also das Zusammenfügen vieler einzelner Elemente aus Wahrnehmung, Gedächtnis, Erfahrungen und Reaktionsmustern zu einem Ganzen. Keine andere Instanz im Menschen kann dies leisten. Und deshalb sind auch Steuerung und richtungsgebende Koordinierung nur von dort aus möglich, nur dort, wo Überblick, Gesamtverständnis und Organisation entstehen. Dort erst entsteht Sinn.

Damit haben wir im Übrigen auch schon einen Hinweis auf die drei Facetten des Erinnerns, in denen eine Bewusstseinssteigerung über das sozial-reaktive Bewusstsein hinaus liegt, nämlich des (1.) Integrierens, des (2.) Bedenkens und des (3.) sich-Besinnens. Alle diese drei Aspekte des sich-Sammelns, sich-Bündelns, also sich-Zusammennehmens und innerlich Zusammenkommens wirken als Gegenkraft zu Fragmentierung, Zerrissenheit, Widersprüchlichkeit und Zerstreuung. Wir werden auf die zentrale Funktion des Erinnerns für den Übergang vom emotional-mythischen Bewusstsein zum rationalen Bewusstsein etwas später noch ausführlicher zurückkommen.

Zunächst schauen wir noch einmal genauer hin, was dieser Schritt hin zum Steuern und Organisieren auf der Basis von abstraktem und prinzipiellem Verstehen für die gesellschaftliche Ordnung und Politik bedeutet.

Rahmen setzen – nicht nur im Bilde bleiben

Die einfachste Interaktion zwischen zwei Menschen braucht einen Rahmen mit Regeln, an dem sich beide orientieren können. Wenn man in einen fremden Kulturkreis reist, bemerkt man, wie selbstverständlich dieser gemeinsame Rahmen für uns innerhalb einer Kultur ist mit seinen festgelegten Kodizes, Normen, Ritualen, Signalen und Gesten, und wie schwierig bis unmöglich menschliche Interaktion und jede Form von gemeinsamem Handeln und Handel werden, wenn dieser gemeinsame Rahmen fehlt.

Wie viel mehr braucht es dann Rahmen und formellen Konsens für eine ganze Gemeinschaft oder gar ein ganzes Land?

Dass wir nun aber in westlichen Kulturkreisen schon lange keinen gemeinsamen Moral- und Sittenkodex mehr haben, dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein. Dieses Vakuum an Orientierung wird bloß verdeckt durch eine gemeinsame Ideologie auf der Basis einer emotional unterfütterten, irrationalen Haltung. Genauer gesagt einer Anti-Haltung: gegen jegliche Art von Maßstab, Kodex, Grundsatz oder überhaupt Ausrichtung im Namen von „Freiheit“, eine euphemistische wenn nicht sogar unmittelbar selbstbetrügerische Parole für politische Anarchie und kulturelle Verwahrlosung.

Jeder heute weiß, dass die Regeln, die für den einfachen Bürger in seinem Alltag bindend sind und vom System eingefordert werden, für höhergestellte Machtpositionen nicht gelten. Dort gelten andere, nämlich die Mafia-Regeln von Komplizenschaft, Sonderrechten und Begünstigungen. Wir wissen, dass nicht nur die Korruption „nach oben hin“ immer mehr zunimmt, sondern auch die Inkompetenz und dass wir deshalb System-Gestalten in dem Maße misstrauen müssen, wie sie Machtpositionen innehaben. Das ist bei Jedermann längst angekommen. Welch desolateren Zustand einer Gesellschaft kann man sich vorstellen, als dass mit wachsender Macht und sozialer Stellung Moral und Verantwortungsfähigkeiten abnehmen (und umgekehrt) – und darüber hinaus sogar alle das wissen, aber keiner etwas dagegen unternehmen will?

Und welche Kräfte halten denn dann eine Gemeinschaft noch zusammen und strukturiert, wenn es keinen verbindlichen Moralkodex, keine gemeinsame Gesinnung, keine allgemeingültigen Regeln und Normen, also keine Orientierung an grundsätzlichen Werten mehr gibt? Diese Frage möchte sich in einem System der Machtverdunkelung natürlich niemand stellen, denn die Antwort ist so offensichtlich wie beunruhigend: mit Gewalt. Das bedeutet, mit der erzwungenen Unterwerfung und Zerstörung der Integrität des Einzelnen zugunsten der System-Dynamiken. Diese hatten wir im ersten Teil ausführlich beschrieben und gesehen, dass in ihrem Zentrum eine blinde Mechanik stumpfer Selbsterhaltung ohne Eigenbewusstheit steht.

Je weniger Menschen Moralvorstellungen und ethische Richtlinien als Leitprinzip für ihre Handlungen und Entscheidungen anerkennen, desto mehr müssen sie durch rohe Gewalt von außen gezwungen oder dazu korrumpiert werden, den Rahmen und Regeln für den Umgang miteinander einzuhalten. Diese simple Gesetzmäßigkeit führt dazu, dass eine amoralische Gesellschaft in kürzester Zeit die Form einer Diktatur annimmt, denn die Menschen werden sich ohne jegliche andere Orientierung und Verbindlichkeit nur dann noch rudimentär sicher fühlen, wenn das Gewaltmonopol in fester und kraftvoller, vor allem möglichst bekannter und sichtbarer Hand liegt. Menschen bevorzugen das Sichere und Berechenbare, auch wenn es ihnen schadet.

So ist das Tor in die pure Gewaltherrschaft bereits offen, sobald Menschen keinen Bezug zu moralischen Prinzipien mehr haben. Zunächst sinkt die Kontrollgewalt erst nur auf emotionale Gewalt, Manipulation, Propaganda, Täuschung und Erpressung und soziale Stigmatisierungen herab. Mit der Zeit werden sich als Herrscher und Trendsetter jedoch jene Gestalten und Apparate durchsetzen, die sich am wenigsten emotional manipulieren lassen und die am wenigsten vor physischer Gewalt – oder überhaupt vor irgendetwas – zurückschrecken: Psychopathen und andere Formen linkshemisphärisch-autistoider Intelligenz wie z.B. künstliche Intelligenz, Roboter, Programm-Netzwerke alias „Internet“ und darin – allseits bekannt und massiv unterschätzt – Suchmaschinen.

Es dürfte ausreichend bezeichnend für den Stand einer Kultur sein, wenn die letzte Verbindung des Menschen zum Geistigen – das Suchen – von Maschinen übernommen wird.

Eine allgemeingültige Moral und Ethik als verlässliche Basis menschlicher Gemeinschaftsbildung und gemeinsamen Handelns bedarf eines rationalen Fundaments statt nur eines emotional-sozialen Bindemittels. Zur Erinnerung: rational bedeutet: begrifflich-konzeptuell in ungebrochener Verbindung mit der Realitätswahrnehmung.

Dieses notwendige rationale Fundament ist Philosophie: die Kunst, die Realität und ihre Gesetzmäßigkeiten gedanklich richtig abzubilden und ihnen entsprechend richtig, d.h. gesetzmäßig korrekt zu denken. Man kann ohne Philosophie, d.h. ohne stabile Konzepte über die Welt, den Menschen, ihre Beziehung durch menschliche Erkenntnisfähigkeit und über die Gesetzmäßigkeiten des Denkens selbst keine Ethik haben. Und ohne Ethik ist Moral nichts weiter als eine sozial durchgesetzte Mode ohne Halt und Boden. Es fehlt ihr und allen Ordnungsstrukturen die Objektivität.

Sich an feststehenden, objektiv gültigen, unpersönlichen Gesetzen statt an Bedürfnissen, Stimmungen, Naturzyklen oder gegebenen sozialen Hierarchien zu orientieren, fordert mehr Ausrichtung am Geistigen und Allgemeingültigen als am Materiellen, Gegenständlichen und Prozesshaften. Objektive Gesetze und Regeln gelten zu jeder Zeit, unabhängig von irgendeiner Laune und unabhängig davon, wer auf welcher Machtposition sitzt. Diese Verlagerung ins Abstraktere zum Objektiven und Zeitlosen hin gibt den Menschen mehr Überblick, mehr Verständnis und dadurch mehr Freiheit, sich selbständig zu orientieren und zu bestimmen, aber es fordert auch mehr Abstraktionsfähigkeit von sich selbst und unmittelbaren persönlichen Wünschen, Launen und Gelüsten, weil diese ausschließlich an das momentane Geschehen und seine unmittelbaren Auslöser gefesselt sind und fesseln – ohne Bezug zu übergeordneten mentalen Schemata wie Verständnis, Überzeugungen, Zielorientierung, Voraussicht, Weitsicht und Werten.

Denken ist mächtiger als Reagieren, aber Freiheit ist anstrengender als Abhängigkeit.

Mit anderen Worten: dem Matriarchat kann man sich rein emotional-sozial und reaktiv einfügen – einkonditionieren. Ins Matriarchat kann man sich fallen lassen. In einer patriarchalen Ordnung muss man hingegen logisch-abstrakt und rational denken können, wenn man seine Prinzipien verstehen und sowohl gestaltend als auch selbstentfaltend an der Gemeinschaft teilhaben will. Im Patriarchat muss man sich aufrecht halten, d.h. man braucht die aufsteigend stabilisierenden Kräfte einer spezifisch menschlichen Wirbelsäule, die mehr kann als nur organische Anpassung und bewegliche Einformung. Man muss den Kopf oben und über allem anderen halten können.

Die Schwierigkeit für viele Menschen wird jedoch dann sein, selbst wenn sie das Grundsätzliche verstehen, diese unpersönlichere, unemotionalere und anstrengendere Ordnung zu wollen. Wie bringt man eingewöhnte Sklaven und Diener dazu, eine anstrengendere Freiheit zu wollen? Nur, indem man ihnen zum Einen die Abhängigkeit und Gängelung im vertrauten System so erdrückend und schmerzhaft macht, dass sie nur noch aus ihr heraus wollen, und indem man zum Anderen die höherwertigen, befreienden Strukturen und Ordnungen so attraktiv wie möglich macht. Und das kann eben nur das echte Patriarchat, dessen Grundlage das väterliche, also das fördernd-aufbauende und erhebende Prinzip ist.

Es muss aber gar nicht sein, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft oder alle Bürger eines Landes diesen Bewusstseinsprozess durchlaufen. Ganz im Gegenteil: die einpassungsgewohnten und fügsamen Menschen werden den Übergang in ein objektives Rechtssystem mitmachen, solange ihnen die positiven Seiten des sozialistischen Schutz- und Versorgungssystems nicht weggenommen werden. Die große Kunst des gesunden Patriarchats ist es, das Gebärmutter-Bewusstsein und seine sozial-instinktive Dynamik nicht zu ersetzen oder abzumindern, sondern sie nur zu ergänzen um eine weitere Bewusstseinsdimension, nämlich die des eigenständigen rationalen Denkens.

Die Struktur des Matriarchats bewahrt die Vitalität der Menschen. Das gesunde und richtig verstandene Patriarachat bewahrt hingegen das Matriarchat, so dass es nicht erstickt oder degeneriert. Jenes ist eine zusätzliche, größere Hülle, die nicht das Gebärmutter-Bewusstsein ersetzt, sondern seine dominante und autokratische Stellung. Wer würde schon freiwillig für immer und ewig im Mutterbauch wohnen wollen, wenn ein weiterer Horizont mit größeren Freiheiten und höheren Möglichkeiten sichtbar wird?

Allegorisch gesprochen kommen die Menschen durch die Weiterentwicklung ihrer Gesellschaftsstrukturen hin zum gesetzesbezogenen Patriarchat heraus aus der Gebärmutter-Struktur und unter eine größere Kuppel, nämlich die des Himmels und der Sonne, unter der sie weiter geschützt sind, aber auch freier leben und weiter wachsen können. Es ist der Himmel der Gesetze und Gesetzmäßigkeiten und die Sonne des Verstandes. Diese Weitung und Öffnung ist kein Kaiserschnitt, der im Ungeborensein festhält, sondern ein anstrengender organischer Wachstums-, Umstülpungs- und Entbindungsvorgang, bei dem die Gebärmutter erhalten bleibt.

Die drei Stufen des Aufhebens

Wir können in diesem Übergang vom matriarchalen zum höher dimensionierten patriarchalen Welt- und Gesellschaftsbewusstsein die drei Qualitäten und Etappen des Aufhebens erkennen, welche als vollständige Triade den Geist patriarchaler Ordnung kennzeichnen:

Die erste Stufe und basalste Qualität des Aufhebens ist die des Aufsammelns, Aufgreifens, zur Hand und Mitnehmens, (zu sich) Hochnehmens und des Anhebens, Emporhebens im Sinne von „auf eine höhere Ebene heben“ – also des Erhebens. Wir können darin die zentrale Welterfahrung früher Naturvölker, im Modus der Jäger und Sammler erkennen. Aber auch den ersten Ansatz von Mentalisierung, die noch nicht begrifflich ist, sondern symbolisch-magisch, denn das Emporheben von unmittelbaren Sinneseindrücken und Objekten auf das Niveau eines Symbols, also einer allgemeingültigen und vieldeutigen Abstraktion mit hohem emotionalem oder psychischem Stellenwert, ist die Vorstufe zu abstrakt-begrifflicher Sprache und Denken. Wir könnten hier von der kindlichen Stufe des Aufhebens sprechen, die noch ganz im Affekt, im unmittelbar Konkreten und im magischen Weltbild verankert ist.

Als zweite Stufe haben wir dann das Aufheben im Sinne von aufbewahren, behalten, speichern und behüten, also ein bei Seite legen und halten für die Zukunft. Dem zugrunde liegen die Logik und der Verstand des Landwirts, denn er muss ein Teil der Ernte und einen Teil der Tiere stets aufbewahren für die neue Aussaat bzw. die Fortpflanzung im kommenden Jahreszyklus. Dies ist die matriarchale Form des Aufhebens, wie wir an ihrer Betonung des Behütens und Schützens erkennen können. Sie ist bereits eine fortgeschrittene mentale, abstrahierende Leistung, denn sie muss aus dem Verständnis der Naturgesetze und Bedingungen heraus, also deduktiv vorausschauend und zurückhaltend entscheiden und handeln können, darf vor allem nicht alles konsumieren, egal wie groß der Hunger ist, denn dann wäre der Landwirtschaftszyklus unterbrochen.

Allerdings ist das Weltbild hier noch mystisch-religiös bestimmt von Bildern, Riten und anthropomorphem Naturverständnis. Wir können das an der linguistischen Herkunft des Wortes für „heilig“ erkennen, für das in den alten Sprachen ursprünglich der Begriff für „beiseite legen“, also „für einen anderen (höheren) Zweck aufbewahren“ (und nicht profan benutzen) benutzt wurde. (Z.B. das lat. sanctificio = „Heiligmachung“ heißt ursprünglich wörtlich: „trennen und beiseite legen; im aramäischen Vaterunser finden wir das „Nithkadasch schmach“ von dem aramäischen kadiescha (hebr.: qdsch) = „widmen, für eine ehrenvolle Aufgabe absondern, beiseite stellen“, das wir gewohnt sind zu übersetzen als „Geheiligt werde dein Name“.) Geheiligt oder geweiht wird etwas in dieser Bewusstseinsstruktur eben dadurch, dass man es sich „vom Mund abspart“ und absichtlich einem höheren Zweck dienlich macht. Hier wird also zumindest im religiösen Ritus bereits die Vergeistigung dadurch geleistet und eingeübt, dass man intentional eine Routine oder Gewohnheit unterbricht und dadurch Raum – d.h. Aufmerksamkeit und Bewusstsein – für eine höhere, nicht-gewohnheitsmäßige, nicht-reaktive, also geistige Sammlung und Ausrichtung schafft, deren Besonderheit und Abgesondertheit psychologisch darin liegt, dass sie eben nur mit dieser besonderen Form des Gewahrseins und Steuerns möglich ist. Es handelt sich also um nichts weniger als die Eröffnung eines erweiterten psychischen Zustands von erhöhter, ausgerichteter Aufmerksamkeit.

Mit der dritten Stufe des Aufhebens gelangen wir zu einer noch weiter abstrahierenden und noch eindeutiger mentalen Fähigkeit, nämlich der des Außer-Kraft-Setzens, des Lösens und Ablösens, also dem Einwirken auf der eben von Gültigkeit, Verbindlichkeiten und Legitimität. In diesem Sinne aufgehoben werden kann nur das, was so grundsätzlich verstanden wurde, dass man in dessen Wirkkraft effektiv eingreifen kann, dass sie annulliert oder inhibiert wird. Das geht leichter mit von vorneherein Menschengemachtem wie z.B. sozialen Regeln und Gesetzen, ein erhöhter technischer Verstand kann dies jedoch auch mit Naturgegebenem leisten, sobald er die wirkenden Gesetzmäßigkeiten erkannt hat und sich gestaltend zunutze machen kann.

Wir haben es hier also mit der Kraft der Verneinung zu tun, eine Fähigkeit, die wir ausschließlich mental haben. Wir können weder die Erfahrung von „nicht“ noch ein Gefühl von „nicht“ haben, aber wir können das „nicht“ im Denken anwenden. Und aus dieser Fähigkeit der Negation als eine positive logische Verknüpfung haben wir ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten. Z.B. können wir aus dieser mentalen Instanz heraus etwas nicht tun: das ist etwas anderes als muskuläre (angespannte) Zurückhaltung oder nervliche (aufgeladene) Unterdrückung. Es ist die Entscheidung und das Kommando, etwas zu tun, das wie ein Nicht-Tun ist und somit keine Energie verbraucht, weil es stattfindet bevor eine automatische Reaktion oder Ursache-Wirkungskette in Gang gesetzt wird.

Diese Fähigkeit des Unterbrechens und Inhibierens beruht auf der Funktion von Bewusstsein und Steuerung, nicht allein auf Physiologie oder Motorik. Es ist eine Funktion des Neokortex, vor allem des (präfrontalen) inhibitorischen Kortex, eine der komplexesten und am meisten vom Körperlichen abstrahierten Steuerungsstrukturen in unserem Gehirn.  Wir haben es hier also mit dem vollständigen Schritt des Aufhebens ins Geistige zu tun, der uns die Fähigkeit gibt, etwas psychisch Bestehendes aufzulösen und unwirksam zu machen und dadurch Raum für etwas anderes, neues zu schaffen. So können wir erst auf dieser Bewusstseinsstufe z.B. Gebote und Verbote, Grenzen und Zwänge, Bedingungen und Mechanismen oder Strukturen und Abfolgen aufheben und erst dadurch neu gestalten.

Und zu diesen Vorbedingungen des Neugestaltens und Neuanfangens gehört auch die aufhebende Wirkung des Entgeltens. Jemandem etwas zu entgelten, wörtlich genommen, eine Gültigkeit und damit eine Verbindlichkeit aufzuheben, bedeutet ja, etwas auszugleichen, ein Gleichgewicht (wieder-)herzustellen. Das kann durch Bezahlung, Vergütung und Entlohnung geschehen – das ist das Grundprinzip des rechtschaffenen Handels und des lauteren Wettbewerbs, die dadurch erst möglich werden. Entgeltung kann aber auch durch Erlass, durch Auflösung einer Verbindlichkeit, also durch Vergebung geschehen.

Solange etwas nicht ausgeglichen und entgolten wird, bleibt eine Schuld. Eine Schuld kann auch durch Vergebung aufgehoben, getilgt werden. So vor allem die psychische Facette der Schuld, die Schuldgefühle. Wer ahnt schon, wie sehr wir diese spezielle Aufhebungskompetenz, eine Ablöse- und Enthebungskompetenz brauchen? Kaum machen wir uns klar, wie zentral der Begriff der Schuld in all seinen Facetten und Verwendungen für unsere Epoche ist.

Über die unausgleichbare, zwanghafte Überschuldung und das Schuldgeldsystem als Systemsymptome brauchen wir nicht ausführlicher zu werden. Für die Gesamtatmosphäre unserer Kultur und für die überreizte und überspannte Grundbefindlichkeit des modernen Menschen jedoch sind die Mechanismen und Effekte von Schuld, Schulden und Schuldigsein zu verstehen. Schuld ist jenes mentale Konstrukt, das sich von einer unabgeschlossenen Vorleistung im Vergangenen direkt zu einer projizierten Gegenleistung in der Zukunft spannt und dabei die Gegenwart von eben dieser mental konstruierten „Überspannung“ und ihrem emotionalen Begleitakkord, der konstanten Sorge, verdeckt und verdunkelt. Wo die Schuld dominant wird, wird die Zukunft als Erlösungshoffnung und vorgestellte Befreiung von der Vergangenheit wichtiger als die Gegenwart. Und das Gegenwärtige wird nur noch als Verzögerung bis zu dieser Entlastung erlebt, nur als spannungsvoller Warteraum für das irgendwann Noch-zu-Leistende. Je schuldiger wir sind oder uns fühlen, desto verdüsterter und bedeutungsloser erscheinen uns unsere Gegenwart und das unmittelbare Erleben, in denen unser reales Leben stattfindet.

Egal ob Schuldner oder Gläubiger, beide leben unter der Last der Besorgnis und werden mit wachsender Spannung und Unsicherheit zu Getriebenen vom Unvollendeten in ein Zukünftiges. Die Diagnose der konstanten Beschleunigung, der Unruhe und Hast und damit der Oberflächlichkeit bis hin zur nervösen Dünnhäutigkeit ließe sich sicher zu einem großen Teil auf das Phänomen der Überspannung durch Schuld, also durch zu viel Aufgeschobenes und Vorgezogenes erklären. Auch psychisch hängt sich ansammelnde Schuld mit einem „Leben auf Pump“ zusammen, in dem zu wenig Reales, Eigenes und Erworbenes einen festen eigenen Boden geben und stattdessen zu viel nur geliehen und „auf Kredit“ (das ist Glaubhaftigkeit) konsumiert wird.

Die verschiedenartigen Schuldreligionen, auf denen der moderne Zeitgeist sich aufbaut, können Erlösung immer nur in einen mental konstruierten Raum „Zukunft“ und ein fiktives „Später“ projizieren. Die psychische Spannung von Schuldgefühlen zerreißt unsere Aufmerksamkeit in einen Teil, der sich nicht von der Vergangenheit lösen kann, und einen Teil, der ungeduldig auf eine imaginierte Zukunft zuläuft, auf eine Erlösung, die immer erst morgen kommen kann. Die also niemals eintritt. Es sei denn, wir bemächtigen uns wieder mit der Fähigkeit der Aufhebung dieser synthetischen Anspannung und erlangen die Möglichkeit zurück, das Gegenwärtige und uns selbst im Gegenwärtigen voll und ganz wahr- und anzunehmen – eben ohne unser Lebensgefühl von Unfertigem oder Unausgeglichenem verengen oder verdunkeln zu lassen. Diese Aufhebung als Enthebung, als eine psychische Variante von „Steh auf und geh!“, bedeutet aber keineswegs, dass wir Aufschub, Zukunftsprojektierung und Spannung meiden, sondern dass wir sie vielmehr als Werkzeuge nutzen ohne uns von ihnen einspannen zu lassen. Die Ablösung und Aufhebung finden dann in der Gegenwart statt und vertikal zu der Spannung alles Unaufgelösten und Unvollständigen. Wir entwickeln uns vom Status-Bewusstsein zum Prozessbewusstsein und erleben unsere Identität nicht mehr als sozial gegeben („Was denken und sagen die anderen?“), sondern als selbstbestimmt und selbstverstanden. Was wir dabei aufzuheben haben, ist der Bann der Fremdeingebung und der Ängste, die uns treiben, finanziell, emotional und moralisch über unsere Verhältnisse zu leben, weil wir uns an sozial oktroyierten Rangordnungen und Moden orientieren und weil wir unser Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen glauben erst sozial „verdienen“ zu müssen. Das ist die medusisch-matriarchale Suggestion, die wir im patriarchalen Bewusstsein hinter uns lassen können. Wir entheben uns damit der Schuldigkeit gesellschaftlich zwanghafter Selbstbeteuerung wie auch der Schuld, uns zu weit vom Wesentlichen und von uns selbst entfernt zu haben.

In alledem stecken die Ideen von Ausgleich, Gleichgewicht, Vollständigkeit und Integritätswahrung, die wir zusammenfassend abstrahieren in dem Begriff Gerechtigkeit. Wir erkennen in dieser stufenweise abstrakteren Transponierung des Aufhebens die zunehmende Dominanz des Mentalen und des Geistigen, die die Kernaspekte patriarchaler Ordnung darstellen und eben Strukturen und Prozesse ermöglichen, die in der matriarchal zentrierten Organisation nicht möglich sind und darin höchstens als Attrappe und Fassadenmalerei vorgegaukelt werden.

Nun haben wir also drei Bewusstseins-Stufen des Aufhebens, in denen jeweils der Kern von drei Rangstufen von Kultur liegen: zunächst das urzuständliche Sammeln und Hochheben, dann das Aufbewahren, Speichern und (kultische) „Heiligen“ und schließlich das Ablösen und Entkräftigen von Bestehendem, um neuen Freiraum für Wirkung, Gestaltung und gerechten Handel aus dem Geistigen zu schaffen. Wir sehen an dieser Stufenfolge, dass das Geistige und damit das einzigartig Menschliche zunehmend an Dominanz gewinnt, während die Kräfte und Gegebenheiten der Natur – auch des menschlich Biologischen – von anfangs dominierenden Kräften zu gestaltbaren Elementen, zu Stoff für den Geist werden. Auf jeder dieser drei Stufen wird „Kultur“ anders definiert und generiert.

Es dürfte aus dieser Beschreibung schon deutlich geworden sein, dass jeder Schritt auf eine höhere Stufe kein Verlust und keine Verdrängung, sondern ein Zugewinn ist und dabei nur das Verhältnis des Menschen zur Natur, zu sich selbst und damit zu der Welt, die er beeinflussen kann, eine große Wandlung durchläuft. In diesem Sinne können wir auch festhalten, dass nicht Kulturstufen sich bekämpfen, sondern nur Menschen, die sich gegen die Transformation ihres Verhältnisses zur Natur oder des Verhältnisses zwischen Geist und Natur wehren. Ansonsten nimmt eine höher-dimensionale Kultur ihre Vorläufer stets in sich auf, hebt sie an und auf.

Erinnern

Der aktive Teil im Vorgang des Bewahrens und zu-sich-Aufnehmens benötigt einen Aspekt des Erinnerns, nämlich das Nach-innen-Nehmen, das uns das Englische „re-member-ing“ noch deutlicher erkennen lässt als eine Wiedereingliederung, ein Wieder-zum-Mitglied-Machen.

Das Matriarchat kann neu eingegliedert und nach innen genommen werden in eine Struktur, die ein neues Außen, eine neue, weiter fassende Umhüllung bringt.

Erinnern ist eine rein mentale Form des Bewahrens und Bergens und kann in seiner vollen Bedeutung und im Gegensatz zu seinen körperlichen und sozialen Vorstufen nur in jenem mental strukturierten Bewusstseinszustand stattfinden, der die Grundlage für eine patriarchale, gesetzesfundierte Gesellschaftsordnung bildet. Sich erinnern ist – anders als das Erinnert-Werden – ein Bewusstseinsakt, der hierarchisch von oben nach unten verläuft, von der Abstraktion und vom Zielorientierten ausgehend hin zum Konkreten, Unspezifischen, Unsortierten – um von dort etwas ans Licht, d.h. in die Zuordnung und Ordnung zu holen.

Dies ist ein Willensakt, dessen Ursprung im Geistigen, in einer Idee liegt, nicht im Materiellen. So wie ein Fischer seine Angel oder sein Netz ins Wasser wirft, um Fische zu fangen und sie nach oben in sein Boot oder ans feste Land zu ziehen, so ist Erinnern ebenfalls eine fokussierte, strukturierte Leistung. Wenn die Fische von selbst nach oben kommen (und ihm in Boot springen), so handelt es sich um ein Souvenir (von sub-venire = von unten kommen), ein Mitbringsel, ein Präsent, also etwas Geschenktes, nicht etwas Erworbenes.

Wenn wir also für die Wiederherstellung einer höheren und gesünderen Ordnung von der Aufgabe sprechen, uns zu erinnern, so müssen wir bedenken, dass wir damit eine intentionale und gerichtete mentale Anstrengung meinen. Durch sie verändern, erweitern und intensivieren wir unser Verhältnis zur Welt um uns herum. Denn wir wandeln uns durch diese Anstrengung von Empfängern und (Auf-) Sammlern hin zu Erwerbenden. Das ist ein enormer Paradigmenwechsel in unserem Selbstverständnis und in unserer Selbstpositionierung in der Welt, denn es führt zu ganz neuen Ergebnissen und Möglichkeiten, wenn wir unsere eigenen Anstrengungs- und Gestaltungsfähigkeiten als Ausgangs- und Referenzpunkt wählen und nicht mehr das, was uns von der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten gegeben wird. Das bedeutet, dass nicht mehr die Materie und die Rohstoffe der Welt im Vordergrund unseres Denkens und Wahrnehmens stehen, sondern ihre Verfeinerung und Veredelung.

Dieses Selbstgewahrsein als erinnernd Erwerbende und aus Ideen heraus Formende wird uns sehr schnell dazu führen, auch uns selbst als formbaren, verfeinerbaren, veredelbaren Stoff zu betrachten und nicht bloß als fertig Gesetzte, Abgeschlossene, Begrenzte. Wir sind dann nicht mehr geliefert. Und eben auch keine Ausgelieferten mehr.

Unser Menschenbild erfasst dann zwei Aspekte: den gegebenen, natürlichen Menschen, der in die übergroße kreisende Natur eingebettet ist, und den geistigen Menschen, der die Welt um sicher herum und sich selbst versteht und gestalten kann. Wir können uns und die Welt dann ausrichten – und aus dem ewig Kreisenden hinausführen. Das heißt wir können dann, wenn diese beiden Aspekte in Beziehung zueinander treten, nicht nur Erwerbende sein, sondern auch Erworbene. Wir erwerben und verfeinern uns selbst – wann immer wir diesen aktiven Vorgang des Erinnerns auf uns selbst vollziehen.

Die Existenzialisten, die sich ideologisch gegen die Einsicht von Existenz verschworen haben, starren an dieser Stelle wie Autisten auf ihre entgeisterten, fremdgesteuerten Körper (und entsprechend natürlich alle andere Körper) und resümieren im Absoluten: der Mensch ist ein Geworfener. In solchen intellektuellen Eskapaden können wir das extreme Gegenteil der beschriebenen Anstrengung des Erinnerns beobachten. Dieses Extrem des Vergessens wird durch die Abspaltung des begrifflich-konzeptuellen Bewusstseins von der Körper- (Existenz-) Wahrnehmung verursacht – man sieht nur noch die existenzielle Hälfte des menschlichen Daseins.

Wir sollten also gewarnt sein, dass der Prozess der Ganzwerdung schieflaufen und ins Kranke abdriften kann. Nicht die Philosophien sind krank, sondern der Geist ihrer Erfinder. Den Existenzialismus-Opfern, so wie ihren Geschwistern, den Opfern von Nihilismus und seinen politischen Auswüchsen, den Sozialismen, kann man letztlich nur das geistige Heilmittel der tropfenweisen Erinnerung anempfehlen: die vergessenen und verleugneten Anteile ihres Menschseins nach oben (ans Licht) und nach innen (ins Selbstgewahrsein) zu holen und sich selbst dadurch zu erwerben.

Merken wir uns dementsprechend also auch für unser besseres Verständnis der gesunden patriarchalen Ordnung schon mal vor: sie muss auf der Leistung beruhen, die naturmystisch-matriarchale Ordnung ins Licht des Bewusstseins zu holen, sie nach innen zu holen, um sie als Kraft und Fundament zu bewahren und sie dann anheben, und veredeln. Die Kultur, die daraus entsteht, ist dann nicht mehr eine des Sammelns und Erntens, sondern eine des Erwerbs, des Handwerklichen und des Handels als erweiterte und vorrangig mentale Basis für alles Menschenverbindende und Menschenfördernde.

Erinnern als Bedenken

Den Begriff des Erinnerns gebrauchen wir jedoch nicht nur für das Nach-oben- und Nach-innen-holen, sondern im Alltag ja vor allem auch dafür, uns etwas Vergangenes ins Gedächtnis zu rufen.

Sich etwas ins Gedächtnis zu rufen bedeutet, es zu bedenken, seiner zu gedenken und sich von dem Andenken daran leiten zu lassen. Das Gedächtnis ist etwas Gedachtes und wir sehen, dass der zweite Aspekt von Erinnern eine spezielle Form des Denkens fordert. Was ist eine Erinnerungsfeier? Eine Gedenkfeier. Und die Figur zur Erinnerung ist ein Denkmal. Denk mal! und Bedenke! sind auch Imperative des Erinnerns und wir wollen sehen, inwiefern sie etwas mit dem Übergang in die patriarchale Ordnung und die dafür notwendige Bewusstseinsstruktur zu tun haben könnten.

Welches Vergangene sollten wir bedenken? Das, was Menschen vor uns leisteten, und zwar nicht nur technologisch, sondern viel mehr noch kulturell und gesellschaftlich. Das, was als menschenmöglich bereits bewiesen wurde.

Uns der Leistungen und der Kultur unserer Vorfahren oder sei es auch nur einiger ihrer herausragenden Charaktere zu erinnern ist eine Denkleistung, die über das rituelle Beiseitestellen und das kultische Absondern und Behüten des matriarchalen Aufhebens hinausgeht, wie wir weiter oben schon gesehen haben. Es ist nach innen zu holenundzu bedenken. Es ist ins Denken zu holen.

Was des Vergangenen sollten wir bedenken?

Von wo die Macht ausgeht. Wo der Ursprung der Macht liegt und wer ihr Träger und Hüter sein sollte.

Diejenigen, die glauben, der Mensch würde seit tausenden von Jahren nur von reptiloiden Außerirdischen oder dergleichen kontrolliert, gegängelt und versklavt, sollten einmal wieder einen Spaziergang durch die Museen dieser Welt machen und sich besonders die Kunst der Renaissance ansehen. Würden reptiloid beherrschte und unterdrückte Menschen solche Bilder malen? Bilder von einem Licht und einer Geistigkeit, wie sie nie zuvor und seitdem nie wieder gemalt wurden? Und sie sollten sich auch einmal die Skulpturen der griechischen Kunst ansehen und deren Architektur studieren. Sind diese feierlichen Darstellungen des Menschen als Integrität in sich selbst das Werk von gebeutelten Sklaven?

Oder man lasse auch nur eine einzige gotische Kathedrale auf sich wirken. Wo ist da auch nur ein Schimmer von Knecht- oder Opfermentalität?

Man höre nur ein einziges Werk von Johann Sebastian Bach, führe sich die Stücke von Shakespeare zu Gemüte oder verweile vor einem Selbstportrait Rembrandts – wer wird dann der Herr im Hause des Geistes und des Universums sein? Der geistig freie und sich-beherrschende Mensch oder irgendwelche Stammhirn-Scheusale mit höchst unwahrscheinlicher High-Tech-Ausstattung? Wo in alldem wäre auch nur ein Hauch jener dunklen, unterirdischen, höllensuchenden Ängstlichkeit und Primitivität, wie sie in den letzten 150 Jahren die Geschicke aller menschlichen Kultur dominierte und unsere Köpfe besetzt?

Wer sich mit der menschlichen Kultur der Vergangenheit und den Leistungen des menschlichen Geistes nicht auskennt und dann als „Aufklärer“ und „Helfer des Erwachens“ auftritt, macht sich nicht nur bodenlos lächerlich, er belegt damit auch, dass er in jener Stammhirn-Propaganda, die er zu entlarven und anzuprangern glaubt, noch so eingetaucht schwebt wie ein Embryo in der Gebärmutter, das auch nichts anderes von sich geben kann als das Fruchtwasser, das es zwei Minuten vorher geschluckt hat.

Es gibt für die Misere der letzten 150 bis 300 Jahre zwei grundsätzliche Erklärungsmodelle. Entweder: „Die anderen waren es (und wir sind bloß Opfer)!“ oder: „Wir waren es selbst (und es gibt keine ‚anderen‘).“ Ersteres Modell gehört noch zur Dunkelheit selbst und beruht auf den Schwarz-Weiß-Fantasiebildern eines erst noch dämmernden menschlichen Bewusstseins. Uns mit dem zweiten Modell und seinen vielfältigen Implikationen anzufreunden wird unsere Aufgabe für die Zukunft sein, wenn wir aus der massiven historischen Bewusstseinstrübung herausfinden wollen, denn nur indem wir uns unsere Eigenverantwortung wieder vollständig aneignen, können wir ganz werden und genesen. Nur indem wir den abgespaltenen, verdrängten und projizierten Macht-Komplex wieder zu uns zurücknehmen, nur indem wir uns an diesen Teil von uns erinnern, können wir überhaupt wieder in Bewegung und Gestaltung kommen.

Es sei in dem Zusammenhang auch der seltsame Widerspruch all jener erwähnt, die mit großer emotionaler Vehemenz darauf bestehen, dass wir uns jetzt „selbständig“ und „aus eigener Kraft“ befreien müssten und nur selbständig befreien könnten. Ich habe bisher auf keine Andeutung meiner Blogartikel so viel und so ungehaltene Widerrede mit so viel aufgeladener Entrüstung erhalten wie auf die (bisher nur am Rande vermittelte) Erkenntnis, dass wir ohne Hilfe von außen gar nichts leisten können und auf sie auf Gedeih und Verderb angewiesen sind. Übrigens eine durch und durch jüdisch-christliche Haltung, wenn man bedenkt, dass dies die durchgängigste Grundbotschaft der gesamten Bibel ist.

Dieselben Wortführer verkünden jedoch mit ähnlicher Vehemenz, dass irgendwelche anderen die Schuld tragen, weil sie uns Menschen unterdrückt haben. Also was denn nun? Sind wir nun selbstverantwortliche Macher oder hilflose Opfer? Und wie genau bitte, nach Jahrhunderte langer, angeblich sogar Jahrtausende währender Unterdrückung und Ausplünderung, sollen wir uns nun „ganz allein selbst befreien“? Wer von „uns“ soll das wann und wie tun?

Dieser logische Widerspruch ist typisch für das geschlossen Kreisdenken des sozial-mystischen Bewusstseins, für das gut und richtig nur sein kann, was innerhalb der eigenen, vertrauten Kreise liegt, während alles Äußere per sozial-emotionaler Gewohnheitsdefinition schlecht und falsch ist. „Hilfe von außen“ ist deshalb für diese Bewusstseinsstufe eine Unmöglichkeit. Wenn es wirklich von außen kommt, dann muss es ja fremd und also schlechter sein. Und wenn es wirklich Hilfe ist, dann muss es von innen, aus der Mitte des eigenen Kreises kommen.

Das patriarchale Bewusstsein folgt einer dem entgegengesetzten Logik: es erkennt, dass echte Hilfe nur von „außen und oben“ kommen kann, dass also stets ein Eingriff von einer höheren und nicht involvierten Ebene notwendig ist, um grundsätzlich etwas zu ändern. Um noch einmal auf die erwähnte jüdisch-christliche Haltung zurückzukommen: die moderne rekursive Krümmung im Denken zurück auf immer wieder die gleichen emotional programmierten Prämissen, Dogmen und Axiome könnte sich als Rückfall auf ein vorbiblisches Kulturniveau erweisen. Sich Hilfe von außen überhaupt wieder vorstellen zu können, würde uns zumindest wieder jene weltanschauliche Weite geben, die für viele entfernte Generationen unserer Vorfahren selbstverständlich war. Das könnte die weniger offensichtliche Bedeutung der Vorhersage sein, dass unsere Befreiung aus der Abstiegsdynamik „biblisch“ werde.

Selbst bei den wenigen, die sich mit Machtmatrix-Analysen und -Aufklärung in die Öffentlichkeit bewegen, findet man kaum auch nur ansatzweise eine Erkenntnis über den ursächlichen Gegner. Aber schon wird zu den Waffen gerufen! Zu welchen Waffen aber denn bitte? Die Menschen stehen mit leeren Händen dar,  völlig verängstigt und desorientiert, den Kopf voller irrealer Glaubensdogmen und Fiktionen, ohne Gespür für die einfachsten Tatsachen ihres eigenen Daseins und Menschseins, körperlich abhängig von den täglichen Giften in Nahrung und Luft, mental abhängig von den täglichen medialen Aufputschmitteln und sozial abhängig von gesichtslosen Institutionen, aus denen Autoritäten auftauchen wie Holzfiguren aus einer Rathausuhr und sich als einzig wahre Wegweiser und Berater vorstellen. Also diese embryonalen und unterernährten Wesen sollen sich nun selbst aus einer High-Tech-Versklavung befreien?

Warum bloß dieser ganze paradoxe, an den Haaren herbeigezogene Unsinn? Weil die Menschen im ersten kurzen Aufblitzen einer besseren Realitätswahrnehmung schon die alte Angst vor der eigenen Ohnmacht alldem gegenüber verspüren. Vergessen wir nicht: das Bindemittel defizient-matriarchaler Systeme besteht aus Desorientierung und tief verankerten Ohnmachtsgefühlen (und den daraus erwachsenden Selbst- und Weltbildern).

Das Lebensgefühl, dem wir uns also auf dem langen psychischen Weg aus dem mentalen Magnetfeld des Matriarchats heraus zu stellen haben, ist: „Du hast nicht die geringste Chance!“. Wenn wir weit genug Abstand bekommen haben von dieser rein emotionalen und irrationalen Programmierung, dann können wir irgendwann erkennen und ergänzen: „… bis zu dem Zeitpunkt, ab dem wir von außen Hilfe bekommen!“ Dann besteht die Aufgabe nur noch darin, die entgegengestreckte Hand und die angereichten Werkzeuge anzunehmen. Die Anstrengungen, die dann folgen und erst dann folgen können, werden Herausforderung genug bis an die Grenzen des Leistbaren sein. Aber von „Selbermachen“ wird in unserer Kultur noch auf lange Sicht hin nicht die Rede sein können – wenn wir ehrlich bleiben. Anstreben jedoch sollten wir es.

Und was ist eines der wichtigsten Werkzeuge, die wir annehmen und anwenden lernen müssen, um diesen Weg gegen die matriarchale Konformitäts-Gravitation gehen zu können? Es ist das Erinnern im Sinne von Gedenken und Bedenken. Also zunächst die korrekte Benennung, die treffende begriffliche Erfassung aller „Ach wie gut, dass niemand weiß“-Rumpelstilzchen, die sich dadurch keineswegs in Luft auflösen, sondern bloß in die Erde versinken, zurück zu jenen materiellen, natürlichen Gesetzmäßigkeiten, zu denen sie gehören. Für das Matriarchat tummeln sich diese gefährlich-wertwollen Männchen, wie wir bereits ausführlich erläutert haben, vor allem dort, wo es um Macht und Selbsterhalt geht. Das sind die nächtlichen Feuer, um die wir sie tanzen sehen können – wenn wir bereit sind, hinzuschauen, d.h. wenn wir bereit sind, angstfreie und wahrnehmungsbezogene Begriffe und Konzepte von ihnen zu generieren. Das ist gemeint mit: sie bei ihrem wahren Namen nennen können.

Der zweite Schritt nach dieser Anbindung des begrifflichen Denkens an unsere Realitätswahrnehmung ist dann das Bedenken des Erkannten und Benannten im Sinne moralischer Prinzipien. Sie zu bedenken heißt, den erkannten Kräften, Dynamiken, Bedürfnissen und Potenzialen einen Platz auf unserer Landkarte von Werten zuzuweisen und sie auf diese Weise in unserem Bewusstsein – in unseren mentalen Landkarten – neu zu sortieren: nicht mehr nach ihrer Stärke, nach ihrer emotionaler Intensität oder nach ihrer energetischen Magie, sondern nach ihrer Nähe und Distanz zu den moralischen Werten, die wir für uns als Menschen, als geistige Wesen erkannt haben. Die Natur, vor allem unsere eigene Natur so zu bedenken bedeutet, einen neuen zentralen Referenzpunkt für alles zu definieren und anhand seiner eine neue zusätzliche Ordnung herzustellen, die das Naturgegebene unter- und einordnet in das Geistig-Menschliche: die Dimension von Bewusstheit.

Dieser neue Referenzpunkt liegt dann nicht mehr „innen“, in der Mitte eines umschließenden und geschlossenen (materiellen, matriarchalen) Kreises, für den alles Außen fremd und bedrohlich bleibt, sondern er liegt „oben“, im Mentalen, in der Repräsentation der Natur und alles Körperlichen als Wirkungsort und Bühne für formende, eingreifende, ordnungsschaffende und veredelnde Kräfte und Prinzipien.

Erinnern als Besinnen

Wir haben jetzt schon gesehen, dass für diese Erweiterung des Bewusstseins und seiner Ordnungsprinzipien um das Rationale und Gesetzmäßige zwei Aspekte des Erinnerns essentiell sind: das integrierende Nach-Innen-Holen und das Bedenken.

Es gibt jedoch noch einen dritten Aspekt des Erinnerns, der für die Etablierung einer rationalen Kultur entscheidend ist: das ist das Erinnern in Form von Besinnung. Besinnung ist mehr als Versinnlichung. Es bedeutet, „zu seinen Sinnen zu kommen“ und womit? Mit dem erfassenden, begreifenden Bewusstsein. Zur Besinnung zu kommen bedeutet, zu Bewusstsein zu kommen, und zwar zum körperlichen Bewusstsein angebunden an die Sinne.

Vollständiges Erinnern ist erst möglich, wenn wir mit unserem Bewusstsein an unsere Sinne angeschlossen sind und uns anhand unserer unmittelbaren Wahrnehmung orientieren können. Das ist vergleichbar mit der Funktion eines Navigators: er braucht sowohl eine exakte Standortbestimmung als auch möglichst detaillierte Karten zur Berechnung der möglichen und besten Routen. Orientierung ist nur mit beidem möglich.

Auf der Bewusstseinsstufe der mythischen, prärationalen Weltanschauung gibt es nur sehr grobe und vage Landkarten, die auch nur sehr lose und impressionistisch mit der konkreten Sinneswahrnehmung verknüpft sind. Die Ungenauigkeit der Seinsbestimmung wird im gesunden Matriarchat durch Tradition und Mythen ersetzt: die Menschen verorten und bergen sich selbst in Narrativen und im Gruppenbezug. Was in dieser Weltkognition nicht möglich ist, sind die individuelle Seinsbestimmung und die Identifikation einer Ziel-Route.

Das ist die Vorstufe zum rationalen Bewusstsein, so wie ihre matriarchale Ordnungsstruktur die Vorstufe zur patriarchalen ist. Was aber passiert, wenn die Kultur von der patriarchalen Ordnungslogik regrediert und ihre Integration von sinnlicher Empirie und begrifflicher Konzeptbildung wieder verliert? Dann rutscht sie zunächst in defizient patriarchale Strukturen, in denen sich Weltwahrnehmung und Weltkonzeption voneinander ablösen und verselbständigen, und schließlich, der Gravitation der sozialen Orientierung folgend, in die völlige Abkopplung voneinander. Einstmals rationale Konzepte fossilieren dann zu bloßen Narrativen, deren Zweck nicht mehr ontologische Seins- und Wegbestimmung ist (Navigation), sondern Erkennungszeichen von Gruppenzugehörigkeit und letztlich Statussymbole für Macht. Es ist so, als würde ein primitives Dschungelvolk gefundene Elektroteile und High-Tech-Geräte einer vergangenen Hochkultur als Zauber-Anhänger oder Totem verwenden ohne auch nur die geringste Ahnung ihrer ursprünglichen Funktion und Bedeutung zu erlangen.

Das ist der Zustand, in dem wir intellektuell und kulturell seit vielen Generationen schon leben: wir verwenden noch Worte und Etiketten, die einstmals Teil eines konzeptuellen Gesamtgefüges zur mentalen und kulturellen Navigation waren, verstehen sie aber nicht mehr, sondern benutzen sie nur noch als Erkennungsmerkmale für sich bekämpfende Clans und „Interessengemeinschaften“.

Dieser Prozess fortschreitender kultureller Demenz lässt sich in allen Bereichen unseres Lebens leicht diagnostizieren, aber wohl nirgendwo so frappant wie in der Medizin, die im Ursprung als ärztliche Kunst eine komplexe Erfahrungswissenschaft war, seit über hundert Jahren jedoch in der Dissoziation zwischen Empirie und Theorie begriffen ist und zuletzt jeden Bezug zwischen Realität und Konzept verlor, so dass ein Großteil ihrer Protagonisten dazu imstande war, eine von mächtigen Clans erfundene Krankheit ohne epidemiologische Fakten zu „behandeln“ mit Mitteln, die mehrfach bewiesen reines Gift ohne die geringste positive Wirkung sind. Diese offensichtliche und groteske Scharlatanerie, die nur mit einer paranoiden Psychose vergleichbar ist, hat ihre Wurzeln keineswegs in diesen Figuren oder eines geldgierigen Pharmakartells, sondern tief in der Bewusstseinsstruktur unserer Gesellschaft und ihrer kulturellen Verfassung. Auf dieser Ebene wurde nämlich ganz grundsätzlich das Denken und Abbilden der Welt von unserer Realitätswahrnehmung getrennt.

Das ist der Zustand der Besinnungslosigkeit. Konzepte verselbständigen sich in imaginäres Wunschdenken, in situative Abhängigkeit von Launen und Impulsen, in willkürliche Regieanweisungen der aktuellen Machtzirkel und in neo-mythische Narrative, die sich nur noch des Jargons von Wissenschaft, Philosophie und Ethik bedienen – drei Gebiete des Rationalen, die es per definitionem im matriarchalen Sozialbewusstsein gar nicht geben kann. Dass die Menschen in diesem Niedergang weiterhin an dem Glauben an diese Konzepte und Worte festhalten, beruht zum größten Teil auf magischem Denken: sie spüren, dass dahinter etwas Wichtiges steckt, das sie nur nicht mehr greifen können. Also halten Sie an Worten und Ideenfragmenten fest wie an zerbrochenen Bauteilen und Papierfetzen in der Überzeugung, diese Worte und Ideenhülsen hätten die magische Kraft, ihnen das verlorene Etwas zurückzubringen. Das dürfte ein wichtiger Teil der Erklärung dafür sein, warum Menschen sich heute mehr denn je an Ideen und Ideologien klammern ohne auch nur nach ihrem Realitätsgehalt und ihrer Funktionalität zu fragen.

Der einzige tatsächlich wirkungsvolle Weg zurück zu der originären Hochkultur mit ihrer Kohärenz von Erfahrung (Sinneswahrnehmung) und Verstehen (rationale Konzeptualisierung) ist der Weg der Besinnung. Wir können die losen Schlagworte und Paradigmenreste, die wir heute als kulturellen Schutthaufen oder im besten Falle noch in musealen Archivierungen vorfinden, lernen, wieder zu Elementen eine kohärenten, mit unserer menschlichen Natur harmonisierenden Kultur und Weltsicht zu machen, indem wir uns ihrer Bedeutung erinnern und sie wieder zu Begriffen machen, also zu Symbolen für etwas Begriffenes. Indem wir mit anderen Worten unsere Konzepte wieder be-sinnen, mit Sinneswahrnehmung und der Frage nach dem Sinn verknüpfen. Das ist Arbeit.

Vier große Schlagworte, an denen wir uns beispielhaft üben können, moderne matriarchale Kollektivismen wieder zu differenzierten Begriffen umzuwandeln, sind die folgenden, die besinnungslos nur noch als bloße affektive Signalverstärker oder ideologischen Mitgliedsausweise verwendet werden: von „rechts“: Tradition und Autorität, und von „links“: Gleichheit und Humanität (oder auch: Solidarität).

Mit diesen Etiketten sind die wichtigsten Hauptattraktoren der heutigen Weltanschauungsprogrammierung umfasst. Um sie herum bauen sich die verschiedenen Ideologie-Sippschaften und politischen Meinungssekten auf mit ihren Ideenderivaten von „Demokratie“, „soziale Gerechtigkeit“, „soziale Marktwirtschaft“, „Sozialstaat“, „Lobby-Politik“, „Parteienspektrum“, „Privatisierung“, „Globalisierung“, „Umverteilung“, „Solidaritätssteuer“, „soziale Verantwortung“, „Umweltverantwortung“, „Diversität“ und immer und für alles natürlich „Wissenschaftlichkeit“.

Wir können sehen, dass sich mit den emotional aufgeladenen Ideologien um solche Losungslaute herum die Links-Matriarchalen und die Rechts-Matriarchalen untereinander in unzählbaren Splittergruppen gegenseitig bekämpfen. Wir sollten jetzt wissen, was sie alle mit diesen Signalvokabeln tatsächlich gleichermaßen meinen und wollen: die Verneinung individueller Rechte und Freiheit und den Vernichtungskampf gegen den gesunden Menschenverstand. „Tradition“ meint bei ihnen Festhalten an Gewohnheiten und Zuständen ohne nachzudenken und auf moralische Werte zu überprüfen; „Autorität“ meint Unterwerfung unter eine Autokratie – ohne weiter nachzudenken; „Gleichheit“ meint Gleichschaltung und kollektive Entrechtung (mit Ausnahme der „Gleicheren“) – ohne Bezug zu Werten und Tugenden; „Humanität“ meint – wenn es überhaupt noch irgendetwas meint und nicht bloß als leere Deckphrase verwendet wird – dass Armut, Mangel und Defizite über Ressourcen, Besitz und Kompetenzen bestimmen und verfügen sollen. Also auch geistige Armut und intellektuelle Defizienz über Bewusstsein, Wissen und Kompetenz.

In der rationalen Struktur des Patriarchats werden die gleichen Worte zentral und maßgeblich verwendet, jedoch nicht als assoziative Marketing-Schablonen, sondern als Begriffe. Das heißt mit einer fest definierten, objektiven Bedeutung, mit der sie sich auf das Gefüge einer Verständnis- und Werte-Hierarchie beziehen – nicht auf situativ wandelbare Bedürfnisse, doppelbödige Absichten und die Notwendigkeit, Menschen verbal zu hypnotisieren.

Das ist der Schritt, den wir zur besinnenden Erinnerung zu gehen haben. Wir müssen Empirie und Theorie wieder integrieren. Und zwar in beide Richtungen: sowohl als Anstrengung, unsere Wahrnehmungen, Beobachtungen und Erfahrungen korrekt in Begriffe zu fassen, als auch die Anstrengung, neue Ideen, Konzepte und Deduktionen anhand von wahrnehmbaren Fakten zu überprüfen.

Damit entdecken wir den Kern der Ästhetik (von gr. aisthánesthai = „durch die Sinne wahrnehmen“) wieder, einer Form der Selbst- und Welt-Erkenntnis, die über das unmittelbare Wahrnehmen geht, aber dabei eben nicht stehen bleibt, wie die Hier-und-Jetzt-Hypnotiker mit ihren Formeln von „Konzeptfreiheit“ und Kopflosigkeit beschwören, sondern eben aus den Landschaften der Wahrnehmung Landkarten des Verstehens herstellt. Das befreit uns von der Anästhesie der Besinnungslosigkeit und das geht nur mental. Je mehr wir uns in diesem empirisch-konzeptuellen Verstehen den Gesetzmäßigkeiten der Natur und des Menschseins annähern, desto mehr werden wir die Repräsentation dieser Gesetzmäßigkeiten und ihre Harmonien als Schönheit erkennen.

Diese Wiederverankerung unseres Denkens in der Realitätswahrnehmung bringt uns nicht nur zur Besinnung, so dass wir erkennen und verstehen können, was uns und wie es uns geschieht, sondern sie ermöglicht es auch, uns wieder Sinn zu geben. Sinn verstanden als Richtung (wie in „Uhrzeigersinn“). Der Boden der Realität und ihrer Gesetzmäßigkeiten ist der einzige Boden, auf dem wir alle gemeinsam stehen. Jede andere Ersatzform von Gleichmacherei erübrigt sich, wenn wir diese Gleichheit der natürlichen Bedingungen anerkennen. Wir sitzen alle im gleichen Boot – und eben nicht in unterschiedlichen Distanzen zu künstlichen, willkürlichen sozialen Machtzentren.

Wir müssen nicht „alle gemeinsam hingehen wo irgendeiner hingeht“. Wir müssen erkennen, dass wir bereits alle gemeinsam in dem stehen, worin jeder einzelne steht. Und dass wir darin alle gemeinsam getragen, gehalten und umhüllt sind. Nicht in einer fiktiven mentalen Matrix, sondern im Kosmos.

Nur daraus kann eine ethische Moral entstehen, nämlich eine, die Grundsätze für alle Menschen formuliert – nicht bloß folkloristische Sitten, soziale Moden oder reaktiver Marotten. Eine ethische Moral beruht auf der Realität des Menschseins, auf seiner Natur und ihrer Erkenntnis. Nicht auf Ideen und schon gar nicht auf Wünschen! Sie formuliert die Leitlinien und Grundsätze, die dieser Natur entsprechen und sie ohne Einschränkungen zur vollsten Entfaltung bringen. Das ist die Freiheit, die im Patriarchat erlangt und garantiert werden kann, aber nicht im Matriarchat. Die Libertären und ihre unverblümteren orthodoxen Brüder, die Anarchisten, verstehen das nicht. Sie glauben, es ginge um Unbeschränktheit im Handeln und Glauben – ohne Verankerung in objektiven Werten. Sie beschwören auch die Idee der „Freiheit“, machen aber denselben Fehler aller Ideologismen, nämlich dass sie die Realität und die Natur des Menschen nicht studieren, sondern sie bloß entsprechend ihren Lieblingsideen definieren und zurechtstutzen wollen.

Die größtmöglich erstrebenswerte Freiheit ist nur da möglich, wo wir unserer Natur gerecht werden können. Und dies ist nur möglich, wenn wir uns unserer Natur begrifflich bewusst werden und sie als den großen gemeinsamen und gegebenen Nenner erkennen.

Und die große Erkenntnis, die aus dieser Bewusstseinsöffnung ebenfalls erschließbar ist, ist, dass „wir alle“ nicht „das Kollektiv“ ist, sondern „jeder Einzelne“. Der Einzelne kann durch Besinnung den großen gemeinsamen Boden lokalisieren und dadurch begreifen, dass in der objektiven gemeinsamen Realität nichts Besonderes, nicht gesondert ist, sondern er unabdingbarer Teil von ihr ist. Die Erkenntnis, nichts Besonderes zu sein ist der Anfang von etwas reichlich Ungewöhnlichem und Seltenem.

Soweit die Theorie. Wir werden an anderer Stelle auf die Fragen der Praxis zurückzukommen haben.

Dunkel zu Licht

Nun wenden wir uns den Wirkungen und Effekten dieses dreigliedrigen Erinnerns im Sinne von Integrieren, Bedenken und sich-Besinnen zu und werfen ein paar gedankliche Schlaglichter auf ihre Implikationen für die Ordnung einer Gesellschaft und ihr kulturelles Fundament.

Wir haben gesehen, dass der Wechsel vom matriarchalen zum patriarchalen Ordnungsbewusstsein der Wechsel ist von der Geheimhaltung (von Macht und Methoden) – also vom Privat- und für sich Behalten – hin zum Aufdecken, Sichtbar- und Zugänglichmachen. Der Wechsel vom Dunkeln ins Licht. Vom Unwissen zum Bewusstsein. Denn das Hauptmerkmal des Patriarchats ist Transparenz und damit auch Durchdringung, wohingegen, wie im ersten Teil ausführlich beschrieben, die Hauptmerkmale des Matriarchats Einhüllung, Verschleierung und Verdunkelung sind.

Im Patriarchat sind Machtstrukturen und ihr Oberhaupt für alle sichtbar. Seine Führungsfiguren haben nicht nur steuernde und kontrollierende, sondern vielmehr repräsentative und exemplarische Funktionen. Sie verweisen auf das maßgebliche und richtungsweisende Oben. Sie vertreten keine Interessengruppe und keinen Clan, schon gar nicht sich selbst als eigenwillige Person, sondern die für alle gültigen objektiven Gesetze und Regeln. Sie sind Vertreter und Hüter von Ordnung und Struktur, nicht von Launen und Bedürfnissen.

Ihre Rolle basiert nicht auf Machterhalt, sondern auf dem Erhalt der Machtstrukturen und ihrer Prozesse, und zwar der objektiven, rationalen, für alle gültigen. Das ist etwas hochgradig Unpersönliches.

Damit ist das archetypische Prinzip des Königs skizziert und der Unterschied zum Tyrannen deutlich gemacht. Wer heute en vogue und ideologiekonform desinformiert gegen Monarchien, Könige und Kaiser motzt oder nörgelt, der hat diesen qualitativen Unterschied nicht erkannt und dieses Prinzip nicht verstanden. Die Menschen sind in Wirklichkeit gegen Tyrannei, aber die Tyrannei, in der sie widerstandlos eingewickelt sind, hat ihnen beigebracht, gegen das Bessere und Gesunde zu wettern – das sie sich im Übrigen gar nicht mehr vorstellen, nicht mehr denken können.

Wenn Macht, Machtstrukturen und Machtpositionen durch die Transparenz der Objektivität derart ins Licht der Sichtbarkeit gerückt sind, dann sind es natürlich auch ihre Eigner und Halter. Wenn sie aber nicht durch Gewalt und Clanherrschaft in ihren Positionen gehalten werden, sondern durch strukturelle Prinzipien, dann muss es ein Gleichgewicht geben zwischen Machtprivilegien und Machtpflichten.

Das vergessen die Revoluzzer seit eh und je, für uns Europäer historisch besonders fatal vor allem seit der Französischen Revolution. Man will Rechte „für alle“ deklarieren und deklariert keine einzige Pflicht. Stattdessen entrechtet man die Pflichtträger, die Verantwortungsbewussten und die Kompetenten. Dieser Abstieg auf ein Kinderwunschniveau und Pippi-Langstrumpf-Politik ist definitiv unterhalb der aristokratischen Herrschaftsordnung, in der das Noblesse oblige von alt her eingewoben war. Wir werden dieses balancierende Prinzip noch mühsam wiederentdecken müssen:

Je größer die Macht und ihre Privilegien, desto mehr Verantwortung für das Ganze und das Allgemeine, also für die Struktur, die Prozesse und die Mitglieder der Gemeinschaft, muss damit verbunden sein. Die Regulation und Begrenzung von Macht findet nicht horizontal und stutzend statt, sondern vertikal und komplementierend. So kann man auch punktuelle Macht ohne Gefahr und zugunsten aller und des Ganzen weit ausdehnen. Das soziale Macht-Prinzip ist nicht saturnale Beschränkung und Verengung, sondern joviale Expansion und Wechselseitigkeit. Es lohnt, die Folgerungen und Forderungen daraus einmal für die konkrete Umsetzung durch zu kalkulieren.

Es müssen also dementsprechend auch die Verantwortungsfähigkeiten der Machtinhaber und Führenden in Balance mit ihren Privilegien sein. Wer Pflichten auferlegt bekommt, muss sich vorher ihrer fähig erweisen. Eine patriarchale Ordnung hat diese, die Kompetenz zur Macht vor allem anderen im Blick. Denn das ist das originär väterliche Prinzip: Macht gekoppelt an Verantwortung und Kompetenz.

Wir brauchen also eine volle Erinnerung und Besinnung dieser vergessensten Schlüsselelemente der sozialen Ordnung: Macht und Privilegien, Pflichten und Kompetenz.

Dann können wir die Ordnung aufbauen, die wir brauchen, um uns als Menschen frei und individuell entfalten zu können. Das ist es, was wir anstreben sollten. Das ist es, wonach sich die Menschen – mehr unwissend als wissend – auf allen Ebenen ihres Daseins sehnen.

Die Antwort auf die Sehnsucht

Die fein verästelte Darstellung der matriarchalen Bewusstseins- und Ordnungsstruktur im ersten Teil dieser Reihe kann nur dann sinnvoll genutzt und vollständig verstanden werden, wenn sie nicht bloß als gesellschaftlich-politische Analyse gelesen wird, sondern als Allegorie für einen Bewusstseinszustand. Unseren Bewusstseinszustand.

Natürlich werden Menschen von der Kultur und der von ihr vermittelten Bewusstseinsstruktur geprägt. Aber irgendjemand muss diese Kultur ja auch initiiert haben und aufrechterhalten, denn Kultur ist etwas Menschengemachtes und nicht naturgegeben. Der Beginn jedes menschlichen Konstrukts aber liegt immer beim Einzelnen. Deshalb liegt der Beginn von dem, was wir jetzt neu gestalten müssen auch beim Einzelnen. Jede menschliche Leistung beginnt beim Einzelnen und geht immer auf einen Einzelnen zurück. Denn jede menschliche Leistung ist im Ursprung eine geistige Leistung, egal von wie vielen sie dann ausgeführt, vervielfältigt oder mechanisiert wird.

Mit dieser Erkenntnis entziehen wir jeder linkspolitischen Idee, jedem auch nur im Ansatz sozialistisch angehauchten Kulturkonstrukt allen Boden unter den Füßen und können es auf der Müllhalde menschlicher Irrtümer zerfallen lassen.

Die Sehnsucht nach anderen Organisationsformen hören wir seit Jahrzehnten schon überall dort, wo Menschen etwas besser oder zumindest irgendwie angenehmer machen wollen und nach „flachen Hierarchien“ rufen. Was genau soll das sein? Immerhin ist diese fragwürdige Begriffskombination schon ein Zugeständnis, dass es ohne Hierarchien wohl nicht geht. Aber warum sollen sie „so flach wie möglich“ sein? Weil die Menschen Struktur mit Starre, Ordnung mit Pedanterie, Rangordnungen mit Unfreiheit und Macht mit Machtmissbrauch in einen Topf werfen und dann wegkippen wollen. Und das liegt vor allem daran, dass sie die gesunde Alternative nicht mehr kennen.

Das Element, das dabei fehlt ist Bewusstheit, also im Einzelnen: Transparenz, Durchblick, Umsicht und Aufmerksamkeit. Wonach die Flache-Hierarchien-Fraktion eigentlich sucht, sind: Fairness, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Handlungsfreiheit, Talent- und Potenzialförderung, intelligente und bewegliche Zusammenarbeit und gute Kommunikation, Effektivität und Effizienz. Die Frage an sie wäre: wären sie bereit, ihre „Flache-Hierarchien“-Konzepte aufzugeben, wenn sie dafür all dies bekämen?

Wer Gruppendynamik und die Prinzipien menschlicher Zusammenarbeit aufrichtig empirisch erforscht, wird sehr schnell feststellen, dass man all das im Höchstmaß und stabil nur haben kann, wenn es klare hierarchische Strukturen, Positionen und Rollenverteilungen gibt. Die allererste Frage, die in jeder Struktur und Organisation aufkommen muss, ist: wer sorgt dafür, dass der Zusammenhalt und die Regeln gewahrt bleiben? Wer kümmert sich um alles Strukturelle, damit es einen verlässlichen Rahmen für alle gibt? Wer steht dafür ein, dass das gemeinsame Fundament von Werten, Zielen und Grundüberzeugungen nicht verlassen oder zertrümmert wird? Wer schützt und verteidigt all das?

Die Ideologen-Antwort lautet: „Alle und jeder“ – und ignoriert jede Empirie und den psychischen Zustand der Menschen. Die klügste Antwort darauf wäre: der, der es am besten kann. Es ist keine „demokratische“ Entscheidung, sondern eine empirisch-faktische. Es ist eine Frage des Möglichen unter den real gegebenen Bedingungen, nicht ein Frage der hübschesten Fantasie im Land des Wunschdenkens.

Hier liegt jedoch für die meisten Menschen bereits die erste Denkblockade, weil sie es gewohnt sind, dass Führungspositionen nach allen möglichen Kriterien besetzt werden, aber nur selten nach echter Führungskompetenz und Verantwortungsfähigkeit. Dieses Phänomen ist umso stärker, je weniger es um Wettbewerb und Leistung geht: nirgendwo finden wir den blinden Fleck für gesunde, organische Macht – überhaupt für Machtdynamiken – größer als in all den sozialen Berufen und Institutionen, deren täglich Brot sie ist – sowohl praktisch als auch theoretisch. Wir finden im „Sozialen“ Feld die stärkste Fixierung, alles, was mit Macht und Einfluss zu tun hat, ins Diffuse, Doppelbödige oder Unsichtbare zu verschieben und aus allen sonstigen Bestrebungen nach Transparenz und Prinzipientreue herauszuhalten. Diese Dynamik kennen wir bereits und wir müssen uns nicht mehr wundern, warum sie ausgerechnet im „Sozialen“ tief strukturell mit eingewebt ist.

Insgesamt ist dies aber keine Randerscheinung oder bloß deformation professionelle, sondern es ist das ausschlagebende Defizit der abendländischen Kultur und Denkweise überhaupt mit all ihren verheerenden Folgen bis hin zum globalen Steuerungsprogramm unter dem hanebüchenen Deckmantel einer „Corona“-Fiktion.

Was ist passiert, dass unsere gesamte Philosophie, im Sinne von Weltverständnis und Weltanschauung, und alle Denker seit über 200 Jahren politische Macht nicht an Vernunft und Verstand knüpfen, sondern an… gewaltsame Bedürfnis-Befriedigung und Clanherrschaft? Also nur noch an das Recht des Stärkeren?

Wenn wir es schaffen, Licht in diese Frage zu bekommen, könnten wir den Schlüssel für unsere kulturelle Rekonvaleszens und unsere kühnsten Träume für Freiheit und Frieden in die Hand bekommen.

Bewusstseinsverfall

Um die Frage beantworten zu können, müssen wir von weit genug oben schauen, um die große Entwicklungslinie menschlicher Kulturepochen überblicken zu können. Strukturell unterscheiden sich Kulturen durch das Ausmaß an menschlichen Wesensaspekten, die sie integrieren und zu einem stabilen und kohärenten Ganzen verknüpfen können. Eine Hochkultur leistet die Integration eines viel größeren Spektrums an Aspekten und Potenzialen des Menschen als eine archaisch-barbarische Stammeskultur. So konnten die Hochphasen der europäischen Kulturgeschichte Ausnahmegenies wie Leonardo da Vinci, Bach, Mozart, Goethe und Artefakte wie gotische Kathedralen, den Buchdruck und den Ottomotor hervorbringen. Das ist von einem indigenen Urwald-Stamm nicht zu erwarten.

Wodurch sich Kulturen also essentiell und qualitativ unterscheiden ist ihre integrative Kompetenz. Die zentrale integrative Kompetenz des Menschen ist Bewusstsein. Bewusstsein ist eine repräsentierende, abbildende und somit rezeptiv-reflektierende Funktion. Bewusstsein ist nicht, wie es aus den Dunstkreisen moderner spiritu-sibyllinischer Lebenslotsen vermittelt wird, irgendeine geheimnisvolle kosmische Substanz oder irgendeine universale Energieform, die man sich mehr oder weniger einfangen und zunutze machen kann. Das mag die verdinglichende Sichtweise archaisch-schamanistischer Kulturen gewesen sein, auf die heute – ohne Bewusstsein für diese geistige Blamage – einfältig zurückgegriffen wird. Sie entbehrt jeglicher begrifflicher und kausal-logischer Differenzierung und gehört zu den magisch-naturreligiösen Bewusstseinsstufen, die wir alle als Kinder durchlaufen haben und die uns also zurück, ins Regressive führen, nicht vor- und schon gar nicht „aufwärts“.

Bewusstsein und seine Entwicklungsstufen

Wir können Bewusstsein als Funktion und Fähigkeit beschreiben. Also als einen Aspekt von Lebewesen, der entwickelt werden kann und muss und somit in seiner Entwicklung sowohl gefördert als auch gehemmt oder blockiert werden kann. Ob wir Pflanzen und probiontischen Tierchen diese Funktion bereits in der Form zum Beispiel chemischer Reaktionsspeicher und reaktiver Strukturbildung zusprechen wollen, ist eine reine Definitionsfrage. Für die Qualitäten von Bewusstsein, um die es hier geht, ist die grundlegendste Bedingung die, das ein Wesen ein komplexes, erinnerungsfähiges Nervensystem hat.

Für den Menschen gibt es grob schematisch betrachtet folgende Stufen der Bewusstseinsentwicklung, die Grade der Integration darstellen:

Die erste Stufe, die einige Monate nach der Geburt konsolidiert ist, ist die der körperlichen Integration. Der gesunde Säugling verfügt über eine autonome und in sich geschlossen funktionierende Reiz-Reaktions-Fähigkeit auf der Basis der Unterscheidungsfähigkeit, was zu seinem Körper gehört und was nicht. Zentral für diese Entwicklungsstufe ist die Integration von Empfindungen, Reflexen und Bedürfnissen zu einem zusammenfassenden, ganzheitlichen, zentral steuernden Organismus-Bewusstsein. Diese Stufe können wir als instinktives Körperbewusstsein bezeichnen. Die Bewusstseinsfunktion reguliert sich auf dieser Stufe über die Polarität von Wohlbefinden und Angst: Wohlbefinden stimuliert die expansive, erkundende und integrative Kompetenz während Angst diese hemmt und den konservierenden, zusammenziehenden und verschließenden Rückzug verstärkt.

Die nächste Stufe der menschlichen Bewusstseinsentwicklung besteht in der Integration dieses vorhandenen Körperbewusstseins mit Eindrücken aus der Umgebung und den Folgen bzw. Reaktionen auf Handlungen. Zentral dabei sind natürlich erst einmal die unmittelbaren Reaktionen der wichtigsten Bezugspersonen (Mutter, Vater, Geschwister usw.) auf eigene körperliche Signale und Handlungen, deshalb können wir hier von sozialem Bewusstsein sprechen. Die primären zusammenfassenden und situationsübergreifend wirksamen Bewusstseins-Einheiten, die diese Integration ermöglichen, nennen wir Emotionen. Emotionen sind basale Bewertungen über das Verhältnis zwischen (körper-) eigenen Impulsen oder Bedürfnissen und den Reaktionen auf sie aus der (sozialen) Umwelt. Die Grundemotionen für einen Mangel an Passung sind Furcht („zu gefährlich/bedrohlich“), Wut („zu nah/einschränkend“), Ekel („zu giftig/schädlich“), Trauer („zu viel Verlust von Eigenem“) und Scham („nicht integrierbar“). Die Grundemotionen für eine gute Passung zwischen eigener Integrität und Umwelt sind: Freude („dem Eigenen entsprechend“), Anziehung oder Neugier („das Eigene erweiternd/bereichernd“) und Stolz („die eigene Integrität bestätigend/bejahend“).

Diese soziale Bewusstseinsstufe reguliert sich nun auf zwei Dimensionen: der Körper-Polarität (Wohlbefinden vs. Angst) und der emotionalen Färbung bzw. Kommunikation mit der Umwelt. Die funktional zentrale und mächtigste Emotions-Achse für die soziale Bewusstseinsentwicklung ist die von Scham und Stolz, denn Scham signalisiert, dass etwas nicht integriert werden kann (entweder innerlich-emotional oder sozial, das ist auf der emotionalen Ebene identisch). Komplementär dazu signalisiert Stolz, dass ein Aspekt des Eigenen besonders gut emotional oder sozial integriert werden kann.

Wenn also Bewusstsein unsere wichtigste Integrationsfunktion ist, dann sind Scham und Stolz unsere wichtigsten Bewusstseinsemotionen.

Exkurs: die Beschämung von Stolz

Stolz ist mehr als Freude. Stolz fügt zum Gefühl der reinen Passung und Stimmigkeit noch die Hervorhebung eines Merkmals als etwas Besonderes und besonders Wertvolles hinzu. Stolz trägt in sich das Gefühl einer besonderen Anerkennung und Aufwertung von etwas, das wir zu uns gehörig wahrnehmen. Im Gegensatz zu Freude kann Stolz nur da entstehen, wo es einen Maßstab, eine Wertehierarchie und Bewertung gibt. Wir freuen uns, wenn wir etwas schön und passend finden, aber stolz sein können wir nur, wenn etwas von uns auch ein innerer oder äußerer Wert beigemessen wird. Die Orte, an denen gesagt oder vermittelt wird, dass nichts bewerten werden und es keinen Maßstab geben dürfe, sind die Orte, an denen Menschen nicht stolz sein dürfen, können wollen.

Stolz sind wir als Kinder, wenn wir erleben, dass etwas, das wir haben oder können, besonders wertgeschätzt wird oder – technischer formuliert – zu einer besonders guten Integration führt. Je älter wir werden, desto mehr können wir den Wertmaßstab für gute oder mangelhafte Integration in uns entwickeln und Stolz unabhängig von jeglicher sozialen Referenz empfinden. Das wäre erwachsener Stolz. So sind wir z.B. auch stolz, wenn wir plötzlich etwas verstehen oder einen Zusammenhang erkennen oder auch schon, wenn wir gelernt haben, etwas korrekt zu benennen. Wachsendes Verständnis ist die Hauptquelle von erwachsenem Stolz.

Umgekehrt lösen Unverständnis, Überforderung, etwas nicht benennen zu können oder überhaupt etwas nicht zu können Scham aus, vorausgesetzt wir erleben unser Unvermögen als relevant.

Die Funktion und Auswirkungen von Stolz und Scham sind sehr vielfältig und haben einen sehr großen Einfluss auf alle unsere Lebensbereiche, unsere Verhaltensweisen, unsere Denkweise, unsere Anschauungen und Glaubensschemata. Es ist symptomatisch für unsere Kultur, dass diese Implikationen nicht nur weitgehend unbekannt sind, sondern systematisch  ignoriert und verzerrt werden – auch und besonders in der Psychologie und all ihren Nebenfächern. Die Dynamik von Scham und Stolz hat uns fest in der Hand und wir bemerken es nicht. Man könnte darüber ein ganzes Buch schreiben, das Thema soll hier aber nur angedeutet werden, um seine zentrale Bedeutung für Bewusstseinsentwicklung und -prägung anzuzeigen. Es sei dazu hier nur am Rande erwähnt, dass alle sogenannten Schuldgefühle und ‑themen in ihrer Wurzel Schamgefühle und -themen sind und von der mentalen Konstruktion von „Schuld“, die wir weiter oben schon als Hemmschuh der Besinnung erwähnten, bloß überdeckt und verdrängt werden. Wer Schuldkomplexe wirklich lösen wollte, der müsste sich mit Scham und ihrer Auflösung, also mit Integration beschäftigen. Und die größte Integrationskompetenz in uns hat, wie gesagt, unser Bewusstsein.

Psychologisch besonders vertrackt wird es, wenn wir als Kinder lernen, dass unser Gefühl von Stolz per se sozial unterwünscht ist uns also als „nicht integrierbar“ beigebracht wird. Das führt dazu, dass wir uns jeglicher innerer Signale von Stolz (die völlig automatisch und natürlich entstehen wie oben angedeutet) schämen. Wir schämen uns dann unseres Gefühls von Stolz. Das bedeutet, dass wir allein schon die Signale und Impulse der Integration und Bewusstwerdung als schmerzhaft und falsch erleben. Machen wir uns klar, welche fundamentale Blockade des Wachstums und der mentalen Reifung das verursacht: nicht weniger als die Blockierung und Tabuisierung unseres Strebens nach Integration, also nach Verstehen, korrektem Benennen, Klarsicht und Urteilsvermögen.

Da Stolz die Komplementäremotion zu Scham ist, bedeutet darüber hinaus die Beschämung von Stolz, dass Scham nicht mehr balanciert, also überhaupt nicht mehr reguliert und nicht mehr aufgelöst werden kann. Es gibt dann nur noch zwei Möglichkeiten, damit zu leben: entweder mit dem chronischen, diffusen und alles umfassenden Grundlebensgefühl dominanter Scham, mit dem man sich latent desorientiert, falsch, unstimmig und inkompetent fühlt; oder mit der „Befreiung“ davon durch die Unterdrückung der Wahrnehmung von Scham und damit auch der Unterdrückung der Funktion von Scham, was uns in eben dem Maße auch schamlos macht. Die Extremform dieser „Befreiung“ ist der Psychopath. Die weniger pathologische Form ist der Narzisst, der die innere Verbindung zwischen Außenpersönlichkeit und Innenleben auf Eis gelegt hat.

Der wachsende Narzissmus unsere Gesellschaft ist schon sprichwörtlich geworden. Dass die einzig wirksame Heilung dieses Phänomens jedoch ist, wieder Stolz erleben und stolz sein zu können, wurde bisher so gut wie gar nicht erkannt. Was auch kein Wunder ist, denn die Ratgeber und Psychologen sitzen selbst mitten im kollektiven blinden Fleck, eingehüllt in das Generaltabu unserer Kultur.

Die Beschämung und Tabuisierung von Stolz führt dazu, dass unser emotionaler Zugang zu Selbstintegration und Selbstwertschätzung blockiert wird. Wir können dann keinen Selbstwert, keine Selbstsicherheit, kein Selbstvertrauen mehr fühlen. Das Ergebnis ist auch, dass Menschen sich ihres natürlichen Strebens nach Selbstwert und Integrität schämen und es mit allen Mitteln versuchen zu bekämpfen. Sie schämen sich für ihre Natur und ihre mentalen Wesensaspekte, die sie erst zu Menschen machen würden. Wir leben dann in einem sozial-existenziellen Paradox: Wir bekämpfen unsere Stärke und alles, was uns Würde gäbe in der Hoffnung, dann eines Tages „stolz“ sein zu können. Stolz auf was? Darauf, besonders minderwertig, orientierungslos, begriffsstutzig, abhängig und unbewusst zu sein. Was für ein Stolz wäre das? Ein künstlicher, nur von außen durch soziale Referenzen gehaltener Ersatz-Stolz. Ein soziales Anerkennungs-Gerüst als Ersatz für Würde und Selbstgefühl. Soziale Netzwerke als Ersatz für innere Integration.

Mit diesem Verständnis haben wir einen klareren Blick für die Ursachen unseres kulturellen und gesellschaftspolitischen Zustands, aus dessen Grundverwirrung und Blindheit wir nur herausfinden, wenn wir einen anderen Boden unter den Füßen haben und eine andere Luft als ihren Dunst atmen. Nämlich solche, die erlauben, Stolz zu verstehen und zu fördern. Und dadurch fähig zu werden, die Dominanz von Scham aufzulösen.

Ansonsten bleibt den Empfindsamen und Integeren in so einer blockierten Gesellschaft nur die Alternative, ihr Selbstwertgefühl und ihren Stolz zu verstecken, ganz privatissimus für sich und aus der Gemeinschaft und der Öffentlichkeit heraus zu halten. Auch wenn ein Rest von Würdeempfinden dadurch gerettet wird, treibt diese Aussonderung und Verheimlichung die Gemeinschaft ebenfalls nur weiter voran in die Selbstverneinung bis zur Selbstvernichtung. Eine Gemeinschaft, die Stolz tabuisiert, ist dem Untergang geweiht.

Die beschriebene Generalblockade von Stolz und damit Wachstum, Verstehen und Würde führt, solange sie unaufgelöst bleibt, dazu, dass es irgendwann in einer Gemeinschaft und schließlich in der gesamten Kultur keinen Stolz, kein Selbstwertgefühl und in der Folge kein Selbstbewusstsein – in der fundamentalsten Bedeutung des Begriffs – sowie keine Würde mehr gibt. Das heißt, diese Blockade führt dazu, dass die Menschen in so einer Kultur ihr Bewusstsein für sich und alles Menschliche nicht weiter entwickeln, sondern auf der Stufe von desorientierten, ängstlich-abhängigen Kleinkindern stehen bleiben und sich nur noch äußerlich und sozial orientieren – ohne Zugang zu den Prozessen mentaler Reifung. Damit ist dann auch die Weiterentwicklung auf die nächste Stufe des Bewusstseins gesellschaftlich verbarrikadiert.

Wir brauchen mehr Integrationskraft

Kehren wir nach diesem Exkurs, dessen Andeutungen uns zu einem späteren Zeitpunkt noch beschäftigen werden, zu unserer Erläuterung der Stufen von Bewusstsein zurück.

Die dritte Bewusstseinsstufe ergibt sich aus der nächsthöheren Integration des Körperbewusstseins und des sozial-emotionalen Bewusstseins mit den kognitiven Fähigkeiten der Abstraktion, der Begriffsbildung, des Planens und des Arbeitens mit Konzepten anhand mentaler Werkzeuge wie Logik, Realitätsprüfung , Induktion und Deduktion, kausalem Denken und definitorischer Differenzierung. Also aus der Integration der entwickelten Körperidentität und der sozialen Identität in eine umfassendere, nämlich mentale Identität. Das mentale Bewusstsein entwickelt und reguliert sich anhand der Dimension von richtig und falsch im Sinne von „wahr“, „der Wahrnehmung entsprechend“ oder „der Wahrnehmung bzw. verifizierten Konzepten widersprechend“.

Wenn wir falsche Konzepte und Denk-Schemata lernen, also Konzepte, die nicht mit der sinnlich wahrnehmbaren Realität übereinstimmen, dann benutzen wir dafür zwar auch unsere mentalen Funktionen, entwickeln aber kein mentales Bewusstsein. Gesunde Bewusstseinsentwicklung beruht auf einer entsprechend mitwachsenden Ich-Bildung. Das, was die Bezeichnung „Ich“ verdient, ist das Zentrum von Bewusstsein und seine oberste Integrations-Instanz, nämlich das subjektive Erleben von Ganzheit und damit Integrität, also Intaktheit und Einheit. Diese erlebte Ganzheit ist nicht von Natur vorgeben und nicht Teil unseres natürlichen Erbes, sondern von Natur aus nur Potenzial. Erst durch eine kulturell von außen genährte und geförderte Entwicklung, die wir nur als individuelle Anstrengung leisten können, können wir aus diesem Potenzial eine Identität machen.

Ein Ich zu entwickeln ist Aufgabe unserer Bewusstseinsfunktion und wir können darin scheitern. Ein gesundes mentales Bewusstsein ist rational, das heißt es schafft eine kohärente und stringente, zusammenhängende, begriffliche Abbildung der wahrgenommenen Welt und strebt nach mehr und vor allem nach widerspruchsfreiem Verständnis der Welt, ihrer wirkenden Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten. Je mehr dieses Verständnis die eigenen Wesensmerkmale und die des generisch Menschlichen umfasst, desto mehr kann daraus Vernunft entstehen. Vernunft ist die Fähigkeit, rationale, dem eigenen Wesen und dem Wesen anderer entsprechende Urteile und Entscheidungen zu treffen.

Die Bewusstseins- und Ich-Entwicklung der wiederum nächsthöheren vierten Integrationsebene vollzieht sich durch eine Zusammenfügung von Körper-, sozialem und mentalem Bewusstsein im zeitunabhängigen Gewahrsein der eigenen Wesensaspekte. Wir können diese vierte Stufe als biografisches Schicksals- und Gegenwartsbewusstsein bezeichnen, weil der Mensch auf dieser Integrationsstufe seine Identität nicht mehr auf körperliche, soziale oder mentale Merkmale oder Fähigkeiten gründet, sondern auf der Wahrnehmung und inneren Abbildung jener Kräfte, die diese sich verändernde und wachsende Gesamtheit, die wir unser „persönliches Leben“ nennen, formen und hervorbringen.

Auf dieser Integrationsstufe werden wir uns unserer eigenen Aufmerksamkeit bewusst, wohingegen wir auf den drei vorhergehenden Stufen nur mit dem Inhalt unserer Aufmerksamkeit beschäftigt waren. Das wahrnehmende Subjekt selbst und das Bewusstsein selbst mit seinen verschiedenen Zuständen und Modalitäten werden auf dieser Bewusstseinsstufe relevant. Erst hier erkennen wir die metaphysische Macht von Bewusstsein und dass es die einzige Quelle aller Kultur und der einzig entscheidende Aspekte für Entwicklung ist.

Für das Thema dieses Artikels ist wichtig zu verstehen, dass die Entwicklung von Bewusstsein die Steigerung von Integrationskraft bedeutet und dass die Weiterentwicklung der Integrationsfähigkeit an jeder Stelle des beschriebenen Prozesses unterbrochen werden kann. Das Ergebnis ist dann nicht unbedingt ein Mangel an Wesens-Funkionen und Fähigkeiten, aber definitiv ein Mangel an Einheit und Identität.

Eine vehemente Behinderung der Entwicklung von Körperbewusstsein zum Beispiel führt zu Autismus. Autismus ist eine Ich-Entwicklung ohne Körper-Integration. Ein Autist hat durchaus eine Menge Funktionen zu seiner Verfügung haben, vor allem jene, die von Körperintegration unabhängig sind, wie z.B. Einzelobjekterkennung, Sprachentwicklung und analytisch-sequentielles Denken. Aber er hat keine Repräsentation von „Ich“, die seinen Körper, seine Impulse, Emotionen uns seine somatische Selbstwahrnehmung umfasst. Sein Ich ist mehr oder weniger körperlos.

Eine abgestufte, aber immer noch drastische Form von Integrationsmangel, die ebenfalls in das Spektrum psychiatrischer Grundstörungen fällt, entsteht durch die (etwas spätere) Unterbrechung der Bewusstseinsentwicklung während des Aufbaus der emotional-sozialen Integrationsstrukturen. Die Borderline-Störung hat ein einigermaßen intaktes basales Körper-Ich, bei ihr ist jedoch das Ich von den grundlegenden sozialen und emotionalen Fähigkeiten dissoziiert. Auch wenn diese psychotoide Defizitstruktur in der Bevölkerung seit Jahrzehnten massiv zunimmt, liegt die nach wie vor verbreiteteste und „normalste“ Blockade der Bewusstseinsentwicklung unserer Gesellschaft auf einer noch etwas weiter integrierten Stufe, nämlich im Übergang vom emotional-sozialen zum mentalen Ich-Bewusstsein, in dem die Entwicklung in der narzisstisch-depressiv gespaltenen Selbststruktur steckenbleiben kann: mit einer sozial angepassten, außengesteuerten und abhängigen Außenseite und einer authentischen, aber abgekoppelten, kindischen und verwahrlosten Innenseite.

Was wir an diesen pathologischen Zuständen am besten erkennen können und was für das Thema dieses Artikels bedeutend ist, ist die Tatsache, dass Mangel an Bewusstsein zu Dissoziation und Fragmentierung führt. Diese Fragmentierung bzw. die fehlende Kraft der Integration führen ebenfalls zu einem Mangel an Struktur und Ordnung, denn je geringer die Integration, desto weniger können die einzelnen Elemente der Wahrnehmung miteinander in Verbindung gebracht werden. In der Folge können dann keine Gemeinsamkeiten zwischen Eindrücken und Erfahrungen erkannt werden, also keine stabilen Schemata gebildet werden, keine grundsätzlichen Regeln und Wirkmechanismen begriffen werden und somit weder Schlussfolgerungen noch irgendwelche allgemeingültigen, situationsübergreifenden Erkenntnisse aus Erfahrungen und Wahrnehmungen gebildet werden. Erfahrungen und Wahrnehmungen können nur „gesammelt“ werden und bleiben als rohe Eindrücke auch in Erinnerung – aber ohne Bezug, ohne Sinn und ohne Konsequenz.

Man bemerke, dass diese Form von elementarer Unfähigkeit und Bewusstseinsmangel von vielen sogenannten „esoterischen“ „Bewusstseinslehren“ als Ziel verkauft wird: nämlich „nur noch im Moment zu sein“ ohne irgendeinen Bezug zu etwas Vergangenem, zu Wünschen oder Intentionen, zu Zielen oder Erkenntnissen, geschweige denn zu der Frage nach einem Sinn herzustellen. Im besten Falle erreicht man damit das Bewusstseinsniveau eines Hundes. Was für die „Herrchen“ solcher Rollenspielgruppen durchaus attraktiv sein kann. Aber wer ist es, der glaubt – und glauben will – dass dies die „höchste Stufe des Menschen“ und erstrebenswert sei?

Chaos ist Bewusstseinsmangel

Wir benötigen folgendes fundiertes Verständnis: wo immer Bewusstsein fehlt oder schwächelt, entstehen Fragmentierung und Unordnung. Und zwar nicht in der realen Welt, sondern in der Repräsentation dieser Welt in uns. Salopp ausgedrückt führt Mangel an Bewusstsein zum Chaos im Kopf. Wobei mit „Kopf“ jede Instanz der Repräsentation und Abbildung innerhalb unseres Nervensystems gemeint ist. Chaos ist also das Symptom eines Mangels, nämlich des Mangels an ordnungsstiftenden Kräften innerhalb unserer Abbildungen, Begriffs- und Konzeptbildungen aus unseren Wahrnehmungen.

Chaos ist kein Merkmal der Realität, sondern nur des Bewusstseins. Und es entsteht auch nicht durch irgendwelche aktiven ur-chaotischen Grundkräfte, elementare „Durcheinanderwerfer“ (dia-boli) oder kosmische „Unordnungsstifter“, sondern nur durch unterlassene oder fehlerhafte Bewusstseinsbildung. Die „Kräfte“ – wenn man diesen Begriff überhaupt rechtfertigen kann – welche Chaos verstärken, sind bloß passive Potenziale, während allein die Gegenkraft zum Chaos, das Heilmittel für Unordnung und Fragmentierung als aktiv bezeichnet werden kann: Bewusstseinsbildung. Sie fordert eine Anstrengung, nämlich die der strukturierten, korrekten, sortierten und differenzierenden Bildung innerer Selbst- und Welt-Landkarten, sei es aus Bildern, Symbolen, Begriffen oder schließlich komplexen Konzepten.

In dem Maße jedoch, indem ein Mensch Chaos in seinem Selbst- oder Weltbild hat, kann er dieses natürlich nach außen projizieren und reproduzieren. Da jede menschliche Handlung und Äußerung von Bewusstsein abhängig ist, kann sie auch chaotisch sein. Es gibt chaotische Handlungen, chaotische Sprache, chaotische Werke, chaotische Beziehungen und chaotische Philosophie und Ideologie. Das Chaos zeigt sich darin im fehlenden inneren Zusammenhang, in zerrissener Logik, mangelnder Kohärenz oder mangelhaftem Bezug zur Realität. Ein chaotisches Produkt, das als „Kunstwerk“ verkauft wird, ist als bloßer realer Gegenstand nicht chaotisch, sondern eben nur ein so oder so geformtes Objekt, das aber in nichts eingebettet ist und wenig oder keinen Bezug hat. Ebenso kann eine Beziehung zwischen Menschen chaotisch sein, womit nicht die objektiv vorhandenen und eventuell auch beobachtbaren Verhaltensweisen, Gefühle, Gedanken, Aussagen und Wünsche gemeint sind, sondern deren Bezug zueinander. Chaos ist Mangel an Bezug.

Dementsprechend können also auch Politik und Herrschaft chaotisch und – in der Folge – chaotisierend wirken. Man kann eine Gemeinschaft so lenken, dass ihre Mitglieder in der Entwicklung von kohärentem Bewusstsein massiv beeinträchtigt und blockiert werden. Die gesteigerte Form von Chaos ist destruktives Chaos, also ein Bewusstseinszustand, der so zerrüttet und fragmentiert ist, dass seine zerstörerischen Kräfte die Dominanz über alle anderen Aspekte übernehmen.

Ich habe an anderer Stelle schon einmal erläutert, dass die zerstörerischen Aspekte von Bewusstsein, analog zur Funktion von Magensäure eine wichtige Rolle in der Verarbeitung, nämlich der Zerlegung von Wahrnehmungs-„Brocken“ haben. Je mehr „schwer verdauliche“ Wahrnehmungen jemand erfährt, desto höher muss dieser „Magensäure“-Anteil in seiner Bewusstseinsfunktion sein, um sie zu bewältigen, nämlich in integrierbare Fragmente zu zerlegen. Jemand, der chronisch überfordert ist, wird in diesem Sinne dauer-sauer und hyperazidisch, ohne dabei aber zu einer Synthese und Integration zu finden. Als „verdaut“ kann etwas aber erst gelten, wenn es neu synthetisiert und integriert ist.

Der Mechanismus der Zerlegung kann sich verselbständigen und zu einer zwanghaften Obsession werden, alles zu zerlegen und zu zerhäckseln – nicht mehr bloß mental, sondern symbolisch stellvertretend auch real dinglich und konkret physisch. Es ist zu verstehen als der chronifizierte Versuch, die Wahrnehmung der Realität oder die Realität selbst solange zu zerkleinern, bis sie integrierbar geworden sei – was nach schweren Traumatisierungen der Verarbeitungsfunktion, also der psychischen Verdauung, auf diese Weise ohne Heilung nicht möglich ist und deshalb zu einer Zerstörungswut bis zur Selbstzerstörung werden kann.

Daraus erklärt sich jenes rätselhafte „Böse“, gegen das wir heute auf allen Ebenen des menschlichen Daseins zu kämpfen haben und das, wo auch immer es Macht erlangt, nur zerstörerisch wirkt. Es ist keine „Wesenheit“, kein „Alien“ und keine Instanz der Natur, sondern eine korrumpierte und entstellte Figur unserer menschlichen Bewusstseinsfunktion und gehört somit zur Welt des Geistes und nicht zur Welt der Biologie. Es ist ein Problem „im Himmel“, nicht „auf der Erde“, daher ist zuweilen auch die Rede von einem „spirituellen Krieg“. Dieser ist allerdings nur Symptom des Problems – nicht seine Lösung!

Gescheitertes Bewusstsein ist, metaphorisch gesprochen, ein gefallener Engel. Von ihm wurde gesagt, dass er in seinem Ursprung der Lichtbringer ist. Das ist, so wie das Chaos, in das er fällt, kein Aspekt des materiellen Kosmos, sondern ein Geschehen in seinem Komplementär, dem Bewusstsein, welches seine eigene innere Ordnung erst aufbauen muss. Das nach Ordnung strebende aber abgestürzte Bewusstsein kann hoch aggressiv und zerstörerisch werden in seiner Suche nach Boden und Orientierung. Dieses Böse entsteht ausschließlich aus Bewusstsein und ist nur in menschlicher Form handlungs- und steigerungsfähig. Ein Tier würde diese extreme Form der Bewusstseinsfragmentierung und damit des Identitätsverlustes gar nicht überleben.

Da Chaos ein Bewusstseinsphänomen und Bewusstsein ein Beziehungsphänomen ist – nämlich zwischen objektiver Realität und rezeptivem Subjekt – ist Chaos eben auch ein Beziehungsphänomen, und zwar ein negatives: Chaos ist Mangel an Bezug und Bezogenheit. Ein Psychotiker, der fast vollständig den Bezug zur Realität verloren hat, lebt im Chaos. Aber dieses Chaos ist subjektiv, es liegt in seiner Verarbeitung. Ein Neurotiker lebt in einer etwas milderen aber ebenfalls quälenden Form von Chaos, nämlich in fehlendem Gefühlsbezug zur Realität. Er kann die Realität wahrnehmen und auf sie reagieren, jedoch nicht mit angebundenem Fühlen, so dass seine Reaktionen bizarr bis selbstschädigend ausfallen, weil sie auf Emotionen beruhen, die eine Ursache und einen Auslöser haben, aber keinen Bezug zu seiner unmittelbaren Wahrnehmung und somit keinen Bezug zur Realität.

Irrationale Menschen wie Dogmatiker, Fanatiker oder Ideologie-Anhänger leben im mentalen Chaos: sie können keinen Bezug zwischen ihren Begriffen, Ideen oder Gedanken und der wahrnehmbaren Realität herstellen. Gerade deshalb aber halten sie umso mehr und fanatischer an Ideen und ihren Vertretern fest, weil sie sonst keine Struktur kennen und haben. Es ist die Struktur ihres Denkens, die irrational ist, weil sie irreal ist. Die Begriffe und Ideen, die sie verwenden, beruhen nicht auf Wahrnehmung, sondern werden von Emotionen, Launen, Reflexen und kindlichen Assoziationen bestimmt und gesteuert. Diese sind jedoch ohne Zusammenhang untereinander, also ohne Integration, und bilden daher eine Art begrifflichen und konzeptuellen Scherbenhaufen wie lose Puzzlestücke, von denen immer nur einzelne herausgegriffen und verwendet werden, ohne dass jemals eine Ahnung von einem Gesamtbild oder Motiv entsteht.

Es braucht bereits ein Mindestmaß an Bewusstsein, um diesen Zustand des Chaos überhaupt wahrnehmen zu können. Ansonsten erzeugt er nur ein formloses, namenloses Leiden von Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit. Für den Menschen, welcher ohne denkfähiges und urteilsfähiges Bewusstsein prinzipiell nicht überlebensfähig ist, gibt es kein bedrohlicheres Leid als Desorientierung und blockierte Bewusstseinsintegration.

Die seit Jahrzehnten stetig steigende Nachfrage nach Psychotherapie oder alternativ nach diversen neo-religiösen Welterklärungen und ihren sozialen Betreuungsangeboten sind laut sprechender Beleg für die regressive Richtung unserer Kultur ins immer Chaotischere. Menschen gehen in Psychotherapie, in „Selbsterfahrungsgruppen“ oder zu Welterklärungsseminaren, weil sie den Scherbenhaufen ihres Bewusstseins zu einem sinnvollen Gesamtbild zusammenfügen wollen. Sie sind nicht mehr handlungsfähig oder fühlen sich überfordert, nicht weil die Probleme um sie herum objektiv unlösbar oder intensiver als je zuvor sind, sondern weil sie keine Repräsentationen in sich aufbauen können, aus denen Lösungen, sinnvolle Aussichten und Handlungen ableitbar wären.

Dem Depressiven fehlt das Bewusstsein für das, was ihm emotionale Kohärenz gibt. Er nennt das „Sinn“. Er empfindet sein Leben als „sinnlos“, weil es nichts gibt, das in ihm Freude und Motivation generiert. Ihm fehlen nicht Möglichkeiten zu schönen, wertvollen und begeisternden Erlebnissen, sondern ihm fehlt der Bezug zum Schönen, zu Werten und Geist. Dass die Depression – jene konturlose Allerweltsdiagnose – in unserer heutigen Kultur zum gar nicht mehr auffälligen Normal-Lebensgefühl geworden ist und man nur noch zwischen verschiedenen Schattierungen der Symptombildung oder Abwehr unterscheiden kann, ist Zeichen für ein ausschlaggebendes Merkmal unserer Kultur: dem Mangel an Bezug zu Werten.

Ein Wert ist alles das, was unserem Wesen entspricht, es fördert, bestärkt, sichtbarer und bewusster macht. Werte müssen nicht erfunden werden – mehr noch: sie dürfen auf gar keinen Fall erfunden werden! Werte können nur gefunden, ent-deckt und begrifflich gefasst werden. Sie ergeben sich aus der naturgegebenen Notwendigkeit, die Integrität unseres Wesens und damit des Wesentlichen für uns zu bewahren und anzustreben.

Die körperliche Reaktion auf erfüllte Werte ist Wohlbefinden, Sicherheitsgefühl, Vitalisierung, Beweglichkeit und Kraft. Im emotional-sozialen Bewusstsein bilden sich erfüllte Werte ab durch Freude, Motivation, Neugier, Stolz, Gelassenheit und Großzügigkeit. Das mentale Bewusstsein spiegelt erfüllte Werte durch Klarheit, Rationalität, Kreativität, Erfindergeist und das Streben nach Verstehen von immer tieferen und umfassenderen Zusammenhängen. Es ist dafür zunächst einmal überhaupt nicht notwendig, Werte in Worten benennen zu können, obwohl es für die Entwicklung von Verstand und Vernunft sehr förderlich ist.

Wir verstehen Werte, ihre Bedeutung und unseren Bezug zu ihnen erst, wenn wir erkennen, dass sie von Natur aus gegeben und in unserem Wesen ebenso verankert sind wie sie in unserem Bewusstsein gespiegelt werden können – egal auf welcher Stufe es sich befindet. Unsere Integrität – das ist die Übereinstimmung mit unseren Wesenswerten – hängt nicht primär von unserer Bewusstseinsstufe ab, sondern davon, dass unser Bewusstsein nicht getrennt von unserer Natur und nicht gegen unsere Natur ist, sondern kongruent mit ihr.

Da jedoch rationales Bewusstsein zum Wesensmerkmal des Menschseins gehört, können wir als Erwachsene nur integer sein, wenn wir diese Stufe erreichen. Alles andere geht gegen den Grundwert unserer Selbstbewusstwerdung und des Selbsterhalts als bewusstes Wesen. Ein menschliches bewusstes Leben ist deshalb objektiv mehr wert als ein menschliches Leben ohne Bewusstsein, weswegen der Mensch es in der Regel bevorzugt zu sterben, als sein Dasein ohne Hoffnung auf Integrität, Sinn und Identität zu fristen, d.h. ohne selbstkongruentes Bewusstsein. Denn allein darin liegt seine Würde.

Die Geschichte der Desintegration

Kommen wir also zu unserer Ausgangsfrage zurück: Was ist passiert, dass die westliche Kultur seit 250 Jahren oder mehr die Macht, vor allem die politische Macht zunächst von Verstand und Vernunft und damit von den Fähigkeiten der mentalen Bewusstseinsstruktur getrennt hat? Und zwar so grundlegend und konsequent, dass diese künstliche Trennung nicht einmal bemerkt und bemängelt, sondern nur immer weiter vorangetrieben wurde. Wie kam es zu dieser Tabuisierung der politischen Macht für das rationale Denken und zu jener Tabuisierung des rationalen Denkens in allem Politischen?

Nachdem wir uns die Bedeutung von Bewusstsein als integrierende Kraft und ihre Stufen genauer angesehen haben, können wir nun feststellen, dass sich die westliche Kultur – und in ihrem Gefolge die gesamte Welt – seit der Hochkultur der Renaissance, also etwas seit Anfang des 17. Jahrhunderts in einem kontinuierlichen Desintegrationsprozess befindet, der um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert herum nur ansatz- und versuchsweise einmal unterbrochen, schlussendlich nur kurzzeitig abgebremst wurde durch die geistigen Einflüsse der Unabhängigkeitskämpfe der USA und die der deutschen Romantik. Es sei damit am Rande und für zukünftige Betrachtungen auch schon vermerkt, dass beide desintegrationshemmenden Einflüsse hochgradig von der damaligen deutschen Kultur initiiert wurden.

Der Desintegrations- und Fragmentierungsprozess mag damit begonnen haben, dass die westliche Kultur in den Bann der Technologie-Erfindungen gezogen wurde, die sich seit dem 16. Jahrhundert stetig und bis heute beschleunigten. Die Möglichkeiten des Könnens wuchsen dabei schneller an als das integrierende Bewusstsein des Menschen mitwachsen konnte. Die zuvor noch dominanten ehrfuchtsgebietenden Kräfte der Natur und des „Schicksals“ als „Zeichen und Wirkmächte Gottes“ verloren rapide an Einfluss, weil der Mensch den natürlichen Prozessen immer mehr eigene Wirkkräfte durch Maschinen und Technologien entgegensetzen konnte und somit alle Lebensprozesse mehr und mehr unter die Kontrolle des technologischen Verstandes brachte.

Eine Wiederanknüpfung der neuen Selbst- und Weltbilder an eine höhere Macht oder Bewusstseinsebene hinkte in diesem Rausch immer weiter hinterher und wurde schließlich ganz abgehängt. Der Mensch begann, seinen (techno-logischen) Verstand als die höchste Bewusstseinsstufe und die Spitze der Schöpfung zu betrachten, weil er von dessen Gestaltungs- und Veränderungskraft fasziniert und geblendet und von der aus ihm hervorsprudelnden Technik und Maschinerie völlig eingenommen war. Das war vermutlich der erste Schritt im Wegdriften von der hochintegrativen Philosophie der Renaissance, in der die Idee einer höheren, zeitlosen, göttlichen Macht, der man sich nur durch die anstrengende und willentliche Integration von Körper, Gefühl und Vernunft (Urteilskraft) zu einer harmonischen Ganzheit annähern konnte, noch für alle Bereiche der Kultur dominant war: für Wissenschaft, Kunst und Philosophie in erster Linie, für Religion, Politik und Bildung als deren Echo.

Der nächste große Schritt der Fragmentierung in der Weltanschauung und im Menschenverständnis geschah durch die sogenannte „Aufklärung“, in der man dazu überging, den Verstand als grundsätzlich getrennt von der Sinneswahrnehmung zu betrachten – was völlig gegen jede Empirie war. Mit der Aufklärung, die in so hehren Worten von sich selbst und ihrem Konzept von „Vernunft“ sprach, verlor das Abendland tatsächlich die Vernunft. Und es hat sie bis heute nicht mehr wiedergefunden, sondern zusätzlich auch noch den Verstand verloren. Einen anderen Anwärter auf die Position eines Sponsors der Vernunft als das damalige Europa und seinen letzten großen Ableger, den USA, hat es bisher auch nicht gegeben.

Zunächst koppelte man das Denken von der Wahrnehmung ab für den Bereich des Moralischen, der angeblich nicht durch den Verstand, sondern nur durch das Gefühl, die Intuition oder sonst eine mythische irrationale Kraft wie „das moralische Prinzip in mir“ erfassbar sei. Der bekannteste und einflussreichste Vertreter dieser neurotischen Axiomatik war Immanuel Kant, der die philosophische Frage nach Moral zu einem irrationalen Mysterium deklarierte und somit die Moralphilosophie und jedes kohärente Denken darüber effektiv abschaffte.

Dahinter steckte jedoch mehr als eine voreilige Fiktion. Ausschlaggebend waren –  wie immer – die zugrundeliegenden philosophischen Prämissen, die weniger philosophisch als ideologisch waren: erstens eine Metaphysik vom Menschen und zweitens daraus abgeleitet eine Erkenntnistheorie, die verheerend waren in ihrer Abkopplung von der Realität: man ging davon aus, dass der Verstand eine eigene, separate Welt für sich bildete, die mit der Welt der Sinne nichts zu tun hatte. Das ist entwicklungspsychologisch irrsinnig und geradezu unmöglich, es wurde auch gar nicht weiter begründet geschweige denn untersucht, sondern einfach nur erklärt, als wäre Philosophie nichts weiter als ein Gedankenspiel oder eine Kirche. Aber seitdem ist sie – also das, was wir heute „Philosophie“ nennen – nur noch gestörte Gedankenspielerei und eine Kirche ideologischer Dogmen.

Vatermord und die Verbannung des Königs

Wir müssen uns klar machen, was das bedeutet. Wir nähern uns hier der ursächlichen Spaltung, die die westliche Kultur so sehr schwächte, dass sie von innen zerstört wurde – dass sie sich selbst zerstörte. Diese Spaltung fand auf einer Eben stattfand, die für die meisten Menschen unsichtbar ist und deshalb nicht erkannt wird. Aber dieses Nicht-Erkennen führt dazu, dass wir den Frevel wieder und wieder begehen und die Spaltung immer weiter vorantreiben.

Kant war kein Philosoph. Philosophie ist die Wissenschaft des Denkens über das Denken. Das griechische sophós bedeutet so viel wie „geschickt, weise“ oder „Weiser“. Weisheit bedeutet Selbstkenntnis und Selbstbeherrschung, also innere Herrschaft nicht über Emotionen und Impulse, sondern vor allem über das eigene Wissen, über das Verstehen und Sprechen – also über das Denken. Philo-sophie ist die geübte Kunde oder besser: die Kunst von der Beherrschung des Denkens. Sie steht über dem Denken und hat die Aufgabe, es zu beherrschen.

Kant hat über sein Denken nicht nachgedacht, sondern es nur produziert. Er war Sophist (gr. sophízein = „unterrichten, belehren“ auch „etwas aussinnen und erfinden“!). Also mit möglicherweise viel „Sophie“, aber ohne „Philo“, ohne Kunst und ohne Liebe.

Kant behauptete, dass wir nichts mit Sicherheit wissen können, weil unser Wissen auf unserer Sinneswahrnehmung beruht, die qua ihrer Natur immer mehr oder weniger Verzerrung in die Abbildung des Eigentlichen, also der objektiven Realität bringt. Das ist der folgenschwere Denkfehler, auf dem nicht nur seine ganze schizoide Spaltungs-„Philosophie“ beruht, sondern seit Ende des 18. Jahrhunderts der Niedergang der europäischen Kultur, die somit als einziger geistiger Sockel der gesamten westlichen Welt zusammenbrach.

Was war der Denkfehler? Es war eine Übertreibung und Verabsolutierung: nämlich aus einer Verzerrung der Wahrnehmung eine unüberbrückbare Kluft zu machen. Nur weil wir zunächst – z.B. als Kinder – noch keine adäquaten und ausreichend differenzierten Konzepte der objektiven Realität bilden können, bedeutet das nicht, dass es generell, ontisch und damit absolut unmöglich ist.

Und selbst wenn es richtig wäre, wenn es tatsächlich überhaupt keine Möglichkeit gäbe, die wirkliche Realität mental richtig abzubilden – ja, dann ist doch das, was wir „Realität“ nennen auch nichts weiter als erfundenes Konstrukt unserer Fantasie oder eine bloße Vermutung, die nie überprüfbar wäre. Dann könnten wir auch fröhlich weitermachen, denn unser Verstand scheint mit der angeblich „falschen“ oder „ungenauen“ Realitätsabbildung wunderbar zurechtzukommen: er baut Getreide an, stellt erfolgreich Geräte her und Maschinen, er baut Musikinstrumente, Kathedralen, er erfindet den Buchdruck und die Dampfmaschine, die auch für verstockte Geister wie Kant funktionieren, welche behaupten, das alles sei nicht die wirkliche Wirklichkeit.

Mit welcher Begründung behaupten sie ihre unsichtbare, unergründbare wirkliche Wirklichkeit? Mit keiner. Sie „wissen“ es einfach. Irgendwie. Sie fühlen es oder haben es von ihrer Intuition geflüstert bekommen. Der korrekte Begriff für diese neurotische Form der Prämissenbildung ist Rationalisierung: man stellt eine Idee abseits aller Logik, Wahrnehmung und Plausibilität als gegeben hin, weil sie der eigenen emotionalen Prägung oder Erfahrung am meisten entspricht, also vor allem den eigenen Abwehr- und Schutzmechanismen.

Jedes Grundschulkind kann das durchschauen und den geradezu primitiven Logikfehler der oben genannten Schlussfolgerungen erkennen. Warum dann aber die Gelehrten und Berufsdenker der letzten 250 Jahre nicht?

Weil sie ihn nicht als Fehler sehen wollten. Genauer: weil sie das Ergebnis und die Schlussfolgerungen dieser Ideologie wollten und den fatalen Denkfehler darin deshalb in Kauf nahmen. Ihre Philosophie ist nur ein mehr oder weniger mühsames Rechtfertigungs-Konstrukt für einen fatalen Mystizismus, der in ungeschminkter Reinform lautet: Gefühle, Fantasie und Wahnvorstellungen sind das einzig Wahre, Denken und korrekte Begriffsbildung hingegen sind impotent, unwirksam und nutzlos.

Es beginnt, nach Verrat zu riechen, nicht wahr?

Weiter in der Untersuchung dieser philosophischen Kriminalität: Warum sollte jemand die absolute Spaltung des Denkens und des Verstandes von der Wahrnehmung und damit der Realität wollen? Warum sollte jemand unbedingt zu der Schlussfolgerung kommen wollen, dass wir nichts wirklich wissen können, dass unser Verstand isoliert, ohnmächtig und abgetrennt ist? Warum sollte jemand nicht nur alle offensichtlichen Fakten ignorieren, die zeigen, wie gut wir Menschen mit unserem Verstand die Welt erfassen und erfolgreich verändern und gestalten können, sondern darüber hinaus auch noch ignorieren, dass er nicht mehr logisch, stringent und redlich denkt, sondern nur noch setzt und behauptet, um dann ein für alle Mal die Akte zu schließen und den Verstand zur Hinrichtung zu verurteilen?

Das ist nicht rational, sondern intellektueller Betrug. Es ist Selbstbetrug. Es ist bloß eine Rationalisierung von etwas anderem, das zwanghaft gerechtfertigt und konsolidiert werden muss. Es ist eine intellektuelle Verkaufsmasche für etwas ganz und gar Nicht-Intellektuelles und Nicht-Rationales. Und was das ist, das erfahren wir von Kant selbst, weil er sich beeilt, sich nur noch mit den Schlussfolgerungen und den endlos abgeleiteten Konstrukten zu beschäftigen, die auf dieser falschen und fiktiven Prämisse beruhen: da der Mensch Gewissheit im Denken nicht finden kann und das Denken immer schrecklich falsch, subjektiv und abgekapselt ist, ist die einzige Quelle für Sicherheit und Gewissheit: der Glaube. Dazu gehören: die Intuition, das Gefühl und „innere Stimmen“.

Jetzt müssen wir tief durchatmen. Jawohl, der „Vater der Aufklärung“ empfiehlt der gesamten intellektuellen Welt, sich auf Glaube, Fühlen und intuitive Eingaben zu verlassen und das konzeptuelle Denken, die rationale Begriffsbildung und die schrittweise mentale Abbildung der Realität diesem Glauben unterzuordnen! Er geht noch nicht soweit, den Verstand und das abstrakte Denken explizit zu verteufeln, das übernehmen dann seine konsequenten Nachfolger.

Er sagt, dass wir nichts rational – durch sukzessive Begriffsbildung aus der Wahrnehmung wissen können, aber er postuliert dies mit absoluter Gewissheit. Auf welcher Basis? Glauben. Er hatte da wohl so ein Gefühl. Er vertraute da ganz seiner Intuition (und kann sie von Fantasie, Projektion und Introjektion nicht unterscheiden). Diese Musik sollte uns bekannt vorkommen. Sie schallt heute aus allen Lautsprechern der New Age-Produktionen: nicht hinschauen, nicht nachdenken, nicht prüfen – nur glauben! Und nachplappern.

Kant und sein zahlloses Gefolge betrachten den Verstand nicht als eine Kapazität, die sich aus Erfahrung und Abstrahierung erst bildet und organisch entfaltet, sondern als etwas, das einfach „irgendwie“ schon da ist, als einen Homunkulus in der Retorte aus dem Nichts, als einen „Kosmos für sich“. Das ist nicht ganz falsch: ein Autist und ein Psychotiker erleben das genau so, sie sind in ihrem „Verstand“ und „Denken“ eingesperrt und abgeschnürt von der Wahrnehmung. Kant behauptet jedoch, seine Anschauung würde für den „Menschen an sich“ gelten, er macht aus seiner recht pathologischen Fiktion eine Metaphysik und generelle Epistemologie für alle und alles.

Was ist Kant also? Ein Religionsstifter. Wurde er vom Vatikan dafür bezahlt? Nein, vom preußischen Kurfürsten in Sankt Petersburg. Also von der damaligen lokalpolitischen Steuerungszentrale. Wir brauchen aber gar keine Verschwörungshypothese, wenn wir den Mechanismus der Rationalisierung verstehen: Kant hat seine persönliche, idiosynkratische Welt- und Selbstanschauung in ein pseudo-philosophisches Konstrukt übersetzt. Seine Quelle ist nicht das Denken, sondern eine neurotische Wahrnehmungsverzerrung. Er beschreibt in endlosen komplizierten Gedankengebilden die Bewusstseinsstruktur einer schizoiden Persönlichkeitsverzerrung (oder sogar ‑störung). Für den Schizoiden, der so etwas wie eine abgemilderte autistische Tendenz repräsentiert, gibt es kaum Verbindung zwischen seiner Körper- und Sinneswahrnehmung einerseits und seiner mentalen Schemabildung andererseits, weil diese Verbindung blockiert wurde, was durch eine sehr frühe (oft vorgeburtliche) schmerzhafte Überforderung sehr schnell passieren kann. Wenn man in einer solchen Denkverkapselung aufwächst, kennt man nichts anderes und wird es für normal halten. Aber es ist nicht gesund. Es ist gestört.

Voilà, die „Philosophie“ von Kant und des gesamten intellektuellen Abendlandes seit 250 Jahren: eine rationalisierte Persönlichkeitsstörung. Eine intellektualisierte und inflationierte Traumareaktion mit ihren eingefrorenen Abwehrmechanismen. Ein sich eloquent fortpflanzender Ausdruck von Verzweiflung. Und verständlicherweise so: dies ist der mentale Zustand eines jedem, der daran festhält, ausgerechnet das mit aller Kraft hassen zu müssen, was ihn als einziges retten und erlösen könnte.

Die verheerenden Folgen sind aber nicht Kants Schuld, er konnte nichts dafür, dass er aufgesogen wurde wie Wasser von einem Verdurstenden. Seine persönliche Wahrnehmungsverzerrung war die Grundlage ganzer Generationen, die ihm folgten. Der immense  technologische Entdeckungs- und Entwicklungsschub seit dem 16. Jahrhundert hatte der Kirche und damit der Religion als soziales Rahmengefüge und Welterklärung so große Konkurrenz gemacht, dass die Menschen verwirrt und ambivalent waren. Die Kirche versprach Tradition, Fortbestand und das bequeme Verweilen in Unmündigkeit und  Verantwortungslosigkeit. Die Technik und die Entdeckungen der „neuen Welt“ forderten heraus zum eigenen Denken und Fragen, zum Saupere aude. Das war nicht nur sozial und machtpolitisch äußerst unangenehm, sondern auch anstrengend und unbequem, denn der Weg des Denkens war mit lauter Fallen und Fehlern übersät.

Kant und seine Nachfolger waren die große Erlösung aus diesem Dilemma. Sie schufen ein intellektuelles Rechtfertigungsgebäude, das sie wie 17 Matratzen über die Erbse ihrer primären Denkfehler und irrationalen Motive legten, so dass diese nicht mehr bemerkt wurden. Die „Prinzessin“, die diese Erbse spürte und geistig auf diesem Konstrukt nicht mehr schlafen konnte, wurde erst 200 Jahr später, öffentlich hörbar und entlarvte den Schwindel und den Verrat.

Es gab natürlich auch zu Kants Zeiten und seitdem immer Gegenstimmen, aber sie waren kulturell und vor allem politisch wirkungslos. Hier ist nicht der Platz für eine ausführliche historische Untersuchung, die für unser Thema hier auch gar nicht ausschlaggebend ist. Relevant ist etwas ganz anderes: seit Kant wurde diese Form der irrationalen Sophisterei und der neurotischen Rationalisierung als „Philosophie“ bezeichnet, an Lehrstühlen gelehrt und staatlich bezahlt und gefördert. Die echte Philosophie, das, was diesen Titel verdient, verschwand im Untergrund und wurde vergessen.

Philosophie jedoch ist nicht bloß sprichwörtlich, sondern ihrem Wesen nach der Vater aller Wissenschaften und aller intellektuellen Künste. Sie ist der Wächter der Rationalität, also der korrekten Abbildung der Wahrnehmung im Denken. Als Wissenschaft vom Denken ist sie die Wissenschaft der Wissenschaften, also der König der Wissenschaften.

Und dieser Vaterkönig wurde verraten und verjagt. Das, was wir seitdem „Philosophie“ nennen ist ein geköpfter Geist, der durch die europäische Kultur spukt und seinen Hamlet sucht. Seinen Kopf hält er unterm Arm wie einen Spielball, der mit den Augen rollt und ominöse Andeutungen von sich gibt. Unsere „Philosophen“ der letzten 250 Jahre sind vaterlose, weisheitslose, kunstlose Söhne, die nicht wissen, wonach sie schreien und wogegen sie ankämpfen, weil sie nicht rational denken wollen. Die einen lassen nur noch den lose schwebenden Kopf sprechen wie Hegel. Die anderen beschwören theatralische Dialoge zwischen kopflosem Körper und körperlosem Denken herauf wie Nietzsche. Dann gibt es die, die den Geisterkopf in einem abgeklebten und verdunkelten Terrarium halten, und ihn aus der Totalisolation heraus stammeln lassen wie Heidegger und seine Karikaturen, die „Sprachphilosophen“. Heidegger ist übrigens auch der wahrscheinlich prominenteste wenn auch nicht der einzige Beleg dafür, dass das mentale Lock-in-Syndrom vor dem politischen Lock-down kommen musste, weil es nämlich seine Grundlage schuf.

Die junge Generation der Geisteswissenschaften hat seit der Mitte des letzten Jahrhunderts den Geist komplett abgeschrieben und geriert sich nur noch als gesellschaftliche Kommentatoren wie überhitzte Sportmoderatoren – mal resigniert-zynisch, mal politisch korrekt und banal. Dabei aber sehr kreativ in der Erfindung immer neuer Narrative und intellektueller Verrenkungen. Irgendwo tief in ihnen muss es sehr leer und sehr, sehr schmerzhaft sein. Es ist egal, wer sie sind und was sie alles vorgeben zu sein, es sind keine Philosophen. Die Philosophie ist seit über 250 Jahren exkommuniziert, für tot erklärt und unsichtbar.

Was das kulturell, sozial und in der nächsten Konsequenz dann auch politisch bedeutet, können wir an Kant noch nicht ablesen. Er hat es nicht gewagt, konkrete Schlussfolgerungen aus seiner widernatürlichen Fiktion zu ziehen. Das hat Karl Marx ca. 60 Jahre später dann übernommen. Er steigerte die nur eigenbrötlerisch dissoziative Spaltung zur paranoid-antisozialen Zerstörungslust.

Marx leitet aus der schon vollbrachten Enthauptung der Kultur folgerichtig ab, dass der kopflose Körper die Macht übernehmen sollte, denn für Macht braucht es ja vor allem Hände und Muskeln; und dass deshalb die Hände den Kopf zu steuern haben und dass das – natürlich – nur mit Gewalt geht. Nicht mit sporadischer Gewalt, sondern mit einem chronischen Zustand von Hass, Spaltung, Gewalt und Krieg als Idealzustand. Die Dauer-Revolution als Abwehr und Ablenkung vom Erkennen der Realität, also gegen die Vernunft. Wir hören durch ihn bereits die paranoide Psychose sprechen, in die ganz Europa nach ihm verfiel und die Kant ideologisch vorbereitet hatte: da die „wirkliche“ Realität sowieso nicht erkannt werden kann, kann man also seine Impulse und Pathologien frei ausleben und denen, die man nicht ausstehen kann, den Schädel einschlagen. Hatte Kant ja gesagt: die höchste Moral können wir nicht rational begründen oder ableiten, sondern nur als Intuition und innere Stimme in uns hören und besonders moralisch ist etwas erst dann, wenn man es nur aus erkannter „Pflicht“ (korrekt: Introjektion) tut und gegen die eigenen Präferenzen – wenn man sich also selbst soweit verleugnet wie es nur geht.

