Mentale Tiefenbohrungen, Entkleidungen und Querverbindungen hinter den Kulissen der Theateraufführung genannt „Welt“.

Über Aufwachprozesse und die Geburt einer neuen Kultur


Manches will gesagt oder geschrieben werden, weil es sonst keiner sagt oder schreibt – wenn es mir keiner erklärt, dann muss ich es mir selber erklären.

Und manches will geschrieben werden, weil dem Autor sonst langweilig ist.

Eines davon kann schon ausreichende Motivation für die folgende Gedankensammlung sein. Ich verspreche aber auch, mich trotz aller Versuchungen bei den entscheidenden Punkten auf Andeutungen zu beschränken.

Teil I: Aufwachprozesse

Große Erwartungen erfüllen den Aufwachraum der psycho-politischen Anästhesieabteilung. Die meisten liegen noch still träumend im tiefen Koma, aber unter den Aufwachenden überlappen sich Traumbilder und erste Wahrnehmungsfetzen der Realität in einem schwankenden Gemisch von Aufregung und verzweifelter Ungeduld. Die eigentliche Aufwachphase ist die unruhigste von allen, weil die jahrzehntelange, für die meisten lebenslange Sedierung nachlässt und zunächst unkontrollierte Kampf-oder-Flucht-Reflexe freilegt, die im halbschlafähnlichen Zustand noch voller verzerrter Bilder ohne Realitätsbezug sind. Man kann die Aufgewachten recht leicht von den Aufwachenden in ihren verschiedenen Stadien unterscheiden anhand der Ruhe, Besonnenheit und Sicherheit, die proportional mit der Berührung mit Wirklichkeit wachsen. Das Personal bewegt sich sehr ruhig und geschmeidig zwischen den Betten…

Keiner der Neuankömmlinge weiß, wo er ist. Aber sie gehen sehr unterschiedlich damit um. Denn jeder kommt aus einer etwas anderen Traumwelt, die noch lange nicht erkannt und noch weniger abgestreift ist. Während das freundliche Personal die Spritzen zur verstärkten kollektiven Narkoseausleitung vorbereitet, braucht es vielleicht ein paar Hinweise für die verträumten Rückkehrer zur Orientierung und zum störungsfreien Umgang mit den lauteren und aufsehenerregenden Gefährten in dieser forcierten Ausnüchterungskur.

Aufwachen bedeutet nicht zu erwachen so wie Aufwachsen nicht das gleiche ist wie Erwachsen (werden). Das eine ist eine Veränderung der Wahrnehmung ohne Selbstveränderung. Das andere ist der Übergang in ein neues Selbstgewahrsein und eine neue Identität.

Aufwachen ist wie zu erkennen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Und man ist dann umgeben von lauter Kindern, die das nicht verstehen. Die Sache mit dem Weihnachtsmann haben die meisten heutzutage ja verstanden, aber das war es dann im Großen und Ganzen auch schon.

Der eigentliche Aufwachprozess beginnt erst ab dem Moment, in dem man versteht, worum es eigentlich geht und um was es alles nicht geht. Alles andere bis dahin ist nur Vorbereitung. Durch äußere Hammerschläge gezwungen zu werden, hier und da mal ein bisschen genauer hinzuschauen ist noch kein Aufwachen, höchstens eine somnambule Lernerfahrung.

Das „Great Awakening“ ist ein notwendiger Lernprozess, ein Augenöffner, aber kein Erwachensprozess. Die Menschen werden kollektiv wacher, weil sie geweckt werden und nicht weil sie von innen heraus, aus sich selbst heraus irgendeine Umwandlung initiieren. Das Aufwecken ist nötig, um von der sinkenden Titanic hinüber in die Arche einer neuen Kultur und planetenweiten neuen sozialen Ordnung zu wechseln. Dort können und werden die meisten dann wieder einschlafen bzw. weiter dösen können.

Nicht die Menschen ändern sich oder müssten sich verändern, sondern die Kultur, in die sie hinein geboren werden, in der sie leben und sich entfalten.

Das ist es, worum es in diesem Artikel gehen soll: die Differenzierung von individuellen Bewusstseinsveränderungen und kulturellen Paradigmen- und Narrativwechseln. Der plötzliche Wechsel vieler oder sogar aller grundlegender Narrative über die Welt, über die Menschen und wie alles funktioniert, ist ein eher seltenes Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Die meisten Anpassungen und Evolutionsschritte finden langsam über größere Zeiträume statt, betreffen meist nur ein Segment der Sozialisierung und Anschauungen und ereignen sich außerdem erst nur sporadisch bevor sie allgemeinwirksam werden.

Diesmal probiert die Menschheit etwas Neues, indem sie die notwendigen Anpassungen in ihrer psychischen und geistigen Entwicklung über Hunderte von Jahren hinauszögerte und durch ein hypnotisches Wegschauen versuchte zu ignorieren. Dadurch entstand ein Entwicklungs- und Lernrückstand, der sich zu einer gewaltigen Kluft zwischen Weltbild und realer Welt auswuchs. Jetzt brechen die künstlichen (Stau-)dämme und überfluten die Menschheit mit einer gewaltigen Welle an Totalveränderungen.

Kehren wir zurück in den Aufwachraum.

Aufwachen braucht Zeit. Die ersten durchdringenden Merkmale der Realität werden nur sehr vage empfangen und vermischen sich noch hochgradig mit Traumildern, so dass die Verwirrung zunächst größer ist als in der Traumwelt zuvor. Für die nur noch halb Schlafenden übersetzt sich das Geschehen im Aufwachraum um sie herum, die Formen und Bewegungen, die sie schemenhaft erkennen können und die Kommunikation, die sie als Geräusch mit Bedeutungsfetzen empfinden, in das semitransparente Traumbild eines Kampfes von Gut gegen Böse. Ihr Gehirn verarbeitet die noch unbekannte Komplexität und unberechenbare Fluktuation des Geschehens erstmal noch auf einfachste emotionale und konkretistischste Weise wie einen Kinderfilm, in dem die Guten gegen die Bösen kämpfen und somit die Welt – vielleicht – man weiß es nicht genau – hoffentlich – in Ordnung bringen.

All diese Narrative sind aber nur sehr vage und extrem reduzierte Übersetzungen des Aufwachprozesses, der zunächst nur als „neuer Film“, als ein veränderter Traum, als ungewohnte Bilderwelt und exotischer Plot von außen betrachtet werden kann. Das Bewusstsein befindet sich noch auf einer zu dissoziierten Stufe, um eine Wahrnehmung des eigenen Selbst geschweige denn eine Wahrnehmung der eigenen Zustandsveränderung mit einzubeziehen. Das führt dazu, dass der aus dem Koma langsam Erwachende sein Aufwachen als Weltveränderung, als Weltzusammenbruch, als plötzlichen Fall ins Bodenlose und als gefährlichen Actionfilm erlebt, während er von außen – objektiv – betrachtet ziemlich still im Bett liegt und nur ab und zu mit den Augenlidern zuckt.

Wenn wir das verstehen, können wir auch besser erfassen, was der Deep State ist (und was er in realiter nicht ist). „Deep State“ ist der tiefe Zustand, er ist das Koma. Es ist der tiefe Start, von dem aus Bewusstwerdung beginnt, an dem es aber noch kein Bewusstsein gibt. Im Deep-State-Koma-Traumzustand gibt es kein konstantes Ich-Gefühl, sondern nur stetig wechselnde, flackernde Bilder und unzusammenhängende Fetzen von Reizen. Es gibt Reflexe und primitive Reiz-Reaktionen, aber kein zusammenhängendes Weltbild geschweige denn ein Verständnis davon, wie, warum und wann irgendetwas passiert. Es gibt keine Unterscheidungsfähigkeit zwischen (physischer) Realität und den ununterbrochenen chaotischen Traumsequenzen, denen der vollkommen abgekoppelte Neokortex ausgeliefert ist.

Es gibt deshalb auch kein Ich-Erleben, keine innere Kohärenz, kein Erkennen von Wirklichkeit und vor allem: keine Steuerungsmöglichkeiten. Aus der realen dreidimensionalen Welt betrachtet ist der „Deep State“ ein hilfloser Blindflug, ein Zustand völliger Fremdsteuerung innerhalb einer komplett zweidimensionalen Matrix von Einbildungen und inner-psychischen Leinwandereignissen. Das Hauptcharakteristikum des „Deep States“, dieses tiefen Zustandes ist Abkopplung. Abkopplung von dem, was wir hier als Realität bezeichnen wollen, welche erst mit der Wahrnehmung der dritten Dimension, des Körperlichen beginnt. Beginnt, aber nicht aufhört.

Die dritte so wie jede Dimension, also auch die vierte bis sechste, existiert auch dann, wenn sie nicht wahrgenommen wird. Die Erlebnisse in der zweidimensionalen Traumwelt werden natürlich beeinflusst von den realeren Geschehnissen, die nur mit dreidimensionalem Bewusstsein (nicht-komatös) erkennbar sind. In der flachen Bilderwelt erscheinen sie wie unverständliche Magie, wie ein Wunder oder werden in zweidimensionale, nicht-körperliche, realitätsferne Erklärungsmodelle gezwängt, die auf Zweifel und Irritation beruhigend wirken. Diese Beruhigungsmodelle im 2D-Bewusstsein sind Ideologien, Dogmen, Glaubensvorgaben, jede Art einfacher Denkschablonen und die konkretistische Verwendung von Symbolen als Signale und Erkennungszeichen einfacher Zugehörigkeiten.

In der ich-losen Bilderwelt der Komaträume kann ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität nur ersatzweise durch konkrete Zeichen, Embleme, Markierungen und ausgefeilte Accessoires erzeugt werden. Mit anderen Worten: du kannst die chronische Angst und Ohnmacht des Komazustandes nur dadurch abblenden, dass du dich zu irgendeinem eingebildeten Club zugehörig fühlst.

Zum Aufwachen müssen zwei Aspekte zusammen kommen: ein Aufweckimpuls von außen (aus der nächst-höheren Bewusstseinsdimension) und die Bereitschaft im Sinne von Befähigung und Neigung zum Aufwachen. Das hat nichts mit wollen zu tun. Ein Aufwachen-„Wollen“ oder Nicht-Aufwachen-„Wollen“ auf der imaginativen Traumebene hat keinen Einfluss auf den tatsächlichen Zustand. Tatsächlich findet das Aufwachen sogar in den allermeisten Fällen gegen den gefühlten oder erklärten „Willen“ innerhalb der gewohnten Traumlandschaft statt.

Neo (aus der Matrix-Trilogie) muss sich für die rote Pille entscheiden, d.h. er muss sich dem Unbekannten und Unvermuteten öffnen, er muss sich ausliefern. Würde er sie ohne diese Bereitschaft einnehmen, hätte er nichts weiter als einen schlechten, eventuell einen sehr schlechten Trip innerhalb der Matrix.

Rote Pillen für sich genommen bewirken nichts, sie müssen auf ein aufwachbereites Bewusstsein treffen mit allem was dazu gehört. Es muss dafür im Organismus bereits etwas geben, das unabhängig vom Narrativ und den Bildern der Traumwelt existiert und auf das man sich beziehen kann. Etwas, das man auf die höhere Erkenntnis- und Wahrnehmungsstufe „mitnehmen“ kann. Genauer gesagt eine Anbindung an etwas Beständiges, Nicht-Illusorisches, das als Identitäts-Anker dient, wenn einem das Korsett der imaginierten Welt abgenommen wird.

Man kann im Aufwachraum so viel Lärm machen und so viele Erschütterungen erzeugen wie man will, der Komatöse baut all dies nur in sein Traumerleben ein und bekommt so nur ein massiv verzerrtes Echo von all dem mit. Auch der Halberwachte und der noch Dösende können die realen Gegebenheiten noch nicht erkennen und richtig interpretieren, sondern sie sehen alles durch den Schleier und die Filter ihrer gewohnten Traumwelt. Dadurch werden manche Nebenaspekte unverhältnismäßig vergrößert, andere tatsächlich wichtige Aspekte werden ignoriert, Formen verschwimmen miteinander, die Profile und Trennlinien der Objekte werden noch nicht richtig erkannt, so dass ein Schrank als drei Möbelstücke gesehen wird und die Blumen auf der Fensterbank mit den Bäumen draußen und den Gardinen verschmelzen.

Vielleicht wird die Krankenschwester als böse Hexe gesehen oder der Anästhesist als gefährlicher Zauberonkel, der bekämpft werden muss. Die unklaren Geräusche anderer Aufwachender werden vielleicht als wichtige Zeichen der Rettung gedeutet und das Stammeln des noch Verschlafenen im Nachbarbett als prophetische Aufklärung über die neue Realität. Typisch für diesen halbbewussten Zustand zwischen Traum und Realität ist, dass alles emotional Aufgeladene dominant und wichtig erscheint, während nüchterne rationale Botschaften ignoriert werden oder sogar störend erscheinen.

1. Exkurs: Das Corona-Programm für die psychische Transit-Zone

Es war niemals offensichtlicher als im Jahr der medialen Corona-Injektion, dass Verständnis und Denkfähigkeiten vom Bewusstseinszustand abhängen.

Noch bis heute, nach über 14 Monaten intellektueller, medizinischer, sozialer und wirtschaftlicher Daumenschrauben bis weit über die Schmerzgrenze einer gesunden Psyche hinaus, ist es für die meisten Aufwachenden unfassbar, dass Dreiviertel ihrer Mitmenschen nicht nur die Absurdität des Ganzen nicht erkennen können, sondern, viel gravierender, immer noch keine Fragen stellen. Bei den meisten endet die kognitive Auseinandersetzung – was schon sehr euphemistisch ausgedrückt ist – mit generalisierter Empörung und diffusen Angstzuständen.

Noch immer versuchen jüngst Aufgeweckte, die anderen durch Erklärungen und offensichtliche Widersprüche im Narrativ dazu zu bringen, hin zu schauen und ihre Konformitätsautomatismen zu hinterfragen. Wir stoßen da auf ein sehr interessantes Phänomen, nämlich die grundlegende Annahme, dass uns äußerlich ähnelnde Wesen das gleiche Bewusstsein haben müssten wie wir. Es ist nicht leicht, einzusehen, dass das nicht der Fall ist. Es gibt überhaupt keinen größeren und essentielleren Unterschied zwischen menschlichen Wesen als ihr Bewusstseinslevel.

Menschlich erwachsenes Bewusstsein beginnt erst auf der Stufe, auf der es ein Bewusstsein für Bewusstsein gibt. Erst dort, wo es möglich wird, über das Denken nachzudenken, die (eigene) Wahrnehmung wahrzunehmen und somit einen Blickwinkel auf den eigenen und damit auch auf fremde Blickwinkel einzunehmen. Mit anderen Worten: erst dort, wo man die eigene Perspektive auf die Welt als relativ und veränderbar konzeptionalisieren kann.

Wir werden noch sehen, dass diese selbstreferentielle Bewusstseinsstufe das Fundament für die neue Kultur und ihre Dynamiken darstellt. Zunächst müssen wir einsehen, dass mehr als zwei Drittel der hiesigen Bevölkerung auf einer Bewusstseinsstufe unterhalb der Selbstreferenz leben.

Die darunter liegenden Stufen sind in aller Kürze folgende:

  1. Null-Bewusstsein / Ich-Losigkeit: kein Eigenbewusstsein, Selbststeuerung nur durch Instinkte und programmierbare Reiz-Reaktionsmechanismen, also überwiegend nur situative Fremdsteuerung; entspricht maximal einem Neugeborenen.
  2. Körperbewusstsein / rudimentäres Körper-Ich: Eigenbewusstsein und Selbststeuerung beschränken sich auf grobe körperliche und räumliche Wahrnehmung und Koordination; darüber hinaus, also sozial und emotional abhängig von Fremdsteuerung und Kontrolle, sonst massive Überforderung durch Emotionen, Komplexität und jede Form der Abstraktion; entspricht maximal einem 18 Monate alten Säugling.
  3. Emotionales Ich-Bewusstsein: das Eigenbewusstsein umfasst den eigenen Körper, Emotionen und einfache soziale Regeln und Rollen; diese können also selbständig reguliert und gesteuert werden; Gedanken, Ideen und alles, was intellektuelle Abstraktion fordert werden als Überforderung und als bedrohlich erlebt und deshalb negiert oder bekämpft; andere Menschen werden als mehr oder weniger berechenbare Verhaltens-Objekte betrachtet; entspricht maximal einem fünfjährigen Kind.

Unsere aktuelle Kultur wird von einem Bewusstsein am oberen Rand der 3. Stufe getragen (siehe Mittelstand, das Gros der „Akademiker“ und Unternehmer) – mit ersten Anknüpfungen zur nächste-höheren, der vierten Stufe. Da sie aber institutionell manipuliert und gelenkt wird von einem Null-Bewusstsein (1. Stufe in psychopathischer Form), ist ihre Tendenz seit Jahrzehnten schon, sich um ein Bewusstsein der 2. Stufe herum zu ordnen: instinktives, primitiv-egoistisches Clanverhalten (Anpassen und Gehorchen) mit chronischer Überforderung durch die Komplexität der realen Welt. Das ist die Stufe, auf der im großen Ganzen die Verwaltung funktioniert, welche immer einflussreicher wurde in der Steuerung des Lebens in allen seinen Facetten.

Menschen auf den Stufen 1-3 haben keine Möglichkeit, von Ideen und neuen Gedanken zu profitieren, weil ihre Denkfähigkeiten dafür nicht ausgebildet sind. Erklärungen und jede Art von intellektueller Anforderung stellen für sie sofort eine Bedrohung dar, wenn sie nicht zu ihrer verinnerlichten Struktur und Weltanschauung passen. Sie können darauf nur emotional oder physisch reagieren, d.h. sie bekommen Angst, werden wütend, verzweifelt oder beschämt, greifen zu Gewalt oder laufen weg, aber sie können diese Reaktionen nicht einordnen oder verstehen. Sie werden einfach von ihnen überflutet und gesteuert.

Diese Tatsache ist jedoch erst ab der vierten Bewusstseins-Stufe zu verstehen, auf der man beginnt zu erkennen, dass es Bewusstsein und subjektive Wahrnehmung überhaupt gibt und dass man deshalb seine Meinung, seine Ansichten, seine Standpunkte und Erkenntnisse verändern kann, und zwar am besten durch Zuhören und Dialog. Für die Stufen 1-3 machen diese keinen Sinn außer aus Furcht, aus Gehorsam oder als Verhaltensstrategie zur Selbstbereicherung.

Systemische Veränderungen wie jene, in denen wir gerade schwimmen, sind erst ab Stufe 4 ansatzweise denkbar und mit gestaltbar. Alle anderen müssen erstmal einfach nur mitgenommen und vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wer nach einem Jahr „Corona“-Aufweckprogramm immer noch Angst vor einem erfundenen Virus hat, Anti-Atem-Masken, Wirtschaftsblockaden und ungeprüfte Gen-Impfungen befürwortet, der kann das, was kommen wird und vor allem den Grund, warum es kommen muss, nicht verstehen. Er kann nur mitmachen, wenn man ihm sagt, was er tun soll und dass alles in Ordnung ist. So kindisch wie das klingt ist es tatsächlich. Es ist keine Frage der besseren oder leichteren Erklärung, sondern eine Frage des Bewusstseins, und das entwickelt sich – wenn überhaupt – nur über lange Strecken der schulenden Förderung und Unterstützung hinweg.

2. Exkurs: telegramatisches Tauziehen und Blutvergießen

Ein Beispiel für diese traumbilddurchzogenen und emotional aufgeladenen Schattengefechte im Übergang von einem Zustand der Illusionen, des Nicht-Wissens, Nicht-Sehens und Nicht-Verstehens hin zu einem Zustand der korrekteren Realitätswahrnehmung kann man aktuell in den Anfeindungen und Grabenkämpfen zwischen Betreiber, Moderatoren und Teilnehmern verschiedener „Aufklärungs“-Kanäle z.B. auf Telegram mit verfolgen.

Nachdem diese Kanäle in den Anfangsphasen der Aufwachprozedur noch ganz für sich und isoliert funktionierten, kaum Notiz voneinander nahmen und sich darauf beschränkten, Informationen, Meinungen und Diskussionen zu teilen und dabei eine interessierte Teilnehmerschaft zu sammeln, ist nun in der nächsten Phase der Realitätserkennung ein Krieg um die „Wahrheits“- und Authentizitäts-Hoheit ausgebrochen.

Man merkt, dass die vormals Sedierten im Aufwachraum nun als nächstes beginnen, Notiz voneinander zu nehmen. Die noch fehlende Orientierung in der massiv erweiterten Wirklichkeits- und Bewusstseinsdimension führt dazu, dass die Reste eigener Traumbilder mit der realen Umgebung verwechselt werden. Wenn die Psyche noch nicht gelernt hat, innen und außen, d.h. Traumwelt und wahrgenommene Welt klar zu unterscheiden, dann wird der innere Kampf ums Aufwachen und klarere Sehen zuweilen noch auf das „Dort draußen“ projiziert oder besser gesagt: falsch zugeordnet. Dies führt dazu, dass man glaubt, gestört zu sein, weil man sich gestört fühlt. Oder dass man sich bedroht fühlt, weil man Angst hat. Oder dass man hieb-und-stichfest überzeugt ist, dass der Gefährte im Nebenbett (der einen eigenen Informationskanal betreibt) derjenige ist, der andere im Komazustand („Deep State“) hält.

Die aktuelle Hyperbel der Verfluchung ist es, den anderen oder sich gegenseitig vor ein Militärtribunal zu wünschen, dessen hochgeschätzte Autorität dann auch die eigene und einzige Rechtschaffenheit und soziale Heiligsprechung für „die ganze Welt sichtbar“ rehabilitieren und offiziell anerkennen wird. Bis allerdings Papa mit seinem Machtwort kommt und diese Wunschfantasie erfüllt, müssen die Kinder sich noch alleine auseinandersetzen. Die eigentlichen Anforderungen und die Größenordnung unserer kollektiven und militärischen Probleme kann man mit solchen unreifen Verbohrtheiten natürlich nicht mehr einschätzen, weil die persönliche Motivation und das persönliche Konfliktmanagement noch alles dominieren.

Im großen Ganzen ist dies die Phase mit den berüchtigten Brettern vor dem Kopf, in der man ständig den Splitter im Auge der anderen zu entfernen beschäftigt ist und sich selbst als Frühwarnsystem gegen eine wachsende Flut an Demagogen sieht, die es täglich aufzuzeigen, anzuzeigen, und zu verhöhnen gilt. Berufung verpflichtet. Und wo es an echter Berufung fehlt, da tun es auch Aktionismus und Schattenboxen. So funktioniert Projektion.

Je dichter noch der Schleier der eigenen Traumwelt, desto größer die emotionale Aufladung und desto vehementer der Kampf gegen die Blindheit der anderen. Diese Phase der Außen-Projektion, d.h. der falschen Verortung von Störendem, ist nicht falsch, sie gehört mit zum Aufwach- und Neusortierungsprozess dazu. Es geht nur darum, sie so zügig, so unbeschadet und so unschädlich wie möglich zu durchlaufen und die eigene Energie in ein umfassenderes Erkennen der Realität zu investieren statt in die vermeintliche Reparatur oder Richtigstellung der Außenwelt. Ansonsten bleibt das Brett vor deinem Kopf nicht nur die Scheuklappe der Weltwahrnehmung, sondern auch die Leinwand für die Projektionen deiner eigenen Defizite und Verdrängungen.

Alle Kanalbetreiber, die sich mit dem Aufwachen beschäftigen, haben ihren Sinn, ihre Rolle und ihre Berechtigung im Gesamtprozess. Aber sie sind nur ein Teil davon und es fordert einige geistige und psychische Reife, sich als Teil dieses größeren Ganzen korrekt verorten zu können und das ego-zentrische Weltbild durch ein partizipatives Selbst- und Weltbild zu ersetzen.

Es ist die fragmentarische Natur des Schlafzustandes, die zu einer starken Perspektivierung der Wahrnehmung führt. Sie führt dazu, dass man die Welt zunächst nur in Ausschnitten wahrnimmt und dazu neigt, den aktuellen eigenen Wahrnehmungs- und Denksektor für den einzig richtigen oder zumindest den zentralen unter allen anderen zu halten. Dies ist der natürliche „Fehler“, der in den frühen Phasen der eigenen Neupositionierung und jungen Ich-Bildung im Verhältnis zur gänzlich neu betrachteten Welt auftritt, weil dabei der eigenen Position stets zu viel (Über-)Gewicht und Bedeutung gegeben wird. Das ist auch notwendig, um das Empfinden einer stabilen und konstanten Position erstmal zu festigen.

Die schlichte aber dringende Empfehlung für diese Phase des Aufwachens lautet: halt die Klappe. Mach die Augen auf, schau genauer hin, erweitere deinen Horizont, ändere deine Perspektive und geh davon aus, dass du dich meistenteils irrst – ganz besonders da, wo du dir „ganz sicher“ bist.

Nur wer eine tatsächlich stabile, d.h. mehrfach verifizierte, selbstreflektierte und relativierte eigene Position gefunden hat, der kann sich erlauben, den Sinn und die Bedeutung anderer, entfernterer Positionen zu untersuchen und zu entdecken – ohne dabei seine eigene Gleichgewichtsachse zu verlieren und dadurch in posttraumatisch-asoziales Verhalten zum eigenen Selbsterhalt zu verfallen (Angriff oder Flucht). Nur wer tatsächlich souverän ist, kann Andersartiges auch souverän sein lassen. Nur wer sich als Teil eines Ganzen sehen kann, kann auch andere als Teil dieses gleichen größeren Ganzen betrachten. Nur wer sich den eigenen schrittweisen Aufwach- und Ganzwerdungs-Prozess bewusst machen kann, kann sich vorstellen, dass es noch weitere Integrationsstufen und umfassendere Erkenntnispositionen gibt, zu denen Andersdenkende, Anderssprechende und Andersmeinende eine Hilfe und ein Komplementär sein können – aber keine Widersacher.

Für den einen ist der Aufwachprozess vor allem ein immer engmaschigeres Daten- und Faktensammeln, ein Puzzlespiel der Realitätsrekonstruktion. Er wird sich auf immer kleinere Informationsteilchen und deren Verbindung miteinander konzentrieren und die wachsende informationelle Munitionierung immer einseitiger auch gegen jegliche Einwände richten, die mit Zahlen und Fakten gar nicht zu beantworten sind, sondern in die Dimension des Verstehens und Anwendens fallen – die ihm fremd und überfordernd bleibt.
Je mehr ihm psychologische Tiefe, gefühlter Maßstab und das Gespür für Bedeutung fehlen, desto mehr verliert er sich in immer größer wachsenden Informationsbergen, die auch in den immer komplizierteren Mindmaps und immer flüchtigeren Quer-Assoziationen nicht verdecken können, dass er aus alldem keine persönliche Bedeutung ableiten kann – weder für sich noch für andere. Das atomisierende Analysieren und das manische Sammeln von Informationsbrocken koppeln ihn zunehmend von der Welt ab, obwohl er glaubt, über sie einen Bezug herstellen zu können – zur Welt und zu einer eigenen Bedeutung in der Welt. Zusammenhängende Gedanken werden dabei ebenso selten wie das Vollenden grammatisch korrekter und vollständiger Sätze. Immer wenn sich Steigerungen in Quantität verlieren, wird es oberflächlich, unsortiert und damit verständnislos. Das eigene Unverständnis kann sich dann in hyperaktiver Kommunikation, besser: gestammelter Nachrichtenproduktion noch eine Zeit lang maskieren, wird jedoch mit dem abnehmendem Bodenkontakt immer aggressiver und asozialer. Am Ende haben wir einen übervollen Kopf, dem so sehr Körper und Füße fehlen, dass ihm vor lauter Überflug und Stroboskop-Denken nur noch schwindelig werden kann.

Für einen anderen ist der Aufwachprozess vor allem ein emotionaler Prozess der Ablösung von allem Unsozialen, Trennenden, Abkoppelnden und Denaturierenden. Er wird sich auf alles Verbindende und Verbindliche, auf alles Soziale und Gruppenbildung konzentrieren. Da er vor allem andere mitreißen und motivieren will, verfällt er leicht in immer banalere Klischees und verliert das qualitative Ziel und den Tiefgang. Er wird dazu neigen, sektenartige Gruppierungen mit immer engerem Glaubens- und Meinungskorridor zu erzeugen, weil für ihn der Zusammenhalt und das „Wir! (gegen den Rest der Welt)“ haltgebend sind.

Wieder jemand anderes sieht den Aufwachprozess aus dem Blickwinkel der historischen (Rück-) Anbindung und der Wiederherstellung eines kohärenten geschichtlichen Narrativs. Er wird sich mit der Rekonstruktion von Geschehenem mit Geschichte und Geschichten, Geschichtsfälschungen, mit Lügen und Aufdeckungen, mit der Verbindung zu den Ahnen und ihren Hinterlassenschaften beschäftigen. Allen Anforderungen der Selbst- und Neugestaltung wird er aus dem Weg gehen und sich stattdessen wie ein Archivar auf immer kompliziertere und verästeltere Details seines Narrativs von der Vergangenheit beziehen. Die dadurch künstlich kreierte Lähmung in Bezug auf Gegenwart und Zukunft führt ihn dann immer tiefer in hoffnungslose Resignation und pessimistische Verzweiflung, denn der goldene Berg des Schönen und Wertvollen rückt für ihn mit jedem Tag weiter in die Ferne, während sich in der aktuellen Weltwahrnehmung die ungelösten Probleme stapeln.

Ein Vierter fühlt sich durch einschneidende persönliche Erlebnisse berufen, einen Dienst an der Gemeinschaft zu tun und Zeit und Mühe in all das zu investieren, von dem er überzeugt ist, dass dies dem Personal der Aufwachabteilung und dessen Zielen hilft. Aktion hat da stets Vorrang vor Nachdenken und Verstehen und so überschlägt er sich in immer kurzfristigeren Projekten, Aufrufen zu Aktionen, Handlungsempfehlungen und Mustervorlagen, um die wachsenden Risse seiner brechenden Weltwahrnehmung zu kitten.

Jede dieser Motivationen hat ihre Gültigkeit, ihre Beschränkungen und ihre Tücken. Meistens treffen wir auf verschiedene Mischungen von ihnen. Jede Fähigkeit und jedes Engagement, die eingebracht werden, haben ihren Gewinn, ihre Grenzen und ihren Kipppunkt, ab dem sie beginnen, sich abzukoppeln von ihrer Funktion, sich in einem isoliertem Selbstzweck zu verlieren und dann das Gegenteil von dem zu erzeugen, was sie ursprünglich anvisierten.

Was im Moment in der Aufklärer-Szene, wenn wir sie einmal so nennen wollen, am deutlichsten sichtbar ist, ist die mangelnde Fähigkeit des Perspektivwechsels bzw. einer umfassenderen integrativen Sicht durch Abstraktion von den eigenen Präferenzen und Fokuspunkten; und außerdem die fehlende Selbstreflexion und Relativierung des eigenen Standpunktes auf einer größeren Landkarte. Das liegt auch daran, dass natürlich gerade die emotional Hochmotivierten sich auf die Bühnen und Podien drängen und auf sich aufmerksam machen. Diese emotionale Motivation ist in dieser frühen Phase des Aufwachens noch ganz persönlich und idiosynkratisch gefärbt – auch wenn sie sich in das Gewand des Altruismus oder der sozialen Hingabe hüllt – aber gefüttert und gesteuert wird sie vom kollektiven, und das heißt mechanischen Aufwachprozess. Nur ihre einfärbende Verzerrung beruht auf einem ungelösten inneren Konflikt, der projektiv in die Außenwelt verlagert wird, um dann dort – vielleicht eine Tages – stellvertretend gelöst zu werden. Als Anführer oder Vorbilder sind die Protagonisten in dieser Phase wenig geeignet.

Ein typisches Merkmal dominant emotionaler und prä-rationaler Verarbeitung ist das Denken in einfachen Schubladen und Kategorien bis hinunter zur bloßen Schwarz-Weiß-Logik. Wenn jeder, der nicht meiner Ansichten ist oder andere Aspekte im Fokus hat als ich, gleich „zum Deep State“ gehört, „vom Verfassungsschutz gelenkt“ wird oder eine „kriminelle erpressbare Marionette“ sein muss, dann sagt das nichts über den anderen aus, aber viel über mich und meine Denkbeschränkungen. Was den neuen eifrigen Hobby-Kriminalisten entgeht, ist, dass fast alle Störungen, Unrichtigkeiten, Fehlinformationen, Irrmeinungen und Streitereien auf Mangel an Kompetenz beruhen und nicht auf der stets a-priori geargwöhnten bösen Agenda und Deep State-Kontrolle. Jeden Irrtum und jede Fehlinformation sofort als Lüge zu brandmarken ist vor allem ein Zeichen fehlender Differenzierung und Redlichkeit, denn der meiste Schwachsinn – und die sozialen Medien sind randvoll von Schwachsinn – ist gar keine Lüge, weil dafür zu wenig intentional und informiert. Wissens- und Verständnismangel dürfen nicht mit Bösartigkeit verwechselt werden.

Diese paranoide Denkweise beruht auf einer psychischen Wahrnehmungsverzerrung, die Intentionalität auf die Außenwelt projiziert, wo immer einem etwas nicht gefällt. D.h. man nimmt automatisch an, dass die anderen absichtlich und zielgerichtet handeln, weil man kein anderes Erklärungsmodell für ihr Verhalten parat hat – es fehlt an Menschenkenntnis. Die Anderen werden deshalb nicht bloß als anders (und vielleicht sogar interessant) betrachtet, sondern stets als „gegen mich“ oder „gegen die Wahrheit“, „gegen das Gute“, „gegen die Aufklärung“ oder gegen womit auch immer jemand sich ängstlich identifiziert.

Solche Weltanschauung entsteht auf der Grundlage unbewusster Ohnmachtsgefühle nach dem Prinzip: je ohnmächtiger ich mich fühle, desto mächtiger müssen wohl alle sein, die anders sind oder denken; je weniger ich das Verhalten anderer verstehen kann, desto gemeiner und gefährlicher müssen sie sein; und je weniger Sinn ich im Verhalten der anderen erkennen kann, desto zielgerichteter und gewollter muss es sein. Diese affektiv generierten Fehlattributionen führen dazu, dass immer drastischere Schuldvermutungen ausgesprochen werden, die Schwelle zur Verleumdung weit überschritten wird und die eigenen Angst-Fantasien als intuitive Wahrheitsschau umgedeutet werden. Immer wenn das Denken von Emotionen gesteuert wird, wird es flach, hyper-simplifiziert und kann nicht mehr unterscheiden zwischen Annahmen und Feststellungen. Man „weiß“ einfach, weil man ja starke Gefühle hat, und so kann man dem eigenen Unverständnis und der tatsächlichen Komplexität und Vielschichtigkeit anderer aus dem Weg gehen. Alles in eine Schublade und fertig. Die darunter liegende, unreflektierte Seite dieser massiven Wahrnehmungsverzerrung besteht aus Angst, Desorientierung und Ohnmacht, denen man sich jedoch noch nicht stellen kann.

Das Phänomen dieser Freund-oder-Feind-Denkweisen ist verständlich: nachdem wir jahrzehntelang nichts oder kaum etwas vom organisierten Deep State wussten und den größten Teil des öffentlichen Narrativs ungefragt akzeptierten, schwingt das Pendel nun ins Gegenextrem und wir glauben überall nur noch Deep State und Hochkriminelle zu sehen, sobald die kleinste Unstimmigkeit am Horizont auftaucht. Diese bipolare Reaktionsweise ist Teil der frühen Aufwachphase und ein typisches Symptom affektiv-emotionaler Dominanz des limbischen (Säugetier-) Teils unseres Gehirns über unsere kognitive Verarbeitung. Es ist aber definitiv kein Zeichen für situationsangemessenes Wahrnehmen und Denken.

Es ist auch noch kein Zeichen für eine integrative Haltung, wenn man Andersdenkenden den Dialog anbietet, dabei aber Bedingungen, Themen, Form und Ziel schon soweit vorgibt, dass es um nichts anderes geht als eine schwach verbrämte Unterwerfung des anderen unter die eigenen Dogmen. Die unnötige und irrige Vergrößerung der Gräben und Verschärfung der intellektuellen und sozialen Ächtung ist ja gar nicht gewollt, sondern bloß die traurige Nebenwirkung eines Machtkampfes, der die eigenen Unzulänglichkeiten, Zweifel und Beschränkungen verschleiern soll. Die Sache, für die die „Aufklärer“-Protagonisten einst in den Ring gestiegen sind, geht dabei allerdings hopps und mit ihr die Ideale, die Moral und die hohen Ziele, für die sie das Wort immer wieder ergreifen. Es ist weitaus schwieriger, Maßstäben gerecht zu werden als sie zu postulieren.

Aufwachen und menschliche Reife bedingen sich gegenseitig und beschränken sich gegenseitig. Diesbezüglich wird in den Rempel- und Rüpeleien zwischen den Kanal- und Chat-Häuptlingen für manchen stillen Indianer ersichtlich, dass die Sprinter der ersten Stunde im tatsächlichen Marathon des Aufwachens immer weiter ins Hintertreffen geraten und dass ihre PR-Abteilungen meist mehr Erwartungen schüren, als ihre Produktentwicklung erfüllen kann. Und sowohl Kunden- als auch Kunde-Orientierung werden dabei immer miserabler.

Denn das Prinzip der emotionalen Bipolarität und projektiven Konfliktauslagerung gilt auch für die Kommunikationsstile in diesen stammesartigen Auseinandersetzungen. Sie sind noch weit davon entfernt, gewaltfrei zu sein und jenseits konstruktiver Tendenzen. Sie sind noch nicht mehr als medial-publik ausgeführte Territorialkämpfe um die Meinungshoheit, als ob es darum ginge, einen einzigen Sieger auf den ersten Platz zu setzen. Auch darin zeigt sich die bipolare Pendelbewegung des Mittelhirns, das langsam aus der jahrzehntelangen Sedierung und Amnesie erwacht. In Ermangelung adäquater Ziele für die aufgestauten Aggressionen und Verteidigungsimpulse sucht es sich die erstbeste Figur, um eine Schießscheibe aus ihr zu machen. Dabei geht es weniger um das Ziel, sondern vor allem um das entgrenzte Schießen selbst. Man weiß aus Experimenten mit Tieren, dass sie nach einer gemeinsamen traumatischen Belastung anfangen sich selbst und gegenseitig zu beißen und anzunagen, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, die Traumabelastung auf gesunde Weise aus ihrem System zu lösen und abzuschütteln. Posttraumatische Belastung macht auto-aggressiv und antisozial. Wir Deutsche müssen da doppelt und dreifach behutsam sein, dass wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, weil bei den meisten von uns immer noch die Beißhemmungen in jede andere Richtung als gegen uns selbst und die unsrigen installiert sind.

Die größte Falle im Aufwachprozess ist stets, den eigenen Zustand nur noch in Bezug auf niedere Zustände zu betrachten und sich dadurch selbst schon am Ende der Reise zu glauben. Wenn dann das momentane Gemisch aus Traumbildern, post-komatösen Hormonresten und ihren stammhirngesteuerten Kampf-oder-Flucht-Impulsen mit Bruchstücken erster Realitätswahrnehmung zusammenfließt, entsteht jene schädliche Mischung aus Angst und Selbstüberschätzung, die die Psyche auf einer sehr subjektiven und idiosynkratisch verzerrten Stufe der Realitätswahrnehmung fixiert. Es ist dann nur eine Frage der Zeit bis die ursprünglich konstruktive, aufwachensorientierte Motivation kippt in einen Motor der Selbstverherrlichung und ein toxisches Amalgam aus einer sinnvollen sozialen Rolle und einem Identitätsgefühl, das davon abhängig wird, immer inflationärer (sprich: aufgeblasener) bestätigt und bewiesen zu werden. Kurz: man kann nicht mehr aufhören und fährt immer weiter in eine Sackgasse hinein, weil umkehren und wieder klein von vorne beginnen sich wie eine Niederlage anfühlen. Aus der Suche wurde dann eine Sucht und aus dem Bedürfnis etwas zu machen wurde ein Bedürfnis nach Macht. So wird der begonnene Aufwachprozess gestoppt und in einem recht frühen Stadium arretiert, von dem aus es dann nur noch und beschleunigend bergab geht – entwicklungspsychologisch betrachtet.

Aber wir dürfen auch nicht zu viel erwarten. Die Mitarbeiter des Abriss- und Ausgrabungsteams arbeiten nicht in der Konstruktions- und Aufbau-Branche. Es wird nur für manche schwer werden, aus dem Rausch der exponierten Total-Zerlegung und der täglichen Sensationsmeldungen wieder zurück zu finden in ein Leben mit normalisierten Adrenalinpegeln und weniger gebanntem Publikum. Es ist schwer, eine Rolle abzulegen, die einem soziale Wichtigkeit gegeben hat, vor allem, wenn man zwischen sich selbst und der Rolle nie wirklich zu unterscheiden gelernt hat und die funktionale Beteiligung am Weltgeschehen als persönlichen Kreuzzug oder als sozialen Ritterschlag missversteht.

All den Aufkläreren, die sich einig sind, dass sie die Rätsel und die verheimlichten Tatsachen dieser Welt wie ein Puzzle Teil für Teil zusammensetzen und dadurch erst entdecken müssen, übersehen durch die Bank, dass sie selbst in all dem auch („nur“) ein Puzzleteil sind, das ebenso eingebaut werden muss. Ihre Aufmerksamkeit ist aber so sehr von der Welt gebannt, dass sie keine Wahrnehmung für sich selbst, den Betrachtenden, Interpretierenden und Kommunizierenden haben. Ergo auch wenig Selbstreflexion, Selbstrelativierung und realistische Bescheidenheit. Diese Blindheit für sich selbst lässt links und rechts neben dem gewohnten Wahrnehmungskorridor riesige Schattenfelder ungesehen und ignoriert, in denen sich all jene eigenen Schwächen, Konflikte, Zweifel, Defizite und unverarbeiteten Gefühle sammeln, die nicht zum selbstgestrickten Ritter- und Retter-Kostüm der öffentlichen Rolle passen. Meine Großmutter hätte gesagt: denen ist ihr Erfolg zu Kopf gestiegen. Wobei man hinzufügen muss, dass kleinen Geistern auch kleine Erfolge schon sehr schnell über ihren Kopf hinauswachsen. Das führt zu einer Menge Selbstherrlichkeit auf Kosten von Selbstehrlichkeit.

Jeder von ihnen erfüllt eine wichtige Funktion im Gesamtprozess und auch das gegenseitige Abschlachten im Namen der eigenen intellektuellen Verabsolutierung wird per negativum seinen Dienst tun, aber eine menschliche Reifeprüfung bestehen nur sehr wenige von ihnen. So mancher hilft anderen zu größerer Freiheit ohne selbst frei zu sein oder zu werden.

Wir lernen gerade schmerzhaft, dass mediale Aufmerksamkeit und Multiplikation nichts mit Bedeutung und Wert zu tun haben. Das gilt auch für die neuen privaten Hobby-Nachrichtensender, die auf dem Boden allgemeiner Desorientierung und Auflösung alter Narrative hervorsprießen. Die Aufmerksamkeit von mehreren Zehntausend anonymen Zuschauern verführt so manchen dazu, sich weit aus dem Fensterrahmen seiner Kompetenzen zu lehnen. Da wollen plötzlich Menschen ohne entsprechende Vorbildung aufklären über Geschichte, Psychologie, die Philosophie von Gut und Böse, die Geheimnisse der Geopolitik, Militärstrategien, Gesundheit, mehrdimensionale Spiritualität und den Sinn des Lebens.

Faszination und Begeisterung aber sind kein Ersatz für ein intensives Studium, auch wenn sie sich zuweilen viel motivierender anfühlen, Proselyten der eigenen ungeprüften Entdeckungen von heute Morgen zu machen. Je mehr man weiß, desto schwieriger ist es zu teilen und desto schwerer wiegt das Verantwortungsgefühl – nicht so sehr gegenüber den Zuhörern und Mitlesern, als vielmehr gegenüber dem, was man weiß. Je mehr man versteht, desto stiller und wählerischer im Ausdruck wird man. Diese handliche Heuristik gibt Orientierung im Ansichten-Dschungel und wenn man auf Menschen trifft, die sich chronisch im Sendemodus zeigen.

Aber die Lauten und Sichtbarsten, die auf der Welle der Veränderung und Verunsicherung reiten, sind weder repräsentativ noch Vorbilder. Ihre wichtige Aufgabe ist es, einen Durchbruch durch die dicken Wände der Weltanschauungen, Tabus und Verblendungen der Menschen zu schlagen – jeder in einem etwas anderen Sektor der Gemeinschaft. Die Veränderungs- und Aufbauarbeit selbst findet immer im Stillen und Unsichtbaren statt, wo große Teams ungestört wirken können bis alles vorbereitet und fertig ist. Die provisorisch ausstaffierten neuen Trompeten- und Zeitungsträger dienen bis dahin dem Wachrütteln und als Magneten der Aufmerksamkeit, um den Rückfall ins komatöse Träumen und den Abstieg in blinde Angstreflexe zu verhindern. In einem kollektiven Prozess haben alle ihre Rolle und ihre Funktion, man kann nicht nicht Teil davon sein (auch wenn man es sich zuweilen wünscht).

Machen wir es nochmal deutlich mit Bezug auf all die Aufklärer-Stimmen und die Aufwach-Kampagnen: sich besser in der Matrix auszukennen, tiefere Geheimnisse innerhalb der Matrix aufzudecken, die Matrix-Ganoven von den Matrix-Ganoven-Opfern unterscheiden zu können oder neue Selbsthilfe- und Aktions-Gruppen in der Matrix zu organisieren ist alles schwer in Ordnung, aber all das bleibt innerhalb der Matrix. Es ist kein Erwachen und auch nur ein sehr relatives Aufwachen. Es ist nur der Übergang, ein Update von einer defizient gewordenen Matrix-Version zu einer neuen, in der man es vielleicht mal für ein paar hundert Jahre wieder „menschlicher“, d.h. freier und angenehmer hat. In der aber auch der Anreiz, aufzuwachen, zu erwachen, deutlich geringer ausfallen wird.

Wir sollten in diesen Zeiten mehr denn je noch alle freundlich zueinander sein und uns in Geduld, wiederholtem Perspektivwechsel und Bescheidenheit üben. Wir befinden uns alle im Aufwachraum und brauchen noch unentwegt sehr viel Hilfe von oben und untereinander – egal welche Funktion wir erfüllen. Die meisten allerdings noch ohne es zu wissen.

Zehn Kompetenzen für gemeinsamen Erfolg

Wer einen grundsätzlichen Überblick über die nötigen Funktionen von Unternehmungen oder Veränderungsprozessen haben möchte, der kann sich an der folgenden Liste von Kompetenzen orientieren, welche alle gebraucht werden, um ein Unterfangen erfolgreich zu machen. Jeder in einem Team, einem Unternehmen oder einer Bewegung hat andere Schwerpunkte und Stärken und erst in der vereinigenden Summe mehrerer Mitstreiter wird die Gesamtheit an Bedarf und Notwendigem abgedeckt.

Diese essentiellen Grundkompetenzen werden gebraucht und müssen sowohl vertreten sein als auch eingefordert und wertgeschätzt werden:

  1. Visionen und Überblick einbringen
  2. Initiieren und Ausführen
  3. Neue Ideen und Impulse haben und eingeben
  4. Neues prüfen und bewerten
  5. Meinungen formen und Standpunkte einnehmen
  6. Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen
  7. Fürsorge und Unterstützung für Gleichgesinnte/Mitstreiter
  8. Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen
  9. Wissen/Informationen und Bezug zu Bestehendem vergrößern/hinzufügen
  10. Selbst-/Innenreflexion und Kommunikation mit Außenstehenden

Die Liste ist so gestaltet, dass jede Kompetenz sowohl in ihrer eher maskulinen (aktiven, selbstbezogenen) als auch in ihrer eher femininen (reaktiven, außenbezogenen) Facette bezeichnet ist. Außerdem bilden die jeweils nacheinander genannten Kompetenzen (1-2, 3-4, 5-6, 7-8, 9-10) jeweils ein Polaritätspärchen, innerhalb dessen sie sich gegenseitig ergänzen und regulieren. 

Man kann mit dieser Liste so arbeiten, dass man sich in Bezug auf sich selbst und andere fragt, was ihre 3-4 hervorstechenden Kompetenzen sind und auch, welche Kompetenzen sie am wenigsten abdecken können. Man kann auch schauen, welche Kompetenzen in einer bestimmten Gruppe oder Bewegung besonders hervorgehoben und gelobt und welche marginalisiert, ignoriert oder sogar tabuisiert werden.

Alle diese zehn Kompetenzdimensionen sind gleichermaßen wichtig und werden gebraucht. Sobald auch nur eine davon fehlt, ist das Ziel einer Bewegung oder eines Unternehmens gefährdet. Wenn mehr als drei von ihnen fehlen, ist ihr Scheitern vorprogrammiert, egal welchen Illusionen sich die Teilnehmer hingeben.

Eine weitere Arbeitsweise mit dieser Liste ist es deshalb, zu jeder Kompetenzdimension einzutragen, wer sie am meisten vertritt und dann zu schauen, welche „überbesetzt“ und welche „unterbesetzt“ sind. Man kann auch prüfen, die Vertreter welcher Fähigkeiten mehr als andere ausgeschlossen, gemobbt oder als schwarze Schafe behandelt werden. Am schwersten haben es meist jene Mitstreiter, die in den Funktionen „Polarisieren, Provozieren und Konflikte aufzeigen“ oder in „Entscheidungen treffen und Ziele formulieren/anpassen“ stark sind. Denn die meisten Menschen gehen sowohl Konflikten als auch Zielsetzungen und damit dem Setzen von Maßstäben aus dem Weg, weil sie damit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und zu wenig Kompetenzen im Umgang mit ihnen haben. Statt nur die Konflikte zu meiden, meiden sie dann außerdem auch noch die Aufzeiger der Konflikte. Statt sich nur vor Maßstäben zu drücken, drücken sie sich dann auch vor denen, die Ziele setzen wollen und können. Oder sie bekämpfen sie sogar.

Für den Erfolg einer jeden Unternehmung ist jedoch das genaue Gegenteil elementar wichtig: dass gerade die Widerspruchs- und Konfliktaufdecker und die Ziel- und Maßstabssetzer eingebunden und gehegt werden, denn ohne sie rennt der Rest gegen Wände, verliert sich auf Holzwegen, in selbstverliebtem Getue oder zerfleischt und spaltet sich zunehmend ohne die wahren Beweggründe – nämlich meist Angst und Wut – anzuschauen.

Wenn man ein Team oder eine Bewegung ohne Zwang, Manipulation und Gewalt zusammenhalten und erfolgreich machen will, dann muss man diese Grundregeln beachten und für diese zehn Grundkompetenzen und ihre allgemeine und gleichverteilte Wertschätzung sorgen. Ansonsten stelle man sich auf Spaltung, wachsende Konflikte, viel Leid und Misserfolg ein.

Wir Deutsche haben diesbezüglich noch eine besonders große Menge zu lernen und einen immensen ungedeckten Bedarf an Vorbildern.

Hiermit beenden wir den zweiten Exkurs.

Die Notwendigkeit einer Aufwach-Betreuung

Jede Trennung tut weh. Aber keine Trennung versucht der Mensch mehr zu vermeiden als die Trennung von seinen Illusionen. Für sie ist er bereit, alles andere loszulassen oder sogar zu verleugnen, sogar sein Leben. Illusionen sind Schutzpflaster und Polster gegen psychische Überforderung und somit gegen den Schmerz der Desintegration. Dies bedeutet, dass der, der seine Illusionen ablegen will, zunächst ein stabiles alternatives Instrument zum Erhalt der eigenen Integrität und Intaktheit benötigt. Wer ohne Gerüst stehen will, braucht ein festes und verlässliches Fundament.

All dies sind Aspekte des Aufwachens. Kehren wir deshalb damit nochmal zur Allegorie des Aufwachraumes zurück.

Solange die sedierten Wesen nur in ihren Betten oder Höhlen vor sich hin schlafen und träumen, und von außen leicht zu lenken und zu führen sind, gibt es keine großen Probleme. Probleme entstehen jedoch dann, wenn die äußere Hilfe sich zurückzieht und die Komapatienten schlafwandlerisch werden, aus ihren Betten aufstehen und – immer noch völlig gefangen in ihren Traumbildern – der technischen Einrichtung des Aufwachraumes und vor allem anderen Komatösen begegnen.

Da sie kein dreidimensionales Bewusstsein haben, können sie sich nicht angemessen orientieren und es ist nur eine Frage der Zeit bis Chaos, Gewalt und Panik ausbrechen. Diese finden real statt, werden aber innerhalb der Traumzustände unterschiedlich übersetzt. Der eine erlebt den Weltuntergang, ein anderer rettet sich in eine immer engere Schleife dissoziativ-autistischer Vermeidungs- und Routinebilder und wieder ein anderer flüchtet sich in immer größenwahnsinnigere Macht- und Kontrollfantasien, die er als destruktive Herrschaft über alle und alles zusammenbastelt. Wohlgemerkt, all dieses findet auf der Traumebene statt, während im abgedunkelten Aufwachraum zunehmendes Durcheinander herrscht und immer mehr Unfälle und Ausfälle geschehen.

Irgendwann muss dann das betreuende Personal einschreiten. Es hat zwei Dinge zu tun: die Komatösen zu beruhigen und dann möglichst viele so aufzuwecken und ins 3D-Bewusstsein zu holen, dass sie sich selbständig orientieren und eines Tages vielleicht sogar mithelfen können.

Das ist der wirkliche und reale Kampf gegen den Deep State. Es ist nicht ein Kampf von Traumfiguren gegen andere Traumfiguren.

Wir können an dieser sehr dienlichen Metapher auch erkennen, warum die wachen Kräfte (High State) die exzentrischen Schlafwandler (im „Deep State“) nicht im Geringsten zu fürchten, ja nicht einmal als Gegner zu sehen haben. Es müssen Dinge aus- und durchgeführt werden und sie benötigen Konzentration, Ausdauer und Wissen, wie es geht und was zu beachten ist. Aber die Komatösen stellen dabei keine aktive Bedrohung dar. Wenn das Personal weiß, was zu tun ist und den Anforderungen „von oben“ folgt, dann „kann nichts aufhalten, was kommt“ und kommen soll. Ein ganz gewöhnlicher Routinetag im kosmischen Gesundheitszentrum.

„Bitte bleiben sie ruhig, es ist alles in Ordnung. Wir klären Sie Schritt für Schritt über Ihren Zustand und die nächsten Schritte auf. Sie können nun beginnen, Ihre Augen zu öffnen. Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich bei uns, wir sind jederzeit für Sie da. Es läuft alles nach Plan, es gab keine Komplikationen und Sie sind auf dem besten Wege. Das Q-Team freut sich, Sie bald schon auf der Dachterrasse begrüßen zu dürfen, von wo wir einen sehr schönen Ausblick haben werden.“

Ein interessanter Aspekt des Komazustandes sei noch erwähnt bevor wir diese Allegorie hinter uns lassen, weil wir auf ihn später nochmal in Übertragung auf die aktuelle Situation der Menschheit zurückkommen werden. Je geringer der Einfluss der wachen Kräfte auf die Komatösen ist, also je weniger Steuerung und Regulation von außen übernommen werden, desto tiefer gleiten sowohl die Träume als auch das somnambule Verhalten der Anästhesierten ins Skurrile, Bizarre und Destruktive ab. Die Tendenz von nicht-betreutem, im Stich gelassenen Koma- oder Tiefschlafbewusstsein ist stets Sodom und Gomorrha. Der Grund dafür liegt darin, dass in diesem Zustand die ordnenden und strukturierenden Kräfte noch gar nicht oder zu schwach zugänglich sind und dass es noch keine Verarbeitungsmöglichkeit für Zusammenhänge und grundlegend vorhandene Gesetzmäßigkeiten gibt. Philosophisch gesprochen ist der Geist zu weit entfernt vom Körper, und Körper ohne Geist verfügt über keinen inneren (Zusammen) Halt und neigt deshalb ständig zu immer weiterem Zerfall und Verfall, also zur Formlosigkeit. Das gilt ebenso für die Psyche, die ein Körper-Geist-Phänomen ist.

Deshalb driften Träume und Träumer ohne äußere und höher geordnete Hilfe stets in Angst-, Gewalt- und Untergangsszenarien ab. Das Paradies ist nur als Zustand perfekter Ordnung zu verstehen. Außerhalb davon ist noch nicht alles in Ordnung.

3. Exkurs: Satanismus als Absturz in Bewusstlosigkeit

Noch ein Exkurs? Also gut, noch ein Exkurs.

So wie man in der Aufklärer-Szene als „Deep-State-Marionette“ beschimpft werden kann, wenn man eine abweichende Ansicht hat oder eine Bewegung macht, die unter den Hobby-Kriminalisten als Geheimzeichen identifiziert wurde, so kann man auch als „Satanist“, „reptiloid“ oder als „Dämon“ stigmatisiert werden. Man ist allseits bereit, alles zu kritisieren und zu entrümpeln, nur nicht das eigene Denken. Auch vor der Entmenschlichung macht man nicht Halt, damit den magischen Fluch über die identifizierten Bösewichter aussprechen und sie aus der Gemeinschaft der Menschen ausschließen kann. Man will sie vor allem entrechten und sich davon entlasten, zuhören und genauer hinsehen zu müssen.

Lassen wir die angstgeladenen Begründungen, die naiven Prämissen und die miserable intellektuelle Argumentation, in denen Fiktion, Annahmen und Beurteilungen bunt durcheinander geworfen und verwechselt werden, hier jetzt einmal beiseite und wenden uns einem viel interessanterem und grundlegenderem Missverständnis in Bezug auf Satanismus und die Funktionsweise des organisierten Deep States zu.

Nochmal zur Begriffsklärung: „Satanisch“ ist die Bezeichnung für die Verbindung von basalen destruktiven Kräften mit der Absicht, Leben, vor allem menschliches Leben und alles was dazu gehört, zu zerstören. Das ist also die maximale Steigerung von Kriminalität, weil sie sich gegen das kosmisch höchste Gut richtet: gegen Lebendigkeit und gegen das Leben selbst. Metaphysischer formuliert ist es die vollständig antagonistische Kraft zu den schöpferischen, verlebendigenden Kräften. Satan – als dieses antagonistische Prinzip betrachtet – ist somit auch die Steigerung vom Diabolus, dem „der alles durcheinander wirft“. Ein weiterer Hinweis, dass es sich um Kräfte handelt, die sich gegen Ordnung, gegen jede Ordnung richten.

Diese Kräfte zerstören Ordnung, sie können aber keine schaffen oder erhalten. Es ist deshalb einer der irreführendsten Denkschablonen, den Deep State für eine eigenständig errichtete Ordnung mit hochentwickelter Steuerung zu halten. Steuerung ist nur durch Ordnung möglich. Macht auf andere muss nicht durch Steuerung wirken, es gibt viele andere Wege der Beeinflussung und Kontrolle. Wir müssen diesbezüglich unsere Landkarten erweitern und genauer hinschauen lernen. Systeme und Strukturen können auf Macht basieren und absolut berechenbar funktionieren ohne dass es einen Steuermann oder überhaupt einen top-down-Einfluss gibt. Alle infra-computationalen Maschinen und Mechaniken sind ein gutes Beispiel dafür. Und Menschen können eben auch „einfach nur funktionieren“, ohne dass es eine steuernde Einheit in ihnen gibt. das ist gruselig, aber verifizierbar und häufig.

Luzifer, Diabolus und Satan – diese drei Steigerungsformen ordnungs-aversiver Zerstörung können niemals steuern, sondern nur manipulieren, unterwandern, infiltrieren und missbrauchen. Sie können nur bestehende, von schöpferischen Kräften errichtete Strukturen und Hierarchien benutzen, um sich wie ein Parasit über seinen Wirt auszubreiten und wirksam zu werden. Deshalb auch die Verkehrung der Logen, Geheimbünde und elitären Klubs von ursprünglich wohlmeinenden in zerstörerische Organisationen. Deshalb auch die Verdrehung bestehender Symbole in eine fragmentierte, isolierte und lebensfeindliche Bedeutung (z.B. die „666“, der Widderkopf, der gedrehten Venusstern, das Swastika usw.).

Wichtig ist: satanische Kräfte und dergleichen steuern nichts und niemanden, weil sie das nicht können. Der Deep State als planetenweites Spinnennetz der Kontrolle (!) über beinahe alle menschlichen Organisationen und Institutionen funktioniert(e) nicht deshalb, weil er eine ausgeklügelt aufgebaute, disziplinierte Kommando- und Loyalitätsstruktur ist, sondern weil er auf einer Störung der menschlichen Psyche beruht, die das Bewusstsein herunter reduziert auf ein Niveau, das nur noch mechanisch wie ein Uhrwerk funktioniert.

Dieser extrem herabgesetzte Dämmer-Zustand erzeugt in der menschlichen Psyche einen analogen „Deep State“-Zustand der totalen Un- und Anti-Ordnung: eine Zustand der Ich-Losigkeit, d.h. fehlender Einheit und Steuerung, so dass der Mensch nur noch roboterhafte Hülle ist, die durch einfache Mechanismen von Angst, Belohnung, Bestrafung und Suchtverhalten lenkbar ist. Deshalb die Hinweise für Insider: „These people are sick“ und: „These people are stupid“. Krank und dumm – das ist in Kurzform die satanische Richtung.

Aber – und diese Logik ist für die meisten ungewohnt: die fremdgesteuerten Roboter werden von einem ebenso fremdgesteuerten System gelenkt. Und das fremdgesteuerte System wird gesteuert von… von was? Von nichts. Es ist die Abwesenheit von Ordnung und Steuerung. Satanisch heißt also: es gibt Gesteuerte und Gelenkte, jedoch keine Steuernden und keinen Lenker. Das ist das Böse. Und das ist es, dem wir es nicht wagen oder nicht fähig sind in die Augen zu sehen: der Abwesenheit von Geist, der Leere.

Lieber glauben wir an die „Erlösung von dem Bösen“ durch das Umnieten von Schießfiguren… und die Drähte der Wettbüros laufen heiß. Ja, wir bevorzugen diese Kinder-Version mit einem oder ein paar Erzschurken, die von amerikanischen Spezialeinheiten über Nacht auf ihrer jährlichen Version von Weihnachtsfeier entfernt werden. Und das, obwohl uns gesagt wurde, dass damit noch gar nichts wirklich verändert wurde; dass „das Böse überall ist“. Nicht „an vielen Orten“, nein, überall! Haben wir das verstanden? Das, was überall ist, ist das Kranke, das Dumme, das Anti-Bewusste. Es steuert nicht, es reduziert nur auf das tiefste Niveau von Funktion und Mechanik. Am Ende dieser Kette sind Steine und das ewige Eis. Satan steht nicht im Feuer, sondern im leblosen Eis (siehe Dantes Hölle).

Also, das gilt es zu verstehen: es gibt keinen Club der Bösewicht-Elite, der all die Maschinen-Wesen lenkt. Es gibt keinen Super-Ober-Bösewicht, der über all dem steht und es an seinen Strippen hält bis James Bond kommt und ihn umlegt. Die Idee von „Satan“ ist nicht die eines Wesens, sondern die eines metaphysischen Prinzips: nämlich des Prinzips der alles verschlingenden und zerstörenden Leere.

Sauron ist kein jemand, sondern ein schwarzes Loch, ein Vakuum (in der letzten Hobbit-Verfilmung ist es bildlich gut dargestellt). Es ist das Nichts in der Unendlichen Geschichte, das alles Bewusstsein, alle Erinnerung und damit alles Innere, sprich die individuelle Psyche auffrisst. Deshalb ist die Zahl des Teufels die Zwei, weil das Dritte, das übergeordnete, verbindende und steuernde Element in ihr fehlt, es ist der reine Antagonismus gegen das Leben ohne Geist, ohne Sinn, ohne Ziel und ohne Bezug zu etwas. Es ist Bezugslosigkeit, die Vernichtung von Bezug.

Wie aber bekämpft man das Nichts? Wie bekämpft man etwas, das nicht real existiert, sondern sich nur in der Entfernung und Abnahme von der Realität auswirkt? Wie bekämpft man Mangel an Bewusstheit? Die Antwort lautet: indem man sich nicht in einen Kampf hineinziehen lässt. „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft“ (Sun-Tsu). Ich habe darauf schon an anderer Stelle hingewiesen: es ist ein Krieg, der nur durch das Beenden des Krieges an sich zu besiegen ist (Der Krieg, den wir besiegen müssen).

Das Nichts wird niemals „verschwinden“ – weil es nichts weiter ist als die Rückseite des Etwas. „Satan“ ist jene andere Seite, die es immer geben muss, solange es Bewusstsein gibt, denn dann gibt es auch Unbewusstsein und die Kräfte, die wie eine Schwerkraft in die Bewusstlosigkeit zurück ziehen. „Satan“, das „Nichts“, der „Widersacher der Schöpfung“ – wie auch immer wir diesen Ur-Gegenpol nennen wollen, er wird nur dadurch entkräftet und „in Schach gehalten“, dass Bewusstsein mehr und stärker wird – sich also intensiviert. Nicht gegen ihn, sondern trotz seiner und durch ihn. Polaritäten lassen sich nicht auslöschen, nur ins Gleichgewicht bringen und zu einer höheren Ausdrucksform ihrer Einheit steigern.

Der Drache wird niemals getötet (wer hat diese Geschichte erfunden?), sondern nur an die Leine gelegt, gezähmt oder in einen Berg eingesperrt und bewacht. Drachen, die getötet werden können, sind keine echten Drachen. Denn „echte Drachen“ gibt es real nicht. Wie kann man etwas töten, das es nicht real gibt?

Nun können wir vielleicht besser verstehen, warum mit der Zunahme von Satanischem, von Angst, Korruption, Unterdrückung und Lebenszerstörung die Steuerung proportional abnimmt. Das graue Netz des Deep States ist ohne Steuermann und ohne Kopf. Es kann manipulieren, spalten, fragmentieren, zersetzen und deformieren, aber nicht erschaffen, nicht steuern.

Warum funktioniert dieses scheinbar so gut organisierte „System“ (es ist kein System, sondern nur eine Mechanik!) bis zum hinterletzten Dorfpolizisten, bis zum unwichtigsten Verwaltungs- und Bankangestellten, bis in die Klassenzimmer, wo Lehrer ja gar nicht mehr konkret kontrolliert werden? Weil jeder Einzelne täglich gesteuert und koordiniert wird? Warum wurde es stärker, je mehr Massenmedien und Kommunikationstechnik zur breiten Verfügung standen? Weil es auf einer mentalen Konfiguration oder besser einer mentalen Diskonfiguration beruht, und eben nicht auf Steuerung.

Die Marionetten des organisierten Deep States funktionieren nicht aufgrund einer übergeordneten Lenkung (top-down), sondern aufgrund einer untergeordneten Fehlfunktion und Krankheit (bottom-up), die jede gesunde Ordnung unterwandert. Dieses Unterwandern jeder lebendigen und gesunden Ordnung ist ihre Logik, auf die Verlass ist, wenn eine Psyche einmal weit genug zerrüttet und fragmentiert wurde, so dass sie von sich aus destruktiv funktioniert. Die „Deep State“-Strukturen arbeiten deshalb höchstens mit Kontrolle durch Angst und Druck, weil Angst diese psychische und systemische Unterwanderung hervorbringt und antreibt.

Ernähren tun sich diese parasitären Strukturen jedoch nur von bestehender Ordnung (die sie zerlegen, aber nicht durch eine neue ersetzen) und von Lebendigkeit. Das ist ihre Grundlage, ohne sie funktionieren sie gar nicht. Am Ende steht die totale Unordnung (das Dia-bolische), das Chaos. Wer dem „Deep State“ gegenüber steht, steht dem zunehmenden Chaos und Chaoten gegenüber. Man entziehe ihnen die Möglichkeit, Unordnung zu stiften und lebendige Strukturen oder geistige Errungenschaften zu zerstören und sie verwandeln sich in schreiende, stampfende und fuchtelnde, armselige und hohle Geschöpfe, mit denen man nichts anfangen kann.

In dem Maße, in dem wir also Chaos stiften oder destruktiv gegen Lebendiges agieren, unterliegen wir dem satanischen Prinzip und tragen ein Stück „Deep State“ in uns: einen dunklen Winkel in unserem Bewusstsein, aus dem heraus Kräfte wirken, die wir noch nicht integriert haben. Niemand tut dies „absichtlich“. Niemand entscheidet sich willentlich, satanisch zu werden. Vorher muss etwas mit Gewalt gebrochen werden, denn der Abstieg oder Absturz ins Destruktive ist ein Zwang, eine mechanische Gesetzmäßigkeit, die sich vor allem durch den Mangel an Wille und Willenskraft auszeichnet.

Im Sozialen und in unserem sozialen Alltagsbewusstsein hören wir das gar nicht gern und wollen es auch nicht wahr haben. Denn wir möchten jemanden schuldig sprechen und zur Verantwortung ziehen. Zumindest behaupten wir das. In Wirklichkeit wollen wie jemanden bestrafen und etwas rächen. Oder milder ausgedrückt: wir wollen, dass etwas „wieder gut gemacht wird“, dass etwas ins Gleichgewicht kommt. Deshalb wollen wir, dass etwas gesühnt wird. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Biologisch ist das richtig und notwendig, aber psychologisch wird so kein Schuh draus, denn das Gleichgewicht ist psychisch und noch mehr geistig nur dadurch wiederherzustellen, dass wir dem Satanischen eine überlegene Macht entgegensetzen, um es auszubalancieren.

Diese überlegene Macht ist Bewusstsein. Die notwendige Wiedergutmachung, die wir also eigentlich brauchen, ist nicht alttestamentarische Bestrafung und physische Ausrottung, sondern Überwindung und die Erschaffung von mehr Bewusstheit. Das ist der Kern des Neuen Testaments: aufwachen, wach bleiben, erkennen und benennen. Licht auf unsere blinden Flecken und unser unbewusstes Funktionieren und Reagieren werfen; so leuchten, dass die Flüsse schöpferischer Kräfte sichtbarer und breiter werden.

Aber das ist anstrengender und ein langer Weg…

Abschluss von Teil I

Schließen wir jetzt das Thema Aufwachen ab, indem wir den Bogen nochmal zurück zu unserer Ausgangs-Allegorie des Aufwachraums spannen. Das Erwachen der Patienten stellt den Prozess eines Bewusstseinswechsels dar von einer geringen Bewusstseins-Intensität zu einer höheren. Dabei durchläuft er verschiedene Stadien vom Tiefschlaf über die Traumphase zum halbwachen Dämmerzustand, der schließlich übergehen könnte in ein immer wacheres und genaueres Wahrnehmen der Realität um ihn herum und dadurch auch seiner selbst.

Was heißt „wacher“? Es bedeutet: umfassender, differenzierter, präziser und vor allem zusammenhängender in der Wahrnehmung.

Die Aufwachstufen erinnern nicht nur an die Wachstumsphasen eines Kindes vom unbewussten Embryo über den Fötus zum Neugeborenen („Aufgewachten“), das sich erst langsam in seiner Wahrnehmung der Welt entwickelt. Sie erinnern auch an die Bewusstseinskonfigurationen, die den Kulturepochen der Menschheit zu Grunde liegen. Die urzeitlichen archaischen Zustände ohne Ich- und Trennungsbewusstsein. Dann die naturverschmolzenen Stammeskulturen, die schon ein erstes Bewusstsein für unterschiedliche Wirkebenen hatten, die sie in Ritualen imitierten und nacherlebten. Ihr folgten die Epochen eines intensivierten Bewusstseins mit einer verstärkten Differenzierung zwischen „Wir“-Identität einerseits und Natur und Welt andererseits, das sich in matriarchalen, kreisbezogenen Strukturen ausdrückte und organisierte. Das vormals rein körperlich-instinktive Erleben von „Selbst“ wurde in dieser Phase differenzierter durch die Ergänzung von emotional-intuitivem Erleben, das sich in einheitsschaffenden Mythen, zeitlosen Erzählungen und ambivalenten (doppeldeutigen) Symbolen ausdrückte.

Auf diese Phase folgte die Intensivierung menschlichen Bewusstseins durch das mentale Element: das zielgerichtete Planen, Analysieren und das rationale, kausale Denken, durch das auch die zusätzlich Abgrenzung vom einzelnen „Ich“ gegenüber der Gruppe entstand. Dadurch wurde das matriarchale Prinzip vom patriarchalen, Gesetzes- und Schrift-bezogenen abgelöst. Diese Phase, die etwa mit den griechischen Philosophen begann, steigerte sich über 2500 Jahre (bisheriges Narrativ, wahrscheinlich richtiger ist: 1500 Jahre) bis zu dem einseitigen, technologischen und materialistischen Rationalismus, dessen verzerrteste Fratzen wir seit dem letzten Jahrhundert erkennen können.

Jedem Übergang in eine neue Bewusstseinsintensität geht eine Leidensphase der Erschöpfung und Ausweglosigkeit innerhalb der bestehenden Bewusstseinsstufen und ihrer Modalitäten voraus. Es ist wie bei einer Geburt: das Baby wird nicht geboren, weil es sich wünscht, jetzt endlich auf die Welt zu kommen (von der es gar nichts weiß und gar nichts wissen kann), sondern weil es im Mutterbauch zu eng wird und nicht mehr auszuhalten ist.

Wir erleben aktuell die Zuspitzung dieser Übergangsphase bis an die Grenzen des Aushaltbaren. Die extremisierten und gleichzeitig überforderten bisherigen Möglichkeiten, Werkzeuge und Lösungsansätze des rein Mentalen, sind der Welt, in der wir mittlerweile leben, nicht mehr gewachsen. In ihrer Verbohrtheit und hilflosen Ausweglosigkeit sind sie verzweifelt und fanatisch geworden.

Was wir aber auch noch mit uns „mitschleppen“ sind Menschen und ihre Subkulturen, die noch in den frühen archaischen und primitiven Bewusstseinsstrukturen „hängen“ – und zwar in ihren extremisierten, überforderten und schädlichsten Formen.

Die schwierige Aufgabe jeder Bewusstseinssteigerung und jeder neuen Kultur ist es, zum einen alle früheren Entwicklungsstufen zu umfassen und konstruktiv in sich einzubinden und zum anderen dafür auch die Verletzungen und Erkrankungen der niedergehenden, defizienten Kultur zu heilen.

Die Herausforderung höherer Integration

Je mehr sich die Intensität von Bewusstsein steigert, desto integrativer kann es sein, aber desto fragiler wird es auch. Denn je mehr der Mensch sich in seiner Selbst-Bewusstwerdung aus der Einheit mit und der Teilhabe an der Natur herauslöst, desto mehr muss er auch Selbst-Verantwortung übernehmen für sein Dasein und Wirken. Wie bei allen Unternehmungen gilt auch in der Welt der Bewusstseinssteigerung die Regel: je höher der Einsatz, desto höher der mögliche Gewinn, aber desto höher auch das Risiko. In der spirituellen Akrobatik wächst das Verletzungsrisiko mit jeder neuen, riskanteren Figur.

Es gibt dabei gerade in den Übergangsphasen zu einem intensivierten Bewusstsein wie der gegenwärtigen zwei Fehler, zu denen die menschliche Psyche neigt: sie möchte sich in Sicherheit bringen vor den anstehenden Anforderungen und zieht sich auf frühere Bewusstseinsstadien zurück – d.h. sie schläft ein, verdämmert sich und reduziert die Selbst- und Weltwahrnehmung zur eigenen Entlastung. Der Preis für diese Selbstvernebelung ist wachsende Überforderung durch die Welt, die dadurch ja nicht einfacher wird und schließlich zu einer Überwältigung und Terrorisierung wird durch immer mehr agitierte und unbeherrschte Mechanismen (siehe das Jahr 2020). So verständlich der Wunsch nach Rückkehr zu geborgeneren, einfacheren und verantwortungsloseren Zuständen mystischer Natureingebundenheit, intuitiver Emotionalität oder kollektiver Selbstauflösung auch ist, er ist nur in künstlich erzeugten Subwelten und „Kult-Szenen“ möglich und verhindert in seiner Rückwärtsgewandtheit die geistige Entwicklung.

Der andere Fehler aus der Not der zunehmenden Überforderung in einer defizient werdenden Bewusstseinsstruktur ist die Fragmentierung und Abspaltung der verschiedenen Bewusstseinsstufen in getrennte Erfahrungswelten. Dann bauen sie nicht mehr aufeinander auf und verbinden sich zu einer vielfältigen Wahrnehmung des Ganzen, sondern erzeugen den Eindruck einer undurchdringlichen Vielfältigkeit, die Angst macht. Durch diese Desintegration des Bewusstseins und der Weltwahrnehmung entstehen Einseitigkeit und als Reaktion auf die zunehmend bedrohliche Überforderung immer rigidere Intoleranz und fanatischer Starrsinn.  

Letztere Reaktion auf den Stress einer nicht mehr zu bewältigenden Komplexität führt z.B. dazu, dass ein Teil des Lebens oder ein Bereich einer Kultur nur mit enger, analytischer Rationalität bewältigt wird (z.B. Wissenschaft) und ein anderer Bereich mit naiv-impressionistischer Emotionalität, die ins Sentimentale kippt. Die Wirkung der Medien, angefangen vom Fernsehen bis zu den flackernden Bilder- und Video-Landschaften der asozialen Netzwerke sind zwar eine Errungenschaft rationaler Ingenieurs- und IT-Künste, werden aber überwiegend zur Erzeugung prä-rationaler, pseudo-mythischer Auflösungs-Zustände und basale Instinktbedürfnisse nach Tranceinduktion und affektiver symbolischer Gruppenzugehörigkeit benutzt. Voilà, eine desintegrierende Kultur!

Ein anderes Beispiel sind jene emotionslastigen, intuitiv-reaktiven Subkulturen, die seit Jahrzehnten überall im Vormarsch sind und die alles Rationale und Verstandesorientierte, jede Begriffsbildung, jede kritische Selbstreflexion, jeden intellektuell scharfkantigen Diskurs pauschal als schädlich und „falsch“ verteufeln und ausklammern, weil sie keine Verbindung zwischen ihrer Gefühlswelt mit ihren monopolaren Selbst-Bildern und dem begrifflich-analytischen Bewusstsein herstellen können. Letzteres macht ihnen Angst, weil sie in jeder denkenden, begrifflichen Auseinandersetzung nur die wörtliche Auseinander-Setzung, einen Zerfall und damit die Bedrohung ihrer gewohnten Kohärenz sehen. Mit dem emotionalen Bewusstsein kann man nämlich viel leichter Unbequemes, Schwieriges oder Komplexes ausblenden oder überblenden. Der Verstand ist da viel weniger manipulierbar und korrumpierbar. Sie kämpfen also mit allen Mitteln des reaktiv-emotionalen Bewusstseins für einen Erhalt des schwammigen „Wir“-Gefühls und gegen jegliche begriffliche Festlegung, auch wenn sie dafür gegen ihren eigenen Vorstellungen und ihr Gerechtigkeits-Gefühl agieren müssen, immer radikaler werden und physische Gewalt anwenden müssen, um die Stimmen des Verstandes mundtot zu bekommen.

Die Lösung für diese Probleme liegt in der Anstrengung zur Integration, also zur Entwicklung eines Bewusstseins, das alle vorhergehenden Bewusstseinsstufen umfasst und so überblickt, dass es als Ganzes und in sich Vollständiges wahrgenommen wird, nicht als bedrohliche Zerstückelung. Basal-instinktive Mechanismen werden durch emotional-soziales Bewusstsein integriert, emotionale Impulse werden durch kognitive Landschaften und Begriffsbildung integriert und die rational zerlegende Analytik wird durch die Fähigkeit zum synthetisierenden, inklusiven Verstehen integriert, welches somit alle minderkomplexen Erfahrungswelten überblickt und in ihrer Ganzheit erfassen kann.

Dies ist die Bewusstseinsintensität, die uns nun kulturell und planetenweit zu verwirklichen bevorsteht.

Teil II: Bausteine für eine neue Kultur

Einzelne Menschen erwachen seit es Menschen gibt.

Sie erwachen stets trotz und entgegen der Kultur und dem Zeitgeist, in dem sie leben. Einige von ihnen werden dann zu Leuchttürmen für ihre Zeitgenossen oder für spätere Generationen, weil sie von einem Standpunkt außerhalb der zeitgenössischen Paradigmen und geläufigen Denkschablonen sehen und agieren können. Sie schaffen dann manchmal Werke, die für ihre Zeitgenossen noch nicht verständlich, zumindest rätselhaft, und von ihnen meist sogar als bedrohlich und gefährlich empfunden werden – weil sie etwas zum Ausdruck bringen, das den Menschen vor Augen (oder Ohren) führt, dass es jenseits der Welt ihres Bewusstseins Leben gibt, bewusstes Leben. Dieses ultimativ Fremde und Unbegreifbare, weil jenseits des eigenen Vorstellungsvermögens Liegende, ist den Menschen unheimlich und angsteinflößend. Daher tritt es meist verkleidet und maskiert auf, um weniger zu schrecken und nur noch von ähnlich erhobenen Geistern erkannt zu werden.

Es sind diese Menschen erhobenen Bewusstseins, die Kulturen prägen und verändern. In herausragenden Fällen sogar gänzlich neue Kulturen hervorbringen und den Samen zu einer neuen Zivilisation legen. Das ist nur möglich von Bewusstseinsebenen aus, die weit oberhalb und außerhalb fixierter Funktions- und Ausdrucksweisen liegen und in den grundsätzlichen, transpersonalen Gefilden von geistigen Gesetzen und zeitlosen Prinzipien verankert sind.

Ohne diese Leuchttürme und Samensetzer würde es nicht nur völligen kulturellen Stillstand ohne Erneuerungen und Entwicklungen geben, sondern sogar nur noch stetigen Abstieg in immer desorganisiertere, desorientiertere und regressivere Zustände bis hin zu Auflösung jeglicher Kultur. Keine Epoche hat das deutlicher erfahren als die unsrige der letzten 150 Jahre. Das Ergebnis ist offensichtlich.

Die gegenwärtig laut und deutlich endende Kulturepoche, die wir als die „Rational-Technologische“ bezeichnen können, hat in ihrem letzen Viertel, also in den letzten 150 Jahren, ihr letztes Lebensstadium durchlebt, das für jede Kulturepoche gekennzeichnet ist durch die eskalierende Übertreibung ihrer Hauptmerkmale und Errungenschaften bis zur Degeneration und Selbstauflösung durch nicht mehr lebensfähige Einseitigkeit und sackgassenartige Fixierungen.

Die Entdeckung der Raumperspektive um den Beginn des 15. Jahrhunderts herum führte zu einer „Eroberung des Raumes“ und einer zunehmenden allgemeinen Bewusstheit der dritten Dimension. Daraus erwuchs mit der Zeit ein neues Selbstverständnis des Menschen vom mittelalterlichen Teilhaber an einem mystischen Großen und Ganzen hin zum Gestalter der Raum- und Objektwelt, der er sich selbst gegenüber gestellt sah. Vom Erkennen der Zentralperspektive über das technische Zeichnen begann sich das Vorstellungsvermögen der Menschen mehr und mehr im Dreidimensionalen zu schulen, wodurch die Entwicklung von komplexeren Geräten und Maschinen möglich wurde. Mit der wachsenden Begeisterung für die Eingriffs- und Veränderungsmöglichkeiten in der Welt der Materie und Objekte schwand das Verständnis des unterlegenen und leicht verwundbaren, nur von himmlischen (d.h. mysteriösen, undurchschaubaren) Kräften zu beschützenden und zu lenkenden Menschen. Der Mensch war immer weniger der Natur und ihren Kräften ausgeliefert, sondern begann mehr und mehr, die Natur planvoll und zweckmäßig für sich zu nutzen und zu gestalten. Dafür waren der analytische Verstand und das drei- schließlich vierdimensionale Vorstellungsvermögen die wichtigsten Eigenschaften. Die sichtbaren und offensichtlichen Erfolge der wachsenden Verstandes-Kultur und ihrer Technologie führten zu einer Überhöhung dieser menschlichen Fähigkeit, die sich irgendwann über das gesunde Maß von Harmonie und Relation mit den anderen Kräften wie z.B. dem Fühlen und dem Sinn für Ästhetik und Ethik, hinaus steigerten und zu Überschätzung, Übertreibung und Desintegration führten.

Der technologische Verstand und der Erfindungswille begannen aus dieser Maßlosigkeit heraus, sich zu verselbständigen. Da es keine Philosophie und keine Kultur gab, die ihnen Grenzen setzen und Einhalt gebieten konnten, setzte sich eben dieser technologische, kontrollorientierte Verstand durch und schwang sich auf zum neuen Richtungsgeber für alle Angelegenheiten der Kultur. Dem war er natürlich nicht gewachsen, denn trotz aller Versuche von rationaler Philosophie, dann Soziologie und Psychologie schaffte er es – bis heute – nicht, das menschliche Bewusstsein in seinem Wesen, in seinen Bedürfnissen und mit seinen Kräften zu erfassen. Wie auch, da er selbst ja nur ein kleiner Teil davon ist?

Halb aus blinder Unwissenheit, halb aus Kontrollwahn kippte diese Situation etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dann vollends in einen Kampf des immer engeren, vom Leben abgeschnürten analytischen Verstandes gegen alle anderen Merkmale des Menschseins, die er nicht quantitativ und berechnend erfassen konnte. Die Überbewertung des logisch-analytischen Verstandes hatte dazu geführt, dass Menschen sich berechtigt fühlten, ihn gegen alle anderen Wesensmerkmale des Menschen ins Feld zu führen, denn nur so konnte die Illusion seiner Überlegenheit aufrecht erhalten werden. Er hätte sich sonst unterordnen müssen und das hätte zu einer großen Desorientierung geführt, denn es fehlte an durchsetzungsstarken alternativen integrativen Kräften. Die Geister der Romantik hatten sie schon entdeckt, benannt und eingefordert, aber sie hatten noch nicht genug Kraft gegen die schon Jahrhunderte lang aufgebaute Stoßkraft der rationalen Selbstüberschätzung.

Aus der Haltung des fanatischen Rationalismus heraus entstanden die Ideen des Darwinismus, die Ideologien und später die grauenvollen Großprojekte des Sozialismus (Kommunismus, Faschismus, Überwachungsstaat), die Maschinenkriege des 20. Jahrhunderts, die Psychoanalyse und der Behaviorismus bis hin zu den menschenverachtenden Philosophien, die sich Existenzialismus und Nihilismus nannten. Das Endstadium dieser kulturellen Abwärtsbewegung ist jene Welt, die wir bis vor kurzem noch als „freiheitliche demokratische Grundordnung“ gelernt haben zu beschreiben, die sich aber unter der dünnen Oberfläche institutioneller Täuschung und medialer Ablenkung als technokratische Diktatur super-analytischer, psychopathischer Kräfte entpuppte. 

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschen bis zum Punkte ihrer vollkommenen Zerstörung von den krankesten und degeneriertesten Kräften, also von den extremsten Abspaltungen des menschlichen Bewusstseinsspektrums beherrscht und gelenkt werden konnten, müssen wir verstehen, wie die hyper-analytische Verstandeskultur zwei Phänomene ermöglichte und sogar förderte, die ohne ihre Grundlage nicht möglich gewesen wären: Spaltung und Lähmung.

Psychische Spaltung entsteht durch massive Überforderung. Der analytische Verstand ist per se überfordert mit der Welt, weil er sie nur zerlegt und damit das innere Zusammenwirken zwischen Teilen und Kräften ignoriert. Das ist der Unterschied zwischen einem Mediziner und einem Arzt. Ein Mediziner ist einer, der einen Frosch sauber in seine Einzelteile zerlegt und dann all die Kadaverteile als Beweis vorlegt, dass es Leben gar nicht gibt. Ein Arzt arbeitet mit Zusammenhängen und Bezügen – je mehr und je differenzierter desto besser ist er als Arzt. Heutzutage gibt es kaum noch Ärzte und fast nur noch Mediziner.