Verstehen wir jetzt die Grundlagen der mentalen Programmierung der Roten Armee, der SA und der Polizisten im Jahre 2021, die prügelnd oder mordend ins Volk einfallen? Das ist unser aller kulturelle Basis. Diejenigen von uns, die eine „etwas andere Intuition“ haben und Gewalt ablehnen, haben dazu keine stichhaltige Philosophie, vor allem keinen Philosophen. Sie können der Ideologie von Spaltung und Gewalt nichts entgegenstellen. Die Faschisten und Stalinisten hingegen haben Kant, Hegel, Marx, Nietzsche, Heidegger… Es ist gar nicht notwendig, sich in MK-Ultra-Techniken zu vertiefen, unser aller Gehirne sind lange im Voraus aufgeweicht worden nicht primär durch Weichmacher, die erst später als mediale Drogen in der Breite angewendet wurden, sondern zunächst durch den sukzessive destabilisierenden Entzug mentaler Härtungsmittel in Form strukturgebender Prämissen, für die primär die Philosophie zuständig ist. Welche aber wie gesagt seit langem schon im kulturellen Exil ist.

Die aggressiv-psychotische und antisoziale Störung, die aus diesem Mangel entstand und sich seit 250 Jahren unter dem gestohlenen Titel von „Philosophie“ ausbreitet, ist die Grundlage der Brutalisierung unserer Kultur (und damit der Politik) mit ihren bekannten Exzessen im 20. Jahrhundert. Wir haben ihr seit 250 Jahren intellektuell nichts mehr entgegenzusetzen.

Die hier konsequent verwendeten klinischen Begriffe zur Charakterisierung dieses Zustands sind dabei nicht zynisch oder diffamierend gemeint, sondern sollen verdeutlichen, dass es sich schon lange nicht mehr um ein philosophisches, denkerisches Problem handelt, sondern um ein psycho-pathologisches Phänomen, eine Pathologie des Geistes. Es gibt einen Unterschied zwischen einem philosophischen Kolloquium und dem Sprechzimmer eines Psychiaters. Wir haben allerdings verlernt, ihn zu erkennen. Den Unterschied nicht sehen zu können (oder nicht zu wollen), bedeutet geistig vaterlos und zu sein.

Der Langzeiteffekt solcher Einflüsse auf die Kultur dürfte offensichtlich sein. Diejenigen, die den Verstand schulen sollten, die Intellektuellen, lehnen ihn ab und beginnen, ihn zu bekämpfen. Sie kämpfen gegen einen natürlichen und zentralen Wesensaspekt des Menschen. Von Generation zu Generation wird dieser Kampf brutaler und rücksichtloser bis schon die Kinder aufgeben noch bevor sie angefangen haben. Sie bilden keine Begriffe mehr, sondern lernen, sich an Launen, sozialen Signalen, an Gruppendynamiken und Autoritäten, also an Gewalt zu orientieren. Alles andere, lernen sie schnell, funktioniert nicht.

Um das Problem durchschauen zu können, bräuchten sie die Fähigkeit des abstrakten Denkens und genau die haben sie nicht. Sie geben in jüngsten Jahren auf, verstehen zu wollen. Sie wollen nur noch in Ruhe gelassen werden. Ansonsten schlagen sie zu. Lieber aber fügen sie sich in eine Gruppe ein oder lassen sich von Medien sedieren und drehen mit im großen Rad. Es hat sowieso alles keinen Sinn. Warum Fragen stellen? Belohnt werden nur Reiz-Reaktionen-Antworten. Warum konsistente Begriffe und kohärente Konzepte aufbauen, wenn die Erwachsenen sich sowieso nur über Autorität, über Macht und Abhängigkeiten durchsetzen? Warum Logikfehler und Unplausibilitäten überhaupt bemerken, wenn man dafür nur sozial bestraft, beschämt oder ausgestoßen wird?

Das ist der Krieg der seit über zweihundert Jahren täglich in unseren Schulen und Universitäten stattfindet: Autoritäten und Institutionen gegen Menschen und gegen den Geist.

Gewalt, Gewalt, Gewalt. Unter dem Deckmantel von „Pädagogik“, „Erziehung“, „Medizin“, „Therapie“, „Rechtsprechung“, „Politik“, „humanitären Einsätzen“ , „‘Umweltschutz“ oder „Frieden“. Zu welcher Art Gesellschaftsstruktur das führen muss, haben wir in Teil I dieser Reihe ausführlich erläutert.

Es ist klar, wer dabei fast immer gewinnt und wer immer dumpfer und schwächer wird. Die Verlierer und Erstickten sind jedoch nicht bloß verkrüppelt und gelähmt, sie haben enorme Reserven an Verzweiflung, Zorn und Schmerz in sich aufgestaut. Aber keine Fähigkeiten, diese zu benennen, zu begreifen, zu hinterfragen oder ihnen ein Richtung zu geben. Nur eine gewaltige, wortlose Masse an Emotionen und die gigantische Angst, von ihnen zerstört zu werden. Der enorme staatlich organisierte Drogenaufwand und die engmaschige ideologisch-mediale Betreuung können diese Psychiatrie mit wachsender Totalität und Gewalt noch eine Zeit lang ruhig und zusammenhalten. Aber was, wenn man die Menschen vom Tropf nimmt? Was, wenn die Kinder aus der Sedierung aufwachen?

Brauchen sie dann nicht als erstes einen Rahmen und Hilfe, um zu verstehen? Brauchen sie nicht als erstes Unterstützung darin, sich und ihr Leiden in Worte zu fassen? Sollte die wohlmeinendste Kraft sie nicht vor allem darin fördern, richtige Begriffe zu bilden und auf diese Weise Ordnung, den Anfang von Ordnung und Struktur in sich zu schaffen? Organisieren und formen kann das nur die Philosophie – die Kunst, richtig zu denken und den Verstand menschlich und gesund zu machen.

Wer einen Eindruck bekommen möchte, wie ein Hamlet denken muss, der kommt, um diesen verratenen Vater und König zu rächen und zu rehabilitieren, der beschäftige sich mit den Schriften von Ayn Rand. Sie ist die einzige bekanntere Person, die es verdient, „Philosoph“ genannt zu werde. Interessant, dass es ein Frau ist, die den Spuk beendet und den Kopf wieder auf den Körper setzt. Sie war nicht vaterlos. Sie war nur allein in einer geistig vaterlosen und verwahrlosten Welt. Sie zeigt uns bereits als Zwölfjährige, dass die ganze hysterische intellektuelle Schickeria nicht nur Kindergarten ist, sondern schon lange krank und verloren. Wir können das durchschnittliche psychische Alter der europäischen Intelligenzija abschätzen, wenn bereits ein Mädchen mit zwölf Jahren so viel weiter und reifer ist, dass der Abstand für die meisten gar nicht mehr zu überbrücken ist. Wir liegen also ganz bestimmt nicht ganz falsch, wenn wir den durchschnittlichen Reifegrad unsere Gesellschaft mit sechs bis acht Jahren veranschlagen.

Warum? Weil der Vater fehlt und der König. Nicht als mythische oder mediale Figur, sondern als Einflussprinzip in unserem Bewusstsein. Nachdem wir also die Erben des Anti-Vaters Macbeth sind, müssen wir zunächst erstmal Hamlet werden, den Mord erkennen und uns auf unsere genuine Aufgabe besinnen.

Was heutzutage auf dem geistigen und kulturellen Thron sitzt, ist nicht der rechtmäßige Erbe, nicht Philosophie, nicht Metaphysik, Erkenntnistheorie und rationale Moralphilosophie, sondern die Ideologie der Spaltung und Rationalisierung und ihreneo-mystischen Paradigmen. In Folge leben wir unter einer religiösen Käseglocke mit eingebauter Orakelfunktion, medialer Gauklertruppe und – von den Priestern der Macht ausgehend – der Lizenz zum Töten.

Was Hamlet braucht, um die Ordnung wiederherzustellen ist sein erwachendes Verantwortungsbewusstsein: die Erkenntnis, dass der Niedergang sonst total wäre, seinen klaren rationalen Verstand und – Waffen. Ha! Jetzt erscheint uns der Geist des ermordeten Vater in voller Rüstung und Kriegsmontur und es riecht nach Kampf! Der große Hausputz zur Wiederherstellung der patriarchalen Ordnung bedeutet: nieder mit den Gewaltmenschen, Mördern und ihren Schergen! Die Vernunft allein kann nichts gegen Fäuste, Schlagstöcke und ein Heer von Soldaten tun. Aber gegen die Kombination aus Vernunft und Fäusten, Schlagstöcken und einem Heer von Soldaten haben die Barbaren keine Chance, egal wie brutal und verzweifelt sie auch seien. Man gebe der Vernunft Zeit und ausreichend Erklärungen, damit sie verstehe, dass es ohne das Schwert nicht geht. Der Rest ist Disziplin und Ausdauer.

Sobald die Philosophie wieder aufsteht, sobald sie wieder von uns aufgerichtet wird, werden all die verhuschten modernen Ideologien und Sekten in sich zusammenfallen und in die dunklen Löcher verschwinden, aus denen sie gekommen sind. Es bleibt darüber hinaus eine Menge Aufräum-, Reinigungs- und Heilungsarbeit zu leisten, aber sie ist frei von Widersprüchen.

Um also noch Verständnis zur Vorbereitung zu gewinnen, schauen wir erst noch genauer auf den äußerst schiefen Stand der Dinge „im Staate Dänemark“ und wie er sich verfestigte.

Der Verlust des Verstandes

Über hunderte von Jahren sich intensivierenden Technologie-Rausches hinweg konnte sich die beschriebene Ideologie in der Gesellschaft so fest einnisten, dass die Fiktion und das falsche Denken stärker wurden als das rationale Denken – für welches sich die Aufklärer ja selbst so gerne rühmten. Wir haben gesehen, dass es ein psychologisches Phänomen ist, welches biografisch am besten zu verstehen ist.

Die Idee, dass der Verstand und das Denken isoliert von der Welt des Körpers existieren, entspricht der Erfahrung all jener Menschen, die sich ihre Integrität schon als Kinder nur retten konnten, indem sie sie sich erdachten und im rein Mentalen etablierten, um sich vor allem von emotionaler (und sozialer) Desintegration abzulösen und unabhängig zu machen. Es dürfte naheliegend sein, dass gerade solche Menschen sich gegen alle Widerstände hindurch zu den Gelehrten und „Philosophen“ der eher sinnes- und körperfremden Art entwickeln würden, die die „Philosophie“ seit dem 18. Jahrhundert an Universitäten als Fach und Existenz-Nische betreiben. Das Ganze ist kein philosophisches Problem und kann und darf nicht als solches behandelt werden. Es ist ein sozial-historisches Problem der Identität, also ein psychologisches Phänomen. Ohne eine Identität von rationalem Bewusstsein ist eine rationale Philosophie gar nicht möglich.

Die Philosophie verkümmerte in der erwähnten Epoche von einer Meta-Wissenschaft der Lebensweisheit und der geistigen Universalität zu einem Nischenfach für Gedanken-Anatome und Ideen-Akrobaten. Mit andere Worten: sie starb. Und mit ihr starben das europäische Geistesleben und seine Fundamente für jegliche Hochkultur ihren langsamen Tod und gingen über in eine Art Zombietum der Intellektualität, eine groteske neurotische Verzerrung des ursprünglich humanistischen Denkens zur Selbst- und Welterkenntnis, zu einer mentalen Verpuppung in Wunschdenken und Wortspielerei.

Die Ideologie der Aufklärung, die sich den Verstand zu etwas Überweltlichem zurecht definierte – vermutlich um der religiösen Frömmigkeit mit ihrem irrationalen Glauben an eine überweltliche göttliche Gestalt eine greifbarere Idee ihres Zuständigkeitsbereiches entgegenzusetzen – diese Ideologie, die in dem Maße falsch war wie sie immer übertriebener und polemischer wurde, sorgte für das Gegenteil dessen, was sie angeblich anstrebte. Statt die Menschen rationaler zu machen, machte sie die Philosophie, damit alle Geisteswissenschaften, und schließlich alle Intellektuellen und durch sie die gesamte Kultur immer irrationaler bis zu dem infantilen und belanglosen Gebrabbel, was sie heute bis in die höchsten akademischen Grade hinauf nur noch produzieren.

Da nun der Verstand zunehmend als „abgehoben“ und „nicht-weltlich“ betrachtet wurde, war es der erste logisch konsequente Schritt, politische Macht und schließlich jede Form von weltlichem Einfluss vom Verstand abzukoppeln, denn man wollte ja „weltlich“ und „pragmatisch“ bleiben. Und das war der ominöse, neo-mystifizierte Verstand ja laut der neuen „Philosophen“ gar nicht – und die mussten es ja wissen!

Karl Marx und seinesgleichen sind in dieser Prozession des intellektuellen Abstiegs nur noch als Trittbrettfahrer der immer weiter aufklaffenden Spaltung zwischen Denken und Realitätswahrnehmung zu sehen. Seine frei assoziierten und hochgradig neurotischen Ideen als „Philosophie“ aufzufassen, wie man Schüler seit über hundert Jahren zwingt, zeigt die komplette Desorientierung, die diesbezüglich herrscht. Die Figuren seiner Ideen sind jedoch wichtig zu verstehen um die Pathologie der westlichen Kultur und von ihr ausgehend aller weltweiten Politik der letzten 150 Jahre zu verstehen. Denn Marx zog die nächste logische Konsequenz nach der Spaltung zwischen Politik (also Macht) und Verstand, indem er die Politik mit der Idee der rohen Gewalt vermählte – dafür war er Experte und Vorreiter – nicht nur als Erlaubnis, sondern als wünschenswerte und deshalb begrüßenswerte Notwendigkeit und „Lösung“. Seinem Wunschdenken nach soll „das Proletariat“ die Macht übernehmen, also jene Menschen, die zwar Arbeits-, also Muskelkraft anbieten können, aber keineswegs politischen Verstand, Überblick, gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein oder überhaupt eine Form höher-abstrakten und integrativen rationalen Bewusstseins. Was sie stattdessen als Hauptqualifikation mitbrachten war: Bedürftigkeit. Also Mangel. Und das in und als Masse.

Das müssen wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Immerhin haben wir es mit den gedanklichen Grundlagen aller Politik der letzten 150 Jahre und der Ursache für den totalen Zerfall unserer Zivilisation zu tun. Nicht Marx und Konsorten sind dafür wichtig, sondern ihr irreales, falsches Denken, das in der westlichen Welt vor allem von den Intellektuellen begierig aufgenommen und verbreitet wurde. Warum? Weil es sie zumindest gefühlsmäßig und fiktiv an die Spitze einer unbändigen Kraft und eines unberechenbaren Gewaltpotenzials setzte, dessen sozialistische Sturzfluten auszulösen gerade deshalb so attraktiv für sie war, weil diese Ideologien sie von jeder Verantwortung freisprachen. Es kribbelten gerade den wirtschaftlich und politisch abgehängten Intellektuellen unbändige Kräfte in den Fingern und vernebelten ihr Hirn, so dass sie nicht sehen konnten, dass sie immer die ersten sein würden, die von diesen entfesselten Strömen der gepredigten morallosen Gewalt und verantwortungslosen Macht vernichtet werden würden.

Was die ideologische Vorhut zum Sozialismus, Kommunismus, Faschismus bis zum heutigen Konsum-Sozialismus mit Demokratiesimulation also in die Köpfe der maßgeblich führenden Intellektuellen einsetzte, war, dass politische Macht sich auf Gewalt stützen sollte – das ist also eine moralische Setzung – und zwar auf jene Gewalt, die aus Mangel und Überforderung (also letztlich aus Angst) entsteht. Die Grundlage ihrer bis heute immer aufwendiger ausgeschmückten, aufgehübschten und verschönschleierten Konzepte ist, dass Politik von tierischen, verrohten, unterentwickelten, anti-geistigen, gewaltbereiten und vor allem irrationalen Menschen geführt und bestimmt werden sollte. Und nicht nur das, sondern auch, dass diese Sorte Mensch alle Gesellschaften und alle Kultur, ja alles Denken anführen und formen sollten.

Wenn das nicht offen destruktiv und böse ist, was ist es dann? Diese direkte und offenkundige Ideologie der Gewalt ist in ihrem Kern nur gegen ein Ziel gerichtet: gegen den rationalen Verstand und das integrative Bewusstsein von Vernunft. Diese sollte gelähmt, erschlagen und zerfetzt werden, auf dass sie nie wieder aufstehe.

Damit haben wir es also spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr mit einem ungehinderten Zerfall der westlichen Kultur zu tun, sondern mit einer aktiv vorangetrieben Zerstörung all ihrer Grundlagen. Den Unterschied und den Übergang zwischen diesen beiden Phasen kann man kaum ausführlicher und durchdachter wiedergegeben finden als in Goethes Faust, dessen erster Teil eine Dokumentation der ersten Phase ist, während der zweite Teil eine Vorhersage der folgenden zweiten Phase ist, von der Goethe kulturell nur den Anfang mitbekommen aber die Folge aus seinem psychologischen Verstehen heraus präzise vorhergesagt hat. Wir haben heute, am Anfang des Jahres 2022, auch diese zweite „faustische“ Phase bis kurz vor die Totalvernichtung, bereits hinter uns und stehen jetzt am wundersamen Anfang eines neu zu gründenden Kulturzyklus.

Die kulturelle Zerfallsdynamik bis zu Zerstörung beginnt und musste beginnen im Denken, im falschen, abgekoppelten, irrationalen Denken. Dort endete sie jedoch nicht. Sie endete in den Jahren 2017-2021 mit der pädagogisch wirksamen Simulation des Versuchs, jegliche Form von menschlichem Bewusstsein und damit jede Spur vom Menschen auf dem Planeten zu vernichten. Der hinter der echten Intention stehende antreibende Hass hätte niemals von selbst geendet. Aber das menschliche Bewusstsein stellte sich ihm – in letzter Sekunde – entgegen, um seine Lakaien zu entmachten.

All die Korruptheit und Charakterlosigkeit in der Politik und auf allen möglichen anderen Positionen mit sozialem Einfluss, welche heute landläufig als Norm hingenommen werden, haben ihren Ursprung in der Korruption des Denkens. Die Geschichte der westlichen Welt der letzten 150 bis 200 Jahre ist die Geschichte dieser Korruption im Denken.

Die verschlossenen Tore zum patriarchalen Garten

Nun können wir verstehen, wie es dazu kam, dass wir uns von den einstigen patriarchalen Strukturen transparenter Machtverhältnisse nicht mehr weiter sondern zurück-entwickelten und wieder abrutschten in jene archaischen Formen matriarchaler Machtdynamiken, die auf Verschleierung, Geheimhaltung, Täuschung und Gewalt fußen. Wir haben in unserem grundlegenden Denken alles, was mit Politik und gesellschaftlichem Einfluss zu tun hat, vom rationalen Verstand, damit von der Vernunft und von den integrativen Kräften des mentalen Bewusstseins abgetrennt. So koppelte sich alles Politische automatisch Schritt für Schritt immer mehr mit Opportunität, Launenhaftigkeit und Selbstbereicherung, dann mit Desintegration, Rücksichtslosigkeit und Gewalt und schließlich mit jener Destruktivität und Kriminalität, die aus dem pathologischen Zustand geistiger Leere und chronischer Angst entstehen. Die Menschen sind heute bis ins Mark ihrer unbewussten Axiome überzeugt, dass Politik und alle Machtthemen per se irrational, unmoralisch und verwerflich seien. Sie können darüber nicht mehr anders denken.

Das matriarchale System, in das wir über Hunderte von Jahren hinab gerutscht sind, entspricht überhaupt nicht den kleinen atavistischen matriarchalen Stammesgesellschaften, die sich auf Einklang mit der Natur und auf Reichhaltigkeit gründeten. Ihnen fehlte es an rationaler Philosophie und linearer Weltanschauung, aber sie bekämpften sie nicht, sondern lebten einfach nur ohne sie.

Unsere modernen Gesellschaftssysteme beruhen auf Mangel, einem künstlich erzeugten Mangel, nicht weil ihnen primär etwas fehlt, sondern weil sie auf der Ablehnung des Verstandes, der Vernunft und der damit verbundenen Anstrengungen und Verantwortung fußen. Aller materielle Überfluss wird in dieser Dynamik der Kontrolle und irrationalen Selbstbereicherung in die Machtzentren verfrachtet und kommt von dort nicht wieder heraus. Er wird dort, in der Mitte des Spinnennetzes gehortet und versteckt, weil die Menschen nur durch die immer weiter fortschreitende Verknappung an der Leine sozialer Anpassung und Steuerung gehalten werden können. Mangel, Verknappung, Inkompetenz, Niedergang und Degeneration sind keine Nebeneffekte dieser Ordnung, sondern der Stoff, aus dem sie gemacht und aufrecht erhalten wird. Und je tiefer die Menschen diese Defizit- und Mangelsicht verinnerlichen, desto stabiler ist das Netz.

Das müssen wir verstehen, weil es einem ideologischen (Denk-) Fehler entspringt, und nicht das Symptom eines realen Defizites ist: die Menschen lehnen primär den reifen und rationalen Verstand ab, sie haben aber irgendwann entdeckt, dass sie diese fundamentale Selbstverneinung in Mangel-Systemen viel leichter aufrechterhalten und vor allem rechtfertigen können. Sie müssen ja dem irrationalen, sozial dressierten Verstand (Denken) erklären, warum sie den gesunden, rationalen Verstand ablehnen und zerstören müssen. Dann hilft er ja auch tatkräftig mit. Da der rationale Verstand aber das Natürlichere und etwas im Wesen des Menschen Angelegtes ist, das sich von selbst entfalten will und kann – man kann das bei Kindern am leichtesten sehen – kostet es eine große Anstrengung und permanenten emotionalen Vernebelungs- und Programmierungsaufwand, die Menschen, ja, ganze Gesellschaften dazu zu bringen, ihren eigenen gesunden Verstand zu bekämpften mit einer bloß von außen eingesetzten, provisorischen Verstandesprothese, die mit der Wirklichkeit kaum bis gar nicht zurechtkommt.

All der Mangel und die ständig wachsende Katstrophen- und Not-Stimmung, die für uns heute so normal geworden sind, sind nicht Ursache sondern nur sekundäres Mittel zum Zweck, um nur eben das nicht sehen zu müssen, um niemals hinzuschauen und nachzudenken.

Wir hören das mittlerweile sogar ganz offen ausgesprochen von unseren hauptberuflichen Gallions-Sprechpuppen, den Politikern, Fernsehsprechern und Zeitungsschreibern: Es ist keine Zeit zum Nachdenken, schon gar nicht für Diskussionen. Die Katastrophe ist schon so groß, dass sofort (unüberlegt) gehandelt werden muss! Dieser chronische Ausnahmezustand ist programmatisch und systembedingt, es ist eine sich selbst beschleunigende Suchtdynamik zur Vermeidung von Einsicht und Erkenntnis. Der ganze politische und mediale Aufwand, die Vereinigungen, Initiativen und „Bewegungen“, Demonstrationen, die Duelle, Parteien-Kämpfe, Think-Tanks, Gremien und Kommissionen, die immer neuen Bedrohungsszenarien, Terrorgruppen und ‑anschläge, Kämpfe, Kriege, Klima- oder Stromausfälle, Crashs, Chemikalien oder Viren – all das nur, um nur nicht auf den Teppich zu kommen und die Tatsachen, Verwirrungen und kurzsichtig-kriminellen Motivationen einmal zu erkennen und korrekt zu benennen. Auf der Ebene der Alltagroutinen nennen wir dies „Stress“.

Und nochmal, um das übliche Missverständnis zu vermeiden: es ist keine Verschleierungstaktik bloß der Protagonisten, einiger Eingeweihter und Drahtzieher, sondern vor allem eine psychologische Komplizenschaft derer, die es nicht sehen möchten, die abgelenkt und betrogen werden wollen und die Täuschung deshalb nicht nur dankbar annehmen und den Niedergang schulterzuckend hinnehmen, sondern beides aktiv unterstützen und beschleunigen. Spätestens seit dem Jahr 2020 ist das so offensichtlich, dass man es nicht weiter belegen muss.

Das Problem mit den Verschwörungstheorien ist nicht, dass sie so unglaubwürdig und exotisch ist, sondern dass sie so offensichtlich und glaubwürdig sind. Hinz und Kunz, die sich von Verschwörungstheorien ganz besonders demonstrativ empört abwenden, tun dies, weil sie Teil der Verschwörung sind. Sonst würden sie sich nicht so darüber aufregen. Sie fühlen sich ertappt und entlarvt in ihrer sozial-emotionalen fest verschweißten und nicht widerlegbaren Komplizenschaft gegen den Verstand, gegen das mentale Wachsein und gegen menschliche Entwicklung. Die breite Bevölkerung ist gegen Verschwörungstheorien, weil sie kein Alibi hat. Sie ist nämlich keineswegs gegen Verschwörungen und auch nicht gegen die täglichen Drogendeals gegen die schmerzhafte Erinnerung ihres eigenen Verrats.

Die ursächliche und größte Armut herrscht im rationalen Denken, so dass uns überall das einzige Mittel für einen Ausweg und Aufstieg fehlt. Die knappste und bedrohteste Ressource der Neuzeit ist der gesunde Menschenverstand. Aber im Matriarchat setzt sich keine einzige Partei für diese Ressource, sondern alle im Chor immer nur gegen sie. Die wenigen Systemketzer, die es tun, würden es im System nicht einmal mehr schaffen, auch nur eine Kleingruppe ihrer Interessen zu bilden.

Je länger wir diese Ressource meiden, je länger wir Problemen mit Wegschauen, Ablenken, Beschleunigungen, Geschrei, Schuldzuweisungen, Rücktritten, Personalwechseln, mit Wunschdenken, fantastischen Konjunktiven und Kollektiv-Mystizismus, mit Automatisierung, Digitalisierung, Bürokratisierung oder – sehr beliebt – mehr Verwaltung und noch mehr „Management“ begegnen, desto fundamentaler und existenziell bedrohlicher werden die Probleme und desto gelähmter, hilfloser und irrationaler werden die Menschen. Subvention, Umverteilung, Umstrukturierung, neue Gesetze und Geldvermehrung sind niemals Ersatz für zwei alte Klassiker, auf die wir schon lange keinen Zugriff mehr haben: Produktivität und kreative Problemlösung. Denn Produktivität und Innovationen fußen auf der Verwendung des realitätsbezogenen Verstandes.

Es ist ganz simpel: das ist der natürliche Rohstoff, der den „demokratisch gewählten“, berufenen, sanktionierten oder diplomierten, zertifizierten Experten und Akteuren unserer Welt fehlt. Und damit dieser Totalausfall hinter ihren neuen Kaiserkleidern und Chamäleon-Uniformen nicht auffällt, wirbeln sie eine Menge Staub auf und vervielfachen die Probleme bevor sie mit vollen Taschen wieder in dem Nichts verschwinden, aus dem sie hochgebauscht wurden.

Diese Kerndynamik haben alle bekennend sozialistischen, kommunistischen und faschistischen Konstrukte mit unserer heutigen „Demokratie“ gemein, was zeigt, dass letztere aus dem gleichen ideologischen Holz geschnitzt ist: Anti-Rationalität.

Und diese ideologische Einpflanzung gilt es zu überwinden und loszuwerden. Wir müssen uns wieder erinnern, dass Macht ein unausweichliches menschlich-soziales Grundthema ist, dem wir uns mit Verstand und Bewusstsein stellen müssen, weil sie sonst in den Untergrund geht und uns von dort beherrscht und blockiert. Wenn wir nicht von ihr erstickt und hinterrücks vergiftet werden wollen, müssen wir alles, was mit Macht zu tun hat, wieder ans Licht holen, in das Licht unseres rationalen, begrifflich differenzierten Bewusstseins.

Das ist der Kern unserer Aufgabe.

Zur Wiederherstellung der Licht-Herrschaft

Die jetzt schon über 30.000 Worte des ersten und dieses Teils sind vergeudete Lesensmüh, wenn sie nicht dazu beitragen, im Kopf Ordnung zu schaffen und Licht ins Dunkle und Diffuse unserer Weltanschauungen bringen.

Der lange, verschlungene Weg und seine Schlenker durch diese zwei Artikel hindurch sollten uns zu dieser Erkenntnis führen: Das Falsche und Böse, dem wir heute allseits intensiver ausgesetzt sind denn je, haben ihren Ursprung im Denken, im falschen Denken. Und so haben auch das Richtige und das Gute, das wir uns wünschen, ihren Ursprung im Denken, im richtigen Denken. Wir können damit nicht nur selbst einen Anfang machen und etwas verändern. Dort und nur dort liegt der einzig mögliche Anfang für einen Richtungswechsel und dauerhafte Veränderung. Dort liegen die Wurzeln alles Menschengemachten und nur wir Menschen können einen Unterschied machen durch die bedachte Entscheidung, was wir säen und hegen und was wir herausreißen und verbrennen.

Die matriarchalen, sozial-mythischen Machtstrukturen, die unsere Kultur über Generationen hinweg immer weiter weg von Vernunft und Geistigkeit geführt haben sind primär nicht institutionell zu überwinden, sondern nur in unseren Köpfen. Alles andere folgt dem. Die lang eingeübte und tief eingefleischte, künstlich forcierte Trennung von Macht und transparenter Rationalität braucht vor allem eine klare Benennung, um durchschaut und überwunden zu werden. Nur durch klare Begrifflichkeiten, die an unsere unmittelbare Erfahrung anknüpfen, können wir zwischen Macht und Gewalt differenzieren und die patriarchale Form von Macht ohne emotional vorprogrammierte Abwehrreflexe und anderen Assoziationsballast wiederentdecken.

Ein gesundes patriarchales System beruht darauf, dass Gesetze über jeder Machtposition stehen. Im Matriarchat standen die Machtpositionen über jedem Gesetz, welches nur als willkürliches Herrschaftswerkzeug zur Unterdrückung und zum Machterhalt beliebig ausgerufen, erweitert, gekürzt und ignoriert wird – nicht nach dem Maßstab von Recht, sondern von Macht und Status.

Ein echter Rechtsstaat braucht Diener, die seine Struktur schützen und bewahren, aber mehr noch als die Diener und Erhalter braucht er Bürger, die sich an Gesetzen und Prinzipien ausrichten und sich nicht von Machtzirkeln und ihren Massenmanipulationen ausrichten lassen. Ein Bürger kann nur dann bürgen, wenn er das Prinzip des Rechtsstaates verstanden hat und es wertschätzt. Die dadurch gewonnene Freiheit für die geistige Entfaltung der Menschen und ihrer Kultur wird verbürgt durch eine persönliche Investition, die im Matriarchat völlig fremd ist: Verantwortungsübernahme. Das ist die Einzahlung, die zuerst geleistet werden muss, um den Ertrag von freiheitlicher Ordnung überhaupt erst zu ermöglichen.

In einer transparenten und rational aufgebauten Gesellschafts- und Machtstruktur können Privilegien nicht erpresst oder mit Gewalt erobert werden, sondern müssen durch Verantwortungsübernahme für das Ganze, also für die Prinzipien des Ganzen verdient werden. In einem rationalen Staat ist „das Ganze“ keine abstrakte abgehobene Idee, sondern die Gesamtheit seiner einzelnen Bürger.

Das Wichtigste, sicherlich aber auch Ungewohnteste, das wir dafür noch zu lernen haben ist, dass Staatsinstitutionen nur für die Form und ihren Erhalt zuständig sind, nicht für das, was die Menschen damit und darin unternehmen wollen, brauchen, sich wünschen oder glauben. Der rationale Staat ist nichts weiter als ein vereinbartes Gemeinschaftskonstrukt, das Freiheit im Handeln, im Denken und in der Selbstentfaltung etabliert und garantiert. Das Primat seiner Aufgaben dabei ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Mehr nicht! Staatsinstitutionen sind Strukturhalter und nicht dafür zuständig, individuelle Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen oder individuelle Mängel zu beheben. Der Mensch soll frei sein, sein Glück zu suchen, aber er hat keinen Anspruch auf eine staatliche Glücksgarantie, denn damit würde wieder das Prinzip der Selbstverantwortung negiert und durch das Prinzip der Mutter-Kind-Versorgung gelähmt werden.

Nicht nur politische (Macht-) Verantwortung ist der Grundpfeiler eines Rechtsstaates, sondern vor allem Selbstverantwortung. Selbstverantwortung braucht Mündigkeit und Selbstbestimmung. Das bedeutet in der Konsequenz, dass der Staat sich in keiner Weise in wirtschaftliche Angelegenheiten jenseits von Sicherheit, Gewaltlosigkeit, Ordnung und Wahrung individueller Grundrechte einmischen darf. Sonst landen wir nach einiger Zeit wieder im (matriarchalischen) Protektionismus, der die wirtschaftliche Freiheit sukzessive immer weiter einschränkt und irgendwann komplett auflöst. Mit anderen Worten: es muss ein Maximum an „Dürfen und Können“ für alle und ein absolutes Minimum an „Müssen“ etabliert werden. Nur dann ist es Freiheit für den Bürger als Menschen.

Wir sind es aber leider seit langem gewohnt, die Regierung und auch sonst alle möglichen Institutionen als Mutterersatz und Generalversorger zu betrachten. Unsere Idee von „Demokratie“ beruht auf der fatalen Prämisse, die Regierung sei eine Interessenvertretung der Menschen, also ein Lobbyisten-Gremium mit Generalvollmachten über alle und alles. Was sich aus diesem Versorgungskonzept von Macht nach dem Prinzip der größten Bedürftigkeit und Durchsetzungskraft ergibt, können wir nach 75 Jahren dieses Experiments am Zustand unserer Gesellschaft ablesen.

So etwas wie „Demokratie“, also Herrschaft und Mitbestimmung des Volkes, macht nur dort Sinn, wo es um unterschiedliche Interessen und Präferenzen geht. Mit anderen Worten: nur dort, wo es um (sekundäre) Inhalte und nicht um (primäre) Strukturen und Rahmen geht. Die Gesetzmäßigkeiten, die der Form und den Bedingungen einer freien Gesellschaft zugrunde liegen, sind keine Angelegenheit von Vorstellungen, persönlichen Interessen oder Wünschen, sondern von objektiver Erkenntnis und korrekter Formulierung. Sie ergeben sich aus der Natur des Menschen und den objektiven Tatsachen der Welt, in der wir uns bewegen. Die Fähigkeit, die wir also brauchen, ist objektive Formulierung naturgegebener (menschlicher, sozialer) Gesetzmäßigkeiten und der Regeln, die sich aus ihnen ergeben. Rationale Gesetze beruhen auf Wahrnehmung und Realität, nicht auf schwankenden Bedürfnissen, Launen, erfundenen Ideologien, Wunschdenken oder einer sonstwie doppelbödigen Agenda der gerade herrschenden Clans und ihrer Lakaien.

Ein Rechtstaat ist ein Konstrukt, das Freiheit und Rechte garantiert. Unser Problem heute ist, dass die Menschen ihre Rechte gar nicht kennen, nicht einmal mehr wissen, was Rechte eigentlich sind. Ein Mensch, der seine Rechte nicht kennt, hat subjektiv und effektiv keine und ist in Folge genau das, was die seelen- und menschenlosen Ideologien von „Kollektiven“ und „Supernationen“ konzeptuell aus ihm machten: eine für sich betrachtet bedeutungslose und unnütze Funktionseinheit, die nur als Baustein für einen durch-mechanisierten Apparat zweckdienlich ist.

Mit den Grundrechten des Menschen sind keine juristischen Festsetzungen gemeint, sondern angeborene Menschenrechte. Was hilft es denn schon, jemandem juristische Rechte zu vermitteln, wenn er nicht einmal seine wesenseigenen Grundrechte kennt? Und was man nicht kennt, das kann man nicht anwenden oder geltend machen. Das ist der Grund, warum die Menschen sich heutzutage nicht einmal mehr gegen die schrecklichsten und existenziellsten Verletzungen ihrer Integrität wehren: sie wissen und fühlen nicht, dass ihre Integrität ihr Recht ist, sie wissen nicht, dass es so etwas wie ihre Integrität (körperlich, sozial, psychisch und geistig) überhaupt gibt und dass sie geschützt werden muss. Es fehlt ihnen an Bewusstheit und mentaler Abbildung.

Menschen, die nichts von Integrität und damit nichts von ihren Rechten kennen, warten ständig nur auf eine Erlaubnis. Das heißt, sie richten sich an Autoritäten aus. Heute sind das vor allem die gesichtslosen Mega-Institutionen der Politik und der Medien. Wenn sie keine Erlaubnis oder behördliche Aufforderung bekommen, z.B. sich zu verteidigen, sich zu schützen, für Transparenz, Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen, dann… warten sie eben noch weiter. Wenn im Fernseher jemand sagt, dass an heute jegliche Freiheit verboten wird, dann bleiben diese Menschen zuhause und versuchen also mit weniger Freiheit zu leben – sie versuchen, zu überleben in der verträumt-infantilen Hoffnung, dass „Mama und Papa“, also „die da oben“ schon wissen, was sie tun und sich um sie kümmern werden. Und so wird ihre Freiheit immer weniger, bis sie eines Tages ganz vernichtet ist.

Der voll berufstätige Familienvater will „ja nur meine Familie schützen“, der Ladenbesitzer will „ja nur mein Geschäft sichern“, der Angestellte will „ja nur meinen Arbeitsplatz behalten“ und der Unternehmer will „ja nur seinen Umsatz erhalten“. Ein System der totalen Macht nimmt den Menschen so sukzessive alles weg bis auf ihre kleine verschämte Lieblingsbetäubung. Und dann, wenn die Menschen gar nichts mehr in der Hand und im Kopf zu ihrer Verteidigung haben, dann wird ihnen mit Leichtigkeit auch ihre letzte kleine, wackelige, lose herumtreibende Rettungsboje von Identität und Würde weggenommen. Irgendwann wird ihnen dann auch die Erlaubnis zu denken, zu atmen, zu leben entzogen, so dass sich der gehorsame Systemling ohne Selbstwertgefühl gezwungen fühlt, eben sein Denken, sein Atmen und sein Leben an den von den allseits zuständigen Behörden dafür eingerichteten Abgabestellen zu entsorgen.

Die Lebensversicherungen haben ganz recht mit ihrer Begründung, warum sie den Verstümmelten und Hinterbliebenen dann nichts mehr auszahlen: denn das ist Selbstmord (und somit vom Versicherungsschutz ausgeschlossen). Sartres angeblich „einzig philosophische Frage“, die nichts weiter als der Anfang sinnvoller Teenager-Fragen ist, wird vom sozial-programmierten Matriarchatsbürger so beantwortet: „Das muss die Regierung entscheiden. Wenn es für das Allgemeinwohl besser ist und ich keine Verantwortung übernehmen muss, dann tue ich es.“ Er muss dann gar nicht mehr von der Brücke springen oder sich den goldenen Schuss setzen lassen. Wer so durch die Welt geht, ist bereits tot.

Ein Mensch, der kein Recht auf Leben und Freiheit empfindet, wird nichts tun, um auch nur eines davon zu verteidigen. Aber was vom „Menschen“ ist dann überhaupt noch übrig? Die biologische Hülle? Irgendein theoretisches, aber unbegriffenes, ungesehenes Potenzial? Was soll der Sinn eines solchen Lebens sein? Keinen Sinn für die Integrität des eigenen Lebens zu haben, läuft darauf hinaus, dass das eigene Leben sinnlos und bedeutungslos ist.

Ein rationaler Rechtstaat ist deshalb nicht nur ein Konstrukt, das Freiheit und Rechte garantiert, sondern auch den Rahmen dafür sichert, dass Menschen ihre Rechte und ihre Freiheit erkennen und nutzen können. Dann erst wird der Rechtsstaat patriarchalisch, nämlich durch sein Prinzip der Förderung menschlicher Entfaltung und geistiger, d.h. selbstbestimmender und selbststrukturierender Entwicklung. Ich habe in einem anderen Artikel bereits ausführlicher den Bezug echter patriarchaler Macht zu den Prinzipien der Förderung und der Sponsorenschaft (von lat. spondere – „feierlich geloben, etwas versprechen, sich verbürgen“) dargestellt. Patriarchale Macht ist eben dem väterlichen Prinzip verpflichtet und das bedeutet, dass sie immer an die Verantwortung für Förderung und Unterstützung anderer gebunden ist.

Um all diese in der menschlichen Wesensnatur verankerten Strukturen und Gesetze als oberste Prinzipien für eine Gemeinschaft anzuerkennen, müssen wir unser ideologisch zugebautes Dachstübchen öffnen, aufräumen und Licht in die chaotische Sammlung von Glaubenssätzen und Dogmen bringen. Ein Rechtsstaat mit patriarchalischen Verantwortungshierarchien kann nur auf der Basis einer fundierten rationalen, d.h. realitätsverbundenen Philosophie gedacht und verstanden werden. Wir müssen ersteinmal wieder gedanklich anerkennen, dass es eine Realität gibt, was unter den Denkern der Gegenwart leider ein vergessenes und gescheutes Denktabu, nichtsdestoweniger aber eine belegbare Wahrheit ist.

Die zweite ebenso massiv verdrängte Voraussetzung ist, dass wir fähig sind, diese Realität zu erkennen und zu verstehen, nicht nur faktisch-dinglich und prozesshaft, sondern in ihren Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten. Wir können widerspruchsfrei erkennen, dass es Gesetze (z.B. Naturgesetze) gibt und dass wir sie benutzen können. Auch diese Erkenntnis ist der „Avant-Garde“ des modernen Denkens fremd und unbequem.

Und dann werden wir uns von dem Denken in irrealen Schablonen-Ideen verabschieden müssen. Wir müssen wieder einsehen lernen, dass jede Gruppe, jedes „Kollektiv“ aus Menschen besteht und dass der Mensch, also der Mensch an sich und damit jeder einzelne Mensch, der Ausgangs- und Endpunkt unserer Projekte bildet. Der Grundgedanke, der darin steckt, ist für uns ebenfalls ungewohnt, nämlich dass der Mensch ein Selbstzweck in sich ist und in seinem Wesen als Mensch nicht nur alle Grundlagen für seine Entfaltung bereits in sich trägt, sondern auch alle seine Existenzziele und ­‑zwecke – also das, was ihn „nach oben hin“ ausrichtet. Der Mensch ist nicht die Ausgangslage und schon gar nicht Material für irgendetwas, er ist das (noch ferne) Ziel. Das menschliche Leben zielt in seinem gesunden, unverletzten Ausdruck nur auf Selbsterfüllung ab.

Das ist jenes Glück und es ist das einzige Glück, das alle suchen. Es gibt darüber oder daneben keine andere Erfüllung. Es gibt keinen menschlichen Grund, einem äußeren Zweck, schon gar nicht dem eines fiktiven „Kollektivs“, oder einer rein abstrakten „Gesellschaft“ zu dienen, wenn man sich davon nicht die eigene Erfüllung oder eigenen Gewinn verspricht. Nur als abstoßend-gruselige Idee aus den Höllenkesseln der menschlichen Fantasie kann man die „Opfere dich dem Größeren“-Moral gelten lassen. Sie entbehrt jeglicher Verbindung zur menschlichen Natur wie sie ist und ist damit das Rezept zum größtmöglichen menschlichen Desaster.

Der Einzelne ist der Schlüssel

Wenn wir uns die essentiellen Tätigkeiten und originären Aufgaben einer Führungskraft oder eines Staatsmannes (Neudeutsch: „Politiker“) anschauen: Ideen entwickeln und bewerten, Standpunkte vertreten, Entscheidungen treffen und anderen Orientierung und Richtung geben – dann werden wir feststellen, dass diese Leistungen immer nur von einem Einzelnen erbracht werden können. Man kann sie nicht auf mehrere oder eine Gruppe aufteilen wie einen Handarbeits-Prozess. Das liegt daran, dass sie auf Denken beruhen, und Denken kann nur der Einzelne. Denken kann nur ein Gehirn, es gibt kein „gemeinsames“ oder „kollektives“ Denken. Das Denken (und das daraus entstehende Verhalten) jeder Gruppe ist nach oben begrenzt durch den intelligentesten Teilnehmer der Gruppe.

Korrekt weitergedacht bedeutet dass, das jede Gruppe, jedes Team und jede Gemeinschaft, egal wie groß sie sind, den größten Vorteil davon haben, vor allen anderen ihre besten und klügsten Denker zu fördern und wenn es auch nur ein Einziger ist. Die Förderung der Dümmsten oder des größten gemeinsamen Mittelmaßes hingegen wird die Gruppe ins völlige Elend stürzen, denn die Klügsten oder die Verantwortungsfähigsten werden sich zurückziehen oder verschwinden, wenn sie nicht vorher schon „gleichgeschaltet“ oder gelyncht werden.

Wer uns davon überzeugen will, dass Politik, Führung oder andere intellektuelle Leistungen besser von einem „Kollektiv“ oder „der Mehrheit“ geleistet werden können, der zielt darauf, das Denken abzuschaffen und uns zu entmündigen. Das heißt, er zielt letztlich darauf ab, die Gemeinschaft zu schwächen und zu zerstören – warum auch immer. Die jüngste Geschichte der gesamten westlichen Welt macht eine tiefergehende Erläuterung dieser Schlussfolgerung überflüssig.

Ein einziger Denker kann das Leben von Millionen von Menschen verändern oder eine gesamte Kultur in eine neue Ausrichtung lenken. Wenn wir das verstehen, können wir alle sozialistisch angehauchten Ideologien von Kindergartenfairness, Schlaraffenland-Versorgung, Defizit-Solidarität und betreutem Denken hinter uns lassen und uns dafür einsetzen, in jedem Bereich der Kultur stets und zuvorderst die Besten zu fördern. Dann wird die Gemeinschaft als Ganzes am meisten profitieren und nebenbei wird dann auch für die Schwächsten am besten mit gesorgt sein. 

Es sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass wir dafür auch einen eingefleischten Irrtum abzulegen haben. Nämlich den, „Vernetzung“ zu brauchen. Vernetzung ist ein Begriff des matriarchalen Kreis- und Clanbewusstseins. Das väterliche Prinzip, das den Einzelnen in sich und für sich selbst aufrichtet, überwindet diese ziemlich klebrige Einordnung einer „Vernetzung“ durch die dialogische Begegnung, die freundschaftliche, gemeinsam strebende Auseinandersetzung mit dem anderen, nicht obwohl, sondern weil er anders ist. Also auch durch die Konfrontation und den Diskurs. Es überwindet damit all das fruchtlose und resignierte Nebeneinanderstellen à la „Kollektiv“, all das ziellose Sammeln bis ins Überflüssige, bei denen niemand mehr zuhört, niemand mehr hinschaut und sich somit das verzweifelte Geschnatter und anderes zwanghaftes Auf-sich-aufmerksam-Machen nur noch zu sozialem Krach und leerer medialer Hyperaktivität steigern.

Es gab eine Zeit – das ist noch gar nicht allzu lange her – da wurde das Im-Netz-Sein noch als das erkannt, was es ist: Freiheitsentzug, Bewegungseinschränkung und Gefangenschaft. „Jemandem ins Netz gegangen“ zu sein, wurde als die Schande betrachtet, die es ist. „Online“ zu sein bedeutet, sich freiwillig an die Leine nehmen zu lassen, wobei die moderne Leine ein Kabel ist, das zusätzlich als Infusionsschlauch dient: man ist festgebunden an den Tropf, der ständig ungefiltert Welt in einen einflößt und einen pausenlos der Welt zur Verfügung stellt. Abgesehen von der offensichtlichen psychischen Gängelung und der suchtartig-dependenten Versklavung ist besonders wichtig zu erkennen, dass damit auch die Kontur der Person, die Persönlichkeit, aufgelöst wird und das Bewusstsein der Menschen sich gar nicht mehr in ihrem Körper und ihrer Individualität verankern kann, sondern nur noch entgrenzt flotiert in einem präkognitiven, prä-personalen Raum des „Dabeiseins“ statt Daseins – ohne dabei jedoch jemals jemand zu sein. Die Rückseite des oberflächlich flirrenden Inter-Netzes ist die Tiefenzersetzung des Individuums und seines Selbstbewusstseins bis hin zur vollständigen Auflösung. „Jetzt bin ich gut vernetzt“ waren die letzten Worte der zappelnden Fliege, bevor die Spinne sie fraß.

Noch sind wir nicht soweit, etwas dagegen tun zu können. Viele, denen die Symptome und das Ungemach des verantwortungslosen und rücksichtslosen Systems und seiner schlafwandlerischen Gleichgültigkeit schon lange zu viel sind, wollen sofort etwas tun. Man hört die Aufrufe zu Demonstrationen und Widerstand nach dem immer gleich kurzsichtigen Motto: wenn das Volk nur aufstehe, dann sei das alte System schon morgen beendet. Den Verkündern solcher Botschaften ist wohl kaum klar, dass Revolten und Demos noch gar keine Verbesserungen bringen. Die offene Frage bleibt: was kommt danach?

Man braucht einen Plan, ein Konzept für die Alternative und vor allem für den Übergang. Ansonsten ist das Ergebnis nach jeder Revolution und nach jedem Aufstand stets das gleiche, wie die Geschichte Europas zur Genüge gezeigt hat: eine Verschlimmerung des Unterdrückungssystems und eine noch drastischere Institutionalisierung von roher Gewalt und Morallosigkeit.

Wenn man aber einen fertigen Plan und die Möglichkeiten zu seiner Umsetzung hat, dann und erst dann kann man Revolten anstiften. Revolten sind das letzte Element der Vorbereitung zum Umschwung und nicht viel mehr als das Streichholz an der Zündschnur, die zuvor fein säuberlich gelegt worden sein muss. Ansonsten breitet sich nur das Chaos aus, das die Menschen im Kopf haben und kann wieder nur mit einer eisernen Hand von Kontrolle und Zwang still und zusammen gehalten werden.

Die Rückkehr der Könige

Die einzig wirksame Befreiung findet in unseren Köpfen statt.

Nur dort können wir für die Ordnung sorgen, die wir im Außen, im Strukturellen und Formellen brauchen. Nur dann können wir sie erschaffen und gestalten – gemäß unserer intellektuell eroberten und begrifflich erfassten Ordnung, nicht nach schwankenden Gefühlen oder situativen Bedürfnissen.

Die Ordnung, die es zu finden gilt, existiert schon. Sie ist uns gegeben als die natürliche innere Ordnung unseres Wesens. Wir müssen sie nur erkennen und richtig abzubilden lernen. Und das geht nur mit dem Licht des begrifflichen, logischen Versandes, der sich zuversichtlich und mutig dem noch Unerkannten, dem noch Dunklen und dem Vergessenen zuwendet, also dem Chaos. Aus diesem Chaos des noch nicht Erkannten oder noch nicht Verstandenen können wir so – Schritt für Schritt und furchtlos – die kosmisch gegebene Ordnung als eine lebendige, von Menschen geschaffene nachbauen. Und zwar auch als Ordnung im menschlichen Zusammenleben und ‑wirken in Gemeinschaften, Ländern, Partnerschaften und Kooperationen.

Und wer übernimmt darin, in dem, was jetzt kommt, die Führungspositionen? Jeder, der sich von sich aus mehr von Prinzipien und allgemeingültigen Geboten leiten lässt als von Launen, Bedürfnissen oder sozialen Referenzpunkten. Also jeder Mensch, der sein Denken und Handeln unter rationale Leitlinien stellen will und kann. Macht bekommen in einer solchen transparenten Rechtsordnung nur diejenigen, die sie nicht als Ersatz für Anerkennung, Image oder Selbstwertgefühl missbrauchen, sondern sie als abenteuerliche Herausforderung, als asketische Charakterschulung und als geliehenes Privileg betrachten. Sie müssen bereit und fähig sein, sich dieser Privilegien durch Verantwortung für den Erhalt von Ordnung und Freiheit würdig zu erweisen. Das heißt, sie müssen ihre Macht für das Ganze und für die Weiterentwicklung des Ganzen einsetzen – was konkret nur durch die fokussierte Förderung des Einzelnen, besonders der Talentierten und Kompetenten in jedem Feld der Kultur inklusive ihres Verantwortungsbewusstseins möglich wird.

Wenn du glaubst, dass das nichts für dich ist oder dich nichts angeht, dann solltest du dich fragen, warum du solche Texte wie diesen hier liest.

Die Lähmung und Verwirrung des alten Giftes mag mental noch nachwirken, aber könnte es nicht sein, dass die letzten Jahrhunderte, vor allem die letzten 150 Jahre, nicht ein Fehler, sondern eine Vorbereitung waren?EineVorbereitung für eine neue Elite, die über Generationen hinweg einen kleinen Anteil der Menschheit darauf vorbereite, die Führung zu übernehmen? Und zwar eine ganz neue und andere Art von Führung, die dafür sorgt, dass die degenerierte und kranke Kultur, ihre anti-rationale Diktion und die Spaltung zwischen Macht und Verantwortungsbewusstsein mit einem Schlag beendet werden?

Von den zentralen Archetypen können wir auch in unserer defizienten Kultur durchaus noch den Künstler und den Magier erkennen in den begabten und cleveren Ingenieuren, Technologie-Erfindern und IT-Experten, die immer bessere Werkzeuge bauen. Wir sehen auch noch den Kriegerarchetyp wirken – Menschen die – vorrangig im Wirtschaftlichen – bereit sind, für etwas zu kämpfen, wenn es notwendig ist. Was uns aber abhanden gekommen ist, ist jegliche Repräsentation des Königs. Die allermeisten Individuen, die Königscharakter hatten, sei es das königliche Charisma eines Kennedys, das Standing eines „King of Rock’n Roll“ oder eines „King of Pop“, die Haltung einer noblen Diana oder die Pflichttreue eines Georg Friedrich – sie alle mussten „sterben“, das heißt in den Untergrund gehen und von den Bildflächen der öffentlichen Bühnen verschwinden. So wie im Matriarchat kein Raum für Helden ist, so gibt es auch keinen für Könige.

Ohne Könige aber fehlt ein zentrales archetypisches Element für Ordnung. Ohne Könige weiß niemand, wofür die fantastischen Geräte und Erfindungen der Techno-Magier gut verwendet werden können. Ohne sie weiß kein Krieger, wofür er kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Ohne Könige mögen die Priester versuchen, das Volk ruhig zu halten, aber sie können nicht regieren, sie können höchstens aufklären oder einlullen. Aber tatsächlich zerfällt ohne König alles, die Magier werden zu immer böseren Zauberern, die Krieger werden zu Schergen und Schlägern und die Priester werden zu Hypnotiseuren und Schwindlern für unzählige konkurrierende Kirchen. Die Menschen geraten in Angst und Panik, verlieren die Orientierung und klammern sich an jeden Ersatz, der ein wenig wie ein König aussieht.

Wir können jedoch trotz all der Dunkelheit und der Nebelwände lernen, den König wieder richtig und notwendig zu denken. Wir können uns darin üben, ihn wieder zu sehen. Dafür müssen wir uns darin üben, patriarchal und in Vertikalen zu denken und uns auszurichten.

Was könnte dafür ein erster Schritt sein?

Das Minimum einer Gegenleistung für freiheits- und entwicklungsfördernde Führung ist Respekt. Das ist, was uns fehlt, um den Schritt in die neue Kultur leicht machen zu können. Die Menschen haben keinen Respekt mehr vor guter Führung, vor Verantwortungsbewusstsein und rationaler Moral, vor eigenständigem Denken, vor dem Benennen der Wirklichkeit, ihrer Fakten und Gesetzmäßigkeiten. Sie haben ja nicht einmal Respekt vor ihrer eigenen Natur, ihren eigenen Talenten, ihrer Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung – nicht einmal mehr vor der Realität, die ihnen ins Fleisch schneidet und ihre Kinder foltert und tötet!

Die erste Aufgabe einer neuen Führungsriege muss es deshalb sein, den Menschen wieder Respekt und Ehrfurcht vor dem beizubringen, was menschlich, wesentlich, richtig und wertvoll ist. Nicht Angst und Wegducken vor aufmontierten Autoritäts-Attrappen, sondern Achtung und Anerkennung vor Fähigkeiten und Kompetenzen. Vor allem die Achtung, also das Erkennen und Anerkennen höheren Bewusstseins, größeren Überblicks und fundierteren Verstehens. Nicht von Auffälligkeit, Prestige, „Likes“ oder sonstiger stromlinienförmiger Konformität. Ohne diese Art von Respekt ist eine menschliche, entwicklungsfördernde Kultur nicht möglich. Ohne diese Art von Respekt ist es nicht möglich, eine Ordnung zu schaffen, in der Menschen sich gegenseitig fördern, bereichern und inspirieren.

Respekt kommt vom lat. respicere, d.h. „zurückblicken, überdenken, berücksichtigen“. Das gilt es nicht nur zu lernen, sondern zu vermitteln und einzufordern. Es gilt, Auftreten und Begegnung unterhalb dieses Niveaus nicht mehr zuzulassen. Das Minimum von Respekt ist Aufmerksamkeit. Und für die meisten Menschen und Medien ist ein Anfang von Aufmerken erst dann wieder möglich, wenn sie lernen, den Mund zu halten und ruhig zu werden. Diese neue Stille wäre eine kraftvolle Grundlage für die Wiederauferstehung des gesunden Menschenverstandes.

Die Tugenden der Schirmherrschaft

Wir haben im ersten und in diesem zweiten Teil ausführlich betrachtet, wie die Struktur und Ordnung unserer Gesellschaft auf einer Wertekultur aufbauen und dass die Wertekultur wiederum aufbaut auf dem Bewusstseinszustand derjenigen, die die Macht haben. Wir können uns dem Bewusstseinszustand der freiheitlicheren patriarchalen Ordnung wieder annähern, indem wir den matriarchalen Gewohnheiten etwas typisch und ausschließlich patriarchales entgegenstellen: Tugenden!

Für das matriarchale, sozio-mythische Bewusstsein ist „tugendhaft“ nur das, was das Bestehende erhält und sichert, einen an immer größere Fleischtöpfe führt und näher heran an die Machtzentren, wo man sich infantiler gehen und versorgen lassen kann. Das Wort „Tugend“ jedoch wird man dort gar nicht hören, weil es bloß um situative Gefälligkeit und Anpassung geht und jegliche Form der Charakterbildung nur im Weg steht.

Allein die Idee stabiler innerer Tugenden gehört bereits einer anderen Bewusstseinsdimension und einer anderen Kultur an. Denn ihr zugrunde liegt das Wissen, dass Ordnung aus dem Geistigen kommt, nicht aus dem Sozialen. Das Geistige ist das Bewusstsein, das Verstehen und das Erkennen des Gesetzmäßigen. Tugenden sind erarbeitete Charaktereigenschaften, durch die das Geistige in uns die Oberhand gewinnt über das Instinktiv-Körperliche, Impulsive, Bedürfnisgesteuerte und Affektive in uns.

Wenn das Geistige, unser Denken und Verstehen die Oberhand gewinnen, dann haben wir einen Patron (lat. patrōnus = „Schutzherr, Beschützer, Verteidiger“, von pater = „Vater“), also einen väterlichen Schutz. Schutzengel und Schutzheilige sind nicht bloß imaginative und beruhigende Figuren von Bildtafeln oder aus skurrilen Legenden. Es sind jene Stimmen in uns, die sich mehr an den Gesetzen unseres Wesens und an erkannten Zusammenhängen orientieren als an situativen Eindrücken oder reaktiven Gefühlen und die uns dadurch helfen können, uns unserem Wesen gemäß aufzustellen, aufzurichten.

Drei zentrale Tugenden dieser aufrichtend-fördernden patriarchalen Logik sind
die Disziplin – das ist das ausdauernde, vertiefende Lernen, die Askese – das ist die regelmäßige Übung – und der Verzicht – darin steckt die Macht der Auswahl und der Entscheidung. Diese drei Tugenden, denen in matriarchalen Strukturen kein Wert beigemessen werden, in den gesunden patriarchalen jedoch umso mehr, können das fördern, wonach die Menschen in unserer heutigen Zeit am meisten dürsten: Tiefgang, Sinn (durch Bezug) und Freude.

Es geht also nicht bloß um Heilung und Wieder-gut-Machung, sondern um Aufrichtung und Selbststrukturierung. Das können wir lernen.

Rekonstruktion – vom Einzelnen zum Ganzen

Was wir also vorbereiten und schließlich mehr und mehr leisten können, ist, den gesunden, vollständigen und rational kultivierten Menschen wieder als eigentliches Ziel und wesentlichen Maßstab ins Auge zu fassen und ihn, also das menschlich Integere und Harmonische, in sozialen und politischen Strukturen und Prozessen zu rekonstruieren.

Wir können diesen Begriff des moralisch veredelten Menschseins nachbauen – nicht nur als gesunde Grundlage für Gemeinschaftsaufbau und Kulturentwicklung, sondern allen Suchenden zum Vorbild und uns selbst zum Zeugnis.

Das wird eine Form von Können und Kunst sein, die es erst noch zu entdecken gilt. Sie wird es uns ermöglichen, wieder zu kühnen Schöpfern von etwas Neuem zu werden und nach den Idealen, Fähigkeiten und Werkzeugen zu streben, die uns mit unserer Natur und dem Universum in Einklang bringen – das heißt glücklich machen. Nur als solche Schöpfer können wir ganz und mit allen uns gegebenen Kräften aktiv teilhaben an der niemals endenden Schöpfung.

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Teil 1: Die Matrix


Das Chaos, das mittlerweile den meisten Menschen unleugbar vor Augen steht, ist sehr alt und schon sehr lange die Grundlage unserer gesellschaftlichen und kulturellen Verfassung. Jetzt, am Ende seiner Herrschaftszeit, wird es allerdings sichtbar gemacht. Es muss sichtbar werden, um überwunden werden zu können.

Chaos ist ein rein mentales Phänomen. In der Realität gibt es keine Unordnung. Der Kosmos (gr. „Ordnung“) folgt ausschließlich seinen inhärenten Gesetzmäßigkeiten und kann deshalb nicht anders als gesetzlich, geordnet und somit „in Ordnung“ sein. Was jedoch in Unordnung geraten kann, ist das Verständnis dieses Kosmos und seiner Vorgänge. Was wir nicht begreifen, einordnen und kohärent konzeptualisieren können, das erscheint uns chaotisch. Auch unsere eigenen Reaktionen, Affekte und Gefühle erleben wir nur dann als „chaotisch“, wenn wir sie nicht benennen, nicht zuordnen und nicht verstehen können.

„Chaos“ bezeichnet also keinen wirklichen Zustand, sondern die Abweichung des inneren Verarbeitung und Abbildung von „Welt“ von der unmittelbaren Perzeption der Wirklichkeit. Chaos ist ein Aspekt der Beziehung zwischen Realität und Bewusstsein, wobei mit Bewusstsein zunächst einmal nur die Funktion der abstrahierenden Repräsentation von Wahrnehmungen gemeint ist. Man kann also auch Chaos in einem Tier auslösen, indem man ihm die Möglichkeit entzieht, seine Wahrnehmung angemessen zu verarbeiten. Bei Tieren braucht es dafür schon sehr drastische Eingriffe in ihre Lebenswelt oder eine massive Störung ihrer natürlichen Entwicklung, um sie unfähig zu machen, sich in der Realität zu orientieren.

Den Menschen jedoch kann man viel leichter in den psychischen Zustand von Chaos stürzen, weil er nicht vom Instinkt gesteuert wird, sondern von seiner Fähigkeit zum abstrahierenden Denken. Kleinkinder und geistig schwerbehinderte Menschen, die dazu (noch) nicht fähig sind, sind deshalb auch ohne eine ganz basale Betreuung nicht überlebensfähig. Es ist im Vergleich zum Tier für einen Menschen also viel wahrscheinlicher, dass er desorientiert ist, denn er braucht für seine selbständige Orientierung die viel fragilere Funktion des begrifflichen Denkens, die frühestens nach 16-18 Jahren soweit ausgebildet sein kann, dass sie eine eigenständige und stabile Steuerungszentrale werden kann.

Wenn ein Kind nicht darin unterstützt wird, klare Begriffe und Konzepte in Bezug auf seine eigene Wahrnehmung zu entwickeln, oder wenn es darin sogar aktiv behindert und gestört wird, dann ist das eine Verletzung seiner Integrität. Es ist eine Verletzung seines natürlichen Strebens nach Integration der eigenen Wahrnehmung und des eigenen Erlebens in richtige, differenzierte und kommunizierbare Schemata. Und Integration komplexer Zusammenhänge wie sie die Welt nun einmal ausmachen, ist nur über das begriffliche Denken möglich, nicht durch Gefühle und auch nicht durch Bilder.

Diese Verletzung der Integrationsmöglichkeiten also löst einen Schmerz aus, dem das Kind, wenn es keine Hilfe und Lösung von außen bekommt, nur dadurch ausweichen kann, indem es jeden weiteren Versuch der realen Begriffsbildung und des wahrnehmungsbezogenen Denkens, d.h. des rationalen Denkens, unterbindet. Es wird dann auf der einen Seite Empfindungen, Gefühle und Wahrnehmungen haben, die es nicht in Worte fassen und über die es in Folge nicht nachdenken kann. Auf der anderen Seite wird es Gedanken, Ideen, Maßstäbe, Normen und Axiome aufnehmen und sich intellektuell an sie klammern, die überhaupt keinen Zusammenhang mit seinem eigenen Erleben haben. Statt an seiner Wahrnehmung und damit der Realität orientiert es sich intellektuell, moralisch und im Verhalten nur noch an sozialen Vorgaben. Um den Schmerz über diese existenzielle Abtrennung von der Realität zu vermeiden, wird es jedes Bewusstsein davon verdrängen und alles unterdrücken und bekämpfen, was es an diese innere Spaltung erinnern könnte.

Existenziell ist diese Spaltung deshalb, weil die Trennung von Wahrnehmung und Denken jegliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit verhindert, somit also die psychische Entwicklung zum Erwachsensein stoppt und den Menschen auf Lebenszeit zu einem Zustand infantiler Abhängigkeit, Desorientierung und Hörigkeit verdammt.

Ein solch kindlich-abhängig gebliebener Mensch wird sich in keiner Gemeinschaft und keiner Situation wohlfühlen, in der er dazu aufgefordert wird, eigenständig und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Er wird sich um jeden Preis in eine Gesellschaft und eine politische Struktur flüchten, die für ihn die Führung und die Verantwortung übernimmt, ihn versorgt und von den anstrengenden Pflichten des Erwachsenwerdens – nämlich des Denkens – entbindet. Weil seine rationale Verarbeitung der eigenen Wahrnehmung von diesem enormen, verdrängten und unaussprechlichen Schmerz blockiert wird.

Das väterliche Prinzip der Förderung würde dann als überfordernd und bedrohlich erlebt werden. Es würde gemieden werden zugunsten nur noch des mütterlichen Prinzips des Versorgens, Behütens und Bewahrens als erträgliche Umgebung und Struktur. Dementsprechend würde eine derart verletzte und gelähmte Gesellschaft sich zunehmend matriarchal organisieren und patriarchale Prinzipien immer mehr ablehnen oder „vergessen“. Dieser Prozess ist eine sich selbst beschleunigende Abwärtsspirale, weil immer mehr Kompetenzen, Mut und Selbstsicherheit verloren gehen würden, wodurch die Unsicherheit und Überforderungsgefühle immer dominanter werden und die Flucht in die Arme mütterlicher Fürsorge- und Versorgungssysteme immer radikaler wird.

Da wir seit längerem schon kulturell und politisch am Ende dieser Abwärtsspirale leben, schon im Übergang zu einer noch destruktiveren Spirale, sollten wir uns diese matriarchalen Strukturen genauer ansehen, um sie zu durchschauen als das, was sie sind: Angst-, Abwehr- und Aufhalte-Srategien gegen menschlich-geistige Entwicklung.

Die Grundprinzipien matriarchaler Strukturen

Nachdem dieser Prozess der Abspaltung von der rationalen Realitätswahrnehmung schon seit über 150 Jahren ohne Unterbrechung voran (also hinab) schreitet, leben wir heute in einem fest etablierten, auf Regression und Unmündigkeit ausgerichteten Matriarchat mit nur noch wenigen zusammenhangslosen, unwirksamen und überwiegend missbrauchten Überresten vorhergender patriarchaler Strukturen.

Das wird die meisten wundern, da man uns doch ununterbrochen eingehämmert hat, wir lebten in einem Patriarchat, was im Übrigen als Ursache all unserer Probleme verkauft wird.

Das Wörterbuch beschränkt den Begriff Matriarchat auf die Regelung der Erbfolge, nämlich als an die mütterliche Erblinie angebunden. Wenn das die Bedeutung des Begriffs wäre, dann wäre er unbedeutend und irrelevant – vielleicht soll er das werden? Wir werden auf diese Möglichkeit darauf zurückkommen…

Das Matriarchat (von lat. mater = Mutter und gr. archēs = ‘Oberhaupt’ zu árchein ‘der Erste sein, Führer sein, herrschen’) ist eine Gesellschaftsstruktur, eine Organisationsform auf der Basis von Prinzipien, die sich aus „mütterlicher Macht“ und Mutter-Bezogenheit ableiten. Mutter-Bezogenheit bedeutet die Position eines Kindes einzunehmen, also Infantilität, Abhängigkeit, Unmündigkeit und das Ausweichen auf Anpassung an größere, bergende und versorgende Instanzen, von denen man sich Schutz erhofft, als einzige Reaktionsmöglichketi auf Konflikte.

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive stellt das Matriarchat eine kindliche, regressiver Gesellschaft dar, deren Selbst- und Weltbewusstsein auf unmittelbarem, emotionalem Erleben beruhen und die um soziale Bindungsmechanismen und ihren eigenen Erhalt kreist. Das psychisch-kognitive Äquivalent zu dieser Regression oder Fixierung auf primitivere, prä-rationale Bewusstseinsstufen ist die Abkopplung von Sprache und Denken von der Realität und das Abdriften der Denkfunktion in imaginäres, ideologisches Wunschdenken, in Träume und Trance-Bilder.

Wenn heute der Begriff Matriarchat verwendet wird, dann meist nur in Verbindung mit ideologisierten, diffusen aber fantasievoll hochstilisierten Wunschvorstellungen und Sehnsüchten nach einer Welt, in der weise, wohlwollende und wache Frauen, also eigentlich Mütter, eine naturbezogene und naturanbetende Gemeinschaft führen und formen und sich darum kümmern, dass es immer allen gut geht. Man muss kein Psychoanalytiker sein, um darin die sehr deutlichen Spuren infantiler Mutter-Projektionen und -Sehnsüchte zu erkennen.

Tatsächlich ist das Matriarchat jene Gemeinschaftsstruktur, die sich an den Zyklen der Natur, überhaupt an Naturkräften und Ereignissen ausrichtet und den Menschen im besten Fall als Teil der Natur sieht, wenn nicht sogar als armes, in jeder Hinsicht dem Tier unterlegenes Opfer der Natur. Diese Sichtweise zwingt die Menschen im Matriarchat dazu, das instinktive Element besonders hoch zu schätzen, was sich im intuitiv-schamanistischen, drogen- und trance-affinen Umgang mit jeglicher Art von Problemen, Konflikten und Herausforderungen zeigt.

Das zweit-wichtigste Element in dieser Bewusstseinsstruktur ist der soziale Zusammenhalt, denn Überleben kann der Mensch, der den Naturkräften hilflos ausgeliefert ist nur, wenn er als Gruppe, wie ein Organismus funktioniert. Deshalb muss sich das Individuum darin stets der Gruppe fügen und unterstellen – niemals umgekehrt. Auch die Anführer in matriarchalen Strukturen sind nur Macht- und Funktionsträger, keine Führungspersönlichkeiten, die durch Individualität führen.

Der Bezug zur der einen, eigenen Gruppe ist existenziell. Fremde Gruppen werden argwöhnisch oder feindlich betrachtet, einfach deshalb, weil sie eine andere Gruppe sind – die tatsächlichen Unterschiede spielen dabei nur eine symbolische, keine qualitative Rolle. Das Anderssein bezieht sich auf Bräuche, Rituale, Symbole, Traditionen, Narrative, Mythen und Glaubensdogmen – jene Merkmale also, die Menschen durch dingliche Gewohnheiten und konkrete Routinen an eine Gruppe binden – nicht durch Werte oder besondere Fähigkeiten.

Angelehnt an das erlebbare und offensichtlich Zyklische in allen Prozessen der Natur, ist die Grundfigur der matriarchalen Organisation der Kreis.

Im natur-mystischen Bewusstsein matriarchaler Gesellschaften ist alles „in Ordnung“, wenn es im Kreis und innerhalb des Kreises ist: die offensichtlichsten Zyklen von Tag und Nacht und von Frühling, Sommer, Herbst, Winter und wieder Frühling; der des Mondes und der von Geburt, Leben, Sterben und… wieder geboren werden. In der modernen Welt ist es der Funktions-Zyklus von Aufstehen, Arbeiten gehen, Essen schlafen gehen und wieder aufstehen. Was das Kreisdenken nicht kennt, ist die positive, erstrebenswerte Idee der Geraden, die Idee des Vektorpfeils, der – egal in welche Richtung – irgendwann aus dem Kreis heraus führt, sich davon befreit und darüber hinauswächst. Es gibt im Kreisdenken keine relevanten Ziele, keine Ausgänge und kein Ende. Der Kreis ist endlos. Auch die Spirale ist es, denn sie bildet nur einen größeren Umkreis, in dem sie sich zu ihrem Ausgangspunkt zurückbiegt und wiederholt.

Und wie hält sich menschliches Bewusstsein im Orbit seiner Funktionskreisläufe und in immer engeren, kontrollierbaren Umdrehungen? Indem es jedes Zieldenken, jede Aspiration und Motivation umbiegt auf nur noch ganz Konkretes und Unmittelbares, auf Materielles, auf Alltägliches, Banales und soziale Trivialitäten in Dauerschleife. Welches System muss der Mensch erschaffen und fixieren, damit niemand mehr höher hinaus denkt und will, niemand mehr wachsen will und niemand mehr den Blick zum Horizont erhebt? Ein System, das chronisch Gefühle der Knappheit, Frustration, Bedrohung und Ausweglosigkeit erzeugt. Man muss eine Philosophie der Vergeblichkeit in sie einpflanzen, eine Weltanschauung der permanenten Bedrohung (z.B. durch nahende Naturkatastrophen, unberechenbare Feinde oder immer neue tödliche Krankheiten) und ein Lebensgefühl des chronischen Mangels, der Ressourcenknappheit und der Überbevölkerung. Die Basis ist also Angst gekoppelt mit Ohnmacht. Man muss aber darüber hinaus auch dafür sorgen, dass alle Moral- und Idealvorstellungen durch Widersprüchlichkeiten, undurchschaubare Kompliziertheit, durch Ablenkung und gehaltlose Zerstreuung betäubt und niedergedrückt werden. Man muss das Bewusstsein von nicht-materiellen, nicht-physischen und nicht-sozialen Werten vernichten.

Jede Kombination dieser Strategien sorgt dafür, dass die Moral und das Selbstwertgefühl der Menschen keine Referenzpunkte mehr „oben“, im Geistigen, in höheren Idealen suchen, sondern nur noch im physischen und sozialen Überleben, im „Einfach-nur-Weitermachen“, im „Augen-zu-und-durch“ und dafür in der sozialen Anpassung und maximalen Unauffälligkeit. Die Kernmotivation der Menschen mit so einem Weltbild ist Erhalten, Konservieren, Bewahren dessen, was man schon hat – festhalten und horten – kein Risiko eingehen, nichts wagen und nichts verändern. Der zentrale Referenzpunkt der Menschen im matriarchalen Kreisdenken ist die Mittelmäßigkeit.

Dieses geschlossene, schützende Samsara wird zum Circulum vitiosum, sobald der Wunsch nach einem Ausgang oder Endpunkt auftaucht, denn im Kreisdenken gibt es nur die ewige Wiederholung.

In einer matriarchalischen Gesellschaft ist Kolumbus kein Held oder Vorbild, sondern ein Ketzer und Staatsfeind. In einem modernen, post-kolumbianischen Matriarchat werden sich die Menschen notgedrungen an die Idee klammern, die Erde sei eine Kugel, also die dreidimensionale Variante eines geschlossenen Kreises: egal in welche Richtung du gehst, du kommst immer am Ausgangspunkt aus. Und nützlicherweise erzeugt die Idee, auf der Oberfläche einer Kugel zu leben, auch gleich das systembindende Gefühl chronischer Schutzlosigkeit und kollektivem Ausgeliefertseins. Das „Hilfe-wir-leben-auf-einer-Kugel“-Modell ist also auch eine subtile psychische Folter: du bist nicht „drinnen“ und geschützt, sondern klebst nur außen am Rand; der nächste Asteroid könnte dich treffen, die bösen Sonnenstrahlen tun es sowieso ständig und die Ozonschicht wird immer dünner! Das ist die Weltanschauung von psychischen Gefängniswärtern: da draußen ist nur dunkle Öde und luftlose Leere, eine Flucht ist zwecklos, es gibt kein Entkommen. Wir haben unsere Gefängniswärter im Kopf.

Dieses kreisbezogene Bewusstsein erkennt nur in der Figur des geschlossenen Kreis die „kosmische Ordnung“, Stimmigkeit und Angemessenheit. Nur in Kreisstrukturen kommt es zur Ruhe, Zentrierung, findet Sicherheit und Frieden. Alles andere, z.B. geradlinige oder vertikale (zum Kreis orthogonale) Ausrichtungen erlebt es als Gefährdung oder gar Zerstörung des Kreises und damit seiner Sicherheit, die auf Geborgenheit angewiesen ist. Matriarchale Kulturen und Gemeinschaften werden sich daher stets am Kreis orientieren und geschlossene Kreise bilden.

Es ist jedoch ein grober Irrtum zu glauben, dass es in der Kreisstruktur keine Hierarchien gäbe. Das ist einer jener automatisierten Denkschemata, mit denen heute für derartige Regressionen ins Kindliche und Archaische als „Fortschritt“ und „Lösung“ geworben wird, wobei das Thema Macht geradezu schreiend verschwiegen und auffallend weitläufig umfahren wird. Auch im Kreis gibt es Hierarchien, nämlich die zwischen Mittelpunkt und Peripherie. Auf dieser Achse spielt sich alle Ordnung ab – und zwar hierarchisch. Und was steht im Mittelpunkt der matriarchalen Organisation? Die Macht.

„Macht“ ist linguistisch verwandt mit Mater, Materie, Matrix, Magie, Maschine, Manipulation … jenen Worten mit der gleichen Wurzel für einen betont weiblichen und mütterlichen Aspekt – nämlich der weiblichen Form von Macht. Das Wort „Macht“ geht zurück auf das althochdeutsche Wort „maht“, das gebraucht wurde im Sinne von „Vermögen, Körperkraft, Anstrengung, Gewalt, Vollmacht, Menge, Fülle“. Es lässt sich auch in Zusammenhang bringen mit dem altnordischen Wort „māttr“, was so viel bedeutete wie ‘Macht, Kraft, Gesundheit’. Wir sehen an dieser Etymologie schon, dass es hier vor allem um Körperkraft geht und nicht um geistige, mentale oder intellektuelle Kraft. Diese stellt nämlich ihr Komplementär dar, die wir als Potenz kennen (von lat. posse = können), die sich mehr auf Kompetenz als auf physische oder energetische Kraft bezieht. Man kann dieses bipolare, komplementäre Verständnis von Macht auch im Englischen erkennen im Unterschied der Wörter power und might, die beide mit Macht übersetzbar sind. Letzteres aber entstand aus der Wurzel magh, in der jener weibliche Aspekt von Macht liegt.

Wir finden in dieser Unterscheidung bereits einen wichtigen Hinweis darauf, dass wir wohl zwei Formen von Macht und Machtstrukturen unterscheiden müssen: eine (weiblich-) matriarchale und eine (männlich-) patriarchale; und dass wir sie nicht als antagonistisch oder einander ausschließend zu betrachten haben, sondern als ergänzend und erweiternd: nämlich von der physischen materiellen Kraft-Macht zur mehr geistig-mentalen Kompetenz-Macht.

Die Revolutions-Ideologen, denen es tatsächlich um Re-volution, also Rückwärtswendung geht und nicht um Evolution (ex-volvere = (sich) heraus drehen/entwickeln), beklagen die Unfreiheit, Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeiten der Moderne regelmäßig als die üblen Merkmale eines Patriarchats. In der Folge dieses falschen Verständnisses und ihrer auch sonst recht ausgereiften Einfältigkeit streben nicht nur die Feministen, sondern mittlerweile so gut wie alle links-alternativ programmierten Utopisten nach einer Wiedererrichtung matriarchaler Strukturen. Was sie nicht bemerken, ist, dass sie danach gar nicht streben müssen, denn das ist seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts die allgemeine Rückwärts-Tendenz aller Gesellschaften und Makro-Institutionen weltweit. Sie sind bloß Teil dieser Bewegung und zuweilen ihr grob-mechanischer Bohrkopf.

Die vom System sanktionierten, weil ungefährlichen und sogar systemfördernden, Ideologien und Rebellionsspielplätze bleiben in ihren Weltanschauungen so kurzsichtig und konkretistisch, dass sie sich höchstens in oberflächlicher Sabotage oder selbstschädigenden Exzentriken verausgaben können. Für die feministische und ihre Tochter, die „Gender“-Schiene der kontrollierten Ideologisierung besteht die typische Fehlleitung darin, dass man glaubt, ein Matriarchat sei eine System, das von Frauen gelenkt werde, während eine Patriarchat eine „Männerwirtschaft“ sei. Mal abgesehen von der stupiden Polarisierung „Frauen gegen Männer“ beweist das die vollkommene Abwesenheit eines korrekten Begriffsverständnisses. Die Begriffe „Matriarchat“ und „Patriarchat“ beziehen sich auf Prinzipien der gesellschaftlichen Ordnung und Organisation, nicht auf das biologische Geschlecht ihres Leitungspersonals.

Die Begriffe beziehen sich allerdings überhaupt nicht auf die Geschlechts-Polarität „weiblich-männlich“, sondern auf die Rollen-Prinzipien „mütterlich“ und „väterlich“. Und diese sind noch viel offensichtlicher gegenseitig ergänzend als „Mann und Weib“ es ist. Es geht hier um weit mehr als linguistische Haarspalterei. Es ist ein Hinweis, worum es im Kern der unterschiedlichen Machtstrukturen geht – und worum es ganz und gar nicht geht.

Das Gebärmutter-Prinzip

Die matriarchale Gemeinschaft strukturiert sich nach dem Grundprinzip des Mütterlichen, also des Empfangens und Einnistens, des Gebärens, Versorgens, Einschließens und Schützens. Im Zentrum des matriarchalen Bewusstseins steht symbolisch, archetypisch oder sogar ganz konkret die Gebärmutter (lat.: Matrix).

Also nicht die Frau oder das Weib. Sondern höchstens ein Teil, eine Funktion des Weibes. Woran sich diese Bewusstseinsstruktur und dementsprechend die von ihr geformten Gemeinschaften ausrichten, sind die Magie des Gebärens, der Fruchtbarkeit, des Zyklischen, und die Macht des Enthaltens (In-sich-Tragens), des Hervorbringens und Formens. Diese Aspekte werden als übergroße Leitfiguren über alle menschlichen Belange und Prozesse gestellt, weil sie der Rahmen sind, in dem sich dieses Bewusstsein fest eingefügt, sicher und belebt findet, den es aber nicht versteht, nicht durchschaut und dem es nichts gegenüberstellen kann. So werden diese natürlichen Prinzipien und Prozesse von Fortpflanzung und Versorgung zu den geheimnisvollen und übermächtigen „Göttern“ solcher Strukturen und aus diesem naturbezogenen, intuitiven Bewusstsein der Unterlegenheit ihnen gegenüber ergeben sich die Selbst- und Weltbilder, in die alle Wahrnehmung eingeordnet wird.

Die allegorische Grundbotschaft der Gebärmutter lässt sich so zusammenfassen: Alle werden versorgt, solange sie nicht aus der Reihe tanzen, sondern sich einfügen und embryonal verhalten.

Das heißt, versorgt wird, wer abhängig bleibt, sich dem Regime unterwirft, keine Individualität oder Persönlichkeit entwickelt, und sein Bewusstsein im Land der Fantasie, Vorstellungen und Mythen fixiert hält.

Die Grundhaltung des Selbst- und Weltbewusstseins, das sich darin zuhause fühlt, ist im besten Falle eine von Teilhabe, Anpassung und Einfügung in das Geschehen der Welt, im Negativen die der Unterwerfung, Überforderung und Auflösung im übergroßen Außen.

Wenn im Mittelpunkt einer Weltanschauung die Gebärmutter steht, dann stehen damit also die biologischen, instinktiv-körperlichen, fortpflanzungs- und wachstumsbezogenen, naturgegebenen, unbewussten und verborgenen Prozesse im Mittelpunkt. Das Geschehen in der Gebärmutter ist essentiell davon abhängig, dass es im Verborgenen, im Dunklen, unsichtbar und unberührbar stattfindet, weit weg von allem Menschengemachten, Ausgedachten und überhaupt von allem Bewussten und Mentalen.

Wir müssen uns verdeutlichen, dass es bei all dem nicht um Frauen, schon gar nicht um die einzelne Frau geht. Wer das glaubt, der ist einer mentalen Manipulation zum Opfer gefallen, deren Folgen verheerend sein können. Das matriarchale Denken ist vollkommen unpersönlich und un- wenn nicht sogar anti-individuell. Wir werden auch noch sehen, dass es mindestens genauso grundlegend und aggressiv gegen das intakte Weibliche ist wie gegen das intakte Männliche, wobei es grundsätzlich beide blockiert.

„Mann“ und „Frau“ sind Konzepte oder Aspekte des Menschseins, die sich aus seiner Sicht der großen Macht der Natur und ihren Zyklen zu unterwerfen haben, indem sie ihre Rolle darin gut spielen – und ansonsten aussortiert werden. Die Mystifizierung und Vergötterung von Naturgeschehen macht den Menschen zum unwichtigen Staubkorn und zu einem ewig gefährdeten, weil schwachen und minderbemittelten Wesen, das nur hoffen kann, von den unpersönlichen, für ihn unberechenbaren Kräften der Schöpfung verschont zu werden. Seine größte Größe kann er in dieser Anschauung nur symbolisch und stellvertretend erleben in der körperlichen und emotionalen Teilnahme am biologischen Schöpfungsvorgang, also vor allem durch das Wunder des Gebärens. Nur diese Funktion erhöht „die Frau“ als potenzielle Mutter zu einer geheimnisvollen, angebeteten und gefürchteten Figur.

Wenn die größte und geheimnisvollste Macht des Universums die Gebärmutter ist, dann muss auch jedes Weib eine besondere Macht und mit ihr die Möglichkeit haben, über allem anderen zu stehen bzw. alles andere zu beherrschen. Tatsächlich ist dies die unabdingbare reale Erfahrung von allen Menschen, denn die ersten Monate unseres körperlichen Lebens verbringen wir ja in der Gebärmutter. Dort beginnt das Bewusstsein unserer selbst, noch ganz rudimentär, aber als Grundlage für jede weitere Bewusstseinsentwicklung in unserem Leben. In der Gebärmutter zu sein, in der Matrix, ist die Grunderfahrung unseres physischen Daseins und sie gilt für Männer und Frauen ohne Unterschied.

Sich nicht aus der Matrix herausdrehen oder -winden (evolvere) zu können, bedeutet also, sich nicht über das Grundbewusstsein eines Embryos hinaus entwickeln zu können. Es spielt dabei keine Rolle, dass die pränatale Entwicklungsstufe mit der Geburt endete, wir laufen, sprechen, denken, Auto fahren und Prüfungen zu bestehen gelernt haben. Die Selbstrepräsentation als ein geborgenes, umfangenes, versorgtes und eingeschlossenes Wesen bleibt in unsrem Nervensystem erhalten. Die Frage ist nur, ob sich darüber hinaus noch weitere, übergeordnete Selbstrepräsentationen entwickeln, die es uns ermöglichen, uns als außer-matrizische Wesen zu verstehen.

Je weniger uns das gelingt, desto mehr werden wir die Welt und jede Erfahrung, die wir in ihr machen, als bloße Variation des Grundschemas „Ich in der Matrix (alias Gebärmutter)“ betrachten und verarbeiten. Das heißt auch, dass wir auf jedes Problem, jeden Konflikt, jeden neuen Impuls inklusive neuer Ideen und Erkenntnisse reagieren werden mit diesem Grundverständnis, in dem es nur zwei Elemente gibt: „Ich“ (d.h. genauer: mein Körper) und „Das-da-draußen“, wobei „Ich“ zwar geborgen, aber auch hilflos bin, während die Höhle, die mich umgibt zwar fremd, aber sehr mächtig ist. Alles, was mich überfordert, muss also von dieser Höhle gelöst werden. Ansonsten wird die Höhle zur Hölle, die also nicht nur etymologisch auf die gleichen Wurzeln zurückgeht.

Das Ich-in-der-Höhle- (oder -Hölle)-Bewusstsein ist also kreisförmig: es ist ein bipolares-Machtbewusstsein: es gibt das (eher unbewusste), empfangende und erlebende, abhängige „Innen“ und das mächtige, umhüllende Außen. Während also das Erleben innen in der Mitte stattfindet, liegt so gut wie alle Macht in der umgebenden „Welt“. Aus dieser Anschauung heraus muss dann in Folge jedes spätere Machtstreben im Leben darauf beruhen, sich diese magisch-mystische Macht der „umgebenden Welt“ irgendwie zu eigen zu machen. Sobald wir erkennen, dass die Höhle, aus der wir kamen, nämlich die Gebärmutter, in den Weibern ist (und nicht in den Männern), entsteht dadurch ein sehr machtbezogen geformtes Verhältnis zu den zwei Geschlechtern männlich und weiblich. In den Weibern muss dann wohl jenes mächtige, schutz- und lebengebende Geheimnis liegen, dessen die Männer entbehren.

Wohlgemerkt, nicht die Frauen werden dabei überhöht, sondern ihr Mutterschaftspotenzial, also die genannten Funktionen und Fähigkeiten der Gebärmutter, als deren Träger oder Repräsentanten das Weib höchstens sozial erhöht wird. Diese Funktion mit ihrer Macht über unsere ersten Lebenserfahrungen ist ebenso bewunderungswürdig und ehrfurchtsgebietend wie einschüchternd und angsteinflößend. Die biografischen inklusive der pränatalen Erfahrungen jedes Einzelnen dürften darüber entscheiden, welche Aspekte davon im Selbstbild und der Weltwahrnehmung dominieren und welche komplexen Abwehrmechanismen und Charakterprägungen daraus im Laufe eines individuellen Lebens entstehen. Das sei aber hier nicht unser Thema. Hier soll es vielmehr darum gehen, den „Geist“ des matriarchalen Denkens und seiner Strukturen zu verstehen.

Dieser matriarchale Geist ist also hochgradig durch ein extrem polarisiertes Machtbild definiert, wobei dieses Bild von Macht tief assoziiert ist mit Naturkraft, Unberechenbarkeit, Emotionalität bis hin zur Launenhaftigkeit, mit allen Prinzipien und Aspekten des Mütterlichen und – das ist sehr wichtig zu verstehen – mit einem starken hierarchischen (!) Gefälle zwischen Macht und Ohnmacht, Fülle und Bedürftigkeit, Geben (können) und Nehmen (müssen), Dominieren und Dominiert-Werden. Was wir hier beschreiben, ist das natürliche Verhältnis zwischen Mutter und Kind, das umso polarisierter ist, je jünger es ist. Die ausgepägteste Form dieses Verhältnisses finden wir deshalb zwischen (Gebär-) Mutter und Embryo.

Auf der Gegenseite der Macht findet sich daher die Position der nahezu absoluten Bedürftigkeit, Abhängigkeit und passiven Empfänglichkeit. Da das Bewusstsein von der Gesamtpolarität, also stets von beiden Polen strukturiert wird, wird der Mensch im matriarchalen Bewusstsein von beiden psychologischen Aspekten wie zwischen zwei Magnetpolen gehalten und gelenkt. Er wird also sowohl stets nach eigener Macht streben und sie dabei gleichzeitig auch immer im Außen lokalisieren und suchen. Genauso wird er sich aber allem Natürlichen, der Natur als solcher und allem Mütterlichen immer unterlegen und hilflos fühlen, was wiederum sein Streben nach Macht in allen möglichen erreichbaren Feldern befeuern wird. Strukturell denkt er stets kreisförmig: der Kreis verspricht Sicherheit und Stabilität und je weiter man zu seiner Mitte hin rückt oder die umlagernden Kräfte erweitert, desto sicherer und geschützter ist man.

Wir erkennen schon, dass das matriarchale, also matrix-, d.h. gebärmutterzentrierte Weltbild in seiner Grundprägung ein hochgradig machtzentriertes Bewusstsein ist, wobei der Begriff „Macht“ keine inhärente positive oder negative Wertung enthält, sondern ausschließlich den Kernaspekt einer vertikalen Beziehung bezeichnet. Macht im matriarchalen Verständnis bedeutet nicht nur, innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft tonangebend zu sein, sondern vor allem wichtig genug, um von ihr geschützt und versorgt zu werden. Damit ist die höchste Hierarchie-Position in diesen Strukturen, die Mitte, durch zwei Aspekte definiert: einerseits zentripetal durch Wirkungsmacht im Sinne von Dominanz, Bestimmung und Entscheidungsmacht und andererseits protektiv als besonders geschützte Position vor Einflüssen von außen und Bedrohungen jenseits der Gruppe, weil sie am weitesten entfernt ist von der Peripherie.

Ein Matriarchat ist ein Protektorat. Wer zum Kreis gehört, wird geschützt und gefördert solange er dem Gruppenzusammenhalt nicht schadet – egal welche sonstigen Werte er vertritt, egal wie kriminell, unmoralisch oder gestört er sich aufführt. Das Gegenteil gilt dementsprechend für alle, die nicht zum schutzberechtigten, vereinnahmten und vereinnahmenden Kreis gehören: egal wie moralisch, vorbildich, hilfreich und nützlich er sich der Gruppe gegenüber verhält – er hat keinerlei „Rechte“ und wird bei nächstbester Gelegenheit betrogen, ausgeraubt und geopfert. Denn es gibt im Matriarchat keine abstrakten, übergeordneten Werte, nur den Erhalt der sicherheits-stiftenden konkret-sozialen und gewohnten Struktur.

In matriarchalischen Strukturen richten sich deshalb die Menschen stets an einer zentralen Person oder „Elite“ aus, die als Gegenleistung wiederum dafür sorgen, dass sich alle Zugehörigen im Kreis sicher und versorgt fühlen. Das bedeutet auch, dass der zentripetale Magnetismus oder die Sogwirkung einer solchen Gemeinschaft nicht auf einer Zustimmung zu den Vorgaben des Personals in ihrer Mitte beruht, sondern auf ihrer unpersönlichen systemischen Funktion, Schutz und Versorgung zu bieten. Ein Kind und noch weniger ein Embryo haben ja auch keinen Bezug zu ihrer Mutter als Individuum mit persönlichen Vorstellungen, Vorlieben und Eigenschaften, sondern nur zu ihr als Funktionsträgerin insofern sie eben mütterliche Funktionen erfüllt. Mit anderen Worten: in matriarchalen Strukturen geht es gar nicht um Personen, Persönlichkeiten oder Individuen, sondern primär um Funktionsträger und funktionelle Platzhalter, die das Gesamtsystem, die Gruppe oder Institution in der Form aufrechterhalten, die am meisten Sicherheit und Versorgung für die Zugehörigen bietet. Das heißt, Menschen sind austauschbar, Funktionen sind fix.

Ins Psychologische übersetzt heißt das, dass matriarchalische Strukturen sich dadurch auszeichnen, dass ihre Mitglieder die Gruppe oder Gemeinschaft als solche und zwar als Schutz- und Versorgungsgarant begehren und brauchen und dass es bloß um Zugehörigkeit zum schützenden Kreis geht, nicht aber um die Inhalte, Ausrichtungen oder Werte, die propagiert werden. Diese sind nur Mittel zum Zweck, nämlich die Gruppe nach innen zusammen zu binden und nach außen hin stärker abzuschirmen und abzugrenzen. 

Eines der Hauptcharakteristika, an denen man matriarchale Strukturen und Denkweisen deshalb erkennen kann, ist ihre strenge Fixierung auf Erhalt und Festigung des Status Quo und dementsprechend ihre Angst vor und Abwehr gegen jegliche Art von Veränderung und Dezentralisierung.

Die offensichtlichst matriarchalischen Strukturen, die wir heute kennen, sind die (katholische) Kirche und die Mafia. (Interessant, dass wir in beiden Fällen an Italien denken müssen, an ein Land, in dem die „Mama mia“ und die „Madonna“ (Muttergottes) sozialpsychologisch ganz offensichtlich und alltäglich eine zentrale und strukturgebende Rolle spielen.) All die bisher beschriebenen Aspekte matriarchaler Strukturen lassen sich exemplarisch an diesen beiden sehr alten Institutionen aufzeigen. Allerdings sind heutzutage bereits alle größeren Gemeinschaften, Länder und Institutionen matriarchalisch strukturiert, analog zur Bewusstseinsstruktur der Menschen allgemein. Deshalb werden wir auf die Einzelheiten dieses Phänomens in unserer Epoche später noch ausführlich eingehen.

Der Hinweis sei nur deshalb hier schon mal eingefügt, um auf das grobe und verheerende Missverständnis aufmerksam zu machen, nachdem all diese Strukturen hyper-patriarchalisch seien und deshalb unbedingt (noch) mehr matriarchalen Einfluss bräuchten. Warum matriarchale Systeme heutzutage genau dieses Narrativ aktiv aufrecht erhalten und damit in ganz klassisch matriarchaler Weise Männer der Masse zum Fraß und zur Abreaktion vorwerfen, wird auch noch näher zu beleuchten sein.

Die Herrschaft von Macht und Gewalt

Im Matriarchat herrschen nicht, wie sich die modernen Feministinnen gerne ausmalen, die Frauen und schon gar nicht warmherzige, wohlwollende, mütterliche Gefühle, die nur immer alle so satt und zufrieden machen wollen wie eine Mutter ihr Baby. Sondern es herrscht das Prinzip von Macht und Überlegenheit, um mit allen Mitteln die Struktur und ihre Funktionen aufrecht zu erhalten. Daher herrscht das Gesetz von Zwang und Gewalt.

Matriarchale Gruppen strukturieren sich um den- oder diejenigen herum, die ihnen den besten Schutz vor Bedrohungen jeglicher Art, vor allem auch vor anderen Gruppen bieten können. In archaischen Epochen waren das zunächst einmal diejenigen, die körperlich stark und ausdauernd waren. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Stammes- oder Clan-Führer eine Frau ist. Ganz im Gegenteil, je mehr die Frauen die oberste Führungsposition innehatten, desto mehr musste das Gebot der physischen Überlegenheit dominant sein, denn diese obersten Frauen werden zuallererst dafür sorgen müssen, dass ihnen gehorcht und gefolgt wird und dass sie für Ruhe und Frieden innerhalb der Gemeinschaft und für Schutz nach außen hin sorgen können. Dafür werden sie vor allem starke, kriegerische Männer brauchen, die ihnen folgen und von ihnen abhängig sind, also ihnen die Machtpositionen nicht streitig machen.

Das größte Glück in einer matriarchal organisierten, denkenden und wahrnehmenden Gemeinschaft ist der Einklang mit den Prozessen der Natur und dem „Lauf der Dinge“. Wir bekommen das heute sehr eindrücklich vorgeführt durch die zuweilen aufwendig vertriebenen und allseits beliebten „Weisheiten“ indigener Völker oder ihrer Vertreter. Aus dieser Richtung bekommen wir dann jene Kalender-Sprüche und Poster-Predigten, die uns beschwören, wieder „zur Natur zurückzukehren“, „mit dem Wind im Einklang zu leben“, „vom Wasser zu lernen“ und natürlich die Kinder als Vorbild (für Erwachsene) zu nehmen. Der Grundtenor darin ist hinter aller sehnsuchtsvollen Poesie und kindlicher Empfindungsfülle ebenso simpel wie fehlgeleitet: die einzige Lösung für alle Probleme des modernen Menschen soll darin bestehen, zurück zu kehren zum Bewusstseins-Niveau, zur Denkweise und folglich zum Lebensstandard von Schafhirten, Büffeljägern in Wigwams oder verständnislosen Kindern.

Was in allem matriarchalen Denken fehlt und vollkommen ausgeschlossen ist, ist die Dominanz des rationalen Denkens. Der instinktiv-soziale und emotional-gemeinschaftliche Mensch ist so gut wie allen Naturkräften machtlos ausgeliefert. Er kann sie kennenlernen und nutzen so wie ein Surfer eine Welle nutzen kann, aber er kann ihnen nichts entgegensetzen und sie nicht gestalten. Das gilt sowohl für äußere Geschehnisse wie auch für die biologisch-autonomen Prozesse im Menschen. Daher liegt in den Weltbildern und Erklärungsmythen jedes Matriarchats die größere Macht stets außerhalb des Menschen und der Mensch ist ihr zufolge stets Oper, klein und hilflos ausgeliefert.

Der Mensch, vor allem der einzelne Mensch mit seinen Fähigkeiten und Talenten, zählt im matriarchalen Menschenbild wenig bis gar nichts. Die Gruppe und ihr Zusammenhalt, ihre Geschichte, ihre Mythen und Symbole hingegen sind alles: das ist, was über allem steht und es ist auch das einzige, das langfristig überleben kann. Und Überleben, Leben bewahren und fortpflanzen sind die obersten Werte in einer Bewusstseinsstruktur, die sich aus der Logik der Gebärmutter ergibt.

Das heißt, es gibt im Matriarchat keine Helden, denn ein Held ist stets ein Einzelner, der sich gegen über- und außermenschliche Kräfte in seiner Individualität und Einzigartigkeit behauptet. Das ist im mythischen Kollektivdenken gar nicht vorstellbar und ergibt darin gar keinen Sinn. Das Schlüssel-Prinzip des Matriarchats ist Anpassung an alles Naturgegebene und damit Umformung, Flexibilität bis hin zur Verbiegung, Verstellung, Täuschung und Manipulation – was auch immer gebraucht wird, um irgendwie durchzukommen und zu überleben.

Die Idee des Helden und des vorbildlichen, inspirierenden Einzelnen, ist eine Idee des Patriarchats, dessen Schlüsselprinzip Überwindung und Beherrschung durch den Geist, also durch den rationalen Intellekt ist. Dieses Prinzip fügt zu den zwei Bewusstseinsdimensionen der matriarchalen Strukturen eine dritte Dimension hinzu: die mentale Dimension des abstrakten, begrifflichen Denkens.

Sobald das rationale Denken die Oberhand in einer Gemeinschaft bekommt, wird diese nicht mehr von Ängsten, Instinkt, sozialen Bedürfnissen, Launen und anderen hormonellen, klimakterischen oder klimatischen Schwankungen und Zyklen bestimmt, sondern durch die Erkenntnis und Mentalisierung abstrakter, allgemeingültiger, zeitloser Prinzipien, an denen sich jeder gleichermaßen orientieren kann. Damit wird der Einfluss aller persönlichen Macht auf die Wirkebene einer bloßen Exekutive und Durchsetzung reduziert, welche wiederum anhand objektiver Maßstäbe bewertbar ist.

Dabei spielt es also noch weniger als im Matriarchat eine Rolle, ob an der Spitze einer solchen Organisationsstruktur ein Mann oder eine Frau stehen, denn die geltenden Prinzipien, also Regeln und Gesetze, sind die entscheidenden Leitlinien für alle, und an der Spitze einer solchen Logik müsste derjenige stehen, der die Gesetze am besten kennt, versteht und anwenden kann, also jemand, der primär aus dem rationalen Bewusstsein heraus führt, nicht aus emotionalen oder sozialen Reaktionen des Moments, schon gar nicht aus Angst und Selbsterhaltungstrieb. Die Notwendigkeit physischer Gewalt innerhalb einer solchen Gemeinschaftsstruktur hängt vom allgemeinen Bewusstseinszustand der Mitglieder ab. Je mehr Teilnehmer einer solchen Gesellschaft die Gesetze verstehen, verinnerlichen und anwenden können, desto weniger Gewalt braucht es. Diese ist nur nötig gegen Einzelne oder Gruppen, wenn sie von innen oder außen versuchen, die Integrität der Gesetze zu brechen und sich mit initiierter Gewalt über sie zu stellen.

Das heißt nichts anderes, als dass das Patriachat nur Gewalt braucht gegen die Angriffe aus dem regellosen, selbstsüchtigen Clan- und Instinkt-Bewusstsein der matriarchalen Strukturen. Und das auch nur in dem Maße, wie diese primitiveren und minderbewussten Strukturen mit (physischer) Gewalt wirken. Es ist das Prinzip „Mafia gegen Rechtsstaat“. Die Mafia ist ein Familiensystem und durch und durch matriarchalisch. Man muss sich dafür gar nicht erst das offensichtlich massiv gestörte Verhältnis der „Patres“ und überhaupt der teilnehmenden Männer solcher Organisationen zu Frauen und allen weiblichen Prinzipien anschauen, die Gesamtstruktur ist kreisförmig, um ein „Zentrum der Macht“ herum organisiert, das nur einem einzigen Prinzip folgt: Selbsterhalt und Selbstbereicherung – koste es was es wolle.

Macht in diesen Systemen ist stets die Macht der Kontrolle über das Denken der „Clanmitglieder“. Deshalb sind Zensur und Tabuisierung ihre wichtigsten Herrschaftswerkzeuge. Man darf so gut wie alles, nur nicht eigenständig denken und entscheiden. Es darf auf keinen Fall Individualität, Differenzierung und Selbständigkeit geben. Es gibt nur „die Mutter“ und die (ewig abhängigen) Kinder um sie herum. Als Gegenleistung bekommt man Schutz und Versorgung. Je näher man der Mitte, dem Machtzentrum, gestellt ist, desto mehr persönliche Bedürfnisse und Vorlieben kann man sich auf Kosten des Gesamtsystems – letztlich also auf Kosten seiner Peripherie und natürlich der Außenwelt – erfüllen. In Mafiasystemen – also matriarchalen Strukturen – sind deshalb die Mächtigsten stets die, die sich am wenigsten an Regeln, Gesetze und Normen halten müssen und sich stattdessen von allen am launenhaftesten, exzentrischsten, unberechenbarsten, rücksichtslosesten und selbstsüchtigsten verhalten „dürfen“. Man setze einmal Äußerungen von modernen Politikern eines angeblichen „Rechtsstaates“ oder von Konzernvorständen nach dem Motto „Was kümmert mich mein Geschwätz?“ damit in Beziehung.

All das sind keine patriarchalen und schon gar nicht hyper-patriarchale Haltungen. Ein Vater hat kein Interesse, seine Kinder ewig in der Abhängigkeit zu halten, ganz im Gegenteil, denn das bedeutet für ihn eine extreme Belastung. Er will sie – schon aus reinem Eigennutz – so schnell wie möglich stark und unabhängig. Erfolgreiche Vaterschaft definiert sich durch die kraftvolle Entfaltung der Sprösslinge (des Samens) – übrigens vielleicht die griffigste Tatsache, die all die Pseudo-Patriarchen, die sich in matriarchalen Strukturen verschanzen, entlarvt: denn wenn das selbstherrliche und selbstbereichernde Oberhaupt der „Familie“ nur verängstigte Töchter und Söhne voller Minderwertigkeitskomplexe, Hass und Selbstzweifel hervorbringt, dann ist dies doch der eindeutigste Hinweis auf Mangel an Väterlichkeit. Und es löst in der Erbfolge eine Kettenreaktion der Schwächung aus, die im Matriarchat ganz unproblematisch und routiniert gelöst wird: da es in erster Linie um Funktionen und den Gruppenerhalt geht, werden solche schwächlichen Oberhäupter einfach gestürzt – von innen oder außen – und durch stärkere, machtvollere Figuren ersetzt.

Die Forderung an die Vaterschaft sind andere als die an eine Mutterschaft. Die Aufgabe der Mutterrolle ist nicht die Verselbständigung und Individualisierung, sondern deren Vorbereitung durch bergenden und schützenden Raum. Den zweiten Teil, nämlich die Bemächtigung zur Separation, Unabhängigkeit und damit zum Erwachsensein, übernimmt die Rolle des Vaters. Die Mutterschaft wird ja auch durch die Verselbständigung der „Zöglinge“ immer weniger gebraucht und schließlich ab- und aufgelöst. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von modernen Ideologieschablonen verführen lassen. Die Funktionen und Charakteristika von Mutter- und Vaterschaft sind weder austauschbar noch symmetrisch.

Wir sollten uns an dieser Stelle für später schon einmal merken, dass es in der gesunden Entwicklung eine feste Reihenfolge in dem Bedürfnis nach und damit in der Dominanz von Mutter- und Vaterschaft gibt: das Mütterliche wird zuerst gebraucht, das Väterliche danach und darauf aufbauend. Mütterlichkeit und Väterlichkeit schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich. Dasselbe gilt für die Prinzipien des Matriarchats und des Patriarchats. Auch für sie gibt es eine evolutionäre Reihenfolge und sie schließen sich – außer in den Köpfen moderner Ideologieopfer – nicht aus, sondern ergänzen sich und komplementieren einander.

Der Mensch als ängstliche Masse

Lassen wir uns nicht in die Irre führen von dem Umstand, dass fast alle matriarchalen Systeme heute – und wir haben fast nur noch matriarchale Systeme seit über hundert Jahren – an ihren Spitzen von Männern besetzt sind. Das ist nur eine Besetzungsfrage, keine prinzipielle. Diese „Männer“, die selten über das rein biologische Mannsein hinausgekommen, seltenst wirklich Männer geworden sind, stehen komplett unter der Dominanz der weiblichen, materiellen, mutterbezogenen Kräfte. Es ist gar nicht nötig, sich die Mühe zu machen und bei all diesen Mega-Machos, Patres und Tyrannen das Verhältnis zu ihrer Mutter, zu Müttern und zum Mütterlichen allgemein einzeln psychologisch festzustellen. Die Art und Weise, wie sie selbst hilflos eingewoben sind in das Spinnennetz ihres Machtsystems, wie sie völlig abhängig und fremdgesteuert an den Fäden von Gier, Angst und  Launen hängen, ist Beweis genug für ihre vollkommene Unterwerfung unter die feminine Dominanz. Sie werden beherrscht von den mater-iellen Kräften, von ihrer Angst vor der „großen Mutter“ – sei es Natur oder Maschinerie – die überall in ihnen und um sie herum unverstanden und unüberwindbar mächtig ist: jene Baba Yaga, von denen viele Märchen und die Tiefenpsychologen eine Menge ehrfurchtsvoll zu erzählen haben, wenn man bereit ist, ihnen zuzuhören; jene doppelköpfige Naturgesetzlichkeit der bezaubernden Shakti und ihrer anderen Hälfte, der schrecklichen Kali.

Das Gegenstück zu diesen Psychopathen und Großmäulern ist der Held, also das Individuum, das sich in die Freiheit, vor allem in die innere Freiheit gekämpft, sich seinen menschlichen und körperlichen Grenzen gestellt hat und auf diesem Weg einen eigenständigen Geist erworben hat – und sich von der Herrschaft der Angst befreit hat. Das aber ist die Grundgestalt des Patriarchats, welches im Geistigen, im zeitlos Prinzipiellen wurzelt.

Ein wichtiges Charakteristikum, welches das matriarchale Denken vom patriarchalen unterscheidet, ist seine starke Tendenz zur Verschleierung, zum Verstecken, Verbergen und Täuschen. Feminine Macht bevorzugt es, aus dem Verborgenen, aus dem Dunklen heraus zu agieren und auf keinen Fall gesehen und schon gar nicht erkannt zu werden. Ihre Macht beruht nicht auf konfrontativer Stärke und Überlegenheit, sondern darauf, dass andere sich selbst ihr gegenüber schwach und hilflos glauben oder fühlen. Sie vermeidet deshalb jede offene Konfrontation und greift nie freiwillig direkt und von vorne an, sondern wird stets versuchen, den anderen indirekt zu schwächen oder zu lähmen, um die eigene Macht zu sichern.

Anders als der Patriarch will das matriarchale Oberhaupt so wenig wie möglich gesehen werden. Sein Machtstreben beruht nicht auf Stolz und Wille, sondern auf Angst (vor all dem, was es nicht versteht, und das ist so ziemlich alles, was die menschliche Welt ausmacht) und auf Gier – also auf dem chronischen Gefühl von Mangel, Leere und Defizit – sei es real gegenüber größeren Kräften oder sei es psychisch halluziniert als neurotische Traumaresonanzen.

In einIn einem gesunden Matriarchat wird auf diese Weise durch eher indirekte und subtile Einflussnahme für Ruhe und Ordnung gesorgt. Ein wohlwollendes (Kreis-) Zentrum sorgt dann nicht nur für sich wie ein ewig hungriger Magen, der vom Rest der Gemeinschaft gefüttert und besänftigt werden muss, sondern es wird dafür sorgen, dass alle, die zum Kreis gehören, satt und zufrieden sind. Ein gesundes Matriarchat beruht auf materieller Fülle und physischer und sozialer Erfüllung. Der Frieden im Matriarchat hängt vom Sicherheitsempfinden, Sattheitsgrad und Schmerzfreiheit ab. Solange diese Zustände erhalten werden können, kann eine solche Gemeinschaft stabil funktionieren.

Allerdings ohne Entwicklung darüber hinaus. Sie wird keine Fragen nach dem Sinn des Lebens stellen, sie wird keine Technologie entwickeln wie Telefone, Waschmaschinen oder Flugzeuge, sondern darauf bestehen, dass die Tradition bewahrt und geschützt wird, d.h. alles so gemacht wird, „wie wir es schon immer gemacht haben“. Siehe die indigenen Völker überall in der Welt, in denen es seit tausenden von Jahren keine Entwicklung gibt und die überaus glücklich wie Kinder sein können, aber gegenüber den Veränderungen auf der sonstigen Welt jenseits ihrer kleinen Naturnische vollkommen hilflos ausgeliefert sind und vor allem nichts davon verstehen. Sie sind in einem ewigen Kreislauf gefangen, was dem als schreckliche Gefangenschaft deutlich wird, der erkennt oder ahnt, dass der Mensch seinem Wesen nach zu sehr viel mehr gemacht und fähig ist, als nur wie ein Tier im Einklang mit der Natur geboren zu werden, anspruchslos zu leben und ebenso anspruchslos zu sterben.

Das glücklich und ewig kreisende Matriarchat endet in dem Moment, in dem der Mensch entdeckt, dass er rational denken kann, d.h. dass er die Natur verstehen, erforschen und sogar verändern kann. In dem Moment entsteht ein blutiger und brutaler Kampf, in dem es nicht um Territorien oder Bedürfnisse geht, sondern um das Überleben einer Bewusstseinsidentität. Sobald die anderen Menschen im Bewusstseinskreis des mythisch-sozialen Clandenkens bemerken, dass es „da draußen“ (also jenseits ihres Denk- und Bewusstseinshorizontes) etwas gibt, dem sie sich weder einpassen noch das sie entmachten können, geraten sie in Panik und einen verzweifelten, blinden Zorn, denn dieses „Andere“, dieses undefinierbar Überlegene bedroht alles, womit sie sich identifizieren: nicht bloß ihre Gewohnheiten, Traditionen und Glaubemsdogmen, sondern ihre gesamte Identität, ihre Mythen und Narrative, die ihre Selbstdefinitionen ausmachen.

Da all das aus rationaler Sicht relativ und sogar überwiegend unnötig, bellastend und störend ist, fühlen sich die Menschen im zweidimensionalen Kollektivbezug in ihrem Wesen angegriffen. Sie werden nicht in ihrem Wesen angegriffen, sondern nur in ihrem Glauben und ihren Bildern von ihrem Wesen, aber das macht für sie keinen Unterschied, denn etwas anderes als ihre Bilder und Formeln haben sie nicht.

Die Morgenröte rationalen Bewusstseins am Horizont matriarchaler Organisationen ist ein Angriff auf ihr Selbst-Bewusstsein und damit subjektiv die existentiellste Bedrohung, die für sie überhaupt vorstellbar ist. Wären die Menschen in diesem Übergang fähig, sich kampflos der höheren Bewusstseinsstruktur hinzugeben oder zumindest „auszuliefern“, dann würden sie bemerken, dass ihnen gar nichts passiert, sondern sie nur neu eingebettet und neu ausgerichtet werden. Aber dafür müssen sie zumindest das Bild oder den Glauben haben, dass dieses neue Bewusstsein und die erweiterte rationale Struktur nicht gegen sie sind, sondern für sie. Von diesem Faktor hängt ab, ob Clans, Gruppen oder Gemeinschaften bis an ihr Ende kämpfen oder sich einfügen. Die Mehrzahl der sogenannten „Religionsstifter“ und „Heiligen“ dürfte auch die Rolle gehabt haben, die Erweiterung des allgemeinen Bewusstseins so vorzubereiten, dass sie weniger angstvoll, weniger panisch und damit weniger destruktiv wird. In der global vernetzten Postmoderne könnte diese elementare Übergangsrolle von übergeordneten Geheimdienststrukturen übernommen werden, die eine Kommunikationsform und -weise nutzen, mit der sie schrittweise nur die Verständnisvollsten und Wandlungsfähigsten ansprechen, welche das Wissen um die großen Umbrüche und Transformationen für die nächst niedrigere Verständnisebene herunterbrechen.

Eine sehr gesunde matriarchale Kultur ließe sich so recht leicht in eine patriarchale, rationale Kultur transformieren, wenn sie den Übergang vom dogmatisch-bildhaften Denken zum rational-logischen Denken bewerkstelligt und die Macht der Person oder des Clans abgibt an die Macht der Gesetze und objektiven Regeln. Ein defizientes Matriarchat jedoch wird nicht aus Fülle und (Natur-) Vertrauen heraus agieren können, sondern nur aus Angst und Minderwertigkeitsgefühlen. Wenn sich dann der Verstand und die Vernunft als neue Leitlinien durchsetzen wollen, dann geht das im letzten Durchsetzungsschritt nur mit roher Gewalt, denn eine Integration von Piraten, Psychopathen und Mafia-Clans in einen Rechtsstaat ist unmöglich. Da diese Gang-Figuren immer ganz oben sein und alles unter Kontrolle haben wollen, sich also per se niemals an allgemeingültige, abstrakte Gesetze halten, erfüllen sie die Grundbedingung für die Teilnahme nicht und können nur aussortiert oder – als ein korrupter Schurkenstaat und damit als Feind – vor die Tore gesetzt werden. Letztlich werden sie immer vernichtet werden müssen, denn sie stellen ansonsten eine nie endende, stetig wachsende reale Bedrohung dar, mit der kein Verhandeln oder sonst irgendeine Beziehung auf Augenhöhe möglich ist.

Die Feindschaft gegen den Verstand und den Einzelnen

Das Matriarchat ist jene Gesellschaftsorganisation, in der der rationale Verstand und somit die Vernunft keinen Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Die Basis für Entscheidungen im Matriarchat sind die Zughörigkeit zu einer Gruppe, die Launen und Stimmungen der Anführer und die Bedürfnisse ihrer unterwürfigsten und folgsamsten Untergebenen. Und natürlich die Bedingungen und ihrer Veränderungen wie sie von Naturereignissen vorgegeben werden. Es ist deshalb passend, wenn wir beim Matriarchat an archaische Stammeskulturen und Naturvölker denken, deren Kultur für die Neuzeit und das, was wir westliche oder europäische Kultur nennen keine Rolle spielt.

Denn das Matriarchat ist feindlich nicht nur gegenüber dem rationalen Verstand und mentalem Selbst- und Weltbewusstsein, sondern es ist in Folge davon feindlich gesinnt gegen jede Form von Selbständigkeit, Individualismus, individuelle Rechte, gegen Fortschritt durch neue Erfindungen, gegen Veränderungen des Weltbildes durch neue Erkenntnisse. Es ist gegen das Denken schlechthin. Es wird daher immer bemüht sein, das Denken durch irrationale Narrative lahm zu legen oder zu marginalisieren. Und diese Narrative werden zur Not mit Gewalt durchgesetzt. Entweder „missionarisch“ durch physische Bedrohung oder – in der modernen Variante – durch psychische Manipulation, Propaganda und soziale Korruption.

Die Abwesenheit von Verstand in der Weltanschauung erzeugt Religion. Religion im institutionellen, macht-politischen Sinne beruht auf Konditionierung des Denkens durch blinde Imitation, Routine, Wiederholung, Aushebelung von Logik, irrationalen Forderungen (die sozial oder physisch erpresst werden) und Abhängigkeit von Autoritäten bis zur völlig gedankenlosen Hörigkeit und Folgsamkeit. Der moderne Ersatz für die klassischen Religionen sind Ideologien – abstrakte Weltanschauungskonzepte mit meist hohem Anteil an Weltverbesserungs-Konstrukten, deren große Gemeinsamkeit darin besteht, das ehemalige Konzept von einem Gott durch „das Kollektiv“, „den Staat“ oder irgendeine ähnlich ungreifbare abstrakte Idee von sozialem Paradies ohne Verantwortung, Anstrengung oder Konflikten zu ersetzen. Früher kämpften die Menschen für ihren Gott, heute kämpfen sie für irreale Sozialträume – und glauben, das sei Fortschritt.

Religion ist der soziale-emotionale Ersatz für Sippen- oder Rassenzugehörigkeit. Für gewöhnlich wird man in diese Weltanschauung als Teil einer Gemeinschaft hineingeboren und sie liefert einem bei Bedarf ein Leben lang die Rechtfertigungen dafür, mental und moralisch in dem Dorf zu bleiben, in dem man aufgewachsen ist. In der matriarchalen Weltanschauung, die sich durch solche Religiosität aufrecht und zusammenhält, gibt es keine Objektivität – bzw. sie spielt keine Rolle und muss sogar bekämpft werden.

Im religiösen Weltanschauungsbewusstsein wird nicht durch logische oder rationale Prinzipien festgestellt, was 2 + 2 ist, sondern die Führung der Gruppe bestimmt dies auf der Basis von Tradition, aktuellen Launen und Bedürfnissen und allem voran nach den Notwendigkeiten für den Machterhalt. Für letzteres ist es wichtig, sich von anderen Gruppen, Sippen, Gemeinschaften, Ländern oder Ideologiekreisen so scharf wie möglich abzugrenzen und sich so weit wie möglich von ihnen zu distanzieren, damit man sie leichter als Feind und als Ursache aller Probleme darstellen kann. Matriarchale Machthaber brauchen immer einen Sündenbock, um die system-inhärenten, selbstproduzierten und für sie unlösbaren Probleme und Konflikte auf irgendetwas außerhalb der eigenen Gruppe zu schieben und das Bewusstsein und Denken ihrer Mitglieder stets beherrscht zu halten in der Spaltung zwischen „wir“ (= „gut und richtig“) und „die anderen“ (= „falsch und böse“). Das berechtigt sie dann zu den üblichen Überfällen, Plünderungen, Vergewaltigungen, Unterwerfungen und Ausrottungen anderer Gruppen oder sonstiger unliebsamer Stimmen, mit denen sich die angestauten weil unterdrückten Freiheits- und Wachstumsimpulse der kindlich primitiven Gemeinschaft abreagieren können und jeder Ansatz von Denken erneut von Angst und Zorn überspült und ausgelöscht wird.

Solche Gemeinschaften definieren sich und unterscheiden sich voneinander nur durch ihre eigene – traditionelle oder ideologische Variante von 2 + 2. Die einen sind stolz darauf, dass es 5 ist, weil es schon immer so war. Die anderen schwören darauf, dass es 3 ist, weil ihr Gott es ihnen in ihren Büchern sagt. Ein dritter „weiß“, dass es mal 3 und mal 7 ist und blickt auf die anderen herab, die das nicht akzeptieren wollen. Eine ganz moderne Splittergruppe möchte durchsetzen, dass alle Mitglieder der Gemeinschaft jährlich per freien Wahlen neu entscheiden, was 2 + 2 für sie für die nächsten 4 Jahre sein soll und sie legen Wert darauf, dass dabei vernachlässigte Minderheiten, wie zum Beispiel Menschen mit Fußpilz oder mit Glutenunverträglichkeit eine doppelte Stimme bekommen sollen, um ihren ansonsten statistisch eingeschränkten politischen Einfluss aufzuwiegen.

Auf der Basis solcher Narrative bilden matriarchale Gesellschaften ein Identitätsgefühl heraus – das einzige, was sie haben können – das sich ausschließlich auf die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft bezieht und Individualität oder Einzigartigkeit jenseits von Körpermerkmalen ausschließt. Die Inhalte ihres Glaubens sind vollkommen irrelevant und austauschbar, es sind bloß Gewohnheiten und Insignien ihrer sozialen und irrationalen Zusammengehörigkeit. Das ist für rational strukturierte Menschen oft schwer nachzuvollziehen: dass es überhaupt keinen Sinn hat, auf Inhalte und deren Mangelhaftigkeit gegenüber diesen irrationalen Glaubensgruppen einzugehen.  Es ist ihr Bewusstseinszustand, den es zu verändern und erweitern gälte, damit eine begriffliche, inhaltiche Auseinandersetzung überhaupt einen Ansatz von Sinn haben kann.

Matriarchalisch strukturierte Gruppen bekämpfen sich als Glaubensgruppen auch gegenseitig bis auf den Tod, weil jede Idee, ja schon die Befürchtung, dass es noch eine andersdenkende Gruppe geben könnte, eine chronische existenzielle Bedrohung dieser extrem labilen, herbei fantasierten Pseudo-Identität darstellen. Denn in Wirklichkeit haben sie keine. Auf dieser Stufe des Bewusstseins gibt es keine stabile Identität, nur fluktuierende Bilder und Gefühle.

In den letzten Jahrzehnten nannten sich diese Gruppen in unseren Breitengraden Parteien, Vereine, Gewerkschaften, Logen, Ethnien, Minderheitenvertretungen, Nichtregierungsorganisationen, Aktivistengruppen oder – im ehrlichsten Fall – Interessengemeinschaften. Was auch immer ihre Narrative und Forderungen sind, sie alle sind Teil und Produkt des einen großen, alles durchwebenden Sozialismus und Kollektivismus, denn jede kämpft nur dafür – und hält sich allein für und durch diesen Kampf zusammen –, für ihre Mitglieder ein noch größeres Stück vom großen gemeinsamen Versorgungs- und Machtkuchen abzubekommen.