Eine Überbetonung des analytischen Verstandes führt dazu, dass immer mehr Aspekte des menschlichen Wesens und auch der Welt schlichtweg nicht mehr wahrgenommen und nicht mehr verarbeitet werden. Die dadurch entstehende Desorientierung und Hilflosigkeit kann dann nur noch dadurch kompensiert werden, dass man versucht, alles unter Kontrolle zu bringen. Voilà, die Grundmotivation der Sozialisten und Technokraten! Erstere wollen jede menschliche Bewegung und jede Einzigartigkeit unter die Kontrolle der Gleichschaltung bringen und letztere helfen dabei mit der totalen Funktionalisierung, Steuerung und Überwachung von allem durch Technik – je toter desto besser.

Diese Abspaltung von den fühlenden und integrativen Kräften des menschlichen Bewusstseins ist noch steigerungsfähig, aber für diese Varianten müssen wir den Boden der allgemein anerkannten Welterklärungen verlassen und uns auf das Terrain von Phänomenen wagen, die ihrer Natur nach immer im Dunklen und ungesehen bleiben wollen – sie scheuen menschliches Bewusstsein und den integrativen Verstand wie die Vampire das Licht.

Analytischer Fanatismus und Kontrollwahn führen nicht nur zu Erdverwüstung und Skrupellosigkeit gegen alles Lebendige, wie heute zum Schrecken der meisten gut sichtbar ist, sondern vor allem zum Hass gegen alles gesunde Menschliche schlechthin. Die organisierte Form von diesem Hass nennt sich Satanismus. Die oberste Steigerung dieser Pathologie ist ritualisierter Kannibalismus. Warum? Weil er die höchste Form der Illusion darstellt, mit dem der abgekoppelte Verstand sich die Macht über das Leben selbst vorgaukeln kann – nicht nur symbolisch, was für diese Art von Wahnsinnigen auch sehr wichtig ist – sondern auch biochemisch. Wer sich mit der Biochemie von Kannibalismus beschäftigt, der wird feststellen, dass sie sowohl hochgradig psychedelische und halluzinogene Merkmale umfasst als auch den Einfluss tief verankerter sozialer Hemmmechanismen aufhebt, so dass die Hemmschwelle zu Gräueltaten und anti-sozialem Verhalten immer weiter herabgesetzt wird.

Wir wollen das hier nicht vertiefen. Für unseren Gedankengang ist nur wichtig: das mit dem analytischen Verstand konstruierte „Ich“ und seine Identität sind aufgrund ihrer permanenten Überforderung durch die Welt und alle Aspekte des Menschlichen darauf angewiesen, zu wachsender Gewalt und zu biochemischen (Selbst-)Manipulationen zu greifen, um sich und ihre Existenz-Illusion zu erhalten. Was für die Psyche des Einzelnen gilt, gilt auch für den psychischen Basiszustand einer Kultur. Eine Kultur, die aus dem analytischen Verstand heraus versucht, mit den Anforderungen des Menschseins und der immer komplexeren Welt um sich herum fertig zu werden, muss zu immer drastischeren Mitteln greifen, die in Folge die Abspaltung von der eigenen Wesensnatur und vom ganzheitlichen Bewusstsein im tiefer treiben und extremisieren.

Auf der anderen Seite haben wir – auch als Folge von überfordertem Verstand und Abspaltung – eine wachsende Lähmung in der Kultur der analytischen Ratio, welche zum einen aus der zunehmenden Abschnürung von vitalen Kräften entsteht und zum anderen aus der mentalen und moralischen Hilflosigkeit gegenüber dem hastigen und gewaltbereiten Treiben der Rationalisten und ihren immer mächtigeren Technologien.

Der Niedergang der aktuellen Kulturepoche ist daher auch ein Absturz der Menschlichkeit in fundamentale Spaltung und Lähmung, welche dazu führten, dass zuletzt nur noch das Böse, d.h. ein intelligentes, zielstrebiges Krankes, die Kultur und die Welt in die Selbstzerstörung trieben.

Am Ende einer jeden Kulturepoche kommen die Menschen somit an die Grenzen ihrer Überlebensfähigkeit und ihrer Lösungswerkzeuge. Nichts von dem Gewohnten funktioniert mehr, jeder Versuch einer Reparatur oder Revolution im bekannten Stil macht alles nur noch schlimmer. Allgemeine Angst, Unruhe und kopflose Agitiertheit machen sich breit. Die Schreihälse auf dem Marktplatz der Wichtigtuerei wechseln täglich ebenso wie die Lagebeschreibungen und Zukunftsvorhersagen. Jeder schüttelt nur noch den Kopf und die Angst treibt die Menschen in immer bizarrere Formen ihrer Neurosen. In den deutschen Gefilden ist es vor allem die Neurose des Gehorsams, des Masochismus‘ und des Kontrollwahns.

So sieht das Ende einer Kultur aus. Es ist im Grunde das Ende einer Entdeckungsphase einer menschlichen Fähigkeit, die über ihre Grenzen hinaus bis in ein krankes Extrem ausprobiert wurde. Der einzig rettende und zukunftsfähige Impuls aus dieser Sackgasse kann nur von etwas fundamental anderem und neuem kommen. Nur daraus kann der Keim für eine neue Kultur entstehen.

Kultur-Tod und Kultur-Geburt

Kulturen entstehen aus ihren vorhergehenden Kulturen heraus. Der Übergang ist also immer fließend und überlappend. Im Endstadium einer Kultur wird bereits der Keim der neuen sichtbar. Er wird natürlich von der bestehenden Kultur als fremd und bedrohlich bekämpft.

Die Menschen, die im Geiste der alten Kultur, ihrer Ansichten und Denkweisen und Beschränkungen leben, können nur vage erkennen, dass das Korsett ihres Weltbildes zusammenbricht und machen dann aus generalisierter Angst vor allem Neuen den Fehler, Ursache und Wirkung zu verwechseln: die neu entstehenden Paradigmen und Leitlinien sind nicht der Grund für den Untergang, sondern eine Begleiterscheinung.

Ebenso empfinden aber auch die Anhänger der neuen Bewegung alles Alte und dessen Vertreter zunehmend als Feinde und tappen in die Falle, sich in Kämpfen gegen Vertreter des Alten zu verstricken, statt sich darauf zu konzentrieren, das Neue zu schützen und zu kultivieren.

Das ist der Stand, auf dem wir jetzt sind: immer mehr Verstrickungen und Jeder-gegen-jeden. Das immer offensichtlichere Vakuum an Wissen und Verstehen führt zu wachsender Paranoia und Kampf-oder-Flucht-Reaktionen, so dass die Linie zum Feind immer enger und näher an der eigenen Position gezogen wird. Sobald die eigene intellektuelle Kapazitätsgrenze erreicht ist, übernehmen basale Kindheitsemotionen, die sich in simplem Schubladen- und Schwarz-Weiß-Denken äußern im Stile von „alle, die nicht für mich sind, sind gegen mich“, „alle, die nicht meine Meinung/Ansichten teilen, sind Spione und V-Männer des Feindes (gibt es auch V-Frauen?)“ oder „alle, die nicht die Ziele meiner Gruppe propagieren, sind Saboteure und Kollaborateure der Gegenseite“. So entstehen die intellektuellen Blutbäder, die zu nichts führen als zu immer mehr zersplitterten Einzelgrüppchen mit ihren idiosynkratischen Glaubens-Versionen von Richtig und Falsch, Zukunft und Vergangenheit, Gut und Böse.

Wie und wo aber entsteht das fundamental Neue?

Wir haben drei sehr bekannte biblische Bilder für das Hinauswachsen einer neuen Kultur aus einer alten, die einseitig und defizitär und dadurch krank und destruktiv geworden ist: Noahs Arche, Moses Auszug aus Ägypten und Jesus Christus mit seinen Jüngern.

Im Grunde ist die Bibel – auch in der uns bis dato nur bekannten arg verstümmelten und reduzierten Version – eine Sammlung von Texten, in denen es um gar nichts anderes geht als das Hinauswachsen einer höheren Bewusstseinsstufe aus einer niederen. Aber diese drei der bekanntesten Sinnbilder wollen wir zur Veranschaulichung unseres Grundgedankens herausnehmen.

Noah, Moses und Jesus sind für uns hier weniger als historische Figuren zu verstehen, sondern können betrachtet werden als Aspekte und Wirkmechanismen des ewig gültigen Prinzips der Neuwerdung und der Regeneration, hier insbesondere derRegeneration von Kultur. Deshalb und nur deshalb sind diese allegorischen Figuren und ihre Geschichten für Menschen in jeder Epoche bedeutsam. Für uns heute sind sie noch um ein Vielfaches relevanter, weil sie uns auch helfen, die Makroprozesse des Welt- und Kulturwandels, in dem wir uns befinden, besser zu verstehen.

In dieser Regeneration und Neustiftung von Kultur gibt es verschiedene Phasen und Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Konzeption eines neuen Kultur-Impulses funktioniert und sich entfalten kann. Der erste Aspekt ist der der Auswahl und Abschirmung (die Arche Noah). Der zweite Aspekt ist der der Ablösung und Neupostitionierung (Moses Exodus mit dem „auserwählten Volk“ zum „gelobten Land“). Der dritte Aspekt ist der der Beständigkeit und Verbreitung (Christi Auferstehung (d.h. auch Unsterblichkeit) und seine ausströmenden Apostel).

Wir sollten uns bewusst machen, dass es in der Bibel keine „göttlichen“, d.h. der geistigen Entwicklung förderlichen Revolutionen gibt. Revolutionen sind Bottom-up-Prozesse, die sich von unten nach oben durchsetzen und somit stets einen Zuwachs an Chaos, Gewalt und Unterdrückung bringen. „Von unten nach oben“ heißt ja, von den unteren, d.h. niederen, weniger strukturierten, abhängigeren, jüngeren, gesteuerten und damit am Alten, Bekannten hängenden Ebenen ausgehend. Revolution heißt deshalb immer Abstieg in Tumult, Unordnung, Beliebigkeit und primitivere Organisationsformen wie z.B. Faustrecht oder Stammesdenken. Moses ist nicht angetan als er mit den neuen Gesetzen vom Berge kommt und die Menge während seiner Abwesenheit angefangen hat, in die alte Gold- und Kalbsanbetung zurück zu fallen.

Der gegenteilige Prozess ist der der Evolution. Evolution (von lat. ex-volvere) bedeutet, dass sich etwas aus etwas heraus wendet oder windet, herauswächst und sich ent-wickelt, wörtlicher: aus-/heraus gerollt wird (wie eine Schriftrolle), also ent-hüllt wird und sich auf- oder auseinanderfaltet. Im Begriff der Evolution stecken also zwei Ideen: zum einen die Idee einer Höher- und Weiterentwicklung und zum zweiten die Idee, dass bereits etwas Vollständiges vorhanden ist, welches sich nur noch entfaltet und schrittweise zeigt.

Evolution führt zu einer höheren Ordnung, einer feineren Strukturierung und einer überlegenen Intelligenz, weil sie von einer Information, einer Idee bzw. einem geistigen Impuls ausgeht und sich daraus dann mehr und mehr sichtbar und wirksam manifestiert. Das ist ein Top-down-Prozess, von oben nach unten, vom Geistig-Abstrakten zum Materiell-Konkreten, von der Idee zur Umsetzung, von der Einzahl und Einmaligkeit zur Vielzahl und Vielfältigkeit, von der verdichteten Qualität zur expandierenden Quantität, von einer Zelle zum Organismus und zum Körper, von der Original-Matrize zu den Variationen.

Also auch – und das ist sehr wichtig einzusehen – immer vom Einzelnen ausgehend zu einer kleinen Gruppe, von der Gruppe zur Gemeinschaft, von einer Gemeinschaft zu einem Volk, vom Volk zur ganzen Welt. Evolution und Bewusstseinsentwicklung beginnt also stets beim Einzelnen und wird dann hierarchisch und kaskadenförmig kollektiv wirksam. Es ist anders nicht möglich und alle modernen Fantasien von „Graswurzelbewegungen“, Volksrevolutionen und demokratischen Neugründungen bestehen aus der fatalen Mischung von Halbwissen und bodenlosen Ideologien. Alle tatsächlich stattfindenden sogenannten „Basis-Bewegungen“ und „Revolutionen“ sind top-down organisierte, hierarchisch koordinierte und streng kontrollierte Ausführungen von Ideen und Plänen, auch wenn das den Aktionisten mit den Mistgabeln oder den selbstgeschriebenen Verfassungen nicht bewusst ist.

Jene Wunschprojektion der leidenden Mitläufer, dass sie das System zu Fall bringen und dann ein neues, besseres errichten können, ist so kurzsichtig und absurd, dass es sich gar nicht lohnt, das genauer zu beleuchten. Es ist allerdings psychologisch interessant: es lässt sich soziologisch zeigen, dass die Menschen umso mehr von Revolutionen und Massenerhebungen schwärmen und sich von ihnen instrumentalisieren lassen, je hilfloser, ohnmächtiger und desorientierter sie realiter sind. Wenn sie dann feststellen, dass sie zu ihren Ungunsten missbraucht und in die Irre geführt wurden, ist es regelmäßig zu spät und sie müssen sich mit schlechteren Zuständen als zuvor arrangieren.

Eine neue Kultur oder Zivilisation entsteht also nicht durch Frust und unruhige „Bewegungen an der Basis“, sondern ganz im Gegenteil durch Einzelne oder sogar nur einen Einzelnen, die einen geistigen Impuls und das Wissen um seine wirksame Umsetzung an einige wenige weitergeben, welche sich davon führen lassen. Dies ist der wichtigste Aspekt, der auch in der Bibel immer wieder betont wird: das Neue kann nur kommen, wenn man sich davon führen lässt.

So betrachtet ist auch jede Form von Ungeduld, Verselbständigung, Eigenermächtigung und Aktionismus gegen den Entwicklungsimpuls, der seine eigene organische Entfaltungsdynamik hat, an die es sich zu halten gilt. An dieser Stelle haben viele Deutsche (die „Israeliten“) heutzutage ihr größtes Problem: da sie sich kein gesundes Außen mehr vorstellen können und kein Konzept mehr von einem höheren Außen haben, können sie auch an das Versprechen einer Rettung und Erneuerung „von außen“ nicht glauben. Ihre implizit verinnerlichte Hilflosigkeit hält sie gefangen in einer Weltanschauung der Hoffnungslosigkeit, die nur noch gelähmtes Ertragen oder verzweifelten Aktionismus zulässt. 

Jede kleinste Verweigerung des Folgens und Befolgens oder jede eigenwillige Hinzufügung oder Veränderung aber bewirken sofort eine Verunreinigung und Entkräftigung des originalen Impulses, weil sie das Alte und Sterbende mit einfügen. Sie erzeugen dadurch einen Trägheitsmoment, der die Verwirklichung des neuen Impulses verlangsamt und ihn im Alten, Gewohnten untergehen lässt. Es ist wie mit einem guten Neujahrsvorsatz, der schon nach ein paar Tagen relativiert und „angepasst“ wird, dadurch an Energie verliert und schließlich nur noch zu einem wirkungslosen Gedanken, einer kraftlosen Hülle wird.

Deshalb muss der Anfang einer neuen Kultur sowie der Anfang eines jeden jungen Entwicklungs-Impulses besonders geschützt werden. Das ist die Arche Noah in der Sintflut. In der bestehenden Welt mit ihren Kontroll- und Steuerungsmechanismen sind die ersten Manifestationsstufen des Neuen stets massiv bedroht von Sintfluten: den Unverständigen, die voller Hohn oder sogar Angst und Gewalt sind, den Herrschenden („Pharao“, „Herodes“) und den halbherzigen, ungläubigen, schwachen Mitläufern, die die neue Idee nicht wirklich verstehen und denen es vor allem unmöglich ist, sich ihr zu unterstellen und ihr zu dienen („ungläubige, ängstliche Israeliten“, „ungläubige, schlafende Jünger“).

Je weiter der neue Impuls sich manifestiert und umgesetzt wird, desto wichtiger werden das Prinzip der Auswahl von Repräsentanten und Führern und das Prinzip der Separation vom Alten. Von ihnen hängt ab, ob das Neue weiter wachsen und sich authentisch entfalten kann. Seine Vertreter, Vorkämpfer und Apostel müssen es verkörpern und dürfen keine fremde Agenda einführen. Sie müssen außerdem stark genug sein, dem Druck der zunehmend feindlichen und aversiven alten Umgebung standzuhalten und intelligent genug, um ihr Verhalten den Umständen anzupassen ohne das Ziel und die Original-Idee zu verändern. Das heißt sie müssen ihnen treu bleiben können.

Ab einem gewissen Stadium der Entwicklung des Neuen ist es vom Alten nicht mehr ignorierbar aber auch nicht mehr leicht zerstörbar. Dann beginnt der Kampf ums Überleben und um die Herrschaft. In diesem Kampf ist das Neue grundsätzlich weit überlegen, denn es beruht auf einer höheren Idee, ist mit einer höheren, umfassenderen Intelligenz verbunden, speist sich aus einem frischeren, tatsächlich inspirierteren Lebensimpuls, hatte mehr Zeit sich vorzubereiten und kennt und versteht deshalb als einzige Seite beide Seiten, so dass es strategischer vorgehen kann.

Die Gefahren für den Keim einer neuen Kultur erwachsen auf dieser Stufe weniger aus einer Bedrohung durch das behäbige, reaktive Establishment, sondern fast ausschließlich aus inneren Störungen wie mangelnde Stabilität, mangelnde Struktur, mangelnde Loyalität, Disziplin oder Fokus, Unterwanderung mit fremden Ideen, Verwässerung des Ursprungs-Impulses oder Zweifel und Unsicherheit, d.h. mangelndes Verstehen. Der wichtigste Aspekt für den neuen Kultur-Organismus ist also ein starkes psycho-spirituelles Immunsystem, entsprechend starke Selbstreinigungsfähigkeiten und eine stabile Gesundheit, das ist die Übereinstimmung mit seinen eigenen Wesensmerkmalen und übergeordneten Gesetzmäßigkeiten. Metaphysisch formuliert: sie muss ihrer Wahrheit treu bleiben – das ist die Bedeutung davon, etwas zu bewahren. Theologisch ausgedrückt: sie muss ihrem Gott und dem geschauten Göttlichen treu bleiben, an ihn glauben, das kommt von ge-loben, Treue geloben.

Damit haben wir ein grobe Skizze verfertigt, wo wir im Jahre 2021 gerade stehen: im Angesicht der Sintflut, für die die bewahrende Arche schon gefertigt sein muss, in der langen Transit-Zone zwischen dem sterbenden „Ägypten“ und dem „gelobten Land“ einer neuen geistigen Freiheit und in der bewegungslosen Wartezeit bis zur Rückkehr der erhebenden Verkörperung geistiger Führung, nachdem sie psychisch im Kollektiv schon längst gekreuzigt und begraben wurde. Für die wissenden und sehenden Teilnehmer dieses Umbruchs und zur Beruhigung der jüngst wacher Werdenden ist allerdings auch schon seit über zwei Jahren schon deutlich: Die Arche ist schon lange fertig, seetauglich und bis an die Zähne (besser: bis zu den Sternen) bewaffnet, die „Pharaonen“ und ihre Lakaien sind von ihren Thronen und Chefsesseln längst entfernt und die Personifizierung des Freiheitskampfes und der Kultur-Regeneration wartet nur noch darauf, in der vollen medialen Bandbreite verkündet zu werden.

Vorbereitet sein ist nun alles. Sobald die neuen Rahmensysteme installiert und die neuen Gesetzestafeln graviert sind, werden die alten und die Übergangsprogramme heruntergefahren und wir werden freien Blick auf die weite neue Spielfläche bekommen. Auf dieser können wir mitwirken, eine neue Kultur aufzubauen – und je mehr wir deren Grundidee verstehen und in uns nachzeichnen können, desto besser wird uns das gelingen. Schauen wir deshalb als nächstes auf das Werdende und Kommende:

Eine Kultur des sozialen Bewusstseins

Der geistige Vorteil der modernen alltagsdominanten Technik und Hochtechnologie ist, dass wir sie nun als allseits verständliche Metaphern zur Beschreibung des menschlichen Bewusstseins und seiner Psychologie nutzen können. Ich habe mich schon vor 20 Jahren darüber gewundert, dass die Psychologie, die sich immer mehr der Schnittstelle zur Neurobiologie bedient, sich vermehrt über das Vokabular und die Terminologie der Informationstechnik und der Computertechnik ausdrückt, um ihre Modelle zu beschreiben.

Das ist eine wichtige Chance für unsere Selbst-Bewusstwerdung, denn nun können wir vieles Psychologische in technischen Begriffen darstellen und es dadurch aus dem mytho-poetischen Bilder-Denken befreien, um präziser und differenzierter zu werden. Vieles an der menschlichen Psyche ist mechanisch und gut vergleichbar mit IT-Logik. Weder geistiges Wachstum noch die Festigung der Würde finden durch die Verklärung alles „irgendwie Menschlichen“ zu einem erhabenen mystischen Wesen statt, über das man höchstens in impressionistischen Gefühls-Bildern sprechen oder sogar am besten eigentlich gar nicht sprechen sollte. Das wäre Regression in prä-mentale Selbstverwirrung.

Unsere kultur-evolutionäre Aufgabe ist vielmehr, die biologischen und die geistigen Aspekte unseres menschlichen Wesens und unserer Selbstwahrnehmung immer genauer unterscheiden und dann miteinander in Einklang bringen zu lernen. Der Mensch ist zum Teil Roboter und zum Teil Engel. Aber was in uns ist was? Wann haben wir nur noch Roboter vor uns? Und wie fördern wir den Engelsanteil und -einfluss?

Zunächst einmal müssen wir dafür das in uns entdecken, was oberhalb und außerhalb aller Technologie liegt. Ein Weg, uns wieder über die Technik zu stellen statt von ihr beherrscht zu werden, ist es, alle Technik zunächst als Metapher für den menschlichen Geist bzw. seine Psyche zu betrachten, um dann als nächstes auch erkennen zu können, dass alle Technologie ja Abbild oder Schattenwurf des menschlichen Geistes ist – nicht nur im Sinne von menschlicher Erfindung und Produktion, sondern mehr noch im Sinne von Reproduktion oder Ausstülpung aus dem menschlichen Geist, d.h. als nachgebaute Außenmanifestation einer im Menschen bereits angelegten Eigenschaft und Kapazität.

Alles, was wir erfinden konnten und können, hat seine Grundlage in unserem Geist – sonst könnten wir es uns gar nicht ausdenken. Die neue kulturelle Prägung braucht die Umkehr dieses Prozesses für die Formung eines differenzierteren Menschenbildes, eine Art reverse engeneering, die uns unsere Schöpferqualitäten und unsere bereits bestehende, in uns angelegte, wesenhafte Geistigkeit in all ihrer Vielfältigkeit und Vollständigkeit bewusst macht. So können wir anhand der menschengeschaffenen Technik (über deren wirklichen Stand auch bei den Technologie-Forschern nur sehr wenig bekannt ist) unsere geistige, nicht-biologische Seite klarer erkennen und zum Fundament unserer Identität und Kultur machen: wir sind diejenigen, die erschaffen und gestalten können.

So wie wir in der Kunst oder jeder kreativen Tätigkeit etwas „aus uns heraus“ und vor uns stellen, damit wir es als etwas Getrenntes und Isoliertes betrachten können, so ist auch alle Technologie etwas aus uns heraus- und vor uns Gestelltes. Eine Vor-Stellung von etwas bekommen wir ja erst, wenn wir es vor uns gestellt betrachten können. Vorstellungen sind auch deshalb so sehr an unsere visuelle Wahrnehmung geknüpft. Aber die Vorstellung im Sinne eines Bildes, das wir uns machen, ist ja immer nur zweidimensional, während das vor uns gestellte Objekt von uns mindestens dreidimensional erfahren wird – eigentlich stets vierdimensional, denn wir erleben es ja mit unseren Sinnen in der Zeit. Allerdings ist die vierte, die Zeit-Dimension eine, in der wir kulturell noch verhältnismäßig wenig Bewusstsein, wenig Differenzierung, wenig Konzepte und wenig Verständnis haben. Es ist die moderne Technologie die uns hilft, Zeit relativer und „von außen“ zu betrachten, mit anderen Worten, sie aus uns heraus separiert vor uns zu stellen und damit betrachtbar zu machen.

Aus dem materialistischen Konzept von Zeit als etwas, das man z.B. „sparen“, „gewinnen“ oder „nutzen“ könne, weil es objektiv vorhanden wäre wie ein Ölvorkommen oder wie Holz in einem Wald, sind wir schon hinausgewachsen. Da wir aber noch keine hilfreichen neuen Konzepte in unserem Weltbewusstsein verankert haben, ist der Bezug zu Zeit gegenwärtig überwiegend von Desorientierung, Ratlosigkeit und Angst geprägt. Die Taktung durch konstruierte Mechaniken funktionierte noch ganz gut bei Standuhren und stündlichen Kirchenglocken, aber bei der Sekundentaktung von Abfahrtszeiten und den Millisekunden im medialen Grundrhythmus, müssten wir etwas entdecken, das es in unserer Kultur bisher nicht als Referenz gab: unsere eigene Zeit.

Wir könnten hier ein ausführliches Kapitel darüber einfügen, was denn das ist, was wir „Zeit“ nennen, aber für diesen Artikel wollen wir uns darauf beschränken zu sagen, dass Zeit unsere Wahrnehmung von Veränderung und Bewegung ist.

Die bewusste Verarbeitung und Abstraktion von Veränderungs- und Bewegungswahrnehmung ist Zeit-Wahrnehmung. Tiere dürften sie höchstens rudimentär haben, weil diese Fähigkeit eine Abstraktion, also Generalisierung und Konzeptualisierung von Veränderungs- und Bewegungsabläufen fordert, die Tiere nicht leisten können.

Schauen wir uns ein Beispiel dazu an, wie viel mehr Zeit-Abstraktion und ‑Landkarte wir durch unsere Technologie, vor allem die Medientechnik ganz nebenbei im Alltag entwickelt haben: die Aufnahme von Ereignissen auf Schallplatte, dann auf Filmbänder, Kassetten, schließlich CDs und anderen digitalen Speichermedien erlaubte uns nicht nur, sie zu „wiederholen“, sondern vor allem als räumlich-motorischen Ablauf zu betrachten. Das Konzert auf einer Schallplatte konnte man ja bereits an jedem beliebigen Punkt beginnen lassen, verlangsamen, beschleunigen und sogar rückwärts laufen lassen. Das machte uns versierter und unabhängiger in der Bewegung „in der Zeit“ (genauer: innerhalb eines zeitlichen Ablaufs). Wenn wir heute mit mp3-Aufnahmen oder digitalen Videoclips umgehen, ist für uns bereits selbstverständlich, was sechs oder sieben Generationen früher noch reichlich unbekannt und fremd war: nämlich einen Ablauf in seiner Zeitdimension flexibel steuern zu können. Das funktioniert nur dann koordiniert und zweckmäßig, wenn wir eine innere Repräsentation des Ganzen und des richtigen Ablaufs in seiner Folge in uns tragen. Ansonsten würden wir ständig die Orientierung innerhalb der Zeitdimension verlieren – und vielen mag das auch passieren. Dann wissen wir nicht mehr, was früher oder später ist, was zuerst kommt und was danach. Das wiederum erschwert das Verständnis von Ursache und Wirkung. Daran können wir erkennen, dass die Bewegung in der Zeit eine größere Herausforderung als nur die Bewegung im Raum ist, weil sie eine umfassendere und komplexere geistige Leistung erfordert.

Wir müssen dafür zunächst einmal einen eigenen Standpunkt entwickeln, der stabil und gleichzeitig unabhängig von fixen Zeitabläufen ist. Salopp ausgedrückt müssen wir ein Bewusstsein entwickeln, das unabhängig von der Dauer und Dynamik von Abläufen steht. In seiner ausgereiften Form würde so ein Bewusstsein dann außerhalb der Zeit stehen, also von einem zeitlosen Standpunkt aus schauen können. Dies muss dann ein Standpunkt sein, der auf (zeitlosen) Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten, Archetypen und Begriffen beruht und unabhängig von Erfahrung ist. Denn Erfahrungen finden ja nur in der Zeit statt.  So ein Bewusstsein ist also mehr im Geistigen, Ideellen und Informationellen verankert als im Räumlichen, Sinnlichen und Motorischen.

Um diesen Bewusstseinszustand jedoch zu erreichen brauchen wir ausreichend Erfahrungen, sonst haben wir ja nichts, von dem wir korrekt abstrahieren und generalisieren können. Wer die zeitliche Struktur z.B. einer Geschichte oder eines Musikstückes von Anfang, Folge und Ende nicht gut genug kennergelernt und verinnerlicht hat, der hat keine innere unabhängige Landkarte, um sich innerhalb von zeitlichen Prozessen frei bewegen zu können. Das, was die Menschen sich mit zwei- oder dreidimensionalem Bewusstsein als „Zeitreisen“ vorstellen – nämlich eine körperliche, also eigentlich räumliche Bewegung innerhalb der Zeit, beruht auf dem typischen Mangel an Vorstellungsvermögen für höhere Dimensionen. Für sie ist die nächste Dimension eine sensationelle Steigerung der bekannten mit einer fantastischen Ergänzung von „Wundern“ und „Unglaublichkeiten“. 

Das Zeitalter der technologischen Kultur geht zu Ende, denn es hat nicht nur seine Aufgabe erfüllt, sondern auch schon seine konstruktive Ausrichtung verloren und ist längst in seiner Abschlussphase mit ihren dafür typischen Merkmalen einer defizienten, negativ wirkenden Grundkraft. Es spricht vieles dafür, dass die neue Kultur nicht mehr auf einer weiterentwickelten Technik beruhen wird, obwohl diese Teil von ihr sein wird, sondern dass das tatsächlich neue Fundament für die kommenden Entwicklungen in der sozialen Gestaltung von Gemeinschaften und deren Interaktionen liegen werden.

Die nächste Dimension des allgemeinen Bewusstseins, die durch einen neuen kulturellen Rahmen zu erobern sein wird, liegt jenseits von Zeit und könnte annähernd bezeichnet werden mit dem Begriff Willen. Wenn die vierte Dimension des Bewusstseins das ist, was wir „Zeit“ nennen, dann muss die fünfte Dimension etwas sein, das orthogonal zu ihr steht und unabhängig von ihr ist. Eine Kraft also, die dimensional außerhalb und über dem steht, was „in der Zeit“ geschieht und es beeinflussen kann. Also auch etwas, das unabhängig vom Prinzip von Ursache und Wirkung (Karma) ist.

Die Eroberung der Zeit innerhalb der allgemeinen Kultur hat etwa 800 Jahre gedauert. Seitdem gibt es mechanische Uhren, also Zeitmesser, die von Menschen erfunden wurden und unabhängig von der natürlichen Zeit wie Sonne- und Mondzyklen sind. Über diesen langen Zeitraum hinweg wurde die Menschheit geschult – oder schulte sich selbst – innerhalb der Zeitdimension kompetent und gestaltungsfähig zu werden. Für die nächsten 800 bis 1000 Jahre könnten die Menschheit die Aufgabe haben, sich ebenso die Dimension von Gestaltungswillen anzueignen, also die geistige Dimension von Impulssetzung und Gestaltung aus Prinzipien und Idealen heraus statt nur auf der Basis von Erfahrungen, Reaktionen oder anvisierten Ergebnissen in der Zeit.

Mit der Bewusstseinsdimension von Willen ist nicht Durchsetzungsstärke, Ausdauer und Intentionalität gemeint – all diese sind keine Merkmale einer neuen Dimension, sondern ergeben sich aus dem Lernen in der vierdimensionalen Welt durch die Auseinandersetzung mit Kraft und Widerstand. Sie brauchen die Zeit zum Ausdruck, stehen aber nicht über oder außerhalb von ihr.

Um zu verstehen, was mit Wille gemeint sein könnte, könnte es helfen, sich zunächst einmal mit der Bedeutung des Wortes richten zu beschäftigen. Wir denken da heutzutage fast nur noch an das juristische Entscheiden und Beschließen im Sinne von Recht und menschengesetzter Ordnung. Eigentlich ist es jedoch das Verb zum Nomen Richtung. Richten heißt zunächst einmal: Richtung geben oder wiederherstellen. Wir sagen ja auch, dass wir „uns richten“ oder „die Möbel richten“ und meinen damit herrichten und ausrichten im Sinne von „in Ordnung bringen“ – nicht dass wir sie hinrichten. Ebenso enthält der Ausdruck, eine Tätigkeit zu verrichten, die Idee, dass wir einer vorgegebenen Richtung (Intention, Anforderung, Notwendigkeit) folgen. Ein Gericht ist so ein zweck-gerichtetes Produkt: eine Mahlzeit zur Nahrungsaufnahme. Während richtende Tätigkeiten also in der Zeit stattfinden, kommt ihre Richtung, also die Information darüber, was richtig und zweckmäßig ist, offensichtlich von einer zeitlosen geistigen Ebene, die vor, nach und während  des Prozesses des Richtens maßgeblich mit- und einwirkt.

Nur dadurch bekommt die Tätigkeit einen höheren, d.h. geistigen Sinn. Und was bedeutet das Wort Sinn? Es bedeutet ebenfalls „Richtung“, wie wir es noch aus dem Wort „Uhrzeigersinn“ kennen. Einen Sinn hat etwas, wenn es eine (geistige) Richtung, d.h. eine Ausrichtung in sich trägt und ihr untersteht. Unsere fünf oder sechs oder mehr Sinne, sind ebenfalls als Richtungen in die Welt hinaus bzw. von der Welt zu uns zu verstehen: die Richtung des Hörens, des Sehens, des Tastens usw.

Diese geistige Ebene, die also Richtung und Sinn in zeitlich-räumliche Geschehnisse bringt, ist gemeint, wenn wir von Willen sprechen. Es geht ja auch ohne sie: z.B. können Dinge geschehen, weil sie schlichtweg die mechanische Folge einer Ursache sind. Oder sie geschehen aus Zufall, d.h. aus der Begegnung von zwei oder mehreren Ereignisfolgen, die weder eine gemeinsame Ursache noch eine übergeordnete Kraft miteinander verbindet. Schließlich können Dinge auch aus Schicksal geschehen, d.h. aus der tieferen Struktur und dem Wesenscharakter eines Menschen heraus, aus dem sich sein einzigartiges Leben entfaltet.

In die fünfte Dimension hineinzuwachsen bedeutet, ein Bewusstsein über diese unterschiedlichen Dynamiken innerhalb von Raum-Zeit-Ereignissen zu bekommen. Man wird nicht Superman und kann plötzlich fliegen oder seine Urgroßeltern in der Vergangenheit besuchen, sondern man entwickelt das Seh- und Unterscheidungsvermögen für den geistigen Einfluss und damit für den geistigen Gehalt von Erfahrungen, Ereignissen und Handlungen. Nur daraus kann sich Willenskraft entwickeln. Exakter formuliert: Anteilnahme an der Dimension von Willen. Denn es geht dabei wie gesagt nicht um eine Steigerung drei- oder vierdimensionaler Fähigkeiten, sondern um etwas gänzlich anderes. Es geht um die Fähigkeit, immer früher und genauer erkennen zu können, ob etwas „im Willen geschieht“ oder nicht. Die Bewusstseinsintensivierung von der Vierdimensionalität zur Fünfdimensionalität umfasst also auch die Akzentverschiebung vom personalen „Dein Wille geschehe“ hin zum bedeutsameren „Wille geschehe“, sobald die Erkenntnis stabil geworden ist, dass Wille eine Kraft jenseits des Personalen ist und somit weder „mir“ noch „dir“ noch sonst irgendwem eignen kann.

Aus dem gleichen Grunde kann sich auch nichts Persönliches (Zweidimensionalität), nichts Körperlich-Wesenhaftes (Dreidimensionalität) und auch nichts Prozesshaft-Zeitliches (Vierdimensionalität) gegen den Willen stellen. Die fünfte Dimension umfasst die niederen vier Dimensionen so wie ein Kreis alle seine Punkte umfasst, ein Würfel alle seine Flächen und die Lebensspanne alle Erfahrungen und Zustände eines Menschen. Die Aussage „Nichts kann aufhalten, was kommt“ (Nothing can stop what is coming) ist eine Willensäußerung und macht nur vom Standpunkt eines fünfdimensionalen Bewusstseins Sinn – es entspricht seiner Logik, sobald der Wille – also die gegebene Richtung – erkannt ist. Ab diesem Erkennen gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: ihm in den unterstehenden vier Dimensionen zu folgen oder zu leiden.

Aus der vierdimensionalen Sicht hat der Satz wenig Gehalt, weil er entweder nur als banale Rekursion im Sinne von „Was passiert, das passiert eben“ oder als magisch-fantastische bzw. technologische Hyperdiktatur verstanden werden kann, welche aus einer unvorstellbar übersteigerten Überlegenheit heraus alles so erzwingen kann, wie sie es möchte. Aus dreidimensionaler Sicht kann der Satz nur als halb verlogener, halb gezwinkerter Werbeslogan verstanden werden nach dem Motto „Alles ist möglich“ oder „Yes, we can“ – eine scheinbar offensichtliche Übertreibung, die keine Tatsache beschreibt, sondern nur Motivation und irrationale Begeisterung anstacheln soll wie bei einer Pausen-Ansprache im Umkleideraum. Die bildliche Übersetzung in ein dreidimensionales Verständnis wäre eine Riesendampfwalze mit der Aufschrift: „Ist mir egal, immer geradeaus“.

Im Unterschied zu diesen reduzierten und dadurch verfälschten Auslegungen handelt es sich für fünfdimensionales Bewusstsein um ein schlichtes und aufregungsfreies Wissen, also um eine erkennbare Gewissheit. Um den Zustand einer solchen Gewissheit zu erlangen muss man gelernt haben, Zusammenhänge und Muster außerhalb des Zeitlichen, also jenseits der ersten vier Dimensionen zu erkennen. Es geht dabei um das Erkennen von Kohärenz, aber nicht zwischen oder innerhalb von Ereignissen oder „Tatsachen“, sondern zwischen oder innerhalb von Richtungen und Sinnzusammenhängen von Ereignissen.

Man muss also gewissermaßen durch die Ereignisse und Prozesse hindurchschauen, um zu erkennen, welcher Art die in ihnen wirkende, ordnende und steuernde Kraft ist, ob es bloß mechanische, ob es wesensanteilige oder ob es willensartige Kräfte sind. Man muss, mit anderen Worten gesagt, den geistigen Gehalt von ihnen erkennen können, statt sich nur mit ihrer unmittelbaren sinnlichen Erscheinung zu beschäftigen.

Dieser geistige Gehalt ist z.B. sehr anders in einem künstlerischen Foto als in einem Schnappschuss aus dem Urlaub. Um das sehen und erkennen zu können, bedarf es einiger Übung, vor allem aber der Empfänglichkeit für inhärente Aspekte wie Stimmigkeit, Harmonie, Motivik, Ästhetik und Intentionalität. Ein Selbstportrait von Rembrandt enthält eine höhere Intensität dieser Aspekte als z.B. eines von Rubens, obwohl beide technisch auf etwa dem gleichen Niveau liegen. Ein Theaterstück von Shakespeare wie z.B. „Der Sturm“ liegt am einen Ende einer solchen Intensitätsskala, während die meisten pseudo-zeitkritischen Skripte der letzten Jahrzehnte sich am anderen Ende dieser Skala klumpen.

Man kann diese Wahrnehmungsdimension geistiger Intensität am besten an Kunstwerken aufzeigen und erlernen. Sei es an Musikstücken, Bildern, Skulpturen, Architektur, Literatur, philosophischen Werken oder Theaterstücken. Wenn man sich eine Zeit lang mit dieser Dimension beschäftigt, wird man feststellen, dass alle Bereiche unserer Kultur – nicht nur die der Kunst, sondern auch die der Politik, des gesellschaftlichen Lebens, des öffentlichen Diskurses, all dem voran natürlich der Bildung usw. – seit über hundert Jahren in einem kontinuierlichen Abwärtstrend befinden und seit etwa 20 Jahren in Gänze den Boden der geistigen Intensitätsskala erreicht haben, mit anderen Worten: Ausdruck fast vollkommener Geistlosigkeit geworden sind.

Da wir uns nun schon mit den Dimensionen des Bewusstseins beschäftigt haben und weil seit einiger Zeit eine Menge Total- und Semi-Unsinn zu ihnen kursiert, wollen wir noch einmal zusammenfassen:

Eindimensionalität, als Linien-Artigkeit, ist prä-rationales, instinktiv-affektives Bewusstsein, dass sich bloß aus unmittelbaren Wahrnehmungen der Sinne konstituiert (erste Bewusstseins-Dimension). Es gibt kein „Ich“, Identität ist rein physisch und auf das konkrete Eingebundensein in einen Stamm oder Clan bezogen; entspricht dem Bewusstsein eines Neugeborenen.

Zweidimensionales Bewusstsein, also „flächiges“, besser: kreis-artiges Bewusstsein, ist irrationales, emotionales Bewusstsein, in dem die Dimension von Empfindungen, bildlich-traumartiger Imagination und sozialem Gewahrsein hinzukommt. Über die Clan-Zugehörigkeit hinaus entsteht so ein Identitäts-Bewusstsein von (emotionaler, persönlicher) Gruppen-Zugehörigkeit und einem „Wir“-Gefühl, entspricht einem Kleinkind.

Hinweis: Die dogmatische Unterwerfung unter und Abhängigkeit von Ideologien, einfachen Welterklärungen und Glaubenssystemen gehört zum zweidimensionalen, irrationalen Bewusstsein, welches die allgemeine Stufe des Bewusstseins der Kultur und mit ihr der Masse der Menschen heutzutage ist.

Dreidimensionales Bewusstsein ist räumliches, kugelartiges Bewusstsein. Es umfasst zusätzlich zu den anderen beiden Dimensionen die Sphäre des Mentalen und Rationalen, also des abstrakten und kausalen Denkens, des Planens und der Selbstreflexion. Dadurch erst entsteht eine Ich-Repräsentation, der Beginn von Individualität; entspricht einem Kind etwa ab dem sechsten Lebensjahr.

Vierdimensionales Bewusstsein ist räumlich-zeitliches Bewusstsein, also nicht nur kugelartig sondern inklusive ihrer Veränderungen von ihrem Entstehen bis hin zu ihrem Vergehen („in der Zeit“). Diese trans-rationale Bewusstseinsstufe beruht auf mental-emotionaler Gegenwärtigkeit und bildet eine biografische Ich-Identität, die alle persönlichen Werde- und Transformationserfahrungen umfasst – sie steht außerhalb der Zeit; entspricht der geistigen Jugend, mit der Selbsterkenntnis beginnt. Wird in unserer Epoche nur von wenigen Menschen sichtbar verkörpert.

In der fünften Dimension des Bewusstseins kommt zum „Leben der Kugel“ noch die Kraft des Willens, also der Beeinflussung von Abläufen von der geistigen Ebene aus hinzu. Die Ich-Identität wird auf dieser Stufe trans-personal und umfasst alle anderen Ich-Aspekte als Ganzheit; entspricht geistigem Erwachsensein und dem Anfang von Bewusstsein von Geist über sich selbst.

Über diese und die nächst-höhere, all-umfassende Dimension von Bewusstsein zu sprechen, ist jedoch wenig ergiebig, da mental-begriffliche Beschreibungen ihnen bezüglich einschränkend und daher fehlleitend wirken. Diese Mini-Skizze soll nur dazu dienen, kritisch und immun zu werden gegen all die Dimensionen-Fantasien und Erfindungen, die von Apostel im zweidimensionalen Bewusstsein verbreitet werden.

Das All und Alles ist sechsdimensional (drei „materielle“ (Raum-) Dimensionen und drei „höhere“, „geistige“ Dimensionen). Die verschiedenen Bewusstseinsstufen nehmen nur mehr oder weniger an all dem und dem All teil.

Nieder-dimensionale Stufen können höhere nicht erfassen, sich nicht einmal vorstellen. Sie haben meist Angst vor ihnen und ihren Äußerungen, und wenn sie über sie sprechen, dann stets nur in vereinfachter und extrem verzerrter Form, so wie man mit einer Zeichnung von einem Haus nicht die Erfahrung des realen Hauses erfassen kann. Etwas, das die ehrliche Bezeichnung „Freiheit“ verdient und nicht bloß Scheuklappen-Illusion ist, ist nur erreichbar durch die Öffnung des Bewusstseins für seine höheren, umfassenderen Dimensionen.

Jedes Auftauchen und Wirksamwerden einer höheren Bewusstseinsstufe wird als „Aufwachen“ erlebt und umso erschütternder, dramatischer und bedrohlicher, je plötzlicher, unvorbereiteter und unbegleiteter es geschieht. Mit zunehmendem Bewusstsein wird der Prozess allerdings innerlicher und vor allem leiser. Der emotionale Krawall und das Bedürfnis nach kollektiver Rettungsgemeinschaft treten vor allem auf, wenn Bewusstsein sich von der zweiten in die dritte Dimension erweitert.

Es sei diesbezüglich auch darauf hingewiesen, dass in diesen Andeutungen wissentlich und begründet weder das Wort „Liebe“ noch Wort-Vignetten wie „Energie“, „Einswerdung“, „Mitgefühl“, „Weisheit“, „Paralleluniversen“, „Numerologie“, „kosmisches Wissen“, „Egolosigkeit“, „Illuminaten-Matrix“, „luziferisch“, „Geiheimlogen“, „Blutlinien“ etc. verwendet wurden. Diese verbalen Gerätschaften sind meist Hinweis darauf, dass zweidimensionales, emotional-mythisches Bewusstsein spricht und sich Bilder von höheren, schöneren Traumgefilden zusammenreimt, in denen alle seine Wünsche erfüllt und alle seine Sorgen und Überforderungs-Probleme magisch aufgelöst sind.

Unsere Kultur ist seit einigen Jahrzehnten in all ihren Auswüchsen und Subkulturen auf das Niveau zweidimensionalen Bewusstseins herab gerutscht. Dreidimensionale Menschen schwimmen offensichtlich erkennbar gegen den Hauptstrom und finden innerhalb von Massenbewegungen weder Platz noch Gehör. Die neue Kultur, die den Menschen vor dem kollektiven Selbstmord retten wird, wird von fünfdimensionalen Menschen inspiriert, von vierdimensionalen ein- und angeleitet und von dreidimensionalen aufgebaut und getragen. Auch für die Kinder wird es einen Platz geben, an dem sie sich weiter entwickeln oder auf ihre Weise einrichten können.

Die Bewusstseinskompetenz der Zukunft: soziale Gestaltungskraft

Während die noch unvollständig und ringende Selbst-Bewusstwerdung der vierten Dimension sich auf Prozess-Intelligenz und die Beherrschung von „Zeit“ durch abstrakte Informations-Technologie bezieht, wird die Eroberung der fünften Dimension als kulturprägendes Agens in der Zukunft vor allem Komplexitäts- und Gestaltungs-Intelligenz und mit ihr die Entwicklung einer Art „Sozial-Technologie“ benötigen.

Denn es wird nicht bloß darum gehen, eine andere Welt zu bauen, sondern vielmehr darum, eine Welt zu bauen, die alle vorhergehenden Welten und ihre Bewusstseins-Kompetenzen anerkennt, umfasst und in ihren gesündesten Ausdrucksformen fördert. Als Arbeitsbegriff würde ich für diese neue, hoch-integrative Welt die Kompetenz der „sozialen Gestaltung“ ganz nach vorne stellen.

Wir müssen verstehen, dass soziale Gestaltung mehr ist als nur eine Rahmensetzung in Form rechtlicher und moralischer Leitplanken. Es geht dabei nicht bloß darum, festzulegen, was getan werden darf und muss, sondern vielmehr darum, zu ermöglichen und zu unterstützen, Fähigkeiten für jede situative Herausforderung zu entwickeln. Je besser diese Fähigkeiten und die dafür notwendige Wahrnehmung ausgebildet sind, desto weniger Regeln und Gesetze braucht es. Somit dürfte die nächste lange Menschheitsepoche auch davon geprägt sein, mit immer weniger Gesetzen und juristischen Institutionen auszukommen und in einem viel größeren Maße als jemals zuvor in die Bildung aller und jedes Einzelnen zu investieren.

Die Kunst sozialer Gestaltung beginnt mit einer umfassend persönlichen Bildung und dem Herausbilden von sozialen Kompetenzen, das heißt vor allem von Wahrnehmungsfähigkeiten und Fertigkeiten des Ein- und Mitwirkens in Bezug auf jegliche Form von Interaktionen zwischen Menschen, zwischen Gruppen und zwischen Institutionen.

Ich nenne diese zukunftsbezogenen Aspekte und voraussichtlichen Makro-Aufgaben nur beschreibend und ableitend, keineswegs mit aufforderndem oder wegweisendem Tonfall. Wenn meine Schlussfolgerungen aus den bestehenden Anzeichen richtig sind, so werden sie sich genauso von selbst und ohne ängstliche Zwänge oder ungeduldige Einmischungen ergeben wie sich auch alle anderen kulturellen Verschiebungen bisher ergeben haben. Im besten Falle dienen meine Ausführungen und Skizzen dazu, diese Strömungen freizulegen und von Missverständnissen und Fehlinterpretationen abzulösen.

Zukunfts-Impulse

„Die Menschheit wacht auf“ können wir nach aller vorhergehenden Darstellung nun als den Übergang einer kulturstiftenden Bewusstseinsstufe zu einer neuen, höheren verstehen.

Damit eine neue Kultur auf der Basis eines umfassenderen Bewusstseins entstehen kann, müssen jedoch nicht alle aufwachen, d.h. adhoc eine höhere Bewusstseinsintensität entwickeln. Nicht einmal ein Großteil muss es. Aufwachen muss nur die Spitze, dafür reicht theoretisch eine Handvoll Menschen für den Rest der Welt.

Auch die Essenz des Christentums wurde von einer einzigen Person in die Welt gesetzt. Alle anderen waren ihre Schüler oder Nachfolger.

„Das große Aufwachen“ bezieht sich also qualitativ nur auf einige sehr wenige – mehr braucht es auch gar nicht – und nur quantitativ auf das Kollektiv der Menschheit. Die Menschheit wird nicht deshalb wacher, weil jeder Einzelne „aufwacht“, sondern weil eine neue Kultur geschaffen wird, die auf den Prinzipien des Aufwachens oder des Aufgewachtseins fußt.

Was für Bakterien gilt, gilt für alle Lebewesen und auch für die menschliche Psyche und ihre Wachheit gegenüber sich selbst und der Welt: der Einzelne allein ist nichts, das Milieu ist alles. Unser psychisches Milieu ist die Kultur, in der wir leben. Nur die Kultur ermöglicht es, aus einem vorbewussten Neugeborenen einen selbstbewussten, kulturaufbauenden Erwachsenen zu machen.

Kulturentwicklung beruht auf Bewusstseinsentwicklung. Entwicklung im Bewusstsein zeigt sich durch zunehmenden Fokus und durch die zunehmend willentliche, d.h. zielgerichtete Bündelung von Aufmerksamkeit. Körperlich-instinktives Bewusstsein gleicht einer Radarstation ohne Fokus. Emotional-soziales Bewusstsein ist schon gebündelter und ermöglicht es uns, klarere Konturen und Unterscheidungen zu ziehen zwischen Tier und Mensch, zwischen Stimmungen, nuancierten Reaktionen und Charakteren. Intellektuell-mentales Bewusstsein ist um ein Vielfaches mehr gebündelt und erlaubt uns die noch viel schärfere Konturierung und Differenzierung in immer genaueren und subtileren Begriffen.

Die nächst-höhere Bewusstseinsstufe ist dann die des Selbstgewahrseins, wir könnten es psycho-mentales Bewusstsein nennen, weil es die zusätzliche Differenzierung unserer Wahrnehmung anhand von Echtheit (im Sinne von Authentizität) und Bedeutung (im Sinne von Sinnhaftigkeit und Wesensentsprechung) ermöglicht.

Bewusstseinsentwicklung ist Bewusstseinsdifferenzierung und diese braucht Fokus. Je höher der Fokus, desto größer wird auch die Integrationskapazität. Es ist wie beim Verstehen von Texten. Zunächst müssen wir lernen, Buchstaben zu erkennen, dann Worte und ihren semantischen Bezug innerhalb von Sätzen. Schließlich fokussieren wir noch weiter und können „zwischen den Zeilen lesen“, d.h. Andeutungen, Impliziertes und Mitgemeintes erkennen. So wird Lesen Stufe um Stufe fokussierter und gleichzeitig komplexer und integrativer. Analog dazu funktioniert Bewusstseinsentwicklung: sie befähigt Stufe um Stufe zu komplexerer Wahrnehmung und somit auch Kommunikation, Steuerung und Gestaltung.

Nebenbemerkung

Wer glaubt, Bewusstseins-Entwicklung verliefe in Richtung Verklärung und überwältigender Empfindsamkeit, der ist in die Regressions-Falle getappt. Alle Angebote gegen Klärung und Schärfung des Denkens und der begrifflichen Selbsterfassung sind rückwärtsgewandt und beruhen auf Angst vor Überforderung. Dazu gehören auch all die unzähligen Stimmen, die das Emotionale, das Soziale, das „Intuitive“, das Energetische oder andere prä-rationale Stufen des Bewusstseins anpreisen und als Entwicklungsschritt deklarieren. Was sie alle gemeinsam haben, auch wenn sie diese Tatsache aufwendig verschleiern wollen: sie sind von der Welt, wie sie bereits ist, schon massiv überfordert und stehen ihr hilflos gegenüber. Im Grunde rufen sie nach Entlastung und Befreiung von der Komplexität durch die Rückkehr auf frühere Entwicklungsstufen, deren tatsächliches Entlastungspotenzial sie stets völlig überschätzen. Sie behaupten, Kindlichkeit und Unmittelbarkeit zu fördern, bringen aber nichts weiter zustande, als kindische Naivität und Abkopplung von Reifungsmöglichkeiten.

Mann und Frau in der Zukunft

Schauen wir uns zum Abschluss noch ein konkretes Beispiel für die Veränderung kultureller Wahrnehmungs-Referenz an: den Bezug zum Geschlecht, Sexualität und sozialen Geschlechterrollen.

Es bedarf sicher keiner weiteren Ausführungen, dass wir aktuell diesbezüglich in einer großen Verwirrung und verzweifelten Realitätsabkopplung leben.

Die Menschheit durchwanderte Kulturepochen des Matriarchats, das irgendwann so emotional-willkürlich und blutrünstig wurde, dass es zur Rettung des menschlichen Wesens vom abstrahierenden, gesetzesorientierten Bewusstsein des Patriarchats abgelöst werden musste. Dieses birgt jedoch die Gefahr der Extremisierung ins Militante, weshalb auch diese Kulturbasis nun durch eine neue abgelöst und gesteigert werden muss. Nämlich von der Herrschaft des Menschlichen.

Wie wir oben schon gezeigt haben, hat jede neue Epoche die Aufgabe, alle ihr vorhergehenden zu integrieren, also sie nicht bloß zu ersetzen, sondern in sich aufzunehmen. Die Dynamik des Patriarchats der letzten 2500 Jahre und ihren Kulturepochen war mehr als eine Verlagerung sozialer Macht und Ordnungsprinzipien vom Mütterlichen auf das Väterliche. Es war eine Weiterentwicklung von der mythischen Abstammungs-, Eltern- und Ahnenkultur hin zu einer Individualkultur mit der Betonung des Mentalen und schließlich des Rationalen durch Recht und Zukunftsorientierung.

Wichtig: das patriarchale Denken ist nicht bloß männlich und bezieht sich auf mehr als nur das Männliche. Moderne politisch instrumentalisierte Bewegungen, die die Bevölkerung spalten und gegeneinander aufhetzen wollen, indem sie gegen Männer und alles Männliche kämpfen, lenken meist ganz gezielt davon ab, dass alles Patriarchale sich auf das Väterliche bezieht, also auf die Kombination aus Männlichkeit und verantwortungsvoller Fürsorge. Aber dagegen lässt sich schwerer agitieren als gegen eine pauschale Idee von „Männerwelt“. Männerherrschaft oder Männer-Privilegierung sind Symptome der einseitig und defizient gewordenen patriarchalen Kultur. Das Väterliche ist uns ja längst massiv abhanden gekommen, so dass wir es auch wiederherstellen müssen, um wieder psychisch ins Gleichgewicht und sozial gesund zu werden.

Das Männliche wird von alters her mit Recht, rechts und Richtigkeit verbunden so wie mit der Ratio, dem Mentalen und dem begrifflichen und planenden Verstand. Auch linguistisch beruhen Worte wie „Recht“, “Richtung“ und „richtig“ auf dem Wurzel-Laut „regh“, den wir im Lateinischen im Wort „recte“ wiederfinden, das einen sehr breiten und interessanten semantischen Umfang hat, nämlich: geradeaus, aufgerichtet, aufrecht; gehörig, glücklich, günstig, gut; recht, ordentlich, sicher, teuer, tüchtig, „mit Recht“ oder „zu Recht“, i.d.S. auch: „ohne Gefahr“ und – besonders für uns hier interessant: „in gerader Linie“ und „in gerader Richtung“. Es geht also, wenn wir über den Pol des „Männlichen“ sprechen, ideengeschichtlich-ursprünglich um den Bewusstseinsaspekt des Geraden, der geraden Linie – im Gegensatz zum weiblichen Kreis- und Zyklus-Bewusstsein, das immer bergenden, geschlossenen Charakter hat und deshalb auch essentiell ein- und ausschließend ist.

Durch die Bewusstwerdung des Prinzips von Geradlinigkeit wandelten sich auch die fundamentalen Prinzipien und Referenzpunkte einer Kultur: sowohl Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, als überhaupt Richtung, Richten und lineare Zielstrebigkeit wurden bedeutsam und brachten neue Lösungsansätze und Möglichkeiten hervor jenseits der ist-bezogenen Kreisförmigkeit und Zeitlosigkeit. Wir können sagen: die Kultur wurde maskulinisiert, männlicher – aber nicht biologisch, sondern psychisch. Das Männliche als das aufrichtende Element, das somit auch die gerade Linie nach oben, die vertikale Verbindung von der Erde zum Himmel (statt horizontal zwischen Erde und Natur) erzeugt, und somit die Erektion (Aufrichtung) in die Kulturpsyche einfügte, war eine Erweiterung des Bewusstseins des Menschen von sich selbst und seiner Einzigartigkeit, nämlich das einzige aufrecht gehende Wesen auf dem Planeten zu sein.

Schauen wir noch ein wenig weiter zum Begriff des Rechten. Die rechte Hand und die ganze rechte Körperseite werden von der linken Gehirnhälfte gesteuert, die auf analytische Logik, Sprache, Abstraktion und allgemein Distanzierung vom Körperlichen spezialisiert ist. Rechtslastig zu sein bedeutet also auch neuro-anatomisch, mehr aus den rational-analytischen Kompetenzen heraus zu agieren.

Es ist kein qualitativer Sprung, wenn bloß „mehr Rechte für Frauen“ gefordert werden. Ebenso könnte man mehr „Linke für Männer“ fordern. Oder vielleicht sollten die Frauen sich „die Linke“ zurückerobern…? Nein, die Überwindung oder besser: die integrative Neu-Einbettung von matriarchalen und patriarchalen Ordnungsdynamiken kann nur durch eine umfassendere Referenzstruktur möglich werden: also den Menschen und noch mehr das Wesentlich-Menschliche als zentraler Ordnungsaspekt für die neue Kultur.

Es scheint in der Entwicklungsfolge der kulturellen Schwerpunkte auch eine Pendelbewegung zwischen dem Femininen und dem Maskulinen zu geben, denen sich die sozialen und geistigen Entwicklungen unterordnen. Es ist daher davon auszugehen, dass uns als nächster Schritt der Kulturentwicklung eine spürbare Bewegung ins Feminine bevorsteht, also auch wieder eine Neu-Betonung jener Kompetenzen und Stärken der rechten Gehirnhälfte von Integration, Gesamtschau, Fokus auf Verbindung und Gemeinsamkeiten, mehr Aufmerksamkeit für alles Körperliche und Sinnliche, auf Fürsorge, Soziales und Raumgebendes.

Dabei werden aber nicht die mütterlichen Aspekte des Weiblichen tonangebend sein (das wäre ein Rückschritt zu matriarchalen, prä-mentalen Bewusstseinsstufen), sondern wahrscheinlich eher jener Aspekt, den wir als den Musischen (sind Musen nicht stets weiblich?) bezeichnen könnten: Kreativität, Kunstbezug, Ästhetik und der rezeptive Bezug zur geistigen Welt. Die besondere Macht des Weiblichen, die es darin besonders für Frauen wieder zu entdecken gilt ist die Macht der Schönheit – wohlgemerkt nicht jener Schönheit, die vom defizient-patriarchalen Geist (von Männern wie von Frauen) als „fotogen“, herstellbar und instrumentalisierbar definiert wird, sondern jene echte Schönheit, die aus der authentischen Anbindung an das eigene Wesen und dessen Ausdruck heraus leuchtet.

Ich hatte das schon in meinem „Brief an die Frauen der Dichter und Denker“ angedeutet: das Weibliche kann uns zum Besseren und Guten verführen, wo das Männliche – auf sich allein gestellt – auf Fokus, Kraft, Klugheit, Disziplin und Askese angewiesen ist. Letztere Eigenschaften sind in allen klassischen Helden-Bildern bis in die heutigen Kinogeschichten enthalten. Es ist deshalb überhaupt kein qualitativer Sprung, wenn diese Eigenschaften nun von Frauen – maskulinen Frauen-Helden – verkörpert werden, sondern zeigt nur die Hilflosigkeit unserer Kultur, sich mit all ihren Bedrängnissen und Sehnsüchten in ein erweitertes konstruktives Bewusstsein hinein zu versetzen.

Aber es ist im Kanon des Christentums bereits eine andersartige weibliche Integrationsfigur enthalten, nämlich in Maria und ihrer mythologisierten Geschichte. Sogar die katholische Kirche hat interessanterweise 1950 „schon“ das „neue Marien-Dogma“ durch den Papst verkünden lassen. In diese Richtung weist also schon der Zeitgeist.

Die Antwort auf die exzentrisch überdrehten und ausgezerrten Denkfiguren der erschöpften patriarchalen Logik ist, wenn wir so wollen, eine Marien-Logik: die vom Geist empfangende Jungfrau, die einen Bewusstseinsimpuls in den Körper holt und für alle sichtbar hervorbringt. Es ist auch interessant, wie Kirche und Kunst seit je her intuitiv bemüht waren, Maria nicht als typische „Mama“ darzustellen, sondern immer eher wie ein Mädchen. So bleibt die Botschaft erhalten, dass es sich nicht um einen biologischen Prozess handelt und dass die Jungfrau auch nach unzähligen Konzeptionen und Geburten Jungfrau bleibt. Das ist biologisch-materiell nicht zu verstehen, sondern nur symbolisch und nur gültig für das Psychische und Geistige. Und nur so kann eine solche „Marien-Kultur“ davor bewahrt werden, in matriarchale Grundhaltungen zurück zu kippen.

Und: so sehr es hier um das Empfangen von höheren, d.h. geistigen Prinzipien und Impulsen geht, so sehr geht es auch um Verkörperung und Körperwerdung. Die einseitige Figuration der Maria als keusches, anti-sinnliches, reines und naives Herzwesen, ist vermutlich schon eine reaktive Verformung aus einer überforderten Hypermaskulinität, der interessanterweise vor allem Frauen und besonders solche mit sexualitätsbezogenen Ängsten anheimfallen.

Das neue „Marien“-Bild, das es erst wieder zu ent-decken gilt – unter welchem Namen dann auch immer – wird den Eros und die Sinnlichkeit voll mit einbeziehen. Vielleicht sollten wir dafür die Figur der Maria Magdalena auch noch einmal neu und genauer anschauen und einbeziehen.

Dieses neue Ent-Decken femininer Bewusstseinsqualitäten bedeutet, metaphorisch gesprochen, dass die Gewänder und Umhänge der Maria sehr durchscheinend werden müssen und ihre mytho-symbolische Bedeutung sanft erweitert wird von der sorgfältigen Verhüllung und verdunkelnden Geheimhaltung der letzten Jahrhunderte hin zu einer erotischen Aufforderung zu behutsamer und ehrfurchtsvoller, aber entschlossener Enthüllung und Transparenz.

Licht und Sex – zur Verdeutlichung von Bewusstseinsentwicklung

Da wir nun schon bei der Erotik gelandet sind, wollen wir unser Momentum nutzen für ein paar Hinweise für zukünftig notwendige psycho-kulturelle Generalüberholungen.

Wie alle Begriffe von Lebendigem und Essentiellem, so wurde auch der Begriff der Erotik im Niedergang der alten Kultur luziferisch in sein Gegenteil verdreht. Erotik ist in Wahrheit das völlige Gegenteil von den nervös flimmernden Rotlicht-Inszenierungen, die uns unter ihrem Namen angedreht werden: sie ist das Leuchten von Tiefen-Vitalität und Lebensverbundenheit im Körper, durch alle Poren des Körpers und im gesamten gestischen und motorischen Ausdruck des Körpers. Eros ist das Prinzip der polaren Anziehung und Ergänzung. Je lebloser ein Körper und je unauthentischer eine Darstellung, desto weniger erotisch sind sie. Der Verkauf von Körperoberflächen und jede wirtschaftliche Instrumentalisierung von Körperlichem sind wegen ihrer De-Vitalisierung des Körpers per se völlig unerotisch. Wir neigen dazu, Erotik und Neurotik zu verwechseln. Der Neuro-Tick des modernen Abgekoppelt-Seins mag entstellte Ersatz-Befriedigungen und skurrile, psychotoide Praktiken erzeugen, aber er ist weit entfernt von jener Gesundheit und psycho-somatischer Intaktheit, die absolut notwendig sind, um die Bekanntschaft mit dem Gott Eros und seinen Lustbarkeiten zu machen.

Eine analoge Sinn-Verkehrung gibt es in Bezug auf Stolz, der einen unmittelbaren Bezug zur Erotik hat. Stolz ist eine natürliche Grundemotion, die wir auch bei allen Säugetieren finden: jene aufrichtende und vitalisierende Kraft, die uns sichtbarer und selbstbewusster macht. Und Vitalisierung oder Energetisierung in Verbindung mit Kontakt- und  Kommunikationsfreudigkeit laden auch erotisch auf.

Dass gesunder Stolz seit geraumer Zeit in der westlichen Welt unterdrückt und tabuisiert wird, liegt zum einen daran, dass auf diese Weise Herrschaftssysteme die Oberhand und Kontrolle über Menschen bewahren und zum anderen an der Verwechslung von Stolz mit Arroganz, deren Unterschied darin liegt, dass sie zugewandten Kontakt und wohlmeinende Kommunikation vermeidet, weil sie auf Angst beruht.

Die sogenannten „Pride Parades“ und verwandte Massenveranstaltungen versuchen Stolz und seine Vitalität aktionistisch zu inszenieren und aufzuführen, was jedoch mehr gewollt als authentisch und schon gar nicht spontan aussieht. Sie wirken deshalb in ihrer übertriebenen Aufdringlichkeit und aufmerksamkeitssuchenden Flitterhaftigkeit eher wie kontraphobischer Aktionismus zur Verdeckung des Mangels an natürlichem Stolz und von Desorientierung. Man kann Stolz nicht herbei imitieren und man kann seinen Gegenpol, die Scham, nicht weg demonstrieren.

Während Stolz bewirkt, dass man sich aktiv zeigt und so sichtbar wie möglich macht, bewirkt Scham eine Art innere Paralyse, die einen möglichst passiv, zurückhaltend und unsichtbar macht. Man kann diese innere Lähmung durch Scham nicht durch Aktionismus überwinden, sondern nur dadurch, dass man ihre Ursache behebt, nämlich die Desorientierung und Hilflosigkeit, sich in etwas oder etwas in sich nicht integrieren und verstehen zu können. Scham löst sich auf durch Bewusstwerdung, Integration und Verständnis.

Machen wir uns die stufenweise Bewusstseinsentwicklung, um die es in diesem Artikel geht, zu seinem Abschluss noch einmal an dem delikaten Beispiel der Sexualität deutlich. Dafür nehmen wir die klassische Metapher von Licht, um das steigende Bewusstsein darzustellen:

Auf der anfänglichen ersten Stufe haben wir Finsternis, das Stockdunkle und Lichtlose. Sexualität ist auf dieser Stufe noch unbewusst, archaisch-triebhaft und außerhalb jeder Kontroll-Dimension. Sie wirkt als unpersönliche instinktive Kraft aus dem Dunklen heraus und im Dunklen.

Auf der zweiten Stufe haben wir die Dunkelheit der Nacht, in der es unter dem Licht des Mondes nicht mehr völlig finster ist. Sexualität beginnt nun, bezogen zu sein, noch sehr rudimentär und kindlich-mutterbezogen, nach Geborgenheit und nach Ich-Auflösung in der Verschmelzung suchend. Sex wird als Bedürfnis erlebt, mit dem wir nach Vitalisierung durch Regression streben.

Die dritte Stufe ist die der Morgendämmerung, in der ein erstes indirektes Sonnenlicht auftaucht – das Zwielicht. Zwielichtige Sexualität beginnt ambivalent zu werden zwischen der Tendenz sich aufzulösen und überwältigen zu lassen einerseits und dem Impuls nach Selbsterhalt, Eroberung und Einverleibung des attraktiven Anderen andererseits. Die persönliche Bezogenheit nimmt zu und gewinnt den Charakter von Kräftemessen, Macht-Spielen und Unterwerfung, hinter denen sich im Grunde schon eine Begegnung auf Augenhöhe verbirgt, denn der Andere ist nicht von vorneherein über- oder unterlegen, sondern man will ihn in seiner Kraft wie einen Gegner spüren bevor man sich ihm hingibt oder ihn „sich nimmt“.

Mit der vierten Stufe beginnt der Tag mit dem vollen Sonnenlicht, das alles bescheint und sichtbar macht. Dieses Tageslicht bringt eine enorme Vielzahl von Farben hervor, die von den Oberflächen der Dinge abstrahlen. Es ist wie das Licht einer Bühne, das Faszination, Begeisterung und emotionale Intensität hervorbringt, aber dafür auch noch mehr den Schein als das Sein leuchten lässt. Auf dieser Bewusstseinsstufe wird Sexualität romantisch-polar. Es geht nicht mehr darum, zu verschmelzen und sich aufzulösen, sondern im Gegenteil, es geht um die maximalen Unterschiede und die Gegen-Pole maximaler Attraktion: man will den Anderen gerade in seiner aufregenden Andersartigkeit – nicht gleich verschlingen, sondern bei sich haben. Es geht um den Erhalt und die Polarisierung der eigenen Identität und um die Wahrung ihrer Grenzen. Das Archetypische und das Ideelle, Träume, Wunsch-Fantasien und Sehnsüchte werden wichtiger als körperliche Erfüllung. Auf dieser Stufe beginnt das Seelische über das Instinktive und Soziale zu dominieren. Das Herz und seine nach oben strebenden Gefühle dominieren nun über das Becken und die Triebe. Wir neigen dazu, das andere Geschlecht zu idealisieren und in die luftigen Höhen des (körperlich) Unerreichbaren zu heben. Auf dieser Ebene aber beginnt die Begegnung auf Augenhöhe, nicht mehr als Kampf, sondern als gegenseitige Ergänzung. Wir suchen in der romantisch-polaren Sexualität ein höheres Drittes, das nur zu zweit in einer ganzheitlichen Vereinigung (nicht Verschmelzung) zu finden ist.

Die fünfte Stufe bringt ein neues Licht hervor: das Licht, das durch die Körper hindurch scheint und sie transluzent macht und anfängt, mit Licht und seiner Energie aufzuladen.  Auf dieser nächsten Bewusstseins- und Integrations-Stufe webt sich das „Licht des Verstandes“ hinein in unser sexuelles Bewusstsein, jene Kraft, die wir als Klärung, Klarheit, Helligkeit und Leichtigkeit erleben. In der englischen Sprache noch mehr als in der deutschen können wir erkennen, dass die Worte „Licht“ und „leicht“ den gleichen Bezugsursprung haben. Auf dieser Stufe beginnt das Verstehen von Sexualität. In ihren früheren Stadien mag sie noch zu einer Dominanz des Mentalen führen, man will mit Techniken, Theorien und Hilfsmitteln der Sexualität auf die Schliche kommen, was aber dazu führt, dass sie sich zurückzieht und unter der Überhitze vertrocknet. Der Zugewinn an Kontrolle und ausgefalleneren Praktiken fordert auch, dass man lernt zu befeuchten. Der instrumentelle linke (maskuline) Neokortex muss sich ergänzen durch den gefühls- und beziehungsbetonten rechten (weiblichen), der dafür sorgen kann, dass es im Kontakt zwischen den Polen feucht, flüssig und schlüpfrig bleibt. Dann beginnt Sexualität erhellend und erhebend zu werden, weil die sexuelle Begegnung auch geistig angereichert ist.

Auf Stufe sechs intensiviert sich der Einfluss dieser geistigen Dimension nochmals. Das mehr geistige als physische Licht dominiert nun in seiner Wellen- und nicht mehr so sehr in körperlicher Teilchen-Form. Das UV- oder Röntgen-Spektrum des Sonnenlichtes geht nicht nur durch die Oberflächen hindurch, sondern erzeugt nun ein Licht in den Körpern selbst: wir beginnen von innen zu leuchten, wir beginnen, Schönheit und Ganzheit auszustrahlen. Auf dieser Stufe wird Sexualität transparent-ästhetisch.  Sex ist nun eine Begegnung oder besser: eine Verschränkung von Licht. Der Kontakt findet auf Schwingungs-, Energie- oder Photonen-Ebene statt, eine Art Quantenfeld-Begegnung, in der es sowohl klare Grenzen als auch Grenzenlosigkeit gleichzeitig gibt. Auf dieser Stufe erlangen wir Bewusstheit über unsere Zeugungskraft und über den Zeugungsakt selbst. Unser Ich löst sich nicht mehr auf, sondern lässt sich durchströmen und kann sich hingeben ohne sich aufzugeben. Wir können opfern ohne zum Opfer zu werden. Wenn Sexualität das Attribut heilig verdienen kann, dann auf dieser Stufe. Die levitierenden Kräfte überwiegen und umhüllen nun alle anderen, vor allem die gravitativen Triebkräfte, so dass wir schweben. Sex findet nun in den Wolken – und überall und ständig – statt, wobei unser volles Bewusstsein jedoch auf dem Teppich bleibt.

Ab Stufe 4 wirkt Sex zunehmend sowohl heilend und regenerierend als auch bewusstseinssteigernd, weil Sex-Energie mehr und mehr bewusstseinsfördernd transformiert und nicht mehr bewusstseinsvernebelnd eingesetzt wird. Darüber hinaus wirkt Sexualität ab einer „Licht“-Intensität von Stufe 5 kreativ, das heißt schöpferisch und aufbauend über seine biologischen Funktionen hinaus.

Die Entwicklung des Sexualitäts-Bewusstseins über die Stufe 4 hinaus ist in unserer Kultur schwierig, weil es für sie keine Förderung gibt. Es ist schon viel, wenn Menschen eine gesunde Form der Stufe 4 entwickeln, die meisten erreichen nur eine defiziente Ausprägung, in der Herz- und Beckenenergie nicht zu einer sich-ergänzenden Einheit finden. Dann bleibt es bei der mehr oder wenigen subtilen Trennung von „Sex“ und Gefühl. Wir können auch die inflationäre Verbreitung von Pornografie als Versuch einer Bewusstseinsentwicklung zu Stufe 5 betrachten: nämlich durch die Sichtbarmachung und die Visualisierung von Sex als etwas Zu-Betrachtendes, also als Versuch, eine übergeordnete Beobachter-Perspektive zu erobern und als hilflosen und so gut wie immer fehlgeleiteten und schädigenden Versuch, Sex und menschliche Sexualität zu ästhetisieren. Das dies nicht gelingt, liegt vor allem an mangelder Integration und Stabilität der ersten 4 Stufen, die in Folge neurotische und völlig pervertierte Formen der Sex-Visualisierung hervorbringen, welche leicht ersichtlich von Abspaltung, Angst und Missbrauch geprägt sind.

Die grundsätzliche Gefahr in der Entwicklung höherer Bewusstseins-Intensitäten liegt auch hier wieder darin, sie bloß aneinander zu reihen und zu „stapeln“ statt sie auseinander hervorgehen und sich ineinander integrieren zu lassen. Dann ergibt sich eine Fragmentierung der Identität und der Fähigkeiten, mit der man den starken Energien der Sexualität gar nicht gewachsen ist. So wird dieser ganze Lebensbereich zunehmend von Angst vor Überforderung, Anspannung und Verdrängung belastet.

Die konstruktive Alternative, die es zu finden gilt, sorgt für ein langsames und organisches Wachstum, in dem sich unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmungsfähigkeiten kontinuierlich erweitern und verfeinern, um zum einen die Sexualität in unser körperliches, emotionales, soziales und mentales Bewusstsein zu integrieren und andererseits uns mit all unserem Körperlichen, unseren Emotionen, Beziehungsweisen und Konzepten in unserer Sexualität präsent sein zu lassen.

Eine Bühne für die entschleierte Maria

Vielleicht hilft uns dabei die beschriebene neue Figuration der Maria als nicht nur durchscheinende, sondern als leuchtende Jungfrau. Vielleicht können wir dadurch die psychische Kluft zwischen dem Sinnlichen und dem Herzlichen schließen, um die Kräfte ihrer Vereinigung kulturell fruchtbar zu machen. Sowohl Männer als auch Frauen werden eine solche Vor-Stellung von einer zeugungsbewussten und zeugungsanlockenden Weiblichkeit brauchen, um ebenfalls die Kluft zwischen hochtrabenden Ideen und mutiger Tatkraft zu schließen.

Ein neues kulturelles Bewusstsein könnte irgendwann weit genug gereift sein, um dafür – für diese Form von geist-empfangender Femininität – Bühne und Licht zu bereiten. Also auch nicht mehr ohnmächtig zu werden vor dem sich langsam entschleiernden Bildnis der Göttin von Sais. Während die Frauen dafür vor allem die Tiefen ihres weiblichen Wesens zu ent-decken und sichtbar zu machen haben, dürfte den Männern in erster Linie die Aufgabe zukommen, die Bühnen- und die Lichttechnik zu entwerfen, aufzubauen und zu erhalten – primär innerlich, psychisch-geistig, versteht sich.

Dann werden wir auf eine neue Weise fähig werden, eine bisher verborgene und nun beinahe hüllenlose Maria in uns und in allem Unsrigen zu erkennen als ein strahlendes Symbol und Versprechen des Glücks, gesund und lustvoll Mensch auf Erden zu sein.

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Gedanken zur kollektiven Übergangsphase in eine Kultur geistig Erwachsener


Für Denker und Zeitdiagnostiker sind dies ausgesprochen merkwürdige Zeiten: man kann über das Allgemeinste, Grundsätzlichste und Exzentrischste nachdenken, sprechen oder schreiben und gleichzeitig konkrete Beispiele für all das im Alltag nennen, die jeder kennt. So gesehen leben wir wahrlich in philosophischen Zeiten. Manche sagen „biblisch“. Das ist sehr ungewöhnlich und es wird wohl daran liegen, dass die Menschen sich im großen Stil über lange Zeit geweigert haben, über das Bedenklichste unseres Zustands des Abdriftens und Vegetierens nachzudenken, so dass sie es nun als Konsequenz physisch durchleben müssen. Wer nicht denken will, muss fühlen. Und wie schon in vorhergehenden Artikeln erläutert, besteht der größte und teuerste Fehler der Moderne in ganz spezifischen Unterlassungen und Verschleppungen, deren existenzielle Kosten die meisten immer noch nicht einmal erahnen können. 

Da das Radikale (radix = die Wurzel) nicht der Normalzustand sein kann, weil ihm ohne erwachsende Stängel, Blätter und Blüten die Entfaltungsdynamik und damit der Ausdruck in der Welt fehlen, müssen wir wohl in einer ausgesprochenen Ausnahmeepoche leben, in der sehr lang Gültiges endet und die darunter liegenden, ebenso lang vergessenen Schichten von noch grundsätzlicher Gültigem nicht nur sichtbar werden, sondern als einziger haltgebender Boden übrig bleiben, nachdem unsere babylonischen Türme zusammengebrochen sind. Wir werden an unser Fundament erinnert, weil unsere ideologischen Wolkenkratzer kollabierten. Das ist die harte Tour. Aber sie führt uns zu unseren Wurzeln.

Nur wenn eine Pflanze schwer krank ist, ist es notwendig, sie fast bis auf ihre Wurzeln zurück zu schneiden. Und dies, damit sie sich aus ihrem Ureigensten neu aufrichten, im wahrsten Sinne des Wortes regenerieren kann. Nur so kann sie wieder ur-sprünglich werden. So geht es jetzt zunehmend den Menschen: sie merken – jeder auf seine Weise – dass sie Orientierung nur im Fundamentalen, im durch und durch Wesentlichen und Ursprünglichen finden, während die aktuellen, übergroßen Regenerationsprozesse alle anderen Referenzpunkte und Leitplanken vor ihren Augen in Luft auflösen.

Katabasis

Wer bisher glaubte, er könne seine Moral aus den geltenden Gesetzen ableiten, und wer Ethik mit Legalität gleichsetzte, der wird einige Meter tief fallen, sobald ihm klar wird, wie unethisch alle die Gesetze sind, an die wir uns klammern und die unser Leben und unseren Geist in Klammern halten. Erst nach dem völligen Absturz aus dieser abgekoppelten und bodenlosen Entfremdung wird er wieder den festen Boden von einer in sich selbst verankerten Ethik und von einem in seiner eigenen Wesensnatur verwurzelten Moralbewusstsein unter sich haben.

Wer bisher glaubte, dass er das Richtige und Gesunde durch Gehorsam gegenüber den Autoritäten finden würde, der wird ebenfalls einige Stockwerke hinab zu stürzen haben, wenn für niemanden mehr zu leugnen ist, wie krank und falsch all die aufgestellten Autoritäten waren.

Und ebenso werden jene, die ihre Weltanschauungen und ihr Weltverständnis aus den Bruchstücken der systemzugehörigen Massenmedien zusammengesetzt haben, abstürzen in ein bodenloses Unverständnis, wenn ihnen aufgeht, dass es zwischen der Nachrichten-Welt und der Realität keine Korrelation gibt außer den realen, ruchlosen Interessen der Medienkonzerne zur Manipulation der Massen.

Und all dieses psychische Hinabfallen wird beschleunigt durch die Erkenntnis, dass all das “Wissen“, das so energetisch verteidigt und ja auch von „Wissenschaftlern“ verkündet wurde, nicht viel mehr war als blindes und denkfaules Glauben. Vom kindischen Glauben abzufallen ist keine schlechte Sache, wenn es darum geht, erwachsener zu werden. Überhaupt ist das Fallen eine gute weil notwendige Etappe im geistigen Entwicklungsprozess. Katabasis nannten es die Griechen: auf den Boden der Tatsachen fallen.

Die Härte des Aufpralls hängt auch in der psychischen Welt von der Fallhöhe ab. Aber nicht nur. Wer im Leben bereits Fallerfahrungen dieser Art hat, hat auch Kompetenzen entwickelt, den Aufprall abzufangen, sich nicht zu versteifen, sich mit dem Fallen mitgehen zu lassen und weder die Schwerkraft (genauer: das Gesetz der Dichtigkeit) noch den Boden als seinen Feind zu betrachten. Und beim kollektiven Fallen gilt ganz besonders noch: halt dich nicht an anderen Stürzenden fest und lasse sich niemanden an dir festhalten, wenn Du noch fällst. Es tut sonst noch mehr weh als wenn jeder sich selbst dem Fallen überlässt.

Dieses Fallen ist nun der Fall für so gut wie alle, weil es kollektiv ist. Und es ist kein Unfall und auch kein Zufall, sondern ein Zusammenfall, der auf einem großartigen Einfall von einem oder einigen wenigen beruht. Dieser Einfall war: den Schwindel und das Schwindeln der Menschen in allen ihren Kollektiven so rasant und so weit zu steigern und gegen jedes Gesundheits- und Integritätsempfinden ad absurdum zu führen, dass das bestehende Schwindelsystem des Irrealen komplett kollabieren und einstürzen musste. Nur so war trotz der enormen Fallhöhe noch eine konstruktive weil kontrollierte Rückkehr auf festen Boden möglich. Und jene Erfinder und die, die es früh genug verstanden haben, konnten sich früher schon zu den Ausgängen begeben und die Treppe nehmen. Vom Boden aus agieren. Für die anderen wird es ein Absturz sein, was sie wieder mit dem einzigen Boden in Kontakt bringt: der Realität.

Fallen

Fallen kann eine initiatische Erfahrung sein. Wer einmal fällt, wird niemals wieder als derjenige stehen und gehen, der er vor dem Fall war. Wer fällt, bekommt eine neue Beziehung zum Boden, zu allem, was unten ist und vor allem zu all jenen Unternehmungen, die sich vom Boden entfernen.

Jedes Aufstehen beginnt damit, hinzufallen. Und wer viel fällt, wird auch vielseitiger im Aufstehen, Stehen und Aufrichten. Sich fallen lassen zu können ist das Ergebnis vieler Fallerfahrungen, die in uns eine Kompetenz des Fallens, des Loslassens und sich-Gleiten-Lassens aufbauen. Das sind die Vorbedingungen dafür, sich nicht nur auffangen, sondern auch tragen lassen zu können. Und wenn wir Dinge von uns abfallen lassen können, dann erfahren wir, was es bedeutet, leichter zu werden und aufsteigenden Schwebekräften die Chance zu geben, uns nicht nur zu halten, sondern zu heben und höher zu heben.

Die psychisch so erwünschte Himmelfahrt funktioniert aber nicht, solange wir noch aus allen Wolken fallen können. Und solange wir dies können, sollten wir es auch. Zum einen als Training und zum anderen, um Ballast loszuwerden. Denn die Selbsterhebung, mit der wir uns vor der Selbsterkenntnis drücken, mag zwar durchaus schon in sehr luftige Höhen führen, vor allem, wenn wir der Einbildung und dem Rausch der Eigen-Ermächtigung in einer Gruppe Gleichbesinnungloser frönen, aber solange wir den Bodenkontakt dabei nicht halten können, werden irgendwann die Krücken und Stelzen, mit denen wir zu laufen versuchen sehr lang und sehr fragil. Und die naturgesetzliche Therapie solch ikarischer Überstiegenheiten lautet immer: nach unten. Wohin? Bis zum Boden.

Das Himmel-hoch-Jauchzen mag uns den Sinn und das Feuer des Lebens vermitteln, aber nur das Zu-Tode-betrübt lehrt uns, beides, sowohl das Hoch-fliegende, als auch die Tiefenverwurzelung, in uns zu tragen, zu halten und zu verkörpern. Jeder Versuch einer Abkürzung in diesem Punkt führt zu einer Verlängerung des Leidens und Lernens. Deshalb lohnt sich die so viel und routiniert gemiedene Zuwendung zum Tot- und Betrübtsein für das Wachstum so viel mehr als die Versuche, sich in den Himmel zu stimulieren. Warum? Weil wir dann vom Boden aus in den Himmel wachsen und darin stabil sind.

Bleiben wir bei dem Bild: unsere geistigen und psychischen Wurzeln müssen vom Boden der Realität erstmal nach unten, in die Erde wachsen. Dort ist das Reich der Toten. Die Erde, auf der wir stehen, die uns Halt und Nahrung gibt, lebt und ernährt sich selbst ja vom Tod und vom Verwesenden. So wie die Bäume von dem Humus aus ihren ehemals abgefallenen Blättern leben. Solange wir also das Fallen der Blätter nicht mit hineinnehmen in unser Verständnis von Leben und Wachsen von uns selbst und von allem, was am Leben Teil hat, können wir unseren Geist nicht über das Materielle erheben und bleiben darin stecken. Dann wollen wir immer nur Frühling und Sommer und verschließen die Augen vor allem, was Herbst und Winter in uns ist.

Menschen, die nur an Frühling und Sommer glauben und sich an ihnen festhalten wollen, erkennt man daran, dass sie stets linear, stets aufsteigend und oberflächlich denken. Sie glauben an unendliches Wachstum, immer größere Ernten ohne Sparsamkeit und Regeneration, an den Fortschritt durch Technologie ohne Besinnung, an Qualitätsgewinn durch immer mehr Erleichterung und Beschleunigung, an Erfolg durch Bühnenlicht und an Erfüllung durch Überfluss, bunte Ausschweifung und Aktionismus. Kurz: sie klammern sich an die Wahnvorstellung einer ewigen Jugend und werden durch sie hinab gezogen in die Abwärtsspirale jugendlichen Wahns.

Da unsere Kultur und der Zeitgeist seit etwa 70 Jahren ausschließlich von solchen „Ewiger Frühling“- und „Ewiger Sommer“-Fanatikern geprägt ist, leiden darunter auch all diejenigen, die sich nach Vollständigkeit sehnen und um sie bemühen. Wir können diese sehnsuchtsvollen Versuche auch in all den Tendenzen erkennen, die ihr Heil im Weiblichen, Mütterlichen und Matriarchalen suchen. „Zurück zur Natur“ mögen die einen von ihnen rufen, andere suchen die Lösung in der passiven Hingabe an etwas, das ihnen Geborgenheit und Schutz vor Komplexität verspricht. „Frauen an die Macht“ in all seinen Tönungen ist das entsprechende Äquivalent derer, die an organisatorische oder politische Lösungen für tiefenpsychologische Probleme glauben und sich damit erfolgreich vor Tiefgang und Einsicht schützen. Es gibt diese spürbare, tief fließende Suche nach Eingebundensein in die Natur, in ihre Zyklen und Gesetzmäßigkeiten.

Solange diese Sehnsucht aber nur organisatorisch, politisch, strukturell oder in Dimensionen von Life Style Ausdruck findet, machen wir keinen einzigen Schritt vorwärts, sondern vertiefen nur noch die Spurrille, auf der wir uns schon seit Generationen im Kreis drehen.

Wir können nicht zurück ins Matriarchale, auch wenn die Bilder, die wir dazu in uns hinauf beschwören, sich so erlösend und wohltuend anfühlen. Es sind nur Bilder und sehnsuchtsvolle Wunschfantasien – im besten Falle gute Erinnerungen. Wir stehen jetzt genau dort, wo ein Jugendlicher – egal ob Junge oder Mädchen – mit sagen wir etwa 16 Jahren steht: an der offenen Tür hinaus in eine weite Welt, die einem noch zu groß, zu komplex und zu schwierig vorkommt. Aber langfristig ist es keine Lösung, wieder zurück zu Mama in die Küche zu gehen. Dort war es mal schön, aber Ent-Wicklung bedeutet, es nun selber zu erschaffen und für uns zu rekonstruieren. Wir müssen also aus dem Kreis des Behütetseins und Uns-Einfügens ausbrechen. Diese Dynamik zeigt sich in dem Symbol des Mars, das wir auch für das Männliche benutzen: ♂.

Während das Weiblich-Mütterliche Raum gibt und hält, ist das Männlich-Väterliche jene Kraft in uns, die Raum erobert, erweitert und damit schafft. Es ist die grenzüberwindende Kraft, die ein Schwert benutzen kann, um ein Guckloch zu schneiden und einen Ausgang zu eröffnen. Dieses mutige Erobern von neuem Terrain ist das, was wir jetzt am allermeisten brauchen. Es muss als elementare Kraft wieder Eingang in unsere Kultur und unser Denken finden, sonst bleiben wir Kinder und sind dann unserer eigenen schlafwandlerisch geschaffenen Welt von Technologie und Massenmanipulation nicht mehr gewachsen.

Ist das ein Widerspruch zu der Notwendigkeit, das Bewusstsein für unsere „Herbst“- und „Winter“-Aspekte wiederzugewinnen? Steht dieser Bedarf an männlichem Impetus im Gegensatz zur Rückanbindung an das Natürliche, Zyklische und Nährende?

Er mag es gemäß vieler unserer kulturellen Prägungen und tiefsitzender Schablonen tun, aber er widerspricht ihm nicht in seiner Essenz. Das Terrain, das wir hier zu entdecken haben, ist neu. Man könnte sagen, es ist der männliche Zugang zur Natur. Und somit also der männliche Zugang zu den Herbst- und Winter-Kräften, die das oberflächliche, lineare Denken von „höher, schneller, weiter“ ergänzen um ein rückwärts- und nach innen gewandtes Gewahrsein, also die Selbstreflexion.

Das für uns herausfordernd neue Element, das männliche nämlich, liegt darin, diese Vollständigkeit nicht mehr allein im Körperlichen und Naturgegebenen zu suchen, sondern im Geistigen und vom Menschen Erschaffenen. Wir können nicht „zurück zur Natur“, wir müssen vorwärts zu ihr. Und zwar mit allem, was wir in den letzten Jahren erfunden und erfahren haben: mit aller Hochtechnologie, mit der Dominanz des Denkens über das (unreflektierte) Fühlen, mit den psychologischen Manipulationstechniken und ideologischen Experimenten, die bis zur Selbstzerstörung potent wurden, und mit der mittlerweile schon so gewohnten Überwindung vieler physikalischer Grenzen durch Kommunikations-, Energie- und Medizintechnik.

Initiation und Umstülpung

Initiation in Bezug auf diese Herausforderungen bedeutet die Einweihung in eine Betrachtungsweise, die Naturgegebenes und Menschengemachtes zusammen schauen und in Harmonie zueinander bringen kann. Davon sind wir noch ziemlich weit entfernt, aber die Sehnsucht danach ist schon bis zur Notwendigkeit angewachsen und drängend. Wir sollten diese Initiation oder Einweihung auf kultureller und kollektiver Ebene wie eine neue Einfärbung verstehen. Der Stoff, aus dem unser gesellschaftliches Zusammenleben, unsere Institutionen und die allgemein verbreiteten Motivationen und Anreize gemacht sind, muss dafür durchtränkt werden mit einer Tönung, die die geistige Kompetenz des Menschen in die Mitte und über alles sowohl Technische als auch Naturgegebene stellt. Und damit wird dann auch der Einzelne eben gerade in seiner Eigenschaft als Einzelner höher gewertet als irgendeine kollektive Maßgabe. Denn geistiges Wachstum ist nur im Einzelnen und durch den Einzelnen möglich. Übersicht und Verständnis gewinnen sowie Verantwortung übernehmen kann immer nur der Einzelne.

Diesen Übergang von der Dominanz kollektiver und tatsächlich materialistischer und anti-individueller Strömungen hin zu einer durchströmenden und kulturbildenden Dominanz der Idee vom Individuum und seiner einzigartigen geistigen Kraft bezeichne ich als die Pubertät der Menschheit, in der wir uns seit einiger Zeit befinden.

Diese Pubertät bedeutet erstmal nicht, dass die Menschen erwachsener werden, obwohl ein Effekt von ihr durchaus sein kann, dass die Wahrscheinlichkeit in einem gewissen Rahmen steigt, dass mehr Menschen dem Erwachsensein näher kommen können. Sie bedeutet nur, dass die kulturbildende Matrix, in der wir Menschen leben, ein notwendiges Update bekommt, weil sie sonst an ihrer eigenen Komplexität und technologischen Potenz kollabieren würde.

Dieses Matrix-Update, das wohl eher ein Upgrade und vollständiger Versionswechsel ist, wird allerdings durchaus durchgeführt und überwacht von Einzelnen, die aus einer deutlich weiter gewachsenen, post-pubertären Reifestufe heraus eingreifen können. Wir können also davon ausgehen, dass der Impuls zu dieser grundlegenden Umwandlung von außerhalb, von weit außerhalb der Matrix kommt. Die Umsetzung und Implementierung dieser Neukodierung funktioniert dann kaskadenförmig abwärts über immer jüngere Reife- und Kompetenzstufen, bis sie sich in neuen Institutionen, Strukturen und Rahmensetzungen kristallisiert hat und damit die konkrete Fixierung der neuen Matrix bildet. Und erst dann wird der neue Impuls einen Effekt auf die Masse aller Menschen haben und sie in ein neues Level von Kultur einbinden. Wie bei jeder Initiation muss auch diese von oben und außerhalb, das heißt von einer post-initiatischen Intelligenz angestoßen, geführt und durchgeboxt werden.

Das Besondere an unserer aktuellen Epoche ist, dass diese übergeordnete Intelligenz nicht nur mit punktuellen Injektionen und Impulsen wirksam und sichtbar wird, wie wir es aus den letzten Jahrhunderten der schrittweisen Kulturentwicklung kennen, sondern dass wir offensichtlich an den Punkt eines radikalen Bruchs gekommen sind, an dem Entwicklung nur noch disruptiv und diskontinuierlich möglich ist. Es ist keine bloße Veränderung oder Neueinfärbung mehr, sondern eine Umstülpung und damit Transformation. Dadurch sind alle Aspekte des menschlichen Lebens betroffen und es bleibt kein Stein auf dem anderen.

Die Idee der Umstülpung bezieht sich dabei darauf, dass die Grundformation des menschlichen In-der-Weltseins vollständig umgekehrt wird. Bildlich gesprochen: was innen war, wird nach außen gekehrt, was unten war nach oben, das Unsichtbare ins Sichtbare und – ganz wichtig – alle diese auch umgekehrt.

Beispiele: wenn die bisherige Matrix auf der Idee aufbaute, dass wir auf einer Kugel leben, dann beruht die neue, post-initiatische Matrix auf der Idee, dass wir in einer Kugel leben. Wenn solche Weltanschauungen bisher einfach nur geglaubt werden mussten, weil der Maßstab für Richtigkeit dem Macht- oder Mehrheitsprinzip folgte, dann wird es in der umgestülpten Matrix genau umgekehrt darum gehen, das Mehrheitsprinzip und die Macht aus der Richtigkeit ohne Glauben, also durch Wissen und Fundiertheit, abzuleiten. Das, was bisher nur privat, also vom Außen abgewendet, möglich war, z.B. kritisch zu denken und sich an wesentlichen menschlichen Werten zu orientieren, wird die äußere Form der Gesellschaftsstrukturen bilden, während umgekehrt die kranken Formen von Machtmissbrauch, Korruption und Rücksichtslosigkeit in die innere Sphäre der einzelnen Psyche verlegt werden und dort verarbeitet werden müssen.

Licht wird Dunkel und Dunkel wird Licht. Außenpolitik wird Innenpolitik und umgekehrt. Das wird besonders für die Deutschen interessant, die seit 107 Jahren nur Arbeitssklaven, Prügelknaben und Geldkühe waren und den Blick für sich selbst und auf sich selbst völlig verloren haben im Hinausstarren in die Welt. Es wird alles umgestülpt, was innerhalb der Matrix ist. Nur die Matrix an sich bleibt natürlich erhalten.

Das kosmische Ministerium für Desillusionierung gibt im Übrigen bekannt: das Erkennen der Matrix selbst und das Herauswachsen aus der Verschmelzung mit ihr, auch genannt „Aufwachen“ oder „geistiges Erwachsenwerden“, wird nur von semi-satanischen Matrizen oder in deren Auflösungsphase gefördert und unterstützt. In paradiesischen Matrix-Zuständen verliert die Suche nach den Ausgängen regulär ihre Attraktivität, weshalb unter diesen Umständen besondere Anstrengungen für diejenigen und von denjenigen unternommen werden müssen, die trotz Paradieskulisse erwachsen werden wollen. Paradies-Zeiten und goldene Zeitalter sind spirituelle Erholungsphasen mit konjunkturellen Plateaubildungen und Tendenzen zu starken Kursverlusten. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für existenzielle Dysbalancen bemühen sich die verantwortlichen Kräfte stets um die schnelle Wiederherstellung antagonistischer Unruhestifter und Gegenspieler (wie z.B. – je nach Staffage – sprechende Schlangen, Drachen, Ziegenböcke, Pferdefüßler, Besenreiter, kleine Graue, große Schuppige, halsstarrige Pharaonen, Adolfs und ihren Angelas, Hedgefonds-Experten oder Talk-Show-Moderatoren).

Als nächstes wollen wir uns einige Aspekte dieser Umstülpung, die ich als Pubertät der Menschheit bezeichne und die wir alle mehr oder weniger erleben, ansehen. Dabei geht es vor allem um jene Aspekte, in denen sich die radikalen Veränderungen von der kindlich-abhängigen zur erwachsen-selbständigen Position am deutlichsten zeigen:

  1. Das Entstehen von echter Willenskraft
  2. Die Entwicklung eines synthesefähigen Verstandes
  3. Überwindung der Defizit-Philosophie
  4. Die Notwendigkeit existentieller Enttäuschungen
  5. Die Entwicklung von selbstspiegelndem Bewusstsein und einem antifragilen Ich
  6. Die Bedeutung von Schmerz in jeder Dynamik von Geburt

Danach kommen wir dann zu der neuen Form von Schöpferkraft, die wir zu entwickeln haben und widmen uns dann auch der Frage, was denn in diesem weltumspannenden Geschehen die spezielle Rolle und Aufgabe von uns Deutschen sein könnte.

1. Willenskraft und Neugier

Um die Kontrolle über Menschen zu bekommen, muss man ihnen nur zwei Eigenschaften nehmen: ihre Willenskraft und ihre Neugier. Denn zur Willenskraft gehören die Fähigkeiten, sich selbst eine Richtung zu geben und sie zu halten, sowie die Fähigkeiten, auf etwas zu fokussieren und etwas mit Ausdauer zu verfolgen. Zu Neugier gehören Wissensdrang und vor allem der Drang danach, zu verstehen. In dem Maße, wie diese zwei Grundimpulse gelähmt oder unterdrückt werden, ist der Mensch von außen steuerbar.

Jeder gute Pädagoge wird vor allem darauf Wert legen, Neugier und Willenskraft, also Wissendrang und Ausdauer bei seinen Schülern zu fördern. Denn jede echte Entwicklung hängt davon ab. Schwarze Pädagogik beruht auf der Zerstörung dieser Wesenskräfte. Weiße Pädagogik fördert sie. Ein Lehrer, dem es selbst an Neugier oder eigenständiger Ausdauer fehlt, sollte nicht als Lehrer wirken, denn er wird tendenziell immer zu schwarzer Pädagogik neigen.

Das Jahr 2020 hat uns vor Augen geführt, wie weit die Vernichtung dieser zwei Impulse innerhalb unserer bisherigen Kultur-Matrix fortgeschritten ist. Die Menschen haben keine nennenswerte eigene Richtung und kein Interesse zu verstehen, was um sie herum passiert und mit ihnen gemacht wird. Der Zeitgeist vegetiert im Dauerzustand eines stumpfen, desinteressierten Masochisten. Und erstickt jeden jungen Keim von Wissbegier und Selbstverwirklichungswillen in einem Medien- und Bildungssystem der geistigen Vollnarkose.

Die Q-Impulse sind übrigens hervorragende Gegen-Pädagogik: sie sind so angelegt, dass sie Wissensdrang und Beharrlichkeit fördern. Wie? Indem sie gerade soviel Neues bieten, dass man aufmerksam wird, es aber wiederum so gestalten, dass man nur durch eigene Anstrengungen zu besserem Verstehen und Erkennen findet. Somit wird Ausdauer im Verfolgen kniffliger Fragen und im Nachgraben an widersprüchlichen oder rätselhaften Stellen dadurch belohnt, dass sich ein immer plausibleres und sinnvolleres Gesamtbild unserer aktuellen Situation und ihrer Entstehung ergibt. Das eigenständig und für sich selbst Schritt für Schritt herauszufinden und auf dem Wege immer wieder zu irren und sich korrigieren zu müssen, führt zu einem ganz anderen Ergebnis, als fertige Erklärungen und Gesamtbilder serviert zu bekommen.

Wollen und Können

Aber lasst uns nicht länger zurückschauen auf das Vergangene und Sterbende! Ich habe mich lange und ausführlich genug damit beschäftigt und für wen auch immer der Schritt des Sehens und Erkennens noch ansteht, mögen diese schriftlichen Analysen und Klärungen auch weiterhin hilfreich sein. Sie sind immer wichtig, um das Territorium zu kennen, auf dem wir uns bewegen und um uns selbst darauf verorten zu können. Sobald dies aber geschehen ist, sollten wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf das Gewollte und Erstrebenswerte richten, denn sonst bleiben wir gefesselt von unserer Faszination für das Kranke und Morbide. Denn es ist faszinierend. Und bei den meisten Menschen im prä- oder peri-pubertären Zustand zeigt sich diese Faszination in einer psychischen Fixierung auf obsessive Ablehnung und Gegenwehr.

Der Blick zurück in Vergangenes ist nur wertvoll, wenn wir durch ihn einen besseren Blick für das Jetzige, unseren gewordenen Zustand und unsere Aufgaben darin bekommen. Ich habe in vorhergehenden Artikeln dargestellt, dass der Kampf, in dem wir jetzt um das Überleben der Menschheit ringen, nicht durch einen plötzlich auftretenden, mächtigen Gegner hervorgerufen wurde, sondern durch eine Unterlassung.

Diese Unterlassung bezieht sich auf unsere Willenskraft. In den letzten 500 Jahren ist das technische Können der Menschheit in immer schnellerem Tempo gewachsen. Unser Wollen ist jedoch nicht mitgewachsen. Für die Entscheidung zu einer Tat reicht das Können als Kriterium nicht aus, denn es sagt nichts darüber aus, ob die Tat gut oder schlecht, d.h. ob ihre Resultate erwünscht oder unerwünscht sind. Willenskraft besteht in erster Linie darin, etwas, das man tun könnte, absichtlich nicht zu tun. Durch die Fähigkeit, etwas nicht zu tun, einen Impuls nicht auszuagieren oder einer unmittelbaren Befriedigung nicht hinterherzulaufen, eröffnen wir uns die Möglichkeit, mit unserem Bewusstsein über unseren Handlungen zu stehen.

Mit den analytischen und synthetischen Fähigkeiten unseres Verstandes haben wir mittlerweile Technologien entwickelt, mit denen wir in die tiefsten Dynamiken des Lebens und sogar in die Interaktion zwischen Geist und lebender Materie einwirken können. Siehe sogenannte „Impfstoffe“, die den Körper des Geimpften von seinem Wesenskern abtrennen und ihm das Potenzial zu geistiger Willens- und Werde-Kraft nehmen, indem sie seine DNA molekularbiologisch fremdsteuern und ihn von seiner eigenen einzigartigen Blaupause und damit von der Möglichkeit zu heilen und ganz zu werden abschneiden. Diese Eingriffe gehören in die Kategorie des Unumkehrbaren.

Wir können das. Und noch vieles Mehr auf der Klaviatur von Leid, Qual, Folter, Entstellung und Zerstörung. Die zwei überlebenswichtigen Fragen sind jedoch: Wollen wir das auch? Und: Können wir die schädigende Nutzung von Hochtechnologie willentlich stoppen?

Die erste Frage erkundet unseren Willen und damit unsere Fähigkeit zur moralisch integeren Selbstbestimmung. Die zweite Frage zielt auf unsere Willenskraft ab, also die Macht, die wir aus unserem Willen heraus über das Tun und Treiben mit jeglicher Technologie haben.

Unser Gegner – Menschen mit unstillbaren Begierden und ohne Moral – konnte nur deshalb so stark werden und die Weltherrschaft an sich reißen, weil wir Menschen über Jahrhunderte unterlassen haben, unseren Willen zu formulieren und mit der fortschreitenden Technologie – also unseren fortschreitenden Möglichkeiten – zu verknüpfen. Es war dann nur eine kausale Folge dieser Unterlassung, dass sich unsere Technik mehr und mehr im ethikfreien und willenlosen Raum weiterentwickelte und dabei immer intelligenter wurde. Von da aus war es dann auch nicht mehr weit, dass die mächtigste Technik sogar in den amoralischen, lebens- und menschenfeindlichen Raum übernommen wurde, wo sie von den geistig degeneriertesten Kräften zu ihren Zwecken umgebaut und missbraucht werden konnte.

Jene, die glauben, dieser Tatsachen und Kräfte Herr zu werden, indem sie in gemütliche Siedlungen in Naturnähe ziehen, sich das Leben als Selbstversorger überschaubarer machen und nur noch fröhlich zum gemeinsamen Tanzen und Singen einladen wollen, durchschauen die Natur dieser Bedrohung nicht. Die Krieger, die uns vor ihr schützen können, dürfen diesen Gefährdungen des Menschen gegenüber sich selbst auf keinen Fall den Rücken zukehren oder sich sonstwie aus dem Staube machen. Auch nicht durch Rückriffe auf historisch fragliche Harmoniezustände.

All das hat keine Gültigkeit mehr, wenn wir einer Technologie gegenüberstehen, die es zuvor noch nie gab und mit der die tiefgreifendsten Manipulationen des Menschen möglich sind. Bis auf zwei oder vier Ausnahmen kommen all die Hobbits im Kampf zur Rettung der Welt am schlechtesten weg: sie haben bis zum Schluss nichts davon verstanden, sie wollen davon auch nichts wissen, streiten sich weiter über Bierkrüge oder Partyeinladungen und können nicht begreifen, was ein Bilbo, ein Frodo oder ein Gandalf sind, auch wenn sie direkt vor ihnen stehen. Hobbits sind niedlich, aber von allen auch die Einfältigsten und Kurzsichtigsten. Ewige Kinder.

Der Weg der Deutschen, wenn sie ihr Wesen verwirklichen und erwachsen werden lassen wollen, führt zunächst erstmal heraus aus Auenland. Fort von den gemütlichen Kaminen, dem Pantoffelschlurfen, dem halbbetrunkenen Zustand von Dorffesten und Familienzwistigkeiten und weg vom Schmalspurleben in täglichen Ritualen selbstzufriedener Beschränktheit. Das heißt vor allem: weg vom Materialismus und raus aus dem Dornröschenschlaf narkotisierenden Dauerkonsums.

Die Lektion der letzten 500 Jahre, und insbesondere der letzten 100 Jahre muss für uns diese sein: wenn wir unseren Willen nicht benutzen, um ihm (und damit uns) alle Technik Untertan zu machen, dann wird die Technik von immer niederen Begierden und Trieben übernommen, auf- und ausgebaut, bis diese geistlosen und morallosen Kräfte die Waffen haben, um unsere Willenskraft bereits im Keim zu ersticken. Bekanntestes Beispiel: der Fernseher. Das Prinzip funktioniert bis heute.

Was für viele schwer zu verstehen ist, besonders schwer für die Generation, die mit einer „Rückgängig-Funktion“ am Computer aufgewachsen ist, ist, dass dieser Prozess nicht ewig umkehrbar ist. Ab einem gewissen Punkt, den man sehr genau berechnen könnte, reicht der Rest an bestehender Willenskraft nicht mehr aus, um das Blatt zu wenden, und den Prozess der Zerstörung der Menschheit (nicht Menschen) zu stoppen. Irgendwann kann man 150 oder 200 Jahre moralisch-geistigen Rückstands nicht mehr schnell genug aufholen und die zerstörenden Kräfte benutzen einfach alle Hochtechnologie, um ihre Macht zu erhalten. Zeit ist ein Faktor. Es reicht nicht aufzuwachen, man muss früh genug aufwachen, um sich dann noch Waffen und Verbündete besorgen zu können, und um eine Strategie entwickeln zu können. Wenn aber die Gegenseite bereits so gut wie alle Waffen der Welt und so gut wie alle Kommunikationskanäle kontrolliert und gleichzeitig massive Gegenattacken gegen die ersten kleinen Rebellennester ausführt, dann ist das Spiel im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten bereits aus und das Ergebnis steht fest.

Ich gehe davon aus, das meine Leser mittlerweile informiert sind, dass dies nur ein theoretisch-hypothetischer Gedankengang ist und dass die Willenskraft zum endgültigen Gegenschlag schon längst ausgeholt hat und sich darauf auch mindestens 50 Jahre vorbereitet hatte. Mir geht es hier nur um die Veranschaulichung des Grundproblems und seiner Ursache, und diese liegen beide im Bereich des Geistigen und der moralischen Integrität.

Im Geistigen hat der Mensch sich nur selbst als Gegner. Wenn wir zulassen, dass unmoralische Menschen an Macht über uns gewinnen, dann schaffen wir unsere zukünftigen mächtigen Gegner selbst durch ein Versäumnis. Dass wir nun in den gewaltigsten Krieg der Menschheitsgeschichte verwickelt sind, ist das Ergebnis einer langen Kette von Unreife, Passivität, Unachtsamkeit, und vor allem Selbstvergessenheit. Unsere vernachlässigten oder ignorierten Potenziale und schlummernden Kräfte treten uns irgendwann als Monster aus der Dunkelheit entgegen und holen zu unserer Vernichtung aus. Dies geschieht aus reiner Psychomechanik heraus.

Jene Zeitgenossen, die unseren heutigen Gegnern – also jenen degenerierten und entstellten menschlichen Potenzialen – eine eigene Willenskraft unterstellen, machen nicht nur einen psychologischen Denkfehler, sie festigen auch unwissentlich die Basis jenes Unterlassungsproblems, das zu der Aufspaltung und Zerstörungsmacht führte. Denn diese in die mechanischen Gegenkräfte projizierte Willenskraft ist in Wirklichkeit das, was die Spaltung und den Krieg beenden würde, wenn wir endlich aufhören würden, sie im Mechanischen, Automatischen und Reiz-Reaktionsbasierten zu suchen und stattdessen in der bewussten Steuerung alles Mechanischen entdeckten.

Mit diesen Aspekten im Hinterkopf können wir uns jetzt auch erlauben, das ganze in eine Sentenz zu abstrahieren, die ansonsten allzu leicht miss- oder unverstanden bleibt: Unser größter Feind ist der Mensch – wenn er nicht integer und in Ordnung ist. Damit ist unser größter Feind ganz und gar irdisch-planetarisch und menschlich. Alles Extra-terrestrische kann höchstens ein Raum von Kraftquellen sein, die wir als Menschen für oder gegen unsere Natur verwenden. Und der Mensch selbst ist seiner Natur nach hochgradig extra-terrestrisch: unsere geistige Natur, die primär nach Erkenntnis (nicht nach Macht) strebt, ist nicht von der Erde, sondern nur auf, in oder bei der Erde.

Die Außerirdischen, deren Attacke manche fürchten, sind wir Menschen, genauer gesagt die geistige, immaterielle Seite unserer Natur, und noch genauer gesagt jene Aspekte unseres nicht-irdischen Wesens, die wir weggeschoben, abgespalten oder fragmentiert und betäubt haben. Wer es intellektuell noch knuspriger haben möchte: der Mensch wird von niemand anderem angegriffen als vom vernachlässigten und vergifteten Geist des Menschen selbst. Aus dem All, dem All-Umfassenden, aus Raum-Schiffen mit Lichtgeschwindigkeit, auch genannt Ideen und mit Antigravitations-Flugscheiben, genannt geistige Werte. In bewusst integrierter Form sind sie für uns, tragen von mir aus weiße Hüte auf ihren bewusstseinserleuchteten Köpfen und helfen uns, willentlich das Paradies auf Erden herzustellen. In desintegrierter, abgespaltener und fragmentierter Form sind sie gegen uns, tragen schwarze Hüte ohne Glühen in der Birne und erzeugen automatisch mehr Spaltung und Auseinanderdriften.

Das Schwarz-Hut-Universum dehnt sich immer weiter aus, weil es einen Urknall hat, es hat lauter schwarze Löcher, die – wie Michael Ende schon vorhergesehen hatte – immer mehr und größer werden im Phantasialand seit Stephen Hawkins die diagnosefreien Vakuumblasen aus seinem Kopf heraus auf die Bühne des öffentlichen Anti-Geist zauberte, von wo sie dem wehrlosen Publikum auf den Schoß sprangen und auf die Nerven gingen; dieses triste Universum besteht zum größten Teil aus dunklem Nichts, weil ihm nie etwas eigenes einfällt, und Leben ist in ihm bloß eine Zufallserscheinung auf einer chaotisch schwankenden und herumwirbelnden Billardkugel, die statistisch gesehen schon längst zehnmal gegen einen schwarzen Zwerg gedonnert sein muss. Solches Zeug muss man glauben wollen, um sich an der NASA herumführen zu lassen.

Das Weiß-Hut-Universum ist das Gegenteil von diesen fantastoiden Gruselgeschichten: es zieht sich zusammen zu einer wachsenden Einheit, es wird beleuchtet durch wachsendes Bewusstsein und Leben ist darin das wuselnde, hüpfende und kichernde Mysterium von stets neugierigem Geist, der atmet. Einmal alles unter den weißen Hut gebracht ist alles auch schon gleich in Ordnung, weil alles seine Ordnung hat – natürlich auch die Unordnung und die Unordentlichen. Sogar die Anti-Ordentlichen, die den Ziegenbock und sein störrisches „Ich will nicht“ anbeten. Sie beten zur Großen Ziege, weil sie selbst keinen Bock haben. Kein Bock auf Integrität, Ordnung, auf Geist und Gott und so.

Womit wir jetzt auch verstehen, was das ganze mit Pubertät zu tun hat, denn der Übergang vom kindlich-faszinierten Mitmachen zum erwachsenen eigenständigen Willen durchläuft eine Zwischenphase mit dem Titel ‚Keine Ahnung – keine Chance – kein Bock!‘.

Diese Zwischenphase von Nicht-Können und Nicht-Wollen ist geprägt davon, dass der alte Halt immer mehr wegbricht, aber ein neuer noch nicht gefunden ist. Dadurch entsteht eine existenzielle Gratwanderung zwischen Ohnmacht und Aktionismus, die zuweilen die Formen einer bipolaren Achterbahnfahrt annimmt, deren Amplituden bis ins Suizidale oder Fremdgefährdende ausschlagen können. Nicht aus Übereifer, sondern aus der quälenden Leere heraus, die spürbar wird, wenn das reine Funktionieren im gewohnten, stützenden Systemumfeld brüchig wird und es noch keinen eigenen Motor gibt.

Was deshalb in diesem Übergang am meisten gebraucht wird, ist eine haltgebende Unterstützung von außen, ein Gerüst oder zumindest ein Geländer, an dem man sich festhalten und orientieren kann ohne stehen bleiben zu müssen. Was vor allem provisorisch gestützt werden muss, ist die Identität, denn die Selbstdefinitionen ändern sich und die Referenzpunkte für die Selbstorientierung ebenso.

Es ist schon wertvoll und hilfreich zu wissen, dass man sich im Übergang befindet, dass es auch für diesen Prozess Gesetzmäßigkeiten und Anhaltspunkte gibt und dass dieser Zustand – wie alle Zustände – einen Anfang und ein Ende hat.

Die Leichtigkeit bis hin zum freudigen Genuss aber, die während solcher Hochseilakte erlangt werden können, ergeben sich aus der Kunst, das Gewahrsein und den Fokus der Aufmerksamkeit von allem abzuziehen, das Willenskraft oder Können fordert, und das Gewahrsein stattdessen auf die Aspekte des Seins zu richten, die in aller Verwirrung und Angst unmittelbar erkennbar sind und kontinuierlich tragend wirken. Die angstfreie Mitte zwischen Resignation und Verkrampfung liegt in der Rückbesinnung auf das Vorhandene und Unmittelbare, also in der Zurücknahme aller Wachsamkeit von äußeren Bewegungen und Veränderungen nach innen hin zum innerlich Bewegten, Berührten und Empfangenden. Also zum Subjekt, zum Ich-Empfinden. Das ist das Auge des Tornados, in welchem stets Ruhe ist.

Dies ermöglicht den Aufschwung von „Ich bin in Angst“ zu „Angst ist in mir“, von „Ich bin ohnmächtig“ zu „Ich habe eine Ohnmacht in mir“. Und so bildet sich in diesem Prozess des Wandels zwischen zwei Abgründen Schritt für Schritt die Fähigkeit heraus, sich auf sich selbst zu besinnen und Halt in sich selbst zu finden. Der junge Hochseilakrobat – in unserem Betrachtungsfall die Menschheit – lernt gezwungenermaßen, sein Gleichgewicht und seine Fortbewegung aus sich selbst heraus zu generieren. Er muss sich seiner selbst erinnern, weil er sonst stürzt oder hängen bleibt. Das ist der Anfang von eigenem Wollen und selbständigem Können und der erste Zipfel der anderen Seite, des Erwachsenseins. Und damit gibt es einen ersten Funken, aus dem später Willenskraft entfacht werden: ein nach innen zentriertes Eigen-Bewusstsein.

2. Synthese im Kopf

Der nächste Aspekt des Erwachsenwerdens ist Verstehen.

Verständnis und vollständige Begriffsbildung beruhen nicht allein auf Analyse, Zerlegung und Differenzierung, sondern in mindestens gleichem Maße auf einer darauf folgenden Synthese, Wieder-Zusammenfügung und Verknüpfung. Wenn wir im Zerlegen von Eindrücken und Informationen stecken bleiben, dann vergrößern wir nur die Anzahl der Puzzleteile – und Worte – und kommen dabei dem Erkennen des inneren Gefüges und des Zusammenhangs hinter den Sinneseindrücken nicht näher. Die Verbindung der Dinge untereinander mag in unserer Wahrnehmung noch vorhanden sein, sie geht aber durch das analytische Verstehen zunächst einmal verloren. Wir haben dann lauter Einzelteile ohne Verbund und Einheit. Deshalb dann auch ohne Bedeutung und Sinn, weil eben auch die Verbindung zu uns, unseren Werten, Zielen und unserem persönlichen Verstehen verloren geht. Das Ergebnis einer Analyse ohne neue Synthese ist stets Bedeutungslosigkeit, damit auch Gleichgültigkeit oder sogar Nihilismus.

Diese analytische, halbe, unvollständige Verstandestätigkeit haben sich die Anti-Rationalisten zur Propaganda-Keule gegen den Verstand überhaupt gemacht. Das ist billige Rhetorik. In jeder New-Age- und Pop-Psychologie-Ecke hört man ihre Dauerbotschaft: der Verstand ist schlecht, weil er nicht ganzheitlich erfassen kann, weil er alles nur zerstückelt. Die Lösung für solche kopflosen Warnvorstellungen wird einem immer gleich mit serviert: die Regression auf unreflektiertes Fühlen. Statt unser Gehirn sollen wir unser Herz benutzen (wieso eigentlich nicht den Magen? Der ist doch noch viel „integrativer“ als das Herz!). Und so weiter und so fort. Wir können von Glück sagen, dass dieser Vorschlag so absurd ist, dass er nicht einmal umsetzbar ist, sonst würden wir alle „Planet der Affen“ spielen müssen.

Jeder Versuch, den Intellekt als Ganzes zu vermeiden, zu verkleinern oder „auszuschalten“, also jeder Versuch einer selbstgewählten Verdummung scheitert schon an seiner eigenen Logik: schon die Idee der Abwertung und die der Vermeidung gehen vom Intellekt aus. Der intellektuell Dumpfe oder Zurückgebliebene kann und braucht sich um die Verkleinerung seines Intellekts auch gar keine Sorgen zu machen. Es ist der übereifrig schematische Gedankenapparat in uns, der es sich im einfältigen Schema des Anti-Intellektuellen einfach nur leicht und bequem machen möchte. Das können wir im Alltag häufig beobachten: die Menschen, die gegen den Intellekt, gegen Worte und gegen das Denken allgemein anpredigen, ankämpfen oder anmeditieren, wirken dabei ausgesprochen intellektuell, kompliziert, wortreich und verkopft. So jagt die Ratte mal wütend, mal verzweifelt ihren eigenen Schwanz.

Auch die Haltung von „Ist mir egal“ beruht nicht auf einem bestimmten Gefühl oder einer emotionalen Haltung, sondern auf deren Abwesenheit. Eine Hyperdominanz des analytischen Intellekts führt zu dieser Abkopplung und Lähmung nicht nur des Empfindens, sondern damit auch der Willenskraft und Motivation. „Kein Bock“ – wir hatten das schon – ist das Resultat von zu viel Zerlegung und innerer Fragmentierung durch den Intellekt; und zwar ohne Verstand.

Was fehlt, ist die zweite Hälfte des Verstandes, mit der überhaupt erst Verstehen möglich ist: die Zusammensetzung der Einzelteile. In gewissem Sinne eine Wieder-Zusammensetzung oder genauer gesagt ein zusammensetzendes Nachbauen der Wahrnehmung. Also die Synthese.

Unsere Wahrnehmung auf der Ebene der Sinneseindrücke ist für sich genommen insofern ganzheitlich, als dass sie Eindrücke einfach nur aufnimmt, wie sie kommen und sie weder zerlegt noch selektiert. Das findet erst mit der Verarbeitung statt. Unsere Verdauung funktioniert nach dem gleichen Prinzip: wir können die Haselnuss als Ganzes in den Mund stecken, um sie aber verdauen zu können, müssen wir sie zerbeißen und zerlegen. Unser Verstand kann dann aber etwas mit den verdauten Eindrücken machen, was der Körper nicht kann: er kann das Original im Bewusstsein nachbauen, die analytisch erfassten Einzelteile wieder zusammenbauen.

Wem das nicht gelingt, der kann nie einen Wald sehen. Er sieht nur Bäume. Noch nicht einmal das: er sieht ein Wirrwarr von Blättern, Ästen und Stämmen. Im Extremfall könnte er nicht einmal solche konkreten Begriffe synthetisieren und sieht nur irgendwelche Farben und Formen. Daran erkennen wir, dass die synthetisierende Verstandestätigkeit für uns alltägliche Normalität ist (alle anderen befinden sich in der Psychiatrie oder auf dem Wege dorthin). Diese Verstandesfähigkeiten haben ihre obere Leistungsgrenze bei den Menschen allerdings sehr unterschiedlichen Niveaus der Abstraktion und Begriffsbildung.

Der Übergang vom Kind- zum Erwachsenen-Bewusstsein besteht in Bezug auf den Verstand darin, von sich selbst einen Begriff bilden zu können. Also, sich selbst rational synthetisieren zu können. Das ist ein langer Weg mit vielen Stufen und Graduierungen. Am Ende dieses Weges steht das Verständnis des Wortes „Ich“, das wir täglich benutzen. Immerhin ist das die erste Person Singular. Aber „singular“ bedeutet, dass alles, was wir auf „Ich“ beziehen, in diesem einen Begriff zu einer Einheit zusammengefügt ist. Das Wort „Ich“ ist, wenn wir es verstanden haben, die komplette Synthese von allem, was zu uns gehört in einem Begriff, in einem Abstraktum. Aber das ist nicht der Anfang vom Erwachsensein, sondern bereits eine sehr viel spätere Reifestufe, die hier nicht unser Thema ist.

Die Pubertät der Menschheit besteht nun erstmal darin, den Verstand überhaupt ganzheitlich, also sowohl analytisch als auch synthetisch verwenden zu lernen und zum Herrn über alle Kultur zu machen. Also insofern, als dass wir eine Kultur errichten, die sich zentral für das Selbst-Verstehen interessiert und auf dem Willen fußt, den Menschen in seiner Natur zu verstehen.

Nachdem wir in der bisherigen analytisch-materialistischen und somit irrationalen Kultur dressiert wurden, bei dieser Frage nach dem Menschen den Anatomie-Atlas aufzuschlagen oder in der Postmoderne nur noch das Gehirn live auf dem MRT-Bildschirm zu beobachten, wird es zum geistigen Erwachsenwerden nun darum gehen, uns als Subjekte, als selbst-wahrnehmende und selbst-reflektierende Wesen zu betrachten. Also darum, zu einer Reflexion der Selbstreflexion zu finden. Das ist nicht neu. Wir finden in allen Bibliotheken dieser Welt unzählige Spuren von Einzelwesen, die in dem Sinne erwachsen wurden. Neu ist für uns nur, dass diese Art zu denken und nach Selbstverständnis zu suchen das Fundament einer ganzen Kultur und sogar der gesellschaftstragenden Systeme und Strukturen wird.

Das können wir uns kaum vorstellen: auch Regierungen und Behörden, zu deren Grundprinzipien Selbstreflexion und die Wertschätzung des einzelnen Menschen sowie der Menschlichkeit an sich zählen. Dazu, wie das geht und wie eine Gesellschaft dorthin kommt, gäbe es viel zu sagen, was jedoch an dieser Stelle zu weit führen würde. Die Andeutung soll für diesen Zweck hier genügen, um deutlich zu machen, dass wir jetzt planetenweit die synthetisierenden Fähigkeiten unseres Verstandes entdecken und als neuen Leuchtturm für Menschlichkeit und eine Kultur der menschlichen Entfaltung aufstellen werden.

3. Überwindung der Defizit-Philosophie

Eines der grundlegenden Probleme, die wir psychisch zu überwinden haben, um zumindest wieder ein gesundes Verhältnis zur Realität zu bekommen und umso mehr, um ein erwachsenes Verhältnis zur Realität zu bekommen, ist unsere tief eingegrabene motivationale und emotionale Abhängigkeit von Defiziten.

All unsere Systeme beruhen auf einer Mangel- und Fehler-Logik, mit der sie sich rechtfertigen. Allem voran ist dies in unseren wirtschaftlichen Dynamiken der Fall und da wir über die letzten 100 Jahre hinweg alle anderen Aspekte unserer Kultur und unseres Zusammenlebens der Logik des Kommerz und seinen Strukturen unterworfen haben, ist die Logik des Mangels Grundlage von allen Institutionen und unserem Handeln geworden. Händler und Verkäufer leben davon, dass andere etwas wollen, das ihnen fehlt. Die latente Hauptaufgabe einer Wirtschafts- und Konsumgesellschaft liegt also stets auf der konstanten Produktion von Mangel und Defiziten.

Die jüngeren Generationen sind in diesen Geist hinein geboren und in ihm aufgewachsen. Sie kennen keine Alternative mehr. Ihre fragwürdige, aber eifrige politische Einsatzbereitschaft beruht auf einem Weltbild, das jener Witz zusammenfasst, in dem ein Berater in ein Taxi steigt und dem Taxifahrer im Tonfall voller Selbstüberzeugung zuruft: „Es ist egal, wo Sie mich hinfahren, ich werde überall gebraucht!“

Für die jungen Engagierten heißt es dementsprechend: es ist egal, wofür oder wogegen ich demonstriere oder arbeite, um mich herum ist sowieso alles defekt, mangelhaft und brennend.

In der Defizit-Haltung werden wir nur durch Mängel motiviert. Es ist so, als würden wir uns nur bewegen, wenn wir Hunger oder Schmerzen hätten, ansonsten blieben wir teilnahmslos sitzen. Bei vielen Menschen ist das sogar schon wörtlich genau so.

Nun glauben die meisten Menschen, dass unser Gefühl von chronischem Mangel und wachsenden Defiziten uns von einem System eingeflößt wird, welches stetig künstlich Mangel erzeugt und uns mehr als alles andere immer wieder vor die Nase setzt. Dabei aber werden Symptom und Ursache verwechselt. Worauf sollte so ein System fußen, wenn nicht auf einer bereits bestehenden Defizit-Psychologie?

Nehmen wir ein Beispiel. In seiner Endphase nahm das BRD-Konstrukt von seinen Personalausweisinhabern in Wohnhaft im Schnitt über 70% ihrer erwirtschafteten Einnahmen als sogenannte „Steuern“ ab. Weit mehr als die Hälfte dieser abgeführten Steuern floss in dunkle Kanäle (wörtlich: in unsichtbare, unterirdische Parallelwelten), die mit uns Steuerzahlern nichts zu tun hatten, außer dass sie uns als Produktionssklaven benutzten. Diese enormen Schätze verschwanden einfach in die Taschen von Netzwerken, deren einzige Aufgabe darin bestand, uns in der Dauer-Arbeit und dafür im Dauer-Mangel zu halten. Nun will aber der Durchschnittssklave made in Germany nichts davon wissen, er lehnt ab, darüber auch nur nachzudenken. Warum? Nicht, weil es falsch oder unmöglich ist, sondern weil es ihm Angst macht. Und zwar nicht allein Angst vor diesem unsichtbaren mächtigen Gegner, obwohl diese Anmutung auch schon gruselig genug ist, wenn man anfängt darüber nachzudenken. Nein, es ist Angst vor der Erkenntnis, dass der sorgfältig gehegte und gepflegte Dauer-Mangel nur ein künstlicher ist und dass wir in Wirklichkeit in einer unfassbaren Fülle leben und sie stetig sogar noch vergrößern. Es ist die Angst vor Fülle und Überfluss.

Es ist diese Angst, die jene übergeordneten Regime hervorruft und stabilisiert, die ständig für Defizite oder zumindest für die chronische Empfindung von Defiziten sorgen. Das ist der eigentliche (psychologische) Grund dafür, dass unser Medizinsystem die Pharma-Gauner braucht und kein Heilungssystem sein darf, sondern ein Krankensystem sein muss, welches unter großen Anstrengungen ständig neue Krankheiten erfinden und vermehren muss. Das ist ein schwieriger Job, denn die Menschen sind immer robuster und findiger geworden, trotzdem zu leben und sogar älter zu werden. Das mit den offensichtlichen Frontenkriegen à la erster und zweiter Weltkrieg funktioniert schon länger nicht mehr. Selbst die permanente Verseuchung der Luft und des Wassers mit toxischen Chemikalien hat die Menschen nur noch mehr beflügelt, sich kleine Rettungsnischen zu suchen.

Auch das gesamte Bildungssystem haben wir umgestellt auf psychische und mentale Missbildung, auf erlernte Hilflosigkeit und Abhängigkeit, aber immer noch schaffen es einige, mit der Realität trotzdem zurecht zu kommen. Wir haben unsere gesamte Wissenschaft und Forschung auf Wissensabschaffung, Redundanz und Unsinn fokussiert, und dennoch gibt es immer wieder kluge Köpfe, die nach echtem Wissen suchen und es finden. Wir verschenken unser Geld bis auf den allerletzen lebensnotwendigen Rest an andere Länder, damit sie es sich davon gut gehen lassen können, wir erlassen ihnen alle Schulden für die Produkte, die wir für sie hergestellt aber nie bezahlt bekommen haben. Und dennoch sind wir wirtschaftlich immer noch das leistungsstärkste Land Europas, wenn nicht der ganzen Welt. Wir übersähen jeden unserer Unternehmer und jede unserer Firmen bis zu den größten Konzernen im Land so massig mit Gesetzen, Regulationen, Einschränkungen und den folgenden Klagen, Beschuldigungen und Geldstrafen, dass es unmöglich sein müsste, noch handlungsfähig zu sein. Trotzdem gab es weiterhin Unternehmenswachstum und Firmengründungen.

Mag sein, dass uns all diese Einschränkungen und Würgegriffe gegen unsere Produktivität und gegen unsere Kreativität lästig vorkommen. Auf einer tieferen Ebene aber sind wir ihnen dankbar, weil sie uns schützen. Wirklich Angst haben wir vor unserer eigenen Größe und der uns umgebenden Fülle. Es scheint uns nur trotz unseres Erfindungsreichtums und unserer Ausdauer nicht so recht zu gelingen, sie ein für allemal totzuschlagen.

Ich möchte aber nicht unfair sein. Wir Deutschen standen 2020 oder spätestens 2021 trotz all dieser Rückschläge doch endlich vor dem hart erarbeiteten Erfolg des ersehnten Totaldefizits. Wir müssen dafür zwar auch zugeben, dass wir Hilfe von außen benötigten, aber wir haben es auf diese Weise so gut wie geschafft, ein so großes Defizit zu erfinden und die Illusion von Schwäche, Krankheit und Ohnmacht so real erscheinen zu lassen, dass wir tatsächlich zusammengebrochen wären und uns als Volk endlich aus dem Weg geräumt hätten. An der Ziellinie wurden wir dann zwar gerettet und wiederbelebt, aber das Erreichte zählt und darf unanfechtbar als Erfolg angesehen werden: wir haben uns trotz aller realen Fülle und Kompetenz an den Rand des Verhungerns, des Ausblutens und der Lähmung gebracht. Wir haben es endlich geschafft, einen erfundenen Mangel zu einem realen Vakuum zu machen und darin unterzugehen. Wir haben es geschafft, uns eine nicht-existente Krankheit einzureden und uns dann mit einer Impfung gegen sie tatsächlich qualvoll zu töten. Das ist viel mehr als bloß ein schnöder Selbstmord. Das ist Kunst! Es ist die ultimative Meisterschaft des Märtyrers: als Opfer seiner eigenen Erfindungen zu sterben und es nicht einmal mehr zu verstehen, sondern in dem Glauben zu sterben, es wäre irgendetwas noch nicht genug gewesen, es hätte noch irgendwas gefehlt… Wird uns dafür eines Tages mal jemand bewundern? Werden wir eines Tages einmal stolz darauf sein?

So etwas können nur Menschen leisten, die gemeinsam und mit aller Kraft den Mangel hochhalten und sich an dem Glauben des Fehlens und der Leere festhalten. Das geht nur, wenn wir den Mangel brauchen und mehr brauchen als alles andere. Und wir brauchen ihn nur, solange wir abgrundtiefe, existenzielle Angst vor Fülle, vor unserer eigenen Fülle haben.

Eine kleine Nebenbemerkung dazu: was wäre irgendeine internationale Kabale, was wären die Satanisten oder 13 herrschsüchtige Blutlinien ohne die Angst der Deutschen vor sich selbst? Was wären sie ohne uns Deutsche mit unserem Hochleistungswahn der geistigen Selbstverstümmelung und Selbstbeschuldigung? Es hätte sie nie gegeben. Vor allem niemals mit so viel Macht und so zäh. Nicht nur ihre Technologie um uns zu unterwerfen, haben sie durch uns bekommen, nein, vor allem ihre essentielle Daseins-Struktur beruht auf der Spannung, die wir mit uns selbst haben. Die Fleischwerdung der Angst vor dem Menschsein und damit dem Großsein und In-Fülle-Sein ist primär ein Produkt des deutschen Geistes und taucht nur in der Folge ihrer Spaltung als unser Feind wieder auf. Warum? Halte dich fest: Weil wir ethno-evolutionär am nächsten dran sind. (Kleiner Selbsttest: wenn du diesen letzten Satz verstehst und über ihn empört bist, bist du zweifelsfrei deutsch). Wir hatten psychologisch verständliche Gründe, die Sache um ein paar Jahrhunderte hinauszuzögern. Germanophobie als Unterform der Megalophobie: die Angst vor der eigenen Größe. Aus Pudeln Teufel und aus harmlosen Reptilien eine Satansbrut zu machen, ist eine essentiell deutsche Handwerkskunst. Merke: man muss im Wesentlichen Engel sein, um gefallene Engel hervorzubringen.

Kehren wir aber zurück zu unserem Thema der Mangel-Sucht. Für die Defizit-programmierte Psyche, in der wir Deutschen Weltmeister par excellence sind, bedeutet die Erkenntnis von Fülle einen totalen Stillstand, denn damit würde jede bisherige Motivation, jede Identität als Gequälter, Leidender, Unterdrückter, Benachteiligter, Schuftender, ja Alltags-Märtyrer ihren Boden verlieren und sich auflösen. Wir würden unsere psychische Verankerung in all jenen langgeübten Zwangsvorstellungen verlieren, nach denen Reichtum verdient, hart erarbeitet, und erlitten werden muss, damit er überhaupt einen Wert haben darf. Wir müssten unsere Hoffnungen loslassen, dass wir uns irgendwann eine nahezu unerreichbare Existenzberechtigung doch noch erarbeitet haben würden und dann endlich (ein klein wenig, also nur ganz still für uns, damit es keiner sonst bemerkt) stolz sein dürften, weil wir die Frage nach dem Warum unseres Lebens endlich endgültig beiseite schieben können: mit einem Arbeitszeugnis, einem Rentenbescheid und einer schwerwiegenden Diagnose wegen Erschöpfung und chronischer Überlastung.

Mathematisch ausgedrückt: die Defizit-Psychologie kennt nur Minuszahlen und die daraus erwachsende skurrile Logik, dass kleine Zahlen besser sind als große. Die große Erlösungshoffnung ist die Null: einmal ohne Minus zu seien. Positive Zahlen sind etwas Unbekanntes, Bedrohliches. Sie stellen die gesamte Minus-Philosophie in Frage und lassen ihre Erfolge zerplatzen wie Seifenblasen.

Psychologisch formuliert ist dies eine Lebensphilosophie der Schuld und ihre Erlösungsfantasie ist die Schuldfreiheit, die dann jedoch auch gleichzeitig das Ende von allem markieren muss, denn das Land jenseits von Schuldzuständen ist fremd und angsteinflößend. Dort zählen die Tugenden des sich-Ab- und Herunterwirtschaftens nicht mehr, sondern werden als Störung und Verirrung betrachtet. Wer unter den Schuldnern der Größte ist, weil er sich zur Null hin geschuftet hat, der ist in der Welt der Habenden der Allerkleinste und nicht weiter als am Anfang. Und wer hält das schon aus: am Ende einer langen, erschöpfenden Reise keinen Schritt weiter zu sein als an der Startlinie? Das gilt es erst wieder zu lernen, weil wir sonst die Augen weiter verschlossen halten vor unserem eigenen Potenzial, das eben geistig ist, nicht materiell.

Unser Potential ist unsere Fülle und unermesslich. Erst wenn wir eine Philosophie und eine Psychologie der Fülle entwickelt haben und aushalten können, sind wir fähig, die weiten Räume unseres Geistes und unserer geistigen Fähigkeiten ohne Angst zu erkunden. Das ist der nächste notwendige Schritt der Menschheit. Und warum in diesem Teil der Geschichte ausgerechnet die Deutschen der Alte mit der Lampe sind und wegleuchtend voranzugehen haben, dazu kommen wir später noch.

4. Der Pfad der Enttäuschung

Die geistige Pubertät, in der wir als Menschheit jetzt stecken, hat ihr explosives Potenzial und auch Ihre Dringlichkeit über die letzten etwa 200 Jahre aufgebaut durch eine Ansammlung von Experimenten, die sich alle als Sackgassen herausstellten und herausstellen mussten. Was diese Experimente alle gemeinsam hatten war, dass sie von einem Intellekt ausgingen, der so fasziniert von Ideen war, dass er dabei den Realitätskontakt und den empirischen Bezug verlor. Diese Dynamik hat uns bis an den Rand der Selbstvernichtung gebracht.

Es sind vor allem zwei fundamentale Enttäuschungen und Frustrationen, die wir erleben mussten, um reif für den qualitativen Sprung zu werden, der jetzt ansteht. Erstens war es die Enttäuschung nach allen sozialen Experimenten, die alle mit selbstverliebten, einseitigen Pseudophilosophien begannen, zu verbohrten Ideologien wurden und schließlich in übergroßen sozialen Katastrophen endeten. Das sind vor allem alle sozialistischen Experimente inklusive ihrer faschistischen und der modernen Konsumwirtschafts-Varianten.

Die zweite große Enttäuschung steht uns in ihrer vollen Implosionskraft noch bevor. Sie wird demnächst, d.h. wahrscheinlich innerhalb der nächsten 10 Jahre eintreten, wenn die letzten Hoffnungen platzen, die wir auf alles Technologische gesetzt haben. Das Ergebnis dieser verzweifelt angetriebenen und immer wieder aufgepeitschten, mittlerweile blinden Hoffnungs-Investition ist seit einigen Jahrzehnten schon überdeutlich erkennbar in der vollkommenen Unterwerfung des Menschen unter die Technik und ihre Wachstumsdynamik. Dadurch entstand ein soziologisches Mega-Problem, das gewöhnlich euphemistisch als „Fortschritt“ abstrahiert und bagatellisiert wird. Es besteht darin, dass seit langem schon die alltäglichsten Technologien weitaus intelligenter sind als 80% der Bevölkerung. Sie werden nur noch von sehr wenigen beherrscht und können nur von noch viel wenigeren durchschaut, verändert und konstruiert werden. Wir haben uns eine Welt mit einem Komplexitätsgrad erschaffen, die nur noch von Experten überschaut werden kann. Und in dieser Welt sollen die Menschen leben können? Und glücklich werden?

Kurz: in der großen Masse haben die Menschen der modernen Hochtechnologie ihres Alltags nichts mehr entgegenzusetzen und werden deshalb von ihr gesteuert und beherrscht. Wir stehen jetzt, am Anfangt des dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts kurz vor der allgemeinen Erkenntnis, dass Technologie uns nicht retten und uns bei dem, was wir am meisten benötigen, nicht helfen kann.

Damit nun aber aus der Enttäuschung keine depressive Lähmung, sondern ein Wachstumsschritt entstehen kann, müssen wir durch den Schmerz der Desillusionierung und des Verlustes alter Hoffnungen hindurch ohne uns neuen betäubenden Ausflüchten oder Ersatzlösungen zuzuwenden. Wir sollten uns dem Original-Bedürfnis zuwenden.

Die Lösung besteht – wie immer in transformationalen Entwicklungsprozessen – darin, sich vom Problem zu lösen. Wenn wir den regressiven Wunsch nach Verschmelzung, Selbstauflösung, Entlastung und Verantwortungsabnahme hinter all den kollektivistischen Sozialexperimenten erkennen und den ebenso regressiven Wunsch nach Automatisierung und Mechanisierung des Lebens, dann können wir erkennen, wohin uns die Fanatismen führen, in die wir durch solche Tendenzen hypnotisiert werden. Sie beide beruhen auf Selbstvergessenheit und Bequemlichkeit.

Die herauslösende Frage aus all diesen entwicklungsretardierenden Geschäftigkeiten ist: Was wollen wir? Wo wollen wir hin? Diese Fragen fordern, dass wir uns unserer ganzen gegebenen Natur erinnern und uns nicht auf eine infantile und geistlose Neigung reduzieren lassen. Keine der genannten Großprojekte des Intellekts aus den letzten zwei Jahrhunderten, weder die sozialistischen Volks-Vergewaltigungen noch die Technologie-Hypnose können eine Antwort auf die Frage nach unserem eigentlichen Ziel und unserer eigentlichen Erfüllung geben. Sie helfen uns allerdings, zu erkennen, was nicht funktioniert und wie wir uns durch den Missbrauch eines einseitigen Intellekts in Gefahr bringen können. Deshalb die so wichtigen Ent-täuschungen, die uns erkennen lassen, dass wir uns in uns selbst geirrt haben: der Mensch ist und braucht mehr, als wir uns die letzten 150 Jahre versucht haben einzureden. Jetzt beginnen wir, uns besser zu verstehen.

Aus der Perspektive von „Was wollen wir (als Menschen)?“ können wir dann auch sehen, dass in beiden Jahrhundert-Enttäuschungen Werkzeuge für unsere Zukunft liegen: zum einen die Notwendigkeit, das Zusammenleben der Menschen und die Institutionen, die es dafür braucht, so zu formen, dass sie dem Einzelnen dienen (individualistisch statt kollektivistisch) und dass wir dafür auf Hochtechnologie angewiesen sind. Nicht die Werkzeuge müssen sich ändern, sondern die Quelle und Ausrichtung unserer Intentionen, was wir mit ihnen vorhaben. Die Kombination von psycho-sozialer Ingenieurskunst und Hochtechnologie kann uns dann zu etwas Neuem bringen, auf das wir später noch genauer eingehen werden: die Kunst der sozialen Gestaltung.

5. Sein oder nicht sein – Entwicklung eines antifragilen Ichs

Wir haben nun also schon auf mehrfache Weise gesehen, dass der Prozess des Erwachsenwerdens in aller erster Linie die Frage nach sich selbst auf den Plan ruft und einfordert. Die grundsätzliche peri-pubertäre Frage, auf die wir dann irgendwann stoßen müssen, ist: „Sein oder nicht sein?“.

Jener Autor, der sich als Shakespeare ausgab, war noch relativ jung, als er ein ganzes Stück zu dem Thema schrieb, in dem es um die Anfänge des Erwachsenwerdens geht. Solange wir uns diese Frage nicht stellen, lautet die Antwort „nicht sein“. „Sein“ bedeutet da sein, angekommen sein, wach sein. Dafür muss es ein Bewusstsein geben, indem sich die Äußerungen und Wellenschläge des Daseins reflektieren können, sonst kommen wir in unserem eigenen Leben auf der Ebene von Bewusstsein gar nicht vor.

Bewusst werden wir uns unserer selbst zunächst erstmal nur durch das Beobachten der Effekte, die wir auf andere und die Welt haben, durch Resonanz und Spiegelung. Soweit reicht das reife kindliche Selbstbewusstsein, mit dem wir uns als Jemand über das wahrnehmen, was wir bewirken.

Erwachsenes Bewusstsein geht darüber hinaus, indem es auch den inneren Erlebenden unabhängig von den Effekten und Echos aus der Außenwelt wahrnimmt und zunehmend repräsentieren kann. Damit wird unsere Identität jedoch auch zunehmend ins Geistige verlagert und löst sich mehr und mehr vom Körperlichen und Materiellen ab. Unser Ich-Gefühl basiert dann nicht mehr auf der Interaktion zwischen uns und der Welt, sondern allein auf dem, was wir in uns wahrnehmen, auf einem inneren Dialog, der uns mehr und mehr das Gewahrsein unseres inneren psychischen Raumes erlaubt. Wir können uns dann selbst als wahrnehmende, fühlende, denkende Wesen erleben unabhängig von der Qualität und der Intensität der Reaktionen, die wir von außen bekommen. Nur dadurch entsteht Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Aus diesem inneren Dialog heraus können wir ganz anders schöpferisch tätig werden als es ein Kind kann, das aus den Einflüssen der Welt und aus der Auseinandersetzung mit ihr produktiv ist. Mit einer geistigen Identität können wir uns selbst und etwas aus uns heraus der Welt gegenüberstellen. Diese Gegenüberstellung ist also mit einer Ablösung und somit mit einer Trennung, einer Separation verbunden. Wie bei der Trennung von der Nabelschnur und damit vom Körper der Mutter nach der Geburt, trennen wir uns von der Seins-Abhängigkeit von der physischen Welt im Laufe der geistigen Geburt zum Erwachsenen. Diese Ablösung vollzieht sich nicht durch eine Erkenntnis oder eine Erfahrung, sondern durch eine langwierige Festigung des Gewahrseins des eigenen Innenlebens unter immer schwierigeren Bedingungen bis hin zur unabhängigen Selbst-Ständigkeit dieses Bewusstseins.

Vor dem Beginn dieses Ablöseprozesses des Ichs von der physischen Welt, ist dieser Zustand nicht vorstellbar und wirkt ausschließlich bedrohlich. Denn wir können uns im Zustand der kindlichen Ich-Identifikation ein Ich ohne Körper nicht vorstellen und imaginieren diesen Übergang als Tod und Selbstauflösung. Daher führt eine zu frühe oder zu schnelle Konfrontation mit solchen ablösenden Kräften zu Angst- und Schutzreaktionen, zu Kontraktionen, die die Ich-Grenzen noch enger im Körper zusammenziehen.

Menschen, die die Pforten einer körperfreien Ich-Wahrnehmung mit Drogen gewaltsam öffnen, können davon berichten, welch enormen Angst- und Panik-Zuständen sie dabei und in Folge ausgeliefert sein können. Dauerhafter Missbrauch psychoaktiver Substanzen kann dabei zu irreparablen Schäden und chronischen Angst- und Paranoia-Zuständen führen. Dazu braucht es jedoch nicht unbedingt Drogen. Jede Form der überwältigenden Flutung unseres Bewusstseins mit Reizen oder Informationen führt, wenn wir nicht gelernt haben, damit absichtlich umzugehen, zu einer reaktiven Kontraktion, um unser Ich-Bewusstsein im Körper fest zu halten, weil wir sonst unsere Identität und Orientierung verlieren würden. Diese Kontraktion wiederum löst Gefühle und Zustände der Angst aus, weil sie – als Nebenwirkung – auch den Fluss von Lebensenergie, von Impulsen einengt oder sogar abschnürt. Unser Ich-Gefühl kann so auf Kosten unserer Lebendigkeit gerettet werden. Manche Menschen haben allein deshalb nur noch so wenig Lebendigkeit in sich, sie sind körperlich, emotional, gestisch, mimisch, gedanklich und sozial starr und unbeweglich geworden. Sie wirken hart und zerbrechlich gleichzeitig. Ihr Ich ist deshalb sehr klein, weil es mit sehr wenig Sauerstoff und anderen Impulsen leben muss. Dann haben wir es mit einem gestörten Kind-Ich zu tun.

Die erste Voraussetzung für das Erwachsenwerden, überhaupt für eine Annäherung an den Prozess der Pubertät, ist jedoch, dass das Ich ausreichend Spannweite, Beweglichkeit und Lebendigkeit hat. Das ist der Grund, warum sich nur sehr wenige Menschen für das Erwachsenwerden interessieren und die meisten Menschen (und manche „Therapien“) sich ansonsten erschöpfend in Ich-Polsterungen und Ich-Prothesen investieren, die einen bestimmten Kindheitszustand nur schützen und fixieren können.

Die Erfahrung der Pubertät als Reifungsprozess ist, dass das Ich stärker wird, je mehr es geschüttelt und gerüttelt wird. Es wächst nur an der Herausforderung und daran, dass es sie übersteht. Taleb nannte diese Eigenschaft Antifragilität, was insofern nicht wirklich kennzeichnend ist, als dass es nur eine Facette, eher das Resultat dieser besonderen Charakteristik bezeichnet. Man könnte diese Wesenseigenschaft besser Akkomodität nennen, aber vielleicht fällt jemandem noch eine besserer Begriff ein. Akkomodität wäre die Eigenschaft, Erschütterungen zum eigenen Wachstum nicht nur benutzen zu können, sondern sogar zu benötigen, weil nur durch sie ein Prozess des inneren Akkommodierens, also der Anpassung und des Lernens stattfinden kann. Nur so wäre eine Wachstum von Kompetenzen in Richtung Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Robustheit möglich. Im Alltagssprachgebrauch: Was nicht tötet, härtet ab. Das gilt vor allem für alles, was lebt. Für Porzellanvasen und andere Gerätschaften gilt dies nicht. Künstliche Intelligenzsysteme könnten eine erste technologische, nicht-lebende Annäherung sein (solange man die Hardware nicht fallen lässt).

In Bezug auf den Wachstumsprozess des Ich und seine notwendigen Erschütterungen und Herausforderungen geht es dabei zunächst erst mal gar nicht um Erfolg und Wirkungsstärke, sondern um Besinnung auf das Wesentliche. Das Ich-Bewusstsein muss sozusagen hervorgeschüttelt und ‑gerüttelt werden, so dass es sich mit der Zeit aus immer mehr Überflüssigem, Angeklebtem, Fremdem und Prothetischem herauslösen kann. Dafür sind Misserfolge, Irrtümer und Niederlagen sehr viel wirkungsvoller – vorausgesetzt dass sie verarbeitet werden können und dadurch in der Folge das Bewusstsein des Eigenen, des festen und beständigen Unabhängigen stärken.

Aus diesem Grund bleiben Menschen, die sehr früh schon viele äußere Erfolge, Anerkennung und schnelle Aufstiege erlebt haben, meist psychisch ziemlich fragil und kindlich abhängig (von Publikum, Anerkennung, Anstellung, Belohnung, Drogen etc.), während sogenannte „Spätzünder“ oder solche, die sich ihre Erfolge hart erkämpfen mussten, viel robuster und eigenständiger in ihren Ich-Definitionen werden. Zu frühe, zu viel und vor allem zu sehr außengestützte Erfolge sind daher eine sehr ernste Bedrohung des Erwachsenwerdens.

Wenn man einmal erwachsen ist, dann spielen sogenannte „Erfolge“ diesbezüglich keine Rolle mehr bzw. wird Erfolg ganz anders definiert, so dass er mit Geschehnissen in der Außenwelt kaum noch korrespondiert.

Ein Mentor, der einen Prozess des Erwachsenwerdens begleitet, muss also vor allem auch die schwierige Aufgabe bewältigen, seinen Schützling vor Erfolg zu bewahren. Aus der Sicht des Anerkennung-suchenden Kindes mag das gemein erscheinen, was es für ein Kind auch ist. Die Logik gilt eben nur für den Übergang in eine höhere Reife- und Unabhängigkeitsstufe.

Auf die weltweit kumulierten menschlichen Misserfolge und Erschütterungen der letzten Jahrzehnte, gekrönt vom großen Absturz- und Desillusionierungs-Programm von Frühjahr 2020 bis Frühjahr 2021 muss hier nicht näher eingegangen werden. Es dürfte offensichtlich sein, dass wir diese Vorbedingungen für einen geistig elementaren Wachstumsschritt vollumfänglich erfüllen. Die Ärmsten werden die Reichsten sein und durchs Nadelöhr kommt man nur, wenn man vorher viele Illusionspolster abgespeckt hat.

6. Schmerz als Geburtshelfer

Aus den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, dass die Pubertät als Prozess des Erwachsenwerdens einem Geburtsprozess gleichkommt. Es ist kein additiver Erweiterungsvorgang, wie er im Biologiebuch steht, und auch mehr als eine Neusortierung, wie die Entwicklungspsychologie es uns darstellt, sondern die Herauskehrung eines neuen Bewusstseins, einer neuen Identität.

Jede Geburt ist mit Schmerz verbunden. Denn Entwicklung im Sinne von Genesis, von Werdung, kann nur mit Schmerz geschehen und nur mit Schmerz vollständig sein. Jedes Neu- und Anders-Werden ist eine Geburt, die mit Schmerz verbunden ist.

Wir müssen uns für das richtige Begreifen dieses Schmerzes und seiner Notwendigkeit mit seiner Bedeutung auseinandersetzen, um ihn nicht gewohnheitsmäßig in die Schublade von lästigem Leid und störendem Unbehagen einzusortieren, mit welchen wir dann gleich vermeidend und verneinend verfahren wollen.

Schmerz ist ein geistiges Phänomen. Oder besser gesagt ein Phänomen, das nur an der Schnittstelle zwischen Geistigem und Körperlichem entstehen kann. Das Geistige – Information, Idee, Ideal – ist zeitlos. Wenn es sich aber verwirklichen, also geboren werden will, dann muss es seine Zeitlosigkeit aufgeben und sich reduzieren auf etwas, das nur in der Zeit, also Stück-für-Stück, also fragmentarisch erfahrbar ist. Ansonsten wäre es gar nicht erfahrbar. Und an dieser Umwandlungsfläche zwischen Ideal-Geistigem und materiell-Körperlichem können auf zwei Weisen Schmerz entstehen: einmal in der Formwerdung, Fleischwerdung, Geburt oder in der Abweichung, Störung, Verletzung.
Das heißt, wir erleben Schmerz in zwei Momenten unseres Lebens: immer da, wo etwas neu geboren wird – ein Mensch, eine neue Idee, eine Einsicht, eine Erkenntnis oder eine neue Identität – und immer da, wo wir nicht intakt und unversehrt sind – körperlich, emotional, intellektuell, moralisch oder sozial. Ohne den Schmerz des letzteren Moments gäbe es keine Heilung, denn erst der Schmerz zieht unser Bewusstsein zu der Stelle, an der es gebraucht wird. Und dieses Bewusstsein zieht dann Energien, heilende Kräfte und helfende Impulse nach sich oder zu sich.

Nur die durch Schmerz herbeigeholte Aufmerksamkeit kann eine Brücke zwischen der gesunden Idee (als einer Art Blaupause) und der körperlichen oder psychischen Heilung herstellen. Schmerz ist somit der Magnet für die vermittelnden und heilenden Kräfte. Jeder gute Arzt und Therapeut sollte in erster Linie diese vermittelnden Kräfte unterstützen und dafür das Schmerzerleben nutzen – statt dagegen anzugehen. Der Arzt oder Therapeut selbst sollte auch nur Vermittler sein zwischen dem Gestörten, Schmerzenden, also Unheilen und der eigenen ursprünglichen Wesensinformation von Ganzheit und Intaktheit, die dahinter stecken und nur durch den Schmerz auffindbar sind. Die Heilungsinformation bzw. das Heilungsziel steckt im Schmerz. Von außen ist Intaktheit nämlich niemals herstellbar, sondern höchstens ersetzbar oder betäubbar.

Mit den Prozessen der Geburt verhält es sich ganz ähnlich. Auch in ihnen hat der Schmerz die Aufgabe, das Bewusstsein an einen physischen Vorgang zu binden. Es ist jedoch nicht der Vorgang der Reintegration und Heilung, sondern der Herauslösung und somit Trennung. Gebären bedeutet ja immer, etwas aus sich herausholen, herauslassen, herausstellen, das dann für sich steht und eben keinen Teil des eigenen mehr bildet. Die besondere geistige Wachheit, derer es dabei bedarf, dient also auch der Integrität, nämlich dem Erhalt der eigenen Vollständigkeit im Ablöseprozess.

Der Bezug einer Mutter zu ihrem Neugeborenen ist sehr erschwert, wenn sie die Geburt nicht miterleben konnte, denn ihrem Bewusstsein fehlt die konkrete Erfahrung der Herauslösung und des In-die-Welt-Gebens von etwas, das ja bisher Teil ihres Selbstempfindens – zumindest körperlich – war. Die Narkose von Schmerz bedeutet dann nichts anderes, als die Wahrnehmung des Herauslöse-Vorgangs zu unterbrechen. Es ist nicht möglich, diese Wahrnehmung ohne einen Schmerz zu erhalten, weil das Gebären, also das Herausgeben und Von-sich-Ablösen etwas an sich Schmerzhaftes ist.

Ich-Werdung ist in der pubertären Übergangsphase vom körperbezogenen zum geistbezogenen Ich-Bewusstsein ein Geburtsprozess. Also ein Herauslöse- und Ablöse-Prozess. Das Seltsame ist nur, dass wir sowohl Gebärende als auch Geborene, erst das eine und dann das andere, sind. In diesem Wechsel sorgt der Schmerz dafür, dass trotz dieser umwälzenden Transformation und Umstülpung die eigene Integrität nicht verloren geht. Die Intaktheit des Wesentlichen in uns bleibt nicht nur erhalten durch jene Wachheit, die vom Schmerz erzeugt wird, sie wird durch sie auch fester und sicherer.

Natürlich funktioniert dies immer nur, solange der Schmerz noch auszuhalten ist. Ein Übermaß an Schmerz stoppt den Prozess, weil es die Zusammenarbeit von Gewahrsein und Umwandlungsprozess stört oder sogar unterbricht. Dann schützt sich unser Ich-Bewusstsein durch einen dissoziativen Rückzug vom Geschehen und kapselt sich in einer Distanzierung ein. Die Kunst der pubertären Geburtshilfe besteht also wie jede Hebammenkunst auch darin, den Schmerz über die Zeit hinweg in Portionen aufzuteilen, die zu verkraften sind und dadurch Ich-kräftigend wirken.

Großer Schmerz bedeutet eine große Geburt, also eine große Ablösung, und erfordert eine größere Streckung in der Zeit, um nicht traumatisierend zu sein.

Die Schmerzen, die der Menschheit und den meisten Menschen noch bevorstehen in diesem Prozess der Neugeburt unseres Selbstverständnisses und der Kultur, in der wir leben wollen, werden immens sein. Das liegt daran, dass wir die bisherigen Schwangerschaftsanzeichen und schon lange ankündigenden Wehen hochgradig wegnarkotisiert haben. Wir erleben also zwei Dinge gleichzeitig: ein Aufwachen aus der Narkose während eines schon fortgeschrittenen Geburtsprozesses.

Die Schmerzen, die dabei – endlich – freigesetzt werden, holen unser Selbst-, Kultur- und Welt-Bewusstsein aus dem abgedrifteten ideologischen Nebel in das physische Hiersein zurück – ein Vorgang, der geradezu klinisch und existenziell notwendig geworden ist. Es wird keine der gewohnten Narkosen geben, nur eine spärliche Pufferung des Aufpralls in der Realität dadurch, dass genug Menschen, die Landung vorbereitet haben und am Boden auf den Großteil der anderen, der Fallenden warten. Die neuen Betten werden gemacht sein und die Neuankömmlinge werden staunen, wie schön es sein kann, als Mensch in der Welt zu sein.

Pubertät ist eine großartige Sache, wenn man auf der anderen Seite der Schwelle angekommen ist.

Wachsen oder Erwachsen-werden?

Was hier für die Menschheit als Übergang und Pubertät beschrieben wurde, gilt nicht für alle Menschen. Das Great Awakening ist nur für sehr wenige ein Erwachen. Für die meisten ist es nur ein Aufwachen. Die Erweckung findet für alle statt, aber die Reaktionen sind unterschiedlich.

Was sind die Unterschiede? Erwachen findet von innen statt, während Aufwachen von außen ausgelöst werden kann. Erwachen beschreibt den Prozess einer Entwicklung von innen nach außen, genauer genommen einer Umstülpung von innen nach außen und von außen nach innen gleichzeitig, so wie das Er-wachsen, das Er-fahren oder Er-kennen immer ein Vorgang innerer Bewegung ist, die sich nach außen durchsetzt.

Das sogenannte „Aufwachen“ der Menschen ist eigentlich eine Desillusionierung. Ein großer Teil massiver Lügen über die Welt wird entlarvt und dadurch unhaltbar. Trotz aller Schutzmechanismen und psychischer Widerstände erreichen die Informationen über die richtigen Tatsachen und Zusammenhänge das Denken der Menschen und ersetzen ihr bisheriges Weltbild durch ein neues. Wohlgemerkt: sie ersetzen ihr Weltbild, nicht ihr Selbstbild!

Den pubertären Prozess, der in diesem Artikel skizziert wird, erleben nur jene, deren Selbstbild sich ändert. Für den geistig Erwachsenen ist das Innenleben bedeutender und maßgeblicher als äußere Erscheinungen. Erwachsenwerden ist auch in diesem Sinne eine Umstülpung: die Richtung der Aufmerksamkeit und des Wirkens wird umgedreht: während die Aufmerksamkeit des Kindes von Äußerem bestimmt wird und es von äußeren Eindrücken und Bedingungen geprägt und geformt wird, ist der erwachsene Geist jener, der seine Aufmerksamkeit immer wieder nach innen auf sich selbst richtet und von dort, von innen aus auf die Welt und die Bedingungen um ihn herum schaut und einwirkt.

Das Great Awakening ist politisch betrachtet eine Machtergreifung und Durchsetzung der geistig Erwachsenen. Sie legen die Grundbausteine für eine Kultur, die auf der Ausrichtung auf menschliches Erwachsenwerden beruht. Damit wird über längere Zeiträume hin zumindest die Wahrscheinlichkeit für diese Bewusstwerdungsprozesse für jeden Einzelnen erhöht. Auf jeden Fall wird dadurch der Einfluss degenerierter und anti-geistiger Kräfte extrem reduziert und vielleicht sogar vollständig unterbunden.

Als Nächstes wollen wir noch einen Blick darauf werfen, inwiefern gerade den Deutschen in diesem Prozess eine besondere Rolle zukommen könnte.

Friedenstechnik made by Germans

Es mag widersprüchlich aussehen, dass ausgerechnet die Deutschen, die sich mehr als alle anderen in ihren Illusionen, ihren kindischen Realitätsverweigerungen und ihren bejammernswerten Regressionen verbuddeln, diejenigen sein sollen, die die Speerspitze der Menschheitsentwicklung und ihres nächsten Entwicklungssprungs bilden. Die Deutschen und unter ihnen in erster Linie die sogenannten Akademiker, Denker und Künstler, werden vermutlich die letzten sein, die verstehen, was hier vor sich geht und welche Dimensionen es einnimmt. Aber wenn sie es verstehen, dann werden sie den großen Wandel an- weiter- und höher hinaus führen können. Die Letzten werden die Ersten sein: hier wirkt dann wieder das Gesetz der Umstülpung.

Wir können uns das am besten wie einen Teenager vorstellen, der eigentlich schon Selbstverantwortung übernehmen könnte, der alles hat, was er dafür bräuchte, und der zumindest auch schon ahnt, dass das sein nächster Schritt ist. Und was tut er? Er zieht sich die Decke über den Kopf und möchte sich bei Mama einkuscheln. Er zieht sich einen Joint rein, macht blau und blättert in Kinderbüchern oder spielt Computerspiele für Kinder ab 10. Oder er wird ein Streber, lernt sich die Birne heiß, will nur noch die besten Noten und setzt sich die ehrgeizigsten Ziele, um Mama und Papa zu beeindrucken oder noch besser die ganze Welt, von der er sich all die Anerkennung holen will, die er selbst für sich nicht aufzubringen wagt. Das ist auch eine Form des Zuhause-Bleibens, des Kind-Bleibens.

Historisch und in größeren Entwicklungszyklen gedacht dürfte das so ziemlich die Situation der Deutschen beschreiben. Es ist die zaudernde Verzögerungs-Taktik à la Hamlet. Es wurde schon häufiger herausgestellt, dass Hamlet das deutscheste von Shakespeares Stücken ist. Noch wahrscheinlicher ist, dass es einfach den „deutschen“ Anteil im Menschen an sich deutlich macht. Gemütlichkeit, Saumseligkeit und Selbstvergessenheit liegen nah beieinander und ganz sicher alle in der Hosentasche des Michels.

An dieser Stelle taucht bei manchen Zeitgenossen – und tatsächlich fast nur bei deutschen – eine Art kontraphobischer Reflex auf und sie rufen sich selbst und andere plötzlich auf, auf die Barrikaden zu gehen und Feuer und Flamme zu spucken. Diese aufgedrehten Durchsagen verklingen zum Glück ohne große Reaktionen im Schlafsaal, auch wenn sie extra aus Übersee importiert und auf Amerikanisch durchgegeben werden. Die emotionalisierten Appelle zur Befreiung und Revolution made in Germany können nicht funktionieren aus drei Gründen: erstens, sie bleiben viel zu allgemein und metaphorisch. Sie sagen nie, wer denn nun was und wie tun soll. Zweitens, sie entsprechen nicht dem deutschen Geist, der überhaupt kein Revolutions-Gen hat, sondern nur zur Besinnung gerufen werden kann (echte Deutschland-Forscher oder -Kenner aus den USA sollten dies auch wissen). Und drittens: wir können nichts tun, weil wir seit 100 Jahren narkotisiert sind und nun erst ganz langsam in unserem dornenverwachsenen und verstaubten Schloss aufwachen in einer Welt, in der Alleingänge von irgendwem oder irgendeinem Volk schlichtweg systemisch gar nicht mehr möglich sind.

Willkommen in der Quanten-Welt der Vernetzung! Haben Sie gut geschlafen? Wir haben Ihnen schon einen Kaffee gerichtet und hier sind die Zeitungen des aktuellen Jahrhunderts: wir haben ein Quanten-Finanzsystem, Quanten-Medizin, ein Quanten-Internet und unsere Computer bemerken, wenn Sie nicht im Einklang mit sich sind. Können wir sonst noch etwas für Sie tun?

Wir schaffen das – aber nicht allein

Also, zu der Idee, dass „wir es alleine schaffen müssen“, dass „wir Deutschen uns aus eigener Kraft befreien müssen“ ist zu sagen: dieses „müssen“, in dem auf alttestamentarische Art und Weise Prophet, Erzieher, Volksfreund, Anführer und Retter gleichzeitig ertönen, bewegt hier im Aufwachraum niemanden.

Das zweite K.-o.-Kriterium für solche Ansagen ist jedoch noch viel wichtiger: die Zeit von „allein“ ist längst vorbei. Und für uns Deutsche sogar doppelt: denn es entspricht überhaupt nicht und entsprach auch nie unserem Wesen, etwas in der physischen Welt alleine zu verwirklichen. Das letzte Mal, das wir dieser irren Idee und dem Schreihals ihrer Programmatik in blindem Wahn folgten, führte zur größten und anhaltendsten Traumatisierung unserer Geschichte.

Also, aufgepasst! Die Wortführer, die die Deutschen zum Aufstehen oder Aufstand auffordern, kommen gern aus dem Ausland herbei, werden von Mächten finanziert und geschickt, die im Dunklen bleiben, und haben die Aufgabe, uns zu verführen. Führung wäre etwas gänzlich anderes, die gab und gibt es in Deutschland tatsächlich und wir brauchen keine Angst vor ihr zu haben. Dazu kommen wir nachher noch.

Als wesensartig geistiges und intellektuelles Volk sind wir in der Welt alleine hilflos, hilfloser als vielleicht irgendein anderes Volk auf der Erde. Aber unsere Ideen sind, wenn andere uns bei ihrer Umsetzung helfen, die mächtigsten der Welt. „Made in Germany“ heißt vor allem: mit deutscher Sorgfalt und deutschem Weitblick gemacht. Sorgfalt und Weitblick sind Aspekte einer geistigen Haltung und damit etwas qualitativ ganz anderes als Fleiß, Ausdauer oder Vorsicht (für die eine emotionale Motivation ausreicht).

Wir können auch Waffen erfinden, die alle anderen Waffen der Welt in den Schatten stellen. Aber für ihre Anwendung sind wir nicht die richtigen. Deshalb sollten wir sehr umsichtig sein, wem wir sie geben.

Die Menschheitsgeschichte ist schon lange kein Solo-Stück mehr und es geht insgesamt nicht weiter, wenn auch nur einer nicht mitmacht und sich quer stellt. Eine bekannte Kuh-Weisheit: Wenn einer nicht mitgeht, gehen alle nicht mit. Eine Deutschland-relevante Variation davon lautet: wenn einer quer denkt, dann denkt keiner mehr weiter.

Die Amerikaner haben das alles mit ihrem Pragmatismus schon verstanden und rempeln uns immer heftiger an, dass wir mal zu Potte kommen: Hey, Michel, aufwachen! Unsere westlichen Europa-Freunde sind noch zu desorientiert, aber ohne deutliche Ordnung werden sie keinen eigenen Schritt nach vorne machen, sondern nur immer unruhiger mit den Hufen scharren. Wo ist der Ordnungsmacher? Bruder Michel, schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken im Süden, im Westen, im Osten, im Norden? Ding-dong-ding-dong!

Deutlich heißt deutsch. Und umgekehrt. Wer aber weckt den Michel? Wenn der Michel aufwacht und deutlich, also deutsch wird, d.h. gott-zugehörig oder gott-zugewandt (Lat. deus = Gott), dann wird er Michael. Und wenn der Michael sein Schwert wiederfindet oder seine Lanze, dann kommt der Drache an die Leine oder: Kopf ab!

Auch im Osten von Mittelerde wissen unsere Brüder und Schwestern schon lange Bescheid und schütteln den Kopf über den verpennten Schlafmichel. Auch sie kommen mit ihrer Herzenswärme und ihrem Gefühl für Ganzheit alleine nicht weiter. Immerhin haben sie sich mit den draufgängerischen Männern der Tat jenseits des Atlantiks zusammen getan. Den Sprung nach vorne aber kann nur der deutliche Michael machen. „Nach vorne“ heißt: in eine geistige Steuerung, die die Tatkraft des Auswanderer-Westens und die intuitive Herzlichkeit des traditionsbewussten Ostens zu einem neuen Ganzen vereint und ihm ein umfassendes geistiges Dach gibt.

Natürlich wollen alle Frieden. Aber es reicht dafür nicht, Stolz und Waffen zu haben, und es reicht auch nicht, friedlich bis zur Selbstaufopferung zu sein und sich damit weiter zu verschanzen. Frieden muss gebaut, organisiert und strukturiert werden. Er muss explizit und institutionalisiert werden. Das ruft doch nach deutschen Ingenieuren, oder? Wie wäre es mit deutschen Friedensarchitekten? Frieden made in Germany. Frieden als deutscher Kultur-Exportschlager! Dann braucht es irgendwann auch keine waffenstrotzende Mega-Weltpolizei mehr und die herzenstreuen Slawen und die findigen Asiaten können aus ihrer Verbarrikadierung hervorkommen.