Diesen Kampf um den Futtertrog gibt es nur in defizienten matriarchalen Strukturen wie z.B. den modernen sozialistischen Systemen. Wir nennen sie verschämt „Demokratie“ oder „soziale Marktwirtschaft“ – offensichtlich brauchen wir den darin enthaltenen Selbstbetrug oder die Ablenkung von der finsteren, unheilvollen Grundidee in ihrem Fundament, dass nämlich das Leben und die Leistungen des Einzelnen dem „Kollektiv“ gehören, einem ungreifbaren, von der Realität abgelösten Konstrukt. Unsere Regierungen legitimieren sich nur als die Stellvertreter dieses „Kollektivs“ als die sie also allen Besitz, alle Leistungen und Produkte, alle Ressourcen und „Chancen“, ja alle Rechte, Privilegien und Pflichten, sogar Gedanken und Ideen horten, verwalten und verteilen. Dafür müssen sie natürlich vorher bei ihnen abgegeben werden, aber dafür sorgen sie schon – sie haben sich die Rechte dazu und die exorbitanten Entlohnungen dafür selbst verfasst und unterschrieben.

In diesem System wählen wir die Vertreter und Parteien, damit sie unsere Interessen, Präferenzen und Ideen durchsetzen – und zwar gegen jede andere. Das hat mit der Struktur eines Rechtsstaates überhaupt nichts zu tun. In einem Rechtsstaat hat die Regierung nur die feststehende Aufgabe, die allgemeingültigen Rechte und die Freiheit jedes Einzelnen zu schützen. Niemals aber seine Interessen! Im Matriarchat hingegen gibt es solche Rechte nicht, sondern nur Interessen und Bedarf. Privilegien und Vorteile werden darin nicht erwirtschaftet, verdient oder errungen, sondern ergattert, geraubt, erzwungen und erpresst von denen, die gerade die strukturelle Macht haben.

Wie lange kann so etwas gut gehen? Wann sind die Ressourcen und Werkzeuge der vorhergehenden Epoche von Freiheit und Produktivität aufgebraucht und verschlissen? Wann sind die Denker, Erfinder und echten Künstler vergrault oder ausgelöscht? Wann kann man die Ingenieure nicht mehr mit Sonderbehandlungen locken und auch nicht mehr mit Gewalt zwingen, die Maschinen zu reparieren? Ab welcher Generation verschwinden dann das Wissen und die Kompetenzen völlig, mit der geerbten Technik umzugehen und neue zu entwickeln? Wann endet die Erinnerung, dass es viel erfolgreichere und wohlhabendere Gesellschaften in der Geschichte gab? Wann bricht die vernachlässigte Infrastruktur zusammen? Wann zerfällt die Sprache in ideologisch-babylonisches Kauderwelsch von tausend Splittergruppen mit ihren idiosynkratischen Lieblingsschablonen der Realitätsverleugnung? Wann beginnt der brutale Kampf um die einfachsten Lebensnotwendigkeiten, die in einer leistungsbelohnenden Gesellschaft immer im Überfluss für alle vorhanden wären? Wann beginnen die Menschen, sich in wirtschaftspolitischen Kartellen, politischen Gangs oder bewaffneten „Aktionsgruppen“ zu organisieren und ihren eigenen Sub-Staat, ihr eigenes Gewaltmonopol zu gründen? Wie viel Täuschung, Zensur, Sedierung und letztlich rohe Gewalt braucht es, um dieses zerfallende Konstrukt einigermaßen zusammenzuhalten? Wann beginnt dann das einfache Volk, nach einer „starken Hand“ zu rufen, die dem Treiben versprenkelter Mafiosigruppen und ihren Bandenkriegen ein Ende bereitet, damit eine Diktatur wenigstens einen Waffenstillstand erzwingt?

Unsere vielgelobte und selten durchschaute „Demokratie“ ist eine dürftig verbrämte Technokratisierung dieses degenerierenden Schwein-am-trog-Spiels. Deshalb durchschaut sie kaum jemand als die primitive, matriarchale Machtmaschinerie, die sie hinter der politisch romantisierten Fassade ist. Alle vier Jahre muss man sich eine Mehrheit oder anders manipulierende Machtposition verschaffen, um die eigenen Wünsche und Vorstellungen allen anderen aufzudrücken. Tatsächlich ist aber auch das längst nur noch Makulatur, die wirklichen Machthaber lassen dieses „Demokratie-und-freie-Wahlen“-Narrativ nur noch als wirkungslose Attrappe und Verschleierung medial aufbereiten. Selbst in dem geringsten, lokal-politischen Umkreis, in dem es noch Effekt hat, können wir nur Matriarchen und matriarchale Institutionen wählen: Verteiler, Versorger und Vormunde. Ein Rechtsstaat, eine freie Marktwirtschaft und eine Souveränität des Volkes sind damit unvereinbar.

Das einzige, das der der Einzelne in so einer anti-rationalen und anti-freiheitlichen Hölle tun kann – wenn eine Flucht nicht möglich ist – ist es, seine Individualität, seine Einzigartigkeit, seine Ansprüche auf Besitz, Verdienst und Eigentum nach außen hin aufzugeben und sich der Gruppe anzuschließen, die am meisten Macht und Einfluss entwickeln kann. Es wird die Gruppe sein, die von allen am wenigsten vor Gewalt und Rücksichtslosigkeit zurückschreckt. Man muss also auch seine Moralvorstellungen, das Streben nach Fairness und objektiver Gerechtigkeit, überhaupt nach allem Allgemeingültigem aufgeben und sich seine erwünschten Privilegien und „Rechte“ bis hin zum nackten Überleben, dadurch sichern, dass man sie anderen wegnimmt bzw. wegnehmen lässt durch Gewalt, Manipulation, Betrug und durch opportune Anpassung an das aktuell herrschende Macht- und Verteilungssystem. Es wird nicht produziert, es werden keine Konflikte gelöst, es werden keine neuen Wege gefunden. Wie auch, wenn die Machthaber selbstsüchtige, rücksichtslose Despoten sind, denen es nur um Prestige und Einfluss geht? Die Ressourcen werden tatsächlich immer knapper und man kann nur noch mehr bekommen, indem man anderen mehr entreisst.

Niemand kann sich in so einem System noch über Talente, Kompetenzen und Leistungen definieren und hervortun, sondern nur noch über Bedürfnisse, Schwächen, sexuelle oder sonstige Vorlieben, über Hautfarbe, religiöse, ethnische, territoriale oder vererbte Zugehörigkeit zu einer Kohorte, Kaste oder Sippe – also durch Merkmale, die nichts mit dem Verstand und eigener Leistungsfähigkeit zu tun haben dürfen. Der eigenständige Denker und der Erfinder werden gehasst, weil sie etwas haben, das die Vertretungsgruppen von Mangel und Ohnmacht nicht haben und nicht kontrollieren können. Es würde ihr gesamtes Schwein-am-Trog-Spiel als das entlarven, was es ist: unmenschlich.

Das ist übrigens auch der Grund, warum in matriarchal strukturierten Gemeinschaften und also heute so gut wie überall alle Emotionen erlaubt und erwünscht sind bis auf eine – Stolz. Denn Stolz ist die Begleitemotion von steigendem Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit bis hin zur Vorbildlichkeit im Sinne von Werterfüllung und erstrebenswertem Ideal. Was Menschen mit matriarchalen Denk- und Anschauungsstrukturen mit am meisten an patriarchalen Strukturen und rational organisierten Menschen hassen, ist deren Zentrierung um und deren Wertschätzung für echten, verdienten Stolz. Wenn man unmittelbar abschätzen möchte, wie matriarchalisch das Denken einer Gruppe oder eines Menschen ist, braucht man daher nur zu erkunden, wie ihr Verhältnis zum Stolz ist. 

Ich überlasse es dem aufmerksamen Leser, die Parallelen in all diesen Aspekten zu unserer heutigen Welt, unseren allgemein anerkannten Denkweisen, den medialen Standardnarrativen, unseren weltweiten politischen Systemen, vor allem der allgemeinem Grundstimmung der westlichen Welt und dem darin wirkenden Bewusstseinszustand der Menschheit zu ziehen.

Der Übergang, den wir erleben

Die bisherigen Skizzierungen von matriarchaler Ordnung und von ihren Unterschieden zur patriarchalen Ordnung geben uns einen ersten Eindruck von dem Kampf und seinen Antagonisten, in dessen Kulminations- und Wendepunkt wir in diesen Jahren jetzt stehen. Unserer Situation ist jedoch um einiges vertrackter als der urtümliche Übergang einer Gesellschaft vom mythischen zum rationalen Bewusstsein. Denn diesen Schritt machte die Menschheit über viele hunderte von Jahren bereits in den Epochen bis zur Hochzeit der griechischen Kultur, die als die Wiege des rationalen Denkens als führende Kraft für alle gesellschaftlichen Fragen gelten kann.

Heute sind wir an einem ganz anderen Punkt, denn wir haben die maßgebliche Kraft des Verstandes über hunderte Jahre wieder verloren – kontinuierlich seit der Renaissance – und müssen sie nicht bloß wiedererringen, sondern uns auch mit dem gefährlichen Problem auseinandersetzen, dass die Menschheit einerseits im Besitz von wissenschaftlich-rationalen Artefakten, vor allem Hochtechnologie und Medientechnologie ist, aber längst keine rationale Kultur, Philosophie, Politik und Weltanschauung mehr hat. D.h. wir haben die Technik, um uns und weitgehend alles Leben auf der Erde zu vernichten oder Menschen unter totalitäre psychologische Kontrolle zu bringen, aber wir haben kein Bewusstsein, kein Verständnis und keinen Weitblick, um damit verantwortungsbewusst und förderlich umzugehen. Kurz: die intelligenten Erfindungen und Waffen einer rational-logischen Kultur sind nun in den Händen von Kollektiv-Mystikern und Macht-Fetischisten, deren Ich- und Weltbewusstsein höchstens eine matriarchale Gesellschaftsorganisation mit primitiver, clanartiger Machtzentrierung erfassen und aufrechterhalten kann. High-Tech-Geräte und High-Tech-Medien in den Händen von völlig überforderten, chronisch naturängstlichen Kindermenschen!

Das ist die Herausforderung, die wir zu bewältigen haben. Und wir sind mittendrin. Es geht gar nicht mehr darum, Pläne zu schmieden, das ist glücklicherweise vor 60 Jahren und früher schon passiert, denn es gab immer Zirkel und Gruppen, die den Abstieg der führenden Kulturen beobachteten und verstanden ohne davon mitgerissen zu werden. Diese Pläne sind seit Jahrzehnten schon in der Umsetzung und sie sind sehr umfassend und weitreichend, denn sie müssen alle Aspekte des menschlichen Lebens in unserer Zeit und für die ganze Welt mit einbeziehen.

Unsere Aufgabe als zunächst nur Teilnehmer dieser gewaltigen Transformation kann es fürs Erste nur sein, sie in ihren Ursachen, in ihren Bedeutungstiefen und Folgen zu verstehen. Nur dann können wir uns selbst als Einzelne darin verorten und orientieren. Die Möglichkeit, sich als separat und ausgeschlossen davon zu betrachten besteht rational nicht. Das wäre so als würden wir uns als unberührt und außenstehend gegenüber der Erde und der lebenden Menschheit selbst betrachten.

Ganz besonders wichtig ist ein Tiefenverständnis des epochalen Vorgangs für all jene, die sich berufen fühlen, eine führende Rolle zu übernehmen und anderen Richtung und Orientierung zu geben.

Aus diesem Grunde müssen wir uns den regredierten Bewusstseinszustand unserer Zeit noch einmal genauer ansehen, denn das ist der Status Quo, von dem aus wir in die Erweiterung und Umwandlung gehen.

Das mythisch-matriarchale Bewusstsein im 21. Jahrhundert

Wir haben die Prinzipien der matriarchalen Macht- und Gesellschaftsstrukturen schon umrissen und es mag anhand dieser Skizzierung äußerst abwegig erscheinen, den heutigen „modernen“ Gesellschaftssystemen und sogar den führenden westlichen Hochtechnologie-Kulturen genau diese archaische und verhältnismäßig primitive Form der Organisation mit ihrer mystischen Epistemologie und irrationalen Grundverfassung zu unterstellen.

Wir dürfen bei der Diagnose jedoch nicht die oberflächlich sichtbaren Symptome mit den wirkenden Prinzipien und Ursachen dahinter verwechseln. Hier geht es um die Grundprinzipien und Grunddynamiken, die unsere Kultur, unser Denken und unser Leben bis in die kleinsten Alltagsdetails hin bestimmen.

Nach den bisherigen Charakterisierungen der sozial-mythischen Bewusstseinsstruktur mit ihren matriarchalen Prinzipien der Gemeinschaftsbildung sollte es uns nun nicht mehr wundern festzustellen, dass dieser Bewusstseinsstruktur die Tendenz zum Verstecken, Verbergen, Verschleiern und Verdunkeln inhärent ist. Wir müssen mit diesem Verständnis sogar davon ausgehen, dass sie stets darum bemüht ist, nicht nur anders zu erscheinen als sie nach innen hin wirklich ist, sondern letztlich möglichst unsichtbar zu sein und zu wirken. Zur Erinnerung: die feminine Form der Dominanz ist nicht offenkundig und direkt, sondern versteckt und indirekt, subtil und im Verborgenen, Unbewussten wirkend. Ihr primäres Ziel ist Selbsterhalt und keineswegs Eroberung, schon gar nicht Kampf. Sie wird also stets einen großen Teil ihrer Einflussmöglichkeiten darauf richten, nicht erkannt und identifiziert zu werden, sondern ihre Macht „unterhalb des Radars“ der öffentlichen Wahrnehmung und Denkens auszubauen.

Das gängigste und bis zur Ermüdung wiedergekäute Narrativ in der gesamten postmodernen intellektuellen und semi-intellektuellen Welt ist: „Wir werden von einem exzentrischen und hypertonen Patriarchat kontrolliert und gegängelt“. Damit ist für Reiz-Reaktions-Denker und Bestseller-Autoren bereits die Ursache aller Misere, Frustrationen, Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten gefunden, so dass sie gleich zum nächsten Denk- und Kategorisierungsfehler übergehen, nämlich: „Also sind die Männer an allem schuld!“, woraus sie dann die Stammtisch-Konsequenz ziehen: „Die Männer sind das Problem!“ oder „Wenn die  Männer nicht … wären, dann…!“

Dass dieses Narrativ vom bösen, dauerquälenden Patriarchat so verbreitet ist unter den systemisch gut versorgten professionellen Beschwerdeführern und medial geförderten ideologischen Reklamationsanbietern und dass diese nie auch nur eine annähernd realistische und realisierbare Lösung aus dieser Hypothese heraus formulieren können, sollte uns einigermaßen stutzig machen. Es wird nur geklagt und geschimpft, aber keine Anstrengung zu einer Veränderung unternommen.

Die Lüge mit dem Patriarchat ist ausgesprochen billig und lebt davon, dass keiner weiß, was das Wort eigentlich bedeutet und auch nicht nachfragt. Vielleicht traut man sich nicht mehr, weil man es sich im bequemen Dunstkreis solcher emotional aufgepumpten Wortblasen nicht mit scharfen Definitionen unbequem machen will. Das Lügennarrativ stützt sich auf die Begründung, dass ja in unserer Gesellschaft und schon seit langem, alle Autoritäts- und Entscheidungspositionen überwiegend von Männern besetzt sind. Das ist Fakt. Aber die Interpretation, die dann stillschweigend und ohne jegliche Begründung geschweige denn realistische Untersuchung aus Männern „Patriarchen“ macht und aus Funktionsträgern Herrscher und Systemlenker, ist so albern und intellektuell so schlampig, dass sie es nicht einmal wert ist, näher betrachtet zu werden.

Wir haben bereits aufgezeigt, dass in matriarchalen Strukturen der Erhalt des Clans oder der Gemeinschaft die zentrale Grundausrichtung ausmacht und dass dafür die Funktionen und Traditionen innerhalb der Gruppe wichtiger sind als die Individuen, die diese tragen. Es spielt dabei keine Rolle, ob in ihrer Mitte eine Matriarchin oder ein Matriarch sitzen – das System und seine essentiellen Charakteristika sind dieselben.

Die Frau an sich (nicht die individuelle Person) ist im Matriarchat insofern bedeutender, als dass sie in der Rolle als Mutter das Mysterium des Gebärens und Versorgens und damit die geheimnisvollen Kräfte der übermächtigen Natur repräsentiert. Die Männer sind im Matriarchat hingegen: Drohnen. Also Krieger-Drohnen, Arbeiter-Drohnen und Begattungs-Drohnen. Eine Drohne, genauer: ein Drohn, ist ein (Mit-)Arbeiter, der jedoch an der „Honigeinbringung“ nicht teilhat, also nicht produktiv ist. Drohnen sind ferngesteuerte, unbemannte Fluggeräte „zum Einsatz an schwer zugänglichen oder gefährlichen Orten“ (so das Wörterbuch). Männer sind Drohnen in Systemen und Kollektiven, in denen der Selbsterhalt der Gruppe und ihrer Narrative höher gewertet wird als das Individuum und seine Kompetenzen oder Talente.

Im Matriarchat ist das männliche Prinzip dem weiblich-mütterlichen Prinzip des Erhaltens und des Sich-Fügens in gegebene Naturprozesse nach- und untergestellt. Im Matriarchat gibt es keine Männer, sondern nur Männchen. Es herrscht – nicht die Frau – sondern die Große Mutter, und zwar nicht als Person, sondern als Prinzip im Bewusstsein aller Mitglieder und höchstens personifiziert oder genauer gesagt figuriert.

Diese Figuration des alles umfassenden und alles fassenden Mütterlichen kann übernommen werden von einer Matriarchin, einer Königin oder einem Matriarch und „Oberhaupt“, von Priesterinnen oder Priestern, von Orakeln, Medizinmännern oder -frauen oder – von einer Institution.

Letzteres ist für uns heute sehr wichtig zu erkennen. Denn mit den zuvor genannten Rollentypen können wir so gut wie nichts mehr anfangen und betrachten sie als archaisch, zumindest antiquiert oder als seltsam nostalgische Fetische marginaler Subkulturen. Was wir aber heute überall erkennen können, ist die Figuration der matriarchalen Herrschaft und Grundstruktur in Institutionen: Firma, Kirche und Gemeinde, Universität, internationale Organisation, Loge, Republik, Regierung, Vereinsgemeinschaft, Sport-Liga usw. Es ist der Geist dieser selbstbezogenen, sich-selbst bewahrenden und zum reinen Selbstzweck sich ausdehnenden Organisationen, der heute all unsere Kultur und unser Denken bestimmt.

Wir beten heute keine tönernen Fruchtbarkeitsgöttinnen an und vergöttern auch nicht mehr irgendwelche Naturprozesse als lebensbestimmende Kräfte oder „Zeichen Gottes“. Aber wir leben mit einer so grundsätzlichen und umfassenden Funktionalisierung des Menschen allein zum Zwecke des Erhalts eines technokratischen Systems, das keinen weiteren Sinn mehr hat als den reinen Selbsterhalt, wie es das nur in einem Matriarchat geben kann.

Wir sind über viele Generationen hinweg zurückgefallen auf das Niveau vor-hellenistischer Gesellschaften, nur mit dem Unterschied, dass uns die Technologie, die Ergebnisse der Wissenschaft, die Philosophie-, Rechts- und Politiksysteme aus patriarchalen Epochen heute zur Verfügung stehen. Wir benutzen sie jedoch nicht mehr, um den Menschen in seinem menschlichen Wesen und Potenzial zu fördern, sondern um ihn zu unterdrücken. Für was? Für den Erhalt des Großen Systems – ein neurotisch degeneriertes Zerrbild des Große-Mutter-Archetyps.

Die Funktionalisierung des Menschen für eine unpersönliche Maschinerie oder für irreale Ideologien und unmögliche Zukunftskonstrukte ist Symptom einer matriarchalen Bewusstseinsstruktur, und zwar einer schwer gestörten und defizienten, denn sie strebt nach selbstverformender Anpassung nicht an die Natur, sondern an menschengebaute, leblose und starre Systeme und Verwaltungsapparate. Im macht-emittierenden Mittelpunkt des modernen Techno-Matriarchats steht keine sichtbare Person mehr, sondern nur noch eine Idee, ein Bild oder ein Narrativ. Also eine Schimäre, eine konstruierte Vorstellung. Um dieses fiktive Zentrum herum baut sich ein komplexer, immer weiter ausufernder Apparat von Funktionen, auf deren Positionen sich kaskadenförmig von der Mitte weg nicht nur Macht, sondern vor allem auch das Recht auf Fütterung vom Gesamtsystem herabstufen bis an die Peripherie dieses Machtkreises, wo es weder Macht noch Versorgung, sondern nur noch völlige Selbstopferung für ein Minimum an Leben-gelassen-Werden und Dienen-Dürfen ohne weitere Rechte gibt.

In diesen Systemen spielt das Geschlecht keine Rolle mehr – weder das biologische noch ein sozial konstruiertes. Und wenn wir ihre Dynamik einmal durchschaut haben, können wir die substanzlosen Scheingefechte von „Frauen gegen Männer“ oder „Frauen für mehr Frauenrechte“ ein für allemal hinter uns lassen. In diesen toten Strukturen herrscht die technisch-bürokratische Logik der Geschlechtslosigkeit. Vor dem System sind alle gleich, und zwar gleich wertlos. Die hektischen Elenden, die sofortige und totale Gleichberechtigung einfordern oder zwangsverschreiben wollen, haben nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis ihrer hitzigen Anti-Haltung und Instant-Reformen die Gleich-Entrechtung sein würde und dass die längst gewählte Abkürzung zur einzig möglichen Gleichmachung der Menschen führte, indem man alles Menschliche und Wesenhafte an ihnen ignoriert und sie nur noch als Funktionsträger in einem Gesellschaftsapparat betrachtet. Der Sieger dieses ideologischen Wettbewerbs der Negation ist natürlich der Psychopath, das seelenlose Monster. Und auf dem zweiten Platz mit der Silbermedaille steht aufrecht und über alle anderen erhaben der Bürokrat.

Den dritten Platz in dieser Mechanik hat der willen- und selbstlose Mitläufer, der nicht gequält wird von einem eigenen Gewissen und das Getriebe nicht durch rationale, logische oder sinnbezogene Fragen stört. Dies ist die Macht-Hierarchie der modernen Gesellschaften: die psychopathische Spitze gibt einem Heer von Bürokraten Richtung und Narrative, mit welchen diese wiederum eine Masse von widerstandslosen Funktionsträgern steuern und dauer-beschäftigen. Wir müssen an dieser Stelle jedoch mit dem Begriff „Hierarchie“ aufpassen. Die Stufung ist – matriarchalisch eben – nach innen aufsteigend gerichtet und nicht nach oben wie in einer patriarchalischen Struktur.

Diese Matrix der konstruierten Systeme und Institutionen ist gemäß ihrer gebärmuterartigen Ordnung umso undurchdringlicher, geheimnisvoller und verschlossener, je mehr man zu den Zentren ihrer Macht vordringt. Die Ordnung in solchen Systemen wird nicht durch ein trans-parentes (lat. trans = „durch/hindurch“ und lat. pārēre = „erscheinen, sichtbar sein, erschaffen“, vergleiche auch mit parentes = „Eltern“) Werk von Regeln und Gesetzen aufrecht erhalten, sondern durch ständige private Übereinkünfte zwischen Teilnehmern und Untergruppen, in denen mit den Währungen Einfluss (Macht), Versorgung (Selbstbereicherung) und Absicherung (Schutz) Tauschhandel betrieben wird. Die Gegenbezahlung für diese käuflichen Privilegien besteht aus Unterordnung, Gehorsam und Anpassung, Folgsamkeit gegenüber der nächsthöheren Macht-Stufe und Verzicht auf eigenständiges Denken, Handeln und Entscheiden.

Zur Mitte hin nehmen also, wie wir es bereits für matriarchale Ordnungen beschrieben haben, Macht, Schutz und Versorgung zu. Es nehmen im gleichen Maße aber auch Selbständigkeit, Integrität und Individualität ab. Was für ein Konstrukt ergibt sich daraus? Ein soziales Konstrukt, das auf Abhängigkeit, Gefügigkeit, Launenhaftigkeit und Selbstlosigkeit beruht.  Damit sind jedoch nur die inneren Einfluss- und Bevorzugungsdynamiken beschrieben. Die Narrative, die innerhalb des Systems, wie alles andere auch ausgehend von seiner bestimmenden Mitte den System-Mythos bilden, können davon komplett abweichen. Oder besser: sie müssen davon abweichen. In Systemen, die auf funktionaler Macht und Fügsamkeit beruhen, muss die selbstherrliche und sich selbst versorgende Macht stets sicherstellen, verschleiert zu werden. Sonst würden ihre Gefolgsleute nicht bloß die Ungerechtigkeit der Ressourcenverteilung und das Positionen-Geschachere erkennen, sondern viel schlimmer noch das unsägliche Kompetenz-Vakuum im Machtzentrum.

Deshalb ist der Bezugs-Mythos in solchen Systemen das entscheidende Hypnosemittel, um die Menschen in ihren Funktionen und Positionen zu halten und zur immer weiteren Selbstaufgabe anzuspornen. Die Hauptfunktion des Mythos mit seinen Dogmen, Katechismen, Narrativen, Normierungen und besonders auch Tabus und Denkverboten ist die Verschleierung der Machtdynamik, denn die wertvollen Ressourcen fließen immer nur in eine Richtung: zur Mitte hin, das heißt zu den Funktionären und Eliten, die sich das System für ihre Selbstbereicherung und Abschirmung zunutze machen und es, also die Menschen in ihm, für sich arbeiten lassen. Was zurückfließt zu den Drohnen und Arbeiterinnen sind neben lebenserhaltenden Minimal-Nährstoffen in erster Linie Betäubungsmittel: alles, was Sicherheit, Zugehörigkeit, Gebundenheit, Wohlbefinden, Versorgung und Alternativlosigkeit suggeriert und das Nachdenken, Hinterfragen, Anzweifeln, Forschen, Prüfen, Kritisieren oder Anfechten lähmt.

Wenn wir uns also fragen, warum Menschen an so einem ungerechten, menschenunwürdigen System freiwillig teilnehmen und es sogar mit Zähnen und Klauen verteidigen, sobald sie sich darin destabilisiert fühlen, dann haben wir hier die Antwort: weil die Mitgliedschaft ein Deal ist, in dem man Integrität gegen Verantwortungslosigkeit tauscht. Gib Dein eigenständiges Denken und Dein Wahrnehmung von Dir selbst, Deinem Wesen, Deinen Werten und Deinem Potenzial ab und erhalte dafür die volle System-Absolution für Achtlosigkeit, Naivität, Oberflächlichkeit, Bequemlichkeit und Vergnügungssucht – mit einem Wort: Selbstvergessenheit. Damit also Selbstlosigkeit. Im psychologischen Sinne zumindest Sinnlosigkeit.

Daraus lässt sich auch ablesen, mit welchem tiefgreifenden Schmerz eine Ablösung aus diesem Deal verbunden sein muss. Denn wer sich aus dem Spinnennetz eines matriarchalen Systems lösen will oder von außen herausgelöst wird, der muss sich seiner Selbstleugnung und der Abtrennung von seiner Veranlagung als selbständiges, rationales Wesen stellen, für die er nichts anderes erhalten hat als geistige Betäubung. Das ist so zutiefst unmoralisch und gegen die Bestimmung des Menschen, dass der Schmerz weit darüber hinaus geht, physisch zu sein. Er ist seelisch, um ein einigermaßen angemessenes Wort zu nutzen: im untersten Fundament unseres Seins und unserer Identität. Menschen werden alles versuchen, um diesem Schmerz auszuweichen, auch wenn es sie ihr Leben kostet.

Die Merkmale unserer matriarchalen Apathie

Der Leser wird in den bisherigen sehr allgemeinen und grundsätzlichen Charakterisierungen matriarchaler Strukturen bereits die Parallelen und Übereinstimmungen mit dem Status quo unserer modernen Gesellschaftsstrukturen erkannt haben. Die einzige Überraschung mag dabei sein, dass die gängigen Erklärungsmodelle gar nicht zutreffen und dass all das, was in der Breite als Lösung für die stetig wachsenden Konflikte, Mängel und Degenerationserscheinungen verkauft wird, tatsächlich nur die Grunddynamik des defizienten Systems mit seinen Irrlehren fördert und verstärkt. Alle willkommenen und wohlklingenden weil systemimmanenten Lösungsvorschläge jagen alles nur noch tiefer in die Sackgasse und Ausweglosigkeit hinein – und beschleunigen damit den kulturellen und schließlich den sozialen Niedergang.

Dass aber innerhalb einer sozial-mythischen, matriarchalen Weltanschauung keine echten Lösungen im Sinne einer Ablösung von falschen Narrativen generiert und gefördert werden, sollte uns nun gar nicht mehr überraschen. Auch nicht, dass alle erlaubten und gestützten Anstrengungen innerhalb dieses Macht- und Selbstversorgungssystems tatsächlich nur bemüht sind, den eigenen und damit den gesamten Status quo zu erhalten, jede fundamentale Veränderung zu bekämpfen und allein schon die Idee einer Prinzipienänderung mit allen Mitteln zu negieren.

Welche stichhaltige, plausible Begründung finden wir denn sonst dafür, dass die Leistungsfähigkeit der Menschen weltweit seit Generationen kontinuierlich zurückgeht (während gleichzeitig das Narrativ mit aller Gewalt aufrechterhalten wird, es gehe immer bergauf und ergo seien wir heute die höchste Spitze der menschlichen Kulturentwicklung aller Zeiten)?

Wie anders können wir denn das mittlerweile schon sprichwörtlich gewordene weil völlig offenkundige Phänomen erklären, dass in allen größeren Institutionen unserer Gesellschaft – und besonders in den angeblich sozialen und den internationalen Organisationen in ihren Hierarchien nach oben hin die Inkompetenz, die Charakterlosigkeit, die Korruptheit und damit die Verantwortungsunfähigkeit berechenbar zunehmen?

Wenn die „Demokratie“, in der wir angeblich seit 75 Jahren leben, die großartigste und menschlichste Staatsform ist, warum degenerierte dann in genau der gleichen Zeit alles Kulturelle so rasant, dass die Chronisten gar nicht mehr mitkommen?

Warum haben die Menschen immer weniger Interesse an Politik und politischen Diskursen, am Verständnis von Zusammenhängen, Hintergründen und plausiblen Erklärungen? Warum fragt niemand mehr nach, während die offensichtlichen Widersprüche und Schwankungen in den offiziellen Narrativen immer extremer und surrealer werden?

Warum wehren sich die meisten Menschen mit heftigsten Emotionen und geradezu zügellosem Zorn gegen jegliche Andeutung, die die tatsächlichen Machtstrukturen ihrer Welt beleuchtet oder hinterfragt? Warum die geradezu instinktiv-körperliche Abwehr gegen alles, das den Stempel „Verschwörungstheorie“ aufgesetzt bekommen könnte. Und warum ist dieses Phänomen umso stärker, je höher jemand auf der sozialen (Macht- und Versorgungs-) Leiter steht?

Wie ist es möglich, dass wir seit Jahrzehnten eine multi-millionen geförderte Krebs-, Aids- und Virus-Forschung haben, deren Spitzenköpfe nicht erklären können, was sie mit „Krebs“ überhaupt meinen und bezeichnen oder die sich wie beleidigte Kinder gegen die mehrfach belegte Tatsache wehren, dass es biologisch gar keine „Viren“ gibt, schon gar kein „Humanes Immundefizienz-Virus“, von „Covid-xy“ gar nicht zu reden? Was für Wissenschaftler sind das? Was ist das für eine Wissenschaft und worauf beruhen diese pseudo-elitären Zugehörigkeitskreise wirklich?

Wie kommt es, dass die Menschen in der größten Mehrheit jeden groben Unsinn glauben, den sie im Fernsehen sehen oder in der Zeitung lesen, solange sie dazu auch nur ein einziges stümperhaft gefälschtes Foto und eine hanebüchene Geschichte zu hören bekommen? Warum sind die Menschen so durch und durch irrational in Bezug auf alles, was mit Machtstrukturen und Welterklärungen zu tun hat? (Während sie in den konkreten Belangen ihres alltäglichen Lebens, vor allem im Geschäftsleben und bei allem Finanziellen penibel rational und strategisch zu sein versuchen.)

Warum degeneriert unser Bildungssystem so rapide und kontinuierlich, so dass heute Menschen mit den höchsten Abschlüssen die einfachsten Sachverhalte nicht mehr darstellen und verstehen können? Warum muss das Niveau der Elementarschulen immer weiter abgesenkt werden, damit die Kinder noch halbwegs mitkommen?

Warum glauben die Menschen jeder Figur, die sich als Autorität ausgibt oder inszeniert und stoßen jede echte Autorität, die mit Wissen, Verständnis und Kompetenz helfen könnte, empört beiseite?

Warum sinkt der moralische Standard vor allem überall dort, wo die Menschen materiall gut versorgt sind und viel mehr zur Verfügung haben als sie zum „guten Leben“ bräuchten? Warum die wachsende Frustration der Menschen im materiellen (!) Überfluss und warum ihre universale Hoffnungs- und Fantasielosigkeit in Bezug auf jegliche Alternative oder Chance?

Warum sind die Menschen von allen möglichen Narrativen und einfachen Handlungsaufforderungen so leicht zu begeistern und warum schließen sie sich weltanschaulichen Gruppen an, die ihnen nur durch Zugehörigkeit ein Gefühl von Wichtigkeit und Bedeutung geben (nicht als Individuum, sondern als Teil dieser Gruppe)? Warum engagieren sich kaum Menschen für nüchterne Analysen, empirisch-rationale Erklärungen, logisch und ganzheitlich bedachte Lösungskonzepte? Warum versucht überhaupt niemand mehr, ein Problem zu lösen? Warum nur noch das immer lautere und grellere Schreien nach Aufmerksamkeit, nach mehr Ressourcen (Geld und mediale Aufmerksamkeit), nach Einschränkungen, nach staatlichem Einschreiten und Regulieren, nach Sonderbehandlungen für sich und systematische Benachteiligung oder sogar Opferung der anderen?

Warum versuchen die, die am besten versorgt und privilegiert sind, sich am meisten als Opfer und Bedürftige zu inszenieren? Wodurch entsteht überhaupt dieser gesamtgesellschaftliche Dauerwettbewerb um das größte Opferimage und die größte Bedürftigkeit?

Warum engagieren sich die Menschen in alle möglichen Richtungen für die Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gemeinschaft, die ihnen Identität gibt, bleiben dabei aber resigniert und intellektuell völlig passiv?

All diese Fragen, die sich endlos weiter auffächern ließen, lassen sich mit einer einzigen Frage zusammenfassen: Warum verhalten sich die Menschen wie immer jüngere, abhängige Kinder und wehren sich dagegen, ihren Verstand, ihre Fähigkeiten zum rationalen Denken zu benutzen?

Die Antwort ist nun nicht mehr von weit herzuholen: weil sie in einer Kultur und Bewusstseinsstruktur leben, die nur das fördert und belohnt. Und das ist, wie jetzt überdeutlich klar sein sollte, keine patriarchale Kultur, sondern eine matriarchale. Allerdings eine insofern spezielle matriarchale Kultur, als dass sie die Artefakte vergangener patriarchaler Gesellschaften benutzt und sich ihrer noch vorhandenen Überreste bedient. Ihre verschleierten Machtzentren schützen sich nur durch das öffentlich ausgegebene und geförderte Narrativ, alle Probleme kämen aus einer Hyperdominanz „patriarchaler Strukturen“, die also noch weiter bekämpft und geschwächt werden müssen.

Das Prinzip dürfte klar sein. Ich will dennoch zur Veranschaulichung ein paar konkretere Hinweise geben, wo und in welchem Ausmaß wir matriarchale Strukturen und Denkweisen in der Welt finden, in der wir leben.

Das sicherlich plakativste Beispiel für diese Form der Gemeinschaftsformung ist die Kirche. Gemeint ist jede Form von Kirche, also die Grundidee von Kirche überhaupt. Von den „freien“ Gemeinden, in denen man nur fertige und weitgehend zahnlose Denk- und Begriffsvorgaben vorgekaut bekommt, über die katholische Kirche mit ihrer konsequent anti-geistigen und anti-vitalen Ideologie bis hin zum fundamentalen Islamismus und jenen versprenkelten noch mehr abgeschotteten, noch morbideren Suizid-Sekten, die jegliches kleinste Merkmal von Menschlichkeit und Individualität bereits im Keim ersticken und nur fremdgesteuerte humanoide Hüllen hervorbringen. Sie alle funktionieren ausschließlich auf der Basis von Angst, Orientierungslosigkeit und autoritärer Bevormundung. Die Mitglieder müssen hochgradig infantil und abhängig sein, damit das funktioniert und sich selbst erhält. Die Aufgabe einer „Kirche“ ist es, dafür zu sorgen, dass das so bleibt.

Das Gleiche gilt auf einer abstrakteren Eben für jede Form der institutionalisierten Religion. Da Religion, richtig verstanden, ein ideologischer, d.h. eigentlich philosophischer, weltanschaulicher Rahmen zur geistigen Wesens- und Potenzialentfaltung und damit immer zur Individualisierung, Selbstverwirklichung und Verselbständigung ist, ist jede Form ihrer Institutionalisierung bereits ihre Zerstörung und Verdrehung in ihr Gegenteil.

Man mag es nicht glauben wollen, aber auch die sogenannten „Wissenschaften“ sind der Epistemologie des Sozial-Mystizismus völlig unterworfen und haben ihr Interesse an der Realität verloren. Wie auch sonst sollten sie in einem matriarchalen Verteilungssystem überleben – und zwar so satt und gut überleben?

Die sogenannten „Geisteswissenschaften“ sind eine reine Sammlung von Glaubensrichtungen, -bekenntnissen und -kriegen. Sie handeln nur noch mit Narrativen und Narrativen über Narrative, wobei das Kriterium für Richtigkeit sich aus dem ergibt, was dem jeweiligen „Wissenschaftler“ oder Institut aus nicht weiter reflektierten Gründen gerade opportun erscheint; z.B. um mehr Forschungsgelder zu erhalten. So kann man sich seinen Lebensunterhalt auch verdienen – und Weltbilder erfinden.

Aber sogar in den Naturwissenschaften gilt schon längst das Prinzip der „Wahrheit durch Mehrheit“. Nicht mehr Fakten und empirische Beweise sind ausschlaggebend, sondern die Anzahl und vor allem die institutionelle Stellung der zustimmenden Protagonisten. Richtig und wahr ist, worauf sich „namhafte Wissenschaftler“ einigen. Auf welcher Basis? Man weiß es nicht. Vermutlich auf der Basis, die im Matriarchat für alles gilt: was mehr Macht gibt und/oder einem mehr Ressourcen verschafft. Nicht harte Beweise zählen, sondern ein „ausreichender Konsens“ von „Wissenschaftlern“, deren Motivation alles Mögliche sein kann, aber definitiv nicht die Erforschung der Realität und der Welt wie sie faktisch-objektiv ist. Denn – und das bitte wörtlich verstehen: daran glauben sie schon lange nicht mehr.

Mit viel Euphemismus könnte man so eine Wissenschaft „demokratisch“ nennen – die Veranstaltung ist tatsächlich demokratisch, nur eben keine Wissenschaft. Begrifflich korrekter wäre es, diese Vorgehensweise als „Wissenschaftspolitik von Interessengruppen“ zu bezeichnen, wobei die Interessengruppen eben wie alle anderen auch, darauf aus sind, vom „großen gemeinsamen Topf“ so viel wie möglich abzubekommen.

Daran können wir erkennen, dass das Matriarchat die Menschen keineswegs unpolitisch macht, sondern nur blind und apathisch gegenüber den realen politischen Zusammenhängen. Tatsächlich werden in so einem System jede menschliche Handlung und jeder Aspekt von Kultur politisiert. Überall bestimmt die Untergruppe die Richtung, die gerade an der Macht ist. Einen anderen Maßstab gibt es nicht.

Diese Machtpolitisierung allen Denkens und Handelns ist heutzutage längst und fest in den Köpfen der Menschen verankert. Wer käme heute noch auf die Idee, nach so etwas wie einer objektiven Wahrheit zu fragen? Wir haben gelernt, dass „jeder seine eigene Wahrheit hat“. Man könnte es für eine begriffliche Ungenauigkeit halten, dass nämlich „Wahrnehmung“ gemeint ist, was  die Aussage aber immer noch ausreichend falsch sein lassen würde. Aber nein, es ist keine Ungenauigkeit, sondern exakt die Weltanschauung, die die Menschen heute teilen: Wahrheit ist für sie etwas Subjektives, also tatsächlich etwas, dass sich jeder ausdenken und zusammenreimen kann, wie er möchte. Und wie möchte er wohl? Was ist der Maßstab? Die Erfüllung eigener Bedürfnisse, die aktuell dominanten Launen und das, was gesellschaftlich gerade die meisten Vorteile in Sachen Zugehörigkeitsgefühl, Macht und Ressourcen bringt.

Epistemologisch gibt es also keine Wahrheit mehr, sondern nur noch emotional oder strategisch angezeigte Meinungen und Narrative, die sich als Konsens durchsetzen. Konsens ist z.B. heute, dass es Wahrheit gar nicht gibt (also frag erst gar nicht danach) und dass man designierten Autoritäten glauben muss (sonst kommst du in Schwierigkeiten mit dem System und nicht vorwärts und schon gar nicht „nach oben“). Die Frage nach Realität, Fakten und objektiven Gesetzmäßigkeiten ist schon seit langem eine Frage der sozialen Einigung, der aktuellen Mode und der persönlichen oder kollektiven Wahl. Rational-philosophisch betrachtet ist das Unsinn auf unterstem Kindergartenniveau.

Psychologisch jedoch – und das ist viel wichtiger zu erkennen – wird dadurch alles, woran Menschen sich intellektuell orientieren – also woran sie alle Entscheidungen und Handlungen ihres Lebens ausrichten – nur noch eine machtpolitische Frage der Manipulation und der Meinungs- und Medienhoheit. Alles ist dann richtig, wenn du nur ausreichend viele dazu bringen kannst, es zu glauben, es penetrant genug veröffentlichst oder – noch besser – es mit einer ausreichend starken Interessengruppe öffentlich-politisch durchsetzt. Wahrheit, Realität und Maßstab sind dann also das, was gerade von „oben“ verkündet wird. Glaub es oder… du wirst schon sehen, was du davon hast.

Da die Natur und der Kosmos mit ihren feststehenden Gesetzmäßigkeiten allerdings nicht an diesem mystisch-verblendeten Kinderspiel teilnehmen, sind so eine Gesellschaft und die Menschen, die solcher Irrationalität verfallen, über kurz oder lang dem Untergang geweiht.

Ich weise noch einmal daraufhin, dass die Ursache all der Probleme und des kulturellen Verfalls also nicht darin liegt, dass die armen Menschen, ihre Kultur und ihr Bewusstsein von super-intelligenten aber leider auch super-bösen Wesen gekapert und in die Irre geführt wurden. Dieses Narrativ dient nur der Selbsttäuschung und Ausflucht. Viel plausibler, einfacher und stichhaltiger ist es, davon auszugehen, dass die Menschen ihr Bewusstseinsniveau und damit ihre Kultur und Errungenschaften früherer Zeiten aus einem eigenen, inneren, psychischen Grund aufgegeben und verlassen haben. Die Ermächtigung der Schwachköpfe und Monster auf schließlich globaler Ebene war eine Folge davon, nicht die Ursache. Wenn wir etwas daraus lernen wollen und den Grundfehler – unseren Grundfehler – aus der Welt räumen wollen, müssen wir uns dieser selbstgemachten Ursache stellen, auch wenn sie sehr viel weniger schmeichelhaft ist als all die bunten Wir-sind-Opfer-eines-Überfalls-Theorien.

Kommen wir aber noch einmal auf das Stichwort ‚katholische Kirche‘ zurück. Sie ist auch eines der eindringlichsten Beispiele für das negierende und restriktive Verhältnis des Matriarchats zu allem, was mit Sexualität zu tun hat. Wir müssen uns erinnern: das Matriarchat betet die geheimnisvolle Magie und Macht der Mutterschaft an, aber keineswegs die anderen Aspekte menschlicher Sexualität. Deshalb finden wir in derart geprägten Gemeinschaften stets ein gespaltenes Verhältnis zur Sexualität: auf der einen Seite wird sie versucht, in den jeweils zentralen Gruppen-Mythos einzufügen und darin unter Kontrolle zu bringen. Da das nicht funktionieren kann, weil Sexualität viel zu sehr individualisierend und selbstermächtigend wirkt, wenn man sie nicht früh genug unterdrückt und tabuisiert, wird sie auf der anderen Seite immer mit Argwohn und Abwertung betrachtet.

Die katholische Kirche lässt ihr Ober-Vorzeige-Matriarch konsequent verkünden, dass Sexualität zur rein biologischen Fortpflanzung zwar göttlich, aber zur Bewusstwerdung als Individuum und vor allem als Quelle körperlicher Lust und Selbsterfüllung ist sie teuflisch, also böse und nach der katholisch-matriarchalen Variante anti-geistiger Moralität falsch. Diese Spaltung eines ganzheitlichen Phänomens in eine „gute“ naturtriebhafte und eine „schlechte“ geistige Seite ist typisch für sozial-mythische Strukturen, die versuchen, ohne rationalen Verstand auszukommen und ihre Mitglieder unterhalb der rationalen Bewusstseinsschwelle zu halten. Dass die Kirche eine bestehende Naturkraft nur verdrängt und mit einem rein mentalen Bann belegt, führt – wenig verwunderlich – zu all den skandalösen und abgründigen sexueller Perversitäten hinter verschlossenen Türen, von denen wir im Steuerungsapparat der selektiven öffentlichen Wahrnehmung selten etwas erfahren.

Zur Erinnerung und zum besseren Verständnis: im Matriarchat herrschen nicht Gesetze, die für alle gelten, sondern situative Regeln und willkürliche Normen, die von den Machtzentren konstruiert und beliebig manipuliert und relativiert werden können. Wer sich selbst für die Quelle des Gesetzes (oder die Stimme Gottes hält), der ist keinem realen Maßstab unterworfen und fällt leicht in Triebhaftigkeit und Liederlichkeit.

Vergessen wir nicht: die matriarchale Matrix-Struktur ergibt sich aus der Funktionalität der Gebärmutter und ganz und gar nicht aus der weiblichen Sexualität oder einer ihr assoziierten Weiblichkeit, welche nämlich als Ganzes in ihren ekstatischen und selbstbezogenen Grundzügen einen dermaßen eindeutig normensprengenden Charakter hat, dass sie für jeden matriarchalen Gruppenbezug  einen gefährlichen Antagonismus darstellt. Matriarchale Gemeinschaften, Gesellschaften und Organisationen mögen – mehr oder weniger metaphorisch gesprochen – die Gebärmutter und das gebärbereite Weib anbeten und umkreisen – geradezu feindlich stehen sie dabei aber gegen alles, was alle anderen Aspekte weiblicher Sexualität betrifft.

Wenn wir für einen Moment bei anatomischen Metaphern bleiben wollen, sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass die Klitoris, anders als die Allgemeinbildung uns glauben lässt, ein langer Schwellkörper ist, der in der Form exakt dem männlich-sexuellen Schwellkörper entspricht. Wir finden also auch in der Natur unseres Körpers eine sehr vielsagende Analogie dafür wieder, dass der sexuelle Selbstbezug der Frau auf einer maskulin-phallischen Grundstruktur beruht und gar nicht auf einer Steigerung einseitig weiblicher Attribute.

Die Angst matriarchaler Strukturen vor dem „Vollweib“ in seiner enormen körperlichen Selbstgenussfähigkeit wird nicht nur bei der katholischen Kirche bis heute sichtbar in ihrer Geschichte der archaischen und auffällig doppeldeutigen Madonnen-Anbetung und den ebenso inbrünstigen Hexenverbrennungen, die in Wirklichkeit Verfolgungspogrome gegen sexuell selbstbestimmte, autonome und vor allem naturheilkundlich sehr kompetente Frauen waren. Nein, wir sehen das gleiche psychische Angst-Programm bis heute auch in fundamental-islamistischen Kulturkreisen, in denen bereits kleinsten Mädchen schon die Genitale verstümmelt werden, um sie lustunfähig zu machen und sexuell zu neutralisieren – und zwar nicht von Männern, sondern von den alten Frauen, den Großmüttern, also Müttern!

Diese Angst vor dem sexuellen, d.h. nicht rein-mütterlichen, nicht funktionsfügigen Weib ist eine der offensichtlichsten Erkennungsmerkmale matriarchaler Gemeinschaften. Wir finden diese Angst und ihre gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Blüten heute in allen möglichen Abstufungen überall und so verbreitet, dass alles andere mittlerweile als bewundernswerte und äußerst schützenswerte Seltenheit betrachtet werden muss. Wir brauchen uns gar nicht auf die extremen Auswüchse dieser Neurose in islamischen, erz-katholischen oder puritanischen Kulturkreisen zu fokussieren. Die meisten „Nur-für-Männer“-Clubs, Vereine und Unternehmensetagen kristallisieren sich um diese Angst und Überforderung herum, um sich davon abzukapseln und sich in einen sozialen (nicht geistigen und deshalb auch nicht sexuellen!) Gegengefechtsstand zurückzuziehen. Gegen was? Gegen jenes erwachsenes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, das erst auf die Probe gestellt wird, wenn (sexuell) selbstbewusste Frauen anwesend sind.

Und dieses Ängstliches-Männchen-Syndrom mit seiner narzisstischen Überspanntheit und seiner schmierigen, betrügerischen Vettern- und Bruderwirtschaft, welches die Welt umspannt und lahmlegt, sollen wir heute als den schlagenden Beweis für ein überdominantes Patriarchat nehmen? Ich bitte um mehr Scharfsinn.

Das, was heute so geläufig unreflektiert als verkrustete und verengende „patriarchale Strukturen“ beklagt und beschimpft werden, ist tatsächlich ein fest eingefleischtes defizientes Matriarchat, dessen Machtzentren bloß von Männchen ausstaffiert wurde. Ein Patriarchat ist etwas fundamental und qualitativ ganz anderes als bloß eine matriarchale Cliquen- oder Mafiaherrschaft, die von Männchen besetzt wird. Es hat einen ganz anderen Referenzpunkt, nämlich das Geistige, Allgemeingültige, also z.B. übergeordnete Gesetze, grundlegende Prinzipien, und somit den erkennenden Verstand und die Vernunft als zentrale Machtwerkzeuge.

Auf das Verhältnis wahrhaft patriarchaler Strukturen zu Männern und Frauen als geistig und sexuell freie Individuen und Persönlichkeiten werden wir noch zurückkommen…

Werfen wir aber erst noch einen klärenden Blick auf die Wertschätzung, die unsere Kultur für Männer und Frauen generell hat. Die angeblich so mächtigen, bevorteilten und überprivilegierten Männer leben in der Masse und in allen Gesellschaftsschichten tatsächlich in einer geist- und sinnlosen Dauerschleife, in der sie der Firma, dem Staat, der Familie, also den übergeordneten Systemen dienen, aber wohl kaum sich selbst als einem einmaligem geistigen Individuum. Wer sich traut, genauer hinzusehen, wird schnell erkennen, dass all die angeblich sozial höhergestellten Männer überhaupt nichts zu melden haben und selbst an den einfachsten Umständen ihres Lebens nichts ändern können. Selbst den Vorständen und Top-Vorsitzenden der angeblich so machtvollen, „patriarchalischen“ Organisationen sind die Hände gefesselt durch eine endlos komplexe Verstrickung mit Machtpolitik, formellen und informellen Regeln, Lobby-Gruppen, Gepflogenheiten und medialen Abhängigkeiten – von den in diesen inneren Kreisen notwendigen Abhängigkeiten durch Korruption, Bestechlichkeit und Logen-Mitgliedschaft ganz zu schweigen. Auf diesen Machtstufen landet schon seit langem kaum noch jemand, der integer ist und tatsächlich etwas verantwortungsvoll für die Gesamtheit verbessern möchte. Solche Störenfriede des großen Selbstversorgersystems werden immer früher aussortiert, damit das System sich erhalten kann. Hier herrschen keine Männer, die das System noch lenken und bestimmen könnten und schon gar keine Patriarchen, die einem Labyrinth von Funktions-Apparaten ihren eigenen Fingerabdruck aufdrücken – oder sie abschaffen würden. In einem dermaßen erstarrten System hat ein selbstbewusstes Individuum keine Chance und kein Interesse – außer es explodieren zu lassen.

Männer sind in unserer Kultur seit Generation schon nur noch Drohnen. Ebenso wie Frauen. Und was wie eine Männerdomäne der Macht aussieht, ist längst zu einem vollautomatischen Funktionen-Apparat geworden, in dem jeder, der „nach oben“ (wir wissen, was das heißt: näher an die Macht-Mitte) will, sich an die Marionettenfäden der Technokratie und Systemvorgaben hängen muss. Das Geschlecht spielt dabei – entgegen der Projektionen der Phantom-Feministen und Gleichberechtigungs-Prediger – gar keine Rolle. Roboter und Computer haben keinen Bezug zur Geschlechtlichkeit, denn diese ist ein geistiges Phänomen, kein mechanisches, nicht einmal ein primär biologisches. In den aktuellen Kultursystemen ist Geschlechtslosigkeit das höchste Ideal und Voraussetzung für die Beförderung zu höheren Einfluss- oder Versorgungspositionen.

Angefangen von der absurden und realitätsfremden Auflage, dass Unternehmer ihre Mitarbeiter „ohne Berücksichtigung des Geschlechts“ anwerben und einstellen sollen, über die systemweit ausgerollte Programmatik von Gender-Ideologisierung, die nur aus verkappten und aufwendigen Leugnungsmechanismen gegen die einfachsten und offensichtlichsten biologischen und sozialen Tatsachen bestehen, bis hin zum sogenannten „Transgender“-Wahn, dessen Bezeichnung bereits eine Verdrehung der Begriffe ist, denn es geht dabei nicht um „trans“ („über etwas hinaus“), sondern um „anti“ und „prä“, also um einen Kampf gegen jegliche Verkörperung von Geschlechtlichkeit (und damit Sexualität) bis zu einer lebenslang fixierten Rekonstruktion der infantilen und unreifen Vorstufe von Geschlechtsidentität: der psychischen Geschlechtslosigkeit.

Deshalb kommen die Männer und alles Maskuline ebenso unter die Räder wie die Frauen und alles Weibliche. Da allerdings die größte Gefahr für jedes matriarchale Konstrukt stets von den testosterontragenden Männern ausgeht, wird es immer eine Dynamik entwickeln, um Männlichkeit und ihr Streben nach Unabhängigkeit so früh wie möglich im Keim zu ersticken. Und dafür wiederum muss die sexuell selbstbewusste und selbstbestimmte Frau verhindert werden, denn diese wird immer nach ebenso vollerwachsenen Männern fragen und sich niemals mit den Männchen zufrieden geben, die es sich im System wie Maden bequem machen und alles mit ihren Kontrollzügeln lenken wollen.

Die Methode der Moderne für diese Unterdrückung ist es, nicht nur die Frauen, sondern alle Menschen der Gemeinschaft so grundsätzlich gegen Männer und Männlichkeit, vor allem aber gegen Väterlichkeit so sehr zu indoktrinieren und aufzuhetzen, dass sie all ihre soziale Macht dafür nutzen, eigenständige Männer und selbstbewusste Männlichkeit an jeder nur möglichen Stelle zu schwächen, zu bremsen, zu verunglimpfen, zu marginalisieren und zu verhindern. Letztlich führt das zunächst dazu, dass die Menschen für Männlichkeit blind werden, dann aber längerfristig dazu, dass sie sie mehr und mehr beginnen wieder zu suchen. Seit Jahrzehnten versammeln sich immer mehr Männer untereinander auf der Suche nach Männlichkeit. Und auch die Frauen klagen immer häufiger und offener: Wo sind denn bloß die „echten Männer“ hin? Man muss allerdings erst erkennen, wie man Männlichkeit aktiv verdrängt hat, um sie ebenso aktiv wieder zurückholen und erkennen zu können.

Der Kampf „Männer gegen Frauen“ jedenfalls ist bodenlos und sinnlos. Kämpfen müssen wir „Menschen gegen Roboter“ und „Individuen gegen entmenschlichte, sich selbst erhaltende Systemkonstrukte“, also gegen irrationales, mystisches und mechanisches Bewusstsein. Denn in der tatsächlichen, steuernden Mitte aller gegenwärtig wirksamen Machtkreise und Institutionen, jener Mitte, die kaum jemand jemals sehen oder auch nur erahnen wird, sitzt kein Patriarch, nicht einmal ein mürrischer, schlechter oder böswilliger, sondern eine schwarze Techno-Spinne: die virale monomanische Obsession von der totalen Synthetisierung  allen Lebens und von der absoluten Mechanisierung der Welt. Um sie herum sitzt (saß) priesterlich ergeben der Kreis jener gesichtsloser Psychopathen und Macht-Fanatiker, die nur von kalter Panik um ihr Überleben getrieben werden und nicht anders können als jede Minute des Tages alles, was sich bewegt oder bewegen könnte, ängstlich zu kontrollieren.

Mit anderen Worten: in der Mitte des postmodernen globalen Matriarchats, von der alle Macht, Kontrolle und Versorgung ausgeht, sitzt niemand, nur ein psychologischer Mechanismus der Angst, eine künstliche, autistische Intelligenz mit großer Rechenleistung, die sich in Milliarden Gehirnen eingenistet und inthronisiert hat, die aber null Verständnis, null Weitblick und null Sinn kennt. Ein großes, dunkles Vakuum. Es bleibe den Menschen erspart, dies zu sehen. Jene Narrative von Drachen, Salamandern, Außerirdischen oder beliebigen Vermischungen dieser Elemente, die selbst in der fortschrittlichsten Aufklärungsszene als Anführer der Oberverschwörung seit märchenhaften Zeiten gelten, sind als sinnvolle Schutzfantasien im Übergang vom Realen ins vagere Mytho-Symbolische, Metaphorische verständlich.

Wir sehen daran: jede Art von Monster kann man lernen zu ertragen und sich eine Schlacht gegen sie ausdenken. Aber diese ungreifbare, unbekämpfbare Leere, dieses Nichts zu sehen (wirklich zu sehen und zu fühlen) und dabei zu wissen, dass von ihm alles und fast alle Menschen beherrscht werden, das dürfte jeden Unvorbereiteten seiner Grundfesten innerer Stabilität und seines Grundvertrauens berauben. Manche letzte Schleier sollten deshalb besser nicht gelüftet werden. Belassen wir es bei diesen wenigen Andeutungen.

Die psychische Verfassung im Matriarchat

So wie es real keinen Konflikt zwischen Frauen und Männern gibt, so gibt es auch keinen zwischen „Rechten“ und „Linken“. Das, was wir über die letzten 150 Jahre gelernt haben als politisch „rechts“ oder „links“ zu bezeichnen, sind bloß zwei unterschiedliche Aspekte derselben Ideologie. Sie stehen beide für das im Grunde selbe Narrativ, nämlich das Grundnarrativ des Matriarchats: gib deine Individualität auf für das alles-umfassende, mächtigere, große Ganze. Also für das wie auch immer konzipierte Surrogat der archetypischen Gebärmutter. Die Bedeutung von „links“ und „rechts“ hat sich deshalb auch ständig verändert, je nachdem, welche poltischen Narrative und Ideologien gerade gegeneinander aufgehetzt werden.

Sobald wir uns erlauben, dieses mytho-politische Spektakel von oben zu betrachten, können wir erkennen, dass „links“ und „rechts“ stets zwei sich ergänzende, konstitutive Elemente der Gesellschaft sind. Ebenso kann man rechtsherum um den Berg wandern oder links herum – der Weg und der Berg sind immer die gleichen. Nur die Perspektive ändert sich.

Die „Linken“ erheben klassischerweise „das Kollektiv“ oder „den Staat“ zu ihrem ideellen Götzen, während die „Rechten“ ursprünglich diejenigen waren, die an oberster Stelle den König und den königlichen Hof sahen und erhalten wollten. In diesen beiden Positionen liegt jedoch kein Widerspruch. Wenn sich ein König um das Volk kümmert und sich als „ersten Diener des Staates“ betrachten würde, dann ist die „linke“ Seite davon das Volk als Souverän und die „rechte“ Seite desselben gesunden Konstruktes sind jene Personen und Institutionen, die diese Gesamtordnung verantworten, vertreten und hauptberuflich schützen.

Nur wenn eine gesunde Monarchie (die per se patriarchalisch sein muss) zerfällt und degeneriert zu einem persönlichen Bevorzugungs- und Bereicherungskonstrukt, dann zerfallen auch diese beiden Aspekte in zwei getrennte Parteien: die einen wollen die Misere des Verfalls dadurch lösen, dass sie das Volk in eine abstrakte, unpersönliche und irreale Idee von „Kollektiv“ oder „Staat“ ummünzen und dem Hirngespinst eines sich selbst führenden Apparates hinterher rennen. Und die anderen versuchen die Formalitäten und Strukturen einer gesunden Monarchie wiederherzustellen. Den ersteren fehlt jegliches Verständnis von der Notwendigkeit von Hierarchien und verantwortlicher Steuerung, während den letzteren der Blick für die veränderten Bedingungen und Bedürfnisse des Volkes fehlen. Beides sind keine Lösungen, sondern intellektuelle Ausflüchte. Die einen flüchten sich in überhitzte, irreale, mystische Abstraktionen, die anderen in vertrockneten Traditionalismus und Formalismus. Beide wenden sich von der Realität und den Menschen ab. Beide beschleunigen damit in ihrer Einseitigkeit nur den Verfall, dessen Richtung bereits vorgegeben ist: hinein in den Zustand der strukturellen Auflösung und Diffusion, in dem Machtzentren nur noch verschleiert und aus dem Unsichtbaren heraus agieren und objektive Gesetze durch Launen und Clanwirtschaft ausgetauscht werden. Also ins Matriarchat.

Seitdem es nun keine Könige und Monarchien mehr gibt, musste das „Rechts“-Narrativ angepasst werden, so dass es in die einzig noch allgemeingültige und wirkende Links-Ideologie passte. Denn die Funktionsweise matriarchaler Strukturen fordert es, die Menschen permanent und verlässlich von der Realität, vor allem von der Realität ihrer Möglichkeiten und Potenziale abzulenken. Am wirkungsvollsten ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen sich in immer kleineren Splittergruppen gegenseitig beneiden, beargwöhnen und bekämpfen. Dann schaut niemand in die Richtung der tatsächlichen Machtzentren, von denen aus das ganze System mit seinen irrealen Narrativen erzeugt, manipuliert und ausgesaugt wird.

Die ursprünglich einmal „Rechten“ werden in einer matriarchalen Struktur als allererstes abgeschafft, denn die Erinnerung an einen guten, sichtbaren König, der für Recht und Ordnung sorgte, können die Sklavenhalter und Schattenregenten überhaupt nicht gebrauchen. Die Utopie-Bilder, die sie heraufbeschwören, müssen verführerisch und zum Greifen nah erscheinen, dürfen aber nie erreicht werden und schon gar nicht einmal erreicht worden sein in der Vergangenheit. Damit nun aber trotzdem das Narrativ „Rechts gegen Links“ aufrechterhalten werden kann, wird einfach eine Variation des Links-Themas als „rechts“ bezeichnet. Heute ordnen wir zum Beispiel die Nationalsozialisten „rechts“ ein, obwohl es eingefleischte Sozialisten und sogar Linksradikale waren.

Der Verfall einer Struktur von einer patriarchalischen in eine matriarchalische Ordnung ist ein mehrstufiger, fließender Prozess, in dem sich zunächst die Schattenmächte im Verdeckten installieren und etablieren müssen, bevor dann langsam eine Kultur des Irrationalen und der Unterwürfigkeit unter oligarchische Clanstrukturen ausgebreitet wird. Nachdem der Sozialismus in Zentraleuropa erst einmal die monarchistischen Strukturen aufgebrochen hatte, konnte er den nächsten Schritt machen und jede Art von sichtbarer Führung und Führerschaft verteufeln. Die Menschen mussten erst über einige Generationen hinweg daran gewöhnt werden, in einer Gesellschaft zu leben, deren Machtzentren nicht sichtbar und deren Steuerung nicht rational und nicht durschaubar ist. Heute sind wir sogar schon einen zusätzlichen Schritt weiter, denn heute sind die Menschen politisch so weit erzogen, dass sie gar nicht mehr nach den realen Machtstrukturen und -zentren fragen und sogar jedes nachfragende Interesse daran verteufeln und ablehnen.

Von der nationalsozialistischen Struktur, in der ein Großteil der tatsächlichen Herrschaft und vor allem ihr rücksichtsloser Selbstbezug noch ganz offensichtlich waren, ging es deshalb weiter hinab im Verfall der gesunden Strukturen Richtung Anarchie und totaler Schattenherrschaft in die Form der sogenannten „Demokratie“. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine zentralistisch geführte Oligarchie, die sich unter einer Demokratie-Simulation verborgen hält. Das Volk hat dabei effektiv gar keine Stimme und keinerlei Beteiligung an politischen Entscheidungen, wird aber durch einen aufwendigen Medienapparat und immer frühere politische Ideologisierung in der Illusion gehalten, es könne „irgendwie“ mitwirken und sei als Souverän mächtig. In Wirklichkeit findet hinter den offiziellen Kulissen ein kaltblütiger Kampf um die Besetzung der Steuerungs- und Selbstbereicherungspositionen statt.

Da hinter der Makulatur eines „Rechtstaates“ schon längst nur noch das matriarchale Prinzip der sozialen Macht durch Manipulation und Clanherrschaft alle Prozesse bestimmt, rutscht das Gesamtsystem zunächst in immer brutalere und rücksichtlosere zentralistische Matriarchatsstrukturen und schließlich sogar noch tiefer hinab in rohe archaische Gewaltherrschaft. Die letzte Stufe dieser Abwärtsspirale ist die reine Gewaltherrschaft, in der der rücksichtsloseste Clan alles vorgibt und steuert, also die Tyrannei. Die zwei grundsätzlichen Unterschiede zur Monarchie sind dabei, dass erstens die real herrschende Clique unsichtbar ist und nur aus dem Versteckten heraus lenkt, und es zweitens keine objektiven Gesetze gibt.

Nun werden einige einwenden, dass wir davon doch weit entfernt seien, denn wir haben ja Gesetze, sehr viele sogar. Und ein „Grundgesetz“. Dann noch international anerkannte Völker- und Menschenrechte. Oder nicht? Das ist zwar richtig, aber ohne an dieser auf die Details von Rechtskreisen und gültigen oder nur geltenden Gesetzen einzugehen ist der entscheidende Punkt prinzipieller Natur: ist das System als Ganzes an Gesetze geknüpft oder sind Gesetze nur ein Subsystem zur Steuerung spezifischer Prozesse ohne dabei objektiv und allgemeingültg zu sein? Anders ausgedrückt: sind die gegebenen Machtstrukturen des Systems den Gesetzen unterworfen oder unterliegen die Gesetze den Machtstrukturen?

In einem integeren Patriachat steht das Gesetz über allen. In einem Matriarchat hingegen stehen die aktuell herrschenden Clans oder Systeme über allem und damit eben auch über allem, das nach Gesetz aussieht. In einem Patriarchat ist der Gesetzesbrecher ein verfolgter Krimineller, der gegen das System steht. Im Matriarchat hingegen kann sich die herrschende Elite ihre eigenen Gesetze machen wie sie möchte, denn über ihr steht nichts als die Prinzipien der Durchsetzung und Dominanz. Recht hat dann immer nur der Stärkere.

Im Jahre 2021 ist es nicht über zu übersehen, dass wir weltweit ausschließlich in Machtkreisen und Strukturen der letzteren Variante leben. Und wir haben auch zwei weitere eindeutige Hinweise darauf, dass dies schon seit sehr, sehr langer Zeit so ist (nämlich seit Anfang des letzten Jahrhunderts, also über hundert Jahre: zum einen die Tiefe und Reibungslosigkeit, mit der alle Rechtsstaats- und Demokratie-Simulationen laufen und von ausnahmslos allen Institutionen, politisch, juristisch, wirtschaftlich, edukativ und medial vollkommen gestützt und gefördert werden; und zum anderen die Schwerfälligkeit bis hin zur aktiven Abwehr der Menschen, die tatsächlichen Machtverhältnisse und die tatsächliche Geschichte der westlichen Welt zu betrachten. Die Simulation ist längst nicht mehr äußerlich und rein institutionell – das hat in den 50er und 60er Jahren noch funktioniert, würde aber heute gar nicht mehr ausreichen. Die Simulation und die ihre matriarchale Grundstruktur sind psychologisch geworden, sie finden in erster Linie im Kopf der Menschen statt und stabilisieren sich von dort im Äußeren.

Das heißt, die Fähigkeiten, Machtstrukturen zu hinterfragen, zu erkennen und begrifflich zu erfassen, ist bereits auf so basalem Niveau aus den Köpfen der Menschen herausoperiert, betäubt und tabuisiert worden, so dass nur noch eine winzige Minderheit der westlichen Bevölkerung dazu überhaupt noch im Stande ist. Wir können die Implikationen davon gar nicht zu wichtig nehmen. Es bedeutet nämlich, dass die matriarchalen Herrschaftsstrukturen bereits auf der Stufe emotionaler Programmierung etabliert sind. Die Menschen innerhalb dieses Machtkreises – das sind so gut wie alle Menschen der Erde, denn es gibt kaum noch einen Ort, der außerhalb davon liegt – reagieren auf alle Signale, Informationen oder Gedanken, die auch nur das Thema der realen Macht berühren mit einer emotionalen Abwehr- und Vermeidungsreaktion. Diese Programmierung des limbischen Systems, auf intellektuelle und abstrakte Inhalte mit basaler Angst zu reagieren muss bereits im frühen Kindesalter beginnen, sonst lässt sich das nicht so sicher etablieren wie es heute schon der Fall ist.

Das ist heute der Standard. Wir haben heute bereits die vierte Generation der (macht-) politischen Totalamnesie, die einen großen und zentralen Aspekt menschlicher Kultur und Geschichte gar nicht mehr konzeptualisieren und also nicht mehr wahrnehmen können. Ihnen wurde der Reflex einprogrammiert, davon wegzuschauen und abzulenken noch bevor ein Signal aus der Realität ihr Bewusstsein erreicht.

An die Stelle dieses mentalen Vakuums tritt dann automatisch die Fantasie. Wenn auch immer unser Gehirn etwas nicht vollständig wahrnehmen kann, füllt es die Wahrnehmungslücken mit Annahmen, Erinnerungen, Fantasien oder Introjekten, von außen eingegebenen Schemata und Denkschablonen. Das Matriarchat, in dem wir leben, lebt also vom und nur durch den mentalen Zombie-Zustand der breiten Masse. Das zentral matriarchale Prinzip der Undurchschaubarkeit wird in der modernen Technokratie auf zwei Wegen erreicht: erstens durch absichtlich immer kompliziertere ineinander verschachtelte und verwirrende Macht- und Regelkreise und zweitens durch die systematische Verblödung und intellektuelle Lähmung der Massen von frühester Kindheit an.

Solange wir es noch mit matriarchalen, also mütterlichen Grundstrukturen zu tun haben, bleibt es aber ein Deal, wie wir oben schon gezeigt haben: man gibt sein Denken und seine Rechte ab, erhält dafür aber Schutz, Versorgung und die notwendigen Betäubungsmittel, um den Schmerz des Selbstverrats und der Entmenschlichung zu verdrängen. Für unsere Kultur sind das Koffein, um sich zum eifrigen Mitfunktionieren anzutreiben, Alkohol, um den Selbstverrat und die Selbstzerstörung zu verdrängen, Nikotin zur Vernebelung und die tägliche Medienzufuhr durch Fernsehen, Radio und Internet, um die Fiktion, nämlich den Mythos der sinnvollen gemeinsamen Selbstopferung und vom Streben nach Ruhe und Zufriedenheit durch Eingliederung und Funktionieren im System, aufrecht zu erhalten. Der Irrglaube hält sich durch die Beziehungssimulation der „sozialen Medien“ aufrecht, die die Menschen in ihren autistoiden Funktionsblasen halten während sie meinen, mit vielen anderen „vernetzt“ zu sein.

Im nächsten Schritt, dessen Zeitraffer-Simulation wir als pädagogische Vorbereitung für die dringend anstehende Rückabwicklung dieser Dynamik in den letzten Jahren überdeutlich zu sehen und zu spüren bekamen, würde jedoch auch das matriarchale Prinzipien immer mehr wegbröckeln und den tatsächlichen Kern der Machtstrukturen offenlegen: die Herrschaft des reinen Überlebensinstinkts, nur noch gesteuert von Angst und wirksam durch rohe, ungebremste Gewalt. Dann gibt es auch keine Versorgung und keinen Schutz als Dank für die Teilnahme am Machtapparat mehr, sondern nur noch ein Jeder-gegen-Jeden, auch Anarchie genannt. Dabei hätten die Psychopathen schon im Voraus gewonnen, denn sie leben schon seit vielen Generationen im Gefühl und in der Erwartung einer solchen brutalen Welt des nackten Überlebens, sind schon immer durch schiere Angst vor allen Menschen außerhalb ihrer kleinen Kreise getrieben und deshalb bestens vorbereitet (gewesen): mit Waffen bis an die Zähne und ganzen Heeren von Söldnern und Kampfmaschinen, so dass sie innerhalb von wenigen Jahren den gesamten Planeten unbewohnbar gemacht hätten. Übrigens wäre das auch kein Problem für sie gewesen, denn sie wollen seit eh und je lieber unter der Erde leben, gut abgeschirmt vom Sonnenlicht, worauf sie sich auch über mehrere Generationen erwartungsvoll vorbereiteten.

Und da emotionale Programmierung und das Aufrechterhalten eines immer abwegigeren Lügenkonstruktes immer schwieriger, aufwendiger und fehleranfälliger werden würde, ist es doch naheliegend, die mentale Lähmung und Zombisierung auf einer noch früheren Stufe anzusetzen und die Menschen, möglichst die Kinder schon im Mutterleib, genetisch zu kastrieren, so dass sie nicht einmal mehr die Bewusstseinsstufe der sozialen Wahrnehmung erreichen könnten. Das würde es für die Psychopathen mit ihrer Autistischen Intelligenz viel leichter und überschaubarer machen, alles und alle zu kontrollieren. Die Menschen würden sich also nicht mehr über das Bewusstsein eines Dreijährigen hinaus entwickeln, würden zusätzlich auch keine Gefühle von Zugehörigkeit, Geborgenheit, Freiheit oder gar Individualität entwickeln, sondern nur noch danach streben, sich irgendwo sicher und nicht überfordert zu fühlen. Sie würden dann jedem Monster aus der Hand fressen. Also ist es logisch folgerichtig, in Vorbereitung darauf über Jahrzehnte hinweg eine Medizintechnik zu entwickeln, die die Menschen genetisch so manipuliert, dass sie nur noch auf dem Bewusstseinslevel von einfachen Säugern leben und ansonsten komplett steuerbar sind. Im Grunde will man in den Machtzentren aber gar nicht so viele Menschen, schon gar nicht acht Milliarden. Also müsste man auch dafür sorgen, dass die meisten sterben und von den übrigbleibenden die meisten sterilisiert werden…

Nun, der Rest ist mehr oder weniger bekannt. Wichtig ist, dass dieser Vorgang voraussetzt, dass die große Mehrheit der Menschen sich nicht mehr für die Realität interessiert, sondern nur noch gehorsam das tut, was die einprogrammierten Autoritäts-Figuren oder -Apparate ihnen sagen. Und das geht, wie nun ausführlich gezeigt wurde, nur in den Macht- und Gesellschaftsstrukturen des Matriarchats, in dem das Kollektiv oder eine abstrakte Idee von einer Gesamtheit stets über jeden Einzelnen, das Gehorchen über das Verstehen und die soziale Anpassung über das Denken gestellt werden.

Dass es dazu nicht kam und auch nicht mehr kommen wird, sei nicht unser Thema hier. Worum es hier geht, ist das Verständnis des psychologischen Spinnennetzes aus Ideologie, Emotionen, halbwahren Narrativen und unbewussten Abwehrmechanismen, die uns dazu brachten, die defizient matriarchalen Grundstrukturen unserer Gesellschaft nicht mehr zu erkennen und uns stattdessen gegen den Strohmann eines undefinierten und unauffindbaren Patriarchats aufzulehnen. Wir müssen erkennen, dass wir nicht bloß Opfer sind, sondern Mitwirkende. Wir sind den Deal eingegangen und haben ihn täglich neu angenommen: nicht denken, nicht hinschauen, uns dafür aber materiell versorgen lassen und von jeglichem Verantwortungsgefühl befreit werden. Die meisten von uns sind Cyphers, die einen Deal mit den Schutzmechanismen der Matrix machten, um zurückkehren, vollversorgt werden und vergessen zu können.

Und aus diesen Erkenntnissen ergeben sich auch schon die Hinweise auf eines der wichtigsten Gegenmittel, das wir wieder finden und regelmäßig nutzen müssen, wenn wir dem psycho-sozialen Gefängnis und dem kulturellen Abstieg entkommen und entwachsen wollen:

das Erinnern.

Fortsetzung hier mit Teil II.

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Gedanken zum Neustart der Welt


Prolog

Die vermehrten Hinweise einiger Leser dieses Blogs, dass die bisherigen Artikel doch eigentlich das Format, den Umfang und das Gewicht für eine oder mehrere Buchveröffentlichungen hätten, sind verständlich und berechtigt.

Dieser Blog hatte sich jedoch schon kurz nach seiner Entstehung zu einer Plattform für die intellektuelle Verarbeitung der weltlichen Offenbarungen und somit zu einer mentalen Krisenbegleitung gewandelt. Die quasi enzymatischen und katalysatorischen Gedankengänge liefen so nicht nur parallel zu der wachsenden Konfusion und Grotesque im gesellschaftlichen Zeitraffer-Zerfall, sie konnten auch nur so begleitend hilfreich sein, dass eine Buchveröffentlichung schon allein zeitlich und organisatorisch den Hauptsinn der Texte konterkariert, wenn nicht sogar ganz zunichte gemacht hätte. Man hätte dann irgendwann nach der ganzen Bedrängnis und Eskalation von dem zu lesen gehabt, was als mentale Arznei nur währenddessen hätte beruhigend und klärend wirken können. Wenn nicht sogar stärkend und entwicklungsfördernd bei richtiger Anwendung der gedanklichen Enzyme auf die Merkmale und Elemente des äußeren Zerfalls.

Im Rückblick auf die zwei wohl sich ergänzenden Prozesse – den gesellschaftlichen Zerfall ins Elementare, Chaotische bis hin zum grob Gewalttätigen und Anti-Geistigen einerseits und den Entstehungsprozess dieser Blog-Texte andererseits – lässt sich erkennen, was überwiegend automatisch entstand und höchstens sporadisch auch intentional gestützt war: dass nämlich jede Bewegung nach unten durch eine antagonistische Bewegung nach oben in ein Gleichgewicht gebracht wurde oder zumindest werden konnte. Um dieses Gleichgewicht ging und geht es essentiell in den entstandenen Texten. Sicher werden dem ein- oder anderen Leser noch viele weitere Komplementäre und Polaritäten zwischen den Artikeln in ihrer Reihenfolge und dem sich zuspitzenden Weltgeschehen auffallen.

Die grundsätzlichste Polarität dürfte jedoch wohl die sein, dass während sich um uns herum die Unbewusstheit in alle Breiten und Winkel produzierte, inszenierte und ausdehnte, die Artikel dieses Blogs eher einer Sammlung und Bündelung dienten, die Bewusstheit fördern. Damit einher gehen dann natürlich auch die Folgen dieser Grundgegensätzlichkeit: Beschleunigung vs. Verlangsamung, Deflexion vs. Reflexion, Ablenkung vs. Fokus, Symptom-Spektakel vs. Ursachenanalyse und Informationsflut vs. Verstehen. Wichtig und notwendig für eine zunehmend integrierende (d.h. auch verstehende) Sicht auf die Geschehnisse ist jedoch der exakte Mittelpunkt zwischen diesen Gegensätzen, der, wie der Achsenpunkt einer Waage, in vollkommener Ruhe bleibt, egal wie vehement oder übergewichtig die Arme nach links oder rechts ausschlagen. Bewusstsein kann sich nur als Orthogonale aus diesem mittleren Ruhepunkt heraus entwickeln, von dem aus beides wahrgenommen und in ein Gesamtbild neu zusammengefasst wird.

Der Resonanz nach zu urteilen ist das Bedürfnis nach Höhe und Adlerperspektive, also nach Erfassung und Benennung von Zusammenhang, Bedeutung und Sinn (Richtung) größer denn je (und größer als nach Trost!). Ich jedenfalls brauchte sie.

Wir werden uns auch nicht zu wundern haben, wenn die Menschen, sobald man ihnen demnächst die unermesslichen Abgründe von Grausamkeiten und Monstrositäten, vor allem der sadistischsten Quälereien und Ritualmorde an kleinsten und jüngsten Kindern durch die Hände so gut wie aller Protagonisten von Weltherrschaft aufs Allerdeutlichste beweist und vor die Augen hält, wenn die Menschen dann reflexartig und intuitiv nach der Bibel greifen, die sie zunächst aber ganz hilflos in den Händen halten werden, oder wenn sie dann in die Kirchen und Gottesdienste strömen, wo sie vermutlich erst einmal nichts anderes bekommen werden als die Erinnerung daran, dass wir Menschen in allem, was wir tun und erleben, immer in den Händen einer unverletzten Ganzheit liegen und auch immer lagen. Wir werden die Abgründe und ihre immense Finsternis nur in dem Maße ertragen und tragen können, in dem wir auch nach oben in die entsprechenden Über-Hierarchien und zu ihrem Licht Bezug und Vertrauen haben. Denn tragen werden wir es müssen. Nur, dass die meisten dafür unendlich viel Unterstützung brauchen werden – von oben.

Es sei in Bezug auf das gleiche Prinzip der Polarisierung und Mitten-Findung an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass die Befreiung von und der Ausstieg aus der Gefangenschaft im mystischen, emotional-sozialen Bewusstsein, welche das ursächliche Grundproblem unserer Zeit und Gesellschaft ist, nur möglich ist durch eine aktive Förderung und Nutzung der sogenannten „negativen“ Emotionen. Um – als Erwachsener – aus dem versiegelten Kreis der sozialen Abhängigkeit (im Denken und Entscheiden) zu entkommen, braucht es so viel Wut, Groll, Zorn, Hass, Antipathie, Feindseligkeit, Aggressivität und Kampfbereitschaft wie wir nur irgendwie aufbringen können. Der kritisch Denkende wird sich auch fragen, warum uns diese Emotionen innerhalb des kranken und nun zerfallenden Systems am meisten ausgeredet, sanktioniert und tabuisiert wurden. Auf der Gegenseite, die man uns mit Friedlichkeit, Harmonie, „Liebe“, Herzlichkeit, Freundlichkeit und geregeltem Wohlbefinden – letztlich immer mit einer naiven Form von Kindlichkeit – schmackhaft machen will, müssen wir mit mentaler Unselbständigkeit und sozialer Abhängigkeit bezahlen, die nur solange angenehm sein werden, wie man uns pflegt und in Ruhe lässt. Verteidigen können wir uns in dem Zustand nicht – und erwachsen werden auch nicht. Wir müssen uns nur umsehen, um das zu erkennen.

Die Spurenelemente von Zorn und Schärfe in einigen Artikeln dieses Blogs, die manche Leser für Symptome emotionaler Inkontinenz halten, kommen nicht im geringsten an die Dosierungen heran, die es braucht, um sich aus einem emotional (d.h. durch Angst) und sozial (durch Prägung) beschränkten Selbst- und Weltbewusstsein heraus zu sprengen. Emotionalität ist eine der einfachsten und verlässlichsten Mechanismen der „Matrix“, den Menschen klein, blind und fügsam zu halten.

Ein gesundes sechsjähriges Kind kann ein mentales Ich- und Welt-Bewusstsein selbstverständlich auch ohne den Sonder-Aufwand negativer Emotionen innerhalb von 6-8 Jahren entwickeln. Aber ein Erwachsener, dem diese Entwicklung mit 30, 40 oder 60 erst noch bevorsteht, hat keine andere Chance, als sich den Weg nach oben durch seine jahrzehntelangen Blockaden, Lähmungen und Vermeidungsmechanismen frei zu sprengen. Und auch das ist ohne Begleitung und individuelle Unterstützung von außen reichlich unwahrscheinlich. Alles andere ist illusorisch. Bewusstseinsöffnung ist – je später sie beginnt, desto mehr – ein anstrengender, riskanter und fragiler Prozess, der jederzeit stocken, anhalten und abrutschen kann.

Ein weiterer Irrtum ähnlicher Art liegt vor, wenn Gedankengänge dieses Blogs als Schuldzuweisungen oder Verurteilungen gelesen werden. Nichts liegt der Intention zu diesen Artikeln ferner als jene Form der affektiven und übereilten Abwehr oder Umgehung von Tiefenverständnis und Selbstbeteiligung. Jenseits von Schuld- und Sühnefragen sind alle diese Essays eben Versuche, die Zusammenhänge des Weltgeschehens mit dem Werdegang der Menschheit und vor allem die wichtigsten und verkanntesten Knotenpunkte dieser Verknüpfungen begrifflich – und zuweilen bildlich, erfahrungsnah – fassbar zu machen. Dass solche ausgesprochenen Gedanken wie immer jeder Art Fehllesung und Missdeutung ausgeliefert sind, sollte den offenen und verständnissuchenden Leser ebenso wenig beeindrucken wie den Autor.

Weder Schuld- (oder Verantwortungs-) noch Ursachen- und Motiv-Fragen können dem Phänomen der weltbewegenden und menschheitserschütternden Geschehnisse gerecht werden. Das gilt für die großen Jahrtausend-Umwälzungen, wie wir sie jetzt erleben, ebenso wie für das kleinste Alltags-Ereignis des Einzelnen. Die Abgründe, in die die Menschheit über Jahrhunderte, vielleicht über Jahrtausende hinweg hineingerutscht ist, sind durch keine noch so intelligenten Schurkereien oder Kabalen erklärbar. Niemandem, weder Einzelnen noch Gruppen, kann man die Schuld daran geben, wenn man sich nicht den Vorwurf einholen will, naiv, kurzsichtig und oberflächlich zu sein.

Mit einiger Berechtigung könnte man die Menschen nach ihrem Grade des Mitmachens oder Widerstand-Leistens gegen diesen Abwärtssog beurteilen. Man wird schnell erkennen, dass diese Merkmale auf einer seelischen und charakterlichen Reife beruhen, deren Wurzeln wiederum schwer zu greifen sind. Wir können nur feststellen.

Der lange, historisch extrem kleinschrittige Niedergang menschlicher Kultur, dessen letzter, seitdem nicht mehr gebremster Abwärtsschwung seit der europäischen Renaissance zu diagnostizieren ist, zeigt eine Einheit und Totalität, die von Menschen oder anderen Wesen niemals zu erzeugen wäre. Die Ursachenebene für diesen Weg der Menschheit durch die Hölle ihrer eigenen Geistlosigkeit und Selbst-Verzweiflung bis hin zur Selbstzerstörung kann gar nicht auf dem Niveau menschlicher, technischer, organisatorischer oder unternehmerischer Werkeleien gefunden werden. Wer letzteres glaubt, hat die Maßstäbe völlig aus dem Auge verloren und muss leidend in die Welt blicken, wie ein Kleinkind, das sich fragt, warum Papa und Mama den Regen nicht abschalten können, wenn doch heute ein Picknick geplant war.

Eine der Erkenntnisse, die sich wie ein roter Faden durch die Texte dieses Blogs zieht und gar nicht häufig und intensiv genug betont und ausgelegt werden kann, ist die, dass wir Menschen nur Teil, nur Mitgeführte und Eingebettete in diesen Geschehnissen sind, welche sich aus der Natur und Notwendigkeit der Menschheit zwangsläufig ergeben und damit auf einer alles umrahmenden Höhe gut und sinnvoll sind. Von dort aus betrachtet ist die zunehmende Dominanz der universalen, alles übergreifenden geistigen Kräfte der Zerreißung und Zerlegung ebenso unvermeidbar wie die Kehrtwende eines Tages (für uns: jetzt) in ein neues schöpferisches, aufbauendes Äon. Nicht diese großen Notwendigkeiten, in deren Verlauf die aktuelle Chaotisierung und Neuformung sich wie eine anstrengende, auch riskante, aber erforderliche Pubertät der Menschheit ausnimmt, liegen in unseren Händen, sondern nur, welchen Bezug wir – jeder Einzelne für sich – dazu entwickeln können. Uns zum sofortigen Handeln aufgerufen oder zur ohnmächtigen Unterlegenheit unter die Willkür anderer verdammt zu fühlen, sind nur zwei und sehr kurzsichtige Varianten eines solchen Bezugs. Die Texte dieses Blogs versuchen Alternativen in Worte zu fassen, die uns die Ganzheit und Vollständigkeit des Geschehens zumindest erahnen, wenn nicht sogar schon an einigen Zipfeln greifen lassen – und uns somit unserer eigenen Ganzheit und Vollständigkeit näher bringen.

Aus all dem Gesagten ergibt sich bereits, dass die Texte dieses Blogs nicht gegen etwas arbeiten, sondern sich nur sehr explizit gegen-über stellen, nämlich dem Ein-Seitigen des Gewohnten und kulturell/sozial Auferlegten. Dazu gehören auch eine Klarheit, Differenzierung und Tabufreiheit, die auf der gegenüberliegenden Seite der sozialen Anpassung und mentalen Vernebelung höchst ungewohnt sind und – verständlicherweise – als Angriff empfunden werden. Erst aus der standhaften und beständigen Gegenüberstellung kann jene Mitte erkennbar und bewohnbar werden, in der wir zur Ruhe, zu Verständnis und später vielleicht sogar zu Ein-Verständnis kommen können.

Aus diesem Ziel der Neu-Ausrichtung und inneren Aufrichtung ergibt sich der Maßstab, dem diese Texte versuchen, so gerecht als möglich zu werden, um richtig zu sein: Aufrichtigkeit.

Dem Bösen in die Augen schauen

Es fordert einen sehr hohen Grad an Reife, um ein Verständnis des Bösen zu entwickeln. Der Grund dafür liegt nicht so sehr darin, dass das Böse schwer zu verstehen sei – das ist es nicht – sondern darin, dass das Erkennen des Bösen so schwer mit Passivität, Nachlässigkeit, Achtlosigkeit und vor allem Bequemlichkeit vereinbar ist. Wenn man das Böse anfängt zu sehen, hat man grundsätzlich nur noch zwei Möglichkeiten: entweder man kämpft dagegen oder man schließt sich ihm an. Zur letzteren Option gehören auch alle Leugnungs- und Marginalisierungsreaktionen, denn sie stellen bloß die Unterwerfungsvariante des Übertritts dar. Die Passiven sind die Bewegungsmasse des Bösen.

Warum? Weil die Wurzeln des Bösen in Passivität und Unterlassung liegen. Nämlich in der Unterlassung, Integrität, Gesetzmäßigkeit (auch bzgl. Naturgesetzen) und Ordnung, mit anderen Worten die Herrschaft des Geistes über die Materie zu schützen und zu erhalten. Das Böse ist das Ergebnis einer Erschlaffung, eines Zerfalls, der so giftig wurde, dass er sich gegen das Gesunde und Integere wendet. Das Böse ist eine Steigerung des Kranken, weil es über die Degeneration hinaus noch Destruktivität umfasst.

Das Böse nicht erkennen zu können, ist kein moralisches Vergehen. Das Territorium von Moral beginnt erst dort, wo eine Entscheidung möglich ist. Um gut oder böse handeln zu können, muss man eine Instanz der Entscheidung und der Kontrolle über das eigene Verhalten haben. Ein Kind ist noch jenseits von Gut und Böse in dem Maße, wie es noch aus Bedürfnissen, Impulsen oder Reaktionen heraus lebt. Erst mit der Fähigkeit zur Verhaltenshemmung (also etwas absichtlich nicht zu tun) und zu intentionaler Aktivität, beginnt die Kapazität zum moralischen Handeln und damit zur Schuldfähigkeit.

Die Fähigkeiten zur Selbstkontrolle bestimmen auch darüber, wie groß das Verlangen danach ist, andere und die Welt zu kontrollieren. Je mehr ich mich selbst steuern kann, desto weniger bin ich darauf angewiesen, andere zu steuern und zu benutzen. Umgekehrt unterliegt der disziplinlose, unkontrollierte und unbeherrschte Mensch ständig dem Zwang, seine Umwelt an seine Bedürfnisse und Gelüste anzupassen, da er anders Reibung und Frust nicht vermeiden kann.

Wir greifen nur an den Stellen zur Manipulation und Beeinflussung anderer, an denen wir selbst ausgeliefert und kontrolllos sind – ansonsten gäbe es überhaupt keine Motivation. „Das ganze Universum“ oder „alle Menschen“ oder ersatzweise „die Märkte“, „das Finanzwesen“ oder Regierungen kontrollieren und beherrschen zu wollen und dafür seine ganze Lebensenergie aufzuwenden, muss also auf der anderen Seite ein ungeheures Maß an Ohnmacht, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zur motivierenden Grundlage haben.

Der Scheideweg zwischen der lichten und der dunklen Seite der Macht liegt psychologisch an der Stelle, wo wir uns der Selbstkontrolle befleißigen könnten oder uns stattdessen für den nachlässigeren, bequemeren Weg der Weltmanipulation entscheiden. Der letztere Weg enthält ein sich-Abwenden von einem Teil unserer selbst – dem Teil, den wir nicht regulieren können und zumeist auch gar nicht sehen wollen, z.B. weil wir einen Schmerz, der damit verbunden ist, nicht aushalten können.

Ist das noch freiwillig? Wenn wir die subjektive Wahl haben, von einem Schmerz überwältigt zu werden oder unserer Umwelt Zaumzeug anzulegen, ist dann nicht die Entscheidung für die Macht im Außen primär eine Selbstrettung? Daran kann nichts Unmoralisches sein. Wer seine Integrität nur dadurch retten kann, dass er etwas Überforderndes abschaltet, dem kann man die Abschaltung nicht als moralisches Vergehen anrechnen. Die Selbsterhaltung ist nicht bloß biologisch, sondern auch ethisch das unterste Fundament für jeden Maßstab von Gut und Böse. Die Selbstvernichtung zu bevorzugen, um etwas Anderes, Fremdes zu retten, ist hingegen der Inbegriff von Unmoral. Es ist eine sinnlose Selbstvernichtung.

Wir müssen die Frage am Scheideweg zwischen Gut und Böse oder zwischen der lichten und dunklen Macht also anders stellen: wir müssen fragen, was gerettet oder bewahrt werden soll und zu welchem Preis. Die körperliche Unversehrtheit zu retten und dafür mit psychischer Zerrüttung zu bezahlen ist nur dann sinnvoll, wenn die körperliche Rettung die Vorbedingung dafür ist, dass die seelische Verletzung später wieder geheilt werden kann – das ist das Prinzip der schützenden Traumareaktionen, die uns in Extremsituationen das nackte Überleben sichern, weil alles andere dann – im Idealfall – später „repariert“ werden kann. Jedoch eine Verletzung der Hand zu vermeiden, indem man sein Herz hinhält, wäre wahnsinnig. Ebenso wahnsinnig ist es, den Verstand aufzugeben, um emotionalen Schmerz zu vermeiden. Sein Leben zu opfern ist nur dann moralisch sinnvoll, wenn die Option weiter zu leben nicht mehr zu ertragen wäre – z.B. weil man mit einer Schuld oder einem Schmerz leben müsste, die nicht auszuhalten sind.

Böse ist eine Entscheidung erst dann, wenn die Möglichkeit einer moralisch richtigen und guten Handlung ausgeschlagen wird aufgrund niederer Beweggründe wie z.B. Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Fahrlässigkeit, Schmerzvermeidung, Gier, Neid und Missgunst oder Emotionen wie Zorn, Angst, Eitelkeit oder Appetit. Technischer ausgedrückt beginnt das Böse immer da, wo eine Integrität oder Intaktheit zerstört wird ohne dass ein moralisch höherwertiger Grund dafür vorliegt – z.B. das nackte Überleben oder andere existenzielle Notwendigkeiten. Deshalb gibt es in der Natur das Böse nur im und durch den Menschen, denn alles andere beruht auf Notwendigkeit und Gesetzmäßigkeit.

Der Mensch hingegen kann als Mensch nur soweit leben und überleben, wie er sich der Entscheidung zwischen Gut und Böse stellt, denn er muss zum Überleben absichtlich handeln – ganz zu schweigen von dem Erhalt eines Lebensstandards in einer Zivilisation der Hochtechnologie. Das ist weder bequem noch einfach, denn es fordert eine rationale Auseinandersetzung mit sowohl allem Gegebenem, das wir vorfinden, als auch mit allem Gestalt- und Machbaren, dass uns möglich ist. Im Leben eines Kindes sind die moralischen Entscheidungssituationen meist recht überschaubar und lassen sich noch durch simple Verhaltensgrundregeln lösen, z.B. „Sei höflich zu allen Erwachsenen“ oder „Nimm anderen Kindern nicht das Essen weg“ oder „Tu das, was die Eltern und Lehrer sagen“. Ein Erwachsener müsste sich davon lösen, den Vorgaben anderer zu folgen und seine eigenen Begründungen für seine Handlungen finden. Ansonsten ist es ein reines Zufallsspiel, ob er guten oder bösen Herren dient.

Gut und Böse sind jedoch nicht symmetrisch! Man kann sich nicht mit dem gleichen Ausmaß an Freiheit für das Böse entscheiden wie man sich für das Gute entscheiden würde. Eine Handlung kann nicht zufällig oder „aus Versehen“ gut sein, denn es fehlt ihr der Aspekt der begründeten Intentionalität. Eine Handlung kann aber sehr wohl zufällig oder „aus Versehen“ böse sein. Einer bösen, d.h. zerstörerischen, gegen das Leben gerichteten, Intention können wir verfallen allein durch Nachlässigkeit, Unachtsamkeit oder Dummheit. Aber man kann sich nicht für das Böse entscheiden. Dem Bösen unterliegen wir aus Mangel an Entscheidungen. Man kann sich für eine Bequemlichkeit, für eine widernatürliche Bereicherung oder für eine unmoralisch ergatterte Macht entscheiden, aber das Böse ist immer nur das, was durch ein solches Vergehen als Abspaltung, als Loch oder Vakuum entsteht und dadurch die Ganzheit zerstört. Wollen kann man das nicht, nur in Kauf nehmen.

Das Böse dieser Welt ist das Ergebnis von solchem meist völlig blindem in-Kauf-Nehmen, das stets einhergeht mit Nachlässigkeit und Unterschätzung (nämlich der spaltenden und zerstörenden Kräfte), welche wiederum die Symptome einer eklatanten Selbstüberschätzung sind. Selbstüberschätzung entspringt aus Verblendung und Isolation. Diese Kombination wird meist als „Ego“ bezeichnet, stellt jedoch bloß eine krankhafte Aberration und „Zuschnürung“ des Egos dar, welches an sich eine notwendige und gesunde psychische Struktur für den Kontakt mit der Welt ist.

Die Geschichte der Menschheit mindestens der letzen 150 Jahre, insbesondere die der Deutschen und unter ihnen wiederum ganz besonders die der deutschen Denker und Intellektuellen, ist die Geschichte dieser Nachlässigkeit und Verblendung welche sich zu nichts weniger auftürmten als zur Hölle auf Erden. Und zwar zu einer so flächendeckenden Hölle ohne Unterschlupf für Rückzüge derart, wie sie den Heiligen und Nicht-ganz-so-Heiligen im Zeitalter der Klöster und Schlösser noch möglich war, dass eine weitere auch noch so kleine Nachgiebigkeit zur vollständigen Vernichtung des Restes an gesunder Menschheit geführt hätte: das Böse hatte die Steuerung der ganzen Menschheit übernommen, indem es sich als Lähmung in alle Köpfe gesetzt hatte.

Der ganzen Menschheit? Nein. „Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten“ usw. Würden sich aber diese „Gallier“ nicht ermannt haben, der alles dominierenden Hydra den Kopf abzuschneiden, dann wäre menschliches Leben schon seit ein paar Jahren nicht mehr möglich auf diesem Planeten. (Ergänzender Hinweis für die New-Age-Träumer: einen anderen gibt es nicht.)

Die gesamtkulturelle Vereinnahmung des Denkens zunächst von falschem, dann von unredlichem und schließlich von anti-intellektuellem und irrationalem Denken führte dazu, dass der Feind der Menschheit sich nicht mehr bloß aus basalen Grundtrieben erhob, sondern sich in das Gewand von Intellektualität, Analytik und pseudo-.Rationalität kleiden konnte. Und wer hätte dieses Gewand durchschauen müssen? Die Intellektuellen, allen vorweg die Philosophen, also jene Berufs-Denker, die das Denken selbst als Fach haben. Sie stellen den intellektuellen TÜV und das mentale Abwehrschild der Gesellschaft dar. Ich habe das im vorhergehenden Artikel schon ausgeführt. Es ist ihr Versagen in dieser Rolle, das dazu führte, dass heute bis auf wenige Ausnahmen ein akademisch ausgebildeter Mensch keinen Zugang mehr zu einer wesensverankerten Ethik und selbständigem rationalem Denken hat. Und in Folge die ganze Kultur nicht mehr. Denn von wem wird sie geprägt, von wem werden ihre Grundideen gefiltert, ausgewählt und verbreitet, wenn nicht von ihren Denkern?

Und es ist diese akademische Schicht, die jede Fähigkeit und jeden Mut verloren hat, dem Bösen ins Auge zu sehen. Warum? Weil sie sich dann für das Gute entscheiden müsste und sich ansonsten ihrer Unterwerfung unter das Kranke und Böse bewusst würde. Ihre einzige Lösung für dieses Problem bestand über die letzten sieben oder mehr Generationen darin, wegzuschauen, sich abzulenken und zu betäuben – Fähigkeiten, die sie soweit perfektionierte, dass wir in den ersten zwei Jahrzehnten des sogenannten einundzwanzigsten Jahrhunderts in einer Kultur der vollständigen Entfremdung, Hörigkeit und Entmenschlichung angekommen sind. Wenn das „Dritte Reich“ noch ein Experiment war, das angeblich scheiterte, dann sind wir heute das vollständig erfolgreiche Endresultat – denn wir verstehen es nicht mehr, können es nicht mehr verstehen und wollen es nicht verstehen. Unser Wegschauen ist so total geworden, dass es einen Krieg gar nicht mehr braucht – wir haben schon lange alles verloren, mit dem wir hätten kämpfen könnten. Deshalb könnten wir nicht einmal mehr kämpfen für den kleinen Rest an Menschlichkeit, der uns noch blieb. Dem modernen geistigen Kulturprodukt bleibt nur noch das Wegschauen und jedem, der trotzdem daran erinnern würde, das Wort zu verbieten oder die kalte Schulter zu zeigen. Das ist der nie endende Krieg, in den wir verwickelt wurden: jeder gegen jeden, aber niemand gegen unsere Feinde.

Damit ist die Frage nach der Ursache unserer so massiven Demoralisierung und mentalen Hilflosigkeit bis zur modernen gegenseitigen Zerfleischung aller gegen alle beantwortet.

Und nein, die Ursache des Niedergangs sind nicht jene sprechenden Marionetten oder Institutionen, die sich als Handlanger und Werkzeug der Zerstörung anboten und noch heute anbieten. Auch nicht die diabolisch und kannibalisch besessenen (phönizianischen) Familienclans, die sich die Schwäche der Menschheit bloß zunutze machten, um sich in immer kürzeren Intervallen dem Rausch der Zerstörung von immer jüngerem Leben hinzugeben. Diese Eiterbeulen und Geschwüre der Menschheit sind nicht die Ursache der Krankheit, nach der ein guter Menschheitsarzt an erster Stelle forschen muss.

Die Ursache ist das Wegschauen. Das Wegschauen allein ist die Bruthöhle des Bösen.

Heilung

Dies ist kein Krieg im üblichen Sinne. Wir befinden uns nicht mehr im Krieg. Wir befinden uns am Anfang eines sehr tiefgreifenden Heilungsprozesses. Und Heilung wird eingeleitet durch Schmerz.

Eine kleine Gruppe von Menschen, ein „kleines gallische Dorf“ rettet die Welt. Warum? Weil sie sonst zusammen mit ihr untergegangen wären. Man kann einen hypertrophierenden Feind nicht endlos auf Distanz halten. Irgendwann muss man ihn vernichten. Sonst vernichtet er einen oder das chronische Kämpfen-Müssen zermürbt uns.

Machen wir uns dieses also deutlich, was im Moment noch am allerwenigsten verstanden und benannt wird: Wenn Menschen mit mindestens drei- wenn nicht vier- oder gar fünfdimensionalem Ich- und Welt-Bewusstsein sich aufraffen gegen eine herrschende Masse von eindimensionalen Wesen, dann haben die Eindimensionalen mittelfristig überhaupt keine Chance. Die große Hürde für uns Menschen war niemals der Krieg gegen sie, sondern zu erkennen, was unser Feind ist und uns dann zu entscheiden, gegen ihn aufzustehen. Unsere Hürde, die wir zu überwinden hatten (und die meisten noch haben), ist unsere Blindheit gegenüber aller irdischen Macht und in wessen Hände sie geraten war.

Die große Herausforderung der Weißhüte war nicht, die Macht zu übernehmen, sondern auf einem vollständig verminten Planeten so gegen die Niederwesen zu kämpfen, dass der Kollateralschaden bei den Menschen so gering wie möglich ausfällt. Dies ist kein territorialer Krieg, dies ist ein chirurgischer Eingriff in die Lebenswelt der (zu rettenden) Menschen – geographisch, politisch, medial, kulturell und psychisch-mental. Wobei letztere zwei Dimensionen die schwierigsten und entscheidenden sind, denn was die aktiven Weißhüte schon hinter sich haben, nämlich die Erkenntnis der Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende alten menschenfeindlichen Kräfte, die die Menschen beschränken und beherrschen – diese Erkenntnis müssen die übrigen Menschen auch erst noch haben. Um dann, jeder auf seine Art, gegen sie aufzustehen und den Wechsel der Macht in menschliche (d.h. mindestens dreidimensional-bewusste) Hände zumindest zu akzeptieren, wenn nicht sogar zu fördern.

Diejenigen also, die wir nun die Menschheit an vorderster Spitze retten sehen, sind deshalb nicht in erster Linie Soldaten oder Generäle, sondern Ärzte und Heiler. Die Generäle und Soldaten arbeiten für diese Ärzte. Sie leisten die notwendigen chirurgischen Eingriffe, um die Giftquellen zu entfernen und die Eiterbeulen aufzuschneiden. Sie leiten die Entgiftung und Entschlackung ein. Und damit das Fieber. Aber ein guter Arzt kämpft nicht gegen Krankheit – das ist der Jargon der Krankheit selbst, welche sich seit geraumer Zeit auch „Medizin“ nennt – ein guter Arzt kämpft für die Gesundheit. Ein guter Arzt hat keinen Feind, sondern nur Gesetzmäßigkeiten, denen er sich unterstellt und die er nutzt, um Ordnung wiederherzustellen. Da er das Leben auf seiner Seite hat, gibt es keine reale Gegenseite – höchstens die Illusion, welche aber dem Leben untergeordnet und ihm gegenüber ohnmächtig ist.

Unter dem Deckmantel einer erfundenen Virus-Pandemie konnte das Fieber und damit die Selbstreinigung des Menschheitskörpers eingeleitet werden. Und das ist die Therapie für die Menschheit: die Krankheit des Illusionären wird mithilfe einer illusionären Krankheit entmachtet. Gleiches wird mit Gleichem wieder ins Gleich-Gewicht gebracht. Die Lüge wird entlarvt durch noch übertriebenere und überspitztere Lügen. Der Betrug wird ans Licht gebracht, indem man die Betrüger hinters Licht führt. Die Massenmörder und Kinderschlachter werden in ihrer namenlosen Masse hingerichtet durch jene Waffen und Soldaten, die sie glaubten, nur für sich aufzubauen und zu fördern. Die Millionen Mitläufer werden zu immer gehorsamerem und selbstverleugnendem Mitlaufen bis zum totalen Stillstand gezwungen, wo sie dann atemlos wieder zu Sinnen kommen können. Die Ängstlichen bekommen ihre schlimmsten Fantasien als fantastische neue Realität medial serviert bis sie sie ohne Angst sehen und verstehen können.

Und die vom Virus des Gehorsams und der Unterwerfung vollständig Gelähmten bekommen schließlich noch ein virales und tödliches Gift gespritzt mit der ultimativen Lüge, das Gift und ihr Gehorsam seien zu ihrem Schutz. Was die Menschheit seit Generationen erleiden muss, nämlich die mentale Vergiftung durch die Idee, es gäbe keinen Geist oder wenn doch, dann sei er wirk- und bedeutungslos – diese mentale Vergiftung müssen die meisten Menschen erst noch physisch durchleben: die körperlich, meist tödliche Vergiftung durch eine Lüge und die mentale Vergiftung ihrer krankhaften Folgsamkeit. Die „Impfung“ ist nicht zu ihrem Schutz, sondern zum Schutz der Übrigen, deren Leben von den Willenlosen und Gewissenlosen erstickt wurde. Der tatsächliche Illusions-Virus wird durch eine Virus-Illusion vernichtet.

Engelspädagogik

Die Empörung ist zunächst groß, wenn man bemerkt, dass man nach Strich und Faden betrogen wurde. Auch die Verzweiflung ist groß, denn man kann erstmal nichts anderes tun, als die immense Ohnmacht zu spüren, mit der man sich als soziales Wesen einer dumpfen, blinden und trägen Gemeinschaft ausgeliefert glaubt. Natürlich wollen wir zuerst all jenen Mitläufern die Schuld geben, die an dem Betrug aktiv teilgenommen und davon irgendwie profitiert haben – und sei es auch nur in der Form ihres sedierten Halbschlafs oder ihrer uferlosen Selbstüberschätzung. Was wir dabei aber noch nicht sehen, ist, dass alle Teilnehmer dieses großen Schlafes von ihm eingewickelt, betäubt und gesteuert wurden. Egal wie tief wir in die Macht-Strukturen und Privilegien-Logen innerhalb dieses Koma-Systems eindringen, wir finden nur immer tiefer Schlafende und immer finsterer Träumende – aber keinen Morpheus, keinen, der den Schlaf gemacht oder verursacht hat.

Die scheinbar so mutigen Aufklärer, die sich von Schleier zu Schleier durchkämpfen und dabei unbedingt bis neun zählen wollen, sind doch wohl noch nicht mutig genug, um zu sehen, wer diese Schleier gewoben und wer die Traumfiguren erzeugt hat.

Das ist ebenso intelligent wie zu glauben, dass die Figuren auf einem Schachbrett Krieg gegeneinander führten ohne zu fragen, wer sie bewegt und unter welchen fixen Gesetzmäßigkeiten sie bewegt werden. Solange man nur auf das Schachbrett starrt, wird man vielleicht hoffen, dass der weiße Springer stark genug ist, den schwarzen Turm zu erschlagen. Oder man wird versuchen, die Strategie der schwarzen Königin zu verstehen und darum beten, dass die weiße Königin dagegen etwas in petto hat. Solange man sich nur die Hierarchien auf dem Brett – also innerhalb der Traummatrix – anschaut, hat man die Ebene der Ursachen und Bewirkungen noch gar nicht erkannt und somit keine Chance, das Vorgehen und seinen Zweck zu durchschauen. Die Bewegungen der Figuren auf dem Brett müssen dann immer magisch und unerklärlich wirken.

Der psychische Vorteil dieser Kurzsichtigkeit, mit dem sich die Aufklärer des rein Machtpolitischen umgeben, ist der Schutz davor, einen Bezug des gesamten Geschehens und seiner Logik zu sich selbst zu erkennen.

Exkurs: 9 Schleier x 11 Bewusstseins-Portale = 99 Luftballons

Auf der Welle der System-Update-Panik surfen zunächst einmal jene Zeitgenossen ein Stück oben auf mit, die zwar für Langzeit-Turns keine Ausstattung haben, aber von der erwachenden Desorientierung profitieren, indem sie sich selbst und ihre frei flotierenden Rettungsbojen zu Leuchttürmen und Rettungsbooten erklären. Auffällig dabei ist die häufige Aromatisierung der eigentlich geo-politischen und macht-politischen Investigativ-Berichte mit emotional-mythischen („spirituellen“) Geschmacksverstärkern. Dass diese beiden Themenbereiche auf diesem Niveau so viel miteinander zu tun haben wie eine Sonntagspredigt mit den aktuellen Preisen auf dem Gemüsemarkt, scheint dabei niemanden zu stören.

Das Phänomen als solches ist jedoch relevant. Offensichtlich geht das wachsende Interesse an den tatsächlichen Begebenheiten rund um die Hebel der Weltsteuerung mit einem zunehmenden Bedürfnis nach nicht-politischen und vor allem grundsätzlicheren, d.h. zeitloseren und abstrakteren Erklärungen und Zusammenhängen einher. Anscheinend trifft man beim ernsthaften Studium der realen Machtverhältnisse auf unserem Planeten immer häufiger auf Fakten und Erkenntnisse, die mit den uns gängigen Axiomen über die Welt und die Spezies Mensch nicht mehr vereinbar sind.

Die meisten Menschen sitzen diesbezüglich in einem sehr bequemen Sessel, denn sie haben gelernt, bei Konflikten zwischen Fakten und ihren Vorannahmen oder Prämissen stets ihren Prämissen und Konzepten den Vorrang zu geben und dafür Wahrnehmung, Fakten, Informationen und Logik selektiv und grundsätzlich zu leugnen oder zu ignorieren. Somit können sie ihr Weltbild und derweil auch eine trügerische Ruhe erhalten, indem sie sich immer weiter von der einzig existenten Realität abkoppeln und ihre Aufmerksamkeit nur noch auf das Virtuelle und die kollektiv sanktionierte Fiktion richten, die mit vertrauten Kostümen und Signalen beruhigen.

Einer marginalen, aber wachsenden Minderheit scheint dies seit mindestens zwei Jahren nicht mehr zu gelingen. Einige eklatante Offensichtlichkeiten haben so große Löcher in die Matrix ihres Weltbildes gefressen, dass sie von den üblichen Beruhigungs-Formeln und gelernten Glaubensbekenntnissen nicht mehr zusammengehalten werden kann.

Und eine sich auflösende Wahrnehmungsmatrix ist das Schlimmste, das einem Menschen widerfahren kann. Denn es bedeutet, dass er die Orientierung verliert und nicht mehr sicher durch die Welt der Tatsachen und Konsens-Realitäten navigieren kann, sondern sich vollkommen unberechenbaren, unzusammenhängenden und überwältigenden Kräften ausgeliefert sieht, die für die meisten noch durch vertraute, sozial anerkannte Erklärungsmodelle geleugnet, retuschiert oder überdeckt werden, also unsichtbar sind.

Auf der Suche nach neuen Orientierungspunkten greift er also nach dem Prinzipiellen, nach Grundsätzlichem oder nach Erklärungsstrukturen, die sich auf einer Ebene bewegen, die von Fakten und unmittelbarer Wahrnehmung unabhängig verlässlich sind. Nicht selten landet er dann bei Konzepten und Vorstellungen, die aus der „heilen Welt“ des kindlichen, vor-begrifflichen Bewusstseins erwachsen sind und dadurch zwar haltgebend und beruhigend wirken, jedoch der Komplexität , der Vielschichtigkeit und vor allem der ineinandergreifenden Verzahnung der tatsächlichen Welt nicht gerecht werden.

Eine der Ideen, die dabei immer wieder nach oben gespült werden, ist die der alles (auf-) lösenden, befreienden und klärenden „Liebe“. Was damit gemeint ist, wird geflissentlich nie greifbar gesagt – man tut so, als müsste jeder schon wissen, was gemeint ist, und spielt damit also auf eine Erfahrung oder vielmehr eine – meist kindliche – Sehnsucht an, die tatsächlich den meisten bekannt sein dürfte, jedoch ebenso bei den meisten im prä-konzeptuellen Bewusstseinsraum und somit jenseits von Differenzierung und Begreifbarkeit liegen geblieben ist. Es geht dabei um ein Gefühl. Gefühle sind Aggregationen von psychosomatischen Zuständen, Erfahrungen und Wertvorstellungen, in denen eine unzählbare Menge an physiologischen und muskulären Zuständen, die aktuelle Bedürfnislage, Erinnerungen, körperliche und sozialen Erfahrungen sowie Assoziationen zusammengefasst werden in einem wiedererkennbaren Schwingungsmuster. Auf der bloßen Suche nach wohltuenden Schwingungen kommen wir jedoch nicht zu mehr Verständnis. Wir können unsere Fragen (und unseren Verstand) nicht ewig durch Gefühls-Trancen verdrängen.

Eine weitere Idee, die sich durch die wachsenden Risse im Netz der vertrauten Welterklärungen hindurchzwängt, ist die des wachstumsfähigen oder steigerungsfähigen Bewusstseins. Die mental-rational fokussierten Investigativ-Forscher verstehen dabei Bewusstseinssteigerung zunächst nur als immensen Wissenszuwachs und Verdichtung der logisch-plausiblen Verknüpfungen von Informationen und Erklärungsmodellen. Das jedoch hat mit Bewusstsein wenig und mit Bewusstseinssteigerung erstmal gar nichts zu tun.

Hinzu kommt, dass die Welt- und Politik-Detektive mit ihren Forschungen und ihrem Wissen-Wollen so sehr auf Außenumstände und Informationen fixiert sind, dass sie eben nur dort – auf der Ebene von Nachrichten und Signalen aus der Welt – nach Wissensvermehrung suchen und Wissen über die eigene, darin aktive wahrnehmende und verarbeitende Psyche vernachlässigen. Da jedoch nichts auf der Welt verständlich ist, solange man nicht psychologisch – also unter Berücksichtigung des erfassenden Subjektes und seiner Bedingungen – denkt, stoßen die Außenwelt- und Informationsforscher sehr bald auf die Grenzen ihres Verständnisses und ihrer Integrationsfähigkeit. Sie wissen zwar immer mehr, verstehen jedoch in Relation immer weniger.

Und was tun sie? Sie ergänzen ihre mittlerweile hochkomplexen Landkarten über das Weltgeschehen mit Küchen- und Regenbogen-Psychologie. Sie verwenden den Bewusstseinsbegriff – der sich ja nur auf irgendein ominöses Subjekt beziehen muss – im Sinne der ihnen bekannten Identifikationen: Bewusstsein wächst für sie zunächst durch Wissen und Verstehen von Fakten über die Außenwelt und darüber hinaus würde es noch wachsen durch… ja, durch was? Sie finden nichts anderes als: durch die Intensivierung von Gefühlen! Also am besten durch ganz starke und ganz einwandfrei positive Gefühle. Was hätten wir da im Angebot? Na, „Liebe“ natürlich – dagegen kann doch keiner etwas sagen. Wahlweise gibt es da aber auch noch die grenzenlose Steigerung von Harmonie, Friedlichkeit, Freundlichkeit, Wohlbefinden, Warmherzigkeit, Sanftmut, Toleranz oder Barmherzigkeit.

Es kursiert z.B. das Konzept, demnach Bewusstseinssteigerung sich aus dem (intellektuellen) Durchschauen von „Schleiern“ ergäbe. Die ersten sechs dieser Schleier repräsentieren die Hierarchien der Macht, mit der die Welt – eigentlich: alles politische Geschehen im weiteren Sinne – kontrolliert wird. Wenn man diese durchschaut hat – also über die politische Steuerung der Welt durch „Drachen und Außerirdische“ „Bescheid weiß“, dann kann man sich der Steuerung dieser Wesen durch numerologische Zahlen-Kräfte, Geometrie und die mysteriöse „kreative Kraft des Universums“ verdeutlichen – es sei denn, so wird gewarnt, man lässt sich an dieser Stelle durch materielle Reichtümer bestechen und von weiteren Nachforschungen abhalten. (Merke: Zahlenmystiker und Energie-Spezialisten tendieren mehr als andere zum Materie-Rausch und seiner Gier – das sind die typischen Erkennungsmerkmale des eindimensionalen Bewusstseins.)

Widerstände man jedoch der Versuchung und bliebe den puren, magischen Energien treu und ergeben, dann würde man von ihnen geführt zu nichts weniger als der „Offenbarung Gottes“ aka „pure Energie“ aka „Liebe“. Es darf den differenzierten Denker dabei bitte nicht stören, dass diese Wort-Etiketten alle „irgendwie“ für das Gleiche (oder so) stehen und je nach Laune und Geschmack austauschbar sind. Auf den derart fantasiert höchsten Ebenen des Geistes sollen wir wohl mit einer völligen Vernebelung und Umnachtung des Denkens und der Begriffe rechnen. Und dieses ätherische Nebel-Plateau könne dann angeblich nochmal überschritten werden zur absoluten Spitze, nämlich zum Zustand vollständiger „purer Energie“, voller Mitgefühl und Verständnis mit der „tiefen Weisheit eines unschuldigen Kindes aus purer Liebe“. Also, die höchste versprochene Stufe des Menschen soll sich zeigen im Körpergefühl einer Qualle gepaart mit der emotionalen und kognitiven Kapazität eines Kleinkindes.

Lassen wir einmal die implizite und fragwürdigste Botschaft dieses Konzeptes beiseite, dass sein Autor auf der nach seiner Definition gottgleichen Stufe stehen muss, um all diese Schleier so exakt „von oben herab“ benennen zu können. Wirklich bedenkenswert ist der Fakt, dass man uns mit solchen Ideen glauben machen will – selbstverständlich ohne Begründung und Herleitung, sondern allein Kraft der Autorität des irrationalen Wortes im Tonfall eines göttlichen Herolds – dass wir unser Bewusstsein (ausschließlich) steigern können, indem wir uns mit Machtpolitik beschäftigen. Genauer gesagt: nur die Kenntnis der Verkörperungen von weltpolitischer Steuerung führt uns – Simsalabim! – zur Erkenntnis Gottes, welcher dann wiederum gleichgesetzt ist mit der Verkörperung von der „Liebe“ eines hilflosen und abhängigen Kleinkindes. Also, kurz: Bewusstseins-Aufstieg ist psychische Regression. Kennen wir diese Begriffs-Verdrehungen ins Regressive und hilflos-Abgekoppelte nicht irgendwoher? Wie auch immer, diese Spitzen-Kinder-Liebe wiederum soll das Gleiche sein wie „pure Energie“ – was auch immer das wieder sein soll. Kommt noch jemand mit? Sind solche Konzepte von Menschen verfasst, die noch mitgekommen sind?

Merke: wenn etwas (für den offenen Verstand, das rationale Denken) unverständlich ist, dann ist es wahrscheinlich in genau dem Grade auch Unsinn und/oder der Autor versteht es selbst nicht. Tatsächlich ist das allermeiste, was uns heute als „Wissenschaft“ oder „Philosophie“ angedreht wird, einfallslos abgekupferter und zusammengepanschter Schwachsinn, der nur durch Unverständlichkeit und Verkomplizierung getarnt werden soll (wie z.B. Einsteins Relativitäts-Gaunerei und alles, was seitdem noch dieser religiös-irrationalen Machart serviert wird).

Wenn wir uns auch nur ein wenig mit den Bewusstseinsstrukturen und ‑Dimensionen des menschenmöglichen Bewusstseins beschäftigt haben, wissen wir, dass die Faszination für die Themenkreise von Macht, Kontrolle, basalem Materialismus, Energie, Magie und vor allem rund um alle geheimen, verborgenen und besonderen Kräfte zur ersten Bewusstseinsstruktur und damit zur ersten und basalsten Bewusstseinsdimension gehören. Menschliches Bewusstsein beginnt erst mit der dritten Dimension (also Dreidimensionalität), in der die rationale, begriffsbildende Wahrnehmung und Identifizierung maßgeblich sind. Darunterliegende Strukturen können wir nur als sub-human oder prä-human bezeichnen: sie entsprechen bestenfalls dem Säuglings- (1D) bzw. Kleinkindalter (2D). Oder in degenerierter, nicht-humaner Form dem Amphibien- (1D) oder dem Säugetier-Bewusstsein (2D).

Jeder Versuch, die Welt auf der Basis von Energien, Machtverhältnissen, Kontrollmechanismen, Steuerungs-Hierarchien, mathematisch-symbolischen oder magisch-prärationalen Zusammenhängen zu erklären, entspringt dem eindimensionalen Bewusstsein, welches die niedrigste Bewusstseinsstufe repräsentiert, welche von der Welt und ihrer Funktionsweise chronisch überfordert ist. Deshalb ist sie stets bestrebt, alles so zu erklären, wie es der tierische Instinkt erfasst: durch Energie und alles, was das physische Überleben sichert – also vor allem Kontrolle. Der blindeste Fleck und gleichzeitig die zentrale Achse des eindimensionalen Bewusstseins ist Angst. Sie kann auf dieser Stufe nicht wahrgenommen werden, weil dafür die Möglichkeit der Selbstabstraktion fehlt, stattdessen liegt sie als Antreiber unter fast jedem Lebensausdruck, denn alle Aspekte des zwei, drei- und höher Dimensionalen können nicht erfasst werden und werden deshalb als Bedrohung erlebt.

Und da das Bewusstsein auf dieser Stufe für alles Irdische so schmal und flach ist, muss unumgänglich ein Großteil des Irdischen von dort aus betrachtet „außerirdisch“ und alien, also fremd wirken. Gemeint ist eigentlich nicht außer-irdisch, sondern ober-irdisch. Denn die eindimensionalen Wesen haben die Tendenz, sich wie ihre animalischen Repräsentanten in Höhlen und unter der Erde, vor zu viel Sonne und zu viel Luft zu verstecken. Menschen, die die frische Luft lieben und nach oben streben, dürften aus dieser Sicht von unten wahrlich als Außer-Erdische betrachtet werden.

Es darf uns also nicht wundern, wenn uns irgendein Eidechsen-Bewusstsein weismachen will, dass wir zur „absoluten Liebe“ oder „Gott“ nur kommen, indem wir erstens erkennen, wer sich heimlich im Dunklen oder hinter dem nächsten Busch versteckt und dass nämlich die Welt letztlich von… nun ja, eben Eidechsen und Drachen gesteuert wird, vielleicht außerirdischen Echsen; und indem wir zweitens dafür sorgen, dass wir mehr „pure Energie“ haben als der Rest der Menschheit – Überlegenheit ist ihnen immer das Wichtigste.

Für jede Bewusstseinsstruktur ist die nächsthöhere Dimension, die zuweilen erahnt aber nicht wahrgenommen werden kann, das Höchste, das sie sich annähernd “vorstellen” und intuitiv anstreben kann. Aus der eindimensionalen Perspektive sind das entsprechend die Fähigkeiten und Charakteristiken der zweiten Dimension: intensive sozial-emotionale Verbindungen (aka „Liebe“), Einfühlungsvermögen und des Gefühl von Zugehörigkeit zu etwas Größerem – nämlich einem Stamm oder einer Sippe.

Neurophysiologisch sind diese Kapazitäten der zweiten Bewusstseinsstruktur erst dann zugänglich, wenn man sich ausreichend sicher fühlt, also nicht von Angst und Kampf-, Flucht- oder Totstell-Reflexen beherrscht wird. Zweidimensionales, also sozial-emotionales Bewusstsein sucht diese Sicherheit in der Zugehörigkeit zu und Anbindung an Seinesgleichen. Eindimensionales Bewusstsein kann diesen Aspekt der Verbindung und gegenseitigen Synchronisierung jedoch nicht wahrnehmen und kann sich deshalb nur Sicherheit verschaffen durch Kontrolle, und zwar in beiden Bedeutungen des Wortes: durch ständiges wachsames Aufspüren von potentiellen Feinden und Bedrohungen und durch möglichst viel Dominanz und Stärke über andere. Es nimmt also nicht wunder, wenn uns aus dieser Bewusstseinsdimension heraus die höchste Erlösung proklamiert wird durch Entlarvung von Kontroll- und Machtstrukturen (zur Angstreduktion) und durch Sammlung von Energie und Stärke. Vom politischen Datenanalytiker zum Heiligen in nur 9 Schritten: ein Märchen aus der Wunsch-Kiste der modernen Self-made-Esoteriker.

Wenn der Verstand abhebt und den Bodenkontakt verliert, dann produziert er solche bunten Konzept-Luftballons, die sich nach Sphären sehnen, in denen es ebenso flüchtig, gewichtlos und ungebunden zugeht wie unter ihrer dünnen Gummihaut. Sie neigen dazu, einem ins Imaginäre zu entfliehen und dann in anspruchsvolleren intellektuellen Flughöhen zu platzen.

Neunundneunzig Luftballons  | Auf ihrem Weg zum Horizont | Hielt man für Ufos aus dem All | Darum schickte ein General | ‘Ne Fliegerstaffel hinterher | Alarm zu geben, wenn’s so wär’ | Dabei war’n dort am Horizont | Nur neunundneunzig Luftballons.

(Oder „neun Schleier der Wahrheit“.)

Dergleichen finden wir übrigens zuhauf im Internet der intellektuellen Barrierefreiheit, in welchem jeder gleichermaßen konsequenz- und referenzfrei publizieren kann. Es ist ebenfalls die instinktiv-magische Bewusstseinsstruktur, die sich darüber ausbreitet, dass höhere Bewusstseinsstufen durch magische Orte, geheimnisvolle Geräte, Zauberformeln oder an bestimmten „Energie-Knoten“ der Erde im Raum schwebender „Portale“ zu erreichen ist. Wie? Man weiß da gar nichts Genaueres noch nicht, sondern gibt mit vorgehaltener Hand nur die Andeutungen, Metaphern, Vermutungen und viel, sehr viel Fantasie weiter, die man selber noch übt zu glauben. Es wird gemunkelt und beschworen, aber die Sache ist so geheim, dass sie bisher keiner so recht versteht und niemand erklären kann. Fest steht, dass es stets um Energie, sensationelle Zaubermittel und natürlich handfest magische Objekte oder Orte geht.

Kurz: es ist alles immer da draußen, konkret-dinglich wie in einem Jugendroman und darauf ausgerichtet, irgendwie den Körper zu manipulieren. Von einem Subjekt, von Innenleben, Psyche, Wahrnehmungsmodalitäten und Erlebensräumen ist nie die Rede. Es gibt auf dieser Bewusstseinsstufe keinen psychischen Raum.

Die Eindimensionalität einer Weltkonzeption oder in dem Falle besser gesagt einer Weltformel oder -beschwörung kann man daran erkennen, dass sie stets um die Faszination von Energie und besondere physische Kräfte kreist. Darin liegt für sie nicht nur der einzige, sondern auf dieser Ebene offensichtlich auch der einzig denkbare Schlüssel für irgendetwas Höheres. Es ist immer nur die Fantasie über eine Ausdehnung der bestehenden Bewusstseinsstruktur (im Eindimensionalen also der bi-polaren Linie), aber es gibt keine qualitativen Sprünge und somit keine Dimensionswechsel. Eine höhere Dimension lässt sich per definitionem nicht aus einer niederen ableiten oder generieren.

So wie die erste, instinktive Bewusstseinsstruktur sich höheres Bewusstsein nur als Steigerung von Energie, Macht und Sicherheit vorstellen kann, so kann sich die zweite, mythische Struktur höhere Seinszustände nur als Steigerung und Intensivierung von Emotionen und sozialen Erlebnissen vorstellen. Aus ihrem Bewusstseins-Rahmen heraus betrachtet, lassen sich höhere „Dimensionen“ nur als immer bessere und enger verbindende oder stärker vereinende Gefühlszustände definieren.

So imaginiert sie sich höhere Bewusstseinsgrade als ultimative Harmonie, d.h. emotionale Störungsfreiheit voller Erfüllungsgefühle. Sie kreiert sich ein Bild von Befreiung als Befreiung vom Selbst, vom Ego, vom Ich, weil sie eine andere Freiheit als die von grenzenlosen und konturlosen (Ich-losen) Gefühlszuständen nicht kennt. Deshalb strebt sie ständig gegen die menschlichen Impulse der Selbstwerdung und nach Selbstlosigkeit bis hin zur Selbstaufopferung. Für was? Für eine größere Gemeinschaft, ein Kollektiv, eine Idee – irgendetwas Konturloses, das mit der Hoffnung auf befreiende Ich-losigkeit verknüpft ist.

Wie denn eine Gemeinschaft bestehen soll, wenn die Aufgabe ihrer Besten darin besteht, sich selbst aufzugeben und zu opfern, wollen wir lieber gar nicht erst fragen. Es dürfte ausgesprochen blutig werden. Diese 2-D-Imaginationen reflektieren auch nur Bedürfnismechanismen und Säugetierprinzipien, keine objektiven Gesetzmäßigkeiten oder rationalen Erkenntnisse, die dem Menschsein entsprechen. Solange das Bewusstsein eines Menschen oder einer Kultur prä-rational und damit sub-human ist, kann es darin keine adäquate Vorstellung vom Menschsein geben, d.h. Menschen dieser Stufe laufen nur im Kreis und können den Ausgang nicht finden.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass vollständiges bewusstes Menschsein erst ab Dreidimensionalität der Selbst- und Weltwahrnehmung beginnt. Vorher ist es bloß kindliches, also bestenfalls werdendes Bewusstsein. Der Mensch ist ein rationales Wesen, d.h. er ist nur durch seine rationalen Fähigkeiten überlebensfähig. Deshalb beginnt er seine volle eigene Natur auch erst dann zu entfalten, wenn er sich dieser Fähigkeiten bewusst wird und mit ihnen seine prä-rationalen Wesensmerkmale mental integriert, steuert und nutzt. Alles andere ist im Wesentlichen noch sub-human.

Ende des Exkurses.

Die Menschheit am Scheideweg

Solange der Mensch oder die Kultur, in der er lebt, von sub-humanem Bewusstsein geprägt und begrenzt wird, hat er keine Möglichkeit, sein Leben an rationalen, logischen und objektiven Prinzipien auszurichten. Stattdessen ist er darauf angewiesen, sich dem Recht des Stärkeren oder der Dominanz des aktuell mächtigsten Clans zu fügen. So leben die europäischen Gesellschaften seit Jahrhunderten, wobei das deutschen Kaiserreich im 19. Jahrhundert ebenso wie die Amerikanische Verfassung bereits erste Vorstöße zur Überwindung der Cliquenherrschaft darstellten, die jedoch zunächst noch an dem Mangel an Bewusstseinsbildung scheitern mussten und den Weg in die entgegengesetzte Richtung freigaben, nämlich in die Rückkehr zur Herrschaft durch Täuschung, Betäubung und pure Gewalt.

Wir, die Menschheit als Ganzes, stehen somit jetzt vor einer drastischen Gabelung unseres Entwicklungsweges. Zum einen stehen wir am Ende einer kulturellen und moralischen Abwärtsspirale, die uns an die Grenze unseres Überlebensmöglichkeiten gebracht hat, und zum anderen erleben wir jetzt bereits die Keimsetzung für eine zukünftige neue, vierdimensional geprägte Zivilisation, die die einzig mögliche Rettung aus dieser Höllenfahrt ist. Das bedeutet, dass die Menschen aus den Fängen einer eindimensionalen Kontrollmacht befreit und in eine Kultur nach vierdimensionalen Prinzipien katapultiert werden müssen.

Die zunächst wichtigste Aufgabe zur Vorbereitung dieses Sprungs ist die Anhebung einer kritischen Masse von Menschen aus einem defizienten und blockierten zweidimensionalen in ein entwicklungsfähiges dreidimensionales Bewusstsein, denn nur so gibt es genug „Empfänger“ für die neue und notwendige 4-D-Logik ohne dass das Projekt erneut an einem Mangel an Bewusstsein scheitert. Zusätzlich muss jedoch auch ein Selektionsprozess stattfinden, durch den jene ein- und zweidimensional beschränkten Menschen aussortiert werden, denen eine Öffnung zum rationalen Bewusstsein nicht möglich ist, weil sie sonst als überforderte Masse den Übergang bremsen und wahrscheinlich verhindern würden. Der Aufbau einer komplett neuen Gemeinschafts- und Kulturlogik ist unmöglich, wenn 70% der Bevölkerung zum psychischen Pflegefall geworden sind und nur noch unter Intensivbetreuung überleben können. Die Alternative wäre, dass alle untergehen, was für zweidimensionales Bewusstsein als „gemeinsames Erlebnis“ sehr verlockend klingen mag, aber dem Verantwortungsempfinden von vier- oder höher-dimensionalem Bewusstsein zuwiderläuft.

The Q-Question reloaded

An dieser Stelle hören wir die wiederholten Rufe aus dem Publikum: Wer oder was ist denn Q?

Nun, für eindimensionales Bewusstsein ist davon– wenn überhaupt – nur sichtbar, dass es da etwas gibt, das die militärische Macht übernommen hat und weltweit bündelt. Das muss irgendetwas oder irgendjemand über ganz besondere Kräfte und Fähigkeiten verfügen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Menschen mit eindimensionalem Weltbild das Phänomen anders zur Kenntnis nehmen als über angststiftende Zeitungsmeldungen über eine skurrile Sektenbewegung.

Zweidimensionales Bewusstsein wird darunter eine Gruppe verstehen, die aus irgendeinem magischen Grunde sehr viel Macht hat – vielleicht die größte Macht auf dem Planeten – und durch einen starken Glauben engagiert ist, die Welt zu verändern; eine Art neo-religiöse Super-Gang, die alle anderen Gangs kontrolliert und hoffentlich zu den „Guten“ gehört. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der zweidimensionale Mensch, also der Repräsentant des aktuellen kulturellen Standards und naiven Mittelmaßes, Q nur mit den einprogrammierten Gefühlen von Verwirrung, Empörung, Verbotenem und „irgendwie schlechtem“ verknüpft, welches ihm über die Medien und lebenslange emotionale Konditionierung auf bestimmte Reizworte eingeimpft wurde. Für ihn steht Q für Menschen, die stören, die irgendwie gefühlsmäßig schlecht sind und weg müssen.

Dreidimensionales Bewusstsein kann verstehen, dass Q ein Erkennungszeichen ist, das offenbar militär-geheimdienstlich verwendet wird, um die Autorenschaft bestimmter großangelegter geo-politischer und sozio-kultureller Eingriffe zu markieren und damit gleichzeitig auf etwas Grundsätzliches, Abstraktes, Allgemeingültiges und Zeitloses, nämlich auf eine Idee zu verweisen. Somit ist Q für dreidimensionales Bewusstsein bereits erkennbar als mehrschichtiges und vieldeutiges Symbol, das für jene Kräfte steht, welche das Bewusstsein und den Geist der Menschen (im Sinne von innerer Haltung und Denkinhalten) weltumspannend mit einer neuen Botschaft und Ausrichtung „impft“. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass 3-D-Bewusstsein das Phänomen und seine deutlichen Spuren aus Mangel an Fakten und Sichtbarem im gewohnten Konsum-Format ignoriert, marginalisiert oder aus jeglicher rationalen Betrachtung ausschließt („Man kann nur daran glauben“…).

Vierdimensionales Bewusstsein wird Q als Bezeichnung für eine zeitlose Kraft verstehen können, die in die Kette von Ursache und Wirkung (sog. „Zeitlinien“) eingreifen kann, um neue Ursachen zu schaffen und die Wirkungsfolge alter Ursachen aufzuheben. Außerdem wird ein vierdimensionaler Betrachtungspunkt eine Ahnung davon bekommen, dass das Zeichen Q sich in seiner erstaunlich methodischen und tiefsinnigen Verwendung auf Einflüsse höher- (nämlich fünf-) dimensionalen Bewusstseins beziehen könnte. Dies würde bedeuten, dass mit dem Erkennungszeichen nicht die Inhalte der Veränderung und auch nicht die Kräfte der Veränderung bezeichnet werden, sondern dass die Quelle jener Gestaltungskräfte des Bewusstseins gemeint ist.

Ich vermute, dass wir für den Rahmen dieses Textes der Bedeutung von Q am nächsten kommen, wenn wir es als Randphänomen der Matrix von Welt verstehen, wie wir sie zu konzeptualisieren gelernt haben. Also Q als Kennzeichnung für einen Wirkmechanismus am äußeren Rand der Matrix, der die Macht hat, eine Verbindung zum Bereich von Nicht-Matrix herzustellen. Nämlich als ein Teil von jener Kraft, die von außen in den ansonsten mehrfach hermetisch versiegelten Kreis der Weltwahrnehmungen (aka „Bewusstsein“) einwirken kann, weil sie selbst nicht Teil des Inneren dieses Kreises ist. Also das, was als Charon, Chiron oder Cherubim, zuweilen auch als „Mr. Smith“ verkleidet in Erscheinung tritt – und ebenso spurlos wieder verschwindet wie es ursachenfrei ist.

Die durchgängig maskuline Typisierung des Außen-Vermittlers ist dabei kein Zufall. Während die Matrix (lat. matrix = Gebärmutter, Mutter(tier)) mit ihren erhaltenden und zusammenhaltenden Kräften den weiblichen Pol darstellt, muss jenes Außen, das die Matrix und ihr Innenleben verändern kann, wohl männlich sein. Es ist das übergeordnete männliche Prinzip, das den wie auch immer fest geschlossenen Kreis entweder von innen auf- oder von außen in ihn hinein ein-bricht. In unserem jetzigen Falle wohl beides, so wie das schlüpfbereite Küken sowohl von außen durch weckendes, rufendes Klopfen aktiviert wird als auch sich selbst dann aus dem inneren des Eis herauspickt. Die Initiative aber kommt von außen und kann nur von außen kommen. Matrix ohne Außeneingriffe ist Schlaf oder Koma oder Tod.

Und so ist das Zeichen Q selbst auch die reduzierteste symbolische Erinnerung daran, dass der Kreis – jeder Kreis – unterbrochen, geöffnet und neu belebt werden kann. Und muss – sonst stirbt er. Der kleine Strich am unteren Rand des O ist jenes Männliche, Extra-Matrixsche, das die Erstickung und Abwärtsspirale stoppt und ihr neue aufsteigende Kräfte eingibt. Wir nennen das im Alltag Inspiration – Atem- oder Geist-Einflößung.

Gesundheitskampf

Kehren wir nochmal zurück: wir befinden uns nicht in irgendeiner Art von Krieg, wie wir ihn aus der Geschichte kennen. Hier kämpfen keine zwei Interessengruppen oder Ländergegeneinander. Nur weil Kampf stattfindet, bedeutet das nicht, dass Krieg ist. Es gibt viele Gründe für Kampf und Gewalt, z.B. die Wiederherstellung von Ordnung gegen ein subversives, kriminelles Element.

Der Kampf, in dem sich die Menschheit jedoch nun auf unvermeidlich sichtbare Weise wiederfindet, ist kein Kampf gegen einen externen Gegner, überhaupt ist es weniger ein Kampf gegen etwas, sondern vielmehr für und um etwas, nämlich der Kampf um die Macht höherer Bewusstseinsstrukturen über das menschliche Leben auf Erden.

Das ist zunächst einmal der Kampf um die Bestimmungsgewalt über Art und Weise gemeinschaftlicher Organisation und über gesellschaftsformende Institutionen, auch Politik genannt. Dies ist aber nur ein Folgeaspekt von dem eigentlich bestimmenden Feld, um dessen Hoheitsrechte im Grunde gekämpft wird: das Bewusstsein der Menschen ihrer selbst und darin insbesondere die Form und die Freiheit des Denkens über sich und die Welt.

Deshalb findet dieser „Krieg“ im Kern in uns statt, in unserem Bewusstsein, unserer Selbst- und Weltwahrnehmung, in der Art wie wir Informationen aufnehmen (oder blockieren), sie interpretieren und wie wir die Welt konzeptualisieren. Wir Menschen kämpfen gegen uns selbst, gegen die Kräfte in uns, die uns in Unbewusstheit und Selbstverleugnung ziehen wollen. Dieser Krieg in uns endet erst, wenn wir rationales Bewusstsein als Mindest-Standard für alle Politik, alle Kultur, alle zwischenmenschlichen Vorgänge und alle gesunde Entwicklung etabliert haben. Das ist die Aufgabe, die wir zu bewältigen haben, wenn wir nicht ausgelöscht werden wollen.

Wer bestimmt denn, wie wir Menschen denken und denken dürfen? „Die Politik!“, werden einige rufen, weil sie doch über das Bildungssystem bestimmt und über die Legislative sogar Meinungen, Ansichten und ganze Fachrichtungen verbieten kann. „Die Medien!“, werden andere rufen, weil sie unser Denken direkt beeinflussen, lenken und gewisse Themen marginalisieren und tabuisieren.

Wer aber verfügt über die Politik und Politiker? Wer steuert die Medien-Akteure? Was bringt denn zum einen die politischen oder medialen Trendsetter dazu, das rationale und moralische Denken immer weiter einzuschränken und zu stigmatisieren und gleichzeitig alles Irrationale, Affektive, Infantile und Verantwortungslose zu fördern und anzustiften? Und was bringt zum anderen die Menschen dazu, diesen Trendsettern zu folgen? Was bringt Akademiker und Denker dazu, an der Abschaffung zunächst des rationalen und dann des Denkens überhaupt aktiv mitzuwirken? Wo fing diese teuflische Abwärtsspirale an?

„Na, beim Teufel natürlich!“ werden dann die Gesellschaftsmythologen und die religiösen Kurzstreckendenker rufen.

„Bei den Reptiloiden!“ hingegen rufen die youtube- und grafikgläubigen Konspirationskriminalisten. Es wäre wünschenswert, wenn sie dabei zumindest noch bedächten, dass reptiloid „reptilien-ähnlich“ im Sinne von ähnlich aussehend, beschaffen oder geformt bedeutet und nicht reptilienartig oder gar reptilisch. Da jedoch die Aufklärungsbewegungen mit den selben Denk- und Bewusstseins-Defiziten zu kämpfen hat, wie die Gesamtgesellschaft, aus der sich sie sich ja gerade erst in Ansätzen versucht herauszuwinden, findet man darin ebenso die Tendenz, nur noch in magisch-bildhaften oder sogar konkretistisch-dinglichen Schubladen zu denken, was dazu führt, dass einige Menschen tatsächlich glauben, Drachen und Eidechsen regierten die Welt, steuerten die steuernden Menschen und dies sei der Weisheit letztes Sahnehäubchen.

Der eigentliche Irrtum jedoch sitzt viel tiefer und ist viel essentieller. Auch wenn wir korrekt und genau bleiben und tatsächlich von reptiloiden Menschen sprechen, also von Menschen, deren Selbst- und Welt-Bewusstsein nicht über die Kapazitäten des Stammhirns hinausgewachsen sind, dann wirft sich uns sofort jene Frage auf, der die fantasiereichen Aufdecker und Bewusstseins-Missionare konsequent aus dem Weg gehen: wie kann es denn bitte sein, dass die niedrigst-mögliche menschliche Bewusstseinsstufe alle anderen, also alle Vertreter höherer Bewusstseinsgrade, beherrscht? Und zwar sie nicht bloß knapp unter dem Joch roher Gewalt hält und sie mit physischer Kraft zu Frondiensten zwingt, nein, sondern sie auf eine Weise beherrscht, die von den bewussteren und somit eigentlich viel ressourcenreicheren Menschen nicht einmal wahrgenommen wurde (über hunderte von Jahren hinweg)! Die meisten Menschen in der westlichen Welt leben sogar heute noch überwiegend in fortgeschrittenem zweidimensionalem, also sowohl in instinktiv-magischem als auch in sozial-emotionalem Bewusstsein und haben situativ auch stabilen Zugang zu mental-rationalem Bewusstsein. Das heißt, sie haben ein qualitativ deutlich höheres Bewusstsein als jene Kaste, die sie – angeblich – beherrscht.

Also wie ist es dann möglich, dass niederes Bewusstsein höheres Bewusstsein über Jahrhunderte hinweg beherrscht und dabei nicht einmal auf ernstzunehmenden Widerstand stößt (bis zum Jahre 2017)?

Die Antwort ist naheliegend, aber so erschreckend, dass sich kaum jemand in ihre Nähe wagt oder allein schon die Frage zu stellen sich trauen würde. Die Antwort lautet: weil die Vertreter des höheren Bewusstseins, die zu Sklaven und Unterworfenen wurden, also die große Masse der Menschen, sich entschieden haben, die Macht und die Selbstbestimmung abzugeben.

Warum? Warum sollten Menschen, oder um es abstrakter und allgemeiner zu formulieren, warum sollte Bewusstsein sich dafür entscheiden, die Macht, die Selbstbestimmung und damit letztlich jede weitere Entscheidungsgewalt abzugeben? Und dann auch noch an minderbemitteltes, primitivstes Amphibien-Bewusstsein? Warum sollte Bewusstsein sich selbst aufgeben?

Die Antwort lautet: um eine Integrität oder Identität zu retten. Die Motivation zur Abgabe von Macht und Selbstbestimmung liegt im Selbstschutz vor Überforderung oder Hyperinflation und damit Selbstverlust.

Dafür müssen wir die Dynamik verstehen zwischen Bewusstsein und seinem Antagonisten: der Angst. Bewusstsein ist expansiv. Angst ist der Gegenpol dazu und kontrahiert. Genauer gesagt ist Angst das, was wir erleben, wenn wir in eine Kontraktion geraten. Das gilt nicht bloß physisch-muskulär, sondern viel grundsätzlicher. Angst ist die Kontraktion unserer Selbst- und Weltwahrnehmung, also unseres Bewusstseins der gegebenen Realität und somit auch die Kontraktion unserer Identität.

Kontraktion ist ein Schutzreflex und dient dem Bewahren der Integrität und Identität. Angst reißt uns zusammen und hält uns zusammen auf der psychischen und darüber hinaus auf der energetischen Ebene unseres Daseins. Sie ist also eine sinnvolle Reaktion in jeder Situation, die dazu führen könnte, dass wir unsere Einheit und Integrität durch Auflösung, Fragmentierung oder Überweitung verlieren könnten. Angst ist ein basaler organismischer Inflationsschutz und wirkt sich deshalb, weil sie so fundamental in uns ist, auf alle die Ebenen unseres Daseins aus, die auch nur im Geringsten vom Physischen und Biologischen beeinflusst werden.

Was also unsere Bewusstseinsexpansion stoppen kann, ist Angst. Es ist ein Traumareflex auf eine Überforderung unserer Integrationsfähigkeiten. Wenn wir einer Situation, einer Erfahrung oder einer Kraft nicht gewachsen sind und nicht einfach weglaufen können, dann können wir abschalten und hoffen, dass wir es „irgendwie“ überleben. Was aber, wenn es unsere eigene Kraft, ein Teil von uns selbst oder ein Bewusstseinsaspekt ist, die uns überfordern? Dann müssen wir unser Bewusstsein chronisch vor diesem Aspekt und allem, das uns daran erinnern könnte, fern- und abhalten. Wir müssen diesen Teil und alles daran Anknüpfende von uns selbst ignorieren und tabuisieren.

Wenn ein Mensch oder für unser Thema passender die Gattung Mensch einen Moment derÜberforderung gegenüber der eigenen Macht, also ein Trauma durch die (zu frühe / zu schnelle) Erkenntnis der eigenen Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten erlebt hat, dann musste die Menschheit wohl als Ganzes eben diese Macht, dieses eigene Einflusspotenzial und diese eigene Gestaltungskraft chronisch leugnen und tabuisieren. Und nicht nur diese, sondern alles, was sie auch nur daran erinnern könnte. Zumindest bis das Trauma gelöst wird. Aber das ist bisher nicht passiert.

Das Wachstum in dreidimensionales, d.h. mental-rationales Bewusstsein ist gekoppelt an das wachsende Erkennen der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten im Universum durch die Nutzung des logischen und kausalen Denkens, also des Verstandes, und schließlich der Notwendigkeit von Vernunft, also des rational-moralischen Denkens, welches auf der zusätzlichen Erkenntnis von objektiven, naturverankerten Werten beruht.

Wenn nun dieser Weg hin zum Gestaltungs- und Produktionsbewusstsein durch ein schweres Trauma blockiert und versperrt wird, dann kann sich das Bewusstsein trotz aller Bestrebungen und Anstrengungen nicht über die Zweidimensionalität hinaus entfalten. Es bleibt in sich selbst gedeckelt stecken und überhitzt sich bloß im emotional-sozialen Bewusstsein, welches auf den Konflikt nur so reagieren kann, dass es nach Schuldigen, nach Feindgruppen oder mythischen, irrationalen, „religiös-kultischen“ Schutzräumen sucht. Wenn dann auch diese unlösbare Überhitzung nach einiger Zeit zu ausreichend schweren Traumatisierungen geführt hat – z.B. durch nicht endende Ketten von Revolutionen oder Clan-getriebenen Umwälzungen und schließlich noch zwei Weltkriegen – dann werden auch in diese Bewusstseinsstruktur immer mehr Trauma-Sperren eingebaut, was den regressiven Trend der Selbstverleugnung und Selbstaufgabe verstärkt bis nur noch die Reduktion auf eindimensionales Bewusstsein ausreichend betäubt und konfliktfrei ist.

Das Bewusstsein rettet sich auf der Suche nach Sammlung und Erholung in vertraute, immer basalere und damit auch immer primitivere Strukturen in der unbewussten „Hoffnung“, dass die nach oben hin blockierenden Entwicklungsschranken dann irgendwann gelöst werden können. Sie können jedoch nur „von außen“ und „von oben“ gelöst werden, niemals aus der defizienten und blockierten Struktur selbst heraus. Dazu kommen wir später noch.

Angenommen, die Menschheit wurde von einer zu schnellen, zu grellen oder zu wenig vorbereiteten und tragbaren Erkenntnis ihrer Macht so sehr geschockt, dass sie mitten auf ihre in die Höhe fortführende Entwicklungsschiene einen großen, schweren Prellbock und damit eine künstliche Mauer, ein unechtes Ende setzte. Dann muss sie ja mit der Zeit mit immer größerer Wucht und Gewalt gegen diese errichtete Grenzwand stoßen, wenn nicht gar anrennen. Denn Bewusstsein ist und bleibt expansiv, auch wenn die kontrahierenden, restringierenden Kräfte von Angst und Selbstschutz dagegen halten. Die Menschheit existiert seit Jahrhunderten in diesem verriegelten Dampfdrucktopf des Bewusstseins, der immer heißer wird und sich immer zwanghafter gegen die Öffnung nach oben wehrt.

Wer oder was also kämpft dann hier in Wirklichkeit gegeneinander? Die Menschen gegen die Eidechsen? Die Sozialen gegen die Soziopathen? Die weißen gegen die schwarzen Hüte? Die Wachen gegen die Torwächter (Gatekeeper)? Oder menschliches Bewusstsein gegen Angst?

Könnte es sein, dass unser Gegner nichts und niemand anderes ist als die Angst? Nichts anderes als alle jene Kräfte, die uns kontrahieren, zurück-, und zusammenziehen, klein machen, von innen hemmen, beschränken und unsere Flügel stutzen noch bevor sie sich einmal ausbreiten konnten?

Machen wir uns das ganz deutlich: die Primitivsten und Bösesten unter uns haben ihre Macht über die Menschheit und über die Menschlichkeit nicht von uns errungen und erkämpft. Sondern sie haben sie nur am Wegesrand aufgegabelt, nachdem wir sie dorthin weggeworfen haben. Wie war das mit dem Eckbaustein, den die Bauleute verwarfen? Wir, die Menschheit, haben einen Grundbaustein unseres Seins und unseres Bewusstseins von uns gewiesen und abgespalten: unsere Gestaltungsfähigkeit und unser Gestaltungsbewusstsein.

Wir haben ein Macht-Vakuum erzeugt durch Unterlassung, durch moralische und soziale Fahnenflucht. Wir haben uns selbst verraten und uns schutzlos stehen lassen in einem Raum, den wir bereits angefüllt hatten mit Technologie, Wissen und Maschinen, die fähig sind, uns und alles zu zerstören. Wir wollten das alles nutzen, aber mit Macht, Bestimmung, Entscheidung und Begrenzung wollten wir nichts zu tun haben. Also überließen wir die Regulierung und Bestimmung über all das mächtige Werkzeug „irgendwem“.

Warum? Weil sie mit einer enormen Verantwortung Hand in Hand gehen. Der Mensch erschrak vor der ungeheuren Verantwortung, die er als Erfinder und Erbauer von Hochtechnologie hatte. Darauf war er nicht vorbereitet und niemand half ihm dabei. Also gab er die Macht, darüber und über seine Fähigkeiten – über seinen Verstand! – zu bestimmen ab. Nicht an jemanden, sondern nur weg von sich. Das ist sehr wichtig zu verstehen, wenn wir verstehen wollen, was gerade passiert und wie wir mitkämpfen können.

Die Macht wurde dann aber (vor etlichen Jahrhunderten) ergriffen von jenen, die kein Bewusstsein für Verantwortung hatten, nämlich eindimensionalen Menschen oder Wesen. Sie fanden und finden alles fertig vor: Maschinen, Wissen, Baupläne, ja willige Ingenieure und Forscher, gehorsame Generäle, folgsame Denker und Akademiker, tatkräftige Produzenten und Unternehmer – alle abgekoppelt von ihrer menschlichen Ethik und ohne Moral. Sie waren und sind zu allem bereit – wenn sie nur keine Verantwortung übernehmen müssen und ihr Bewusstsein von sich selbst weiter betäuben können. Man ließ sich lenken, um nicht in die Position des Lenkers zu kommen.

Für die eindimensionalen, psychopathischen, von mir aus „reptiloiden“ Menschen war das ein unerwartetes Schlaraffenland: die sozialen und rationalen Mensch bieten sich als willige Werkzeuge an nur unter der Bedingung, dass sie nicht die Verantwortung übernehmen müssen. Und so übernahm sie… keiner. Stattdessen bauten sich die Psychopathen eine weltweite Dynastie der Kontrolle über die bewussteren Menschen auf, allein mithilfe jener Technik, die jene freiwilligen Knechte selbst erfanden und immer intelligenter machten. Und als Gegenleistung wollten die Menschen nur ausreichend betäubt werden.

Die Idee, dass die Technik von „Außerirdischen“ stamme, ist übrigens auch so ein Produkt der eindimensionalen Stammhirn-Repräsentanten kombiniert mit dem Bedürfnis der Menschen, nicht an ihre eigenen rationalen und technischen Fähigkeiten erinnert zu werden. Für beide müssen die Produkte des menschlichen Verstandes wahrlich außerirdisch erscheinen – für die einen aufgrund von Unfähigkeit und für die anderen aufgrund von Angst vor Selbsterkenntnis. Da für sie „irdisch“ im Grunde nur „unterirdisch“ bedeutet, muss alles, was sich auf der Oberfläche oder in höheren Kompetenz-Sphären abspielt, ein Rätsel bleiben, dass sie nur ängstlich kontrollieren können.

So sah der Deal zwischen den Ängstlichen und den Unfähigen aus, der unsere Gehirne bis heute blockiert.

Es ist unwahrscheinlich, dass den dreidimensionalen Menschen bloß die Macht des produktiven und technischen Denkens und seiner Folgen so große Angst machte – allein schon deshalb, weil wir diese Macht und unser Bewusstsein von ihr auch gar nicht aufgegeben haben, sondern auf sie sogar noch am meisten stolz sind. Nein, was uns wirklich Angst machte, war die Verantwortlichkeit, die wir als neue Ursachen-Setzer, als Lenker und Beeinflusser dessen, was bis dahin nur von den Gesetzen der Natur bestimmt wurde, plötzlich einsehen mussten. Feuer machen, Räder bauen bis hin zum Buchdruck und zur Eisenbahn waren harmlose Anfänge. Aber was geschah, als wir Menschen genetisch verändern und züchten lernten? Als wir lernten, das Wetter zu bestimmen und „Natur“-Katastrophen auf Knopfdruck auszulösen? Als wir Zugang zu endloser und unbegrenzter Energie für Maschinen fanden und jeden Stoff in jeden anderen verwandeln konnten?

Merkt heute nicht jeder aufmerksame Einzelne bei diesen Themen, wie er zusammenzuckt und davon lieber nichts wissen will? Wie er sofort, reflexartig wegschauen möchte ohne auch nur zu fragen, warum eigentlich? Wir wissen warum: weil es unaussprechliche Angst macht. Weil es einen Abgrund von… von was? … von Einsamkeit vor uns eröffnet. Keine Götter mehr, nicht mal mehr ein Gott, die die Kräfte des Übermenschlichen weise ordnend lenkt und einsetzt. Nur noch kalte, sprachlose Gesetzmäßigkeiten und der Mensch, der sie lernt, zu nutzen, um auf die Erde zu gestalten nach seinem Gutdünken. Er kann den Himmel auf Erden schaffen, was natürlich schön ist, aber der Preis ist: er kann auch die Hölle schaffen. Und die Wahrscheinlichkeit für letzeres ist viel höher als für ersteres, weil bei diesen Dimensionen und Kräften ein kleinster Fehler im System oder in der Planung oder in der inneren Haltung reicht, um eine Kettenreaktion von Katastrophen auszulösen. Das muss man heute ja niemandem mehr erklären.

Die gute Nachricht ist: das haben wir jetzt schon hinter uns. In der maximal möglichen Hölle waren wir schon (eine weitere Steigerung hätte uns zerrissen und den Planeten ent-menschlicht). Nun müssen wir das alles – rückblickend und vor allem in uns blickend – lernen zu verstehen.

Wo sollen wir damit jetzt beginnen? Zunächst mit der Einsicht, dass unser hochwürdiger Gegner die Angst ist. Unsere eigene Angst. Unsere Angst vor der Verantwortung und der (scheinbaren) Einsamkeit als „Krone der Schöpfung“ im Universum. Daraus abgeleitet davon unsere Angst vor Macht, Können, eingreifender Gestaltung und technologischer Expansion. Abgeleitet daraus wiederum die Angst vor unserem rationalen, produktiven und selbstermächtigenden Denken. Aus diesen drei Grundängsten heraus: Angst vor Verantwortung, Angst vor Macht und Angst vor dem Verstand haben wir genau diese Aspekte unserer Wesensnatur so tabuisiert und ausgeblendet, dass sie uns nicht mehr zugänglich waren.

Exkurs: die zweidimensionale Ambivalenz zur Macht

Im zweidimensionalen, emotional-sozialen Bewusstsein dreht sich alles um den Angelpunkt von sozialem Einfluss, also Macht. Da für das 2-D-Bewusstsein alles durch Beziehungen und Zugehörigkeit zu Gruppen oder Clans bestimmt wird, wird man immer versuchen, so weit wie möglich „nach oben“ zu kommen oder zumindest immer einen guten Draht „nach oben“ zu haben. Da für das sozial-konkretistische 2-D-Bewusstsein der Gesamtkuchen stets limitiert ist und es auch keine eigenen neuen Lösungen erfinden, sondern nur das gerade Vorhandene immer neu und anders aufteilen kann, kommt es aus seiner engen Perspektive betrachtet auf nichts so sehr an wie auf den Zugang zu Macht-, Einfluss- und Entscheidungspositionen. Nicht, weil man von dort am meisten optimieren und entwickeln könnte, sondern weil man dann besser über die Größe des eigenen Stückes vom Kuchen bestimmen kann (bzw. über das Kuchenstück für den eigenen Clan, der das Wichtigste für den Selbsterhalt ist). Das ist die Basis aller sozialistischen Projekte, ob sie sich nun so nennen oder hinter modernem Ablenkungsschablonen verstecken.

Allerdings gibt es auf dieser Bewusstseinsstufe, die natürlicherweise die von Kindern bis zum frühen Teenager-Alter ist, noch keine volle Verantwortungsfähigkeit, weil es dafür ein mentales Bewusstsein mit kausalem, schlussfolgerndem und teleologischem Denken sowie mit der Fähigkeit zur Abstraktion von allem Emotionalen und Launenhaften braucht. Deshalb erkennt man zweidimensionales Bewusstsein an seiner Ambivalenz gegenüber allem, das mit Macht und Einfluss zu tun hat. Es will sozial bestimmen, aber keine Verantwortung übernehmen und keine Konsequenzen akzeptieren.

Eindimensionales Bewusstsein nimmt Macht nur als physische Dominanz durch Stärke oder energetische Überlegenheit wahr und hat bei der Anwendung und Vergrößerung von Macht keine Skrupel, solange sie der eigenen (oder des Clans) Sicherheit und Wohlbefinden dienen. Das soziale Bewusstsein muss jedoch mit der Zwickmühle leben, dass es einerseits stets nach möglichst viel Macht innerhalb der sozialen Hierarchien strebt und dies aber gleichzeitig verschleiern und verstecken muss, um eben diese eigene Macht „sozial“ und von anderen erwünscht zu halten. Während Menschen mit eindimensionalen Bewusstsein einfach an die Spitze streben und dafür – metaphorisch oder wörtlich – über Leichen gehen können, ist das Machtstreben für zweidimensionales Bewusstsein ein kompliziertes Strategie- und Jonglierspiel mit komplexen Winkelzügen, Beziehungsfäden, Vielschichtigkeiten und Betrug – vor allem Selbstbetrug.

Man kann das am leichtesten bei den Berufsgruppen beobachten, die per definitionem eine starke soziale Einfluss-Position qua Funktion einnehmen: Pädagogen, Ärzte, Therapeuten, Pfarrer und Führungskräfte im sozialen Bereich, auffällig zunehmend auch Führungskräfte in der Wirtschaft. Bei ihnen geht es um den unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten und Denken anderer Menschen, d.h. der Macht-Charakter Ihrer Rolle ist am offensichtlichsten. Und gerade die Vertreter dieser Berufsgruppen und Positionen sind am meisten damit beschäftigt, ihre Macht aufwendig zu vertuschen oder zu leugnen.

Der moderne Pädagoge z.B. möchte all seinen Einfluss dafür geltend machen, die Macht an die Kinder und Jugendlichen zu übergeben: sie sollen den Unterricht führen oder über den nächsten Schritt entscheiden. Soweit die Theorie. Ob das für die Kinder besser ist, ist zweitrangig. Vorrangig ist, dass der Pädagoge dadurch ein besseres Gefühl bekommt, also weniger Schuldgefühle oder schlechtes Gewissen hat. Das funktioniert nur, wenn er dran glaubt.

Analog dazu versucht der moderne Therapeut sich an das Dogma zu halten, dass seine Patienten/Klienten den Prozess führten und er ihnen nur zu folgen hat. Um zu bemerken, wie absurd es ist, einem Hilfesuchenden die Steuerung zu übergeben, damit der kompetente (und bezahlte!) Profi nur noch „folgen“ müsse, muss man schon rational denken. Aus rein emotionaler Sicht mag das wie eine wünschenswerte Mischobst-Kiste aus Gleichheit, Brüderlichkeit und Augenhöhe aussehen – wenn man die grobe Verantwortungslosigkeit ausblendet. Aber das ist nicht das, was wir tatsächlich brauchen. Im Kleinen wie auch auf der Makro-Ebene führt es zu einem Fiasko. Aber es sind nun mal jene Ideen oder Schlagworte, die wir mit positiven Gefühlen assoziieren und hinter denen verantwortungsängstliche Menschen dann hinterher laufen wie die Kinder hinter dem freundlichen Spielmann aus Hameln.

Ärzte entziehen sich dem Verantwortungsaspekt ihrer Macht, indem sie für die Gründe ihrer Entscheidungen „die Wissenschaft“ (heute bedeutet das: die Vorgaben der Pharmaindustrie) referenzieren und ansonsten mehr oder weniger empathisch mit den Schultern zucken.

All dies ist so widersprüchlich, so intellektuell unlauter, so offensichtlich irrational von der Warte der Vernunft aus betrachtet, dass sie, die Vernunft, sich die Augen verwundert reiben muss und fragt, wie eine Gesellschaft so über Generationen hinweg bestehen und funktionieren könne. Für sozialmythische Menschen mit unverrückbarer emotionaler Programmierung jedoch muss das genau so sein, denn in ihrer Welt der sozial-relativen Würde beruht alles auf der Notwendigkeit, beliebt, angesehen und gleichzeitig möglichst einflussreich zu bleiben. In der Kultur der Moderne wird deshalb jede Form von Macht und Hierarchie so grundsätzlich verdrängt, dass man diese Aspekte verstecken muss, wenn man kulturpolitisch korrekt und allseits anerkannt sein möchte, besonders in den trotzdem systemisch unverzichtbaren Machtpositionen.

Die modernen Führungskräfte und ihre anführende Phalanx von Trainern, Experten und Ratgeber-Autoren versuchen aus dem gleichen Grunde – initiativ beeinflusst von Pädagogen und 68er-Missionaren – immer trotziger die Quadratur des Kreises, indem sie „flache Hierarchien“, Dezentralisierung, fluktuierende Führung, Besprechungen im Selbsthilfeformat und alle möglichen Verrenkungen der Gleichberechtigung und Gleichwertung (in Konsequenz Nicht-Wertung) propagieren. Funktionieren tut das nicht, aber es soll ja auch nur schick und modern aussehen, egal wie widersinnig und unrealistisch sie sind. Für eine leistungs- und zielorientierte Unternehmung ist das natürlich nichts als Hemmung und Sand im Getriebe. Aber um das zu erkennen, muss man ein ausgeprägtes rationales Selbstbewusstsein und Weltverständnis haben, und darf nicht an neo-mystischen Wunderglauben oder Kindergarten-Bildern festhalten.

Einen rationalen Menschen würde dieser künstliche Konflikt zwischen notwendiger Macht und erzwungener Verbrämung stören und er würde nach einer Integration und nach einer verantwortungsvollen Lösung suchen. Damit würde er jedoch in unserer Kultur der letzten 70 Jahre völlig aus dem Rahmen fallen – und sich bei all denen unbeliebt machen, für die es „sich nicht so gut anfühlt“.

Die widerspruchsfreie Lösung lautet: jedes Privileg von Macht muss mit der Forderung von Verantwortungsübernahme (also Verantwortungsfähigkeiten) gekoppelt werden. Macht soll niemals versteckt oder verschleiert, sondern vielmehr mit allgemeiner Anerkennung bekleidet und mit Verantwortung moralisch ausgestattet werden.

Exkurs-Ende.

Der Angst in die Augen sehen

Die Hobby-Aufklärer und Instant-Apostel des „Großen Erwachens“ hängen so gut wie alle noch in genau diesen angstinduzierten Tabus fest. Wenn sie uns geheimnisvoll von Drachen und Echsen und Außerirdischen flüstern, die hinter allen Schleiern aus dem Dunkeln heraus uns und unser Schicksal steuern, dann bekämpfen sie – sehr wahrscheinlich völlig unbewusst – alle drei Aspekte: den Verstand, weil sie mit irrationalen Bildern und inkonsistenten Narrativen aufwarten, die man bitteschön „glauben“ soll; unsere Macht, weil sie behaupten, die Eidechsen oder Psychopathen seien mächtiger und intelligenter als wir; und damit auch unsere Verantwortung, weil sie uns als Opfer darstellen ohne zu zeigen, wodurch wir besiegt wurden und was unser Anteil daran war.

Mit zweidimensionalem Bewusstsein kommen wir aus der Sache nicht raus. Es mag kurzfristig ein wenig tröstend und beruhigend sein mit seinen Bildern und Narrativen von Zusammenhalt und starken Gefühlen, von rettendem Glauben und erlösenden Vertrauen, aber es bietet keine Lösung und weist nicht einmal in die Richtung der Lösung. Die Lösung kann nur darin bestehen, dass wir uns wieder dem mentalen Bewusstsein und darin dem rationalen, kausalen, klaren begrifflichen Denken zuwenden und zwar in Bezug auf alle Bereiche unseres Wesens und Lebens. Nicht nur in Bezug auf Technologie und ihre Betriebsanleitungen. Dafür müssen wir uns eher früher als später eben auch dem beschriebenen Trauma-Block mit seinen Tabus, Leugnungen, Lügen und Verdrehungen, Fragmentierungen und Verzerrungen, also mit dem großen Vakuum um die erwähnten Trauma-Themen herum beschäftigen. Wir werden vielleicht erstmal ganz dumm und sprachlos (begriffslos) davor stehen, aber das und nur so ist das der Anfang.

Der große Schritt zur Auflösung dieser Jahrhunderte alten Blockade wird darin bestehen, den Schmerz der einstigen Überforderung schrittweise, in kleinen verdaubaren Portionen zu spüren und zu verarbeiten – Verständnis dafür zu entwickeln, d.h. ihn in stimmige, tragfähige Begriffe, Konzepte und Landkarten zu übersetzen. Erst dann werden wir fähig sein und die Kompetenzen entwickelt haben, uns der einstigen Überforderung durch unsere Macht nun als bloße Forderung und vielleicht Herausforderung von Verantwortungsübernahme zu stellen. Dann erst können wir Verantwortungsträger werden, die fest stehen auf dem Boden ihres Selbstbewusstseins als rationale, vernunftgeleitete Menschen. Selbstbewusstsein in beider Bedeutung des Wortes: als gewachsene Selbstachtung und als vorausgehende, stets wachsam begleitende Selbstwahrnehmung.

Wir kommen um den ersten Schritt nicht herum: der Angst in die Augen zu sehen. Wir können diesen Schritt allerdings ausführlich vorbereiten und so klug und langsam und behutsam machen, dass stets die expansiven, neugieren, entwicklungsorientierten und fühlenden Kräfte in uns die Oberhand behalten ohne die Angst zu leugnen oder zu verdrängen. Wir können auch beginnen mit der Angst unserer Vor-Vorfahren, das hilft, aus der Distanz zu schauen. Dann können wir lernen, die Angst um uns herum zu identifizieren in den Institutionen, in den Strukturen und Gewohnheiten, in allem medialen Inszenierungen und Ausbreitungen, in den Motivationen der Menschen und schließlich in ihren unmittelbaren Reaktionen, Gesten und Gesichtern. Dann werden wir sie sehen können als etwas, woran wir Anteil hatten und haben.

Es sei nebenbei dazu darauf hingewiesen, dass das Denken eine der Funktionen ist, die auch unter Angst einsatzfähig sind. Angst ist nur mächtig im materiellen, also physisch und physiologisch bestimmten Feld, also in den Aspekten der ersten und zweiten Bewusstseinsstruktur. Denken können wir unabhängig davon – es ist nur schwerer, im Denken den Realitäts- (1-D) und den emotionalen (2-D) Bezug zu halten. Der Psychopath steht chronisch unter Angst und ist vollkommen asozial, kann aber durchaus sehr klar und logisch denken – er vertut sich nur eklatant in Bezug auf alles Menschliche und Soziale, das er nicht begreifen kann. Wir aber können es und müssen lernen es – also uns – mit dem Denken zu begreifen. Damit können wir auch anfangen, wenn wir noch unter dem Einfluss von Angst stehen. Der Geist und das Geistige sind von der Angst unabhängig.

Alle so störenden und wiedersinnigen Symptome unserer Gesellschaft, die sich in den letzten 18 Monaten zum Alleroffensichtlichsten zugespitzt haben, lassen sich durch Angst erklären. Nicht durch Furcht, welche sich immer auf ein Objekt oder einen Auslöser bezieht, sondern durch Angst, die ein Zustand ist. Die Tabuisierung des Denkens, Nachfragens, von kritischen Ansichten, ja von Informationen und Fakten selbst basiert auf nichts anderem als Angst. Der himmelschreiend naive und masochistische Gehorsam (weltweit, aber als solcher unübertroffen in Deutschland), die Anstrengung der Menschen, all die Widersprüche und Verletzungen nicht zu sehen – all das aufgrund von Angst. Die Folter, der sich die Menschen selbst und andere, sogar ihre eigenen Kinder mit so viel Eifer und Sorgfalt unterziehen – aufgrund von blinder Angst. Letztlich ihre körperliche Selbstzerstörung und Aufgabe jeglicher Integrität und Würde – aufgrund dieser Angst.

Wir können den Menschen, die in sich nichts tragen, was sie außerhalb ihrer Angst ansprechbar machen würde, nichts anbieten, um sich ihrer bewusst zu werden. Sie können nicht. Sie können auch nicht wollen, denn dafür müssten sie zumindest eine Vorstellung von einer Alternative haben. Für sie aber ist die Angst, also das durch Angst kontrahierte und blinde Bewusstsein, so wie Wasser für den Fisch: sie können sie nicht wahrnehmen, weil sie sie nicht abgrenzen und differenzieren können. Sie sind Angst. Wir können lernen, mit der Angst zu sprechen, die uns da in Form von blinden, gehorsamen, selbstlosen Menschen gegenübertritt. Aber auf lange, sehr lange Sicht ist für sie nichts anderes denkbar als Betreuung und Abschottung vor der Realität, zu welcher auch gehört, dass wir alles von Menschen Gemachte durchleuchten, reinigen und neu aufbauen müssen – angstfrei.

Diejenigen von uns jedoch, die gerade erst anfangen, eine innere Landkarte und ein erstes vages Verständnis von dem großen Geschehen und seinen Ausmaßen über alle gewohnten Denkhorizonte hinaus zu erstellen, sollten sich davor hüten, zu schnell in irgendeine Helfer- oder gar Retter-Rolle zu schlüpfen. Auch die Erklärbären, Kommentatoren und Informations-Dolmetscher liefern sich mehr als sie ahnen der Gefahr aus, ihr eigenes Verstehen auf dem Niveau ihrer erreichten Kommunikationsfähigkeit zu arretieren. Und damit natürlich auch das ihrer Mitläufer. Deshalb ist jeder von ihnen auf seine Weise und auf seinem Plateau Gatekeeper und Umleitungsbeauftragter, denn wer zeigt schon über sein eigenes Bewusstseinslevel hinaus? Diejenigen, die es vermeintlich tun, zeigen meist nur in den Nebel oder – noch fataler – nach unten auf mystische, bildhafte, begriffslose Bewusstseinsverengungen, in die man dann hinab und zurück steigen müsste, um angeblich noch besser verstehen zu können.

Wir – also jene, die Texte wie diesen hier freiwillig lesen – sollten vor allem anderen an unserem Verständnis arbeiten. Da es der Mangel an Verstehen und an Verstehen-Wollen war, der uns letztlich in die Abgründe des delegierten Suizids brachte, sollten wir alles daran geben, dieses Defizit als erstes zu beheben. Und dafür müssen wir der alteingesessenen Angst vor dem rationalen Bewusstsein ins Auge blicken. Rationales Bewusstsein zeigt sich in der Hartnäckigkeit und Intensität der Frage nach dem Warum. Solange wir diese Frage umgehen oder ihr mit simplen imaginierten Schubladen-Antworten das Maul stopfen, sind wir noch im alten Film, nämlich der Vermeidung von Rationalität. Rational entscheiden und agieren können heißt, den Grund und den Zweck des eigenen Handelns zu kennen und nennen zu können. Ein rationales Weltverständnis ist ein Verständnis von Ursachen, Wirkungen, Intentionen, Zwecken und Strategien von dem, was geschieht und berichtet wird. Das pure Aufzählen von Geschehnissen, Tätern oder Verursachern ist – wenn überhaupt – eine noch sehr unreife und unwirksame Stufe des Rationalen.

Wir sollten deshalb als erstes lernen, die Angst um uns zu erkennen. Sie ist tatsächlich überall. Schwierig ist es nur, einen angstfreien Ort zu finden.

Exkurs: Angstmacher erkennen

Nehmen wir einmal das Gros der Kinofilme aus den letzten Jahrzehnten zur Veranschaulichung, denn das ist eine der populärsten und dabei noch relativ vielseitigen medialen Kulturpräparate. Im Horrorfilm oder etwas gebremster in allem, was uns als „FSK 16“ angeboten wird, ist die Angsthypnose so offensichtlich und primitiv, dass es dazu nicht viel zu sagen gibt. Diese Form der Angstvermittlung ist aber genau deshalb auch die harmloseste. Selbst nach einem wirklich intensiven Horrorfilm beruhigt man sich doch recht schnell wieder, wenn man an die frische Luft geht, einen Tee trinkt und dabei ein bisschen plaudert. Die instinktiven Reaktionen auf das Aversive, Kranke, Bedrohliche oder Übermächtige enden eben mit den Bildern und Vorgaukelungen – sobald man das Licht anschaltet. Unsere Weltanschauung und vor allem unsere Moralvorstellungen werden von solchen Eindrücken nicht maßgeblich beeinträchtigt. Solche Produkte sind schlichtweg Schund und Dreck, sicherlich auch hochgradig krank und degeneriert in ihren Intentionen und Motivationen, aber auch wenn sie sehr verstörend sind, sie zerstören nichts Essentielles (bei Erwachsenen. Auf Kinder, deren Weltsicht und Selbstvertrauen noch hochgradig von Bildern geprägt wird, wirken sie substantiell destruktiv).

Eine ganz andere Nummer sind all jene Filme nach Hollywood- und Disney-Manier, die als lustige Komödie für die ganze Familie daher kommen. Sie vermitteln Angst nicht durch instinktiv grauenvolle oder bedrohlich-pathologische Bilder und Effekte, sondern durch Untergrabung von moralischen Idealen. Wenn uns der Trottel als Held verkauft wird – nach dem Forrest-Gump-Schema – dann ist das bereits ein Frontalangriff auf unsere Idealvorstellungen und unsere essentiellen Bilder von Heldenhaftigkeit. Vermittelt wird dadurch: „Der Blödeste, ungeschickteste Tollpatsch ist der Sieger“ – also eine Verdrehung der tatsächlichen moralischen Werte (und Lebenserfahrung), dass jede Art von Errungenschaft viel Anstrengung und Überwindung kostet, also in erster Linie Zielgerichtetheit und Willenskraft. Der moderne Anti-Held stolpert durchs Leben, „erobert“ dabei aber zufällig die schönsten und intelligentesten Frauen, wird reich und angeblich – das ist der größte und böseste Betrug – glücklich.

Man verwechsle diese moderne Form der Schwächen-Stilisierung nicht mit elisabethanischen Theaterstücken, Komödien der französischen Klassik oder dergleichen, in welchen das Unmoralische, Schwächen, Laster und Dummheit so dargestellt werden, dass wir uns als Publikum davon distanzieren und sie uns viel leichter als abstoßend bewusst machen können. Wir lachen sie aus, nicht mit ihnen. Das ist moralisch gut und richtig, es stärkt unser Bewusstsein für die gesunde und sittliche Natur des Menschen und damit unsere eigene Sittlichkeit und moralische Klarheit.

Die modernen Narrative und Stilisierungen hingegen sind nicht bloß absurd, unrealistisch und sinnlos (abgesehen von ihren dramaturgischen und ästhetischen Totalausfällen), sie sind auf einer moralischen und damit ästhetischen Ebene falsch und krank. Sie erzeugen nicht bloß eine lächerliche und leicht durchschaubare Illusion, sie generieren viel mehr eine stilistische Idealisierung von Anti-Werten, Schwächen, Defiziten und Retardierungen. Denn sie stellen sie eben nicht als verabscheuungswürdig und unmoralisch dar, sondern als Maßstab im Gewand einer pseudo-realen attraktiven Präsentation: so ist der Mensch. Und so ist der Mensch erfolgreich und sein Leben gut: Dummheit, Schwachheit und Charakterlosigkeit gewinnen das Rennen.

Wir finden noch eine Steigerung des moralischen Kollaps in all jenen modisch-modernen Filmen, besonders in ihrer französischen Variante des Total-Fatalismus, in denen eine Geschichte, die mit einem Ziel, mit Anstrengung, Mut, Willenskraft, Überwindung und Wachstum beginnt, von irgendwelchen Zufällen, einem Unfall oder – seit längerem sehr beliebt – durch eine tödliche Krankheit annulliert, vernichtet und damit negiert werden. Diese Ereignisse haben explizit nichts mit den Wünschen und Zielen der Protagonisten zu tun und sollen es auch nicht. Denn die anti-moralische Botschaft ist: „Es ist sowieso sinnlos. Du hast keine Chance. Der Mensch wird vom Zufall bestimmt.“ Also versuch es gar nicht erst, bleib klein und bescheiden, zieh den Kopf ein, sieh zu, dass Du nirgends allzu sehr hervorragst, riskier nichts, schließ mindestens einen Bausparvertrag und eine Lebensversicherung ab und sei froh, wenn Du halbwegs gesund in die Rente kommst. Mit anderen Worten: es gibt keine höheren Ziele, für die es sich zu engagieren lohnt, dass Leben ist ein sinnloser Ablauf, das höchste Gut sind Wohlbefinden, ein voller Bauch, warme Füße und ein dummer, betäubter Kopf, der keine Ziel oder Ideale hat und keine Fragen stellt. Glück ist nichts als Zufall.

Selbst der außerordentlich mutige und furchtlose Forscher an einem neuen Heilmittel oder einer neuen Technik kann irgendwann von heute auf morgen durch eine Krankheit sterben – also was soll’s? Der tapfere und verwegene Journalist oder Detektiv können neuerdings auf einer Bananenschale ausrutschen und ins Koma fallen – Ende der Geschichte. Andere profitieren andere von ihren Erkenntnissen und Errungenschaften, aber der Held unterliegt einer Bananenschale. Was der moderne Mensch implizit aufnimmt durch solche Narrative ist: es ist besser, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, soll sich doch jeder um seinen Mist kümmern.

Womit wir es hier zu tun haben ist mehr als nur fehlende Moral und Geistigkeit. Es ist mehr als krank und defizient oder degeneriert, es ist böse. Böse ist etwas, wenn es die Intention zur Zerstörung des Guten, Richtigen, Gesunden und Wertvollen in sich trägt. Die Mehrzahl der Filmproduktionen der letzten zwei Jahrzehnte (und parallel dazu auch alle anderen „Kultur“-Produktionen) sind in diesem Sinne böse. Sie sind ein subtiler aber direkter Angriff auf die Menschlichkeit. Ihre Botschaft ist nicht bloß: „Der Mensch ist ein Trottel“, sondern vielmehr: Es ist besser und sicherer, alle höheren Werte und Aspirationen zu zerstören, denn es gibt keine Lösung und das höchste Prinzip im Universum ist der Zufall.

Eine spezielle und besonders böse Form dieser Zerstörung ist das Lächerlich-Machen. Keinen Held darzustellen ist moralisch eine Nullrunde und schlichtweg wertlos. Aber einen echten Helden (einen strebenden, rationalen, moralisch ambitionierten Menschen) als lächerlich, nutzlos, erbärmlich und letztlich bedeutungslos darzustellen, ist keine Nullrunde mehr, es ist ein Angriff auf den Geist des Menschen. Ein Mensch kann ohne Ideale nicht wachsen und sich nicht als Mensch entfalten. Seine Wesens-Ideale zu zerstören ist eine Form von Mord – und zwar die moralisch verwerflichste und diabolischste. Besonders die Jungen und Jugendlichen können auf diese Weise für den Rest ihres Lebens psychisch-moralisch so sehr zerrütet werden, dass sie sich nicht mehr davon erholen können.

Dieses Gesicht zeigt das Böse in der dritten Bewusstseinsdimension und wir müssen lernen, es als das zu erkennen, was es ist. Eindimensional Böses greift den Körper, die Materie an. Zweidimensionales Böses greift den gesellschaftlichen Organismus, alles Soziale und die verbindenden Emotionen der Menschen an, um sie auszuschalten. Aber dreidimensional Böses greift die Vernunft an, indem es versucht, Moral und Werte an sich zu zerstören oder besser gesagt, den Zugang zu ihnen zu vernichten. Einen Menschen davon abzuhalten, Ideale zu entwickeln, ist mentaler Satanismus. Dazu gehören auch Ablenkung von Werten, Beschämung von Idealen, Verhöhnen oder verspotten von rationalen Motivationen, Sinnsuche und dem Streben nach Selbständigkeit, Verständnis und Glück. Wenn wir das verstehen, dann können wir einsehen, wie sehr unsere gesamte „Kultur“, also vor allem unsere mediale Zwangsmast, durch und durch böse und satanisch sind. Die Jüngeren unter uns kennen kaum noch etwas anderes.

Außerdem finden wir im gesamten Feld des Kunst- und Unterhaltungsmarktes nur noch Problemdarstellungen bzw. Darstellungen von Pathologien. Die noch weiter abgesunkene Stufe ist nicht einmal mehr Darstellung, sondern nur noch Ausdruck von Zerrüttung und Amoral. Wir suchen darin vergeblich auch nur nach Andeutungen von Lösungen, Heilungen, Wiedergutmachungen, Integration, ja Verständnis und Zuordnung. Es werden gar keine Ideale mehr dargestellt und keine höheren Ordnungen mehr nachgebildet und vermittelt. Unschuldige werden einfach umgebracht, Frauen vergewaltigt, Mörder bemitleidet, Betrüger befördert und asoziale Psychopathen als einzige Helden gefeiert. Somit handelt es sich auch – seit nun schon über hundert Jahren – nicht mehr um Kunst, sondern nur um pathologische Produktion. Tatsache ist, dass es in der westlichen Welt – bis auf einige vereinzelte und einsame Ausnahmen – keine Kunst mehr gibt. Wir müssen weit ins 19. Jahrhundert zurückgehen, um noch moral- und kulturtragende Kunst zu finden. Seitdem leben wir Menschen ohne eigene Kunst und sind daher zunächst ästhetisch, dann moralisch, dann mental und schließlich psychosomatisch so krank geworden, dass die meisten gar nicht mehr leben wollen bzw. gar nicht mehr wissen, was „menschliches Leben“ überhaupt bedeuten könnte.

Die Botschaft unserer dementsprechenden medialen Exkrement- und Eiter-Abwasser ist: es gibt keine Lösung, es gibt keine Heilung, es gibt nichts Höheres.

Warum sieht sich ein Mensch so etwas an? Wer trinkt freiwillig von dieser stinkenden Brühe, die nur gewürzt wird vom letzten Erbrechen aus der psychiatrischen Abteilung? Wie weit muss ein Mensch sich moralisch und ästhetisch bereits aufgegeben haben, um an diesem Trog mit zu saufen?

Was kann so stark sein, den Menschen von seinem Wesen und seiner Wesensintegrität so weit abzuziehen, dass er sich schlimmer als jedes Tier verhält und nicht einmal mehr nach einem Entkommen sucht, sondern die Selbstvergiftung wie einen Glücktrunk herunterstürzt?

Die Antwort lautet, nun nicht mehr verwunderlich: Angst. Angst macht irrational, sie spaltet ab, sie dissoziiert, entfremdet, führt in die Fremdsteuerung bis zur Selbstaufgabe.

Die täglichen Konsumenten der geistigen Gülle sind als volle Menschen gar nicht anwesend, während ihre menschlichen Körper ziellos und geistlos von den Wellen des Systemspektakels hin und her getrieben werden. Eine menschliche Seele könnte so etwas gar nicht aushalten – Märtyrerseelen vielleicht, aber auch nur ein paar wenige Jahre und nur mit der Gewissheit um das hohe Licht als Ziel vor ihren Augen. Und nein, die großen wogenden Massen da draußen, die von einer totalen Windstille gelähmt und vom Sturm aufgepeitscht sind, sind keine Märtyrer. Der technisch korrekte Begriff wäre Zombie. Es ist zu vermuten, dass viele von ihnen, wenn man ihnen den Emotionalisierungs- und Antriebs-Stecker aus dem Hirnstamm herausziehen würde, auf der Stelle so tot umfallen würden, wie sie spirituell (psycho-somatisch) schon lange sind.

Angst vor dem Rationalen

Es dürfte ersichtlich geworden sein, wie solche scheinbar harmlosen Unterhaltungsproduktionen Angst in den Menschen säen und düngen. Nicht Angst vor Monstern, sondern Angst vor Idealen, vor höheren Zielen, vor besonderen Anstrengungen, überhaupt vor dem Besonders-sein und vor einer eigenen inneren Stimme. Und damit Angst vor menschlichem, das ist rational-moralischem Bewusstsein. Das ist, etwas weiter gedacht, Angst vor dreidimensionalem Bewusstsein.

Dies ist so, weil Filme so wie Romane und andere „Kunst“werke von uns nicht wie Journalismus oder als bloße Berichte aufgenommen werden. Eine typische amerikanische Tollpatsch-Komödie würde uns so wie jeder andere noch so actionreicher Thriller nach fünf Minuten zu Tode langweilen, wenn wir sie bloß als Bericht über diesen einen Tollpatsch oder diesen einen Konflikt betrachteten – ob real oder fiktiv spielt dabei keine Rolle. Es hätte mit uns schlichtweg nichts zu tun und wäre nur eine bedeutungslose Bilderfolge. Aber nein, wir nehmen diese Geschichten in uns auf, weil wir wissen und uns darauf verlassen, dass sie von anderen Menschen gezielt erfunden wurden, dass dahinter ein Geist, eine formende Intention, also nicht nur Inhalt, sondern Gehalt steckt. Mit anderen Worten: dass er etwas Geistiges, Ideales, zumindest etwas Prinzipielles vermittelt. Denn sonst wäre es nur ein Bericht und für uns völlig unbedeutend. Bedeutung und emotionale Wirkung haben Filme und Geschichten auf uns nur deshalb, weil wir in ihnen etwas für uns Wichtiges, nämlich eine Botschaft über uns oder zumindest über die Welt sehen, die wir für uns nutzen können. Letztlich nehmen wir jede fiktionale Geschichte auf mit der Suche nach mehr oder neuem Verständnis. Nicht auf der mentalen Eben als Erklärung oder Erläuterung, sondern auf der emotionalen, vorbegrifflichen Ebene von Bildern, Symbolen und Mythen.

Und wenn uns der Plot vermittelt: „Es gibt keine Heldenhaftigkeit“, weil jede noch so hehre menschliche Unternehmung vom Zufall oder irgendeiner anderen Zusammenhangslosigkeit zunichte gemacht werden kann, dann speichern wir das als Prinzip unseres Weltverständnisses unbewusst und vorbegrifflich ab. Wir negieren innerlich alles Heldenhafte, jede Orientierung an Idealen und die Möglichkeit, dass durch Bewusstsein und mentale Anstrengung Ordnung hergestellt werden kann. Stattdessen bilden wir die absurde Glaubenshaltung in uns aus, dass letztlich alles Zufall und vom Zufall bestimmt ist, also sinnlos, ziellos und – geistlos.

Das sind die Botschaften, die uns implizit in so gut wie allen „Kunst“-Produktionen der letzten hundert Jahre vermittelt werden. Bis auf leicht zählbare, handverlesene Ausnahmen, sehen und hören wir nur noch das und nichts anderes mehr als das, in den Kinos, im Fernsehen sowieso, in den Museen und Galerien, auf den Theater- und Tanz-Bühnen und natürlich ganz vorneweg, wie immer ganz avant-garde in der „modernen Literatur“: die Negierung von Form, Ordnung, Sinn, Verstand, Vernunft, Idealen und Moral.

Also die Negierung des Geistes und damit die Negierung des Menschen. Warum? Aus welchem anderen Grund, wenn nicht aus Angst? Und diese gesäte Angst trägt keine anderen Früchte als noch mehr und grundsätzlichere Angst, bis nach einigen Generationen, das gesamte Bewusstsein des Menschen von Angst durchseucht ist und in seiner maximalen Kontraktion vertrocknet, erstickt und stirbt.

Dies sind die Ursache und ihre Wirkstoffe dafür, dass heute die Menschen nur noch ins Leere schauen können, nur noch ins Schwarze, Sinnlose, Aussichtslose. Solange sie noch vitale Kräfte und vage Sehnsuchtsreste haben, können sie auf den Straßen im Pulk demonstrieren und nach „Zukunft“, „Gerechtigkeit“ oder einfach nur nach Gehör schreien. Mit etwas weniger Vitalität schreiben sie dann nur noch entsprechende Verzweiflungs- oder Empörungs-Beiträge in Online-Foren. Von der resignierten und betäubten Masse, die sich im Arbeit-Freizeit-Konsum-Kreislauf aufreibt, sprechen wir hier gar nicht. Aber zu wem rufen sie denn? Wer soll sie denn hören? Wer soll die Verantwortung für ihre Misere übernehmen, wenn doch alle nur noch Schwarz sehen?

Wir können also nun die Frage beantworten, gegen was wir zu kämpfen zu haben: gegen die Angst. Gegen unsere Angst vor unserer Macht und unserer Verantwortung im Kosmos. Vor unserer Macht zur Gestaltung, Formung und Führung aller Materie.

Wir, die menschlich zum rationalen Bewusstsein gereiften, wollten diese Macht nicht, weil uns die Verantwortung nicht tragbar und wir uns selbst dafür zu klein und abhängig erschienen. Deshalb wurde die Macht vom Abschaum, von den niedersten Wesen ergriffen, die bloß wie Schlamm in die von uns zurückgelassene Kluft sickerten und sie begannen auszufüllen.

Die Pforten zu diesem jahrhundertelangen Abstieg in die Verdrehung aller weltlichen Lenkung  und menschlichen Bestimmung ins Kranke, Psychopathische, Kriminelle, Zerstörerische und Satanische öffnete kein fremdes Monster, kein aus der Ferne angeschlichener Erz-Widersacher, sondern unsere eigene Angst. Und es war unsere Angst, die das Zepter und die Regie in dem grotesken Spektakel bis zuletzt, bis heute führte.

Die feixenden Teufel und Beelzebubs, die quälenden Dämonen und ungeheuerlichen Satansfiguren sind unsere eigene unbewusste, ungewollte Schöpfung. Sie sind die Verzerrung des Lichts, das wir ablehnten oder nicht aufnehmen konnten. Es war die Betäubung und Einschläferung der Vernunft, die die Monster erst schuf. Was auch immer für bizarre und grauenvolle Erscheinungen uns da entgegen kommen – wir erschauen keine Fernen oder Außerwelten, sondern unser Spiegelbild, welches unentwegt aus jener Tiefe zu uns hoch schimmert, die wir nur anerkennen können, wenn wir unsere Höhe bereit sind zuzugeben.

Aber jeder Engel ist schrecklich, wenn er uns als Unvorbereitete gegenübertritt. Wir kennen schon die Engel mit den flatternden Spruchbändern, die behutsam sprechenden, und die mit dem trennenden Schwert oder dem abhaltenden Schild. Auch die scheinbar gleichgültigen mit der feinen Waagschale in der Hand. Aber wer hat uns beigebracht, jenen Engel aus den höheren Beauftragungen zu empfangen, der uns die Macht der Gestaltung und die Verantwortung über die Welt zeigt und anreicht?

Es sind die schweren, dunklen, hoffnungslosen letzten Jahrhunderte der Menschheit, die unsere Lehrmeister waren. Und für uns Einzelne vor allem die letzten Jahre, die diese Abirrung verdichteten bis ins Unerträgliche und Abscheuliche. Sie haben uns vorbereitet. Und an ihrem Ausgang steht nun nicht die endgültige Verzweiflung, sondern die völlige Kehrtwende, am dunkelsten Punkt, zurück zum verlassenen Licht. Am Ende steht nicht die völlige Niederlage, sondern durch den offensichtlichen Fall eine tief verankerte, in einem Schwung emporwachsende neue Bereitschaft, nämlich die Bereitschaft zu Macht und Verantwortung.

Diese neue Bereitschaft ist auch Befähigung, nämlich Befähigung zur Selbstermächtigung. Mit dieser durchwanderten Tiefe, mit diesen erlittenen Abgründen in uns Menschen sind wir fähig, das fordernde Geschenk des Engels anzunehmen und verantwortliche Gestalter zu werden. Vermutlich war dies der einzige Weg. Es dürfte für uns schwer vorstellbar bleiben, wie sehr manche Engel über diese unsere lange Lehrzeit hinweg an sich halten mussten, nicht einzuschreiten und das Nicht-gesehen- und Nicht-gehört-Werden von der abgewendeten Menschheit zu ertragen.

Es besteht aber auch gar kein Zweifel, dass diejenigen von uns, die das Ende der Lehre und Abschlussprüfung erleben, zu allem, was jetzt kommen muss, auch schon fähig sind. Denn wir fahren eine große, lange erwartete Ernte ein, für die zahllose Generationen vor uns mühsam roden, säen, bestellen – und hungern mussten.

Die Herausforderung, die vor uns liegt, ist so groß und aufragend wie eh und je. Aber wir stehen nun auch viel weiter oben auf dem Gerüst, auf das wir uns mehr denn je verlassen können: dem Gerüst eines uns selbst zugewendeten Bewusstseins.

Caveat!: 3-D-Schlaf

In Bezug auf Bewusstseinsdimensionen und -strukturen bezieht sich die Idee des „Schlafes“ darauf, dass in jeder Bewusstseinsstruktur die Möglichkeit besteht, sich innerhalb der Struktur einzukapseln und ab zu isolieren von den Einflüssen aus höheren Bewusstseinsstrukturen. Das kann so weit gehen, dass innerhalb einer Bewusstseinsebene gar keine Repräsentation mehr davon existiert, dass es höhere Dimensionen überhaupt gibt oder geben könnte.

In unserer Zeit ist das offensichtlicher denn je. Es gibt kaum noch Reste von einer Überzeugung, dass es oberhalb der sozialen Konsensebene der zentral-medial gesteuerten Gemeinschaft und ihrer immer einfältigeren Narrative noch höhere Bewusstseins- und Einflusssphären gibt oder geben könnte. Allein schon Logik, Rationalität und begriffliches Verstehen von irgendetwas spielt in der Grundhaltung unserer Kultur keine Rolle mehr und wird routiniert als antiquiert, falsch, irreführend, unsinnig, wertlos oder gar unmöglich und illusorisch dargestellt. Der Gesamteinfluss von neo-mystischen Heilskonzepten aus dem Osten, New-Age-Psychologie und systematischer Förderung von Irrationalität und sozialer Anpassung hat dazu geführt, dass das „emotionale Mitgehen“ und „seinen Gefühlen folgen“ als oberstes Leitprinzip gelten und dass der einfältigste Zeitschriften-Konsument fließend darüber dozieren kann, dass es immer das Beste ist „den Kopf abzuschalten“ und „dass es überhaupt nichts bringt, Fragen zu stellen“, sondern dass man „einfach auf seine Intuition hören sollte“ – also auf die systemisch-soziale, unreflektierte und unbewusste Psycho-Programmierung, die einen in der Trance des Irrationalen hält und eine überprüfende mentale Auseinandersetzung mit sich und der Welt gar nicht mehr zulässt.

Jeder Bewusstseinsstufe ist jedoch auch vermittelbar, dass es „etwas Höheres“ gibt. Für die erste Bewusstseinsstufe wäre das so etwas wie eine besondere Kraft oder Energie (z.B. Engel als leuchtende Wesen mit großen Flügeln). Für die zweite Stufe wäre es eine höhere, über alles Soziale hinausgehende Form von Bezug und Zugehörigkeit – eine „höhere Gemeinschaft“, ein „Seelenverbund der Wissenden“ o.ä. Für die dritte Stufe würde es sich als eine höher Form von „Logik“, Sinn und Zusammenhang darstellen: als eine Stufe des tieferen Verstehens, Durchschauens und vor allem Wissens über die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos.

Ebenso kann man auf jeder Bewusstseinsebene „einschlafen“. Also auch in der dreidimensionalen, mental-rationalen Struktur. Nämlich durch die ungeprüfte Überzeugung, dass es eine höhere, d.h. übergeordnete, umfassendere Form der Selbst- und Welterkenntnis als das begriffliche, rationale, kausal-logische Denken nicht gibt und nicht geben könne. Dem entspricht die Überzeugung, dass der Mensch durch seine Unterordnung unter die Vernunft (den moralisch und realistisch urteilenden Verstand) seine höchstmögliche Verwirklichung schon erreicht habe und dass es über den erkannten Naturgesetzen keine Götter gebe.

Dabei ist die dreidimensionale Bewusstseinsstruktur (Körper + Gefühl + Verstand) nur die unterste und erste Stufe des gesunden Menschseins. Dort beginnt das Menschsein überhaupt erst. Wir erleben gerade die (Wieder-) Herstellung einer Kultur mit diesem Grundverständnis.

Aber auch die Gefahren und Fallen dieser neuen Stufe und ihrer Errungenschaften sind schon ablesbar bevor sie überhaupt begonnen hat, wenn die Aufgeklärtesten es als große und ultimative Erlösung auffassen, eine Technik zu entwickeln, die Leiden und Krankheiten abschafft, das Leben und die körperliche Jugendlichkeit künstlich verlängert und jede Art von körperlicher Anstrengung oder Verausgabung überflüssig macht. Das blauäugige Schwärmen von Med-Betten, Nahrungsmittel-Replikatoren und Teleportation per Knopfdruck als maschinisierte und damit mechanisierte Erhebung oder „Befreiung“ (von was?) gibt schon einen ersten Blick frei auf den unsäglichen Horror des nächsten Schlafes, der die Menschen befallen und sie an ihre eigenen Maschinen ketten könnte. Damit werden sie wiederum von ihrem Schicksal, von den Kräften des Schicksals abgeschnitten – statt mit ihnen zu ringen, um sie durch Bewusstwerdung zu integrieren und zu transformieren. Statt des Schlafes im 2-D-Bewusstsein der sozialen Folgsamkeit und mentalen Ichlosigkeit, wie wir ihn zum Ende dieser Menschheits-Epoche erleben, wird es dann ein 3-D-Schlaf sein, in dem die Menschen durch Technik und eine schöne neue Welt nicht nur den Bezug zum Wesentlichen, ihrem Wesen, verlieren, sondern auch die Idee davon, dass es solch Wesentliches überhaupt gibt. Das Schicksal selbst – jedes Einzelnen und das der Menschheit – wird dadurch keinen Deut verändert oder eingeschränkt. Die Menschen könnten nur blind werden für diese Dimension bis sie eines Tages auch von ihr mit Gewalt aufgeweckt und zum Hinschauen gezwungen werden, wenn sie nicht vernichtet werden wollen.

Aber das wird nur zwei Gruppen wirklich angehen: eine Menschheit in vielen Hundert Jahren und jene Einzelnen, die dieser Falle für sich selbst jetzt schon entgehen wollen, weil sie sich für vierdimensionales, wesenhaftes Selbst-und-Welterkennen interessieren.

Wie wir die Kehrtwende beginnen können

Den letzten, langen Exkurs hatte ich eingeleitet mit dem Hinweis, dass wir zunächst lernen müssen, „der Angst ins Auge zu sehen“. Damit das nicht allzu mystisch bleibt, sei es übersetzt: wir müssen diese Angst wahrnehmen und durchdringen, damit wir die dahinter liegende Kraft, nämlich den Schutz unserer Integrität, erreichen können. Dafür müssen wir natürlich erst einmal fähig werden, die Angst überhaupt zu erkennen hinter ihren vielen bunten, grinsenden und verführerischen Masken. Dafür der Exkurs.

Wir können dann die Angst – zunächst unsere ganz eigene, sozusagen ganz „biografische“ Angst, dann zunehmend die allgemeine, kollektiv-atmosphärische Angst – als Teil von uns wahrnehmen. Ebenso können wir dann die nach außen projizierten Schimären und Ungeheuer, die ja durchaus sogar real kreiert sein können – wieder als entstellte Teile von uns, vom Menschen an sich zurücknehmen. Nur so gewinnen wir die Macht über sie zurück, indem wir die Verantwortung für sie übernehmen.

Dafür brauchen wir zuerst bessere, vollständigere Landkarten vom Menschsein und von uns selbst. Echte Landkarten sind Kartographien von realen Territorien und deshalb müssen unsere neuen Landkarten auf Wahrnehmung und Studium beruhen, nicht auf Wunschdenken und Vermeidungs-Mystizismus. Ein Menschenbild, das den Menschen auch als rationales Wesen anerkennt, muss dafür mindestens rational sein. Wir haben also primär grundlegend geistige „Kartographierungs“-Arbeit vor uns, um uns selbst und unsere Geschichte zu begreifen und nicht wieder nur als Geschichts-Narrativ zu erhalten.

Natürlich muss ein rationales Menschenbild – besser: Menschenkonzept oder Menschheits-Begriff – auch die Gefühlswelten und -funktionen und die heiligen Gesetzmäßigkeiten des Organismischen umfassen. Aber die Integration zu einem Ganzen, in sich Einstimmigen und Zusammengehörigen ist nur in der Abstraktion im Begrifflichen möglich. Das bedeutet nicht weniger, als dass wir den Sprung zu wagen haben, uns als auch geistige Wesen und aus der geistigen Perspektive zu betrachten. Ein enormer Sprung, der uns da bevorsteht, wenn wir die völlig antagonistische Bewegung der letzten 150 Jahre bedenken.

Wo der Geist beginnt, endet die Angst. Und die Angst endet erst dort, wo der Geist beginnt. Denn wo geistiges Bewusstsein, also Bewusstsein für das Nicht-Zeitliche, Nicht-Körperliche, Nicht-Erfahrbare beginnt, beginnt auch die Wahrnehmung und Einsicht von Ordnung und ordnenden Kräften. Nur dort kann die Freiheit beginnen, welche zunächst einmal die Unabhängigkeit von Angst ist und dann stufenweise die Freiheit von allem wesensfremden und Un-Wesentlichem ermöglicht. Wenn wir frei sind und alles „in Ordnung“ ist, dann sind wir immun gegen das Kontraktions-Phänomen Angst.

Der Einzelne wird an diesem Wendepunkt der Geschichte und diesem Richtungswechsel der menschlichen Entwicklung zurecht fragen, ob er als Einzelner denn überhaupt etwas dafür oder in dem Sinne tun könne und wenn ja, was?

Der Einzelne kann nicht nur wirken, er ist sogar die einzige Wirkkraft, die neue Ursachen und Impulse in die Welt bringen kann. Unsere quantitative Kleinheit als Einzelwesen dürfen wir niemals mit unserer qualitativen Macht der Initiation und Samensetzung verwechseln.

Was der Einzelne tun kann – und damit meine ich jene Einzelnen, die solche Texte wie diesen hier lesen – ist nicht weniger als die Ur-Ursache der ganzen Misere und Zerstörung rückgängig zu machen. Diese ungeschichtliche, psychische Ursache war, wie wir gesehen haben, eine Entscheidung, die gefällt wurde angesichts unserer menschlichen Gestaltungs- und Schöpfungskraft und der enormen Verantwortung, die damit verbunden war. Möglicherweise war die Entscheidung gegenüber dieser titanischen Herausforderung auch bloß, keine Entscheidung zu treffen, sich nur vom Erkennen der Wahlmöglichkeit abzuwenden und „den Dingen ihren Lauf zu lassen“. Dieser Lauf „der Dinge“ ohne Verantwortung war dann aber auch nur noch bergab.

Was wir heute leisten können, und was nur von jedem Einzelnen als Kraftakt des Willens geleistet werden kann, ist, diese Entscheidung neu zu fällen. Sich zu entscheiden bedeutet zuerst, die Wahlmöglichkeit zu sehen und zu akzeptieren. Wir haben täglich, jeden Moment die Wahl, uns als geistige Wesen oder als konditionierte Fleischklumpen zu betrachten. Wir haben die Wahl, zu akzeptieren, dass der Mensch von Begriffen, Konzepten und Ideen und dahinter von Idealen geführt wird oder es zu leugnen. Wir haben sodann die Wahl, welchen Ideen wir folgen und was wir als Ideal akzeptieren. Egal, was mit unseren Körpern gemacht wird, wir haben die Wahl darüber, wie wir die Welt und uns betrachten und verstehen.

Diese Entscheidungen kann nicht bloß, sondern muss jeder für sich selbst treffen. Aber Menschen müssen daran erinnert werden. Das geschieht wieder und wieder auf vielen verschiedenen Wegen. Die Möglichkeit und die Notwendigkeit zu diesen Entscheidungen werden niemals enden, solange es Menschen gibt, weil sie dem Zeitlosen, den Gesetzmäßigkeiten unseres Wesens angehören. Und dies ist der Bezug, den jeder für sich und für die Gattung Mensch wiederherstellen kann: die Bezogenheit auf unser universal gegebenes Wesen, das aus Geist gewebt ist.

Ent-scheiden bedeutet dann, wenn die vorliegende Wahlmöglichkeit offenkundig ist, eine Unter-Scheidung zu treffen, also die Möglichkeiten zu vergleichen und zu gegeneinander abzuwägen. Angesichts der letzten Jahrhunderte menschlicher Geschichte und vor allem angesichts der Totalkatastrophe der Menschlichkeit auf ganzer Linie in den letzten zwei Jahren, ist diese Unterscheidung für uns heute um ein Vielfaches leichter als für unsere Vorfahren, die sich noch an die naive Fantasie klammern konnten, dass irgendwer „ganz oben“ doch bestimmt ein Auge zudrücken und ein übergroße Leid verhindern würde. Nun, verhindert wurde es, aber es wird für niemanden ein Auge zugedrückt werden. Und auch wir sollten die Augen weit öffnen. Wir können jetzt viel leichter unterscheiden zwischen dem rational selbstbewussten Menschen und dem irrationalen Schlafwandler.

Und erst diese Unterscheidung ermöglicht es uns zu erkennen, dass Hilfe und rettende Impulse nur von außen, genauer gesagt nur von außenoben kommen können. Der Aufstieg zu in einer höheren d.h. umfassenderen Bewusstseinsstufe ist nur möglich, wenn der Einfluss von höherem Bewusstsein uns erreicht.

Vergessen wir nicht, dass Bewusstsein keine Eigenschaft oder Fähigkeit ist, die man hat oder sich aneignet, sondern dass Bewusstsein der Aggregatzustand unseres Wesens ist, so wie Wasser (Wasserstoff) in verschiedenen Aggregatzuständen – Eis, Flüssigkeit, Dampf – sein kann. So wie das Eis sich nicht selbst schmelzen kann, sondern des Zuflusses von Wärme, z.B. durch warmes, fließendes Wasser bedarf, so brauchen auch wir den Einfluss von „wärmerem“, höher-temperiertem Bewusstsein, um unseren Aggregatzustand zu lockern und leichter zu machen. Im zweidimensionalen Zustand „unterkühlte“ Menschen brauchen den Einfluss von mentalem, rationalem Bewusstsein, um sich und die Realität vollständiger erkennen zu können. Natürlich wird ihnen dieser Einfluss zunächst fremd oder sogar falsch vorkommen – in ihrem Weltverständnis gab es ihn bisher ja nicht. So erscheint uns der Einfluss einer höheren Bewusstseinsstufe immer ersteinmal fremd und widersinnig. Aber wir können ab der mentalem Bewusstseinsstufe lernen, dieses Prinzip zu erkennen und damit konstruktiv umzugehen – nicht wie kleine Kinder dagegen anzurennen und zu toben.

Es gibt also grundsätzlich zwei Ursachen, die die Aufwärmung der Menschen zu höherem Selbst- und Weltbewusstsein verhindern: der Rückzug höherer Einflüsse und die Abschottung der Menschen gegen sie. In der letzten Epoche der Menschheit muss beides passiert sein, wodurch sich der immense Absturz in tiefgefrorene Unbewusstheit erklärt. Nun befinden wir uns am thermodynamischen Wendepunkt, der die Menschheit durch eine Wiederbelebung hindurch zur Lebendigkeit führen wird. Und darüber hinaus.

Das alles geht nicht von heute auf morgen. Je „eingefrorener“ das Bewusstsein eines Menschen oder einer Gesellschaft, desto langsamer und behutsamer muss der Auftau-Prozess von statten gehen. Dies geschieht primär durch die Bildung einer neuen Kultur, die in sich bereits als Idee, Grundlage und Ideale die „höhere Temperatur“ trägt und an die Menschen abstrahlt.

Der erste große Schritt in dieser Richtung ist es, Hilfe von „oben“ anzunehmen und wirksam werden zu lassen.

Das ist das Prinzip, das wir und die Gemeinschaften wiederentdecken müssen, um es dann durch uns hindurch wirken lassen zu können. Wir haben im Zuge des „Aufwachens“, des Erkennens der alten Machtverhältnisse, verstanden, dass weit weniger als 1% die gesamte Menschheit lenken und steuern können. Es war wohl eher ein Hunderttausendstel, das den Erhalt des alten Systems koordinierte und anführte. Daraus können wir auch ableiten, dass nicht alle Menschen „aufwachen“ müssen. Zunächst reicht es, wenn ein paar Tausende das Ruder übernehmen und dafür sorgen, dass 1% der Menschen das versteht und gutheißt. Dieses ein Prozent muss dann nur noch etwa weitere 10% der Gesamtheit soweit mitnehmen und anstiften, dass sie ebenfalls willentlich und gerne mitmachen. Diese Menge reicht, um eine neue Kultur zu gründen und in die Führung zu bringen. Alle anderen können darin dann mitgehen, wie sie es Zeit ihres Lebens nicht anders getan haben. Nur, dass auf diese Weise etwa 80% in eine neue, gesunde, menschen-freundliche Richtung laufen. Die restlichen 10-20%, die das dann noch torpedieren und zerstören wollen, können dann auch leicht kontrolliert und unschädlich gemacht werden.

Es geht deshalb nicht um Quantität, darum, dass „möglichst viele möglichst viel verstehen“, das ist unmöglich und unnötig. Es geht um die Qualitätssteigerung im Verstehen und Wirken des tonangebenden etwa ein Prozent. Alles andere wird dann geführt in dem Maße in dem die Menschen Führung und Leitung brauchen.

Erst wenn wir dieses Kaskaden-Prinzip verstanden haben, können wir danach fragen, was zu tun ist, um weiter hinüber (oder „hinauf“) auf die wache Seite zu gelangen und dort zu bleiben. Vor dieser Bewusstwerdung und Einsicht der eigenen Entscheidungskraft und Verantwortung ist jeder Aktionismus fehl am Platze und führt zu nichts anderem als einer Verlängerung des gewohnten Leidens. Auch jede Hilfe für andere kann erst dann sinnvoll stattfinden, wenn wir festen Boden unter den eigenen Füßen haben. Die einzig sinnvolle Hilfe ist die, andere zu dieser Entscheidungsmöglichkeit zu führen. Ganz besonders jeder Schritt zur Institutionalisierung von Ideen kann erst dann initiativ für eine Kultur des Wesentlichen werden, wenn er im Bewusstsein dieser Entscheidungsmöglichkeit und -notwendigkeit erfolgt und den idealen Fixstern des geistigen, sich seiner Geistigkeit bewussten Menschen fest anvisiert hält.

Daraus ergibt sich alles andere. Z.B. auch, dass der Mensch von Idealvorstellungen geleitet wird und sie deshalb braucht; dass diese Vorstellungen moralisch sein, d.h. seiner Wesensnatur entsprechen müssen, damit sie ihn sich entfalten lassen statt einengend und zerstörerisch zu wirken; dass diese Vorstellungen nur über das begriffliche Denken realisierbar und eigenständig werden; dass aber diese moralischen, gesunden Idealvorstellungen auch dem Gefühl vermittelt werden können und müssen, nämlich über Ästhetik und die ästhetischen, d.h. sinnlich erfahrbaren Künste; dass also der Mensch und jede menschliche Gemeinschaft eine Kultur der moralischen, idealvermittelnden Künste braucht, weil sie ansonsten in die Bewusstlosigkeit und Ungeistigkeit absinkt ohne es zu bemerken.

Der geistig integrierte Mensch ist Körper, Gefühl und Verstand. Aber er ist es nicht automatisch, sondern nur durch seine Anstrengung zur Integration. Damit diese gelingt, braucht er Bildung. Bildung und die Einflüsse der Kultur heben ihn in seinem Bewusstsein und geben ihm dadurch erst die Fähigkeit, sich selbst zu lenken und zu bestimmen.

Wer das eingesehen hat, der wird verstehen, warum die Ausbildung und Gestaltung einer menschen-zentrierten Kultur das wichtigste Anliegen vor allem anderen sein muss, denn davon hängen unsere Richtung und alles Weitere ab.

Wer aber schafft, regeneriert und gestaltet diese neue Kultur?

Eben diese: die, die es eingesehen und die Ent-Scheidung für sich gefällt haben.

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Abschiedsbrief an eine gescheiterte Gesellschaftsschicht


Liebe Professoren, Dozenten, Lehrer, Wissenschaftler, Forscher, Richter, Anwälte, Ärzte, Ingenieure, Architekten, Journalisten und Autoren,

liebe Intellektuelle und Kopfarbeiter,

heute verabschiede ich mich von Euch im Namen der Männer und Weiber des Volkes. Eure Zeit ist abgelaufen.

Den einzigen Auftrag, den wir, die Gemeinschaft an Euch hatten, habt Ihr nicht erfüllt. Stattdessen wurden wir von Euch verraten, verkauft und an den Rand der Vernichtung geführt.

Ja, von Euch, denn Ihr besetzt all die Positionen, die uns hätten schützen müssen vor dem Betrug, der Täuschung, der intellektuellen Manipulation, der Irrationalität, der unkontrollierten wachsenden Macht von Schaumschlägern, Psychopathen und Kriminellen, vor der moralischen Degeneration unserer Kinder und Jugendlichen und vor der Zerstörung unserer Sprache, unserer Kommunikationskultur und unserer Denkfähigkeiten; kurz: vor der Zersetzung und Zerstörung unserer Kultur.

Ihr hättet all die falsche und gekaufte „Wissenschaft“, die Korruption der Politiker und Banker, die Lügen und Seilschaften der Medienkartelle aufdecken müssen, die unsere Kultur über Jahrzehnte hinweg Schritt für Schritt immer mehr aushöhlten und an den Rand des Untergangs führten. Ihr habt diese verderblichen Machenschaften zugelassen, mitgespielt und gefördert. Ihr habt weggeschaut, abgewiegelt und gerechtfertigt. Ihr habt Euch geistig korrumpieren lassen und seid Eurer Gier nach Anerkennung und Prestige verfallen, so dass die niederträchtigsten und skrupellosesten Gestalten und Banden Euch für ihre Zwecke benutzen konnten.

Eure charakterlosen Vorstellungen sind nun zu Ende. Wir schalten Euer Bühnenlicht ab, Vorhänge und Fenster werden geöffnet und wir lassen Sonnenlicht und frische Luft herein. Ein neuer, heller Tag bricht an. Eure Maskerade offenbart sich im entlarvenden Tageslicht als lächerlich und geradezu unmenschlich in ihrer skurrilen Abgehobenheit und Verblendung. Das Publikum wendet sich halb erschrocken und halb angewidert ab.

Deshalb ist dies ein Abschiedsbrief. Ich verabschiede mich von Euch. Ihr seid fristlos entlassen, denn ihr seid kläglich gescheitert an der einzigen Aufgabe, die ihr je hattet: unsere Kultur aufzubauen und zu tragen. Ihr wart keine Kulturförderer, sondern Kulturzerstörer. Ihr habt unsere Bildung, unsere Wirtschaftskraft und unseren Gemeinschaftsgeist sukzessiv und mutwillig zersetzt durch irreale Ideen und absurde Ideologien. Ihr habt Krisen und Katastrophen gefördert und keine einzige überwunden.

Ich adressiere hiermit den größten Teil, mehr als Dreiviertel von Euch. Wer auch immer diesen Brief liest, wird sehr schnell wissen, inwieweit er gemeint ist und wer gemeint ist. Ich verkünde Euch nur, was längst entschieden ist und demnächst konsequent umgesetzt wird:

Ihr seid gefeuert. Unehrenhaft entlassen.

Es wird keinen Applaus und keine Dankesreden geben. Die langsam aus der Betäubung erwachenden Betrogenen und Getäuschten schulden Euch nichts dergleichen. Wir, das Volk, sind froh, Euch loszuwerden, ebenso wie all die Verwirrungstaktiken, Doppelbödigkeiten und die Unterdrückung, der Ihr tagein-tagaus das Wort geredet und die ideologische Schleppe gehalten habt.

Dies ist ein persönlicher Brief im Namen all jener Gleichgesinnter, die trotz all Eurer Lügen, Eurer Borniertheit, Eurer Clubs und Institutionen der Täuschung, der Verdummung und der infantilen Selbstbereicherung die Realität sehen können und die Grundwerte des Menschseins hochhalten. Wir hassen Euch nicht, wir lassen Euch nur hinter uns. Wir lassen Euch liegen, wo Ihr seid: links.

Wir werden Euch nicht mitnehmen auf die Reise, zu der wir jetzt aufbrechen, denn Ihr seid nur unnötiger Ballast. Ihr werdet in die Geschichte unserer Kultur eingehen – als Handlanger der größten Schande der Neuzeit.

Warum Ihr eine Plage für uns seid

Für einen geistig gesunden Menschen ist es eine Qual, mit Euch zu sprechen. Ihr könnt keine einzige korrekte Aussage über die Realität machen, aber Ihr haltet Euch für die Feinsten und Intelligentesten der Gesellschaft. Eure Arroganz wird nur von Eurer Verblendung übertroffen. Ihr wollt allen sagen, wo es lang geht, dabei hattet Ihr selbst schon jegliche gesunde Orientierung verloren noch bevor Ihr volljährig wurdet. Seitdem gebt Ihr nur wieder, was andere Euch eingetrichtert haben – ohne selbständig zu denken, zu hinterfragen, zu reflektieren.

All Euer Eigendünkel und Eure Selbstherrlichkeit beruhen auf nichts anderem als institutioneller Macht, die auf Manipulation und Gewalt aufbaut. Ihr macht schon die Jüngsten von uns gefügig und folgsam, so wie man Euch schon früh gefügig und folgsam gemacht hat – mit Manipulation und Gewalt. Ihr hattet schon Angst vor dem eigenständigen Denken, noch bevor Ihr damit zaghaft begonnen hattet. Und seitdem habt Ihr Eure Aufgabe darin gesehen, jedes eigenständige Denken zu unterdrücken, zu brechen und zu vernichten.

Eure Motivation war nie geistig oder intellektuell – das waren nur die Etiketten, hinter denen Ihr Euch so leicht und bequem verstecken konntet. Eure wahre Motivation zeigt sich in Eurem Charakter und den Resultaten, die Ihr hervorbringt: Ihr wolltet stets nur dazugehören und Anerkennung ernten. Von wem? Nein, nicht von Weisen, Klugen und Intelligenten – die hasst Ihr voller Neid und Argwohn – sondern von den Mächtigen. Von denen, die das Sagen haben und möglichst viel Einfluss. Wie verschreckte kleine Kinder klammert Ihr Euch an die starken Papas und dominativen Mamas dieser Welt, an Eure „wissenschaftlichen Autoritäten“, Eure „Alma Maters“ mit ihren aufgethronten „Doktorvätern“, an die regierungskonformen Lehrbücher, aufoktroyierten Curricula, Gesetzbücher, Vorschriften und „wissenschaftlichen Empfehlungen“, die nicht hinterfragt werden dürfen, weil sie ja „von oben“ kommen. „Von oben“ heißt: von dort, wo die Macht ist, von dort, wo der größtmögliche Einfluss auf andere ist.

Ihr seid Anhänger einer Religion mit Euren dogmatischen Vorgaben und Denkverboten, mit Euren Katechismen, die vorschreiben, was richtig, wahr und „wissenschaftlich“ ist. Ihr lebt in einer geistigen Schmalspur-Diktatur und konntet nie etwas anderes tun als nach oben zu gehorchen und nach unten zu bestimmen. Und diese diktatorische Kirche der totalitären Denkkontrolle hieltet Ihr für „akademisch“, „intellektuell“ und „geistig“. Nur sehr wenige von Euch haben bemerkt, dass sie das genaue Gegenteil davon war, nämlich die Kirche der geistigen Unterdrückung und Zerstörung. Eure „akademische Welt“ hatte nur die Funktion, Euch und andere in immer früheren Stadien des Kindseins zu blockieren und zu fixieren, damit Ihr gar nicht erst in die Nähe von eigenständigem, kritischem Denken, von echter Kreativität und Produktivität oder gar von freier Individuation kommt.

Wer sich auf jene skurrile Fantasiewelt einlassen wollte, die Ihr in Eurer selbstgeschaffenen Atmosphäre von erzwungener Regression und Anti-Geistigkeit hervorgebracht habt, muss dafür psychiatrische Interessen mitbringen, denn wirklich faszinierend an Euch ist nur, wie Ihr es geschafft habt, Euer Denken und Eure Wahrnehmung so weit von der Realität abzukoppeln, dass Ihr zu ihr so gut wie keinen Bezug mehr habt, und Euch dabei von den ständig wachsenden Widersprüchen und Komplikationen nicht irritieren lasst.

Wie war es überhaupt möglich, dermaßen von der Realität abgedriftet in der Realität zu überleben? Und Euch dabei sogar noch immer wichtiger und dominanter zu machen? Ihr wollt die Antwort nicht hören, weil sie gegen Eure Selbstherrlichkeit geht, sie lautet: durch die Nicht-Akademiker und jene, die ihr eigenständiges Denken aus den Fängen Eures Systems retten und befreien konnten.

Eure „wissenschaftlichen Institutionen“ und Eure „Bildungseinrichtungen“ sind seit langem schon nichts anderes mehr als Brutstätten des ideologischen Inzests. Ihre Produkte sind blutleere und geistig debile Fratzen eines Intellekts, der abgekoppelt im luftleeren Raum der Dogmen und Wunschvorstellungen nur noch um sich selbst kreist; eines Intellekts, der sich vollständig den Emotionen, Bedürfnissen, Launen und Impulsen auf dem Niveau von Vorschulkindern unterworfen hat und sich nur noch dafür einsetzt, sich selbst und seinesgleichen zu rechtfertigen und in Machtpositionen zu erhalten.

Falls wir einmal ein Beispiel dafür brauchen, dass man den menschlichen Intellekt vollständig zu einer Festplatte oder sogar Konservendose degradieren kann, können wir ein für alle Mal Euch als Exempel anführen. So könntet Ihr in die Geschichte immerhin als warnendes Beispiel eingehen, denn sonst glauben uns die Kinder in der übernächsten Generation schon nicht mehr, dass die sogenannten Intellektuellen zuletzt nur noch dafür zuständig waren, den Intellekt abzuschaffen. Denn das ist schwer zu glauben.

Vor allem aber ist es eine Schande. Eine unsägliche Schande für den menschlichen Geist und alle, die ihn verkörpern wollen.

Merke: ein moderner Akademiker ist ein Mensch, der intellektuell so dressiert wurde, dass er Märchen und Wissenschaft nicht mehr unterscheiden kann: er hält ein Märchen für „Wissenschaft“ und will dann die echten Märchen umschreiben, um sie „wissenschaftlicher“ zu machen.

Ihr „Akademiker“ – die meisten von Euch – glaubt tatsächlich, ein Flugzeug aus Aluminium, das von Teppichmesser-Terroristen entführt wurde, könne einen Stahlbeton-Wolkenkratzer pulverisieren, wobei jedoch die Reisepässe der Terroristen unversehrt in den Trümmern liegen bleiben. Ich habe studierte Bauingenieure erlebt, die diese These mit der ganzen Emotionalität eines verzweifelten Kindes verteidigt haben. Der moderne „Fachidiot“ ist sogar ein Idiot in seinem eigenen Fach, ein gehorsamer Büttel der tagesaktuellen Meinungsvorgaben. Armleuchter seid Ihr!

Was Ihr so aggressiv und erbittert verteidigt, sind Eure kindlichen Bedürfnisse nach Anerkennung und Eure daraus hervorsprießenden bodenlosen Illusionen, die schon seit Jahrzehnten bröckeln, weil sie sich immer weiter von der Realität und der Natur des Menschen entfernen.

Faschismus 2.0

Damit steht Ihr immer schon mit einem Fuß im Faschismus – eines dieser Worte, die Ihr reflexartig abzulehnen gelernt habt ohne zu wissen oder auch nur einmal danach zu fragen, wofür der Begriff eigentlich steht. Faschismus ist die Bündelung von politischer mit wirtschaftlicher Macht, es ist jenes sozialistisch angehauchte, also linke System, das die Wirtschaft zum Arm der Politik macht. Damit die Menschen nach Euren Ideen handeln müssen – obwohl sie unmoralisch, irrational und selbstzerstörerisch sind. Euer Faschismus besteht in der Institutionalisierung und Kollektivierung des Denkens, in der Vereinnahmung des Verstandes, jeder Begriffsbildung und jedes Diskurses von den Kontrolleuren der sozialen Gleichschaltung und ideologischen Korrektheit.

Faschismus beginnt spätestens dort, wo Menschen ihre Ideen und Pläne nicht mehr rational und überzeugend durchsetzen, sondern mit Gewalt. Das ist der Grund, warum Ihr stets auf viel und immer mehr institutionelle Vereinigungs-, Lobby-, Medien- und Staatsmacht aus wart, damit Ihr Eure Ansichten ohne Argumente durchsetzen und publizieren lassen konntet.

Wer sich heute noch fragt, warum Intellektuelle so oft mit sozialistischen Konstrukten liebäugeln und trotz der blutigsten historischen Gegenbeweise immer noch von kommunistischen Endlösungen schwärmen – das ist die Antwort. Es ist Euer fantasieloser, vergilbter Traum von einer Welt, in der Ihr für Ideen und Ansichten nicht mehr argumentieren und begründen müsst, weil sie stattdessen per Gesetz, d.h. mit Gewalt durchgesetzt, weil sie den Menschen und der Realität aufgezwungen werden. Es ist der schizophrene Traum von Eurem Sieg gegen die Realität, der natürlich real nur in der Vernichtung des Menschen, also nur des Zeugen der Realität enden kann.

Der Missbrauch von Staatsinstitutionen oder jeglicher anderen Organisationsstruktur oder formellen Macht zur Durchsetzung oder Unterdrückung von Ideen, ist immer faschistisch. Eine gute Idee oder Erkenntnis ist immer überzeugend und setzt sich von selbst durch. Wer Gewalt dafür braucht, der belegt damit bereits, dass es mit der Moral und Nützlichkeit seiner Ideen nicht weit her ist – und dass er Rationalität, Weisheit, Klugheit und Verständnis ablehnt.

Die Gewalt der kleinen irrationalen Mitläufer wie sie heute dank Eures alles durchdringenden Einflusses überall und in Millionen zu finden sind, beschränkt sich auf Wegschauen, Ignorieren, Verachten und – Lügen inkl. Selbstbetrug, es sei denn sie haben hier und dort ein wenig bürokratische Macht oder Entscheidungsbefugnis, mit denen sie dann die Denkenden, Wissenden und Kompetenten benachteiligen, drangsalieren und bestrafen und dadurch ein wenig ihr verzweifeltes Mütchen und Ihre Angst kühlen können, so als würden sie damit für einen kurzen Moment beweisen, dass sie Recht hätten: „Seht Ihr, ich kann Euch schaden und Euer Verstand kann nichts dagegen tun!“

(Sie irren sich, unser Verstand hat nur ein paar Jahrzehnte Anlauf genommen, um diese Läuse im Unterholz, diesen Sand im menschlichen Getriebe ein für alle Male fortzublasen. Aufgepasst! Jetzt sind wir vor den Toren und bis an die Zähne bewaffnet. Ihr könnt es nur noch abkürzen und Euch widerstandslos ergeben.)

Ihr habt den Faschismus nicht nur alltagstauglich gemacht, sondern zur ideologischen Standardwahl aller „fortschrittlichen“ und „modernen“ Mitläufer. Jeder politisch korrekte Durchschnitts-Reformer, jeder grün imprägnierte Vorzeige-Moralist, jeder vollangepasste Weltverbesserer und jeder „spirituell“ gleichgeschaltete Besserwisser fühlt (!) sich heute nicht nur im absoluten Recht, sondern geradezu vorbildlich, wenn er alle, die eine andere Ansicht vertreten entrechtet, von jeglichem Diskurs ausschließt und wirtschaftlich benachteiligt oder noch besser: abstraft.

Der kleine Mann (und die kleine Frau) erlaubt sich in seinem Leben das, was Ihr ihm im Großen auf den öffentlichen Bühnen vorgegeben und sanktioniert habt: das Recht, alle Ideen, Gedanken, Impulse und Erkenntnisse zu ignorieren, zu tabuisieren und zu verachten, die nicht zu seinen „Meinungen“, zu seinem Weltbild und vor allem zu seinen „Gefühlen“ passen. Damit ist der Faschismus zur Standard-Plattform des Denkens und Interagierens geworden und zerstört jede Art von rationaler Interaktion zwischen Menschen zugunsten von ideologischer Gruppen- und Clan-Zugehörigkeit. Und er kommt mit Tarnkappe daher, denn um ihn zu erkennen, müsste man diesen neuen, ungewohnten Gedanken aufnehmen, dass Faschismus aus der Dominanz von Gefühlen, Bedürfnissen und Machtgier über den Verstand entsteht. Ein rationaler Mensch kann nicht faschistisch sein, weil er sich nicht von Emotionen oder sozialen Reaktionen beherrschen lässt. Aber Ihr erkennt den Psycho-Faschismus schon nicht mehr, wenn er im grünen, weißen oder schwarz-rot-gelben Gewand daher kommt – als ob das irgendeine Rolle spielen würde.

Kein Wunder, dass die Menschen gegen das Wort „Verschwörung“ mittlerweile so allergisch reagieren – es bezeichnet exakt das, was ihre Psyche formt und gegen ihr menscKein Wunder, dass die Menschen gegen das Wort „Verschwörung“ mittlerweile so allergisch reagieren – es bezeichnet exakt das, was ihre Psyche formt und gegen ihr menschliches Entwicklungspotenzial abschirmt: die Komplizenschaft von kindlicher Gefühlsdominanz, Denkfaulheit und Angst vor der Wirklichkeit.

Für den gegenwärtigen Moral- und Besserwisser-Faschisten zählen nicht mehr Leistung, Kompetenz, Wissen und Erfahrung, sondern der Gleichklang der Meinungen und das Gefühl von Einigkeit ohne Dialog. Die Brut, die Ihr in diesem Geiste herangezogen habt, hasst alles Wirtschaftliche, vor allem Leistung, Maßstäbe und Bewertung und möchte im Dauer-Retreat leben, abgeschottet von der unbequemen Welt der realen Probleme und Herausforderungen durch Meditations-Kreise mit wohltuenden Heilklängen, durch therapeutisches Yoga, im virtuellen Raum digitaler Netzwerke oder von eng getakteten Freizeit- und Hobbyaktivitäten. Wenn sie sich nicht im psychischen Rückzug oder mentaler Nabelschau einkapseln, dann laufen sie begeistert irgendwelchen Klick- und Rattenfängern der ideologischen Fantasten hinterher, die nichts leisten, kein Problem lösen und keine Forderungen stellen, aber umso titanischer mehr Vorgaben, mehr Verbote, mehr Strafen und mehr Dogma versprechen.

Das gemeinsame Credo der pseudo-spirituellen Emotions-Mystiker lautet dabei: wir bewerten nichts, außer das Bewerten; wir haben die höchsten und besten Werte, weil wir nie über sie nachdenken; und wir denken nur, um nicht zu denken – was unser Ideal ist; Gewalt ist richtig und gut, solange sie nur zur Verteidigung des eigenen Weltbildes, gegen Tatsachen oder die Vertreter anderer Ansichten verwendet wird.

Nachdem die Leitplanken und Messlatten der Rationalität von Euch systematisch und durchgängig beiseite geräumt wurden, konnte Pippi Langstrumpf Kulturstifterin und Vorsitzende des Wahrheitsministeriums werden: jeder, der dazugehören und sich überlegen fühlen will, ist jetzt aufgefordert, entschlossen und konsequent der Realität mit grün-selbstgerechter Ignoranz die kalte Schulter zu zeigen und wenn nötig einen linken Haken zu verpassen! Leistungsträger, Fachleute, ja die Wirtschaft insgesamt und alle physikalischen, sozialen und logischen Gesetzmäßigkeiten sollen sich gefälligst ihren Bildern und Bedürfnissen unterwerfen, denn was sich „irgendwie wichtig anfühlt“ muss Richtlinie für alle und alles sein, und hat deshalb Vorrang vor jeder reellen Bedingung und Notwendigkeit.

Ihr seid in jedem Nazi-Regime die perfekten Mitläufer. Ich spreche in der Gegenwart und das ist kein Irrtum. Ihr seid die perfekten Nachkommen jener Nazi-Mitläufer, von denen Ihr glaubt, Euch losgesagt und befreit zu haben. So gut wie keiner von Euch weiß, was „Nazi“ bedeutet, wodurch es entstand und gefördert wurde, welche Kräfte dahinter stecken und bis heute auf der ganzen Erde herrschen. Ihr habt Euch dafür engagiert oder befürwortet, dass Bücher über historische Fakten und Aufklärung über die tatsächliche deutsche Geschichte verboten, echte Forscher verlacht und verhöhnt und unsere Kinder perfider indoktriniert werden als je eine Generation zuvor.

Wer von Euch hat sich je darüber gewundert, dass spezifische geschichtswissenschaftliche Theorien per Gesetz festgeschrieben und alternative Theorien bei Gefängnisstrafe verboten sind? In unserem „freien Deutschland“. Seit wann ist der Gesetzgeber dafür zuständig, Forschern Erkenntnisse und „Wahrheiten“ vorzuschreiben und zu verbieten? „Richtig“ findet Ihr das oder „unwichtig“ und habt wieder einmal nicht nachgedacht.

Mit Eurem fast vollständigen Vakuum an echtem Wissen, Verständnis und Selbstreflexion glaubt Ihr, Euch von den Mächten hinter „Nazi-Gewalt“ und anderen diktatorischen Systemen befreit zu haben. Wovon genau habt Ihr Euch befreit? Keine Antwort. Wie habt Ihr Euch befreit? Keine Antwort. Wer hat Euch befreit? Keine Antwort.

Eure frei erfundene moralische, politische und geistige Überlegenheit ist nichts weiter als eine kindische Augen-zu-Haltung mit ebenso kindischem magischem Denken. Ihr seid jener Teil der Bevölkerung, der es am besten geschafft hat, sich selbst zu täuschen, links für rechts, oben für unten zu halten, sich täglich ein immer absurderes Narrativ voller Widersprüche als „Nachrichten“ andrehen zu lassen und sich aus einem völlig irrationalen Wirrwarr von Bildern, Meinungen, Emotionen und Wünschen eine hermetisch dichte Identität aufzubauen, an die keine Realität und keine Tatsachen mehr herankommen. Und diesen neurotisch-mythischen Morast gebt Ihr dann weiter – als „Autoritäten“ wohlgemerkt.

Das ist perfekt. Durch Euch und nur durch Euch war es möglich, Faschismus zu globalisieren und als Lebensstandard für alle salonfähig machen:

  1. Ihr folgt jedem Gesetz, jeder Verordnung und jeder Anweisung, schlichtweg, weil sie „von oben“ kommen.
  2. Ihr stellt keine Fragen, obwohl ihr nichts versteht.
  3. Ihr benutzt jede Autoritätsfunktion, um anderen diese Anweisungen „von oben“ aufzuzwingen und sie zu rechtfertigen.

Nazi-Regime sind nicht deshalb so stark, weil an ihrer Spitze ein paar beeindruckende Schreihälse stehen oder weil die arme Bevölkerung sich von einer Schlägertruppen-Partei täuschen lässt. Die Träger jeder hocheffizienten Diktatur sind all jene Denker und Akademiker, die sich ihr andienen und unterwerfen. Und womit wurden sie gelockt? Mit dem Versprechen, den Geist und dieses anstrengende Denken endlich ganz und gar abzuschaffen und durch Dogmen und Gehorsam zu ersetzen. Mit nichts anderem als Macht und roher Gewalt.

Und wen lockt man damit? Menschen, die Angst vor dem Denken haben und ihm mit Neid und Hass begegnen. Das sind die Rekruten jener Armee von „Akademikern“, deren Aufgabe es ist, Geist – den Geist eines Volkes – zu zerstören.

Seitdem ist Eure „Akademikerwelt“ nur noch ein Zuchtsystem für Sprechpuppen gegen jede Form von Geistigkeit, Wissensdrang und Verständnis. Allen voran sind die sogenannten „Geisteswissenschaften“ zu organisierten Religionen degeneriert, die im Namen abgehobener Ideologien den Tod des Geistes und ritualisierte Vernebelung zelebrieren. Basierend auf den schizoiden Theorien von Kant, dass unser Denken und vor allem auch unsere Moral keinen Realitätsbezug haben können, über den daraus abgeleiteten alles beherrschenden Konstruktivismus, den hypnotisierenden Existenzialismus bis hin zum vollkonsequenten Nihilismus, ist die Geschichte der sogenannten „Geisteswissenschaften“ – zumindest der letzten 150 Jahre – die absurde Geschichte des Intellekts, der versucht, seine eigene Nicht-Existenz zu beweisen.

Wie viele Worte braucht es, um darzustellen, dass Worte nichts darstellen können? Wie überzeugt man jemanden davon, dass Überzeugung keinen Sinn macht? Welche Argumente muss man vorbringen, um zu belegen, dass Argumente wertlos sind und nichts belegt werden kann?

Die Antwort auf diese offensichtlichen Paradoxa ist natürlich: Schwachsinn!

Aber die Reaktion der Überforderten, der Anti-Intellektuellen und der Machtgierigen ist: unterdrücke den Geist (also Angriffsverhalten zum Selbstschutz), verneble das Denken, hypnotisiere die Begriffsbildung, fragmentiere die Konzeptbildung, bestrafe Fragen, beschäme und verleumde Zweifel und Skepsis und belohne und fördere stattdessen Gehorsam, Autoritätshörigkeit, intellektuelle Anpassung, linguistische Imitation, affektive Sprunghaftigkeit, launische Unberechenbarkeit und vor allem jegliche Form von Gewalt gegen Denken und Denker.

Das einzige, was für die Anhänger und Apostel dieser Religion zählt ist, dazu zu gehören zum Zirkel der Macht. Und so nah wie möglich an jenen Ort herankommen, von dem die Macht ausgeht. Egal warum, wofür und zu welchem Preis, Hauptsache, man gehört dazu und kann es mit den richtigen Parolen und den aktuell angesagten Schwurbeleien auch demonstrieren. Das ist einfach und bequem, dafür genügt der Intellekt eines Sechsjährigen – minus Neugier, versteht sich, und plus Angst.

Von der Bequemlichkeit zur Gewalt

Womit wir bei dem Hauptcharakteristikum Eurer Charakterlosigkeit angekommen wären: Bequemlichkeit. Bequem ist es, stets mit dem Strom zu schwimmen, stets nur zu tun und zu sagen, was die Autoritäten sagen und sich hinter einer Funktion und einem Titel zu verstecken, von wo aus man sich das Leben stilvoll und reibungslos einrichten kann. Keine Fragen stellen, nichts überprüfen, mit der Masse laut sein und sonst still, für jeden Anflug von Skepsis sofort eine intellektuelle Beruhigungspille oder eine Ablenkung bereit haben und nur die Aspekte der Realität wahrnehmen, die exakt zu den gewohnten, beruhigenden Denkmodellen passen. Wo die Fakten nicht zu den Lieblingsideologien passen, müssen sie schnell korrigiert werden – die Fakten, nicht die Denkschablonen.

Die jüngere Akademiker-Generation hat dieses Problem jedoch kaum noch: ihr Interesse an der faktischen Realität und ihre Wahrnehmung von Tatsachen sind so gering, dass sie den fest installierten links-grün-sozialen Wunschvorstellungen gar nicht mehr ernsthaft in die Quere kommen. Sie beschäftigen sich – an Schulen, Fachhochschulen, Universitäten – nur noch mit Konzepten und Ideen. Etwas anderes gibt es für sie nicht mehr. Der Konstruktivismus und seine Kinder, die linguistische „Philosophie“ und der Dekonstruktivismus sind die niemals hinterfragte Grundlage ihres Denkens, das entsprechend von der Realität nichts mehr wissen will. Mit Philosophie hat das schon lange nichts mehr zu tun. Seit Kant ist es nur noch Sophistelei: das Herumhantieren mit Wortgeräten und Denkkonstruktionen ohne Interesse an der Wirklichkeit – also ohne Interesse an Erkenntnis und Anbindung an das Wesentliche.

Wo dann doch hier und da einmal die unvermeidbare Begegnung mit der Realität stattfindet, müssen sie „radikal“ werden. Sie meinen damit nicht „an die Wurzeln oder das Ursprüngliche anbindend“, sondern sie meinen totalitär gewalttätig – und rechtfertigen sich mit den typischen Euphemismen skrupelloser Demagogen. Denn nur mit Gewalt lassen sich die Gegebenheiten ans Dogma anpassen und nur mit Gewalt lässt sich der menschliche Geist von der Wahrnehmung der Wirklichkeit wegzerren. Es ist ihre Entfernung von der Wahrnehmung, die die jungen Akademiker heutzutage so rücksichtslos und aggressiv werden lässt. Es sieht aus wie Überzeugung und Wut, aber es sind Orientierungslosigkeit und Verzweiflung.

Auch wenn Ihr nicht damit gerechnet habt und Euch auf der Zunge liegt: „Das wollten wir doch nicht!“ – es sind alles nur die logischen Konsequenzen Eurer Haltung und Eurer Unterlassungen. Denn Euer Credo lautete stets: nicht fokussieren!, niemals genauer hinsehen!, nie nachfragen! und nichts verknüpfen!

Merkt Ihr es? Dieses Credo ist der Kern des Anti-Intellektuellen, es ist der vollkommene Antagonist zum Denken und zur Vernunft, denn diese leben von Fokus, Durchdringung, Hinterfragung und verknüpfender Bündelung. Indem Ihr das Denken defokussiert, oberflächlich, assoziativ-sprunghaft und fragmentiert machtet, habt Ihr es abgeschafft. Jener Rest von „Denken“ und Vernunft, der noch übrig blieb, jene Konservenfabrik des Nachplapperns und Imitierens, wie es heute aus allen Mündern der „Gebildeten“, „Akademiker“ und „Intellektuellen“ gleichtönig scheppert, ist nichts weiter als eine kraftlos baumelnde Wort-Marionette an den Fäden der gerade aktuellen Tages-Reize und medial gehypten Moden – ein grauenhaft verblasster Schatten jener Kapazität, die den Menschen am allermeisten vom Tier unterscheidet: des Verstandes.

Das Ergebnis sehen wir heute in jedem Medienprodukt, auf diversen Bühnen, in den Museen und in all dem formlosen, richtungslosen und charakterlosen Geschwätz sogenannter „Politiker“ und ihren „Experten“. Mit echtem Grauen aber sehen wir es im Verhalten und im Denken der jüngeren Generationen, die von der gewordenen Welt bereits so sehr überfordert sind, dass sie sich damit gar nicht mehr auseinandersetzen wollen. Sie wollen nicht mehr denken, weil es ihnen nie richtig vorgemacht und beigebracht wurde. Sie wissen gar nicht, was das ist: eigenständig, rational denken. Sie ziehen sich stattdessen auf Gefühle und Bedürfnisse zurück, vor allem ins „Soziale“. Sie wollen bedient werden, wirtschaftlich, beruflich, sozial, technisch, ideologisch, denn sie kennen es nicht anders. Sie wurden intellektuell immer nur bedient, gelenkt und dressiert, und man sagte ihnen, dies sei der Weg zum Erfolg. Erfolg mit was? Und zu welchem Preis?

Sie können nicht verstehen, warum dieser Weg ins totale Versagen, nicht nur ihres, sondern das der gesamten Gesellschaft führen musste – wie sollten sie auch verstehen? Sie bemerken nur, dass es so ist, dass es nicht mehr weitergeht, dass niemand ihnen die Zukunft serviert, die immer vage versprochen wurde. Sie bemerken, dass sie mit der Realität nicht klarkommen, dass sie keine Werkzeuge haben, um sie auch nur wahrzunehmen und dass die Realität nicht verhandelt oder sich von ihren gewohnten Tricks des Leugnens, Aussitzens und Schönredens beeindrucken lässt. Sie waren vergeblich auf der Suche nach echten Lehrern und nun bekommen sie einen: den unbarmherzigen Widerhall kausaler Realität (liebevoll auch Karma genannt).