Der strahlende Exportschlager aus Mittelerde wird etwas sein, was es bisher nur in einzelnen Menschen, einzelnen Familien und dieser oder jenen kleinen Gemeinschaft gab: Bewusstsein für die Kräfte im Menschen, die Frieden schaffen (Michael, der Engel) und gleichzeitg Bewusstsein für die Gegenkräfte (der Drache). Um dieses doppelseitige Bewusstsein zu schaffen, braucht es eine Kultur, die es aufbaut und erhält. Und eine solche Kultur kann nur durch das klare, deutliche Wort erschaffen werden, das aus dem Verstehen kommt.

Am Anfang war das Wort… und das Wort haben jetzt: die Deutschen… Möchten Sie etwas sagen? Das Publikum hat schon gewartet…

Friedenserhaltende Kräfte bestehen nicht bloß aus einer ehrlichen Sehnsucht und herzvollem Hoffen, sondern aus Fähigkeiten, die geübt werden müssen. Und das neue Übungsprogramm für die Menschheit braucht gute Anleitungen und Vorgaben. Ich bin überzeugt, dass dieses Programm nur unter federführender Mitwirkung der Deutschen, genauer gesagt des deutschen Geistes entstehen kann.

(Nebenbemerkung und Denksport-Nuss zum Selber-Knacken: die Parallelen dieser Erkenntnisse zu verdrehten Parolen à la „Mein Kampf“ bedeutet nicht, dass hier ein Adolf oder Nationalzionist mitgeschrieben hat, sondern vielmehr, dass korrupte Geheimdienste für ihre diesbezüglichen Produktionen informiert und raffiniert genug waren, diese wesenhafte Aufgabe des deutschen Geistes für ihre psycho-manipulative Propaganda gegen die Deutschen und zu ihrem Selbsthass und zu ihrer Vernichtung zu pervertieren. Wer bei Begriffen wie „deutscher Geist“ in Verbindung mit Weltbedeutung heute noch in Angstschweiß ausbricht, der ist der lebende Beweis dafür, wie raffiniert und wirksam diese Psychoprogrammierung funktioniert hat. Der Ausweg findet wie immer über das selbständige und kritische Reflektieren statt, welches auch unter Angstschweiß durchaus möglich ist.)

Der anglo-amerikanische Pragmatismus und der tief verankerte slawische Holismus sind für sich genommen zu sehr mit dem unmittelbar Sinnlich-Materiellen verbunden, um ein überspannendes geistiges Dach und Friedens-Gebäude für alle Menschen zu formulieren und anzubieten. Die besondere Fähigkeit der Deutschen zur Abstraktion und zur ideellen Abkopplung von ihren eigenen Belangen, welche bisher regelmäßig zu unserem Nachteil verdreht wurde, weil wir nicht mit den anderen zusammenarbeiten konnten und von ihnen nicht beschützt, sondern angegriffen wurden, kann sich in dem Moment voll entfalten, wenn wir uns nicht mehr wehren, vergraben oder betäuben müssen. Wir haben dann eine Antenne zum Übergeordneten, zum Geistigen und Ordnungsstiftenden, deren Früchte uns alle anderen Völker sehnlichst aus der Hand reißen werden.

Die große neue deutsche Ingenieursleistung könnte der soziale Gesellschaftsaufbau sein inklusive seiner wichtigsten Aspekte von Bildung, Staatsstruktur, Städte- und Siedlungsstruktur, Rechtssystem und Wohlfahrtsprinzipien. So ganz neu wäre das nicht, es gilt vieles einfach nur wiederzuentdecken, das unsere Vorfahren vor 150 bis 200 Jahren schon vorgedacht und konstruiert haben. Neu wäre jedoch, dass die Deutschen darin weltweit gefragt sein werden und sich nicht ringsum gegen die Vasallen einer jesuitischen Mafia und ihrer Monsterköpfe verteidigen müssten.

An dieser Stelle und noch sehr häufig in der Zukunft will ich meinen tief empfundenen Dank an all die vielen Soldaten aussprechen, die mit diesem menschlichen Abschaum kurzen Prozess gemacht haben. Ohne Euch würde ich hier so nicht mehr öffentlich schreiben können und unser Leben wäre die Hölle.

Dass wir mit unseren Denk- und Konstruktionsfähigkeiten gefragt sein und in der Darstellung und Verwirklichung frei sein werden, wird sehr viel verborgenes Potenzial freilegen. Vor allem unser philosophisches und denkerisches Potenzial. Aber auch die Feinheit unseres Beobachtungs- und Besinnungspotenzials, mit dem wir eben nicht nur trockene Ideengebäude in die Welt setzen, sondern der Natur und ihren Prozessen folgen wollen. Das ist auch etwas typische Deutsches: mit der Natur zu denken. Das ist vor allem wichtig für Heilung und Genesung, nicht nur im physischen und psychischen Sinne, sondern auch im geistigen Sinne der authentischeren Verwirklichung von Wesenseigenschaften. Damit kann, wenn wir von weit genug oben schauen, eine Ausrichtung geschaffen werden, mit der jeder und jedes Volk auf seine Weise zu sich kommen und sich verwirklichen kann.

Ich glaube, das ist eine der Gründe, warum die Welt den deutschen Geist und uns Deutsche als seine Vertreter auf Erden, so sehr braucht und auf uns wartet. Frieden ist nur ab einem gewissen Grade von Freiheit möglich und Freiheit ist nur durch das Denken möglich. Wenn das Denken frei ist, kann es klar und erfinderisch werden, um immer größere Freiheitsgrade in die physische und soziale Welt zu bringen.

Frieden und Freiheit können deshalb niemals durch eine Rückkehr zu früheren Zuständen gefunden werden, sondern sind immer das Produkt einer Anstrengung und Schöpfung. Wir müssen sie aktiv erschaffen. Ohne unser Denken säßen wir heute noch in kalten Höhlen und würden uns gegenseitig angrunzen. Wahrscheinlich aber noch nicht mal mehr das. Wir wären wohl eher längst tot, weil wir die letzte Naturkatastrophe, das letzte hungrige Wolfsrudel, die Schlägereien um einen Feuerplatz oder eine hübsche Sechzehnjährige oder die Empfehlung eines Schamanen auf Drogen nicht überlebt hätten.

Das sukzessive Einknicken unserer Denkfähigkeiten über die letzten 100 Jahre können wir an ganz analogen Symptomen in unserer Gesellschaft erfassen.

Aber die Erholungskurve der Deutschen als Ganzes – nicht aller, aber in Summe – wird viel schneller vonstatten gehen, da bin ich mir sicher. Sobald wir das falsche Denken oder besser gesagt die Einflüsterungen des Anti-Denkens abgestreift haben, werden wir uns sehr schnell auf uns und unsere Aufgabe besinnen. Nicht, weil wir es eilig haben, irgendwelche Hausaufgaben zu erledigen oder ein ewiges Schuldkonto abzuarbeiten, sondern weil dies unserem Wesen entspricht. Wir werden einfach das tun, was wir gerne tun und tun wollen und dann wird sich alles Weitere fügen.

Die deutsche Geschichte der letzten 150 Jahre lässt sich wie das Spannen einer Feder beschreiben. Durch immer neue und heftigere Einflüsse wurde sie gespannt und gespannt und gespannt. Vielleicht hätte sie auch bald schon überspannt sein und brechen können. Was aber stattdessen geschehen wird ist, dass das enorme aufgestaute Entwicklungs- und Gestaltungspotenzial, das sich über acht oder mehr Generationen angesammelt hat, plötzlich Luft schaffen wird. So wie bei einem Jugendlichen, der plötzlich seine Fähigkeit auf Selbständigkeit begreift und ergreift und von heute auf morgen die Entscheidung trifft, eigene Entscheidungen in seinem eigenen Sinne zu treffen. Nur das, was wir in unserem Sinne tun, hat Sinn.

Was ist unser Sinn? Geistige Entfaltung und der Ausdruck unserer Entschlossenheit, allem Materiellen etwas Geistiges, Intellektuelles, Abstraktes und vor allem Ideales gegenüberzustellen. Wir sind Platos Erben und Goethes Urenkel.  Und wenn wir dieses wesenshafte Erbe nicht verwirklichen, wird es keiner tun, wird es keinen Fortschritt geben, wird die Welt im Materialismus mit seinen technokratischen Ideologien versinken und wird die Menschheit kindisch bleiben.

Soziale Gestaltungskunst

Unsere Herausforderung besteht nun darin, über das Entwickelte und Erkannte hinauszuwachsen ohne es zu verlieren. Wir müssen dafür jenen Teil unserer spezifisch menschlichen Intelligenz entwickeln, der aller Technologie gegenüber überlegen und führungsfähig ist. Dies ist vor allem unsere Fähigkeit zum moralischen Denken und Handeln. Zu ihr gehören die menschlichen, nicht-mechanischen und nicht-computationalen Aspekte von Willenskraft, Verantwortungsfähigkeit und Ich-Bewusstsein. Das Zeitalter der technologischen Hypnose hat diese Fähigkeiten weitestgehend aus unserer Kultur entfernt und wir müssen sie erst wieder aus den letzten Überbleibseln aus den verwinkeltsten Nischen unserer Gesellschaft hervorholen und auf die öffentlichen Bühnen holen.

Mit dieser neuen Intelligenzform, die wir in der Breite entwickeln müssen (und werden, ganz außer Frage), damit sie funktioniert und gesellschaftsprägend werden kann, können wir dann eine neue Kunstform als Ausdruck geistiger Kreativität entwickeln, die in den letzten 150 Jahren leider auf Experimentalniveau steckengeblieben ist und dann in pathologische Aberrationen versank: soziale Gestaltungskunst.

Was als social engineering bisher nicht viel mehr als eine Werkzeugkiste der Massenmanipulation und -verführung war, kann sich aus dem rein Technischen erheben und zu einer kulturstiftenden und sogar lebensrettenden Kunst werden, wenn es aus den bisherigen Psychopathenkrallen in andere Hände genommen wird.

Wenn ich also gefragt werde, was denn mit der menschlichen Kreativität los ist, die seit über einem Jahrhundert in den klassischen Gebieten des Künstlerischen – Musik, darstellende Künste, Architektur – so offensichtlich lahm und geistlos geworden ist, und wo sich diese Kreativitätskraft des Menschen denn endlich wieder einmal epochemachend zeigen wird, dann würde ich sagen: im sozialen Gestalten!

Darin liegt auch die Antwort auf die Frage, welche Art der gesellschaftlichen und staatlichen Organisation wir denn nun wählen sollen: keine der bisher bekannten! Sie alle waren – ganz besonders die der letzten 200 Jahre – nur Vorstudien und Experimente, Lektionen und Bausteine für uns und unsere komplett neue Aufgabe. Nämlich den Aufbau einer Gesellschaft, die auf dem Ich-Bewusstsein und der Mitverantwortung des Einzelnen aufbaut und deshalb diese an erster Stelle fördert und fördern muss.

Das bedeutet systemisch gesprochen: weg von der Zentralisierung und klare Betonung und Förderung von Hierarchien der Verantwortlichkeit! Dafür müssen wir uns von alten Ideologieprägungen und intellektuellen Reflexen lösen, denn meistens werfen wir diese beiden Aspekte durcheinander oder verwechseln sie. Das moderne Wunschdenken wurde ja daraufhin konditioniert, gegen (sichtbare) Hierarchien zu kämpfen und dadurch den Blick für die (meist verdeckten) Zentralisierungen und Monopolisierungen zu verlieren. Diese wurden dann verschleiernd als „Globalisierung“ verkauft, was wiederum eine typisch psychopathische Verdrehung von Strategie und Zweck war: die Globalisierung war kein Ziel, sondern nur ein Mittel für die totale Zentralisierung und Monopolisierung (und nicht umgekehrt), über die als wahres Ziel natürlich nicht gesprochen wurde.

Wir sollten gegen Zentralisierung und Monopolisierung sein, aber nicht gegen Hierarchie (und Ordnung). Nur weil Diktaturen auch hierarchische Strukturen nutzen, bedeutet das nicht, dass Hierarchien stets diktatorisch sind. Dasselbe gilt für Führung: nur weil Diktatoren sich gerne als „Führer“ bezeichnen (sie sind in Wirklichkeit keine, weil Führung die Freiheit von Gewalt und Zwang impliziert), bedeutet das für den logisch und semantisch sauber denkenden Menschen nicht, dass Führer und Führung diktatorisch sind. Von solchen falschen Denk-Schubladen müssen wir uns durch präzise Begriffsklärung befreien.

Hierarchie bedeutet zunächst einmal schlichtweg Ordnung. Das neue an der gesellschaftlichen Ordnung, die wir für die schon fortgeschrittene und fortschreitende Individualisierung des Menschen benötigen, ist, dass sie viel mehr vom Einzelnen mitgetragen werden muss als das in früheren hierarchischen Gesellschaftstrukturen der Fall war. Durch eine pyramidale Ordnung der Verantwortung ist jeder Einzelne stets der fordernden „Belastung“ ausgesetzt, sich um andere (weniger Verantwortungsfähige) zu kümmern und sich gleichzeitig von anderen (Verantwortungsfähigeren) leiten und fördern zu lassen. So stellt diese Ordnung eine permanente Entwicklungsherausforderung und -förderung dar, ihr Schwerpunkt liegt also auf dem Wachstum des Menschen in seinen Fähigkeiten und nicht auf materiellen Errungenschaften.

Was wir für diesen Fokus-Wechsel unbedingt schaffen müssen, ist, die einfältige Logik von „gut oder schlecht“ des Ideologen und auch die metaphysische oder mathematische Logik von „richtig oder falsch“ in allen sozial-strukturellen und pragmatischen Fragen zu überwinden. Stattdessen sollten wir lernen, eine Logik von „schwachsinnig oder klug“ („Schwachkopf oder Weiser“) zu entwickeln und ihr zu folgen. Das wird uns eine Menge Ärger und Umwege ersparen, wenn wir es mit sozialen Realitäten zu tun haben. Wir haben über die letzten hundert Jahre ganze Schubkarren voll mit ideologisch „Gutem“ und moralisch „Richtigem“ gesammelt, die alle auf den Komposthaufen von „Schwachsinn“ gehören.

Wenn wir demnächst über neue Ansätze der Bildung sprechen, dann werde ich unter anderem vorschlagen, dass wir allen Beteiligten, das heißt im Grunde allen Menschen, die an der Gesellschaft teilnehmen, primär und zentral Heuristiken zu vermitteln, um Blödsinn, Firlefanz, Humbug, Gewäsch, Nonsens, Kappes, Mumpitz, Pipifax, Quark, Käse, Schmarrn, Stuss, dummes Zeugs und ganz gewöhnlichen Unsinn zu erkennen. Ebenso alles, was unter die Kategorien von Manipulation, Betrug, intentionaler Verblödung, mentale Verführung, Illusion, Trickserei, Gaukelei, Gaunerei, Irreführung, Verarschung, Abzocke , Bauernfängerei, Schwindel oder einfach Täuschung fällt.

Dies ist mein erster kleiner Beitrag zu einem differenzierteren Wortschatz zu dieser Thematik, damit wir nicht immer nur „Scheiße“ sagen müssen und unser Denken und damit auch unsere Wahrnehmung verfeinern. So oder so ähnlich könnte der Beginn zur Ausbildung für soziale Gestaltungskunst aussehen.

Mr. Keatings Abschlussklasse

Kommen wir zum Abschluss für heute.

Nachdem wir nun im großen Bogen betrachtet haben, dass die Menschheit in der Pubertät steckt und dass diese Pubertät durchaus den Charakter einer Naturkatastrophe haben kann, weil sie sowohl zwingend als auch sehr strapaziös ist, wollen wir auch noch einen kurzen Blick auf das fein verästelte Netzwerk jener Menschen und Kräfte werfen, die diesen Prozess aus der Kommandozentrale und den Generalstabsbüros für soziokulture Sintfluten modulieren oder sogar steuern.

Eine berechtigte Frage ist ja: wie kann es sein, dass es einige unter uns gibt, die schon lange vor den Sturmböen vorbereitet waren und dass es sogar einige unter uns gibt, die bereits fertige Archen und Rettungsstationen aufgebaut haben? Und wie war es möglich, dass der ganze Abriss eines Jahrhunderte alten pathologischen Systems, das sich in die Köpfe der Menschen eingepflanzt hatte und die geistige Weiterreifung der Menschheit verhinderte, so koordiniert und feinjustiert gesteuert werden konnte?

Ich will das mit einem Bild veranschaulichen. Schauen wir noch einmal die Abschlussszene des Films „Der Club der toten Dichter“. Mr. Keating verlässt nach vielleicht nicht einmal einem Jahr seine Klasse. Von etwa 20 Schülern darin haben es mindestens zehn verstanden. Einer von diesen zehn – einer, von dem man es nicht erwartet hätte – hat es nicht nur verstanden, er hat es verinnerlicht und verkörpert es. Er setzt es um und durch. Die anderen neun oder so folgen ihm. Sie sind für das System der geistigen Unterdrückung ein für allemal verloren. Sie sind frei. Keating kann gehen. Er war nur ein Lehrer unter vielen, aber nach einem Jahr hatte er zehn Schüler, die es verstanden hatten. Das sind dann schon elf in der Welt . Diese zehn Schüler gehen in die Welt hinaus, einige werden vielleicht auch Lehrer. Andere gehen zum Militär. Sie alle haben Einfluss und setzen Menschen frei aus dem System heraus ins eigenständige Denken.

Stellen wir uns vor, dass so etwas vor 70 Jahren passiert ist. Wahrscheinlich ist es viel früher schon geschehen. Was ist aus Keatings Schülern und ihren Schülern und deren Schülern wohl innerhalb von 70 Jahren geworden? Glaubst du, sie sind immer noch isolierte Einzelgänger, die in kleinen Internaten oder in vereinzelten Klassenzimmern versuchen, hier und da ein paar Einzelne aufzuwecken und ansonsten dabei zusehen, wie alles auf den menschlichen Abgrund und Totalausfall zusteuert?

Wenn wir bedenken, wie exponentielles Wachstum aussieht, dann können wir uns vorstellen, dass es vor 20 Jahren bereits eine Armee von Keatings gab. Und wir müssen uns vorstellen, was ein Keating oder ein Todd Anderson nach 10 oder 20 Jahren ausrichten kann, wenn er General bei der US-Army ist.

Warum haben wir nie von ihnen gehört? Weil sie Anlauf genommen haben für den großen Coup. So etwas macht man im Stillen, um am Ende nur einen Hebel umlegen zu müssen und Kollateralschäden zu vermeiden. In der Metapher des Films sähe das in etwa so aus: Mr. Keating oder einer seiner Schüler kommt nach 20 Jahren als Bildungsminister zurück und übernimmt die gesamte Schule. Darum ging es. Nicht nur, aber auch.

Den stotternden, schüchternen Todd Anderson aufzuwecken, ist nur die eine Hälfte der Arbeit. Die andere, größere Aufgabe muss es – von Anfang an – gewesen sein, das gesamte System bis auf seine Wurzeln zu beseitigen, so dass Kinder gar nicht mehr zu stotternden Todd Andersons oder gar zu ängstlichen, autoritätshörigen Konformisten wie Richard Cameron und schon gar nicht in die verzweifelte Lage gebracht werden, zu glauben, Freiheit sei nur durch Selbstmord möglich.

Es mag alles mit Einem angefangen haben, der ansteckend war. Ideen der Freiheit und menschlichen Gesamtverantwortung sind ansteckend und viral. Nach zwei Generationen waren es Tausende und Abertausende, die sich darin wiedererkannten und zusammenarbeiteten. Der Rest ist Geschichte.

Voilà, das Team hinter der betreuten Pubertätskrise. Und diese Medaille hat beide Seiten: den Einzelnen und das weltumspannende System. Das Individuum und die Menschheit.

Ich verbleibe mit einem Keating’schen oder besser noch Whitman’schen Augenzwinkern und bin einverstanden mit dem Eindruck, ich hätte über die Menschheit, die Welt oder Deutschland (wie er über Amerika) und über eine neue Weltkultur des freieren Denkens (wie er über Demokratie) geschrieben. Beides bewegt sich im unscharfen Grenzgebiet zum Metaphorischen und lässt offen, welchen eigentlichen Adressaten alles Analogie-taugliche anspricht. Was ist Metapher und was ist das Eigentliche? Wer dient der Illustration und wer ist gemeint?

Und da Betroffenheit stets im Erkennen des Betrachters und nur im Erkennen des Betrachters liegt, reicht hier und da oft schon ein Klaps auf die Schulter oder ein Fingerzeig. Mehr könnte auch schon zu viel sein.

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Wegweisungen für Friedens-Krieger


Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner bemerkt es.

Dann übernimmt der Krieg die Macht.

Er wird sich in die Regierungen einschleichen, sie übernehmen und von dort aus über die Länder herrschen. Er wird die Spitzen der großen Unternehmen und Institutionen einnehmen und sich vervielfältigen. Er wird die Medien beherrschen und sich selbst täglich ausrufen und verkünden. Und dann wird er sich unbemerkt in dich einnisten und dich lenken. Er wird deine Wahrnehmung verzerren, er wird dich innerlich spalten in immer mehr und kleinere Bruchstücke deines Wesens. Er wird deine Integrität auflösen und alles vernichten, was dich ausmacht.

Und er wird dir sagen, dass du gegen alles kämpfen darfst – und sogar sollst! – nur nicht gegen den Krieg selbst. Er wird dir sagen, dass es den Krieg gar nicht gibt, dass er nur eine Erfindung sei und verschwindet, sobald du die Augen feste schließt, ihn wegwünschst oder einfach an etwas anderes denkst. Er wird dich und deine kleine ängstliche Überlebensphilosophie zum großen Sieger erklären, aber vorher wird er deine Werte, deine Integrität, deine Denkfähigkeit und deinen inneren Krieger töten.

Dann wirst du dich nur noch unter Menschen wohlfühlen, die genauso innerlich abgetötet wurden und sich ebenfalls davon ablenken wollen. Ihr werdet gemeinsam Lieder singen über den „ewigen Frieden“, den ihr den Dienern des Krieges verdankt und ihr werdet Ideologien erfinden und umsetzen, die den Krieg verewigen und in den Köpfen aller verankern soll.

So werdet ihr gemeinsam dem Krieg dienen, der euch vollständig unterworfen hat und jeden eurer Schritte überwacht und lenkt. Er wird euch ein kleines Lebensreservat mit Kasernen und Baracken zuweisen, indem ihr für sein Endziel arbeitet ohne es zu bemerken. Ihr werdet keine Panzer oder Maschinengewehre sehen. Nur tägliche Zeitungsberichte darüber, dass der große Krieg sich weiterhin überall da draußen mit aller Gewalt „für Frieden einsetzt“ und dass er hier oder dort wieder mal eine Schlacht gegen eine Bande Abtrünniger gewonnen hat.

Ihr werdet euch an diese Lügen gewöhnen und euch ganz heimelig in ihnen einrichten. Alles andere wird euch Angst machen. Deshalb werdet ihr mit aller Macht an ihnen festhalten. Sie sind der Schutzfilm, der über euren Verstand gelegt wurde, damit ihr den Verrat an euch und der Menschheit nicht bemerkt.

Krieg gegen den Krieg

Wenn du das nicht willst, dann wirst du kämpfen müssen. Du wirst in den Krieg ziehen müssen gegen einen Gegner, dessen größte Stärke seine Unsichtbarkeit ist.

Du wirst lernen müssen, Krieg gegen den Krieg zu führen. Und zu kämpfen. Vielen fällt das schwer einzusehen, weil sie glauben, Kämpfen sei eine Bestätigung des Krieges. Das hat der Krieg ihnen so beigebracht: „Niemals kämpfen, denn nur wer nachgibt gewinnt und der Verlierer ist der Sieger!“.

Wie führt man Krieg gegen den Krieg? Indem man für Frieden kämpft. Sobald man damit aufhört, gewinnt der Krieg und frisst sich Schritt für Schritt immer weiter hinein in die Politik, in die Regierungen, in die Institutionen, in Gruppen und Familien und schließlich in deine Psyche. Dann ist es der totale Krieg: ein Zustand, zu dem es keine Alternative mehr gibt. Und dann gibt es auch kein Entrinnen mehr, denn wer soll ihm dann noch etwas entgegen setzen?

Sich für den Frieden zu entscheiden, sich wirklich zu ent-scheiden und zu ent-schließen, d.h. eine klare Unter-scheidung zu machen und sich sein Inneres zu er-schließen, aufzuschließen, bedeutet, bereit zu sein, wann immer es sein muss für den Frieden zu kämpfen. Und das bedeutet, gegen den Krieg zu kämpfen.

Nein, das Kämpfen selbst ist kein Tribut an den Krieg. Die wahren Diener und Verstärker des Krieges sind die Passivität, das Geschehenlassen, die Erschlaffung und die Unterlassung. Woher kommen sie? Von der Bequemlichkeit und von der Unwissenheit. Wer hat dir denn jemals erklärt, dass du für deine Werte und deine Freiheiten kämpfen musst? Dass du sie verteidigen musst? Dass es Kräfte in der Welt gibt, die sie dir ständig streitig machen und wegnehmen wollen?

Niemand? Dann weißt du auch nicht, dass deine Passivität jene Kräfte befördert und ermächtigt, die nicht nur gegen dich sind, sondern gegen das Menschliche selbst, gegen das Potenzial des Menschen, gegen die Chance von uns allen, uns zu entfalten. Denn das ist nicht möglich, wenn der Krieg herrscht. Dann können wir höchstens noch überleben.

Überleben! Was für ein Gräuel, wenn darüber hinaus nichts mehr ist. Was für eine geistige Dunkelheit und Leere! Doch dies haben so viele der Generationen vor uns verinnerlicht, denn etwas anderes hatten sie nicht mehr, nachdem man ihnen den Frieden, die Selbstbestimmung, Stolz und schließlich den gesunden Menschenverstand geraubt hatte. Sie haben nur noch diesen kleinen zusammengepressten Stolz behalten, dass sie überlebt haben. Sie haben sich von ihren Unterdrückern und Schändern einreden lassen und schließlich sogar sich selbst eingeredet, dass mehr Stolz nicht möglich und vor allem nicht moralisch sei. Dass es sogar besser wäre, gar keinen Stolz zu haben. Zumindest darf man ihn nicht mehr zeigen. Wir sollen alle stolz sein darauf, keinen Stolz mehr zu haben. La Cage au Folles.

Also haben wir gerade in Deutschland dieses verkniffene und weggeduckte Überleben und diesen paradoxen Anti-Stolz-Stolz zu unserem Leitbild gemacht. Ein Leidbild als Leitbild. Die nur noch instinktive Überlebenshaltung war nicht befriedigend, da aber geistig mehr nicht erlaubt war und nicht genährt wurde, mussten wir uns unsere Ersatzbefriedigungen suchen. Wir erfanden die Idee, „besser zu überleben“ und begannen, Eigentum zu sammeln und immer dickere Mauern der materialistischen Sicherheit um uns herum zu bauen. Das war natürlich keine echte Sicherheit. Nichts von unserem Eigentum gehörte uns jemals, aber das hätten wir nur verstanden, wenn wir das komplizierte Wirtschafts- und Rechts-System, in das man uns zu unserem permanenten Leistungsantrieb aus Angst und Hyperaktivierung hinein gezwängt hatte, hätten durchschauen können. Aber es betäubte uns. Alles blieb nur materielle Leihgabe zur Beruhigung und Ablenkung. Die gesamte deutsche Kultur versank in intellektueller Adipositas und geistiger Demenz. Die Fähigkeiten nachzufragen, zu zweifeln und große Ideen zu verstehen, erstickten in Angst und Aktionismus. Die Fähigkeiten, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden, vernebelte sich in wachsender Desorientierung. Und die Erinnerung an unsere Wurzeln und Geschichte verblasste unter den Sensationen der Medien. Heute ist es schon schwer genug, noch jemanden zu finden, der die Ansicht teilt, dass es überhaupt so etwas wie eine deutsche Geschichte und Wurzeln gibt, geschweige denn, dass sie einen bedeutenden – oder sogar rettenden! – Bezug zu uns haben könnte. Wie alles andere löst sich dieser Gedanke schnell in die Form einer Hypothese, einer unwahrscheinlichen Theorie auf und wird abgelöst von den neuesten medialen Emotionsauslösern. So sieht es aus, wenn der Krieg siegt.

Für diese geistlose Benommenheit aber mussten wir Deutschen auch schwer schuften und uns plagen, denn alles, was über das pure Überleben hinausgeht, muss man sich ja verdienen. Unser Gefühl sagt uns jedoch trotz aller Plackerei chronisch, dass wir all das eigentlich nicht verdient haben. Denn wir haben gelernt, dass wir kein Recht auf irgendwas haben, es sei denn es wird uns von anderen, den Großen, den mächtigen Meinungsmachern und den „Verantwortlichen“ gegeben. Also müssen wir es immer wieder neu von denen verdienen, indem wir uns ihnen andienen, uns ihnen unterwerfen.

Fragen wir die Menschen: „Wofür das Ganze?“, kommt keine Antwort. Und die Frage gerät zur Beruhigung aller auch schnell in Vergessenheit. Sogar die Denker und Forscher vergaßen sie geflissentlich. Sie wurde in alten Archiven vergraben, weil der Krieg auch die Philosophie und die Wissenschaften an seine Leine genommen hat. Er verfügte, dass solche Fragen der Vergangenheit angehören.

Lebenserfahrung aus einem unterworfenen Land im Dauerkriegszustand: man gewöhnt sich an die Sinnlosigkeit, wenn man das Denken regelmäßig durch Unsinn und Ablenkungen betäubt. Und so stirbt der Mensch langsam, zuerst moralisch, dann geistig, dann sozial, dann emotional und schließlich physisch.

Wir müssen für Frieden kämpfen

Diejenigen von uns Menschen, die nicht sterben wollen, werden kämpfen müssen. Nicht gegen Nationen oder Institutionen, nicht gegen diesen oder jenen Mächtigen, sondern gegen den Geist der Zerstörung.

Das ist richtig verstandener Pazifismus: den Frieden und die Freiheit für Frieden höher zu stellen als irgendeine Idee von Kampflosigkeit oder Kampfvermeidung; den Willen für Frieden höher zu stellen als die Angst vor dem Kampf; also die Bereitschaft, wenn es sein muss jederzeit für Frieden in den Kampf zu ziehen, nicht nur verteidigend, sondern auch entschlossen anzugreifen, um den Gegner zu unterwerfen bevor er zum Schlag ausholt.

Dann kann der Krieg uns Menschen dienen, wenn wir ihn für unseren Schutz oder unsere Entfaltung benötigen, aber niemals darf es umgekehrt sein, niemals dürfen wir dem Krieg dienen. Das ist, was die meisten Menschen nach jahrhundertelanger Herrschaft des Geistes von Krieg und Zerstörung über sie vergessen haben. Die sogenannten „Pazifisten“ und alle anderen Ideologien der Betäubung und Lähmung sind das Resultat von Kriegsherrschaft und das Gegenteil von dem, was sie behaupten. Es sind zahnlose Tiger, die Pflanzenbrei loben, kastrierte Männchen, die Enthaltsamkeit predigen und entwaffnete Sklaven, die sich vereinigen, um gegen Schwerter und für mehr Pflugscharen und gehorsame Mitarbeit zu demonstrieren.

Lassen wir uns von ihnen und ihren verzweifelten Ausflüchten nicht täuschen. Erkennen wir, wem sie dienen und wer sie in seiner Hand hält: der Krieg.

Was ist das für ein Krieg? Wer ist unser Feind?

Es ist die Dominanz der Macht der Zerstörung. Wohlgemerkt, wir kämpfen nicht gegen Zerstörung oder gegen Macht an sich, sondern dagegen, dass diese unser Leben beherrschen.

Die Idee, dass Zerstörung oder Macht jeweils für sich genommen böse seien und bekämpft werden müssten, ist eine der Kriegslisten unseres Gegners, um uns zu lähmen. Wir sollen uns in diesem Widerspruch verstricken: nämlich im Versuch, die Zerstörung zu zerstören und mächtiger zu werden als die Macht. Wenn wir denken können, dann sehen wir sofort, dass das unmöglich und nur eine Ablenkung ist.

Es ist tatsächlich eine Frage der Ordnung. Wenn alles an seinem richtigen Platz innerhalb der richtigen Ordnung ist, dann kann es nicht mehr gegen uns sein. Zerstörung und Macht müssen in den richtigen Händen liegen, um sich nicht gegen unser Wesen und gegen die Ordnung des Kosmos zu richten. Nur mit dieser Erkenntnis können wir eine rationale und logische Lösung finden und die falsche und kranke Dominanz von Zerstörungskraft über alle anderen Kräfte bekämpfen.

Es ist wie Magensäure. Sie ist zerstörerisch und ziemlich mächtig. Solange sie vom vegetativen Nervensystem und vielen regulierenden Kräften so gesteuert wird, dass sie dem Körper, nämlich seiner Verdauung, dient, ist alles in Ordnung. Wir Menschen leben aber seit undenklichen Zeiten unter der Herrschaft einer geistigen Magensäure, die sich in alle Bereiche unseres Wesens und unseres Lebens hineingefressen hat, so dass bald nichts mehr von uns übrig ist. Sie muss erkannt und in ihre Schranken gewiesen werden.

Wofür steht diese Metapher? Was ist diese „geistige Magensäure“? Es ist die tief und unreflektiert wirkende Idee, dass Wille und alles, was zur Willenskraft gehört, etwas ist, das außerhalb unserer Natur, außerhalb unseres Wesens und somit auch etwas Nicht-Körperliches sei. Nach dieser Auffassung sind Wille und die damit verbundenen Fähigkeiten des Planens, des Denkens, des Abstrahierens und des Entscheidens und Fokussierens nicht nur getrennt und losgelöst von dem, was wir als körperlich-sinnliche Wesen sind, sondern sie sind sogar gegen unser Wesen.

Diese Auffassung von einer vom Körper und Wesen getrennten mentalen und Willens-Kraft beschreibt eine Traumareaktion – nicht den gesunden Urzustand. Durch ein Trauma können der Wille und die bewusste Identität eines Menschen von seiner körperlichen Identität abgespalten werden. Gift wird diese Auffassung erst, wenn sie diesen kranken Zustand zu einer allgemeinen Richtschnur und zu einem Grundverständnis des Menschen verallgemeinert.

Nebenbei: das ist der Irrtum, der keineswegs von Descartes‘ begangen wurde. Er wusste, dass er sein Sein aus der Beobachtung ableiten konnte, dass er denkt bzw. erfasst und versteht. Bei ihm ist es eine Einheit: Denken und Sein. Diese hermeneutische Exaktheit und erkenntnistheoretische Redlichkeit kann man allerdings von unseren heutigen Pop-Wissenschaftlern nicht mehr erwarten, die ihre teure und hochgradig banalen Forschung gern mit reißerischen Marketing-Wendungen und einem gehörigen Maß arroganter Chuzpe aufmotzen, weil ihr Publikum es mit der intellektuellen Sorgfalt auch nicht so ernst nimmt. Menschen – und dabei allen voran Experimental- und Naturwissenschaftler –fühlen sich für gewöhnlich in genau dem Maße allem Philosophischen und philosophischen Denkern weit überlegen, wie sie selbst unbeleckt sind von Philosophie und philosophischen Denkfähigkeiten.

Wir leben schon seit langem in einer Kultur, die durch und durch beherrscht wird von dieser falschen Verallgemeinerung des gespaltenen Menschen, weil alle unsere gesellschaftlichen Institutionen auf dieser Grundhaltung aufbauen. Damit wurde eine falsche Idee manifestiert und sie konstituiert heute alles, was gesellschaftliche Aktivitäten ausmacht. In einer Gesellschaft aufzuwachsen, die einen kranken, post-traumatischen Spaltungszustand für normal, ja, für das natürliche Wesen des Menschen hält, bedeutet, diese Spaltung zu verinnerlichen und zur eigenen unbewussten nicht nur Lebensanschauung zu machen, sondern zum eigenen Selbstbild. Babys, die gesund geboren werden, kommen dann in eine Welt, in der die Menschen um sie herum gespalten sind und das für richtig und unumgänglich halten. Das gesunde Baby oder das gesunde Kind sind aber nicht gespalten! Das bedeutet aber, dass sie aus Sicht der Gehirngewaschenen nicht in Ordnung sind. Aus der Sicht der traumatoiden Dissoziations-Philosophie sind nicht-traumatisierte, nicht-gespaltene, gesunde Menschen zumindest seltsam, wenn nicht sogar falsch und „krank“, auf jeden Fall unverständlich und deshalb angsteinflößend.

Es ist nun kaum noch notwendig, auszuformulieren, woher der Krieg als psychisch und kulturell dominanter Dauerzustand kommt. Er kommt aus dieser Spaltung, aus der im zweiten Schritt eine Kriegserklärung wird: das Denken und die Willenskraft gegen das Leben und das ursprüngliche, einheitliche Wesen.

Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden. Und er findet letztlich nur in uns statt. Das heißt, er kann nur in uns gewonnen und beendet werden.

Er manifestiert sich überall dort, wo Natur und Ursprünglichkeit kontrolliert, dominiert, beherrscht und missbraucht werden. Das gilt sowohl für den Einzelnen, der seine Impulse, seine Bedürfnisse, seine Talente oder Potenziale unterdrückt, wie auch für Institutionen, die Menschen, Natur, Gesundheit und alles Wesentliche ersticken, zerstören und bekämpfen. Wer sieht eine einzige auch nur annähernd systemrelevante Institution in unserer heutigen Zeit, die das nicht in großem Ausmaß tut?

Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden.

Die offenkundigsten Beispiele dafür finden wir auf dem Feld der Medizin. Die „moderne Medizin“ mit ihren Krankenhäusern, ihrer alles dominierenden Pharmaindustrie, ihrer blinden Faszination für High-Tech-Geräte und ihren systematisch entwürdigenden Ausbildungsbedingungen ist zu einem großen Feld der Gesundheitszerstörung geworden. Der Krieg tobt sich seit einigen Generationen in erster Linie in den Krankenhäusern, Arztpraxen und Kliniken aus, wo das medizinische Personal versucht, alles unter Kontrolle zu bringen und zu halten – in erster Linie die Lebenskraft, die Autonomie und die Selbstheilungskräfte der Patienten. Es riecht dort immer nur nach einem: Angst. Auf der einen Seite die Angst der Mediziner, dass sie ihren Kampf gegen die Natur und ihre komplexen Gesundheitsmechanismen verlieren könnten, und auf der anderen Seite die Patienten, die ihre Unsicherheit und Verständnislosigkeit gegenüber ihrem Körper an die „Fachleute“ delegieren und mit ihrem Willen leider auch ihre Würde abgeben. Man muss nicht besonders scharfsinnig sein, um in diesem Schauspiel namens „Moderne Medizinische Behandlung“ den Kampf des abgespaltenen Intellekts mit seinen Kontrollzwängen gegen die geheimnisvolle Einheit der Natur zu erkennen. Meistens gewinnt die Medizin, aber langfristig gewinnt immer die Natur.

Das gleiche Prinzip beherrscht alle Bereiche unserer Gesellschaft. In der sogenannten Rechtsprechung geht es schon lange nicht mehr um Rechtsprechung, Gerechtigkeit oder den Erhalt einer gesellschaftlichen Ordnung, sondern um soziale Kontrolle durch eine „Justiz“, die nichts weiter ist als die Rechtsabteilung jener Firma, die sich als „Land“ oder „Nation“ ausgibt. Unsere angeblich unabhängige Justiz unterliegt dem Handelsrecht und den Gesetzen und Regeln des Kommerzes. Warum? Weil man so jede menschliche Bewegung, jedes Bedürfnis und jede Motivation sofort in die simple Sprache von Schubladen-Denken und primitiver Selbstbereicherung übersetzen kann. So wird alles kontrollierbar und steuerbar für den abgespaltenen Willen und Intellekt.

Ist das nicht ein weltweiter institutionalisierter Krieg gegen alles, was den Menschen über den einfältigen Krämergeist erhebt? All diese Juristen, Politiker, Vorstandvorsitzenden, Top-Manager und Verwaltungschefs sind Kleinkrämer, die von diesem System des Krieges nach oben gespült wurden nicht trotz sondern wegen ihrer enormen geistigen Beschränkung. Sie sind die perfekten Fußsoldaten für diesen Krieg, denn sie handeln stets nur für ihre eigenen kurzsichtigen Zwecke, stets nur auf Befehl und immer motiviert von grenzenloser Angst. So treiben sie die psychische Spaltung immer weiter voran in allen Institutionen und dienen verlässlich und blind der Zerstörung menschlicher Werte und Würde.

Und ist dieser Krieg nicht mittlerweile in allen Köpfen angekommen? Er ist es, weil besonders die Lehrer und Dozenten von ihm indoktriniert, besoldet, angeführt und überwacht werden. Sie bringen den Hass gegen freie menschliche Entfaltung, gegen Neugier und Wissensdrang in alle Klassenzimmer und Hörsäle, indem sie jede Abhängigkeit und Führungsbedürftigkeit ihrer Schutzbefohlenen gegen sie ausnutzen und sie dazu abrichten, ihre eigene Lebendigkeit und ihr eigenes Wesen zu hassen. „Komm auf die Seite des Krieges“ lehren sie sie und locken sie mit Anerkennung, Auszeichnungen und den aufputschenden Wahn von Sieg und Macht. Kinder sind dafür noch empfänglich, denn sie sind noch nicht stabil verankert im Bewusstsein der ursprünglichen essentiellen Qualitäten: Selbstwertgefühl, Würde und Stolz. Diese verlieren sie und so rennen sie ihr Leben lang hinter dem Ersatz her, der immer nur geliehen ist, der immer wieder verdient werden muss, der nie sicher und nie angeeignet ist und jederzeit genommen werden kann. Sie sind die Opfer des Krieges, die er nur soweit am Leben lässt, dass sie ihn weiter voran treiben können, indem sie den Frieden und die Menschlichkeit so viel wie möglich stören.

Qui bono? Quo vadis?

Natürlich profitieren von all dem immer auch Entitäten, denn nur dadurch wird das System am Laufen gehalten und voran getrieben in seine immer größeren Exzesse, aber diese Profiteure und Nutznießer sind nur Trittbrettfahrer bei der Manifestierung einer kranken Idee, sie sind weder Ursache noch Initiatoren. Die Verschwörungsanalytiker und all jene, die sich grundsätzlich bedroht fühlen möchten so gerne einen Verursacher persönlich identifizieren, jemanden, der das Ganze angestiftet hat. In der Vergangenheit, vor langer Zeit, soll es Kain gewesen sein. Oder zur Not war es „Luzifer“ oder „Satan“ persönlich. Hauptsache es ist ein Wesen, von dem man sich abgrenzen und das man zum Teufel jagen kann. Oder, wenn es der Teufel persönlich ist, dann muss man ihn wohl in irgendeine ferne imaginierte Hölle oder vielleicht noch besser gleich vor ein flammendes Engelsgericht katapultieren.

Die für die meisten Menschen wirklich schwierige und schwer zu verstehende Botschaft aber lautet, dass wir nicht gegen irgendjemanden kämpfen, gegen keine abgrenzbare Entität, sondern gegen eine Tendenz unserer menschlichen Natur, die umso dominanter wird, je weniger Bewusstsein wir für sie und allgemein für uns selbst haben. Also können wir sagen, dass wir gegen Unbewusstheit kämpfen. Denn sie öffnet den Raum für jene Tendenz unseres Wesens, in der Entwicklung des Geistes zu zerfallen und durch die Entwicklung von mentaler Willenskraft gespalten zu werden, so dass ein Teil von uns beginnt gegen den anderen Teil in uns zu kämpfen.

Ich sage das nochmal, damit die Kernaussage dieses Artikels nicht wie eine Nebenbemerkung verrauscht: der Krieg, um den alleine es hier geht, ist der Kampf zweier Anteile des Menschen um die Vorherrschaft in uns und in allen unseren Belangen auf der Erde. In uns kämpfen zwei Bewusstseinsstufen gegeneinander und solange die höhere, integrativere Stufe nicht die Oberhand gewinnt, befinden wir uns in diesem Krieg und werden von ihm zerrieben.

Natürlich wollen wir in Frieden leben. Aber die Menschen leben und gehen mit dem Rücken zum Paradies und der Rückweg ist außerdem versperrt von einem Engel, so heißt es, mit einem flammenden Schwert. Dieser Engel bewacht den Baum des Lebens, so dass man zuerst die Waffen des Feuers, also des Geistes, entwickeln und bestehen muss, um zu diesem Baum zu kommen. Die schmerzliche Vertreibung aus dem Paradies war ja die Folge davon, dass der Mensch von dem anderen Baum, dem Baum der Erkenntnis aß und fähig wurde, Gut und Böse zu unterscheiden. Das geht nur mit dem begrifflichen Denken.

Nachdem wir also den Zustand der Naivität durch die einschlägige Erkenntnis unserer selbst als psychische und geistige Wesen verlassen haben, liegt erstmal der mühevolle Weg der Selbstverantwortung vor uns. Und vorwärts gehen bedeutet zunächst, sich vom Garten Eden zu entfernen. Das geht dann immer g‘radeaus in die weite Welt hinaus. Da nun aber die Linien der Breitengrade einen Kreis bilden, kommt man, solange man im Korridor des konstant-erträglichen Klimas wandelt, am Ende von der anderen Seite wieder dorthin, wo man gestartet ist. Ansonsten wird’s bitterkalt und so eisig, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Und irgendwann geht einem der Proviant aus und man kehrt entweder zur vitalen Umlaufbahn um den wärmespendenden Lebensbaum zurück oder erstarrt zur Eissäule noch bevor man ein extra-terrestrisches Leben ausprobieren konnte.

Irgendwann aber auf dieser Reise sind wir in unserer Entwicklung auch einmal so weit entfernt vom Paradies und seinem Baum des Lebens, dass sie drohen, von uns vergessen zu werden. Unsere immer weiter vorangetriebene analytische und technologische Kompetenz gibt uns dann alle Möglichkeiten an die Hand, uns und alles Leben um uns herum zu zerstören.

Und durch die Entfernung vom Lebensbaum werden wir zunehmend starr, unflexibel, hart und kalt. Das ist der Kriegszustand. „Krieg“ kommt vom mittelniederdeutschen „krīch“: „Halsstarrigkeit, Zwietracht, Streit“. Je ausgetrockneter und halsstarriger wir werden, desto weiter entfernt sind wir vom Lebensbaum im Paradies und desto schneller befinden wir uns mit allem im Krieg.

Das ist die Geschichte der Kinder von Adam und Eva: Abel und Kain – und Seth.

Der Urkrieg: Kain gegen Abel Kain

Kain und Abel sind nicht zwei historische Personen, sondern zwei Kräfte in uns, die es zu integrieren gilt. Sonst dominiert und erschlägt das Prinzip Kain das Prinzip Abel in uns. Kain ist unsere Fähigkeit und Motivation, zweckgerichtet und zielorientiert zu planen und zu handeln. Kain wird als Ackerbauer vorgestellt, das ist verstehbar als ein Symbol für Wissen, Planungsfähigkeit und Selbstkontrolle, denn für den Ackerbau muss man die Prinzipien des Getreideanbaus verstanden haben, vorausschauend an die Zukunft denken und sich den Teil vom Munde absparen, den man lagern muss und den man für die neue Aussaat braucht. Kain steht für den planenden Verstand. Er gestaltet das Gegebene und kreiert etwas Neues daraus, das Abel nicht kennt: das vom Menschen Gemachte.

Abel aber ist Ziegenhirte. Er lebt mit den Tieren und muss dafür nicht sehr vorausschauend planen, sondern bloß spontan und flexibel reagieren können auf die Bedürfnisse der Tiere. Seine Nahrung muss nicht erwirtschaftet werden, sondern nur behütet und bei Bedarf geschlachtet. Er findet alles, was er braucht als gegeben vor. Abel repräsentiert das kindlichere Bewusstsein, das näher bei und an den Tieren dran ist und zum Ich-Bewusstsein („dem Herren“) einen unmittelbaren körperlich-emotionalen Bezug hat.

Kain hadert mit seinem Zugang zum Ich-Bewusstsein, nicht weil er weniger davon hat, sondern weil er mehr davonhat! Er kann abstrakt denken und sowohl komplexe und moralische Fragen stellen als auch Zweifel, Scham und Schuldgefühle empfinden – alles Belege eines bereits höher entwickelten mentalen Bewusstseins seiner selbst. Er ist im Dialog mit Gott, während Abel einfach nur stumm eines seiner Tiere opfert, eine bloße Handlung, die er außerdem auch nur von Kain imitiert.

Das Alte Testament beschreibt hier auf seinen ersten Seiten schon die Grundlage jenes fundamentalen Krieges, von dem wir hier sprechen und dessen wir uns dringender denn je bewusst werden müssen. Es beschreibt seine Grundlage – nicht seine Ursache oder seinen Anfang! Es verweist uns nämlich auf ein zeitloses Prinzip (wie so gut wie alles in der Bibel).

Der Krieg von Kain gegen Abel ist ur-sprünglich, d.h. er liegt dort, wo unser Wesen aus seinem geistigen Seinsgrund heraus in die Manifestation, in die Existenz springt, also nah am Kern von dem, was uns ausmacht. Tatsächlich ist es nicht der Krieg von Kain gegen Abel – das ist nur die kriminalistisch anmutende Hülle –  sondern es ist der Krieg von Kain gegen Kain. Und wer gewinnt am Ende? Nun, wie immer: Gott – ein höhere Bewusstseinsstufe.

An dieser Stelle ist nicht der Raum für eine ausführliche Beschäftigung mit dieser uralten Botschaft, aber da sie für uns heute existenziell überlebenswichtig geworden ist, seien dazu einige Hinweise zur psychologischen Interpretation, zur Anwendung auf unsere eigene Situation und zum Weiterdenken gegeben:

Kain und Abel kann interpretiert werden als zwei Entwicklungs- und Bewusstseinsstufen des Menschen – sowohl des Einzelnen als dementsprechend auch von Gruppen, Gemeinschaften oder Menschheitsepochen. Abel ist der jüngere von beiden und symbolisiert das intuitive, emotionale und imitative Ich-Bewusstsein. Kain ist der ältere und repräsentiert das denkende, technologische und selbst-reflektierende Bewusstsein. Entwicklung bedeutet zunächst einmal, von der Abel-Stufe auf die Kain-Stufe zu kommen, dafür muss die Identifikation mit „Abel“ sterben.

Aber Kain befindet sich offensichtlich in einem schwierigen Kampf: er hat ein denkendes Bewusstsein seiner selbst, aber er hat noch kein reifes Gewissen. Er hat noch keine eigene moralische Instanz entwickelt, mit der er selbst erkennen kann, was richtig oder falsch, was gut oder böse, was „göttlich“ oder „gegen Gott“ ist. Er versteht Gott (noch) nicht, aber er will verstehen! Er ist nicht mehr naiv wie Abel, aber auch noch nicht reif genug, um vernünftig und weise zu sein. Er kann Scham gegenüber dem Bewusstsein einer höheren Identität (dem „Herrn“) empfinden – eine große Errungenschaft – aber er kann diese Scham noch nicht integrieren und nutzen.

Psychologisch gesehen ist die „Kain-Gefahr“ die, dass wir an dieser Stelle in unserer Entwicklung in Gewalt ausarten, weil wir mit geistigen Aspekten genauso umgehen wollen wie es mit materiellen und weltlichen Dingen („Ackerbau“, „Städtebau“) so gut funktioniert: mit dem analytischen Verstand, maximaler Kontrolle, Zielorientierung und strenger Selbstdisziplin. Kain ist zunächst einmal Planer, Ingenieur und Techniker. Er hat gelernt, seine Gefühle und Impulse beiseite zu stellen und sogar sich von ihnen zu dissoziieren und sie zu vergessen!

Wenn er sich von dort aus nicht weiterentwickelt, wird er ein Technokrat, einer, der alles mit dem technischen und instrumentellen Denken beherrschen will und alles Nicht-Technische unterdrückt und bekämpft. An der Stelle, wo diesem einsteigen Denken etwas begegnet, das nicht kontrollierbar ist, ist die Verführung groß, Gewalt zu benutzen, um alles kontrollierbar zu machen – vor allem, wenn man die Technik dafür hat. Da beginnt der Krieg. Er baut sich einen Supercomputer und will dann, dass dieser alles überwacht und lenkt. An diesem Punkt kann Kain satanisch werden, wenn er sich gegen sein eigenes Potenzial zur Höherentwicklung wendet und es zunichte macht. Wenn er keinen Paradigmenwechsel vornimmt und seine Identität und seine psychischen Referenzpunkte völlig neu definiert, dann kippt jedes Mehr an Technologie und analytischem Denken an dieser Stelle in die Zerstörung des Menschlichen.

Die zerstörerische Gewalt auf der Kain-Entwicklungsstufe kommt aus der Angst vor dem Größeren, das der analytisch-technische Verstand nicht begreifen kann. Seine technologisch gestützte Macht kann ihn dazu verführen, diese gegen seine eigene Entwicklung einzusetzen und sich darauf zu versteifen, alles, was ihm unbekannt vorkommt und Angst macht, zu kontrollieren und zu vernichten – was natürlich nicht möglich ist, weil die Quelle der Angst sein eigenes höheres Bewusstsein, sein ethisches Empfinden, seine Empathiefähigkeit und seine Ahnung vom Geistigen sind. Er kann nur „durchdrehen“ und sich in einen blinden Rausch der Zerstörung begeben, um all das zu vergessen. Der Kontroll-Freak bis hin zum Psychopathen ist die Manifestation der degenerierten und toxischen Extremisierung des Kain-Bewusstseins.

An diese Stelle ist die Menschheit in ihrer Entwicklung gekommen. Das ist der Krieg, in den wir verwickelt sind. Ein Krieg gegen unsere wesenhafte Angst vor der Relativierung unserer großartigen Fähigkeiten und Errungenschaften; gegen die Angst, unseren Stolz und unsere Identität zu verlieren und irgendein unbegreifliches Nichts zu sein, nachdem wir uns doch als Herrscher der Technik groß fühlen konnten. Aus der Faszination für die Technik und unsere Maschinen wurde ein Hypnose und aus der Hypnose wurde eine Versklavung. Wer daran zweifelt, schaue nur einmal danach, welchen Bezug die meisten Menschen heute zu ihren „Handys“ haben, an die sie psychisch gefesselt sind. Davor waren es die Autos, der Fernseher, der PC mit Internet… der ganze Markt an Technikspielzeug, von den unvorstellbaren Technologien des Militärs einmal ganz zu schweigen. Das Bewusstsein unserer selbst ist bis oben hin vollgestopft mit Technologie-Fanatismus und wir können nicht mehr ohne. Wir sind Kain an der Schwelle. Entweder wir entwickeln uns weiter oder wir bringen uns selbst um.

Was muss das Kain-Bewusstsein in uns und in unserer Kultur lernen?

Der Mythos im Alten Testament erzählt an dieser Stelle von einem dritten Bruder, Seth, von dem gesagt wird, dass er Abel ersetzen soll und vom höheren Bewusstsein (dem „Herrn“) gezeugt wurde, um den Verlust von Abel zu ersetzen. Das ist wichtig! Wir erfahren außerdem nur noch, dass mit Seths Entstehung (wieder) „im Lande begonnen wurde, den Namen des Herrn anzurufen“. Das überwundene kindlich-emotionale Bewusstsein von Abel wird nun auf einer höheren Stufe wieder hinzu geholt und integriert, nennen wir sie die Seth-Stufe. Seht ist der Urvater von Noah, der dann später die Arche zur Rettung in der Flut der Gottlosigkeit wird.

Für unser Thema hier ist wichtig: mit Seth, also der neuen, dritten Bewusstseinsstufe endet der Krieg. Seth erschlägt Kain nicht, sondern wächst und lebt über ihn hinaus. Aus Kain wird in der psychischen Progression in uns Seth, wenn wir uns mit all unserem Wissen und Können – das wir ja unseren analytischen Kain-Fähigkeiten verdanken – wieder „dem Herrn“, d.h. unserem ursprünglichen geistigen Wesensnaturell und Entfaltungsziel zuwenden. Dann dienen alle Technologie und alle unsere Künste unserer Entwicklung und werden von ihr genutzt – nicht umgekehrt. Seth ist die Integration von Kain und moralischer Integrität, für die das Fühlen und die Selbstwahrnehmung entscheidend sind.

Wer jedoch bloß zurück will zur Abel-Stufe, der wird – psychologisch – erschlagen. All die regressiven Ideologien, die das Emotionale, das vorbegriffliche Fühlen, das vage Intuieren und jede Form von Anti-Rationalität oder Anti-Technologie über das analytische und konstruktive Denken stellen, vergrößern nur das Dilemma und die Spannung, führen uns noch tiefer in diesen Spaltungs- und Kriegszustand von Kain gegen Abel und bieten keine Lösung. All die moderne pseudo-spirituelle New-Age-Propaganda mit ihren Bühnenmeistern, Psycho-Gurus und Räucherstäbchen ist Abel-Hypnose, die all unsere Kanäle verstopft und lähmt. Jesus musste nur die kainianischen Geldwechsler aus dem Tempel verjagen – damals gab es noch Tempel. Heute, da es keine realen Tempel mehr gibt, müssen wir noch tiefer ansetzen für die Grundreinigung: wir müssen die falschen Prediger von den Marktplätzen des Handels vertreiben. Wir müssen erstmal Raum für die gesunden Kain-Kräfte schaffen, damit diese sich entwickeln können, bevor wir über eine Kultur des Seth-Bewusstseins überhaupt nachdenken können.

Der Bibeltext ist auch dazu sehr deutlich: Gott verfügt, dass, „wer Kain totschlägt, siebenfache Rache auf sich zieht!“ – das ist kein Fluch, sondern ein Schutz. Die Kain-Stufe wird von höchster Bewusstseinsstelle aus geschützt – das passt so gar nicht zu all den kriminalistischen Interpretationen mit der Kinder-Moral vom „bösen Kain“ und dem „guten armen Abel“.

Nein, der Weg führt nicht an Kain vorbei, sondern durch Kain hindurch. Die Lösung kann nur durch ein Weitergehen nach vorne und nur durch die komplette Integration all unserer mühsam aufgebauten Kain-Kompetenzen in ein höheres Selbst-Bewusstsein gefunden werden. Dann endet der Krieg, weil wir den Kriegs-Zustand („Kain gegen Abel“ und „Kain gegen Kain“) überwinden. Das wichtigste ist, die Angst des Übergangs und der Selbstfindung zu überwinden. Kain ist kein Mörder, er ist bloß Kain Grundz-Urpanik.

Wir haben also drei Entwicklungsstufen des Geistes und Selbst-Bewusstseins: Abel, Kain und Seth. Dies sind das kleine Kind, der Jugendliche und der Erwachsene. Wie der Titel des Buches schon sagt, geht es um Genesis, frei übersetzt also um „Die Entstehung des Menschen“. Die Autoren oder irgendwelche Übersetzer des Buches waren nur so schlitzohrig, das Ganze in der Vergangenheitsform zu schreiben, so dass man glauben könnte, es sei bloß ein Rückblick, eine historische Abhandlung in Märchenform. Für geistig Erwachsene stimmt das natürlich auch, aber für alle Kains und die Abels allemal ist das Buch Genesis eine Wegbeschreibung, eine Prognose. Und für die Kulturanalytiker ist es eine Landkarte zur Standortbestimmung. Aktuell befinden wir uns am Ende des Kapitels „Kain allein zuhaus“ und am Anfang des Kapitels „Seth übernimmt das Ruder“.

Die Kain-Stufe beginnt in der gesunden Entwicklung des Kindes um das Alter von acht Jahren herum. Selbständige geistige Entfaltung findet allerdings erst ab der Seth-Stufe statt, diese sollte eigentlich um das Alter von 14-16 Jahren herum beginnen, wird jedoch in unserer aktuellen Kultur nur sehr selten erreicht. Wir finden in unseren Breitengraden nur sehr wenige geistig Erwachsene, weil unsere Kultur eine schwer neurotisch degenerierte Form der Kain-Kultur ist, die sowohl die Abels quält als auch voller Hass gegen alle Seths ist. Deshalb der Dauerkrieg bis das Bewusstseinslevel von Seth die Macht übernimmt.

Paradise Reloaded

Kehren wir an dieser Stelle noch einmal zurück zum Paradies-Motiv und der Frage, wie wir dorthin kommen – sei es nun rück- oder vorwärts. Offensichtlich kommen wir weder als Abel, noch als Kain, vielleicht aber als Seth dorthin. Also durch das Durchwandern dieser drei Entwicklungsstufen. Sehr zu beachten ist: auch Abel lebt nicht (mehr) im Paradies, in ihm ist der menschliche Geist der Trennung und Erkenntnis schon vorhanden, nur noch sehr kindlich und traumverwoben. Ein Zurück gibt es für ihn auch schon nicht mehr. Er könnte nur stehenbleiben im träumerischen Zustand von nicht-mehr-Tier und noch-nicht-Mensch.

Der psychische Friedens- und Paradies-Zustand wird erst dann möglich, wenn wir diese drei Stufen und Bewusstseinsstrukturen – AbelKainSeth – entfalten, zueinander in Beziehung setzen und für geistige Entwicklung nutzen können.

Dafür müssen wir beide aufsteigenden Bäume in uns parallel pflegen: den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens. Was für zwei „Bäume“ in uns sind das? Es ist zum einen die Verbindung unserer tief im Becken sitzenden Lebens- und Zeugungskraft mit unserer linken Gehirnhälfte, welche uns begrifflich und technologisch hoch kompetent macht und zum anderen die Verbindung dieser Becken-Vitalitätskraft mit den Funktionen unserer rechten Gehirnhälfte, welche uns ein Bewusstsein unserer selbst im Körper, in der vernetzenden Sinneswahrnehmung, im Gefühl und dadurch in Beziehung zu allem gibt.

Beide aufsteigenden Kräfte oder „Bäume“ zusammen kreieren den empathischen, lebensbejahenden Hochtechnologen, den rationalen Mystiker, den strategisch versierten Lebenskünstler und eben den friedvollen Krieger, der den Krieg beendet und den Frieden verteidigt wie der Cherubim mit dem brennenden Schwert.

Von Schwertern und Federn

Das verdunkelte, eiserne Schwert, mit dem die Kraft der Zerstörung nach Dominanz strebt, ist ein anderes.

Es geht dieser abgekoppelten Kriegsgier letztlich nicht um Herrschaft oder Kontrolle, sondern um Zerstörung. Sie gewinnt dadurch, dass sie sich selbst am Leben hält und ausbreitet, und dies geschieht dadurch, dass sie Menschen in das Zerstören hineinzieht und sie dazu bringt, selbst zerstörerisch zu werden.

In jedem Krieg geht es darum, die Steuerungszentrale des Gegners zu vernichten oder einzunehmen. Wenn die steuernden Ebenen ausfallen, dann fällt alles aus. Man greift auch beim Schachspiel einen Bauern nur an, um an den König zu kommen. Die Steuerungszentrale des Menschen sind der Kopf und das Nervensystem, das heißt genauer gesagt unsere mentalen Fähigkeiten und unsere Wahrnehmungsfähigkeiten. Wenn diese außer Gefecht gesetzt sind, dann funktionieren wir nur noch auf der Basis von Reiz-Reaktions-Mechanismen und emotionaler Steuerung, d.h. wir sind komplett von außen lenkbar. So kann man jeden Menschen durch das Abschalten seiner Wahrnehmungs- und Denkfähigkeiten in einen fremdgesteuerten Kampfroboter umwandeln. Das ist der Grund, warum Menschen nicht nur unmenschlich werden, sondern aktiv gegen die Menschlichkeit kämpfen.

Der Mensch ist sogar das einzige Wesen im Universum, das gegen die Menschlichkeit in den Krieg ziehen kann. Er wird zu einem Instrument des Krieges, zu einer Waffe gegen sein eigenes Wesen. Jeder Versuch, diese Macht auf andere oder anderes abzuschieben – andere Wesen oder „fremde Kräfte“, unterirdische Reptilo-irgendwas oder außerirdische Science-Fiction-Monster – ist der (verständliche) Impuls, die Verantwortung und die Macht von uns Menschen wegzuschieben. Paradoxerweise entmachten wir uns mit dieser ex-homini-Projektion selbst. Wir halten das Schwert in der Hand. Und wir entscheiden, wofür wir es benutzen.

Dieser Macht müssen wir uns zuwenden, auch wenn sie uns schaudern lässt bis ins Mark. Aber sie abzugeben, würde bedeuten, sie an jene zu geben die gegen uns sind.

Seit geraumer Zeit steht die Parole im Raum der jüngeren Zivilisationen, dass die Feder mächtiger sei als das Schwert. Aber das gilt nur dort, wo Menschen für Ideen empfänglich sind. Die Macht der Feder hängt von der Bewusstseinsstufe der Leser ab. Aktuell spaltet sich unser Land ganz offensichtlich in eine Gruppe von ungeduldigen Lesern, die sich fragen, warum nicht längst schon nach allem geschriebenen Recht und Bekenntnis das Schwert der Gerechtigkeit durch die Gesellschaft saust – und andererseits in jene große Masse von Menschen, denen die Feder und das begriffliche Wort nichts sagen und die nur immer Angst haben, dass dieses oder jenes Schwert sie stutzt oder köpft. Wir müssen also erst eine gewisse Anzahl von geistigen und politischen Analphabeten zu Lesern machen. Dann erst wird die Feder mächtiger sein als das Schwert. Auch diese Zeilen hier sind äußerst scharfkantig für jene, die lesen können.

Es hat in der Menschheitsgeschichte immerhin auch bis zum Jahre 2017 gedauert, bis die oberste Führung des stärksten Militärs der Welt sich dafür entschied – nein, nicht nur zum Schwert, sondern zur Feder zu greifen. Denn nur so ist dieser Krieg zu gewinnen. Mit anderen Worten: zum ersten Mal hat das Militär selbst dem falschen Denken den Krieg erklärt und die Fackel der Aufklärung in die Hand genommen. Der Grund liegt unter anderem wohl darin, dass das richtige Denken nur noch im Militär und auch dort schon nur noch unter massivem Beschuss vorhanden war. Es ist nach wie vor an tief verwurzelte Verantwortung gekoppelt.

Das scheinbare Dilemma und der Ausweg

Wenn uns also der Krieg und die Dominanz von Zerstörung selbst bedrohen, was können wir dann tun? Es scheint ein unlösbares Dilemma zu sein. Und ich wage einmal zu behaupten, dass dies das Kerndilemma der Deutschen seit 150 Jahren ist, welches sie bis heute nicht gelöst haben. Und ich lehne mich noch ein Stück weiter aus dem Fenster und stelle die These auf, dass die Deutschen dieses Dilemma lösen müssen, weil sonst die ganze Welt zugrunde geht, und dass es nur von Deutschen gelöst werden kann.

Die Frage des Dilemmas ist diese: Wie kann man gegen den Krieg Krieg führen? Wie kann man den Zerstörungstrieb zerstören? Wie unterwirft man den Unterwerfungsdrang? Wie bekämpft man den Zwang zu kämpfen?

Bisher sind wir, die Deutschen, nur immer zwischen den beiden Zwangspositionen dieser Zwickmühle hin und her gesprungen, die beide gleichermaßen falsch und fatal sind und zum selben Ergebnis führen: entweder wir haben uns kampflos gestellt, also unterworfen, was den Krieg zum Herrscher über uns und unser Leben machte. Oder wir sind plötzlich, verzweifelt und in die Enge getrieben explodiert und haben uns zu Feldzügen der Zerstörung hinreißen lassen. Das soll nicht bloß historisch und vergangen klingen: wir tun dies bis heute, die meisten von uns machen diesen Wechsel zwischen den beiden Schachmatt-Positionen täglich mehrmals in ihrem eigenen Alltagsleben: anpassen, unterwerfen und sich totstellen und dann wieder ausrasten und in totalitäre Kontrollzwänge verfallen.

Diese beiden „Lösungen“ sind niemals Lösungen, weil sie der verkappten Prämisse dieses Double-binds unterworfen bleiben und zum Opfer fallen. Das ist die unausgesprochene Prämisse, dass Kämpfen oder Krieg immer bedeuten, dass man gegen etwas sein müsse. Der Krieg hält uns eine Münze mit zwei Seiten hin: die eine Seite ist Unterwerfung und die andere ist Zerstörung. Egal für welche Seite wir uns entscheiden und egal welche gewinnt, sobald wir diese Münze überhaupt annehmen, sitzen wir schon in der Falle. Die Münze heißt „gegen“ und ist vom Krieg selbst erfunden und geprägt worden. Das ist die Währung, mit der er handelt.

Die wirkliche Lösung kann nur darin bestehen, sich von dieser hinterrücks eingeschleusten Prämisse zu lösen und die Münze als Ganzes zu verwerfen. Sich auf das getürkte Spiel gar nicht einzulassen. Stattdessen müssen wir unser eigenes Spiel mit unserer eigenen Währung aufstellen und beginnen und dies soll keine Reaktion sein, schon gar keine Gegen-Reaktion, sondern eine Initiative. Eine Initiative für etwas, auf etwas zu, das wir wollen. Zum Beispiel Frieden.

Dann können wir kämpfen und in den Krieg ziehen ohne dem Scheinparadox auf den Leim zu gehen. Denn dann kämpfen wir für etwas und nicht mehr gegen. Damit bekommt der Kampf, egal wie hart, wie militärisch und wie gewaltvoll er ist, ein anderes Vorzeichen. Und dann können wir siegen. Nur so können wir jene dunkle, nach Dominanz strebende Kriegsgier, genauer gesagt den Hass und die Zerstörungswut besiegen.

Das geht aber natürlich nur, wenn wir wissen, was wir erreichen wollen und wofür wir zu kämpfen bereit sind. Wir brauchen ein eigenes Ziel, eigene Werte und eine Vision der Umsetzung, damit wir nicht wieder bloß reagieren auf Missstände, Zwänge oder Bedrängung. Nach 150 Jahren tiefster Verstrickung in Krieg und Selbstzerstörung bis in die Psyche und in die privatesten Entscheidungen hinein ist das für die meisten Menschen nur noch möglich, wenn sie an den Rand ihres Überlebens und ihrer Würde gebracht werden. Erst wenn alles soweit verloren ist, dass die schwächlichen und beschwichtigenden Rückzugsgefechte oder die kopflos überhitzte Instrumentalisierung keinen Sinn mehr ergeben, werden sie sich auf das Eigene und Innere stützen und sich – endlich – dafür einsetzen.

Feinde in Liebe töten

„Liebe deine Feinde“ bedeutet nicht, dass du deine Feinde nett finden und umarmen sollst. Dieses Missverständnis führt seit Ewigkeiten dazu, dass die Naiven in Massen dahingerafft werden, weil ihre Feinde sie dann erstechen. Liebe ist nicht jene willenlose kindliche Abhängigkeit, für die man sich, seine Werte und den Verstand aufgeben muss, um das eigene Bewusstsein in einer betäubenden Gefühlswolke aufzulösen. Dass die Kirchen, die Glaubens-Kommandeure und die Religions-Anstifter uns seit Hunderten von Jahren diese lähmende Version von „Liebe“ als das einzig Wahre und ihre einzige Ware andrehen wollen, ist hochgradig verdächtig und entlarvend. Sowohl für sie als auch für ihre Millionen Anhänger.

 „Liebe deine Feinde“ muss zunächst einmal bedeuten: „Bewahre Deine Liebe auch im Angesicht deiner Feinde“. Und das schließt natürlich in erster Linie ein: „Bewahre deine Lieben im Angesicht deiner (und ihrer) Feinde“. Alles andere macht gar keinen Sinn, denn jedes Aufgeben oder sich-in-die-Arme-Werfen gegenüber zerstörenden Kräften führt eben auch nur zu Zerstörung und dann sind nicht nur der Liebende, sondern auch seine Liebe und seine Werte weg. Die Vertreter der üblichen Liebes-und-Herz-Paradigmen bemerken gar nicht, dass sie sagen: „Gib auf!“, „Investiere keine Kraft und Energie!“, „Verlasse das Terrain und überlasse es den anderen!“. Dieses Missverständnis beschreibt den Kern des schrecklichen Schicksals der Deutschen seit mindestens 150 Jahren und damit auch das schreckliche Schicksal der gesamten Welt.

Liebe, wenn man dieses Wort einmal aus der völligen Vernebelung befreien und ihm wieder eine sinnvolle Bedeutung geben will, ist zu verstehen als gesteigerte und erhöhte Wertschätzung. Das heißt, Liebe beruht auf dem intensiven Bezug zu Werten, die man hoch schätzt. Die qualitative Steigerung von Wertschätzung zu Liebe besteht darin, dass diese ihren Träger verwandelt, indem sie ihn so umfassend ergreift und durchströmt, dass er von dieser Wertschätzung geformt und ausgebildet wird. Wertschätzung kann man noch aus einer gewissen Distanz haben und dabei die festen Grenzen seiner Identität bewahren. Wenn jedoch dieser bereits intensive Bezug sich weiter steigert, kann er irgendwann umschlagen in ein Ergriffen-werden und Aufgehoben-werden, durch die sich das Verhältnis umkehrt oder besser gesagt umstülpt: dann ist nicht mehr die Wertschätzung in mir, sondern ich bin in der Wertschätzung. Dann bin ich nicht mehr einer der liebt, sondern ich bin in Liebe. Dann verfüge ich nicht mehr über „meine Liebe“, sondern die Liebe verfügt über mich und nimmt mich in ihren Besitz.

Das naheliegende Missverständnis für die, die noch nicht einmal in Wertschätzung eingeweiht wurden, ist, diese Selbst-Erhöhung zu verwechseln mit Selbstverlust. Sie glauben, Selbst-Aufgabe sei Selbst-Hingabe. Und so stürzen sie ab in die Selbstlosigkeit bevor sie überhaupt auf den rechten Weg und den rechten Geschmack gekommen sind.

Von der Selbstlosigkeit geht es weiter in die Bodenlosigkeit und von dort in die Hodenlosigkeit. Ohne feste Basis in mir selbst kann ich zu keiner eigenen, unabhängigen Sicherheit kommen und werde abhängig, gefügig und orientierungslos. Dann gibt es auch keine Basis für Willenskraft und das Ergebnis von allem ist die umfassende Kampfunfähigkeit. Das einzige, was diesen allem Ausgelieferten noch bleibt ist die Möglichkeit zur Selbsttäuschung. Sie können sich wegträumen in eine pastellgetönte irreale Fantasiewelt von Wunschvorstellungen, Traumbildern und Konjunktiven. Sie marschieren dann mit ihren Bannern der „Liebe“, der „Harmonie“, „Brüderlichkeit“ oder „Weltrettung“ und haben keinen blassen Schimmer mehr, dass sie für den Krieg und die Zerstörung marschieren und zu jenen Zahnrädchen im großen Kriegsgetriebe geworden sind, welches es den wirklichen Kämpfern für Frieden und den kampfbereiten Werteträgern so schwer macht den Krieg zu beenden.

Natürlich kann man ohne Verstand und Redlichkeit behaupten, man sei gar nicht gegen etwas Schlechtes, sondern für etwas Gutes. Das behaupten ja heute fast alle bis hinunter zur Antifa, nachdem sie die medienwirksamere Rhetorik der professionellen Hohlschwätzer gelernt haben bzw. nachahmen. Aber Parolen und Werbebotschaften sind keine Belege für die wahre Motivation und Substanz. Bei genauer Prüfung werden wir feststellen, dass so gut wie alle Institutionen und Bewegungen sich aus dem Gegen-etwas nähren. Sie sind reaktiv und „anti“.

In der Medizin ist es offensichtlich, da kämpft man offenkundig „gegen Krankheiten“ und jeder mit einem Rest von Würdeempfinden, der einmal in diese Maschinerie der Schulmedizin geraten ist, weiß, dass die moderne Medizin gegen den Menschen, gegen das Menschliche, gegen menschliche Entfaltung und damit gegen Gesundheit kämpft.

Andere Institutionen sind weniger offensichtlich anti, aber durch die Bank sind sie das Gegenteil von dem was sie behaupten. Die Regierung ist gegen die Freiheit und gegen die Wohlfahrt des Volkes installiert. Jede Rechtsinstitution, von den obersten Gerichtshöfen bis hinunter zum einzelnen Anwalt und zum Jura-Studenten im ersten Semester, ist in ein weltweit streng hierarchisch organisiertes Netz von Korruption, Betrug, Täuschung und Entmündigung eingeflochten. Sie haben sich – unwissend und blind zumeist – dem Kampf gegen Recht, Ordnung und Fairness verschrieben. Kinderschutz-Initiativen und ‑Einrichtungen sind schon lange zu Maschinerien für die systematische Zerstörung von Familien und zur Unterstützung von Kinderhandel und –folter umfunktioniert worden. Sie sind gegen Kinder. Und so sind die Medien genauso wie die Bildungseinrichtungen gegen Bildung, Aufklärung, Wissen und Verstehen. Die „Friday For Future“-Kampagnen sind gegen eine sinnvolle und sichere Zukunft und gegen die Entfaltung der Jugend. Die Umweltschutz-Organisationen arbeiten an der Zerstörung des restlichen sozialen Gefüges, des Menschenverstandes und des gesunden Bezugs des Menschen zu seiner Umwelt und der Natur – sie sind vor allem gegen den Schutz des Menschen und seiner Würde.

Was bleibt da noch übrig, das nicht gegen irgendwas und besonders gegen uns Menschen ist? Wo ist noch ein Rest von Wertschätzung für uns selbst und unsere Würde in unserer Kultur? Man wird Schwierigkeiten haben, etwas zu finden. So gut wie alles um uns herum beruht auf Gegen-Reaktion, auf Anti-Motivation und somit auf Willenlosigkeit. Wir schwimmen geistig und kulturell in anti-menschlicher Salzsäure. Wir befinden uns im umfassendsten und verheerendsten Kriegsszenario aller Menschenzeiten, weil wir unseren Willen in so großem Stil aufgeben und verloren haben, dass wir nicht einmal mehr unsere Misere sehen können. Dafür müssten wir einen Restfkunken von Selbstwertschätzung haben, um das und uns darin sehen zu wollen.

Wir sind aber nicht verloren, sondern nur beinahe verloren. Denn es gibt sie noch, die Menschen, die für etwas stehen und kämpfen. Sie haben unter den gegeben Umständen des Niedergangs und der kulturellen Sintflut viel Zeit gebraucht – über hundert Jahre – um sich zu formieren, eine Arche Noah zu bauen und sich auf ihren Krieg vorzubereiten. Dieser Krieg durfte keine Reaktion mehr sein, er musste aus ihrem Gewissen und ihrem Selbstwertempfinden neu und frisch geboren werden. Über die lange Zeit der Vorbereitung hin wurde die hölzerne Arche Noah zu einem Kriegsschiff und zu einer Kommandozentrale für einen weltweiten Kampf. Nicht gegen das Böse, sondern für das Gute. Nicht gegen Krieg und Zerstörung, sondern für Frieden

Man wird die Geschichte von Noah und seinem schwimmenden Rettungsschrein für unsere Epoche neu aufsetzen oder ergänzen müssen: Noah als oberster General eines Kriegervolkes, das nicht nur überleben, sondern auch eine neue Welt pflanzen wollte. Und es sendet eine neue Generation von Tauben aus, die in ihrem Schnabel Botschaften tragen. Jene Botschaften, die gebraucht werden, um den Geist der Menschen umzudrehen, wieder zurück zu drehen zu einer Haltung des „für“ und zu einer Rückanbindung an sich selbst und das, was ihre Würde ausmacht.

Und das neue Noah-Team hat die Technologie für eine immense Entwässerung, denn die Fluten der falschen Ideen und Ideologien muss aus den Köpfen der Menschen abgeleitet werden, damit sie von Licht durchdrungen werden, damit sie also wieder richtig sehen, das heißt wahr-nehmen können. Dass Noah und seine Krieger für etwas Neues kämpfen, bedeutet, dass sie aus echter Wertschätzung oder sogar aus ihrer gesteigerten Form, aus Liebe kämpfen.

Echte Wertschätzung beweist sich vor allem durch zwei Eigenschaften, die uns heute hochgradig fehlen: die Bereitschaft für etwas zu kämpfen und die Bereitschaft zu verzichten. Für etwas zu kämpfen bedeutet immer auch, auf anderes zu verzichten, nicht weil es schlecht oder unbrauchbar ist, sondern weil es weniger wichtig ist. Zunächst einmal müssen wir für das Wichtigste einstehen können, sonst wird alles sinnlos. Nur durch absichtlichen und bewussten Verzicht können wir dem näher kommen, das den höheren Wert für uns hat. Wer nicht bereit ist zu verzichten, der wird viel haben, aber alles das wird nur bedeutungsloser und wertloser Schrott sein. Diese vollversorgten und zugeschütteten Menschen sind am Ende die ärmsten von allen. Und deshalb ist unsere aktuelle Kultur und der Zustand der Menschen in ihr der ärmste seit Menschengedenken. Wir haben endlos Schrott und so gut wie nichts Wertvolles mehr.

Das Problem dabei sind nicht die Billig-Möbel und die Plastik-Müllberge, sondern die wertlosen Gedanken, mit denen wir unser Weltbild einrichten und die künstlich aufgeputschten Plastik-Gefühle, die unsere echte Fühlfähigkeit verkleben und verstopfen. Bevor wir die Flüsse und Ozeane oder die Luft reinigen, sollten wir unsere Gedanken und unsere Gefühlswelt von Müll befreien. Alles andere kommt dann von alleine und ganz natürlich. Statt unsere Autos und unsere Wohnungen jede Woche zwanghaft zu putzen, sollten wir uns regelmäßig mit den Kindern zusammensetzen und ihre unmittelbare Wahrnehmung und ihre Gedanken freilegen und entkalken. Und unsere Träume und Visionen auf Hochglanz polieren.

Ja, das ist für die meisten Deutschen noch ein langer Weg.

Die heilige Ordnung der Werte

Wofür lohnt es sich zu kämpfen, wenn wir nicht mehr reaktiv gegen irgendetwas ankämpfen? Für Werte.

Werte sind nicht Ideen, die wir frei erfinden und beliebig austauschen können. Werte sind mit dem Denken erfasste Aspekte unseres Wesens. Sie können nur entdeckt und begriffen werden. Eigene Werte zu erkennen bedeutet, ein Stück der eigenen Natur, einen notwendigen Aspekt der eigenen Existenz oder eine Grundbedingung des authentischen Selbstseins erkannt zu haben. Echte Werte repräsentieren nicht unsere Wünsche, Vorlieben oder Gewohnheiten, sondern basieren auf dem, was und wie wir sind – körperlich, emotional, sozial und geistig.

Und so wie alles in uns nur in einer bestimmten Ordnung gesund und funktionsfähig ist, so stehen alle echten Werte auch in einer strengen und festen Ordnung zueinander, welche naturgegeben ist. Diese Ordnung ist ebenso heilig wie es unser Wesen ist. Der griechische Begriff für eine heilige Ordnung ist Hier-archie. Echte Werte sind hierarchisch.

Für unsere Werte zu kämpfen bedeutet also, für unser Wesen und seine Entfaltung zu kämpfen und das wiederum bedeutet, dass wir für die heilige Ordnung, für Hierarchie kämpfen. Der Krieg der anti-menschlichen Kräfte und der totalitären Zerstörung richtet sich gegen diese Ordnung. Zuerst lässt er uns an der Ordnung zweifeln und versucht, uns in die Verwirrung zu stürzen. Dann greift er der Reihe nach jeden unserer Werte an, zuerst die oberflächlicheren oder jene, die wir nie so recht verstanden oder nie ausreichend bewusst gemacht haben. Dann bahnt er sich seinen Weg der Auflösung zu den fundamentalsten Werten bis er bei unserer Würde und unserer Lebendigkeit angekommen ist, die er entwerten muss bevor er sie vernichten kann. Wie eine giftige Spinne muss er zuerst unseren Geist und unseren Verteidigungswillen lähmen, bevor er uns einwickeln und fressen kann. Sein erster Biss ist die Idee, dass es keine Ordnung gibt und dass wir uns gegen jede Hierarchie wenden sollten. Wenn aber keine Ordnung in uns ist, können wir uns auch nicht wehren, so wie ein Haufen chaotischer Schläger keine Chance hat gegen ein kleines strukturiertes Kämpfer-Team, das in Formationen aufritt.

Vor allem anderen müssen wir uns selbst in Ordnung halten. Und das bedeutet, dass wir unsere Werte sortiert und in der richtigen Reihenfolge klar haben müssen. Sonst geben wir die Königin auf, um einen Bauern zu retten und bringen unseren König ins Schachmatt für einen wahnwitzigen Angriff auf ein paar unbedeutende Springer.

In dem Moment, in dem du bereit bist, deine höchsten Werte für mindere Werte aufzugeben, hast du den Krieg bereits verloren und bist zu seinem willfährigen Handlanger geworden. Ein Professor, dem seine Reputation wichtiger ist als die Exaktheit und Aufrichtigkeit seiner Forschung, hat den Krieg verloren und propagiert ihn per Lehrstuhl. Ein Lehrer, der einen Lehrplan gegen die Neugier und die Bedürfnisse der Schüler durchsetzt, hat den Krieg verloren und ist zum Zerstörer des menschlichen Geistes geworden. Der Schüler, der seine Zweifel, seine Fragen, sein kritisches Denken und seine Wissbegier unterdrückt, hat schon als Kind den Krieg verloren und wird zum Kanonenfutter der Zerstörung. Ein Journalist, der Lügen und Verleumdungen verbreitet, um weiter Geld damit zu verdienen, hat den Krieg verloren und hetzt die Menschen dazu auf. Ein Arzt, der die Anweisungen einer Behörde oder die Propaganda im Ärzteblatt höher bewertet als Fachwissen und das Wohl seiner Patienten, hat den Krieg horrende verloren und ist zum Handlanger der Menschenverachtung geworden. Wer sich mit tödlichem Gift „impfen“ lässt, weil er seinen Arbeitsplatz nicht verlieren möchte, der hat den Krieg schon lange verloren und ist zu einem somnambulen Selbstmörder geworden. Wer seine Kinder mit giftigen Masken Mund und Nase zuhalten lässt, damit sie in die Schule des Systems gehen können, der hat den Krieg verloren und ist zum fremdgesteuerten Kinderschänder geworden.

So können wir erkennen, dass wir in Deutschland den Krieg schon seit langem verloren haben. Wer den Krieg verliert, wird irrational und schließlich irreal. Er hört auf, als Mensch zu existieren und verwandelt sich in einen Zombie, der von fremden Mächten gesteuert wird. Dann haben wir ein Volk von moralisch-geistigen Selbstmord-Attentätern, die nur auf das Codewort warten, dass sie dazu aktiviert, sich selbst, alle Werte und jede geistige Lebensgrundlage um sie herum zu zerfetzen.

Wer diesen Gesamtzustand der völligen Entwaffnung erkennen kann, der wird sich nicht mehr einreden lassen, dass es irgendetwas gibt, das noch über die Schwelle eines absolut notwendigen, völligen Neuanfangs hinüber getragen werden könnte oder sollte. Mit anderen Worten: wir haben nichts mehr, aus dem heraus wir diesen Neuanfang selbst initiieren und bewerkstelligen könnten, dafür ist unser Bewusstsein der Lage viel zu sehr getrübt. Nicht nur Wissen und Waffen, auch das Wollen können jetzt nur noch von einem gesünderen Außenstehenden kommen.

Für uns Deutsche ist wohl die Vernichtung bis auf den allerletzten Rest von uns die notwendige Vorbedingung für einen neuen Aufstieg in eine authentischere Identität. Nachdem das Abwägen zwischen geistigen und materiellen Werten zu einem so mächtigen Übergewicht des Materialismus führte, stürzte der ursprünglich hoch fliegende deutsche Geist ab auf den Boden, auf dem er herumkroch und giftig wurde wie ein Skorpion. Der Skorpion muss jedoch, um ein Krieger mit treffsicheren Pfeilen zu werden, ins Feuer geworfen werden. Der angehexte Krähen-Anteil mag darin verbrennen, was aber Phönix ist in uns, das steigt wieder auf und kann wieder mit den Adlern kreisen. Gerade dann, wenn alles Vertraute zu Asche zerfällt, finden wir jenen scharfen Blick aus höchster Höhe wieder, der frei genug ist, um mit luftigem Humor singen zu können:

O du lieber Augustin, alles ist hin.
Geld ist weg, Mensch ist weg,
Alles hin, Augustin.
Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck,
O du lieber Augustin,
Alles ist hin.
Jeder Tag war ein Fest,
Und was jetzt? Pest, die Pest!
Nur ein groß’ Leichenfest,
Das ist der Rest.
Augustin, Augustin,
Leg’ nur ins Grab dich hin!
O du lieber Augustin,
Alles ist hin!

Wer glaubt, dass wir als Gemeinschaft oder Volk aus diesem Zustand der Verzombisierung und der flächendeckenden Vergiftung und Verminung unserer gesamten sozialen und kulturellen Strukturen aus eigener Anstrengung und selbständig herauskommen könnten, der hat den Krieg ebenfalls schon verloren. Der hat seinen Realitätssinn für eine hoffnungsvolle Idealvorstellung aufgegeben und ist schon mit einem Fuß im Irrealen – genau dort, wo dieser Krieg ihn haben will. Der kämpft schon auf der Vernichtungs-Seite – ohne es zu bemerken – und stellt sich mit seinem Wunsch-Denken quer gegen die einzige Kraft, die bewaffnet genug ist, um uns da raus zu holen.

Du kannst dir ausmalen, wie du mit Blümchen und selbst ausgeschnitten und ausgemalten Herzchen der strahlende Sieger in einem moralischen Wettbewerb bist. Du kannst auch juristisch korrekte Anforderungsschreiben an Deine Geiselnehmer senden und dich von einem Anwalt der Kriegs-Mafia vertreten lassen. Aber sobald du auch nur einen Schritt aus deiner bunten Zelle machst, kommt schon jemand von der lokalen Polizeiinspektion und holt dich ab. Oder deine Konten und dein Internetzugang werden gesperrt. Oder das Jugendamt ist der Meinung, dass deine Kinder nicht so gut aufgehoben sind bei dir wie sie es in einer staatlichen Einrichtung wären. Man kann den Gandhi in einer britischen Kolonie machen, aber nicht in einem faschistischen Staat in der Nachfolge von Stalin. Wenn bereits über 80% eines Landes, seiner Kultur und seiner Strukturen vom Krieg eingenommen wurden, gibt es für die restlichen 10-20% keine Möglichkeiten einer Machtübernahme mehr. Und seit dem Ende des letzten Jahrhunderts, sind weit über 90% aller Gehirnzellen Deutschlands vollständig vom Krieg übernommen worden.

Eine Selbstbefreiung aus diesem Kriegszustand ist für das deutsche Kollektiv deshalb faktisch und psychologisch nicht mehr möglich. Denn dafür müsste es noch Zugang zu irgendwelchen Kampf-Ressourcen geben, der noch nicht vom Feind verstellt und beobachtet wird. Und den gibt es nicht mehr. Es fällt vielen psychisch und emotional schwer einzusehen, dass wir den Krieg schon lange verloren haben und dass unsere einzige realistische Hoffnung nur darin bestehen kann, dass wir von außen gerettet und mit Ressourcen und Waffen versorgt werden.

Die chronischen Träumer und die fanatischen Idealisten der eitlen Selbstbefreiung-Deklarationen sind auch Kriegsopfer, denn sie agieren bereits aus dem „gegen“ und „anti“: ihr zwanghaftes Festhalten an Wunschvorstellungen ist ihr Bollwerk gegen die Realität. Gewinnen kann man diesen Krieg nur mit und in der Realität, nicht in der Fantasie. Für seine Werte zu kämpfen ist mehr als nur ideell an ihnen festzuhalten. Es bedeutet, sie um- und durchzusetzen und ihre Verwirklichung gegen jeden Angriff zu verteidigen. Es bedeutet, über Waffen zu verfügen, die denen des Gegners mindesten ebenbürtig, besser noch überlegen sind.

Ja, es kann sogar bedeuten, die Gegenkräfte aktiv anzugreifen. Wir eilen ja nicht nur dem vergewaltigten Opfer zu Hilfe und befreien es, wir machen, wenn irgendwie möglich, auch den Täter handlungsunfähig und unschädlich. Ebenso geht es im Kampf für Werte nicht bloß darum, immer wieder falsche und böse Ideen zu widerlegen, sondern vielmehr darum, richtige und gesunde Ideen zu verbreiten und zu impfen, so dass die Menschen gegen das Falsche immun werden und sich selbst verteidigen können. Der Angriff auf die Macht des Zerstörerischen ist die beste Verteidigung dessen, was uns wert und teuer ist. Wenn wir bloß abwarten und reagieren, dann haben wir den Krieg bereits verloren; dann haben wir nie das Territorium und den Platz, um das Gebäude unserer Wertvorstellungen zu errichten.

Allgemeiner gesprochen ist das Einstehen für Würde, Werte und Moral keine reaktive Haltung, sondern eine aktive, initiierende und gestaltende.

Wann immer etwas aus der Haltung kommt von „Man muss doch etwas dagegen tun!“, ist der Krieg schon verloren und man kann nicht mehr gewinnen. Demonstrationen gegen die Regierung, Flugblätter gegen die Propaganda, Klagen gegen Rechtsbruch, Beschwerden gegen die Handlanger – all das ist aussichtsloser Aktionismus, der allein schon deshalb vergeblich ist, weil er gar kein Ziel hat. Gewinnen kann nur der, der etwas Bestimmtes erreichen oder erobern will. Wer auf den sehr verengten Fahrstreifen in Autobahnbaustellen versucht, „nicht links oder rechts anzustoßen“, der wird ins Schlingern geraten, während der, der sich auf den Korridor konzentriert und „in der Mitte bleiben“ will, ruhig die Spur hält.

Wenn man es in theologischen Begriffen ausdrücken möchte, kann man sagen, dass die, die ihre Werte kennen, sie hochhalten und sich an ihnen orientieren, einen Gott haben und dass diejenigen, die für ihre Werte und Lieben kämpfen, für und mit Gott kämpfen. Wer keine Werte hat, sie aufgegeben hat oder sie nicht zu verteidigen bereit ist, der ist in dem Sinne „gottlos“. Und jene, die sich engagieren, die Werte und die Liebe anderer zu zerstören, sind satanisch.

Deshalb gewinnen die, die mit Gott kämpfen, letztlich immer, weil es auf der gott- und wertelosen Seite nichts zu gewinnen gibt. Es gibt dort keine Ziele, nur die Zerstörung an sich bis zu dem (theoretischen) Ende, dass es nichts mehr zu zerstören gibt, aber dann gehen sie auch zugrunde. Auf der Seite der Kriegs-Zombies, die nur gegen und anti denken und agieren können, gibt es letztlich nichts als Selbstzerstörung. Wenn der Krieg siegt, gibt es keinen Sieger, sondern nur Verlierer.

Und die „Pazifisten“ sind jene blinden Fußsoldaten an der Front des Krieges, die nur als Kanonenfutter dienen können, denn sie sind nicht bereit, für ihre Werte – falls sie überhaupt welche haben – oder für überhaupt irgendetwas zu kämpfen. Sie verschwinden lautlos in den ersten Prüfungen der Geschichte, falls sie nicht das unerhörte Glück haben, von einem Krieger für den Frieden gerettet zu werden.

Gürte dich und kämpfe!

Im Krieg sterben Menschen.

Die Lebenden werden lernen müssen, Abschied zu nehmen. Nicht so sehr von den hingerafften guten Bekannten, Vertrauten und Verwandten, sondern viel mehr und schwieriger von der niedergerissenen Illusion, dass sie ihnen ebenbürtig gewesen seien.

In diesem Krieg sterben Menschen nicht körperlich, sondern geistig und psychisch. Kriegsopfer im 21. Jahrhundert sind all jene Menschen, die es nicht schafften, ein Ich zu entwickeln, aus dem heraus sie bereit sind, für ihr menschliches Wesen, für ihren ursprünglichen Lebens- und Entfaltungsimpuls einzustehen. Kriegsopfer sind all jene Menschen, die von der Macht der Zerstörung eingenommen und fremdgesteuert werden. Das sind nicht nur jene, die blindlings dem System gehorchen oder sogar lauthals danach rufen, mit tödlichem Gift „geimpft“ zu werden. Es sind jene Massen – vermutlich weit mehr als die Hälfte unseres Landes – die nach einem Jahr massiven Faschismus-Aufgebots und Unterdrückung immer noch nicht bemerken oder kognitiv erfassen können, dass wir im menschenfeindlichsten Klima seit Menschengedenken leben und am Abgrund der totalen Selbstvernichtung stehen (standen). All jene, bei denen die schärfsten pädagogischen Maßnahmen zu keiner Wiederbelebung ihrer Integrität und ihres eigenständigen Denkens führten. All jene, die nicht hören können, was die Spatzen über viele Monate von allen Dächern pfiffen: dass all dies falsch ist und beendet werden muss.

Es ist eine interessante und sehr gewagte sozial-philosophische Frage, ob diese vielen Millionen wertlos sind. Außer Frage steht jedoch, dass sie Werte-los sind. Der Krieg hat ihre ureigenen Werte gefressen und durch Kamikaze-Befehle ersetzt. Die Verbindungsleitung zu ihrem Kern ist tot. Gewissen? Integrität? – Kein Anschluss unter dieser Nummer. Vielleicht sollten aber so viele wie möglich von ihnen gerettet werden aufgrund ihres vorhandenen Potenzials, unter besseren Bedingungen und guter Führung doch noch konstruktiv Mitwirkende für den Frieden zu werden und ihre willenlos übernommene Co-Destruktivität abzulegen. Geführt und geleitet werden aber müssen sie.

Dieser Krieg lässt sich mit keiner einzigen der bisher bewährten Waffen und Traditionen besiegen und beenden. Die Hüter der alten Traditionen sind alte Hüte, in denen nur Asche weitergetragen wird. Ein Dalai Lama ist diesem Krieg nicht gewachsen – er zählt zu seinen Opfern und Soldaten. Aber so mancher Handwerker und so manche Hausfrau von nebenan besteht ihn und beendet ihn still und innerlich leuchtend, so dass sie Frieden in die Welt trägt. Die Umkehrung der gewohnten Hierarchien darf uns nicht verwundern, denn so wie wir sie kennen, wurden sie vom Krieg selbst errichtet als Diktatur der Korruptheit und Amoralität. Also werden die Letzten die Ersten sein und die bisher Ersten werden so weit nach hinten zurück fallen, dass sie vom Spielbrett ins Aus rutschen.

Um diesen Krieg zu gewinnen, brauchen wir nicht gehorsame Soldaten, sondern Krieger. Wir brauchen keine Widerständler und Revoltierer, die sich darin verausgaben, gegen irgendwelche Attrappen anzurennen. Wir brauchen Krieger, die für den Frieden und die Werte der menschlichen Entfaltung kämpfen und alles andere hinter sich lassen. Wir brauchen Menschen, die sich durch keinen moralischen Morast und ideologische Rauchbomben ablenken lassen, sondern ihren Willen zu ihrem höchstes Ziel bündeln können wie einen Laserstrahl. Was auch immer sich ihnen in den Weg stellt, mag ihren Sieg verzögern, aber nicht aufhalten. Und alles, das sich gegen diesen Weg zum gefassten Ziel stellt, wird seine Existenzberechtigung verlieren und zu Grunde gehen wie eine Eismauer, die sich dem Feuer entgegenstellt.

Also nochmal die Frage des Anfangs: Was sollen wir tun, wenn der Krieg selbst uns den Krieg erklärt?

Jetzt können wir die Antwort geben: du musst Krieg führen, aber nicht jenen, der von außen auf dich zukommt und dich verführen will, sondern deinen eigenen. Betrete das Schlachtfeld als Angreifer und erkläre du der Gegenseite den Krieg – deinen Krieg – egal, was dir von der anderen Seite entgegenschallt. Antworte auf keine Lüge oder Attacke, sondern richte den Scheinwerfer deiner Aufmerksamkeit auf dein Ziel. Lass das Schwert deiner Überzeugungen sich in kein Scharmützel ziehen, sondern bahne dir deinen Weg durch die Gegenkräfte so wie du dir eine notwendige Schneise durchs Dickicht schlägst, um zu deinem Ziel zu kommen. Fürchte dich nicht vor der Dunkelheit oder den Schatten und schließe dich niemandem an, der sich mit Schatten einlässt, sondern zünde das Licht deines Verstandes an, dann die Fackel deiner Vernunft und schließlich das weit leuchtende Signal-Feuer klarer Worte und Gedanken. Dann hat der Krieg gegen dich keine Chance.

Und von dort aus kann jeder auf seine Weise beginnen, Häuser, Dörfer, Städte und Länder des Friedens aufzubauen, die gut bewaffnet und stark befestigt sind gegen die Macht der Zerstörung. 

Wenn du diesen Artikel verstanden hast und mit ihm einverstanden bist, dann hast du alles, was du brauchst, um dorthin zu kommen und diesen Krieg zu besiegen.

Dann steh auf und kämpfe, kämpfe, kämpfe!

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Eine Gedankensammlung


Dieser Artikel als Podcast

Ich dachte Anfang des letzten Jahres häufig, die Menschen hätten den Verstand verloren. Im Laufe des Jahres wurde mir jedoch klar, dass ich mich irrte. Jene völlig irrational agierenden Menschen haben den Verstand nicht verloren. Sie hatten ihn nie.

Sie haben ihn bisher auch nicht gebraucht, weil ihnen die Entscheidungen, für die sie den Verstand hätten benutzen müssen, stets abgenommen wurden noch bevor sie überhaupt erkennen konnten, dass es eine Wahl zu treffen gibt. Soweit wir in der Geschichte – so wie wir sie gelernt haben – zurückschauen, sehen wir immer eine kleine Gruppe von Menschen, die allen anderen sagen, wo es lang geht, was richtig und falsch ist und wie sie leben sollen. Wer sich nicht daran hielt, wurde mit Gewalt dazu gezwungen oder verjagt.

Die bisherige Menschheitsgeschichte ist die Geschichte von Gewaltherrschaften, und die Stimme des Verstandes hört man nur in relativ sporadischen und kurzen Episoden von den Thronen der Macht sprechen. Das waren dann jene auffällig lichten Epochen in denen sich Kultur und Wohlstand vom sonstigen Zustand menschlicher Gemeinschaften abhoben wie ein klarer sonniger Tag von einer vernebelten Nacht.

Verstand oder Leben!

Man kann die Bedeutung dieses Sachverhalts in unserer Zeit gar nicht hoch genug veranschlagen, denn nur dann können wir verstehen, welch außerordentlichen Wandel wir gerade durchleben: zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte sind wir Menschen weltweit durch die selbstgeschaffenen Umstände dazu gezwungen, die Organisation unseres sozialen Lebens bis in ihre kleinsten Aspekte und Dynamiken mit dem Verstand nicht bloß zu erfassen, sondern willentlich zu gestalten. Wir stehen an einem Punkt in der Entwicklung der Menschheit und ihrer Fähigkeiten, an dem unser Leben davon abhängt, ob wir es schaffen, uns rational und vernünftig zu organisieren.

Warum sind wir gezwungen? Weil wir mit unserem Verstand über die letzten 500 Jahre eine Technologie entwickelt haben, der wir moralisch nicht mehr gewachsen sind. Die Menschheit hat sich in diesen letzten 500 Jahren immer mehr von der Frage „Was können wir?“ vereinnahmen und von der Faszination für technisch Mögliches antreiben lassen. Die Frage „Was sollten wir?“ wurde dabei immer weiter zurückgedrängt und schließlich nicht mehr ernsthaft gestellt. Der moderne Mensch lebt in der Überzeugung, dass man etwas darf und sollte, weil man es kann. Statt von Moral und Weitsicht wird er dabei nur von Angst begrenzt, die ihn zunehmend neurotischer macht. Hochtechnologie und technische Möglichkeiten sind längst schon unreflektierte Quelle einer chronischen Angst geworden, so dass die Menschen sich emotional gegen die immer weiter fortschreitenden Erfindungen der Ingenieure und Technologen sperren. Irgendwie machen Atomenergie, Gentechnik, Strahlentherapie, Computerisierung, Digitalisierung und künstliche Intelligenzsysteme Angst.

Aber nicht die Technik selbst ist das Problem, sondern die Frage, in wessen Händen sie liegt. Und das ist eine Frage der Moral. Es ist die Moral der Bedienenden und der Nutzer von Technik, die darüber entscheidet, ob sie im Namen der Menschlichkeit oder gegen sie eingesetzt wird.

Das bedeutet, wenn Technologie so allgemein zugänglich ist wie heute, wo jeder ein Smartphone bei sich trägt, sich zuhause eine hochauflösende virtuelle Realität mit Dolby Surround-System aufbauen kann und über einen einzigen Mausklick mitbestimmt, welche Informationen im Internet als relevant eingestuft werden und welche marginalisiert werden, dann muss es ebenso allgemein wirkende moralische Prinzipien geben, die verhindern, dass die Menschen sich selbst oder andere umbringen – physisch oder geistig und sei es aus Naivität, Bequemlichkeit oder Skrupellosigkeit.

Sprechen wir es einmal deutlich aus: wir haben seit langem schon die Technologie, um die Menschheit, vielleicht sogar alles höhere Leben auf unserem Planeten auszulöschen. Dabei sollten wir gar nicht in erster Linie an irgendwelche Megabomben à la Wasserstoffbombe oder biologische Waffen denken, obwohl diese auch schon verheerend wären. Wirklich bedrohlich sind die Waffen, die sich gegen den menschlichen Geist richten, alle Technologie, die zum social engineering, zur psychologischen Kriegsführung und Massenmanipulation gehört. Denn die Menschheit ist auch dann schon zerstört, wenn menschliche Körper nur noch als ent-geisterte, robotoide Autisten über die Erde stolpern.

Ohne Verstand können Menschen und letztlich die Menschheit nicht überleben, und so ist es ein direkter Angriff auf die Menschheit, wenn wir den Verstand zerstören. Wir können das. Und die Menschheit stand bis vor wenigen Jahren kurz davor, das konsequent bis zum Ende auszuprobieren. Wir befinden uns also schon längst an dem Punkt, dass unsere Technologie die Basis unserer menschlichen Integrität – unsere rationale Denkfähigkeit – untergraben und zerrütten kann. Alles, was wir unter dem Obergriff „Medien“ zusammenfassen können, vom Fernseher über Computerspiele bis zu den sogenannten „sozialen Netzwerken“ beweist das in der Alltagserfahrung zur genüge: sie stumpfen die Menschen ab und verführen sie zu frühkindlichen und sozial-pathologischen Dämmerzuständen.

Das heißt auch, dass unsere Technologie schon längst jene Kraft untergraben und aushebeln kann, von der sie eigentlich beherrscht und kontrolliert werden müsste: unsere moralische Urteilskraft. Diese muss sich aber in vielen Stufen von der frühsten Kindheit bis ins spätere Erwachsenenalter erst entwickeln und darin besteht unsere menschliche Fragilität: auf jeder Stufe kann die moralische und geistige Entwicklung behindert und gestoppt werden – z.B. durch immer raffiniertere, intrusivere und manipulierende Technik – so dass immer mehr Menschen auf so frühen Entwicklungsstufen stecken bleiben, dass sie gar nicht mehr die Fähigkeit entwickeln, sie zu verstehen, geschweige denn zu beherrschen.

Bei den meisten Menschen in allen Industrienationen der Welt ist dies bereits passiert: nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Vorstellungen und ihre Denkfähigkeiten werden von der Technik bestimmt, vor allem begrenzt – nicht umgekehrt. Bei den jungen Menschen, die jetzt unter 30 sind, ist diese Unterwerfung und Abhängigkeit in einem Grade erreicht, dass man zurecht von ihnen sagen kann, sie sind von der Technik komplett versklavt worden. Sie haben ihr, der Technik,  nichts mehr entgegenzusetzen und kämpfen gegen ihre eigenen sprachlosen und chaotisierenden Emotionen von Hilflosigkeit und Verzweiflung an, die sie nirgendwo mehr adressieren können. Die älteren Generationen sind blind für die Verzweiflung der Jüngeren, weil sie selbst von der Technik hypnotisiert, vom materiellen Hamsterrad überlastet und moralisch-geistig entwaffnet sind. Sie sind willenlos und betrunken dem Erlösungs-Glauben der Technologie-Versessenen ergeben und dienen ihm blind aufopferungsvoll bis zum letzten Rest von menschlicher Würde.

Moralische Urteilskraft beruht auf dem Verstand, d.h. der Fähigkeit rational zu denken. Was bedeutet rational? Ich verwende den Begriff nur für jenes Denken, das sich an der Realität orientiert, welche wiederum mit den Sinnen wahrnehmbar ist. Rationales Denken beruht also auf der eindeutig verifizierten Erkenntnis,

  1. dass es Realität gibt,
  2. dass wir sie wahrnehmen können und
  3. dass wir diese Wahrnehmung in richtige, d.h. realitätskonforme Begriffe fassen, d.h. abstrahieren können.

Eine rationale Moral ist somit eine Moral, die sich an der Realität, vor allem an der Realität des Menschseins und seiner Natur orientiert und von ihr ausgeht. Sie beruht auf Wahrnehmung und abstraktem, logischem Denken, dessen Richtigkeit sich aus wahrgenommenen, beobachteten und erkannten objektiven Gegebenheiten ergibt. Moralisch richtig ist das, was der Natur des Menschen entspricht und ihn in seiner natürlichen Integrität fördert. Eine rationale Moral steht also im völligen Gegensatz zu aller irrationalen Moral, die sich bloß aus Wünschen, Fantasien, Glaubenssätzen, vagen Gefühlen oder Idealvorstellungen begründet.

Rationale Moral beruht auf empirisch korrekter, logischer und klarer Begriffsbildung. Das heißt, ihr Fundament ist dasselbe wie das aller funktionierenden Technologie: Realitätsverbundenheit. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig. Rationale Moral und Ingenieurskünste wachsen aus dem gleichen Stamm. Moral wächst allerdings höher hinaus, weil sie nicht nur das Können des Menschen berücksichtigt, sondern auch sein Sollen. Dafür müssen ihre Wurzeln tiefer reichen bis in das Verständnis der Natur des Menschen, seiner Bedürfnisse und seiner Grenzen. Ethik ist der Technik und Praxis nicht nur überlegen sondern muss ihnen auch vorgeschaltet sein, denn sonst jagt sich der Mensch selbst in die Luft oder trinkt tödliches Gift in seinem Rausch des Könnens. Ethik und der ethische Teil in uns müssen deshalb dem Techniker sagen, was er darf und was nicht. Diese Instanz gibt es in unsere Kultur schon seit vielen Generahtionen nicht mehr. Wir sind es gewohnt, dass die Techniker bestimmen, wo es lang geht (und es den Politikern zuflüstern) und dass Ethik höchstens etwas für unpraktische, weltfremde und eher engstirnige Intellektuelle und Gremien ist, die mit ihrer Zeit nichts besseres anzufangen wissen, als abgehobene Grundsatzfragen zu diskutieren. Technokratie bedeutet, dass wir von Technik beherrscht werden und der Mensch im besten Falle nur noch Ausführungsgehilfe ist. Tatsächlich ist er ein Störfaktor und sollte langfristig beseitigt werden.

Technik ohne ethische und moralische Kontrolle ist jedoch nicht nur gefährlich, sie ist vor allem sinnlos. Technologisch unterworfene Menschen haben kein Wofür? in sich, denn eine Maschine trägt in sich selbst auch keins. Wenn Technik nicht dem Menschen dient, dann dient sie stattdessen auch nicht sich selbst (wozu auch?), sondern niemandem! Eine Hand ohne Bewusstsein und Willenskraft, ein Körper ohne Geist ist ohne Sinn und Richtung. Wenn wir der menschenerfundenen Technik folgen und dienen, dann sind wir entgeistigt, vom Willen abgeschnitten und sinnlos. Diesen Zustand kann man nicht wollen, denn dann müsste dahinter doch wieder ein Ziel oder Sinn stecken. Der nihilistische Zustand der Technologiehypnose entsteht nur durch die ultimative Form der Verneinung: durch pure Unterlassung, durch Nicht-Tun, durch Vernachlässigung, durch die passive Weigerung, überhaupt etwas zu wollen. Wie soll man diesen Zustand anders nennen als geistig-moralischen Schlaf? Wenn es am Anfang auch nur ein Zögern war, ein schlaffes Geschehenlassen, eine nachlässige Unachtsamkeit, dann hat es sich bis heute zu einem tiefen Koma ausgewachsen, in dem ein bisschen Restleben nur noch von Maschinen und Mechanismen aufrecht erhalten wird.

Wir werden darauf zurückkommen: die letztendliche Ursache der totalitären Technokratie, in der die Menschheit gerade erschrocken aufwacht, ist nicht „ein böser Geist“, sondern moralische Unterlassung und geistiges Versäumnis bis zur Selbstvergessenheit. Wir haben uns selbst und unsere Wesenhaftigkeit vergessen. Solange dem so ist, können wir dem Maschinen-Denken, dem Maschinen-Herrschen und all dem zerstörerischen Bösen, das daraus automatisch entstanden ist, nichts entgegensetzen.

Wenn wir erkannt haben, dass unsere Technikkompetenzen schon seit über 300 Jahren unseren ethischen Kompetenzen weit voraus und völlig davon gelaufen sind, dann wissen wir, welcher kulturellen Mammutaufgabe wir gegenüberstehen: wir müssen moralisch nachsitzen und ethisch nachwachsen.

Dafür müssen wir zurückerobern, was unsere selbsterfundene Technik in uns gelähmt und zerrüttet hat: unseren realitätsverbundenen Verstand.

Die Menschheit in der Grundschule

Wo befinden wir uns gerade von höherer Warte aus betrachtet?

Die Menschheit befindet sich aktuell im Übergang von emotionalem Bewusstsein zu rationalem, d.h. Verstandes-Bewusstsein. Diesen Zustand und Übergang mit all seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen können wir uns am besten veranschaulichen, wenn wir uns die Kinder einer dritten oder vierten Grundschulklasse vorstellen. Da gibt es einige, die schon sehr gut stringent denken und rational und logisch argumentieren können. Sie sind jedoch im Moment noch die Minderheit und eher Außenseiter. Die meisten anderen Kinder werden überwiegend von Emotionen, Anpassung an die Gruppe und unreflektiertem Gehorsam gegenüber den Autoritären dominiert. Und dann gibt es ein paar Cliquenanführer, die sich diesen Mangel an Denk- und Analysefähigkeit der meisten anderen Kinder zunutze machen, und mit einer Mischung aus Dreistigkeit, Imponiergehabe, Bestechung, Manipulation und Gewaltandrohung eine Gruppe von weniger selbstbewussten Kindern um sich scharen und bestimmen, was gemacht, gesagt und gedacht werden darf. Die Kohäsion in solchen Cliquen beruht auf einer Mischung von Angst und den Bedürfnissen nach Zugehörigkeit, Schutz und Führung (als Entlastung).

Die Weltanschauung und vor allem das Menschenbild dieser Kinder beruht zum überwiegenden Teil auf adaptierten Vorstellungen und Erklärungen, deren Relevanz durch emotionale und soziale Bezüge bestimmt wird. Etwas ist richtig, weil diese oder jene Autorität es sagt, und nicht weil es empirisch, moralisch oder logisch richtig ist. Die abstrakteren Dimensionen des Denkens machen ihnen Angst, weil sie sie noch nicht verstehen können. Daher halten sie an der Unterordnung gegenüber sicherheitsvermittelnden Personen und Gruppen fest. Ihre Entwicklungsstufe entspricht dem Stammesdenken, das sich an den Machtstrukturen innerhalb einer Gruppe und zwischen Gruppen orientiert: der Stärkere hat Recht. Institutionelle Stärke – d.h. Bandenstärke – ist die größte physische Stärke, deshalb behalten institutionelle Autoritäten letztlich immer Recht und das Sagen aus der Sicht von kindlichem, prä-rationalem, instinkt-gesteuertem Stammesdenken. Das Gehorsamkeits-Verhältnis gegenüber den Eltern wird auf andere Autoritäten übertragen, was entlastend ist, weil man so keine eigenen Entscheidungen treffen und nicht selbständig denken muss.

Vorgaben und Orientierung werden auf dieser kindlichen Entwicklungsstufe nicht in Form von Erklärungen gegeben, sondern in Form von konkreten Handlungsanweisungen. Motivation wird nicht durch Begründungen und Verständnis erzeugt, sondern durch Bilder und Emotionen. Fragen und das Denken an sich werden durch Pseudo-Begriffe abgespeist, also durch Worte, die keinen klaren oder überhaupt keinen Bedeutungsbezug haben, sondern bloß vage Assoziationen auslösen, deren Hauptzweck es ist, Verwirrung und Gefühle von Unsicherheit, Unterlegenheit und Minderwertigkeit anzustiften. Da dieser mentale Trick von den meisten noch nicht durchschaut werden kann, stellt er eine massive Überforderung dar und sie reagieren dann darauf mit Angst und der Suche nach unmittelbarer Sicherheit von außen durch Gehorsam und Anpassung.

Auf keiner Entwicklungsstufe ist das Denken so leicht korrumpierbar wie auf dieser. Es ist noch zu jung, um die Irrwege des Irrationalen zu durchschauen und sich zu wehren, aber es ist auch schon zu aktiv beteiligt, um abstrakte Worte und Begriffe einfach zu ignorieren, so wie ein Vier- oder Fünfjähriges das noch könnte. Auf dieser Stufe bleiben irrationale und desintegrierende Gedankengebäude als Fragmente von Welterklärungen hängen, wobei deren innere und äußere Widersprüche wegen der Fragmentierung und dem fehlenden Überblick nicht erkannt werden. Die Kraft, die diese Glaubensfragmente und Vorstellungen auf dieser kindlichen Bewusstseinsstufe so einprägsam und mächtig macht, kommt aus den Emotionen und vor allem aus den sozialen Bedürfnissen nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Bestätigung usw., deren Dominanz dafür sorgt, dass Konzepte einfach „geschluckt“ werden, solange sie mit Bedürfniserfüllung verbunden sind.

Die autoritäre und meist subtil indirekt vermittelte Tabuisierung des Hinterfragens und Nachdenkens wird ebenso fraglos emotional verinnerlicht und lähmt das Denken. Die Mitglieder einer solchen autoritären Stammesorganisation denken nicht falsch oder unvollständig, sie denken gar nicht. Stattdessen benutzen sie Worte und Konzepte bloß als emotionale Signale der Zugehörigkeit bzw. Nicht-Zugehörigkeit, so wie ein Affe oder ein Hund lernen können, auf Worte zu reagieren ohne dem Wort jemals einen Begriff zuzuordnen (Tiere können das nicht). Dadurch entsteht eine intellektuelle Dressur, die beeindruckend eloquent und kompliziert wirken kann, die das Denken jedoch verhindert und die Unfähigkeit, korrekte Begriffe zu bilden und logisch zu verknüpfen nur durch Lautstärke und bunte Wortsalate kaschiert. Die Organisation von Stammeskulturen beruht auf Gehorsam gegenüber dem Obersten, nicht auf Verständnis und rationalen Erwägungen.

Auf diesen Prinzipien beruhte bis in die Jetztzeit alle soziale Organisation der Menschen weltweit. Auf diesen Prinzipien beruht bis heute die innerpsychische Organisation und Steuerung der allermeisten Menschen.

Es gab erste Experimente einer rationalen, verstandesbasierten Organisation z.B. mit der amerikanischen Verfassung und ähnlichen Versuchen im 19. Jahrhundert. Diese wurden jedoch von den Kräften des kindlichen Stammesdenkens nach kurzer Zeit wieder außer Kraft gesetzt und ersetzt durch mehr oder weniger offensichtliche Simulationen von politischer Freiheit, Souveränität und Individualismus, welche von machthungrigen Banden installiert wurden, um die geistig etwas Fortgeschritteneren durch ständige Verkomplizierung und Totschlagargumente zu verwirren und intellektuell zu entwaffnen.

Hauptcharakteristikum dieser machthungrigen Banden ist, dass sie unbegrenzt besitzen und steuern wollen, dafür aber nicht bereit sind, in den offenen Handel zu treten oder überhaupt irgendeine Leistung offen zum Tausch anzubieten. Dies lässt sich nur erreichen, indem sie die anderen Menschen im großen Stil täuschen und intellektuell so schwächen, dass sie nicht bemerken, dass sie versklavt und von diesen Banden ausgenutzt werden. Im besten Fall kann man sie sogar soweit hypnotisieren und mit falschen Ideologien füttern, dass sie ihren unfreien, entwicklungsblockierten und selbstwertlosen Zustand für den besten und wünschenswertesten halten. Man muss nur dafür sorgen, dass sie stets mehr von Emotionen und sozialen Reaktionen als vom rationalen Denken gesteuert werden. Alles Weitere ist eine Frage der Psychotechnik und der sozialen Manipulation.

Die Menschheit war noch nicht soweit. Dieser Zustand musste erst zu einer unermesslichen Qual und existenziellen Bedrohung werden, bis mehr als nur ein paar „kluge Köpfe“ dieses menschenfeindliche System begannen zu durchschauen. Die Schwierigkeit dieser Entwicklung hin zum Durchschauen, Verstehen und schließlich zum Ablehnen und zur Neuausrichtung besteht nicht darin, die Banden und vor allem ihre skrupellosen Anführer zu entfernen. Nein, die Hauptschwierigkeit besteht darin, ausreichend Denk-Fähigkeiten in der breiteren Bevölkerung zu erreichen, um das Stammesdenken, seine Banden-Philosophie und seine Unterdrückungs-Systeme überwinden zu können.

Ansonsten würden sich die Menschen morgen wieder nur einer anderen Bande unterwerfen und könnten eine vernunftbasierte Organisation mit echter politischer und wirtschaftlicher Freiheit gar nicht mittragen – weil sie sie nicht verstehen würden. Dies ist der Kernfaktor für den Erfolg eines solchen Entwicklungsschrittes der Menschheit und eines solchen weltweiten Befreiungsschrittes für die Menschen. Dies dürfte deshalb auch ein Hauptgrund dafür sein, dass der entscheidende Machtwechsel und die bahnbrechende Neuordnung erst so spät im Zerfallsprozess der Zivilisation, erst kurz vor Zwölf, und dabei so schmerzhaft und so langsam vollzogen werden konnte. Denn der einzig mögliche Entwicklungsschrittmuss disruptiv sein, mussein Sprung sein undähnelt damit einer Geburt: entweder sie gelingt ganz oder gar nicht.

Warum ist das so? Weil ist ein geistiger Schritt, ein Bewusstseinsschritt ist. Es geht nicht darum, einen Fehler zu korrigieren oder einen Haufen krimineller Übeltäter oder psychopathischer Monster unschädlich zu machen. Das könnte man in einer konzertierten Aktion innerhalb von weniger als einem Jahr tun (und hat es auch getan). Es geht auch nicht darum, bloß irgendetwas besser zu machen, auch nicht darum, neue soziale, wirtschaftliche oder völkerrechtliche Strukturen aufzubauen. Es geht auch nicht darum, auf der Basis einer neuen, besseren Grundidee einen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Alles das greift zu kurz und würde das Urproblem, den Mangel an geistiger Entwicklung nicht beheben!

Nein, es geht darum, alle menschliche Organisation grundsätzlich und weltumspannend auf einem neuen Bewusstsein des Menschen von sich selbst zu begründen.

Ich habe oben erläutert, inwiefern wir die Menschheit als „eingeschlafen“ bezeichnen können wegen der Unterlassung einer ganz bestimmten moralisch-geistigen Entscheidung, Selbstbestimmung und vor allem Selbstverteidigung. Dadurch entstand eine Umkehrung aller menschlichen Werte, weil das Verständnis des Menschen seiner selbst immer weiter von seiner wahren, das heißt geistigen Natur abwich und ihn somit krank machte und degenerieren ließ. Weil die geistige Klammer des korrekten Selbstverständnisses fehlte, zerfiel unser Menschenbild in Bruchstücke illusorischer Annahmen, abgehobener Spekulationen und vor allem trieb- und instinkt-gesteuerter Phantasmen der Überheblichkeit. Nur noch an die unmittelbare Sinneswahrnehmung gebunden und ohne höher-abstrakte Begriffsbildung landeten wir im materialistischen Menschenbild, das uns den Menschen nur als minderbemitteltes, armseliges Tier darstellen kann. Ohne Verstand und Begriffsbildung kann man die rationale und begriffsbildende Natur des Menschen nun mal nicht erkennen. Von der materialistischen Stufe der geistigen Degeneration war es dann auch nicht mehr weit zur nihilistischen Stufe der Selbstzerstörung, die heute vor allem im Akademischen und Semi-akademischen das Grundparadigma bildet: der Mensch wird so wie er ist als Fehler der Natur, als Störfaktor, als Irrtum und Problem betrachtet. Im besten Falle sieht man ihn als Objekt permanenter Stütz-, Korrektur- und Verbesserungseingriffe, die fortgeschrittenen Nihilisten ziehen allerdings schon die einzig richtige Konsequenz aus dieser irrealen Philosphie und tun bereits offen kund, dass sie den Menschen lieber möglichst bald und möglichst gründlich abschaffen wollen.

All dies beruht auf einer massiven Täuschung, auf einem fundamentalen Bewusstseinsmangel, weil es die geistige Seite der menschlichen Natur nicht sieht. Diese geistige Seite von uns wird hauptsächlich konstituiert durch unsere Fähigkeit, Begriffe zu bilden und dadurch zu verstehen und rational und schließlich vernünftig zu handeln; und durch unsere Fähigkeit, ein Bewusstsein unserer selbst zu entwickeln, also Begriffe und abstrakte kognitive Repräsentationen unseres Selbsterlebens. Wer dieses Potenzial aus welchen Gründen auch immer nicht entfalten und diese Fähigkeiten nicht entwickeln kann, dem geht es schlimmer als einem Tier: der menschliche Instinkt reicht nicht aus, um ihn überleben zu lassen, deshalb bleibt er abhängig von anderen (denkenden) Menschen während diese und alles andere in der Welt gleichzeitig eine chronische Überforderung für ihn darstellen. Aus dieser Bewusstseinsstufe ist die Kultur unserer Gegenwart gemacht.

Der not-wendige Wandel muss also auf der tiefsten und fundamentalsten Ebene unseres Daseins stattfinden, auf der Ebene unseres Selbstverständnisses. Von der völligen Blindheit und Täuschung in Bezug auf uns selbst ausgehend müssen wir als erstes ein neues Menschenbild verinnerlichen, um daraus dann eine neue, uns entsprechende Lebenshaltung und Weltanschauung abzuleiten. Erst daraus können wir dann wiederum sowohl ein neues Verständnis als auch die intellektuelle und moralische Kompetenz für die Umsetzung und Erhaltung einer völlig neuen sozialen Organisation gewinnen.

Kern dieses neuen Menschen- und Weltbildes ist, dass die höchste Werteinheit jeglicher ethischen Überlegung und damit jeglicher Entscheidung der einzelne Mensch, das Individuum ist und im Individuum selbst wiederum der höchste Wert sein Potenzial und seine Fähigkeit zum eigenständigen rationalen Denken. Mit anderen Worten: im Zentrum aller neuen Strukturen und Organisationen müssen der einzelne vernunftbegabte Mensch und sein gesunder Menschenverstand stehen.

Alles andere muss sich diesem höchsten Wert unterordnen und kompatibel damit sein. Das Stammesdenken (in „Völkern“, „Nationen“, „Institutionen“,…), das bisher alle Länder- und Geopolitik beherrscht hat, ist nicht kompatibel damit, deshalb darf es keinen Einfluss mehr haben. Strukturen, die auf Macht durch jegliche Form von Gewalt beruhen, sind ebenso wenig damit vereinbar. Jede neue Struktur muss im Gegenteil so geschaffen sein, dass sie dem Einzelnen das höchste Maß an Freiheit lässt, seinen Verstand (sein Denken, sein Verstehen, seinen Intellekt) zu entwickeln und zu nutzen.

Das bedeutet z.B. dass jede strukturelle Macht sich primär dafür einsetzen muss, Gewalt in jeglicher Form (physisch, emotional, sozial, wirtschaftlich, finanziell,…) zu verhindern und zu sanktionieren. Und dafür, nur dafür muss sie auf rationale und moralisch integere Art und Weise Gewalt anwenden dürfen. Gewalt darf nur erlaubt sein als Schutz vor Gewalt. Das bedeutet nichts weniger, als dass das Bewusstsein über die menschliche Natur der Herr im Hause ist und über jede Form von Macht und Gewalt herrscht. Was daran das historische Novum ist, ist nicht die Tatsache, dass die Macht sich einer ethisch gesunden Philosophie unterwirft – das hat es in der Geschichte immer mal wieder in der Form weise Herrscher gegeben – sondern dass die Macht des Bewusstseins über jegliche Gewalt institutionell, also personen-unabhängig verankert wird.

Eine solche institutionelle Verankerung funktioniert nur, wenn

  1. alle Personen mit niedrigerem Bewusstsein aus Machtpositionen entfernt werden (Entmachtung des ‚deep state‘ – des „niedrigen Zustands“),
  2. wir über eine Technologie verfügen, die hilft, uns vor Machtmissbrauch und vor allem Technikmissbrauch zu schützen (also eine künstliche Intelligenz als Diener der natürlichen, menschlichen Intelligenz); und
  3. eine ausreichend große Menge von Menschen dies versteht, aktiv mitträgt und pflegt (deshalb muss erst das „großartige Erwachen“ stattfinden).

Wenn diese drei Bedingungen erfüllt sind, dann haben die gesunden, menschheitsfördernden Kräfte Oberwasser und es wird so gut wie unmöglich sein, in den vorherigen Zustand des niederen Bewusstseins jemals zurückzukehren.

Die gute Nachricht sei an dieser Stelle dem Leser nicht vorenthalten: die erste und zweite Bedingung sind bereits erfüllt und in diesem Jahr 2021 wird auch die dritte Bedingung erfüllt sein, um den Kriegszustand gegen die Machthaber des alten Bewusstseins mit einem flächendeckenden Sieg zu beenden. Dann sind wir auf einer neuen, nie zuvor dagewesenen Null-Linie, von der aus wir beginnen können, kulturell immer weiter ins Gesunde, Schöpferische und Geistige zu wachsen.

Der fragile Übergang vom Nicht-Denken zum rationalen Denken

Kehren wir noch einmal zu der Analogie der Grundschule zurück, in der die Menschheit sich gerade befindet. Es ist eine äußerst fragile Phase in der Entwicklung des rationalen Denkens, die sehr anfällig für Fehlentwicklungen ist. Es ist jene Phase, in der wir lernen, die konkret-sinnlichen, operativen und einfachen Kategorien des kindlichen Denkens zu integrieren in immer abstraktere Prinzipien und Konzepte.

Eine einfache, niedrig-abstrakte Kategorie ist zum Beispiel der Begriff „Kleidung“. Es gibt eine Reihe von konkreten Objekt-Bezeichnungen und Verwendungsarten von Dingen, die in dieser Kategorie zusammengefasst werden. Das kann ein dreijähriges Kind schon leisten. Ob aber z.B. ein Armreif oder eine Armbanduhr nun auch in die Kategorie „Kleidung“ fallen, kann auf dieser Stufe nicht gedanklich hergeleitet werden, weil dafür das Prinzip „Kleidung“ definiert und analysiert werden müsste. Das Kind würde eine Autorität fragen, was denn richtig ist.

Komplexere zwischenmenschliche, soziale und institutionelle Prozesse und Strukturen können mit diesem kategorialen Denken aber nicht abgebildet und somit auch nicht verstanden werden. Auch die nächst-höhere Abstraktionsebene, auf der man fähig ist, Schlussfolgerungen aus konkreten Begriffen und Erfahrungen zu induzieren, reicht nicht aus, um Abstraktionen wie z.B. den Unterschied zwischen einem Recht, einer Befugnis und einem Privileg zu verstehen. Oder die Bedeutung des Unterschieds zwischen Gemachtem (von Menschen Kreiertem) und Gegebenem (natürlich Vorhandenem). Dies sind höher-abstrakte Begriffe, die nur durch die logisch korrekte kognitive Integration von konkreten Begriffen sinnvoll verwendet werden können. Für das kindliche Denken ist es unerheblich, ob etwas gegeben oder gemacht ist, es ist einfach nun mal da. Ein menschengemachtes Gesetz und ein Naturgesetz sind – für ein Kind – gleichermaßen „Gesetz“ genauso wie ein umgefallener Baumstamm im Wald und ein Stuhl im Antiquitätengeschäft gleichermaßen „einfach da“ sind.

Wenn wir nicht genug Unterstützung bekommen, dann lernen wir nicht die richtige Verknüpfung zwischen abstrakten Begriffen und deren konkreten Bezügen. Dafür müssen Begriffe klar definiert und erklärbar sein. Der Begriff „Staat“ z.B. ist für die meisten synonym mit „Regierung“, obwohl er abstrakter und umfassender ist und sich auf etwas ganz anderes bezieht. Tatsächlich verstehen die meisten Menschen den Begriff „Staat“ gar nicht, was wiederum dazu führt, dass sie die Idee „Staat“ nicht kennen und nicht denken können.

Unser Denken beruht auf Begriffen und wo immer uns ein Begriff fehlt, haben wir keine Möglichkeit, nachzudenken, zu erfassen, zu verstehen und zu kommunizieren. Wenn jemand verstehen könnte, dass der Staat sich aus allen Mitgliedern konstituiert, dass er also ein Teil davon ist und dass die Regierung nur eine Organisation ist, die vom Staat, also auch von ihm mit ernannt und ermächtigt wird, dann könnte er auch verstehen, von was „die Regierung“ abhängig ist und dass eine Regierung, die sich über den Staat stellt, eine Diktatur sein muss. Außerdem gilt es zu unterscheiden zwischen „der Regierung (an sich)“ und „den Regierenden“, also dem Personal. Das ist der Unterschied zwischen einer Abstraktion und einer konkreten Verwirklichung. Die Idee von einer „richtigen Regierung“ (z.B. „rechtsstaatlich“, „demokratisch“ usw.) kann nur verstehen, wer zwischen Abstraktem und Konkretem unterscheiden und verknüpfen kann. Wer das nicht kann, der kann sich zu dem, was er konkret sieht, hört oder erlebt keine Alternative vorstellen. Wer nicht in Prinzipien denken kann, der kann sich auch keine Verbesserung vorstellen. Egal wie schlimm die Umstände auch sind, er wird daran eisern festhalten, weil darüber hinaus für ihn nichts ist, nur eine Leere, ein mentales Vakuum, was die größte Angst hervorruft. Deshalb halten so viele Menschen an den schrecklichsten tyrannischen Gegebenheiten fest. Sie können die Idee eines besseren Andersseins nicht begreifen, weil sie keine sinnvollen abstrakten Begriffe haben, die ihnen die Möglichkeit geben, in Prinzipien und grundsätzlichen Werten zu denken.

Diese Unfähigkeit zum abstrakten Denken lähmt Menschen und macht sie zu hilflosen, abhängigen und verängstigten Mitläufern. Das noch gefährlichere  Problem entsteht jedoch nicht durch falsche oder fehlende Abstrahierung – damit fällt man höchstens durch akademische Prüfungen oder macht sich in Gesprächen lächerlich. Existenziell bedrohlich wird es erst, wenn aus falschen Abstraktionen konkrete Entscheidungen und Handlungen abgeleitet werden.

Eine giftige Vogelbeere z.B. fälschlicherweise der Kategorie „Nahrungsmittel“ zuzuordnen, ist für sich genommen kein Problem, wenn man nicht gerade in einer Klasse für Botanik oder in einer Prüfung für Lebensmittelkunde sitzt. Wenn man aber aus dieser falschen Zuordnung (zur Kategorie des Essbaren) die Handlung ableitet, die Vogelbeere zu essen, dann hat das konkrete gesundheitliche Folgen. Man beachte, dass es hierbei nicht um den Fall einer Verwechslung geht, sondern um falsche begriffliche Zuordnung.

Noch klarer und drastischer wird dieses Problem, wenn wir es bei komplexeren systemischen Entscheidungen und Handlungen antreffen. Wenn Gesetzgeber und Regierungschefs z.B. anordnen, dass die Steuern massiv erhöht werden sollen, dass der Benzinpreis „als Beitrag zum Klimaschutz“ verdoppelt wird, dass alle Juden deportiert oder alle Kinder zwangsgeimpft werden müssen (konkrete Handlungsanweisungen) und dies damit begründen, dass es dem Allgemeinwohl (Abstraktion) diene, dann sehen wir, dass falsche Abstraktionen nicht nur umso gefährlicher werden, je allgemeiner und grundsätzlicher sie in das Leben der Menschen eingreifen, sondern wir können auch erkennen, warum falsches Abstrahieren stets zu Diktatur und totalitärer Kontrolle führen muss.

Warum? Weil jeder Denk- und Begriffsbildungsfehler von der Wirklichkeit und den natürlich gegebenen Prinzipien und Bedingungen und vor allem von den Bedürfnissen der Menschen wegführt. Man braucht dann nämlich immer mehr Kontrolle und Gewalt, um die Menschen gegen ihre realen Bedürfnisse und Werte zu den falschen Vorgaben zu zwingen. Das ist der Grund, warum alle sozialistischen und ideologischen politischen Experimente entweder sofort kläglich scheitern oder in den Dirigismus bis hin zum Totalitarismus führen und dann alles mit sich in den Untergang reißen: weil sie auf falschen Abstraktionen, d.h. auf irrealen Ideen beruhen, deren konkrete Ableitungen entsprechend gegen die Natur des Menschen gehen. Zwang und Gewalt in Systemen sind immer ein Zeichen dafür, dass sie auf falschen Prämissen beruhen.

In kleineren, gesunden Systemen korrigieren sich Entscheidungen auf der Basis theoretischer Fehler oder Ableitungsfehler für gewöhnlich schnell von selbst, weil sie bald sichtbaren Schaden anrichten und dann erkannt und revidiert werden können. Was aber, wenn Entscheidungen so tiefgreifend sind oder man auf ihre Effekte nur sehr verzögert reagieren kann? Genau das ist nämlich das Problem, vor das uns die enorme technologische Kompetenz stellt, die wir in den letzten etwa 150 Jahren rasant gewonnen haben. Plötzlich können Fehlentscheidungen das Leben in ganzen Landstrichen ausradieren, eine ganze Bevölkerung unfruchtbar machen oder molekularbiologische Schäden anrichten, die erst nach 20 oder 30 Jahren verheerende Folgen zeigen.

Und die Brisanz falscher Abstraktionen steigt noch um ein Vielfaches, wenn sie kombiniert werden mit Interessen und Motivationen, die tatsächlich schaden und Leben zerstören wollen. Dann ist noch eine zusätzliche Kraft am Werk, die aktiv das Erkennen und Korrigieren von Irrtümern und Denkfehlern verhindert und falsches Denken, d.h. falsche Abstraktionen generiert und fördert.

Nur mit diesen grundsätzlichen Faktoren lässt sich erklären, warum heute der gesamte Zeitgeist, alle gängigen Weltanschauungen und Menschenbilder so gut wie vollständig auf falschen Abstraktionen und Anti-Begriffen aufbauen. Das begriffliche Material, das heute in der Breite unserer Kultur verwendet wird, ist beinahe gänzlich vom Bezug zur Realität, zur Wirklichkeit und zu natürlichen Gegebenheiten abgekoppelt. Alles Denken, jeder Verstand kann maximal so gut sein wie die Begriffe, mit denen er operiert. Unsere Gesellschaft operiert dadurch mittlerweile auf dem Level eines geistig gestörten Vierjährigen.

Erwähnen wir hier zum besseren Verständnis einige Beispiele:

Der Begriff „Allgemeinwohl“ ist die Basis fast jeder Argumentation, die begründen soll, warum Menschen faktisch in immer größeren Ausmaßen entrechtet, kontrolliert und versklavtwerden. Die Handlungen und Gesetze, die daraus entstehen, stellen eine reale Bedrohung des Menschen in seiner Denk-, Rede- und Entfaltungsfreiheit dar. Deren Ursache liegt jedoch nicht, wie die „Verschwörungstheoretiker“ gerne glauben, allein darin, dass eine „böse“ Gruppe von Ganoven sich genau diese Daumenschrauben ausgedacht hat. Der eigentliche Grund für die Umsetzung all jener freiheits- und letztlich menschenfeindlichen Ideen und Vorgaben liegt darin, dass es einen riesigen Apparat von Personen gibt, die sie für richtig und gut halten. Sonst würde keiner mitmachen.

Nebenbemerkung: die Verschwörungstheoretiker kommen stets und zurecht in ernsthafte Erklärungsnot, wenn sie gefragt werden, wie denn ein Bruchteil von weniger als 0,1% der Menschheit es geschafft haben soll, die riesige Masse der anderen 99,9+% der Menschen zu unterdrücken, zu versklaven und zu missbrauchen. Sie können oder wollen nicht sehen, dass der eigentliche Hebel nicht bei ein paar brillanten und skrupellosen Psychopathen liegt, sondern bei der gewaltigen Überzahl von Menschen, die mitmachen, weil sie intellektuell und moralisch zu schwach oder zu korrumpiert sind, d.h. weil sie die Fehler in den Ideen, mit denen sie gesteuert und verführt werden, nicht erkennen können. Das Hauptproblem ist jenes Defizit oder jene phlegmatische Unterlassung, über die ich oben schon sprach.

Einer der haarsträubendsten Anti-Begriffe der letzten Jahre ist „Klimaschutz“. Diese Wort-Kopplung ist dermaßen offensichtlicher Unsinn, dass man tief Luft holen muss, wenn man feststellt, wie wenig Menschen – besonders in den jüngeren Generationen – es gibt, die das noch erkennen können. Klima ist ein sehr abstrakter, d.h. übergeordneter Begriff, der eine Vielzahl von Abstraktionen (!) wie Prinzipien, Gesetzmäßigkeiten und ebenso konkrete Erkenntnisse und Daten aus Wetterkunde, Meteorologie, Geologie, Physik und Atmosphärenphysik zusammenfasst. „Klima“ bezeichnet keine konkrete Gegebenheit, sondern ein Konzept von übergreifenden, langfristig beobachtbaren Grundprinzipien, Wirkmechanismen und deren Effekten. Das Konzept „Klima“ ist dafür da, solche großen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten zusammenfassen und über sie nachdenken zu können. Ein solches Abstraktum kann man nicht „schützen“. Und selbst wenn man es könnte, wäre immer noch als nächstes die Frage zu beantworten, warum man es schützen sollte. Emotional gesteuerte Menschen auf der Stufe des vorbegrifflichen, affektiven Denkens hören nur „Schutz“ und finden, dass sich dieses Wort „irgendwie gut und richtig anfühlt“. „Klima“ assoziieren sie vage mit „Natur“, „gewohntem Wetter“ und „irgendwas, was man nicht kaputt machen sollte“. Also finden sie „Klima-Schutz“ emotional wichtig und je unsicherer, ungeschützter und überforderter sie sich selbst in der Welt fühlen, desto mehr projizieren sie ihr Bedürfnis nach Schutz in diesen absurden Anti-Begriff und sind dann hoch motiviert, sich laut und „radikal“ für alles zu engagieren, das ihnen unter diesem Begriff angedreht und untergejubelt wird. Da „Klimaschutz“ keine rationale Bedeutung hat, kann man ihn auch beliebig für jede irrationale Lenkung und Täuschung benutzen. Wer das nicht durchschaut, der wird von solchen „Wortzaubereien“ immer beeindruckt sein und den Rattenfängern blind in den Abgrund folgen.

Über Anti-Begriffe und ihre zersetzende Wirkung

Anti-Begriffe sind Worte, die den Anschein vermitteln, ein Begriff zu sein, tatsächlich aber keine begriffliche Definition haben, also sich auf nichts Betimmtes beziehen.

Was alle Anti- und Nicht-Begriffe gemeinsam haben sind drei Aspekte, die gleichzeitig auch ihre Bedeutung und ihre Funktion ausmachen:

  1. sie zielen auf emotionale Assoziationen ab, d.h. sie sollen „gut klingen“ und den Eindruck vermitteln, irgendetwas Wichtiges und Relevantes zu bezeichnen, während sie aber
  2. niemals klar definiert werden, auch nicht definiert werden sollen, sich also auf nichts Bestimmtes beziehen, und
  3. enthalten sie für gewöhnlich einen fundamentalen logischen oder semantischen Widerspruch.

All diese schwerwiegenden sinnlogischen Defizite werden für gewöhnlich von den Propagandisten von Anti-Begriffen mit aufwendigem emotionalen Marketing verschleiert, wobei sie auch vor primitiver rhetorischer Gewalt nicht zurückschrecken.

Der erste Aspekt sorgt dafür, dass Anti­-Begriffe gerne und viel benutzt werden – und zwar immer da, wo Menschen nicht denken können, nicht denken wollen oder nicht denken sollen. Sie können nur Eindruck schinden und wie ein Trickkünstler die Geistesgegenwart und Analysefähigkeit des Publikums vernebeln und in die irre führen.

Der zweite und dritte Faktor führen zunächst zu Verwirrung und langfristig zu intellektueller Desintegration und geistigem Verfall. Das ist Ziel und Zweck der Verwendung vonAnti-Begriffen. Die Verwirrung beruht psychologisch auf der Dominanz von Emotionen über Gedanken, das heißt auf einer kindlichen kognitiven Entwicklungsstufe, auf der ein Mensch seine Gefühle noch nicht gedanklich integrieren und mental regulieren kann. Wichtigkeit und Bedeutung ergeben sich auf dieser Stufe nur durch die Stärke der emotionalen Reaktion und nicht aus dem reflexionsfähigen Bewusstsein über Werte, Prioritäten, Ziele und moralische Prinzipien. Wenn das Denken jedoch von Emotionen gelenkt und kontrolliert wird, die ja ihrer Natur nach hochgradig subjektiv, sehr fluktuierend und unbeständig sind, dann bleibt es ebenso hochgradig subjektiv, schwankend und wechselhaft. So ein rudimentäres, kindliches Denken bleibt deshalb auch sehr konkretistisch, situations- und bedürfnisabhängig.

Genau genommen können wir dabei nicht von Denken sprechen, sondern höchstens von einer kognitiven Vorstufe zum Denken. Menschen, die sich über diese Stufe nicht hinaus entwickeln, verstehen die komplexe soziale und gesellschaftliche Welt um sie herum nicht und vertreten Meinungen wenn überhaupt dann nur aus ihren jeweiligen momentanen emotionalen und instinktiven Bedürfnissen heraus. Sie schließen sich einer Meinung an, wenn sie ihnen das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Kontrolle oder Selbstwert gibt. Eine andere Basis für Anschauungen haben sie nicht und alles, was mit Argumenten, Begründungen, begrifflicher Differenzierung und Abstraktion zu tun hat, macht ihnen Angst, was dazu führt, dass sie dagegen kämpfen und sich davon abschotten.

Die Einschränkung der Denkfähigkeiten durch Angst führt dazu, dass Begriffe und Behauptungen nicht analysiert und Anti-Begriffe nicht entlarvt werden können. So sammeln sich Anti-Begriffe, Worte und subjektive Assoziationen im Intellekt ohne jede Sinnstruktur und ohne Bedeutungszusammenhänge an.

Das Ergebnis ist intellektuelle Fragmentierung und schließlich sogar mentale Desintegration. Alle unerkannten Widersprüche der Anti-Begriffe und ihrer alogischen Verknüpfungen stellen die Basis der Weltanschauung und jeder inneren Haltung dar, weshalb Menschen mit diesem kognitiven Chaos in sich die Welt permanent als widersprüchlich und „unlogisch“ erleben, was ihre Unsicherheit wiederum verstärkt.

Der einzige Weg, den sie kennen, um diesem Chaos und dieser Verwirrung zu entkommen, ist, jeden Versuch des Denkens und Verstehens zu unterbinden. Das ist schwierig bis unmöglich, denn der Mensch ist nun mal ein kognitives Wesen, das denken will und muss. Also geht es nur sporadisch in all jenen Erholungsveranstaltungen, in denen wir gesagt bekommen: „Schalte deinen Verstand ab!“, „Komm aus dem Denken raus!“, „Sei nicht so im Kopf!“. Die Sehnsucht nach Ruhe und die Verzweiflung im inneren Durcheinander sind so groß, dass die Menschen die Entwürdigung dieser New-Age-Psychologie gar nicht bemerken: du darfst keine Fragen stellen, du darfst nicht verstehen wollen und du sollst in vorbegrifflichen Bewusstseinszuständen bleiben. Das heißt auch, dass sprachliche Kommunikation unmöglich wird und auf Gehorsamkeits- und Fremdsteuerungs-Signale reduziert wird. Das funktioniert bei all jenen, die nur wie Kinder sein wollen. So produziert man psychische Abhängigkeit und hilflose Mitläufer. Das Bedürfnis nach innerer Ordnung wird umgeleitet auf eine fremde, äußere Autorität, die das einzige verbietet und tabuisiert, das innere Ordnung schaffen könnte: rationales Denken.

Aus den Ruhe- und Verständnis-Suchern werden so anti-rationale und anti-intellektuelle Zombies, die im Tal der Finsternis sitzen bleiben und sich gegenseitig mantrasingend die Augen zuhalten, weil sie Angst vor Bergen haben.

Anti-Begriffe gehen dabei in ihrer Wirkung über falsche oder Nicht-Begriffe hinaus. Wie der Name schon sagt, sind sie eine Waffe gegen Begriffe an sich, so wie Anti-Helden die Idee von Helden zerstören, Anti-Ideale Ideale vernichten und Anti-Werte Werte an sich ad absurdum führen sollen.

Die weitreichendste Wirkung von Anti-Begriffen ist deshalb, dass sie den Menschen erst Argwohn und Misstrauen und schließlich Abwehr und Ablehnung gegen Begriffe überhaupt einflößen. Von morgens bis abends medial und pseudo-akademisch überflutet von sinnlosen und anti-intellektuellen Wortblasen wenden sich die Menschen schon seit langem in immer erschreckenderem Ausmaß ab von allem begrifflichen Denken und abstrakter Kommunikation. Weil sie nichts verstehen können, geben sie sehr bald schon jeden weiteren Versuch und jede Bemühung auf zu verstehen. Sie versuchen nur noch, ihre offensichtliche Niederlage mit dem typischen, großmäuligen Trotz von resignierten Verlierern zu kaschieren: „Alles nur dummes Geschwätz!“. Tatsächlich kapitulieren sie intellektuell und gehen von da an völlig wehrlos an der Leine der führenden Wortdrechsler. Und genau das ist das Ziel aller anti-begrifflichen Propaganda. Anti-Begriffe sind ein perfides Macht- und Herrschafts-Instrument, das sich gegen das Denken, gegen die Freiheit und damit letzlich gegen die Menschen wendet.

Ein aktuelles Beispiel

Vor Kurzem hörte ich ein angebliches „Gedicht“ von einer Studentin mit dem Titel „Mensch sein!“ Ich konnte an diesem auf einer „Poetry Slam“ (wörtlich übersetzt so viel wie „Lyrik-Verriss“ oder „Dichtungs-Vernichtung“) gesprochenen Text nichts von einem Gedicht erkennen, finde darin auch nichts Poetisches und nicht einmal die Spur einer intentionalen Struktur. Wie auch immer, der Text kreiste um die verzweifelte Frage, was Menschsein denn heiße.

Dieses gesellschaftliche Randphänomen ist meines Erachtens ausreichend exemplarisch für den intellektuellen Zustand unserer akademischen „Zukunftsträger“ und damit auch für das, was unser Bildungssystem aus den jüngeren Generationen der jetzt Unter-Vierzigjährigen gemacht hat. Deshalb nutze ich es als Beispiel, um das Kernproblem unserer Zeit zu veranschaulichen:

Hier ist eine Studentin, d.h. eine junge Frau, die vorgeblich an der höchsten akademischen Ausbildungsinstitution unseres Landes eingeschrieben ist, die die Frage nach dem Menschsein stellt und uns ihre Verzweiflung darüber schildert, dass das Verhalten der Menschen um sie herum ihren Vorstellungen so gar nicht entspricht. Wen fragt sie dann nach Antworten auf das Menschsein? „Herbert“. Herbert Marcuse? Nein. Herbert Grönemeyer. Und was hat diese Autorität für metaphysische Fragen eines angehenden Akademikers ihr gesagt? Menschsein bedeute „zu kämpfen“ (für oder um was?), „zu hoffen“ (was?), „zu irren“ (in was?), „zu lieben“ (wen oder was?), „zu vergeben“ und „zu lachen“. Kurz: Menschsein lässt sich am besten definieren durch intransitive Verben. Wirft das irgendwelche Fragen auf? Bei der studentischen Autorin offenbar nicht.

Und was sind ihre Kriterien für das Menschsein? „Sich nah sein, sich spüren, einander zuhören“. Sonst noch etwas? Nein, das war es schon.

Sammeln wir noch etwas weiter. Ihre Gegenposition zu den krankhaft-absurden und menschenverachtenden Zuständen, die sie nicht verstehen kann (!), fasst sie so zusammen: „Nähe heißt Nähe… Ich hab Dich gern. Ich will Deine Menschlichkeit spüren“. Das ist so wunderbar konkret und einfach, dass ein dreijähriges Kind keine Verständnisprobleme haben wird. Dann aber plötzlich ein abstraktes Wort: Nächstenliebe zeige sich durch was? Antwort der Jungakademikerin: durch  „Lächeln“. Damit ist alles gesagt, oder? Also kann sie jetzt auch absoluter werden: „Krankheit und die Menschen selbst sind die einzigen (!) Feinde der Menschheit.“

Was fällt bei all dem auf? Unter den Kriterien für das Menschsein taucht nichts aus der Dimension des Denkens auf – außer, wenn man so will: „zu irren“, d.h. einen intellektuellen Fehler zu machen. Der Mensch wird hier definiert als rein emotionales Wesen, dessen maßgeblicher Anteil an Erkenntnisfähigkeiten darin besteht, dass er sich irrt.

Was für ein „Mensch“ wird hier beschrieben? Ein Kind deutlich unter sechs Jahren. Ein solches Kind erlebt sich in den Grenzen seines noch unentwickelten Bewusstseins als emotional-reaktives Wesen, das in Bezug auf alles Kognitive, Intellektuelle und auf Erkenntnisse erstmal nur irren kann.

Wenn dieser Text repräsentativ ist, wovon ich Grund habe auszugehen, dann sehnt sich unsere potenzielle intellektuelle Elite, die gerade in Ausbildung ist, nach nichts so sehr, wie danach, auf das Bewusstseinslevel eines fünfjährigen Kindes zu regredieren. Und der Text macht auch klar, dass dies ihre Reaktion (Antworten hat sie keine!) auf das ist, was sie in der Welt beobachtet und nicht versteht. Die Problembeschreibungen bleiben so konkretistisch wie die oben genannten Weltanschauungen („Nähe ist Nähe“, „Ich habe dich gern“, Nächstenliebe heißt Lächeln…), so wie man es von einem Kleinkind nicht anders erwarten würde: „Menschen sagen, ich soll Abstand halten“, „Ich soll eine Maske tragen…“. Es gibt auf dieser basal-dinglichen und operativen Stufe des Denkens keine Antworten, weil es kein Verständnis gibt. Und es kann kein Verständnis geben, weil die Fähigkeit fehlt, in übergeordneten, abstrakten Begriffen zu denken.

Verstehen kann man Probleme auf der Ebene eines kollektiven Narrativs, kultureller Normen und institutioneller Strukturen nur, wenn man kohärent abstrakt denken kann. Kann man diese Fähigkeit von einem Studenten erwarten? Offensichtlich nicht mehr. Die Lokalisierung des Urhebers all der Unverständlichkeiten in der unmittelbaren Welt dieser Studentin entspricht ebenfalls einer Entwicklungsstufe, in der Kollektive und ihre Wirkmechanismen noch nicht mentalisiert werden können. Sie sagt: „Du hast es verboten“. Wer soll dieses „Du“ sein? Der Zuhörer? Keine Antwort. Man hört heraus: da muss eine einzelne Person sein, die das alles „gemacht“ hat. Papa? Mama? Der böse Onkel aus dem Fernsehen? Alles andere übersteigt das Abstraktionsvermögen eines Kleinkindes.

Wir haben hier also eine junge Frau, die mit einem existenziellen Hilfeschrei auf einer Bühne auftaucht. Wir lassen den betont weinerlichen, theatralisch sorgenvollen und kollabierten Tonfall ihres Vortrags einmal beiseite, obwohl er durchaus zu unserer Gesamteinschätzung passt: hier spricht ein kleines Kind. Sie bringt zum Ausdruck, dass sie gerne Mensch sein würde, aber nicht weiß, was das sei und wie das gehe. Diese Frau – hier einmal stellvertretend für eine ganze Generation dargestellt – sucht und braucht dringend Hilfe.

Was bekommt sie stattdessen? Eine Bühne, Applaus und einen kleinen medialen Rummel. Was lernen sie und ihr Publikum daraus? Dass man bei uns heute die meiste Anerkennung für den Ausdruck von Hilflosigkeit bekommt. Um so mehr, wenn man sich dabei so wenig wie möglich um echte Hilfe oder Lösung bemüht, sondern sich als verzweifeltes Opfer darstellt. Die emotionale Belohnung durch mediale Anerkennung sorgt dafür, dass Desorientierung, Verwirrung, Hilflosigkeit und ein möglichst hohes Maß an Inkompetenz gefeiert werden. Warum Inkompetenz? Weil der pathetische Text klingt wie der erste Versuch einer verzweifelten und hilfesuchenden Achtjährigen. Nicht nur in seiner sprachlichen Simplizität, sondern vor allem in der naiven Kindlichkeit der ausgedrückten Ideen und dem vollkommenen Mangel an Abstraktions- und Reflexionfähigkeit.

Sollen wir glauben, dass moderne Poesie aus kindlicher Einfalt und naivem Unverständnis gemacht wird? Dichtung lebt von Verdichtung. Konkrete Alltagsprosa aus den ersten intellektuellen Versuchen eines kleinen Kindes sind vielleicht niedlich und anrührend, aber keine Dichtung. Sie sind auch keine Kunst, denn Kunst kann nur durch die geistig-absichtliche Nutzung eines Handwerks entstehen, welches zunächst einmal auf Technik und Können beruht. Es handelt sich bloß um eine Produktion – der es sogar bei weiterem Analysieren an jeglicher Originalität fehlt. Alles andere ist medial induzierte Selbstbeweihräucherung.

Das Erschütternde an diesem Beispiel ist nicht, dass Studenten so etwas schreiben oder sogar in irgendeiner Ecke ihres noch ungeformten Lebens vortragen. Das Erschütternde ist, dass die Peinlichkeit der offenbarten Haltung und ihrer zugrundeliegenden aufmerksamkeitsbedürftigen, inszenierten Unreife, die hinter diesem Auftritt stecken, so wenig bemerkt wird. Dafür müssen wir unseren Blick und unseren Verstand schärfen, wenn wir nicht kulturell völlig untergehen wollen.

Der Verrat am Verstand

„Da machte Gott der Herr den Menschen (‚Adam‘) aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.“ (1. Moses 2,7)

Was ist das für eine Odem und wer hat ihn? Es geht nicht um biologische Lebendigkeit, denn die haben Pflanzen und Tiere auch. Und die genannte Textstelle taucht in der Genesis auch erst auf unter der Überschrift „Der Garten Eden“. Also dieser spezielle Lebensatem machte den Erdklumpen (‚adama‘) zum Menschen (‚adam‘) und lies ihn im Paradies leben.

Es geht nicht um Lebendigkeit, sondern um Geist. Wenn nun dieser Geist nicht hinein- und eingeatmet ist, was haben wir dann? Erdklumpen. Keine Menschen. Keine Adams („Adam“ bedeutet „der Mensch an sich“), sondern höchstens Proto-Menschen.

Was ist die erste Spur von Geist im Menschen? Erkenntnisdrang. Wie zeigt sich Erkenntnisdrang? Im Verlangen danach, eine Sprache zu sprechen. Was ist Sprache? Die Verwendung von Worten als Begriffe. Welche Instanz leistet das Bilden von Begriffen? Der Verstand.

Der Verstand ist die erste trans-emotionale und damit auch trans-personale Bewusstseinsfunktion, die wir entwickeln können. Darüber hinaus könnten noch weitere folgen, aber es lohnt sich an dieser Stelle nicht, das zu vertiefen,  solange unsere Kultur nicht einmal dieser Stufe des Verstandes eine Bedeutung gibt, geschweige denn die Werkzeuge bereitstellt, sie zu erreichen.

Die Stufe davor, auf der unsere aktuelle Nicht-Kultur uns festhalten will, ist die emotional-reaktive Stufe, die wir oben schon ausführlicher beschrieben haben. Diese Stufe hat ein Kind im Alter von 4-6 Jahren voll ausgebildet. Wenn dies bei den meisten Menschen die zentrale Bewusstseins- und Identitätsstufe für den Rest ihres Lebens bleibt, dann entsteht jener regressive und degenerierende Daseinszustand, der heute unsere Gesellschaft bestimmt.

Einen Menschen ohne Verstand als ganzen Menschen zu bezeichnen, führt dazu, dass der Begriff „Mensch“ seine eigentliche Bedeutung verliert. Wenn es zur existenziellen, d.h. lebenswichtigen Natur des Menschen gehört, Verstand zu entwickeln („Der Atem Gottes“) und ihn zu nutzen, dann ist ein Mensch ohne Verstand entweder ein Kleinkind oder eine unnatürliche, degenerierte Erscheinung.

Die Würde und Integrität eines jeden Lebewesens besteht darin, seine Natur zu verkörpern, zu entfalten und seinem Wesen gemäß zu leben. Dem Menschen ohne Verstand fehlt deshalb ein Teil seiner Integrität und Würde. Wir bemerken das auch daran, dass diesen Menschen stets Selbstwertgefühl und Selbstachtung fehlen. Ein Mensch, der nicht real denken kann, kämpft ununterbrochen gegen Minderwertigkeitsgefühle an, die auf einem realen Defizit beruhen, weil er die Welt, also die Menschen und vieles Menschengemachte um sich herum nicht versteht. Deshalb sind Menschen mit zunehmendem Mangel an Verstand oft auch zunehmend aggressiver und intoleranter und gleichzeitg in Kollektiven leichter zu verführen, weil diese ihnen Schutz und Zugehörigkeit, also emotionale Beruhigung anbieten.

Da sie geistig Kind geblieben sind, besteht der einzige greifbare Ausweg für sie darin, sich starke Eltern oder besser gesagt Gruppenführer zu suchen, unter deren Schutz sie sich stellen zum Preis der Abhängigkeit, Fremdbestimmung und festgesetzten Unmündigkeit. Dieses Unterschlüpfen unter eine fremde Autorität, nur weil sie stärker und mächtiger ist, geschieht sozial und emotional als Verschmelzung mit einer Gruppierung, einer Organisation, einer Kirche … oder nur intellektuell als Hörigkeit und Übernahme von Vorstellungen, Glaubenssätzen und Ideologien. Auch dabei werden Durchsetzungsmacht oder zumindest das Image von Überlegenheit von anderen geliehen, um nicht selbst denken und überprüfen zu müssen.

Akademiker stellen im Großen und Ganzen jenen Teil der Bevölkerung dar, der sich auf die intellektuelle Hörigkeit und Unterwerfung eingeschossen hat und sich daraus ein Überlegenheitsgefühl gegenüber den Opfern konkreterer Entmündigungsformen ableitet. Sie sind dadurch jedoch auch die am meisten gefangenen, wenn sie ihr selbständiges Denken aufgegeben haben zugunsten von Zugehörigkeitsgefühlen und institutioneller Bestätigung. Psychologisch und geistig ist dies die degenerierteste Form des Integritätsverlustes und moralisch gesehen die verwerflichste, weil sie eine höhere Bewusstseinsfunktion (den Verstand) für eine niedrigere (emotionale Bedürfnisse) opfert. Das tun die bloß instinktiven oder emotionalen Mitläufer nicht. Sie verraten den Verstand insofern weniger, als dass sie gar nicht denken oder sich intellektuell verführen lassen.

Verharren im primitiven Stammesdenken

Eines der offensichtlichsten Symptome dieser Entwicklungs-Retardierung ist die Tatsache, dass Menschen im Stammesdenken verharren und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe als Maßstab nicht nur für jegliche Staats- und Organisationsform nehmen, sondern sogar als Fundament für Ideologien, Moralüberzeugungen und alles, was mit Erkenntnis zu tun hat. Wie für Kinder ist es für sie selbstverständlich (d.h. nicht hinterfragbar), dass die stärkste bzw. mächtigste Gruppe entscheidet, was für alle am besten, richtig, gut, moralisch, wahr und „wissenschaftlich korrekt“ ist. Die Folge davon ist, dass das Individuum nichts bedeutet, die Gruppe jedoch alles. Also muss man zusehen, dass man sich der stärksten Gruppe anschließt und sich daran beteiligt, alle anderen Gruppen zu beherrschen. Es bedeutet in der Folge auch, dass das Denken nichts zählt, denn denken kann nur der Einzelne, kann immer nur ein Hirn. Es bedeutet, dass jeder Maßstab für richtig und falsch immer von der Gruppe und innerhalb der Gruppe vom Anführer vorgegeben wird.

Wer ist der Anführer? Der, der die meisten Menschen kontrollieren und leiten, also unterwerfen kann. Also der Mächtigste. Das ist der Grund, warum die gesamte Welt, sprich alle Institutionen und sozialen Strukturen unserer Zeit, dem Macht-Prinzip unterworfen ist und die Vernunft nichts zählt.

Selbstdenkende Menschen kann man nur mit physischer Gewalt zwingen. Wenn man es jedoch schafft, Menschen schon auf frühen und immer früheren Stufen ihrer Entwicklung zu hemmen und zu stoppen, dann braucht man immer weniger grobe Gewalt, sondern schließlich nur noch die Technologie und institutionelle Macht, Menschen dumm, desorientiert und abhängig, also unmündig zu halten. Ein Horde hilfloser psychischer Kleinkinder – egal welchen Alters – ist sehr leicht zu kontrollieren und zu lenken. Ein solche hilflose Horde kann natürlich keine Kultur und keine Zivilisation aufrecht erhalten. Wenn die psychisch Erwachsenen wegfallen, sind jene Kinder der Welt, ganz besonders der modernen technologischen Welt, dermaßen unfähig ausgeliefert, dass sie innerhalb von Tagen schlichtweg sterben würden.

Ein bekannteres Beispiel dazu als Beleg: die Tage des Woodstock-Festivals 1969, auf dem sich lauter geistige Kinder trafen und innerhalb weniger Tage im Elend von Hunger, Unterkühlung, Krankheit, Verletzungen, Drogenmissbrauch und schlimmsten hygienischen Zuständen wörtlich versumpften. Dieser reale Teil der Geschichte wird jedoch von den träumerischen Kindern selbst und von den Medien mit ihrer eigenen Agenda der Kulturzerstörung nicht berichtet und reflektiert. Sie loben und preisen das menschliche Fiasko als irgendeine Errungenschaft einer nicht näher definierten Freiheit, Selbstbestimmung oder Revolte. Das System hat keine Probleme, von der Versammlung ungefährlicher, weil desorientierter Spinner zu schwärmen, während es die eigentlichen Revolutionäre – jene Menschen, die kompetent denken können – verschweigt oder diskreditiert.

Wir können und müssen lernen, die Prinzipien der anti-rationalen Herrschaft und sozialen Organisation zu durchschauen. Im Folgenden will ich dafür drei zentrale Aspekte dieser alten zu überwindenden (Denk-) Strukturen verdeutlichen:

  1. den Pseudo-Konflikt zwischen Individuum und Kollektiv,
  2. das grundlegende Täuschungsmanöver aller kollektivistischen Ideologien und
  3. das anti-rationale Getriebe aus Angst und Neid.

Der Pseudo-Konflikt zwischen Individuum und Kollektiv

Wir kommen nun zu einem fundamentalen Widerspruch innerhalb des modernen Zeitgeistes, in dem wir auch den Grund dafür finden werden, warum die Welt bis heute – bis auf ein paar sehr kurze und aufschlussreiche Ausnahmen im 19. Jahrhundert – überwiegend in Diktaturen organisiert war.

Der moderne Mensch hat gelernt, die Idee des Individuums und der Individualität hoch zu halten und als hohen Wert zu sehen. Ein tatsächlich für sich stehendes Individuum aber kann man nur werden, indem man eigenständiges Denken und damit die einzig mögliche Basis für Selbständigkeit entwickelt.

Und hier liegt auch schon der Widerspruch: wie kann es sein, dass sich Menschen, die zumindest vorgeblich an die Idee des Individualismus glauben, sich brav und gehorsam Herrschaftssystemen unterordnen, die sie nicht nur wie unmündige Kinder, sondern tatsächlich wie rechtlose Sklaven behandeln? Die Antwort ist so einfach wie beschämend: indem man es sie nicht bemerken lässt. Also indem man sie davon abhält, über sich selbst und die eigenen Potenziale nachzudenken.

Das ist die Funktion all jener kollektivistischen („linken“) Ideologien und Systeme, die uns stets als besonders menschengerecht und besonders moralisch verkauft werden: dass wir nicht selbständig Begriffe und mentale Fähigkeiten entwickeln, die uns erkennen lassen würden, wie sehr unsere „großartigen“ und „idealen“ Staatssysteme gegen Individualität und gegen jedes verständige Denken gerichtet sind. Denn nur so können sich diese Machtsysteme, in denen irgendeine Gang diktatorisch herrscht, sich erhalten: indem sie die Menschen soweit hypnotisieren, dass sie glauben, sie würden denken oder Bescheid wissen, während sie in Wirklichkeit nur Schablonen übernehmen und ausgewählte Informationen schlucken. Ein Mensch, der glaubt, er würde denken, wird sich niemals bemühen, tatsächlich nachzudenken – z.B. über seinen Glauben. Ein Mensch, der davon überzeugt ist, Bescheid zu wissen, wird niemals eine Anstrengung unternehmen, sich tatsächliches Wissen und Verstehen anzueignen – umso weniger, wenn dies im System verpönt ist und geächtet wird.

Und diese eine Ideologie, die die Menschen als Glaubenssystem ohne Eigenreflexion verinnerlichen mussten ist die des Kollektivismus. Jedes kollektivistische Gedankengebäude, sei es Sozialismus, Faschismus, Kommunismus oder irgendeine Mischvariante mit sozialistischen Kompromiss-Elementen, hat nur einen Zweck und wird nur aus einem Grunde mit allen Mitteln und Tricks in den Köpfen der Menschen aufrecht erhalten: um die Tatsache einer Diktatur zu verschleiern.

Jeder Kollektivismus ist ein intellektuelles Paradoxon, das rational nicht zu verstehen, sondern nur zu durchschauen ist. Dieses Paradoxon soll die Menschen intellektuell lähmen, indem man sie daran hindert es zu durchschauen, so dass sie kapitulieren und resignieren. So bringt man sie dazu, irrational und damit unmündig zu werden. Oder anders ausgedrückt, damit es nicht zu einseitig nur nach einem Coup von irgendwelchen Super-Ganoven klingt: mit so einem verwirrenden Paradoxon kann man es sich in der Unmündigkeit und der kindlichen Irrationalität bequem machen und sich als passives Opfer gerieren.

Was nun ist dieses Paradoxon? Es besteht bei allen kollektivistischen Ideologien darin, dass sie dem Einzelnen versprechen, dass er für sich den größten Vorteil davon hat, auf jeglichen eigenen Vorteil zu verzichten; dass das Individuum am meisten davon profitiert, seine Individualität aufzugeben. Das ist die Kernbotschaft aller kollektivistischen Luftschlösser, die natürlich niemals ausgesprochen und erkannt werden darf. Deshalb der emotionale und wortreiche Propagandaaufwand, der stets nötig ist, um die Menschen in eine Diktatur unter dem Vorwand der Kollektiv-Fürsorge zu verführen. Um dieser Botschaft zu folgen, wenn sie ausgesprochen ist, müsste man wahnsinnig oder schwachsinnig sein.

Die praktische Lösung des Paradoxons sieht natürlich immer gleich aus: du verzichtest natürlich auf Individualität, eigenständiges Denken und jeglichen eigenen Nutzen und hast dadurch für dich überhaupt keinen Vorteil. Das gilt für alle Teilnehmer des kollektivistischen Systems außer der Führungsbande, die sich und nur für sich alle Vorteile sichert. Dass „das Kollektiv“ dann nur noch aus Benachteiligten und Ausgenutzten besteht – ausgenommen jene wenigen korrupten, betrügerischen Schmarotzer an seiner Spitze – muss natürlich immer verdeckt bleiben. Das geht irgendwann nur noch mit roher Gewalt und Unterdrückung.

Das tatsächliche Ziel jeder kollektivistischen Ideologie ist die Aufgabe und Vernichtung des Individuums. Und zwar zugunsten von was? Angeblich zugunsten eines abstrakten „Kollektivs“, von dem zwar jeder Teil ist, das aber seltsamerweise gleichzeitig keine Rücksicht auf den Einzelnen nimmt. Der Kern jeder kollektivistischen Ideologie ist Rücksichtslosigkeit.

Psychiatrisch gesehen ist das die Haupteigenschaft von Psychopathen. Die psychologische Sicht auf Ideologien erlaubt uns also festzustellen, dass die kollektivistische Idee in ihrem Grundzug psychopathisch ist. Sie ist krank und unmenschlich. Es ist unmöglich, sich mental auf solche Ideologien einzulassen, ohne nicht immer mehr beeinflusst zu werden von dieser psychopathischen Haltung der Rücksichtlosigkeit und Menschenfeindlichkeit.

Zunächst führt der oben erläuterte innere Widerspruch, wenn man ihn nicht durchschaut, zu immer mehr intellektueller Unredlichkeit und Verwerfung. In der nächsten Wirkungsstufe führt der Versuch, solche immanent widersprüchlichen Ideologien umzusetzen, zu emotionaler Abstumpfung und schließlich zu einem asozialen Charakter, der in seiner Menschenfeindlichkeit natürlich in letzter Konsequenz selbstzerstörerisch ist. Die ideologische Rücksichtslosigkeit, die sinnigerweise als „links“ bezeichnet wird, weil sie intellektuell und moralisch vollkommen „link“ ist und weder natürlich noch ethisch richtig (rechtens), noch aufrichtig und gerecht, führt ja nicht nur zur Rücksichtslosigkeit gegenüber jedem anderen, sondern auch gegenüber sich selbst.

Auch dem Diktator, der an der Spitze jedes realen schein-kollektivistischen Systems stehen muss, um es trotz all seiner Widersprüche und Lügen eisern zusammen zu klammern, geht es nicht besser als seinen Unterworfenen: er steht unter dem permanenten Zwang, der Manipulierendste, Betrügerischste, Gewalttätigste und Rücksichtsloseste, also der Böseste von allen, sein zu müssen. Sonst würde er morgen schon alle seine Macht an einen ruchloseren Anderen verlieren. An der Spitze eines Zwangssystems ist der Zwang am größten und die geistige Freiheit am geringsten.

Wenn wir das durchschauen und die Quelle allen durch kollektivistische Ideologien hervorgerufenen Leids in ihrer Menschenfeindlichkeit erkennen können, dann werden wir nie wieder auf sozialistische Propaganda und Verwirrungstaktiken hereinfallen.