Die Echo-Zeit beginnt jetzt erst und so mancher wird sich noch zurückwünschen in die konsequenzfreien Wünschel-Zonen wolkiger Ideologien und in die sozial vollkasko-gepufferten Räume der Verantwortungslosigkeit und des betreuten Denkens. Aber was wird wohl noch alles zurückschallen in die Ohren derer, die gestern noch schrien nach „Klimaschutz“, nach „mehr Solidarität“, nach „sozialerer und grünerer Marktregulation“ (d.i. mehr Sozialismus), nach „Systemwandel“, nach geschlechtsbefreiter Sprache, nach Totaldigitalisierung, nach Verstaatlichung der Kinder und der Auflösung aller Maßstäbe – vor allem aller Leistungsmaßstäbe? Man kann sich wünschen, ewig im Status eines Kleinkindes oder Babys zu bleiben, aber unser Wesen und unser Leben unterliegen unabhängig dieser künstlich erzeugten Retorten-Wünsche einer Dimension, die für die meisten heutigen Intellektuellen, besonders für die Geisteswissenschaftler und die „Linken“, zu einem vagen Mysterium geworden ist, zu einer unglaubwürdigen „Verschwörungstheorie“ oder einem alten Aberglauben: den Naturgesetzen.

All die Leugnungskünstler und ideologischen Höhenflieger werden erst Aranke begegnen müssen, der Göttin der Notwendigkeit, um den Weg aus dem Spiegel-Labyrinth falscher Überzeugungen heraus und wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu finden. Von dort aus können sie sich dann real als Menschen unter den handelsüblichen Bedingungen einer irdischen Inkarnationentfalten…

Verrat

Nichts von dem, was ich hier aufzeige, ist neu und hätte nicht auch schon vor 70 Jahren benannt werden können. Und es wurde auch benannt, von Einzelnen, immer wieder. Aber Ihr habt es ignoriert, weil die Systemmacht, die seit 1933 fest im Sattel sitzt, das Wegschauen und Übertönen mehr belohnte und mit dem kritischen, eigenständigen Denken auf Kriegsfuß stand. Und Ihr habt ja zu Eurem Glück auch die „öffentliche Meinung“ auf Eurer Seite – der Seite des Ausweichens und Meidens all dieser Themen. Wie praktisch! Denn Ihr hattet und habt diese „öffentliche Meinung“ selbst gelenkt und gefördert. Die Öffentlichkeit hat sich nämlich – zu Recht – darauf verlassen, dass Ihr den Weg weist und die Vernunft regeneriert. Erst jetzt, fast 90 Jahre später, erkennen die Nicht-Akademiker im Volk, dass Ihr genau das Gegenteil gemacht habt: Ihr habt die Vernunft und Eure Position als Ihr Hüter und Wächter verraten.

Ich würde von keinem Supermarktangestellten, von keinem Yoga-Lehrer und von keiner Büroassistenz erwarten, dass sie die raffinierten Lügen und Täuschungen der Medien- und Regierungskaste durchschauen. Sie können nicht anders, als das glauben, was man ihnen erzählt, was sie im Fernsehen sehen und in ihren Zeitungen lesen. Sie können nur das tun, wozu man sie anweist, weil sie sonst ihren Job und ihren Lebensunterhalt verlieren. Auch von den Geschäftsführern bis hinauf zu den Vorständen internationaler Konzerne würde ich das nicht erwarten, denn diese Menschen sind – von Euch! – nur darauf dressiert worden, Additionen und Subtraktionen korrekt durchzuführen und ansonsten über den nächsten Quartals- oder Jahresumsatz hinaus keinen Horizont zu haben.

Aber Ihr „Akademiker“, die Ihr von Euch behauptet, Ihr hättet gelernt zu denken und Euren Verstand zu benutzen und die Ihr dafür Anerkennung einfordert, Ihr habt doch eigentlich gar keine andere Aufgabe in der Gesellschaft als Irrtümer, Lügen und Korruptheit zu entlarven und das Richtige, das Moralische und den Bezug zu Grundwerten immer wieder aufzuzeigen.

Jeder Beruf von Kopfarbeit und jede Position der Führung müssen doch in erster Linie dazu dienen, Struktur und Impulse zu geben, um eine Kultur des menschlichen Miteinanders gesund zu erhalten und zu stärken. Die Intelligenzia einer jeglichen Gesellschaft hat vor allem anderen und vielleicht im Ganzen nur die eine Aufgabe, das philosophische, ideelle oder zumindest das gedankliche und moralische Fundament einer Kultur zu schützen, zu verfeinern und zu übersetzen in Leitideen, Vorbilder, Normen, Rahmenbedingungen und Regeln, an denen alle sich nicht nur orientieren sondern entfalten und steigern können.

Dafür und nur dafür werdet Ihr Akademiker und Intellektuellen von der Gemeinschaft getragen! Das ist Eure essentielle und wichtigste Funktion. Eure Rolle in einer Gemeinschaft ist die von Wächtern der geistigen Freiheit, der Kreativität und der gesunden ideologischen Fundamente der Gesellschaft. Wenn diese Rolle nicht verantwortungsbewusst und kompetent besetzt wird, dann gibt es keine Wächter. Dann sind wir schutzlos und machtlos. Dann stirbt die Kultur und fällt in die Hände der Irrationalen, der Scharlatane und Sektenprediger, der Machtgierigen und Skrupellosen. Und das ist geschehen. Das ist unsere Geschichte der letzten 150 Jahre. Weil Ihr nicht auf Eurem Posten wart. Weil Ihr Euren Auftrag nicht erfüllt habt. Weil Ihr versagt habt.

Nun werden einige vielleicht einwenden, dass die Intellektuellen und Kopfarbeiter zwar durchaus entgleist sind und ihre Aufgabe veruntreut haben, dass dies aber doch auch gar nicht so wichtig sei, weil sich die „Pragmatiker“, die Unternehmer und die Politiker ja sowieso schon lange nicht mehr um das „Geschwätz“ vor allem der Geisteswissenschaftler kümmern würden. Diese Beobachtung ist richtig, die Menschen mit Realitätskontakt haben sich vor sehr langer Zeit schon davon abgewendet, die ständig wechselnden, widersprüchlichen und abgekoppelten „Produktionen“ der „Denker“ ernst zu nehmen. Aber die Interpretation ist falsch. Denn genau darin liegen das Problem und der Beweis für das Versagen. Denn auf wen hören die Menschen denn dann? Wer könnte denn die intellektuellen Ausbilder, Schiedsrichter und Leitfiguren ersetzen? Das Prinzip des pragmatischen Erfolgs von Moment zu Moment? Die Daumenregeln von Oma? Die impliziten Botschaften von Spielfilmen, Talkshows und Spiegel-Bestsellern?

Das mag sein, aber von wem kommen denn die Grundsätze, Axiome, Prämissen und Ideen dahinter? Wer verbreitete, stützte und bekräftigte sie? Die Protagonisten aus der intellektuellen Schicht – vom Berufsphilosoph bis hinab zum Kleinkomödiant und Lokaljournalist.

Freiheitsentzug durch Denkentzug

Eine freie Gesellschaft und freie Marktwirtschaft, also eine Gesellschaftsform, in dem jeder Einzelne effektiv eigene Entscheidungen treffen kann, ist auch auf die Freiheit des Informationsflusses angewiesen. Der Einzelne muss dafür nicht nur schnell und sicher an alle relevanten Informationen kommen, er muss auch gelernt haben, diese zu erkennen, zu verarbeiten und entsprechend kommunizieren zu können. Sonst funktionieren überhaupt keine Marktwirtschaft, sogenannte „Demokratie“ oder Konsumgesellschaft. Und für diese kulturellen Fähigkeiten und Techniken der Selbstbestimmung sind die Akademiker zuständig, sie müssten sie fördern und verbreiten, so wie der Produzent seine begehrte Ware immer Menschen versucht zugänglich zu machen.

Freiheit ist nur in dem Maße möglich, wie Menschen rational denken und vernunftbasierte Entscheidungen treffen können, ansonsten rutscht ein System innerhalb einer einzigen Generation in irgendeine Form von Bevormundung („zum Schutz der Bevölkerung“), Dirigismus („für Gerechtigkeit“) und Diktatur („für Pragmatismus und Handlungsstärke“). Nachdem man ein Volk moralisch orientierungslos und hilflos gemacht hat, kann man jede Obrigkeitsgewalt und Fremdbestimmung mit eben mit dieser Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit begründen. Wenn Ihr in Kurzform erfassen wollt, auf welches intellektuelle Neandertaler-Niveau Ihr unsere Welt gebracht habt, lest Wahlplakate und hört zwei Minuten einem Politiker im Wahlkampf zu. Dann wisst Ihr, wie geistig und moralisch bankrott wird sind.

Um es glasklar auszusprechen: die Bedingungen für die heutige uneingeschränkte, totalitäre Diktatur des wirtschaftlich-politisch-medialen Komplexes, dessen Steuerungsprinzipien sich mit Täuschung, Verblödung und Sedierung zusammenfassen lassen, habt Ihr Intellektuelle geschaffen. Ihr habt den Menschen ihr Selbstbewusstsein genommen, indem Ihr ihnen die Möglichkeit nahmt, ihren rationalen Verstand zu nutzen und zu schulen. Echtes Selbstbewusstsein ohne den gesunden Menschenverstand ist nicht möglich, weil es ohne rationalen Verstand keine Eigenständigkeit und keine Souveränität gibt. Die Souveränität, die wir Menschen seit spätestens dem 19. Jahrhundert in den industriell aufsteigenden Nationen entwickeln konnten, habt Ihr uns auf diese Weise blockiert. Und schlimmer, Ihr habt Sie uns weggenommen und zertrampelt, denn wir hatten sie einmal.

Dass Ihr auch Opfer seid, denen genau dasselbe früh angetan wurde, ändert nichts an der Tatsache Eurer Mittäterschaft und Eurer Grundverpflichtung. Wenn irgendjemand etwas an der Misere hätte ändern können, dann ward Ihr es. Und die meisten von Euch sind sich dessen bewusst. Die meisten von Euch wissen, dass Ihre Theorien, Ansichten und Meinungen Luftnummern ohne rationale Verankerung sind – Konzepte, die auf Konzepten aufbauen, die auf Konzepten aufbauen… Jemand hat von jemandem abgeschrieben, der es von jemandem abgeschrieben hat… Wenn man allen Zitierungen folgt, landet man… nirgendwo, nur in einem großen, institutionell kaschierten Zirkelschluss ohne Beweise und Begründungen, ohne Hand und Fuß. Das gilt vor allem und vollständig für die sogenannten „Geisteswissenschaften“, die alles für möglich halten, nur nicht Geist.

Unsere ärgsten Feinde

Ihr musstet in Eurer Rolle als „Hüter des Geistes“ nicht produktiv sein, denn es war Eure primäre Aufgabe, Produktivität zu steigern. Ihr musstet nicht Neues erfinden, weil es Eure vorrangige Aufgabe war, neue Erfindungen und Innovation zu inspirieren, im Sinne der Kultur zu bewerten und zu verwalten. Ihr musstet nicht in erster Linie pflegen, heilen und reparieren, sondern Eure Aufgabe war es, das Ethos von Pflege, Heilung, Wiederherstellung und Instandhaltung hochzuhalten.

Aber das habt Ihr nicht! Ihr lasst Euch aushalten, füttern und bedienen, Ihr erwartet Anerkennung, Bewunderung und Respekt, aber Ihr leistet schon lange keinen Dienst mehr. Ihr erfüllt Euer angetragenes Amt nicht mehr: den gesunden Menschenverstand zu schützen und zu fördern. Damit habt Ihr Eure Berechtigung auf Unterstützung und Schutz durch die  Gemeinschaft verwirkt.

Aber diese Unterlassung und infizierende geistige und kulturelle Lähmung ist nicht alles. Ihr habt noch etwas viel Schlimmer getan: Ihr habt Euch aktiv für jene Kräfte eingesetzt, die Produktivität und Entfaltung der Menschen verhindern wollen. Ihr seid nicht nur eine Belastung für die Gemeinschaft und für jeden produktiven Menschen geworden, Ihr seid unsere Feinde geworden – Feinde von Kultur, Feinde des freien rationalen Denkens und Feinde der menschlichen Entfaltung. Ihr arbeitet für und mit unseren ärgsten Gegnern – jenen Parasiten, die selbst nichts leisten, sondern uns bloß mit Ihrer Skrupellosigkeit und ihrer Gier nach Macht aussaugen und zerstören.

Deshalb müssen und wollen wir Euch loswerden. Ihr habt uns, das Volk und die Gemeinschaft, nicht nur enttäuscht, ihr habt uns verraten. Ihr habt uns ans Messer geliefert, Ihr, die wir hoch hielten und brauchten als Beschützer unseres Wichtigsten: unserer geistigen Freiheit.

Ihr habt Worte und Gedanken verdreht, abgekoppelt und entstellt, so dass ihr sie gegen uns verwenden konntet – uns, die wir täglich Eure Lebensgrundlage erschaffen. Ihr solltet nur richtig denken – für Euch und für die Gemeinschaft. Aber Ihr habt Euer Hirn nur vollgesaugt mit falschen, absurden und selbstzerstörerischen Gedanken und sie weiter verbreitet, weil Euch das mehr Anerkennung, mehr Macht und mehr Prestige gab. Ihr wolltet als unantastbare Priester gefeiert werden und über die Abkürzung politischer Macht an einen Status kommen, den Ihr nie verdient habt. Dafür habt Ihr akzeptiert, dass Eure Ideologien und Theoriegebäude immer unverständlicher, irrealer und wahnsinniger wurden, weil Ihr damit andere leichter verwirren, täuschen und manipulieren konntet. Und schließlich habt Ihr das Denken selbst verraten, indem Ihr es erst als unzuverlässig, dann als Irrweg verkauft habt und schließlich mit Euren erfundenen Konzepten und Begriffsverdrehungen unmöglich machtet. Von da an ging es nur noch um Glauben, Nachplappern und Gehorchen.

Ihr habt gedankenlos gekauft und weiterverkauft, wir würden in einer „Demokratie“ leben, während es leicht zu durschauen gewesen wäre, was hinter dieser Simulation einer „Selbstbestimmung des Volkes“ wirklich steckt. Aber Selbstbestimmung ist Euch fremd, deshalb habt Ihr weggeschaut und all die Lügen und widersprüchlichen Täuschungsmanöver mitgemacht.

Man hat Eurem reflexionsfreien Denken eingeprügelt, dass wir freie Menschen in einem freien Rechtsstaat seien, dass wir die bösen Nazis längst hinter uns gebracht hätten, dass wir im Frieden lebten und man den mächtigen Institutionen und ihren Köpfen blind vertrauen könne, weil sie sich um nichts so sehr sorgen würden wie um uns, die „Bevölkerung“, „Verbraucher“ und „Bürger“; dass Wissenschaftler einen unbestechlichen Ehrenkodex folgen; dass die Medienlandschaft frei und objektiv ist; dass überhaupt Meinungsfreiheit herrscht und nur solche Bücher zensiert und verboten werden, die „der Jugend schaden“; dass Albert Einstein das größte aller Vorzeige-Genies und seine Theorien der Jahrhundert-Maßstab sind.

All das ist überprüfbar falsch und hätte den Kindern schon gezeigt werden müssen. Aber für Euch zählte nur, für welchen egal wie absurden Glauben ihr sozial belohnt wurdet. Also habt Ihr Eure Zeugnisse, Diplome, Auszeichnungen, Titel und Autoritätspositionen dafür hingehalten, dass man Euch diesen Betrug glaubt. Deshalb sind all Eure Titel wertlos – nullum ab initio.

Euer Verbrechen ist ethisch eines der größten – auch wenn Ihr in Eurer intellektuellen Vernebelung nicht mehr fähig seid, dies zu begreifen: ihr habt den Menschen das genommen, was sie zu Menschen macht, nämlich ihren Verstand; ihr habt aus der Kultur entfernt, worauf die Kultur beruhte: die Vernunft. Ihr habt die Menschen zu blinden, folgsamen Tieren gemacht – und schlimmer als jedes Tier zu hilflosen geistigen Krüppeln, die nur noch Schatten ihrer selbst waren. Das Gift dazu kam aus Euren Mündern, Schreibfedern und Produktionen. Bis heute verbreitet Ihr dieses intellektuelle Contergan, das den Geist der Menschen verstümmelt.

Ihr habt den Boden dafür bereitet, dass unsere Kultur von Kannibalen und Psychopathen übernommen und gelenkt wurde – von Kinderschändern und Gangstern. Es wäre eure Aufgabe gewesen, sie ans Licht zu zerren und sie als das zu benennen, was sie sind, als Unmenschen, als Abschaum. Stattdessen habt Ihr es Euch bequem gemacht, mit diesem Abschaum gemeinsame Sache zu machen, weil er so erstaunlich mächtig war und weil er das hatte, was Ihr auch mehr als alles andere wolltet: Geld und Ansehen.

Ein käuflicher Denker ist das Schrecklichste und Böseste, was einer Kultur geschehen kann. Umso mehr einer Technologie-Kultur wie der unseren. Heute seid Ihr Akademiker nicht nur käuflich, sondern auch billig. Ihr wurdet schon so früh gebrochen, dass Ihr Euch für den Rest Eures Lebens nicht mehr getraut habt, einen einzigen eigenen Gedanken zu formulieren und zu vertreten. Es gibt Euch nun bereits in Massen, das Angebot ist riesig und die Nachfrage nach Hohlköpfen und dressierten Papageien sinkt rapide. Ihr habt ein paar Schuljahre extra drangehängt und schon hattet Ihr Euren „Bachelor“, „Master“ und „Doktortitel“. Bei dieser Karriere spielen Werte wie Ehrlichkeit, Wissbegier, Erkenntnissuche oder Wirklichkeits-Erforschung überhaupt keine Rolle mehr. All diese mechanisierten Laufband-Produkte der modernen Ausbildung wollen schnell ein- und aufsteigen auf dem Markt des Geld- und Image-Handels. Nachdem man sich unterworfen, verleugnet und gequält hat, will man schließlich auch mal so „hoch hinauf“, dass man sich dort „oben“ ausruhen und andere quälen und brechen kann; dann sollen andere gefälligst zu einem aufschauen.

Ihr „Aufsteiger“, in Wirklichkeit seid Ihr in die Hölle hinabgestiegen und habt Dämonen heraufbeschworen, die Euch fressen werden. Eure „gesellschaftlichen Ambitionen“ sind nichts weiter als Schmerzbetäubung und Maskerade, weil Ihr Eure Seele – Eure Vernunft – verkauft habt. Die meisten von Euch sind nicht mehr zu retten.

Und wer will Euch schon noch retten? In den Prioritäten eines Menschen offenbart sich sein Geist. Und der Geist von Euch modernen „Akademikern“ hat den Tiefgang einer Pfütze. Und ist ebenso trübe und infektiös.

Das Ende Eurer akademischen Religion

Ihr glaubt, dass Ihr Intellektuelle und Denker seid; dass Ihr zu allem die intellektuelle und denkerische Dimension des Geistes hinzufügt und verfeinert. Ihr glaubt – das ist alles. Eure Selbstdefinition sowie Euer gesamtes Weltbild sind nichts weiter als auswendig gelernte Glaubensinhalte aus dritter oder vierter Hand.

Natürlich denkt Ihr – sogar ständig und viel mehr als notwendig wäre. Niemand wirft Euch vor, Ihr würdet nicht denken. Aber warum und wozu denkt Ihr? Um Euch von der Realität zu entfernen und Euch gegen sie abzuschotten. Rationales Denken ist Denken, das der Realität zugewandt und verpflichtet ist. Euer Denken aber ist nicht rational, sondern irrational und anti-rational: Ihr wollt die Tatsachen loswerden und flüchtet vor ihnen in immer kompliziertere, frei erfundene Konstrukte. Das ist ganz einfach, man muss nur jede Hypothese, jede Vermutung oder Theorie behandeln wie eine Erkenntnis bzw. man muss den Begriff von Erkenntnis, Wissen und Gewissheit auslöschen und diese Worte nur noch als Etiketten benutzen. Diese Etiketten werden dann als Auszeichnung für besondere Verdienste im Club für besondere Angepasstheit oder herausragende Skrupellosigkeit vergeben. „Gesichertes Wissen“ bedeutet daher bei Euch: von systemisch sanktionierten Autoritäten aufgestellte Behauptung.

Dieser kleine intellektuelle Taschenspielertrick ist die Basis für so gut wie alles, was heute unter „Forschung“ und „akademischer Betrieb“ läuft. Eure sogenannte „Wissenschaft“ ist tatsächlich eine Wissenabschaft. Nicht nur unbelegte, sondern auch widerlegte Hypothesen werden – die staatliche, industrielle und mediale Förderung machen es möglich – als gesichertes Wissen und damit als Basis für millionenschwere Forschung und Generationen von Nachwuchsakademikern gehandelt. Im Elfenbeintürmchen der Fantasiekonstrukte geht das problemlos, aber der Kontakt mit der Realität wird immer problematischer, weil Eure Theorien und Erklärungsmodelle falsch sind und nicht funktionieren. Schlimmer noch, sie richten zunehmend Schaden an. Denn die Lügen, die Ihr immer aufwendiger rechtfertigt und verschleiert, hat sich die Ganovenwirtschaft längst zu einer ihrer besten und verlässlichsten Geldquellen gemacht.

AIDS z.B. war nur eine Arbeitshypothese, eine Fantasie, die vom Erfinder selbst recht bald nicht nur verworfen, sondern wissenschaftlich widerlegt worden ist. Aber das hindert Euch „Forscher“ bis heute nicht daran, Millionen für „Aids-Forschung“ und „Aids-Heilmittel“ zu beantragen und zu verbraten – aber für was, wenn es dieses angebliche „Retro-Virus“ gar nicht gibt? Wofür die ganze Virenforschung, wenn es nicht einmal Viren gibt außer in Euren selbstprogrammierten Computermodellen (, was längst bewiesen ist)? Die Antwort ist ganz simpel: weil man damit erstens sehr viel Geld verdienen kann und weil man zweitens eine Menge hochkrimineller Machenschaften mit sentimentaler Augenwischerei verbrämen kann – z.B. Menschenexperimente in Afrika.

Also immer schön weiter fantasieren und quacksalbern, Ihr „Wissenschaftler“, denn nicht nur Euer, sondern vieler Menschen Einkommen hängt von der medialen Wirksamkeit Eurer „Forschung“ ab!

Das gilt für all die unzähligen Lügengeschichten, von der unsinnigen „Relativitätstheorie“, grotesken „Mondlandungen“, von „FCKW“, „Ozonlöchern“, „Gefährlicher Atom-/Nuklearenergie“, die ganze Palette über „schädliches UV-Licht“, „Klimaerwärmung“ usw. bis zur absoluten Krönung, dem „Corona-Virus“-Märchen mit seinem Happy-Impf-Ende. Doch dieses Märchen wird Euer letztes sein. Denn diesmal haben wir, die Rationalen, ein Märchen gegen Euch erfunden. Es war eine Falle. Ihr seid hineingetappt, habt Eure Verbrechen damit auf die Spitze getrieben und wir mussten nur daneben stehen, abwarten und protokollieren. Der Rest ist reine Routinearbeit für Tribunale und Menschenrechtsgerichte.

Natürlich habt Ihr die ganze Zeit geahnt und gespürt, dass Ihr bloß billige Lohnarbeiter eines großen Lügenapparates seid. Mental habt Ihr es nicht durchschaut, dafür habt Ihr zu früh das Nachdenken, das Nachfragen und jede Art von echter Wissbegier in Euch erstickt. Durchschauen und verstehen wolltet Ihr nie, denn das wurde nicht belohnt.

Aber Ihr habt es bemerkt an der konstanten chronischen Angst, an den unterschwelligen Zweifeln, an der depressiven Hoffnungslosigkeit, mit der Ihr Euch durch Eure Institutionen geschleppt habt, und an der Aggressivität, mit der Ihr Euch gegen jeden Hauch von Zweifel, Nachfragen, Neugier oder andere Erklärungsmodelle gewehrt habt. Eure Angst ist und war der eindeutigste Beleg für Eure Abspaltung von der Wirklichkeit, für Eure intellektuelle Unredlichkeit und Euren Mangel an Integrität. Im Stillen hoffte jeder von Euch nur, dass keiner es auffliegen lässt bis Ihr in Rente seid oder am besten noch lange darüber hinaus. Und tatsächlich habt ihr ein Gehorsams- und Abhängigkeitssystem von rückratlosen Lakaien geschaffen, die sich fast alle gegenseitig deckten. Der einzige Grund für die immer größeren Deckungs-Lügen, Täuschungen, Verdrehungen und Manipulationen war nichts als Angst – die Angst, irgendwann als die lumpigen Hochstapler und Heißluft-Blaser aufzufliegen, die ihr intellektuell seid.

Wer die Bedeutung des Verstandes und seine höhere Integrationsfähigkeit gegenüber dem körperlichen Empfinden und dem affektiven Fühlen leugnet (oder nicht einsehen will, was auf das gleiche hinausläuft), der muss auch die rationale Wahrnehmung der Realität und schließlich die Realität selbst leugnen. Die dogmatischste ideologische Blaupause dafür lieferte Immanuel Kant, der damit gar nicht der erste war, sondern ein kulturelles Schisma widerkäute, das so alt ist wie menschliche Kultur. Aber er war einer der besten darin, abstrakte Behauptungen aufzustellen ohne eine einzige davon zu belegen oder zu beweisen und dabei das Bedürfnis der Menschen, vor allem der Denker, zu rechtfertigen, ihren rationalen – also realitätsverbundenen – Verstand nicht erkennen, nutzen und trainieren zu müssen. Er ist der ideologische Vater des modernen Anti-Rationalismus und des heutigen Akademismus, deren Haupteigenschaft die Abspaltung von Ethik und Wertereflexion von der Wahrnehmung der Realität und der realen wesenhaften Natur des Menschen ist. Damit begann die systematische Abspaltung aller „Wissenschaft“ und Technologie-Entwicklung von Ethik- und Wertebewusstsein, wobei letztere den Gefühlspredigern und quasi-religiösen „Intuitions“-Anhängern überlassen wurden.

Somit ist der Kern Eurer Religion Realitätsverleugnung. Allem voran die Leugnung der Realität des rationalen Denkens. In Euren Kirchenhierarchien kann man nur aufsteigen, wenn man dem Interesse an der Wirklichkeit, an Tatsachen und Verstehen abschwört und das Denken dazu vergewaltigen lässt, nur noch das für richtig zu halten, was die nächsthöhere Autorität vorpredigt. Das nennt man blinden Glauben und darin seid ihr stark. Ihr seid die einzige Kirche der Welt, die ein intellektuelles Zölibat (gegen die Verbindung mit der Realität) zur Grundlage hat und gleichzeitig damit wirbt, der Hüter der Vernunft und die oberste Heeresleitung des Verstandes zu sein.

Das musste irgendwann in einem grotesken Fiasko enden. Man kann sich nicht unendlich von der Wirklichkeit, Naturgesetzmäßigkeiten und Tatsachen, vor allem aber nicht endlos von der eigenen Wesensnatur als Mensch entfernen. Irgendwann reicht ein winziger Dominostein, der trotz allen Aufwands nicht mehr verleugnet werden kann, und das ganze Betrugsgebäude bricht zusammen – es sei denn, Eure Lügen und Fälschungen hätten uns vorher schon alle umgebracht. Das wäre die Alternative um die nächste Ecke gewesen, so dass Ihr uns innerhalb der nächsten Jahren alle in den Abgrund gerissen hättet, nur um ein Aufwachen und Erkennen Eures Versagens zu vermeiden.

Und so steht Ihr bis heute, Ihr Akademiker und zertifizierten Angeber, am Straßenrand, leugnet das alles bockig ab, haltet Euch die Ohren und Augen zu und applaudiert zu des Kaisers neuen Kleidern.

Aber da war doch noch das ein oder andere Kind am Rande der Straße, das Euch durchschaut hat. Und diese Kinder sind jetzt erwachsen geworden und beenden Euer abscheuliches Spiel mit einem mächtigen Verbündeten auf ihrer Seite, den sie viel besser kennen als Ihr: die Realität. Ich habe nur die Ehre Euch mitteilen zu dürfen, was nun feststeht: Game over.

Es brauchte nie viel Scharfsinn, um schon an Eurem Auftreten und Agieren, Eurem Gehabe und Euren fassadären Institutionen zu erkennen, dass Ihr rein emotional gesteuert seid. Eure Ideologien, Paradigmen, Konzepte, Theorien und Themen ergeben sich aus kindlichem Wunschdenken, aus dem, wie Ihr die Welt gerne hättet, wie Ihr sie Euch vorstellen wollt. Und diese frei schwebende Pippi-Langstrumpf-„Philosophie“ wurde zusammengebacken aus all den instinktiven und sozialen Bedürfnissen nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung und materieller Bereicherung, die Ihr nie reflektiert, von denen Ihr Euch nie gelöst habt, über die Ihr nie hinausgewachsen seid.

Von dort ausgehend hat man Euch dazu dressiert, den Ersatz für all die basalen Defizite, die Ihr mit Euch herumtragt in der „akademischen Welt“ zu suchen. So hatte Euch das System von Anfang an fest am Schlafittchen und so hängt Ihr ihm im Maul wie halbblinde Kätzchen.

Und weil es so befriedigend und bequem war in Euren „akademischen“ Blasen-Welten von Irrealität und weil Ihr Euch unter so vielen Gleichartigen so sicher und wohl fühltet und mit ihnen gemeinsam mehr Einfluss und Autoritätspositionen ergattern konntet, wollt Ihr darin bleiben. Je unsinniger und verderblicher Euer warmer Hühnerstall wurde, desto aggressiver wurdet Ihr in Eurem Kampf gegen jegliche Entmistung und Säuberung. Was da wohl noch so alles zutage kommen wird? 

Nun, die Zeit ist gekommen, dass Euer Augiasstall nicht nur ausgemistet und durchgespült , sondern vollständig abgerissen wird. In Euren Brutstätten haben sich nämlich schon vor langer Zeit Larven und Maden gebildet, aus denen so widerliches Gewürm wurde, wie es sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen kann. Den Elfenbeinakademismus der Universitäten mit Ihren Fantasie-Fächern und Glaubens-Bekenntnissen hätte man ja noch sich selbst und seinem Untergang überlassen können. Aber das Gezücht von psychopathischen Lügnern, von rückratlosen Karrieristen, von Wortverdrehern und politischen Speichelleckern bis hin zu den aktiv-kriminellen Kreisen, die uns die Philosophie zur Kindervergewaltigung, zum Genozid und zur Selbstzerstörung einhämmern wollen – das können und dürfen wir nicht mehr ertragen.

Nicht nur, dass dieser parasitäre Abschaum durch Euer Bildungssystem unter Eurer Leitung herangezogen wurde, seine Abschlüsse an Euren Universitäten machte und von Euren Aufsichtsräten und Ministerien gefördert wurde! Nein, schlimmer wiegt noch, dass Ihr all das nicht sehen wollt (und mittlerweile auch nicht mehr könnt). Es ist ja auch nicht so bequem wie Euer konsequenzloses Geschwafel über Politik, Gender-Themen, modische Umweltsorgen oder andere life-style-Zerstreuungen außerhalb der Zone menschlicher Vernunft.

Was Ihr blinden Hühner die „Friedenszeit seit 1945“ nennt, ist der fortgesetzte Krieg, der Eure Naivität und Bequemlichkeit brauchte und benutzte, um nur zu seinem endgültigen Schlag gegen die Menschlichkeit auszuholen. Ja, der Krieg brauchte Euch, denn Ihr wart diejenigen, die gebraucht wurden, um den gesunden Menschenverstand und die wache Vernunft zu betäuben und zu vernebeln.

Ihr wisst, was das Volk mit Kollaborateuren des Feindes macht, nicht wahr?

Ihr habt nicht nur zugelassen, dass alle gesellschaftlichen Institutionen unterwandert wurden von anti-intellektuellen, anti-geistigen und schließlich anti-humanen Kräften, Ihr habt es in Eurer Angst, Feigheit oder Korruptheit sogar aktiv unterstützt.

Die charakterliche Verkommenheit, Boshaftigkeit und Destruktivität darin werden nur noch von Eurer grenzenlosen Dummheit übertroffen, denn Ihr sägtet an dem Ast, auf dem Ihr saßt. Ihr habt jene Gesellschaft und Ihre Grundlagen vernichtet, die Euch überhaupt möglich machten und erhielten. Ihr habt Eure eigene Ausmerzung unterstützt. Oder glaubtet Ihr jemals, dass die irrationalen Machthaber und Puppenspieler, Euch am Ende retten würden, wenn Sie Euch für das große Volksverdummungs- und -versklavungsprojekt nicht mehr brauchen? Habt Ihr die Geschichte der kommunistischen Experimente nie verstanden, in denen die Intellektuellen erst missbraucht und dann geschlachtet wurden?

All Ihr linken Ideologen und verkappten Sozialismus-Liebhaber, Ihr unterschreibt Eure eigene Abschaffung. Ihr wäret die ersten, die für die Umsetzung Eurer Fantasien geopfert würden. Euer Selbsthass und Eure Minderwertigkeitsmotivation sind der Strick, an dem Ihr hängen werdet. Wir aber wollen nicht untergehen, deshalb helfen wir zwar bei Eurem Abgang, aber ohne irgendeine Eurer menschenfeindlichen Ideologien zu übernehmen. Mögen sie mit Euch untergehen.

Das klaffende Loch in der Gesellschaft

Der Schiedsspruch, der über Euch erlassen wird und den ich Euch nur aufzeige, ist keine launische oder willkürliche Entscheidung, sondern eine logische, kausale und moralische Konsequenz. Sie beruht nicht bloß auf Eurem Verhalten oder Euren Unterlassungen, sondern sie ergibt sich aus dem Wesen Eurer Handlungen, aus Eurer inneren Haltung (bzw. deren Abwesenheit), aus dem, was Euch dazu brachte, Eure Verantwortungspositionen so zu vernachlässigen und zu missbrauchen.

Was Euch fehlt – und ich spreche hier zu mindestens 90% von Euch – sind Ethik und Moral. Das ist das große Vakuum in der Mitte all Eures Aktionismus, Eurer Wortblasen, Eurer Selbstinszenierungen, Eurer Ängste und Orientierungslosigkeiten, Eurer aggressiven Rangeleien um Anerkennung und Bevorzugung – Eurer Ziele und Projekte ohne Werte. Ihr kreist um ein Loch, ein Nichts, eine klaffende Wunde mitten im Herzen aufrichtiger und echter Intellektualität: den eklatanten Mangel an Wertebewusstsein.

Euer Denken, Planen, Erklären, Deuten und Umdeuten, Darstellen und Verkünden ist ohne geistiges Fundament. Es hat keine Struktur, die in festen Überzeugungen verankert wäre. Ihr habt keinen Boden. Ihr habt nur Eure kleine persönliche Motivation, nämlich möglichst weit „oben“ zu sein in der Gesellschaft oder welcher Zugehörigkeitsgruppe auch immer. Das ist keine geistige Haltung, sondern bloß Mangel an Charakter und psychischer Reife.

Daran werdet Ihr gemessen und beurteilt, an Eurer Philosophie, nicht an dem, was Ihr tut oder wie, sondern warum und wozu Ihr handelt oder nicht handelt.

Dass Ihr am Ende seid und von der Gemeinschaft nicht mehr benötigt werdet, liegt daran, dass Ihr keine Werte mehr habt und vermittelt. Das, was Ihr uns anstelle von Werten andrehen wolltet, Eure Anbiederungen an die jeweiligen Machtinhaber, soziale Belohnungssysteme und haufenweise Ablenkungen mit Nebenschauplätzen und unverfänglichen Modethemen – all das wollen wir nicht, weil es Geist tötet und unsere Lebensgrundlage zersetzt.

Ihr bemerkt seit Jahrzehnten, dass es in allen Aspekten unserer Kultur, in der Bildung, in der Wirtschaft, auf jeder Ebene der Politik kontinuierlich bergab geht. Ihr hattet immer die Wahl: hinschauen, der hässlichen Realität ins Gesicht schauen und sich in einer gesunden, integeren Haltung sammeln – oder wegschauen, kleinmachen und nur immer schön die eigenen Felle in Sicherheit bringen. Die allermeisten von Euch haben sich stets für die zweite Alternative entschieden. Das zeigt Euren Charakter.

Die Krise, in der wir seit Jahrzehnten stecken, ist eine kulturelle, geistige und  intellektuelle. Wenn Ihr nicht bereit wart, das und dessen Ursachen zu erkennen, zu benennen und zu reparieren – wer dann? Die Schwächung, die Vergiftung und die Zersetzung gehen von Eurem Territorium aus. Dies war Eure Aufgabe. Dies wäre Euer Krieg gewesen. Aber die meisten von Euch haben es nicht einmal bemerkt. Ihr seid still und widerstandslos zum Feind übergelaufen – zur Geistlosigkeit, Morallosigkeit und Anti-Intellektualität – erleichtert darüber, Euch dort in Sicherheit zu bringen, wo man nichts mehr von Euch forderte außer Anpassung und Gehorsam. Dass Ihr damit Eure Aufgabe, Euren Ruf, Eure Gemeinschaft, Eure Kultur und Euer Land verraten und ausgeliefert habt, habt Ihr gut verdrängen können, denn dabei wart Ihr Euch untereinander sehr behilflich: mit der Verleugnung der Realität und der realen Verantwortung.

Rege und fleißig wart Ihr von da an (spätestens seit den 1940er Jahren), jene neue Form von Akademismus und Intellektualität auszubreiten, deren Hauptaufgabe darin bestand, Realität zu leugnen und Menschen zu systemkonformen „Mitdenkern“ heranzubilden, die keine unbequemen Fragen stellen und in Folge auch nur noch Fertig-Ideen nachsprechen können. Das ist schon seit Jahrzehnten der Standard, was dazu führte, dass „Bildung“ in unseren Landen heutzutage die Auflösung von Rückgrat und Realitätsbewusstsein bedeutet: wir haben nun schon zwei Generationen von „Akademikern“ und „Höher Gebildeten“, deren psychische Reife auf dem Niveau von Kleinkindern fixiert wurde und die in ihrer Abhängigkeit von Fütterungs- und Beruhigungssystemen gar nicht mehr eigenständig lebensfähig sind – von irgendeinem dienlichen Wert für die Gesellschaft gar nicht zu sprechen. Denn das Überleben des Menschen hängt von seinen Denkfähigkeiten ab. Was für eine Gesellschaft habt Ihr anvisiert, wenn 90% Eurer „akademisch Ausgebildeten“ geistige permanent-Betreuung benötigen und sonst ausrasten?

Welche Orientierung ein Mensch hat und ob er überhaupt Orientierung hat, ist eine moralische Frage. Menschen Orientierung und die Prinzipien von Selbstorientierung zu vermitteln sowohl in grundsätzlichen als auch in konkreten Alltagsfragen, ist die Aufgabe der intellektuellen Führungsschicht. Wenn unsere heutige Jugend und sogar schon die Erwachsenen bis über die 40 hinaus vollkommen orientierungslos in Sachen Werte, Lebenssinn, Zukunftsgestaltung, Fortschritt und Entwicklung sind, dann beweist das, dass Ihr komplett versagt habt.

Ihr habt den Menschen jede Grundlage und Anleitung zum moralischen Denken weggenommen, die sie aber brauchen. Ein gesunder Mensch kann ohne Wissen darum, was richtig und gut und warum etwas richtig und gut ist, nicht selbstbestimmt handeln, nicht eigenständig werden und somit sein menschliches Potenzial gar nicht entfalten. Er kann nicht glücklich werden, weil er mit sich und der Welt nicht in Einklang kommen kann.

Deshalb gingen die Menschen in Massen auf die Suche nach „spirituellen Lehren“ – weil ihnen Moral fehlte! … nach ihrem „wahren Selbst“ – weil ihnen Identität fehlte! …nach „Selbsterfahrung“ und „Selbstentwicklung“ – weil ihnen das Prinzip des eigenständigen Strebens nach Glück nie vermittelt wurde. All das fehlt seit Generationen in unserer Kultur, weil Ihr das rationale Denken abgeschafft und geleugnet habt. Ohne realitätsangebundenes Denken sind selbstbestimmende Moral, geistige Identität und Selbsterfüllung nicht möglich. Ohne das gibt es nur den Abklatsch von Moral durch gesellschaftliche Normen, Vorgaben und Moden – von denen wir so viele haben, dass niemand mehr durchblickt in diesem Wust aus Launen, kindlichen Bedürfnissen und Geldmacherei.

Die Epidemie von jährlich neuen Bestsellern für „Simplify-Management“ und ausgebuchten Praxen von Psychotherapeuten, Coaches und Lebensberatern ist genauso Symptom dieses essentiellen Mangels wie die heil- und vor allem kopflose Flucht in New-Age-Psychologie, Alltags-Buddhismus, Yoga-Life-Style, „Hier-und-jetzt“-Mahnvorträgen, tägliche Satsang-Podcasts oder „Erlebnis-Drogen“. Die Krankheit darunter ist nur eine einzige: der Mangel an ethischen Leitlinien. Und dieser beruht auf dem umfassenden und tief verinnerlichten Tabu, in moralischen Fragen Vernunft und konsequentes rationales Denken zu verwenden.

Es ist seitdem nur noch „Gefühlssache“, ob etwas gut oder schlecht ist, und die einzige Orientierung, die uns für moralische Fragen nach Eurem Feldzug gegen das rationale Denken noch übrig bleibt und erlaubt ist, ist „die Stimme deines Herzens“, unsere „Intuition“ oder unser „Bauch“. Denn zwischen Denken und Körper gibt es nach Eurer Ideologie keine Verbindung und nur der Körper, nur die Materie ist real, das Denken jedoch bloß virtuell, fehlbar und konstruiert. Die richtige Konsequenz aus diesem virtuellen, falschen und konstruierten Irrglauben finden wir überall – sowohl in den 5-Minuten-Videos des internationalen Youtube-Gurus als auch am Stammtisch in der Kneipe um die Ecke: man muss auf sein „Herz“ hören und alles wird gut.

Woher „weiß“ das Herz, was gut und richtig ist? Keine Antwort. Ist es objektiv und grundsätzlich? Keine Antwort. Wie äußert es sich, wenn nicht über Sprache und Begriffe? Keine Antwort. Woher weiß man, was das „Herz sagt“, wenn man keine logischen Begriffe verwenden darf bzw. sie gar keinen rationalen Sinn haben dürfen? Keine Antwort.

Was gibt das „Herz“ vor zu komplexen gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen oder lebenswichtigen ad-hoc-Zusammenhängen? Alles, was sich „irgendwie gut anfühlt“. Worauf basiert seine „Entscheidung“? Auf Laune und Kindheitsprägung.

Eine Handlung ist also gut, wenn sie sich für irgendjemanden (wen?) gut anfühlt – egal aus welchem Antrieb, zu welchem Zweck und mit welchen Konsequenzen sie vollzogen wird. Ebenso ist jede Handlung, jede Äußerung, jeder Gedanke falsch, wenn sie sich „irgendwie schlecht anfühlen“ – egal wie sehr sie der Integrität, Wahrhaftigkeit und Selbstbestimmung dienen.

Ist es unter solchen psycho-ethischen Bedingungen noch ein Wunder, dass wir uns mit unserer Technologie und unseren globalen Kommunikations- und Manipulationssystemen ins Verderben stürzen? Dass nur noch skrupellose Verbrecher in den Machtzentren sitzen (sie folgten ihrem „Gefühl“!)? Dass alles, was den Titel „Kultur“ verdient, seit der Renaissance nur noch den Bach herunter geht? Dass die Menschen bis in die einfachsten Aspekte ihres Lebens hinein vollkommen orientierungslos sind und jeder Mediensensation oder sozialem Hype hinterherlaufen?

Hört Euch nur mal heutige Schüler, Studenten oder junge Erwachsene an. Sie alle wollen „die Welt verändern!“, sie wissen nur nicht in welche Richtung und wie. Sie sind wie hochtourig überdrehte Motoren, aber ohne Lenkrad. Fahrzeuge ohne  Fahrer – und damit Werkzeuge in der Hand von wem? Man höre und lese die Parolen der Lieblingspartei der jungen Akademiker und ihrer Nachkommen. Sie sind voller Elan, Aufbruchs- und Revolutionsstimmung, frech, über jeden Zweifel erhaben und schlagfertig – aber ohne Richtung, ohne Verstand und ohne Prinzipien. Wenn man heute eine Gruppe junger Akademiker sprechen hört, glaubt man in einem Bewerber-Wettbewerb von Marketing-Spezialisten gelandet zu sein, die immer größere, sensationellere Versprechen machen, aber kein Produkt und kein Ziel haben.

Ihre Prinzipien, die ihnen nicht bewusst sind, sind die von Geltungsdrang, Durchsetzungsstärke und sozialem Taktieren, um für sich und für andere den Anschein von Individualität zu wahren, obwohl sie alle – geistig und intellektuell betrachtet – identisch und austauschbar sind. Und die Soziologen überschlagen sich vor Freude, dass diese moderne Jugend so gute „social skills“ hat. Hat sie – und sonst nicht viel.

Ich habe psychologisch geschulte Erwachsene gehört, die stolz darauf waren, wie gut die heutige Jugend „einfach nur da sein“ und „ohne Ziele, den Moment genießen kann“. Die resignierende Hamsterrad-Generation übergibt das Steuer an eine a priori resignierte und gelähmte Generation von Ziellosen, Ausweglosen und Machtlosen und projiziert ihre Sehnsucht nach Jugend im Rentenalter auf eine hilflose Masse fremdgesteuerter Arbeitsloser, die sich hoch vernetzt miteinander über Nichtigkeiten austauschen und sich auf virtuelle soziale Kontakte beschränken.

Die Flucht vor den realen Herausforderungen einer hochkomplexen, hochtechnologischen Welt in falsch verstandenen Life-Style-Buddhismus, Abschalt-Yoga, Instant-Vedanta oder New-Age-„Hier-und-Jetzt“-Absencen hat sich nun in einer ganzen Generation der geistigen Lethargie niedergeschlagen, die keine Ziele, keinen Sinn und keine Herausforderungen hat und will. Sie will nur, dass die Welt „ganz anders“ wird. Und die einzige Lösung, die ihnen einfällt, ist: mehr Regulation, mehr Gesetze und Verbote, also mehr autoritäre Betreuung – etwas anderes kennen sie nicht. „Die da oben“ – sie wollen gar nicht wissen, wer oder was das genau ist – werden sowohl als Ursache aller Probleme wie gleichzeitig auch als die Adressaten aller ambivalenten Hilfe-und-Verfluchungs-Rufe betrachtet. „Die da oben“ sollen die Lösungen herbeizaubern – irgendwie, egal wie.

Diese aufgeregten Orientierungslosen verlangen nach der totalen Betreuung, also Sozialismus forte, aber das können sie nicht zuordnen. Geschichte ist ihnen egal, zu weit weg, zu „abstrakt“ und zu wenig selbstbestätigend. Wichtig ist nur, was „hier und jetzt“ ist. Ihnen fehlt Zukunft, weil sie keine Vergangenheit haben.

Das ist unmoralisch. Menschen daran zu hindern, einen Teil ihrer selbst zu entfalten und zu entwickeln, ist bereits unmoralisch. Wie viel abscheulicher und böser ist es, Menschen daran zu hindern, das aus sich heraus zu entwickeln, was sie überhaupt erst ins volle Menschsein hebt? Ich spreche vom Bezug zur realen Welt durch Begriffe, also von korrekter Begriffsbildung. Das ist, was uns heute so sehr fehlt, dass wir über die Realität und das, was uns real ausmacht, so gut wie nicht mehr sprechen können. Und das bedeutet, dass wir über die Realität nicht mehr nachdenken, dass wir sie nicht mehr denken können. Sie entgleitet uns, wir sind abgekoppelt und driften immer weiter in psychotische Fiktionswelten ab.

Viele von Euch haben das bloß passiv geschehen lassen und sich nur zuweilen am Kopf gekratzt und schulterzuckend weitergemacht in immer engeren Nischen des Überlebens. Aber ein beträchtlicher Anteil von Euch hat diesen Prozess sogar gefördert und vorangetrieben, indem er das geistige Verbrechen beging, Kompromisse zu schließen zwischen Erwünschtem und Unmoralischem.

Aber im Feld der Ethik und des Guten gibt es keine Kompromisse. Sobald etwas ein bisschen böse ist, befindet es sich bereits auf der schiefen Ebene und entartet ganz von selbst ins immer Bösere.

Das war Euer Hauptvergehen und der Verrat an Eurer Aufgabe und an denen, die Euch vertrauten: dass Ihr Kompromisse machtet mit den Ideologien der Korruption, der Kriminalität, der Gewalt und des Anti-Intellektualismus.

Warum? Weil es bequemer war, d.h. opportuner; weil Euch der Zweck des Moments und der nächsten Karriere-Etappen wichtiger war; weil Ihr Euch links und rechts an den anderen orientiert habt, statt an eigenen Werten und Prinzipien; weil ihr für eine kurzfristige materielle und soziale Ausstattung die Grundideen und ‑prämissen Eurer eigenen Profession im Stich gelassen habt. Ihr habt damit aber nicht nur Euer eigenes Fundament aufgegeben, sondern das der gesamten Kultur und Gesellschaft. Oder glaubte irgendjemand von Euch im Ernst, dass solche Figuren wie Politiker, Medienakteure oder Konzernvorstände retten würden, was Ihr aufgegeben habt? Diese Figuren haben doch von Euch gelernt. Sie waren nur noch besessener und skrupelloser als Ihr, deshalb kamen sie nach oben in jenem Machtsystem, das von Euch sanktioniert und begünstigt wurde.

All die Wertelosigkeit, Launenhaftigkeit, Opportunität, Selbstbereicherungs- und Club-Mentalität hatte das Personal dieses Systems von Euch und mit Euren intellektuellen Rechtfertigungen und ideologischen Blanko-Autorisierungen übernommen und dann nur konsequenter umgesetzt in rücksichtslose Gier, Kriminalität und Gewaltherrschaft. Der Weg des Wegduckens und Ausweichens vor Gewalt ist nur der Vorläufer des Weges der Gewalt.

Deshalb ist dieses System nur noch mit Gewalt und Waffen zu überwinden. Deshalb können nur noch jene Denker und Klugen etwas bewirken, die für und mit dem Militär arbeiten – jener Institution, die die Gemeinschaft vor Feinden und Aggressoren schützt. Denn unser größter Feind sitzt seit Jahrzehnten auf den höchsten Machtpositionen, auf Ministersesseln, an Bürgermeisterschreibtischen, auf Richterstühlen, in Professuren, in allen Medienaufsichtsräten und im Vorsitz großer Lobby- und Kartellverbindungen.

Da man mit Euch nicht mehr sprechen kann, da Ihr für die richtige Benutzung des Intellekts und für den gesunden Menschenverstand nicht mehr zu haben seid und glaubt, die Hoheitsrechte über alle Fragen der Kultur auf Lebenszeit gepachtet zu haben, müssen wir Euch nun militärisch entfernen. Manche von Euch haben bereits die Spritze gewählt, andere werden erst noch den Gang vor Tribunale machen müssen, aber die meisten von Euch werden schlichtweg entlassen werden – in den Ruhestand, in dem sie sich entweder auf kalten ideologischen Entzug begeben und intellektuell entgiften oder sich in ihre obsoleten Weltbilder verkapseln und ihre Verständnislosigkeit mit gedankenlähmenden Dogmen sedieren.

Wenn Ihr abgedankt habt und entfernt wurdet, wird die neue Generation wirkender Intellektueller und Denker vor allem lernen müssen, sich ihrer grundlegenden und leitenden moralischen Prinzipien bewusst zu sein, und sich eine Selbstkontrolle auferlegen müssen, die sicherstellt, dass diese Prinzipien nicht unterwandert oder annulliert werden können. Das heißt, dass es niemals primär um Inhalte gehen darf, sondern dass zuvorderst die Beweggründe und die Ziele und Zwecke transparent und moralisch sauber sein müssen. Nicht das Wie oder Was sind entscheidend, sondern das Warum und das Wozu. Wir müssen also wieder tiefer und mehrdimensionaler zu schauen und zu denken lernen und die trübe Oberflächlichkeit des programmierten Schmalspurdenkens ablegen.

Dies gilt es für allen akademischen Betrieb neu zu lernen und zu verinnerlichen. Dies muss Teil neuer, unumstößlicher Grundlagen sein.

Die Schuldfrage

Dieser Brief mag klingen wie eine Kette von Beschuldigungen und Schuldzuweisungen. Das ist er aber nicht. Ich bin weder Gesetzgeber noch Richter noch Henker, sondern nur einer von denen, die während des Prozesses im Gerichtsaal sitzen, später eine Zusammenfassung liefern und – wenn Ihr abgeführt werdet – aus der Menge winken werden.

Dennoch müssen wir uns der Schuldfrage widmen, damit wir nicht in eine der gewöhnlichsten sentimentalen, pseudo-intellektuellen Fallen des moralischen Diskurses tappen.

Wenn Ihr Euch schuldig fühlt, ist das ein Zeichen von einem Rest noch vorhandener Ethik und Moral in Euch. Die Schwelle zum Denken und Verstehen mag es noch nicht überschreiten, aber Euer Gefühl sagt einigen von Euch vielleicht, dass Ihr massiv entgleist seid, dass Eure Integrität als Mensch und als Verantwortungsträger verraten wurde. Schuld jedoch ist kein Gefühl, sondern ein kognitives Konzept, die mentale Summe aus angeborenem Gerechtigkeitsempfinden, Überzeugungen, gelernten Regeln und sozialen Handlungsschemata. Das Bewusstsein von Schuld bedeutet, dass etwas noch nicht im Gleichgewicht, noch nicht richtig erledigt und beendet ist.

Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Einsicht, was falsch und unsittlich war, damit wir daraus erkennen können, was richtig und moralisch integer ist. Es geht nicht darum, ob, wie und wodurch Ihr Euch schuldig gemacht habt, wer Euch dafür wie zu bestrafen hat oder um Wiedergutmachung. Sondern es geht darum, dass Ihr als Agenten und Kollaborateure eines großen Niedergangs erkannt werdet; dass der Fehler und das Vergehen identifiziert werden. Tatsächlich geht es in diesem Brief gar nicht so sehr um Eure Einsicht, sondern vielmehr um die Einsicht derer, die Euch und Eure Auswirkungen erleiden mussten und jetzt überwinden wollen.

Wir haben das alles ja gar nicht gewusst!“ werdet Ihr aber rufen, wenn man Euch Eure Strafregister zeigt – das moralische und das staatsrechtliche. Es wird noch beschämender werden, wenn Ihr dann zu jammern beginnt: „Wir haben doch nur getan, was man uns gesagt hat.

Eben! Genau das ist Euer Vergehen: die Unterwerfung des Verstandes unter materielle, politische Macht.

Es gab über 17 Monate Pandemie-Simulation mit allen Elementen der Amoralität und des Unrechts: Lügen und Betrug, Entmündigung, Entrechtung, Unterdrückung, Faschismus, Grundgesetzbrüche, Körperverletzung, Kindeswohlgefährdung, mediale Gleichschaltung, anti-rationale Propaganda…, damit Ihr es endlich erkennen und Euch entscheiden konntet. Aber was tatet Ihr? Ihr habt begeistert mitgemacht oder feige und orientierungslos geschwiegen wie eingeschüchterte Grundschulkinder. Ihr hattet doch sonst zu allem etwas zu sagen, aber plötzlich ward Ihr still und in Ehrfurcht erstarrt vor dem, was Euch schon immer hypnotisiert und betäubt hat: die Demonstration irrationaler Macht und skrupelloser Gewalt. Von Euch war nichts mehr zu hören und zu sehen außer Gehorsam, Unterwerfung und hohle Nachplapperei.

Ihr habt 17 Monate lang so getan, als wäre nichts oder als ginge es nur darum, einen etwas unbequemen Regenschauer abzuwarten. Eure Folgsamkeit und Blindheit, Euer Mangel an Integrität und Aufrichtigkeit – von den kriminellen Machenschaften in Euren Logen und sonstigen Banden einmal abgesehen – ist eine himmelschreiende Schande.

Der eigentliche Test mit der Möglichkeit einer Besinnung lief von März 2020 bis September 2021. Es war ein Intelligenztest, aber vor allem ein Integritätstest. Beide wurden von Woche zu Woche leichter, die Messlatte wurde immer weiter abgesenkt. Die meisten von Euch haben ihn jedoch bis heute nicht bestanden. Deshalb werdet ihr abgelöst. Irgendwann sind Unfähigkeit und Unwilligkeit nicht mehr tragbar.

Euch wurden sukzessive immer eindringlicher die Kriminalität, die Lügen, die Boshaftigkeit und die Menschenverachtung von Regierung, Medien und so gut wie allen Institutionen vorgeführt. Jedes Kind hat es verstanden. Und die einzige Regung, die von einigen von Euch nach über einem Jahr der Folter und des offensichtlichsten Faschismus aufkam, belief sich auf ein „Wir beginnen langsam, uns Sorgen zu machen“. Kurz vor dem Untergang der Menschheit seid Ihr also geneigt, einen Hauch von Bedenken in Erwägung zu ziehen.

Menschen mit Wahrnehmung und Verstand sind schon lange entsetzt und bis in ihr Mark erschüttert. Viele haben längst erkannt, wie tief und giftig die Natternhöhle ist, in die wir hinabgestoßen wurden. Sie haben schon vor Jahren angefangen, Fragen zu stellen und das öffentliche Dauer-Narrativ zu durchschauen.

Falls Ihr diese Grundreinigung überlebt, wisset, dass Ihr dies ausschließlich solchen Menschen zu verdanken habt, die sich früh genug unabhängig machten von Eurer Verblendung, Eurem Geschwätz und Eurer Scheinwelt.

Wir sind hier nicht vor Gericht. Wir müssen die Schuldfrage gar nicht stellen. Ihr werdet nicht abgesetzt und Eure „Systeme“ werden nicht entsorgt, weil Ihr „Schuld“ habt, sondern weil Ihr auf der ganzen Linie versagt habt. Ihr werdet nicht schuldig gesprochen, sondern – und das kennt Ihr ja gut: Ihr seid durchgefallen. Es ist Euer Durchfall nach Eurem Abfall.

Wir könnten nach Ursachen für Euer Scheitern fragen. Wir werden dafür weit zurück schauen müssen. Es gibt vielschichtige Ursachen dafür, angefangen mit der Defizienz und Rückständigkeit der Philosophie seit dem 18. Jahrhundert, seit dem sie immer irrationaler und realitätsabgekoppelter wurde, bis hin zu den Traumatisierungen der Weltkriege und den materialistischen Verführungen des Wirtschaftswachstums und der betreuten Demokratiesimulation.

Aber darum geht es hier gar nicht. Niemand von Euch, der sich nicht spätestens seit 2020 aktiv gegen das fütternde System wendete, kann entlastet werden von dem schweren Vorwurf der Veruntreuung. Seit jeher werden Veruntreuung und Missbrauch von Verantwortungspositionen sehr hart bestraft – zu Recht, denn sie zerstören das Fundament eine Gemeinschaft, das immer auf vertikalem Vertrauen und Verantwortung beruht.

Heute nehmen wir Abschied

Für diejenigen von Euch, die sich system- und ideologiekonform haben „impfen“ lassen, wird sich die Frage nach der Zukunft größtenteils erübrigen. Die Frage wird dann vermutlich eher sein: wie nehme ich Abschied? Die sogenannte „Impfung“ und ihre „Nebenwirkungen“ sind die letzte Konsequenz Eurer intellektuellen und akademisch gestützten Totalverirrung der Menschen ins Irrationale und Kranke: die uninformierte und blinde Selbstzerstörung.

Ihr glaubtet, dass Ihr durch „die Spritze“ immun würdet gegen Viren. In Eurer Religion glaubt Ihr, dass es Viren gäbe (obwohl dies nie bewiesen werden konnte), dass die Regierung zum Wohle des Volkes agiere, dass Machtpositionen ein Zeichen für Kompetenz seien und dass man Freiheit durch Zwang und Frieden durch Gewalt herstellen kann.

Was wirklich gerade passiert, ist, dass die (nicht-akademische) Gesellschaft immun wird gegen den Virus, den Ihr repräsentiert und verbreitet. Jenen Virus, der das eigenständige, rationale Denken lähmt und Menschen zu fremdgesteuerten Robotern macht. Wir werden jetzt immun dagegen. Wir werden jetzt immun gegen Euch.

Wir beenden Euer schmutziges und moralisch bodenloses Spiel. Nicht so lahm, zögerlich und halbherzig, wie Ihr das aus Euren Sitzungen, Gremien, Untersuchungsausschüssen und Kolloquien kennt, sondern mit militärischer Entschlossenheit. Ihr und das Volk haben dazu gar nichts zu melden. Einige von uns warten schon länger darauf und andere werden sich noch sehr erschrecken und es bis zum Ende nicht verstehen.

Und Euch jüngsten „Nachwuchs-Akademikern“, Euch kindischen, jammernden, pseudo-intellektuellen Wolkenkünstlern mit Eurem Geheul von „Klimaschutz“, „sozialer Gerechtigkeit“, und linguistischen „Geschlechtsfreiheiten“, denjenigen von Euch, die diese Reinigung überleben werden, sei gesagt: ihr werdet Euch ganz hinten anstellen und ganz unten anfangen müssen. Wir werden für Euch jene therapeutische Kleinkindbetreuung bereitstellen, die ihr braucht, um vielleicht eines Tages wieder zurück zur Realität zu finden.

Zu und über jene von euch, die die Überzahl des Personals aller „Regierungs“institutionen inkl. Polizei, Bildungseinrichtungen und Verwaltung stellen und bis zum Hals in Verbrechen gegen die Menschheit, vor allem gegen Kinder stecken, spreche ich gar nicht. Sie sind der Abschaum der Menschheit und alles Lebens auf diesem Planeten. Wir werden euch und eure degenerierten Auswürfe von unserer Erde hinwegfegen, so wie ihr uns und alles Leben hinwegfegen wolltet. Danach wird es so sein, als hätte es euch niemals gegeben. Alles Recht ist auf unserer Seite, aber nicht bloß Recht, sondern das Leben selbst. Ihr hingegen seid der Verwesung und werdet namenlos in kosmische Grundbausteine zurückgewandelt.

Ausblick

Dieser offene Brief soll ein bisschen Licht auf die riesigen Felder von Unverständnis und der kommenden Verwirrung bringen. Ich vermute, er wird vor allem von jenen gelesen, die das schon weitgehend verstehen. Selbst jene Hauptadressaten dieses Briefes, die ihn ganz lesen, werden vermutlich nur den Kopf schütteln, denn es passt in keine Ihrer Schubladen, was die Hauptthese dieses Briefes bestätigt: es gibt eine speziell akademisch programmierte Unfähigkeit, die Welt zu verstehen wie sie ist. Und sie ist die wirksamste von allen Programmierungen.

Alle anderen aber werden sich fragen, was denn nun zu tun ist, wenn all das Verlogene, Falsche und  Kranke weggefegt und fortgespült ist.

Ich denke, das Grundsätzliche ergibt sich aus der bis hierher ausgeführten Bestandsaufnahme und Diagnose: wir müssen ein komplett neues akademisches System begründen und aufbauen. Dazu gehört vor allem dann auch ein neues Bildungssystem.

Dieser Brief mag mit dem Abschied und der Benennung alles Falschen, Kranken und Gestörten auch all jenen die Augen öffnen und eine Richtung weisen, die sich am Aufbau einer neuen, richtigen und effektiven Einbindung von Denkern und Intellektuellen sowie ihrer Ausbildung für eine geistig gesunde Gesellschaft engagieren wollen.

Ich höre schon die Frage von den misstrauischen Aussteigern und Dauer-Rebellen: „Wieder ein ‚System‘?“, „Waren nicht gerade all die ‚Systeme‘ die Ursache aller Probleme?“

Nein, nicht Systeme und das Systematische waren die Ursache der Probleme, sondern das Mechanische dieser Systeme und ihre falschen, menschenverachtenden gedanklichen Grundlagen (Prämissen). Wir haben Organisationen mehr Macht zugestanden als Organismen. Wir haben Strukturen für wichtiger gehalten als die Dynamiken der Strukturierung. Das ist eine teuflische Umkehrung kosmischer Hierarchien. Nun dürfen wir nicht so naiv sein, und deshalb Organisationen, Organisation, Strukturen und Systeme abschaffen. Wer das fordert, hat die Lektion immer noch nicht verstanden und sucht sein Heil immer noch in einer intellektuellen Flucht ins Kindische und Nicht-Rationale. Genau das aber war die Ursache der ganzen Jahrhundert-Misere.

Eines der grundlegenden Elemente, die in der Grundphilosophie eines neuen akademischen und Bildungssystems enthalten sein müssen, ist die Verankerung im Lebendigen und die Ausrichtung auf lebendige, organisch-geistige Prozesse.

Damit ist aus meiner Sicht das Wesentliche schon benannt, nämlich die Begründung aller Formierungen, Institutionalisierungen, Strukturierungen und Steuerungen in dem Bewusstsein für lebensfördernde und geist-entfaltende Prozesse. Also Prozessbewusstsein und Fundierung auf sowohl natürliche als auch geistige Prinzipien.

Das bedeutet auch, dass nicht Systeme selbst mit ihren Statuten, Regeln und Axiomen als Grundlagen festgeschrieben werden – dieser Formalismus war ja nur das Endstadium der übertriebenen rationalen Dogmatik – sondern dass die Einsicht in bestehende Prinzipien des Geistes und indie menschliche Wesensnatur die unterliegende Matrix für alle neuen Systeme und damit auch ihre möglichen Veränderungen und Anpassungen darstellt.

Wir können nicht einfach anfangen, ein neues System zu errichten. Wir müssen uns zuerst grundlegender Gesetzmäßigkeiten und Werte bewusst werden. Sonst hat es keinen Sinn. Sinn bedeutet „Richtung auf der geistigen Ebene“. Die Richtung, auf die wir uns dafür nun ausrichten müssen ist eine neue, eine fundamental neue, weil sie eine Bewusstseinsdimension enthält, die bisher nicht kulturprägend war.

Und die neuen Denker, Intellektuellen und Führungskräfte der Zukunft müssen ihre innere Haltung und ihr Handeln auf diesem Fundament aufbauen und ihm treu bleiben. Nur so können sie das Menschliche beschützen und über allem anderen halten in der kommenden Epoche von Hochtechnologie, Hochenergie und Hochgeschwindigkeit.

Die neuen Intellektuellen werden nicht mehr Ursache und Wirkung verwechseln und vertauschen so wie Ihr: sie werden nicht mehr behaupten, Wirtschaftswachstum entstehe durch Konsum, Werte aus Taten, Unternehmen durch Arbeitnehmer und Leistung durch Geld; oder Bildung durch Schulen, Medizin durch Krankheiten oder Freiheit durch „Demokratie“; Bürokratie wachse durch wachsende Gesetze und Gesetze aus Komplexität; Unternehmer seien Produkte des Wohlstands, Glück käme durch Erfolg und Erfolg durch Anerkennung; Diktaturen (heute: Technokratien unter der Bezeichnung „Demokratie“) entständen durch Not oder Ungerechtigkeit und Krieg durch Waffen oder Gewalt; oder die Ursache von Hass, Spaltung und Gewalt seien die Benennung von Hass, Spaltung und Gewalt, Zivilisationen beeinflussten das Klima, Gedanken erzeugten Gefühle und Handlungen brächten Gedanken hervor… alles diabolische Verdrehungen, auf denen Ihr Euer Weltbild und Eure Katechismen aufgebaut habt.

Die neuen Intellektuellen aber werden ihre Philosophie, ihren moralischen Kodex und damit ihr Selbstbewusstsein nicht mehr nach Beliebtheit und sozialer Anerkennung ausrichten, sondern nach Logik, Schlüssigkeit und Rationalität, d.h. konsequent überprüfbarer Realitätsanbindung.

Sie werden Körper und Intellekt nicht mehr als getrennte, voneinander unabhängige Territorien betrachten, genauso wie sie auch nicht mehr Muskelkraft und Geist, Gefühl und Gedanke, Herz und Kopf voneinander trennen und für inkompatibel halten werden. Sie werden wissen und nicht mehr leugnen, dass der Intellekt aus dem Körperlichen erwächst und von ihm abhängt, so dass er bei genug Ausbildung und Stärke dessen intelligentere Steuerung übernehmen kann. Ebenso, dass Emotionen und Gefühle die Vermittler zwischen Körper(erfahrung) und rationalem Denken sind und helfen, beide zu synchronisieren, in Einklang zu bringen und aneinander zu verfeinern – individuell, sozial und mental.

Wir werden all dies jedem Kind beibringen und es dazu animieren, sein Leben lang Fragen zu stellen, bis es satt ist, d.h. bis es wirklich versteht. Wir werden darüber lachen, wenn einer wie Ihr wieder daherkommt und versucht, Beweise, Begründungen oder Logik durch Gefühle, „Herz“ oder seine ganz persönliche „Intuition“ zu ersetzen – denn diesen Irrsinn haben wir jetzt hinter uns.

Abgang

Das letzte Bild, das wir von Euch Akademikern der untergehenden Welt noch eine Zeit lang in Erinnerung haben werden, das Bild Eures Abgangs von der gesellschaftlichen und kulturellen Bühne ist, wie Ihr erhobenen Hauptes bei 32° Hitze mit einem Kaffefilter um den Mund gebunden durch unsere Straßen stolziert und andere bissig zurechtweist, weil sie frei und gesund ohne Beschränkung atmen wollen (weil sie selber denken und Verantwortung übernehmen). Was wir sehen, ist: Eure vollkommene Abkopplung von Euch selbst, von der simplen Realitätswahrnehmung, von Körpergespür, von Instinkt und gesundem Menschenverstand, denkunfähig durch einen Wasserkopf voller Informationsteilchen aber ohne Kohärenz und Verständnis – aufgeblasen von der Überzeugung der eigenen Wichtigkeit und Überlegenheit und dabei gehorsam wie eine verängstigtes Kind.

Ach, Ihr Akademiker, Intellektuelle und Kopfarbeiter,

nicht die Welt geht jetzt unter, sondern nur Ihr und Eure Welt des Kampfes gegen Verstand, Vernunft und objektive Realität. Eure Meinung und Eure geliebten Glaubenssätze sind nicht mehr gefragt. Die Realität und ihre Freunde, die Vernünftigen, ziehen an Euch vorbei. Egal wie sehr Ihr immer noch Euch, Eure Ansichten und Euren Einfluss überschätzt – wir kommen besser ohne Euch zurecht.

Dies ist nicht Finis Germania, es ist Finis Pseudo-Akademia, Finis Illusio.

Es ist nicht das Ende, sondern Euer Ende – und unser Anfang.

Ade.

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Fortführende Leseempfehlung für intellektuell Überlebende: Ayn Rand, „Für den neuen Intellektuellen“ (Orig.: For the New Intellectual, 1960) – im Grunde alle Bücher von Ayn Rand.


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Gedanken über Würde und existenzielle Notwendigkeit des eigenständigen Denkens


Version vom 17.9.21

Es zeichnet einen gesunden Menschen aus, dass er verstehen will.

Verstehen ist ein geistiges Grundbedürfnis des Menschen, d.h. es ist ein Aspekt seiner Wesensnatur. Ohne das Streben nach Verstehen fehlt ein elementarer Aspekt des menschlichen Lebens, nämlich das Geistige, das, was einen Menschen von einem „menschlichen Wesen“ und jeder anderen Vorstufe mit menschlichem Potenzial unterscheidet.

An diesem einfachen Maßstab gemessen sind die meisten Menschen um uns herum – und vermutlich auf der Erde insgesamt – aktuell krank, im Koma oder geistig tot. Die Zeichen der Zeit werden immer deutlicher, dass sich das Verhältnis Wache zu Schlafenden diesbezüglich bald sehr stark ändern wird. Die Denk- und Verstehens-Verweigerer oder ‑Unfähigen haben bereits begonnen, einem radikalen und neuartigen sozialen Selektionsprozess zum Opfer fallen, der sogar existenziell physisch nur zu überleben ist, wenn man sich engagiert zu verstehen, aufzustehenund für sich einzustehen.

Der Selektionsmechanismus für das Überleben der nächsten Jahre lautet: selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Diejenigen, die nach 17 Monaten Dauerdarstellung absurdester Angstfantasien, Diktatur-Mechanismen und Unmenschlichkeit immer noch dem vollkommen irrationalen und in sich widersprüchlichen Narrativ einer „Pandemie“ mit einem biologischen „Killer-Virus“ glauben, leben unter einer so umfassenden Fremdsteuerung, dass sie sich unter dem irrsinnigen Titel einer „Impfung“ ebenso ängstlich und gehorsam einen Stoff injizieren lassen, der nach allen aktuell zur Verfügung stehenden Informationen totsicher ist, nämlich sicher tödlich. (Die sehr wahrscheinlichen Einschränkungen, dass ca. 30% der verwendeten Injektionen Kochsalz-Placebos und damit wirkungslos sind, ändern nichts an dem Prinzip, um das hier geht.)

Nicht weil sie gegen ihren Willen gezwungen werden, sondern weil sie keinen eigenen Willen haben. Nicht bloß, weil jemand sie umbringen will, sondern weil sie nicht genug geistige Integrität besitzen, um sich gegen die Massenpsychose der lemmingartigen Selbstvernichtung zu schützen.

Ist das Selbstmord? Nein, es ist keine absichtsgeladene Handlung mit einer eigenen Richtung zum Tod. Es ist keine Handlung und hat auch keine eigenbestimmte Richtung, es ist bloß ein Verhalten, eine Reaktion auf Reize und Außensteuerung. Es ist die letzte und vernichtende Unterlassung in einer langen Kette von Unterlassungen und Vernachlässigungen über viele Generationen hinweg. Und dieses Fehlen, dieses Vakuum, dieser Mangel an Richtung, Denken und Selbstbestimmung, ist nicht nur die Ursache für den Mechanismus, sondern auch Ursache für jenes dunkle namenlose Grauen, das uns nur erfassen kann, wenn wir wissen, was Geist für den Menschen und seine Würde bedeutet und in welche Abgründe wir schauen müssen, wenn davon nichts weiter übrig bleibt als menschenähnliche Wesen ohne das Licht des Denkens.

Es geht in dem Selektionsprozess nicht um Entscheidungen, sondern um Entscheidungsfähigkeit. Es ist ein komplexer psycho-sozialer Mechanismus, der all jene aussortiert, denen die Kraft zur Reflexion, Abwägung, Wahlfreiheit und vor allem die mentale Konzeption von Werten fehlen. Wem diese rationalen Fähigkeiten fehlen oder bei wem sie keinen Einfluss auf das Verhalten haben, führt der emotional und sozial gesteuerte Prozess in eine Sackgasse, aus der es kein Zurück mehr gibt. Systemisch betrachtet ist es ein raffinierter Selbstreinigungsmechanismus, der jenseits von Moral- und Schuldfragen liegt, weil er allein auf der Basis der gegebenen Bewusstseinszustände funktioniert und ein grundethisches Ziel verfolgt, das es bloß zu verstehen, aber nicht nach persönlichem Wohlbefinden zu beurteilen gilt: die Wiederherstellung einer lebens- und entfaltungsfähigen menschlichen Kultur und damit das Überleben der Menschheit.

Eine ethisch noch grundlegendere Begründung ist nicht denkbar. Die Menschheit muss sich – ethisch gesehen – von selbstzerstörenden und parasitär entwicklungshemmenden Aspekten befreien, wenn sie ansonsten geistig ersticken, also sterben würde. Welches andere ethische Argument könnte man dagegen setzen? Was hat höheren Wert als der Fortbestand der Menschheit und des menschlichen Bewusstseins (Geistes)?

Dies ist keine „natürliche Selektion“, sondern eine menschengemachte. Nur durch den Menschen und sein Handeln kann der (menschliche) Geist wirken, daher haben wir es hier vor allem mit einer geistigen Selektion zu tun – einer Art Prüfung, bei der man nur dann in die nächste Klasse versetzt wird, wenn man die Bedingungen für sie erfüllt.

Die Prüfungslogik dieses Auswahlverfahrens ist denkbar simpel: Man empfiehlt allen, sich von der Klippe zu stürzen, weil es „sozial“ sei und von einflussreichen Autoritäten gefordert wird – man solle dies und denen einfach glauben. Die, die es nicht tun, haben bestanden. Die anderen… sind nach der Prüfung nicht mehr Teil der Geschichte. Und die „nächste Klasse“, die Zukunft nach dieser Reifeprüfung, ist dann der Anfang einer neuen Epoche und Keim einer neuen Menschheits-Zivilisation, deren Start-Niveau und Basis als Konsequenz dieser Prüfung der gesunde Menschenverstand und rationale Denkfähigkeiten sind. Prä-rationale und Irrationale werden „sitzen bleiben“.

Die sogenannte „Impfung“ ist in Wirklichkeit eine Biowaffe mit eingebautem Russisch-Roulette, die den Menschen an den Kopf gehalten wird mit nur einer Frage: „Ist Dir Dein Leben Dein höchster Wert?“ oder, etwas anders formuliert: „Das System oder Du?“.

Wenn die Antwort ein eindeutiges und überzeugtes „Ja, ich!“ ist, dann verschwindet die Waffe wieder. In allen anderen Fällen beginnt das Russische Roulette und wiederholt sich in immer neuen Runden bis der Betroffene tot umfällt oder sich für sein Leben einsetzt.

Es ist kein Wissens- oder Reaktions-Test, sondern ein Haltungs-Test, eine Prüfung unserer eigenen Lebensphilosophie. Wer keine hat, oder wer seinem Leben gedanklich keinen Wert zumisst, fällt durch und stirbt. Denn es ist Krieg und diesen Krieg kann man nur überleben, wenn man überleben will. Unser Körper will instinktiv überleben, aber was ist mit den Menschen, die das gar nicht mehr wahrnehmen? Will auch ihr Geist, will ihre Psyche leben? Haben sie ein Selbstbewusstsein für ihren Körper, für ihr Leben und seinen Wert? Die Antwort mag erschreckend sein, weil wir darauf nie vorbereitet wurden: ein großer Teil der unter uns Lebenden hat diesen Willen und diese Wertschätzung nicht. Ihr Geist, ihre Psyche liegt im Tiefschlaf, im Koma und ist kaum noch an das Hiesiege, Körperliche angebunden.

Mit welcher kohärenten Moralphilosophie wollen wir begründen, dass auch diejenigen gerettet werden müssen, die ihrem Leben keinen Wert beimessen, wenn wir nicht bloß aus Sentimentalität oder projizierten Ängsten heraus entscheiden wollen? Wie wollen wir begründen, dass all diese Körper gerettet werden müssten, wenn in ihnen keine Psyche, kein Geist aktiv ist? Ein Wert dieser noch so gerade eben Lebenden mag im Fiktiven und Potenziellen vorstellbar sein. Welchen Wert aber haben wir einem Leben beizumessen, dessen Eigentümer ihm keinen Wert gibt bzw. dessen Eigentümer abwesend ist und sich selbst in der größten Katastrophendrohung nicht einsetzt und für das Leben entscheidet?

Die praktische, rationale Frage darüber hinaus für uns Überlebende ist: was passiert mit unserer Zivilisation und der Menschheit, wenn sie sich zu über die Hälfte aus Menschen zusammensetzt, die der grundlegendsten Basis und Voraussetzung von allem – ihrem individuellen, einmaligen Leben – keinen nennenswerten Wert beimessen? Daraus lässt sich keine gesunde, vitale Zivilisation aufbauen – aus solchen Körpern ohne bestimmenden und steuernden Geist, ohne Lebenswillen und Wertschätzung. So eine wertelose und richtungslose Masse an Menschen ist geistig bankrott und am Ende.

Was wäre unsere Entscheidung, wenn wir über den Fortgang der Menschheit entscheiden müssten?

Die Entscheidung selbst wurde bereits getroffen. Wir müssen jetzt noch die philosophisch-ethische Dimension dieser ursprünglichen Frage verstehen, um dann vielleicht verstehen zu können, warum die getroffenen Entscheidungen richtig und gut sind.

Verstehen wollen

Dieser Blog und alle Artikel dieses Blogs richten sich ausschließlich an Menschen, die (mehr und besser) verstehen wollen. Mir ist bewusst, dass das anteilig nur wenige sind. Quantität spielt jedoch keine Rolle.

Eines der für gesunde Menschen am schwierigsten zu verstehenden Merkmale unserer aktuellen Zeit ist, dass die meisten ihrer Mitmenschen gar keine Bestrebungen zeigen zu verstehen, zu hinterfragen oder auch nur aufzumerken – nicht einmal im Angesicht der gröbsten Widersprüche und Ungereimtheiten, der offensichtlichsten Lügen und Verbrechen und der himmelschreiendsten Ungerechtigkeiten und Machtmissbräuche. Ganz im Gegenteil scheinen sie sogar ihre gesamte Lebenskraft dafür aufzuwenden, sich von jeder Art der Wirklichkeitserkennung und Reflexion abzuschotten und sich dagegen zu wehren als ginge es um ihr Leben. Sie verteidigen aber nicht ihr Leben, das sie im aktuellen kollektiven Wahn mit hysterischer Begeisterung für einen Zwei-Wochen-Urlaub oder ein Restaurantbesuch bereit sind wegzuwerfen. Sie verteidigen nur das, was sie fälschlicherweise für ihr Leben halten: ihre Weltbilder und Gewohnheiten. Etwas anderes kennen sie nicht.

Aus geistiger Sicht sind diese Menschen wie tot. Manche sagen, sie würden bloß „tief schlafen“, aber ihre Resistenz gegen selbst brutalste Aufweck-Impulse von außen lässt höchstens noch ein Koma vermuten. Das Potenzial, in eine rudimentäre Selbstbestimmung hinein „geweckt“ zu werden mag es bei einigen wenigen noch geben. Es spricht jedoch nach 17 Monaten intensiver Weltbild-Erschütterungen viel mehr dafür, dass es ein Aufwachen im Sinne des Reflektierens für die meisten nie geben wird. Vermutlich haben sich die meisten durch ihre Fraglosigkeit und durch ihre komplette geistige Selbstaufgabe und Fremdsteuerung dazu führen lassen, sich in ihrem Gehorsamkeitstaumel ein tödliches Gift injizieren zu lassen, von dem sie keine uns bekannte Medizin mehr wird befreien können (das Gerücht, dass die neue Frequenz-Medizin zur Wiederherstellung der gesunden genetischen Grundinformation, ist dabei bereits berücksichtigt). Es stellt sich hier aber nicht nur die technische Frage nach dem Können, sondern primär die moralische Frage nach dem Wollen und Sollen. Vernunftbasierte Medizin und Therapie beschäftigen sich stets mit dem Lebenden, das leben will, und mit den Lebenden, die leben wollen, nicht mit den Toten oder jenen, die sich dem Tödlichen gleichgültig aussetzen.

Die geistig und intellektuell Totgeweihten mögen noch eine Zielgruppe sein für emotionale Hospizarbeit und betreutes Siechen. Die Gesunden und Lebenden werden allerdings lernen müssen, sich vor allem den Werten des Lebens und damit den Lebenden zuzuwenden und sie von den Toten und Lebensmüden zu unterscheiden, auch wenn dies eine Menge Abschied bedeutet – vor allem anderen Abschied von enttäuschten Weltbildern und anderen Illusionen.

Sub-mentales Bewusstsein

Viele Kulturen und Subkulturen auch im 21. Jahrhundert beruhen noch auf nicht-mentalen, sozial-affektiven Strukturen und Machtmechanismen. In der europäischen Kultur des 16. bis 19. Jahrhunderts war das anders, sie beruhte hochgradig auf der Motivation zu denken und zu verstehen.

In unserer heutigen Kultur wirkt jedoch ein Denk- und Verstehens-Tabu. Dieses war nicht schwer zu etablieren. Man musste nur über zwei bis drei Generationen hinweg dafür sorgen, dass bereits Kinder ihren Impuls zum eigenständigen Denken und Verstehen mit Abweisung, Missachtung und Ausschluss, also mit Schmerz verbinden. Wenn man es schafft, damit schon bei Grundschulkindern zu beginnen, dann kann man ziemlich sicher sein, dass die allermeisten sich für den Rest ihres Lebens nicht nur nicht mehr ans Denken heranwagen, sondern sogar aktiv mithelfen, es zu bekämpfen, wo immer es auftaucht. Einige Reaktionen auf meine Blogartikel liefern ausreichend Beweismaterial für diese Symptome. Für die Betroffenen ist die ehemalige Unterdrückung ihres Drangs nach Verstehen und damit eines der wichtigsten Aspekte unserer menschlichen Natur so schmerzhaft, dass sie seit ihrer Kindheit alles zu tun bereit sind, um diese Verwundung und Entwürdigung nie wieder zu spüren. So kreiert man über wenige Generationen eine Armee – ein Volk – radikaler Anti-Rationaler und intellektueller Blockwarte.

Ihr Weltverständnis beruht dann nur noch auf Emotionen. Richtig für sie ist alles, was sich gut anfühlt. Gut anfühlen kann sich aus der Sicht eines Kindes nur, was von Autoritäten erlaubt ist. Deshalb fragen die meisten nur noch danach, welche Anschauungen erlaubt, sanktioniert und medial kolportiert werden. Konzeptionen von Richtigkeit und Wirklichkeit sind im Rahmen dieser geistigen Traumatisierung nicht mehr erreichbar, weil sie in den mentalen Tabu-Bereich fallen.

Falsch ist, was unangenehme Gefühle auslöst. Es wird deshalb mit starker Eigenmotivation (und meist sprachloser Verzweiflung) bekämpft – nicht intellektuell, sondern mit institutioneller und physischer Gewalt – eben genauso wie wir es als Kinder von unseren Lehrern gelernt haben: Recht hat der Stärkere, Mächtigere bzw. der, der anderen Schmerzen zufügen kann. So vernichtet man jegliche Denkfähigkeit in einer Kultur und wirft eine Gesellschaft zurück auf das Niveau archaischer Stammeskulturen.

Das ist und so funktioniert Faschismus. Und wir leben mitten darin – nur dass er mittlerweile auf geistiger Ebene so erfolgreich war, dass die meisten das nicht einmal mehr erkennen, geschweige denn danach fragen können. Die selbsternannten „Anti-Faschisten“ sind der Extrembeleg, um nicht zu sagen die Karikatur dieses Zustandes. Sie kämpfen mit Gewalt gegen jede Form der eigenständigen Meinungsbildung und gegen jeden Diskurs, um ihre eigene Ohnmacht und Überforderung zu überdecken. Falls wir ein lebendes Beispiel für geistiges Zombietum bräuchten, könnten die sogenannten „Anti-Faschisten“ als Lehrbuch-Version dienen. Sie benutzen eine lose zusammengewürfelte Pseudo-Intellektualität, die Schlagworte und Parolen statt Begriffe und Sätze verwendet, um jede echte Intellektualität und intellektuelle Begegnung zu verhindern. Dies ist übrigens das Grundprinzip aller sogenannten „linken“ Ideologien und Gesinnungen, welche letztlich immer auf anti-intellektuelle Emotionalisierung und emotionale Manipulation hinauslaufen und deshalb zunächst logisch-analytisch und dann real-praktisch stets in den Sackgassen der Widersprüchlichkeit und Irrationalität landen – wo nur noch blinde Gewalt als „Ausweg“ gezündet werden kann.

Unser Problem ist jedoch nicht, dass es diese nieder-inferenten Bewusstseinsstufen gibt und auch nicht, dass sie von der Masse und Mehrheit verkörpert werden. Unser Problem ist, dass die Rationalen jede Macht an diese niederen Bewusstseinsstufen abgegeben haben.

Auf Menschen auf der emotionalen Bewusstseinsstufe ist kein Verlass. Sie sind unberechenbar. Man kann mit ihnen keine funktionierende Welt der Hochtechnologie organisieren, geschweige denn aufbauen. Vielleicht könnte man mit ihnen kleine isolierte Stammeskulturen aufbauen, die irgendwo in den Wäldern leben und von den Kräften der Natur gelenkt und vor allem begrenzt werden. Aber in unserer heutigen komplexen, hochtechnologischen Welt ist diese Stufe aufgrund ihrer völligen Überforderung gefährlich, denn sie ist nicht verantwortungsfähig und von der geschaffenen Realität vollkommen überfordert.

Selbst die einfachsten Geschäftsbeziehungen beruhen auf einem Mindestmaß an Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Diese sind auf der emotionalen Stufe nur ansatzweise simulierbar durch massiven äußeren Druck, durch Zwang, unnachgiebiges Verhaltens-Training – also Routinisierung und Mechanisierung – und durch Androhungen und Anwendung von harten, emotional wirksamen Strafen. Dass man auf diese Weise eine Zeit lang die Fassade einer rationalen Zivilisation aufrecht erhalten kann, können wir an der Geschichte Europas der letzten 80 Jahre ablesen.

Das Ergebnis liegt nun aber auch vor: totale intellektuelle Hilflosigkeit und totale Systemabhängigkeit von über 80% der Menschen. In der gegenwärtigen jungen „Erwachsenen“-Generation sind es annähernd 100%. Die Vermeidung von geistigem Wachstum und persönlicher Verantwortung führte innerhalb von drei Generationen zu einem Kontinent der Zombies, denen die Grundzüge des Menschlichen so sehr entgleiten, dass sie auf sich gestellt in der Realität nicht mehr überlebensfähig sind (siehe den beschriebenen Prüfungs-Mechanismus).  

Emotionale Traumareaktionen

Ich habe schon mehrfach erlebt, dass Menschen, die mich gut kannten und mit denen eine nahe, freundschaftliche Beziehung bestand, plötzlich auf einen einzigen Gedanken oder eine These von mir damit reagierten, dass sie kreidebleich wurden, nicht mehr fließend sprechen konnten und den Kontakt von jetzt auf gleich mit der Begründung abbrachen, ich sei – z.B. – „ein Nazi“ (oder so etwas Ähnliches). Mir wurde an diesen Beispielen unmittelbar deutlich, wie sehr manche Menschen ihr Weltbild, ihr Selbstbild und ihr soziales Verhalten auf der Basis von unverarbeiteten Traumareaktionen aufbauen. Diese Traumareaktionen sind ihnen nicht bewusst und können deshalb von ihnen nicht reflektiert werden. Es kann ihnen deshalb leicht passieren, dass sie durch ein einziges Wort hinabgestürzt werden auf eine frühkindliche und dissoziierte Bewusstseinsstufe, auf der es nur noch darum geht, das eigene Überleben zu retten und rationales, logisch-begriffliches Denken abgeschaltet sind als wären sie tatsächlich physisch bedroht.

Wenn wir diese Prägung einmal auf ein ganzes Volk (das ist übrigens auch eines der Trauma-reaktivierenden Tabu-Worte in Deutschland) extrapolieren, dann erkennen wir den Grund dafür, warum unsere gegenwärtige Kultur und öffentliche Stimmung dermaßen einheitlich auf die Zerstörung von Geist und Kultur ausgerichtet ist. Wir haben es mit einer transgenerationalen Trance der Bewusstseinsvermeidung zu tun. Und diese gibt es nur als Traumareaktion. Aus solchen posttraumatischen Sackgassen kann man sich nicht selbst befreien. Man muss herausgeholt werden. Leider gehört es zu den typischen Traumareaktionen dazu, sich gegen Hilfe und allein schon gegen den Gedanken an Hilfe mit aller Kraft zu wehren, nämlich immer dann, wenn Hilfe mit Grenzüberschreitung, Missbrauch und Kontrollverlust – also dem gewohnten Machtmissbrauch – assoziiert ist. Es ist ein äußerst heikler und fragiler Prozess und häufig selbst für Profis schwer zu handhaben.

Die Unfähigkeit stolz zu sein

Eines der deutlichsten Symptome der Krankheit des modernen Menschen und der nun endenden Menschheitsepoche ist die Unfähigkeit stolz zu sein.

Daraus ergibt sich zumindest in der westlichen Welt jene leicht zu verifizierende Diagnose von flächendeckenden Minderwertigkeitskomplexen und des damit verbundenen allgemeinen psycho-somatischen Kräfteverfalls in Bezug auf fast alle Aspekte des Menschseins.

Der medial und politisch aufoktroyierte, nicht bloß rhetorische Kampf gegen jede Art von Stolz ist ein deutlicher Aspekt dieser Unfähigkeit und wird von ihr von Generation zu Generation erneuert und verstärkt. Je mehr ein Teil unserer Natur blockiert oder traumatisiert ist, desto größer ist der Aufwand, den wir betreiben, um den Schmerz darüber nicht zu spüren. Zorn, Geschrei und Boshaftigkeit sind stets die Insignien von Nicht-Stolzen. Wer stolz ist, kann sich erlauben, still aufzutreten und die anderen gelten zu lassen wie sie sind – solange sie keine Grundwerte angreifen.

Die neurotisch schwer lädierten Menschenwesen bemerken diese Unfähigkeit und all die daraus resultierenden Mängel und Defizite gar nicht. Ihr Bewusstsein ist vollkommen eingenommen von dem Kampf um ihr rudimentäres, schwaches Identitätsgefühl, das fataler Weise von genau dem System abhängig ist, dessen Hauptmechanismus darin besteht, Identität zu zerstören. Damit ist die Grunddynamik des Untergangs und der Selbstzerstörung einer schwer defizienten Kultur bereits beschrieben.

Das Empfinden von Stolz ist eng verknüpft mit Würde. Würde ist das subjektive Erleben und die Verkörperung von Integrität. Integrität, Intaktheit und Selbstkongruenz sind die funktionalen Aspekte von dem, was wir Würde nennen.

Stolz ist jener psychosomatische Grundzustand, der uns und anderen vermittelt, dass wir im Einklang sind mit unseren Werten und Idealen – mit denen der Gruppe oder Gesellschaft auf der sozialen Ebene und mit unseren eigenen auf der mentalen und geistigen Ebene. Menschen, die sich abfällig oder zerstörerisch gegen Stolz äußern, äußern sich unwissend und blind gegen die Übereinstimmung mit und die Bedeutung von Werten und Idealen. Was auch immer sie dazu bewegt – das ist krank und gegen das Menschsein.

Dieser Blog

Von manchen Lesern höre oder lese ich, meine Texte seien „provokant“. Mal abgesehen davon, dass die Tatsache, dass man sich provoziert fühlt, dieses Gefühl nichts über den tatsächlichen Charakter eines Textes aussagt, sondern nur über die eigene Reaktion auf etwas, lohnt sich dennoch die Frage: was wird denn durch meine Texte provoziert? Was wird denn hervorgerufen oder hervorgelockt (s. „pro-vocare“, lat. = hervorrufen)? Was wird denn übertragen oder evoziert?

Die Antwort ist: eigenständiges Denken. Und Denken überdie bisherigen Denkhorizonte und Denkschablonen hinaus. Die Intention hinter diesen Texten ist es, Nachdenken und Reflektieren in Schriftform zu fixieren. Das ist eine heikle Angelegenheit in einer Zeit, in der zwar das Denken mehr gebraucht wird denn je, aber den meisten Menschen sehr schwer fällt und Abwehrreaktionen auslöst, weil es sie (erstmal) überfordert – was natürlich gerade diejenigen niemals zuzugeben bereit sind, die ihre geliebten Meinungen und emotional geladenen Selbstbilder ohne Reflexion aufrecht erhalten und vor jedem Zweifel schützen wollen.

Wirkliches Denken ist heutzutage eines der verpöntesten und tabuisiertesten Vorgänge überhaupt. Noch verpönter ist jedoch, öffentlich zu denken. Das wird strengstens geächtet – und zwar nicht nur von Institutionen, sondern vor allem von der Masse an Kleingeistern, denen es auf die Hühneraugen ihrer selbstgefälligen Persönlichkeits-Einbildung tritt. Da sie kein einziges fundiertes Gegenargument haben und bei jedem Versuch, z.B. meine Texte zu interpretieren und in ihre wenigen gewohnten Schubladen zu stecken, weit sichtbar beweisen, dass sie die Texte schlichtweg nicht verstehen, können sie nur noch auf die üblichen Strategien der Marginalisierung zurück greifen: beschimpfen, verdrehen, stigmatisieren, ächten, diskreditieren oder bedrohen. Natürlich ohne jemals argumentativ, rational oder logisch vorzugehen (was implizit eine Auszeichnung ist: offensichtlich gibt es auf der rationalen Ebene erstmal gar keine stichhaltigen Einwände).

Für diese Menschen sind diese Texte gar nicht gedacht. Aber wenn sie sie trotzdem lesen, fühlen sie sich dabei zuweilen gereizt. So gereizt, dass sie aus ihrer Unruhe heraus etwas gegen diese Texte, gegen diese Blogseite und gegen den Autor unternehmen müssen. Sie müssen dieses störende Phänomen so wie alles, das nicht zu ihren Anschauungen passt, irgendwie „wegschaffen“. Wenn sie es schon nicht aus der Welt bekommen, so müssen sie es wenigstens aus ihrem Blickfeld entfernen.

Klingt das sehr infantil? Das ist es.

Eigenständiges Denken lernen

Das, was die meisten Menschen „Denken“ nennen ist nicht viel mehr als eine verbale Schutzfolie um ihre innere Desorientierung und verletzte Integrität herum, mit welcher sie alles, was sie an das Schmerzhafte ihrer inneren Zerrissenheit erinnern könnte, aus ihrem Bewusstsein fern halten, und sich gleichzeitig eine Oberfläche anlegen, mit welcher sie sich an ihre anti-intellektuelle Umgebung anpassen können ohne aufzufallen. Sie benutzen den Teil ihres Gehirns, der zum Denken fähig wäre nur für soziale Mimikry und kollektive Verschmelzung, und zwar in der Funktionsweise eines Anrufbeantworters: es werden einmalig von außen vorgegebene Wortketten eingesprochen, die dann als fixe Reaktion bei Bedarf innerlich oder nach außen hin wieder abgespult werden.

Dafür wurden ihre potentiellen Denkfunktionen meist schon in der Grundschule und damit für den Rest ihres Lebens wie eine Festplatte auf ein simples Archiv-System herab formatiert, für das nur institutionelle und medial sanktionierte Autoritäten Schreib- und Zugriffsrechte haben (erst Eltern, dann Lehrer, dann Behörden und systemkonforme Medien). Diese können in den Gehirnen der Menschen schreiben, ändern und löschen, was und wie sie wollen.

Das ist nicht nur bedauerlich, sondern gefährlich. Wenn eine große und immer größere Anzahl von Menschen erfolgreich auf das Äquivalent von Computern und Robotern herab formatiert wurde, dann sind diese Menschen nicht nur unterhalb und außerhalb menschlichen Bewusstseins, sondern sie bekämpfen es, weil es sie überfordert und ängstigt. Jeder Mensch, der deshalb erwartet, dass jeder ihm nicht nur ohne Rationalität begegnen, sondern ihm gegenüber sogar die Illusion aufrecht erhalten müsse, es gäbe Rationalität gar nicht oder sie sei schlecht und böse, stellt in genau dem Maße eine Bedrohung für die Menschheit dar, in dem er soziale oder institutionelle Macht über andere ausübt. Wenn Menschen in beliebigen Machtpositionen nicht eigenständig denken können, dann ist das mehr als ein Verlust, es ist eine Gefährdung menschlicher Kultur und letztlich der Menschheit selbst, wenn man bedenkt, wohin die Reise mit solchen Zombie-Köpfen führt.

Ergo befinden sich die rationalen Menschen im Krieg mit den Kräften und den Vertretern des prärationalen und irrationalen Bewusstseins. Das ist eine Erkenntnis, mit der sich die meisten rationalen Menschen sehr schwer tun, denn sie wollen keinen Krieg. Sie wollen verstehen, sie wollen Kreativität, Produktivität, Entwicklung und immer neue Innovation – aber keinen Krieg. Sie müssen jedoch im Angesicht der tatsächlichen Bedrohung, die seit Frühjahr 2020 für denkfähige Menschen überhaupt nicht mehr zu übersehen ist, erkennen, dass sie ihre Werte schützen und verteidigen müssen – und zwar gegen alle Menschen in Machtpositionen mit infra- und anti-rationalem Bewusstsein.

Sie müssen sich der moralischen Frage stellen: Wenn es hart auf hart kommt, wer soll dann überleben und bestimmen: diese oder die Rationalen? Wenn wir dieser Frage und ihrer lebenswichtigen Bedeutung nicht ausweichen, ist die Antwort rational eindeutig: der, der die höheren Werte des Menschseins vertritt. Jeder, der menschliche Werte angreift oder überhaupt zu Gewalt und Unterdrückung in irgendeiner Form greift, hat sein Recht auf Schutz vor Gewalt verwirkt und muss mit allen notwendigen Mitteln gestoppt werden – gegebenenfalls mit Gewalt. Wer vorsätzlich tötet, der hat sein Recht auf Lebensschutz verwirkt.

Wir befinden uns hier natürlich im Außenbezirk der vom bisherigen System sanktionierten Denkterritorien, aber wir können uns das Phlegma der Unterlassung und der ängstlichen Vermeidung aus konditionierten Gefühlsreflexen heraus nicht mehr leisten, wenn die Konsequenz unser Untergang ist – alles andere wäre irrational. Diese radikale – wurzelbezogene – Hinwendung zu elementarsten und existenziellen Fragen, Antworten wirkt nicht ohne Grund wie eine militärische Denkaufgabe über die Kernfragen in extremen Ausnahmesituationen. Wir befinden uns schon seit Jahrzehnten mitten darin.

Wir müssen uns eine aufrichtige rationale Bresche durch alles diffuse, unreflektierte emotional-moralische Dickicht schlagen, wenn wir verstehen wollen, was gerade in der Welt passiert und welchem existenziell-moralischen Zweck es dient.

Der verzweifelte Kampf der mentalen Messies

In der deutschen Kultur der letzten 75 Jahre zählt zu der programmatischen Entgeisterung der Menschen auch die autistoide Tendenz, sich nur noch um Objekte und Maschinen zu kümmern und alles wirklich Soziale und Menschliche zu vernachlässigen. Repräsentativ für diese soziale Dissoziation sind jene Menschen, die ihr größtes Engagement auf die wöchentliche Pflege von Auto, Vorgarten und Wohnzimmer richten. Sie schaffen überall Ordnung – nur nicht in sich selbst. Sie wollen hervorragend sein – in Mittelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit. Während die Bürgersteige und Hofeinfahrten so sauber sind, dass man auf ihnen picknicken könnte, ist das Innenleben und vor allem das geistige Leben dieser Menschen ein wirres Durcheinander und vergammelndes Gerümpel.

Dieser inner-psychische Messie-Zustand ist zunehmend schwerer zu maskieren, weil ein zivilisiertes Leben schwerlich ohne eine geklärte und geordnete psychische Verfasstheit aufrecht zu erhalten ist. Die Menschen halten es in ihren zwanghaft gepflegten Kontroll- und Reinigungsstrukturen immer schwerer aus, können aber nicht benennen, was ihnen fehlt. Sie versuchen es mit noch strengeren Regeln und noch selbstaufopfernderem Gehorsam, aber dadurch zerstören sie selbst noch den letzten Rest von sozialer Gesundheit und Integrität. Was sie nicht sehen und benennen können, ist Vernunft. Zur Vernunft kommen könnten sie erst, wenn sie zur Vernunft gebracht werden. Und das geht für den ängstlich Zusammengezogenen nur über die Amplifikation seiner Routinen und Einstellungen bis ins Unerträgliche, von dem aus er dann vielleicht eines Tages bereit ist, Auswege und überhaupt neue Wege anzuerkennen. Alles andere ist nur Maskerade und fortgesetzte Selbsttäuschung.

Eigenständiges Denken und Wissbegier gehen Hand in Hand. Entsprechend fehlt den modernen Normalangepassten beides gleichermaßen. All ihr „Wissen“ ist aus der Konserve, die ihnen mit täglicher Wiederholung von den Apparaten der Bevölkerungsbetreuung zugefüttert wird. Was ihnen bei ihrer lebenslangen geistigen Dosennahrung vollkommen fehlt, ist vor allem die Idee, dass es andere Ansichten, andere Informationen und andere Erklärungen geben könnte. Dieser Mangel Erkenntnisfähigkeit bildet die engen Wände der Gefängniszelle, in denen die meisten vegetieren und um möglichst verlässliche Schmerz- und Gefühlsfreiheit kämpfen.

Wenn solche Insassen der Betäubungs- und Bequemlichkeits-Systeme auf diesen Blog und seine Texte stoßen, dann greifen ihre Selbstschutzmechanismen sofort und bäumen sich auf gegen den vage erkennbaren Angriff auf ihre Sedierung, nämlich die Andeutungen von intellektueller Freiheit und überhaupt von geistigen Dimensionen, die über ihre staatlich kastrierten Mini-Freiheiten mit Bequemlichkeits-Bonus weit hinaus gehen. In ihrer selbstverliebten emotionalen Sichtweise ist dieser Blog nicht bloß provokativ, sondern gerade deshalb „irgendwie“ falsch, böse und anti-irgendwas.

Je nach ihrem gelerntem Ablehnungs-Vokabular ist er „faschistisch“, „nationalsozialistisch“, „rechtsradikal“, „lieblos“, „respektlos“, „arrogant“, „unmenschlich“, „unsozial“, „aggressiv“ , „frauenfeindlich“ oder „reaktionär“ – Worte, die für sie im Grunde alle das Gleiche bezeichnen, nämlich jene verschwommene emotional-soziale Störung und Gefahr, die sie in sich aufkommen fühlen. Ihre entsprechenden emotionalen Allergie-Reaktionen, die im Grunde Immunreaktionen ihres Selbstbildes sind, sind Bestätigungen für die Wirkungsfähigkeit solcher Texte.

In hochpotenter und nicht-nivellierter Dosierung und Verdünnung sind intellektuelle und trans-rationale Inhalte immer nur für die Wenigen sinnvoll, die ihnen bereits mit einem gehörigem Maß an mentaler Reife, Selbstreflexion und eigenständigem Denken begegnen können. Wer im Kontakt mit diesen Texten nicht assoziativ abdriftet und nicht in Angst oder Verzweiflungsanfälle kippt, der kann an und mit ihnen wachsen. Was sie provozieren ist freie Denkentfaltung. Wen das stört, der bekommt natürlicherweise erstmal Stromschläge von seinen eigenen schützenden Abwehrmechanismen, die versuchen, die irrationale Oberhand zu behalten und das Phänomen neuer Horizonte sowie die eigenen affektiven Erstreaktionen so schnell wie möglich wieder auszublenden. Das ist ohne Realitätsverleugnung schwierig und braucht deshalb zuweilen eine erhöhte Lautstärke der affektiven Selbstbestätigung oder ein vehementeres Klammern an systemgegebene Stütz-Lügen, Täuschungen und Ablenkungen, die von Realitäten abschirmen und Vertrautheit und Sicherheitsgefühle wiederherstellen.

Mir war von Anfang dieses Blogs an bewusst, dass meine Artikel manchen Menschen deshalb ein Dorn im Auge – oder besser: in ihrem Persönlichkeitsballon – sein würden. Das liegt schlichtweg daran, dass ich mich an keine der gängigen kollektiven Denk-Vorgaben und -Tabus halte, sondern den Regeln des eigenständigen Denkens treu bleibe und die Grundlinie gesunder Rationalität nicht unterschreite.

Wer sich davon bedroht, angegriffen oder „verletzt“ fühlt, möge es gelassen nehmen und sich anderem zuwenden: diese Texte wurden für andere geschrieben und bedürfen keiner weiteren Beachtung.

Es geht in diesem Blog nicht um Wissensvermittlung, sondern um die Darstellung gewisser Denk- und Klärungsprozesse. Wissen wird vorausgesetzt. Das Wissen jedoch, das hier weitgehend vorausgesetzt ist, damit nicht allzu viele intellektuelle Schlaglöcher die freudige Fahrt zu neuen geistigen Horizonten verhindern, entspricht ganz und gar nicht der Standard-Programmierung der politisch korrekt-geschalteten „Allgemeinbildung“. Ganz im Gegenteil, es widerspricht ihm massiv. Aus der Sicht des überzeugten Mitläufers und systemischen Emporkömmlings ist all das Ketzerei und Blasphemie. Mögen seine Empörung und seine intellektuellen Hygiene-Automatismen ihn vor weiteren Erkenntnissen und den schmerzlichen Anfängen eigenen Denkens beschützen und behüten. 

Wer mit den Artikeln dieses Blogs Schwierigkeiten hat, der hat vor allem emotionale Schwierigkeiten. Das ist keine Pauschalbeurteilung, sondern das Fazit aus über hundert schriftlichen oder mündlichen Rückmeldungen, die ich bisher schon erhalten habe. Alle Rückmeldungen mit negativer Tendenz (die etwa ein Sechstel aller Rückmeldungen bilden) sind sowohl in ihrem Sprachstil als auch inhaltlich meist emotional sehr aufgeladen, unsachlich, abwertend (meist vor allem gegen den Autor als Person gerichtet – zu diesem Merkmal emotionalen Bewusstseins kommen wir noch), sie setzen sich so gut wie nie mit Textaussagen auseinander, sondern höchstens mit einzelnen Worten oder aus dem Kontext gerissenen Satzfragmenten, und sie formulieren keine Argumente, sondern Glaubenssätze, Beschuldigungen oder Flüche, oft in zynischer oder sarkastischer Ausdrucksweise. Was man in ihnen gar nicht findet: Neugier, ernstgemeinte, nicht-rhetorische Fragen, den Wunsch nach Austausch, die Bereitschaft zu einem Gespräch oder überhaupt auch nur Signale von Dialogfähigkeit.

Das Hauptmerkmal der Reaktionen derer, die sich gestört fühlen und empört sind, ist, dass in ihnen weder eine Tendenz zum Verstehen noch auch nur ein implizit erkennbares Konzept von Verstehen überhaupt vorkommt. Es ist zu vermuten, dass diese Leser gar keinen Bezug zum intellektuellen Verstehen haben geschweige denn dazu, dass das eigene Verständnis sich ändern und wachsen könnte. Ihre Denkfunktionen sind von allen Seiten zusammengedrückt von den Schubladen „richtig“, „falsch“ und „mir egal“. Ob etwas richtig oder falsch ist, hängt dabei allein von ihren Emotionen ab: alles, was ihnen gefällt, weil sie es kennen oder weil es gewohnt klingt, ist „richtig“, alles andere „falsch“ – es sei denn es löst gar keine Emotionen aus, dann ist es „mir egal“.

Ihr schwerwiegendstes Gegenargument ist: „Das gefällt mir nicht“ bzw. „Das fühlt sich für mich gar nicht gut an“. Dagegen lässt sich schwerlich noch etwas sagen. Aber auch sonst hat ihr Kommunikationsstil überwiegend Einbahnstraßen-Charakter. Sie bestätigen oder weisen ab, loben oder verurteilen, behaupten oder stellen richtig, unterstreichen oder streichen durch. Ihre Äußerungen haben auch in einem (scheinbaren) Dialog stets die Qualität von Endgültigkeit, Frag- und Zweifellosigkeit und einem Schlussstrich unter alles, nach dem bitte gefälligst nichts mehr zu kommen hat. Sie ziehen ständig Schlussstriche: unter alles Gesagte, unter jeden Ausdruck, besonders gern aber unter den Kontakt überhaupt, denn ihre Grundbotschaft bleibt am Ende die: „Ich will damit nichts mehr zu tun haben! Weg damit!“. Ihre Glaubenssätze und Überzeugungen haben stets etwas von Zementpfeilern, die nicht verrückbar sind, weil sie offensichtlich ihr ganzes Weltbild tragen müssen.

Ihr Weltbild, zu dem auch ihr Selbstbild gehört, ist vor langer Zeit – meist zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr – fest einzementiert worden durch emotional einschlägige und überwiegend unverdaute, unreflektierte Erfahrungen. Ihre Überzeugungen erhalten ihre innere Stabilität nicht durch eine intellektuelle Überprüfung, sondern durch ihre Effektivität, Schmerz zu vermeiden. Deshalb sind sie nicht nur existenziell, sondern auch hochgradig persönlich und nicht berührbar. Sie können auch je nach Situation und Gefühlslage andere sein, denn ihr Maßstab ist kein intellektueller – was denkende Menschen oft verwirrt – sondern der emotionale Maßstab von Selbstschutz, Selbststabilisierung und Identitätserhalt.

Diese Menschen glauben, „denken“ und behaupten stets das, was ihnen materiell, sozial oder emotional die größten Belohnungen und Annehmlichkeiten verspricht. Sie lehnen z.B. Faschismus ab, wenn das gerade sozial opportun ist, aber sie haben überhaupt keine Hemmungen, faschistische Haltungen einzunehmen oder faschistisch zu sprechen und zu agieren – vorausgesetzt die Gruppe ihrer Wahl befürwortet das. Von außen mag dies wie ein Widerspruch aussehen, aber in ihrem Bewusstsein gibt es keine Widersprüche, weil es keine intellektuelle Prüfinstanz, keine denkerische Redlichkeit gibt. Ihre Leitlinie ist das Wohlbefinden und der Selbsterhalt und wenn man dafür dieses oder jenes sagen, dieses oder jenes Wort benutzen oder diese oder jene Haltung vortäuschen muss, dann tun sie es ohne Skrupel, weil sie keine andere Ethik als den sozialen Selbsterhalt haben. Ein achtjähriges Kind hat nicht viel andere Wahl, weil es nicht selbständig ist. Und wenn Menschen auf dieser Bewusstseinsstufe stehen bleiben und nur noch biologisch altern, dann haben sie keine andere Wahl als sich von ihrer Umgebung steuern zu lassen und im geistigen Zwergenwuchs zu verharren.

Zwei Merkmale an dieser prä-rationalen Bewusstseinsstufe fallen in Gesprächs- oder anderen intellektuell fordernden Situationen besonders auf: die Fixierung auf das Persönliche und die Kontext-Blindheit.

Die Fixierung auf das Persönliche bemerkt man sowohl an ihrer idiosynkratischen, oft existenziell aufgeladenen Denk- und Ausdrucksweise als auch an ihrer Tendenz, bei kleinsten Unstimmigkeiten sofort persönlich angreifend und diffamierend zu werden. Ungewohnte Meinungen oder Gedanken sind für sie wie störende Objekte, die sie schnell loswerden wollen und die naheliegendste Art und Weise dafür ist, die Denker und Sprecher als Personen beiseite zu räumen oder zumindest sozial zu ächten und mundtot zu machen. Alle faschistischen Systeme arbeiten so und können nur so funktionieren, weil sie auf prä-rationalen Mechanismen und Bewusstseinsgraden fußen.

Kontextblindheit zeigt sich in der Unfähigkeit, Gedanken und Handlungen im Kontext zu betrachten. Manchmal bekomme ich als „Beleg“ für meine „falschen Ansichten“ nur einzelne Worte oder halbe Sätze aus meinen Texten präsentiert, die bei jemandem augenscheinlich einen Hygiene-Reflex ausgelöst haben, so als wäre etwas Schmutziges in sein Bewusstsein gekommen. Dass hinter einer Aussage eine Intention stecken kann und dass diese Intention von den Vermutungen und Assoziationen des Lesers abweichen könnte, ist auf der Bewusstseinsebene, welche Gedanken wie Gegenstände betrachtet, nicht implizierbar. Wie häufig schon musste ich mir sagen lassen, was meine „eindeutige Ausrichtung“, meine „Tendenzen“ und meine „Intention“ sind und wie falsch, unmoralisch und „unmenschlich“ sie seien! Meine Beteuerungen, dass ich mich in diesen Intentionen nicht im Geringsten wiederfinde, waren zwecklos: Diagnose und Urteil standen schon fest und waren zur Vollstreckung bereits freigegeben. Der Angeklagte brauchte sich gar nicht mehr zu äußern und Verteidigung war sinnlos. Wenn es um die intellektuelle Hygiene von prä-rationalen Menschen geht, finden die Säuberungen ohne Gespräch statt. Gegenüber dem Denken hilft ihnen nur noch kommunikationsfreie Gewalt.

Wenn ich danach fragte, welche Belege es denn für die harten Beschuldigungen und die drastischen Konsequenzen gäbe, waren die Antworten kennzeichnend: konkrete gedankliche Belege konnten nie genannt werden, sondern nur Gefühle, die durch einzelne Worte oder Sätze ausgelöst wurden. Unterm Strich ist das pseudo-Gegen-Argument der Denkverweigerer gegen meine (und ähnliche) Gedankengänge immer das gleiche: „Sie lösen unangenehme Gefühle in mir aus!“.

Ich vermute, dass es mit sehr viel Behutsamkeit, Geduld und Beharrlichkeit über einige Monate hinweg durchaus möglich wäre, einige dieser Menschen an das eigenständige Denken heranzuführen und ihnen die Dimension geistigen Wachstums und Verstehens zu eröffnen. Aber meine Blogtexte hier sind dafür ungeeignet, weil sie sich diesbezüglich – wenn überhaupt – an Fortgeschrittene richten (und selbst die haben zuweilen zu knabbern habe ich mir sagen lassen) und eigentlich an niemanden gerichtet sind, sondern primär nur den Windungen meines akuten Denkens folgen und sich dabei bloß an vage imaginierte Leser wenden. Dass emotionale Schema-Denker auch über diese Texte stolpern oder darauf gestupst werden, ist im Grunde kein Problem, es ist allerdings so, dass einige davon sich dazu entschließen, mir als Autor das Leben schwer zu machen. Das ist der Preis, den ich für meine Ausdrucksfreiheit zahle in einem System, in dem Gleichschaltung und anti-intellektuelle Machtspiele (bisher) das Sagen hatten. Nun denn, es sind massive Veränderungen auch diesbezüglich in Sichtweite.

Die Frage, wie solche geistigen Kinder es in unserer Gesellschaft schaffen, ein erwachsenes Leben zu simulieren und eine halbwegs geschäftsfähige Fassade aufrecht zu erhalten, lässt sich ebenso leicht wie erschreckend beantworten: erstens schaffen sie es nur in kleinen geschützten Nischen, die meist penibel vom Denken und von Denkern sauber gehalten werden und zweitens beruhte unsere bisherige Gesellschaft die letzten 30 Jahre oder länger in all ihren Aspekten auf eben diesem geistig kindlichen Bewusstseinsniveau inklusive anti-rationaler Zerstörungslust. So gut wie alle maßgeblichen Institutionen sind bis in ihre Führungspositionen von solchen unzurechnungsfähigen, psychisch unmündigen Kindmenschen besetzt und gesteuert. Allen voran die akademischen, sozialen, medizinisch-therapeutischen und „kulturellen“ Institutionen, weil sie sich von rationalen und Realitätskompetenzen weiter und länger abkoppeln können ohne dass sie gleich zusammenbrechen, was sich wirtschaftliche und naturwissenschaftlich verankerte Unternehmungen nicht so leicht leisten können.

Eigenständiges Denken

Eigenständiges, echtes Denken ist etwas sehr Intimes. Es ist nicht so sehr persönlich wie das emotionale Bewusstsein alles persönlich nimmt, sondern gerade weil es über das Persönliche und das Selbstbezogene hinaus geht ist es zerbrechlicher und empfindlicher. Dadurch auch empfänglicher, feiner, seismografischer. Im Vergleich zum Denken wirken alle emotionalen Reaktionen und Dynamiken auffallend grob, einfältig und – ehrlich gesagt: plump.

Denken ist die erste (aber nicht die einzige oder letzte) Fähigkeit des Menschen, von der man sagen kann, dass sie in alle Richtungen und vor allem nach oben hin offen ist. Wer gelernt hat, in Begriffen und begrifflichen Zusammenhängen zu denken, der steht mit einem Fuß bereits im Geistigen und außerhalb des Biologisch-Physischen. Er wird unabhängig vom Instinkt, von Launen und affektiven Reflexen, von sozialen Gebundenheiten und Moden sowie von äußeren Referenzpunkten und Leitplanken. Mit dem Denken beginnt die wahre Selbst- und Eigenständigkeit, die wiederum der Beginn einer realisierten Individualität ist.

Wer anfängt zu denken, der kommt recht schnell zu dem Wunsch, mehr zu verstehen und nicht bloß Informationen und Fertig-Konzepte zu übernehmen, sondern eigene Landkarten über sich und die Welt aufzubauen, die in sich plausibel und kohärent sind.

Mich hat es – besonders auch mit diesen Blogtexten – nie angetrieben, fremder Menschen Blasen zum Platzen zu bringen. Es geht und ging mir nur darum, mich aus meinen Blasen schreibend-denkend zu befreien. Nach einigen Jahren verschwinden auf diese Weise eine Menge Blasen, die für andere immer noch die einzige vertraute intellektuelle Heimat und Atmosphäre darstellen. Es wird dann zunehmend schwieriger bis unmöglich, mit diesen Menschen unter ihren vielzähligen Glaubens- und Einbildungs-Glocken noch irgendeine sinnvolle Kommunikation aufzubauen. Für sie sind diese Texte und ihre Inhalte Alien-Zeugs. Und das sind sie auch. Denken ist extra-terrestrisch und eine der ersten extra-terrestrischen Fähigkeiten, auf die jeder Mensch in seiner Entwicklung potenziell stößt – wenn man einmal davon absieht, dass der Mensch an sich extra-terrestrischen Ursprung hat: auf der Erde aber nicht von der Erde.

Die meisten sind von ihren ersten Erfahrungen des Denkens jedoch so erschrocken, dass sie für den Rest ihres Lebens die Finger davon lassen (und Angst vor „Aliens“ haben). Damit ist dann leider auch erstmal jeder weiterer Schritt in Richtung Geist und Vergeistigung blockiert und der Zustand dieses zentralen menschlichen Potenzials verbleibt in der Form eines trüben Gastes auf der dunklen Erde.

Denken bringt ein erstes Licht in das mechanisch-instinktive Leben. Es ist ganz sicher nicht das hellst mögliche Licht, das für den Menschen zugänglich ist, aber wer nicht einmal die Fackel seines Verstandes anzünden kann, der bekommt auch keinen Zugang zu der Lampe der Vernunft – von dem Leuchtfeuer der Liebe ganz zu schweigen.

Apropos Liebe, diejenigen Leser, die mir ankreiden, meinen Texten würde es „an Liebe fehlen“, sind meistens auch diejenigen, die völlig offen lassen, was sie damit meinen. Jenes Wort-Etikett „Liebe“, das so gerne angeführt wird, um sich jeder weiteren begrifflichen und moralischen Untersuchung und damit auch feinerer Aufmerksamkeit und Verantwortung zu entziehen, bezeichnet bei genauer Betrachtung – die gerade deshalb nicht erwünscht ist – eine selbstgewählte Mischung aus Wohlbefinden, guter Laune mit Großzügigkeitsanwandlungen, unverbindlich-freundliche Zuwendung und desinformierter naiver Toleranz im laisser-faire– und Mir-egal-Stil. Sie endet meist dort, wo der Hunger oder die Verdauungsbeschwerden beginnen, wenn man letzte Nacht schlecht geschlafen hat oder wenn jemand Dinge sagt (oder schreibt), die nicht auf der eigenen Präferenz-und-Positiv-Liste stehen. Wer solche Stimmungen, Launen, theoretische Glaubenssätze und ideologischen Schemata für Liebe hält, der glaubt auch, dass Liebe nicht über die fröhlichen Abhängigkeiten eines Kindes hinausgeht und dass sie am besten zu erreichen ist, wenn man sich wie ein Kind benimmt. Die Hippies haben diesen Weg bereits ideologisch und praktisch voll ausgetreten und bemerkt, dass er eine Sackgasse ist, an deren dunklem Ende eine Menge Hässlichkeiten und Krankheiten warten und aus der heraus die mentale Befreiung einem kalten Drogenentzug gleicht, weshalb die meisten die Dauer-Sedierung und mentale Ausblendung bevorzugen.

Ich beschreibe in meinen Texten die Realität, ihre Fakten und Zusammenhänge, wie ich sie erkenne. Nicht nur ihre hübschen und angenehmen Seiten, sondern auch ihre Schatten, ihre Brutalität, ihre Roheit, ihre Korruptheit und Gebrechlichkeit. Nicht, um sie zu verurteilen, sondern um sie zu umarmen. Wie können wir etwas umarmen, wenn wir es nicht einmal zu sehen und zu benennen bereit sind?

All diejenigen, die glauben, sich in Richtung „Liebe“ zu bewegen, indem sie nur auf das Wohlige, Heimelige und Leichte schauen und alles andere verleugnen und schönreden, bewegen sich damit in eine immer tiefere Spaltung hinein – auch wenn sie das natürlich ebenfalls nicht wahrhaben und wahrnehmen wollen. Innere Spaltung ist die Wurzel von Hass. Die Grundlage des Wegschauens, Schönfarbens und Verschweigens ist jene Be- und Verurteilung, die diese „Liebe-und-Herz“-Experten meinen Texten vorwerfen, weil sie sich ihrer bei sich selbst nicht bewusst sind und sie stattdessen auf alles projizieren, was nicht zu ihren Selbstschutzmechanismen und virtuellen Weltbildern passt.

Ich habe hier ansonsten keinen Anlass, mich über Liebe zu äußern. Das meiste, was über die Liebe gesagt wird, ist bestenfalls ein mentaler Zwischenstand auf dem Weg zu ihr und meistens geistloser, naiver Unsinn. Je näher man dem wahren Phänomen dessen kommt, was den Titel Liebe verdient, desto stiller wird man und desto schwieriger und auch uninteressanter wird es, darüber verbal zu kommunizieren – nicht weil einem die Worte fehlen oder man nur noch in präverbale Zustände regrediert, sondern weil jene Worte, die hoch genug hinan reichen, nicht mehr verstanden werden. Das Gerassel und Geklingel derer, die Worte wie „Liebe“, „Herz“ und „Mitgefühl“ als Standard-Repertoire ihres Selbstmarketings um sich verteilen, finde ich abscheulich.