Das große Täuschungsmanöver aller Kollektivismen

Die Haupteigenschaft aller kollektivistischen Ideen ist die Verschleierung ihres realen Gesichts vor dem analytischen Verstand kombiniert mit ihrer umwerbenden Ansprache der niederen, vor allem der irrationalen Impulse im Menschen. Da sie logisch voller Widersprüche und empirisch unmöglich sind, sind sie darauf angewiesen, „irgendwie gut zu klingen“, sich mit emotional positiven Assoziationen und Konnotationen zu umgeben und vor allem eine Menge reißerischer Versprechen zu machen ohne zu sagen, wie sie diese erreichen wollen und zu welchem Preis; vor allem nicht zu erkennen zu geben, wem das dienen soll.

Auf ihre Grundaussagen reduziert klingen sie tatsächlich meist so, als würde man Kindern eine Märchenwelt versprechen: „Alle Menschen sind gleich“ (was bitte soll das heißen?), „Jeder bekommt alles, was er braucht“, „Für jeden wird gesorgt“, „Du musst dich nicht anstrengen, weil alle das gleiche bekommen“ und „Die Gemeinschaft/der Staat – (wer genau?) – kümmert sich um alle und alles, du musst es nur zulassen!“ Diese zuckersüße Pampe mit ihrem infantilen Bewusstseinshorizont ist auch schon alles Anlockende, was diese Ideologien anbieten können.

Das Lieblingsschlagwort und im Grunde das intellektuelle Herzstück dieser Ideologien ist „das Ganze“ oder „die Gesamtheit“, welche auch als „die Gemeinschaft“, „das Kollektiv“ oder „der Staat“ den höchsten Wert darstellen sollen. Was nie gesagt und sogar immer aufwendiger ausgeblendet werden muss ist die Antwort auf die Frage: Wer ist oder repräsentiert die Gesamtheit? Die korrekte Antwort wäre: alle Einzelnen zusammen. Aber das ist nicht realisierbar und auch gar nicht im Interesse der Kollektivisten. Ihnen geht es im Kern immer nur um eines: Macht. Und sie sind überzeugt, dass sie diese nur durch Täuschung und Gewalt bekommen. Diese irrationale Gewalt, die sie brauchen, um ihr irrationales Machtsystem aufzubauen, können sie auch in Form von gelenkten Menschenmassen erzeugen, die sie nur stark genug emotional agitieren und mental vernebeln müssen.

Die intellektuelle Bruchstelle und die Wurzel des ganzen Übels liegen darin, dass aus einem Abstraktum, nämlich „dem Ganzen“, etwas ganz Konkretes abgeleitet wird, ohne dabei die korrekte Definition des Abstrakten zu berücksichtigen. Die korrekte konkretisierende Definition von „das Ganze“ ist: die Summe aller zugehörigen Einzelnen. Wenn also z.B. „der Staat die Kontrolle über alle Unternehmen haben soll“, dann bedeutet dies theoretisch korrekt übersetzt: „jeder Einzelne soll eine Kontrolle über alle Unternehmen haben“. Und genau diese Suggestion soll auch vage in den Köpfen der Menschen hängen bleiben, denn dann kann jeder glauben, er hätte (anteilig) Kontrolle über alles. Da dies aber weder zweckmäßig noch realisierbar ist, wird still und heimlich „der Staat“ (oder was auch immer der ideologisch favorisierte Begriff für die abstrakte Gesamtheit ist) umdefiniert in „diejenigen, die die Kontrolle haben.“

Logisch betrachtet liegt darin ein Zirkelschluss und somit eine Nicht-Definition: (A) Wer soll die Kontrolle haben? – Der Staat. (B) Wer oder was ist der Staat? – die, die (real) die Kontrolle haben. Realpolitisch betrachtet handelt es sich um ein Täuschungsmanöver: denn nicht mehr der Staat (alle) hat dann die Kontrolle, sondern jemand oder eine Gruppe, die den Staat repräsentieren. Wer legitimiert sie? Erfahrungsgemäß sie sich selbst.

Diese schlampige Argumentation und ihre intellektuellen Taschenspielertricks müssen erstmal erkannt werden unter all dem wohlklingenden Marketing und dem emotionalen Ablenkungsaufwand, der für solche falschen Ideologien natürlich immer betrieben werden muss, weil sie sonst von jedem Grundschulkind sofort durchschaut und abgelehnt würden. Ansonsten hat man den Verwirrungstrick verpasst, mit dem sich Räuberbanden und Mafia-Netze immer wieder die Macht ergaunern. Sie behaupten, sie seien „der Staat“ oder repräsentierten ihn. Alles Drumherum liefern diverse verschwurbelte kollektivistische Ideen und Theorien, deren Begründungen sich bei genauem Hinsehen als intellektuelle Augenwischerei entpuppen und in Luft auflösen.

Das Gute ist, dass wir daran erkennen können, dass man heutzutage schon eine Menge theoretischen und intellektuellen Aufwand betreiben muss, um den modernen Menschen noch in der Versklavung von mafiösen Banden zu halten. Früher brauchte es dafür bloß einen energischen Fürsten und ein paar eloquente Dorfpfarrer und Schreiberlinge. Heute muss man ein hochkomplexes Rechts- und Politik-System aufbauen, um die Menschen verwirrt und gelähmt zu halten. Und je komplexer ideenbasierte Systeme sind, desto fragiler sind sie auch.

Wir können zusammenfassen: jeglicher Kollektivismus ist eine Gedankensammlung zur Verschleierung des Strebens nach Macht ohne Verdienst, und zwar interessanterweise zur Verschleierung des Strebens nach beiden Seiten dieses Machtverhältnisses. Nicht nur diejenigen propagieren kollektivistische Ideen, die sich heimlich einen schnellen und leichten Machtzuwachs versprechen. Der große Vorschub wird diesen menschenfeindlichen Systemen geleistet von all jenen Anhängern und Mitläufern, die sich dadurch erhoffen, geführt, gelenkt und versorgt, sprich: entmachtet zu werden, weil sie sich danach sehnen, existenziell entlastet zu werden.

Darin liegt die psychologische Hauptkraft, die Menschen wie Lemminge dazu treibt, sich wunschtrunken in den Abgrund dieser Vernichtungssysteme zu werfen. Sie fallen auf das wahnsinnige und irreale Versprechen hinein, ohne Verantwortung, ohne Entwicklung und ohne Anstrengung ein besseres Leben zu bekommen. Man könnte sagen, es liege an einem Mangel an Aufklärung. Aber es ist mehr als das. Es ist ein Mangel an Integrität und geistiger Reife. Diese Menschen lassen sich von Wunschbildern verleiten, die ihre kindlichen Bedürfnisse und den kindlichen Bewusstseinszustand der Abhängigkeit und Unselbständigkeit ansprechen. Sie fallen auf die Illusion herein, dass sie sich einfach rückwärts fallen lassen könnten und dass alles gut wird, wenn sie sich dabei nur fest genug die Augen zuhalten und die Realität durch Fantasiebilder verdrängen. Sie kaufen sich eine Entlastung und kennen den Preis nicht – fragen auch nicht danach, spüren vielleicht, dass ihnen bereits die Ahnung um den Preis Angst macht. Und zurecht! Denn der Preis ist eine Ungeheuerlichkeit ohne gleichen: sie müssen ihr Menschsein und ihre menschliche Würde aufgeben. Sie müssen alles aufgeben, was sie zu einem selbständigen, denkenden, und freien Individuum machen würde. Wenn das kein Teufelspakt ist, was ist es dann?

Wenn ein Mensch behauptet, er würde sich von tödlichen Viren bedroht fühlen, die „unsichtbar überall in der Luft“ seien, ohne dass er dafür auch nur den geringsten empirischen Beleg erbringen kann, dann wird er als paranoid und psychisch gestört betrachtet. Was aber, wenn 90% einer Bevölkerungsgruppe das glauben ohne einen Beleg geben zu können und Belege und wissenschaftliche Argumente sogar ablehnen? Dann werden die restlichen 10% offiziell für psychisch gestört erklärt und die Masse der Menschen meldet sich bei der Realität ab. Die Kosten dafür sind mittelfristig nicht geringer als sukzessive Selbstvernichtung.

Einer kollektivistischen Idee zu folgen oder sie versuchen aktiv umzusetzen, führt immer zu einer tiefgreifenden Selbstverleugnung bis hin zur Selbstvernichtung: man muss den begrifflichen und logischen Fehler begehen, dass das Kollektiv und das Individuum gegeneinander ständen und man sich für eines von beiden (nämlich das Kollektiv) und gegen das andere (nämlich das Individuum) entscheiden könne. Das Resultat dieses groben Denkfehlers ist, wie die Geschichte der letzten 150 Jahre auf die schrecklichste Weise empirisch belegt hat, dass man beides zerstört: ein Kollektiv ohne Individuen kann es gar nicht geben. Sie werden schlichtweg beide gleichzeitig zugrunde gerichtet in einem gewaltbereiten und deshalb blutigen Kampf für einen irrealen, falschen Gedanken.

So mancher mag an dieser Stelle einwenden, dass doch heute niemand mehr ernsthaft kollektivistischen Staatsideologien nacheifert. Das ist richtig. Den Diskurs über solche politischen Grundprämissen haben wir seit den 80er-Jahren hinter uns. Heute sind wir schon zwei Schritte weiter in der Degeneration der geistigen Kultur. Heute wird über grundsätzliche Fragen der Politik oder der Gemeinschaftsorganisation bis auf ein paar kleine Grüppchen von Aussteigern überhaupt nicht mehr gesprochen. Die Menschen können den Bezug zwischen Ideen und Handlungen oder Systemen gar nicht mehr sehen.

Auf den öffentlichen Bühnen geht es nur noch darum, von jeglichem Zusammenhang zwischen Werten, Prämissen und Ideen abzulenken und jeglichen Bezug zwischen abstrakten Begriffen und realen Gegebenheiten zu vertuschen und zu vernichten. Die Medienkultur hat, angefangen mit der Werbebranche, entdeckt, dass man aus Worten Nebelwände und Ablenkungsreize machen kann. Und das medien-konsumierende Publikum hat entdeckt, dass es eine große, lang ersehnte intellektuelle Entlastung erlebt, wenn es sich nicht mehr mit Gedanken und Zusammenhängen beschäftigen muss, sondern nur noch mit Bildern und Worten als Signale für momentane Erlebnisse und emotionale Gruppenreaktionen. Der inhaltliche Bedeutungshorizont geht dabei nicht über die jeweilige Sendezeit hinaus und man kann danach mit einem angenehmen Gefühl der Leere und der Befreiung von Sinn und Relevanz alle Sorgen vergessen.

Es ist also richtig: heute interessiert sich niemand mehr für ideologische Gedankengänge. Nicht einmal diese Grundschul-Stufe der Entwicklung erreichen wir kulturell heute noch, sondern bleiben auf der Stufe von Drei- bis Fünfjährigen stehen, die nur etwas erleben und etwas machen wollen. Diese Formen der Integrations- und Denkunfähigkeit werden gerne als „Pragmatismus“ oder „politischer Aktivismus“ bezeichnet, um den Anschein zu vermitteln, es handele sich dabei doch noch um eine spezifische, irgendwie kohärente philosophische Haltung. Das beweist zumindest, dass ein Rest an Bewusstsein (und Schamgefühl) durchaus existiert darüber, dass menschliches Verhalten eigentlich auf Denken und Verstehen beruhen sollte, nicht auf Reiz-Reaktions-Mechanismen.

Das Ergebnis ist, dass Menschen die Systeme, in denen sie leben und denen sie sich unterwerfen (müssen!), nicht mehr verstehen können. Die Erkenntnis dieser Tatsache würde massive Angst und Panik auslösen. Das tut sie jedoch nicht – bis auf die noch zählbaren Einzelfälle von „Aufwachenden“. Warum nicht? Weil die gesamte Medienlandschaft und alle Politikdarstellung die Funktion der Ablenkung und Betäubung erfolgreich übernommen haben. Was den Menschen als Politik vorgespielt wird, hat mit den tatsächlichen Entscheidungsprozessen nichts zu tun – außer insofern, dass es sie unsichtbar machen soll. Auch das Personal, das uns als Akteure auf obersten Entscheidungsebenen präsentiert wird, sind nur Angestellte und Marionetten der wirklichen Entscheidungsträger, von denen wir nichts wissen und nichts erfahren. Jeder, der die Machtstrukturen hinter den offiziellen Narrativen untersucht, wird das schnell verifizieren können.

Die zentrale Aufgabe dieses riesigen und komplexen Theaterspiels ist es, die Tatsachen, insbesondere die Tatsachen der Machtverhältnisse und Machtverteilung, zu verbergen. Eine der besten Belege dafür, dass es funktioniert, ist der reflexartige Ausruf: „Das ist doch bloß eine Verschwörungstheorie! Das kann doch gar nicht sein. Wenn das stimmen würde, dann würden wir das doch erfahren!“ usw.

Seit wann sind Theorien etwas, das man am besten ungeprüft ablehnt – nur weil es Theorien sind? Die Antwort lautet: seit der Verstand und das kritische Denken mittels jahrzehntelangem Marketing erfolgreich als Verirrung ins Irreale dargestellt werden. Theorie heißt Denken und Denken heißt für den postmodernen Medienkonsumenten: irrealen Unsinn betreiben. Die affektive Ablehnung bezieht sich nicht auf das Wort „Verschwörung“ – dieses Wort soll nur lächerlich und marginalisierend klingen – sondern gegen das Wort „Theorie“. Weil es eine Theorie ist, ist es Unsinn. Menschen, die emotional so sehr auf Denk- und Verstandes-Feindlichkeit dressiert wurden, können ihre Rettung nur in irgendeiner Kirche suchen: sie müssen von irgendwelchen machtvollen Autoritäten gesagt bekommen, was sie glauben sollen und was nicht. Theorien sind in der Kirche der emotionalen Fixierung eine Ketzerei.

Was in der Kirche der „gefühlsmäßigen Wahrheiten“ und des „intuitiven Wissens“ nicht stattfinden darf, ist kritisches Denken und Reflektieren über offensichtliche, nachprüfbare Tatsachen. Der schwerwiegende Grund für diese verfahrene Situation ist jedoch nicht, dass es ganz oben einige böse und hoch raffinierte Ganoven gibt, die uns alle täuschen. Der Grund dafür, dass es funktioniert, ist, dass die Masse der Menschheit getäuscht werden will.

Man kann die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen beschreiben als die Entwicklung von völliger Abhängigkeit von anderen zu vollständiger Selbständigkeit. Das Maß an Selbständigkeit ist damit auch das Maß für Erwachsensein. Selbständigkeit ist nur durch Denken möglich und Denken ist nur eigenständig möglich. Entweder man denkt selbst oder man denkt gar nicht. An dieser offensichtlichen entwicklungspsychologischen Tatsache gemessen sind alle Theorien oder Programme, die die Selbständigkeit im Denken von Menschen ganz oder teilweise leugnen, reduzieren oder verhindern, Versuche, den Menschen im Stadium eines Kindes zu halten, also ihn zu infantilisieren.

Jede kollektivistische Ideologie ist psychologisch betrachtet im Kern Infantilismus und beruht auf der widernatürlichen Sehnsucht, von der Anforderung, sich zu entwickeln und erwachsen zu werden, befreit zu werden.

Wir hören diesen Wunsch nach Befreiung von den Anforderungen des Denkens und Erwachsenseins in den sehnsuchtsvoll verklärten Worthülsen von „Harmonie“, „Friede“, „Liebe“, „Einheit“, „Gemeinschaftlichkeit“, „Zusammenhalt“, „Glaube“, „Loslassen“…, die immer dann vehement und im Brustton moralischer Überlegenheit eingefordert werden, wenn Menschen sich von der Welt wie sie ist – besonders natürlich ihrer sozialen Umwelt – überfordert fühlen. Da sie den Ausweg über mentales Wachstum durch Herausforderungen nicht kennen (Progression), bleibt ihnen nur der irrationale Wunsch und die verzweifelte, weil unerfüllbare Forderung nach einer Welt, die sie doch bitte wie Kinder oder wie Tiere sein lässt und bitte nicht fordert (Regression). Sie kämpfen darum, nicht erwachsen und vollständiger Mensch sein zu müssen.

Deshalb ist es auch keine Lösung, die Ganoven an den Spitzen von Institutionen zu beseitigen oder den Menschen einfach die Tatsachen zu präsentieren. Man muss sich auch und vor allen Dingen mit dem Problem beschäftigen, dass die Menschen aktiv dagegen kämpfen, zu sehen, zu denken und zu verstehen. Das ist ein tief emotional und instinktiv verankerter Selbstschutz. Die Lösung dafür kann nur darin bestehen, ihnen zunächst eine Alternative des Schutzes anzubieten, so dass sie die Aufforderung zum Denken und Verstehen nicht in den Abgrund der Desorientierung, Verzweiflung und Hilflosigkeit stürzt. Menschen sind nur bereit, sich auf neue Erkenntnisse einzulassen, wenn sie sich damit sicher fühlen, wenn sie nicht das Gefühl haben, dadurch den Boden unter den Füßen oder gar ihre Identität zu verlieren. Also müssen sie erst einen anderen Boden und eine andere Identität als die bisherige bekommen, bevor sie sich auf die gedankliche Integration von Tatsachen einlassen können.

Wenn wir dann von innen, innerhalb dieses Systems nach oben schauen, in Richtung der Entscheidungs-Etagen und -positionen, sehen wir in den untersten Etagen massive Überforderung und Selbstaufopferung, in den nach oben hin folgenden Ebenen dann jedoch etwas anderes: zunehmende Inkompetenz und Korrumpiertheit. Das ist bemerkenswert. Wie kann ein System überhaupt – und vor allem so lange, immerhin sprechen wir von mindestens 75 Jahren – funktionieren, wenn es auf einer Hierarchie der Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit aufbaut?

Die Antwort lautet genau so wie für alle bisherigen politischen Systeme: durch Angst, Gewalt und Verschleierung. Die „Spitze“, die uns gezeigt wird, ist nicht die tatsächliche Spitze der Pyramide. Diese ragt mit mehreren Etagen über die Wolkendecke hinaus, die uns als oberstes Stockwerk verkauft wird. Und während die Mitläufer und Darsteller, die uns als Führungspersonen präsentiert werden, tatsächlich unfähig und korrupt sein müssen, um nach der Pfeife der steuernden Banden und Mafianetzwerke zu tanzen, müssen deren Puppenspieler sowohl kaltblütiger als auch strategisch brillanter sein. Ganz oben finden wir eine große spezifische Kompetenz des Betrügens, Manipulierens und Kontrollierens.

Das sind die Eigenschaften, die unser System mit seiner falschen „Demokratie“ und „Sozialstaat“-Simulation mit eiserner Klammer zusammen- und aufrechtgehalten haben. Die System-Gebote für den einfachen Gefangenen lauteten: nicht sehen, nicht hinterfragen, nicht verstehen, nicht ausscheren. Als Belohnung für die Erfüllung dieser Gebote konnte man sich durch materielle Betäubung und eine umfangreiche soziale und mediale Bestätigung bequemer Selbstgefälligkeiten von jeglichem schlechten Gewissen „befreien“ lassen.

Aus dieser alles umfassenden psychischen Abrichtung ergab sich der allgemeine psychische Zustand der Deutschen im offenkundigen Niedergangs-Jahr 2020.

Das ideologische Getriebe aus Angst und Neid

Natürlich braucht es mehr als nur eine sterile Ideologie und utopische Theorien, um Menschen dazu zu bringen, sich einer Diktatur nicht nur zu unterwerfen, sondern sie überzeugt mitzumachen. Es braucht eine Motivation. Und die Motivation, besser gesagt: die emotionale Energetisierung in allen modernen Staatskonstrukten speist sich aus Angst oder Neid. Meistens aus beidem zusammen, was sich dann steigern kann zu Hass.

Menschen, die chronisch in einem Zustand der Angst leben, sind leicht zu lenken und zu kontrollieren, denn sie suchen nichts so sehr wie Sicherheit und Beruhigung. Darüber hinaus haben sie keine Kapazität. Sie sind und verhalten sich wie verängstigte Kleinkinder, die keine Möglichkeit haben, die Situation, in der sie sich befinden zu reflektieren, geschweige denn einen anderen Ausweg zu suchen als Anpassung und Unterwerfung in der Hoffnung, dann von den Mächtigen beschützt und geführt zu werden. Der Alltagsbegriff für diesen Zustand ist „Stress“.

Die sicherste Art und Weise, Menschen in chronischer Angst zu halten ist, sie daran zu hindern, sich mental zu orientieren. Man muss sie daran hindern, die Realität um sie herum zu verstehen. Die Angst vor oder durch Desorientierung ist die tiefste psychische Angst im Menschen, weil Desorientierung die zwei tiefsten Grundbedürfnisse des Menschen untergräbt: Integrität und Kontakt. Wenn ich nicht feststellen kann, wo und wie ich mich befinde, kann ich kein Identitätsgefühl, kein kohärentes Ich-Gefühl aufbauen und in Folge davon auch keinen sinnvollen, konstruktiven Kontakt mit irgendwem oder irgendetwas finden. Zur Veranschaulichung dieses Zustands könnte man das Phänomen der Psychose studieren.

Was so viele Menschen jedoch noch mehr dazu antreibt, sich auf sozialistische und kollektivistische Unterdrückungsmechanismen einzulassen, ist der tiefsitzende Neid auf alle Leistungsstärkeren, Erfolgreicheren, Klügeren oder Produktiveren. Das Gefühl von Neid für sich allein kann zu Anstrengungen und Erfolgen anspornen, solange die Selbstachtung und das Gefühl für die eigene Integrität noch stärker sind. Dann kann aus Eifersucht Eifer werden. Wenn sich Neid jedoch mit Minderwertigkeitskomplexen paart, dann kann die Unterdrückung der eigenen Frustration und der Geringschätzung von sich selbst dazu führen, dass der Neid sich zusammenzieht zu Bitterkeit, giftig wird durch Missgunst gegen andere und schließlich versteinert zu Hass auf alles Überlegene und Bessere.

Es sind dieser kristallisierte Neid-Hass und die Angst, in der eigenen Minderwertigkeitsüberzeugung entlarvt und bestätigt zu werden, die so viele Menschen dazu verführen, sich lieber mit Macht durch Gewalt als mit einer Macht aus Kompetenz und Integrität zu verbünden. Denn dies ist, was alle kollektivistischen Ideologien unter ihrem Deckmantel der „Fürsorge für das Kollektiv“ oder ihrer eigenartigen „Humanität“ versprechen und was sie so besonders attraktiv für alle Minderwertigkeits-Neurotiker macht: die Rechtfertigung einer Macht, die sich nicht beweisen oder bewähren muss, die nichts leisten oder können muss und die die Leistungsstärkeren und Produktiveren beschneiden oder sogar vernichten will. Das dies dann auch real umgesetzt wird, haben alle sozialistischen Experimente der Vergangenheit ausreichend bewiesen.

In unseren Landen haben sich diese neidgeprägten Kollektivismus-Ideen ins Gewand der „Demokratie“ und der Viel-Parteien-Politik gekleidet und werden bis heute von der Bevölkerung als das Höchstmögliche akzeptiert. Nicht weil es das Höchstmögliche ist, sondern weil die meisten Menschen es nicht durchschauen, weil sie Angst davor haben, ihre Ohnmacht und Unwissenheit zu erkennen und weil sie die intellektuelle Rechtfertigung bequem finden.

Das Konzept vom Kollektiv wurde in der „Sozialdemokratie“ verwässert und aufgeteilt in die Idee der bestimmenden „Mehrheit“ und der hilfsbedürftigen Minderheit. Das irre Paradox wird schnell offensichtlich: die Mehrheit soll bestimmen, wo es für alle langgeht, aber gleichzeitig sollen alle Minderheiten ebenfalls bestimmen, was gemacht werden darf oder muss. In Wirklichkeit darf nämlich niemand mitbestimmen, wie es sich in einer ordentlichen Diktatur auf dem Niveau von Stammesdenken ja auch gehört. Der Mehrheit sagt man, dass sie nicht zum Zuge kommt, weil man ja primär die Minderheiten versorgen müsse. Und die Minderheiten vertröstet man damit, dass sie eben nun mal von der Mehrheit überstimmt wurden. Einfluss nehmen kann man nur, wenn man sich in der vorgegebenen Hierarchie der Gruppenherrschaft langsam hoch arbeitet, wofür man jede Lüge und Schweinerei, die von der führenden Bande an der Spitze gefordert wird, mitmachen muss. Je korrupter und skrupelloser, desto mehr Macht kann man erlangen. Wir finden dies alles in unserer bisherigen „BRD“-Staatssimulation genau so vor wie in jedem anderen sozialistischen System. Weil sie ein sozialistisches System ist (war).

Das Lügensystem mit seinen schönklingenden Selbstbeschreibungen abzuschaffen bedeutet aber auch, dass es keinen Deckel und keinen Mantel mehr für Angst, Neid, Unwissenheit, Ohnmacht, Überforderung und Tricksereien gibt. Deshalb ist es auch nicht so leicht und braucht Zeit, eine grundsätzlich andere, nicht-sozialistische Organisationsform für das Land zu finden. Nicht weil es organisatorisch schwierig ist, sondern weil es psychisch eine riesige Herausforderung und Selbstkonfrontation für die Menschen bedeutet. Und da wird es geben Heulen und Zähneklappern. Das bedeutet auch: es gibt für das neue System erstmal einen enormen Personalmangel für alle Verantwortungspositionen. Denn wer im kranken System oben war, ist per Definition im gesunden System nicht zu gebrauchen.

Und die Gesunden werden auch einige Zeit brauchen, um zu verstehen, dass sie sich nicht mehr umständlich vor Gewalt und Wahnsinn schützen und verstecken müssen, sondern plötzlich in ihren Stärken und Kompetenzen als Einzelne gefragt und gebraucht werden, was bis gestern noch ideologisches Generaltabu war.

An den fragenden Leser

Wir müssen beginnen, all dies zu durchschauen und uns für die umgekehrte Strömung zu interessieren. Das heißt, wir müssen wieder lernen und kulturell verankern, was es bedeutet, erwachsen zu werden, aus kindlicher Unmündigkeit und Abhängigkeit zu entwachsen und dafür die Entwicklung im Geistigen, d.h. vor allem im rationalen Denken zu suchen. Nur so können wir uns von der Notwendigkeit befreien, dass menschliche Gemeinschaften durch Machtstrukturen von oben nach unten bestimmt und bevormundet werden.

Die große Aufgabe, die der Menschheit jetzt bevorsteht, ist, Kultur und soziale Organisation auf der Basis von Verstand und Vernunft aufzubauen. Das ist ein solches Novum in der Menschheitsgeschichte, dass es für die meisten Menschen noch gar nicht vorstellbar ist.

Was können wir tun? Was kann der Einzelne dafür tun?

Die erste Fähigkeit, die wir in uns kultivieren sollten ist das Zweifeln. Die Fähigkeit, ernsthaft zu zweifeln markiert den Übergang von der Kindheit zur Pubertät und damit zum Erwachsenwerden. Zu zweifeln und skeptisch zu sein bedeutet nicht, misstrauisch, ablehnend oder pessimistisch zu sein – das sind emotionale Reaktionen, die vor Überforderung schützen sollen und meist auf Angst und schlechten Erfahrungen beruhen.

Der Zweifel erlaubt uns, uns mit Glaubenssätzen, Vorstellungen und Behauptungen auseinanderzusetzen und sie einstweilig in der Schwebe zu halten, d.h. weder weiterhin blind zu glauben noch sie ebenso blind zu verwerfen (und etwas anderes zu glauben). Skepsis, was aus dem Griechischen kommt und so viel bedeutet wie „Betrachtung, Überlegung, Untersuchung“, hilft uns, dass unser Intellekt mit seinen analytischen und logischen Fähigkeiten die Oberhand gewinnt und nicht von Emotionen beeinträchtigt, gehemmt oder verwirrt wird. Von dort aus können wir beginnen, Begriffe zu überprüfen, indem wir nach ihren Definitionen und ihren Bezügen zu konkreten Tatsachen fragen. Wer stark ideologisch geprägt ist, hat gelernt, Begriffe ohne Bezug zu Belegen und logischen Verknüpfungen, sozusagen frei im Raum schwebend zu akzeptieren. So kann er nicht zu Verständnis kommen, denn Verständnis beruht auf Verknüpfungen und Integration. Je mehr korrekte und je genauere Verknüpfungen wir zwischen Begriffen herstellen können, desto mehr verstehen wir. Das macht unseren Verstand aus.

Der Verstand ist der analytische, zerlegende Teil unseres Intellekts. Ihn müssen wir als erstes schulen, denn nur so können wir präzise und verwendbare Begriffe bilden. Ansonsten bleiben unsere Sprache und unser Denken diffus und uneffektiv. Nur wenn wir genau sind in der mentalen Repräsentation von Erfahrungen und Gesetzmäßigkeiten, können wir Gedanken und Ideen derart neu verknüpfen, dass wir daraus wirksame und funktionierende Ideen ableiten können. So wie ein Ingenieur die Gesetzmäßigkeiten der Physik oder Elektronik oder wie ein Programmierer die Funktionsweise des Computers exakt beherrschen muss, um eine funktionierende Erfindung zu realisieren.

Im Technischen haben wir dafür nach wie vor genug Experten. Wo uns diese Fähigkeit jedoch völlig fehlt ist im Sozialen, wofür wir sowohl ein rationales psychologisches Verständnis des menschlichen Wesens als auch ein begrifflich sauberes geisteswissenschaftliches Fundament brauchen. Dazu gehört das Werkzeug einer rationalen, d.h. realitätsverbundenen Philosophie und speziell die philosophischen Disziplinen der Erkenntnistheorie (wie funktioniert richtige Erkenntnis?), der Ethik, der politischen Grundsätze und der Ästhetik.

Die Fähigkeit zu zweifeln können wir nur dann konstruktiv nutzen, wenn wir außerdem die Fähigkeit entwickeln Fragen zu stellen. Kinder tun das von Natur aus, wenn ihr Intellekt erwacht, und Jugendliche in der Pubertät stellen philosophische Fragen nach geistig Grundsätzlichem wie dem Sinn des Lebens, der Bedeutung des Lebens, der Hierarchie von Werten und Zielen usw. Wir müssen also die offenen Fragen unserer Kindheit und Jugend wiederentdecken. Dafür müssen wir nicht in ein philosophisches Seminar gehen – das dürfte sogar kontraproduktiv sein.

Beim Fragenstellen dürfen wir dann nicht in die Falle tappen, sofort Antworten haben zu wollen. Diese Voreiligkeit, die zu Oberflächlichkeit und Unzufriedenheit führt, beruht auf der Tendenz, die Spannung der Frage loswerden zu wollen. Wir müssen lernen, diese intellektuelle Spannung auszuhalten, indem wir uns zentrale, wesentliche Fragen immer wieder vergegenwärtigen und sie als Fragen in uns stehen und wirken lassen. Sie werden uns dann wacher und aufmerksamer machen und dadurch werden wir – wie Rilke es so schön ausdrückte – eines Tages in die Antwort hineinwachsen.

Nur so werden wir innere Landkarten entwickeln, die wir brauchen, wenn wir auf gesunde Weise gestaltend eingreifen wollen. Und das ist unsere Aufgabe vor allem für die Neugestaltung der sozialen und kulturellen Organisation, denn beides liegt nur noch als Trümmer- und Aschehaufen vor uns.

Ich werde an dieser Stelle, an der ich den Verstand so viel höher einschätze und seine Entwicklung so viel dringender sehe, immer wieder gefragt, was denn mit dem Gefühl sei, mit dem „Herzen“ und der Intuition. Die meisten Menschen haben nämlich Verstand und Gefühl oder Kopf und Herz als polare oder sogar antagonistische Begriffspaare gelernt und vertreten außerdem die Meinung, dass „das Herz“ wichtiger oder klüger oder irgendwie besser sei als „der Kopf“. Die Annahme einer Polarität ist falsch. Gefühl und der analytische Intellekt können insofern als zwei gegensätzliche psychische Funktionen betrachtet werden, als dass Gefühl integrierend und der Intellekt zerlegend arbeiten. Je nach Kontext ist mal das eine oder mal das andere wertvoller oder angemessener. Aber der Verstand beruht auf der Integration der Wahrnehmung inklusive aller Emotionen und Gefühle mithilfe übergeordneter Begriffe und Landkarten. Der Verstand ist jene höhere Bewusstseins-Instanz in uns, die auch Gefühle benennen, unterscheiden und sauber zueinander in Bezug setzen kann.

Viele Menschen glauben, innere Gefühlsregungen seien die höchste menschliche Instanz, weil sie leider nie die Erfahrung gemacht oder sich bewusst gemacht haben, dass Gefühle erst dann bewusst und vollständig integriert sind, wenn wir sie begrifflich fassen können. Ansonsten bleiben sie bloß nebelartig verschwommene Färbungen unserer Wahrnehmung, die unserem Intellekt wie mystische, unberechenbare Rätsel vorkommen. Man kann diese Rätsel aufgrund fehlenden Begreifens dann zu Göttern stilisieren, aber dies ist keine Integration sondern nur die Mystifizierung einer inneren Spaltung. Solche Menschen müssen mit zwei oder mehr Ichs jonglieren: ein irgendwie geheimnisvoll fühlendes, aber begriffsloses Ich und ein Ich, das darüber spricht und Konzepte darüber hat. Da gibt es keine psychische Einheit. Einheit entsteht nur durch Integration und diese ist nur begrifflich, d.h. über den Verstand möglich.

Die nächste Stufe über den analytischen und begrifflich differenzierenden Verstand  hinaus ist die Vernunft. Vernunft ist die Kapazität, aus Begriffen wieder ein Gesamtbild, umfassende Landkarten und damit inneren Überblick und Umsicht herzustellen. Während der Verstand auf Analyse beruht, beruht die Vernunft auf der darauf aufbauenden Synthese. Aus der vernünftigen, d.h. logischen und umsichtigen Synthese heraus entwickeln sich unsere Urteilskraft, unsere Entscheidungskompetenzen und damit unsere Verantwortungsfähigkeiten. Diese beruhen auf einem umfassenden Selbstbewusstsein, Empathiefähigkeit und Weitsicht. Ohne den Verstand ist nichts davon möglich.

Wenn wir eine Herz-OP vor uns haben, dann werden wir auch nicht in erster Linie einen möglichst gefühlvollen, intuitiven, emotional spontanen Chirurgen haben wollen, der „immer ganz authentisch seinen Impulsen folgt“, sondern einen, der sich sehr genau mit dem Herzen und der Technik auskennt, gut planen, präzise wahrnehmen und auch kommunizieren und vor allem rationale Entscheidungen treffen kann. Es wird völlig unerheblich sein, ob er uns gern hat, ob er ein „großes Herz“ hat, ob er „voller Liebe“ oder „unbedingter Wertschätzung“ ist. Wir werden nur wollen, dass er so wissenschaftlich und exakt wie möglich und bei seiner Aufgabe so wenig emotional wie möglich ist. Das macht ihn kompetent. Das Gleiche gilt für jede andere Professionalität und je mehr Technologie oder Macht im Spiel ist, desto mehr hängt davon ab, dass der Verantwortliche rational, berechenbar und vernünftig ist und eben nicht emotional und launisch.

Die Suche nach Integrationskraft

Die meisten Menschen, die sich mit Pop-Psychologie oder irgendeiner „New-Age“-Ideologie beschäftigt haben, haben gelernt, ganzheitliche und komplexitätserfassende Wahrnehmung und Verarbeitung mit Fühlen gleichzusetzen. Diese vage begriffliche Assoziation findet man in vielen Schattierungen und Nuancen bei so gut wie allen modernen „Entwicklungsratgebern“, wobei sie selten genauer beleuchtet geschweige denn mit klaren Begriffsklärungen untermauert wird. Es ist, als solle dieser impressionistische Sprachgebrauch die implizite Annahme vermitteln, dass man sich und die Welt besser über das Fühlen als über das begriffliche Denken verstehen könne. So direkt aussprechen kann man das nicht, denn dann würde schnell offensichtlich werden, wie absurd es ist. Denn Fühlen ist überhaupt gar keine Basis für Verstehen. Verstehen ist ausschließlich begrifflich möglich. Man kann allerdings auf Verstehen verzichten und dann – ohne Verständnis wohlgemerkt – darauf bestehen, dass man „lieber nur fühlen will“.

Wenn wir die Grundidee des überlegenen Fühlens über den Verstand in logisch exakte Terminologie übersetzen, dann postuliert sie die durchaus bedenkenswerte Theorie, dass das Fühlen eine höhere Integrationsstufe, also eine umfassendere und komplexere kognitive Repräsentation ermöglicht als das Denken. Und dass deshalb das Fühlen ein ganzheitlicheres, d.h. zusammenhängenderes und umfassenderes Verstehen ermöglicht.

Das ist allerdings bereits falsch. Ebenso falsch ist dann auch die Schlussfolgerung, die daraus gezogen wird, wobei „Schlussfolgerung“ zu sehr den Eindruck einer logischen Ableitung erzeugt, wo tatsächlich nur Behauptungen lose assoziiert aneinandergereiht werden: nämlich die Aussage, dass man das Denken, also eine begrifflich-analytische Kompetenz, gar nicht bräuchte, und sogar aufgeben müsse, um die Welt im Zusammenhang zu verstehen und überhaupt Ganzheiten wahrzunehmen. Die hemdsärmelige Version davon ist: „Schalt mal deinen Kopf ab und komm ins Fühlen! (sonst verstehst du es nicht).“

In dieser meist wohlmeinend-pädagogisch vorgebrachten Empfehlung können wir ein konturloses Sammelsurium entdecken aus Cliché-Buddhismus, missverstandenem Zen-Buddhismus und jener neurotischen Lebenshaltung, die sich mal Existenzialismus nannte und heute nach Jahrzehnten psycho-soziologischer Experimente salopp „die 68er-Bewegung“ genannt wird. Dieser fragwürdige ideologische Eintopf hat es immerhin auch in diverse Therapieansätze und Selbsterfahrungsgruppen geschafft, wo man sie, zu Appellen verkürzt, für die favorisierte psychosoziale Dressur verwendet: „Komm aus dem Kopf raus!“ oder „Hör auf zu denken und fühle stattdessen“. So kann ein falsches Menschenbild ohne kritisch-reflektierende Prüfung am rationalen Denken vorbei unmittelbar im automatischen Intellekt Platz nehmen, von wo aus sich der moderne Mensch permanent selbst mit Direktiven und Bewertungen anpeitscht und auspeitscht. Und damit kommt er in ein auswegloses Hamsterrad, weil er versucht, mit dem Kopf aus dem Kopf kommen.

Der fundamentale Fehler in den dahinterliegenden unausgesprochenen Überzeugungen liegt darin, dass der Intellekt, also die Fähigkeit zur Begriffsbildung und logischen Verknüpfung von Begriffen als Gegenspieler zur Fühlfunktion betrachtet wird. Ebenso sinnvoll wäre es zu behaupten, dass in der Küche ein Messer besser sei als eine Pfanne und man deshalb die Pfanne wegwerfen sollte. Kurz: wir brauchen natürlich beides.

Emotionen und die höher-kognitive Verarbeitung von Emotionen in Gefühlen sind Teil unserer Wahrnehmungsfunktionen. Der Intellekt jedoch ist keine Wahrnehmungs- sondern eine Integrations- und Verarbeitungsfunktion. Wir haben also zwei ganz unterschiedliche Aspekte von Intelligenz, die sich zusammensetzt aus Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Kommunikations-Fähigkeiten.

Der Intellekt kann nur verarbeiten, was vorher über die Wahrnehmung, also sowohl über die unmittelbare Sinneswahrnehmung als auch über emotionale Reaktionen, aufgenommen wurde. Wahrnehmung an sich ist dabei bloß der Empfang von Reizen und die erste unmittelbare Reaktion darauf. Ein Säugling nimmt in diesem Sinne sehr viel auf, weil er noch nicht gelernt hat, zu filtern und zu sortieren, aber er kann mit seinen vielen Wahrnehmungen noch nichts anfangen. Seine Verarbeitungskapazität ist noch nicht geschult.

„Ganzheitlicher wahrnehmen“ macht nur Sinn, wenn diese Wahrnehmung ebenso ganzheitlich verarbeitet wird – und dafür ist unter anderem der Intellekt gefordert. Ansonsten würden wir von eine Flut von Eindrücken und unmittelbaren Reaktionen überschwemmt werden, mit der wir nichts anfangen können. So eine „ganzheitliche Wahrnehmung“ überflutet und lähmt Menschen, wodurch sie abhängiger von anderen werden. Sie sind nicht „hochsensibel“, sondern von ungefilterter Wahrnehmung inklusive ihrer emotionalen Reaktionen überfordert.

Wenden wir nun die erkenntnistheoretische Daumenregel an und überprüfen sowohl den Wirklichkeits- als auch den moralischen Gehalt jener „Schalt-den-Kopf-ab“-Lehren mit der Frage nach ihrem Zweck und ihren Resultaten. Was für eine Motivation und was für ein Interesse kann hinter einer Pädagogik stehen, die Menschen hilflos und abhängig macht? Es kann dabei (wieder einmal) nur um Macht gehen. Hier kommt eine systematische Lähmung und Schwächung von Menschen im Gewand wohlmeinender „Entwicklungshilfe“ daher und prägt eine ganze Kultur, weil den Menschen das intellektuelle Immunsystem fehlt, um den Betrug und die Abstrusität zu durchschauen und abzustoßen. Denn wer es durchschauen würde, würde es ablehnen. Niemand würde einer Empfehlung folgen, die ihn hilfloser und abhängiger macht, ihn tatsächlich auf die frühe, unfertige Entwicklungsstufe eines Kindes zurückwirft, ihm aber keine echten Vorteile bietet.

Worum es stattdessen für eine echte Entwicklung zur Selbständigkeit gehen muss, ist die Kombination von sensiblen, umfassenden Wahrnehmungsfähigkeiten (inkl. Emotionen) und entsprechend ganzheitlicher Verarbeitung. Verarbeitung bedeutet vor allem Begriffs- und Konzeptbildung, d.h. Bildung von kognitiven, abstrahierten Repräsentationen. Nur durch solche Repräsentationen können wir innerlich mit Eindrücken „arbeiten“, sie bewerten und neu verknüpfen. Ohne diese Fähigkeit wären wir nichts weiter als ein Empfangsapparat wie ein Radio oder Fernseher, der mechanisch auf Eingaben reagiert und nichts davon versteht.

Die Verarbeitung, also Begriffsbildung, ist umso besser, je differenzierter sie ist, d.h. je mehr Aspekte der wahrgenommenen Welt wir kognitiv repräsentieren und in Begriffe fassen können. Begriffe sind an Worte und Sprache gebunden, deshalb ist die Entwicklung einer differenzierten Sprache mit möglichst großem Wortschatz so fundamental wichtig für die Entwicklung von Intelligenz. Aus der Differenzierungsfähigkeit ergibt sich die Fähigkeit zur korrekten Abstraktion, die ja immer eine Zusammenfassung und Generalisierung vieler Aspekte unter einem bestimmten Gesichtspunkt ist. Wer wenig wahrnimmt, wird auch Schwierigkeiten mit korrekter Abstraktion haben.

Nur die Kombination aus (Sinnes-) Wahrnehmung, emotionaler Empfänglichkeit, gefühlten Zusammenhängen, differenzierter Begriffsbildung und Abstraktionsfähigkeit führt zu dem, was wir Verständnis nennen können. Verständnis ist eine durch und durch intellektuelle Leistung und an Begriffsbildung gebunden. Deshalb sprechen wir ja synonym auch davon, etwas zu begreifen. Es gibt kein „emotionales Verständnis“ ohne Begriffe. Wer uns in der Begriffsbildung, im Denken oder in der Konstruktion korrekter Abstraktionen behindern oder bremsen will, der verhindert – absichtlich oder unabsichtlich – dass wir verstehen, und greift damit unsere wichtigste Fähigkeit und unser fundamentales Bedürfnis als Mensch an.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es neben der Verarbeitung von Ganzheitlichkeit auch noch der Fähigkeit der Kommunikation bedarf, um kompetent und selbständig wirken zu können. Ansonsten würden wir auf der Stufe eines Menschen bleiben, der „alles versteht“, sich aber nicht verständlich machen und mit anderen nicht zusammen wirken kann. Menschen, die davon betroffen sind, können sehr lebendig Zeugnis davon ablegen, welche enormen Qualen der sozialen Isolation und Entfremdung dieser Zustand verursacht.

Auch Kommunikation beruht auf Begriffsbildung, wenn wir nicht auf dem Niveau von Pflanzen bloß über basale Reiz-Reaktionen „kommunizieren“ wollen oder auf dem Niveau von Tieren, die sich nur Signale geben können. Worte machen nur Sinn, wenn sie für Begriffe stehen. Ansonsten sind sie bloß Laute. Selbst die allereinfachsten Alltagsvorgänge, wie jemandem den Weg zu beschreiben oder sich zu verabreden sind ohne begriffliche Sprache nicht möglich. Von der Technologie, die heute unsere Zivilisation und unseren Lebensstandard ausmacht, ganz zu schweigen.

Wenn uns also Pop-Psychologen, Selbsterfahrungs-Animateure und New-Age-Missionare dazu anhalten, „unseren Kopf abzuschalten“, „nur auf unser Herz zu hören“ und „den Intellekt zu überwinden“, dann beweisen sie damit, dass sie etwas nicht verstanden haben. Vielleicht führen sie auch noch anderes im Schilde, das nicht im Sinne unserer Entwicklung ist. Die wirklich gutmeinenden unter ihnen liegen einfach nur ahnungslos daneben. Was sie vermeintlich wollen ist, dass wir unsere Wahrnehmungsfähigkeiten erweitern und sie durch unseren Intellekt nicht beschränken oder stören. Dafür aber muss der Intellekt richtig angewendet, nicht aufgegeben (was auch gar nicht möglich ist) oder betäubt werden. Richtiges intellektuelles Engagement bedeutet realitätstreue Begriffsbildung, also differenzierte und präzise Verwendung von Worten und Sprache für Wahrnehmungen und Abstraktion.

Und mit dem Wissen können wir nun auch die Ausgangsfrage nach der Integrationskraft beantworten. Emotionen haben die niedrigste Integrationskraft, weil sie nur auf unmittelbare Wahrnehmung auf der Basis fixer Prägungen reagieren können. Gefühle, verstanden als vielschichtige „kognitive Landschaften“ von Wahrnehmungen, Erfahrungen, Bildern und Werten sind schon um ein Vielfaches integrationsstärker. Das Denken jedoch ist potenziell noch integrationsstärker, weil wir damit abstrahieren können. Nur durch Abstraktion in übergeordnete Begriffe, Kategorien und Zusammenhänge können wir unser gesamtes Fühlen abbilden und integrieren. Darüber hinaus kann unser begriffliches Denken sogar über alles Persönliche hinauswachsen und Erkenntnisse und Zusammenhänge begreifen, die jenseits des Fühlens, also der unmittelbaren oder erinnerten Wahrnehmung liegen.

Ein Beleg dazu ist dieser Text hier, der es ermöglicht, begrifflich über das Fühlen nachzudenken, es also zu integrieren. Es ist aber umgekehrt nicht möglich, über das Fühlen dieses sprachlich-intellektuelle Erfassen zu integrieren. Die Redewendung „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist aus genau diesem Grunde falsch, denn ein Bild „sagt“ überhaupt nichts. „Sagen“ ist ein Begriff aus der Welt des Intellekts, also des Denkens und der Sprache, also aus der Welt der Kommunikation von präzisen Bezügen und Bedeutungen. Nur so kann man etwas sagen. Bilder stellen nur Reize dar, die interpretiert werden müssen.

Für die Freude

Wir müssen also den Absprung aus all diesen alten Glaubensmustern schaffen, die Gefühle über den Verstand stellen, und das beste, was wir dafür tun können, ist, sie konsequent und ausdauernd anzuzweifeln und zu hinterfragen.

Wenn wir den Verstand kultivieren, werden unsere Gefühle sich verändern. Sie werden sich mehr auf die Richtigkeit und auf den inneren Bezug von Begriffen und auf unser wachsendes Verständnis beziehen und nicht mehr reaktiv aus Kindheitsprägungen und alten Schutzmechanismen entstehen. Und wir werden etwas erleben, das nur durch das Training des Verstandes möglich ist: geistige Freude. Der „schöne Götterfunken“, den wir z.B. im Leuchten der Augen bei einem Kind sehen, wenn es einen passenden Begriff findet oder etwas plötzlich begreift, wird dann die überreiche und erfüllende Antwort auf jene Frage sein, die wir bis dahin vertrauensvoll aushalten müssen: Warum das Ganze?

Weil es echte Freude bringt.

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Wege zu Integrität und Verantwortungsfähigkeit


Einleitung

In diesem neunten und letzten Teil der Artikel-Reihe geht es um die Frage: Wie weiter?

Genauer betrachtet um die Frage: Wie entwickeln wir Verantwortungsfähigkeit?

Und damit zusammenhängend: Wie können wir die Kraft unseres Wesenskerns wiederentdecken und verwirklichen?

In Teil 8 habe ich gezeigt, dass die Menschheit sich in einem psychologischen Krieg befindet, in dem sich abgespaltene, entfremdete und pervertierte Anteile gegen das Wesen des Menschseins an sich richten, d.h. vor allem gegen den menschlichen Verstand und damit gegen menschliches Bewusstsein. Es ist ein Kampf um Leben und Tod. Ein Kampf um das Überleben der Menschheit, denn ohne Verstand können wir nicht überleben. Ich habe im letzten Artikel gezeigt, dass Integrität (Intaktheit) und Wechselseitigkeit die beiden elementarsten Aspekte des Lebens und deshalb das Fundament jedes echten Wertes und jeder lebensbejahenden Haltung sind. Dieses Fundament ist mutwillig zersetzt worden und muss regeneriert und geschützt werden. Ansonsten sind weder Entfaltung noch Entwicklung möglich.

Mit unserer Gesellschaft und ihrem psychischen Zustand ist etwas sehr Seltsames passiert. Wir sind und verhalten uns wie Kleinkinder, aber wir haben eine für gesunde Kleinkinder völlig untypische Eigenschaft: wir wollen uns nicht entwickeln, wir wollen nicht weiterkommen, sondern wehren uns dagegen, um mit aller Kraft im Status quo zu verweilen und tatsächlich immer weiter zu degenerieren. Dies ist der Zustand von geistig behinderten oder schwer gestörten Kleinkindern. Diese Charakterisierung ist keine zynische Herabsetzung, sondern eine Diagnose, die uns helfen kann sowohl den Zustand als auch seine Ursache und damit mögliche Umgangsweisen und Veränderungshilfen zu erkennen.

Ein gestörtes Kleinkind wird jede Herausforderung als Überforderung erleben und deshalb dagegen kämpfen. Es wird gegen alles kämpfen, was auch nur im Entferntesten an eine Überforderung rühren oder erinnern könnte. Es handelt sich dabei nicht um einen Willensausdruck oder eine willkürlich gewählte Strategie, sondern um emotionale Schutzreflexe. Deshalb können diese auch so beeindruckend vehement und „stabil“, d.h. ausdauernd sein. Umso mehr, wenn sie mit der Kraft und Ausdrucksstärke von (biologisch) Erwachsenen ausgelebt werden.

Wann aber werden Kraft und Durchsetzungsstärke zu Macht? Macht ist ein Beziehungsphänomen. Deshalb sind die irrational Getriebenen nur dann und nur in dem Maße mächtig, wie andere sich ihnen unterwerfen und ihre Macht abgeben. Und genau dies ist geschehen. Sich nüchtern, bewusst und rational gegen affektiv aufgeladenes, unbewusst-mechanisches und irrationales Verhalten zu stellen – vor allem wenn es mit der Gewalt der Masse und der Blindheit aufgestachelten Zorns auftritt – ist anstrengend und fordert Kompetenz und Übung. Und diese Kompetenz und Übung hat den führenden Köpfen der Menschheit vor über 150 Jahren so gefehlt, dass die unterentwickelten, gestörten Kleingeister die Oberhand in den Machtverhältnissen erlangten. Nicht durch ihre Klugheit, sondern durch eine Schwäche und eine Unterlassung der anderen. Kleingeister leben in permanenter Angst vor allem, was sie nicht begreifen können: der Welt, der Wirklichkeit, den Menschen, komplexen Gedankengängen, Moralprinzipien, dem Gesetz, „denen da oben“ – im Grunde vor allem. Deshalb kämpfen sie dagegen an, wo immer sie können und ducken sich ansonsten weg.

Sie können nichts anderes verbreiten als diese Angst und die daraus resultierende Besessenheit von Kontrolle aller Art. Diese Angst und ihre Vertreter gewinnen die Macht über den Geist des Menschen – im Einzelfall wie auch in den kollektiven Prozessen einer Kulturentwicklung – nur dann, wenn der Geist ihnen nicht aktiv etwas entgegen-, oder besser gesagt: vor-setzt. Nämlich um sie zu regulieren und zu ent-machten. Ordnung ist stets der Herrscher über das Chaos – aber sie muss aufrechterhalten werden. Fokus und klare Ausrichtung sind immer die Herrscher über angsterfüllte Flucht- und Angriffsreaktionen – aber sie müssen gehalten werden. Wissen ist immer der Herrscher über Unwissenheit und Verirrung – aber es muss genutzt werden.

In dem Maße, in dem wir dies versäumen, übergeben wir der Angst und der Irrationalität das Ruder. Und ihre Macht steigt dann exponentiell, weil sie immer mehr Menschen in ihren Sog aus Kontrolle, Gewalt, Einschüchterung, Betrug, falschen Versprechungen, Verwirrung und Ersatz-Sicherheiten zieht. Immer mehr Anteile der Kultur und eines Gesellschaftssystems rutschen auf diese Weise unter die Kontrolle primitiver, Stammhirn-gesteuerter Prozesse, die wiederum die höheren, integrativen Fähigkeiten zunehmend überfordern. Das Archaisch-Ungeistige wuchert in seiner eigenen blinden und a-logischen Dynamik immer schneller und macht rationale Beherrschung und Begrenzung zunehmend schwieriger.

Nach einer gewissen Zeit kann eine Wiedergewinnung rationaler Herrschaft sogar unmöglich werden, so dass die Masse der Menschen dann nur noch auf immer früheren geistigen Entwicklungsstufen gestoppt wird und schließlich ihre Überlebensfähigkeit verliert, weil sie der Realität nicht mehr gewachsen ist.

Anders als die Tiere können wir Menschen uns nicht auf irgendeinen Instinkt verlassen, der uns trägt, weil das Menschsein unauflösbar mit Kultur, also Wissen, Techniken und Infrastruktur des Verstandes verschränkt ist, die nicht von der Natur hervorgebracht werden, sondern geistig entdeckt und tradiert werden müssen. Wenn wir damit aufhören, vernichten wir unsere Existenzgrundlage und bezahlen die Unterlassung mit der Auflösung des Menschlichen und damit schließlich des Menschen.

Dies ist der Zustand, den wir in den letzten 20 Jahren erreicht hatten und in dem wir in Bezug auf etwa 90% der Menschheit leben.

Die Schuld daran können wir nicht jenen – aus welchen Gründen auch immer – degenerierten und lebensfeindlichen Kleingeistern geben, die einfach nur ihren angstgetriebenen Schutz- und Kontrollmechanismen folgten und folgen. Die Schuld im Sinne einer verursachenden Entscheidung tragen wir mit dem Teil von uns, der sich rational und geistig dagegen hätte wehren können und müssen. Denn nur dieser Teil unseres Wesens hatte und hat stets eine Wahl. Diese Wahl nicht sehen zu wollen oder, noch eine Stufe davor, bereits die Möglichkeit des Hinsehens und Verstehens abzutun und sich mit Oberflächlichem und Banalem ablenken zu lassen, ist für den geistigen Teil äquivalent zur Aufgabe von Verantwortung.

Wo auch immer der Geist schweigt oder sich zurückzieht, findet keine Antwort statt und das Feld bleibt offen für Reaktionen und primitivere, weniger integrierte Impulse. Das und nur das ist Verantwortungslosigkeit.

Der historische Weg in die Verantwortungslosigkeit

Ich möchte zwei ursächliche Faktoren vorschlagen, die dazu führten, dass wir Menschen in der westlichen Welt von der begonnenen geistigen Aufwärtsbewegung der Renaissance wieder abgewichen und in den tiefsten Materialismus abgestürzt sind.

Die erste und wichtigste Ursache der ganzen Misere sehe ich in einer zu schnellen technologischen Entwicklung, mit der die geistige Entwicklung nicht mithalten konnte und die deshalb ihre Integrationsfähigkeit verlor. Die Entwicklung der Technologie und schließlich die Technologie selbst übernahmen die Steuerung und Bestimmung der Psyche der Menschen. Das Endergebnis sind heute Menschen, deren Leben durch und durch von Computern und Maschinen bestimmt werden – und die das richtig und gut finden, obwohl sie in ihrem Wesen daran zugrunde gehen.

Die Technik und die technischen Möglichkeiten, die seit dem 16. Jahrhundert anfingen zur Verfügung zu stehen und sich in immer rasanterem Tempo weiterentwickelten, trafen auf ein mittelalterlich geprägtes Lebensbewusstsein von Gottbezogenheit, Leidens-Anerkennung und Schicksalsergebenheit. Im Mittelpunkt des Weltbildes standen Gott und die ewigen, festen Prinzipien des Kosmos. Der Mensch sah sich selbst als einzelne Seele, die „zu Gott“, d.h. zur Einheit mit dem Ganzen und den kosmischen Gesetzen zurückfinden muss – oder eben durch das Weltliche davon abgelenkt und in die „Hölle“ geführt werden konnte. Psychologisch betrachtet war es die Ausrichtung auf etwas Höheres, das vor allem nicht materiell, sondern geistig war. „Erfolg“ war in diesem Paradigma definiert durch die Anpassung des eigenen Lebens an die „Gesetze Gottes“ bzw. – für die Humanisten – an die Wesensnatur der eigenen Seele. Es ging in verschiedenen kirchlich-religiösen, philosophischen oder handwerklich-künstlerischen Variationen um Authentizität als Loyalität dem Festen und Ewigen gegenüber.

Einer Herausforderung war die dadurch entstandene Kultur nicht gewachsen: technischer Beschleunigung und Lebensvereinfachung. Es gab keinen philosophischen Codex für den Umgang mit der menschlichen Selbstermächtigung, die plötzlich durch Geräte und Maschinen möglich war. Plötzlich konnte der Mensch, ein einzelner Mensch viel mehr bewegen, ausrichten und eben auch anrichten durch den enormen Hebel maschineller Produktionssteigerung. Der Buchdruck ermöglichte nun die rasante Verbreitung von Büchern und Schriften für die es kein Regulativ gab. Durch alle darauf folgenden technischen Errungenschaften lässt sich ein Effekt feststellen: die Macht der Möglichkeiten, der Veränderung und damit der Entscheidungen wanderte von den kleinen Gruppen steuernder Eliten immer weiter in die breite Masse von Jedermann.

Und es gab keine Philosophie, keine geistige Strömung oder Schule, die irgendeine ethische Grundlage für den Umgang mit dieser Explosion der Möglichkeiten und Ermächtigungen anbot. Und so passierte das Tragische in der vollen Bedeutung des Begriffs: die Menschen wurden von ihren neuen Möglichkeiten hypnotisiert und die geistige Überforderung führte zu einem Kollaps der Philosophie und geistigen Führung. Der menschliche Geist und die von ihm geschaffene Kultur drifteten ab und versanken mit der „Industriellen Revolution“ zunächst in „Rationalismus“, dann Materialismus, schließlich Zynismus bis zum heutigen Nihilismus. Diese absteigende Kurve beschreibt den stetigen Verlust von geistigem Einfluss auf die Kultur. Heute ist er so gut wie vollständig abwesend.

Die zweite Ursache, die eher verstärkend wirkte, war die entstehende und immer größer werdende Spaltung der allgemeinen Geisteshaltung gegenüber der Welt in zwei getrennte Dimensionen: den Mystizismus und den Materialismus. Beide Haltungen haben eine Gemeinsamkeit, mit der sie vereinigt jede menschliche Kultur zerstören können: sie verleugnen den Verstand.

Der Mystizismus baut auf der Prämisse auf, dass Wahrheit und Wirklichkeit vom Menschen nicht erkannt werden können, sondern nur „gefühlt“ oder „erahnt“ – dass also mit anderen Worten Emotionen, Ahnungen, Traumbilder und Fantasien für Erkenntnis wichtiger sind als logisches Denken, Vernunft und rationale Realitätsprüfung. Wir erleben die flachsten und billigsten Ausläufer des Mystizismus heute in allen New-Age-Programmen, die uns einsäuseln, wir müssten den Verstand und das Denken ausschalten, um in die Gefilde der himmlischen Glückseligkeit aufzusteigen – oder doch wenigstens unsere chronischen Nackenverspannungen aufzulösen.

Der Materialismus verleugnet den Verstand, indem er die Menschen im prä-rationalen, vorbegrifflichen Denken fixiert und behauptet, mehr und anderes gäbe es nicht. Der Materialismus ist heute die durchgängigste Basis so gut wie aller modernen Geisteshaltungen und deshalb für die meisten unsichtbar, weil es kaum noch alternative Perspektiven gibt. Der hoffnungslose Kreislauf von Konsum und Sklavenarbeit auf konstant geistlosem Niveau ist heute moderner Alltag, wurde jedoch im Mittelalter noch als „Hölle“ und die schlimmste Strafe betrachtet.

Diese beiden Extremisierungen wurden in Teil 8 näher beschrieben in ihrem gemeinsamen Ergebnis der Spaltung in nicht-begriffliche, konkretistische Wahrnehmung einerseits und realitäts-abgekoppelte Abstraktionen und Konstrukte andererseits. Der philosophische Vater dieser Spaltung und Leugnung des Verstandes ist Immanuel Kant, der Moralfragen in die vage und irrationale Welt des Fühlens und der „Intuition“ verbannte, dem Menschen eine direkte Wahrnehmung der Realität absprach und schließlich das Axiom aufstellte, dass es eine erkennbare Wirklichkeit gar nicht gibt. Moralisch gut ist nach ihm all das, was nicht nur uneigennützig ist, sondern am besten sogar gegen Eigennutz und Eigeninteresse geht. Er war der Erste, der weitgehend unverhohlen die Selbstverleugnung als höchsten moralischen Wert herbei argumentierte. Ihn als „Vater der Aufklärung“ zu bezeichnen, war der eigentliche Hohn gegen den gesunden Menschenverstand, aber es zeigt, welche intellektuelle Ganovenbande gewonnen hatte und die Richtung angab – immerhin bis heute nun schon für 270 Jahre. Wir erleben die „kantsche Moralvorstellung“ heute in der allgemein akzeptierten Haltung von „gutem Altruismus“ und „schlechtem Egoismus“. Was Kant all seinen philosophischen Nachfolgern vorgemacht hatte war, dass man mächtige Ideologien schaffen kann, die das Wesen des Menschen und seine Wirklichkeit schlichtweg ignorieren, und man auf der blühenden Wiese der Fantasie Begriffe und Ideen erschaffen kann, die umso wirksamer und beliebter sind, je irrationaler ihr Fundament ist.

Nachdem der Verstand ein für allemal wegbegründet war, hatten alle irrationalen und menschenverachtenden Folge-Philosophien wie Marxismus, Konstruktivismus, Existenzialismus, Linguistische Analyse bis zum Nihilismus freie Fahrt und damit freie Hand, das menschliche Bewusstsein bis in seine Grundfesten zu zerspalten. Heute lallt es nur noch ohnmächtig in einem Delirium, dessen existenzieller Nachteil auch ein Vorteil für die Wende zum Guten sein kann: es kann sich in keiner Weise gegen irgendetwas mehr zur Wehr setzen.

Was bei alledem fehlte, war eine fundierte Ethik, die angesichts der technischen Möglichkeiten Orientierung hätte geben können. Die Wissenschaft, getrieben durch Neugier und später durch Profitgier, fragte nur: Was können wir tun? Und ging eifrig an die Beantwortung: viel und noch viel mehr. Aber eine zusätzliche Frage hätte lauten müssen: was wollen wir und was soll sein? Was ist unsere ethische und moralische Orientierung, wenn unser Wohlstand, unsere Produktivität und unsere Grenzen in unseren Händen liegen (und nicht mehr in denen „Gottes“)?

Die Romantik war in dieser Entwicklung die einzige und bis heute letzte Kulturepoche, in der ein geistig-ethischer Impuls gesetzt wurde, der die technischen Errungenschaften integrieren konnte statt sich gegen sie oder abseits von ihnen zu stellen. Die Romantik, die bis heute die wahrscheinlich deutscheste aller Kulturimpulse ausmacht, war nicht nur getrieben von dem Drang nach Vereinigung von Wissenschaft, Kunst und Religion unter einer integrativen Philosophie der Entwicklung individuellen Geistes, sondern auch von der Frage nach dem, was sein soll, also nach Idealen.

In der Romantik entstand ein neues Verständnis von Ästhetik – zunächst aus dem Studium der alten griechischen und römischen Philosophie und Künste, womit sie an die Renaissance anknüpfte, dann aber zunehmend aus dem neuen eigenen Verständnis heraus, dass der menschliche Geist seine Qualitäten in der unmittelbaren Begegnung mit der Natur und den Gesetzen des Kosmos entwickelt.

Diese Wechselseitigkeit zwischen Mensch und Natur in beide Richtungen, einmal der Mensch als lernender und erkennender Teil der Natur und einmal der Mensch als Gestalter und Nutzer der Natur auch im geistigen Sinne durch die symbolische Erhebung des Natürlichen zu menschlicher Bedeutung, war für die romantischen Denker zugleich Antrieb und Prüfstein für die menschliche Gesundheit und Integrität. Dadurch entstand eine Ästhetik der Integrität: das Verständnis, dass Schönheit durch Ganzheit, Intaktheit und Vollständigkeit entsteht.

Insofern gab es auch ein Bildungsideal: den Menschen ästhetisch zu machen hieß, in ihm Natur (Gegebenes) und Kultur (Gemachtes) zu einer Ganzheit zu verbinden. Das bedeutete eben auch, das Ursprüngliche, das Wesenhafte im Menschen zu bewahren und zu fördern, denn ein wichtiger Teil seines Wesens ist eben auch das Streben nach Wissen, nach Verstehen, nach Bewusstsein seiner selbst und nach schöpferischer Gestaltung. All dies ist nur möglich mit einem entwickelten Selbstbewusstsein, in dem der Mensch sich über bloße Natur und rein Materielles erhebt und sie gleichzeitig umfasst und ausschöpft.

Dieser Impuls der Romantik, der danach strebte, das Geistige im Menschen für die Herrschaft über das Sinnliche zu entwickeln und zu erheben, kam jedoch in der Geschichte nicht über die jugendliche Phase der hohen Ideale und Ziele hinaus, weil er von einer Gegenkraft überrollt wurde, der er so schnell nicht gewachsen war: dem organisierten Bösen, das sich parallel zu ihm durch das Streben nach Macht durch Betrug, Manipulation und Kontrolle formiert hatte (siehe Teil 1 und Teil 8). Der Grund, warum die anti-geistige und anti-menschlichen Kräfte schnell die Oberhand gewannen und die jungen Ansätze einer neuen Hochkultur unterdrücken konnten, liegt wiederum in der Technologie. Denn durch die viele neue Technik war es um ein Vielfaches leichter, die Menschen zu hypnotisieren, ihren Geist zu fesseln und von ihrem Wesen abzulenken, als sie wach zu machen für das Geistige, das nämlich Anstrengung, Mühe und vor allem Verzicht bedeutet hätte. Dafür aber war die Menschheit noch nicht reif. Sie war noch zu kindlich. All die Technik geriet in die Hände von Kindern und Verbrechern, die nach ihrer Art damit verfuhren.

Und so musste der Geist in den Untergrund wandern. Er verschwand für hundert Jahre von der öffentlichen Bildfläche und von den Aufsichtsposten der Kultur. Innerhalb weniger Jahren wurde es so dunkel wie noch nie über der Menschheit und der erste Weltkrieg war der Beginn einer nicht mehr endenden Schlacht und Zertrümmerung alles Geistigen und der Menschenwürde.

Doch der höhere Teil des Menschseins war nicht verschwunden. Er hatte sich bloß ins Unsichtbare und Unangreifbare zurückgezogen, um sich dort zu sammeln und seine Entwicklung nachzuholen: er musste im technologischen Wettrüsten seinen Gegner, den geistlosen Materialismus, überholen und Herr der Technologie werden. Dies war die einzige Möglichkeit, die Menschheit aus Dornröschenschlaf, Selbstverlorenheit und Selbstverleugnung auf sichere Weise aufzuwecken.

Als die Zeit dann reif dafür war, tauchte die Stimme dieses Geistes am unwahrscheinlichsten Ort der modernen Welt im Jahre 2017 plötzlich auf: in der justizlosen Grauzone des Darknets inmitten halbverhohlener Chats über Computerspiele, Hardcore-Pornografie, Regierungsopposition und illegale Geschäfte. Dass sie zuerst zu sozialen Randfiguren, intellektuellen Aussteigern und System-Aussätzigen sprach, lag in der Logik ihrer Sache: sie musste sich an diejenigen wenden, die noch alternative Standpunkte denken und einnehmen konnten und außerdem fähig waren, Informationsstücke eigenständig zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Die Brücke in die Welt der Öffentlichkeit musste von Menschen geschlagen werden, die mit einem Fuß außerhalb von ihr standen und nur deshalb fähig waren, schrittweise das verstörend ungewohnte und unbekannte Wissen einer Perspektive aufzunehmen, die von außen auf die gesamte System-Illusion gerichtet war. Denn von außen sieht eine Lügenblase ganz anders aus als von innen. Und so begann ein dreijähriger Prozess der kontrollierten und schrittweisen Injektion von Wissen und Verstehen in die Öffentlichkeit. Zunächst über eine kleine Gruppe von Computerfreaks, dann über mutige Investigativ-Journalisten und kleine unabhängige Nachrichtenportale bis schließlich in die größeren Institutionen der öffentlichen Meinungskontrolle.

Die Stimme signierte ihre Botschaften mit einem großen Q.

Q wie Quelle, Ursprung, Wesenskern

Das Erscheinen von Q ist für die meisten Menschen schlichtweg nicht vorstellbar. Es passt nicht in ihren Kopf. Sie haben keine Denk- und Erkenntnisstrukturen, mit denen sie so etwas wie einen ganzheitlichen Geist aufnehmen oder begreifen könnten. Sie haben nicht einmal mehr die Reste kindlicher Neugier, um zumindest zu staunen und Fragen zu stellen.

Warum können Menschen Q so schwer verstehen? Weil es auf Integrität beruht. Q steht nicht primär für einen bestimmten Menschen, sondern für ein Prinzip. Aber ein einzelner Mensch oder eine Gruppe von Menschen kann dieses Prinzip Q verkörpern und verwirklichen. Für die meisten Menschen ist dies nur eine abstrakte Idealvorstellung, die sie nur als Märchen, Wunschtraum oder als suggestiv-manipulative „PsyOp“ einordnen können. Als Phänomen jenseits der gelernten Welterklärungen fällt sie für die wenigen Menschen, die damit konfrontiert werden meistens in die nebulöse Welt des Glaubens, in der sich die Ansätze des Denkens nur als unangenehm nagende Zweifel bemerkbar machen und man bestenfalls am „schönen Glauben“ festhält.

Nur Integrität kann Integrität erkennen, wenn sie erscheint.

Ein Großteil der Menschen – bis auf ein paar abzählbare Ausnahmen – haben in unserer Welt ihre Integrität aufgegeben oder verkauft, meistens auch vergessen. Als von außen programmierte Hülle leben sie vor sich hin und haben entweder ein Restbewusstsein ihres ursprünglichen Wesens und leiden damit in stiller Verzweiflung oder sie haben diesen weit zurückgebliebenen Kern von sich so sehr betäubt und überdeckt, dass er nicht mehr den geringsten Einfluss auf ihr Leben hat – außer vielleicht in wiederkehrenden Albträumen oder chronischer Schlaflosigkeit. Was diesen Menschen fehlt, ist der Zugang zu ihrer eigenen Vitalität, zu dem, was ihr Wesen und ihre Lebenskraft ausmacht. Sie haben den Zugang zu ihrer Lebensquelle verloren.

Q könnte für diese Quelle stehen und mehr meinen als nur biologische Herkunft: es könnte die geistige Quelle der Verlebendigung als Mensch, der Ausgangspunkt der Einheit von Bewusstsein und Lebendigkeit sein. Eine Art Nullpunktfeld, in dem Körper und Geist (in dem Fall zu verstehen als Information) miteinander verschränkt sind und unsere Individualität bilden. So wird z.B. auch die unbekannte Quelle für drei der kanonischen vier Evangelien im Neuen Testament in der Bibelforschung mit „Q“ bezeichnet. Bibelforschung und Theologie wissen darüber nichts weiter zu sagen. Ein Geheimnis?

Im Menschen gibt es eine solche Quelle. Es ist sein Wesenskern, das, was er bedingungslos ist. Wesenskern ist kein Ding und kein Teil, sondern ein Zustand. Es ist der psycho-physische Zustand einer bestimmten Ordnung, eines inneren Zusammenhangs, einer Form des Daseins. Das Erkennungsmerkmal des Wesenskerns ist – wie bei jedem Wesen – Integrität, also seine intakte Ganzheit und Einheit. Wesenskern heißt, authentisch sein und nichts als authentisch. Im Wesenskern zu sein bedeutet, in der einzig möglichen inneren Ordnung zu sein, in der nichts zu viel, nichts zu wenig, nichts überflüssig und nichts fehlend ist, sondern jedes Merkmal und jede Eigenschaft gleichermaßen eine essentiell notwendige Funktion für das Ganze haben. Deshalb ist Wesenskern der Zustand von Einheit und Integrität.

Einheit und Integrität von was? Die Einheit von Körper und Geist, die uns einmalig macht. Diese Verbindung ist der Wesenskern. Mit Geist meine ich jene Essenz, die uns ermöglicht, zu denken, zu erkennen, zu verstehen, schöpferisch zu sein und Bewusstsein unserer selbst zu entwickeln. Wenn wir diese Essenz, Geist, im Körper, durch den Körper und verkörpert erleben und ausdrücken, dann sind wir im Zustand des Wesenskerns. In diesem Zustand ist unsere körperliche Präsenz im Einklang mit unserem Geist, mit der Essenz unserer eigenenen Lebensenergie. Je mehr Wesenskern, desto lebendiger, präsenter und wahrnehmungsfähiger sind wird. Letzteres ist der wichtigste Aspekt für Verantwortungsfähigkeit, wie ich weiter unten noch erläutern werde.

Für jegliche Form von Ganzheit und Intaktheit ebenso wie für die höchsten Formen der Funktionalität und Wirksamkeit muss deshalb der Wesenskern die Grundlage sein. Eine bessere und festere gibt es nicht.

Der Wesenskern ist die einzige Instanz in uns, die unserem Leben Freude, Sinn und Zweck geben kann. Alles andere, ohne Wesenskern, ist nur hohler Ersatz.

Nur in Verbindung mit unserem Wesenskern können wir wissen, was für uns relevant ist. Die Wahrnehmung und Empfindung von Relevanz ist das, was uns heute am meisten fehlt. Die Menschen orientieren sich an dem, was „die anderen“ sagen oder was sie irgendwo gehört und gelesen haben. Für ihr Inneres bleibt das bedeutungslos. Relevanz kommt aus dem Lateinischen (re-levare) und bedeutet „in die Höhe heben“, „hervorheben“ und „erheben“. Erheblich ist für uns das, was wir in die Höhe heben. Das ist eine Kraftanstrengung. Die Motivation in dieser Kraft sind unsere Werte. Die Quelle dieser Kraft ist unser Wesenskern.

Jede Pathologie, jede Charakterverzerrung, jede Persönlichkeitsstörung sind nur Abweichungen von unserem Wesen. Dies gilt für alle Symptome des kulturellen Zerfalls, die ich in den Teilen 1-7 dieser Reihe beschrieben habe. Wenn unser Wesen sich frei entfalten kann, dann wächst es hinauf wie ein Baum mit einem starken Stamm, von dem nach allen Seiten hin viele Äste ausgehen, die als Ganzes immer das Wesen des Baumes wiedergeben. Wenn es aber begrenzt, beschnitten oder gespalten wird, dann wächst es nur in ein verzerrtes, einseitiges Extrem, wird unharmonisch und unvollständig.

Unser Denken, unser Fühlen, unser Wollen, unsere Bewegungen, … alles, jede menschliche Eigenschaft und jeder Ausdruck können von unserem Wesenskern, von unserem Ursprünglichen abgespalten sein.

Dies ist der aktuelle Zustand der Menschen auf diesem Planeten. Fragmentierung in allen Abstufungen vom leichten Riss durch die Psyche des Neugeborenen über die neurotisch verdrehte Normalpersönlichkeit bis zur Totalspaltung der Psychopathen und Psychotiker. Wir haben die Hysteriker, deren frei flotierenden emotionalen Zustände keinen Bezug zu ihrem Wesenskern haben. Wir haben die Borderliner und Psychopathen, deren brillanter Scharfsinn und strategischer Fokus nur im Dienste der Selbstverleugnung und der Menschenverachtung stehen. Wir haben die mental und emotional sedierte Masse, deren Leben aus sinnlosem, ziellosem und orientierungslosem Alltag besteht, und die genauso gesichtslos kommt und geht wie ein vorbeifahrender Güterzug. Und natürlich haben wir auch die „Künstler“ einschließlich der sozial abgetriebenen „Überlebenskünstler“, deren natürliche Schöpfungskraft sich in neurotischen Anfällen zersplitterter, krampfartiger Plattitüden und schreiender Übertreibungen verliert, weil sie nie über das Stadium von Impulsen hinausgekommen und psychisch eingehüllt sind in Verzweiflung, Ohnmacht und Hass gegenüber jenem lebendigen Ursprung in ihnen, der echt und ganz ist. Es sind lauter Variationen über das Thema „Viel Hülle, wenig Füllung“. Eine Welt der Masken und Scheinbilder an der Oberfläche, unter sich eine immer größere Leere breit macht.

In diesem Zustand kann es keine Verantwortung geben, weil es keine einheitliche Antwort auf etwas geben kann. Je fragmentierter ein Charakter ist, desto weniger reguliert, geordnet und ausgerichtet kann er sein. Er kann nur reagieren, aber selbst dann reagiert mal dieser Teil und mal ist ein anderer dominant.

Aus diesen Betrachtungen können wir nun definieren, was Verantwortung ist, was zu ihr befähigt und wie wir diese Fähigkeiten aufbauen können.

Was ist Verantwortung?

Verantwortung ist einer jener Begriffe aus einer beinahe vergessenen Welt, in der es Begriffe für differenzierte psychische innere Bezüge gab, so wie „Sinn“, „Respekt“, „Wertschätzung“, „Gesinnung“, „Ehre“ oder „Treue“.

Heute finden wir diese Worte noch in unserem Vokabular, benutzen sie aber linkisch und reichlich hilflos für anderes ohne ihre ursprünglichen Bedeutungen zu verstehen. Wenn heute das Wort Verantwortung fällt, dann meistens in der Bedeutung von Verpflichtung, Aufgabenbereich oder Schuld. „Ab jetzt tragen Sie die Verantwortung für diesen Bereich.“, „Das ist Ihre Verantwortung!“, „Wer ist dafür verantwortlich?“ Im Business-Jargon sind diese Redewendungen schon seit langer Zeit üblich, aber diese gespreizte, psychologisierende Semantik wirkt umso unechter und unehrlicher, je deutlicher wird, dass Verantwortung als Eigenschaft vollkommen fehlt. Wie lange kann man sich mit linguistischem Marketing selbst täuschen?

Verantwortung im ursprünglichen Sinne des Begriffs ist nichts, das man jemandem geben kann, weil es eine innere Einstellung ist, ein innerer Bezug zu etwas. Verantwortlichkeit ist eine Haltung, die es ermöglicht, auf Umstände zu antworten statt bloß auf sie zu reagieren. Der Unterschied liegt im Grade der Entscheidungsfreiheit und Wahlmöglichkeiten, also in der bewussten Verfügbarkeit von verschiedenen Möglichkeiten, Werkzeugen und Umgangsweisen. Eine Reaktion ist eine assoziative Handlung, die entweder auf einem Reflex oder auf der Automatisierung einer früheren Prägung beruht. Sie funktioniert ohne Bewusstsein, ohne Intention und ohne Wahlmöglichkeit.

Verantwortung beruht auf der Fähigkeit zu antworten. Antworten kann man nur auf Fragen. Man muss also fähig sein, Umstände als eine Frage zu verstehen und sich von ihr angesprochen fühlen. Man muss sich gemeint und gefragt fühlen. Dafür muss man etwas eine Bedeutung geben. Das ist eine geistiger Akt, es ist Verstandestätigkeit. Tiere können reagieren, aber nicht antworten. Emotionen sind assoziativ und reaktiv, aber niemals responsiv oder volitional. Eine Antwort zu geben ist ein intentionaler Akt, es ist ein schöpferischer Akt. Deshalb kann immer nur ein Einzelner verantwortlich sein, denn man kann nicht gemeinsam denken, so wie man auch nicht gemeinsam verdauen oder gemeinsam etwas erkennen kann. Egal wieviel Hilfe man jemandem dazu von außen gibt, letzlich muss jeder es aus seiner eigenen Kapazität heraus leisten.

Entweder du denkst selbständig oder du denkst gar nicht. Entweder du verstehst selbst oder du verstehst eben nicht. Entweder du fühlst und erkennst eine Bedeutung für dich oder es bleibt dir bedeutungslos. Entweder du versehst etwas als Frage an dich und suchst eine Antwort darauf oder du bis unverantwortlich.

Verantwortung, also „etwas mit einer Antwort versehen“ impliziert im Gegensatz dazu nicht nur den Eingriff einer höheren Bewusstseinsstufe, der zwischen Reiz und Reaktion eine Unterbrechung für eine eigene Entscheidung einfügt, sondern auch, dass diese Entscheidung zu einer eigenen Antwort auf einem höheren Maß an Umsicht und Weitsicht fußt. Eine intelligente Entscheidung zu treffen bedeutet nämlich nicht nur, aus einer Vielfalt von Möglichkeiten eine auszuwählen, sondern auch, ihre unterschiedlichen Konsequenzen zu berücksichtigen und dann ein Urteil zu fällen, welche dieser Konsequenzen die beste oder erwünschteste ist.

Um dies beurteilen zu können, muss es übergeordnete Kriterien geben, ansonsten entscheiden wir uns immer nur nach dem, was uns spontan, also emotional oder intuitiv gut erscheint. Übergeordnete Kriterien beruhen auf grundsätzlichen Werten. Wir brauchen für Verantwortung also auch einen inneren Bezug zu unseren Werten, zu dem, was uns wichtig ist.

Werte sind Abstraktionen von Erfahrungen in Verbindung mit ihren Bedeutungen für unser Wesen, für das was für uns wesentlich ist und unserem Wesen verwandt und förderlich oder im Gegensatz fremd und schädlich ist. Wert kann für uns nur das haben, was für unsere Wesensnatur gut und richtig ist. Gesunde Werte und Moralvorstellungen müssen auf der Integrität unseres Wesens beruhen, wie ich in Teil 8 schon ausführlicher erläutert habe.

Wir sehen also, dass Verantwortlichkeit eine Meta-Kompetenz ist, die sich aus vielen Fähigkeiten zusammensetzt: die Fähigkeit, spontane Reaktionen zu unterbinden, sich der Situation und verschiedener Handlungsmöglichkeiten bewusst zu sein, ihre Konsequenzen vorhersehen zu können, dann eine Auswahl auf der Basis von Werten und Prinzipien zu treffen und schließlich diese Entscheidung auch konsequent umzusetzen. Wir müssen also korrekterweise von Verantwortungsfähigkeiten im Plural sprechen. Und deshalb ist Verantwortung auch nicht etwas was man „hat“ oder „nicht hat“ und schon gar nicht etwas, das man „trägt“ oder „nicht trägt“, sondern eine persönliche Kompetenz die in sehr unterschiedlichen Graden vorhanden sein kann.

Verantwortungsfähigkeiten basieren dabei auf Grundkompetenzen, deren Ausprägung darüber bestimmt, wie verantwortlich jemand überhaupt sein und handeln kann. Diese sind:

  1. Selbstanbindung (Zentrierung)
  2. Selbstrepräsentation (Mentalisierung)
  3. Selbständigkeit (Autonomie)
  4. Selbstwirksamkeit (Verwirklichungskraft)

Selbstanbindung oder auch Zentrierung umfasst alle Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung von der körperlichen Wahrnehmung eigener Bedürfnisse bis zur Unterscheidung eigener Werte und Präferenzen von denen anderer. Sie ist die Grundlage für Integrität, Verlässlichkeit und Authentizität, weil sie die Entwicklung der Psyche und Persönlichkeit im naturgegebenen Wesenskern verankert und auf diese Weise für die eigene Intaktheit und Vollständigkeit sorgt.

Selbstrepräsentation ist Mentalisierung und sie bezeichnet die Fähigkeit, sowohl das eigene Erleben als auch das Erleben anderer begrifflich und konzeptuell zu erfassen. Daraus entsteht Empathie als die Fähigkeit, sich emotional oder sogar mental in die Lage anderer hinein zu versetzen. Im Grunde ist Mentalisierung eine spezielle Form der Begriffsbildung und Abstraktion, nämlich die Abstraktion der eigenen Psyche und des eigenen Bewusstseins. Sie ist die Grundlage für die Lernfähigkeit durch Dialog und Kommunikation, denn ich kann von anderen nur lernen, wenn ich es als sinnvoll und nützlich erlebe, Wissen, Ansichten und Erfahrungen von anderen aufzunehmen. Menschen mit einem niedrigen Grad an Mentalisierung können durch neue Ansichten und Informationen nicht zu neuen Einsichten kommen, für sie sind Meinungen und Gedanken nur feste Bauklötze und nichts, das sich verändern oder entwickeln ließe. Ein höherer Grad von Mentalisierung erlaubt uns, uns selbst und andere auf einer Zeitachse zu betrachten und zu verstehen, dass sich Denken, Verstehen und Sichtweisen mit der Zeit verändern können. Das ist für ein Kleinkind noch nicht möglich und viele Menschen erreichen diese Stufe auch nur rudimentär.

Selbständigkeit umfasst die Fähigkeiten der abgegrenzten Selbstwahrnehmung (Ich-Fremd-Unterscheidung), des Handelns aus eigenen Impulsen und Intentionen, der Eigenstabilität ohne von anderen gestützt zu werden und des Zugangs zur eigenen Motivation, zum eigenen Interesse und Erkundungsdrang. Ein hoher Grad von Selbständigkeit behält diese Fähigkeiten auch in schwierigen, konfliktreichen, herausfordernden, unerwarteten oder sogar unangenehmen Situationen.

Selbstwirksamkeit bezieht sich auf das gesamte Spektrum an Fähigkeiten, die das Handeln möglich, effektiv und wirkungsvoll machen. Dazu gehören die Fähigkeiten, sich mental und emotional zu fokussieren, Ziele zu setzen und zu halten, intentional vorzugehen, Kraft, Ausdauer und Durchsetzung mobilisieren zu können und das Eigene zum Ausdruck zu bringen, sichtbar zu machen und in vorhandene Zusammenhänge einzubringen. Eine der wichtigsten und schwierigsten Aspekte der Selbstwirksamkeit ist die Übersetzung von abstrakten oder vagen Ideen in konkrete und zielgerichtete Handlungen. Sowohl dem ideenreichen Träumer als auch dem spontanen Macher fehlen Selbstwirksamkeit. Der eine weiß, was er gerne hätte, setzt es aber zu wenig um. Der andere macht tausend Dinge oder fängt ständig Neues an, erreicht aber nie das, was er wirklich möchte und weiß es oft nicht einmal.

Exkurs: Macht und Verantwortung

Selbstwirksamkeit ist eng verwandt mit Macht, denn Macht hängt auch ab von Können, von Kraft und Stärke und von Wirksamkeit einer Einflussnahme.

Macht selbst aber ist ein Beziehungsaspekt, keine Eigenschaft. Jemand kann nur Macht haben, wenn es jemanden oder etwas gibt, auf den oder das er einwirken kann. Ohne einen Bezug kann ein Mensch nicht „mächtig“ sein, außer im Sinne von Potenz und Potenzial. Wir sprechen in dem Sinne auch von einem „mächtigen Nachtisch“ und meinen damit seinen Gehalt oder eine gewisse Schwere, deren Bedeutung aber wiederum darin liegt, wie sie auf uns (ein-)wirkt. Die Kalorien im Kuchen sind mächtig in Bezug auf den Effekt, den sie auf uns haben können.

Deshalb ist Macht ein Beziehungs- bzw. ein soziales Phänomen, das von zwei Seiten abhängt. Es muss dabei immer einen geben, der Einflussnahme auf sich zulässt, sich also auf eine hierarchische Beziehung einlässt. Ob dies nun willentlich, unfreiwillig, in Abhängigkeit oder aus freien Stücken geschieht, spielt dabei keine Rolle. Ein Kind unterliegt der Einflussnahme seiner Eltern – und zwar im gesunden Normalfall zu seinem eigenen Nutzen.

Entscheidend für die Differenzierung von prosozialer, fördernder Macht und Machtmissbrauch ist nun die Einbettung in Verantwortung. Wenn ein Aspekt von Macht die Selbstwirksamkeit, also die Kraft zur Einflussnahme ist, dann können wir hieran nun die Beziehung zwischen Macht und Verantwortung erkennen, deren hohe Bedeutung ich in Teil 3 und Teil 8 dieser Reihe schon angesprochen habe. Wir haben gesehen, dass Selbstwirksamkeit und Umsetzungskraft wichtige Grundbausteine für Verantwortungsfähigkeiten sind, Verantwortung jedoch beruht auf einem übergeordneten Bewusstsein, dass eben auch Selbstanbindung, Mentalisierung und Selbständigkeit umfasst und integriert.

Und genau hier liegt der entscheidende Differenzierungspunkt. Menschen, die Macht (als Beziehungsstatus) haben, denen es aber an Selbstanbindung, Mentalisierung oder Selbständigkeit fehlt, sind in genau dem Grade verantwortungslos. Wenn nun die Wirksamkeit eines Menschen durch seine Position, durch Technik oder durch Manipulation anderer größer ist als seine Verantwortungsfähigkeiten und er diesen Einfluss auch ausnutzt, dann handelt es sich um Machtmissbrauch. Denn er wirkt dann auf andere ohne Umsicht ein.

Sein Referenzpunkt und sein Entscheidungsraster für die Einflussnahme auf andere liegen außerhalb oder sogar jenseits seines eigenen Fassungsvermögens. So kann er nicht antworten auf situative Bedingungen und individuelle Erfordernisse, sondern er wird andere Menschen durch seine Einflussnahme immer in sein System hinein, unter seine Bedingungen und zu seinem Referenzpunkt ziehen. Das bedeutet, er kann Menschen nicht fördern und noch nicht einmal schützen und beschirmen, denn dafür müsste er ihre Referenzpunkte und Fähigkeiten berücksichtigen. Egal in welchem Grade der Rücksichtslosigkeit dann die Beeinflussung oder Handhabung geschieht – sei es nur eine subtile Manipulation oder eine grobe Vergewaltigung – darin besteht der Missbrauch von Macht.

Nicht Macht an sich ist schlecht oder falsch, sondern ihre fehlende Einbettung in entsprechende Verantwortungsfähigkeiten. All die modernen ideologischen Lösungsansätze, die Macht und Hierarchien irgendwie abschaffen wollen, sind für diesen Zusammenhang nicht nur blind, sie rennen auch gegen ein Naturgesetz von Funktionalität an: ohne Machtbeziehungen brechen Funktionalität, Effektivität und schließlich jede Ordnung zusammen. Alles in der Natur ist hierarchisch angeordnet. Ein gutes Beispiel ist unser eigenes Nervensystem. Entwicklung bedeutet, von immer abstrakteren, übergeordneten Steuerungszentren des Gehirns immer größere Kontrolle über alles andere zu haben. Ein guter Tänzer ist einer, der ein Gefühl oder sogar eine abstrakte Idee mit seinem ganzen Körper umsetzen und darstellen kann. Das ist Macht. In dem Falle in Form von Selbststeuerung, Selbstkontrolle und Fokus. Ohne glasklare und strenge neuronale Hierarchien ist dies nicht möglich.

Die Chaoten, die ziellos und gewaltbereit durch die Straßen ziehen und nach Anarchie brüllen sind innerlich genauso desorganisiert wie das soziale Programm, das sie fordern. Sie sind strukturell machtlos (und neigen deshalb zu Gewalt). Jeder Unternehmer, jede Firma, jede Organisation sollte das wissen: wenn sie funktionieren will, braucht sie klare Hierarchien der Macht. Und ebenso muss jede Machtposition mit der entsprechenden Verantwortungsfähigkeit besetzt sein. „Teamwork“, „flache Hierarchien“ und ähnliche Konzepte funktionieren nur dann, wenn erstens die Teilnehmer ein hohes Maß an Eigenstruktur, Disziplin und Verantwortungsfähigkeiten mitbringen und wenn zweitens die impliziten Hierarchien (meistens entsprechende Kompetenzen) für alle klar und verbindlich sind. Meiner Erfahrung nach ist das nur sehr selten der Fall und die ideologisch geleiteten Verflachungs-Experimente begeben sich stets auf die Abwärtskurve von Produktivität, Leistung und Erfolg.

Man muss den Menschen die Angst vor Macht nehmen und ihnen die konstruktive, förderliche, notwendige und wohltuende Seite von Macht zeigen. Dies geht nur über die Förderung und Anerkennung von Verantwortungsfähigkeiten. Mit diesem Verständnis erkennen wir, dass jede Form von Macht ein Privileg ist, das stets mit entsprechenden Verpflichtungen verknüpft ist. Puissance oblige. Macht verpflichtet.

Zutritt nur für Individuen

Nach diesem Exkurs über den Zusammenhang mit Macht wenden wir uns nun zum Abschluss dieses Abschnitts noch einmal den Verantwortungsfähigkeiten an sich zu.

An dem kurzen Abriss zu den Grundbausteinen von Verantwortung können wir bereits sehen, dass Verantwortung immer nur ein Einzelner übernehmen kann. Nur der, der sich ganz auf das Eigene stützt und verlässt ist verantwortungsfähig. Wer im Gegensatz dazu noch an der Geborgenheit durch andere festhält (Eltern, Gemeinschaft, Gott,…), der ist psychisch noch ein Kind und kann noch gar nicht antworten. Er reagiert bloß innerhalb der gelernten oder imitierten Normen, Vorgaben, Erwartungen oder Gesetze, die ihm von außen gesetzt wurden.

Erwachsen und verantwortungsfähig zu werden bedeutet, sich von diesen Vorgaben zu lösen und aus dem eigenen Verständnis heraus agieren zu können. Es ist ein Darüber-hinaus–Wachsen und also etwas anderes als die trotzige oder peri-pubertäre Auflehnungsreaktion gegen Regeln, in der eben noch kein Eigenes gefunden ist, sondern die Abhängigkeit von anderen nur mit umgekehrten Vorzeichen noch besteht. Auch der Rebell ist noch abhängig von der übergeordneten Macht, um sich positionieren und definieren zu können – er bleibt reaktiv, und ist noch nicht responsiv.

Den Schritt der Selbsternennung und Überwindung der Abhängigkeit führt in die Individuation. Wir können erkennen, wie selten er gemacht wird und dass alle Systeme, Kirchen, Kulte und Bewegungen, die eine Gruppe oder ein Kollektiv höher halten als den Einzelnen, diesen Schritt eher verhindern als fördern. Wie viele solcher Unerwachsener haben wir, die glauben, sie seien erwachsen und wie wenig wirkliche Erwachsene! Ein dreißigjähriges oder älteres „Kind“ jedoch ist neurotisch. Neurotisch, weil es beherrscht wird von dem Zwang, seinen wahren Zustand und seine Individuationsimpulse zu unterdrücken und aus seiner Wahrnehmung zu verdrängen. Damit verdrängt es sich selbst.

Verantwortungsfähigkeit ist also ein post-pubertäres Phänomen, etwas, das erst durch den Abschluss der Kindheit und den Eintritt in die geistige Unabhängigkeit möglich ist. In der Welt der Kinder ist – egal wie alt sie sind – „Verantwortung“ nur etwas Überforderndes, Beängstigendes, etwas, dass Schulter- und Nackenverspannungen auslöst, den Atem blockiert und das Leben schwer und unangenehm macht. Deshalb wollen sie sie nicht und suchen sich eine Nische im System, in der sie sagen können: „Dafür bin ich nicht zuständig.“

Verantwortung und Vernunft

Verantwortlich zu handeln bedeutet, seine Handlungen vernünftig begründen zu können. Vernunft verstehe ich als realitätstreues Denken.

Menschen sind deshalb unverantwortlich, wenn sie alles als gegeben und unveränderlich betrachten („Da kann man nichts machen“). Das ist genauso irreal und unvernünftig wir das andere ideologische Extrem, nämlich alles als reines Gedankenkonstrukt zu betrachten („Es gibt keine objektiven Gesetzmäßigkeiten, alles ist beliebig“). Zur Vernunft gehört deshalb auch elementar die Differenzierungsfähigkeit zwischen dem Unveränderbaren (Kosmos) und dem Veränderbaren (Menschengeschaffenen), wie in Teil 8 schon näher beschrieben. Daraus ergibt sich die Schwierigkeit von Verantwortung in der gesellschaftlichen Welt, nämlich beurteilen zu können, was man verändern kann, und was nicht.

Wenn wir die oben beschriebenen vier Grundkompetenzen bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben und miteinander verbinden können, dann können wir unsere Handlungen auf der Basis von erkannten Prinzipien und Werten bestimmen und begründen.

Darin liegt die Verbindung zwischen Verantwortlichkeit und Integrität, denn Integrität entsteht durch die gleiche Quelle: durch Bewusstsein und Selbstkontrolle in Verbindung mit festen eigenen Werten. Wenn Handeln auf Werten beruht, ist es moralisch. Deshalb ist Verantwortung als innere Haltung im Handeln immer auch moralisch, weil sie auf Grundsätzen beruht. Sie verlangt nicht unbedingt, die Folgen der Handlungen im Voraus zu kennen oder überhaupt auf bestimmte Folgen aus zu sein, obwohl Weitblick und das Bedenken von Folgen Teil eines verantwortlichen Abwägens sind. Eine Handlung kann auch dann moralisch und verantwortlich sein, wenn ihr Resultat unerwünscht oder schädigend ausfällt. Es hängt davon ab, wie vorhersagbar dies war. Entscheidend ist nämlich, ob eine Handlung auf Werten beruht oder nicht.

Das Gegenstück zu Verantwortlichkeit ist Handeln aus einer Laune heraus (der eigenen oder der eines anderen) und jedes Handeln ohne eigene Begründung, z.B. aus Gehorsam, Imitation, Gegenreaktion, Routine, Gewohnheit oder Opportunismus.

Wir verlernen Verantwortungsfähigkeit dadurch, dass uns das Antworten abgewöhnt wird. Gelernte Verantwortungslosigkeit: Menschen lernen bereits als Kinder, passiv und antwortlos zu bleiben sogar wenn es ihnen oder anderen schadet, weil man ihnen beibringt, dass eine verantwortliche Haltung vergeblich oder benachteiligend ist. Man belohnt einfach immer diejenigen, die am wenigsten eine eigene Position einnehmen, also diejenigen, die am meisten mitlaufen, gehorchen, fremden Erwartungen nacheifern oder sich selbst aufgeben. Natürlich gehört auch dazu, dass die Entwicklung von Empathie und der natürliche Helfer-Impuls blockiert werden, so dass Kinder möglichst früh zögerlich, passiv, unselbständig, abhängig und selbstunsicher werden. Am wenigsten ist Verantwortung möglich für Menschen, die den Zugang zu ihrem Wesenskern verloren haben und nur noch Systemmitläufer sind. Sie können gar nicht wissen, was Verantwortung bedeutet, weil ihnen die psychische Grundlage dafür fehlt.

Ich will deshalb zum Abschluss dieses Abschnittes noch einmal diesen wichtigen Aspekt, vielleicht den wichtigsten Aspekt für das Verständnis von Verantwortung und für die folgenden Ausführungen betonen: Verantwortung ist nur möglich durch Anbindung an unser Wesen, an das, was wir von Natur aus sind.

Je mehr wir von unserer Natur getrennt, abgespalten oder weggelenkt sind, desto geringer ist unser Potenzial für Verantwortlichkeit. Denn Verantwortung lässt sich nicht imitieren oder als Verhalten lernen. Verantwortlich zu sein ist nur möglich, wenn wir uns auf etwas Konstantes und Verlässliches von uns selbst beziehen können und das Verlässlichste in uns ist unser Wesen.

Hinzu kommt noch, dass in Verantwortung zu gehen in unserem Wesen als Richtung und Ziel schon angelegt ist. Es ist im Grunde nichts weiter als das Charakteristikum einer Reifestufe, die durch eine gesunde Entfaltung und Entwicklung erreicht werden kann, sobald wir uns selbst als eigenständig wahrnehmende und denkende Wesen sehen und uns als diese in der Gemeinschaft positionieren können.

Wie wir Verantwortungsfähigkeiten entwickeln

Im Folgenden möchte ich Hinweise geben, wie wir Verantwortungsfähigkeiten entwickeln können. Zu jedem einzelnen Aspekt der Entwicklungsarbeit ließe sich ein ganzer Artikel schreiben, ich werde mich hier fürs Erste auf Andeutungen beschränken, von denen ich aber sicher bin, dass sie den Interessierten und Vorgeschulten ausreichend inspirieren, motivieren und ausrichten können.

Anbindung an Wesen und Werte

Das Fundament für Verantwortungsfähigkeit ist Integrität und diese erhalten oder wiedergewinnen wir nur in dem Maße, in dem wir psychisch in Verbindung mit unserem Wesen sind. Noch einmal zur Erinnerung an dieser Stelle: unser Wesenskern ist kein Objekt, sondern ein Zustand der Intaktheit, in dem unser eigenes inneres Erleben im Vordergrund steht und in dem wir dieses subjektive Erleben und uns selbst als Mitte unseres Lebens wahrnehmen. Im Wesenskern zu sein bedeutet, primär bei sich zu sein und sekundär bei der Welt um sich herum.

Diese Anbindung an uns selbst üben wir grundsätzlich mit allem, was unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst lenkt, auf unsere Körperempfindungen, auf unsere Emotionen und auf unsere Gedanken. Wir zentrieren uns auf diese Weise durch Selbstwahrnehmung. Dabei ist es wichtig, eine interessierte und freundliche Aufmerksamkeit zu entwickeln. Viele Menschen haben durch ihre Prägung eine starke innere Kopplung von Aufmerksamkeit an Anspannung, (Selbst‑) Kontrolle, Erwartungen und Ungeduld. Diese Kopplung müssen wir erkennen und lösen, indem wir die Aufmerksamkeit immer wieder nur auf die unmittelbare Wahrnehmung lenken und diese in Begriffe fassen.

Für Kinder ist es besonders unterstützend, sie immer wieder nach ihren Wünschen, Bedürfnissen, Gefühlen, Ideen, Fantasien und Vorhaben zu fragen. Kinder lernen ihre Aufmerksamkeit zu lenken, indem sie die Aufmerksamkeit der Erwachsenen nachahmen. Für Jugendliche und Erwachsene kommt dann zusätzlich noch die Frage nach ihren Werten und Zielen hinzu. Aus den Antworten auf all diese Fragen entsteht die psychische Matrix dafür, was für uns – je nach Situation und Kontext – relevant ist. Wir können lernen, Relevanz als etwas Persönliches und Eigenes zu erkennen und dem mehr und mehr zu folgen. Dies ist die Gegenkraft zur Fremdbestimmung, Abhängigkeit und Manipulierbarkeit.

Auf der basalen körperlichen Ebene lernen wir Zentrierung und Selbstwahrnehmung am besten durch Übungen und sportliche Spiele, die nicht nur körperliche Geschicklichkeit und Präzision fordern, sondern auch genug Raum und Zeit für Erkundung, Ausprobieren und Verfeinerung lassen. Ideal dafür dürfte jede Form des Tanzens sein – in der fortgeschrittenen Form dann als Paar- oder sogar Gruppentanz, denn dadurch müssen wir lernen, uns mit einem oder mehreren anderen zu koordinieren und zu synchronisieren ohne dabei das Selbstgespür zu verlieren. Die körperliche Selbstwahrnehmung bildet die Basis für jede andere Selbstwahrnehmung.

Emotionale und soziale Zentrierung lernen wir durch Interaktionen, in denen wir möglichst viele Rückmeldungen bekommen von anderen, wie sie uns erleben und wie wir auf sie wirken. Auch jeder ernste und ehrliche Austausch über eigene Gefühle und Erlebensqualitäten fördert die Wahrnehmung.

Mentale Selbstzentrierung entwickeln wir durch alles, mit dem wir begrifflich einen Bezug zu uns selbst herstellen, das schließt das unmittelbare physische und emotionale Erleben mit ein, geht aber darüber hinaus in der Reflexion über die eigene Motivation, über eigene Ideen und Vorstellungen, über Erwartungen und schließlich über essentielle eigene Werte und Ziele. In jedem Falle lernen wir diese Auseinandersetzung und Selbstaufmerksamkeit nur im Dialog mit jemandem, der sein Interesse auf uns richtet. Ist dieses begegnende Interesse einmal verinnerlicht, dann entsteht Selbstbewusstsein in der ganzen Bedeutung des Begriffs auf der Basis eines inneren Dialogs. Ab dem Punkt sind wir in unserer Zentrierung unabhängig von äußerer Hilfe.

Ein starkes Ego aufbauen

Selbstzentrierung hat nichts mit dem zu tun, was landläufig und stets abwertend als „Egoismus“ bezeichnet wird. Gemeint ist damit im besten Falle Rücksichtslosigkeit, die jedoch meistens das Ergebnis von fehlender Zentrierung, also fehlender Selbst- und Fremdwahrnehmung ist. Im Gegensatz zu den menschenverachtenden Ideologien, die das Ego abschaffen wollen (siehe Teil 8), müssen wir für Verantwortungsfähigkeit die Entwicklung eines starken Egos fördern. Oder genauer gesagt: die Entwicklung aller Egos im Plural, denn psychologisch gesehen sind Egos Hüllen-Strukturen, die absolut lebensnotwendige psychische Funktionen erfüllen, so wie die Haut für den Körper. Zum ersten haben sie eine Schutzfunktion, um vor aversiven und unbekannten Elementen abzuschirmen und damit die Integrität zu schützen (merke: „Wer immer offen ist, ist nicht ganz dicht“).

Zum Zweiten hat ein Ego aber vor allem die Funktion der Differenzierung und Separation, so dass wir ein immer genaueres Bewusstsein dafür haben, was zu uns gehört und was nicht. Ohne diese Ego-Funktionen würden wir permanent überflutet werden mit Informationen und Reizen, bei denen wir nicht einmal unterscheiden könnten, ob sie von uns („von innen“) oder von außerhalb („von außen“) kommen. Das wäre ein kaum überlebensfähiger psychotischer Dauerzustand. Wenn die Spiritualitäts-Experten ihr Ziel, „das Ego zu besiegen“ erreichen würden, würden sie in der Psychiatrie landen. Manchen ist es ja schon gelungen.

Am besten stellen wir uns jede Ego-Struktur metaphorisch wie eine Haut vor. Sie trennt zwischen innen und außen, sie filtert das, was nach innen oder nach außen dringt auf möglichst kluge Weise und sie ist damit auch eine Kontaktfläche. Ohne Haut könnten wir nicht berührt werden. Das gleich gilt für unsere Ego-Strukturen: ohne Ego sind wir nicht berührbar. Wir entwickeln unsere Egos auf gesunde Weise also am besten durch das Austesten unserer Grenzen im Kontakt, durch die Wahrnehmung der Ich-Nicht-Ich-Grenzen und ihrer Übergänge und durch jede Art des Austauschs, bei der wir herausgefordert sind zu erkennen, was wir von uns geben bzw. mitteilen wollen und was wir aufnehmen und absorbieren wollen und können.

Für das körperliche Ego, dessen Hauptprägung in den ersten drei Lebensjahren stattfindet, sind alle Formen von differenzierendem Körperkontakt und Kraftübertragung zwischen Körpern hilfreich. Für das emotionale Ego (auch „Kind-Ich“ genannt), das vor allem bis zum sechsten Lebensjahr geprägt wird, ist jede Herausforderung und Konfrontation in Bezug auf unterschiedliche Gefühle, Wünsche und Konflikte hilfreich. Es wächst durch die Herausforderung, sich als separat und gleichzeitig verbunden und im Kontakt zu erleben („Ich bin autonom und verbindlich“). Die nächsthöhere Ego-Integrationsstufe nenne ich das Rollen-Ego. Dieses Ego entwickeln wir durch das Differenzieren und Anwenden unterschiedlicher Verhaltensweisen abhängig vom Kontext. Wir müssen dafür lernen, uns die passenden Verhaltensweisen, Emotionsausdrücke und Gedanken auszusuchen und eben nicht mit allem zu identifizieren, was gerade in uns ist.

Über das Rollen-Ego hinaus können wir das Beobachter-Ego entwickeln, das uns befähigt, uns und die Reaktionen anderer in verschiedenen Kontexten zu beobachten und uns nicht mit irgendeiner Rolle zu identifizieren. Diese Ego-Struktur trainieren wir am besten durch Reflexion unseres Verhaltens in Bezug auf Kontext, Strategien und Ziele, indem wir die Reaktionen und Motive der anderen Beteiligten mit einschließen. Die meisten Arten von Coaching dürften für diese Arbeit das Standardsetting bieten. Stabilität im Beobachter-Ego ist eine statistisch ziemlich seltene Erscheinung.

Noch seltener ist dementsprechend die Entwicklung einer noch höheren Ich-Integrationsstufe, die ich als Erwachsenen-Ego bezeichnen würde. Sie integriert alle zuvor entwickelten Egos und kann sie willentlich steuern und einsetzen – nicht nur beobachtend und kontextabhängig, sondern zusätzlich noch einem übergeordneten Ziel und Willen folgend. Dies sei hier nur der Vollständigkeit halber angedeutet. Ich kenne keine institutionalisierten Kontexte, in denen eine solche Entwicklungsstufe auch nur berührt geschweige denn gefördert wird.

An echtem Egoismus ist deshalb nichts Verwerfliches, ganz im Gegenteil, richtig verstanden ist Egoismus, also die Vorrangstellung der eigenen Identitäts-Struktur essentiell für die gesunde Entwicklung. Nicht sinnvoll ist Ego-Zentrismus, denn das Ego ist eine Hüllen- und Schnittstellen-Struktur und bietet gar kein Zentrum. Unser Zentrum liegt innerhalb unserer Ego-Hüllen und wächst durch Kontakterfahrungen an diesen Oberflächen und Schnittstellen. Das Ego muss dafür viele Kompetenzen in sich tragen, dabei aber auch beweglich und feinsinnig sein, um sich möglichst vielen verschiedenen Herausforderungen möglichst intelligent anpassen zu können. Seine Aufgabe ist es, Integrität und Wechselseitigkeit zu bewahren und zu steigern.

Wir sehen an all diesen Andeutungen zur Ego-Entwicklung, dass es um Identitätsbildung und Selbstbewusstsein geht. Identität kann sich nur durch Reibung und Auseinandersetzung, durch Separation und Konfrontation, durch Differenzierung und Integration bilden. Dadurch werden die Ich-Grenzen und die Ich-Fähigkeiten klarer und bewusster. Je stärker die psychischen Ego-Strukturen sind, desto intelligenter können sie zwischen Wesenskern (dem Inneren, dem Zustand der Authentizität) und der Außenwelt vermitteln. Sie führen zu Präsenz und Wirksamkeit, aber auch zu Lernfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Das Gegenteil all dieser Merkmale ist für gewöhnlich ein Zeichen für Ego-Mangel. Menschen mit Ego-Mangel lieben es, selbstbewusstere, zentriertere Menschen als „Egoisten“ zu beschimpfen. Aber es ist kein Schimpfwort. Richtig verstanden ist es eine Auszeichnung. Eine, die sie nicht verstehen können, weil „Ego“ für sie etwas ist, das nur eine zerreißende Sehnsucht und Verzweiflung auslöst, gegen die sie ankämpfen, die sie auslöschen und vergessen wollen. Für sie ist „Ego“ ein Fluch und sie zischen dieses Wort als verzweifelten Ausdruck ihres ohnmächtigen Neides und ihrer Art, die Augen vor etwas viel Grauenhafterem zu verschließen: Egolosigkeit. Selbstlosigkeit. Menschen mit zu wenig Ego können sich psychisch nicht in der Welt erhalten, ihr Identitätsbewusstsein verschwimmt ständig, weil ihm Grenzen und Klarheit fehlen, und sie verschmelzen stattdessen mit anderen, mit der Welt, mit Fantasien, Traumbildern, Ideologien oder Gruppen. So werden sie zum identitätslosen Teil eines Kollektivs und ein Kollektiv hat keine Seele. Sie leben aus zweiter Hand.

Ego-Mangel ist das schrecklichste Gebrechen auf dieser Erde, schrecklicher als jedes körperliche Leiden. Denn ohne Ego-Hüllen kann man kein Selbst aufbauen und nichts Eigenes entfalten. Man bleibt ein menschlicher Körper mit einem winzigen verkümmerten Kern, aus dem ein Selbst werden könnte, aber dieses Potenzial bleibt verschlossen und ungenutzt, während der Körper älter wird und die Psyche, also das Selbstbewusstsein, irgendwann ebenso unentwickelt stirbt, wie es mit einem, zwei oder drei Jahren aufgehört hat zu wachsen. An allem Weiteren bleibt man dann ein Leben lang unbeteiligt und ohne Verbindung zu etwas Eigenem. Die leblose Leere, die in solchen Menschen herrscht, kann einen Horror auslösen, der jede anderen Gräuel übertrifft: Menschen, die eine Seele hätten haben können, aber ohne Seele leben und sterben.

Mentalisierung fördern

Wie oben schon beschrieben ist Mentalisierung die Fähigkeit, die eigene Psyche und die Psyche anderer kognitiv zu erfassen. Sie ist die Grundlage für Empathie, Umsicht, Weitsicht, Lernfähigkeit und Führungskompetenzen.

Wir lernen Mentalisierung durch Begriffsbildung eigenen Erlebens und durch das Aufnehmen von fremdem Erleben und neuen Ansichten. Diese Fähigkeit ist die wichtigste für alle sozialen Kompetenzen. Nicht umsonst ist alles, was man unter klassischer Psychotherapie versteht im Grunde nichts anderes als Mentalisierungstraining: Gefühle in Worte fassen, neue Perspektiven in Bezug auf sich selbst und die eigene Biografie einnehmen, über sich nachdenken, die Sichtweise eines anderen auf einen selbst aufnehmen und verarbeiten, Erfahrungen in Konzepte umwandeln und integrieren und dann aus Konzepten eigene umfassende, zusammenhängende Landkarten und innere Haltungen aufbauen.

Frühe Mentalisierungsstufen brauchen den Dialog mit einem interessierten und offenen Gegenüber. Sobald wir jedoch fähig sind, andere Sichtweisen zu integrieren und für uns zu verwenden, können wir sie vor allem durch Literatur, durch Filme und letztlich jede Form von Kunst aufnehmen, wenn wir sie als Ausdruck eines anderen Geistes, einer anderen Psyche verstehen. Wachsende Mentalisierung zeigt sich in wachsendem Verstehen, in immer größeren, zusammenhängenden Landkarten und dafür in abstrakteren Begriffen, die jedoch stets die Anbindung an ein konkretes Erleben behalten. Menschen mit hohen Mentalisierungsgraden sind stets neugierig und stets darauf aus, mehr und umfassender zu verstehen.

Deshalb gilt es für den Prozess der Entwicklung vor allem Neugier zu befeuern und zu fördern. Außerdem natürlich Dialog über Ansichten, Meinungen und mögliche Perspektivwechsel. Gerade das Theaterspiel und jede Darstellung des Innenlebens von Menschen fördert Mentalisierungskapazität.

Wahrnehmung für Authentizität und Relevanz schulen

Im Zeitalter der Informationsfluten können wir unsere eigene Richtung, Fokus und den Überblick nur bewahren, wenn wir schnell erkennen können, welche Informationen relevant, plausibel und beachtenswert sind.

Da wir in einer Kultur der permanenten Lüge und Manipulation leben, wird es eine wichtige aber auch mühselige Arbeit werden, wieder einen Blick für die Authentizität und den Stellenwert von Informationen zu gewinnen. Wir müssen dafür erstens lernen, zwischen Information, Meinung, Glauben und Wissen zu unterscheiden, und zweitens lernen, wichtige Informationen oder Hinweise zu verifizieren.

Wir können Informationen verifizieren, indem wir sie einzeln überprüfen. Bei so etwas wie „Hey Walter, der Wasserhahn im Waschkeller tropft!“ ist das leicht. Bei Nachrichten über einen Terrorangriff in Teheran ist das schwieriger. Bei den Informationen, die uns täglich erreichen, geht es deshalb zunächst einmal darum, einen Filter zu entwickeln, mit dem wir entscheiden können, ob diese Info für uns relevant ist, wofür genau und welche Art der Aufmerksamkeit sie benötigt. Ein Hinweis auf Relevanz können unsere unmittelbaren Emotionen sein. Wenn wir besonders erfreut, traurig, geschockt, neugierig oder angewidert reagieren, dann trifft die Information uns. Das bedeutet aber weder, dass sie uns auch betrifft noch dass sie tatsächlich wichtig und schon gar nicht dass sie richtig ist.

Dafür ist es wiederum wichtig, Informationen spätestens im zweiten Schritt so unemotional und affektfrei wie möglich aufzunehmen. Unsere Emotionen sagen nur etwas über die Beziehung zwischen einer Information uns unserer Prägung – mehr nicht! Der Hinweis, „Entschuldigen Sie, man kann ihre Unterhose sehen!“ mag bei einer streng-islamisch erzogenen jungen Frau einen Schockzustand auslösen, während eine gleichaltrige Brasilianerin spontan freudig lächelt und doppeldeutig zurückzwinkert. Die meisten Menschen reagieren auf jegliche Art von Informationen nur emotional gesteuert, was nichts anderes bedeutet, als dass ihre Verarbeitung identisch ist mit ihrer Kindheitsprägung. Tatsächlich können wir selbst unsere ganz spontanen emotionalen Reaktionen ein Leben lang verändern und modulieren, wenn wir nämlich ihre Basis verändern: unsere Erwartungen und Wertvorstellungen.

Rationalen Umgang mit Informationen und Inhalten lernen wir dadurch, dass wir sie

  1. analysieren und in ihre (meist unausgesprochenen) Prämissen und Motive zerlegen;
  2. auf innere Stringenz, Kohärenz und Plausibilität prüfen, also z.B. auch Unterschiebungen, Gedankensprünge, Emotionalisierungen, Ablenkungen, fehlende oder falsche Begründungen, unlogische Ableitungen, rhetorische Tricks usw. erkennen;
  3. mit anderen Informationen zum gleichen Thema vergleichen.

Diese Kompetenzen müssen Schritt für Schritt gelernt und mit Begriffen und Konzepten verknüpft werden. Es geht darum, eine feine Wahrnehmung für Unstimmigkeiten und Brüche zu entwickeln und diese gleichzeitig in eine größere Verständnis-Landkarte einzuordnen, so dass man daraus immer treffender Rückschlüsse und Beurteilungen ziehen kann.

Das braucht natürlich Zeit und Übung. Aber es geht immer noch schneller als jede Information faktisch überprüfen zu wollen. Dies ist nicht nötig. Viele politische Aufklärer gerade in dieser Zeit der Aufdeckungen und Entlarvungen machen den Fehler, dass sie andere durch ein Lawine von Fakten und Beweisen überzeugen wollen. Dies funktioniert aber nur, wenn es eine Bereitschaft gibt, die zuvor die gelernten Konzepte und „Fakten“ loszulassen oder zumindest zu hinterfragen und zu vergleichen. Ansonsten nehmen Menschen Widersprüche und Unbekanntes bloß als Bedrohungen wahr (was natürlich auch durch ein Mentalisierungs-Defizit kommt).

Ich denke, dass wir unseren Kindern allem voran, diese Fähigkeiten im Umgang mit jeder Art Information, Darstellung und Behauptung so gut beibringen sollten, dass sie sie ganz automatisch und ohne Anstrengung anwenden. Das wird sie immun machen gegen Manipulation und gegen den Informationsmüll, der 95% der Internet-Inhalte ausmacht. Diese Fähigkeiten sollten sie nicht nur in Bezug auf verbale Informationen lernen, sondern auch in Bezug auf Bilder und Symbole. Vielleicht wäre „Text- und Bildanalyse“ eines der wichtigsten Fächer für Grundschüler und Fünft- bis  Zehntklässler in einem neuen Schulsystem. Zum Thema Schule und Bildung kommt zum Ende dieses Artikels noch etwas mehr.

Begriffliches Handeln lernen

Nichts ist mächtiger in unserem Gehirn als ein Begriff. Denn Begriffe sind integrativer als Gefühle und Bilder. Ein abstrakter Begriff kann viele Bilder zusammenfassen und enthalten, aber ein Bild kann keine Begriffe integrieren.

Man sagt, ein Bild sage mehr als tausend Worte. Das ist Unsinn, denn Bilder sagen überhaupt nichts. Bilder müssen interpretiert werden. Wir können tausend Worte in ein Bild hineinlegen, aber das Bild selbst ist stumm, weil es nonverbal und nicht-begrifflich ist. Bilder können Symbole enthalten oder symbolisch interpretiert werden, aber Symbole sind vor-begrifflich. Ein Kind kann Symbole und Gesten verstehen lange bevor es abstrakte Begriffe verstehen kann.

Was Begriffe von Bildern und Symbolen fundamental unterscheidet ist ihre Exaktheit. Begriffe beruhen auf linearen Bezügen und abgrenzenden Definitionen. Worte können missverständlich, schwammig, ambivalent, doppeldeutig und vage sein, aber ein Begriff ist mehr als ein Wort, es ist die mentale Verknüpfung zwischen einer Wahrnehmung bzw. Information und einer abstrakten Kodierung. Das Wort „Honig“ ist kein Begriff, wenn es sich nicht auf die vielfältige Erfahrung von Honig bezieht. Daraus folgert, dass man Illusionen und Lügen zwar aus Worten, aber nicht aus Begriffen aufbauen kann.

Um Menschen dazu zu bringen, die absurdesten und unlogischsten Lügen zu glauben, muss man sie also mit Bildern, Symbolen und Worten zuschütten und sie gleichzeitig daran hindern, Begriffe zu bilden. Dies ist die „pädagogische Funktion“ all unserer Massenmedien, welche sie auch mit beinahe restlosem Erfolg erfüllt haben.

Wir lernen Begriffsbildung durch die korrekte Verknüpfung von Wahrnehmungen mit Worten. Deshalb sprechen wir nur dann vom Begreifen. Es ist ein im Wort selbst hörbarer körperlich-sinnlicher Prozess der Integration: begreifen, erfassen, verstehen, einsehen, durchblicken, durchschauen. Die sinnliche Erfahrung wird dann im Begriff mental abstrahiert und kodiert.

Nur mit solchen korrekt kodierten Begriffen können wir denken ohne den Realitätsbezug zu verlieren. Die Entwicklung des begrifflichen Denkens findet durch immer höhere Abstraktionsstufen statt. Wir bilden als kleine Kinder zunächst Begriffe von Objekten und einfachen Handlungen, dann von Beziehungen durch Generalisierungen und „Oberbegriffe“, dann, etwa ab dem vierten Lebensjahr von Prinzipien und konkreten Regeln. Ab dieser Stufe, ab etwa dem sechsten Lebensjahr, können wir Begriffe aus Begriffen ableiten und neue Ideen und Erkenntnisse aus Gedanken auch ohne konkrete eigene Erfahrung gewinnen. Diese erste Entwicklungsstufe von begrifflichem Handeln wird von den meisten Menschen kaum erreicht. Darüber hinaus können wir aber auch noch weiter abstrahieren von eigenen und konkreten Erfahrungen, indem wir lernen, aus abstrakten Begriffen universelle Begriffe zu synthetisieren, wie z.B. „Mensch“, „Welt“ oder „Natur“.

Die schwierige Herausforderung beim Lernen immer abstrakterer Begriffsbildung ist es, die Verbindung zu den eigenen konkreten Erfahrungen und Begriffen nicht zu verlieren. Sonst haben wir es nicht mit abstrakten, sondern mit losgelösten, pseudo-philosophischen Worten zu tun, die „gut klingen“ mögen, aber ohne Sinn, d.h. nicht sinnlich und dadurch ohne Bezug sind. Es ist nicht-begriffliches Gebrabbel.

Was wir dafür lernen und üben müssen sind Abstraktion und der Umgang mit Abstraktionen. Dafür ist es wichtig, Zeit und Unterstützung zu haben, um Begriffe auf deren sinnlichen Bezug hin zu überprüfen und ein Verständnis von Logik aufzubauen. Eine einfache Erfahrungslogik ist z.B. die von Ursache und Wirkung. In ideologischer Propaganda geht diese meist verloren und uns werden Wirkungen angedreht, um – angeblich – zu einer Ursache zu kommen (z.B. „Übe zu lächeln und Du wirst glücklich.“ oder „der Markt (Konsumenten) kurbelt die Innovationskraft an.“ oder „Wenn jeder glücklich und versorgt ist, wird Frieden herrschen.“). Um logisch denken zu können, müssen wir Begriffe von logischen Verknüpfungen bilden, d.h. wir müssen lernen, Begriffe korrekt zu kombinieren und in Verbindung zu bringen. Die abstrakteste Form davon ist die Mathematik. Deshalb ist Mathematik so wichtig. Allerdings müssen mathematische und logische (Gedanken-) Operationen immer in Verbindung mit ihrer konkreten Bedeutung bleiben, sonst sind sie nicht anwendbar und nicht verifizierbar. 

Tatsächlich unterstützen wir Begriffsbildung und begriffliches Handeln durch alles, was die Verbindung von rechter und linker Gehirnhemisphäre unterstützt. Während die rechte Hemisphäre gut für die Verarbeitung von Beziehungen und komplexen Erfahrungslandschaften ist, ist die linke spezialisiert auf Präzision und das Erkennen kleinster Unstimmigkeiten und Fehler. Die optimale Kombination beider Hemisphären haben wir, wenn wir etwas konkret, erfahrungsbezogen und umfassend betrachten und gleichzeitig exakte Begriffe, klare Worte und eine passende Semantik dafür verwenden können.

Für diese Verbindung können uns philosophische Reflexionen helfen, solange sie intellektuell redlich sind, was leider insgesamt in der Welt des gedruckten Wortes seit 1940 sehr selten geworden ist. Genauso hilft die differenzierte Sprache der Literatur und besonders der Dramatik und der Lyrik. Denn der echte Dichter ist jemand, der Erfahrungen in Worten und Bildern verdichtet – nicht nur Wörter oder Laute aneinanderreiht.

Objektives Denken entwickeln

Objektives Denken ist etwas, dass es nach der modernen Auffassung nicht gibt. Wir werden dieses vielerorts implizierte und in alle akademischen Zweige hinein gesickerte Axiom hinterfragen und falsifizieren müssen. Objektiv denken können bedeutet, von der subjektiven Erfahrung abstrahieren zu können. Diesen Gedanken zu verstehen ist elementar. In unserer psychologischen Entwicklung ist unser Denken zunächst rein subjektiv: wir haben zunächst nur Begriffe in Bezug auf unsere eigene Erfahrung – was auch sonst? Der „große Philosoph“ Immanuel Kant baute seine „großartige Philosophie“ auf der Annahme auf, dass es über diese Entwicklungsstufe hinaus nichts gibt. Das hat die Moderne unreflektiert zur Basis all ihrer erkenntnistheoretischen Paradigmen gemacht. Sozialpsychologisch hat sie sich damit nur selbst bestätigt: die Menschen und die Kultur, die sie schufen, fußen auf infantil-subjektivem Denken kombiniert mit Fantasie und freien Spinnereien, denn „Objektivität gibt es ja nicht“. Alle Geisteswissenschaften stecken in diesem intellektuellen Sumpf fest.

Die Naturwissenschaften und schon gar nicht ihr Ableger, die technischen Wissenschaften, können sich methodisch so etwas Irrationales natürlich nicht erlauben, weil sie sich ja mit den Gesetzen der Wirklichkeit beschäftigen wollen. Aber auch sie werden zunehmend in den Sumpf des Irrealen gezogen.

Was ist also nun echte Objektivität und wie finden wir sie?

Objektivität kann es erst ab der Stufe des abstrakten Denkens geben. Abstrahieren bedeutet, „von etwas abziehen“ oder „aus etwas herausziehen“. Was müssen wir wo raus ziehen? Wir ziehen Schlussfolgerungen aus Beobachtungen und Erfahrungen. Eine Schlussfolgerung ist eine Abstraktion. So erkennen wir Prinzipien, Regeln und Gesetzmäßigkeiten – egal ob nun menschengemachte oder naturgegebene. Wir können diese Prinzipien logisch und empirisch überprüfen und dadurch unser Verständnis von ihnen verfeinern. Je abstrakter wir dabei werden – indem wir z.B. Muster in Prinzipen und damit Gesetzmäßigkeiten entdecken – desto objektiver werden wir. Nicht als Gegenpol zum Subjektiven, sondern als Essenz im Subjektiven.

Das Objektive ist im Subjektiven implizit enthalten. Es liegt nur zwischen den Zeilen der Erfahrung. Deshalb braucht man Intelligenz, um objektiv sein zu können (inter-legere = „zwischen den Zeilen lesen“). Deshalb können wir nur in dem Grade objektiv sein, indem wir subjektiv überhaupt wahrnehmen können. Der Weg zu Objektivität geht durch die vollkommene Subjektivität.

Wer die Schwerkraft nicht spüren kann, für den ist sie bloß eine Idee, die er irgendwann mal in der Schule gelernt hat. Wenn dann jemand kommt und behauptet, es gäbe keine Schwerkraft, dann ist das eine ebenso gute Idee und je nachdem wie viel Schokoladenpudding noch da ist, fangen dann die Schwerkraft-Vertreter und die Anti-Schwerkraftler an, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Man hat uns beigebracht, dass wir nicht subjektiv sein dürfen, sondern objektiv sein sollen. Dass die Wissenschaft „rein objektiv“ sein muss und deshalb „nicht subjektiv“ sein kann. Aber was ist eine Wissenschaft ohne Subjekt? Eine Wissenschaft ohne Wissenschaftler? Nachdem dieses schwachsinnige Paradoxon einmal erfunden und behauptet war und niemand sich mehr traute, es zu hinterfragen („akademische Obrigkeitshörigkeit, siehe Teil 7), haben sich nun 150 Jahre lang „Wissenschaftstheoretiker“ und Feuilletonisten die Finger wundgeschrieben über das schwierige „Rätsel“, wie denn Wissenschaft überhaupt objektiv sein kann, wenn es doch  so viele subjektive Einflüsse gibt. Und was ist ihre schlaue „Lösung“? Wissenschaftlich, reden sie uns ein, sei, wenn man sich soweit wie möglich von der Erfahrung und Beobachtung löse und unabhängig mache und stattdessen im frei schwebenden Raum der fantastischen Theoriebildung und kreativen Konzept-Erfindung produktiv würde. Kreatives Schreiben als Wissenschaft. Die Geisteswissenschaften tun mittlerweile fast nichts anderes mehr und wundern sich, warum Menschen mit gesundem Menschenverstand sie nicht mehr im Geringsten ernst nehmen. Die Naturwissenschaften treten in diesem intellektuellen Narrenkostüm nur in Publikationen und auf Kongressen auf. In der realen Forschung kann man sich so eine Verblendung natürlich nicht leisten.

Was lernen wir daraus? Wir müssen wieder denken lernen (und akademisches Geschwurbel erkennen und ignorieren)!

Wir lernen objektives Denken durch Induktion von Prinzipien aus Erfahrungen und durch das Überprüfen von abgeleiteten, deduzierten Ideen anhand von Erfahrungen und Beobachtungen. Das ist Wissenschaft.

Unabhängig davon, ob wir nun wissenschaftlich arbeiten wollen oder nicht, sollten wir lernen, diesen Ansatz auf uns selbst anzuwenden. Das heißt, wir können lernen, uns selbst gegenüber objektiv zu werden. Dafür müssen wir ein starkes Beobachter-Ego (s.o.) entwickeln und lernen, uns in abstrakten Begriffen zu reflektieren, die uns die Möglichkeit geben, Muster und Prinzipien in unserer eigenen Erfahrung zu erkennen. Selbst-Bewusstsein und Selbstreflexion beruhen darauf, zeitübergreifende Muster und Motive in sich selbst (und anderen) zu erkennen und auf diese Weise bewusste Individualität zu entwickeln. Individuell (= unteilbar) sind wir nur in dem, was nicht zerlegbar, nicht weiter abstrahierbar in uns ist: unser Wesenskern. Den aber erkennen wir bewusst nur, wenn wir uns nicht von (subjektiven) Erfahrungen hypnotisieren lassen, sondern aus ihnen heraus uns selbst, den Erfahrenden und Erlebenden erkennen.

Nur das bedeutet geistige Entwicklung: sich geistig mehr und mehr von der unmittelbaren subjektiven Erfahrung zu befreien, indem wir in unseren Erfahrungen das Objektive, das Gegebene, die Gesetzmäßigkeiten erkennen und uns selbst in diesem Konstanten, in diesem Festen entdecken. Unser Kern ist das Objektivste an uns. Wir erkennen dann immer umfassender, dass wir nicht unsere Erfahrung sind, sondern dass unsere wesentliche Identität im Erfahren selbst liegt. Dass wir nicht unsere Gefühle und Gedanken sind, sondern derjenige, der fühlt und denkt. Objektives Denken ermöglicht es uns nicht bloß, Naturgesetze „da draußen“ zu erkennen – das üben wir nun schon seit Aristoteles – sondern es ermöglicht uns, uns selbst zu erkennen. Wir erkennen uns in der Erfahrung und Beobachtung, nicht jenseits oder außerhalb von davon.

Dadurch, und nur dadurch wächst unser Selbst-Bewusstsein, denn „Selbst“ ist das rätselhafte Etwas, was sich nicht verändert, auch wenn alles andere sich verändert. So werden wir objektiv, indem wir lernen ein begriffliches Bewusstsein für unseren unvergänglichen Wesenskern zu entwickeln. Und das ist etwas Zeitloses, das nur durch Bewusstsein möglich ist.

Solidarität der Stärke

Über die Solidarität der Stärke habe ich vor einiger Zeit schon einen separaten Artikel geschrieben, auf den ich hier für das Verständnis des Konzeptes verweise. Ich beschränke mich hier darauf, zusammenzufassen, dass es darum geht, dass wir Kindern und Jugendlichen schon ab dem Grundschulalter beibringen müssen, wie sie ihr volles Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, ihre Talente und Kompetenzen in eine Gruppe einbringen können und gleichzeitig die Gruppe als Ganzes im Blick haben und sich selbst als Teil der Gruppe sehen können.

Diese spezielle Kombination ist wichtig, um Gruppenstärke aus Individualität und Einzigartigkeit zu gewinnen, nicht aus Anpassung, Unterwerfung, Gleichschaltung oder Selbstaufgabe.

Dies braucht aktive Förderung von außen. Kinder müssen lernen, mit Gruppendynamik anders umzugehen als bloß durch emotionale Reaktionen oder den bloßen Fokus auf isoliert, nur für sich stehende Einzelne. Beide Umgangsweisen sind in Ordnung, aber wir müssen zusätzlich Begriffe und Dynamiken der Gruppeninteraktion lernen. Eine Gruppe, die ein Ziel oder einen Zweck hat, muss es irgendwie schaffen, ihre Kräfte zu bündeln. Die Kunst der sozialen Bündelung ist es, eine gemeinsame Richtung zu generieren, bei der jedoch keine Fähigkeiten und Eigenschaften verloren gehen – vor allem keine, die für den Gruppenzweck wichtig sind.

Wir müssen also lernen, gruppenspezifische Rollen zu übernehmen. Das gehört mit zu Entwicklung des Rollen-Egos (s.o.). Wir müssen dann lernen, in Gruppen Rollen je nach Anforderungen zu wechseln ohne dabei unsere Identität und unser Selbstwertgefühl zu verlieren. Dafür brauchen wir ein stabiles Körper- und emotionales Ego (s.o.). Z.B. braucht eine zielgerichtete Gruppe stets eine Alpha-Position. Wer diese Position jedoch ausfüllt, hängt vom Ziel, von der Situation und den Anforderungen ab. Wir müssen also Gruppenintelligenz entwickeln, um dies zu verstehen und solche Prozesse aktiv unterstützen zu können.

Je früher wir diese besondere Logik im Zusammenspiel von Einzelnem und Gruppe verinnerlichen, desto verantwortungsfähiger sind wir politisch, d.h. in Gemeinschaft und Gesellschaft. Nur so werden wir vielleicht eines Tages einmal demokratiefähig.

Das aktuelle Weltgeschehen, oder besser gesagt, dessen Aufarbeitung in den nächsten Jahren wird unwiderlegbar beweisen, dass die Menschen selbst in den entwickeltsten Ländern nicht annähernd demokratiefähig sind. Das, was uns als „Demokratie“ beigebracht wurde, beruht auf der unausgesprochenen und ungeprüften Prämisse, dass jeder Mensch weiß, was das Beste für die Gemeinschaft ist oder dass sich dieses Beste zumindest von selbst findet, wenn jeder seiner Meinung folgt. Nun wissen wir, dass die Menschen nicht einmal für sich selbst alleine sorgen können, oft nicht einmal für ihre eigenen Kinder, und das der Denk- und Verständnis-Horizont der meisten Menschen ein paar Meter hinter ihrem Wohnzimmerfenster endet. Und diese Menschen sollen durch „freie Wahlen“ bestimmen, wer die kompetentesten Führer für ein ganzes Land sind? Wozu das führt, haben wir nun vor Augen geführt bekommen. In den völligen Abgrund und Zerfall. Niemand würde auf die Idee kommen, in einer Familie mit drei Kindern alle Entscheidungen demokratisch zu treffen. (Wobei Kinder noch eine natürliche Klugheit haben, die den neurotischen Erwachsenen der „Demokratie“ fehlt: sie würden über kurz oder lang wollen, dass die Eltern entscheiden, weil sie kompetenter sind.)

In unserer „Demokratie“ wird das Talent und das Genie mundtot gemacht zugunsten einer nur mengenmäßig überlegenen Mittelmäßigkeit. Individualität ist für sie stets ein Störenfried. Demokratie ist Sozialismus light – sie zögert den Untergang nur etwas länger hinaus. Und diese Prägung beginnt bereits im Kindergarten.

Im Folgenden gebe ich eine stichwortartige Liste der acht (bzw. 16) wichtigsten Funktionen innerhalb einer Gruppe, eines Teams oder einer Gemeinschaft, die durch ihre Mitglieder eingebracht werden müssen (Reihenfolge hier unerheblich):

  1. Vision und Überblick
  2. Ideen und Impulse
  3. Standpunkte bestimmen und Meinungen formen
  4. Differenzieren und Konflikte aufzeigen
  5. Initiieren und ausführen
  6. Bewerten und Prüfen
  7. Entscheidungen treffen und Ziele anpassen
  8. Unterstützung und Fürsorge

Um diese Funktionen als Rollen präsent zu haben, müssen Menschen ihre Fähigkeiten einbringen und sich darin gegenseitig unterstützen. Mit diesem Verständnis gibt es keine Notwendigkeit, dass „alle gleich“ sind, sondern ganz im Gegenteil, sind Spezialisierung und Unterschiedlichkeit von größerem Vorteil. Je nach Prozess und Ziel wird immer mal jemand anderes aus seinen Fähigkeiten heraus „führen“.

Was Kinder dabei möglichst früh lernen sollten, um eine Basis für die spätere Sozialisierung in eine größere Gemeinschaft vorzubereiten, ist, die Ganzheit der Gruppe (oder später Gemeinschaft) und ihre Anforderungen an sie selbst als einzelne Mitglieder zu erkennen und zu verstehen. Dazu gehören die Fähigkeiten, sich mit der Gruppe zu synchronisieren, sich sowohl zurückhalten also auch sich behaupten zu können, wenn es ein Gruppenziel fordert (und alle wichtigen Talente zu fördern sollte meist eines der zentralen Gruppenziele sein). Es bedeutet vor allem, die schwierige mentale Brücke zu halten zwischen Eigeninteresse und Gruppeninteresse – nicht als Gegensätze und nicht für Kompromisse, sondern als zwei Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen. Das bedeutet Eigenständigkeit im Gruppenverbund. Der Einzelne dient der Gruppe, aber die Gruppe wird durch nichts anderes definiert als durch ihre einzelnen Mitglieder. Das heißt, der Einzelne kann lernen, sich selbst durch eine Gruppe zu dienen und mit einer Gruppe seine eigenen Ziele zu erreichen. Sonst wird Gruppe für den Einzelnen schädlich und zerstört somit die Grundlage ihrer eigenen Kraft.

So lernen wir, dass wir zusammen mehr erreichen können als alleine – das aber nur, wenn wir zusammen auch tatsächlich mehr erreichen als alleine. Performanismus statt Sozialismus. Und das gilt es zu lernen.

Umgang mit Scham und Angst

Emotionen und Gefühle sind wichtige adhoc-Signale über den eigenen Zustand und die inneren Reaktionen auf etwas, aber sie sind keine verlässliche Entscheidungsgrundlage. Emotionale Reaktionen beruhen auf Prägungen und zeigen nur an, wie die momentane Beziehung zwischen einer Sache und unseren gelernten Gewohnheiten, Präferenzen und Normen ist. Manche Menschen freuen sich darüber, verletzt zu werden, weil sie einmal prägend gelernt haben, dass dies die beste zu erwartende Zuwendung ist. Manche Menschen ärgern sich darüber, dass ein anderer Erfolg hat, weil ihre geprägte Assoziation ist, dass sie dadurch benachteiligt werden. Manche Menschen schämen sich ihrer Kraft, ihrer Meinung oder ihrer Sinnlichkeit, weil sie prägend konditioniert wurden, diese Aspekte von sich selbst verstecken zu müssen. Emotionen sagen nichts über den tatsächlichen Wert von etwas für uns aus. Sie sind nur schnelle Urteilsheuristiken, die auf unseren Kindheitsgewohnheiten beruhen. Manche davon mögen nützlich sein, andere hingegen sind beengend und blockierend.

Wir müssen lernen, Emotionen als das wahrzunehmen, was sie sind: erste, schnelle Gewohnheitsreaktionen. Und wir müssen lernen, sie nicht höher zu stellen als Begriffe, Gedanken und Erkenntnisse, sondern sie mit Hilfe von Begriffen noch besser zu erfassen und einzuordnen.

Emotionen müssen nicht per se „ausgedrückt“, sondern gelesen und verstanden werden. Der emotionale Ausdruck ist nur ein Mittel zu diesem Ziel, nämlich, um sich die eigenen Emotionen im Kontakt bewusster zu machen. Die alte kathartische Idee, Emotionen müssten „freigelassen“ und „losgelassen“ werden, ist ein grobe Verallgemeinerung, die in allen möglichen psychologischen Experimentierfeldern bis heute schon eine Menge Schaden angerichtet hat. Diese Idee ist nur in ganz bestimmten Situationen blockierten Ausdrucks therapeutisch richtig. Ansonsten besteht psychische Entwicklung darin, Emotionen ohne äußeren Ausdruck wahrzunehmen und begrifflich zu erfassen, d.h. sie durch Abstraktion und Symbolisierung auf die mentale Ebene zu heben.

Die beiden Grundemotionen, mit denen es die deutsche Kultur schon seit langem besonders schwer hat, sind Angst und Scham. Beide Emotionen gehören so natürlich zu uns wie jede andere Grundemotion, aber wir Deutschen lernen schon früh und gründlich, auf sie mit Lähmung und innerem Kollaps zu reagieren. Darunter liegt die instinktive Reaktion des Sich-Totstellens, die unser Körper nur dann wählt, wenn er keine andere Alternative hat. Diese künstliche Alternativlosigkeit im Umgang mit Furcht und Scham ist ein typisches Symptom von Traumata, d.h. von massiven Überforderungen, durch die eine Verbindung verloren geht. Sie führt zu einer inneren Haltung der Resignation, Kraftlosigkeit und deshalb scheinbaren Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Die daraus entstehende reale Unfähigkeit, mit diesen Zuständen konstruktiv umzugehen, pflanzt sich von Generation zu Generation fort: immer stehen Kinder mit ihren Gefühlen vor überforderten oder gelähmten Erwachsenen und fallen dann selbst in die gelähmte Hilflosigkeit.  Das ist nichts Politisches, sondern etwas Kulturelles, aber es kann natürlich politisch ausgenutzt und verstärkt werden.

Was müssen wir lernen, um mit Angst und Scham oder Beschämung konstruktiv umgehen zu können? Es gibt drei Ansätze, die diesbezüglich sehr machtvoll sind: Spiel, Dankbarkeit und Stolz.

Spiel ist die leichteste, natürlichste und sozialste Form der Verarbeitung von allem, was schwierig ist. Tiere, besonders Herdentiere nutzen sie ständig, um Konflikte zu lösen und Kompetenzen zu entwickeln. Das müssen wir Menschen in der Konsum-, Leistungs- und Vergleichskultur erst wiederentdecken. Zum Spielen gehören das Rollenspiel, das Schauspielen, die Übertreibung, das Spiel mit Ideen, Bildern und Worten und der Humor. Je nach Alter und Präferenzen wird jeder seinen eigenen Zugang dazu finden. Es ist enorm hilfreich, wenn Kinder involviert sind, denn für sie ist Spielen einfach ein Ausdruck ihres Wesens.

Dankbarkeit ist ein hochintegratives Gefühl, das über Emotionen weit hinaus geht. Wir können Dankbarkeit üben durch bewusste Wahrnehmung, durch intentionales, offen-empfangendes Sehen, Hören und Spüren. Dankbarkeit entsteht, wenn wir uns der Kongruenz und Stimmigkeit mit unserem Wesen, unseren Bedürfnissen und Eigenschaften bewusst werden. Sie entsteht, wenn unsere Aufmerksamkeit auf dem ruht, was alles vorhanden ist und nicht auf Vorstellungen darüber, was fehlt oder nicht richtig ist. In Extremsituationen kann man Dankbarkeit dafür empfinden, dass man atmen kann. Das kann man in Bezug auf jede Wahrnehmung von Lebendigkeit üben. Es ist unmöglich, dankbar zu sein und in Angst oder Scham stecken zu bleiben.

Stolz ist eine Grundemotion, die aus unserer Integrität entsteht. Ähnlich wie für Dankbarkeit geht es im Üben von Stolz darum, die Aufmerksamkeit zu lenken – in dem Fall auf Fähigkeiten, Kompetenzen und Errungenschaften. Dass den Deutschen das besonders schwerfällt und sie besonders viele abwertende Vorurteile gegen Stolz haben, ist nur ein weiterer Grund, sich darin zu üben. Stolz ist die Komplementäremotion zu Scham und führt zu Selbstermächtigung, Aufrichtung und Kraft. Man kann lernen, auf seine Fähigkeit zu fühlen stolz zu sein – es ist keine Selbstverständlichkeit – und irgendwann sogar stolz sein darauf, dass man Scham bewusst fühlen und erleben kann. Dies können wir auch vermitteln: „Ich finde es bewundernswert, dass du Scham so fein spüren kannst (und nicht gefühllos reagierst wie ein Psychopath) und so sensibel bist.“ Und dann: „…und dadurch kannst du lernen (z.B. nicht so laut zu sein?)“ oder auch: “… und dafür brauchst du dich nicht zu schämen“.

Stolz ist die Emotion von Integration während Scham signalisiert, dass wir etwas oder uns nicht integrieren können. Den gesunden Übergang von Scham zu Stolz können wir nur durch Anerkennung, Erkenntnis und Verständnis erreichen. Scham löst sich auf, sobald wir etwas verstehen können oder uns wieder angenommen fühlen. Die Frage bei Scham sollte also immer sein: was kann hier noch nicht integriert werden und was braucht es, damit es integriert werden kann? Deshalb ist Scham so wichtig:  sie motiviert uns, mit etwas Gewohntem anzuhalten, hinzusehen und uns für Integration einzusetzen. Nur durch Integration erweitern wir unsere Integrität. Ohne sie wären wir nur eine fragmentierte Zusammensetzung von wilden Impulsen, die alle gleich gültig wären. Wir wären nicht integer, nicht moralisch, nicht zurechnungsfähig und nicht sozial. Scham ist ein Integritäts-förderndes Gefühl, wenn wir sie verstehen und genau dafür nutzen. Psychopathen können keine Scham empfinden (weil ihnen die Mentalisierung von Integration fehlt) und deshalb könne sie auch keine Integrität entwickeln. Einem schamlosen Menschen können wir nicht vertrauen und nichts anvertrauen.

Scham ist die große Stief-Emotion der westlichen Welt. Auch die akademische und die populäre Psychologie verstehen sie erschreckend wenig – trotz zahlloser Forschungen und Publikationen. Sie ist unser großer blinder Fleck. Ihr Mangel mag der Hauptgrund sein für den verheerenden Verlust bis zur Abwesenheit von Demut und Ergebenheit in unserer Kultur. Blockierte, verdrängte oder betäubte Schamfähigkeit erzeugt genau den kaltschnäuzigen Narzissmus und den impulsiven, infantilen Materialismus, der so kennzeichnend für unser Leben geworden. Ich vermute, dass sich der rücksichtslos-asoziale, chronisch frustrierte und wert-konfuse Zustand unserer Gesellschaft sich auf den Mangel an Scham zurückführen lässt.

Nicht bewusste und nicht verarbeitete Scham führt zu chronischen Minderwertigkeitsgefühlen, aus denen sich ganze Persönlichkeitsstrukturen bilden können, und zu Schuld-Halluzinationen. Wir erkennen diesen latenten Allgemeinzustand vor allem an der überall treibenden Sucht nach Anerkennung kombiniert mit einem (sehr typisch deutschen) Streben nach Selbstbeschneidung und Selbstopferung, um sich von irgendeinem diffus erdrückenden Gefühl zu ent-schuldigen. Beide Besessenheiten bleiben natürlich stets frustriert und aktiviert, weil sie auf Vermeidung beruhen, nicht auf einem echten Streben nach etwas.

Der Angst entgegenzutreten fordert ähnliches von uns wie die Integrationsaufgabe der Scham. Zunächst geht es darum, Angst wahrnehmen und benennen zu können. Dafür müssen wir das irrsinnige Tabu durchbrechen, das aus der Lähmung und dem unfreiwilligen Schweigen entstanden ist.  Wir sollten erkennen, dass wir nicht schweigen wollen und dass Nichts-sagen-Können niemandem guttut.

Dafür müssen wir uns unseren persönlichen Ablenkungs- und Schutzmechanismen gegen Angstwahrnehmung stellen: z.B. der Lähmung, der Betäubung, dem Hang zu Zerstreuung und Drogen, der kindlichen Abhängigkeit durch Feigheit, der selbstzerstörerischen Opfermentalität bis hin zur Selbstverachtung, dem Hass, den Schuldkomplexen, der emotionalen Überforderung, der Wirklichkeitsabkopplung und schließlich all den Produkten eines von Angst verführten und vernebelten Intellekts, die als wahnhafte Ideologien, als menschenverachtende Systeme, als fantasieverzerrte Konzepte und als irrationale Wunschbilder den Menschen den Kopf dermaßen vermüllen, dass sie nicht mehr denk- und selbststeuerungsfähig sind. All dem müssen wir einzeln und ohne Ausnahme entgegentreten und dabei die Prinzipien des integrierten Verstandes und der Logik des Geistes aufrecht erhalten. Das ist es, was uns Jahrhunderte gefehlt hat und was wir nun wieder lernen müssen.

Wie machen wir das? Wie überwinden wir diese Jahrhunderte alte und durch schreckliche Traumata verschärfte und zementierte Lähmung durch Angst?

Nicht indem wir regressiv werden und uns in den Schoß matriarchaler Geborgenheitssysteme zurückwünschen oder in den martialischen Zustand primitiven Stammesdenkens. Progressiv mit Angst umzugehen heißt, im Auge des Unbekannten forschend und zielgerichtet zu bleiben. „Forschend“ heißt: nachfragend, untersuchend, vertiefend, erkundend – kurz neugierig! Neugier reduziert Angst. „Zielgerichtet“ heißt: den eigenen Werten treu bleibend, daraus Prinzipien ableitend und eine Richtung einhaltend – kurz: im eigenen Willen bleiben.

Wir werden niemals angstfrei sein, das wäre widernatürlich. Angst ist das Signal unserer Begegnung mit dem Unbekannten. Wir können uns aber dafür entscheiden, im Angesicht des Unbekannten unsere Vernunft, unseren Verstand und unsere Willenskraft einzusetzen, und neue Territorien und damit neue Horizonte zu entdecken. Diese drei können auch mit und in Angst funktionieren – sogar von ihr angetrieben werden. Und sie sind Ausdruck des immer forschenden menschlichen Geistes. Darauf sollten wir unsere Kultur und vor allem unsere Bildung ausrichten.

Zu Schule und Bildung

„Man lernt fürs Leben und nicht für die Schule“, heißt es. Aber das ist genauso unsinnig und falsch wie „Man lernt für die Schule“ – wenn nicht sogar noch falscher. Um im Leben etwas zu erreichen, muss man etwas können, aber bevor man es kann und etwas erreicht, muss man lernen. Warum sollten wir es lernen? Warum lernen wir?

Wir lernen für… Falsch! Genau da ist schon das Problem, die Abspaltung, die Trennung, die Verführung, die Abrichtung und die Entfremdung.

Wir lernen, weil es Freude macht. Weil es unserer Natur entspricht. Weil wir im Lernen wir selbst sind. Alles andere ist krank und macht krank. Das Kind lernt für das Erleben von Lernen. Wenn es in der Schule so lernen kann, wird ihm die Schule Spaß machen. Dann wird ihm Schule-Erleben Freude machen. Es lernt für seine Schulung selbst. Das ist richtig und gesund. Und dann wird es nie im Leben damit aufhören.

Ich werde ab und zu auch in Bezug auf diese Artikel-Reihe gefragt, welche Hinweise ich denn für die Bereiche Schule, Bildung und Erziehung geben könnte insbesondere hinsichtlich der Förderung von Verantwortungsfähigkeit. Ich glaube, dass vieles dafür sich aus dem bisher Geschriebenen schon ableiten lässt. Ich möchte in diesem Abschnitt deshalb nur ein paar Andeutungen geben, was grundsätzlich zu beachten und zu bedenken ist, wenn es um neue Bildungsansätze geht (und diese sind das Wichtigste für Veränderung überhaupt!).

Unser gesamter institutionalisierter Schul- und Bildungsbetrieb fußt auf der Intention, Menschen zu funktionierenden Teilen eines Systems zu machen und sie dafür von der Entwicklung von Individualität, Selbständigkeit und freiem Denken abzuhalten, mit all den Konsequenzen besonders für alle akademischen Bereiche, wie ich sie in Teil 7 dieser Reihe beschrieben habe.

Bei älteren Generationen von Lehrern und Dozenten mag es noch Reste klassischer Bildungsideale geben, in denen es um eigenständiges Denken und die Herausbildung von Verantwortungsfähigkeiten geht, wie ich sie oben beschrieben habe. Die Ideologie-, Gehorsamkeits- und Inkompetenz-gesteuerten Systeminstitutionen haben jedoch mittlerweile über 70 Jahre daran gearbeitet, dieses Bildungsverständnis zu vernichten – und mit Erfolg. Ich schätze einmal, dass bis auf ganz seltene Ausnahmen alle Tätigen im Bildungsbereich ab Jahrgang 1980 für verantwortungsorientierte Bildung nicht zu gebrauchen und nicht umzuschulen sind.

Für eine Darlegung der praktischen und organisatorischen Probleme ist an dieser Stelle kein Platz. Mir geht es um etwas Grundsätzliches. Es liegt nicht daran, dass diese Menschen kein bedeutungsvolles Wissen mehr aufgenommen haben und nicht mehr gelernt haben, in Zusammenhängen zu denken und Dinge zu hinterfragen. All dies könnte man in vielen Fällen nachschulen. Das Problem ist fundamentaler: diese jüngeren Generationen haben nie gelernt, in eigenständigem Denken und Hinterfragen überhaupt irgendeinen Wert zu sehen. Sie wurden von Kindheit an darauf, programmiert nach Anerkennung und Zugehörigkeit zu suchen und dafür alles zu tun oder aufzugeben, ohne sich jedoch jemals anerkannt oder zugehörig fühlen zu können. Dieser Generation fehlt nicht nur die Kompetenz, ihren Verstand eigenständig zu nutzen, sie lehnt den gesunden Menschenverstand kategorisch und mit emotionaler Vehemenz ab. Je jünger, desto mehr. (Mir ist klar, dass sich mancher Leser dieser Zeilen als Ausnahme davon sehen kann und sollte).

Kommen wir nun also zu einigem Grundsätzlichen als Fundament für eine gesunde, verantwortungsfördernde Bildung.

Der Mensch ist ein Entfaltungswesen. Das Menschliche zeigt sich in der fortwährenden geistigen Entfaltung, in steter Neugier und dem Streben nach mehr Verständnis und nach mehr Einfluss von Verstand und Geist, wobei die Dominanz des Materiell-Körperlichen proportional abnimmt. Menschen, die diesen Drang nicht oder nur marginal haben, sind offenkundig krank oder behindert. Jede menschenfreundliche Bildung muss diesem Wesen des Menschen gerecht werden und es fördern. Das heißt, sie muss vor allem anderen seine Entfaltung fördern.

Das wichtigste Prinzip für ein solche Bildung muss dafür die wörtliche Herausbildung von Charakter sein. Charakter ist die Summe unserer Fähigkeiten und Eigenschaften, die es uns ermöglichen, unser Wesen und unsere Anlagen zu entwickeln und in die Welt zu bringen. Der Fokus von Schule und Studium muss deshalb primär auf Fähigkeiten und Kompetenzen liegen und nur sekundär auf Inhalten. Welche Fähigkeiten? All jene, die ich in diesem Artikel angesprochen habe, d.h. alle Fähigkeiten, die die Entfaltung, den Ausdruck und die soziale Einbringung von Talenten und Kompetenzen bestärken.

Es gibt zwei Eigenschaften, mit denen Kinder von Natur aus ausgestattet sind, wenn man sie nicht behindert, und die die wichtigsten für die Entwicklung im ganzen Leben sind: Neugier und Ausdauer. Neugier beruht auf der Fähigkeit, Angst zu regulieren und Ausdauer beruht auf Willenskraft, das heißt auf der Fähigkeit, Ideen und Impulse zielgerichtet zu bündeln und umzusetzen. Dies sind die beiden wichtigsten Motoren für Erfolg im Leben – in allen Bereichen des Lebens. Bildung muss deshalb diese beiden Merkmale erhalten und fördern. Ein Lehrer der beide hat, wird damit automatisch ansteckend auf seine Schüler wirken.

Auf dieser Grundlage lässt sich auch die Frage nach den besten Unterrichtsformen ideologiefrei beantworten: jede Form, die entsprechend den Fähigkeiten der Lernenden ihre Neugier fördert und ihre Ausdauer fordert, ist richtig. Kinder wollen von Erwachsenen lernen, ihnen zuhören, ihnen nacheifern. Sie brauchen Anreize, Struktur und Material. Weder reiner Frontalunterricht noch der mechanische Zwang zu struktur- und ergebnislosen Gruppenarbeiten sind optimal. Es wird eine intelligente Mischung aus allem sein. Ein Prinzip für das beste Lernen ist dabei stets: spürbar herausfordernd und schaffbar. Außerdem möglichst häufige Erfolgserlebnisse, die zum Weitermachen motivieren.

Jede Fertigkeit und Kunst beruht auf Wahrnehmung. Ein Maler muss auf besondere Weise sehen können. Ein Musiker hören. Ein Sportler oder Tänzer seinen Körper wahrnehmen. Ein Wissenschaftler beobachten und logische Stimmigkeiten erkennen können. Eine Führungskraft ihre Anbefohlenen wahrnehmen können. Ein Bildungssystem, das verantwortliche Charaktere hervorbringen will, muss primär und durchgehend die Wahrnehmung der Menschen schulen. Dazu gehört vor allem die Selbstwahrnehmung – körperliche, emotionale und mentale Selbstwahrnehmung (pädagogisch stets in der Reihenfolge).

Darin liegt das wichtigste Gegengewicht zu den blind-reaktiven Tendenzen, Schule zu „digitalisieren“. Wahrnehmung ist analog. Deshalb sind Selbstregulation, Sozialverhalten, Führungskompetenzen und Verantwortung analog. Die besten Computer haben nichts davon und zu frühe, zu dominante Präsenz von digitalen und virtuellen, zweidimensionalen Maschinen im Leben von Kindern bremst oder zerstört gar ihre geistige Entwicklung.  

Wir haben es hier mit den zwei grundverschiedenen Funktionsweisen der rechten und der linken Hälfte des Neokortex zu tun, wie ich sie weiter oben und in Teil 7 schon beschrieben habe. Nur die „analoge“, vernetzende rechte Hemisphäre kann mit Komplexität umgehen. Selbststeuerung und Sozialkompetenzen sind hochkomplex. Deshalb sollte die rechte Hemisphäre mit ihrer holistischen Logik psychologisch immer der Chef sein – innerpsychisch genauso wie sozial, institutionell und kulturell. Nur sie hat Überblick, Wahrnehmung, Einfühlung und Zugang zu Erinnerungen und Erfahrungslandkarten. Die linke Hemisphäre sollte ihr untergeordnet sein, ihr dienen und von ihr gesteuert werden mit ihrer Genauigkeit, Fehlersensibilität, Begriffsbildung, Abstraktionsfähigkeit und Kontextunabhängigkeit.

Wir trainieren die rechte Hemisphäre durch alles, was Körperwahrnehmung schult, durch alles, was soziale Umsicht, Einfühlungsvermögen und Überblick braucht, durch alles, was Intuition, Kreativität, Spontaneität und Eigenmotivation fordert. Vor allem aber durch alles, was im zwischenmenschlichen Kontakt stattfindet. Autisten haben nur eine linkshemisphärische Identität, deshalb ist bereits die einfachste Kontaktsituation für sie eine Überforderung. Eines der wichtigsten Elemente von Verantwortungsschulung sind Kontakt und Austausch mit gegenseitigen Auseinandersetzungen und gegenseitigen Rückmeldungen.

Jeder, der sich über neue Bildungskonzepte für Talent- und Intelligenz-Förderung Gedanken macht, sollte diese Grundprinzipien kennen und berücksichtigen.

Zur Genesung der deutschen Wesens-Kern-Kraft

Wie oben zum Thema Angst und Scham schon angedeutet, ist gerade die deutsche Charakterkultur stark geprägt durch Lähmungs- und Totstell-Reaktionen auf Angst und Scham. Der Grund dafür liegt meines Erachtens in der über Jahrhunderte hinweg, bis heute wirksamen und von Deutschen sehr gepflegten Tradition, System und Struktur höher zu schätzen als alles Kindliche und Lebendige.

Dies führt dazu, dass Kinder zu früh dazu gezwungen werden, sich an ihre Umwelt (Familie, Schule, …) anzupassen. Zu früh deshalb, weil sie dazu gezwungen werden, bevor sie wirklich anpassungsfähig sind. Was tun sie also? Sie unterwerfen sich. Das ist ein psychosomatischer Kollaps, der einen fügsamen und innerlich kontrollierten, aber unselbständigen, willensschwachen und unlebendigen Charakter hervorbringt. In der ultra-preußischen Pädagogik war es die zu frühe Einpassung in Disziplin, Selbstkontrolle und Gehorsam. Heute ist es die ebenso unfreiwillige Fügung unter die viel subtileren Erwartungen, Idealvorstellungen und den daraus entstehenden Leistungsdruck, unter dem heute Eltern stehen, um „gute Eltern“ zu sein, und den sie unbewusst auf die Kinder übertragen, weil sie ihnen weder die Aufmerksamkeit noch die Freiheit geben können, so zu sein wie sie – als Kinder – eben sind. Der meist unausgesprochene permanente Vergleich mit Idealvorstellungen und Ansprüchen wird in der Moderne nicht mehr so sehr mit Strenge und Dominanz überwacht, sondern über Aufmerksamkeitsverteilung gesteuert. Die hohen Ansprüche, die wir in Deutschland gegenüber uns selbst und natürlich auch gegenüber unseren Kindern mit uns herumtragen, werden bloß verschleiert durch eine scheinbare Laisser-faire-Haltung, die in Wirklichkeit Mangel an Aufmerksamkeit, Interesse und Wertschätzung ist. Das neue Laisser-faire ist Vernachlässigung (siehe dazu Teil 2: die Psychologie von Links).

Unsere Kinder wachsen in einem verwirrenden Double-bind auf: Tu, was du willst – aber erfülle unsere Erwartungen! Sei spontan – und zwar so, wie wir es uns wünschen! Diesen Konflikt kann ein Kind nur lösen, indem es eine Als-ob-Persönlichkeit entwickelt, mit der es nach außen hin das Bild von Einpassung aufrechterhält, während die Verbindung zum inneren Wesenskern immer dünner und schwächer wird. Daraus entsteht entweder die Tendenz zum Narzissmus, also der Abtrennung der äußeren Persönlichkeit von eigenen Bedürfnissen und Gefühlen, oder im Extremfall die Tendenz zur Borderline-Störung, das ist die Entwicklung einer sozial-funktionierenden Persönlichkeit ohne körperlich und emotional verankerte Identität.

Eine sehr deutsche Haltung, die tief in unsere Identität eingeprägt wurde, ist: Ich muss einem Ideal, einer Idee, einer Erwartung entsprechen! Und deshalb ist die deutscheste aller Fragen: Darf ich das? Gefolgt von der zweit-deutschesten Frage: Ist das richtig so?

Mittlerweile ist das Verb „dürfen“ auch im links-psychologischen Sprachgebrauch semantisch erweitert worden um die Bedeutungen „können“ und „wollen“. Das ist Borderline-Sprache und nicht mehr narzisstisch: man möchte an kein Können oder Wollen mehr erinnert werden (weil man es nicht mehr hat) und verdreht dafür die Sprache in ein neues, vages, alles- und nichtssagendes „dürfen“: „Da durfte ich eine schwierige Erfahrung machen“, „Das darf ruhig noch besser gemacht werden“, „Ich darf mir jetzt ein Eis gönnen – wenn man das mal so sagen darf“. Auch wenn der moderne mentale Kollektiv-Partikel alias “Mensch” sich für frei und autonom hält, verrät ihn seine Sprache als infantilen Sklaven: für ihn ist alles eine Frage des Dürfens oder Nicht-Dürfens geworden. Die ihn bestimmende und drangsalierende Autorität ist dabei zu einer unsichtbaren psychischen Omnipräsenz geworden, die man in früheren Zeitaltern noch korrekt als Besessenheit bezeichnet hätte. Die Deutschen sind offensichtlich nicht mehr bei Sinnen, sondern Unterwürfigkeits-besessen.

Die Verantwortungslosigkeit der Deutschen liegt deshalb nicht am Mangel an Interesse an anderen – davon haben wir noch eine Menge – sondern am Mangel an Selbstwahrnehmung und Selbstrespekt. Man muss es deutlich sagen: an unserem Mangel an Selbst. Und wer nicht weiß oder nicht glaubt, dass er etwas Wichtiges und Wertvolles in sich trägt, der wird auch in sich nicht nach Antworten suchen, also passiv, fügsam und ohne Antworten bleiben. Stolz ist ein entscheidendes Merkmal von Verantwortungsfähigkeit.

Wie kommen wir da wieder raus? Wie kommen wir zurück zu der Fülle und Echtheit unseres Wesens? Wie können wir von dieser Krankheit der Wesens-Entfremdung wieder genesen?

Die deutsche Kultur hat das Heilmittel vor langer Zeit selbst einmal hervorgebracht mit einer in der ganzen Weltgeschichte bisher einmaligen und in der ganzen Welt bisher einzigartigen Kulturphilosophie: der Romantik. Es gibt nur eine Romantik im philologischen Sprachgebrauch: die deutsche Romantik.

Und ich möchte darauf hinweisen, dass es umgekehrt genauso ist – und das ist für das Thema meiner Artikel-Reihe viel bedeutsamer: das, was die Romantik als Kulturerscheinung ausmacht, kann ihrem Wesen nach nicht nur ausschließlich deutsch sein, das Deutsche ist seinem Wesen nach romantisch. Ansonsten ist es nicht vollständig, nicht authentisch oder nicht gesund.

Mit anderen Worten: die größte Integrität des deutschen Geistes als Ausdruck des deutschen Wesens finden wir in der Geisteshaltung der Romantik und all ihren Früchten und Ablegern.

Was bedeutet das konkret?

Es bedeutet, dass wir den Faden wieder aufgreifen müssen, den die deutsche Kultur zusammen mit sich selbst vor über 140 Jahren verloren hat. Das Studium dieser Epoche ist ein Thema für sich, für das in diesem Rahmen kein Platz ist, aber es lässt sich sagen, dass die Kultur der Romantik niemals über ihre kleinen Anfänge und über ihre großen Entwürfe hinausgekommen ist. Sie ist nie realisiert worden. Uns kamen „irgendwie“ politischer Verrat, psychopathische Machtapparate und zwei Weltkriege dazwischen.

Was nicht heißt, dass wir den Faden nicht wieder aufgreifen könnten. Ich glaube, wir müssen ihn wiederfinden, auch wenn das ein langer und anstrengender Weg wird. Nicht, weil damals alles „schön und besser“ war, sondern weil in den damaligen Anfängen und Ansätzen der einzige Weg zu unserer Gesundung und Entfaltung im Sinne unseres Wesens liegt.

Was müssen wir wieder aufgreifen?

Wir müssen den großen Gedanken wieder aufgreifen, dass der fühlende und denkende Mensch in der Mitte des Universums steht. Dafür müssen wir die subjektive, psychische Sichtweise in unsere objektiven Betrachtungen einbeziehen. Mit den ganzheitlichen Verstehens-Ansätzen der romantischen Dichter und Denker zur Gründung einer wahrhaft humanistischen Philosophie überwinden wir den kantschen Agnostizismus und Irrationalismus und alle die darauf fußenden menschenfeindlichen Ideologien von Kollektivismus und Altruismus. Die Geisteshaltung der Romantik würde uns zurückbringen zum Bezug auf unsere menschliche Natur, wie sie ist und was sie braucht, und erkennen, dass Leben über Technologie, Verstand über Gefühlen und Geist über Materie steht. Sie würde uns zurückbringen zum Erkennen des Wesentlichen und seiner gesunden Ordnung.

Wir müssen dann die kulturell erhabene Intention wieder aufgreifen, Religion, Kunst und Wissenschaft zu verbinden unter einer umfassenden Philosophie des menschlichen Geistes. Diese Philosophie ist nur vollständig, wenn sie sowohl Metaphysik als auch Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik umfasst, wobei die Ästhetik als die Frucht dieser Philosophie zu betrachten ist. Die Romantik hat verstanden – oder wiederentdeckt – dass objektive Richtigkeit und Schönheit zwei Facetten der gleichen Medaille sind. Es gibt deshalb eine Ästhetik des Körpers, eine Ästhetik der Sinne, eine Ästhetik der Moral, eine Ästhetik der Psyche und des Verstandes und eine Ästhetik der Gemeinschaft und des sozialen Miteinanders. Man könnte von der Schönheit und Richtigkeit in Organisationen und Institutionen sprechen, die Hand in Hand gehen miteinander und auf den gleichen Prinzipien aufbauen wie die Schönheit, die ein Mensch ausstrahlt, wenn er integer, aufrichtig und authentisch ist.

Für eine Genesung im ganzheitlichen Sinne der Romantik brauchen wir Motivation zu Schönheit. Das Zerstörungsziel der Psychopathen und aller anti-humanen Kräfte lässt sich auf einen Nenner bringen: es ist die Zerstörung von Schönheit. Also zuerallererst die Zerstörung unserer natürlichen ästethischen Wahrnehmungsfähigkeiten. So wurde uns die Fähigkeit zum Fühlen über Jahrhunderte hinweg sukzessive und willentlich betäubt und zerrüttet. An der modernen Architektur können wir besonders gut ablesen, was mittlerweile alle kulturellen Institutionen ausmacht: die Fixierung auf die Produktion von Würdelosigkeit, Hässlichkeit, Morbidität und Destruktivität. Es ist diese schleichende Zersetzung von Gefühl und Ästhetik, die uns der Menschlichkeit beraubt hat. Wir werden sie umgekehrt nur über Gefühl und Ästhetik wiederfinden können.

Der Geist der Romantik hat genau dieses Ideal vor Augen. Er beschäftigt sich nicht primär mit dem, was ist, sondern mit dem was sein sollte. Das ist mehr als eine moralische Frage, es ist die Frage nach den Möglichkeiten und den guten Zielen des menschlichen Geistes – unter Berücksichtigung der ganzen Schöpfung wie wir sie vorfinden. Diese Geisteshaltung erkundet und untersucht die gegebene Natur und ihre Gesetze, aber sie richtet sich an etwas noch Höherem aus: an dem, was der Mensch daraus und damit machen und gestalten kann. Sie sieht den Menschen als Gestalter und Schöpfer und nicht als Opfer.

Dieser Geist der Ganzheit und Ästhetik als Ausdruck unseres Verstandes kann uns zu der Besinnung (zurück-)bringen, die uns aus der Lähmung und den Krämpfen der Fragmentierung, der chronischen Überforderung, der Oberflächenverblendung und dem Materialismus aufwachen und herauskommen lässt. Nach der Besinnung gibt er uns auch eine klare Orientierung, um sowohl innerlich als auch äußerlich Harmonie und Ganzheit wiederherzustellen. Eben nicht durch neue, freischwebende Ideen und „Es wäre doch schön, wenn“-Ideologien, sondern durch das Studium und Erkennen der Naturprinzipien um uns und in uns.

Er zeigt uns den Weg zurück zur Natur – aber mit all unserer modernsten Technologie, mit unserem Verstand und all unserem Wissen von Quantencomputern, über Skalarwellen-Energie und signalfreie Informationsübertragung. Wir haben uns daran gewöhnt, Technik und Natur als Gegensätze zu sehen, weil wir das Bindeglied, den menschlichen Verstand, diskreditiert und ausgeblendet haben als wäre er eine Störung. Wir dachten, wir könnten mit Konzepten über „Umwelt“ und „Ökologie“ die Kontrolle wiedergewinnen und haben dabei die Natur vergessen.

Ich habe in Teil 8 schon die Grundzüge des deutschen Wesens nachgezeichnet anhand der zentralen Begriffe Besinnung, Betrachtung und Verinnerlichung. Damit sind sicher nicht alle, aber meines Erachtens die wichtigsten Kräfte des deutschen Wesenskerns benannt, die wir Deutschen leben und verkörpern müssen, um mit uns im Einklang zu sein. Dafür müssen wir sie wiederentdecken.

Mit diesen Kräften, die unserem Wesen entsprechen und entspringen, können wir jene wertvollen Antworten finden, die nicht nur wir, sondern die Menschheit in der jetzigen Epoche von Hochtechnologie ohne Geisteskultur unbedingt braucht, weil wir uns sonst selbst vernichten wie ein Horde wilder Affen in einem Hightech-Labor.