Der kleine Keim von so etwas wie Liebe beginnt mit Aufmerksamkeit und echtem Respekt. Solange diese in grotesken Ausmaßen fehlen (z.B. bei denen, die meinen Texten solche Mängel vorwerfen), kann man sich getrost von all diesen wohlklingenden PR-Schablonen abwenden – sie sind das übliche grinsende soziale Täuschungsmanöver, durch das die widerlichste Form der Täuschung hindurch schimmert: die Selbsttäuschung.

Echte Aufmerksamkeit und Wertschätzung – die Vorstufen für Liebe – sind integrativ und umfassend. Und wer das Denken, die Neugier und die Fähigkeit zu zweifeln nicht integrieren und umfassen kann, der lehnt das ab, was den Menschen zum Menschen macht. Das ist der Grund, warum das eigenständige Denken eine notwendige Stufe auf der Treppe zu höheren Bewusstseinsstufen inklusive „Liebe“ ist: nur so sind wir ganz und intakt. Nur so sind wir vollständig und präsent. Die Selbstbetrugs-Experten, die sich ihre spirituelle, moralische oder soziale Überlegenheit durch den aktiven Kampf gegen alles Rationale und gegen das klare Denken – oft sogar gegen Informationen und Fakten – zusammenreimen, sind meist auch schon viel zu sehr mit sich und ihrer irrealen Bessersein-Ideologie beschäftigt, um zu erkennen, dass sie ihren gesamten selbstgefälligen Lebensstandard inklusive des Luxus‘, sich von der Wirklichkeit weitgehend abzukoppeln, jenen Menschen zu verdanken haben, die ihr Denken, ihre Aufmerksamkeit und ihre Neugier benutzen, um die Realität besser zu gestalten, und sich nicht so viele Sorgen um ihr „spirituelles“ und moralisches Image machen.

Die Letztgenannten haben etwas, das den moralischen Life-Style-Aktivisten fehlt: echten, in ihrer Identität und ihrem Können verankerten Stolz. Es gibt einen Stolz, der aus dem Licht des Verstandes und des Begreifens entsteht, und der durch keine sozial angepasste Fassade imitierbar ist. Gesunder Stolz ist ein Zeichen von Integrität und Selbstbewusstheit – ein intuitives und erfahrungsverankertes Wissen über die eigenen Fähigkeiten und über die innere Kongruenz des eigenen Denkens und Handelns mit der Ethik unseres Menschseins.

Menschen, die dieses Wissen und diese Integrität nicht haben, weil ihnen Bewusstsein für und Zugriff auf ihr Denk- und Verstehenspotenzial fehlen, können diesen Stolz nicht ausstehen. Sie schreien sich die Kehle und schreiben sich die Finger wund mit ihren psychologischen, sozialen, politischen, historischen, moralischen, biologischen oder sogar energetischen Abwertungen von jeglicher Art von Stolz. Zuletzt las ich irgendwo die dazu passende Verkündigung, dass die Emotion von Stolz eine der niedrigsten Schwingungen des Menschen sei mit der Implikation, dass man sich davor hüten solle, denn niedrige Schwingungen machen ja krank und dumpf.

Man kann den Mangel an Integrität bei einem Menschen ganz leicht und unmittelbar an seinem Stolz ablesen – und natürlich auch an seinem Verhältnis zu Stolz überhaupt. Auf einem prä-mentalen Bewusstseinsniveau ist dieser Stolz nicht erreichbar, weil es an Selbst-Bewusstheit fehlt. Was dort nur möglich ist, ist Arroganz. Was ist Arroganz? Die Kombination aus einer festen Haltung oder Überzeugung der Überlegenheit und der Ablehnung von Kontakt, Wechselseitigkeit und Begegnung. Arrogante Menschen sind ständig damit beschäftigt, sich abzuschotten und zu isolieren, während stolze Menschen ständig Kontakt und Austausch suchen. Stolze Menschen wollen lernen und erfahren, während arrogante Menschen sich nur selbst schützen und behaupten wollen. Stolz beruht auf Zentrierung in sich und Bewusstsein, während Arroganz auf Angst, innerer Zerrissenheit und Selbstunsicherheit beruht.

Wir können davon ausgehen, dass Menschen, die sich gegen Stolz äußern, entweder nicht verstehen, wovon sie sprechen, oder zu der kläffenden Gruppe der Ängstlich-Arroganten gehören, die von einer Mischung aus Neid und Verzweiflung getrieben werden. Es ist praktisch, das schnell erkennen zu können.

Stolz nicht empfinden oder nicht zeigen zu können ist eine psychische Störung und eine massive emotionale und soziale Einschränkung. Solchermaßen Eingeschränkte mögen sich noch so viel in Gruppen organisieren und Institutionen gegen den Stolz gesunder Menschen gründen, sie werden aus dem Leid ihrer emotionalen Behinderung nicht herauskommen. Dafür wäre es notwendig, sich den eigenen Schamkomplexen und erlebten Beschämungen zuzuwenden, denn solange diese nicht verarbeitet und integriert werden, ist der Zugang zu Stolz psychisch (und wahrscheinlich auch neuro-chemisch) blockiert. Scham ist der Antagonist von Stolz, und wer in chronischen Scham-Schleifen gefangen ist, was ein typisches Merkmal unverarbeiteter Traumata ist, für den ist Stolz unerreichbar. Der schmerzhafte und langwierige Weg ist der der Heilung und Integration, an deren Ende Freiheit und würdevolle Intaktheit stehen. Der schmerzvermeidende und bequeme Weg ist der der Unterdrückung und Ausblendung, an deren Ende Unsicherheit, Hass und Missgunst stehen. Letztere äußern sich z.B. im Kampf gegen alles, das an Stolz erinnern oder Stolz aufkommen lassen könnte, also im Kampf gegen Kompetenz, gegen Wissen, gegen Kraft und Stärke, gegen Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und natürlich gegen eigenständiges klares Denken und Verstehen. All dies muss bekämpft und abgeschafft werden, nur damit sie den emotionalen Hinkefüßlern nicht auf ihre schmerzhaften Hühneraugen treten.

Wenn man lernt, eigenständig zu denken…

Wenn man lernt zu denken, wirklich selber zu denken, was statistisch gesehen ein Minderheiten-Phänomen ist, dann ist eine der überraschendsten Erkenntnisse, die man auf dem damit begonnen Wege irgendwann erlangt, wie unglaublich wenig im Allgemeinen aktiv gedacht, also nachgedacht und bedacht wird. So gut wie alles, was in der Welt unter der Bezeichnung „Denken“ gehandelt wird, ist nichts weiter als ein Wiedergeben von gelernten Verknüpfungen zwischen Worten, Schemata, Konzepten, gleich dem  Beschreiben und Auslesen einer Festplatte. Die Menschen bilden sich aber eine Menge ein auf diese gesammelten kognitiven Bandansagen in ihrem Kopf, vor allem, wenn sie dafür anerkannt und belohnt werden, sie im richtigen Moment abzuspielen. Deshalb muss man sehr behutsam sein, ihnen zu sagen, dass dies nur die Duplo-Variante ist und dass die Architektur des Geistes darüber noch ein ganzes Stück hinausgeht.

Wenn man also lernt zu denken, dann erkennt man, dass es nur sehr wenige Menschen können. Das ist vor allem deshalb schade, weil eigenständiges Denken Freude macht. Denn es macht frei. Es gibt einem eine Freiheit, die auf keinem anderen Wege zu erreichen möglich ist. Wer Freiheit sucht und sie auf einem anderen Wege finden will als über die Entwicklung des selbständigen und unabhängigen Denkens, der landet psychologisch gesehen bloß in der Nachbarzelle oder im Gefängnisinnenhof, der dann fraglos als spirituelle Bergspitze gefeiert wird.

Dass die Fähigkeit zum Denken eine Bewusstseins-Steigerung bedeutet, hat sich in den meisten spirituellen Wellness-Kreisen noch nicht so herumgesprochen. Es könnte daran liegen, dass weder die Kunden und noch weniger die Anbieter in dieser Branche ein Interesse an so etwas wie Bewusstseinssteigerung oder Freiheit haben, sondern vielmehr nach Zufriedenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit und in alledem vor allem Anstrengungsfreiheit suchen. Sie müssen diese psychosomatischen Basisbedürfnisse nur mit schillernderen Etiketten und viel Marketingaufwand aufmotzen, um ihre Banalität zu übertönen und jenen kleinen Funken echter Bewusstseinssuche zu paralysieren. Erlöse uns von allem mental Anstrengenden, wie auch wir uns lösen wollen von aller mentalen Anstrengung.

Wenn man denken lernt, lernt man, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Es geht plötzlich nicht mehr so sehr um Wissen im Sinne von Informationssammlung, sondern mehr und mehr um Verstehen. Dadurch ändert sich die eigene Stellung zur Welt, zum gesamten Kosmos. Ein Philosoph des letzten Jahrhunderts soll einmal verraten haben, dass nichts so anarchistisch ist, wie das (eigenständige) Denken. Einen Geschmack von dieser Tatsache bekommt jeder, der bemerkt, dass er durch dieses (eigenständige) Denken sukzessive alle Weltbilder zerstört und durch Welt-Schau ersetzt.

Während das handelsübliche Konservendenken dem Luft-Element zugeordnet werden kann und dazu neigt, in bodenlose Sphären abzuheben, gehört echtes Be- und Nachdenken dem Element des Feuers an: es legt alle Schablonen, die wir über die Welt legen, in Schutt und Asche, d.h. es trennt sie in Erde (Realität) und Luft (Ideen, Annahmen,…). Dass Denken wie Feuer ist, klingt erstmal recht romantisch, aber die meisten schrecken davor zurück, weil es in eben dieser Dimensionszugehörigkeit vor allem anderen dekonstruierend ist.

Richtiges Denken ist das geistige Äquivalent zur Magensäure und anderen Verdauungssäften: wir brauchen es, um Informationen, Ideen, Meinungen und jede Art von Eindruck intellektuell verarbeiten zu können. Bevor wir mit dieser scharfen Waffe konstruktiv, d.h. im Sinne unserer menschlichen Natur umgehen können, brauchen wir ausreichend Wissen, wie und woran wir richtiges Denken erkennen können.

Wir müssen lernen, mit diesen potenten Kräften des Denkens umzugehen. Vor der Feuertaufe (mit Geist) muss daher eine Wassertaufe (mit Wissen)stattfinden. Erst die Einweihung durch einen Wassertäufer (Johannes), dann jene durch einen Feuertäufer (Jesus). Die Reihenfolge ist wichtig.

Auf der Ebene von bloßen Gedanken- und Meinungssammlungen jedoch, die unser fantastisch intelligentes Gehirn zu einer halbtoten Archiv-Verwaltung degradiert, kann man im besten Falle noch gerade so eben „mitdenken“: nämlich mentale Puzzleteile so zusammenfügen, dass man am Ende eine praktisch meistens funktionierende Vorstellung von der Welt hat. Reifes Denken hingegen, das sich auf sich selbst bezieht, ist eher mit einem Schredder vergleichbar, der selbstkonstruierte Vorstellungen und Annahmen in wertlose Schnipsel verwandelt.

Dieser geistige Zerlegungsprozess, in dem wir tatsächlich genau das zerstören, was die Wohlbefindens-Sucher immer zerstören wollen, nämlich das sogenannte „Ego“, räumt einfach nur auf und weg, so dass der Blick freier wird. Letztlich frei von den falschen Annahmen über uns selbst. (Das ist übrigens das, was mit dem allseits denunzierten und zu überwindenden „Ego“ gemeint sein sollte. Aber es wird von genau dem, was dieses „Ego“ ausmacht, nämlich emotionale Vernebelung und Eintrübung, niemals klar definiert, weil sonst die Unsinnigkeit der angepriesenen Methoden und vor allem die sich selbst schützende emotionale, anti-mentale Struktur erkennbar würde – „Ach wie gut, dass niemand weiß…“.)

Es geht bei dem Schritt in ein umfassenderes Bewusstsein nicht um „mehr Herz-Energie“, „Liebe“, „Harmonie“, „Freundlichkeit“, warme Füße oder bessere Verdauung. Es geht nicht um die quantitative Vermehrung von Bekanntem und Erwünschtem. Sondern es geht um einen qualitativen Wechsel der eigenen Perspektive auf diese vagen Gefühle und Bedürfnisse, auf sich selbst und auf die Welt. Die erstgenannten Aspekte sind nichts weiter als die Etiketten für Wunsch-Projektionen nach Erlösung von den Lasten des Lebens und Menschseins ohne Bewusstseinsentwicklung und mit der kindlichen Hoffnung auf ein fantasiertes Schlaraffenland, in dem alle körperlichen und sozialen Bedürfnisse auf wunderbare unverstandene Weise erfüllt werden.

Bewusstwerdung

Bewusstwerden ist das Gegenteil von Loswerden.

Während ersteres bei der Bewältigung von Schwierigem hilft, indem es Anstrengungen macht, darüber hinaus zu wachsen, ist Zweiteres nicht mehr als die Unterwerfung und Resignation gegenüber einem Problem, wobei man sich durch Abspaltung und Verdrängung selbst vortäuschen kann, das Problem sei entfernt, weil es nicht mehr sichtbar ist. In Wirklichkeit hat man bloß das eigene Erkennen eingeschränkt. Dies ist der alltägliche Selbstbetrug der Bequemen. Wer so an die realen Probleme des Lebens heran geht, der kann irgendwann gar nichts mehr sehen, erkennen und verstehen und muss den Korridor der eigenen Wahrnehmung und des Denkens auf ein lebensnotwendiges Minimum schmälern.

Wenn wir traurig sind, können wir traurige Musik hören, traurige Filme schauen oder traurige Geschichten oder Gedichte lesen, um unseren Zustand und die Gefühle bewusster zu machen, indem wir Ausdruck und Worte für sie finden. Wir können aber auch besonders spaßige, aufregende oder mitreißende Eindrücke suchen, um von unserer Traurigkeit weg- und abgelenkt zu werden. Damit spalten wir uns. Unsere moderne Kultur bietet im Grunde nur noch diesen zweiten Weg der Ablenkung an, was sowohl der Grund für die zunehmende psychische Spaltung und fahrige Oberflächlichkeit, als auch für den Zwang ist, immer flachere, flirrendere und flüchtigere Reize suchen zu müssen, weil die Ablenkung sonst nicht mehr funktioniert.

Mit Texten und intellektuellen Diskursen ist es nicht anders. Man kann mit Problemen und Bedrängnissen so umgehen, dass man sich möglichst ganz anderem zuwendet und das eigene Denken mit süßlich-zerstreuenden, wohlklingenden, seichten und vor allem unverfänglichen und gewohnten Schablonen besetzt.

Der Intellektuelle, der sich im Angesicht der offensichtlichsten Misere und menschlichen Katastrophe, wie wir sie in diesen Jahren überdeutlich um die Ohren gehauen bekommen, nur noch schöngeistigen Fachstudien oder naiver Fantasiebildung hingibt, spaltet sich nicht nur selbst von der Realität der Welt ab, in der er lebt, sondern er entzieht dieser Welt auch Denkkraft, womit er den Untergang und die geistige Erblindung der Menschen fördert. Das ist in noch viel höherem Maße unmoralisch, weil verräterischer und destruktiver als all der banale und widerwärtige Medienrummel.

Dem gleichen Muster entsprechen all jene intellektuellen Reflexe, mit denen Menschen dem Horror des Status quo ausweichen, indem sie sich und anderen nur noch rosarote Rhetorik und euphemistische Wunschbilder erlauben und alles andere tabuisieren. Dann haben wir jenes aktuell wuchernde Phänomen von Glückseligkeits-Geschwätz mit seinen konturlosen Denkschablonen, das sich mit viel Wort- und Bild-Aufwand selbst dazu zu überreden versucht, dass unsere dringendsten Probleme der Klimaschutz, die sozialere Verteilung von Steuergeldern oder die jüngsten Scharmützel im Nahen Osten seien, dass wir lernen müssten, „alles in Licht und Liebe aufzulösen“, dass wir „unser Bewusstsein anheben müssen zu universeller Liebe“ (indem wir alle Probleme und Schwierigkeiten ignorieren und jegliche Form des Darüber-Nachdenkens ausschließen), dass wir „nur wieder so dankbar und liebevoll werden müssen wie Kinder“, dass „die Lösung für alle Probleme im Herzen liegt“ (weshalb auch niemand seinen Verstand benutzen soll) oder dass es nur darum ginge, „mehr zu lächeln und die eigene Schwingung zu erhöhen auf die Frequenz von Mitgefühl für alle Lebewesen“.

Die Grundaussage ist dabei immer die gleiche: schau nicht hin, denk nicht nach, versuche nicht, zu verstehen; wenn du mit etwas nicht fertig wirst, klebe einen großen bunten Sticker darüber, der den aktuellen politisch korrekten Vorgaben deiner sozialen Zugehörigkeitsgruppe gerecht wird. Kurz: betrüge dich selbst, übernimm keine Verantwortung und sorge dafür, dass dich nichts dabei stört und niemand dich darauf aufmerksam macht.

Die Alternative ist, sich intellektuell in die Probleme hinein zu knien. Aber das ist anstrengend. Und wer das tut, riskiert stets, sowohl von den Vertretern der rosaroten oder bunten „Happy-go-lucky“-Fraktion als auch von den Machern, die ununterbrochen im Notstands-Modus agieren, angegriffen und ausgeschlossen zu werden. Allerdings kann man nur durch Nachdenken zu einer Lösung des Problems auf eine Art und Weise beitragen, von der dann später auch die intellektuell Kindlichen und Überforderten profitieren. Der Denker ist ja der einzige von diesen allen, der über sich hinausdenkt und somit potenziell die Ebene des echten Kollektivs erreicht – wovon die anderen immer nur schwätzen und träumen, während sie die Zukunft der Menschen zerstören.

Das Ziel einer vertiefenden Auseinandersetzung ist zunächst einmal das Gegenteil von Weglaufen und Augen-Zuhalten, nämlich die Bewusstwerdung durch begriffliches und gedankliches Erfassen. So bemächtigen wir uns einer Sache mit unserem Verstand und können so – nur so – gezielt gestaltend darauf einwirken. Alles andere ist Träumen und Hoffen – was angesichts der Waffen und vor allem der totalitären Entschlossenheit der Gegenseite das Ende der Menschheit bedeuten würde – nicht nur geistig, sondern auch physisch.

Wenn ich in meinen Artikeln den Status Quo der Menschen in unseren Breitengraden auch nur annähernd unmittelbar so beschreiben würde, wie es einer überprüfbaren und realistischen Wahrnehmung entspricht, dann würden mir vermutlich 80% der Besucher meiner Texte den Kopf abreißen wollen. Nicht, weil meine Beschreibungen objektiv falsch wären, sondern, weil sie nicht auszuhalten sind. Wir müssen bei aller Wahrheitsliebe (je größer desto mehr) Rücksicht nehmen auf die archaischen Grundströmungen in unserer Kultur, die Informationen und Ansichten behandeln wie einen Geruch: wenn er unangenehm ist, wird der Träger angegriffen und eliminiert. Und wenn er angenehm ist, wird der Träger gefeiert und hofiert. Dieses intellektuelle Dschungelverhalten ist leider für die meisten Menschen das maßgebliche Leitsystem in ihrem Bezug zu allem Gedanklichen, zu Meinungen, Ansichten oder Erkenntnissen. Daraus ergibt sich, dass sie nur so, also quasi affektiv-instinktiv an gesellschaftliche, politische oder psychologische Themen, überhaupt an jedes abstraktere Thema herangehen können.

Und wenn sie dann den letzten Absatz lesen, halten sie ihn für eine Diffamierung und Abwertung, denn das sind die einzigen Dynamiken, die sie kennen: beruhigender Applaus oder Diffamierung, diffamieren oder diffamiert werden. Also verleumden und schmähen sie „zurück“ und mit aller Kraft, weil sie ja Recht haben, d.h. gewinnen wollen. Es gilt, den anderen klein und mundtot zu machen. Es geht um Macht, nicht um Verstehen und Erkenntnis.

Mein Ruf ist bei manchen meiner Zeitgenossen schon reichlich ruiniert, seit sie meinen Blog gefunden haben. Eine Geschäftspartnerin, mit der ich bisher gute persönliche und geschäftliche Beziehungen hatte, ist urplötzlich und felsenfest überzeugt, ich sei ein verkappter Rechtsradikaler, Nazi, Faschist, Menschenhasser und Geschichtsfälscher. Deshalb muss sie genauso urplötzlich ihre Welt vor mir – als Person wohlgemerkt! – schützen und von mir befreien. In ihren Augen ist mein Blog eine schriftliche Unterwanderung von Werten wie Freiheit, freier Weltbildentfaltung, Menschenwürde und Menschenrechten. Auf die Nachfrage, welchen Äußerungen von mir dies denn zu entnehmen sei, bekomme ich keine Antwort. Ich entspreche schlichtweg nicht mehr ihren moralischen Hygienebedürfnissen – rational begründen lässt sich das nicht und wir sollten es auch nicht erwarten. Irgendwie fühlen sich meine Texte für sie emotional schmutzig an. Es sind alles nur Gefühle. (Korrekt ist: ich ent-wandere hier ihren sogenannten „Werten“ und der meisten Menschen Weltbilder, aber ich unterwandere sie nicht, sondern überwandere sie – das aber ist aus dem Gefühlsbewusstsein heraus nicht unterscheidbar, diese Unterscheidung beginnt erst auf der mental-begrifflichen Stufe.)

Aus der Sicht von emotional-bildhaftem (zweidimensionalem) Bewusstsein kommt es auf Verstehen und kohärente Begriffsverwendung ja auch gar nicht an, weil es diese auf dieser Stufe gar nicht gibt. Sobald etwas wie meine Blogtexte irgendwelche Gefühle oder Verwirrung auslösen, sind sie zumindest verdächtig. Und wo Verdacht ist, da ist mindestens Misstrauen angebracht. Und wo man Misstrauen spürt, da darf und muss man Anderes und Fremdes von sich und dem eigenen Kreis fernhalten und abweisen, vor allem jede Art von Einfluss unterbinden. Denn wenn das emotional-soziale Bewusstsein Verunsicherung erlebt, sucht es stets Halt in der noch basaleren Stufe des Magisch-Instinktiven, und dort dreht sich alles um Macht und Kontrolle. Es darf dann dem Unbekannten vor allem kein Gehör schenken, denn auf dieser Stufe läuft schon der, der zuhört, Gefahr, in Hörigkeit und Gehorsam zu verfallen und so die Kontrolle über das eigene Territorium zu verlieren. Auch darf man nicht nachfragen oder sich auf verbalen Austausch einlassen, denn da wird man mit Behauptungen konfrontiert, denen man weder mit physischer noch emotional-sozialer Macht etwas entgegensetzen kann.

Für das zwei- und umso mehr für das eindimensionale Bewusstsein besteht die existentielle und tatsächlich angstmachende Bedrohung im Ausdruck höherer Bewusstseinsdimensionen darin, dass sie es mit ihrer Intuition bzw. ihrer Imagination nicht greifen können und dass ihre schiere Existenz bereits die eigene Identität ankratzt und kränkt. Sie spüren, dass sie den einzigen Boden und damit den einzigen Halt verlieren, den sie kennen. Deshalb kämpfen sie mit Zähnen und Klauen und vergessen dabei all ihre sonst wohlklingende Moral, mit der sie sich schmücken, wenn sie in ihrem vertraut dämmrigen Bewusstseinszwielicht ungestört sind, wo keine Zweifel auftauchen und keine begrifflichen Anforderungen gestellt sind. Sie nennen ihre Abschottung gegen alles Intellektuelle dann „Distanzierung“ und meinen das territorial oder sozial: sich von etwas fern halten. Die mentale Distanzierung für Überblick und Verständnis kennen sie nicht. Auf dieser Stufe sitzen wir dann am liebsten im Kreis, singen Lieder oder sprechen über Gefühle, halten uns an den Händen und bestätigen uns gegenseitig, nicht nur wie gut und „in Ordnung“ wir sind, so wie wir sind, sondern vor allem, dass Worte nichts als Schall und Rauch sind und dass wir in diesem gemütlichen mythischen Nebel frei sind von den bedrohlichen Anforderungen potenzieller Entwicklung oder höherer Bewusstseinsebenen. Auch wenn die äußere Form eine andere: die meisten Tagungen, Konferenzen, Kommissionen, Ausschüsse, Gremien, Räte, Vereinstreffen und Logen finden auf diesem Level statt, nur dass sie sich nach außen hin mehr Mühe geben, den Rest einer pseudo-rationalen Fassade aufrecht zu erhalten.

Mentales Bewusstsein hingegen würde man an seiner Fähigkeit erkennen, zu zweifeln und die Perspektive zu wechseln bzw. andere Perspektiven zu berücksichtigen – und zwar vollkommen unabhängig davon, was andere denken und sagen, was die Mehrheit vertritt und was gerade opportun ist. Reifes mentales Bewusstsein bringt die Fähigkeit hervor, an den eigenen Gedanken zu zweifeln, sogar an den eigenen Zweifeln zu zweifeln und somit zu immer umfassenderen Perspektiven zu kommen.

Emotional-mythisches Bewusstsein lebt nur in einer Perspektive, die es deshalb stets als „die Wahrheit“ voraussetzt. Sie beruht auf Gefühlen und Gewohnheiten, also auf der sozialen Prägung und dem sozialen Umfeld. Es kann nicht zweifeln, sondern hat stets Angst, das „Falsche“ zu tun, d.h. etwas zu tun, das gegen gegebene soziale Regeln oder gegen den Willen eines Mächtigeren in der Gruppe der gegenwärtigen emotionalen Zugehörigkeit verstößt. Regeln und alles, was „richtig“, „gut“ und „erlaubt“ ist, ändern sich beliebig mit der Gruppe, der man sich gerade zugehörig fühlt und entsprechen ansonsten dem, was einem als Kind eingeprägt wurde. Richtig ist deshalb, was die Eltern und Lehrer für richtig erklärten. Später sind es andere Autoritäten, die dadurch definiert werden, dass ihnen erhöhter sozialer Einfluss zugeschrieben wird, wenn sie z.B. im Fernsehen auftreten oder auf einer funktionellen Machtposition sitzen. Jede Richtung wird auf dieser Bewusstseinsstufe stets nur durch soziale Machtpositionen bestimmt, etwas anderes ist dem kindlichen Bewusstsein nicht bekannt.

Der Machtkampf der Bewusstseinsstufen

Menschen, die glauben, aus meinen Texten meine persönlichen Werte herauslesen zu können, sind entweder psycho-exegetische Genies mit übersinnlichen Lese-Fähigkeiten oder sie leben in einer Welt der Projektionen, in der sie alles, was sie nicht verstehen oder was nicht in ihre gewohnten Schubladen passt, verurteilen und mit den Etiketten versehen, die für sie das Maximal-Böse ohne Wenn und Aber repräsentieren.

Damit ist für sie dann auch schon alles gerechtfertigt, was sie dann gegen alle ansonsten geltenden sozialen Regeln, Grund- und Menschenrechte, gegen Anstand und Würde und sogar gegen das Gebot der Gewaltfreiheit tun, denn auf dem Bewusstseinsniveau von emotionalen Dogmen und festen Denkschablonen gelten diese Regeln nur für die Menschen, die man mag, die „dazugehören“ und die die gleichen Ansichten haben, wie man selbst, kurz: die gefühlt zum eigenen Stamm gehören. Alle anderen sind Außenseiter, Barbaren, Ketzer und ideologische Heiden – also Kastenlose und damit Rechtlose. Und denen gegenüber muss und will man nicht tolerant sein.

Jenes so gern geforderte aber ungern erfüllte Toleranz-Gebot wird von ihnen nur gegen jene angeführt, die sie zu überfordern drohen und von denen sie gefälligst in Ruhe gelassen werden wollen. Man selbst toleriert nur die Gleichgesinnten, Gleichdenkenden und modernerweise die Gleichgeschalteten. So funktionieren das Clan-Bewusstsein und der ausschließliche Stammesbezug des limbischen Kleinkind- und Säugetier-Gehirns, das zu rationalen und logischen Bezügen nicht fähig ist. Da Menschen sich auf dieser Verarbeitungsstufe nur an Affekten und Gefühlen orientieren können, bewerten sie alles nur auf der Basis ihrer Gefühle und können nicht verstehen, dass Gefühle nur etwas über den eigenen aktuellen Bezug zu eigenen Prägungen, Vorlieben, Verletzungen und Bedürfnissen sagen, jedoch nichts über die Welt wie sie ist.

Das ist ebenfalls der Grund, warum sie sich auch untereinander (metaphorisch) die Köpfe einschlagen: sie schreien alle nach Toleranz und Frieden und richten dabei Blutbäder an. Auf dieser Stufe kann man nur entweder kuscheln oder wegstoßen. Je nach Gefühl, kann ein- und derselbe Mensch oder ein- und derselbe Gedanke mal „geliebt“ und umarmt und kurz darauf gehasst und weggeprügelt werden. Denn die Richtschnur für alles sind nur die schwankenden und situativen Affekte und Gefühle, also Launen und aktuelle Befindlichkeiten.

Natürlich ist diese kindliche Bewusstseinsstufe nicht geschäftsfähig und wenn es eine Führerscheinpflicht für alle rational-logischen Bereiche des Lebens gäbe, dürften sie daran gar nicht teilnehmen – zu ihrem Schutz und zum Schutz des Ganzen. In einem freien Markt würde sich das allerdings von selbst regulieren, denn rationale Menschen werden um die Irrationalen immer einen großen Bogen machen, weil sie nicht verlässlich, nicht zurechnungsfähig und vor allem: wenig produktiv und weder interessant noch inspirierend sind.

Das ist auch einer der Gründe, warum es stets launische Intuitiviker sind, die nach immer mehr Regulierung, Gesetzen und Richtlinien rufen, weil das ihre einzige Möglichkeit ist, auf dem Markt mitzumischen, der sie ansonsten konstant überfordert. Hyper-Regulationismus und Dirigismus wie in jeder Unterart des Sozialismus, in jeder Diktatur oder in deren technokratischer Kombination, in der wir heute leben, beruhen immer darauf, dass die Überforderten und Abgehängten per Gesetz mehr bekommen wollen ohne etwas dafür zu leisten.

Je fähiger ein Mensch ist, desto mehr wird er für freien Handel und freie Wirtschaft plädieren. Angst davor und Empörung dagegen haben nur diejenigen, die wissen, dass sie im freien Wettbewerb und Vergleich auf all die Privilegien, Macht und Selbstbevorteilung verzichten müssten, die sie sich in Zwangssystemen so bequem durch institutionelle Gewalt erbeuten können. Die modernen Räuberbanden lassen sich ein sozialistisches System einrichten, nennen es „freiheitliche Demokratie“ oder “soziale Marktwirtschaft“ und lassen sich dann als Regierung von ihren Sklaven feiern und bedienen.

Ein freier Markt würde nicht gegen die Irrationalen, Launischen und Denkfaulen sein, sondern ihnen nur die Macht- und Herrschaftsprivilegien entziehen. Ein freier Markt würde aus sich heraus Angebote schaffen, in denen die emotionalen Launen-Menschen auf ihre Weise wirken könnten, ohne Leistungskonkurrenz, aber durchaus als Konsumenten und somit Marktteilnehmer. Er würde außerdem eine Vielzahl von Angeboten schaffen, mit denen jeder auf ein höheres Verständnisniveau kommen und in die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen hineinwachsen könnte. Denn genau das wäre ja im Sinne des Ganzen und somit jedes Einzelnen. Das heißt, ein freier Marktplatz der Kräfte, Ideen, Gedanken und Motivationen würde mit der Zeit eine sich verfeinernde und steigernde Kultur hervorbringen.

Was wir also brauchen sind nicht mehr Kontrolle und Steuerung, sondern mehr Freiheit für Ideen, Diskurs und Handel unter Menschen. Das wäre dann auch seit 100 Jahren endlich mal wieder etwas erfrischend Menschen- und Freiheitsbejahendes.

Diese Schritte können aber nur von rationalen Menschen gemacht und organsiert werden und zwar aus dem Verständnis, dass sie es primär für sich und Ihresgleichen machen, um Wachstum – vor allem geistiges Wachstum – zu ermöglichen, und nicht aus irgendwelchen dubiosen „sozialen“ Gründen oder angeblichem Altruismus heraus. Soziales Engagement und Altruismus machen nur Sinn und sind nur dann gesund, wenn sie auf festen, unumstößlichen eigenen Werten und vor allem auch Ressourcen und Kompetenzen beruhen, also im Wesen des Handelnden verankert sind. Ansonsten sind sie nichts weiter als Fremdbestimmung, Hörigkeit und Selbstaufgabe, also Selbst-Entmächtigung zugunsten anderer oder mechanischer Kräfte.

Kein gesunder Mensch kann das wollen. Es ist ein Zwang, der auf Unfreiheit beruht und geistige Entwicklung ausschließt. Wer sich selbst ernst- und wahrnehmen kann, der wird sich gemäß seines Wesens entwickeln wollen – weil Entfaltung selbst, zuvorderst geistige Entfaltung, ein zentraler Aspekt des menschlichen Wesens ist. Daran sehen wir, wie wenige Menschen sich selbst ernst nehmen können.

Nur aus der Wahrnehmung unseres Wesens werden unsere authentischen Werte erkennbar, also das, was für uns wertvoll und essentiell wichtig ist. Wir dürfen das nicht verwechseln mit den Ideologien und Vorgaben anderer, die ihre Anforderungen an und Zwänge gegen uns auch gern als „Werte“ verkaufen, damit wir unserem Wesen untreu werden und ihnen blind folgen. Es mag ja sein, dass es ihre Werte sind (meist ist es jedoch nur Gier und Selbstbereicherung), aber es sind nicht unsere Werte und sie entsprechen nicht unserem Wesen.

Rational ist es, den eigenen (Wesens-) Werten zu folgen. Und ein rationaler Mensch wird erkennen, dass er seine Werte umso mehr leben kann, je mehr er anderen auch hilft, die ihren zu leben. Im Kern sind Werte im Übrigen für alle Menschen identisch – menschliche Werte eben. Deshalb würde eine florierende menschliche Entfaltungskultur entstehen, allein schon durch die Freiheit, den eigenen Werten zu folgen. Das ist etwas, das wir gar nicht kennen und in den nächsten Jahrzehnten zu entdecken haben werden.

Wenn es diese Freiheit aber nicht mehr oder noch nicht gibt (Status quo der letzten 100 Jahre), dann muss sie erst erkämpft werden. Und zwar von denen, die sich eine bessere Welt vorstellen und erschaffen können und die in keiner anderen (unfreieren) Welt mehr leben wollen. Das sind die rationalen Menschen und natürlich jene, die eine noch höhere Bewusstseinsintensität haben, also die Trans-Rationalen.

Emotional-ideologische Hygiene

Die Emotions-Mystiker und Irrationalen sind dem nicht gewachsen. Sie verstehen das alles nicht und fürchten sich davor. Nicht, weil es sie tatsächlich bedroht, sondern weil sie es nicht einschätzen und begreifen können. Eine höhere Integrations- und Bewusstseinsstufe ist von niedrigeren aus nicht verstehbar, normalerweise nicht einmal sichtbar. Was die Menschen auf der kindlichen Stufe der Bewusstseinsentwicklung gemeinsam haben, ist, dass sie intellektuellen, begrifflichen Auseinandersetzungen mit allen Mitteln aus dem Wege gehen. Auf Aufforderungen zu einem Dialog und rationalem Gedankenaustausch reagieren sie mit Rückzug oder sogar hoch aggressiv bis hin zu grob gewalttätig und rücksichtslos. Mentales Bewusstsein und die Begegnung mit ihm machen ihnen Angst. Sie versuchen deshalb stets, sie irgendwie zu entfernen.

Damit kommen wir zu dem Phänomen der ideologischen Hygiene. Irrationale Menschen und Menschen, die ihren Denkapparat nur zum Speichern und Wiedergeben vorformatierter Etiketten und Schablonen verwenden, versuchen alles mental und intellektuell Herausfordernde aus ihrem Lebensumkreis zu verbannen. Das empfinden sie als eine Art Reinlichkeit, die ausschließlich um ihr soziales und emotionales Wohl- und Sicherheitsbefinden kreist. Da für sie alles Unangenehme und Störende falsch ist, sind natürlich auch Gedanken, die schlechte Gefühle auslösen schlecht, belastend und „schmutzig“. Gedanken und Ideen werden sie aber nur los, indem sie anderen verbieten, sie zu äußern oder sich eben aller Menschen entledigen, die solche Gedanken haben.

Wer in ein mytho-emotionales Kollektiv- und Zugehörigkeitsgefühl eintauchen will wie es z.B. die Revolutions-Kommunisten, die Nationalzionisten, parallel dazu bis zum heutigen Tage die Maoisten und der westliche Konsum-Sozialismus zelebrieren, der muss sich vor allem aller anderen Ideen und Gedanken entledigen. Am sichersten ist es, wenn man gleich alle Denker und Ideenerfinder verbannt oder wegsperrt. Nicht, weil sie bedrohlich sind, sondern weil sie sich bedrohlich anfühlen. Das ist wichtig zu erkennen. Nur das Gefühl und die Angst entscheiden. Dass solche Bewegungen gar nicht strategisch sind und auch gar kein lohnenswertes Ziel verfolgen, können wir mittlerweile durchgängig historisch belegen: sie zerstören sich letztlich nur selbst, weil sie nur vor allem Geistigen und Gesunden weglaufen und es bekämpfen können. Ihre Motivation sind Angst vor der Realität und Ratiophobie – die Furcht vor dem rationalen Denken und Machtverlust.

Die Vertreter und Mitläufer solcher ideologischer Hygiene-Zwänge sind stets bereit, die hehrsten und wohlklingendsten Etiketten für ihre totalitären Säuberungen zu verwenden. Da Begriffsinhalte und Bedeutung von Worten für sie keine Rolle spielen und sich stets den aktuellen Launen, Gefühlen, Bedürfnissen und Impulsen unterordnen müssen, können sie sich täglich der gerade wirksamsten Mode von Schlagworten anpassen. Heutzutage bevorzugen es die Irrationalen, ihr Ideologie-Monopol mit Bezeichnungen wie „Antifaschismus“, “Toleranz“, „Solidarität“, „Weltoffenheit“, „Anti-Nationalismus“, „Gleichstellung“, „Klimaschutz“, „Schutz der Menschenwürde“ und stets mit „humanitärem“ Irgendwas und „Freiheit“ anzupreisen.

Wenn man sie nach der Definition und Bedeutung auch nur eines dieser Worte fragt, wird es meistens unmittelbar peinlich oder – um dem auszuweichen – aggressiv und gewalttätig, denn sie benutzen diese Worte nicht als Begriffe im Kontext eines mentalen Verstehens, sondern als emotional sanktionierte Wohlfühl-Signale der Zugehörigkeit zu einer Clique, die aus ihrer Sicht das Sagen hat oder haben sollte. Also die Meinungshoheit. Warum? Weil sie sich am besten anfühlt. Warum fühlt sie sich am besten an? Weil sie die eigenen Bedürfnisse am besten befriedigt und die eigenen Verletzungen und Schatten am besten hilft aus- und wegzublenden. Und weil sie die meiste Macht und Selbstglorifizierung ermöglichen. Das ist Psycho-Ideologie und Psycho-Politik: „Ich setze mit aller Macht das durch, was ich für mich persönlich – egal warum – am angenehmsten finde.“ – eine Ethik des unmittelbaren Wohlbefindens und der Bedürfnisbefriedigung.

Das bedeutet, dass diese Menschen keine Werte haben, denn Werte sind etwas Festes, Wesenhaftes und können deshalb niemals von schwankenden Emotionen oder affektiven Reaktionen und Launen abhängen. Sie sind sich ihrer Werte und Ihres Wesens gar nicht bewusst. Sie agieren bloß aus dem aktuellen Affekt heraus. Aber natürlich behaupten sie in diskursnahen Situationen so früh wie möglich, dass sie Werte hätten und dass „ihre Werte nun mal anders sind als die der anderen“. Die Strategie hat inhaltlich keinen Wert, denn sie könnten nicht einmal sagen, was sie mit dem Begriff „Werte“ genau meinen, sie hat nur rhetorischen und dominativen Wert, denn das Ziel ist es, durch sie jedes weitere Gespräch und damit Nachdenken zu unterbinden. Nach dem Motto: „Werte sind Geschmackssache und etwas ganz Persönliches, über Geschmack kann man nicht streiten, und wenn man nicht streiten kann, dann braucht man auch gar nicht erst darüber zu sprechen.“

An der Logik dahinter ist alles falsch: Werte sind weder Geschmackssache noch etwas Persönliches, Geschmack ist sehr wohl streitbar, weil er eine Sache der Bildung ist und es gibt eine Welt, in der Diskurs unterschiedlicher Ansichten tatsächlich ohne Streit stattfinden kann. Was sie eigentlich sagen wollen ist: „Ich sage dazu nichts mehr und ich erwarte, dass auch alle anderen dazu jetzt den Mund halten!“

Was diese Menschen mit „Werte“, „Meinungen“, „Ansichten“ und „Weltanschauungen” meinen, sind ihre Gefühle und emotionale Reaktionen. Die sind tatsächlich persönlich. Und zwar so persönlich und idiosynkratisch, dass sie über die Welt, objektive Werte, Ethik, Schönheit, Sinn, Würde und Nützlichkeit überhaupt nichts aussagen. Sie sagen nur etwas darüber aus, wie jemand in seiner bisherigen Biografie geprägt und programmiert wurde:

Gewaltgeprägte Menschen halten Gewalt für einen nützlichen Wert. Unterdrückte Menschen halten Unterdrückung für „angebracht“ und „wertvoll“. Mental überforderte Menschen halten Mentales für „unsozial“ oder „unmoralisch“. Wer von Gehässigkeit und Hässlichkeiten geprägt wurde, findet Hässliches „schön“. Und wer einen Rest seiner Würde nur durch Anpassung und Zugehörigkeit bewahren konnte, der wird sein Leben lang Gruppenzugehörigkeit und Unterwerfung unter das Diktat einer anonymen und undefinierten „Allgemeinheit“ für den „höchsten Wert der Menschenwürde“ halten. All das nicht gedanklich, begrifflich-verstehend, sondern emotional-reaktiv, schematisch, d.h. programmiert, nicht reflektiert.

In der emotionalen Welt der Bedürfnisse und Stimmungen ist ein „Wert“ das, was einem selbst einen unmittelbaren Vorteil bringt. Selbst alles Langfristige ist dabei meist schon nicht mehr berücksichtigt, von der Perspektive anderer ganz zu schweigen, denn dafür müsste man schon abstrahieren, also denken.

Manipulation und Zwang entsprechen zweifellos den „eigenen persönlichen Werten“, wenn man sie zu seinem eigenen Vorteil einsetzen kann. Wenn jemand anderes die gleiche Manipulation gegen einen einsetzt, entspricht dies nicht den „eigenen persönlichen Werten“, weil es ja gegen einen selbst geht. So absurd und irrational das auch klingen mag, das ist die (Psycho-)Logik, nach der in unserer aktuellen Kultur die meisten Menschen leben. Sie sind darum bemüht, Strafe und Schmerz zu vermeiden und es ansonsten bequem und behaglich zu haben.

Ihre Lieblings-Werte-Worte sind „Toleranz“, „Meinungsfreiheit“ und „Gefühl“. Sie bringen sie bei jeder Gelegenheit gerne an, ganz besonders aber dann, wenn etwas mit ihren Anerkennungs- und Kontrollbedürfnissen im Konflikt steht, weil sie gelernt haben, dass sie mit diesen Schlagworten Belohnungen und Applaus ernten. Besonders wichtig sind diese Signalworte ihnen, wenn sie Angst um ihren Vorteil oder vor etwas Unangenehmem haben, z.B. vor mentaler Überforderung. Dann schreien sie nach „mehr Toleranz!“ und meinen damit, dass man sie in Ruhe lassen soll. Meinungsfreiheit an sich ist ihnen suspekt und sie endet spätestens dort, wo jemand eine andere Meinung hat. Ab dem Punkt setzen ihre psycho-ideologischen Hygienemaßnahmen ein, die auch vor Gewalt und linker Manipulation keinen Halt machen, um das Gute, Saubere, Reinliche ihrer irrationalen Welt zu beschützen und zu retten.

Begründen tun sie letztlich alles mit ihrem Gefühl. Richtig ist für sie alles, was sich „irgendwie“ gut anfühlt und schlecht ist alles, was „irgendwie“ unangenehme Gefühle auslöst. Es läuft darauf hinaus, dass sie alles gut finden, was ihnen vertraut ist und Sicherheit gibt und alles bekämpfen, was unbekannt ist und Verunsicherung auslöst. Damit ist jede Entwicklung im Geistigen gestoppt und die chronische Regression ins Kindlich-Hilflose vorprogrammiert.

Etiketten-Schwindel für Etiketten-Denker

Man kann auf jeden Renault einen Mercedes-Stern kleben. Aber wen kann man damit täuschen? Nur jemanden, der keine Ahnung von Autos hat.

Man kann auch auf einen wässrigen Supermarkt-Apfel ein Demeter-Etikett kleben. Aber wen kann man damit täuschen? Doch nur jemanden, der keinen Geschmackssinn für die Qualität von Äpfeln hat.

Man kann auch gewalttätige Randalierer, die jeden Andersdenkenden verprügeln wollen, „Anti-Faschisten“ nennen, aber wen kann man damit täuschen? Doch nur jemanden, der nicht weiß, was Faschismus ist.

Es gibt auch Menschen, die an dieser Stelle automatisch ihren Standard-Einwurf machen, nämlich, dass man doch auf jedes Auto kleben könne, was man wolle, denn es sind doch nur Autos, dass alle Äpfel doch gleich sind und das Recht haben sollten ein „Demeter“-Aufkleberchen zu bekommen und dass jede Gruppe sich doch nennen kann oder genannt werden wie wer auch immer will. Aber wen können sie dazu überreden? Doch nur jemanden, der die Bedeutung von Kennzeichen und Bezeichnungen nicht kennt.

Die Voraussetzungen für solche „Alles gleich“- und „Alles erlaubt“-Haltungen sind Unwissenheit, Mangel an Verständnis und Mangel an Differenzierung im Denken. Wenn man nichts versteht, dann kann man auch drauflos schwätzen, wie es einem gerade in den Sinn kommt. Wenn man das Konzept von richtig und falsch nicht versteht oder es bekämpft (weil man Angst vor Bewertungen hat), dann kann alles richtig oder falsch sein – je nach Lust und Laune.

Solche infantilen Intellektstufen sind solange kein Problem, wie sie keine gesellschaftliche, soziale oder institutionelle Macht haben. Da man in der modernen Welt ohne funktionierenden Intellekt nicht weit kommt, richten sich solche Menschen ganz von selbst in kürzester Zeit zu Grunde. Denn wer will mit ihnen schon irgendetwas tun außer Seemannsgarn zu spinnen und ab und zu vielleicht Autos oder andere Menschen zu demolieren? Wenn sie auch nur die geringste Entscheidungsgewalt über andere oder Einfluss auf andere haben, dann reißen sie sie mit ins Chaos und zerstören die Grundlage menschlichen Zusammenlebens, das auf Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und dem Einhalten von Regeln und Prinzipien beruht.

Wer auf der rationalen Ebene nicht mitkommt, der kann nur betreut leben und muss über Kontrolle auf der Spur gehalten werden. Unser Problem bis heute war, dass fast alle Menschen, die institutionell irgendeine Machtposition hatten (in Regierungen, Verwaltungen, sozialen Einrichtungen etc.), auf dieser Daseins-Stufe von Unverständnis und Kontrollzwängen agierten. Und je höher ihre Machtposition desto abhängiger waren sie von Außensteuerung und -lenkung. D.h. je höher wir diese Machtleiter nach oben verfolgten, desto größer wurde das Selbststeuerungs- und Verantwortungsvakuum, das stets ausgefüllt wurde von desintegrierten (und desintegrierenden) mechanischen und instinktiven Kräften, die stets nur ihrer Eigendynamik folgen, wenn sie nicht von strukturierenden Kräften reguliert und begrenzt werden. Die blinde (bewusstseinslose) Mechanik der Desintegration ist das, was im mytho-religiösen Sprachgebrauch als „Satan“ oder „Widersacher Gottes“ bezeichnet wird. Im Vokabular des mentalen Bewusstseins ist es nicht als Wesen, sondern als Prinzip zu begreifen: das Wirkprinzip von Isolation, Fragmentierung und schließlich Zerstörung.

Die ordnungsschaffenden Gegenkräfte liegen in dem, was wir Bewusstsein nennen: im Einfluss des Geistigen auf das Materielle. Was den Menschen auf emotionalem Bewusstseinsniveau zur Ordnung, Selbstbeherrschung und Reflexionsfähigkeit in der Begegnung mit der Realität fehlt, ist der Zugang zu einer mentalen, d.h. abstrahierenden und relativierenden Perspektive auf sich und die Welt. Dafür wollen wir als nächstes einen Blick auf die unterschiedlichen aufeinander aufbauenden Stufen von Bewusstsein werfen.

Stufen des Bewusstseins

Wir können Bewusstsein definieren als die Intensität des Geistigen im Erleben von sich selbst und Welt.

Bewusstsein zeigt sich konkret in erster Linie in der Art und Weise, wie wir uns und die Welt wahrnehmen und einen Bezug zwischen Eindrücken und der eigenen Identität herstellen. Das hat wenig mit Intelligenz zu tun, obwohl es mit steigendem Bewusstseinsgrad auch leichter wird, höhere Intelligenz zu entwickeln. Intelligenz jedoch ist weitgehend unabhängig von der Intensität der Selbst-Repräsentation, also von der Enge oder Weite der Identifikation. Identifikation ist ein Bewusstseinsaspekt. Je niedriger die Bewusstseinsfrequenz, desto undifferenzierter und allgemeiner und in dem Sinne breiter ist die Identifikation. Mit steigender Bewusstseinsintensität, d.h. also mit steigernder Differenzierung und Abstrahierung in der Wahrnehmung, desto präziser, feiner und damit auch schmaler wird das Feld der Selbstzuschreibungen und Identifikationen.

Bewusstsein entwickelt sich stetig, so wie eine Temperatur nur stetig steigen oder sinken kann. Wir können jedoch innerhalb des Kontinuums von Null-Bewusstsein bis zu vollständiger Selbst-Präsenz Stufen unterscheiden, die sich fundamental in ihren inhärenten Qualitäten unterscheiden, so wie sich die Aggregatzustände von Wasser eindeutig voneinander unterscheiden.

Die erste Stufe entspricht dem Aggregatzustand von Eis. Sie stellt das eindimensionale Bewusstsein dar, das wir als magisch-instinktiv bezeichnen können. Es umfasst ein Gewahrsein von körperlichen und energetischen Zuständen und Veränderungen und entspricht in etwa dem Bewusstseinsgrad eines Fötus gegen Ende der Schwangerschaft bis hin zu dem eines Neugeborenen. Selbst- und Welterleben setzen sich auf dieser Stufe nur aus unmittelbaren Reizen, Empfindungen und Reflexen zusammen, es gibt keine Repräsentation von „Ich“, sondern nur zeitlose Erlebnisse in der Polarität von Wohlbefinden und Schmerz. Referenzpunkt für alles sind vitale Strömungen und die basalen Überlebens- und (später dann) Fortpflanzungs-Mechanismen.

Die zweite Stufe entspricht dem flüssigen Wasser. Das zweidimensionale Bewusstsein umfasst zusätzlich zu den Körperempfindungen auch Emotionen und soziale Reiz-Reaktions-Muster. Also auch die Fähigkeit, sozial zu lernen, sich anzupassen, Rollen zu verinnerlichen, innere Bilder zu entwickeln wie im Traum und daraus einfache Geschichten und Narrative zu entwickeln, die aus Erlebnissen durch Erinnerung und bildliche Vorstellungskraft Erfahrungen machen, die weiter erzählt werden können. Deshalb können wir diese Bewusstseinsstufe, die einem Kleinkind bis etwa zum Grundschulalter entspricht, auch „mythisches Bewusstsein“ nennen, denn die Referenzpunkte für das Selbst- und Welterleben entstehen durch bildhafte Geschichten.

Zweidimensionales Bewusstsein ist also bildhaftes Bewusstsein, ihm entspricht ein Weltbild (besser: Welt-Kaleidoskop), das aus Bilder-Geschichten oder von Bild-Schirmen eins zu eins übernommen wird: es ist ein nicht-räumliches, nicht-kausales, nicht-logisches und irrationales Sammelsurium an Abbildungen, das durch Emotionen moduliert und zusammengehalten wird. Eine Unterscheidung zwischen Bild und Welt ist auf dieser Bewusstseinsstufe noch nicht möglich, weil es noch nicht genug Abstraktionsfähigkeit gibt. Konkrete Bilder und die durch sie ausgelösten Emotionen werden für die Welt gehalten. Menschen auf dieser Bewusstseinsstufe können nicht zwischen Fantasien oder Projektionen und Realität unterscheiden. Bedeutung hat für sie alles, was starke Gefühle oder Reflexe auslöst. Bildhaftes Bewusstsein lebt somit streng genommen immer in der Vergangenheit: in Erinnerungen, aufgenommenen Geschichten und sozial eingeprägten Mustern. Eine bewusste, d.h. reflektierende Wahrnehmung der 3D-Realität ist auf dieser Stufe nicht möglich.

Nebenbemerkung: es gibt einen interessanten Zusammenhang zwischen dieser zweiten Stufe und der Ablehnung von sexueller Polarität bzw. genauer der Ablehnung geschlechtlicher Realität. Der Ruf nach „asexuellen“ oder geschlechtsunabhängigen Rollen und- Konzepten bzw. der Ruf nach der Abkopplung gesellschaftlicher Normen von biologischen und hormonellen Tatsachen kommt ausschließlich von denen, die von der mentalen Stufe und der Mentalisierung ihrer natürlichen Sexualität – aus welchen Gründen auch immer –  überfordert sind. Es ist tatsächlich nicht der Ruf nach Asexualität oder Transsexualität (das sind Funktionen der vierten Bewusstseinsdimension), sondern nach frühkindlichen prä-sexuellen (Un‑)Bewusstheitsgraden, um dem enormen Schmerz einer beeinträchtigten oder verletzten Bewusstwerdung zu entkommen. Sie wollen im Grunde nichts anderes als die Mentalisierung und Bewusstwerdung von Geschlechtlichkeit für alle und alles bekämpfen, weil sie ihnen Angst macht. Entwicklungspsychologisch ist das auch verständlich, denn in der natürlichen psychischen Entwicklung des Kindes laufen der Übergang zum mentalen Bewusstsein und die Geschlechtsidentität parallel ab und unterstützen sich also auch gegenseitig. Wer in der Entwicklung seiner Geschlechtsidentität aus dem unmittelbaren Körpergewahrsein heraus gestört und emotional manipuliert wird, der wird dementsprechend auch in seiner allgemeinen kognitiven Entwicklung gestört und auf emotional-abhängigem Kleinkind-Niveau fixiert. Und umgekehrt.

Kleine machtpsychologische Zwischenfrage: welche Kräfte und Bestrebungen könnten daran ein Interesse haben?

Halten wir nun schon mal fest: eine volle eigene Geschlechtsidentität ist nur im Übergang vom emotional-sozialen Rollen- und Verhaltens-Bewusstsein zum mentalen Bewusstsein der Selbstreflexion und Selbstdefinition möglich.

Wenn wir also nun zur nächsten Stufe, dem mentalen Bewusstsein kommen, dann können wir an der Analogie zum gasförmigen Zustand des Wasserdampfes verdeutlichen, dass Bewusstsein so wie auch Wasser sich mit seiner Intensitäts- bzw. „Temperatur“-Steigerung mehr und mehr von einer körperlichen, begrenzten Struktur ablöst hin zu etwas, das in und zwischen Körpern liegt. Im Gas sind immer noch die gleichen Wassermoleküle vorhanden wie im Eis, aber nun viel freier, beweglicher und formbarer. Man kann Gas auch komprimieren und in einen festen Körper „sperren“, aber man könnte nicht umgekehrt Eis zu einer luftigen, expandierenden Wolke machen. Dementsprechend wachsen die Freiheits- und Beweglichkeitsgrade des Bewusstseins.

Das mentale Bewusstsein ist dreidimensional, es umfasst die ersten beiden Dimensionen und zusätzlich die Dimension einer begrifflichen, d.h. abstrakten Selbst- und Weltrepräsentation. Deshalb beginnt erst auf dieser Stufe das, was wir guten Gewissens als Denken bezeichnen können. Aller prä-mentaler Umgang mit Worten und „Sprache“ beschränkt sich auf Laute, Signale, Zeichen und Symbole. Wirkliches Sprechen im abstrahierend-begrifflichen Sinne beginnt erst auf dieser Stufe, die einem gesund entwickelten Kind zwischen dem sechsten bis etwa 14. Lebensjahr entspricht. Auf dieser Stufe können wir über uns und die Welt nachdenken und „in Gedanken handeln“, d.h. planen, (voraus-) berechnen und abschätzen. Die fortgeschrittenen Fähigkeiten des mentalen Bewusstseins ermöglichen es, aus neuen Begriffen zu lernen, neue konkrete Ideen aus allgemeinen Prinzipien oder Erkenntnissen zu deduzieren und somit erfinderisch zu sein. Wir lernen auf dieser Stufe weniger durch Erfahrungen, sondern viel mehr und schneller durch Dialog, Reflexion und die Anwendung von Denk-Prinzipien wie Logik, Plausibilität, Kohärenz – im Übrigen natürlich alles Kategorien, mit denen die früheren Bewusstseinsstufen nichts anfangen können.

Die Rückkehr zu einer gesunden Form dieser dritten Bewusstseinsstufe ist das Thema dieses Artikels und damit die Ausrichtung darauf, diese dritte Dimension zu verstehen und in ihrer integrativen Kompetenz bezüglich der vorausgehenden Bewusstseinsstufen. Es ist zunächst einmal unsere mental-abstrahierenden Bewusstseinsfähigkeiten, die zu einer (ersten) Integration der aktuellen Widersprüche und Konflikte führen und nicht, wie gerne von der zweiten Dimension schwärmerisch gewünscht wird, Gefühle, Intuition oder „herzerfüllende Liebe“.

Dennoch wollen wir auch noch einen Blick auf die nächst-höhere Stufe werfen, denn auf sie läuft die aktuelle Entwicklung mittelfristig hinaus, sobald die gesellschaftliche Organisation und Kultur der Menschheit gewisse Integrations- und Gesundungsprozesse durchlaufen haben. In einigen Jahrzehnten, ich würde vermuten, in zwei bis drei Generationen wird dann der nächste Schritt möglich und sichtbar werden, dass nämlich die fortschrittlichsten Menschen-Gemeinschaften von der vierten Bewusstseinsstufe geprägt und dominiert sein werden. Dies ist die Stufe, von der aus die aktuellen Umwandlungen und umfassenden Reparaturen auf allen Ebenen des menschlichen Lebens auf der Erde gesteuert werden.

Diese vierte Bewusstseinsdimension entspricht in unserer Analogie dem Plasma: ein hochenergetischer Zustand, der als „elektrisch“ bezeichnet werden könnte. In diesem Aggregatszustand erkennen wir den Übergang von Materie zu Energie oder Licht. Die vierte und vierdimensionale Bewusstseinsstufe ist losgelöst von jeder körperlich-räumlichen und konkreten Erfahrung und umfasst die Wahrnehmung der Wahrnehmung. Auf dieser Stufe beginnt psychisches Selbstbewusstsein. Zuvor gab es körperliche, emotionale und mentale Selbst-Erfahrungen und ‑Repräsentationen, was jedoch erst mit dieser höheren Bewusstseinsschwingung möglich wird, ist die Bewusstheit der eigenen psychischen Präsenz in allem Räumlichen. Damit findet eine weitere Abstraktion und Ich-Verminderung statt, indem sich das Bewusstsein vom fixen Raum-Zeit-Kontinuum frei macht und dieses nur noch als eine mögliche von vielen verschiedenen möglichen Projektionsweisen des Selbst- und Welt-Gewahrseins erkennt. Dadurch wird die eigene Identität zeit-unabhängig, was mit einem gesamt-biografischen Bewusstsein beginnt und sich zunehmend zu dem unmittelbaren Gewahrsein entwickelt, dass Vergangenheit und Zukunft zwei psychische Projektionsaspekte der Gegenwart sind, in denen man sich frei bewegen kann. Dieser Hinweis bezieht sich auch auf das Thema „Zeitreisen“, welches von den ersten drei Bewusstseinsstufen aus stets nur konkretistisch oder mythisch-märchenhaft und damit nur falsch interpretiert werden kann.

Die hier primär begrifflich-rationale Art und Weise der Beschreibung kommt bei der Darstellung der trans-rationalen Stufe natürlicherweise an ihre Grenzen. Wir müssen uns an dieser Stelle mit Andeutungen und Analogien zufrieden geben. Tatsächlich umfasst die vierte Bewusstseinsdimension das, was wir von einer stabilen dritten Stufe aus als Zustände von besonderer Präsenz, Wachheit und Selbstgewahrsam erleben können. Die Umstände und Erfahrungen, die diese Zustände temporärer vierdimensionaler Bewusstheit begleiten, sind nicht der vierten Dimension, was ohne Anleitung und Begleitung meist nicht erkannt wird, so dass viele Menschen von solchen Erfahrungen zu einer Jagd nach diesen Bedingungen für solche Zustände verführt werden, nicht selten mit fragwürdigen Hilfsmitteln und schädlichen „Abkürzungen“. Nach vielen erfolglosen Stabilisierungsversuchen resignieren sie dann irgendwann und werden pessimistisch oder verzweifelt-depressiv.

Wie alle Bewusstseinsstufen wird auch die vierte Stufe nur durch einen Prozess der Abstraktion, der Loslösung und Ich-Verminderung, Ich-Verkleinerung oder „Ich-Überwindung“ ent-deckt. Und wie alle Bewusstseinssteigerungen braucht auch diese Hilfe und Unterstützung von der angestrebten höheren Frequenz. Die spezifische stabile Ich-Ablösung von Stufe drei zu Stufe vier findet durch das Durchleuchten des mentalen, perspektivischen Ichs statt, welches durch diesen Prozess zunächst als Objekt statt identifikatives Subjekt und schließlich als virtuelles Objekt der wahrnehmenden und erfolgreich separierten Psyche erkannt wird.

Die Steigerung der Bewusstseinsfrequenz lässt sich allgemein als Steigerung der Durchlässigkeit und Resonanzfähigkeit erklären. So wie ein Eisblock hochgradig undurchlässig und kaum schwingungsfähig, Wasser schon deutlich mehr und Gas bereits leitfähig für sehr feine Schwingungen ist, so zeigt sich auch die Zunahme an Bewusstseinsintensität an wachsender Resonanzfähigkeit und Durchlässigkeit gegenüber sowohl äußeren Einflüssen als auch der Eigenwahrnehmung.

Magisch-instinktive (1D-) Identität neigt dazu, bei stärkeren Schwingungen zu brechen und zu fragmentieren, auch schon, wenn es emotionalem, sozialen Frequenzen ausgesetzt ist; das emotionale (2D-) Bewusstsein kann zwar soziale und gefühlsbetonte Schwingung, aber nicht die von Gedanken und Ideen aufnehmen. Mentales (3D-) Bewusstsein schwingt bereits feiner „zwischen den Zeilen“ aller sinnlichen Wahrnehmungen; und trans-rationales, integrales Bewusstsein ist so lichtdurchlässig, dass es die psychischen Kräfte innerhalb und zwischen Gedanken verarbeiten und mit ihnen schwingen kann; es ist deshalb nicht weniger sondern mehr als rational und umfasst die Dimension des klaren, räumlich-zeitlichen Denkens.

Zu jeder einzelnen Stufen ließe sich jeweils ein ganzes Buch füllen. Jean Gebser hat mit der Differenzierung dieser Epochen- und Kulturkonstituierenden Bewusstseinsstrukturen bereits in den 1950er Jahren begonnen, da allerdings noch in starker Abhängigkeit und begrifflicher Begrenzung einer hochgradig mental-fixierten Denktradition, die sich nur mit viel Mühe von der allgemeinen regressiven Sehnsucht nach magischer Eindimensionalität befreien konnte (wie sie in den Massenpsychosen rund um die zwei Weltkriege und parallelen Revolutionen eskalierten). Erst seit etwa 2017 endete diese Abwärtsdynamik und wir können seitdem die ersten mächtig hervorbrechenden Aufwärtsströmungen nutzen, um uns ein neues Bild unseres Werdens zu machen.

Im Folgenden werfen wir noch ein paar Blicke auf einige Aspekte, die das dreidimensionale Bewusstsein markant vom zweidimensionalen unterscheiden und eine Rolle spielen in Bezug auf das Thema dieses Artikels: Denken und Verstehen. Denn das ist der Kampf, den wir nun zuerst zu bestehen haben.

Geschichten- vs. Geschichtsbewusstsein

Erst auf der mentalen Bewusstseinsstufe entsteht die Fähigkeit, Fakten und Überlieferungen zu einem kausalen historischen Verständnis zu verknüpfen. Das bedeutet, erst auf der mentalen Bewusstseinsstufe gibt es ein Geschichtsverständnis. Erst auf dieser Ebene ist es möglich, Mythen und Legenden von realen Gegebenheiten zu unterscheiden, weil es dafür abstrakt-begriffliche Differenzierung braucht. Man kann diesen Unterschied nicht erleben, sondern nur durch Denken erfassen.  

Für zweidimensionales Bewusstsein ist Geschichte nichts Historisch-Faktisches, sondern etwas Persönliches, eine Frage der emotionalen Präferenzen, Wunschbilder und sozialen Prägungen. Menschen auf der emotionalen Bewusstseinsfrequenz interessieren sich nicht für Geschichte, sondern nur für Geschichten – und zwar nur für solche, die ihren emotionalen Bedürfnissen entsprechen. Mit historischen Analysen und Aufdeckungen realer Zusammenhänge können sie nichts anfangen und sie bekämpfen sie mit aller Kraft, sobald sie nicht ihren vertrauten Mythen und Vorstellungen entsprechen. Wir dürfen nicht vergessen, dass das emotionale Bewusstsein sich Identität nur aus Geschichten bilden kann und auch sein Weltbild nur aus Bildern und Narrativ-Fragmenten zusammen reimt. Tatsächlichkeit und Faktizität spielen dabei gar keine Rolle – diese Kategorien gibt es auf dieser erlebens- und gefühlsgesteuerten Eben nicht. Um Historie und überhaupt alles Weltgeschehen zu erfassen, muss man in abstrakten Begriffen und Kategorien denken können. Man muss vor allem von dem persönlichen, erfahrungszentrierten Wahrnehmungsradius des eigenen Lebens abstrahieren können und eine nicht-persönliche Perspektive einnehmen können. Für das persönlich-emotionale Bewusstsein ist das unmöglich, für diese Verarbeitungsstufe ist „die Welt“ nur die Projektionsfläche nach außen verlagerter eigener Gefühle, Intuitionen, Bedürfnisse und verdrängten Anteile.

Alles, was Aufklärung genannt werden kann, kann nur vom mentalen Bewusstsein genutzt, genossen und gewertschätzt werden. Für alle früheren Stufen stellt es eine massive Bedrohung – nämlich ihrer infra-mentalen Identität – dar. Für emotional projizierte Weltbilder bedeutet Aufklärung Tod und Vernichtung, und etwas anderes ist für sie nicht bekannt und nicht imaginierbar.

Da die Medien ganz besonders in unseren Landen seit Jahrzehnten ohne Ausnahme höchstens noch auf der Frequenz von emotionalem Bewusstsein und meist auf niedrigerer Frequenz senden und auch unser gesamtes Bildungssystem in seiner Grunddynamik durch und durch mythisch-religiös funktioniert und dominiert, ist es für den allergrößten Teil der Menschen äußerst ungewohnt und schwierig, sich auf eine rational-mentale Frequenz einzustellen.

Deshalb ist es für die meisten auch so unsäglich schwer, sich für tatsächliches Weltgeschehen, für reale Geopolitik, für faktische Geschichte und historische Ursachen zu interessieren, geschweige denn, sie zu verarbeiten. Sie haben sich an gewisse Narrative gewöhnt, die ihnen ein emotional vertrautes Selbst- und Weltbild vermitteln, dessen Wirkkraft und Stabilität auf kindlicher Simplifizierung, Redundanz, Beruhigung und einer Mischung aus Lähmung und unberührter Zufriedenheit besteht.

Aus dieser ritualisierten Weltanschauung, die bequem,  gemütlich und beruhigend ist, werden die Menschen jäh geweckt, sobald sie mit einer mentalen, d.h. rational-logischen und kausal-faktischen Aufklärung konfrontiert werden. Sie würden sie niemals von sich aus suchen, sie vermeiden sie sogar mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Aber was passiert, wenn reale Tatsachen ihnen so präsentiert werden, dass sie keine Ausweichmöglichkeiten mehr haben, weil die gewohnten regressiven Medien einfach abgeschaltet wurden?

Seine Weltbilder-Sammlung zerfällt und seine Denkschubladen lösen sich in Luft auf. Aus der prä-mentalen Sicht und auch aus defizienter, materialistisch fixierter mentaler Sicht ist das das Ende der Welt. Und je nachdem, wie persönlich und vor allem auch materiell man in diese mythisch-emotionale Weltbilder verstrickt und investiert war, ist es auch das Ende der eigenen Identität und damit für manche von dem, was sie ihr „Leben“ nannten.

Auf prä-mentalen Bewusstseinsstufen kann man keine Entscheidungen fällen, Dinge geschehen einfach und man reagiert. Echte Ent-Scheidungen bedürfen des kausalen und zeitlichen Denkens mit Vorstellungen von Möglichkeiten und Konsequenzen. Außerdem braucht es für eine Entscheidung einen wertebezogenen Referenzpunkt, ansonsten bleibt es bei Reaktionsmustern auf der Basis früherer Erfahrungen. Am Ende einer zweidimensionalen Vorstellung und im Übergang zu einer dreidimensionalen Realisation liegt also für alle Menschen unterhalb des mentalen Bewusstseins nicht eine eigene Entscheidung, sondern eine Bestimmung, die sich als pure Konsequenz aus ihren Fantasiebildern und ihren Reaktionen ergibt. Man könnte auch sagen, dass sie sich nicht selbst neu ausrichten können und daher aus-gerichtet werden.

Das Jüngste Gericht am Scheideweg

Wer es fassen kann, der möge es fassen: die aktuelle Bedrohung der Menschheit und damit aller Menschen weltweit kann man nur mit gesundem Menschenverstand überwinden.

Alle sub-rationalen Bewusstseinsstufen haben so gut wie keine Chance, diese Krise und Reparatur der maximalen Entfremdung zu überleben, denn sie ist primär keine Krise unserer körperlichen Integrität, unseres sozialen Zusammenhalts, unserer Moral oder unserer Intuition, sondern eine Herausforderung unserer Steuerungsfähigkeiten, d.h. unserer Fähigkeiten, uns zu orientieren und Entscheidungen zu treffen. Wer auf sub-rationaler Bewusstseinsstufe lebt und agiert und sich dementsprechend ausschließlich instinktiv, emotional („intuitiv“) oder sozial orientiert, der hat zunächst jenes relativ harmlose Killer-Virus-Narrativ geglaubt und seine totalitären Begleiterscheinungen entsprechend mitgemacht. Das existenziell Entscheidende kommt jedoch erst im zweiten Schritt: als Konsequenz wird sich der „Corona“-Gläubige oder Autoritätshörige ebenso gehorsam „impfen“ lassen. Die tödliche Gefahr dieses zweiten Schrittes kann man nur mit dem Verstand, d.h. mit dem skeptischen, prüfenden Denken erkennen. Intuitiv und gefühlsmäßig ist nicht zu ermitteln, dass es sich hierbei um ein Risiko von Totalverlust (Tod) mit 0% Gewinnchancen handelt. Auf so eine Dynamik kann man sich nur irrational einlassen.

Nur wer verstanden hat, dass diese „Impfung“ tödlich ist, kann sich richtig entscheiden, denn es gibt keinen rationalen Grund, sich für die gewaltsame Beendigung des Lebens ohne irgendeinen Vorteil zu entscheiden. Es macht keinen persönlichen Sinn, an einem fundamental sinnlosen Spiel teilzunehmen, bei dem man ausschließlich verlieren kann. Es macht jedoch einen universellen, kollektiven Sinn, wenn das „Spiel“ so kreiert wurde, dass die meisten Entscheidungsunfähigen (d.h. Prä- und Irrationalen) darin untergehen, d.h. somit aus dem Kollektiv aussortiert werden. Und zwar von ihrer eigenen Dynamik, denn dieses mörderische „Spiel“ wurde von den irrationalsten Machtjunkies kreiert und von ihren irrationalen Strukturen gefördert. D.h. universell betrachtet ist es kein Mord, sondern Selbstmord innerhalb bzw. unterhalb einer bestimmten Bewusstseinsschicht der Menschheit.

Die Logik dieser Dynamik ist keine von Risiko- und Gewinn-Verhältnis, sondern es ist die Logik von Selektion und Aussonderung. Die Linie zur Unterscheidung liegt nicht innerhalb des Spiels – z.B. in einer bestimmte Art des Mitmachens, im Glück oder in besonderen Spielfähigkeiten – sondern allein in der Tatsache, ob man mitspielt oder nicht. Es ist eine Alles-oder-nichts-Logik, man kann nur teilnehmen und alles verlieren oder nicht teilnehmen und dadurch existenziell verschont bleiben. Es gibt nichts zu gewinnen, sondern nur zu retten. (Deshalb der wiederholte militärstrategische Hinweis auf die Spieltheorie.)

„Gerettet“ werden kann man nur, wenn man sich aktiv gegen die Teilnahme, also gegen die vollkommene Selbstaufgabe stellt – oder von jemandem aktiv abgehalten wird, der die Vormundschaft für einen übernimmt, aber das läuft auf das gleiche hinaus: nur der Rational-Vernünftige, der eine mental fokussierte, verstandesbasierte Entscheidung treffen und durchhalten kann, hat die innere Fundierung, um trotz des massiven Drucks auf den reaktiven, emotionalen und sozialen Bewusstseinsebenen bei Vernunft zu bleiben und sich von der Vernunft lenken zu lassen. Mit anderen Worten: die Menschen werden getestet, ob sie sich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen, auch wenn es gegen ihr Gefühl, gegen ihre Gewohnheiten, gegen ihre Bequemlichkeit, gegen ihre soziale Programmierung, gegen ihre Konserven-Moral und gegen ihre gelernten Konzepte und Vorstellungen geht.

Bestehen können diesen Test nur diejenigen, die etwas anderes und Unabhängiges in sich tragen, von dem sie sich lenken lassen. Dies muss eine innere Instanz sein, die den Wert des eigenen Lebens und der Selbstbestimmung gegen alle Widrigkeiten hochhalten und verteidigen kann. Es ist nicht so sehr ein Intelligenz-Test, als vielmehr ein Integritäts-Test: nur bei genügend Integrität, also genügend psychischer Intaktheit, die Verstand und Vernunft, also seine Entscheidungskraft mit einschließt, kann man diesen Test bestehen und der Todesklippe entkommen. Ansonsten stürzt man ab.

Das ist der Clou bei der ganzen Angelegenheit. Es ist ein Stresstest der Selbststeuerung, ob sie unter massivstem Druck von Fremdsteuerung noch bestand hat oder zusammenbricht. Hier findet der längst überfällige kosmische Bewusstseins-TÜV statt: die erforderliche Selbststeuerung kann nur aufrecht erhalten werden, wenn man eine Bewusstseinsintensität und -kompetenz  hat, die oberhalb der Manipulations-, Täuschungs- und Verführungsversuche der sozialen Steuerungssysteme liegen. Wenn sie kollabiert, führt das an der Tod-oder-Leben-Schranke der letalen Injektion zur Aussortierung aus dem Kollektiv.

So ist eine zeitliche Schwelle kreiert, die im Großen und Ganzen nur bestimmte Menschen mit einer hohen Integrität überschreiten können. Hinter dieser Schwelle, also ab einem gewissen Zeitpunkt, besteht das Menschheitskollektiv dann (fast) nur noch aus den Menschen, die diese Prüfung bestanden haben. Falls wir nach einem irdischen Äquivalent für ein Jüngstes Gericht suchen wollten, wäre das wohl der Favorit: man überlebt diesen „Tag“ nur mit einer vordefinierten Bewusstseinsintensität und findet sich danach in einem Kollektiv wieder, dessen Bewusstseinsbasis und -durchschnitt eine viel höhere Stufe repräsentiert.

Wenn auch schon seit Jahrzehnten viel von einem bevorstehenden „Bewusstseinssprung der Menschheit“ gesprochen wurde, so wurde wohl selten bis nie diese Dynamik beachtet: dass es gar nicht darum geht, die individuelle Bewusstseinsfrequenz vieler Menschen zu erhöhen, sondern darum, dass das Durchschnittsbewusstsein der lebenden Menschen einen Sprung nach oben macht. Dies lässt sich viel leichter, schneller und wahrscheinlicher erreichen, indem die Repräsentanten der unteren Bewusstseinsfrequenzen entfernt werden bzw. sich selbst entfernen. Dieser Selektionsprozess ist viel organischer und systemenergetisch betrachtet auch viel wahrscheinlicher. Und er ist mindestens ebenso effektiv, wenn nicht sogar effektiver, weil schneller, stabiler und risikofreier, denn nur so kann das Grund(selbst-)bewusstsein der Menschen innerhalb kurzer Zeit (d.h. innerhalb weniger Monate) auf jene höhere Stufe katapultiert werden, die für die post-apokalyptische Welt notwendig ist. Es ist also gar nicht notwendig, den fragwürdigen Versuch zu unternehmen, alle oder die meisten Menschen in ihrem individuellen Bewusstsein zu befördern – was bei genauer Betrachtung auch unmöglich ist.

Das Jüngste Gericht ist kein Prozess der Machtdemonstration und Bestrafung, wie es die konkret-physische (1D-) Bewusstseinsstufe stets fürchtet, und auch kein Beschuldigungs-, Erniedrigungs- oder Verbannungsprozess, wie es die emotional-soziale (2D-) Bewusstseinsstufe imaginiert. Es ist nicht einmal ein Bewertungs- und Verurteilungsprozedere auf rein rationaler Ebene, sondern eine trans-rationale Verwirklichung von Richten im Sinne von Ausrichten und Richtigstellen. Es ist eine Art natürliche Kurskorrektur nach einer zu extremen Entfremdung und sie bringt eine Wieder-Einrichtung mit sich wie ein Wiedereinrenken eines Gelenks.

Und warum ist das Gericht das „jüngste“? Vielleicht sollten wir „jung“ hier nicht im Sinne von „neu“ oder „kürzlich“ verstehen, sondern im Sinne von eng, spitz zulaufend oder noch besser: konzentriert. So wie wir von der Verjüngung einer Röhre sprechen, die wie ein Gewehrlauf immer weiter verdichtet, um letztlich auf einen vorgestellten Punkt zuzulaufen. Das „Jüngste Gericht“ ist dann eine sich konzentrierende, sich zuspitzende Neu-Ausrichtung und Berichtigung, die eben auch alles Nicht-zu-berichtigende aussortiert und entmachtet. Es ist wie das neutestamentliche (und koranische) Nadelöhr, durch das nur schmale, fein gedrehte Fäden hindurch passen und keine groben Seile (das alt-arabische Wort für „dickes Seil“ ist in seiner Schreibweise sehr ähnlich dem Wort für „Kamel“, daher wohl der bis heute tradierte Übersetzungsfehler, ein „Kamel“ passe nicht durch das Nadelöhr. Das Kamel war irgendein Übersetzer.)

Der Hinweis auf das Nadelöhr und das schmalste Gericht zeigt uns, dass es darum geht, so klein und wenig wie möglich zu sein, um auf die „andere Seite“ des Prozesses zu gelangen und dass es hinderlich ist, wenn man zu viel ist, hat oder mit sich herumträgt.  Wer in diesem Epochenwechsel und Zeitenwandel weiterkommen will, muss also hindurch. Das Jüngste Gericht ist das sich-verjüngende, konzentrierende Gerichtet-Werden des Durchgangs ins kosmisch notwendige Neue. Und was sagt das Gericht? „Geh richtig!“, also „Geh recht!“. So wird man in diesem Durchgang durch das ein schmal zulaufendes Gerichtet-Werden hindurch für das Neue ausgerichtet, um ihm ge-recht zu werden.

Bewusstsein, nicht Kompetenz

Weil es so schnell zu Vermischungen und Missverständnissen führt, sei hier noch einmal darauf hingewiesen, dass es bei diesen Betrachtungen um die Veränderung von Bewusstseinsintensitäten geht und nicht um Wissen, Fähigkeiten, Intelligenz oder besondere Eigenschaften.

Menschen können viel wissen und sehr kompetent sein – z.B. fachlich, technisch, rhetorisch, sozial usw. – ohne dass dies etwas über ihre Bewusstseinsfrequenz aussagt. Das ist oft verwirrend, weil wir in unserer Kultur gelernt haben, Wissen und Kompetenz mit Autorität und geistiger Reife gleichzusetzen. Diese Dimensionen sind jedoch völlig unabhängig voneinander und können, müssen aber nicht zusammen auftreten.

Woran erkennen wir eine höhere Bewusstseinsfrequenz?

Diese Frage klingt sehr einfach, die Antwort ist jedoch vertrackter als es scheinen mag, denn höhere Bewusstseinsfrequenzen können von niedrigeren per se nicht erkannt werden. Sie werden höchstens als anders und fremd und dabei meistens als angsteinflößend erlebt und dann als bedrohlich interpretiert. Man müsste diese Frage für jede Bewusstseinsdimension separat beantworten. Der Kürze wegen beantworten wir sie hier nur für die mentale Stufe, denn das Format dieser Blogtexte richtet sich an diese mentale Stufe und ihre Verstehens-Kapazitäten und -Neigungen.

Die mentale Bewusstseinsdimension zeichnet sich gegenüber ihren Vorstufen durch folgende Tendenzen ab:

  1. Verstehen wollen und sich für wachsendes Verständnis engagieren.
  2. Starke Motivation, sich aus der Abhängigkeit von Empfindungen, emotionalen Reaktionen und persönlichen Mustern lösen und unabhängig davon denken, erkennen und verstehen zu können.
  3. Suche nach immer umfassenderen Abstraktionen, Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhangs-Modellen.
  4. Streben nach Kohärenz, Logik und Plausibilität in Erklärungsmodellen, Welt- und Selbstbildern; Erkennen von Mangel an Plausibilität, logischen Brüchen und irrationalen Verknüpfungen.
  5. Engagement für Dialog und Austausch mit Argumenten, Belegen, rationalen Verknüpfungen.
  6. Interesse an anderen Perspektiven, Anschauungen und Erkenntnissen. Neugier gegenüber allem Geistigem und allem, das das Verstehen erweitern könnte.
  7. Fragen nach Begründungen und Beweisführungen hinter Meinungen (statt z.B. nach Autoritäten oder Zustimmungs-Quoten).
  8. die Fähigkeit, aus Gesprächen und Mitteilungen anderer zu lernen, d.h. die eigenen Ansichten zu erweitern.
  9. Zielorientierte, intentionale Handlungs- und Ausdrucksweise, die begründet und verändert werden kann; daher auch strategisches Denken und Handeln.
  10. Moralische Integrität, d.h. Kongruenz zwischen Werten, inneren Haltungen und dem eigenen Verhalten.
  11. Beginn von Verantwortungsfähigkeit als kognitive repräsentierte und beständige Selbstpositionierung und Selbst-Einbeziehung in Bezug auf Intentionen, Handlungen und ihren Konsequenzen und in Verbindung mit eigenen Werten und ethischen Prinzipien.

Diese Liste ist nicht vollständig, aber sie dürfte die wichtigsten Merkmale der mentalen Bewusstseinsdimension enthalten. 

Bewusstseinsintensivierung und Heilung

Es sei noch darauf hingewiesen, dass die meisten psychologischen Therapien und Coaching-Ansätze darauf abzielen, jemanden auf dieses Bewusstseinsniveau zu bringen. Das gilt nicht für die breite Phalanx von Pseudo-Therapien, deren Zieleffekte sich auf die Stabilisierung von Wohlbefinden, psychosomatischer Zufriedenheit, sozialer Anpassung und/oder wirtschaftliche Eingliederung beschränken. Sie tendieren dazu, Menschen auf der Stufe von emotional-sozialem Bewusstsein zu arretieren und ihnen Erleichterungen von der permanenten Reibung mit der Realität durch regressive Zustände der Selbstvergessenheit und einer infra-mentalen, kindlichen Identität zu verschaffen.

Interessant an diesem Therapie-Aspekt ist für unsere Analyse hier, dass Bewusstseinserweiterung stets auch heilsam wirkt. Dabei heilen nicht höhere Bewusstseinsfrequenzen selbst, aber sie wirken magnetisch auf sowohl ordnende (geistige) als auch vitale (körperliche) Kräfte, wodurch Heilungs- und Wiederherstellungsprozesse gefördert und beschleunigt werden. Das ist der Grund, warum alle ernstzunehmenden psychosomatischen Therapieansätze versuchen, die Bewusstseinsfrequenz von Menschen auf die mentale Bewusstseinsebene anzuheben – sei es in Bezug auf einen spezifischen Aspekt ihres Wesens oder sei es allgemein in der Erweiterung ihrer Wahrnehmung und kognitiven Verarbeitung von sich und der Welt.

Heilungsprozesse sind so gut wie immer mit Schmerzen verbunden. Ich hatte an anderer Stelle schon näher erläutert, warum dies in der Natur der Sache liegt, denn nur durch den Schmerz wird das Gewahrsein an die Bruchstelle zwischen wesenhaft richtiger Ordnung und vorhandener Unordnung oder Abweichung gebracht, was wir als Verletzung beschreiben. Der Schmerz leitet den Heilungsprozess ein, d.h. er zieht das Gewahrsein und damit Gesundungskräfte an. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass die Konfrontation mit einem intensiveren oder „höheren“ Bewusstsein in den meisten Fällen Schmerz auslöst. Je größer der Unterschied desto größer der Schmerz. Daher kommen auch die vielen und teils immensen Abwehrreaktionen gegen Begegnungen mit einer höheren Bewusstseinsfrequenz. Es ist so wie wenn wir zu schnell vom Dunklen ins Licht kommen und die Augen durch das zu starke Licht schmerzen. Nicht das Licht ist falsch oder schlecht, sondern die Augen brauchen Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Eine Kultur der akademischen Einfältigkeit

Diese Abmilderung und Begleitung zu höherem Bewusstsein wird im menschlichen Leben durch die Kultur vermittelt, in der er lebt. Da wir jedoch seit vielen Generationen keine Kultur der Höherorientierung mehr haben, sondern fast ausschließlich nur noch die Regression auf primitivere, d.h. zwei- oder eindimensionale Bewusstseinsstrukturen gefördert und verstärkt wird, sind die meisten Menschen bereits in der Begegnung mit mentalem Bewusstsein massiv überfordert und desorientiert. Sie reagieren dann damit, dass sie sich in ihren gewohnten Verarbeitungsweisen umso mehr abschotten und isolieren – in Gruppen oder für sich alleine.

Besonders gewöhnungsbedürftig ist es, den Mangel an mentalem Bewusstsein bei Akademikern zu erkennen. Dabei ist er bei ihnen besonders verheerend, denn sie besetzen in der Gesellschaft die geistig und intellektuell mächtigsten und verantwortungsvollsten Positionen.

Aber Intellekt ohne mentales Bewusstsein – gibt es das? Wissen ohne Neugier? Fachkompetenz ohne Verständnis? Diskussionen ohne Dialogfähigkeit? Eloquenz ohne Inhalt? Konzepte ohne Realitätsbezug? Glaubensdogmen ohne Reflexion? Meinungen ohne Begründungen? Erklärungen ohne Logik? Hypothesen und Theorien ohne Rationalität? Strategien und Praxis-Empfehlungen ohne Realitätsanbindung? Autorität und Prestige ohne Integrität? Und Bildungs- und Führungsaufgaben ohne Verantwortung?

Diese skurril anmutenden Kombinationen stellen den realen gegenwärtigen Zustand unserer akademischen Klasse dar auf den sich unserer Kultur herab gearbeitet hat – nicht den Zustand jedes einzelnen Akademikers, aber des allgemeinen Standards und der allgemeinen Ausrichtung. Verstehen kann man diesen defizienten Zustand nur, wenn man Wissen, Kompetenzen, soziale Rollen und Verhaltensweisen von der Bewusstseinsfrequenz unabhängig betrachtet.

Wie ich an anderer Stelle schon ausführlicher dargestellt habe, sind Akademiker innerhalb unseres Bildungssystems zum größten Teil Menschen, die gelernt haben und darauf gedrillt wurden, ihren Intellekt dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sozialer Anerkennung unterzuordnen. Das bisherige sogenannte „Bildungssystem“ fördert Menschen mit geringem oder zerschossenem Selbstwertgefühl, indem es ihnen eine Ersatzidentität in der Form von Abschlüssen, Titeln und prestigeträchtigen Positionen funktionaler Autorität anbietet.

Es ist wie eine Kirche ein hierarchisches System, in dem man durch Hörigkeit, Gehorsam und geistige Unterwerfung nach oben kommt, um als Gegenleistung von diesem System immer mehr Macht geliehen zu bekommen. Gefördert wird also infra-mentales, prä-rationales Bewusstsein, das sich an emotionaler Abhängigkeit und sozialen Machthierarchien und entsprechenden Anreizen orientiert. Vielen wird die Kinnlade herunterfallen, wenn sie einsehen, dass die Akademiker und Intellektuellen mittlerweile – spätestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts ganz sicher – die Kinder der Nation sind – und die hilflosesten und abgekoppeltsten obendrein.

Nur so lässt sich der Zustand unserer Gesellschaft und die völlige Verwirrung und Orientierungslosigkeit verstehen, denn wir haben fast keine Intellektuellen mit verantwortungsfähigem Bewusstsein mehr (und die wenigen, die es haben, werden vom System exkommuniziert und mundtot gemacht). Das erklärt, warum unsere Richter und Staatsanwälte so abgrundtief unmoralisch urteilen und agieren. Das erklärt, warum so viele Ärzte ihre Patienten mit Pharmaprodukten quälen und in den Tod schicken. Diese naiven Jünger der Medizin spritzen nur deshalb besonders eifrig und mit all dem moralischen Stolz gehorsamer Kinder eine bekanntlich tödliche Genmanipulation in ihre ebenso naiv-folgsamen Patienten, weil sie glauben, dass irgendwer irgendwann irgendwie ja ganz sich schon die Verantwortung dafür übernommen und es abgesegnet hat.

So erklärt sich auch, warum Pädagogen die Kinder nicht nur ideologisch und vollkommen irrational mit dem indoktrinieren, was ihnen gestern von einer Behörde vorgelegt wurde, sondern sie auch mit aller Hitzigkeit und Frömmigkeit dazu zwingen, Anti-Atem-Masken zu tragen. Das erklärt, warum wir auf dem Buch-, Kunst- und Medienmarkt mit so viel geistigem Müll der absurdesten und krankesten Art zugeschüttet werden. Es erklärt auch, warum gerade so viele Akademiker und Akademiker-Kinder geradezu emotional entrückt dem himmelschreienden Unsinns-Mythos vom Klimawandel und „Klimaschutz“ hinterherlaufen (und ebenso natürlich den vollkommen irrealen Corona- und Impf-Narrativen).

Auf der emotionalen Bewusstseinsfrequenz gibt es noch nicht die Fähigkeit, von eigenen affektiven Reaktionen, Gefühlen und Launen zu abstrahieren, deshalb ist auf dieser Stufe alles persönlich. Aus dem gleichen Grund ist alles, was nicht persönlich ist, uninteressant und bedeutungslos. Einer der Hauptgründe, warum sich die Menschen schon seit Jahrzehnten nicht mehr für Politik und umfassende gesellschaftliche Bewegungen und Bezüge interessieren – allen voran die jungen Generationen, die in den letzten drei Jahrzehnten aufgewachsen sind – liegt nicht an einer angeblichen „Politik-Verdrossenheit“, sondern an der prägenden Regression unserer Kultur von mentalen Referenzpunkten (so noch bis in die 1950er Jahre hinein) herab zu nur noch emotional-sozialen Referenzpunkten (bis in die 1990er Jahre) und seitdem zunehmend sogar nur noch zu archaisch-instinktiven Referenzpunkten.

Es ist nicht Desinteresse, sondern die Unfähigkeit, übergreifenden Begriffen eine Bedeutung zuzuordnen und überhaupt realitätsverknüpfte abstrakte Bezüge herzustellen. Das scheinbare und sogenannte „politische“ Engagement der Menschen der letzten Jahrzehnte ist bis ganz nach oben in die Partei- und Organisationsspitzen hinein nichts weiter als eine emotionale oder großteils sogar nur noch magisch-intuitive Aktivierung für die eigenen unmittelbaren Bedürfnisse und Weltbild-Illusionen. Alles Politische der letzten über 70 Jahre scheiterte nicht an einigen Fehlern, sondern an der fundamentalen Inkompetenz, im Sinne von Ganzheiten zu denken und von der eigenen persönlichen Selbstbereicherung zu abstrahieren. Maßgeblich dafür ist nicht, was die Protagonisten sagen oder tun und wie altruistisch und kollektivbezogen sie sich gerieren, sondern nur, was sie zu ihrem Verhalten motiviert und was dadurch erreicht bzw. verhindert wird.

Wenn wir mit rationalem Bewusstsein betrachten würden, aus welcher Motivation heraus die Führungscharaktere unserer Welt agieren und auf welchen Intentionen ihre Macht- und Organisationsstrukturen aufbauen, würden wir sofort alles daran setzen, 99% von ihnen abzusetzen und in den meisten Fällen sogar auf Lebenszeit wegzusperren (zu unserem und ihrem eigenen Schutz). Dass dies bisher nicht nur nicht geschehen ist, sondern von den meisten Menschen bis heute (Spätsommer 2021) als unverständlicher Extremismus empört abgelehnt wird, belegt, auf welcher Bewusstseinsstufe sich die Masse der Menschen bewegt – und auf welcher nicht.

Auf der emotionalen und umso mehr auf der instinktiven Bewusstseinsstufe geht es nur darum, sich unmittelbar wohl zu fühlen. Ihre Referenzpunkte im Leben sind soziale Bedürfnisse, Gefühlszustände, Emotionen. Nach ihnen richtet sich alles – eben auch das Denken, der Umgang mit Wissen, Bildung, mit Worten und Konzepten. Menschen können sehr „gebildet“ sein im Sinne von viel Wissen (Informationssammlungen), vielen Meinungen und diversen Fachkompetenzen ohne jedoch jemals eine mental-rationale Perspektive auf sich selbst und die Welt entwickelt zu haben. Sie funktionieren gut in vorstrukturierten Kontexten, die ihnen vorgeben, was sie tun und sagen müssen, um das „Richtige“ zu tun, um dazuzugehören, sich soziale Anerkennung zu sichern und sich innerhalb der System-Vorgaben Prestige und Privilegien zu „verdienen“. Dafür muss man kein einziges Mal eigene Ziele formulieren, man muss niemals sein Verhalten, sein Konsequenzen oder die Ethik dahinter kritisch reflektieren und man kann unterhalb des Radars für Zweifel, Fragen, Selbstreflexion und eigenständigem Denken funktionieren.

Ja, wir dachten, wir wären von dieser Form von Hörigkeit 1945 – Simsalabim! – magisch befreit worden und hätten sie für alle Ewigkeit hinter uns gebracht. Das war und ist das allseits geliebte Wohlfühl-Narrativ für alle Gewissensgeplagten und Verunsicherten, die sich gerne in irrationale Geschichten einwickeln und autoritär beruhigen lassen. Dieses Narrativ zusammen mit all den gängigen Abwehrreaktionen gegen jede Form von Aufklärung, historische Prüfung und differenzierte Analysen ist der offenkundige Beleg dafür, dass wir heute mindestens den gleichen magisch-mythischen Bezug zur Welt und zur Realität haben wie es die berauschten Anhänger oder Mitläufer der Nazi-Ideologien waren.

Heute nennt es sich „Anti-Faschismus“ und ist auf noch primitivere und verblendetere Weise faschistisch als seine ideologischen Vorgänger, die angeblich bekämpft werden. Dass Faschismus und jede erzwungene Form von Sozialismus Formen der politischen Linksradikalität sind, lässt sich den Mythosgläubigen gar nicht mehr nahebringen. Sie sind so radikal link, dass ihnen sogar die Fähigkeit abhanden gekommen ist, die Bedeutung dieser Begriffe zu erfassen und sagen zu können, wogegen genau sie kämpfen. Radikal link zu sein, bedeutet, sich so sehr selbst zu täuschen, dass man sich von intellektuellen Trickdieben und Dünnbrettbohrern über den Tisch ziehen lässt und sich darüber sogar noch eine seltsame Abart von „Stolz“ und Überheblichkeit konstruiert. Die Opfer dieser Dynamik kämpfen und pöbeln unter beliebigen anti-rationalen Parolen solange es sich „irgendwie richtig anfühlt“.

Wie so häufig ist das Gegenteil von diesem zwanghaft verteidigten Mythos der Fall: das Nazi-Regime war erst der Anfang und nur ein erster grober Probedurchlauf für die vollständige Ent-Mentalisierung und affektiv-emotionale Totalsteuerung der großen Mehrheit vor allem des theodischen Volkes. Heute erst haben wir sie realisiert. Das Prinzip dafür musste erst entdeckt und vorbereitet werden: erzähl den Menschen, dass sie gegen das Böse kämpfen und sag ihnen genau, was sie dafür tun, sagen und denken dürfen; tabuisiere jeden mental-rationalen Impuls und belohne affektive Folgsamkeit und unreflektiertes Agieren; sorge vor allem dafür, dass die Kinder möglichst früh von eigenständigem Denken ferngehalten und für intellektuelle Imitationen der Systemvorgaben belohnt werden.

Menschen, die dieser Indoktrination so früh schon und so intensiv unterworfen waren, dass sie Teil ihrer Identität wurde (sog. „Gutmenschen“ im chronischen Kampf gegen Fakten und Realität), reagieren auf solche Betrachtungen allergisch. Sie bedrohen den Mythos ihrer Identität und ihres Weltbildes. Der Mythos ist objektiv und nachprüfbar falsch, aber subjektiv psychisch essentiell, denn ohne diese Narrative und emotionalen Selbstzuschreibungen, wissen sie nicht, wer und wie sie sind. Das ist die Schwelle zwischen dem emotional-mythischen und dem mental-rationalen Bewusstsein, die natürlicherweise im Alter von etwa 5-6 Jahren und dann mit viel Leichtigkeit und Entwicklungsbegeisterung überschritten werden sollte.

Schon 10 Jahre später ist dies sehr viel schwieriger und schmerzhafter, weil sich über diese 10 Jahre hinweg eine rein emotionale und irratonale Identität gebildet hat, die von nichts so sehr geprägt ist wie von Angst. Denn die komplexe Welt der mentalen Konstrukte macht dem emotionalen Bewusstsein schlichtweg Angst – das ist die affektiv kontrahierende Reaktion auf Orientierungslosigkeit, Hilflosigkeit und Überforderung. Wir können nun verstehen, was aus dieser Angst vor der kindlichen Schwelle zum Mentalen wurde nach weiteren 10, 20 oder 30 Jahren Unterdrückung, Verhinderung und Identitätsverfestigung…

Bewusstwerdung zur kulturellen Wiederbelebung

Wir haben uns in unserer Kultur lange genug  nach den Unverständigsten, nach den mental Einfältigen und den Mytho-Ideologen gerichtet. Und wo sind wir damit gelandet? In der Abspaltung von unserer Natur bis hin zu Selbstzerstörung.

Wir leben deshalb in einer Dynamik der Gewalt, weil Menschen zu Gewalt neigen, wann immer sie sich überfordert und ohnmächtig fühlen. Ohnmächtig sind wir, weil wir ein blindes Technokraten-System kreiert haben, das auf Bedürfnisse und Notwendigkeiten gar nicht mehr eingeht und gar nicht mehr eingehen kann. Überfordert sind wir, weil genau dieses System Menschen daran hindert, zu verstehen und rational kompetenter zu werden.

Was aber kann Verständnis und Kompetenze ersetzen, wenn sie nicht vorhanden sind? … wenn sie nicht einmal mehr auf den allgemein bekannten Landkarten als Möglichkeiten und Vorbilder existieren? Nichts.

Stattdessen bahnen sich Selbstschutzmechanismen ihren Weg und versuchen, soviel wie möglich von der eigenen Integrität zu wahren in einer Kultur (besser: Nicht-Kultur), die gegen Integrität arbeitet. Unsere Kultur beruht auf einem Double-bind: sie zwingt immer mehr zu Identifikation mit ihren Schemata und Schablonen, die aber gleichzeitig alle danach streben, Identität aufzulösen und zu zerstören.

Das bedeutet nicht weniger, als dass die Menschen sich mit wachsendem Bewusstsein immer intensiver und offensichtlicher im Kampf mit dem System befinden, das gleichzeitig aber das einzige System ist (war), das sie für ihren existenziellen Schutz und notwendige Infrastruktur hatten.

Dieses System musste eines Tages von rationalen und trans-rationalen Kräften beendet und durch das Fundament für eine rationale und trans-rationale Kultur ersetzt werden. Dieses „eines Tages“ erleben wir gerade.

Wege in eine neue Kultur

Eine Kultur, die auf der Wesensnatur des Menschen aufbaut und sich am geistigen Ausdrucks- und Entfaltungspotenzial des Menschen orientiert, wird sich von unserer Kultur der letzten 150 Jahre völlig unterschieden.

Ihr niedrigster Standard, also ihre funktionale Untergrenze wird die mentale Bewusstseinsfrequenz, das dreidimensionale Bewusstsein sein. Um so eine Kultur aufzubauen, die den gesunden Gegenpol zur degenerierten Anti-Kultur der letzten Jahrzehnte darstellt, muss es vor allem personell massive Veränderungen geben. Die, die in den bisherigen Macht- und Steuerungsstrukturen oben waren, werden in den zukünftigen unten sein. Und jene, die ihre Integrität, ihren gesunden Menschenverstand und ihre Verantwortungsfähigkeiten – wenn überhaupt – bisher nur ganz unten, unterhalb des Systemradars einbringen konnten, werden in den neuen konstruktiven Strukturen oben sein. Die Besetzungen der ehemaligen Machtspitzen werden gänzlich verschwinden. Und die Super-Gesunden, die bisher untertauchen oder verschwinden mussten, werden auftauchen und die Führung übernehmen.

Die Macher der neuen Welt werden mindestens rational sein. Die Führer der neuen Welt werden aus trans-rationalem Bewusstsein und integrierter Selbstpräsenz heraus operieren. Natürlich wird es immer auch Menschen geben, die auch über das Alter von sechs Jahren hinaus nur ein- oder zweidimensionales Bewusstsein entwickeln werden. In der neuen Kultur werden sie einen Platz finden, an dem sie ihrem Wesen gemäß ihr Potenzial entfalten können. Es wird jedoch keine Dynamik mehr geben, die kindliches, traumatisiertes oder regressives Bewusstsein in Machtpositionen zulässt.

Meine Blogartikel wie dieser hier können von Menschen genutzt werden, die sich auf diese neuen, feineren Frequenzen einstellen wollen.

Ich werde zuweilen gefragt, warum ich meine Texte nicht so schreibe, dass sie auch von Menschen mit zweidimensionalem Bewusstsein verstanden oder zumindest problemlos verdaut werden können. Die Kurzantwort lautet: weil das nicht möglich ist. Das Thema und die dafür notwendige sprachliche Komplexität und Differenzierung ist für zweidimensionales Bewusstsein nicht erfassbar.

Die längere Antwort lautet: schon die beiden Prämissen, die in der Frage stecken, teile ich nicht: erstens die Annahme, dass meine Texte überhaupt irgendjemanden bestimmtes adressieren wollten – tun sie nicht. Und zweitens die Annahme, dass zweidimensionales Bewusstsein verstehensfähig wäre – das ist es nicht. Meine Texte sind wie Musikkonzerte, die aufgezeichnet und veröffentlicht werden, aber sie richten sich nicht an bestimmte Adressaten. Dass auch Menschen im emotional-mythischen Bewusstsein meine Texte lesen und in ihr schemenhaftes Weltbild einbauen ist in diesem Format nicht zu verhindern.

Würde ich bildhaft und erlebensnah schreiben, z.B. in Romanform, als Erlebnisbericht oder im fragmentierten Nachrichtenstil, wären meine Texte auch für diese Stufe gut verdaulich – vorausgesetzt, sie enthalten keine Widersprüche zu ihren bereits festen Vorstellungen von der Welt. Das Problem ist jedoch, dass die Hauptaspekte meiner Texte weder vorstellbar noch erlebbar und deshalb auf eine 2D-Bewusstseinsfläche gar nicht übertragbar sind. Sie würden bei einer „Übersetzung“ ins Emotional-Bildhafte schlichtweg verloren gehen. Ich und andere müssen also damit leben, dass manche meiner Texte bei rein mythisch-emotionaler Rezeption Unbehagen und Abwehrreaktionen auslösen. Wenn es eine Altersfreigabe für solche Texte gäbe, würde ich ein Etikett wie „FSK 18“ daran anbringen: „FSK mentales Bewusstsein+“ – aber das würde die infra-rationalen Leser wahrscheinlich noch argwöhnischer und begieriger und schließlich noch empörter machen – ihr größtes Verlangen ist ja stets dazuzugehören bzw. genauer sich nicht ausgeschlossen zu fühlen. Die Rationalen müssen entweder damit leben lernen oder sich verstecken und im Untergrund mit Handzetteln kommunizieren. Und das wäre langfristig unser aller Ende.

Die meisten Fragen nach der Anpassung an niedrigeres Bewusstsein beruhen bei genauerem Hinsehen auf Angst. Angst ist ein wichtiger Referenzpunkt für ein- und zweidimensionales Bewusstsein, für die Frequenzen von mentalem Bewusstsein und höher ist sie jedoch höchstens noch ein Stör- und Verzerrungsfaktor, den es auszugleichen und zu transformieren gilt.

Wenn wir die Angst und überhaupt die Steuerung durch Emotionen, Reflexe und Gewohnheiten überwinden, dann haben wir bereits eine großen Schritt in Richtung mentaler Klarheit und rationalen Verstandes gemacht. Erst dadurch werden wir fähig, uns selbst zu steuern und uns eigenständig eine Richtung zu geben. Diese Selbst-Ausrichtung wird uns mehr und mehr aufrichten. Wir werden jenen gesunden Stolz verkörpern können, den wir nur durch Eigenständigkeit, Einsicht und Verständnis gewinnen können. Nicht aufgrund einer sozialen Orientierung, weil wir besser als andere wären, sondern weil unser Denken und Handeln kongruent sind mit unseren Werten und unserem Wesen.

Deshalb werden wir in Zukunft wieder mehr stolze, d.h. mit sich selbst kongruente und gesunde Menschen sehen. Sie sind Vorbild für den zukünftigen Standard. Auf dem Weg in die neue Kultur, in der das selbst-verständlich sein wird, können wir uns darin üben, uns gegenseitig nach bestem Vermögen und immer wieder neu dazu zu ermutigen, jene Zuversicht, jenes Selbstbewusstsein und jene Würde so sichtbar wie möglich zu repräsentieren und zu verkörpern, die nur für eigenständig und rational denkende Wesen erreichbar sind.

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Über Aufwachprozesse und die Geburt einer neuen Kultur


Manches will gesagt oder geschrieben werden, weil es sonst keiner sagt oder schreibt – wenn es mir keiner erklärt, dann muss ich es mir selber erklären.

Und manches will geschrieben werden, weil dem Autor sonst langweilig ist.

Eines davon kann schon ausreichende Motivation für die folgende Gedankensammlung sein. Ich verspreche aber auch, mich trotz aller Versuchungen bei den entscheidenden Punkten auf Andeutungen zu beschränken.

Teil I: Aufwachprozesse

Große Erwartungen erfüllen den Aufwachraum der psycho-politischen Anästhesieabteilung. Die meisten liegen noch still träumend im tiefen Koma, aber unter den Aufwachenden überlappen sich Traumbilder und erste Wahrnehmungsfetzen der Realität in einem schwankenden Gemisch von Aufregung und verzweifelter Ungeduld. Die eigentliche Aufwachphase ist die unruhigste von allen, weil die jahrzehntelange, für die meisten lebenslange Sedierung nachlässt und zunächst unkontrollierte Kampf-oder-Flucht-Reflexe freilegt, die im halbschlafähnlichen Zustand noch voller verzerrter Bilder ohne Realitätsbezug sind. Man kann die Aufgewachten recht leicht von den Aufwachenden in ihren verschiedenen Stadien unterscheiden anhand der Ruhe, Besonnenheit und Sicherheit, die proportional mit der Berührung mit Wirklichkeit wachsen. Das Personal bewegt sich sehr ruhig und geschmeidig zwischen den Betten…

Keiner der Neuankömmlinge weiß, wo er ist. Aber sie gehen sehr unterschiedlich damit um. Denn jeder kommt aus einer etwas anderen Traumwelt, die noch lange nicht erkannt und noch weniger abgestreift ist. Während das freundliche Personal die Spritzen zur verstärkten kollektiven Narkoseausleitung vorbereitet, braucht es vielleicht ein paar Hinweise für die verträumten Rückkehrer zur Orientierung und zum störungsfreien Umgang mit den lauteren und aufsehenerregenden Gefährten in dieser forcierten Ausnüchterungskur.

Aufwachen bedeutet nicht zu erwachen so wie Aufwachsen nicht das gleiche ist wie Erwachsen (werden). Das eine ist eine Veränderung der Wahrnehmung ohne Selbstveränderung. Das andere ist der Übergang in ein neues Selbstgewahrsein und eine neue Identität.

Aufwachen ist wie zu erkennen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Und man ist dann umgeben von lauter Kindern, die das nicht verstehen. Die Sache mit dem Weihnachtsmann haben die meisten heutzutage ja verstanden, aber das war es dann im Großen und Ganzen auch schon.

Der eigentliche Aufwachprozess beginnt erst ab dem Moment, in dem man versteht, worum es eigentlich geht und um was es alles nicht geht. Alles andere bis dahin ist nur Vorbereitung. Durch äußere Hammerschläge gezwungen zu werden, hier und da mal ein bisschen genauer hinzuschauen ist noch kein Aufwachen, höchstens eine somnambule Lernerfahrung.

Das „Great Awakening“ ist ein notwendiger Lernprozess, ein Augenöffner, aber kein Erwachensprozess. Die Menschen werden kollektiv wacher, weil sie geweckt werden und nicht weil sie von innen heraus, aus sich selbst heraus irgendeine Umwandlung initiieren. Das Aufwecken ist nötig, um von der sinkenden Titanic hinüber in die Arche einer neuen Kultur und planetenweiten neuen sozialen Ordnung zu wechseln. Dort können und werden die meisten dann wieder einschlafen bzw. weiter dösen können.

Nicht die Menschen ändern sich oder müssten sich verändern, sondern die Kultur, in die sie hinein geboren werden, in der sie leben und sich entfalten.

Das ist es, worum es in diesem Artikel gehen soll: die Differenzierung von individuellen Bewusstseinsveränderungen und kulturellen Paradigmen- und Narrativwechseln. Der plötzliche Wechsel vieler oder sogar aller grundlegender Narrative über die Welt, über die Menschen und wie alles funktioniert, ist ein eher seltenes Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Die meisten Anpassungen und Evolutionsschritte finden langsam über größere Zeiträume statt, betreffen meist nur ein Segment der Sozialisierung und Anschauungen und ereignen sich außerdem erst nur sporadisch bevor sie allgemeinwirksam werden.

Diesmal probiert die Menschheit etwas Neues, indem sie die notwendigen Anpassungen in ihrer psychischen und geistigen Entwicklung über Hunderte von Jahren hinauszögerte und durch ein hypnotisches Wegschauen versuchte zu ignorieren. Dadurch entstand ein Entwicklungs- und Lernrückstand, der sich zu einer gewaltigen Kluft zwischen Weltbild und realer Welt auswuchs. Jetzt brechen die künstlichen (Stau-)dämme und überfluten die Menschheit mit einer gewaltigen Welle an Totalveränderungen.

Kehren wir zurück in den Aufwachraum.

Aufwachen braucht Zeit. Die ersten durchdringenden Merkmale der Realität werden nur sehr vage empfangen und vermischen sich noch hochgradig mit Traumildern, so dass die Verwirrung zunächst größer ist als in der Traumwelt zuvor. Für die nur noch halb Schlafenden übersetzt sich das Geschehen im Aufwachraum um sie herum, die Formen und Bewegungen, die sie schemenhaft erkennen können und die Kommunikation, die sie als Geräusch mit Bedeutungsfetzen empfinden, in das semitransparente Traumbild eines Kampfes von Gut gegen Böse. Ihr Gehirn verarbeitet die noch unbekannte Komplexität und unberechenbare Fluktuation des Geschehens erstmal noch auf einfachste emotionale und konkretistischste Weise wie einen Kinderfilm, in dem die Guten gegen die Bösen kämpfen und somit die Welt – vielleicht – man weiß es nicht genau – hoffentlich – in Ordnung bringen.

All diese Narrative sind aber nur sehr vage und extrem reduzierte Übersetzungen des Aufwachprozesses, der zunächst nur als „neuer Film“, als ein veränderter Traum, als ungewohnte Bilderwelt und exotischer Plot von außen betrachtet werden kann. Das Bewusstsein befindet sich noch auf einer zu dissoziierten Stufe, um eine Wahrnehmung des eigenen Selbst geschweige denn eine Wahrnehmung der eigenen Zustandsveränderung mit einzubeziehen. Das führt dazu, dass der aus dem Koma langsam Erwachende sein Aufwachen als Weltveränderung, als Weltzusammenbruch, als plötzlichen Fall ins Bodenlose und als gefährlichen Actionfilm erlebt, während er von außen – objektiv – betrachtet ziemlich still im Bett liegt und nur ab und zu mit den Augenlidern zuckt.

Wenn wir das verstehen, können wir auch besser erfassen, was der Deep State ist (und was er in realiter nicht ist). „Deep State“ ist der tiefe Zustand, er ist das Koma. Es ist der tiefe Start, von dem aus Bewusstwerdung beginnt, an dem es aber noch kein Bewusstsein gibt. Im Deep-State-Koma-Traumzustand gibt es kein konstantes Ich-Gefühl, sondern nur stetig wechselnde, flackernde Bilder und unzusammenhängende Fetzen von Reizen. Es gibt Reflexe und primitive Reiz-Reaktionen, aber kein zusammenhängendes Weltbild geschweige denn ein Verständnis davon, wie, warum und wann irgendetwas passiert. Es gibt keine Unterscheidungsfähigkeit zwischen (physischer) Realität und den ununterbrochenen chaotischen Traumsequenzen, denen der vollkommen abgekoppelte Neokortex ausgeliefert ist.

Es gibt deshalb auch kein Ich-Erleben, keine innere Kohärenz, kein Erkennen von Wirklichkeit und vor allem: keine Steuerungsmöglichkeiten. Aus der realen dreidimensionalen Welt betrachtet ist der „Deep State“ ein hilfloser Blindflug, ein Zustand völliger Fremdsteuerung innerhalb einer komplett zweidimensionalen Matrix von Einbildungen und inner-psychischen Leinwandereignissen. Das Hauptcharakteristikum des „Deep States“, dieses tiefen Zustandes ist Abkopplung. Abkopplung von dem, was wir hier als Realität bezeichnen wollen, welche erst mit der Wahrnehmung der dritten Dimension, des Körperlichen beginnt. Beginnt, aber nicht aufhört.

Die dritte so wie jede Dimension, also auch die vierte bis sechste, existiert auch dann, wenn sie nicht wahrgenommen wird. Die Erlebnisse in der zweidimensionalen Traumwelt werden natürlich beeinflusst von den realeren Geschehnissen, die nur mit dreidimensionalem Bewusstsein (nicht-komatös) erkennbar sind. In der flachen Bilderwelt erscheinen sie wie unverständliche Magie, wie ein Wunder oder werden in zweidimensionale, nicht-körperliche, realitätsferne Erklärungsmodelle gezwängt, die auf Zweifel und Irritation beruhigend wirken. Diese Beruhigungsmodelle im 2D-Bewusstsein sind Ideologien, Dogmen, Glaubensvorgaben, jede Art einfacher Denkschablonen und die konkretistische Verwendung von Symbolen als Signale und Erkennungszeichen einfacher Zugehörigkeiten.

In der ich-losen Bilderwelt der Komaträume kann ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität nur ersatzweise durch konkrete Zeichen, Embleme, Markierungen und ausgefeilte Accessoires erzeugt werden. Mit anderen Worten: du kannst die chronische Angst und Ohnmacht des Komazustandes nur dadurch abblenden, dass du dich zu irgendeinem eingebildeten Club zugehörig fühlst.

Zum Aufwachen müssen zwei Aspekte zusammen kommen: ein Aufweckimpuls von außen (aus der nächst-höheren Bewusstseinsdimension) und die Bereitschaft im Sinne von Befähigung und Neigung zum Aufwachen. Das hat nichts mit wollen zu tun. Ein Aufwachen-„Wollen“ oder Nicht-Aufwachen-„Wollen“ auf der imaginativen Traumebene hat keinen Einfluss auf den tatsächlichen Zustand. Tatsächlich findet das Aufwachen sogar in den allermeisten Fällen gegen den gefühlten oder erklärten „Willen“ innerhalb der gewohnten Traumlandschaft statt.

Neo (aus der Matrix-Trilogie) muss sich für die rote Pille entscheiden, d.h. er muss sich dem Unbekannten und Unvermuteten öffnen, er muss sich ausliefern. Würde er sie ohne diese Bereitschaft einnehmen, hätte er nichts weiter als einen schlechten, eventuell einen sehr schlechten Trip innerhalb der Matrix.

Rote Pillen für sich genommen bewirken nichts, sie müssen auf ein aufwachbereites Bewusstsein treffen mit allem was dazu gehört. Es muss dafür im Organismus bereits etwas geben, das unabhängig vom Narrativ und den Bildern der Traumwelt existiert und auf das man sich beziehen kann. Etwas, das man auf die höhere Erkenntnis- und Wahrnehmungsstufe „mitnehmen“ kann. Genauer gesagt eine Anbindung an etwas Beständiges, Nicht-Illusorisches, das als Identitäts-Anker dient, wenn einem das Korsett der imaginierten Welt abgenommen wird.

Man kann im Aufwachraum so viel Lärm machen und so viele Erschütterungen erzeugen wie man will, der Komatöse baut all dies nur in sein Traumerleben ein und bekommt so nur ein massiv verzerrtes Echo von all dem mit. Auch der Halberwachte und der noch Dösende können die realen Gegebenheiten noch nicht erkennen und richtig interpretieren, sondern sie sehen alles durch den Schleier und die Filter ihrer gewohnten Traumwelt. Dadurch werden manche Nebenaspekte unverhältnismäßig vergrößert, andere tatsächlich wichtige Aspekte werden ignoriert, Formen verschwimmen miteinander, die Profile und Trennlinien der Objekte werden noch nicht richtig erkannt, so dass ein Schrank als drei Möbelstücke gesehen wird und die Blumen auf der Fensterbank mit den Bäumen draußen und den Gardinen verschmelzen.

Vielleicht wird die Krankenschwester als böse Hexe gesehen oder der Anästhesist als gefährlicher Zauberonkel, der bekämpft werden muss. Die unklaren Geräusche anderer Aufwachender werden vielleicht als wichtige Zeichen der Rettung gedeutet und das Stammeln des noch Verschlafenen im Nachbarbett als prophetische Aufklärung über die neue Realität. Typisch für diesen halbbewussten Zustand zwischen Traum und Realität ist, dass alles emotional Aufgeladene dominant und wichtig erscheint, während nüchterne rationale Botschaften ignoriert werden oder sogar störend erscheinen.

1. Exkurs: Das Corona-Programm für die psychische Transit-Zone

Es war niemals offensichtlicher als im Jahr der medialen Corona-Injektion, dass Verständnis und Denkfähigkeiten vom Bewusstseinszustand abhängen.

Noch bis heute, nach über 14 Monaten intellektueller, medizinischer, sozialer und wirtschaftlicher Daumenschrauben bis weit über die Schmerzgrenze einer gesunden Psyche hinaus, ist es für die meisten Aufwachenden unfassbar, dass Dreiviertel ihrer Mitmenschen nicht nur die Absurdität des Ganzen nicht erkennen können, sondern, viel gravierender, immer noch keine Fragen stellen. Bei den meisten endet die kognitive Auseinandersetzung – was schon sehr euphemistisch ausgedrückt ist – mit generalisierter Empörung und diffusen Angstzuständen.

Noch immer versuchen jüngst Aufgeweckte, die anderen durch Erklärungen und offensichtliche Widersprüche im Narrativ dazu zu bringen, hin zu schauen und ihre Konformitätsautomatismen zu hinterfragen. Wir stoßen da auf ein sehr interessantes Phänomen, nämlich die grundlegende Annahme, dass uns äußerlich ähnelnde Wesen das gleiche Bewusstsein haben müssten wie wir. Es ist nicht leicht, einzusehen, dass das nicht der Fall ist. Es gibt überhaupt keinen größeren und essentielleren Unterschied zwischen menschlichen Wesen als ihr Bewusstseinslevel.

Menschlich erwachsenes Bewusstsein beginnt erst auf der Stufe, auf der es ein Bewusstsein für Bewusstsein gibt. Erst dort, wo es möglich wird, über das Denken nachzudenken, die (eigene) Wahrnehmung wahrzunehmen und somit einen Blickwinkel auf den eigenen und damit auch auf fremde Blickwinkel einzunehmen. Mit anderen Worten: erst dort, wo man die eigene Perspektive auf die Welt als relativ und veränderbar konzeptionalisieren kann.

Wir werden noch sehen, dass diese selbstreferentielle Bewusstseinsstufe das Fundament für die neue Kultur und ihre Dynamiken darstellt. Zunächst müssen wir einsehen, dass mehr als zwei Drittel der hiesigen Bevölkerung auf einer Bewusstseinsstufe unterhalb der Selbstreferenz leben.

Die darunter liegenden Stufen sind in aller Kürze folgende:

  1. Null-Bewusstsein / Ich-Losigkeit: kein Eigenbewusstsein, Selbststeuerung nur durch Instinkte und programmierbare Reiz-Reaktionsmechanismen, also überwiegend nur situative Fremdsteuerung; entspricht maximal einem Neugeborenen.
  2. Körperbewusstsein / rudimentäres Körper-Ich: Eigenbewusstsein und Selbststeuerung beschränken sich auf grobe körperliche und räumliche Wahrnehmung und Koordination; darüber hinaus, also sozial und emotional abhängig von Fremdsteuerung und Kontrolle, sonst massive Überforderung durch Emotionen, Komplexität und jede Form der Abstraktion; entspricht maximal einem 18 Monate alten Säugling.
  3. Emotionales Ich-Bewusstsein: das Eigenbewusstsein umfasst den eigenen Körper, Emotionen und einfache soziale Regeln und Rollen; diese können also selbständig reguliert und gesteuert werden; Gedanken, Ideen und alles, was intellektuelle Abstraktion fordert werden als Überforderung und als bedrohlich erlebt und deshalb negiert oder bekämpft; andere Menschen werden als mehr oder weniger berechenbare Verhaltens-Objekte betrachtet; entspricht maximal einem fünfjährigen Kind.

Unsere aktuelle Kultur wird von einem Bewusstsein am oberen Rand der 3. Stufe getragen (siehe Mittelstand, das Gros der „Akademiker“ und Unternehmer) – mit ersten Anknüpfungen zur nächste-höheren, der vierten Stufe. Da sie aber institutionell manipuliert und gelenkt wird von einem Null-Bewusstsein (1. Stufe in psychopathischer Form), ist ihre Tendenz seit Jahrzehnten schon, sich um ein Bewusstsein der 2. Stufe herum zu ordnen: instinktives, primitiv-egoistisches Clanverhalten (Anpassen und Gehorchen) mit chronischer Überforderung durch die Komplexität der realen Welt. Das ist die Stufe, auf der im großen Ganzen die Verwaltung funktioniert, welche immer einflussreicher wurde in der Steuerung des Lebens in allen seinen Facetten.

Menschen auf den Stufen 1-3 haben keine Möglichkeit, von Ideen und neuen Gedanken zu profitieren, weil ihre Denkfähigkeiten dafür nicht ausgebildet sind. Erklärungen und jede Art von intellektueller Anforderung stellen für sie sofort eine Bedrohung dar, wenn sie nicht zu ihrer verinnerlichten Struktur und Weltanschauung passen. Sie können darauf nur emotional oder physisch reagieren, d.h. sie bekommen Angst, werden wütend, verzweifelt oder beschämt, greifen zu Gewalt oder laufen weg, aber sie können diese Reaktionen nicht einordnen oder verstehen. Sie werden einfach von ihnen überflutet und gesteuert.

Diese Tatsache ist jedoch erst ab der vierten Bewusstseins-Stufe zu verstehen, auf der man beginnt zu erkennen, dass es Bewusstsein und subjektive Wahrnehmung überhaupt gibt und dass man deshalb seine Meinung, seine Ansichten, seine Standpunkte und Erkenntnisse verändern kann, und zwar am besten durch Zuhören und Dialog. Für die Stufen 1-3 machen diese keinen Sinn außer aus Furcht, aus Gehorsam oder als Verhaltensstrategie zur Selbstbereicherung.

Systemische Veränderungen wie jene, in denen wir gerade schwimmen, sind erst ab Stufe 4 ansatzweise denkbar und mit gestaltbar. Alle anderen müssen erstmal einfach nur mitgenommen und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wer nach einem Jahr „Corona“-Aufweckprogramm immer noch Angst vor einem erfundenen Virus hat, Anti-Atem-Masken, Wirtschaftsblockaden und ungeprüfte Gen-Impfungen befürwortet, der kann das, was kommen wird und vor allem den Grund, warum es kommen muss, nicht verstehen. Er kann nur mitmachen, wenn man ihm sagt, was er tun soll und dass alles in Ordnung ist. So kindisch wie das klingt ist es tatsächlich. Es ist keine Frage der besseren oder leichteren Erklärung, sondern eine Frage des Bewusstseins, und das entwickelt sich – wenn überhaupt – nur über lange Strecken der schulenden Förderung und Unterstützung hinweg.

2. Exkurs: telegramatisches Tauziehen und Blutvergießen

Ein Beispiel für diese traumbilddurchzogenen und emotional aufgeladenen Schattengefechte im Übergang von einem Zustand der Illusionen, des Nicht-Wissens, Nicht-Sehens und Nicht-Verstehens hin zu einem Zustand der korrekteren Realitätswahrnehmung kann man aktuell in den Anfeindungen und Grabenkämpfen zwischen Betreiber, Moderatoren und Teilnehmern verschiedener „Aufklärungs“-Kanäle z.B. auf Telegram mit verfolgen.

Nachdem diese Kanäle in den Anfangsphasen der Aufwachprozedur noch ganz für sich und isoliert funktionierten, kaum Notiz voneinander nahmen und sich darauf beschränkten, Informationen, Meinungen und Diskussionen zu teilen und dabei eine interessierte Teilnehmerschaft zu sammeln, ist nun in der nächsten Phase der Realitätserkennung ein Krieg um die „Wahrheits“- und Authentizitäts-Hoheit ausgebrochen.

Man merkt, dass die vormals Sedierten im Aufwachraum nun als nächstes beginnen, Notiz voneinander zu nehmen. Die noch fehlende Orientierung in der massiv erweiterten Wirklichkeits- und Bewusstseinsdimension führt dazu, dass die Reste eigener Traumbilder mit der realen Umgebung verwechselt werden. Wenn die Psyche noch nicht gelernt hat, innen und außen, d.h. Traumwelt und wahrgenommene Welt klar zu unterscheiden, dann wird der innere Kampf ums Aufwachen und klarere Sehen zuweilen noch auf das „Dort draußen“ projiziert oder besser gesagt: falsch zugeordnet. Dies führt dazu, dass man glaubt, gestört zu sein, weil man sich gestört fühlt. Oder dass man sich bedroht fühlt, weil man Angst hat. Oder dass man hieb-und-stichfest überzeugt ist, dass der Gefährte im Nebenbett (der einen eigenen Informationskanal betreibt) derjenige ist, der andere im Komazustand („Deep State“) hält.

Die aktuelle Hyperbel der Verfluchung ist es, den anderen oder sich gegenseitig vor ein Militärtribunal zu wünschen, dessen hochgeschätzte Autorität dann auch die eigene und einzige Rechtschaffenheit und soziale Heiligsprechung für „die ganze Welt sichtbar“ rehabilitieren und offiziell anerkennen wird. Bis allerdings Papa mit seinem Machtwort kommt und diese Wunschfantasie erfüllt, müssen die Kinder sich noch alleine auseinandersetzen. Die eigentlichen Anforderungen und die Größenordnung unserer kollektiven und militärischen Probleme kann man mit solchen unreifen Verbohrtheiten natürlich nicht mehr einschätzen, weil die persönliche Motivation und das persönliche Konfliktmanagement noch alles dominieren.

Im großen Ganzen ist dies die Phase mit den berüchtigten Brettern vor dem Kopf, in der man ständig den Splitter im Auge der anderen zu entfernen beschäftigt ist und sich selbst als Frühwarnsystem gegen eine wachsende Flut an Demagogen sieht, die es täglich aufzuzeigen, anzuzeigen, und zu verhöhnen gilt. Berufung verpflichtet. Und wo es an echter Berufung fehlt, da tun es auch Aktionismus und Schattenboxen. So funktioniert Projektion.

Je dichter noch der Schleier der eigenen Traumwelt, desto größer die emotionale Aufladung und desto vehementer der Kampf gegen die Blindheit der anderen. Diese Phase der Außen-Projektion, d.h. der falschen Verortung von Störendem, ist nicht falsch, sie gehört mit zum Aufwach- und Neusortierungsprozess dazu. Es geht nur darum, sie so zügig, so unbeschadet und so unschädlich wie möglich zu durchlaufen und die eigene Energie in ein umfassenderes Erkennen der Realität zu investieren statt in die vermeintliche Reparatur oder Richtigstellung der Außenwelt. Ansonsten bleibt das Brett vor deinem Kopf nicht nur die Scheuklappe der Weltwahrnehmung, sondern auch die Leinwand für die Projektionen deiner eigenen Defizite und Verdrängungen.

Alle Kanalbetreiber, die sich mit dem Aufwachen beschäftigen, haben ihren Sinn, ihre Rolle und ihre Berechtigung im Gesamtprozess. Aber sie sind nur ein Teil davon und es fordert einige geistige und psychische Reife, sich als Teil dieses größeren Ganzen korrekt verorten zu können und das ego-zentrische Weltbild durch ein partizipatives Selbst- und Weltbild zu ersetzen.

Es ist die fragmentarische Natur des Schlafzustandes, die zu einer starken Perspektivierung der Wahrnehmung führt. Sie führt dazu, dass man die Welt zunächst nur in Ausschnitten wahrnimmt und dazu neigt, den aktuellen eigenen Wahrnehmungs- und Denksektor für den einzig richtigen oder zumindest den zentralen unter allen anderen zu halten. Dies ist der natürliche „Fehler“, der in den frühen Phasen der eigenen Neupositionierung und jungen Ich-Bildung im Verhältnis zur gänzlich neu betrachteten Welt auftritt, weil dabei der eigenen Position stets zu viel (Über-)Gewicht und Bedeutung gegeben wird. Das ist auch notwendig, um das Empfinden einer stabilen und konstanten Position erstmal zu festigen.

Die schlichte aber dringende Empfehlung für diese Phase des Aufwachens lautet: halt die Klappe. Mach die Augen auf, schau genauer hin, erweitere deinen Horizont, ändere deine Perspektive und geh davon aus, dass du dich meistenteils irrst – ganz besonders da, wo du dir „ganz sicher“ bist.

Nur wer eine tatsächlich stabile, d.h. mehrfach verifizierte, selbstreflektierte und relativierte eigene Position gefunden hat, der kann sich erlauben, den Sinn und die Bedeutung anderer, entfernterer Positionen zu untersuchen und zu entdecken – ohne dabei seine eigene Gleichgewichtsachse zu verlieren und dadurch in posttraumatisch-asoziales Verhalten zum eigenen Selbsterhalt zu verfallen (Angriff oder Flucht). Nur wer tatsächlich souverän ist, kann Andersartiges auch souverän sein lassen. Nur wer sich als Teil eines Ganzen sehen kann, kann auch andere als Teil dieses gleichen größeren Ganzen betrachten. Nur wer sich den eigenen schrittweisen Aufwach- und Ganzwerdungs-Prozess bewusst machen kann, kann sich vorstellen, dass es noch weitere Integrationsstufen und umfassendere Erkenntnispositionen gibt, zu denen Andersdenkende, Anderssprechende und Andersmeinende eine Hilfe und ein Komplementär sein können – aber keine Widersacher.

Für den einen ist der Aufwachprozess vor allem ein immer engmaschigeres Daten- und Faktensammeln, ein Puzzlespiel der Realitätsrekonstruktion. Er wird sich auf immer kleinere Informationsteilchen und deren Verbindung miteinander konzentrieren und die wachsende informationelle Munitionierung immer einseitiger auch gegen jegliche Einwände richten, die mit Zahlen und Fakten gar nicht zu beantworten sind, sondern in die Dimension des Verstehens und Anwendens fallen – die ihm fremd und überfordernd bleibt.
Je mehr ihm psychologische Tiefe, gefühlter Maßstab und das Gespür für Bedeutung fehlen, desto mehr verliert er sich in immer größer wachsenden Informationsbergen, die auch in den immer komplizierteren Mindmaps und immer flüchtigeren Quer-Assoziationen nicht verdecken können, dass er aus alldem keine persönliche Bedeutung ableiten kann – weder für sich noch für andere. Das atomisierende Analysieren und das manische Sammeln von Informationsbrocken koppeln ihn zunehmend von der Welt ab, obwohl er glaubt, über sie einen Bezug herstellen zu können – zur Welt und zu einer eigenen Bedeutung in der Welt. Zusammenhängende Gedanken werden dabei ebenso selten wie das Vollenden grammatisch korrekter und vollständiger Sätze. Immer wenn sich Steigerungen in Quantität verlieren, wird es oberflächlich, unsortiert und damit verständnislos. Das eigene Unverständnis kann sich dann in hyperaktiver Kommunikation, besser: gestammelter Nachrichtenproduktion noch eine Zeit lang maskieren, wird jedoch mit dem abnehmendem Bodenkontakt immer aggressiver und asozialer. Am Ende haben wir einen übervollen Kopf, dem so sehr Körper und Füße fehlen, dass ihm vor lauter Überflug und Stroboskop-Denken nur noch schwindelig werden kann.

Für einen anderen ist der Aufwachprozess vor allem ein emotionaler Prozess der Ablösung von allem Unsozialen, Trennenden, Abkoppelnden und Denaturierenden. Er wird sich auf alles Verbindende und Verbindliche, auf alles Soziale und Gruppenbildung konzentrieren. Da er vor allem andere mitreißen und motivieren will, verfällt er leicht in immer banalere Klischees und verliert das qualitative Ziel und den Tiefgang. Er wird dazu neigen, sektenartige Gruppierungen mit immer engerem Glaubens- und Meinungskorridor zu erzeugen, weil für ihn der Zusammenhalt und das „Wir! (gegen den Rest der Welt)“ haltgebend sind.

Wieder jemand anderes sieht den Aufwachprozess aus dem Blickwinkel der historischen (Rück-) Anbindung und der Wiederherstellung eines kohärenten geschichtlichen Narrativs. Er wird sich mit der Rekonstruktion von Geschehenem mit Geschichte und Geschichten, Geschichtsfälschungen, mit Lügen und Aufdeckungen, mit der Verbindung zu den Ahnen und ihren Hinterlassenschaften beschäftigen. Allen Anforderungen der Selbst- und Neugestaltung wird er aus dem Weg gehen und sich stattdessen wie ein Archivar auf immer kompliziertere und verästeltere Details seines Narrativs von der Vergangenheit beziehen. Die dadurch künstlich kreierte Lähmung in Bezug auf Gegenwart und Zukunft führt ihn dann immer tiefer in hoffnungslose Resignation und pessimistische Verzweiflung, denn der goldene Berg des Schönen und Wertvollen rückt für ihn mit jedem Tag weiter in die Ferne, während sich in der aktuellen Weltwahrnehmung die ungelösten Probleme stapeln.

Ein Vierter fühlt sich durch einschneidende persönliche Erlebnisse berufen, einen Dienst an der Gemeinschaft zu tun und Zeit und Mühe in all das zu investieren, von dem er überzeugt ist, dass dies dem Personal der Aufwachabteilung und dessen Zielen hilft. Aktion hat da stets Vorrang vor Nachdenken und Verstehen und so überschlägt er sich in immer kurzfristigeren Projekten, Aufrufen zu Aktionen, Handlungsempfehlungen und Mustervorlagen, um die wachsenden Risse seiner brechenden Weltwahrnehmung zu kitten.

Jede dieser Motivationen hat ihre Gültigkeit, ihre Beschränkungen und ihre Tücken. Meistens treffen wir auf verschiedene Mischungen von ihnen. Jede Fähigkeit und jedes Engagement, die eingebracht werden, haben ihren Gewinn, ihre Grenzen und ihren Kipppunkt, ab dem sie beginnen, sich abzukoppeln von ihrer Funktion, sich in einem isoliertem Selbstzweck zu verlieren und dann das Gegenteil von dem zu erzeugen, was sie ursprünglich anvisierten.

Was im Moment in der Aufklärer-Szene, wenn wir sie einmal so nennen wollen, am deutlichsten sichtbar ist, ist die mangelnde Fähigkeit des Perspektivwechsels bzw. einer umfassenderen integrativen Sicht durch Abstraktion von den eigenen Präferenzen und Fokuspunkten; und außerdem die fehlende Selbstreflexion und Relativierung des eigenen Standpunktes auf einer größeren Landkarte. Das liegt auch daran, dass natürlich gerade die emotional Hochmotivierten sich auf die Bühnen und Podien drängen und auf sich aufmerksam machen. Diese emotionale Motivation ist in dieser frühen Phase des Aufwachens noch ganz persönlich und idiosynkratisch gefärbt – auch wenn sie sich in das Gewand des Altruismus oder der sozialen Hingabe hüllt – aber gefüttert und gesteuert wird sie vom kollektiven, und das heißt mechanischen Aufwachprozess. Nur ihre einfärbende Verzerrung beruht auf einem ungelösten inneren Konflikt, der projektiv in die Außenwelt verlagert wird, um dann dort – vielleicht eine Tages – stellvertretend gelöst zu werden. Als Anführer oder Vorbilder sind die Protagonisten in dieser Phase wenig geeignet.

Ein typisches Merkmal dominant emotionaler und prä-rationaler Verarbeitung ist das Denken in einfachen Schubladen und Kategorien bis hinunter zur bloßen Schwarz-Weiß-Logik. Wenn jeder, der nicht meiner Ansichten ist oder andere Aspekte im Fokus hat als ich, gleich „zum Deep State“ gehört, „vom Verfassungsschutz gelenkt“ wird oder eine „kriminelle erpressbare Marionette“ sein muss, dann sagt das nichts über den anderen aus, aber viel über mich und meine Denkbeschränkungen. Was den neuen eifrigen Hobby-Kriminalisten entgeht, ist, dass fast alle Störungen, Unrichtigkeiten, Fehlinformationen, Irrmeinungen und Streitereien auf Mangel an Kompetenz beruhen und nicht auf der stets a-priori geargwöhnten bösen Agenda und Deep State-Kontrolle. Jeden Irrtum und jede Fehlinformation sofort als Lüge zu brandmarken ist vor allem ein Zeichen fehlender Differenzierung und Redlichkeit, denn der meiste Schwachsinn – und die sozialen Medien sind randvoll von Schwachsinn – ist gar keine Lüge, weil dafür zu wenig intentional und informiert. Wissens- und Verständnismangel dürfen nicht mit Bösartigkeit verwechselt werden.

Diese paranoide Denkweise beruht auf einer psychischen Wahrnehmungsverzerrung, die Intentionalität auf die Außenwelt projiziert, wo immer einem etwas nicht gefällt. D.h. man nimmt automatisch an, dass die anderen absichtlich und zielgerichtet handeln, weil man kein anderes Erklärungsmodell für ihr Verhalten parat hat – es fehlt an Menschenkenntnis. Die Anderen werden deshalb nicht bloß als anders (und vielleicht sogar interessant) betrachtet, sondern stets als „gegen mich“ oder „gegen die Wahrheit“, „gegen das Gute“, „gegen die Aufklärung“ oder gegen womit auch immer jemand sich ängstlich identifiziert.

Solche Weltanschauung entsteht auf der Grundlage unbewusster Ohnmachtsgefühle nach dem Prinzip: je ohnmächtiger ich mich fühle, desto mächtiger müssen wohl alle sein, die anders sind oder denken; je weniger ich das Verhalten anderer verstehen kann, desto gemeiner und gefährlicher müssen sie sein; und je weniger Sinn ich im Verhalten der anderen erkennen kann, desto zielgerichteter und gewollter muss es sein. Diese affektiv generierten Fehlattributionen führen dazu, dass immer drastischere Schuldvermutungen ausgesprochen werden, die Schwelle zur Verleumdung weit überschritten wird und die eigenen Angst-Fantasien als intuitive Wahrheitsschau umgedeutet werden. Immer wenn das Denken von Emotionen gesteuert wird, wird es flach, hyper-simplifiziert und kann nicht mehr unterscheiden zwischen Annahmen und Feststellungen. Man „weiß“ einfach, weil man ja starke Gefühle hat, und so kann man dem eigenen Unverständnis und der tatsächlichen Komplexität und Vielschichtigkeit anderer aus dem Weg gehen. Alles in eine Schublade und fertig. Die darunter liegende, unreflektierte Seite dieser massiven Wahrnehmungsverzerrung besteht aus Angst, Desorientierung und Ohnmacht, denen man sich jedoch noch nicht stellen kann.

Das Phänomen dieser Freund-oder-Feind-Denkweisen ist verständlich: nachdem wir jahrzehntelang nichts oder kaum etwas vom organisierten Deep State wussten und den größten Teil des öffentlichen Narrativs ungefragt akzeptierten, schwingt das Pendel nun ins Gegenextrem und wir glauben überall nur noch Deep State und Hochkriminelle zu sehen, sobald die kleinste Unstimmigkeit am Horizont auftaucht. Diese bipolare Reaktionsweise ist Teil der frühen Aufwachphase und ein typisches Symptom affektiv-emotionaler Dominanz des limbischen (Säugetier-) Teils unseres Gehirns über unsere kognitive Verarbeitung. Es ist aber definitiv kein Zeichen für situationsangemessenes Wahrnehmen und Denken.

Es ist auch noch kein Zeichen für eine integrative Haltung, wenn man Andersdenkenden den Dialog anbietet, dabei aber Bedingungen, Themen, Form und Ziel schon soweit vorgibt, dass es um nichts anderes geht als eine schwach verbrämte Unterwerfung des anderen unter die eigenen Dogmen. Die unnötige und irrige Vergrößerung der Gräben und Verschärfung der intellektuellen und sozialen Ächtung ist ja gar nicht gewollt, sondern bloß die traurige Nebenwirkung eines Machtkampfes, der die eigenen Unzulänglichkeiten, Zweifel und Beschränkungen verschleiern soll. Die Sache, für die die „Aufklärer“-Protagonisten einst in den Ring gestiegen sind, geht dabei allerdings hopps und mit ihr die Ideale, die Moral und die hohen Ziele, für die sie das Wort immer wieder ergreifen. Es ist weitaus schwieriger, Maßstäben gerecht zu werden als sie zu postulieren.

Aufwachen und menschliche Reife bedingen sich gegenseitig und beschränken sich gegenseitig. Diesbezüglich wird in den Rempel- und Rüpeleien zwischen den Kanal- und Chat-Häuptlingen für manchen stillen Indianer ersichtlich, dass die Sprinter der ersten Stunde im tatsächlichen Marathon des Aufwachens immer weiter ins Hintertreffen geraten und dass ihre PR-Abteilungen meist mehr Erwartungen schüren, als ihre Produktentwicklung erfüllen kann. Und sowohl Kunden- als auch Kunde-Orientierung werden dabei immer miserabler.

Denn das Prinzip der emotionalen Bipolarität und projektiven Konfliktauslagerung gilt auch für die Kommunikationsstile in diesen stammesartigen Auseinandersetzungen. Sie sind noch weit davon entfernt, gewaltfrei zu sein und jenseits konstruktiver Tendenzen. Sie sind noch nicht mehr als medial-publik ausgeführte Territorialkämpfe um die Meinungshoheit, als ob es darum ginge, einen einzigen Sieger auf den ersten Platz zu setzen. Auch darin zeigt sich die bipolare Pendelbewegung des Mittelhirns, das langsam aus der jahrzehntelangen Sedierung und Amnesie erwacht. In Ermangelung adäquater Ziele für die aufgestauten Aggressionen und Verteidigungsimpulse sucht es sich die erstbeste Figur, um eine Schießscheibe aus ihr zu machen. Dabei geht es weniger um das Ziel, sondern vor allem um das entgrenzte Schießen selbst. Man weiß aus Experimenten mit Tieren, dass sie nach einer gemeinsamen traumatischen Belastung anfangen sich selbst und gegenseitig zu beißen und anzunagen, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, die Traumabelastung auf gesunde Weise aus ihrem System zu lösen und abzuschütteln. Posttraumatische Belastung macht auto-aggressiv und antisozial. Wir Deutsche müssen da doppelt und dreifach behutsam sein, dass wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, weil bei den meisten von uns immer noch die Beißhemmungen in jede andere Richtung als gegen uns selbst und die unsrigen installiert sind.

Die größte Falle im Aufwachprozess ist stets, den eigenen Zustand nur noch in Bezug auf niedere Zustände zu betrachten und sich dadurch selbst schon am Ende der Reise zu glauben. Wenn dann das momentane Gemisch aus Traumbildern, post-komatösen Hormonresten und ihren stammhirngesteuerten Kampf-oder-Flucht-Impulsen mit Bruchstücken erster Realitätswahrnehmung zusammenfließt, entsteht jene schädliche Mischung aus Angst und Selbstüberschätzung, die die Psyche auf einer sehr subjektiven und idiosynkratisch verzerrten Stufe der Realitätswahrnehmung fixiert. Es ist dann nur eine Frage der Zeit bis die ursprünglich konstruktive, aufwachensorientierte Motivation kippt in einen Motor der Selbstverherrlichung und ein toxisches Amalgam aus einer sinnvollen sozialen Rolle und einem Identitätsgefühl, das davon abhängig wird, immer inflationärer (sprich: aufgeblasener) bestätigt und bewiesen zu werden. Kurz: man kann nicht mehr aufhören und fährt immer weiter in eine Sackgasse hinein, weil umkehren und wieder klein von vorne beginnen sich wie eine Niederlage anfühlen. Aus der Suche wurde dann eine Sucht und aus dem Bedürfnis etwas zu machen wurde ein Bedürfnis nach Macht. So wird der begonnene Aufwachprozess gestoppt und in einem recht frühen Stadium arretiert, von dem aus es dann nur noch und beschleunigend bergab geht – entwicklungspsychologisch betrachtet.

Aber wir dürfen auch nicht zu viel erwarten. Die Mitarbeiter des Abriss- und Ausgrabungsteams arbeiten nicht in der Konstruktions- und Aufbau-Branche. Es wird nur für manche schwer werden, aus dem Rausch der exponierten Total-Zerlegung und der täglichen Sensationsmeldungen wieder zurück zu finden in ein Leben mit normalisierten Adrenalinpegeln und weniger gebanntem Publikum. Es ist schwer, eine Rolle abzulegen, die einem soziale Wichtigkeit gegeben hat, vor allem, wenn man zwischen sich selbst und der Rolle nie wirklich zu unterscheiden gelernt hat und die funktionale Beteiligung am Weltgeschehen als persönlichen Kreuzzug oder als sozialen Ritterschlag missversteht.

All den Aufkläreren, die sich einig sind, dass sie die Rätsel und die verheimlichten Tatsachen dieser Welt wie ein Puzzle Teil für Teil zusammensetzen und dadurch erst entdecken müssen, übersehen durch die Bank, dass sie selbst in all dem auch („nur“) ein Puzzleteil sind, das ebenso eingebaut werden muss. Ihre Aufmerksamkeit ist aber so sehr von der Welt gebannt, dass sie keine Wahrnehmung für sich selbst, den Betrachtenden, Interpretierenden und Kommunizierenden haben. Ergo auch wenig Selbstreflexion, Selbstrelativierung und realistische Bescheidenheit. Diese Blindheit für sich selbst lässt links und rechts neben dem gewohnten Wahrnehmungskorridor riesige Schattenfelder ungesehen und ignoriert, in denen sich all jene eigenen Schwächen, Konflikte, Zweifel, Defizite und unverarbeiteten Gefühle sammeln, die nicht zum selbstgestrickten Ritter- und Retter-Kostüm der öffentlichen Rolle passen. Meine Großmutter hätte gesagt: denen ist ihr Erfolg zu Kopf gestiegen. Wobei man hinzufügen muss, dass kleinen Geistern auch kleine Erfolge schon sehr schnell über ihren Kopf hinauswachsen. Das führt zu einer Menge Selbstherrlichkeit auf Kosten von Selbstehrlichkeit.

Jeder von ihnen erfüllt eine wichtige Funktion im Gesamtprozess und auch das gegenseitige Abschlachten im Namen der eigenen intellektuellen Verabsolutierung wird per negativum seinen Dienst tun, aber eine menschliche Reifeprüfung bestehen nur sehr wenige von ihnen. So mancher hilft anderen zu größerer Freiheit ohne selbst frei zu sein oder zu werden.

Wir lernen gerade schmerzhaft, dass mediale Aufmerksamkeit und Multiplikation nichts mit Bedeutung und Wert zu tun haben. Das gilt auch für die neuen privaten Hobby-Nachrichtensender, die auf dem Boden allgemeiner Desorientierung und Auflösung alter Narrative hervorsprießen. Die Aufmerksamkeit von mehreren Zehntausend anonymen Zuschauern verführt so manchen dazu, sich weit aus dem Fensterrahmen seiner Kompetenzen zu lehnen. Da wollen plötzlich Menschen ohne entsprechende Vorbildung aufklären über Geschichte, Psychologie, die Philosophie von Gut und Böse, die Geheimnisse der Geopolitik, Militärstrategien, Gesundheit, mehrdimensionale Spiritualität und den Sinn des Lebens.

Faszination und Begeisterung aber sind kein Ersatz für ein intensives Studium, auch wenn sie sich zuweilen viel motivierender anfühlen, Proselyten der eigenen ungeprüften Entdeckungen von heute Morgen zu machen. Je mehr man weiß, desto schwieriger ist es zu teilen und desto schwerer wiegt das Verantwortungsgefühl – nicht so sehr gegenüber den Zuhörern und Mitlesern, als vielmehr gegenüber dem, was man weiß. Je mehr man versteht, desto stiller und wählerischer im Ausdruck wird man. Diese handliche Heuristik gibt Orientierung im Ansichten-Dschungel und wenn man auf Menschen trifft, die sich chronisch im Sendemodus zeigen.

Aber die Lauten und Sichtbarsten, die auf der Welle der Veränderung und Verunsicherung reiten, sind weder repräsentativ noch Vorbilder. Ihre wichtige Aufgabe ist es, einen Durchbruch durch die dicken Wände der Weltanschauungen, Tabus und Verblendungen der Menschen zu schlagen – jeder in einem etwas anderen Sektor der Gemeinschaft. Die Veränderungs- und Aufbauarbeit selbst findet immer im Stillen und Unsichtbaren statt, wo große Teams ungestört wirken können bis alles vorbereitet und fertig ist. Die provisorisch ausstaffierten neuen Trompeten- und Zeitungsträger dienen bis dahin dem Wachrütteln und als Magneten der Aufmerksamkeit, um den Rückfall ins komatöse Träumen und den Abstieg in blinde Angstreflexe zu verhindern. In einem kollektiven Prozess haben alle ihre Rolle und ihre Funktion, man kann nicht nicht Teil davon sein (auch wenn man es sich zuweilen wünscht).

Machen wir es nochmal deutlich mit Bezug auf all die Aufklärer-Stimmen und die Aufwach-Kampagnen: sich besser in der Matrix auszukennen, tiefere Geheimnisse innerhalb der Matrix aufzudecken, die Matrix-Ganoven von den Matrix-Ganoven-Opfern unterscheiden zu können oder neue Selbsthilfe- und Aktions-Gruppen in der Matrix zu organisieren ist alles schwer in Ordnung, aber all das bleibt innerhalb der Matrix. Es ist kein Erwachen und auch nur ein sehr relatives Aufwachen. Es ist nur der Übergang, ein Update von einer defizient gewordenen Matrix-Version zu einer neuen, in der man es vielleicht mal für ein paar hundert Jahre wieder „menschlicher“, d.h. freier und angenehmer hat. In der aber auch der Anreiz, aufzuwachen, zu erwachen, deutlich geringer ausfallen wird.

Wir sollten in diesen Zeiten mehr denn je noch alle freundlich zueinander sein und uns in Geduld, wiederholtem Perspektivwechsel und Bescheidenheit üben. Wir befinden uns alle im Aufwachraum und brauchen noch unentwegt sehr viel Hilfe von oben und untereinander – egal welche Funktion wir erfüllen. Die meisten allerdings noch ohne es zu wissen.

Zehn Kompetenzen für gemeinsamen Erfolg

Wer einen grundsätzlichen Überblick über die nötigen Funktionen von Unternehmungen oder Veränderungsprozessen haben möchte, der kann sich an der folgenden Liste von Kompetenzen orientieren, welche alle gebraucht werden, um ein Unterfangen erfolgreich zu machen. Jeder in einem Team, einem Unternehmen oder einer Bewegung hat andere Schwerpunkte und Stärken und erst in der vereinigenden Summe mehrerer Mitstreiter wird die Gesamtheit an Bedarf und Notwendigem abgedeckt.

Diese essentiellen Grundkompetenzen werden gebraucht und müssen sowohl vertreten sein als auch eingefordert und wertgeschätzt werden:

  1. Visionen und Überblick einbringen
  2. Initiieren und Ausführen
  3. Neue Ideen und Impulse haben und eingeben
  4. Neues prüfen und bewerten
  5. Meinungen formen und Standpunkte einnehmen
  6. Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen
  7. Fürsorge und Unterstützung für Gleichgesinnte/Mitstreiter
  8. Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen
  9. Wissen/Informationen und Bezug zu Bestehendem vergrößern/hinzufügen
  10. Selbst-/Innenreflexion und Kommunikation mit Außenstehenden

Die Liste ist so gestaltet, dass jede Kompetenz sowohl in ihrer eher maskulinen (aktiven, selbstbezogenen) als auch in ihrer eher femininen (reaktiven, außenbezogenen) Facette bezeichnet ist. Außerdem bilden die jeweils nacheinander genannten Kompetenzen (1-2, 3-4, 5-6, 7-8, 9-10) jeweils ein Polaritätspärchen, innerhalb dessen sie sich gegenseitig ergänzen und regulieren. 

Man kann mit dieser Liste so arbeiten, dass man sich in Bezug auf sich selbst und andere fragt, was ihre 3-4 hervorstechenden Kompetenzen sind und auch, welche Kompetenzen sie am wenigsten abdecken können. Man kann auch schauen, welche Kompetenzen in einer bestimmten Gruppe oder Bewegung besonders hervorgehoben und gelobt und welche marginalisiert, ignoriert oder sogar tabuisiert werden.

Alle diese zehn Kompetenzdimensionen sind gleichermaßen wichtig und werden gebraucht. Sobald auch nur eine davon fehlt, ist das Ziel einer Bewegung oder eines Unternehmens gefährdet. Wenn mehr als drei von ihnen fehlen, ist ihr Scheitern vorprogrammiert, egal welchen Illusionen sich die Teilnehmer hingeben.

Eine weitere Arbeitsweise mit dieser Liste ist es deshalb, zu jeder Kompetenzdimension einzutragen, wer sie am meisten vertritt und dann zu schauen, welche „überbesetzt“ und welche „unterbesetzt“ sind. Man kann auch prüfen, die Vertreter welcher Fähigkeiten mehr als andere ausgeschlossen, gemobbt oder als schwarze Schafe behandelt werden. Am schwersten haben es meist jene Mitstreiter, die in den Funktionen „Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen“ oder in „Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen“ stark sind. Denn die meisten Menschen gehen sowohl Konflikten als auch Zielsetzungen und damit dem Setzen von Maßstäben aus dem Weg, weil sie damit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und zu wenig Kompetenzen im Umgang mit ihnen haben. Statt nur die Konflikte zu meiden, meiden sie dann außerdem auch noch die Aufzeiger der Konflikte. Statt sich nur vor Maßstäben zu drücken, drücken sie sich dann auch vor denen, die Ziele setzen wollen und können. Oder sie bekämpfen sie sogar.

Für den Erfolg einer jeden Unternehmung ist jedoch das genaue Gegenteil elementar wichtig: dass gerade die Widerspruchs- und Konfliktaufdecker und die Ziel- und Maßstabssetzer eingebunden und gehegt werden, denn ohne sie rennt der Rest gegen Wände, verliert sich auf Holzwegen, in selbstverliebtem Getue oder zerfleischt und spaltet sich zunehmend ohne die wahren Beweggründe – nämlich meist Angst und Wut – anzuschauen.

Wenn man ein Team oder eine Bewegung ohne Zwang, Manipulation und Gewalt zusammenhalten und erfolgreich machen will, dann muss man diese Grundregeln beachten und für diese zehn Grundkompetenzen und ihre allgemeine und gleichverteilte Wertschätzung sorgen. Ansonsten stelle man sich auf Spaltung, wachsende Konflikte, viel Leid und Misserfolg ein.

Wir Deutsche haben diesbezüglich noch eine besonders große Menge zu lernen und einen immensen ungedeckten Bedarf an Vorbildern.

Hiermit beenden wir den zweiten Exkurs.

Die Notwendigkeit einer Aufwach-Betreuung

Jede Trennung tut weh. Aber keine Trennung versucht der Mensch mehr zu vermeiden als die Trennung von seinen Illusionen. Für sie ist er bereit, alles andere loszulassen oder sogar zu verleugnen, sogar sein Leben. Illusionen sind Schutzpflaster und Polster gegen psychische Überforderung und somit gegen den Schmerz der Desintegration. Dies bedeutet, dass der, der seine Illusionen ablegen will, zunächst ein stabiles alternatives Instrument zum Erhalt der eigenen Integrität und Intaktheit benötigt. Wer ohne Gerüst stehen will, braucht ein festes und verlässliches Fundament.

All dies sind Aspekte des Aufwachens. Kehren wir deshalb damit nochmal zur Allegorie des Aufwachraumes zurück.

Solange die sedierten Wesen nur in ihren Betten oder Höhlen vor sich hin schlafen und träumen, und von außen leicht zu lenken und zu führen sind, gibt es keine großen Probleme. Probleme entstehen jedoch dann, wenn die äußere Hilfe sich zurückzieht und die Komapatienten schlafwandlerisch werden, aus ihren Betten aufstehen und – immer noch völlig gefangen in ihren Traumbildern – der technischen Einrichtung des Aufwachraumes und vor allem anderen Komatösen begegnen.

Da sie kein dreidimensionales Bewusstsein haben, können sie sich nicht angemessen orientieren und es ist nur eine Frage der Zeit bis Chaos, Gewalt und Panik ausbrechen. Diese finden real statt, werden aber innerhalb der Traumzustände unterschiedlich übersetzt. Der eine erlebt den Weltuntergang, ein anderer rettet sich in eine immer engere Schleife dissoziativ-autistischer Vermeidungs- und Routinebilder und wieder ein anderer flüchtet sich in immer größenwahnsinnigere Macht- und Kontrollfantasien, die er als destruktive Herrschaft über alle und alles zusammenbastelt. Wohlgemerkt, all dieses findet auf der Traumebene statt, während im abgedunkelten Aufwachraum zunehmendes Durcheinander herrscht und immer mehr Unfälle und Ausfälle geschehen.

Irgendwann muss dann das betreuende Personal einschreiten. Es hat zwei Dinge zu tun: die Komatösen zu beruhigen und dann möglichst viele so aufzuwecken und ins 3D-Bewusstsein zu holen, dass sie sich selbständig orientieren und eines Tages vielleicht sogar mithelfen können.

Das ist der wirkliche und reale Kampf gegen den Deep State. Es ist nicht ein Kampf von Traumfiguren gegen andere Traumfiguren.

Wir können an dieser sehr dienlichen Metapher auch erkennen, warum die wachen Kräfte (High State) die exzentrischen Schlafwandler (im „Deep State“) nicht im Geringsten zu fürchten, ja nicht einmal als Gegner zu sehen haben. Es müssen Dinge aus- und durchgeführt werden und sie benötigen Konzentration, Ausdauer und Wissen, wie es geht und was zu beachten ist. Aber die Komatösen stellen dabei keine aktive Bedrohung dar. Wenn das Personal weiß, was zu tun ist und den Anforderungen „von oben“ folgt, dann „kann nichts aufhalten, was kommt“ und kommen soll. Ein ganz gewöhnlicher Routinetag im kosmischen Gesundheitszentrum.

„Bitte bleiben sie ruhig, es ist alles in Ordnung. Wir klären Sie Schritt für Schritt über Ihren Zustand und die nächsten Schritte auf. Sie können nun beginnen, Ihre Augen zu öffnen. Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich bei uns, wir sind jederzeit für Sie da. Es läuft alles nach Plan, es gab keine Komplikationen und Sie sind auf dem besten Wege. Das Q-Team freut sich, Sie bald schon auf der Dachterrasse begrüßen zu dürfen, von wo wir einen sehr schönen Ausblick haben werden.“

Ein interessanter Aspekt des Komazustandes sei noch erwähnt bevor wir diese Allegorie hinter uns lassen, weil wir auf ihn später nochmal in Übertragung auf die aktuelle Situation der Menschheit zurückkommen werden. Je geringer der Einfluss der wachen Kräfte auf die Komatösen ist, also je weniger Steuerung und Regulation von außen übernommen werden, desto tiefer gleiten sowohl die Träume als auch das somnambule Verhalten der Anästhesierten ins Skurrile, Bizarre und Destruktive ab. Die Tendenz von nicht-betreutem, im Stich gelassenen Koma- oder Tiefschlafbewusstsein ist stets Sodom und Gomorrha. Der Grund dafür liegt darin, dass in diesem Zustand die ordnenden und strukturierenden Kräfte noch gar nicht oder zu schwach zugänglich sind und dass es noch keine Verarbeitungsmöglichkeit für Zusammenhänge und grundlegend vorhandene Gesetzmäßigkeiten gibt. Philosophisch gesprochen ist der Geist zu weit entfernt vom Körper, und Körper ohne Geist verfügt über keinen inneren (Zusammen) Halt und neigt deshalb ständig zu immer weiterem Zerfall und Verfall, also zur Formlosigkeit. Das gilt ebenso für die Psyche, die ein Körper-Geist-Phänomen ist.

Deshalb driften Träume und Träumer ohne äußere und höher geordnete Hilfe stets in Angst-, Gewalt- und Untergangsszenarien ab. Das Paradies ist nur als Zustand perfekter Ordnung zu verstehen. Außerhalb davon ist noch nicht alles in Ordnung.

3. Exkurs: Satanismus als Absturz in Bewusstlosigkeit

Noch ein Exkurs? Also gut, noch ein Exkurs.

So wie man in der Aufklärer-Szene als „Deep-State-Marionette“ beschimpft werden kann, wenn man eine abweichende Ansicht hat oder eine Bewegung macht, die unter den Hobby-Kriminalisten als Geheimzeichen identifiziert wurde, so kann man auch als „Satanist“, „reptiloid“ oder als „Dämon“ stigmatisiert werden. Man ist allseits bereit, alles zu kritisieren und zu entrümpeln, nur nicht das eigene Denken. Auch vor der Entmenschlichung macht man nicht Halt, damit den magischen Fluch über die identifizierten Bösewichter aussprechen und sie aus der Gemeinschaft der Menschen ausschließen kann. Man will sie vor allem entrechten und sich davon entlasten, zuhören und genauer hinsehen zu müssen.

Lassen wir die angstgeladenen Begründungen, die naiven Prämissen und die miserable intellektuelle Argumentation, in denen Fiktion, Annahmen und Beurteilungen bunt durcheinander geworfen und verwechselt werden, hier jetzt einmal beiseite und wenden uns einem viel interessanterem und grundlegenderem Missverständnis in Bezug auf Satanismus und die Funktionsweise des organisierten Deep States zu.

Nochmal zur Begriffsklärung: „Satanisch“ ist die Bezeichnung für die Verbindung von basalen destruktiven Kräften mit der Absicht, Leben, vor allem menschliches Leben und alles was dazu gehört, zu zerstören. Das ist also die maximale Steigerung von Kriminalität, weil sie sich gegen das kosmisch höchste Gut richtet: gegen Lebendigkeit und gegen das Leben selbst. Metaphysischer formuliert ist es die vollständig antagonistische Kraft zu den schöpferischen, verlebendigenden Kräften. Satan – als dieses antagonistische Prinzip betrachtet – ist somit auch die Steigerung vom Diabolus, dem „der alles durcheinander wirft“. Ein weiterer Hinweis, dass es sich um Kräfte handelt, die sich gegen Ordnung, gegen jede Ordnung richten.

Diese Kräfte zerstören Ordnung, sie können aber keine schaffen oder erhalten. Es ist deshalb einer der irreführendsten Denkschablonen, den Deep State für eine eigenständig errichtete Ordnung mit hochentwickelter Steuerung zu halten. Steuerung ist nur durch Ordnung möglich. Macht auf andere muss nicht durch Steuerung wirken, es gibt viele andere Wege der Beeinflussung und Kontrolle. Wir müssen diesbezüglich unsere Landkarten erweitern und genauer hinschauen lernen. Systeme und Strukturen können auf Macht basieren und absolut berechenbar funktionieren ohne dass es einen Steuermann oder überhaupt einen top-down-Einfluss gibt. Alle infra-computationalen Maschinen und Mechaniken sind ein gutes Beispiel dafür. Und Menschen können eben auch „einfach nur funktionieren“, ohne dass es eine steuernde Einheit in ihnen gibt. das ist gruselig, aber verifizierbar und häufig.

Luzifer, Diabolus und Satan – diese drei Steigerungsformen ordnungs-aversiver Zerstörung können niemals steuern, sondern nur manipulieren, unterwandern, infiltrieren und missbrauchen. Sie können nur bestehende, von schöpferischen Kräften errichtete Strukturen und Hierarchien benutzen, um sich wie ein Parasit über seinen Wirt auszubreiten und wirksam zu werden. Deshalb auch die Verkehrung der Logen, Geheimbünde und elitären Klubs von ursprünglich wohlmeinenden in zerstörerische Organisationen. Deshalb auch die Verdrehung bestehender Symbole in eine fragmentierte, isolierte und lebensfeindliche Bedeutung (z.B. die „666“, der Widderkopf, der gedrehten Venusstern, das Swastika usw.).

Wichtig ist: satanische Kräfte und dergleichen steuern nichts und niemanden, weil sie das nicht können. Der Deep State als planetenweites Spinnennetz der Kontrolle (!) über beinahe alle menschlichen Organisationen und Institutionen funktioniert(e) nicht deshalb, weil er eine ausgeklügelt aufgebaute, disziplinierte Kommando- und Loyalitätsstruktur ist, sondern weil er auf einer Störung der menschlichen Psyche beruht, die das Bewusstsein herunter reduziert auf ein Niveau, das nur noch mechanisch wie ein Uhrwerk funktioniert.

Dieser extrem herabgesetzte Dämmer-Zustand erzeugt in der menschlichen Psyche einen analogen „Deep State“-Zustand der totalen Un- und Anti-Ordnung: eine Zustand der Ich-Losigkeit, d.h. fehlender Einheit und Steuerung, so dass der Mensch nur noch roboterhafte Hülle ist, die durch einfache Mechanismen von Angst, Belohnung, Bestrafung und Suchtverhalten lenkbar ist. Deshalb die Hinweise für Insider: „These people are sick“ und: „These people are stupid“. Krank und dumm – das ist in Kurzform die satanische Richtung.

Aber – und diese Logik ist für die meisten ungewohnt: die fremdgesteuerten Roboter werden von einem ebenso fremdgesteuerten System gelenkt. Und das fremdgesteuerte System wird gesteuert von… von was? Von nichts. Es ist die Abwesenheit von Ordnung und Steuerung. Satanisch heißt also: es gibt Gesteuerte und Gelenkte, jedoch keine Steuernden und keinen Lenker. Das ist das Böse. Und das ist es, dem wir es nicht wagen oder nicht fähig sind in die Augen zu sehen: der Abwesenheit von Geist, der Leere.

Lieber glauben wir an die „Erlösung von dem Bösen“ durch das Umnieten von Schießfiguren… und die Drähte der Wettbüros laufen heiß. Ja, wir bevorzugen diese Kinder-Version mit einem oder ein paar Erzschurken, die von amerikanischen Spezialeinheiten über Nacht auf ihrer jährlichen Version von Weihnachtsfeier entfernt werden. Und das, obwohl uns gesagt wurde, dass damit noch gar nichts wirklich verändert wurde; dass „das Böse überall ist“. Nicht „an vielen Orten“, nein, überall! Haben wir das verstanden? Das, was überall ist, ist das Kranke, das Dumme, das Anti-Bewusste. Es steuert nicht, es reduziert nur auf das tiefste Niveau von Funktion und Mechanik. Am Ende dieser Kette sind Steine und das ewige Eis. Satan steht nicht im Feuer, sondern im leblosen Eis (siehe Dantes Hölle).

Also, das gilt es zu verstehen: es gibt keinen Club der Bösewicht-Elite, der all die Maschinen-Wesen lenkt. Es gibt keinen Super-Ober-Bösewicht, der über all dem steht und es an seinen Strippen hält bis James Bond kommt und ihn umlegt. Die Idee von „Satan“ ist nicht die eines Wesens, sondern die eines metaphysischen Prinzips: nämlich des Prinzips der alles verschlingenden und zerstörenden Leere.

Sauron ist kein jemand, sondern ein schwarzes Loch, ein Vakuum (in der letzten Hobbit-Verfilmung ist es bildlich gut dargestellt). Es ist das Nichts in der Unendlichen Geschichte, das alles Bewusstsein, alle Erinnerung und damit alles Innere, sprich die individuelle Psyche auffrisst. Deshalb ist die Zahl des Teufels die Zwei, weil das Dritte, das übergeordnete, verbindende und steuernde Element in ihr fehlt, es ist der reine Antagonismus gegen das Leben ohne Geist, ohne Sinn, ohne Ziel und ohne Bezug zu etwas. Es ist Bezugslosigkeit, die Vernichtung von Bezug.

Wie aber bekämpft man das Nichts? Wie bekämpft man etwas, das nicht real existiert, sondern sich nur in der Entfernung und Abnahme von der Realität auswirkt? Wie bekämpft man Mangel an Bewusstheit? Die Antwort lautet: indem man sich nicht in einen Kampf hineinziehen lässt. „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft“ (Sun-Tsu). Ich habe darauf schon an anderer Stelle hingewiesen: es ist ein Krieg, der nur durch das Beenden des Krieges an sich zu besiegen ist (Der Krieg, den wir besiegen müssen).

Das Nichts wird niemals „verschwinden“ – weil es nichts weiter ist als die Rückseite des Etwas. „Satan“ ist jene andere Seite, die es immer geben muss, solange es Bewusstsein gibt, denn dann gibt es auch Unbewusstsein und die Kräfte, die wie eine Schwerkraft in die Bewusstlosigkeit zurück ziehen. „Satan“, das „Nichts“, der „Widersacher der Schöpfung“ – wie auch immer wir diesen Ur-Gegenpol nennen wollen, er wird nur dadurch entkräftet und „in Schach gehalten“, dass Bewusstsein mehr und stärker wird – sich also intensiviert. Nicht gegen ihn, sondern trotz seiner und durch ihn. Polaritäten lassen sich nicht auslöschen, nur ins Gleichgewicht bringen und zu einer höheren Ausdrucksform ihrer Einheit steigern.

Der Drache wird niemals getötet (wer hat diese Geschichte erfunden?), sondern nur an die Leine gelegt, gezähmt oder in einen Berg eingesperrt und bewacht. Drachen, die getötet werden können, sind keine echten Drachen. Denn „echte Drachen“ gibt es real nicht. Wie kann man etwas töten, das es nicht real gibt?

Nun können wir vielleicht besser verstehen, warum mit der Zunahme von Satanischem, von Angst, Korruption, Unterdrückung und Lebenszerstörung die Steuerung proportional abnimmt. Das graue Netz des Deep States ist ohne Steuermann und ohne Kopf. Es kann manipulieren, spalten, fragmentieren, zersetzen und deformieren, aber nicht erschaffen, nicht steuern.

Warum funktioniert dieses scheinbar so gut organisierte „System“ (es ist kein System, sondern nur eine Mechanik!) bis zum hinterletzten Dorfpolizisten, bis zum unwichtigsten Verwaltungs- und Bankangestellten, bis in die Klassenzimmer, wo Lehrer ja gar nicht mehr konkret kontrolliert werden? Weil jeder Einzelne täglich gesteuert und koordiniert wird? Warum wurde es stärker, je mehr Massenmedien und Kommunikationstechnik zur breiten Verfügung standen? Weil es auf einer mentalen Konfiguration oder besser einer mentalen Diskonfiguration beruht, und eben nicht auf Steuerung.

Die Marionetten des organisierten Deep States funktionieren nicht aufgrund einer übergeordneten Lenkung (top-down), sondern aufgrund einer untergeordneten Fehlfunktion und Krankheit (bottom-up), die jede gesunde Ordnung unterwandert. Dieses Unterwandern jeder lebendigen und gesunden Ordnung ist ihre Logik, auf die Verlass ist, wenn eine Psyche einmal weit genug zerrüttet und fragmentiert wurde, so dass sie von sich aus destruktiv funktioniert. Die „Deep State“-Strukturen arbeiten deshalb höchstens mit Kontrolle durch Angst und Druck, weil Angst diese psychische und systemische Unterwanderung hervorbringt und antreibt.

Ernähren tun sich diese parasitären Strukturen jedoch nur von bestehender Ordnung (die sie zerlegen, aber nicht durch eine neue ersetzen) und von Lebendigkeit. Das ist ihre Grundlage, ohne sie funktionieren sie gar nicht. Am Ende steht die totale Unordnung (das Dia-bolische), das Chaos. Wer dem „Deep State“ gegenüber steht, steht dem zunehmenden Chaos und Chaoten gegenüber. Man entziehe ihnen die Möglichkeit, Unordnung zu stiften und lebendige Strukturen oder geistige Errungenschaften zu zerstören und sie verwandeln sich in schreiende, stampfende und fuchtelnde, armselige und hohle Geschöpfe, mit denen man nichts anfangen kann.

In dem Maße, in dem wir also Chaos stiften oder destruktiv gegen Lebendiges agieren, unterliegen wir dem satanischen Prinzip und tragen ein Stück „Deep State“ in uns: einen dunklen Winkel in unserem Bewusstsein, aus dem heraus Kräfte wirken, die wir noch nicht integriert haben. Niemand tut dies „absichtlich“. Niemand entscheidet sich willentlich, satanisch zu werden. Vorher muss etwas mit Gewalt gebrochen werden, denn der Abstieg oder Absturz ins Destruktive ist ein Zwang, eine mechanische Gesetzmäßigkeit, die sich vor allem durch den Mangel an Wille und Willenskraft auszeichnet.

Im Sozialen und in unserem sozialen Alltagsbewusstsein hören wir das gar nicht gern und wollen es auch nicht wahr haben. Denn wir möchten jemanden schuldig sprechen und zur Verantwortung ziehen. Zumindest behaupten wir das. In Wirklichkeit wollen wie jemanden bestrafen und etwas rächen. Oder milder ausgedrückt: wir wollen, dass etwas „wieder gut gemacht wird“, dass etwas ins Gleichgewicht kommt. Deshalb wollen wir, dass etwas gesühnt wird. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Biologisch ist das richtig und notwendig, aber psychologisch wird so kein Schuh draus, denn das Gleichgewicht ist psychisch und noch mehr geistig nur dadurch wiederherzustellen, dass wir dem Satanischen eine überlegene Macht entgegensetzen, um es auszubalancieren.

Diese überlegene Macht ist Bewusstsein. Die notwendige Wiedergutmachung, die wir also eigentlich brauchen, ist nicht alttestamentarische Bestrafung und physische Ausrottung, sondern Überwindung und die Erschaffung von mehr Bewusstheit. Das ist der Kern des Neuen Testaments: aufwachen, wach bleiben, erkennen und benennen. Licht auf unsere blinden Flecken und unser unbewusstes Funktionieren und Reagieren werfen; so leuchten, dass die Flüsse schöpferischer Kräfte sichtbarer und breiter werden.

Aber das ist anstrengender und ein langer Weg…

Abschluss von Teil I

Schließen wir jetzt das Thema Aufwachen ab, indem wir den Bogen nochmal zurück zu unserer Ausgangs-Allegorie des Aufwachraums spannen. Das Erwachen der Patienten stellt den Prozess eines Bewusstseinswechsels dar von einer geringen Bewusstseins-Intensität zu einer höheren. Dabei durchläuft er verschiedene Stadien vom Tiefschlaf über die Traumphase zum halbwachen Dämmerzustand, der schließlich übergehen könnte in ein immer wacheres und genaueres Wahrnehmen der Realität um ihn herum und dadurch auch seiner selbst.

Was heißt „wacher“? Es bedeutet: umfassender, differenzierter, präziser und vor allem zusammenhängender in der Wahrnehmung.

Die Aufwachstufen erinnern nicht nur an die Wachstumsphasen eines Kindes vom unbewussten Embryo über den Fötus zum Neugeborenen („Aufgewachten“), das sich erst langsam in seiner Wahrnehmung der Welt entwickelt. Sie erinnern auch an die Bewusstseinskonfigurationen, die den Kulturepochen der Menschheit zu Grunde liegen. Die urzeitlichen archaischen Zustände ohne Ich- und Trennungsbewusstsein. Dann die naturverschmolzenen Stammeskulturen, die schon ein erstes Bewusstsein für unterschiedliche Wirkebenen hatten, die sie in Ritualen imitierten und nacherlebten. Ihr folgten die Epochen eines intensivierten Bewusstseins mit einer verstärkten Differenzierung zwischen „Wir“-Identität einerseits und Natur und Welt andererseits, das sich in matriarchalen, kreisbezogenen Strukturen ausdrückte und organisierte. Das vormals rein körperlich-instinktive Erleben von „Selbst“ wurde in dieser Phase differenzierter durch die Ergänzung von emotional-intuitivem Erleben, das sich in einheitsschaffenden Mythen, zeitlosen Erzählungen und ambivalenten (doppeldeutigen) Symbolen ausdrückte.

Auf diese Phase folgte die Intensivierung menschlichen Bewusstseins durch das mentale Element: das zielgerichtete Planen, Analysieren und das rationale, kausale Denken, durch das auch die zusätzlich Abgrenzung vom einzelnen „Ich“ gegenüber der Gruppe entstand. Dadurch wurde das matriarchale Prinzip vom patriarchalen, Gesetzes- und Schrift-bezogenen abgelöst. Diese Phase, die etwa mit den griechischen Philosophen begann, steigerte sich über 2500 Jahre (bisheriges Narrativ, wahrscheinlich richtiger ist: 1500 Jahre) bis zu dem einseitigen, technologischen und materialistischen Rationalismus, dessen verzerrteste Fratzen wir seit dem letzten Jahrhundert erkennen können.

Jedem Übergang in eine neue Bewusstseinsintensität geht eine Leidensphase der Erschöpfung und Ausweglosigkeit innerhalb der bestehenden Bewusstseinsstufen und ihrer Modalitäten voraus. Es ist wie bei einer Geburt: das Baby wird nicht geboren, weil es sich wünscht, jetzt endlich auf die Welt zu kommen (von der es gar nichts weiß und gar nichts wissen kann), sondern weil es im Mutterbauch zu eng wird und nicht mehr auszuhalten ist.

Wir erleben aktuell die Zuspitzung dieser Übergangsphase bis an die Grenzen des Aushaltbaren. Die extremisierten und gleichzeitig überforderten bisherigen Möglichkeiten, Werkzeuge und Lösungsansätze des rein Mentalen, sind der Welt, in der wir mittlerweile leben, nicht mehr gewachsen. In ihrer Verbohrtheit und hilflosen Ausweglosigkeit sind sie verzweifelt und fanatisch geworden.

Was wir aber auch noch mit uns „mitschleppen“ sind Menschen und ihre Subkulturen, die noch in den frühen archaischen und primitiven Bewusstseinsstrukturen „hängen“ – und zwar in ihren extremisierten, überforderten und schädlichsten Formen.

Die schwierige Aufgabe jeder Bewusstseinssteigerung und jeder neuen Kultur ist es, zum einen alle früheren Entwicklungsstufen zu umfassen und konstruktiv in sich einzubinden und zum anderen dafür auch die Verletzungen und Erkrankungen der niedergehenden, defizienten Kultur zu heilen.

Die Herausforderung höherer Integration

Je mehr sich die Intensität von Bewusstsein steigert, desto integrativer kann es sein, aber desto fragiler wird es auch. Denn je mehr der Mensch sich in seiner Selbst-Bewusstwerdung aus der Einheit mit und der Teilhabe an der Natur herauslöst, desto mehr muss er auch Selbst-Verantwortung übernehmen für sein Dasein und Wirken. Wie bei allen Unternehmungen gilt auch in der Welt der Bewusstseinssteigerung die Regel: je höher der Einsatz, desto höher der mögliche Gewinn, aber desto höher auch das Risiko. In der spirituellen Akrobatik wächst das Verletzungsrisiko mit jeder neuen, riskanteren Figur.

Es gibt dabei gerade in den Übergangsphasen zu einem intensivierten Bewusstsein wie der gegenwärtigen zwei Fehler, zu denen die menschliche Psyche neigt: sie möchte sich in Sicherheit bringen vor den anstehenden Anforderungen und zieht sich auf frühere Bewusstseinsstadien zurück – d.h. sie schläft ein, verdämmert sich und reduziert die Selbst- und Weltwahrnehmung zur eigenen Entlastung. Der Preis für diese Selbstvernebelung ist wachsende Überforderung durch die Welt, die dadurch ja nicht einfacher wird und schließlich zu einer Überwältigung und Terrorisierung wird durch immer mehr agitierte und unbeherrschte Mechanismen (siehe das Jahr 2020). So verständlich der Wunsch nach Rückkehr zu geborgeneren, einfacheren und verantwortungsloseren Zuständen mystischer Natureingebundenheit, intuitiver Emotionalität oder kollektiver Selbstauflösung auch ist, er ist nur in künstlich erzeugten Subwelten und „Kult-Szenen“ möglich und verhindert in seiner Rückwärtsgewandtheit die geistige Entwicklung.

Der andere Fehler aus der Not der zunehmenden Überforderung in einer defizient werdenden Bewusstseinsstruktur ist die Fragmentierung und Abspaltung der verschiedenen Bewusstseinsstufen in getrennte Erfahrungswelten. Dann bauen sie nicht mehr aufeinander auf und verbinden sich zu einer vielfältigen Wahrnehmung des Ganzen, sondern erzeugen den Eindruck einer undurchdringlichen Vielfältigkeit, die Angst macht. Durch diese Desintegration des Bewusstseins und der Weltwahrnehmung entstehen Einseitigkeit und als Reaktion auf die zunehmend bedrohliche Überforderung immer rigidere Intoleranz und fanatischer Starrsinn.  

Letztere Reaktion auf den Stress einer nicht mehr zu bewältigenden Komplexität führt z.B. dazu, dass ein Teil des Lebens oder ein Bereich einer Kultur nur mit enger, analytischer Rationalität bewältigt wird (z.B. Wissenschaft) und ein anderer Bereich mit naiv-impressionistischer Emotionalität, die ins Sentimentale kippt. Die Wirkung der Medien, angefangen vom Fernsehen bis zu den flackernden Bilder- und Video-Landschaften der asozialen Netzwerke sind zwar eine Errungenschaft rationaler Ingenieurs- und IT-Künste, werden aber überwiegend zur Erzeugung prä-rationaler, pseudo-mythischer Auflösungs-Zustände und basale Instinktbedürfnisse nach Tranceinduktion und affektiver symbolischer Gruppenzugehörigkeit benutzt. Voilà, eine desintegrierende Kultur!

Ein anderes Beispiel sind jene emotionslastigen, intuitiv-reaktiven Subkulturen, die seit Jahrzehnten überall im Vormarsch sind und die alles Rationale und Verstandesorientierte, jede Begriffsbildung, jede kritische Selbstreflexion, jeden intellektuell scharfkantigen Diskurs pauschal als schädlich und „falsch“ verteufeln und ausklammern, weil sie keine Verbindung zwischen ihrer Gefühlswelt mit ihren monopolaren Selbst-Bildern und dem begrifflich-analytischen Bewusstsein herstellen können. Letzteres macht ihnen Angst, weil sie in jeder denkenden, begrifflichen Auseinandersetzung nur die wörtliche Auseinander-Setzung, einen Zerfall und damit die Bedrohung ihrer gewohnten Kohärenz sehen. Mit dem emotionalen Bewusstsein kann man nämlich viel leichter Unbequemes, Schwieriges oder Komplexes ausblenden oder überblenden. Der Verstand ist da viel weniger manipulierbar und korrumpierbar. Sie kämpfen also mit allen Mitteln des reaktiv-emotionalen Bewusstseins für einen Erhalt des schwammigen „Wir“-Gefühls und gegen jegliche begriffliche Festlegung, auch wenn sie dafür gegen ihren eigenen Vorstellungen und ihr Gerechtigkeits-Gefühl agieren müssen, immer radikaler werden und physische Gewalt anwenden müssen, um die Stimmen des Verstandes mundtot zu bekommen.

Die Lösung für diese Probleme liegt in der Anstrengung zur Integration, also zur Entwicklung eines Bewusstseins, das alle vorhergehenden Bewusstseinsstufen umfasst und so überblickt, dass es als Ganzes und in sich Vollständiges wahrgenommen wird, nicht als bedrohliche Zerstückelung. Basal-instinktive Mechanismen werden durch emotional-soziales Bewusstsein integriert, emotionale Impulse werden durch kognitive Landschaften und Begriffsbildung integriert und die rational zerlegende Analytik wird durch die Fähigkeit zum synthetisierenden, inklusiven Verstehen integriert, welches somit alle minderkomplexen Erfahrungswelten überblickt und in ihrer Ganzheit erfassen kann.

Dies ist die Bewusstseinsintensität, die uns nun kulturell und planetenweit zu verwirklichen bevorsteht.

Teil II: Bausteine für eine neue Kultur

Einzelne Menschen erwachen seit es Menschen gibt.

Sie erwachen stets trotz und entgegen der Kultur und dem Zeitgeist, in dem sie leben. Einige von ihnen werden dann zu Leuchttürmen für ihre Zeitgenossen oder für spätere Generationen, weil sie von einem Standpunkt außerhalb der zeitgenössischen Paradigmen und geläufigen Denkschablonen sehen und agieren können. Sie schaffen dann manchmal Werke, die für ihre Zeitgenossen noch nicht verständlich, zumindest rätselhaft, und von ihnen meist sogar als bedrohlich und gefährlich empfunden werden – weil sie etwas zum Ausdruck bringen, das den Menschen vor Augen (oder Ohren) führt, dass es jenseits der Welt ihres Bewusstseins Leben gibt, bewusstes Leben. Dieses ultimativ Fremde und Unbegreifbare, weil jenseits des eigenen Vorstellungsvermögens Liegende, ist den Menschen unheimlich und angsteinflößend. Daher tritt es meist verkleidet und maskiert auf, um weniger zu schrecken und nur noch von ähnlich erhobenen Geistern erkannt zu werden.

Es sind diese Menschen erhobenen Bewusstseins, die Kulturen prägen und verändern. In herausragenden Fällen sogar gänzlich neue Kulturen hervorbringen und den Samen zu einer neuen Zivilisation legen. Das ist nur möglich von Bewusstseinsebenen aus, die weit oberhalb und außerhalb fixierter Funktions- und Ausdrucksweisen liegen und in den grundsätzlichen, transpersonalen Gefilden von geistigen Gesetzen und zeitlosen Prinzipien verankert sind.

Ohne diese Leuchttürme und Samensetzer würde es nicht nur völligen kulturellen Stillstand ohne Erneuerungen und Entwicklungen geben, sondern sogar nur noch stetigen Abstieg in immer desorganisiertere, desorientiertere und regressivere Zustände bis hin zu Auflösung jeglicher Kultur. Keine Epoche hat das deutlicher erfahren als die unsrige der letzten 150 Jahre. Das Ergebnis ist offensichtlich.

Die gegenwärtig laut und deutlich endende Kulturepoche, die wir als die „Rational-Technologische“ bezeichnen können, hat in ihrem letzen Viertel, also in den letzten 150 Jahren, ihr letztes Lebensstadium durchlebt, das für jede Kulturepoche gekennzeichnet ist durch die eskalierende Übertreibung ihrer Hauptmerkmale und Errungenschaften bis zur Degeneration und Selbstauflösung durch nicht mehr lebensfähige Einseitigkeit und sackgassenartige Fixierungen.

Die Entdeckung der Raumperspektive um den Beginn des 15. Jahrhunderts herum führte zu einer „Eroberung des Raumes“ und einer zunehmenden allgemeinen Bewusstheit der dritten Dimension. Daraus erwuchs mit der Zeit ein neues Selbstverständnis des Menschen vom mittelalterlichen Teilhaber an einem mystischen Großen und Ganzen hin zum Gestalter der Raum- und Objektwelt, der er sich selbst gegenüber gestellt sah. Vom Erkennen der Zentralperspektive über das technische Zeichnen begann sich das Vorstellungsvermögen der Menschen mehr und mehr im Dreidimensionalen zu schulen, wodurch die Entwicklung von komplexeren Geräten und Maschinen möglich wurde. Mit der wachsenden Begeisterung für die Eingriffs- und Veränderungsmöglichkeiten in der Welt der Materie und Objekte schwand das Verständnis des unterlegenen und leicht verwundbaren, nur von himmlischen (d.h. mysteriösen, undurchschaubaren) Kräften zu beschützenden und zu lenkenden Menschen. Der Mensch war immer weniger der Natur und ihren Kräften ausgeliefert, sondern begann mehr und mehr, die Natur planvoll und zweckmäßig für sich zu nutzen und zu gestalten. Dafür waren der analytische Verstand und das drei- schließlich vierdimensionale Vorstellungsvermögen die wichtigsten Eigenschaften. Die sichtbaren und offensichtlichen Erfolge der wachsenden Verstandes-Kultur und ihrer Technologie führten zu einer Überhöhung dieser menschlichen Fähigkeit, die sich irgendwann über das gesunde Maß von Harmonie und Relation mit den anderen Kräften wie z.B. dem Fühlen und dem Sinn für Ästhetik und Ethik, hinaus steigerten und zu Überschätzung, Übertreibung und Desintegration führten.

Der technologische Verstand und der Erfindungswille begannen aus dieser Maßlosigkeit heraus, sich zu verselbständigen. Da es keine Philosophie und keine Kultur gab, die ihnen Grenzen setzen und Einhalt gebieten konnten, setzte sich eben dieser technologische, kontrollorientierte Verstand durch und schwang sich auf zum neuen Richtungsgeber für alle Angelegenheiten der Kultur. Dem war er natürlich nicht gewachsen, denn trotz aller Versuche von rationaler Philosophie, dann Soziologie und Psychologie schaffte er es – bis heute – nicht, das menschliche Bewusstsein in seinem Wesen, in seinen Bedürfnissen und mit seinen Kräften zu erfassen. Wie auch, da er selbst ja nur ein kleiner Teil davon ist?

Halb aus blinder Unwissenheit, halb aus Kontrollwahn kippte diese Situation etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dann vollends in einen Kampf des immer engeren, vom Leben abgeschnürten analytischen Verstandes gegen alle anderen Merkmale des Menschseins, die er nicht quantitativ und berechnend erfassen konnte. Die Überbewertung des logisch-analytischen Verstandes hatte dazu geführt, dass Menschen sich berechtigt fühlten, ihn gegen alle anderen Wesensmerkmale des Menschen ins Feld zu führen, denn nur so konnte die Illusion seiner Überlegenheit aufrecht erhalten werden. Er hätte sich sonst unterordnen müssen und das hätte zu einer großen Desorientierung geführt, denn es fehlte an durchsetzungsstarken alternativen integrativen Kräften. Die Geister der Romantik hatten sie schon entdeckt, benannt und eingefordert, aber sie hatten noch nicht genug Kraft gegen die schon Jahrhunderte lang aufgebaute Stoßkraft der rationalen Selbstüberschätzung.

Aus der Haltung des fanatischen Rationalismus heraus entstanden die Ideen des Darwinismus, die Ideologien und später die grauenvollen Großprojekte des Sozialismus (Kommunismus, Faschismus, Überwachungsstaat), die Maschinenkriege des 20. Jahrhunderts, die Psychoanalyse und der Behaviorismus bis hin zu den menschenverachtenden Philosophien, die sich Existenzialismus und Nihilismus nannten. Das Endstadium dieser kulturellen Abwärtsbewegung ist jene Welt, die wir bis vor kurzem noch als „freiheitliche demokratische Grundordnung“ gelernt haben zu beschreiben, die sich aber unter der dünnen Oberfläche institutioneller Täuschung und medialer Ablenkung als technokratische Diktatur super-analytischer, psychopathischer Kräfte entpuppte. 

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschen bis zum Punkte ihrer vollkommenen Zerstörung von den krankesten und degeneriertesten Kräften, also von den extremsten Abspaltungen des menschlichen Bewusstseinsspektrums beherrscht und gelenkt werden konnten, müssen wir verstehen, wie die hyper-analytische Verstandeskultur zwei Phänomene ermöglichte und sogar förderte, die ohne ihre Grundlage nicht möglich gewesen wären: Spaltung und Lähmung.

Psychische Spaltung entsteht durch massive Überforderung. Der analytische Verstand ist per se überfordert mit der Welt, weil er sie nur zerlegt und damit das innere Zusammenwirken zwischen Teilen und Kräften ignoriert. Das ist der Unterschied zwischen einem Mediziner und einem Arzt. Ein Mediziner ist einer, der einen Frosch sauber in seine Einzelteile zerlegt und dann all die Kadaverteile als Beweis vorlegt, dass es Leben gar nicht gibt. Ein Arzt arbeitet mit Zusammenhängen und Bezügen – je mehr und je differenzierter desto besser ist er als Arzt. Heutzutage gibt es kaum noch Ärzte und fast nur noch Mediziner.

Eine Überbetonung des analytischen Verstandes führt dazu, dass immer mehr Aspekte des menschlichen Wesens und auch der Welt schlichtweg nicht mehr wahrgenommen und nicht mehr verarbeitet werden. Die dadurch entstehende Desorientierung und Hilflosigkeit kann dann nur noch dadurch kompensiert werden, dass man versucht, alles unter Kontrolle zu bringen. Voilà, die Grundmotivation der Sozialisten und Technokraten! Erstere wollen jede menschliche Bewegung und jede Einzigartigkeit unter die Kontrolle der Gleichschaltung bringen und letztere helfen dabei mit der totalen Funktionalisierung, Steuerung und Überwachung von allem durch Technik – je toter desto besser.

Diese Abspaltung von den fühlenden und integrativen Kräften des menschlichen Bewusstseins ist noch steigerungsfähig, aber für diese Varianten müssen wir den Boden der allgemein anerkannten Welterklärungen verlassen und uns auf das Terrain von Phänomenen wagen, die ihrer Natur nach immer im Dunklen und ungesehen bleiben wollen – sie scheuen menschliches Bewusstsein und den integrativen Verstand wie die Vampire das Licht.

Analytischer Fanatismus und Kontrollwahn führen nicht nur zu Erdverwüstung und Skrupellosigkeit gegen alles Lebendige, wie heute zum Schrecken der meisten gut sichtbar ist, sondern vor allem zum Hass gegen alles gesunde Menschliche schlechthin. Die organisierte Form von diesem Hass nennt sich Satanismus. Die oberste Steigerung dieser Pathologie ist ritualisierter Kannibalismus. Warum? Weil er die höchste Form der Illusion darstellt, mit dem der abgekoppelte Verstand sich die Macht über das Leben selbst vorgaukeln kann – nicht nur symbolisch, was für diese Art von Wahnsinnigen auch sehr wichtig ist – sondern auch biochemisch. Wer sich mit der Biochemie von Kannibalismus beschäftigt, der wird feststellen, dass sie sowohl hochgradig psychedelische und halluzinogene Merkmale umfasst als auch den Einfluss tief verankerter sozialer Hemmmechanismen aufhebt, so dass die Hemmschwelle zu Gräueltaten und anti-sozialem Verhalten immer weiter herabgesetzt wird.

Wir wollen das hier nicht vertiefen. Für unseren Gedankengang ist nur wichtig: das mit dem analytischen Verstand konstruierte „Ich“ und seine Identität sind aufgrund ihrer permanenten Überforderung durch die Welt und alle Aspekte des Menschlichen darauf angewiesen, zu wachsender Gewalt und zu biochemischen (Selbst-)Manipulationen zu greifen, um sich und ihre Existenz-Illusion zu erhalten. Was für die Psyche des Einzelnen gilt, gilt auch für den psychischen Basiszustand einer Kultur. Eine Kultur, die aus dem analytischen Verstand heraus versucht, mit den Anforderungen des Menschseins und der immer komplexeren Welt um sich herum fertig zu werden, muss zu immer drastischeren Mitteln greifen, die in Folge die Abspaltung von der eigenen Wesensnatur und vom ganzheitlichen Bewusstsein im tiefer treiben und extremisieren.

Auf der anderen Seite haben wir – auch als Folge von überfordertem Verstand und Abspaltung – eine wachsende Lähmung in der Kultur der analytischen Ratio, welche zum einen aus der zunehmenden Abschnürung von vitalen Kräften entsteht und zum anderen aus der mentalen und moralischen Hilflosigkeit gegenüber dem hastigen und gewaltbereiten Treiben der Rationalisten und ihren immer mächtigeren Technologien.

Der Niedergang der aktuellen Kulturepoche ist daher auch ein Absturz der Menschlichkeit in fundamentale Spaltung und Lähmung, welche dazu führten, dass zuletzt nur noch das Böse, d.h. ein intelligentes, zielstrebiges Krankes, die Kultur und die Welt in die Selbstzerstörung trieben.

Am Ende einer jeden Kulturepoche kommen die Menschen somit an die Grenzen ihrer Überlebensfähigkeit und ihrer Lösungswerkzeuge. Nichts von dem Gewohnten funktioniert mehr, jeder Versuch einer Reparatur oder Revolution im bekannten Stil macht alles nur noch schlimmer. Allgemeine Angst, Unruhe und kopflose Agitiertheit machen sich breit. Die Schreihälse auf dem Marktplatz der Wichtigtuerei wechseln täglich ebenso wie die Lagebeschreibungen und Zukunftsvorhersagen. Jeder schüttelt nur noch den Kopf und die Angst treibt die Menschen in immer bizarrere Formen ihrer Neurosen. In den deutschen Gefilden ist es vor allem die Neurose des Gehorsams, des Masochismus‘ und des Kontrollwahns.

So sieht das Ende einer Kultur aus. Es ist im Grunde das Ende einer Entdeckungsphase einer menschlichen Fähigkeit, die über ihre Grenzen hinaus bis in ein krankes Extrem ausprobiert wurde. Der einzig rettende und zukunftsfähige Impuls aus dieser Sackgasse kann nur von etwas fundamental anderem und neuem kommen. Nur daraus kann der Keim für eine neue Kultur entstehen.

Kultur-Tod und Kultur-Geburt

Kulturen entstehen aus ihren vorhergehenden Kulturen heraus. Der Übergang ist also immer fließend und überlappend. Im Endstadium einer Kultur wird bereits der Keim der neuen sichtbar. Er wird natürlich von der bestehenden Kultur als fremd und bedrohlich bekämpft.

Die Menschen, die im Geiste der alten Kultur, ihrer Ansichten und Denkweisen und Beschränkungen leben, können nur vage erkennen, dass das Korsett ihres Weltbildes zusammenbricht und machen dann aus generalisierter Angst vor allem Neuen den Fehler, Ursache und Wirkung zu verwechseln: die neu entstehenden Paradigmen und Leitlinien sind nicht der Grund für den Untergang, sondern eine Begleiterscheinung.

Ebenso empfinden aber auch die Anhänger der neuen Bewegung alles Alte und dessen Vertreter zunehmend als Feinde und tappen in die Falle, sich in Kämpfen gegen Vertreter des Alten zu verstricken, statt sich darauf zu konzentrieren, das Neue zu schützen und zu kultivieren.

Das ist der Stand, auf dem wir jetzt sind: immer mehr Verstrickungen und Jeder-gegen-jeden. Das immer offensichtlichere Vakuum an Wissen und Verstehen führt zu wachsender Paranoia und Kampf-oder-Flucht-Reaktionen, so dass die Linie zum Feind immer enger und näher an der eigenen Position gezogen wird. Sobald die eigene intellektuelle Kapazitätsgrenze erreicht ist, übernehmen basale Kindheitsemotionen, die sich in simplem Schubladen- und Schwarz-Weiß-Denken äußern im Stile von „alle, die nicht für mich sind, sind gegen mich“, „alle, die nicht meine Meinung/Ansichten teilen, sind Spione und V-Männer des Feindes (gibt es auch V-Frauen?)“ oder „alle, die nicht die Ziele meiner Gruppe propagieren, sind Saboteure und Kollaborateure der Gegenseite“. So entstehen die intellektuellen Blutbäder, die zu nichts führen als zu immer mehr zersplitterten Einzelgrüppchen mit ihren idiosynkratischen Glaubens-Versionen von Richtig und Falsch, Zukunft und Vergangenheit, Gut und Böse.

Wie und wo aber entsteht das fundamental Neue?

Wir haben drei sehr bekannte biblische Bilder für das Hinauswachsen einer neuen Kultur aus einer alten, die einseitig und defizitär und dadurch krank und destruktiv geworden ist: Noahs Arche, Moses Auszug aus Ägypten und Jesus Christus mit seinen Jüngern.

Im Grunde ist die Bibel – auch in der uns bis dato nur bekannten arg verstümmelten und reduzierten Version – eine Sammlung von Texten, in denen es um gar nichts anderes geht als das Hinauswachsen einer höheren Bewusstseinsstufe aus einer niederen. Aber diese drei der bekanntesten Sinnbilder wollen wir zur Veranschaulichung unseres Grundgedankens herausnehmen.

Noah, Moses und Jesus sind für uns hier weniger als historische Figuren zu verstehen, sondern können betrachtet werden als Aspekte und Wirkmechanismen des ewig gültigen Prinzips der Neuwerdung und der Regeneration, hier insbesondere derRegeneration von Kultur. Deshalb und nur deshalb sind diese allegorischen Figuren und ihre Geschichten für Menschen in jeder Epoche bedeutsam. Für uns heute sind sie noch um ein Vielfaches relevanter, weil sie uns auch helfen, die Makroprozesse des Welt- und Kulturwandels, in dem wir uns befinden, besser zu verstehen.

In dieser Regeneration und Neustiftung von Kultur gibt es verschiedene Phasen und Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Konzeption eines neuen Kultur-Impulses funktioniert und sich entfalten kann. Der erste Aspekt ist der der Auswahl und Abschirmung (die Arche Noah). Der zweite Aspekt ist der der Ablösung und Neupostitionierung (Moses Exodus mit dem „auserwählten Volk“ zum „gelobten Land“). Der dritte Aspekt ist der der Beständigkeit und Verbreitung (Christi Auferstehung (d.h. auch Unsterblichkeit) und seine ausströmenden Apostel).

Wir sollten uns bewusst machen, dass es in der Bibel keine „göttlichen“, d.h. der geistigen Entwicklung förderlichen Revolutionen gibt. Revolutionen sind Bottom-up-Prozesse, die sich von unten nach oben durchsetzen und somit stets einen Zuwachs an Chaos, Gewalt und Unterdrückung bringen. „Von unten nach oben“ heißt ja, von den unteren, d.h. niederen, weniger strukturierten, abhängigeren, jüngeren, gesteuerten und damit am Alten, Bekannten hängenden Ebenen ausgehend. Revolution heißt deshalb immer Abstieg in Tumult, Unordnung, Beliebigkeit und primitivere Organisationsformen wie z.B. Faustrecht oder Stammesdenken. Moses ist nicht angetan als er mit den neuen Gesetzen vom Berge kommt und die Menge während seiner Abwesenheit angefangen hat, in die alte Gold- und Kalbsanbetung zurück zu fallen.

Der gegenteilige Prozess ist der der Evolution. Evolution (von lat. ex-volvere) bedeutet, dass sich etwas aus etwas heraus wendet oder windet, herauswächst und sich ent-wickelt, wörtlicher: aus-/heraus gerollt wird (wie eine Schriftrolle), also ent-hüllt wird und sich auf- oder auseinanderfaltet. Im Begriff der Evolution stecken also zwei Ideen: zum einen die Idee einer Höher- und Weiterentwicklung und zum zweiten die Idee, dass bereits etwas Vollständiges vorhanden ist, welches sich nur noch entfaltet und schrittweise zeigt.

Evolution führt zu einer höheren Ordnung, einer feineren Strukturierung und einer überlegenen Intelligenz, weil sie von einer Information, einer Idee bzw. einem geistigen Impuls ausgeht und sich daraus dann mehr und mehr sichtbar und wirksam manifestiert. Das ist ein Top-down-Prozess, von oben nach unten, vom Geistig-Abstrakten zum Materiell-Konkreten, von der Idee zur Umsetzung, von der Einzahl und Einmaligkeit zur Vielzahl und Vielfältigkeit, von der verdichteten Qualität zur expandierenden Quantität, von einer Zelle zum Organismus und zum Körper, von der Original-Matrize zu den Variationen.

Also auch – und das ist sehr wichtig einzusehen – immer vom Einzelnen ausgehend zu einer kleinen Gruppe, von der Gruppe zur Gemeinschaft, von einer Gemeinschaft zu einem Volk, vom Volk zur ganzen Welt. Evolution und Bewusstseinsentwicklung beginnt also stets beim Einzelnen und wird dann hierarchisch und kaskadenförmig kollektiv wirksam. Es ist anders nicht möglich und alle modernen Fantasien von „Graswurzelbewegungen“, Volksrevolutionen und demokratischen Neugründungen bestehen aus der fatalen Mischung von Halbwissen und bodenlosen Ideologien. Alle tatsächlich stattfindenden sogenannten „Basis-Bewegungen“ und „Revolutionen“ sind top-down organisierte, hierarchisch koordinierte und streng kontrollierte Ausführungen von Ideen und Plänen, auch wenn das den Aktionisten mit den Mistgabeln oder den selbstgeschriebenen Verfassungen nicht bewusst ist.

Jene Wunschprojektion der leidenden Mitläufer, dass sie das System zu Fall bringen und dann ein neues, besseres errichten können, ist so kurzsichtig und absurd, dass es sich gar nicht lohnt, das genauer zu beleuchten. Es ist allerdings psychologisch interessant: es lässt sich soziologisch zeigen, dass die Menschen umso mehr von Revolutionen und Massenerhebungen schwärmen und sich von ihnen instrumentalisieren lassen, je hilfloser, ohnmächtiger und desorientierter sie realiter sind. Wenn sie dann feststellen, dass sie zu ihren Ungunsten missbraucht und in die Irre geführt wurden, ist es regelmäßig zu spät und sie müssen sich mit schlechteren Zuständen als zuvor arrangieren.

Eine neue Kultur oder Zivilisation entsteht also nicht durch Frust und unruhige „Bewegungen an der Basis“, sondern ganz im Gegenteil durch Einzelne oder sogar nur einen Einzelnen, die einen geistigen Impuls und das Wissen um seine wirksame Umsetzung an einige wenige weitergeben, welche sich davon führen lassen. Dies ist der wichtigste Aspekt, der auch in der Bibel immer wieder betont wird: das Neue kann nur kommen, wenn man sich davon führen lässt.

So betrachtet ist auch jede Form von Ungeduld, Verselbständigung, Eigenermächtigung und Aktionismus gegen den Entwicklungsimpuls, der seine eigene organische Entfaltungsdynamik hat, an die es sich zu halten gilt. An dieser Stelle haben viele Deutsche (die „Israeliten“) heutzutage ihr größtes Problem: da sie sich kein gesundes Außen mehr vorstellen können und kein Konzept mehr von einem höheren Außen haben, können sie auch an das Versprechen einer Rettung und Erneuerung „von außen“ nicht glauben. Ihre implizit verinnerlichte Hilflosigkeit hält sie gefangen in einer Weltanschauung der Hoffnungslosigkeit, die nur noch gelähmtes Ertragen oder verzweifelten Aktionismus zulässt. 

Jede kleinste Verweigerung des Folgens und Befolgens oder jede eigenwillige Hinzufügung oder Veränderung aber bewirken sofort eine Verunreinigung und Entkräftigung des originalen Impulses, weil sie das Alte und Sterbende mit einfügen. Sie erzeugen dadurch einen Trägheitsmoment, der die Verwirklichung des neuen Impulses verlangsamt und ihn im Alten, Gewohnten untergehen lässt. Es ist wie mit einem guten Neujahrsvorsatz, der schon nach ein paar Tagen relativiert und „angepasst“ wird, dadurch an Energie verliert und schließlich nur noch zu einem wirkungslosen Gedanken, einer kraftlosen Hülle wird.

Deshalb muss der Anfang einer neuen Kultur sowie der Anfang eines jeden jungen Entwicklungs-Impulses besonders geschützt werden. Das ist die Arche Noah in der Sintflut. In der bestehenden Welt mit ihren Kontroll- und Steuerungsmechanismen sind die ersten Manifestationsstufen des Neuen stets massiv bedroht von Sintfluten: den Unverständigen, die voller Hohn oder sogar Angst und Gewalt sind, den Herrschenden („Pharao“, „Herodes“) und den halbherzigen, ungläubigen, schwachen Mitläufern, die die neue Idee nicht wirklich verstehen und denen es vor allem unmöglich ist, sich ihr zu unterstellen und ihr zu dienen („ungläubige, ängstliche Israeliten“, „ungläubige, schlafende Jünger“).

Je weiter der neue Impuls sich manifestiert und umgesetzt wird, desto wichtiger werden das Prinzip der Auswahl von Repräsentanten und Führern und das Prinzip der Separation vom Alten. Von ihnen hängt ab, ob das Neue weiter wachsen und sich authentisch entfalten kann. Seine Vertreter, Vorkämpfer und Apostel müssen es verkörpern und dürfen keine fremde Agenda einführen. Sie müssen außerdem stark genug sein, dem Druck der zunehmend feindlichen und aversiven alten Umgebung standzuhalten und intelligent genug, um ihr Verhalten den Umständen anzupassen ohne das Ziel und die Original-Idee zu verändern. Das heißt sie müssen ihnen treu bleiben können.

Ab einem gewissen Stadium der Entwicklung des Neuen ist es vom Alten nicht mehr ignorierbar aber auch nicht mehr leicht zerstörbar. Dann beginnt der Kampf ums Überleben und um die Herrschaft. In diesem Kampf ist das Neue grundsätzlich weit überlegen, denn es beruht auf einer höheren Idee, ist mit einer höheren, umfassenderen Intelligenz verbunden, speist sich aus einem frischeren, tatsächlich inspirierteren Lebensimpuls, hatte mehr Zeit sich vorzubereiten und kennt und versteht deshalb als einzige Seite beide Seiten, so dass es strategischer vorgehen kann.

Die Gefahren für den Keim einer neuen Kultur erwachsen auf dieser Stufe weniger aus einer Bedrohung durch das behäbige, reaktive Establishment, sondern fast ausschließlich aus inneren Störungen wie mangelnde Stabilität, mangelnde Struktur, mangelnde Loyalität, Disziplin oder Fokus, Unterwanderung mit fremden Ideen, Verwässerung des Ursprungs-Impulses oder Zweifel und Unsicherheit, d.h. mangelndes Verstehen. Der wichtigste Aspekt für den neuen Kultur-Organismus ist also ein starkes psycho-spirituelles Immunsystem, entsprechend starke Selbstreinigungsfähigkeiten und eine stabile Gesundheit, das ist die Übereinstimmung mit seinen eigenen Wesensmerkmalen und übergeordneten Gesetzmäßigkeiten. Metaphysisch formuliert: sie muss ihrer Wahrheit treu bleiben – das ist die Bedeutung davon, etwas zu bewahren. Theologisch ausgedrückt: sie muss ihrem Gott und dem geschauten Göttlichen treu bleiben, an ihn glauben, das kommt von ge-loben, Treue geloben.

Damit haben wir ein grobe Skizze verfertigt, wo wir im Jahre 2021 gerade stehen: im Angesicht der Sintflut, für die die bewahrende Arche schon gefertigt sein muss, in der langen Transit-Zone zwischen dem sterbenden „Ägypten“ und dem „gelobten Land“ einer neuen geistigen Freiheit und in der bewegungslosen Wartezeit bis zur Rückkehr der erhebenden Verkörperung geistiger Führung, nachdem sie psychisch im Kollektiv schon längst gekreuzigt und begraben wurde. Für die wissenden und sehenden Teilnehmer dieses Umbruchs und zur Beruhigung der jüngst wacher Werdenden ist allerdings auch schon seit über zwei Jahren schon deutlich: Die Arche ist schon lange fertig, seetauglich und bis an die Zähne (besser: bis zu den Sternen) bewaffnet, die „Pharaonen“ und ihre Lakaien sind von ihren Thronen und Chefsesseln längst entfernt und die Personifizierung des Freiheitskampfes und der Kultur-Regeneration wartet nur noch darauf, in der vollen medialen Bandbreite verkündet zu werden.

Vorbereitet sein ist nun alles. Sobald die neuen Rahmensysteme installiert und die neuen Gesetzestafeln graviert sind, werden die alten und die Übergangsprogramme heruntergefahren und wir werden freien Blick auf die weite neue Spielfläche bekommen. Auf dieser können wir mitwirken, eine neue Kultur aufzubauen – und je mehr wir deren Grundidee verstehen und in uns nachzeichnen können, desto besser wird uns das gelingen. Schauen wir deshalb als nächstes auf das Werdende und Kommende:

Eine Kultur des sozialen Bewusstseins

Der geistige Vorteil der modernen alltagsdominanten Technik und Hochtechnologie ist, dass wir sie nun als allseits verständliche Metaphern zur Beschreibung des menschlichen Bewusstseins und seiner Psychologie nutzen können. Ich habe mich schon vor 20 Jahren darüber gewundert, dass die Psychologie, die sich immer mehr der Schnittstelle zur Neurobiologie bedient, sich vermehrt über das Vokabular und die Terminologie der Informationstechnik und der Computertechnik ausdrückt, um ihre Modelle zu beschreiben.

Das ist eine wichtige Chance für unsere Selbst-Bewusstwerdung, denn nun können wir vieles Psychologische in technischen Begriffen darstellen und es dadurch aus dem mytho-poetischen Bilder-Denken befreien, um präziser und differenzierter zu werden. Vieles an der menschlichen Psyche ist mechanisch und gut vergleichbar mit IT-Logik. Weder geistiges Wachstum noch die Festigung der Würde finden durch die Verklärung alles „irgendwie Menschlichen“ zu einem erhabenen mystischen Wesen statt, über das man höchstens in impressionistischen Gefühls-Bildern sprechen oder sogar am besten eigentlich gar nicht sprechen sollte. Das wäre Regression in prä-mentale Selbstverwirrung.

Unsere kultur-evolutionäre Aufgabe ist vielmehr, die biologischen und die geistigen Aspekte unseres menschlichen Wesens und unserer Selbstwahrnehmung immer genauer unterscheiden und dann miteinander in Einklang bringen zu lernen. Der Mensch ist zum Teil Roboter und zum Teil Engel. Aber was in uns ist was? Wann haben wir nur noch Roboter vor uns? Und wie fördern wir den Engelsanteil und -einfluss?

Zunächst einmal müssen wir dafür das in uns entdecken, was oberhalb und außerhalb aller Technologie liegt. Ein Weg, uns wieder über die Technik zu stellen statt von ihr beherrscht zu werden, ist es, alle Technik zunächst als Metapher für den menschlichen Geist bzw. seine Psyche zu betrachten, um dann als nächstes auch erkennen zu können, dass alle Technologie ja Abbild oder Schattenwurf des menschlichen Geistes ist – nicht nur im Sinne von menschlicher Erfindung und Produktion, sondern mehr noch im Sinne von Reproduktion oder Ausstülpung aus dem menschlichen Geist, d.h. als nachgebaute Außenmanifestation einer im Menschen bereits angelegten Eigenschaft und Kapazität.

Alles, was wir erfinden konnten und können, hat seine Grundlage in unserem Geist – sonst könnten wir es uns gar nicht ausdenken. Die neue kulturelle Prägung braucht die Umkehr dieses Prozesses für die Formung eines differenzierteren Menschenbildes, eine Art reverse engeneering, die uns unsere Schöpferqualitäten und unsere bereits bestehende, in uns angelegte, wesenhafte Geistigkeit in all ihrer Vielfältigkeit und Vollständigkeit bewusst macht. So können wir anhand der menschengeschaffenen Technik (über deren wirklichen Stand auch bei den Technologie-Forschern nur sehr wenig bekannt ist) unsere geistige, nicht-biologische Seite klarer erkennen und zum Fundament unserer Identität und Kultur machen: wir sind diejenigen, die erschaffen und gestalten können.

So wie wir in der Kunst oder jeder kreativen Tätigkeit etwas „aus uns heraus“ und vor uns stellen, damit wir es als etwas Getrenntes und Isoliertes betrachten können, so ist auch alle Technologie etwas aus uns heraus- und vor uns Gestelltes. Eine Vor-Stellung von etwas bekommen wir ja erst, wenn wir es vor uns gestellt betrachten können. Vorstellungen sind auch deshalb so sehr an unsere visuelle Wahrnehmung geknüpft. Aber die Vorstellung im Sinne eines Bildes, das wir uns machen, ist ja immer nur zweidimensional, während das vor uns gestellte Objekt von uns mindestens dreidimensional erfahren wird – eigentlich stets vierdimensional, denn wir erleben es ja mit unseren Sinnen in der Zeit. Allerdings ist die vierte, die Zeit-Dimension eine, in der wir kulturell noch verhältnismäßig wenig Bewusstsein, wenig Differenzierung, wenig Konzepte und wenig Verständnis haben. Es ist die moderne Technologie die uns hilft, Zeit relativer und „von außen“ zu betrachten, mit anderen Worten, sie aus uns heraus separiert vor uns zu stellen und damit betrachtbar zu machen.

Aus dem materialistischen Konzept von Zeit als etwas, das man z.B. „sparen“, „gewinnen“ oder „nutzen“ könne, weil es objektiv vorhanden wäre wie ein Ölvorkommen oder wie Holz in einem Wald, sind wir schon hinausgewachsen. Da wir aber noch keine hilfreichen neuen Konzepte in unserem Weltbewusstsein verankert haben, ist der Bezug zu Zeit gegenwärtig überwiegend von Desorientierung, Ratlosigkeit und Angst geprägt. Die Taktung durch konstruierte Mechaniken funktionierte noch ganz gut bei Standuhren und stündlichen Kirchenglocken, aber bei der Sekundentaktung von Abfahrtszeiten und den Millisekunden im medialen Grundrhythmus, müssten wir etwas entdecken, das es in unserer Kultur bisher nicht als Referenz gab: unsere eigene Zeit.

Wir könnten hier ein ausführliches Kapitel darüber einfügen, was denn das ist, was wir „Zeit“ nennen, aber für diesen Artikel wollen wir uns darauf beschränken zu sagen, dass Zeit unsere Wahrnehmung von Veränderung und Bewegung ist.

Die bewusste Verarbeitung und Abstraktion von Veränderungs- und Bewegungswahrnehmung ist Zeit-Wahrnehmung. Tiere dürften sie höchstens rudimentär haben, weil diese Fähigkeit eine Abstraktion, also Generalisierung und Konzeptualisierung von Veränderungs- und Bewegungsabläufen fordert, die Tiere nicht leisten können.

Schauen wir uns ein Beispiel dazu an, wie viel mehr Zeit-Abstraktion und ‑Landkarte wir durch unsere Technologie, vor allem die Medientechnik ganz nebenbei im Alltag entwickelt haben: die Aufnahme von Ereignissen auf Schallplatte, dann auf Filmbänder, Kassetten, schließlich CDs und anderen digitalen Speichermedien erlaubte uns nicht nur, sie zu „wiederholen“, sondern vor allem als räumlich-motorischen Ablauf zu betrachten. Das Konzert auf einer Schallplatte konnte man ja bereits an jedem beliebigen Punkt beginnen lassen, verlangsamen, beschleunigen und sogar rückwärts laufen lassen. Das machte uns versierter und unabhängiger in der Bewegung „in der Zeit“ (genauer: innerhalb eines zeitlichen Ablaufs). Wenn wir heute mit mp3-Aufnahmen oder digitalen Videoclips umgehen, ist für uns bereits selbstverständlich, was sechs oder sieben Generationen früher noch reichlich unbekannt und fremd war: nämlich einen Ablauf in seiner Zeitdimension flexibel steuern zu können. Das funktioniert nur dann koordiniert und zweckmäßig, wenn wir eine innere Repräsentation des Ganzen und des richtigen Ablaufs in seiner Folge in uns tragen. Ansonsten würden wir ständig die Orientierung innerhalb der Zeitdimension verlieren – und vielen mag das auch passieren. Dann wissen wir nicht mehr, was früher oder später ist, was zuerst kommt und was danach. Das wiederum erschwert das Verständnis von Ursache und Wirkung. Daran können wir erkennen, dass die Bewegung in der Zeit eine größere Herausforderung als nur die Bewegung im Raum ist, weil sie eine umfassendere und komplexere geistige Leistung erfordert.

Wir müssen dafür zunächst einmal einen eigenen Standpunkt entwickeln, der stabil und gleichzeitig unabhängig von fixen Zeitabläufen ist. Salopp ausgedrückt müssen wir ein Bewusstsein entwickeln, das unabhängig von der Dauer und Dynamik von Abläufen steht. In seiner ausgereiften Form würde so ein Bewusstsein dann außerhalb der Zeit stehen, also von einem zeitlosen Standpunkt aus schauen können. Dies muss dann ein Standpunkt sein, der auf (zeitlosen) Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten, Archetypen und Begriffen beruht und unabhängig von Erfahrung ist. Denn Erfahrungen finden ja nur in der Zeit statt.  So ein Bewusstsein ist also mehr im Geistigen, Ideellen und Informationellen verankert als im Räumlichen, Sinnlichen und Motorischen.

Um diesen Bewusstseinszustand jedoch zu erreichen brauchen wir ausreichend Erfahrungen, sonst haben wir ja nichts, von dem wir korrekt abstrahieren und generalisieren können. Wer die zeitliche Struktur z.B. einer Geschichte oder eines Musikstückes von Anfang, Folge und Ende nicht gut genug kennergelernt und verinnerlicht hat, der hat keine innere unabhängige Landkarte, um sich innerhalb von zeitlichen Prozessen frei bewegen zu können. Das, was die Menschen sich mit zwei- oder dreidimensionalem Bewusstsein als „Zeitreisen“ vorstellen – nämlich eine körperliche, also eigentlich räumliche Bewegung innerhalb der Zeit, beruht auf dem typischen Mangel an Vorstellungsvermögen für höhere Dimensionen. Für sie ist die nächste Dimension eine sensationelle Steigerung der bekannten mit einer fantastischen Ergänzung von „Wundern“ und „Unglaublichkeiten“. 

Das Zeitalter der technologischen Kultur geht zu Ende, denn es hat nicht nur seine Aufgabe erfüllt, sondern auch schon seine konstruktive Ausrichtung verloren und ist längst in seiner Abschlussphase mit ihren dafür typischen Merkmalen einer defizienten, negativ wirkenden Grundkraft. Es spricht vieles dafür, dass die neue Kultur nicht mehr auf einer weiterentwickelten Technik beruhen wird, obwohl diese Teil von ihr sein wird, sondern dass das tatsächlich neue Fundament für die kommenden Entwicklungen in der sozialen Gestaltung von Gemeinschaften und deren Interaktionen liegen werden.

Die nächste Dimension des allgemeinen Bewusstseins, die durch einen neuen kulturellen Rahmen zu erobern sein wird, liegt jenseits von Zeit und könnte annähernd bezeichnet werden mit dem Begriff Willen. Wenn die vierte Dimension des Bewusstseins das ist, was wir „Zeit“ nennen, dann muss die fünfte Dimension etwas sein, das orthogonal zu ihr steht und unabhängig von ihr ist. Eine Kraft also, die dimensional außerhalb und über dem steht, was „in der Zeit“ geschieht und es beeinflussen kann. Also auch etwas, das unabhängig vom Prinzip von Ursache und Wirkung (Karma) ist.

Die Eroberung der Zeit innerhalb der allgemeinen Kultur hat etwa 800 Jahre gedauert. Seitdem gibt es mechanische Uhren, also Zeitmesser, die von Menschen erfunden wurden und unabhängig von der natürlichen Zeit wie Sonne- und Mondzyklen sind. Über diesen langen Zeitraum hinweg wurde die Menschheit geschult – oder schulte sich selbst – innerhalb der Zeitdimension kompetent und gestaltungsfähig zu werden. Für die nächsten 800 bis 1000 Jahre könnten die Menschheit die Aufgabe haben, sich ebenso die Dimension von Gestaltungswillen anzueignen, also die geistige Dimension von Impulssetzung und Gestaltung aus Prinzipien und Idealen heraus statt nur auf der Basis von Erfahrungen, Reaktionen oder anvisierten Ergebnissen in der Zeit.

Mit der Bewusstseinsdimension von Willen ist nicht Durchsetzungsstärke, Ausdauer und Intentionalität gemeint – all diese sind keine Merkmale einer neuen Dimension, sondern ergeben sich aus dem Lernen in der vierdimensionalen Welt durch die Auseinandersetzung mit Kraft und Widerstand. Sie brauchen die Zeit zum Ausdruck, stehen aber nicht über oder außerhalb von ihr.

Um zu verstehen, was mit Wille gemeint sein könnte, könnte es helfen, sich zunächst einmal mit der Bedeutung des Wortes richten zu beschäftigen. Wir denken da heutzutage fast nur noch an das juristische Entscheiden und Beschließen im Sinne von Recht und menschengesetzter Ordnung. Eigentlich ist es jedoch das Verb zum Nomen Richtung. Richten heißt zunächst einmal: Richtung geben oder wiederherstellen. Wir sagen ja auch, dass wir „uns richten“ oder „die Möbel richten“ und meinen damit herrichten und ausrichten im Sinne von „in Ordnung bringen“ – nicht dass wir sie hinrichten. Ebenso enthält der Ausdruck, eine Tätigkeit zu verrichten, die Idee, dass wir einer vorgegebenen Richtung (Intention, Anforderung, Notwendigkeit) folgen. Ein Gericht ist so ein zweck-gerichtetes Produkt: eine Mahlzeit zur Nahrungsaufnahme. Während richtende Tätigkeiten also in der Zeit stattfinden, kommt ihre Richtung, also die Information darüber, was richtig und zweckmäßig ist, offensichtlich von einer zeitlosen geistigen Ebene, die vor, nach und während  des Prozesses des Richtens maßgeblich mit- und einwirkt.

Nur dadurch bekommt die Tätigkeit einen höheren, d.h. geistigen Sinn. Und was bedeutet das Wort Sinn? Es bedeutet ebenfalls „Richtung“, wie wir es noch aus dem Wort „Uhrzeigersinn“ kennen. Einen Sinn hat etwas, wenn es eine (geistige) Richtung, d.h. eine Ausrichtung in sich trägt und ihr untersteht. Unsere fünf oder sechs oder mehr Sinne, sind ebenfalls als Richtungen in die Welt hinaus bzw. von der Welt zu uns zu verstehen: die Richtung des Hörens, des Sehens, des Tastens usw.

Diese geistige Ebene, die also Richtung und Sinn in zeitlich-räumliche Geschehnisse bringt, ist gemeint, wenn wir von Willen sprechen. Es geht ja auch ohne sie: z.B. können Dinge geschehen, weil sie schlichtweg die mechanische Folge einer Ursache sind. Oder sie geschehen aus Zufall, d.h. aus der Begegnung von zwei oder mehreren Ereignisfolgen, die weder eine gemeinsame Ursache noch eine übergeordnete Kraft miteinander verbindet. Schließlich können Dinge auch aus Schicksal geschehen, d.h. aus der tieferen Struktur und dem Wesenscharakter eines Menschen heraus, aus dem sich sein einzigartiges Leben entfaltet.

In die fünfte Dimension hineinzuwachsen bedeutet, ein Bewusstsein über diese unterschiedlichen Dynamiken innerhalb von Raum-Zeit-Ereignissen zu bekommen. Man wird nicht Superman und kann plötzlich fliegen oder seine Urgroßeltern in der Vergangenheit besuchen, sondern man entwickelt das Seh- und Unterscheidungsvermögen für den geistigen Einfluss und damit für den geistigen Gehalt von Erfahrungen, Ereignissen und Handlungen. Nur daraus kann sich Willenskraft entwickeln. Exakter formuliert: Anteilnahme an der Dimension von Willen. Denn es geht dabei wie gesagt nicht um eine Steigerung drei- oder vierdimensionaler Fähigkeiten, sondern um etwas gänzlich anderes. Es geht um die Fähigkeit, immer früher und genauer erkennen zu können, ob etwas „im Willen geschieht“ oder nicht. Die Bewusstseinsintensivierung von der Vierdimensionalität zur Fünfdimensionalität umfasst also auch die Akzentverschiebung vom personalen „Dein Wille geschehe“ hin zum bedeutsameren „Wille geschehe“, sobald die Erkenntnis stabil geworden ist, dass Wille eine Kraft jenseits des Personalen ist und somit weder „mir“ noch „dir“ noch sonst irgendwem eignen kann.

Aus dem gleichen Grunde kann sich auch nichts Persönliches (Zweidimensionalität), nichts Körperlich-Wesenhaftes (Dreidimensionalität) und auch nichts Prozesshaft-Zeitliches (Vierdimensionalität) gegen den Willen stellen. Die fünfte Dimension umfasst die niederen vier Dimensionen so wie ein Kreis alle seine Punkte umfasst, ein Würfel alle seine Flächen und die Lebensspanne alle Erfahrungen und Zustände eines Menschen. Die Aussage „Nichts kann aufhalten, was kommt“ (Nothing can stop what is coming) ist eine Willensäußerung und macht nur vom Standpunkt eines fünfdimensionalen Bewusstseins Sinn – es entspricht seiner Logik, sobald der Wille – also die gegebene Richtung – erkannt ist. Ab diesem Erkennen gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: ihm in den unterstehenden vier Dimensionen zu folgen oder zu leiden.

Aus der vierdimensionalen Sicht hat der Satz wenig Gehalt, weil er entweder nur als banale Rekursion im Sinne von „Was passiert, das passiert eben“ oder als magisch-fantastische bzw. technologische Hyperdiktatur verstanden werden kann, welche aus einer unvorstellbar übersteigerten Überlegenheit heraus alles so erzwingen kann, wie sie es möchte. Aus dreidimensionaler Sicht kann der Satz nur als halb verlogener, halb gezwinkerter Werbeslogan verstanden werden nach dem Motto „Alles ist möglich“ oder „Yes, we can“ – eine scheinbar offensichtliche Übertreibung, die keine Tatsache beschreibt, sondern nur Motivation und irrationale Begeisterung anstacheln soll wie bei einer Pausen-Ansprache im Umkleideraum. Die bildliche Übersetzung in ein dreidimensionales Verständnis wäre eine Riesendampfwalze mit der Aufschrift: „Ist mir egal, immer geradeaus“.

Im Unterschied zu diesen reduzierten und dadurch verfälschten Auslegungen handelt es sich für fünfdimensionales Bewusstsein um ein schlichtes und aufregungsfreies Wissen, also um eine erkennbare Gewissheit. Um den Zustand einer solchen Gewissheit zu erlangen muss man gelernt haben, Zusammenhänge und Muster außerhalb des Zeitlichen, also jenseits der ersten vier Dimensionen zu erkennen. Es geht dabei um das Erkennen von Kohärenz, aber nicht zwischen oder innerhalb von Ereignissen oder „Tatsachen“, sondern zwischen oder innerhalb von Richtungen und Sinnzusammenhängen von Ereignissen.

Man muss also gewissermaßen durch die Ereignisse und Prozesse hindurchschauen, um zu erkennen, welcher Art die in ihnen wirkende, ordnende und steuernde Kraft ist, ob es bloß mechanische, ob es wesensanteilige oder ob es willensartige Kräfte sind. Man muss, mit anderen Worten gesagt, den geistigen Gehalt von ihnen erkennen können, statt sich nur mit ihrer unmittelbaren sinnlichen Erscheinung zu beschäftigen.

Dieser geistige Gehalt ist z.B. sehr anders in einem künstlerischen Foto als in einem Schnappschuss aus dem Urlaub. Um das sehen und erkennen zu können, bedarf es einiger Übung, vor allem aber der Empfänglichkeit für inhärente Aspekte wie Stimmigkeit, Harmonie, Motivik, Ästhetik und Intentionalität. Ein Selbstportrait von Rembrandt enthält eine höhere Intensität dieser Aspekte als z.B. eines von Rubens, obwohl beide technisch auf etwa dem gleichen Niveau liegen. Ein Theaterstück von Shakespeare wie z.B. „Der Sturm“ liegt am einen Ende einer solchen Intensitätsskala, während die meisten pseudo-zeitkritischen Skripte der letzten Jahrzehnte sich am anderen Ende dieser Skala klumpen.

Man kann diese Wahrnehmungsdimension geistiger Intensität am besten an Kunstwerken aufzeigen und erlernen. Sei es an Musikstücken, Bildern, Skulpturen, Architektur, Literatur, philosophischen Werken oder Theaterstücken. Wenn man sich eine Zeit lang mit dieser Dimension beschäftigt, wird man feststellen, dass alle Bereiche unserer Kultur – nicht nur die der Kunst, sondern auch die der Politik, des gesellschaftlichen Lebens, des öffentlichen Diskurses, all dem voran natürlich der Bildung usw. – seit über hundert Jahren in einem kontinuierlichen Abwärtstrend befinden und seit etwa 20 Jahren in Gänze den Boden der geistigen Intensitätsskala erreicht haben, mit anderen Worten: Ausdruck fast vollkommener Geistlosigkeit geworden sind.

Da wir uns nun schon mit den Dimensionen des Bewusstseins beschäftigt haben und weil seit einiger Zeit eine Menge Total- und Semi-Unsinn zu ihnen kursiert, wollen wir noch einmal zusammenfassen:

Eindimensionalität, als Linien-Artigkeit, ist prä-rationales, instinktiv-affektives Bewusstsein, dass sich bloß aus unmittelbaren Wahrnehmungen der Sinne konstituiert (erste Bewusstseins-Dimension). Es gibt kein „Ich“, Identität ist rein physisch und auf das konkrete Eingebundensein in einen Stamm oder Clan bezogen; entspricht dem Bewusstsein eines Neugeborenen.

Zweidimensionales Bewusstsein, also „flächiges“, besser: kreis-artiges Bewusstsein, ist irrationales, emotionales Bewusstsein, in dem die Dimension von Empfindungen, bildlich-traumartiger Imagination und sozialem Gewahrsein hinzukommt. Über die Clan-Zugehörigkeit hinaus entsteht so ein Identitäts-Bewusstsein von (emotionaler, persönlicher) Gruppen-Zugehörigkeit und einem „Wir“-Gefühl, entspricht einem Kleinkind.

Hinweis: Die dogmatische Unterwerfung unter und Abhängigkeit von Ideologien, einfachen Welterklärungen und Glaubenssystemen gehört zum zweidimensionalen, irrationalen Bewusstsein, welches die allgemeine Stufe des Bewusstseins der Kultur und mit ihr der Masse der Menschen heutzutage ist.

Dreidimensionales Bewusstsein ist räumliches, kugelartiges Bewusstsein. Es umfasst zusätzlich zu den anderen beiden Dimensionen die Sphäre des Mentalen und Rationalen, also des abstrakten und kausalen Denkens, des Planens und der Selbstreflexion. Dadurch erst entsteht eine Ich-Repräsentation, der Beginn von Individualität; entspricht einem Kind etwa ab dem sechsten Lebensjahr.

Vierdimensionales Bewusstsein ist räumlich-zeitliches Bewusstsein, also nicht nur kugelartig sondern inklusive ihrer Veränderungen von ihrem Entstehen bis hin zu ihrem Vergehen („in der Zeit“). Diese trans-rationale Bewusstseinsstufe beruht auf mental-emotionaler Gegenwärtigkeit und bildet eine biografische Ich-Identität, die alle persönlichen Werde- und Transformationserfahrungen umfasst – sie steht außerhalb der Zeit; entspricht der geistigen Jugend, mit der Selbsterkenntnis beginnt. Wird in unserer Epoche nur von wenigen Menschen sichtbar verkörpert.

In der fünften Dimension des Bewusstseins kommt zum „Leben der Kugel“ noch die Kraft des Willens, also der Beeinflussung von Abläufen von der geistigen Ebene aus hinzu. Die Ich-Identität wird auf dieser Stufe trans-personal und umfasst alle anderen Ich-Aspekte als Ganzheit; entspricht geistigem Erwachsensein und dem Anfang von Bewusstsein von Geist über sich selbst.

Über diese und die nächst-höhere, all-umfassende Dimension von Bewusstsein zu sprechen, ist jedoch wenig ergiebig, da mental-begriffliche Beschreibungen ihnen bezüglich einschränkend und daher fehlleitend wirken. Diese Mini-Skizze soll nur dazu dienen, kritisch und immun zu werden gegen all die Dimensionen-Fantasien und Erfindungen, die von Apostel im zweidimensionalen Bewusstsein verbreitet werden.

Das All und Alles ist sechsdimensional (drei „materielle“ (Raum-) Dimensionen und drei „höhere“, „geistige“ Dimensionen). Die verschiedenen Bewusstseinsstufen nehmen nur mehr oder weniger an all dem und dem All teil.

Nieder-dimensionale Stufen können höhere nicht erfassen, sich nicht einmal vorstellen. Sie haben meist Angst vor ihnen und ihren Äußerungen, und wenn sie über sie sprechen, dann stets nur in vereinfachter und extrem verzerrter Form, so wie man mit einer Zeichnung von einem Haus nicht die Erfahrung des realen Hauses erfassen kann. Etwas, das die ehrliche Bezeichnung „Freiheit“ verdient und nicht bloß Scheuklappen-Illusion ist, ist nur erreichbar durch die Öffnung des Bewusstseins für seine höheren, umfassenderen Dimensionen.

Jedes Auftauchen und Wirksamwerden einer höheren Bewusstseinsstufe wird als „Aufwachen“ erlebt und umso erschütternder, dramatischer und bedrohlicher, je plötzlicher, unvorbereiteter und unbegleiteter es geschieht. Mit zunehmendem Bewusstsein wird der Prozess allerdings innerlicher und vor allem leiser. Der emotionale Krawall und das Bedürfnis nach kollektiver Rettungsgemeinschaft treten vor allem auf, wenn Bewusstsein sich von der zweiten in die dritte Dimension erweitert.

Es sei diesbezüglich auch darauf hingewiesen, dass in diesen Andeutungen wissentlich und begründet weder das Wort „Liebe“ noch Wort-Vignetten wie „Energie“, „Einswerdung“, „Mitgefühl“, „Weisheit“, „Paralleluniversen“, „Numerologie“, „kosmisches Wissen“, „Egolosigkeit“, „Illuminaten-Matrix“, „luziferisch“, „Geiheimlogen“, „Blutlinien“ etc. verwendet wurden. Diese verbalen Gerätschaften sind meist Hinweis darauf, dass zweidimensionales, emotional-mythisches Bewusstsein spricht und sich Bilder von höheren, schöneren Traumgefilden zusammenreimt, in denen alle seine Wünsche erfüllt und alle seine Sorgen und Überforderungs-Probleme magisch aufgelöst sind.

Unsere Kultur ist seit einigen Jahrzehnten in all ihren Auswüchsen und Subkulturen auf das Niveau zweidimensionalen Bewusstseins herab gerutscht. Dreidimensionale Menschen schwimmen offensichtlich erkennbar gegen den Hauptstrom und finden innerhalb von Massenbewegungen weder Platz noch Gehör. Die neue Kultur, die den Menschen vor dem kollektiven Selbstmord retten wird, wird von fünfdimensionalen Menschen inspiriert, von vierdimensionalen ein- und angeleitet und von dreidimensionalen aufgebaut und getragen. Auch für die Kinder wird es einen Platz geben, an dem sie sich weiter entwickeln oder auf ihre Weise einrichten können.

Die Bewusstseinskompetenz der Zukunft: soziale Gestaltungskraft

Während die noch unvollständig und ringende Selbst-Bewusstwerdung der vierten Dimension sich auf Prozess-Intelligenz und die Beherrschung von „Zeit“ durch abstrakte Informations-Technologie bezieht, wird die Eroberung der fünften Dimension als kulturprägendes Agens in der Zukunft vor allem Komplexitäts- und Gestaltungs-Intelligenz und mit ihr die Entwicklung einer Art „Sozial-Technologie“ benötigen.

Denn es wird nicht bloß darum gehen, eine andere Welt zu bauen, sondern vielmehr darum, eine Welt zu bauen, die alle vorhergehenden Welten und ihre Bewusstseins-Kompetenzen anerkennt, umfasst und in ihren gesündesten Ausdrucksformen fördert. Als Arbeitsbegriff würde ich für diese neue, hoch-integrative Welt die Kompetenz der „sozialen Gestaltung“ ganz nach vorne stellen.

Wir müssen verstehen, dass soziale Gestaltung mehr ist als nur eine Rahmensetzung in Form rechtlicher und moralischer Leitplanken. Es geht dabei nicht bloß darum, festzulegen, was getan werden darf und muss, sondern vielmehr darum, zu ermöglichen und zu unterstützen, Fähigkeiten für jede situative Herausforderung zu entwickeln. Je besser diese Fähigkeiten und die dafür notwendige Wahrnehmung ausgebildet sind, desto weniger Regeln und Gesetze braucht es. Somit dürfte die nächste lange Menschheitsepoche auch davon geprägt sein, mit immer weniger Gesetzen und juristischen Institutionen auszukommen und in einem viel größeren Maße als jemals zuvor in die Bildung aller und jedes Einzelnen zu investieren.

Die Kunst sozialer Gestaltung beginnt mit einer umfassend persönlichen Bildung und dem Herausbilden von sozialen Kompetenzen, das heißt vor allem von Wahrnehmungsfähigkeiten und Fertigkeiten des Ein- und Mitwirkens in Bezug auf jegliche Form von Interaktionen zwischen Menschen, zwischen Gruppen und zwischen Institutionen.

Ich nenne diese zukunftsbezogenen Aspekte und voraussichtlichen Makro-Aufgaben nur beschreibend und ableitend, keineswegs mit aufforderndem oder wegweisendem Tonfall. Wenn meine Schlussfolgerungen aus den bestehenden Anzeichen richtig sind, so werden sie sich genauso von selbst und ohne ängstliche Zwänge oder ungeduldige Einmischungen ergeben wie sich auch alle anderen kulturellen Verschiebungen bisher ergeben haben. Im besten Falle dienen meine Ausführungen und Skizzen dazu, diese Strömungen freizulegen und von Missverständnissen und Fehlinterpretationen abzulösen.

Zukunfts-Impulse

„Die Menschheit wacht auf“ können wir nach aller vorhergehenden Darstellung nun als den Übergang einer kulturstiftenden Bewusstseinsstufe zu einer neuen, höheren verstehen.

Damit eine neue Kultur auf der Basis eines umfassenderen Bewusstseins entstehen kann, müssen jedoch nicht alle aufwachen, d.h. adhoc eine höhere Bewusstseinsintensität entwickeln. Nicht einmal ein Großteil muss es. Aufwachen muss nur die Spitze, dafür reicht theoretisch eine Handvoll Menschen für den Rest der Welt.

Auch die Essenz des Christentums wurde von einer einzigen Person in die Welt gesetzt. Alle anderen waren ihre Schüler oder Nachfolger.

„Das große Aufwachen“ bezieht sich also qualitativ nur auf einige sehr wenige – mehr braucht es auch gar nicht – und nur quantitativ auf das Kollektiv der Menschheit. Die Menschheit wird nicht deshalb wacher, weil jeder Einzelne „aufwacht“, sondern weil eine neue Kultur geschaffen wird, die auf den Prinzipien des Aufwachens oder des Aufgewachtseins fußt.

Was für Bakterien gilt, gilt für alle Lebewesen und auch für die menschliche Psyche und ihre Wachheit gegenüber sich selbst und der Welt: der Einzelne allein ist nichts, das Milieu ist alles. Unser psychisches Milieu ist die Kultur, in der wir leben. Nur die Kultur ermöglicht es, aus einem vorbewussten Neugeborenen einen selbstbewussten, kulturaufbauenden Erwachsenen zu machen.

Kulturentwicklung beruht auf Bewusstseinsentwicklung. Entwicklung im Bewusstsein zeigt sich durch zunehmenden Fokus und durch die zunehmend willentliche, d.h. zielgerichtete Bündelung von Aufmerksamkeit. Körperlich-instinktives Bewusstsein gleicht einer Radarstation ohne Fokus. Emotional-soziales Bewusstsein ist schon gebündelter und ermöglicht es uns, klarere Konturen und Unterscheidungen zu ziehen zwischen Tier und Mensch, zwischen Stimmungen, nuancierten Reaktionen und Charakteren. Intellektuell-mentales Bewusstsein ist um ein Vielfaches mehr gebündelt und erlaubt uns die noch viel schärfere Konturierung und Differenzierung in immer genaueren und subtileren Begriffen.

Die nächst-höhere Bewusstseinsstufe ist dann die des Selbstgewahrseins, wir könnten es psycho-mentales Bewusstsein nennen, weil es die zusätzliche Differenzierung unserer Wahrnehmung anhand von Echtheit (im Sinne von Authentizität) und Bedeutung (im Sinne von Sinnhaftigkeit und Wesensentsprechung) ermöglicht.

Bewusstseinsentwicklung ist Bewusstseinsdifferenzierung und diese braucht Fokus. Je höher der Fokus, desto größer wird auch die Integrationskapazität. Es ist wie beim Verstehen von Texten. Zunächst müssen wir lernen, Buchstaben zu erkennen, dann Worte und ihren semantischen Bezug innerhalb von Sätzen. Schließlich fokussieren wir noch weiter und können „zwischen den Zeilen lesen“, d.h. Andeutungen, Impliziertes und Mitgemeintes erkennen. So wird Lesen Stufe um Stufe fokussierter und gleichzeitig komplexer und integrativer. Analog dazu funktioniert Bewusstseinsentwicklung: sie befähigt Stufe um Stufe zu komplexerer Wahrnehmung und somit auch Kommunikation, Steuerung und Gestaltung.

Nebenbemerkung

Wer glaubt, Bewusstseins-Entwicklung verliefe in Richtung Verklärung und überwältigender Empfindsamkeit, der ist in die Regressions-Falle getappt. Alle Angebote gegen Klärung und Schärfung des Denkens und der begrifflichen Selbsterfassung sind rückwärtsgewandt und beruhen auf Angst vor Überforderung. Dazu gehören auch all die unzähligen Stimmen, die das Emotionale, das Soziale, das „Intuitive“, das Energetische oder andere prä-rationale Stufen des Bewusstseins anpreisen und als Entwicklungsschritt deklarieren. Was sie alle gemeinsam haben, auch wenn sie diese Tatsache aufwendig verschleiern wollen: sie sind von der Welt, wie sie bereits ist, schon massiv überfordert und stehen ihr hilflos gegenüber. Im Grunde rufen sie nach Entlastung und Befreiung von der Komplexität durch die Rückkehr auf frühere Entwicklungsstufen, deren tatsächliches Entlastungspotenzial sie stets völlig überschätzen. Sie behaupten, Kindlichkeit und Unmittelbarkeit zu fördern, bringen aber nichts weiter zustande, als kindische Naivität und Abkopplung von Reifungsmöglichkeiten.

Mann und Frau in der Zukunft

Schauen wir uns zum Abschluss noch ein konkretes Beispiel für die Veränderung kultureller Wahrnehmungs-Referenz an: den Bezug zum Geschlecht, Sexualität und sozialen Geschlechterrollen.

Es bedarf sicher keiner weiteren Ausführungen, dass wir aktuell diesbezüglich in einer großen Verwirrung und verzweifelten Realitätsabkopplung leben.

Die Menschheit durchwanderte Kulturepochen des Matriarchats, das irgendwann so emotional-willkürlich und blutrünstig wurde, dass es zur Rettung des menschlichen Wesens vom abstrahierenden, gesetzesorientierten Bewusstsein des Patriarchats abgelöst werden musste. Dieses birgt jedoch die Gefahr der Extremisierung ins Militante, weshalb auch diese Kulturbasis nun durch eine neue abgelöst und gesteigert werden muss. Nämlich von der Herrschaft des Menschlichen.

Wie wir oben schon gezeigt haben, hat jede neue Epoche die Aufgabe, alle ihr vorhergehenden zu integrieren, also sie nicht bloß zu ersetzen, sondern in sich aufzunehmen. Die Dynamik des Patriarchats der letzten 2500 Jahre und ihren Kulturepochen war mehr als eine Verlagerung sozialer Macht und Ordnungsprinzipien vom Mütterlichen auf das Väterliche. Es war eine Weiterentwicklung von der mythischen Abstammungs-, Eltern- und Ahnenkultur hin zu einer Individualkultur mit der Betonung des Mentalen und schließlich des Rationalen durch Recht und Zukunftsorientierung.

Wichtig: das patriarchale Denken ist nicht bloß männlich und bezieht sich auf mehr als nur das Männliche. Moderne politisch instrumentalisierte Bewegungen, die die Bevölkerung spalten und gegeneinander aufhetzen wollen, indem sie gegen Männer und alles Männliche kämpfen, lenken meist ganz gezielt davon ab, dass alles Patriarchale sich auf das Väterliche bezieht, also auf die Kombination aus Männlichkeit und verantwortungsvoller Fürsorge. Aber dagegen lässt sich schwerer agitieren als gegen eine pauschale Idee von „Männerwelt“. Männerherrschaft oder Männer-Privilegierung sind Symptome der einseitig und defizient gewordenen patriarchalen Kultur. Das Väterliche ist uns ja längst massiv abhanden gekommen, so dass wir es auch wiederherstellen müssen, um wieder psychisch ins Gleichgewicht und sozial gesund zu werden.

Das Männliche wird von alters her mit Recht, rechts und Richtigkeit verbunden so wie mit der Ratio, dem Mentalen und dem begrifflichen und planenden Verstand. Auch linguistisch beruhen Worte wie „Recht“, “Richtung“ und „richtig“ auf dem Wurzel-Laut „regh“, den wir im Lateinischen im Wort „recte“ wiederfinden, das einen sehr breiten und interessanten semantischen Umfang hat, nämlich: geradeaus, aufgerichtet, aufrecht; gehörig, glücklich, günstig, gut; recht, ordentlich, sicher, teuer, tüchtig, „mit Recht“ oder „zu Recht“, i.d.S. auch: „ohne Gefahr“ und – besonders für uns hier interessant: „in gerader Linie“ und „in gerader Richtung“. Es geht also, wenn wir über den Pol des „Männlichen“ sprechen, ideengeschichtlich-ursprünglich um den Bewusstseinsaspekt des Geraden, der geraden Linie – im Gegensatz zum weiblichen Kreis- und Zyklus-Bewusstsein, das immer bergenden, geschlossenen Charakter hat und deshalb auch essentiell ein- und ausschließend ist.

Durch die Bewusstwerdung des Prinzips von Geradlinigkeit wandelten sich auch die fundamentalen Prinzipien und Referenzpunkte einer Kultur: sowohl Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, als überhaupt Richtung, Richten und lineare Zielstrebigkeit wurden bedeutsam und brachten neue Lösungsansätze und Möglichkeiten hervor jenseits der ist-bezogenen Kreisförmigkeit und Zeitlosigkeit. Wir können sagen: die Kultur wurde maskulinisiert, männlicher – aber nicht biologisch, sondern psychisch. Das Männliche als das aufrichtende Element, das somit auch die gerade Linie nach oben, die vertikale Verbindung von der Erde zum Himmel (statt horizontal zwischen Erde und Natur) erzeugt, und somit die Erektion (Aufrichtung) in die Kulturpsyche einfügte, war eine Erweiterung des Bewusstseins des Menschen von sich selbst und seiner Einzigartigkeit, nämlich das einzige aufrecht gehende Wesen auf dem Planeten zu sein.

Schauen wir noch ein wenig weiter zum Begriff des Rechten. Die rechte Hand und die ganze rechte Körperseite werden von der linken Gehirnhälfte gesteuert, die auf analytische Logik, Sprache, Abstraktion und allgemein Distanzierung vom Körperlichen spezialisiert ist. Rechtslastig zu sein bedeutet also auch neuro-anatomisch, mehr aus den rational-analytischen Kompetenzen heraus zu agieren.

Es ist kein qualitativer Sprung, wenn bloß „mehr Rechte für Frauen“ gefordert werden. Ebenso könnte man mehr „Linke für Männer“ fordern. Oder vielleicht sollten die Frauen sich „die Linke“ zurückerobern…? Nein, die Überwindung oder besser: die integrative Neu-Einbettung von matriarchalen und patriarchalen Ordnungsdynamiken kann nur durch eine umfassendere Referenzstruktur möglich werden: also den Menschen und noch mehr das Wesentlich-Menschliche als zentraler Ordnungsaspekt für die neue Kultur.

Es scheint in der Entwicklungsfolge der kulturellen Schwerpunkte auch eine Pendelbewegung zwischen dem Femininen und dem Maskulinen zu geben, denen sich die sozialen und geistigen Entwicklungen unterordnen. Es ist daher davon auszugehen, dass uns als nächster Schritt der Kulturentwicklung eine spürbare Bewegung ins Feminine bevorsteht, also auch wieder eine Neu-Betonung jener Kompetenzen und Stärken der rechten Gehirnhälfte von Integration, Gesamtschau, Fokus auf Verbindung und Gemeinsamkeiten, mehr Aufmerksamkeit für alles Körperliche und Sinnliche, auf Fürsorge, Soziales und Raumgebendes.

Dabei werden aber nicht die mütterlichen Aspekte des Weiblichen tonangebend sein (das wäre ein Rückschritt zu matriarchalen, prä-mentalen Bewusstseinsstufen), sondern wahrscheinlich eher jener Aspekt, den wir als den Musischen (sind Musen nicht stets weiblich?) bezeichnen könnten: Kreativität, Kunstbezug, Ästhetik und der rezeptive Bezug zur geistigen Welt. Die besondere Macht des Weiblichen, die es darin besonders für Frauen wieder zu entdecken gilt ist die Macht der Schönheit – wohlgemerkt nicht jener Schönheit, die vom defizient-patriarchalen Geist (von Männern wie von Frauen) als „fotogen“, herstellbar und instrumentalisierbar definiert wird, sondern jene echte Schönheit, die aus der authentischen Anbindung an das eigene Wesen und dessen Ausdruck heraus leuchtet.

Ich hatte das schon in meinem „Brief an die Frauen der Dichter und Denker“ angedeutet: das Weibliche kann uns zum Besseren und Guten verführen, wo das Männliche – auf sich allein gestellt – auf Fokus, Kraft, Klugheit, Disziplin und Askese angewiesen ist. Letztere Eigenschaften sind in allen klassischen Helden-Bildern bis in die heutigen Kinogeschichten enthalten. Es ist deshalb überhaupt kein qualitativer Sprung, wenn diese Eigenschaften nun von Frauen – maskulinen Frauen-Helden – verkörpert werden, sondern zeigt nur die Hilflosigkeit unserer Kultur, sich mit all ihren Bedrängnissen und Sehnsüchten in ein erweitertes konstruktives Bewusstsein hinein zu versetzen.

Aber es ist im Kanon des Christentums bereits eine andersartige weibliche Integrationsfigur enthalten, nämlich in Maria und ihrer mythologisierten Geschichte. Sogar die katholische Kirche hat interessanterweise 1950 „schon“ das „neue Marien-Dogma“ durch den Papst verkünden lassen. In diese Richtung weist also schon der Zeitgeist.

Die Antwort auf die exzentrisch überdrehten und ausgezerrten Denkfiguren der erschöpften patriarchalen Logik ist, wenn wir so wollen, eine Marien-Logik: die vom Geist empfangende Jungfrau, die einen Bewusstseinsimpuls in den Körper holt und für alle sichtbar hervorbringt. Es ist auch interessant, wie Kirche und Kunst seit je her intuitiv bemüht waren, Maria nicht als typische „Mama“ darzustellen, sondern immer eher wie ein Mädchen. So bleibt die Botschaft erhalten, dass es sich nicht um einen biologischen Prozess handelt und dass die Jungfrau auch nach unzähligen Konzeptionen und Geburten Jungfrau bleibt. Das ist biologisch-materiell nicht zu verstehen, sondern nur symbolisch und nur gültig für das Psychische und Geistige. Und nur so kann eine solche „Marien-Kultur“ davor bewahrt werden, in matriarchale Grundhaltungen zurück zu kippen.

Und: so sehr es hier um das Empfangen von höheren, d.h. geistigen Prinzipien und Impulsen geht, so sehr geht es auch um Verkörperung und Körperwerdung. Die einseitige Figuration der Maria als keusches, anti-sinnliches, reines und naives Herzwesen, ist vermutlich schon eine reaktive Verformung aus einer überforderten Hypermaskulinität, der interessanterweise vor allem Frauen und besonders solche mit sexualitätsbezogenen Ängsten anheimfallen.

Das neue „Marien“-Bild, das es erst wieder zu ent-decken gilt – unter welchem Namen dann auch immer – wird den Eros und die Sinnlichkeit voll mit einbeziehen. Vielleicht sollten wir dafür die Figur der Maria Magdalena auch noch einmal neu und genauer anschauen und einbeziehen.

Dieses neue Ent-Decken femininer Bewusstseinsqualitäten bedeutet, metaphorisch gesprochen, dass die Gewänder und Umhänge der Maria sehr durchscheinend werden müssen und ihre mytho-symbolische Bedeutung sanft erweitert wird von der sorgfältigen Verhüllung und verdunkelnden Geheimhaltung der letzten Jahrhunderte hin zu einer erotischen Aufforderung zu behutsamer und ehrfurchtsvoller, aber entschlossener Enthüllung und Transparenz.

Licht und Sex – zur Verdeutlichung von Bewusstseinsentwicklung

Da wir nun schon bei der Erotik gelandet sind, wollen wir unser Momentum nutzen für ein paar Hinweise für zukünftig notwendige psycho-kulturelle Generalüberholungen.

Wie alle Begriffe von Lebendigem und Essentiellem, so wurde auch der Begriff der Erotik im Niedergang der alten Kultur luziferisch in sein Gegenteil verdreht. Erotik ist in Wahrheit das völlige Gegenteil von den nervös flimmernden Rotlicht-Inszenierungen, die uns unter ihrem Namen angedreht werden: sie ist das Leuchten von Tiefen-Vitalität und Lebensverbundenheit im Körper, durch alle Poren des Körpers und im gesamten gestischen und motorischen Ausdruck des Körpers. Eros ist das Prinzip der polaren Anziehung und Ergänzung. Je lebloser ein Körper und je unauthentischer eine Darstellung, desto weniger erotisch sind sie. Der Verkauf von Körperoberflächen und jede wirtschaftliche Instrumentalisierung von Körperlichem sind wegen ihrer De-Vitalisierung des Körpers per se völlig unerotisch. Wir neigen dazu, Erotik und Neurotik zu verwechseln. Der Neuro-Tick des modernen Abgekoppelt-Seins mag entstellte Ersatz-Befriedigungen und skurrile, psychotoide Praktiken erzeugen, aber er ist weit entfernt von jener Gesundheit und psycho-somatischer Intaktheit, die absolut notwendig sind, um die Bekanntschaft mit dem Gott Eros und seinen Lustbarkeiten zu machen.

Eine analoge Sinn-Verkehrung gibt es in Bezug auf Stolz, der einen unmittelbaren Bezug zur Erotik hat. Stolz ist eine natürliche Grundemotion, die wir auch bei allen Säugetieren finden: jene aufrichtende und vitalisierende Kraft, die uns sichtbarer und selbstbewusster macht. Und Vitalisierung oder Energetisierung in Verbindung mit Kontakt- und  Kommunikationsfreudigkeit laden auch erotisch auf.

Dass gesunder Stolz seit geraumer Zeit in der westlichen Welt unterdrückt und tabuisiert wird, liegt zum einen daran, dass auf diese Weise Herrschaftssysteme die Oberhand und Kontrolle über Menschen bewahren und zum anderen an der Verwechslung von Stolz mit Arroganz, deren Unterschied darin liegt, dass sie zugewandten Kontakt und wohlmeinende Kommunikation vermeidet, weil sie auf Angst beruht.

Die sogenannten „Pride Parades“ und verwandte Massenveranstaltungen versuchen Stolz und seine Vitalität aktionistisch zu inszenieren und aufzuführen, was jedoch mehr gewollt als authentisch und schon gar nicht spontan aussieht. Sie wirken deshalb in ihrer übertriebenen Aufdringlichkeit und aufmerksamkeitssuchenden Flitterhaftigkeit eher wie kontraphobischer Aktionismus zur Verdeckung des Mangels an natürlichem Stolz und von Desorientierung. Man kann Stolz nicht herbei imitieren und man kann seinen Gegenpol, die Scham, nicht weg demonstrieren.

Während Stolz bewirkt, dass man sich aktiv zeigt und so sichtbar wie möglich macht, bewirkt Scham eine Art innere Paralyse, die einen möglichst passiv, zurückhaltend und unsichtbar macht. Man kann diese innere Lähmung durch Scham nicht durch Aktionismus überwinden, sondern nur dadurch, dass man ihre Ursache behebt, nämlich die Desorientierung und Hilflosigkeit, sich in etwas oder etwas in sich nicht integrieren und verstehen zu können. Scham löst sich auf durch Bewusstwerdung, Integration und Verständnis.

Machen wir uns die stufenweise Bewusstseinsentwicklung, um die es in diesem Artikel geht, zu seinem Abschluss noch einmal an dem delikaten Beispiel der Sexualität deutlich. Dafür nehmen wir die klassische Metapher von Licht, um das steigende Bewusstsein darzustellen:

Auf der anfänglichen ersten Stufe haben wir Finsternis, das Stockdunkle und Lichtlose. Sexualität ist auf dieser Stufe noch unbewusst, archaisch-triebhaft und außerhalb jeder Kontroll-Dimension. Sie wirkt als unpersönliche instinktive Kraft aus dem Dunklen heraus und im Dunklen.

Auf der zweiten Stufe haben wir die Dunkelheit der Nacht, in der es unter dem Licht des Mondes nicht mehr völlig finster ist. Sexualität beginnt nun, bezogen zu sein, noch sehr rudimentär und kindlich-mutterbezogen, nach Geborgenheit und nach Ich-Auflösung in der Verschmelzung suchend. Sex wird als Bedürfnis erlebt, mit dem wir nach Vitalisierung durch Regression streben.

Die dritte Stufe ist die der Morgendämmerung, in der ein erstes indirektes Sonnenlicht auftaucht – das Zwielicht. Zwielichtige Sexualität beginnt ambivalent zu werden zwischen der Tendenz sich aufzulösen und überwältigen zu lassen einerseits und dem Impuls nach Selbsterhalt, Eroberung und Einverleibung des attraktiven Anderen andererseits. Die persönliche Bezogenheit nimmt zu und gewinnt den Charakter von Kräftemessen, Macht-Spielen und Unterwerfung, hinter denen sich im Grunde schon eine Begegnung auf Augenhöhe verbirgt, denn der Andere ist nicht von vorneherein über- oder unterlegen, sondern man will ihn in seiner Kraft wie einen Gegner spüren bevor man sich ihm hingibt oder ihn „sich nimmt“.

Mit der vierten Stufe beginnt der Tag mit dem vollen Sonnenlicht, das alles bescheint und sichtbar macht. Dieses Tageslicht bringt eine enorme Vielzahl von Farben hervor, die von den Oberflächen der Dinge abstrahlen. Es ist wie das Licht einer Bühne, das Faszination, Begeisterung und emotionale Intensität hervorbringt, aber dafür auch noch mehr den Schein als das Sein leuchten lässt. Auf dieser Bewusstseinsstufe wird Sexualität romantisch-polar. Es geht nicht mehr darum, zu verschmelzen und sich aufzulösen, sondern im Gegenteil, es geht um die maximalen Unterschiede und die Gegen-Pole maximaler Attraktion: man will den Anderen gerade in seiner aufregenden Andersartigkeit – nicht gleich verschlingen, sondern bei sich haben. Es geht um den Erhalt und die Polarisierung der eigenen Identität und um die Wahrung ihrer Grenzen. Das Archetypische und das Ideelle, Träume, Wunsch-Fantasien und Sehnsüchte werden wichtiger als körperliche Erfüllung. Auf dieser Stufe beginnt das Seelische über das Instinktive und Soziale zu dominieren. Das Herz und seine nach oben strebenden Gefühle dominieren nun über das Becken und die Triebe. Wir neigen dazu, das andere Geschlecht zu idealisieren und in die luftigen Höhen des (körperlich) Unerreichbaren zu heben. Auf dieser Ebene aber beginnt die Begegnung auf Augenhöhe, nicht mehr als Kampf, sondern als gegenseitige Ergänzung. Wir suchen in der romantisch-polaren Sexualität ein höheres Drittes, das nur zu zweit in einer ganzheitlichen Vereinigung (nicht Verschmelzung) zu finden ist.

Die fünfte Stufe bringt ein neues Licht hervor: das Licht, das durch die Körper hindurch scheint und sie transluzent macht und anfängt, mit Licht und seiner Energie aufzuladen.  Auf dieser nächsten Bewusstseins- und Integrations-Stufe webt sich das „Licht des Verstandes“ hinein in unser sexuelles Bewusstsein, jene Kraft, die wir als Klärung, Klarheit, Helligkeit und Leichtigkeit erleben. In der englischen Sprache noch mehr als in der deutschen können wir erkennen, dass die Worte „Licht“ und „leicht“ den gleichen Bezugsursprung haben. Auf dieser Stufe beginnt das Verstehen von Sexualität. In ihren früheren Stadien mag sie noch zu einer Dominanz des Mentalen führen, man will mit Techniken, Theorien und Hilfsmitteln der Sexualität auf die Schliche kommen, was aber dazu führt, dass sie sich zurückzieht und unter der Überhitze vertrocknet. Der Zugewinn an Kontrolle und ausgefalleneren Praktiken fordert auch, dass man lernt zu befeuchten. Der instrumentelle linke (maskuline) Neokortex muss sich ergänzen durch den gefühls- und beziehungsbetonten rechten (weiblichen), der dafür sorgen kann, dass es im Kontakt zwischen den Polen feucht, flüssig und schlüpfrig bleibt. Dann beginnt Sexualität erhellend und erhebend zu werden, weil die sexuelle Begegnung auch geistig angereichert ist.

Auf Stufe sechs intensiviert sich der Einfluss dieser geistigen Dimension nochmals. Das mehr geistige als physische Licht dominiert nun in seiner Wellen- und nicht mehr so sehr in körperlicher Teilchen-Form. Das UV- oder Röntgen-Spektrum des Sonnenlichtes geht nicht nur durch die Oberflächen hindurch, sondern erzeugt nun ein Licht in den Körpern selbst: wir beginnen von innen zu leuchten, wir beginnen, Schönheit und Ganzheit auszustrahlen. Auf dieser Stufe wird Sexualität transparent-ästhetisch.  Sex ist nun eine Begegnung oder besser: eine Verschränkung von Licht. Der Kontakt findet auf Schwingungs-, Energie- oder Photonen-Ebene statt, eine Art Quantenfeld-Begegnung, in der es sowohl klare Grenzen als auch Grenzenlosigkeit gleichzeitig gibt. Auf dieser Stufe erlangen wir Bewusstheit über unsere Zeugungskraft und über den Zeugungsakt selbst. Unser Ich löst sich nicht mehr auf, sondern lässt sich durchströmen und kann sich hingeben ohne sich aufzugeben. Wir können opfern ohne zum Opfer zu werden. Wenn Sexualität das Attribut heilig verdienen kann, dann auf dieser Stufe. Die levitierenden Kräfte überwiegen und umhüllen nun alle anderen, vor allem die gravitativen Triebkräfte, so dass wir schweben. Sex findet nun in den Wolken – und überall und ständig – statt, wobei unser volles Bewusstsein jedoch auf dem Teppich bleibt.

Ab Stufe 4 wirkt Sex zunehmend sowohl heilend und regenerierend als auch bewusstseinssteigernd, weil Sex-Energie mehr und mehr bewusstseinsfördernd transformiert und nicht mehr bewusstseinsvernebelnd eingesetzt wird. Darüber hinaus wirkt Sexualität ab einer „Licht“-Intensität von Stufe 5 kreativ, das heißt schöpferisch und aufbauend über seine biologischen Funktionen hinaus.

Die Entwicklung des Sexualitäts-Bewusstseins über die Stufe 4 hinaus ist in unserer Kultur schwierig, weil es für sie keine Förderung gibt. Es ist schon viel, wenn Menschen eine gesunde Form der Stufe 4 entwickeln, die meisten erreichen nur eine defiziente Ausprägung, in der Herz- und Beckenenergie nicht zu einer sich-ergänzenden Einheit finden. Dann bleibt es bei der mehr oder wenigen subtilen Trennung von „Sex“ und Gefühl. Wir können auch die inflationäre Verbreitung von Pornografie als Versuch einer Bewusstseinsentwicklung zu Stufe 5 betrachten: nämlich durch die Sichtbarmachung und die Visualisierung von Sex als etwas Zu-Betrachtendes, also als Versuch, eine übergeordnete Beobachter-Perspektive zu erobern und als hilflosen und so gut wie immer fehlgeleiteten und schädigenden Versuch, Sex und menschliche Sexualität zu ästhetisieren. Das dies nicht gelingt, liegt vor allem an mangelder Integration und Stabilität der ersten 4 Stufen, die in Folge neurotische und völlig pervertierte Formen der Sex-Visualisierung hervorbringen, welche leicht ersichtlich von Abspaltung, Angst und Missbrauch geprägt sind.

Die grundsätzliche Gefahr in der Entwicklung höherer Bewusstseins-Intensitäten liegt auch hier wieder darin, sie bloß aneinander zu reihen und zu „stapeln“ statt sie auseinander hervorgehen und sich ineinander integrieren zu lassen. Dann ergibt sich eine Fragmentierung der Identität und der Fähigkeiten, mit der man den starken Energien der Sexualität gar nicht gewachsen ist. So wird dieser ganze Lebensbereich zunehmend von Angst vor Überforderung, Anspannung und Verdrängung belastet.

Die konstruktive Alternative, die es zu finden gilt, sorgt für ein langsames und organisches Wachstum, in dem sich unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmungsfähigkeiten kontinuierlich erweitern und verfeinern, um zum einen die Sexualität in unser körperliches, emotionales, soziales und mentales Bewusstsein zu integrieren und andererseits uns mit all unserem Körperlichen, unseren Emotionen, Beziehungsweisen und Konzepten in unserer Sexualität präsent sein zu lassen.

Eine Bühne für die entschleierte Maria

Vielleicht hilft uns dabei die beschriebene neue Figuration der Maria als nicht nur durchscheinende, sondern als leuchtende Jungfrau. Vielleicht können wir dadurch die psychische Kluft zwischen dem Sinnlichen und dem Herzlichen schließen, um die Kräfte ihrer Vereinigung kulturell fruchtbar zu machen. Sowohl Männer als auch Frauen werden eine solche Vor-Stellung von einer zeugungsbewussten und zeugungsanlockenden Weiblichkeit brauchen, um ebenfalls die Kluft zwischen hochtrabenden Ideen und mutiger Tatkraft zu schließen.

Ein neues kulturelles Bewusstsein könnte irgendwann weit genug gereift sein, um dafür – für diese Form von geist-empfangender Femininität – Bühne und Licht zu bereiten. Also auch nicht mehr ohnmächtig zu werden vor dem sich langsam entschleiernden Bildnis der Göttin von Sais. Während die Frauen dafür vor allem die Tiefen ihres weiblichen Wesens zu ent-decken und sichtbar zu machen haben, dürfte den Männern in erster Linie die Aufgabe zukommen, die Bühnen- und die Lichttechnik zu entwerfen, aufzubauen und zu erhalten – primär innerlich, psychisch-geistig, versteht sich.

Dann werden wir auf eine neue Weise fähig werden, eine bisher verborgene und nun beinahe hüllenlose Maria in uns und in allem Unsrigen zu erkennen als ein strahlendes Symbol und Versprechen des Glücks, gesund und lustvoll Mensch auf Erden zu sein.

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Gedanken zur kollektiven Übergangsphase in eine Kultur geistig Erwachsener


Für Denker und Zeitdiagnostiker sind dies ausgesprochen merkwürdige Zeiten: man kann über das Allgemeinste, Grundsätzlichste und Exzentrischste nachdenken, sprechen oder schreiben und gleichzeitig konkrete Beispiele für all das im Alltag nennen, die jeder kennt. So gesehen leben wir wahrlich in philosophischen Zeiten. Manche sagen „biblisch“. Das ist sehr ungewöhnlich und es wird wohl daran liegen, dass die Menschen sich im großen Stil über lange Zeit geweigert haben, über das Bedenklichste unseres Zustands des Abdriftens und Vegetierens nachzudenken, so dass sie es nun als Konsequenz physisch durchleben müssen. Wer nicht denken will, muss fühlen. Und wie schon in vorhergehenden Artikeln erläutert, besteht der größte und teuerste Fehler der Moderne in ganz spezifischen Unterlassungen und Verschleppungen, deren existenzielle Kosten die meisten immer noch nicht einmal erahnen können. 

Da das Radikale (radix = die Wurzel) nicht der Normalzustand sein kann, weil ihm ohne erwachsende Stängel, Blätter und Blüten die Entfaltungsdynamik und damit der Ausdruck in der Welt fehlen, müssen wir wohl in einer ausgesprochenen Ausnahmeepoche leben, in der sehr lang Gültiges endet und die darunter liegenden, ebenso lang vergessenen Schichten von noch grundsätzlicher Gültigem nicht nur sichtbar werden, sondern als einziger haltgebender Boden übrig bleiben, nachdem unsere babylonischen Türme zusammengebrochen sind. Wir werden an unser Fundament erinnert, weil unsere ideologischen Wolkenkratzer kollabierten. Das ist die harte Tour. Aber sie führt uns zu unseren Wurzeln.

Nur wenn eine Pflanze schwer krank ist, ist es notwendig, sie fast bis auf ihre Wurzeln zurück zu schneiden. Und dies, damit sie sich aus ihrem Ureigensten neu aufrichten, im wahrsten Sinne des Wortes regenerieren kann. Nur so kann sie wieder ur-sprünglich werden. So geht es jetzt zunehmend den Menschen: sie merken – jeder auf seine Weise – dass sie Orientierung nur im Fundamentalen, im durch und durch Wesentlichen und Ursprünglichen finden, während die aktuellen, übergroßen Regenerationsprozesse alle anderen Referenzpunkte und Leitplanken vor ihren Augen in Luft auflösen.

Katabasis

Wer bisher glaubte, er könne seine Moral aus den geltenden Gesetzen ableiten, und wer Ethik mit Legalität gleichsetzte, der wird einige Meter tief fallen, sobald ihm klar wird, wie unethisch alle die Gesetze sind, an die wir uns klammern und die unser Leben und unseren Geist in Klammern halten. Erst nach dem völligen Absturz aus dieser abgekoppelten und bodenlosen Entfremdung wird er wieder den festen Boden von einer in sich selbst verankerten Ethik und von einem in seiner eigenen Wesensnatur verwurzelten Moralbewusstsein unter sich haben.

Wer bisher glaubte, dass er das Richtige und Gesunde durch Gehorsam gegenüber den Autoritäten finden würde, der wird ebenfalls einige Stockwerke hinab zu stürzen haben, wenn für niemanden mehr zu leugnen ist, wie krank und falsch all die aufgestellten Autoritäten waren.

Und ebenso werden jene, die ihre Weltanschauungen und ihr Weltverständnis aus den Bruchstücken der systemzugehörigen Massenmedien zusammengesetzt haben, abstürzen in ein bodenloses Unverständnis, wenn ihnen aufgeht, dass es zwischen der Nachrichten-Welt und der Realität keine Korrelation gibt außer den realen, ruchlosen Interessen der Medienkonzerne zur Manipulation der Massen.

Und all dieses psychische Hinabfallen wird beschleunigt durch die Erkenntnis, dass all das “Wissen“, das so energetisch verteidigt und ja auch von „Wissenschaftlern“ verkündet wurde, nicht viel mehr war als blindes und denkfaules Glauben. Vom kindischen Glauben abzufallen ist keine schlechte Sache, wenn es darum geht, erwachsener zu werden. Überhaupt ist das Fallen eine gute weil notwendige Etappe im geistigen Entwicklungsprozess. Katabasis nannten es die Griechen: auf den Boden der Tatsachen fallen.

Die Härte des Aufpralls hängt auch in der psychischen Welt von der Fallhöhe ab. Aber nicht nur. Wer im Leben bereits Fallerfahrungen dieser Art hat, hat auch Kompetenzen entwickelt, den Aufprall abzufangen, sich nicht zu versteifen, sich mit dem Fallen mitgehen zu lassen und weder die Schwerkraft (genauer: das Gesetz der Dichtigkeit) noch den Boden als seinen Feind zu betrachten. Und beim kollektiven Fallen gilt ganz besonders noch: halt dich nicht an anderen Stürzenden fest und lasse sich niemanden an dir festhalten, wenn Du noch fällst. Es tut sonst noch mehr weh als wenn jeder sich selbst dem Fallen überlässt.

Dieses Fallen ist nun der Fall für so gut wie alle, weil es kollektiv ist. Und es ist kein Unfall und auch kein Zufall, sondern ein Zusammenfall, der auf einem großartigen Einfall von einem oder einigen wenigen beruht. Dieser Einfall war: den Schwindel und das Schwindeln der Menschen in allen ihren Kollektiven so rasant und so weit zu steigern und gegen jedes Gesundheits- und Integritätsempfinden ad absurdum zu führen, dass das bestehende Schwindelsystem des Irrealen komplett kollabieren und einstürzen musste. Nur so war trotz der enormen Fallhöhe noch eine konstruktive weil kontrollierte Rückkehr auf festen Boden möglich. Und jene Erfinder und die, die es früh genug verstanden haben, konnten sich früher schon zu den Ausgängen begeben und die Treppe nehmen. Vom Boden aus agieren. Für die anderen wird es ein Absturz sein, was sie wieder mit dem einzigen Boden in Kontakt bringt: der Realität.

Fallen

Fallen kann eine initiatische Erfahrung sein. Wer einmal fällt, wird niemals wieder als derjenige stehen und gehen, der er vor dem Fall war. Wer fällt, bekommt eine neue Beziehung zum Boden, zu allem, was unten ist und vor allem zu all jenen Unternehmungen, die sich vom Boden entfernen.

Jedes Aufstehen beginnt damit, hinzufallen. Und wer viel fällt, wird auch vielseitiger im Aufstehen, Stehen und Aufrichten. Sich fallen lassen zu können ist das Ergebnis vieler Fallerfahrungen, die in uns eine Kompetenz des Fallens, des Loslassens und sich-Gleiten-Lassens aufbauen. Das sind die Vorbedingungen dafür, sich nicht nur auffangen, sondern auch tragen lassen zu können. Und wenn wir Dinge von uns abfallen lassen können, dann erfahren wir, was es bedeutet, leichter zu werden und aufsteigenden Schwebekräften die Chance zu geben, uns nicht nur zu halten, sondern zu heben und höher zu heben.

Die psychisch so erwünschte Himmelfahrt funktioniert aber nicht, solange wir noch aus allen Wolken fallen können. Und solange wir dies können, sollten wir es auch. Zum einen als Training und zum anderen, um Ballast loszuwerden. Denn die Selbsterhebung, mit der wir uns vor der Selbsterkenntnis drücken, mag zwar durchaus schon in sehr luftige Höhen führen, vor allem, wenn wir der Einbildung und dem Rausch der Eigen-Ermächtigung in einer Gruppe Gleichbesinnungloser frönen, aber solange wir den Bodenkontakt dabei nicht halten können, werden irgendwann die Krücken und Stelzen, mit denen wir zu laufen versuchen sehr lang und sehr fragil. Und die naturgesetzliche Therapie solch ikarischer Überstiegenheiten lautet immer: nach unten. Wohin? Bis zum Boden.

Das Himmel-hoch-Jauchzen mag uns den Sinn und das Feuer des Lebens vermitteln, aber nur das Zu-Tode-betrübt lehrt uns, beides, sowohl das Hoch-fliegende, als auch die Tiefenverwurzelung, in uns zu tragen, zu halten und zu verkörpern. Jeder Versuch einer Abkürzung in diesem Punkt führt zu einer Verlängerung des Leidens und Lernens. Deshalb lohnt sich die so viel und routiniert gemiedene Zuwendung zum Tot- und Betrübtsein für das Wachstum so viel mehr als die Versuche, sich in den Himmel zu stimulieren. Warum? Weil wir dann vom Boden aus in den Himmel wachsen und darin stabil sind.

Bleiben wir bei dem Bild: unsere geistigen und psychischen Wurzeln müssen vom Boden der Realität erstmal nach unten, in die Erde wachsen. Dort ist das Reich der Toten. Die Erde, auf der wir stehen, die uns Halt und Nahrung gibt, lebt und ernährt sich selbst ja vom Tod und vom Verwesenden. So wie die Bäume von dem Humus aus ihren ehemals abgefallenen Blättern leben. Solange wir also das Fallen der Blätter nicht mit hineinnehmen in unser Verständnis von Leben und Wachsen von uns selbst und von allem, was am Leben Teil hat, können wir unseren Geist nicht über das Materielle erheben und bleiben darin stecken. Dann wollen wir immer nur Frühling und Sommer und verschließen die Augen vor allem, was Herbst und Winter in uns ist.

Menschen, die nur an Frühling und Sommer glauben und sich an ihnen festhalten wollen, erkennt man daran, dass sie stets linear, stets aufsteigend und oberflächlich denken. Sie glauben an unendliches Wachstum, immer größere Ernten ohne Sparsamkeit und Regeneration, an den Fortschritt durch Technologie ohne Besinnung, an Qualitätsgewinn durch immer mehr Erleichterung und Beschleunigung, an Erfolg durch Bühnenlicht und an Erfüllung durch Überfluss, bunte Ausschweifung und Aktionismus. Kurz: sie klammern sich an die Wahnvorstellung einer ewigen Jugend und werden durch sie hinab gezogen in die Abwärtsspirale jugendlichen Wahns.

Da unsere Kultur und der Zeitgeist seit etwa 70 Jahren ausschließlich von solchen „Ewiger Frühling“- und „Ewiger Sommer“-Fanatikern geprägt ist, leiden darunter auch all diejenigen, die sich nach Vollständigkeit sehnen und um sie bemühen. Wir können diese sehnsuchtsvollen Versuche auch in all den Tendenzen erkennen, die ihr Heil im Weiblichen, Mütterlichen und Matriarchalen suchen. „Zurück zur Natur“ mögen die einen von ihnen rufen, andere suchen die Lösung in der passiven Hingabe an etwas, das ihnen Geborgenheit und Schutz vor Komplexität verspricht. „Frauen an die Macht“ in all seinen Tönungen ist das entsprechende Äquivalent derer, die an organisatorische oder politische Lösungen für tiefenpsychologische Probleme glauben und sich damit erfolgreich vor Tiefgang und Einsicht schützen. Es gibt diese spürbare, tief fließende Suche nach Eingebundensein in die Natur, in ihre Zyklen und Gesetzmäßigkeiten.

Solange diese Sehnsucht aber nur organisatorisch, politisch, strukturell oder in Dimensionen von Life Style Ausdruck findet, machen wir keinen einzigen Schritt vorwärts, sondern vertiefen nur noch die Spurrille, auf der wir uns schon seit Generationen im Kreis drehen.

Wir können nicht zurück ins Matriarchale, auch wenn die Bilder, die wir dazu in uns hinauf beschwören, sich so erlösend und wohltuend anfühlen. Es sind nur Bilder und sehnsuchtsvolle Wunschfantasien – im besten Falle gute Erinnerungen. Wir stehen jetzt genau dort, wo ein Jugendlicher – egal ob Junge oder Mädchen – mit sagen wir etwa 16 Jahren steht: an der offenen Tür hinaus in eine weite Welt, die einem noch zu groß, zu komplex und zu schwierig vorkommt. Aber langfristig ist es keine Lösung, wieder zurück zu Mama in die Küche zu gehen. Dort war es mal schön, aber Ent-Wicklung bedeutet, es nun selber zu erschaffen und für uns zu rekonstruieren. Wir müssen also aus dem Kreis des Behütetseins und Uns-Einfügens ausbrechen. Diese Dynamik zeigt sich in dem Symbol des Mars, das wir auch für das Männliche benutzen: ♂.

Während das Weiblich-Mütterliche Raum gibt und hält, ist das Männlich-Väterliche jene Kraft in uns, die Raum erobert, erweitert und damit schafft. Es ist die grenzüberwindende Kraft, die ein Schwert benutzen kann, um ein Guckloch zu schneiden und einen Ausgang zu eröffnen. Dieses mutige Erobern von neuem Terrain ist das, was wir jetzt am allermeisten brauchen. Es muss als elementare Kraft wieder Eingang in unsere Kultur und unser Denken finden, sonst bleiben wir Kinder und sind dann unserer eigenen schlafwandlerisch geschaffenen Welt von Technologie und Massenmanipulation nicht mehr gewachsen.

Ist das ein Widerspruch zu der Notwendigkeit, das Bewusstsein für unsere „Herbst“- und „Winter“-Aspekte wiederzugewinnen? Steht dieser Bedarf an männlichem Impetus im Gegensatz zur Rückanbindung an das Natürliche, Zyklische und Nährende?

Er mag es gemäß vieler unserer kulturellen Prägungen und tiefsitzender Schablonen tun, aber er widerspricht ihm nicht in seiner Essenz. Das Terrain, das wir hier zu entdecken haben, ist neu. Man könnte sagen, es ist der männliche Zugang zur Natur. Und somit also der männliche Zugang zu den Herbst- und Winter-Kräften, die das oberflächliche, lineare Denken von „höher, schneller, weiter“ ergänzen um ein rückwärts- und nach innen gewandtes Gewahrsein, also die Selbstreflexion.

Das für uns herausfordernd neue Element, das männliche nämlich, liegt darin, diese Vollständigkeit nicht mehr allein im Körperlichen und Naturgegebenen zu suchen, sondern im Geistigen und vom Menschen Erschaffenen. Wir können nicht „zurück zur Natur“, wir müssen vorwärts zu ihr. Und zwar mit allem, was wir in den letzten Jahren erfunden und erfahren haben: mit aller Hochtechnologie, mit der Dominanz des Denkens über das (unreflektierte) Fühlen, mit den psychologischen Manipulationstechniken und ideologischen Experimenten, die bis zur Selbstzerstörung potent wurden, und mit der mittlerweile schon so gewohnten Überwindung vieler physikalischer Grenzen durch Kommunikations-, Energie- und Medizintechnik.

Initiation und Umstülpung

Initiation in Bezug auf diese Herausforderungen bedeutet die Einweihung in eine Betrachtungsweise, die Naturgegebenes und Menschengemachtes zusammen schauen und in Harmonie zueinander bringen kann. Davon sind wir noch ziemlich weit entfernt, aber die Sehnsucht danach ist schon bis zur Notwendigkeit angewachsen und drängend. Wir sollten diese Initiation oder Einweihung auf kultureller und kollektiver Ebene wie eine neue Einfärbung verstehen. Der Stoff, aus dem unser gesellschaftliches Zusammenleben, unsere Institutionen und die allgemein verbreiteten Motivationen und Anreize gemacht sind, muss dafür durchtränkt werden mit einer Tönung, die die geistige Kompetenz des Menschen in die Mitte und über alles sowohl Technische als auch Naturgegebene stellt. Und damit wird dann auch der Einzelne eben gerade in seiner Eigenschaft als Einzelner höher gewertet als irgendeine kollektive Maßgabe. Denn geistiges Wachstum ist nur im Einzelnen und durch den Einzelnen möglich. Übersicht und Verständnis gewinnen sowie Verantwortung übernehmen kann immer nur der Einzelne.

Diesen Übergang von der Dominanz kollektiver und tatsächlich materialistischer und anti-individueller Strömungen hin zu einer durchströmenden und kulturbildenden Dominanz der Idee vom Individuum und seiner einzigartigen geistigen Kraft bezeichne ich als die Pubertät der Menschheit, in der wir uns seit einiger Zeit befinden.

Diese Pubertät bedeutet erstmal nicht, dass die Menschen erwachsener werden, obwohl ein Effekt von ihr durchaus sein kann, dass die Wahrscheinlichkeit in einem gewissen Rahmen steigt, dass mehr Menschen dem Erwachsensein näher kommen können. Sie bedeutet nur, dass die kulturbildende Matrix, in der wir Menschen leben, ein notwendiges Update bekommt, weil sie sonst an ihrer eigenen Komplexität und technologischen Potenz kollabieren würde.

Dieses Matrix-Update, das wohl eher ein Upgrade und vollständiger Versionswechsel ist, wird allerdings durchaus durchgeführt und überwacht von Einzelnen, die aus einer deutlich weiter gewachsenen, post-pubertären Reifestufe heraus eingreifen können. Wir können also davon ausgehen, dass der Impuls zu dieser grundlegenden Umwandlung von außerhalb, von weit außerhalb der Matrix kommt. Die Umsetzung und Implementierung dieser Neukodierung funktioniert dann kaskadenförmig abwärts über immer jüngere Reife- und Kompetenzstufen, bis sie sich in neuen Institutionen, Strukturen und Rahmensetzungen kristallisiert hat und damit die konkrete Fixierung der neuen Matrix bildet. Und erst dann wird der neue Impuls einen Effekt auf die Masse aller Menschen haben und sie in ein neues Level von Kultur einbinden. Wie bei jeder Initiation muss auch diese von oben und außerhalb, das heißt von einer post-initiatischen Intelligenz angestoßen, geführt und durchgeboxt werden.

Das Besondere an unserer aktuellen Epoche ist, dass diese übergeordnete Intelligenz nicht nur mit punktuellen Injektionen und Impulsen wirksam und sichtbar wird, wie wir es aus den letzten Jahrhunderten der schrittweisen Kulturentwicklung kennen, sondern dass wir offensichtlich an den Punkt eines radikalen Bruchs gekommen sind, an dem Entwicklung nur noch disruptiv und diskontinuierlich möglich ist. Es ist keine bloße Veränderung oder Neueinfärbung mehr, sondern eine Umstülpung und damit Transformation. Dadurch sind alle Aspekte des menschlichen Lebens betroffen und es bleibt kein Stein auf dem anderen.

Die Idee der Umstülpung bezieht sich dabei darauf, dass die Grundformation des menschlichen In-der-Weltseins vollständig umgekehrt wird. Bildlich gesprochen: was innen war, wird nach außen gekehrt, was unten war nach oben, das Unsichtbare ins Sichtbare und – ganz wichtig – alle diese auch umgekehrt.

Beispiele: wenn die bisherige Matrix auf der Idee aufbaute, dass wir auf einer Kugel leben, dann beruht die neue, post-initiatische Matrix auf der Idee, dass wir in einer Kugel leben. Wenn solche Weltanschauungen bisher einfach nur geglaubt werden mussten, weil der Maßstab für Richtigkeit dem Macht- oder Mehrheitsprinzip folgte, dann wird es in der umgestülpten Matrix genau umgekehrt darum gehen, das Mehrheitsprinzip und die Macht aus der Richtigkeit ohne Glauben, also durch Wissen und Fundiertheit, abzuleiten. Das, was bisher nur privat, also vom Außen abgewendet, möglich war, z.B. kritisch zu denken und sich an wesentlichen menschlichen Werten zu orientieren, wird die äußere Form der Gesellschaftsstrukturen bilden, während umgekehrt die kranken Formen von Machtmissbrauch, Korruption und Rücksichtslosigkeit in die innere Sphäre der einzelnen Psyche verlegt werden und dort verarbeitet werden müssen.

Licht wird Dunkel und Dunkel wird Licht. Außenpolitik wird Innenpolitik und umgekehrt. Das wird besonders für die Deutschen interessant, die seit 107 Jahren nur Arbeitssklaven, Prügelknaben und Geldkühe waren und den Blick für sich selbst und auf sich selbst völlig verloren haben im Hinausstarren in die Welt. Es wird alles umgestülpt, was innerhalb der Matrix ist. Nur die Matrix an sich bleibt natürlich erhalten.

Das kosmische Ministerium für Desillusionierung gibt im Übrigen bekannt: das Erkennen der Matrix selbst und das Herauswachsen aus der Verschmelzung mit ihr, auch genannt „Aufwachen“ oder „geistiges Erwachsenwerden“, wird nur von semi-satanischen Matrizen oder in deren Auflösungsphase gefördert und unterstützt. In paradiesischen Matrix-Zuständen verliert die Suche nach den Ausgängen regulär ihre Attraktivität, weshalb unter diesen Umständen besondere Anstrengungen für diejenigen und von denjenigen unternommen werden müssen, die trotz Paradieskulisse erwachsen werden wollen. Paradies-Zeiten und goldene Zeitalter sind spirituelle Erholungsphasen mit konjunkturellen Plateaubildungen und Tendenzen zu starken Kursverlusten. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für existenzielle Dysbalancen bemühen sich die verantwortlichen Kräfte stets um die schnelle Wiederherstellung antagonistischer Unruhestifter und Gegenspieler (wie z.B. – je nach Staffage – sprechende Schlangen, Drachen, Ziegenböcke, Pferdefüßler, Besenreiter, kleine Graue, große Schuppige, halsstarrige Pharaonen, Adolfs und ihren Angelas, Hedgefonds-Experten oder Talk-Show-Moderatoren).

Als nächstes wollen wir uns einige Aspekte dieser Umstülpung, die ich als Pubertät der Menschheit bezeichne und die wir alle mehr oder weniger erleben, ansehen. Dabei geht es vor allem um jene Aspekte, in denen sich die radikalen Veränderungen von der kindlich-abhängigen zur erwachsen-selbständigen Position am deutlichsten zeigen:

  1. Das Entstehen von echter Willenskraft
  2. Die Entwicklung eines synthesefähigen Verstandes
  3. Überwindung der Defizit-Philosophie
  4. Die Notwendigkeit existentieller Enttäuschungen
  5. Die Entwicklung von selbstspiegelndem Bewusstsein und einem antifragilen Ich
  6. Die Bedeutung von Schmerz in jeder Dynamik von Geburt

Danach kommen wir dann zu der neuen Form von Schöpferkraft, die wir zu entwickeln haben und widmen uns dann auch der Frage, was denn in diesem weltumspannenden Geschehen die spezielle Rolle und Aufgabe von uns Deutschen sein könnte.

1. Willenskraft und Neugier

Um die Kontrolle über Menschen zu bekommen, muss man ihnen nur zwei Eigenschaften nehmen: ihre Willenskraft und ihre Neugier. Denn zur Willenskraft gehören die Fähigkeiten, sich selbst eine Richtung zu geben und sie zu halten, sowie die Fähigkeiten, auf etwas zu fokussieren und etwas mit Ausdauer zu verfolgen. Zu Neugier gehören Wissensdrang und vor allem der Drang danach, zu verstehen. In dem Maße, wie diese zwei Grundimpulse gelähmt oder unterdrückt werden, ist der Mensch von außen steuerbar.

Jeder gute Pädagoge wird vor allem darauf Wert legen, Neugier und Willenskraft, also Wissendrang und Ausdauer bei seinen Schülern zu fördern. Denn jede echte Entwicklung hängt davon ab. Schwarze Pädagogik beruht auf der Zerstörung dieser Wesenskräfte. Weiße Pädagogik fördert sie. Ein Lehrer, dem es selbst an Neugier oder eigenständiger Ausdauer fehlt, sollte nicht als Lehrer wirken, denn er wird tendenziell immer zu schwarzer Pädagogik neigen.

Das Jahr 2020 hat uns vor Augen geführt, wie weit die Vernichtung dieser zwei Impulse innerhalb unserer bisherigen Kultur-Matrix fortgeschritten ist. Die Menschen haben keine nennenswerte eigene Richtung und kein Interesse zu verstehen, was um sie herum passiert und mit ihnen gemacht wird. Der Zeitgeist vegetiert im Dauerzustand eines stumpfen, desinteressierten Masochisten. Und erstickt jeden jungen Keim von Wissbegier und Selbstverwirklichungswillen in einem Medien- und Bildungssystem der geistigen Vollnarkose.

Die Q-Impulse sind übrigens hervorragende Gegen-Pädagogik: sie sind so angelegt, dass sie Wissensdrang und Beharrlichkeit fördern. Wie? Indem sie gerade soviel Neues bieten, dass man aufmerksam wird, es aber wiederum so gestalten, dass man nur durch eigene Anstrengungen zu besserem Verstehen und Erkennen findet. Somit wird Ausdauer im Verfolgen kniffliger Fragen und im Nachgraben an widersprüchlichen oder rätselhaften Stellen dadurch belohnt, dass sich ein immer plausibleres und sinnvolleres Gesamtbild unserer aktuellen Situation und ihrer Entstehung ergibt. Das eigenständig und für sich selbst Schritt für Schritt herauszufinden und auf dem Wege immer wieder zu irren und sich korrigieren zu müssen, führt zu einem ganz anderen Ergebnis, als fertige Erklärungen und Gesamtbilder serviert zu bekommen.

Wollen und Können

Aber lasst uns nicht länger zurückschauen auf das Vergangene und Sterbende! Ich habe mich lange und ausführlich genug damit beschäftigt und für wen auch immer der Schritt des Sehens und Erkennens noch ansteht, mögen diese schriftlichen Analysen und Klärungen auch weiterhin hilfreich sein. Sie sind immer wichtig, um das Territorium zu kennen, auf dem wir uns bewegen und um uns selbst darauf verorten zu können. Sobald dies aber geschehen ist, sollten wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf das Gewollte und Erstrebenswerte richten, denn sonst bleiben wir gefesselt von unserer Faszination für das Kranke und Morbide. Denn es ist faszinierend. Und bei den meisten Menschen im prä- oder peri-pubertären Zustand zeigt sich diese Faszination in einer psychischen Fixierung auf obsessive Ablehnung und Gegenwehr.

Der Blick zurück in Vergangenes ist nur wertvoll, wenn wir durch ihn einen besseren Blick für das Jetzige, unseren gewordenen Zustand und unsere Aufgaben darin bekommen. Ich habe in vorhergehenden Artikeln dargestellt, dass der Kampf, in dem wir jetzt um das Überleben der Menschheit ringen, nicht durch einen plötzlich auftretenden, mächtigen Gegner hervorgerufen wurde, sondern durch eine Unterlassung.

Diese Unterlassung bezieht sich auf unsere Willenskraft. In den letzten 500 Jahren ist das technische Können der Menschheit in immer schnellerem Tempo gewachsen. Unser Wollen ist jedoch nicht mitgewachsen. Für die Entscheidung zu einer Tat reicht das Können als Kriterium nicht aus, denn es sagt nichts darüber aus, ob die Tat gut oder schlecht, d.h. ob ihre Resultate erwünscht oder unerwünscht sind. Willenskraft besteht in erster Linie darin, etwas, das man tun könnte, absichtlich nicht zu tun. Durch die Fähigkeit, etwas nicht zu tun, einen Impuls nicht auszuagieren oder einer unmittelbaren Befriedigung nicht hinterherzulaufen, eröffnen wir uns die Möglichkeit, mit unserem Bewusstsein über unseren Handlungen zu stehen.

Mit den analytischen und synthetischen Fähigkeiten unseres Verstandes haben wir mittlerweile Technologien entwickelt, mit denen wir in die tiefsten Dynamiken des Lebens und sogar in die Interaktion zwischen Geist und lebender Materie einwirken können. Siehe sogenannte „Impfstoffe“, die den Körper des Geimpften von seinem Wesenskern abtrennen und ihm das Potenzial zu geistiger Willens- und Werde-Kraft nehmen, indem sie seine DNA molekularbiologisch fremdsteuern und ihn von seiner eigenen einzigartigen Blaupause und damit von der Möglichkeit zu heilen und ganz zu werden abschneiden. Diese Eingriffe gehören in die Kategorie des Unumkehrbaren.

Wir können das. Und noch vieles Mehr auf der Klaviatur von Leid, Qual, Folter, Entstellung und Zerstörung. Die zwei überlebenswichtigen Fragen sind jedoch: Wollen wir das auch? Und: Können wir die schädigende Nutzung von Hochtechnologie willentlich stoppen?

Die erste Frage erkundet unseren Willen und damit unsere Fähigkeit zur moralisch integeren Selbstbestimmung. Die zweite Frage zielt auf unsere Willenskraft ab, also die Macht, die wir aus unserem Willen heraus über das Tun und Treiben mit jeglicher Technologie haben.

Unser Gegner – Menschen mit unstillbaren Begierden und ohne Moral – konnte nur deshalb so stark werden und die Weltherrschaft an sich reißen, weil wir Menschen über Jahrhunderte unterlassen haben, unseren Willen zu formulieren und mit der fortschreitenden Technologie – also unseren fortschreitenden Möglichkeiten – zu verknüpfen. Es war dann nur eine kausale Folge dieser Unterlassung, dass sich unsere Technik mehr und mehr im ethikfreien und willenlosen Raum weiterentwickelte und dabei immer intelligenter wurde. Von da aus war es dann auch nicht mehr weit, dass die mächtigste Technik sogar in den amoralischen, lebens- und menschenfeindlichen Raum übernommen wurde, wo sie von den geistig degeneriertesten Kräften zu ihren Zwecken umgebaut und missbraucht werden konnte.

Jene, die glauben, dieser Tatsachen und Kräfte Herr zu werden, indem sie in gemütliche Siedlungen in Naturnähe ziehen, sich das Leben als Selbstversorger überschaubarer machen und nur noch fröhlich zum gemeinsamen Tanzen und Singen einladen wollen, durchschauen die Natur dieser Bedrohung nicht. Die Krieger, die uns vor ihr schützen können, dürfen diesen Gefährdungen des Menschen gegenüber sich selbst auf keinen Fall den Rücken zukehren oder sich sonstwie aus dem Staube machen. Auch nicht durch Rückriffe auf historisch fragliche Harmoniezustände.

All das hat keine Gültigkeit mehr, wenn wir einer Technologie gegenüberstehen, die es zuvor noch nie gab und mit der die tiefgreifendsten Manipulationen des Menschen möglich sind. Bis auf zwei oder vier Ausnahmen kommen all die Hobbits im Kampf zur Rettung der Welt am schlechtesten weg: sie haben bis zum Schluss nichts davon verstanden, sie wollen davon auch nichts wissen, streiten sich weiter über Bierkrüge oder Partyeinladungen und können nicht begreifen, was ein Bilbo, ein Frodo oder ein Gandalf sind, auch wenn sie direkt vor ihnen stehen. Hobbits sind niedlich, aber von allen auch die Einfältigsten und Kurzsichtigsten. Ewige Kinder.

Der Weg der Deutschen, wenn sie ihr Wesen verwirklichen und erwachsen werden lassen wollen, führt zunächst erstmal heraus aus Auenland. Fort von den gemütlichen Kaminen, dem Pantoffelschlurfen, dem halbbetrunkenen Zustand von Dorffesten und Familienzwistigkeiten und weg vom Schmalspurleben in täglichen Ritualen selbstzufriedener Beschränktheit. Das heißt vor allem: weg vom Materialismus und raus aus dem Dornröschenschlaf narkotisierenden Dauerkonsums.

Die Lektion der letzten 500 Jahre, und insbesondere der letzten 100 Jahre muss für uns diese sein: wenn wir unseren Willen nicht benutzen, um ihm (und damit uns) alle Technik Untertan zu machen, dann wird die Technik von immer niederen Begierden und Trieben übernommen, auf- und ausgebaut, bis diese geistlosen und morallosen Kräfte die Waffen haben, um unsere Willenskraft bereits im Keim zu ersticken. Bekanntestes Beispiel: der Fernseher. Das Prinzip funktioniert bis heute.

Was für viele schwer zu verstehen ist, besonders schwer für die Generation, die mit einer „Rückgängig-Funktion“ am Computer aufgewachsen ist, ist, dass dieser Prozess nicht ewig umkehrbar ist. Ab einem gewissen Punkt, den man sehr genau berechnen könnte, reicht der Rest an bestehender Willenskraft nicht mehr aus, um das Blatt zu wenden, und den Prozess der Zerstörung der Menschheit (nicht Menschen) zu stoppen. Irgendwann kann man 150 oder 200 Jahre moralisch-geistigen Rückstands nicht mehr schnell genug aufholen und die zerstörenden Kräfte benutzen einfach alle Hochtechnologie, um ihre Macht zu erhalten. Zeit ist ein Faktor. Es reicht nicht aufzuwachen, man muss früh genug aufwachen, um sich dann noch Waffen und Verbündete besorgen zu können, und um eine Strategie entwickeln zu können. Wenn aber die Gegenseite bereits so gut wie alle Waffen der Welt und so gut wie alle Kommunikationskanäle kontrolliert und gleichzeitig massive Gegenattacken gegen die ersten kleinen Rebellennester ausführt, dann ist das Spiel im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten bereits aus und das Ergebnis steht fest.

Ich gehe davon aus, das meine Leser mittlerweile informiert sind, dass dies nur ein theoretisch-hypothetischer Gedankengang ist und dass die Willenskraft zum endgültigen Gegenschlag schon längst ausgeholt hat und sich darauf auch mindestens 50 Jahre vorbereitet hatte. Mir geht es hier nur um die Veranschaulichung des Grundproblems und seiner Ursache, und diese liegen beide im Bereich des Geistigen und der moralischen Integrität.

Im Geistigen hat der Mensch sich nur selbst als Gegner. Wenn wir zulassen, dass unmoralische Menschen an Macht über uns gewinnen, dann schaffen wir unsere zukünftigen mächtigen Gegner selbst durch ein Versäumnis. Dass wir nun in den gewaltigsten Krieg der Menschheitsgeschichte verwickelt sind, ist das Ergebnis einer langen Kette von Unreife, Passivität, Unachtsamkeit, und vor allem Selbstvergessenheit. Unsere vernachlässigten oder ignorierten Potenziale und schlummernden Kräfte treten uns irgendwann als Monster aus der Dunkelheit entgegen und holen zu unserer Vernichtung aus. Dies geschieht aus reiner Psychomechanik heraus.

Jene Zeitgenossen, die unseren heutigen Gegnern – also jenen degenerierten und entstellten menschlichen Potenzialen – eine eigene Willenskraft unterstellen, machen nicht nur einen psychologischen Denkfehler, sie festigen auch unwissentlich die Basis jenes Unterlassungsproblems, das zu der Aufspaltung und Zerstörungsmacht führte. Denn diese in die mechanischen Gegenkräfte projizierte Willenskraft ist in Wirklichkeit das, was die Spaltung und den Krieg beenden würde, wenn wir endlich aufhören würden, sie im Mechanischen, Automatischen und Reiz-Reaktionsbasierten zu suchen und stattdessen in der bewussten Steuerung alles Mechanischen entdeckten.

Mit diesen Aspekten im Hinterkopf können wir uns jetzt auch erlauben, das ganze in eine Sentenz zu abstrahieren, die ansonsten allzu leicht miss- oder unverstanden bleibt: Unser größter Feind ist der Mensch – wenn er nicht integer und in Ordnung ist. Damit ist unser größter Feind ganz und gar irdisch-planetarisch und menschlich. Alles Extra-terrestrische kann höchstens ein Raum von Kraftquellen sein, die wir als Menschen für oder gegen unsere Natur verwenden. Und der Mensch selbst ist seiner Natur nach hochgradig extra-terrestrisch: unsere geistige Natur, die primär nach Erkenntnis (nicht nach Macht) strebt, ist nicht von der Erde, sondern nur auf, in oder bei der Erde.

Die Außerirdischen, deren Attacke manche fürchten, sind wir Menschen, genauer gesagt die geistige, immaterielle Seite unserer Natur, und noch genauer gesagt jene Aspekte unseres nicht-irdischen Wesens, die wir weggeschoben, abgespalten oder fragmentiert und betäubt haben. Wer es intellektuell noch knuspriger haben möchte: der Mensch wird von niemand anderem angegriffen als vom vernachlässigten und vergifteten Geist des Menschen selbst. Aus dem All, dem All-Umfassenden, aus Raum-Schiffen mit Lichtgeschwindigkeit, auch genannt Ideen und mit Antigravitations-Flugscheiben, genannt geistige Werte. In bewusst integrierter Form sind sie für uns, tragen von mir aus weiße Hüte auf ihren bewusstseinserleuchteten Köpfen und helfen uns, willentlich das Paradies auf Erden herzustellen. In desintegrierter, abgespaltener und fragmentierter Form sind sie gegen uns, tragen schwarze Hüte ohne Glühen in der Birne und erzeugen automatisch mehr Spaltung und Auseinanderdriften.

Das Schwarz-Hut-Universum dehnt sich immer weiter aus, weil es einen Urknall hat, es hat lauter schwarze Löcher, die – wie Michael Ende schon vorhergesehen hatte – immer mehr und größer werden im Phantasialand seit Stephen Hawkins die diagnosefreien Vakuumblasen aus seinem Kopf heraus auf die Bühne des öffentlichen Anti-Geist zauberte, von wo sie dem wehrlosen Publikum auf den Schoß sprangen und auf die Nerven gingen; dieses triste Universum besteht zum größten Teil aus dunklem Nichts, weil ihm nie etwas eigenes einfällt, und Leben ist in ihm bloß eine Zufallserscheinung auf einer chaotisch schwankenden und herumwirbelnden Billardkugel, die statistisch gesehen schon längst zehnmal gegen einen schwarzen Zwerg gedonnert sein muss. Solches Zeug muss man glauben wollen, um sich an der NASA herumführen zu lassen.

Das Weiß-Hut-Universum ist das Gegenteil von diesen fantastoiden Gruselgeschichten: es zieht sich zusammen zu einer wachsenden Einheit, es wird beleuchtet durch wachsendes Bewusstsein und Leben ist darin das wuselnde, hüpfende und kichernde Mysterium von stets neugierigem Geist, der atmet. Einmal alles unter den weißen Hut gebracht ist alles auch schon gleich in Ordnung, weil alles seine Ordnung hat – natürlich auch die Unordnung und die Unordentlichen. Sogar die Anti-Ordentlichen, die den Ziegenbock und sein störrisches „Ich will nicht“ anbeten. Sie beten zur Großen Ziege, weil sie selbst keinen Bock haben. Kein Bock auf Integrität, Ordnung, auf Geist und Gott und so.

Womit wir jetzt auch verstehen, was das ganze mit Pubertät zu tun hat, denn der Übergang vom kindlich-faszinierten Mitmachen zum erwachsenen eigenständigen Willen durchläuft eine Zwischenphase mit dem Titel ‚Keine Ahnung – keine Chance – kein Bock!‘.

Diese Zwischenphase von Nicht-Können und Nicht-Wollen ist geprägt davon, dass der alte Halt immer mehr wegbricht, aber ein neuer noch nicht gefunden ist. Dadurch entsteht eine existenzielle Gratwanderung zwischen Ohnmacht und Aktionismus, die zuweilen die Formen einer bipolaren Achterbahnfahrt annimmt, deren Amplituden bis ins Suizidale oder Fremdgefährdende ausschlagen können. Nicht aus Übereifer, sondern aus der quälenden Leere heraus, die spürbar wird, wenn das reine Funktionieren im gewohnten, stützenden Systemumfeld brüchig wird und es noch keinen eigenen Motor gibt.

Was deshalb in diesem Übergang am meisten gebraucht wird, ist eine haltgebende Unterstützung von außen, ein Gerüst oder zumindest ein Geländer, an dem man sich festhalten und orientieren kann ohne stehen bleiben zu müssen. Was vor allem provisorisch gestützt werden muss, ist die Identität, denn die Selbstdefinitionen ändern sich und die Referenzpunkte für die Selbstorientierung ebenso.

Es ist schon wertvoll und hilfreich zu wissen, dass man sich im Übergang befindet, dass es auch für diesen Prozess Gesetzmäßigkeiten und Anhaltspunkte gibt und dass dieser Zustand – wie alle Zustände – einen Anfang und ein Ende hat.

Die Leichtigkeit bis hin zum freudigen Genuss aber, die während solcher Hochseilakte erlangt werden können, ergeben sich aus der Kunst, das Gewahrsein und den Fokus der Aufmerksamkeit von allem abzuziehen, das Willenskraft oder Können fordert, und das Gewahrsein stattdessen auf die Aspekte des Seins zu richten, die in aller Verwirrung und Angst unmittelbar erkennbar sind und kontinuierlich tragend wirken. Die angstfreie Mitte zwischen Resignation und Verkrampfung liegt in der Rückbesinnung auf das Vorhandene und Unmittelbare, also in der Zurücknahme aller Wachsamkeit von äußeren Bewegungen und Veränderungen nach innen hin zum innerlich Bewegten, Berührten und Empfangenden. Also zum Subjekt, zum Ich-Empfinden. Das ist das Auge des Tornados, in welchem stets Ruhe ist.

Dies ermöglicht den Aufschwung von „Ich bin in Angst“ zu „Angst ist in mir“, von „Ich bin ohnmächtig“ zu „Ich habe eine Ohnmacht in mir“. Und so bildet sich in diesem Prozess des Wandels zwischen zwei Abgründen Schritt für Schritt die Fähigkeit heraus, sich auf sich selbst zu besinnen und Halt in sich selbst zu finden. Der junge Hochseilakrobat – in unserem Betrachtungsfall die Menschheit – lernt gezwungenermaßen, sein Gleichgewicht und seine Fortbewegung aus sich selbst heraus zu generieren. Er muss sich seiner selbst erinnern, weil er sonst stürzt oder hängen bleibt. Das ist der Anfang von eigenem Wollen und selbständigem Können und der erste Zipfel der anderen Seite, des Erwachsenseins. Und damit gibt es einen ersten Funken, aus dem später Willenskraft entfacht werden: ein nach innen zentriertes Eigen-Bewusstsein.

2. Synthese im Kopf

Der nächste Aspekt des Erwachsenwerdens ist Verstehen.

Verständnis und vollständige Begriffsbildung beruhen nicht allein auf Analyse, Zerlegung und Differenzierung, sondern in mindestens gleichem Maße auf einer darauf folgenden Synthese, Wieder-Zusammenfügung und Verknüpfung. Wenn wir im Zerlegen von Eindrücken und Informationen stecken bleiben, dann vergrößern wir nur die Anzahl der Puzzleteile – und Worte – und kommen dabei dem Erkennen des inneren Gefüges und des Zusammenhangs hinter den Sinneseindrücken nicht näher. Die Verbindung der Dinge untereinander mag in unserer Wahrnehmung noch vorhanden sein, sie geht aber durch das analytische Verstehen zunächst einmal verloren. Wir haben dann lauter Einzelteile ohne Verbund und Einheit. Deshalb dann auch ohne Bedeutung und Sinn, weil eben auch die Verbindung zu uns, unseren Werten, Zielen und unserem persönlichen Verstehen verloren geht. Das Ergebnis einer Analyse ohne neue Synthese ist stets Bedeutungslosigkeit, damit auch Gleichgültigkeit oder sogar Nihilismus.

Diese analytische, halbe, unvollständige Verstandestätigkeit haben sich die Anti-Rationalisten zur Propaganda-Keule gegen den Verstand überhaupt gemacht. Das ist billige Rhetorik. In jeder New-Age- und Pop-Psychologie-Ecke hört man ihre Dauerbotschaft: der Verstand ist schlecht, weil er nicht ganzheitlich erfassen kann, weil er alles nur zerstückelt. Die Lösung für solche kopflosen Warnvorstellungen wird einem immer gleich mit serviert: die Regression auf unreflektiertes Fühlen. Statt unser Gehirn sollen wir unser Herz benutzen (wieso eigentlich nicht den Magen? Der ist doch noch viel „integrativer“ als das Herz!). Und so weiter und so fort. Wir können von Glück sagen, dass dieser Vorschlag so absurd ist, dass er nicht einmal umsetzbar ist, sonst würden wir alle „Planet der Affen“ spielen müssen.

Jeder Versuch, den Intellekt als Ganzes zu vermeiden, zu verkleinern oder „auszuschalten“, also jeder Versuch einer selbstgewählten Verdummung scheitert schon an seiner eigenen Logik: schon die Idee der Abwertung und die der Vermeidung gehen vom Intellekt aus. Der intellektuell Dumpfe oder Zurückgebliebene kann und braucht sich um die Verkleinerung seines Intellekts auch gar keine Sorgen zu machen. Es ist der übereifrig schematische Gedankenapparat in uns, der es sich im einfältigen Schema des Anti-Intellektuellen einfach nur leicht und bequem machen möchte. Das können wir im Alltag häufig beobachten: die Menschen, die gegen den Intellekt, gegen Worte und gegen das Denken allgemein anpredigen, ankämpfen oder anmeditieren, wirken dabei ausgesprochen intellektuell, kompliziert, wortreich und verkopft. So jagt die Ratte mal wütend, mal verzweifelt ihren eigenen Schwanz.

Auch die Haltung von „Ist mir egal“ beruht nicht auf einem bestimmten Gefühl oder einer emotionalen Haltung, sondern auf deren Abwesenheit. Eine Hyperdominanz des analytischen Intellekts führt zu dieser Abkopplung und Lähmung nicht nur des Empfindens, sondern damit auch der Willenskraft und Motivation. „Kein Bock“ – wir hatten das schon – ist das Resultat von zu viel Zerlegung und innerer Fragmentierung durch den Intellekt; und zwar ohne Verstand.

Was fehlt, ist die zweite Hälfte des Verstandes, mit der überhaupt erst Verstehen möglich ist: die Zusammensetzung der Einzelteile. In gewissem Sinne eine Wieder-Zusammensetzung oder genauer gesagt ein zusammensetzendes Nachbauen der Wahrnehmung. Also die Synthese.

Unsere Wahrnehmung auf der Ebene der Sinneseindrücke ist für sich genommen insofern ganzheitlich, als dass sie Eindrücke einfach nur aufnimmt, wie sie kommen und sie weder zerlegt noch selektiert. Das findet erst mit der Verarbeitung statt. Unsere Verdauung funktioniert nach dem gleichen Prinzip: wir können die Haselnuss als Ganzes in den Mund stecken, um sie aber verdauen zu können, müssen wir sie zerbeißen und zerlegen. Unser Verstand kann dann aber etwas mit den verdauten Eindrücken machen, was der Körper nicht kann: er kann das Original im Bewusstsein nachbauen, die analytisch erfassten Einzelteile wieder zusammenbauen.

Wem das nicht gelingt, der kann nie einen Wald sehen. Er sieht nur Bäume. Noch nicht einmal das: er sieht ein Wirrwarr von Blättern, Ästen und Stämmen. Im Extremfall könnte er nicht einmal solche konkreten Begriffe synthetisieren und sieht nur irgendwelche Farben und Formen. Daran erkennen wir, dass die synthetisierende Verstandestätigkeit für uns alltägliche Normalität ist (alle anderen befinden sich in der Psychiatrie oder auf dem Wege dorthin). Diese Verstandesfähigkeiten haben ihre obere Leistungsgrenze bei den Menschen allerdings sehr unterschiedlichen Niveaus der Abstraktion und Begriffsbildung.

Der Übergang vom Kind- zum Erwachsenen-Bewusstsein besteht in Bezug auf den Verstand darin, von sich selbst einen Begriff bilden zu können. Also, sich selbst rational synthetisieren zu können. Das ist ein langer Weg mit vielen Stufen und Graduierungen. Am Ende dieses Weges steht das Verständnis des Wortes „Ich“, das wir täglich benutzen. Immerhin ist das die erste Person Singular. Aber „singular“ bedeutet, dass alles, was wir auf „Ich“ beziehen, in diesem einen Begriff zu einer Einheit zusammengefügt ist. Das Wort „Ich“ ist, wenn wir es verstanden haben, die komplette Synthese von allem, was zu uns gehört in einem Begriff, in einem Abstraktum. Aber das ist nicht der Anfang vom Erwachsensein, sondern bereits eine sehr viel spätere Reifestufe, die hier nicht unser Thema ist.

Die Pubertät der Menschheit besteht nun erstmal darin, den Verstand überhaupt ganzheitlich, also sowohl analytisch als auch synthetisch verwenden zu lernen und zum Herrn über alle Kultur zu machen. Also insofern, als dass wir eine Kultur errichten, die sich zentral für das Selbst-Verstehen interessiert und auf dem Willen fußt, den Menschen in seiner Natur zu verstehen.

Nachdem wir in der bisherigen analytisch-materialistischen und somit irrationalen Kultur dressiert wurden, bei dieser Frage nach dem Menschen den Anatomie-Atlas aufzuschlagen oder in der Postmoderne nur noch das Gehirn live auf dem MRT-Bildschirm zu beobachten, wird es zum geistigen Erwachsenwerden nun darum gehen, uns als Subjekte, als selbst-wahrnehmende und selbst-reflektierende Wesen zu betrachten. Also darum, zu einer Reflexion der Selbstreflexion zu finden. Das ist nicht neu. Wir finden in allen Bibliotheken dieser Welt unzählige Spuren von Einzelwesen, die in dem Sinne erwachsen wurden. Neu ist für uns nur, dass diese Art zu denken und nach Selbstverständnis zu suchen das Fundament einer ganzen Kultur und sogar der gesellschaftstragenden Systeme und Strukturen wird.

Das können wir uns kaum vorstellen: auch Regierungen und Behörden, zu deren Grundprinzipien Selbstreflexion und die Wertschätzung des einzelnen Menschen sowie der Menschlichkeit an sich zählen. Dazu, wie das geht und wie eine Gesellschaft dorthin kommt, gäbe es viel zu sagen, was jedoch an dieser Stelle zu weit führen würde. Die Andeutung soll für diesen Zweck hier genügen, um deutlich zu machen, dass wir jetzt planetenweit die synthetisierenden Fähigkeiten unseres Verstandes entdecken und als neuen Leuchtturm für Menschlichkeit und eine Kultur der menschlichen Entfaltung aufstellen werden.

3. Überwindung der Defizit-Philosophie

Eines der grundlegenden Probleme, die wir psychisch zu überwinden haben, um zumindest wieder ein gesundes Verhältnis zur Realität zu bekommen und umso mehr, um ein erwachsenes Verhältnis zur Realität zu bekommen, ist unsere tief eingegrabene motivationale und emotionale Abhängigkeit von Defiziten.

All unsere Systeme beruhen auf einer Mangel- und Fehler-Logik, mit der sie sich rechtfertigen. Allem voran ist dies in unseren wirtschaftlichen Dynamiken der Fall und da wir über die letzten 100 Jahre hinweg alle anderen Aspekte unserer Kultur und unseres Zusammenlebens der Logik des Kommerz und seinen Strukturen unterworfen haben, ist die Logik des Mangels Grundlage von allen Institutionen und unserem Handeln geworden. Händler und Verkäufer leben davon, dass andere etwas wollen, das ihnen fehlt. Die latente Hauptaufgabe einer Wirtschafts- und Konsumgesellschaft liegt also stets auf der konstanten Produktion von Mangel und Defiziten.

Die jüngeren Generationen sind in diesen Geist hinein geboren und in ihm aufgewachsen. Sie kennen keine Alternative mehr. Ihre fragwürdige, aber eifrige politische Einsatzbereitschaft beruht auf einem Weltbild, das jener Witz zusammenfasst, in dem ein Berater in ein Taxi steigt und dem Taxifahrer im Tonfall voller Selbstüberzeugung zuruft: „Es ist egal, wo Sie mich hinfahren, ich werde überall gebraucht!“

Für die jungen Engagierten heißt es dementsprechend: es ist egal, wofür oder wogegen ich demonstriere oder arbeite, um mich herum ist sowieso alles defekt, mangelhaft und brennend.

In der Defizit-Haltung werden wir nur durch Mängel motiviert. Es ist so, als würden wir uns nur bewegen, wenn wir Hunger oder Schmerzen hätten, ansonsten blieben wir teilnahmslos sitzen. Bei vielen Menschen ist das sogar schon wörtlich genau so.

Nun glauben die meisten Menschen, dass unser Gefühl von chronischem Mangel und wachsenden Defiziten uns von einem System eingeflößt wird, welches stetig künstlich Mangel erzeugt und uns mehr als alles andere immer wieder vor die Nase setzt. Dabei aber werden Symptom und Ursache verwechselt. Worauf sollte so ein System fußen, wenn nicht auf einer bereits bestehenden Defizit-Psychologie?

Nehmen wir ein Beispiel. In seiner Endphase nahm das BRD-Konstrukt von seinen Personalausweisinhabern in Wohnhaft im Schnitt über 70% ihrer erwirtschafteten Einnahmen als sogenannte „Steuern“ ab. Weit mehr als die Hälfte dieser abgeführten Steuern floss in dunkle Kanäle (wörtlich: in unsichtbare, unterirdische Parallelwelten), die mit uns Steuerzahlern nichts zu tun hatten, außer dass sie uns als Produktionssklaven benutzten. Diese enormen Schätze verschwanden einfach in die Taschen von Netzwerken, deren einzige Aufgabe darin bestand, uns in der Dauer-Arbeit und dafür im Dauer-Mangel zu halten. Nun will aber der Durchschnittssklave made in Germany nichts davon wissen, er lehnt ab, darüber auch nur nachzudenken. Warum? Nicht, weil es falsch oder unmöglich ist, sondern weil es ihm Angst macht. Und zwar nicht allein Angst vor diesem unsichtbaren mächtigen Gegner, obwohl diese Anmutung auch schon gruselig genug ist, wenn man anfängt darüber nachzudenken. Nein, es ist Angst vor der Erkenntnis, dass der sorgfältig gehegte und gepflegte Dauer-Mangel nur ein künstlicher ist und dass wir in Wirklichkeit in einer unfassbaren Fülle leben und sie stetig sogar noch vergrößern. Es ist die Angst vor Fülle und Überfluss.

Es ist diese Angst, die jene übergeordneten Regime hervorruft und stabilisiert, die ständig für Defizite oder zumindest für die chronische Empfindung von Defiziten sorgen. Das ist der eigentliche (psychologische) Grund dafür, dass unser Medizinsystem die Pharma-Gauner braucht und kein Heilungssystem sein darf, sondern ein Krankensystem sein muss, welches unter großen Anstrengungen ständig neue Krankheiten erfinden und vermehren muss. Das ist ein schwieriger Job, denn die Menschen sind immer robuster und findiger geworden, trotzdem zu leben und sogar älter zu werden. Das mit den offensichtlichen Frontenkriegen à la erster und zweiter Weltkrieg funktioniert schon länger nicht mehr. Selbst die permanente Verseuchung der Luft und des Wassers mit toxischen Chemikalien hat die Menschen nur noch mehr beflügelt, sich kleine Rettungsnischen zu suchen.

Auch das gesamte Bildungssystem haben wir umgestellt auf psychische und mentale Missbildung, auf erlernte Hilflosigkeit und Abhängigkeit, aber immer noch schaffen es einige, mit der Realität trotzdem zurecht zu kommen. Wir haben unsere gesamte Wissenschaft und Forschung auf Wissensabschaffung, Redundanz und Unsinn fokussiert, und dennoch gibt es immer wieder kluge Köpfe, die nach echtem Wissen suchen und es finden. Wir verschenken unser Geld bis auf den allerletzen lebensnotwendigen Rest an andere Länder, damit sie es sich davon gut gehen lassen können, wir erlassen ihnen alle Schulden für die Produkte, die wir für sie hergestellt aber nie bezahlt bekommen haben. Und dennoch sind wir wirtschaftlich immer noch das leistungsstärkste Land Europas, wenn nicht der ganzen Welt. Wir übersähen jeden unserer Unternehmer und jede unserer Firmen bis zu den größten Konzernen im Land so massig mit Gesetzen, Regulationen, Einschränkungen und den folgenden Klagen, Beschuldigungen und Geldstrafen, dass es unmöglich sein müsste, noch handlungsfähig zu sein. Trotzdem gab es weiterhin Unternehmenswachstum und Firmengründungen.

Mag sein, dass uns all diese Einschränkungen und Würgegriffe gegen unsere Produktivität und gegen unsere Kreativität lästig vorkommen. Auf einer tieferen Ebene aber sind wir ihnen dankbar, weil sie uns schützen. Wirklich Angst haben wir vor unserer eigenen Größe und der uns umgebenden Fülle. Es scheint uns nur trotz unseres Erfindungsreichtums und unserer Ausdauer nicht so recht zu gelingen, sie ein für allemal totzuschlagen.

Ich möchte aber nicht unfair sein. Wir Deutschen standen 2020 oder spätestens 2021 trotz all dieser Rückschläge doch endlich vor dem hart erarbeiteten Erfolg des ersehnten Totaldefizits. Wir müssen dafür zwar auch zugeben, dass wir Hilfe von außen benötigten, aber wir haben es auf diese Weise so gut wie geschafft, ein so großes Defizit zu erfinden und die Illusion von Schwäche, Krankheit und Ohnmacht so real erscheinen zu lassen, dass wir tatsächlich zusammengebrochen wären und uns als Volk endlich aus dem Weg geräumt hätten. An der Ziellinie wurden wir dann zwar gerettet und wiederbelebt, aber das Erreichte zählt und darf unanfechtbar als Erfolg angesehen werden: wir haben uns trotz aller realen Fülle und Kompetenz an den Rand des Verhungerns, des Ausblutens und der Lähmung gebracht. Wir haben es endlich geschafft, einen erfundenen Mangel zu einem realen Vakuum zu machen und darin unterzugehen. Wir haben es geschafft, uns eine nicht-existente Krankheit einzureden und uns dann mit einer Impfung gegen sie tatsächlich qualvoll zu töten. Das ist viel mehr als bloß ein schnöder Selbstmord. Das ist Kunst! Es ist die ultimative Meisterschaft des Märtyrers: als Opfer seiner eigenen Erfindungen zu sterben und es nicht einmal mehr zu verstehen, sondern in dem Glauben zu sterben, es wäre irgendetwas noch nicht genug gewesen, es hätte noch irgendwas gefehlt… Wird uns dafür eines Tages mal jemand bewundern? Werden wir eines Tages einmal stolz darauf sein?

So etwas können nur Menschen leisten, die gemeinsam und mit aller Kraft den Mangel hochhalten und sich an dem Glauben des Fehlens und der Leere festhalten. Das geht nur, wenn wir den Mangel brauchen und mehr brauchen als alles andere. Und wir brauchen ihn nur, solange wir abgrundtiefe, existenzielle Angst vor Fülle, vor unserer eigenen Fülle haben.

Eine kleine Nebenbemerkung dazu: was wäre irgendeine internationale Kabale, was wären die Satanisten oder 13 herrschsüchtige Blutlinien ohne die Angst der Deutschen vor sich selbst? Was wären sie ohne uns Deutsche mit unserem Hochleistungswahn der geistigen Selbstverstümmelung und Selbstbeschuldigung? Es hätte sie nie gegeben. Vor allem niemals mit so viel Macht und so zäh. Nicht nur ihre Technologie um uns zu unterwerfen, haben sie durch uns bekommen, nein, vor allem ihre essentielle Daseins-Struktur beruht auf der Spannung, die wir mit uns selbst haben. Die Fleischwerdung der Angst vor dem Menschsein und damit dem Großsein und In-Fülle-Sein ist primär ein Produkt des deutschen Geistes und taucht nur in der Folge ihrer Spaltung als unser Feind wieder auf. Warum? Halte dich fest: Weil wir ethno-evolutionär am nächsten dran sind. (Kleiner Selbsttest: wenn du diesen letzten Satz verstehst und über ihn empört bist, bist du zweifelsfrei deutsch). Wir hatten psychologisch verständliche Gründe, die Sache um ein paar Jahrhunderte hinauszuzögern. Germanophobie als Unterform der Megalophobie: die Angst vor der eigenen Größe. Aus Pudeln Teufel und aus harmlosen Reptilien eine Satansbrut zu machen, ist eine essentiell deutsche Handwerkskunst. Merke: man muss im Wesentlichen Engel sein, um gefallene Engel hervorzubringen.

Kehren wir aber zurück zu unserem Thema der Mangel-Sucht. Für die Defizit-programmierte Psyche, in der wir Deutschen Weltmeister par excellence sind, bedeutet die Erkenntnis von Fülle einen totalen Stillstand, denn damit würde jede bisherige Motivation, jede Identität als Gequälter, Leidender, Unterdrückter, Benachteiligter, Schuftender, ja Alltags-Märtyrer ihren Boden verlieren und sich auflösen. Wir würden unsere psychische Verankerung in all jenen langgeübten Zwangsvorstellungen verlieren, nach denen Reichtum verdient, hart erarbeitet, und erlitten werden muss, damit er überhaupt einen Wert haben darf. Wir müssten unsere Hoffnungen loslassen, dass wir uns irgendwann eine nahezu unerreichbare Existenzberechtigung doch noch erarbeitet haben würden und dann endlich (ein klein wenig, also nur ganz still für uns, damit es keiner sonst bemerkt) stolz sein dürften, weil wir die Frage nach dem Warum unseres Lebens endlich endgültig beiseite schieben können: mit einem Arbeitszeugnis, einem Rentenbescheid und einer schwerwiegenden Diagnose wegen Erschöpfung und chronischer Überlastung.

Mathematisch ausgedrückt: die Defizit-Psychologie kennt nur Minuszahlen und die daraus erwachsende skurrile Logik, dass kleine Zahlen besser sind als große. Die große Erlösungshoffnung ist die Null: einmal ohne Minus zu seien. Positive Zahlen sind etwas Unbekanntes, Bedrohliches. Sie stellen die gesamte Minus-Philosophie in Frage und lassen ihre Erfolge zerplatzen wie Seifenblasen.

Psychologisch formuliert ist dies eine Lebensphilosophie der Schuld und ihre Erlösungsfantasie ist die Schuldfreiheit, die dann jedoch auch gleichzeitig das Ende von allem markieren muss, denn das Land jenseits von Schuldzuständen ist fremd und angsteinflößend. Dort zählen die Tugenden des sich-Ab- und Herunterwirtschaftens nicht mehr, sondern werden als Störung und Verirrung betrachtet. Wer unter den Schuldnern der Größte ist, weil er sich zur Null hin geschuftet hat, der ist in der Welt der Habenden der Allerkleinste und nicht weiter als am Anfang. Und wer hält das schon aus: am Ende einer langen, erschöpfenden Reise keinen Schritt weiter zu sein als an der Startlinie? Das gilt es erst wieder zu lernen, weil wir sonst die Augen weiter verschlossen halten vor unserem eigenen Potenzial, das eben geistig ist, nicht materiell.

Unser Potential ist unsere Fülle und unermesslich. Erst wenn wir eine Philosophie und eine Psychologie der Fülle entwickelt haben und aushalten können, sind wir fähig, die weiten Räume unseres Geistes und unserer geistigen Fähigkeiten ohne Angst zu erkunden. Das ist der nächste notwendige Schritt der Menschheit. Und warum in diesem Teil der Geschichte ausgerechnet die Deutschen der Alte mit der Lampe sind und wegleuchtend voranzugehen haben, dazu kommen wir später noch.

4. Der Pfad der Enttäuschung

Die geistige Pubertät, in der wir als Menschheit jetzt stecken, hat ihr explosives Potenzial und auch Ihre Dringlichkeit über die letzten etwa 200 Jahre aufgebaut durch eine Ansammlung von Experimenten, die sich alle als Sackgassen herausstellten und herausstellen mussten. Was diese Experimente alle gemeinsam hatten war, dass sie von einem Intellekt ausgingen, der so fasziniert von Ideen war, dass er dabei den Realitätskontakt und den empirischen Bezug verlor. Diese Dynamik hat uns bis an den Rand der Selbstvernichtung gebracht.

Es sind vor allem zwei fundamentale Enttäuschungen und Frustrationen, die wir erleben mussten, um reif für den qualitativen Sprung zu werden, der jetzt ansteht. Erstens war es die Enttäuschung nach allen sozialen Experimenten, die alle mit selbstverliebten, einseitigen Pseudophilosophien begannen, zu verbohrten Ideologien wurden und schließlich in übergroßen sozialen Katastrophen endeten. Das sind vor allem alle sozialistischen Experimente inklusive ihrer faschistischen und der modernen Konsumwirtschafts-Varianten.

Die zweite große Enttäuschung steht uns in ihrer vollen Implosionskraft noch bevor. Sie wird demnächst, d.h. wahrscheinlich innerhalb der nächsten 10 Jahre eintreten, wenn die letzten Hoffnungen platzen, die wir auf alles Technologische gesetzt haben. Das Ergebnis dieser verzweifelt angetriebenen und immer wieder aufgepeitschten, mittlerweile blinden Hoffnungs-Investition ist seit einigen Jahrzehnten schon überdeutlich erkennbar in der vollkommenen Unterwerfung des Menschen unter die Technik und ihre Wachstumsdynamik. Dadurch entstand ein soziologisches Mega-Problem, das gewöhnlich euphemistisch als „Fortschritt“ abstrahiert und bagatellisiert wird. Es besteht darin, dass seit langem schon die alltäglichsten Technologien weitaus intelligenter sind als 80% der Bevölkerung. Sie werden nur noch von sehr wenigen beherrscht und können nur von noch viel wenigeren durchschaut, verändert und konstruiert werden. Wir haben uns eine Welt mit einem Komplexitätsgrad erschaffen, die nur noch von Experten überschaut werden kann. Und in dieser Welt sollen die Menschen leben können? Und glücklich werden?

Kurz: in der großen Masse haben die Menschen der modernen Hochtechnologie ihres Alltags nichts mehr entgegenzusetzen und werden deshalb von ihr gesteuert und beherrscht. Wir stehen jetzt, am Anfangt des dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts kurz vor der allgemeinen Erkenntnis, dass Technologie uns nicht retten und uns bei dem, was wir am meisten benötigen, nicht helfen kann.

Damit nun aber aus der Enttäuschung keine depressive Lähmung, sondern ein Wachstumsschritt entstehen kann, müssen wir durch den Schmerz der Desillusionierung und des Verlustes alter Hoffnungen hindurch ohne uns neuen betäubenden Ausflüchten oder Ersatzlösungen zuzuwenden. Wir sollten uns dem Original-Bedürfnis zuwenden.

Die Lösung besteht – wie immer in transformationalen Entwicklungsprozessen – darin, sich vom Problem zu lösen. Wenn wir den regressiven Wunsch nach Verschmelzung, Selbstauflösung, Entlastung und Verantwortungsabnahme hinter all den kollektivistischen Sozialexperimenten erkennen und den ebenso regressiven Wunsch nach Automatisierung und Mechanisierung des Lebens, dann können wir erkennen, wohin uns die Fanatismen führen, in die wir durch solche Tendenzen hypnotisiert werden. Sie beide beruhen auf Selbstvergessenheit und Bequemlichkeit.

Die herauslösende Frage aus all diesen entwicklungsretardierenden Geschäftigkeiten ist: Was wollen wir? Wo wollen wir hin? Diese Fragen fordern, dass wir uns unserer ganzen gegebenen Natur erinnern und uns nicht auf eine infantile und geistlose Neigung reduzieren lassen. Keine der genannten Großprojekte des Intellekts aus den letzten zwei Jahrhunderten, weder die sozialistischen Volks-Vergewaltigungen noch die Technologie-Hypnose können eine Antwort auf die Frage nach unserem eigentlichen Ziel und unserer eigentlichen Erfüllung geben. Sie helfen uns allerdings, zu erkennen, was nicht funktioniert und wie wir uns durch den Missbrauch eines einseitigen Intellekts in Gefahr bringen können. Deshalb die so wichtigen Ent-täuschungen, die uns erkennen lassen, dass wir uns in uns selbst geirrt haben: der Mensch ist und braucht mehr, als wir uns die letzten 150 Jahre versucht haben einzureden. Jetzt beginnen wir, uns besser zu verstehen.

Aus der Perspektive von „Was wollen wir (als Menschen)?“ können wir dann auch sehen, dass in beiden Jahrhundert-Enttäuschungen Werkzeuge für unsere Zukunft liegen: zum einen die Notwendigkeit, das Zusammenleben der Menschen und die Institutionen, die es dafür braucht, so zu formen, dass sie dem Einzelnen dienen (individualistisch statt kollektivistisch) und dass wir dafür auf Hochtechnologie angewiesen sind. Nicht die Werkzeuge müssen sich ändern, sondern die Quelle und Ausrichtung unserer Intentionen, was wir mit ihnen vorhaben. Die Kombination von psycho-sozialer Ingenieurskunst und Hochtechnologie kann uns dann zu etwas Neuem bringen, auf das wir später noch genauer eingehen werden: die Kunst der sozialen Gestaltung.

5. Sein oder nicht sein – Entwicklung eines antifragilen Ichs

Wir haben nun also schon auf mehrfache Weise gesehen, dass der Prozess des Erwachsenwerdens in aller erster Linie die Frage nach sich selbst auf den Plan ruft und einfordert. Die grundsätzliche peri-pubertäre Frage, auf die wir dann irgendwann stoßen müssen, ist: „Sein oder nicht sein?“.

Jener Autor, der sich als Shakespeare ausgab, war noch relativ jung, als er ein ganzes Stück zu dem Thema schrieb, in dem es um die Anfänge des Erwachsenwerdens geht. Solange wir uns diese Frage nicht stellen, lautet die Antwort „nicht sein“. „Sein“ bedeutet da sein, angekommen sein, wach sein. Dafür muss es ein Bewusstsein geben, indem sich die Äußerungen und Wellenschläge des Daseins reflektieren können, sonst kommen wir in unserem eigenen Leben auf der Ebene von Bewusstsein gar nicht vor.

Bewusst werden wir uns unserer selbst zunächst erstmal nur durch das Beobachten der Effekte, die wir auf andere und die Welt haben, durch Resonanz und Spiegelung. Soweit reicht das reife kindliche Selbstbewusstsein, mit dem wir uns als Jemand über das wahrnehmen, was wir bewirken.

Erwachsenes Bewusstsein geht darüber hinaus, indem es auch den inneren Erlebenden unabhängig von den Effekten und Echos aus der Außenwelt wahrnimmt und zunehmend repräsentieren kann. Damit wird unsere Identität jedoch auch zunehmend ins Geistige verlagert und löst sich mehr und mehr vom Körperlichen und Materiellen ab. Unser Ich-Gefühl basiert dann nicht mehr auf der Interaktion zwischen uns und der Welt, sondern allein auf dem, was wir in uns wahrnehmen, auf einem inneren Dialog, der uns mehr und mehr das Gewahrsein unseres inneren psychischen Raumes erlaubt. Wir können uns dann selbst als wahrnehmende, fühlende, denkende Wesen erleben unabhängig von der Qualität und der Intensität der Reaktionen, die wir von außen bekommen. Nur dadurch entsteht Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Aus diesem inneren Dialog heraus können wir ganz anders schöpferisch tätig werden als es ein Kind kann, das aus den Einflüssen der Welt und aus der Auseinandersetzung mit ihr produktiv ist. Mit einer geistigen Identität können wir uns selbst und etwas aus uns heraus der Welt gegenüberstellen. Diese Gegenüberstellung ist also mit einer Ablösung und somit mit einer Trennung, einer Separation verbunden. Wie bei der Trennung von der Nabelschnur und damit vom Körper der Mutter nach der Geburt, trennen wir uns von der Seins-Abhängigkeit von der physischen Welt im Laufe der geistigen Geburt zum Erwachsenen. Diese Ablösung vollzieht sich nicht durch eine Erkenntnis oder eine Erfahrung, sondern durch eine langwierige Festigung des Gewahrseins des eigenen Innenlebens unter immer schwierigeren Bedingungen bis hin zur unabhängigen Selbst-Ständigkeit dieses Bewusstseins.

Vor dem Beginn dieses Ablöseprozesses des Ichs von der physischen Welt, ist dieser Zustand nicht vorstellbar und wirkt ausschließlich bedrohlich. Denn wir können uns im Zustand der kindlichen Ich-Identifikation ein Ich ohne Körper nicht vorstellen und imaginieren diesen Übergang als Tod und Selbstauflösung. Daher führt eine zu frühe oder zu schnelle Konfrontation mit solchen ablösenden Kräften zu Angst- und Schutzreaktionen, zu Kontraktionen, die die Ich-Grenzen noch enger im Körper zusammenziehen.

Menschen, die die Pforten einer körperfreien Ich-Wahrnehmung mit Drogen gewaltsam öffnen, können davon berichten, welch enormen Angst- und Panik-Zuständen sie dabei und in Folge ausgeliefert sein können. Dauerhafter Missbrauch psychoaktiver Substanzen kann dabei zu irreparablen Schäden und chronischen Angst- und Paranoia-Zuständen führen. Dazu braucht es jedoch nicht unbedingt Drogen. Jede Form der überwältigenden Flutung unseres Bewusstseins mit Reizen oder Informationen führt, wenn wir nicht gelernt haben, damit absichtlich umzugehen, zu einer reaktiven Kontraktion, um unser Ich-Bewusstsein im Körper fest zu halten, weil wir sonst unsere Identität und Orientierung verlieren würden. Diese Kontraktion wiederum löst Gefühle und Zustände der Angst aus, weil sie – als Nebenwirkung – auch den Fluss von Lebensenergie, von Impulsen einengt oder sogar abschnürt. Unser Ich-Gefühl kann so auf Kosten unserer Lebendigkeit gerettet werden. Manche Menschen haben allein deshalb nur noch so wenig Lebendigkeit in sich, sie sind körperlich, emotional, gestisch, mimisch, gedanklich und sozial starr und unbeweglich geworden. Sie wirken hart und zerbrechlich gleichzeitig. Ihr Ich ist deshalb sehr klein, weil es mit sehr wenig Sauerstoff und anderen Impulsen leben muss. Dann haben wir es mit einem gestörten Kind-Ich zu tun.

Die erste Voraussetzung für das Erwachsenwerden, überhaupt für eine Annäherung an den Prozess der Pubertät, ist jedoch, dass das Ich ausreichend Spannweite, Beweglichkeit und Lebendigkeit hat. Das ist der Grund, warum sich nur sehr wenige Menschen für das Erwachsenwerden interessieren und die meisten Menschen (und manche „Therapien“) sich ansonsten erschöpfend in Ich-Polsterungen und Ich-Prothesen investieren, die einen bestimmten Kindheitszustand nur schützen und fixieren können.

Die Erfahrung der Pubertät als Reifungsprozess ist, dass das Ich stärker wird, je mehr es geschüttelt und gerüttelt wird. Es wächst nur an der Herausforderung und daran, dass es sie übersteht. Taleb nannte diese Eigenschaft Antifragilität, was insofern nicht wirklich kennzeichnend ist, als dass es nur eine Facette, eher das Resultat dieser besonderen Charakteristik bezeichnet. Man könnte diese Wesenseigenschaft besser Akkomodität nennen, aber vielleicht fällt jemandem noch eine besserer Begriff ein. Akkomodität wäre die Eigenschaft, Erschütterungen zum eigenen Wachstum nicht nur benutzen zu können, sondern sogar zu benötigen, weil nur durch sie ein Prozess des inneren Akkommodierens, also der Anpassung und des Lernens stattfinden kann. Nur so wäre eine Wachstum von Kompetenzen in Richtung Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Robustheit möglich. Im Alltagssprachgebrauch: Was nicht tötet, härtet ab. Das gilt vor allem für alles, was lebt. Für Porzellanvasen und andere Gerätschaften gilt dies nicht. Künstliche Intelligenzsysteme könnten eine erste technologische, nicht-lebende Annäherung sein (solange man die Hardware nicht fallen lässt).

In Bezug auf den Wachstumsprozess des Ich und seine notwendigen Erschütterungen und Herausforderungen geht es dabei zunächst erst mal gar nicht um Erfolg und Wirkungsstärke, sondern um Besinnung auf das Wesentliche. Das Ich-Bewusstsein muss sozusagen hervorgeschüttelt und ‑gerüttelt werden, so dass es sich mit der Zeit aus immer mehr Überflüssigem, Angeklebtem, Fremdem und Prothetischem herauslösen kann. Dafür sind Misserfolge, Irrtümer und Niederlagen sehr viel wirkungsvoller – vorausgesetzt dass sie verarbeitet werden können und dadurch in der Folge das Bewusstsein des Eigenen, des festen und beständigen Unabhängigen stärken.

Aus diesem Grund bleiben Menschen, die sehr früh schon viele äußere Erfolge, Anerkennung und schnelle Aufstiege erlebt haben, meist psychisch ziemlich fragil und kindlich abhängig (von Publikum, Anerkennung, Anstellung, Belohnung, Drogen etc.), während sogenannte „Spätzünder“ oder solche, die sich ihre Erfolge hart erkämpfen mussten, viel robuster und eigenständiger in ihren Ich-Definitionen werden. Zu frühe, zu viel und vor allem zu sehr außengestützte Erfolge sind daher eine sehr ernste Bedrohung des Erwachsenwerdens.

Wenn man einmal erwachsen ist, dann spielen sogenannte „Erfolge“ diesbezüglich keine Rolle mehr bzw. wird Erfolg ganz anders definiert, so dass er mit Geschehnissen in der Außenwelt kaum noch korrespondiert.

Ein Mentor, der einen Prozess des Erwachsenwerdens begleitet, muss also vor allem auch die schwierige Aufgabe bewältigen, seinen Schützling vor Erfolg zu bewahren. Aus der Sicht des Anerkennung-suchenden Kindes mag das gemein erscheinen, was es für ein Kind auch ist. Die Logik gilt eben nur für den Übergang in eine höhere Reife- und Unabhängigkeitsstufe.

Auf die weltweit kumulierten menschlichen Misserfolge und Erschütterungen der letzten Jahrzehnte, gekrönt vom großen Absturz- und Desillusionierungs-Programm von Frühjahr 2020 bis Frühjahr 2021 muss hier nicht näher eingegangen werden. Es dürfte offensichtlich sein, dass wir diese Vorbedingungen für einen geistig elementaren Wachstumsschritt vollumfänglich erfüllen. Die Ärmsten werden die Reichsten sein und durchs Nadelöhr kommt man nur, wenn man vorher viele Illusionspolster abgespeckt hat.

6. Schmerz als Geburtshelfer

Aus den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, dass die Pubertät als Prozess des Erwachsenwerdens einem Geburtsprozess gleichkommt. Es ist kein additiver Erweiterungsvorgang, wie er im Biologiebuch steht, und auch mehr als eine Neusortierung, wie die Entwicklungspsychologie es uns darstellt, sondern die Herauskehrung eines neuen Bewusstseins, einer neuen Identität.

Jede Geburt ist mit Schmerz verbunden. Denn Entwicklung im Sinne von Genesis, von Werdung, kann nur mit Schmerz geschehen und nur mit Schmerz vollständig sein. Jedes Neu- und Anders-Werden ist eine Geburt, die mit Schmerz verbunden ist.

Wir müssen uns für das richtige Begreifen dieses Schmerzes und seiner Notwendigkeit mit seiner Bedeutung auseinandersetzen, um ihn nicht gewohnheitsmäßig in die Schublade von lästigem Leid und störendem Unbehagen einzusortieren, mit welchen wir dann gleich vermeidend und verneinend verfahren wollen.

Schmerz ist ein geistiges Phänomen. Oder besser gesagt ein Phänomen, das nur an der Schnittstelle zwischen Geistigem und Körperlichem entstehen kann. Das Geistige – Information, Idee, Ideal – ist zeitlos. Wenn es sich aber verwirklichen, also geboren werden will, dann muss es seine Zeitlosigkeit aufgeben und sich reduzieren auf etwas, das nur in der Zeit, also Stück-für-Stück, also fragmentarisch erfahrbar ist. Ansonsten wäre es gar nicht erfahrbar. Und an dieser Umwandlungsfläche zwischen Ideal-Geistigem und materiell-Körperlichem können auf zwei Weisen Schmerz entstehen: einmal in der Formwerdung, Fleischwerdung, Geburt oder in der Abweichung, Störung, Verletzung.
Das heißt, wir erleben Schmerz in zwei Momenten unseres Lebens: immer da, wo etwas neu geboren wird – ein Mensch, eine neue Idee, eine Einsicht, eine Erkenntnis oder eine neue Identität – und immer da, wo wir nicht intakt und unversehrt sind – körperlich, emotional, intellektuell, moralisch oder sozial. Ohne den Schmerz des letzteren Moments gäbe es keine Heilung, denn erst der Schmerz zieht unser Bewusstsein zu der Stelle, an der es gebraucht wird. Und dieses Bewusstsein zieht dann Energien, heilende Kräfte und helfende Impulse nach sich oder zu sich.

Nur die durch Schmerz herbeigeholte Aufmerksamkeit kann eine Brücke zwischen der gesunden Idee (als einer Art Blaupause) und der körperlichen oder psychischen Heilung herstellen. Schmerz ist somit der Magnet für die vermittelnden und heilenden Kräfte. Jeder gute Arzt und Therapeut sollte in erster Linie diese vermittelnden Kräfte unterstützen und dafür das Schmerzerleben nutzen – statt dagegen anzugehen. Der Arzt oder Therapeut selbst sollte auch nur Vermittler sein zwischen dem Gestörten, Schmerzenden, also Unheilen und der eigenen ursprünglichen Wesensinformation von Ganzheit und Intaktheit, die dahinter stecken und nur durch den Schmerz auffindbar sind. Die Heilungsinformation bzw. das Heilungsziel steckt im Schmerz. Von außen ist Intaktheit nämlich niemals herstellbar, sondern höchstens ersetzbar oder betäubbar.

Mit den Prozessen der Geburt verhält es sich ganz ähnlich. Auch in ihnen hat der Schmerz die Aufgabe, das Bewusstsein an einen physischen Vorgang zu binden. Es ist jedoch nicht der Vorgang der Reintegration und Heilung, sondern der Herauslösung und somit Trennung. Gebären bedeutet ja immer, etwas aus sich herausholen, herauslassen, herausstellen, das dann für sich steht und eben keinen Teil des eigenen mehr bildet. Die besondere geistige Wachheit, derer es dabei bedarf, dient also auch der Integrität, nämlich dem Erhalt der eigenen Vollständigkeit im Ablöseprozess.

Der Bezug einer Mutter zu ihrem Neugeborenen ist sehr erschwert, wenn sie die Geburt nicht miterleben konnte, denn ihrem Bewusstsein fehlt die konkrete Erfahrung der Herauslösung und des In-die-Welt-Gebens von etwas, das ja bisher Teil ihres Selbstempfindens – zumindest körperlich – war. Die Narkose von Schmerz bedeutet dann nichts anderes, als die Wahrnehmung des Herauslöse-Vorgangs zu unterbrechen. Es ist nicht möglich, diese Wahrnehmung ohne einen Schmerz zu erhalten, weil das Gebären, also das Herausgeben und Von-sich-Ablösen etwas an sich Schmerzhaftes ist.

Ich-Werdung ist in der pubertären Übergangsphase vom körperbezogenen zum geistbezogenen Ich-Bewusstsein ein Geburtsprozess. Also ein Herauslöse- und Ablöse-Prozess. Das Seltsame ist nur, dass wir sowohl Gebärende als auch Geborene, erst das eine und dann das andere, sind. In diesem Wechsel sorgt der Schmerz dafür, dass trotz dieser umwälzenden Transformation und Umstülpung die eigene Integrität nicht verloren geht. Die Intaktheit des Wesentlichen in uns bleibt nicht nur erhalten durch jene Wachheit, die vom Schmerz erzeugt wird, sie wird durch sie auch fester und sicherer.

Natürlich funktioniert dies immer nur, solange der Schmerz noch auszuhalten ist. Ein Übermaß an Schmerz stoppt den Prozess, weil es die Zusammenarbeit von Gewahrsein und Umwandlungsprozess stört oder sogar unterbricht. Dann schützt sich unser Ich-Bewusstsein durch einen dissoziativen Rückzug vom Geschehen und kapselt sich in einer Distanzierung ein. Die Kunst der pubertären Geburtshilfe besteht also wie jede Hebammenkunst auch darin, den Schmerz über die Zeit hinweg in Portionen aufzuteilen, die zu verkraften sind und dadurch Ich-kräftigend wirken.

Großer Schmerz bedeutet eine große Geburt, also eine große Ablösung, und erfordert eine größere Streckung in der Zeit, um nicht traumatisierend zu sein.

Die Schmerzen, die der Menschheit und den meisten Menschen noch bevorstehen in diesem Prozess der Neugeburt unseres Selbstverständnisses und der Kultur, in der wir leben wollen, werden immens sein. Das liegt daran, dass wir die bisherigen Schwangerschaftsanzeichen und schon lange ankündigenden Wehen hochgradig wegnarkotisiert haben. Wir erleben also zwei Dinge gleichzeitig: ein Aufwachen aus der Narkose während eines schon fortgeschrittenen Geburtsprozesses.

Die Schmerzen, die dabei – endlich – freigesetzt werden, holen unser Selbst-, Kultur- und Welt-Bewusstsein aus dem abgedrifteten ideologischen Nebel in das physische Hiersein zurück – ein Vorgang, der geradezu klinisch und existenziell notwendig geworden ist. Es wird keine der gewohnten Narkosen geben, nur eine spärliche Pufferung des Aufpralls in der Realität dadurch, dass genug Menschen, die Landung vorbereitet haben und am Boden auf den Großteil der anderen, der Fallenden warten. Die neuen Betten werden gemacht sein und die Neuankömmlinge werden staunen, wie schön es sein kann, als Mensch in der Welt zu sein.

Pubertät ist eine großartige Sache, wenn man auf der anderen Seite der Schwelle angekommen ist.

Wachsen oder Erwachsen-werden?

Was hier für die Menschheit als Übergang und Pubertät beschrieben wurde, gilt nicht für alle Menschen. Das Great Awakening ist nur für sehr wenige ein Erwachen. Für die meisten ist es nur ein Aufwachen. Die Erweckung findet für alle statt, aber die Reaktionen sind unterschiedlich.

Was sind die Unterschiede? Erwachen findet von innen statt, während Aufwachen von außen ausgelöst werden kann. Erwachen beschreibt den Prozess einer Entwicklung von innen nach außen, genauer genommen einer Umstülpung von innen nach außen und von außen nach innen gleichzeitig, so wie das Er-wachsen, das Er-fahren oder Er-kennen immer ein Vorgang innerer Bewegung ist, die sich nach außen durchsetzt.

Das sogenannte „Aufwachen“ der Menschen ist eigentlich eine Desillusionierung. Ein großer Teil massiver Lügen über die Welt wird entlarvt und dadurch unhaltbar. Trotz aller Schutzmechanismen und psychischer Widerstände erreichen die Informationen über die richtigen Tatsachen und Zusammenhänge das Denken der Menschen und ersetzen ihr bisheriges Weltbild durch ein neues. Wohlgemerkt: sie ersetzen ihr Weltbild, nicht ihr Selbstbild!

Den pubertären Prozess, der in diesem Artikel skizziert wird, erleben nur jene, deren Selbstbild sich ändert. Für den geistig Erwachsenen ist das Innenleben bedeutender und maßgeblicher als äußere Erscheinungen. Erwachsenwerden ist auch in diesem Sinne eine Umstülpung: die Richtung der Aufmerksamkeit und des Wirkens wird umgedreht: während die Aufmerksamkeit des Kindes von Äußerem bestimmt wird und es von äußeren Eindrücken und Bedingungen geprägt und geformt wird, ist der erwachsene Geist jener, der seine Aufmerksamkeit immer wieder nach innen auf sich selbst richtet und von dort, von innen aus auf die Welt und die Bedingungen um ihn herum schaut und einwirkt.

Das Great Awakening ist politisch betrachtet eine Machtergreifung und Durchsetzung der geistig Erwachsenen. Sie legen die Grundbausteine für eine Kultur, die auf der Ausrichtung auf menschliches Erwachsenwerden beruht. Damit wird über längere Zeiträume hin zumindest die Wahrscheinlichkeit für diese Bewusstwerdungsprozesse für jeden Einzelnen erhöht. Auf jeden Fall wird dadurch der Einfluss degenerierter und anti-geistiger Kräfte extrem reduziert und vielleicht sogar vollständig unterbunden.

Als Nächstes wollen wir noch einen Blick darauf werfen, inwiefern gerade den Deutschen in diesem Prozess eine besondere Rolle zukommen könnte.

Friedenstechnik made by Germans

Es mag widersprüchlich aussehen, dass ausgerechnet die Deutschen, die sich mehr als alle anderen in ihren Illusionen, ihren kindischen Realitätsverweigerungen und ihren bejammernswerten Regressionen verbuddeln, diejenigen sein sollen, die die Speerspitze der Menschheitsentwicklung und ihres nächsten Entwicklungssprungs bilden. Die Deutschen und unter ihnen in erster Linie die sogenannten Akademiker, Denker und Künstler, werden vermutlich die letzten sein, die verstehen, was hier vor sich geht und welche Dimensionen es einnimmt. Aber wenn sie es verstehen, dann werden sie den großen Wandel an- weiter- und höher hinaus führen können. Die Letzten werden die Ersten sein: hier wirkt dann wieder das Gesetz der Umstülpung.

Wir können uns das am besten wie einen Teenager vorstellen, der eigentlich schon Selbstverantwortung übernehmen könnte, der alles hat, was er dafür bräuchte, und der zumindest auch schon ahnt, dass das sein nächster Schritt ist. Und was tut er? Er zieht sich die Decke über den Kopf und möchte sich bei Mama einkuscheln. Er zieht sich einen Joint rein, macht blau und blättert in Kinderbüchern oder spielt Computerspiele für Kinder ab 10. Oder er wird ein Streber, lernt sich die Birne heiß, will nur noch die besten Noten und setzt sich die ehrgeizigsten Ziele, um Mama und Papa zu beeindrucken oder noch besser die ganze Welt, von der er sich all die Anerkennung holen will, die er selbst für sich nicht aufzubringen wagt. Das ist auch eine Form des Zuhause-Bleibens, des Kind-Bleibens.

Historisch und in größeren Entwicklungszyklen gedacht dürfte das so ziemlich die Situation der Deutschen beschreiben. Es ist die zaudernde Verzögerungs-Taktik à la Hamlet. Es wurde schon häufiger herausgestellt, dass Hamlet das deutscheste von Shakespeares Stücken ist. Noch wahrscheinlicher ist, dass es einfach den „deutschen“ Anteil im Menschen an sich deutlich macht. Gemütlichkeit, Saumseligkeit und Selbstvergessenheit liegen nah beieinander und ganz sicher alle in der Hosentasche des Michels.

An dieser Stelle taucht bei manchen Zeitgenossen – und tatsächlich fast nur bei deutschen – eine Art kontraphobischer Reflex auf und sie rufen sich selbst und andere plötzlich auf, auf die Barrikaden zu gehen und Feuer und Flamme zu spucken. Diese aufgedrehten Durchsagen verklingen zum Glück ohne große Reaktionen im Schlafsaal, auch wenn sie extra aus Übersee importiert und auf Amerikanisch durchgegeben werden. Die emotionalisierten Appelle zur Befreiung und Revolution made in Germany können nicht funktionieren aus drei Gründen: erstens, sie bleiben viel zu allgemein und metaphorisch. Sie sagen nie, wer denn nun was und wie tun soll. Zweitens, sie entsprechen nicht dem deutschen Geist, der überhaupt kein Revolutions-Gen hat, sondern nur zur Besinnung gerufen werden kann (echte Deutschland-Forscher oder -Kenner aus den USA sollten dies auch wissen). Und drittens: wir können nichts tun, weil wir seit 100 Jahren narkotisiert sind und nun erst ganz langsam in unserem dornenverwachsenen und verstaubten Schloss aufwachen in einer Welt, in der Alleingänge von irgendwem oder irgendeinem Volk schlichtweg systemisch gar nicht mehr möglich sind.

Willkommen in der Quanten-Welt der Vernetzung! Haben Sie gut geschlafen? Wir haben Ihnen schon einen Kaffee gerichtet und hier sind die Zeitungen des aktuellen Jahrhunderts: wir haben ein Quanten-Finanzsystem, Quanten-Medizin, ein Quanten-Internet und unsere Computer bemerken, wenn Sie nicht im Einklang mit sich sind. Können wir sonst noch etwas für Sie tun?

Wir schaffen das – aber nicht allein

Also, zu der Idee, dass „wir es alleine schaffen müssen“, dass „wir Deutschen uns aus eigener Kraft befreien müssen“ ist zu sagen: dieses „müssen“, in dem auf alttestamentarische Art und Weise Prophet, Erzieher, Volksfreund, Anführer und Retter gleichzeitig ertönen, bewegt hier im Aufwachraum niemanden.

Das zweite K.-o.-Kriterium für solche Ansagen ist jedoch noch viel wichtiger: die Zeit von „allein“ ist längst vorbei. Und für uns Deutsche sogar doppelt: denn es entspricht überhaupt nicht und entsprach auch nie unserem Wesen, etwas in der physischen Welt alleine zu verwirklichen. Das letzte Mal, das wir dieser irren Idee und dem Schreihals ihrer Programmatik in blindem Wahn folgten, führte zur größten und anhaltendsten Traumatisierung unserer Geschichte.

Also, aufgepasst! Die Wortführer, die die Deutschen zum Aufstehen oder Aufstand auffordern, kommen gern aus dem Ausland herbei, werden von Mächten finanziert und geschickt, die im Dunklen bleiben, und haben die Aufgabe, uns zu verführen. Führung wäre etwas gänzlich anderes, die gab und gibt es in Deutschland tatsächlich und wir brauchen keine Angst vor ihr zu haben. Dazu kommen wir nachher noch.

Als wesensartig geistiges und intellektuelles Volk sind wir in der Welt alleine hilflos, hilfloser als vielleicht irgendein anderes Volk auf der Erde. Aber unsere Ideen sind, wenn andere uns bei ihrer Umsetzung helfen, die mächtigsten der Welt. „Made in Germany“ heißt vor allem: mit deutscher Sorgfalt und deutschem Weitblick gemacht. Sorgfalt und Weitblick sind Aspekte einer geistigen Haltung und damit etwas qualitativ ganz anderes als Fleiß, Ausdauer oder Vorsicht (für die eine emotionale Motivation ausreicht).

Wir können auch Waffen erfinden, die alle anderen Waffen der Welt in den Schatten stellen. Aber für ihre Anwendung sind wir nicht die richtigen. Deshalb sollten wir sehr umsichtig sein, wem wir sie geben.

Die Menschheitsgeschichte ist schon lange kein Solo-Stück mehr und es geht insgesamt nicht weiter, wenn auch nur einer nicht mitmacht und sich quer stellt. Eine bekannte Kuh-Weisheit: Wenn einer nicht mitgeht, gehen alle nicht mit. Eine Deutschland-relevante Variation davon lautet: wenn einer quer denkt, dann denkt keiner mehr weiter.

Die Amerikaner haben das alles mit ihrem Pragmatismus schon verstanden und rempeln uns immer heftiger an, dass wir mal zu Potte kommen: Hey, Michel, aufwachen! Unsere westlichen Europa-Freunde sind noch zu desorientiert, aber ohne deutliche Ordnung werden sie keinen eigenen Schritt nach vorne machen, sondern nur immer unruhiger mit den Hufen scharren. Wo ist der Ordnungsmacher? Bruder Michel, schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken im Süden, im Westen, im Osten, im Norden? Ding-dong-ding-dong!

Deutlich heißt deutsch. Und umgekehrt. Wer aber weckt den Michel? Wenn der Michel aufwacht und deutlich, also deutsch wird, d.h. gott-zugehörig oder gott-zugewandt (Lat. deus = Gott), dann wird er Michael. Und wenn der Michael sein Schwert wiederfindet oder seine Lanze, dann kommt der Drache an die Leine oder: Kopf ab!

Auch im Osten von Mittelerde wissen unsere Brüder und Schwestern schon lange Bescheid und schütteln den Kopf über den verpennten Schlafmichel. Auch sie kommen mit ihrer Herzenswärme und ihrem Gefühl für Ganzheit alleine nicht weiter. Immerhin haben sie sich mit den draufgängerischen Männern der Tat jenseits des Atlantiks zusammen getan. Den Sprung nach vorne aber kann nur der deutliche Michael machen. „Nach vorne“ heißt: in eine geistige Steuerung, die die Tatkraft des Auswanderer-Westens und die intuitive Herzlichkeit des traditionsbewussten Ostens zu einem neuen Ganzen vereint und ihm ein umfassendes geistiges Dach gibt.

Natürlich wollen alle Frieden. Aber es reicht dafür nicht, Stolz und Waffen zu haben, und es reicht auch nicht, friedlich bis zur Selbstaufopferung zu sein und sich damit weiter zu verschanzen. Frieden muss gebaut, organisiert und strukturiert werden. Er muss explizit und institutionalisiert werden. Das ruft doch nach deutschen Ingenieuren, oder? Wie wäre es mit deutschen Friedensarchitekten? Frieden made in Germany. Frieden als deutscher Kultur-Exportschlager! Dann braucht es irgendwann auch keine waffenstrotzende Mega-Weltpolizei mehr und die herzenstreuen Slawen und die findigen Asiaten können aus ihrer Verbarrikadierung hervorkommen.

Der strahlende Exportschlager aus Mittelerde wird etwas sein, was es bisher nur in einzelnen Menschen, einzelnen Familien und dieser oder jenen kleinen Gemeinschaft gab: Bewusstsein für die Kräfte im Menschen, die Frieden schaffen (Michael, der Engel) und gleichzeitg Bewusstsein für die Gegenkräfte (der Drache). Um dieses doppelseitige Bewusstsein zu schaffen, braucht es eine Kultur, die es aufbaut und erhält. Und eine solche Kultur kann nur durch das klare, deutliche Wort erschaffen werden, das aus dem Verstehen kommt.

Am Anfang war das Wort… und das Wort haben jetzt: die Deutschen… Möchten Sie etwas sagen? Das Publikum hat schon gewartet…

Friedenserhaltende Kräfte bestehen nicht bloß aus einer ehrlichen Sehnsucht und herzvollem Hoffen, sondern aus Fähigkeiten, die geübt werden müssen. Und das neue Übungsprogramm für die Menschheit braucht gute Anleitungen und Vorgaben. Ich bin überzeugt, dass dieses Programm nur unter federführender Mitwirkung der Deutschen, genauer gesagt des deutschen Geistes entstehen kann.

(Nebenbemerkung und Denksport-Nuss zum Selber-Knacken: die Parallelen dieser Erkenntnisse zu verdrehten Parolen à la „Mein Kampf“ bedeutet nicht, dass hier ein Adolf oder Nationalzionist mitgeschrieben hat, sondern vielmehr, dass korrupte Geheimdienste für ihre diesbezüglichen Produktionen informiert und raffiniert genug waren, diese wesenhafte Aufgabe des deutschen Geistes für ihre psycho-manipulative Propaganda gegen die Deutschen und zu ihrem Selbsthass und zu ihrer Vernichtung zu pervertieren. Wer bei Begriffen wie „deutscher Geist“ in Verbindung mit Weltbedeutung heute noch in Angstschweiß ausbricht, der ist der lebende Beweis dafür, wie raffiniert und wirksam diese Psychoprogrammierung funktioniert hat. Der Ausweg findet wie immer über das selbständige und kritische Reflektieren statt, welches auch unter Angstschweiß durchaus möglich ist.)

Der anglo-amerikanische Pragmatismus und der tief verankerte slawische Holismus sind für sich genommen zu sehr mit dem unmittelbar Sinnlich-Materiellen verbunden, um ein überspannendes geistiges Dach und Friedens-Gebäude für alle Menschen zu formulieren und anzubieten. Die besondere Fähigkeit der Deutschen zur Abstraktion und zur ideellen Abkopplung von ihren eigenen Belangen, welche bisher regelmäßig zu unserem Nachteil verdreht wurde, weil wir nicht mit den anderen zusammenarbeiten konnten und von ihnen nicht beschützt, sondern angegriffen wurden, kann sich in dem Moment voll entfalten, wenn wir uns nicht mehr wehren, vergraben oder betäuben müssen. Wir haben dann eine Antenne zum Übergeordneten, zum Geistigen und Ordnungsstiftenden, deren Früchte uns alle anderen Völker sehnlichst aus der Hand reißen werden.

Die große neue deutsche Ingenieursleistung könnte der soziale Gesellschaftsaufbau sein inklusive seiner wichtigsten Aspekte von Bildung, Staatsstruktur, Städte- und Siedlungsstruktur, Rechtssystem und Wohlfahrtsprinzipien. So ganz neu wäre das nicht, es gilt vieles einfach nur wiederzuentdecken, das unsere Vorfahren vor 150 bis 200 Jahren schon vorgedacht und konstruiert haben. Neu wäre jedoch, dass die Deutschen darin weltweit gefragt sein werden und sich nicht ringsum gegen die Vasallen einer jesuitischen Mafia und ihrer Monsterköpfe verteidigen müssten.

An dieser Stelle und noch sehr häufig in der Zukunft will ich meinen tief empfundenen Dank an all die vielen Soldaten aussprechen, die mit diesem menschlichen Abschaum kurzen Prozess gemacht haben. Ohne Euch würde ich hier so nicht mehr öffentlich schreiben können und unser Leben wäre die Hölle.

Dass wir mit unseren Denk- und Konstruktionsfähigkeiten gefragt sein und in der Darstellung und Verwirklichung frei sein werden, wird sehr viel verborgenes Potenzial freilegen. Vor allem unser philosophisches und denkerisches Potenzial. Aber auch die Feinheit unseres Beobachtungs- und Besinnungspotenzials, mit dem wir eben nicht nur trockene Ideengebäude in die Welt setzen, sondern der Natur und ihren Prozessen folgen wollen. Das ist auch etwas typische Deutsches: mit der Natur zu denken. Das ist vor allem wichtig für Heilung und Genesung, nicht nur im physischen und psychischen Sinne, sondern auch im geistigen Sinne der authentischeren Verwirklichung von Wesenseigenschaften. Damit kann, wenn wir von weit genug oben schauen, eine Ausrichtung geschaffen werden, mit der jeder und jedes Volk auf seine Weise zu sich kommen und sich verwirklichen kann.

Ich glaube, das ist eine der Gründe, warum die Welt den deutschen Geist und uns Deutsche als seine Vertreter auf Erden, so sehr braucht und auf uns wartet. Frieden ist nur ab einem gewissen Grade von Freiheit möglich und Freiheit ist nur durch das Denken möglich. Wenn das Denken frei ist, kann es klar und erfinderisch werden, um immer größere Freiheitsgrade in die physische und soziale Welt zu bringen.

Frieden und Freiheit können deshalb niemals durch eine Rückkehr zu früheren Zuständen gefunden werden, sondern sind immer das Produkt einer Anstrengung und Schöpfung. Wir müssen sie aktiv erschaffen. Ohne unser Denken säßen wir heute noch in kalten Höhlen und würden uns gegenseitig angrunzen. Wahrscheinlich aber noch nicht mal mehr das. Wir wären wohl eher längst tot, weil wir die letzte Naturkatastrophe, das letzte hungrige Wolfsrudel, die Schlägereien um einen Feuerplatz oder eine hübsche Sechzehnjährige oder die Empfehlung eines Schamanen auf Drogen nicht überlebt hätten.

Das sukzessive Einknicken unserer Denkfähigkeiten über die letzten 100 Jahre können wir an ganz analogen Symptomen in unserer Gesellschaft erfassen.

Aber die Erholungskurve der Deutschen als Ganzes – nicht aller, aber in Summe – wird viel schneller vonstatten gehen, da bin ich mir sicher. Sobald wir das falsche Denken oder besser gesagt die Einflüsterungen des Anti-Denkens abgestreift haben, werden wir uns sehr schnell auf uns und unsere Aufgabe besinnen. Nicht, weil wir es eilig haben, irgendwelche Hausaufgaben zu erledigen oder ein ewiges Schuldkonto abzuarbeiten, sondern weil dies unserem Wesen entspricht. Wir werden einfach das tun, was wir gerne tun und tun wollen und dann wird sich alles Weitere fügen.

Die deutsche Geschichte der letzten 150 Jahre lässt sich wie das Spannen einer Feder beschreiben. Durch immer neue und heftigere Einflüsse wurde sie gespannt und gespannt und gespannt. Vielleicht hätte sie auch bald schon überspannt sein und brechen können. Was aber stattdessen geschehen wird ist, dass das enorme aufgestaute Entwicklungs- und Gestaltungspotenzial, das sich über acht oder mehr Generationen angesammelt hat, plötzlich Luft schaffen wird. So wie bei einem Jugendlichen, der plötzlich seine Fähigkeit auf Selbständigkeit begreift und ergreift und von heute auf morgen die Entscheidung trifft, eigene Entscheidungen in seinem eigenen Sinne zu treffen. Nur das, was wir in unserem Sinne tun, hat Sinn.

Was ist unser Sinn? Geistige Entfaltung u