Der Geist und die Erkenntnisse der Romantik sind meines Erachtens die einzigen, die dem gerecht werden können, weil sie den ganzen Menschen ins Zentrum und über jegliches System stellen. Das ist die Umkehrung der teuflischen Abwärtsspirale, die irrationale Ideologien, Systeme und Technik immer höherstellt und den Menschen zu immer erniedrigenderer Unterwerfung verführen will.

Wir müssen wieder zurückkehren zu den geistigen Anfängen unserer Vorfahren des 18. und 19. Jahrhunderts – diesmal um ein Vielfaches klüger und erfahrener durch die vielen Sackgassen und Fallen der letzten 150 Jahre. Das heißt vor allem kampfbereiter, das Gesunde und Richtige mit Kraft zu verteidigen und durchzusetzen gegen Täuschung, Lüge, Verrat, Schindluder und die Ambitionen des Gestörten. Das heißt verantwortungsbewusster und verantwortungsfähiger.

Abschluss und Entschluss

Worum ging es in dieser Artikel-Reihe? Um Verantwortung? Um die Misere der Gesellschaft? Um den kulturellen Untergang und ihre Rettung? Um ein „deutsches Wesen“? Um kollektive Genesung?

Nein. Es ging um etwas anderes, das ich nur unter dieser gesellschaftlichen Problemstellung und Kollektiv-Flagge eingeschmuggelt habe. Es ging um dich, den Leser, den Einzelnen. Alle Teile dieser Reihe handeln von dir. Sie handeln nicht bloß von dem, was du siehst, wenn du in die Welt oder in die Nachrichten schaust, sondern vielmehr von dem, was du siehst, wenn du in dich selbst hinein und in den Spiegel schaust.

Das Kernthema dieser Artikel-Reihe war nicht Verantwortung, sondern Integrität. Deine Integrität. Welche sonst?

Es ging um Übereinstimmung. Dafür mussten wir den Blick für Nicht-Übereinstimmung schulen, für all die Krankheiten und Perversionen, die entstehen, wenn wir abweichen. Abweichen wovon? Von unserer Wesensnatur, von dem, was wir von Anfang an sind. Von der einmaligen Kombination aus Körper und Geist, die dich und jeden im Ursprung ausmacht. Wenn du sehen kannst, wo und wie du von dir selbst abweichst, und wenn du das Unbehagen, die Unzufriedenheit, den Schmerz, die Verzweiflung darüber lang genug aushalten kannst ohne davor wegzulaufen und dich abzulenken, dann hast du genug Führung in dir, um den Weg zu dir selbst zurück zu finden und von dort aus zu gehen.

Wenn wir irgendeinen anderen Weg gehen, können wir durchaus alles bekommen, was die Welt und die Gesellschaft uns geben können: Geld, Anerkennung, Ruhm, Wohlstand, Macht, Zugehörigkeit, Geborgenheit, Zufriedenheit, Bequemlichkeit, Dankbarkeit, sogar einen funkelnden Heiligenschein. Aber wir bekommen das Eine, das Wertvollste nicht: das, was wir in uns selbst finden müssen. Wir bekommen uns selbst nicht.

Verstehen kann das nur, wer erkennen kann, dass dies wertvoller ist als alles andere; dass die größte, hellste und schönste Illusion weniger wert ist als ein einziger Groschen, der echt ist. Dafür muss man aber noch einen Rest an Verbindung zu seinem eigenen Wesen haben. Um Gold herzustellen, musst du zu Anfang schon ein kleines bisschen Gold haben, sagten die Alchemisten. An dieses Gold kommen viele, sehr viele Menschen nie in ihrem Leben dran. Es ist das Erbstück, dass sie unangetastet hinter Eisentüren verwahrt lassen und eingerollt, unbenutzt und unentwickelt verkümmern lassen.

Wenn du durch diese paar Worte dieser Artikel an dieses Gold kommst, dann warst du sowieso schon ganz nah dran. Andere brauchen noch aufsprengendere Erfahrungen im Stil von Hammer und Meißel oder von einem Sturz aus dem fünften Stockwerk, etwas, das ihnen die durchdringende Einsicht in die Sinnlosigkeit und Leere eines Lebens ohne Wesenskern gibt. 

Fast jeder versteht das. Auf seinem Sterbebett.

Wir haben uns angesehen, was mit dir passiert, wenn du von dir selbst abbiegst, einer Illusion über dich unterliegst oder einen Teil von dir so sehr extremisierst, dass du deine Intaktheit verlierst. Wir haben diesen Weg zurückgelegt um zu zeigen, dass es nur einen einzigen Weg gibt, der richtig ist, weil es zu deiner Integrität keine Alternative gibt. Weil es zu dem, was du in deinem Wesen bist, keine Alternative gibt. Du musst nicht wählen und entscheiden, sondern erkennen und unterscheiden. Dann kannst du dich entschließen, das heißt aufschließen und erschließen, nicht um dich zu machen, sondern um dich zu finden und aus dem einen Echten heraus zu verwirklichen.

Alles andere ergibt sich danach und daraus. Alles andere ist nicht wichtig. Jede Anleitung ist nur dazu da, dich zu dem zurückzuführen, was ursprünglich an dir ist. Danach sprudelt diese Quelle von selbst und deine Aufgabe ist nur noch diese: mit ihr in Verbindung und Übereinstimmung zu bleiben; dich von nichts und niemandem davon abziehen zu lassen; deine Navigation durch das Leben immer weiter zu verfeinern, so dass du immer genauer deine Richtung und deinen Kurs wahrnehmen und halten kannst.

Die Belohnung ist eine ganz einfache: du wirst dein Leben leben und kein anderes. Du wirst dich entfalten und nichts anderes.

Etwas Größeres gibt es nicht.

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Blume aus Erdkruste

Die Macht des Lebens – wie wir durch Verantwortungsfähigkeit den Menschenhass überwinden


Wir befinden uns im Krieg.

Nicht in einem mit Panzern und Raketen, sondern in einem, der ausschließlich auf dem Territorium des Denkens und des Bewusstseins stattfindet. Manche behaupten, es sei ein „Informationskrieg“, aber das ist nur ein Ausschnitt aus dem eingesetzten Waffenarsenal.

Es ist ein geistiger Krieg. Gegenüber stehen sich zwei Erzfeinde: der Geist, der leben will und der Geist, der zerstören will. Und sie kämpfen um das Bewusstsein und das Denken der Menschen.

Dieser Artikel richtet sich an diejenigen, die auf der Seite des Lebensgeistes stehen und gewinnen wollen. Er liefert eine Grundaufklärung über die Natur dieses Kampfes, worum es geht, welche Waffen zur Verfügung stehen und wie wir gewinnen können.

Als achter und vorletzter Artikel der Reihe „Zur Genesung der deutschen Wesens-Kern-Kraft“ liefert er außerdem das Destillat aus den vorhergegangenen sieben Artikeln über die bisherigen Siege des Feindes und der von ihm vereinnahmten Territorien und beleuchtet die Not-wendendenden Elemente, die uns wieder mit den Kräften des Lebens verbinden über die Wiederherstellung von Verantwortungsfähigkeit.

Denn die Kräfte des Lebens als Quelle dieses Krieges sind dem künstlich geschaffenen Feind haushoch überlegen. Im Kampf der Wirklichkeit gegen einen Irrtum steht der Sieger stets fest. Wir aber müssen schauen, auf welcher Seite wir dann stehen wollen.

Die Grundströmungen des Lebens

Die essentielle Eigenschaft alles Lebenden ist es, nach Erhalt des Lebens zu streben, d.h. das eigene Leben bewahren zu wollen. Daran erkennen wir das reine und ungestörte Lebendige. Vom Einzeller bis zum Menschen trägt jedes Lebewesen diese Essenz des Lebens in sich – nicht als separaten Auftrag oder zusätzlichen Willen, sondern als Eigenschaft des Seins, also ontisches Charakteristikum. Leben und Leben-Wollen sind zwei Aspekte der gleichen Medaille.

Alles, was also das Leben bewahrt, schützt, fördert und bestärkt, ist natürlicher Teil des Lebens an sich. Hingegen ist alles, was das Leben an sich vermindert, bedroht, angreift oder zerstört, etwas, das mit dem Wesen des Lebens inkongruent ist, das heißt, es ist unnatürlich, krank, falsch oder – wenn wir so wollen – böse. Etwas ist objektiv „böse“ nicht weil es gegen erfundene Regeln oder Vorstellungen oder gegen persönliche Vorlieben geht, sondern weil es nicht Teil des originären Wesens ist, weil es nicht dem Sein und der Natur eines Wesens entspricht.

Wir können diese Erkenntnis gar nicht hoch genug schätzen, weil sie uns eine Richtschnur und Orientierung für eine objektive Bewertung gibt. Die Feststellung, dass Lebensbejahung und Lebensförderung untrennbare Aspekte des Lebens selbst sind, gibt uns eine metaphysisch feste und unbestreitbare Basis für alle weiteren Bewertungen. Wir müssen nur erkennen können, ob etwas das Leben bejaht und fördert oder es verneint und hemmt.

Leben manifestiert sich in Organismen. Lebende Organismen unterscheiden sich von toten Organismen durch zwei Grundbestrebungen: erstens dem steten Bestreben nach Integrität oder Intaktheit und zweitens dem innewohnenden Bestreben nach Wechselseitigkeit oder Kontakt. Das Bedürfnis nach Intaktheit strebt danach, unverletzt und unmanipuliert mit dem Wesen der eigenen Natur übereinzustimmen und zu leben. Das Bedürfnis nach Wechselseitigkeit strebt danach, sich durch Austausch mit anderem und anderen zu erhalten, zu wachsen, zu entfalten und fortzupflanzen.

Tatsächlich sind diese beiden Bestrebungen zwei zusammengehörende Aspekte des Lebens selbst und nicht voneinander trennbar. Sobald ein Lebewesen nicht mehr ganz intakt ist, ist es auch in seiner Fähigkeit für Kontakt und Austausch eingeschränkt. Und umgekehrt: sobald die Möglichkeiten für Stoffwechsel und vitales Geben und Nehmen eingeschränkt sind, leidet die Intaktheit.

In Konfliktsituationen und umso mehr noch in lebensbedrohlichen Situationen kann es jedoch auch im Sinne des Überlebens sein, dass ein Organismus vorübergehend (!) einen Teil seiner Intaktheit aufgibt, um dafür mehr Wechselseitigkeit aufrecht zu erhalten und umgekehrt. Z.B. mag ein Rudeltier aggressive Impulse unterdrücken, um den Zusammenhalt des Rudels nicht zu gefährden. Auf lange Sicht profitiert es nämlich davon. Umgekehrt kann jeder Organismus seinen Stoffwechsel oder seine Nahrungsaufnahme einschränken, um z.B. in einer nahrungsarmen Umgebung oder Jahreszeit zu überleben. Diese wechselnden Gewichtigungen der beiden Grundbestrebungen sind im natürlichen Verlauf immer nur temporär und balancieren sich gegenseitig aus.

Es kann aber auch passieren, dass ein Ungleichgewicht zwischen den beiden so stark ist oder so lange andauert, dass der Organismus sich daran gewöhnt, und dann von sich aus keinen Weg mehr zurück findet zur vollen gegenseitigen Bekräftigung dieser beider Bedürfnisse. Dann sprechen wir von einer chronifizierten Traumareaktion. Dieser Zustand kann besonders leicht in den jungen Entwicklungsphasen eines Organismus‘ auftreten, weil sich in ihnen die Struktur, also die innere Organisation und Form des Organismus‘ erst noch bildet. Starke unlösbare Konflikte zwischen Integrität und Kontakt in der Entwicklungsphase einer Eigenschaft oder Fähigkeit sorgen dafür, dass das Ungleichgewicht kristallisiert und in die Gesamtstruktur fest eingebaut wird. Der Konflikt formt dann die Struktur der eigenen Identität.

Wenn z.B. ein Kind aggressive Impulse in der prägenden Zeit bis zum etwa vierten Lebensjahr nicht ausreichend in der Wechselseitigkeit eines sicheren und widerspiegelnden Kontaktes erfahren kann, dann muss sein Nervensystem eine Lösung finden: entweder es unterdrück oder betäubt diese Impulse, um stattdessen einen „nicht-aggressiven“ Kontakt aufrecht zu erhalten, oder es bleibt seinen Impulsen treu, koppelt sich jedoch dann aus dem Kontakt aus und versucht, mit der eigenen Aggression alleine, mit sich selbst fertig zu werden. In beiden Fällen haben wir es mit einer Störung der gesunden Entwicklung zu tun, weil die natürliche vorhandene Aggressivität nicht integriert werden kann. Darunter leiden bei beiden Lösungsversuchen sowohl die Integrität als auch die Kontaktfähigkeiten in Bezug auf aggressive Impulse – nur mit etwas unterschiedlichen Bewältigungsstrategien. Wenn dieser Konflikt chronisch ist – z.B. weil das Kind immer wieder auf die gleiche Ablehnung stößt – dann bildet sich  aus dieser Erfahrung und der gewählten Strategie eine entsprechend einseitige Charakterstruktur des Kindes, auf der sich seine weitere psychische und soziale Entwicklung aufbaut. Auf jeder weiteren Entwicklungsstufe, d.h. auch in jedem späteren Lebensalter wird dieser Mensch essentielle Schwierigkeiten mit Aggression haben und mit allem, was mit Aggression zusammenhängt: Selbstbehauptung, Durchsetzungskraft, Positionierungsstärke, Vitalität, Meinungsausdruck, Entscheidungsfähigkeit, Führung, Sexualität, Verantwortung usw.

Was wir hier am Beispiel des Umgangs mit Aggression (und Kraft) gezeigt haben, lässt sich auf jede Eigenschaft und jede Fähigkeit des Menschen übertragen. In Bezug auf jede unserer Fähigkeiten besteht die gesunde Entwicklung und Integration immer darin, sie sowohl entsprechend dem eigenen Wesen und der eigenen Anlagen entfalten zu können (Integrität/Intaktheit) als auch sie sozial, im Austausch und im Kontakt mit der Welt anwenden zu können (Wechselseitigkeit). Die unzähligen Varianten von Charakteren und Persönlichkeiten ergeben sich in erster Linie aus den unterschiedlichen Prägungen dieser zwei Grundbestrebungen in uns in Bezug auf alles, was wir als Potenzial in uns tragen und wie wir gelernt haben, dieses Potenzial ins Leben zu bringen. Auf jeden Aspekt von uns selbst können wir die drei Grundprinzipien des Lebens einzeln anwenden:

Wenn es lebt, Teil des Lebens und lebendig ist, dann will es

  1. leben, lebendig sein und bleiben, d.h.
  2. seine Intaktheit bewahren und sich darin entfalten und
  3. in möglichst intensiver Wechselseitigkeit mit der Welt um sich herum sein.

Dies sind die Grundbedingungen und Grundeigenschaften des Lebens. Solange eine von diesen Grundbedingungen unerfüllt bleibt, degeneriert ein Lebewesen und bleibt auf einer reduzierten Entwicklungsstufe stehen. Es ist gestört, wird krank oder stirbt ab einem gewissen Punkt der Überforderung. Entweder weil seine Lebendigkeit und sein Lebenswille nicht mehr ausreichen, um seine Intaktheit aufrecht zu erhalten oder weil der lebensnotwendige Kontakt zur Welt fehlt.

Bei Einzellern ist das im großen Ganzen eine Frage von entweder Leben oder Sterben. Je komplexer jedoch ein Organismus ist, desto mehr Zwischenstufen und Graduierungen von Intaktheit und Wechselseitigkeit können sich ergeben. Manche Zellen können sterben, manche Organe können krank werden oder degenerieren, ohne dass der Organismus als Ganzes stirbt. Es können temporäre Zustände von Verletzung, Schwächung und Krankheit sein oder auch chronische Merkmale von Einschränkung, Unterfunktion oder Dissoziation.

Für Menschen gelten diese beiden Spektren von Intaktheit bis Disintegration und von Wechselseitigkeit bis Isolation für alle drei essentiellen Ebenen: für das Körperliche, für das Emotional-Soziale und für das Mental-Geistige. Auch wenn dies zu sehr komplexen und vielfältigen Zuständen führen kann, bleibt doch das Prinzip das gleiche. Es entspricht dem Wesen des Menschen, körperlich, emotional und mental vital und lebendig zu sein. Es widerspricht seinem Wesen, in irgendeiner dieser Dimensionen unlebendig, das heißt disintegriert oder kontakt-isoliert zu sein. Wir bezeichnen solche wesensfremden Zustände dann als „unnormal“, „gestört“, „krank“ oder „zurückgeblieben“.

Je früher in seiner Entwicklung ein Mensch auf diese Weise an seiner natürlichen, wesensgemäßen Entfaltung gehindert wird, desto stärker wird die Abweichung von seiner Natur sein. Je früher die Integration von eigenen Anteilen und Anlagen gestoppt oder vernachlässigt wird, desto schmaler und eingeschränkter ist das Spektrum von Fähigkeiten, die er nutzen und entfalten kann. Massive Störungen der natürlichen Entwicklung bereits vor der Geburt führen zu chronischen Schutzreaktionen im autonomen Nervensystem und einer Disintegration der körperlichen Selbstwahrnehmung. Dadurch werden fundamentale Anteile des eigenen Wesens bereits von der Anbindung an die Selbstwahrnehmung und -steuerung abgespalten und die ursprüngliche Ganzheit fragmentiert in einerseits wahrnehmbare und andererseits verdrängte, dissoziierte und betäubte Anteile. Auf einer solch frühen (vorgeburtlichen) Stufe haben wir es dann z.B. mit Störungen wie Autismus zu tun, bei denen die Fähigkeit, Kontakt mit der Welt aufzubauen und Eindrücke innerlich sinnvoll zu organisieren, so sehr beschädigt ist, dass es keine Grundlage für eine soziale Entwicklung gibt, für die diese Fähigkeit notwendige Voraussetzung ist.

Eine frühe, jedoch nachgeburtliche massive Störung der Entwicklung wiederum würde dazu führen, dass ein Kind sich nur unter sehr einfachen, gleichbleibenden Verhältnissen regulieren und fokussieren kann, von jeglicher Veränderung, vor allem von variablem sozialen Kontakt jedoch massiv emotional überfordert und deshalb auch kaum interaktions- und nicht bindungsfähig wäre. Die sozialen Anlagen seines Wesens können sich dann nicht entfalten und ebensowenig all jene Fähigkeiten, die darauf aufbauen, wie z.B. Spielkompetenz, Humor oder Empathiefähigkeit.

Durch den Mangel an integrierten Fähigkeiten und durch den Verlust an Intaktheit gehen dann auch wichtige Möglichkeiten zur Wechselseitigkeit verloren, so dass die Interaktionen mit der Welt nur auf sehr schmalen Bahnen verlaufen können und das Gehirn dadurch auch weniger „Futter“ für seine Entwicklung bekommt.

In jedem Falle wird der Organismus stets versuchen, so viel von seiner Integrität wie möglich aufrecht zu erhalten. Psychisch bedeutet das, dass er versuchen wird, eine konstante und sichere Identität, d.h. eine innere Selbstrepräsentation aufzubauen, egal wie klein und eng sie auch sein mag. Von diesem identitätsstiftenden Selbstempfinden wird er alles fern halten, das nicht verarbeitet werden kann, also jede Art der Überforderung, insbesondere jede Überforderung durch Schmerz. Je früher in der Entwicklung diese Überforderungen vom Selbstempfinden abgespalten werden müssen, desto grober und allgemeiner ist die Abspaltung, weil ein junges Nervensystem noch nicht fein und differenziert genug ist, um die Quelle des Schmerzes exakt zu bestimmen und zu isolieren. Wenn es gerade einmal zwischen Lebewesen und Dingen unterscheiden kann, und es von einem Lebewesen massiv überfordert wird, dann wird es Lebewesen komplett meiden und sich nur mit Dingen sicher und wohlfühlen. Etwas später vielleicht nur mit Tieren, aber nicht mit Menschen. Noch etwas später vielleicht nur mit Spielgefährten, aber nicht mit Autoritätsfiguren (oder umgekehrt). Oder nur mit Frauen, aber nicht mit Männern.

Um jedoch mit den eigenen inneren Reaktionen fertig zu werden, die eine Überforderung sein können (wie z.B. nicht regulierbarer Schmerz, Überaktivierung des Nervensystems, überwältigende Emotionen usw.) muss es ebenso verallgemeinernd mit ihnen umgehen. Auf einer sehr frühen Stufe wird es nur unterscheiden können zwischen „Schmerz empfinden“ oder „nichts empfinden“ und dann sein gesamtes Empfinden in gewissen Situationen oder in Bezug auf bestimmte Reize zu seinem eigenen Schutz reflexartig abschalten. Oder es wird, auf einer etwas späteren Entwicklungsstufe, zwar Körperempfindungen wahrnehmen, aber die Zuordnung zu Emotionen wie z.B. Traurigkeit oder Wut abschalten bzw. vermeiden. Wenn es bei diesem basalen Selbstschutz bleibt, dann wird es sein Leben lang auf bestimmte Situationen mit körperlichen Symptomen reagieren, aber keine Emotionen wahrnehmen können.

Was sich bei all solch denkbar frühen oder massiven Störungen der Intaktheit jedoch entwickeln kann, sind die Funktionen, die schmerz- und gefühlsunabhängig sind. Unser Gehirn ist so aufgebaut, dass seine linke Hälfte losgelöst vom Körperempfinden und damit auch losgelöst vom Fühlen, von der sinnlichen Wahrnehmung und damit von allen körperlichen Anteilen des eigenen Wesens funktionieren kann. In der linken Gehirnhemisphäre – diese Einteilung bezieht sich in erster Linie auf die Großhirnrinde – sitzen unser Sprachzentrum, unsere Fähigkeiten der analytischen, sequentiellen und objektbezogenen Verarbeitung und somit auch unsere Fähigkeiten zum verbalen, planenden, zielorientierten und detail-fokussierten Denken. Diese Funktionen sind analytisch und dissoziativ und können sich deshalb auch dann entwickeln, wenn die assoziativen Funktionen des (körperlichen) Spürens, des Empfindens und des Fühlens massiv gehandicapt sind. In Momenten außerordentlicher Bedrohung hat dies auch einen lebensrettenden Sinn, weil man sich so ohne Gefühlseinfluss nüchtern, sozusagen „eiskalt“ orientieren und strategisch, zielgerichtet handeln kann. Wenn dieser Ausnahmezustand jedoch chronisch wird, weil die gesamten rechtshemisphärischen Fähigkeiten zum Schutz vor Schmerz oder emotionaler Überflutung abgespalten und blockiert wurden, dann entsteht ein „eiskalter“ Charakter, das heißt eine Identität, die auf dieser Abspaltung vom (eigenen) Körper, von unmittelbarer Sinneswahrnehmung und vom Fühlen beruht.

Bei all diesen Spaltungen und Fragmentierungen der Psyche bleibt jedoch das Wesen an sich immer ganz, nur wird es in seiner eigenen inneren Organisation gespalten, so dass jede weitere Entwicklung im Leben auf dieser Spaltung beruht, sie in sich trägt und mit ihr zu kämpfen hat. Diesem Aspekt müssen wir besondere Aufmerksamkeit schenken, denn darin liegt die Ursache und Begründung für viele verstörende Tatsachen und Symptome, denen Menschen oft verständnislos und entsprechend hilflos gegenüberstehen.

Denn was passiert mit den Anteilen des ursprünglichen Wesens, die nicht in die Selbstempfindung, in den Charakter und die eigene Psyche integriert werden können, wenn sie doch als Wesensbestandteil und Potenzial nach wie vor vorhanden sind?

Sie werden von der Psyche als Ich-fremd und bedrohlich erlebt. Zum Einen, weil sie natürlich an die unbewältigten Traumatisierungen erinnern, die der Grund für die Abspaltung waren, und somit hochgradig mit Schmerz und Kontrollverlust assoziiert sind; und zum Anderen, weil sie der eigenen, sicheren Identität widersprechen und nicht von ihr integriert werden können ohne dass sie sich essentiell verändern müsste. Wir erleben psychisch das als bedrohlich, was unsere gewohnte Identität in Frage stellt, überfordert oder übersteigt – nicht bloß das, was körperlich real bedrohlich ist. Das ist der Grund, warum Menschen auch mit Bedrohungsgefühlen reagieren, wenn man ihnen etwas sagt, das ihr Weltbild in Frage stellt.

Warum ist das so? Weil unsere psychische Steuerungszentrale, der Neokortex, in dem Falle genauer gesagt der präfrontale Kortex auf Kontrolle geeicht ist. Eine Frage oder Idee können ausreichend sein, um ihn im wahrsten Sinne des Wortes fassungslos zu machen – er kann sie oder ihre Implikationen nicht erfassen. In solchen Momenten entscheiden unsere Assoziationen und Prägungen in Bezug auf Kontrollverlust, was dann passiert. Wenn wir keinen kognitiv-konstruktiven, d.h. lernorientierten Umgang mit dem Unbekannten gelernt haben, dann werden viel ältere emotionale oder körperliche Erinnerungen an Kontrollverlust reaktiviert und übernehmen das Steuer. Dies erklärt, warum manche Menschen auf eine einzige Bemerkung oder Frage hin so aggressiv oder verzweifelt reagieren als wären sie an Leib und Leben bedroht­.

Mangel an Integration (und damit verbunden natürlich auch Mangel an Wechselseitigkeit) führen also zu einem Konflikt zwischen Wesen und Identität. Dieser Konflikt kann die milde Form einer Irritation annehmen oder die drastische Form eines Krieges. Dann kämpfen Ich-Identität und ursprüngliches Wesen gegeneinander: das Wesen drängt einfach aus seiner Natur heraus nach Rückkehr zu seiner Intaktheit, zur Entfaltung all seiner Anlagen und zu mehr Wechselseitigkeit , während das Ich sich mit aller Kraft dagegen stemmt, weil es – zu Recht – Angst hat, von diesen Kräften überrollt zu werden. In diesem Prinzip liegt auch der Grund für all jene entwicklungsorientierten Ansätze, die auf die „Auflösung des Ich“ oder die „Überwindung des Egos“ vorbereiten wollen. Tatsächlich geht es in der Entwicklung aber um die Erweiterung der innerpsychischen Ich-Definitionen und der Ego-Strukturen und auf gar keinen Fall um deren „Vernichtung“. „Überwunden“ werden dürfen sie auch nicht, denn sie werden ebenfalls zur ordentlichen und integrierten Entfaltung des menschlichen Wesens gebraucht.

(Übrigens sind die stets strebenden und drängenden Wesens-Kräfte weder dunkel, noch archaisch oder chaotisch und auch nicht per se sexuell, wie Sigmund Freud und tausende seiner Ideen-Anhänger postulieren. Allerdings ist eine solche axiomatische Annahme über die „unbewussten Anteile“ des menschlichen Wesens ein gutes Beispiel für die Einstellung von einem Ich, das sich von jener ursprünglichen Ganzheit bedroht fühlt – und dann entsprechende Theorien und Ideologien als Großaufgebot seiner Verteidigung mobilisieren muss.)

Um die Kräfte und ihre richtige Ausrichtung für Genesung, also für die Reintegration von Identität und Wesen, gründlich zu verstehen, müssen wir die Dynamik der Desintegration und ihre Symptome voll und ganz kennen und erkennen. Deshalb werden wir uns, bevor wir zu den konstruktiven, gesundmachenden Aufgaben kommen, das Phänomen der tiefsten Abspaltung und der ruchlosesten Lebensfeindlichkeit ansehen müssen, welches den Gegenpol zu Verantwortungsfähigkeit darstellt: Hass.

Eine grundlegende Theorie des Bösen

Die zentralen Faktoren und die Symptome des kulturellen und psychischen Zerfalls, dessen historischer Tiefpunkt sich im status quo unserer Gegenwart widerspiegelt, habe ich sehr detailliert in den bisherigen sieben Artikeln dieser Reihe vorgestellt: beginnend mit den psychopathischen Machthabern und den Auswüchsen aus ihrem chronischen Hass auf alles Menschliche (Teil 1) ging es dann um die durch diesen Hass geförderten und verbreiteten realitäts-aversiven Ideologien von „Links“ (Teil 2), die daraus entstehende Abkopplung und sogar Bekämpfung von Fürsorge und Verantwortlichkeit in Machtpositionen (Teil 3), dann um das Brechen von gesundem Stolz und Selbstbewusstsein durch Traumatisierungen, die stattdessen einen Schamkomplex schaffen, der als Schuldkomplex unlösbar fixiert wird (Teil 4), um die alles manipulierende Macht, die aus dem künstlich geschaffenen Vakuum einen pervertierten Merkur-Geist aufsteigen lässt, der Denken, Kommunikation und Wahrnehmung verdreht (Teil 5) und damit menschlichen Geist und Kultur der Steuerung von Kommerz und Geld unterwirft (Teil 6) und schließlich die akademische Schicht der Gesellschaft zu einer realitätsfernen, irrationalen Glaubensgemeinschaft macht, die die Menschen intellektuell in den Abgrund der Selbstvernichtung führt (Teil 7). Nach diesem großen, zusammenfassenden Bogen können wir nun unsere Aufmerksamkeit auf seinen Ursprung und Ausgangspunkt richten: den Hass auf das Leben, also vor allem Hass auf das Menschliche und deshalb auf den Hass auf den Verstand.

Was ist und wie entsteht Hass?

Hass ist kein Gefühl und keine Grundemotion, sondern ein psychischer Komplex aus instinktiven Reaktionen, Emotionen und Gedanken. Wir können deshalb sagen, Hass ist eine Haltung, die alle Aspekte der menschlichen Psyche umfasst: den Körper, Emotionen und den Geist. Tiere können nicht hassen, weil sie nicht denken können. Hass ist etwas spezifisch Menschliches. Im Grunde genommen ist Hass eine in Gedanken oder sogar in eine Charakterstruktur kristallisierte Mischung aus Angst, Ohnmacht und Vergeltungswünschen.

Hass beruht zunächst einmal auf einer unverarbeiteten Erfahrung von Angst und Ohnmacht, in der die eigene Intaktheit und Integrität zumindest essentiell bedroht, meist aber tatsächlich beschädigt und zerstört wurden, und in der man sich nicht wehren und dies verhindern konnte.

Das subjektive Erleben der eigenen Integrität (Intaktheit) können wir als Würde bezeichnen. An der Wurzel von Hass liegt also in genau diesem Sinne stets eine Verletzung der Würde. Sie führt zu einem Einbruch des Selbstwertgefühls und einem Verlust von einem Teil des eigenen Wesens, der von diesem Moment an als „schlecht“ und „falsch“ abgespalten und von der eigenen Identität ferngehalten wird. Dieser ursprünglich eigene Teil wird dann in Folge als fremd und gefährlich erlebt, weil er mit dem Verlust der eigenen Würde und der Ohnmacht gegenüber dem Angreifer bzw. gegenüber einer überwältigenden Kraft verbunden ist.

Durch diese überwältigende Herabsetzung der eigenen Würde entsteht natürlicherweise ein Zorn, der eine gesunde instinktive Verteidigungsreaktion energetisieren soll. Durch die Ohnmacht jedoch wird dieser Zorn überdeckt und betäubt und kann nicht wirksam werden. Er bleibt als Impuls im eigenen Organismus stecken und dabei aber auch assoziiert sowohl mit dem verlorenen Teil der eigenen Integrität als auch mit den überwältigenden Kräften. Später im Leben wird sich dieser Zorn also mit all seiner archaisch-ungerichteten Kraft immer dann erheben, wenn einer dieser beiden Aspekte angesprochen wird. Instinktiver Zorn ist Zerstörungsbereitschaft – eigentlich um sich aus einer Bedrängung zu befreien, aber er kann, wenn er vom Kontext der bedrohlichen Situation dissoziiert ist, eben auch als reine Zerstörungsimpulse und „Zerstörungswut“ auftauchen. Seiner Natur nach hat er keine Richtung und kein Ziel, denn er ist dafür da, sich von etwas Mächtigem, Bedrängendem zu befreien und sich den Weg frei zu machen. Er ist eine allgemeine Aktivierung und ultimative Kampfbereitschaft und damit noch viel weniger spezifisch als Wut, Ärger oder Empörung.

Wann aber führt nun dieses Gemisch aus Angst, Ohnmacht, Entwürdigung, Zorn und Zerstörungsbereitschaft zu Hass? Denn nicht jeder, der diese Zustände erlebt, wird auch gleich hasserfüllt. Die Brücke zum Hass entsteht dadurch, dass die Wiederherstellung der Integrität, also der eigenen Würde, des Selbstwertgefühls und des natürlichen Stolzes versperrt wird und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die angreifende oder bedrohliche Kraft fixiert bleibt. Mit anderen Worten: Hass entsteht dann, wenn uns ein Teil unserer Würde genommen wird, wir diesen Teil vergessen und stattdessen wie gebannt mit dem Angreifer beschäftigt sind. Aus dieser Fixierung unserer Aufmerksamkeit auf den „Gefährlichen Anderen“ entsteht jenes komplexe mentale Konstrukt von Hass, mit dessen Hilfe wir unseren Zorn und damit unsere Befreiung und Wiederherstellung in die Zukunft projizieren: „Eines Tages werde ich es dir/euch heimzahlen!“. Wir lenken den Zorn und unsere ersehnte Wiederermächtigung um erst in die Fantasie, dann in die Pläne und schließlich in eine ganze Lebenseinstellung basierend auf dem Streben nach Revanche, Rache und Vergeltung.

Diese innere Haltung ist Hass und sie beruht auf einer gewaltsam von außen erzeugten Abspaltung von einem Teil unseres Wesens, an den wir dann nicht mehr herankommen, den wir nicht mehr zurückintegrieren und also auch nicht mehr nutzen können, weil zwischen unserem bewahrten Identitäts-Bewusstsein und diesem Wesensanteil der alte Schmerz, die erlebte Ohnmacht und der aufgestaute Zorn stehen. Diese Ent-Zweiung unseres Wesens führt zur Verzweiflung, einem inneren Zustand von auswegloser und hilfloser Zerrissenheit. Diese Zerrissenheit kann dazu führen, dass Menschen diesen anderen Teil, dieses schmerz-assozierte Etwas von ihrem eigenen Wesen ablehnen und, ja, hassen. Menschen hassen dann etwas an sich selbst. Und sie hassen dieses psychisch bedrohliche Etwas natürlich wo immer es auftaucht – also auch bei anderen und ganz allgemein immer und überall.

Je früher in unserer Entwicklung diese innere Zerrissenheit unserer Psyche erzeugt wird, desto grundsätzlicher und essentieller ist dieses Etwas, das wir dann hassen. Bei einem Baby kann dies z.B. seine grundsätzliche Bedürftigkeit sein, oder seine Impulsivität – wenn es auf Äußerungen dieser Lebensaspekte nur bedrohliche oder schmerzhafte Reaktionen erlebt. Was passiert mit einem Menschen, der sein Leben darauf aufbaut, seine Bedürfnisse oder seine natürlichen Grundimpulse mit Angst zu betrachten, zu verabscheuen und zu hassen?

Ein etwas älteres Kind könnte diese Erfahrungen in Bezug auf seine Neugier machen, in Bezug auf seine Aggressivität, auf seine Unabhängigkeits-Bestrebungen, auf seine Selbstbehauptung, auf seine Willenskraft oder später in Bezug auf seine Fantasie, auf seine Ideen, auf seine ersten eigenen Meinungen, auf sein Einfühlungsvermögen, auf seine Geschlechtsidentität, auf seine Leistungsbereitschaft oder seine Verantwortungsbereitschaft in Gruppen. Es wird dann diesen Aspekt seines Wesens nicht nur aus seiner Charakterbildung heraus halten, sondern entsprechend auch aus dem aufgestauten Zorn und der Verzweiflung heraus übergehen in Hass und Missgunst gegen diese Eigenschaften an sich. Wenn ein Kind – etwa ab dem sechsten Lebensjahr, also besonders im Schulalter – immer wieder irritiert, gedemütigt und entmündigt wird im Gebrauch seines logischen Denkens und seines Verstandes, dann wird es einen Hass auf den Verstand entwickeln und ihn ablehnen. Es wird eine Lebensphilosophie konstruieren, die auf dieser Ablehnung basiert und die mit allen Mitteln zu rechtfertigen versucht, nicht nur Sinn und Zweck sondern sogar die Möglichkeit von klarem Denken und Verstand zu leugnen, zu untergraben und zu bekämpfen.

Kurz, aus der Abspaltung oder Unterdrückung einer wesenhaften Eigenschaft entsteht eine mehr oder weniger gewalttätige und destruktive Anti-Haltung, die nicht auf Wissen oder schlussfolgerndem Denken beruht, sondern auf der tiefgreifend emotionalen Erfahrung von Integritätsverlust. Dass sie dann später, als Teil des persönlichen Schutz- und Abwehrmechanismus‘ gegen das Bewusstsein über diese Verletzung, intellektuell gerechtfertigt wird, ist nicht rational, sondern eine Rationalisierung, d.h. ein irreales, konstruiertes Gedanken- und Glaubensgerüst zur emotionalen Selbstverteidigung.

Wenn nun die Charakterbildung auf einer noch früheren Entwicklungsstufe die ursprüngliche Intaktheit verliert, z.B. noch vor der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten auf fundamental traumatisierende Weise, dann kann dies dazu führen, dass ein wichtiger Teil der eigenen Lebensenergie, die eigene Lebendigkeit, abgespalten wird. Dann wird sich entsprechend der beschriebenen Abwehr-Dynamik ein Hass auf alles Lebendige entwickeln. Und damit eben auch ein latenter Hass gegen sich selbst oder zumindest gegen alles Lebendige in einem selbst. Wenn diese frühe innere Spaltung und dieser Hass nicht gelindert und reguliert werden, dann baut die gesamte Persönlichkeit, der ganze Charakter darauf auf. Wir haben dann einen Menschen, der das menschliche Leben hasst und bekämpft. Dies bloß als einen Widerspruch zu betrachten greift zu kurz, denn was von außen nur wie ein Widerspruch in sich aussieht, ist tatsächlich ein tiefer Riss durch sein Wesen, der so tief geht, dass sich das Menschliche in ihm gar nicht zeigen und entwickeln kann. Auch wenn die äußere Erscheinung und Funktionsweise denen anderer Menschen sehr ähnlich sind, haben wir es in der Grundhaltung mit einem Monster zu tun: eine Kreatur, deren Lebenswille sich darin äußert, menschliches Leben zu hassen und zerstören zu wollen. Zu zerstören? Genauer gesagt: unter ihre Kontrolle zu bringen. Denn Hass ist vor allem der Versuch, dem Gefühl der Ohnmacht und des schmerzhaften Ausgeliefertseins zu entkommen.

Es ist nicht schwer, sich klar zu machen, dass solche „Monster“ eine perverse Genugtuung, d.h. vorübergehende Betäubung ihrer inneren Zerrissenheit, erleben, wenn sie anderen Menschen Schmerzen zufügen oder sie sogar umbringen können. Damit agieren sie das komplette Fantasiebild ihres Hasses aus: die Rache für das selbst Erlebte und gleichzeitig die Zerstörung jener Kraft, die sie als bedrohlich und überwaltigend wahrnehmen und von ihrem Bewusstsein abgetrennt haben. Ihre Besessenheit von solchen Akten der Zerstörung ist genährt von dem alten Zorn, der ursprünglich befreien wollte, nun aber im Dienste einer alles-kontrollierenden Identität steht, deren Kernaufgabe es ist, den Schmerz über die eigene Wesensspaltung nicht mehr zu spüren.

Diese dämonische Besessenheit entsteht also nicht primär aus der Fremdeinwirkung einer wesensfremden Intention, sondern aus dem frühen Verlust der natürlichen Ganzheit. Ist diese Ganzheit einmal zerbrochen, dann kann eine künstliche Identität auf einem Wesens-Fragment aufgebaut und alle anderen Wesens-Anteile in der Abspaltung gehalten werden, was dazu führt, dass das Bewusstsein eines solchen Menschen umgeben ist von bedrohlichen Anteilen seiner selbst, denen er nur mit Angst und engagiertem Hass entgegentreten kann. Und genau so tritt er dann allem und allen in der Welt entgegen.

So einen Charakter können wir als grundböse bezeichnen, denn er ist gegen das Leben selbst und gegen jeden Ausdruck von Leben. Wohlgemerkt, nicht das ursprüngliche Wesen, auf dem er aufbaut, ist gegen das Leben, sondern die künstlich erzeugte Ich-Identität, die über das fragmentierte und zerrissene Wesen herrscht. Ein solcher Monster-Charakter kann nur Monster hervorbringen. Seine Kinder werden nichts anderes kennenlernen als Wesens-Zerrissenheit und rücksichtlose Gewalt und so pflanzen sich psychische Monster fort. Ihr Denken kann durchaus messerscharf funktionieren, unbeeinflusst von Mitgefühl oder Skrupel. Sie können von Generation zu Generation ihr Wissen aufbauen, wie man Monster mit ganz spezifischen Eigenschaften und Funktionsweisen „erzeugt“. Ihr Hauptanliegen wird immer sein, alles und jeden unter Kontrolle zu halten. Dadurch entsteht eine Technologie der Traumatisierung, psychischen Fragmentierung und Programmierung. Damit ist die Bedeutung und Funktionsweise von „satanistischen Ritualen“ und blutrünstigen Kulten komplett umrissen. Damit ist erklärt, warum diese Machenschaften böse in der fundamentalsten Bedeutung des Wortes sind: sie sind gegen das menschliche Leben.

An dieser Stellen seien ein paar Worte dazu gesagt, warum diese „satanistischen“ Kulte (Satan = „Der Widersacher Gottes“, also der Opponent gegen die Ordnung der Natur, des Seins) so fanatisch ausschweifend mit Symbolen und mit dem Missbrauch von sexuellen Energien verknüpft sind. Beides hängt mit der Zerrissenheit der Psyche zusammen, auf der sie aufbauen.

Sexuelle Impulse gehen auf die Urkraft des Lebens selbst zurück: auf die Fortpflanzungsfähigkeit. Diese kann nicht vom Wesen abgeschnitten werden, weil es daraus gemacht ist. Sie kann nur teilweise blockiert oder pervertiert werden. Auch eine bodenlos gespaltene Psyche wird deshalb irgendeinen Weg finden müssen, mit dieser Energie umzugehen. Der Psychopath wird sie in seine Macht- und Kontroll-Mechanismen versuchen einzubinden, der Satanist wird die für ihn unkontrollierbare Überflutung mit sexuellen und in seinem Falle überhaupt körperlichen Empfindungen in den konstruierten Kult seiner Fantasie-Identität einbauen müssen.

Er kann diese Energien, die tatsächlich immer einen Kontrollverlust seiner linkshirnigen Ich-Identität und damit also eigentlich immer eine Bedrohung bedeuten, nur dann als positiv erleben, wenn er sie symbolisch umdeutet. Dabei geht es ihm vor allem um eine Umdeutung hin zu einem Selbstbild der Macht zur Zerstörung von Leben und Lebendigkeit. Da dies fundamental der Richtung von Sexualität widerspricht, die ja Leben schafft und vervielfältigt, muss er einen sehr großen mentalen Aufwand betreiben um die Illusion von Kontrolle über diese Kraft aufrecht zu erhalten. Dafür sind solche Kulte mit all ihrem Symbolüberschwang da.

Natürlich wird die Kopplung von bestimmten Symbolen an eine Bedeutung vor allem über traumatische Erlebnisse in das Bewusstsein und die Identität seiner Opfer eingebrannt, indem sie eine körper-dissoziierte, halluzinogene Flucht vor der Realität der eigenen (schmerzhaften, trauma-assoziierten) Wahrnehmung anbieten. Das engmaschige Korsett von symbolischen Bedeutungen und Zuschreibungen ist die einzige Klammer, die ihr verängstigtes Ich und ihre stetige Tendenz zum psychotischen Realitätsverlust noch zusammenhalten kann. Die permanenten aus dem „Chaos“ ihrer abgespaltenen Wesensanteile aufsteigenden Impulse, Emotions- und Erinnerungsfetzen müssen ja irgendwie bewältigt werden und eben genau dazu dienen ihre bizarren, hochgradig sexualisierten Symboliken mit ihren besonders auffälligen Stilisierungen von weiblicher Zeugungskraft ohne Mütterlichkeit und Fürsorglichkeit.

Die Verzerrung des Mütterlichen, ja alles Weiblichen ins einerseits grotesk Objekthafte und Unterwürfige und gleichzeitig ins gefühllos Sadistische spricht Bände über ihre realen frühkindlichen Prägungen. Sie reinszenieren ihre tatsächlich erlebten (Kindheits-) Albträume als „Rituale“ und baden in psychotisch-psychedelischen Ausnahmezuständen des Realitätsverlustes. 

Auch wenn dies in diesen verkrüppelten und degenerierten Formen oberflächlich nicht mehr erkennbar ist: all dies ist typisch menschlich. Nämlich insofern als dass nur der menschliche Geist zu solcher Denaturierung von seinem Wesen fähig ist und auch in den krankhaftesten Formen stets die Verkrampfungen des geschädigten Wesens noch erkennbar sind. Und sie können durchaus irreparabel sein innerhalb der Dimensionen eines Menschenlebens. Das ist nicht immer leicht einzusehen.

Natürlich führt nicht jede Bedrohung, Verletzung oder Infragestellung der eigenen Würde zu einer Abspaltung, sondern nur solche Erlebnisse, die nicht integriert und überwunden werden können. Dafür ist insbesondere während der Entwicklung eines Kindes sein unmittelbares Umfeld verantwortlich, denn wir können unser eigenes Gefühl von Würde nur in Bezug auf diejenigen Anteile von uns selbst entwickeln oder wiederherstellen, die wir bereits einmal bewusst integriert hatten – und auch dann brauchen wir oft Hilfe von außen, um „uns selbst wieder zu finden“, wenn wir unser Integritätsgefühl einmal verloren haben. Je früher ein Kind eine Entwürdigung und Desintegration erlebt, desto mehr ist es auf die Hilfe von außen angewiesen, um wieder psychisch ganz zu werden, d.h. ein vollständiges inneres Bild von sich selbst und seinem (ursprünglichen) Wesen aufzubauen. Darin liegt die besondere Verantwortung des Menschen: dass wir die Hilfe, die wir bekommen haben, um unsere eigene Identität zu entwickeln, eben auch wiederum an andere weitergeben müssen, die für ihre Entwicklung ebenso darauf angewiesen sind. Menschliche Identität entsteht nicht von selbst aus unserem Wesen heraus so wie ein Baum wächst. Sie braucht Förderung und Unterstützung.

Betrachten wir im Folgenden nun noch einmal systematisch, welche Konsequenzen aus Hass entstehen und an welchen Symptomen wir ihn erkennen können, bevor wir uns mit einigen konkreten Beispielen in unserer gegenwärtigen Kultur beschäftigen.

Die Konsequenzen von Hass

Wir schauen uns die Wirkungsweise von Hass auf das menschliche Leben genau an, nicht nur weil wir seine Auswüchse in all ihren Verkleidungen durchschauen und mit ihm umgehen lernen müssen, sondern ganz besonders auch deshalb, weil Verantwortung – das Haupt- und Zielthema dieser Artikel-Reihe – der diametral entgegengesetzte Pol zu ihm ist und sie in ihren verschiedenen Facetten alle Gegenmittel zu den destruktiven Facetten von Hass in sich birgt.

Die erste Konsequenz: Spaltung

Wir haben oben bereits dargestellt, dass Hass aus einer Abspaltung eigener Wesensanteile und damit aus einer Spaltung der Lebenskräfte entsteht. Deshalb ist alles, was in Folge dieser Kristallisierung von Spaltung entsteht, ebenfalls gespalten und zerrissen.

Die resultierende Spaltung verläuft für jeden Menschen an einer anderen Stelle – entsprechend seiner geistigen Reifestufe. Je mehr ein Mensch individuiert ist, desto weiter außerhalb von ihm verläuft die Trennlinie zwischen gesund und krank und er wird sie eher zwischen sich und (einem Teil) der Welt sehen. Je früher in der geistigen Entwicklung jedoch die Spaltung eingegriffen hat und Prägungen hinterließ, desto mehr verläuft sie durch die Person und ihren Charakter selbst hindurch. Zum Beispiel als Trennung zwischen Denken und Fühlen, die nicht mehr in Verbindung stehen und ständig innere Widersprüche und Kämpfe erzeugen, oder zum Beispiel als Trennung zwischen dem authentischen Kind-Ich und der angepassten „Erwachsenen“-Persönlichkeit; oder noch grundsätzlicher sogar als Spaltung zwischen Körper und Ich-Bewusstsein. In letzterem Fall kann der Körper durch die „Verbiegung“ der angepassten Psyche schwer krank oder gestört werden oder aber der Körper ist gesund und die Psyche ist offensichtlich degeneriert und zerrüttet.

Diese Spaltungsformen durchziehen dann dementsprechend auch Gruppen, Institutionen und die ganze Gesellschaft, die dadurch immer fragmentierter werden und in denen sich immer mehr und kleinere Untergruppierungen gegenseitig bekämpfen.

Die weiteren Konsequenzen ergeben sich aus dieser Zerrissenheit:

Die zweite Konsequenz: Degeneration

Durch die psychischen, organismischen und organisationellen Risse und Fragmentierungen geht die Kommunikation und die konstruktive Wechselseitigkeit der Teile miteinander verloren. Dadurch wird die Entwicklung gehemmt, was bis zur Stagnation oder sogar zur Regression auf primitivere Organisationsstufen führen kann.

Für den Einzelnen mag sich dies in geistiger Retardierung zeigen. Menschen, die stark von Hass geprägt sind, sind dadurch blockiert, Neues zu lernen, besser zu verstehen und neue Perspektiven einzunehmen. Ihre Psyche verfestigt sich um ein vergangenes Erlebnis herum und bleibt dadurch auf diesem früheren Niveau stehen. Der Zusammenhang von Hass, Gehässigkeit und Hässlichkeit ist unverkennbar. Menschen, die auf diese Weise psychisch arretiert werden, versteinern und verlieren ihre Lebendigkeit und Natürlichkeit, was wir intuitiv als abstoßend und hässlich empfinden.

Ebenso können Institutionen degenerieren, wenn das Gift des Hasses sie in ihrer Entwicklungsfähigkeit und Lebendigkeit lähmt. Sie vertreten dann geistige und moralische Regression auf immer frühere Entwicklungsstufen und führen die Menschen zurück in ein psychisches Steinzeitalter, in dem das Faustrecht gilt, sich „Interessengruppen“ wie Stämme bekriegen und jeder sich aus purer Angst selbst aufgibt, um unter den Schutz des stärksten Stammes zu kommen.

Jede Variante des Kollektivismus‘ ist ein Beispiel dafür. Wir sehen das heute in Feindseligkeiten aufgrund angeblicher „Religionen“, in der infantilen Anhängerschaft an Fußballvereine, in der irrationalen Verfechtung von Parteien, in der Macht von Logen und Seilschaften, in der unzählbaren Masse an Identitätsgruppierungen mit ihren Zugehörigkeitsangeboten – von der Facebookgruppe für naturliebende Singles bis zum bundesweiten Verein für „klimaneutrale Mobilität“. Das Festhalten und Verteidigen solcher Abschottungen beruht auf primitivem Stammesdenken, das wiederum auf Angst beruht, welche wiederum durch psychische Regression und Retardierung ausgelöst und verstärkt wird. Es sind „Lebensrettungsgemeinschaften“ für die chronisch Überforderten.

Die dritte Konsequenz: Nihilismus

Als nächste Konsequenz aus Spaltung, Angst und chronischer Überforderung ergibt sich eine Haltung gegenüber allem Unbekannten und Ungewohnten, die sich am besten als Nihilismus bezeichnen lässt.

Die nihilistische Haltung ist jene, die Werte verneint, indem sie das Individuum verneint und Werte vernichten will, indem es das Individuum und alle Äußerungen von Individualität vernichten will. Sie propagiert dafür zunächst erstmal, dass ein Kollektiv stets besser oder wichtiger als der Einzelne ist und deshalb stets Vorzug vor den Bedürfnissen des Einzelnen erhalten muss. Ihr Appell an alle ist: jeder Einzelne soll sich gefälligst auflösen in und für ein eher undefiniertes „Kollektiv“.

Im zweiten Schritt fordert sie dann die Opferung des Kollektivs bzw. seiner Ressourcen für die Schwächsten und für das niedrigst mögliche Niveau in allem, was nichts anderes ist als eine systematische Gesamt-Selbstvernichtung. Sie propagiert Gleichheit für alle, weil sie weiß, dass diese Gleichheit nur in der Wertlosigkeit, in der Ohnmacht und im Zerfall, man könnte sagen nur im Tod, möglich ist. Also sollen alle sich an Wertlosigkeit, Ohnmacht und Zerfall orientieren. Wer versucht, sich zu erheben, wird niedergeschlagen – für die Gleichheit.

Die vierte Konsequenz: Zerstörung

Der Nihilismus wird in der Steigerung von Hass nur noch übertroffen von der rohen Gewalt der Zerstörung. Hierunter fallen alle Handlungen, die unmittelbar vernichten, erniedrigen und desintegrieren wollen. Vom randalierenden Hooligan oder Antifa-Mitläufer bis zum hoch stilisierten satanistischen Kult mit Menschenopfern wird unsere Gesellschaft mittlerweile maßgeblich von dieser primitivsten Entartung des menschlichen Geistes beeinflusst. Aktiver Menschenhass ist viel weiter verbreitet und viel tiefer in die Psychen der Menschen gesickert als sich der medial betäubte Bürger vorstellen kann.

Man braucht keinen Bill Gates oder andere jesuitische Marionetten zu entlarven, um den Wunsch nach Menschenreduktion zu finden. Es ist kein ausgefallenes Luxus-Hobby von nur ein paar durchgeknallten, super-reichen Misantrophen, die Bevölkerung (die Menschheit) reduzieren zu wollen. Jeder linksideologische Mitläufer, jeder „Umwelt“- und „Klimaschützer“, jeder Kollektivist… sie alle träumen davon: ein Leben mit nur wenigen oder gar keinen Menschen. Menschen sind für sie der große Störfaktor und sie sollen deshalb zumindest drastisch beschränkt werden. Genauer gesagt, das menschlichste aller Charakteristika, der Verstand, muss eingeschränkt und unterdrückt werden. Alles wäre gut, wenn er weg wäre! Wir könnten endlich dazu zurückkehren, nur noch wie Tiere in Höhlen zu leben, nur noch feindselige wilde Natur und „Ursprünglichkeit“ um uns herum zu haben, täglich um unser Überleben und etwas zu essen zu kämpfen und zu den guten alten prähistorischen Zeiten von Tieren und Pflanzen ohne Menschen zurückkehren. Ist das nicht eine erhebende und attraktive Vision?

Weniger offensichtlich ist die Kombination von Spaltung, Degeneration, Nihilismus und Gewalt in der Bildung und in sogenannten „Kultur-Angeboten“.

Wenn ein Lehrer seinen Schülern oder Studenten beibringt, dass irrationale Bewegungen wie Sozialismus, Egalitarismus, „Gender“-Beliebigkeit oder „Klimaschutz“ mehr Berechtigung und Zuspruch haben sollten als die rationale und analytische Auseinandersetzung mit ihren Argumenten, Motiven und Prämissen, dann zerstören sie damit den Verstand der jungen Leute, die Hilfe bräuchten, ihn zu benutzen. Mehr noch, sie machen die Abgänger aus dem Bildungssystem zu Hassern des Verstandes, die ihre eigenen Zweifel, Ambitionen und Fragen verabscheuen und vermeiden und aus ihrem hilflosen Neid alles Erfolgreiche, Gute, Schöne, Geistige und Menschliche niederschreien und vernichten wollen. Daraus entsteht jene Armada von Sinnlosigkeits-Junkies, die unfreiwillig und unwissend am kulturellen Albtraum der Geistlosigkeit mitarbeiten. Mobilisiert von Minderwertigkeitsgefühlen, Überforderung und Orientierungslosigkeit treiben sie fanatisch-militant die Umwandlung der Menschen in bewusstlose Ameisen voran. Ihre Befreiungsmotive sind pervertiert worden in das Streben nach Befreiung vom (eigenständigen) Denken, vom moralischen Gewissen und von der Herausforderung, ein Individuum zu sein.

Wenn uns in Museen, auf Bühnen und in Konzertsälen ästhetischer Schrott angedreht wird, der so aufwendig gerechtfertigt werden muss, dass man als Betrachter nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, dann ist das ein Angriff auf unser ästhetisches Empfinden für Schönheit, Richtigkeit und für das Gute. Also auch auf die Würde des Menschen. Unser Fernsehprogramm, was wir im Kino präsentiert bekommen und was unzählige Kleinkünstler zur „Unterhaltung“ anbieten, ist fast gänzlich darauf angelegt, das Menschliche in uns zu demütigen, zu entwürdigen und zu zerstören – mal subtiler, mal in brutalster Geschmacklosigkeit. Es ist nicht schwer, dies an jedem beliebigen Beispiel darzulegen. Schwer ist es mittlerweile, ein ausnehmendes Gegenbeispiel zu finden. Wir müssten mindestens 20 Jahre zurückgehen, um einen Rest von Produktionen ohne Hass nicht nur mit der Lupe zu finden.

Dies bedeutet nun nicht, dass alle Teilnehmer dieser Hass- und Zerstörungs-Produktivität dies selbst aus eigenem Hass heraus tun. Die meisten von ihnen sind schlichtweg Mitläufer in einem System, dass aus dieser Destruktivität heraus geschaffen wurde, und sie sind davon verwirrt, verstehen aber nicht warum. Allerdings muss man durchaus Neid, Missgunst, Minderwertigkeitsgefühle, Angst und Destruktivität mitbringen, wenn man in diesem System aufsteigen, gefördert werden und Erfolg haben will. Nur dann kommt man in höhere, „verantwortungsvollere“ Posten – nämlich jene, auf denen man sich aktiv für die Zerstörung des Menschlichen engagieren muss.

So sind wir heutzutage von Hasspropaganda und Zorn auf alles Menschliche und Gute umgeben und baden darin.

Früchte des Hasses

Um nun einmal anschaulicher und greifbarer zu machen, wie sehr unsere gesamte Kultur mittlerweile von den Strukturen des Hasses geprägt und gesteuert ist, will ich im Folgenden zwei Beispiele geben, die oberfläch betrachtet nach dem völligen Gegenteil von Zerstörungswahn aussehen und für die meisten sicherlich sogar als die Gefechtstürme von gesunder Moral dastehen, bei genauerer Betrachtung aber die Fratze des übelsten Widersachers zeigen. Zum ersten ist dies die sogenannte „Umwelt“- oder „Umweltschutz“-Bewegung mit all ihren Auswüchsen. Und zum zweiten ist es der Egalitarismus, also die geistige Gleichschaltung, die als Multikulturalismus salonfähig wurde.

Warum tritt uns unter der Verkleidung von „Naturschutz“, „Umweltschutz“ und seit Neuestem auch „Klimaschutz“ das Böse entgegen?

Die meisten Menschen betrachten diese ideologischen Phänomene nur sehr oberflächlich und halten sie deshalb für eine gute und vor allem moralisch wertvolle Sache. Hinter der selbstgebastelten Fassade von besonders moralischen, weil nämlich selbstlosen und sich-selbst opfernden „Aktivisten“ steckt jedoch eine Philosophie blanker Menschenverachtung. Um das erkennen zu können, dürfen wir uns von emotional aufgeladenen Begriffen wie „Schutz“, „Nachhaltigkeit“, „Verantwortung“ und „Bewusstsein“, die von den „Umweltschützern“ benutzt werden, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wir müssen ihre Ideen, ihre Prämissen, vor allem aber ihre Motive, Intentionen und Ziele prüfen.

Die Grundprämisse aller solcher Naturschützer ist: „Der Mensch muss sich der Natur unterordnen, weil die Natur (sprich jedes Tier, jede Pflanze, jedes Gewässer, jedes Stück Landschaft usw.) grundsätzlich einen höheren Wert hat als alles, was der Mensch möchte, anstrebt, kann oder ist.“

Zunächst erkennen wir darin schlichtweg das fehlende Verständnis für die Sonderstellung, die der Mensch im Universum einnimmt, indem er nämlich ein (potenziell) geistiges Wesen ist, d.h. dass er nicht wie ein Tier durch Einpassung und Anpassung in eine gegebene Natur leben und überleben kann, sondern dass er dafür geistig tätig werden und die Natur für seine Bedürfnisse nutzen und formen muss. Er kann nicht einmal Feuer machen oder ein Floß bauen ohne dafür einen Baum zu fällen.

Der Mensch produziert die Technologie und den Lebensstandard einer Zivilisation nicht dadurch, dass er die Natur „ausbeutet“, sondern indem er sie sich zunutze macht. Die marketingtechnisch wirksame Parole von der „Ausbeutung der Natur“ und dem „Raubbau an der Natur“ impliziert die Idee, dass wir uns bloß bei einem wehrlosen Wesen bedienen und ihm seine Produkte wegnehmen wie ein Räuber, so als ginge es hier um einen ungerechten oder gar ungesetzmäßigen Eingriff in „natürliche“ Besitzverhältnisse. Dass die unbearbeitete Natur für den Menschen einen Feind darstellt, weil er in der „natürlichen Umwelt“ gar nicht überleben könnte, das wird gerne ignoriert. Oder vielmehr nicht ignoriert, sondern verschwiegen.

Denn jenseits dieses fundamentalen Unverständnisses des Wesens des Menschen und des Wesens seiner Beziehung zur Natur ist die Motivation dieser Ideologien explizit oder implizit, die Natur oder Umwelt auf Kosten des Menschen zu retten oder zu schützen. Und das ist ein kaum noch versteckter Angriff auf den Menschen. Manche grün-gefärbten Ideologen halten damit auch gar nicht groß hinter dem Berge und sprechen ihren Wunsch, dass der Mensch am besten verschwinden solle – und es dann besser nur noch eine menschenfreie Natur geben solle – relativ ungeniert aus. Das heißt, sie sprechen ihren Hass auf den Menschen an sich und damit auf das menschliche Wesen offen aus. Der Hass im grünen Gewand liefert natürlich niemals echte Lösungen, sondern nur Parolen und Kampfaufrufe zu seinen Vernichtungsprogrammen, so wie jede Form von Hass. Er hat auch kein Verständnis für irgendeine Realität. Der kommunistische Hass à la Marx baut auf der Prämisse auf, dass Fabriken und Produktionsstätten mit ihren Arbeitsplätzen quasi naturgegebene Tatsachen darstellen, in denen Arbeiter und Angestellte bloß Werte finden und herausholen, während die Erschaffer, Leiter und Besitzer dieser Arbeitsplätze kurzerhand zu überflüssigen Ausbeutern und unrechtmäßigen Nutznießern deklariert werden.

Die gleiche Art realitätsabgekoppelter Annahmen bildet das Glaubensfundament der Umweltschützer, die davon ausgehen, dass Industrie, Produktion und höherer Lebensstandard nur durch das Ausrauben einer Art Natur-Bank möglich sei und sie alle deshalb per se gegen die Natur seien. Die ideologische Strategieabteilung der Umweltschützer interessiert sich nicht für neue technische Lösungen. Ideologen haben sich noch nie für die Realität, Naturgesetze und das Prinzip von Ursache und Wirkung interessiert, es sei denn sie lassen sich in ihre emotionalisierten Agenden und Wunschträumen einfügen. Statt sich für eine bessere Nutzbarmachung der Natur, für weniger Vergiftung, für Programme bewusster Naturanlegung oder zumindest für das tiefere Studium der Natur zu engagieren, kämpfen sie in Wirklichkeit für eine Befreiung der Natur vom Menschen – in mehr oder weniger drastischer Form – also für die Abschaffung des Menschen unter dem Deckmantel von „Schutz für die arme Natur“.

Die salonfähigen Varianten wollen (erstmal) „nur“, dass wir weniger verbrauchen, mehr verzichten, vor allem aber chronisch ein schlechtes Gewissen haben.  Wir sollen uns dafür schämen und schuldig fühlen, dass wir Menschen sind, menschlichen (Erfinder-) Geist besitzen und uns das Leben angenehmer und geistreicher machen wollen. Sie versteigern sich dabei in immer schrillere und absurdere Begriffs-Akrobatik bis hin zum „Klimaschutz“, der als inhaltlich sinnloser Emotions-Köder frei in der Luft des Irrationalen baumelt.

Man kann die Verblendung und die neurotisch-symbolische Verkleidung von Hass auf den menschlichen Geist kaum noch durchscheinender machen. Jede Pflanze, jeder Baum sollen mehr Aufmerksamkeit, mehr Rechte und mehr Schutz erhalten, als irgendeine menschliche Angelegenheit. Der immanente Widerspruch, dass die Vertreter dieser Verblendung glauben, dass sie sich selbst vernichten müssten, um „die Natur“ zu retten und dass dies ihr Anliegen als Menschen ist, fällt ihnen in ihrer Überflutung von Hass, Verzweiflung und Irrationalität natürlich nicht auf. Sie leben in einer Projektion, welche stets prä-rational ist. Wir müssen sie nicht ernst nehmen. Aber wir müssen die Manipulationstaktiken und die Folgen ihrer Ideologie ernst nehmen. Dafür gilt es zunächst, den intellektuellen Kardinalfehler zu durchschauen, Wahrnehmung und Denken zu entkoppeln oder gar zu verwechseln. Dies ist die Auslöschung des Verstandes und nur darum geht es ihnen.

Menschen mit „Umweltschutz“-Gehirnwäsche beschweren sich über die Verschmutzung der Luft, aber sie engagieren sich nicht für Technologien der Luftreinigung oder Abgasfilterung, nein, sie wollen die Industrie reduzieren oder abschaffen. Ihnen ist wichtig, dass wir weniger Auto und mehr Fahrrad fahren. Dass jedoch täglich weltweit Tausende von Kindern schlicht an Nahrungsmangel sterben, holt sie nicht hinter dem Ofen hervor. Sie wollen keine intelligente und technologische Lösung, weil sie dafür den verhassten Verstand adressieren müssten – den sie ja weghaben wollen.

Deshalb engagieren sie sich nur für hysterische Bewegungen und affektiv aufgeladene Agenden der Irrationalität.  Herausforderungen, Verstand und Leistungen sollen ausradiert werden aus ihrem und unserem Bewusstsein. Nur so können sie ihren vorsprachlichen Zorn und ihren giftigen Neid ausagieren und entladen.

Deshalb auch feiern sie am liebsten Katastrophen-Meldungen und Untergangs-Fantasien. Sie wollen menschliches Versagen sehen, Fehler und Misserfolge! Ihre Zukunftsvohersagen lesen sich wie moderne Aufgüsse alltestamentarischer Propheten-Drohungen. Die Flüsse werden vergiftet sein, die Luft verpestet, alle Öl-Vorkommen leer geplündert, die Meere mit Fischkadavern durchzogen, die Atmosphäre durchlöchert und tödlich, die Erde verödet und die Natur am Ende. Warum? Weil der Mensch Verstand und Willenskraft benutzt hat. Oh Sünde!

Sie sprechen niemals den Verstand an, sondern stets nur primitive Reaktionen von Angst und Schuldgefühlen. Ihre pseudo-wissenschaftlichen Begründungen lassen sich auf Gymnasialniveau durchschauen und widerlegen und ihre Botschaft ist stets die gleiche: „Habt Angst vor Euren Ambitionen, Eurem Können, Eurem Wissen, Eurer Technologie, Eurer Neugier, Euren Ansprüchen, Euren Wertvorstellungen und Euren Handlungen!“, kurz: vor dem menschlichen Geist.

Offensichtlich haben sie Angst davor.

Beispiel 2: egalitäre Unterdrückung

Das zweite Beispiel ist eine Grundhaltung, die sich am besten mit Multikulturalismus umreißen lässt, die im Grunde jedoch totalitäre Unterdrückung des menschlichen Geistes im Gewande von Egalitarismus ist. Ihre behauptete Intention ist es, Gleichheit für alle und alles zu suchen, ihr Motiv dabei ist es jedoch, alles Gute und Wertvolle abzuschaffen und zu zerstören.

Gleichmacherei zeigt in verschiedenen als-ob-Gesichtern von der Pseudo-„Diversität“, über die angebliche „Geschlechter-Gleichstellung“, die „Inklusions“-Bewegung und den „Anti-Rassismus“ bis eben hin zum „Multikulturalismus“, der sich gerne auch als „Basis-Demokratie“ ausgibt und neuerdings überall mitreden will. Bereits in ihren Forderungen und Axiomen kann man bei jeder dieser intellektuellen Initiativen erkennen, was ansonsten spätestens in ihren Umsetzungen offensichtlich wird, nämlich dass sie das Gegenteil von dem sind, was sie behaupten. Die Diversitäts-Prediger machen tatsächlich die oberflächlichsten und bedeutungslosesten Unterschiede, nämlich z.B. Hautfarbe, Geschlecht oder eine körperliche Behinderung zum entscheidenden Kriterium für ihre Auswahl. Das gleiche gilt für die „Anti-Rassisten“ ohne die niemand sich für Rassenzugehörigkeit interessieren würde außer ein paar Enthnologen und Historiker. Sie aber fordern, dass gerade die Rasse wichtig ist und angeblich „unterdrückte Rassen“ bevorzugt gefördert werden und angeblich „dominierende Rassen“ beschränkt werden sollen. Das ist Rassismus. Und zwar von der sinnlosesten Sorte. Die Inklusions- und die Multikulti-Missionare engagieren sich keineswegs für die beste Förderung von Behinderten oder Benachteiligten und kulturellen Leistungen und Steigerungen, sondern für die Beschränkung der Leistungsstarken und Erfolgreichsten, die angeblich zum Wohle der Minderbemittelten, Untalentierten und Erfolglosen beschnitten werden müssen. Darin steckt ihr eigentliches Ziel.

In all dem erkennen wir den Hass auf alles Gute, Starke und Erfolgreiche. Die Nivellierung und Gleichmachung – so grauenvoll diese Intentionen bereits auch sind – sind nur ein Deckmantel zur Rechtfertigung. Sie verschleiern nur ein wenig, dass es um eine Absenkung aller Maßstäbe und Kriterien bis ins Bodenlose geht. Und die Vertreter dieser intellektuellen Motivation zur Vernichtung von Leistung und Leistungsfähigkeit machen auch selten einen Hehl daraus, dass sie eigentlich gegen jeden Vergleich, gegen jedes Kriterium und gegen jede Art von Maßstab sind.

Muss noch darauf hingewiesen werden, dass diese Bestrebungen aus Minderwertigkeitsgefühlen, Selbstwertmangel, Neid, Frust und Hilflosigkeit erwachsen? Woher sonst soll ihre offene Feindseligkeit gegenüber allem Guten und Strebenden kommen?

Wir müssen diese Anti-Haltung lernen zu erkennen in all den vielfältigen und eifrigen Programmen zur „moralischen Verbesserung“ der Menschen, die sich stets in alles einmischen wollen, stets die Kontrolle übernehmen wollen, um stets nur das eine zu erreichen: zu stören. Entwicklung zu stören, Fortschritt, Erkenntnis, Wachstum zu stören, Leistung, Gelingen und Erfolg zu stören, Gewinn, Errungenschaften und Genuss zu stören. Warum? Weil sie sie nicht haben und nicht haben können. Deshalb soll niemand sie haben! Das ist die ganze Moral ihrer Missionen.

Sie greifen jeden rationalen Maßstab an und damit jedes vernünftige, realitätsbezogene Denken. Wer aber die Maßstäbe und Kriterien abschaffen will, der will eigentlich Werte an sich abschaffen. Es soll keine Vergleiche und keine Beurteilungen mehr geben, weil es kein Bewusstsein für Werte mehr geben soll! Sie hassen Werte, weil sie selbst keine haben und keine haben können. Um Werte zu haben, muss man einen fühlenden Bezug zu seinem eigenen Wesen und sich selbst als lebendes Ganzes haben. Ohne dieses Selbstgefühl sind Werte nichts als austauschbare Ideen.

Deshalb sind sie permanent auf der Suche nach „unterdrückten Minderheiten“ die sie zu Opfern stilisieren, um sie dann wie eine Reliquie auf ihrem nächsten Kreuzzug gegen alles Kraftvolle vor sich her zu tragen. Die Schwächsten sollen der neue Maßstab sein (bevor es dann gar keinen mehr gibt). Denn sie wollen uns alle befreien. Von was? Von Werten und Selbstwertgefühl.

Die philosophische Hyperbel dieses Hasses gegen alles einschließlich der Grundwerte des Lebens haben die Existenzialisten hervorgebracht, die ihren Selbstwertverlust in abstrusen Rationalisierungen feiern, weil ihnen das Gefühl für den Wert ihres Lebens nicht mehr zugänglich war. Deshalb meinen sie, das Leben an sich hätte keinen und haben daraus eine „Philosophie“ gemacht. Machen wir uns klar: dieses Produkt und seine Produzenten sind ein Fall für die Psychiatrie.

Wenn wir ihren modernen moraltheologischen „Erlösungs“-Programmen von „Bewertungsfreiheit“, „Diversität“ und „Multi-Kulti-Basisdemokratie“ folgen wollen, dann müssen wir die Untalentiertesten am meisten fördern, die Leistungsschwächsten und Inkompetentesten befördern, die Kriminellsten in Entscheidungspositionen heben, die Unerfahrensten in die Gremien holen und die Unwissendsten (mit-)entscheiden lassen. Und, ganz wichtig: dabei niemals hinsehen, nichts einschätzen, keine Kriterien anlegen und niemals vergleichen. So „diversifizieren“ und „anti-diskriminieren“ wir uns in den Abgrund des Totalzusammenbruchs. Kommt jemandem das bekannt vor? Können wir auf diese Erfahrung verzichten und die Sache durchschauen bevor es zu spät ist?

Wie kann man solche Programme durchschauen und aushebeln? Indem man nach ihren Zielen und Werten fragt. Es reichen die zwei Fragen „Warum?“ und „Wozu?“. Diese können sie entweder nicht beantworten und disqualifizieren sich mit hohlen rhetorischen Gegenangriffen oder sie landen in absurden und widersprüchlichen Argumenten, die auf genau das zeigen, was sie sind: ein absurdes Nichts.

Mit diesem Beispiel wollen wir die Betrachtung der Hass-Phänomene nun abschließen und uns der gesunden und integrativen Gegenkraft zuwenden: der Verantwortungsfähigkeit.

Die Säulen der Verantwortungsfähigkeit

Wahrnehmung und Begriffsbildung

Menschliche Entwicklung wird energetisiert von zwei Polen: der Wahrnehmung und der Begriffsbildung. Ein Mangel an dem Fundament der Wahrnehmung führt dazu, dass die Begriffsbildung stockt, undifferenziert bleibt und irreal wird. Dann entstehen Einbildungen, Illusionen und Lügengebäude abgekoppelt von der wahrnehmbaren Wirklichkeit. Ein Mangel an Begriffsbildung führt zu Einfältigkeit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit und Orientierungslosigkeit. Dann verstehen wir nicht, können nicht verstehen und ziehen uns zurück auf ein einfaches, kindliches Funktions-Niveau, in dem wir uns von anderen lenken, versorgen und benutzen lassen.

Wie wir diese beiden  Pole von Wahrnehmung (unmittelbares Erleben) und Begriffsbildung (Abstraktion und Mentalisierung) auf gute Weise fördern und wie wir auf diese Weise Verantwortungsfähigkeit entwickeln, wird das Thema im nächsten und letzten Artikel dieser Reihe sein.

Hier soll es zunächst erst einmal darum gehen, die Notwendigkeit zu erkennen, dass diese beiden Pole miteinander interagieren und in Verbindung bleiben. Das Ergebnis ist sonst, dass wir sowohl auf der Ebene jedes Einzelnen als auch institutionell, gesellschaftlich und weltumfassend in zwei getrennte Teile gespalten werden: auf der einen Seite der losgelöste Intellekt, der immer neue und verrücktere Konzepte, Regeln und Strukturen hervorbringt, die gegen die Wahrnehmung und damit gegen unsere Natur und Bedürfnisse sind; und auf der anderen Seite ein immer hilfloseres, infantileres und abhängigeres Leben, das zunehmend überfordert ist, bedrängt und erniedrigt wird, während es sich in naiven Hoffnungsfantasien verliert. Das ist der Zustand unserer Kultur – wenn man auf dieser Stufe fortgeschrittener Degeneration überhaupt noch von „Kultur“ sprechen kann.

Ein Merkmal der gängigen Begriffsverwirrung ist die fatale Verwechslung von „Wahrnehmung“ und „Wahrheit“. Sobald man jemanden ausrufen hört: „Es gibt ja viele Wahrheiten“ oder „Jeder hat halt seine eigene Wahrheit“, weiß man, dass man es mit einer massiven Vernebelung von Objektivität und Subjektivität zu tun hat. Gemeint ist und richtig ist: „Es gibt viele Wahrnehmungen (i.S.v. Perspektiven oder Wahrnehmungsweisen)“, denn jeder hat seine eigene Wahrnehmung. Damit würde man jedoch zugeben müssen, dass man durch Wahrnehmung noch lange nicht die Wahrheit kennt und dass man bei aller eifrigen Hervorhebung des Subjektiven und des eigenen Erlebens leider noch nichts über das real Gegebene weiß – also im Nebel stochert.

Denn Wahrheit gibt es nur im Singular. Sie ist absolut, sonst wäre es nicht die Wahrheit. Nur kann man sich mit ihr auf einer Party von Erlebens-Fanatikern keine Freunde machen. Ihnen fehlt die Begriffsbildung, die ihnen eine Objektivierung in all ihrer ständig wechselnden, emotionalen und ungeordneten Wahrnehmung ermöglichen könnte. Wahrheit ist als Abstraktion zu weit weg von ihrem konkreten und emotionalisierten Level der Begriffsbildung.

Am deutlichsten wird diese Verwirrung bei allem, was als „Kultur“ bezeichnet wird. Kultur ist die Ganzheit von menschengeschaffenen Techniken um einen Kanon von Werten herum. Sie besteht aus Geschaffenem und beruht überhaupt nicht auf Gegebenem (sondern stellt nur Arten und Weisen dar, mit Gegebenem umzugehen). Von einer „Kultur der Schwarzen“ oder „der Weißen“, „der Homosexuellen“, „der Blinden“, „der Frauen“ oder „der Südländer“ zu sprechen ist daher nicht bloß Unsinn, sondern tatsächlich destruktiv, denn damit wird die Basis von Kultur – nämlich Werte – verleugnet. Naturgegebenes und Angeborenes können niemals die Basis von Kultur sein. Das gleiche gilt für bloß äußerliche Umstände und mechanische Reaktionen. Es gibt keine „Kultur der Alleinerziehenden“, „der Arbeitslosen“, „der Behinderten“, „der Drogensüchtigen“, „der Krebspatienten“ oder „der Teenager“. Weil diese Gegebenheiten keine Identität schaffen, die mit dem Geiste, dem Willen und den Fähigkeiten der Menschen zusammenhängt. Wer darin seine Identität sucht – und der Geist des Menschenhasses möchte viele dazu anstiften – der muss sich selbst, also seine Individualität aufgeben. Es entsteht jene Kollektiv-Identität, die den Einzelnen zum psychischen Zombie macht. Für viele mag das zunächst eine attraktivere Alternative zum quälenden Minderwertigkeitsgefühl darstellen, aber sie ist eine Sackgasse und ohne Hoffnung.

Wer aber Werte und Kultur abschaffen möchte, z.B. weil er nicht daran teilhaben kann und sich vom werthaltigen, geistigen Leben ausgeschlossen fühlt, der wird Kultur nur noch durch Naturmerkmale ohne Wertebezug definieren und jede andere Form von Kultur leugnen.

Was liegt diesem Hass auf Werte zugrunde?

Angst vor dem abstrahierenden Denken.

Warum? Weil es nicht bewerkstelligt werden kann. Stattdessen bleibt das Denken an der vorbegrifflichen Wahrnehmung orientiert. Dies erkennt man daran, dass nur sichtbare Dinge, nur sichtbare Unterscheiede und nur direkt erfahrbare Werte anerkannt werden. Abstraktionen wie „gut“ und „schlecht“, „besser“, „Leistung“, „Kultur“, „Kompetenz“ usw. dürfen nicht zählen, weil sie keine Bedeutung haben. Solche Begriffe werden dann nur für Dingliches und unmittelbar Erfahrbares verwendet, darüber hinaus führende Abstraktionen werden bekämpft. Da konkretistisch denkende Menschen alles Kognitive bekämpfen, bekämpfen sie eben vor allem jede gedankliche Unterscheidung. Für sie sind nur Dinge unterschiedlich, darüber hinaus fühlen sie sich überfordert und werden aggressiv. Männer und Frauen können unterschieden werden, aber dass sie in Bezug auf manche Aspekte – z.B. ihre Moralvorstellungen – keine Unterscheidung, in Bezug auf andere – z.B. Kleidungsschnitte oder Versicherungspolicen – sehr wohl Unterscheidung brauchen, das können sie nicht verstehen. Zur Sicherheit wollen sie deshalb, dass „alle gleich behandelt werden sollen“, d.h. immer und überall sichtbar gleichbehandelt, wie ein Fünfjähriger es verstehen würde.

In der gleichen Abstraktionsschwäche stecken Menschen fest, die „individuell“ sein wollen, indem sie bestimmte Kleidung tragen oder „Zugehörigkeit“ erleben, wenn sie sich mit bestimmten Gruppensymbolen versehen. All das ist einer bloß wahrnehmenden, körperlichen Identität verhaftet und ohne Identität im Geiste. 

Das Gegebene und das Gemachte

Wahrnehmung bezieht sich auf das Gegebene. Denken und Begriffsbildung hingegen beziehen sich auf das Machbare und Gemachte. Wenn wir die korrekte Abstraktion verlieren oder den Bezug zur Wahrnehmung, dann können wir das Gegebene (Unveränderbare) nicht vom Gemachten (Veränderbare) unterscheiden. Gegeben sind uns das Leben, der Kosmos und seine Naturgesetze. Natur ist das Gegebene. Gemacht ist das Erdachte, das Künstliche und das Technische, das, was vom Menschen erfunden und geschaffen wurde.

Heutzutage kann der Durchschnittsgebildete nicht nur nicht mehr zwischen den beiden unterscheiden, er akzeptiert sogar ihre diametrale Verwechslung und lebt im mentalen Chaos. Er nimmt Gesetze und Verordnungen als gegeben hin, dem er sich zu fügen hat wie einem Naturgesetz und gleichzeitig hält er physikalische Gesetze, Naturereignisse und körperliche Eigenschaften für konstruiert, frei wählbar und bloß ausgedachte Ideen. Er möchte sich engagieren, die „Umwelt“, die Erde oder das Klima zu retten, glaubt, dass es mehr als zwei Geschlechter gäbe und sie alle auch nur eine Sache sozialer Vereinbarungen wären; er hält den Kosmos (und auch seine eigenen Gedanken und Gefühle) für ein bloßes elektrisches Konstrukt seines Gehirns und bemerkt nicht, dass er all diese frei erfundenen, absurden und menschengemachten Ideen für Tatsachen hält, die er weder hinterfragen noch verändern könne.

Kurz: er behandelt Ideen als gottgegebene Materie und die gottgegebene Materie als bloße Idee und Erfindung. Verwirrter und abgekoppelter geht es kaum noch. Und wenn Menschen mit dieser Verwirrung über die Erde stolpern, dann sind Kollisionen unausweichlich. Wenn sie dann aber auch noch den Bildungsapparat eines Landes steuern, die zentralen Nachrichtenagenturen führen, Gesetze für ein ganzes Land bestimmen oder über Massenvernichtungswaffen verfügen, dann steht das Überleben der Menschlichkeit wenn nicht sogar der Menschheit auf dem Spiel.

Betrachten wir es umgekehrt: um verantwortungsvoll sein zu können, muss man unterscheiden können zwischen real Gegebenem und menschlich Konstruiertem. Ersteres lässt sich nur annehmen, um damit umzugehen. Letzteres aber lässt sich verändern und gestalten.

Verantwortungsfähigkeit beruht nämlich auf der Verbindung von Wahrnehmung und Begreifen. In dem Maße, in dem diese beiden Fähigkeiten voneinander getrennt werden, sind wir verantwortungsunfähig.

Unverarbeitete, nicht-begriffliche Wahrnehmung lässt uns im ausgelieferten Zustand eines Säuglings verharren, der nichts versteht und alles als gegeben hinnehmen muss. Das ist die hilflose Ohnmacht und chronische Überforderung derer, die wieder und wieder (dieselben) Erfahrungen machen, sie aber nicht begrifflich und denkend erfassen und deshalb daraus nicht lernen können. Sie machen nie den Entwicklungsschritt, eine eigene Willenskraft zu entdecken, sie kennen keine Willenskraft. Sie können sie sich auch nicht bei anderen vorstellen. Wenn andere durch Willenskraft zu Erfolgen oder Wohlstand kommen, dann finden sie das – „ungerecht“. Für sie ist alles eine Frage der Zuteilung durch irgendeine ominöse gegebene Kraft. Für sie geschieht einfach alles „irgendwie“. Strom kommt für sie aus der Steckdose und Geld aus dem Bankautomaten so wie Wasser aus einer Quelle oder Äpfel von einem Baum. Sie nehmen einen defekten Kühlschrank, eine zu hohe Rechnung und bürokratische Schikanierung von Behörden genauso als Schicksal hin wie einen Sturm oder einen Regenschauer. Sie möchten deshalb auch alle „kapitalistische“, „stinkende“, „ausbeuterische“ und „klimaschädliche“ Industrie abschaffen, denn sie verstehen nicht, dass ihr gesamter Lebensstandard vom fließenden Wasser bis zum Smartphone von diesem Leistungs- und Produktionssystem geschaffen wurde. Sie quaken jede Parole nach, dass man Führung, Struktur, Vorgaben, die Regierung, Sanktionen, vor allem aber alles Schwierige und Herausfordernde abschaffen sollte, denn sie glauben, dass alles „irgendwie“ von selbst entsteht, wenn man es nur lässt. Ihre Parole ist: „sei offen“ und damit meinen sie: nimm alles so wie es ist. Denn Entwicklung ist für sie nur das Ergebnis von stillem Warten, Erdulden, passivem Geschehenlassen und bewertungsloser (also wertloser) „Akzeptanz“. Sie haben kein Verständnis von einem fokussierenden, intentionalen und schaffenden Geist. Ihre höchste und liebste Forderung ist deshalb auch „Toleranz!“, denn sie können es nicht aushalten, dass das Leben Forderungen an ihren Geist stellt, Konsequenzen zieht und die Passiven, Willenlosen sitzen bleiben lässt. Was sie in ihrer verständnislosen Verzweiflung meinen ist: „Lasst mich (endlich) in Ruhe!“ Sie möchten nichts weiter sein als eine Pflanze, die ohne Willen, d.h. ohne Geist entsteht, sich entfaltet und vergeht. Das ist die Entwicklungsstufe eines Embryos. Da sie aber nun mal in ihrem Wesen ein Mensch sind und sich in einer komplexen sozialen Welt wiederfinden, hadern sie permanent mit dem Leben als Ganzes. Für die Gemeinschaft bleiben sie unmündig und verantwortungsunfähig.

Im Gegenstück dazu sind Begriffsbildung und Denken ohne Anbindung an die Wahrnehmung ebenfalls verantwortungsunfähig, weil sie die Realität ignorieren und auf sie nicht eingehen, nicht antworten können. Konzepte, Ideen und Vorhaben sind dann rücksichtslos, weil sie ohne Berücksichtigung des Gegebenen sind. Sie können nur träumerische Luftschiffe im illusionären Raum des künstlich Gemachten bauen – die früher oder später an den Klippen der Realität zerschellen. Sie glauben, alles verändern zu können und sind bereit, zu betrügen (vor allem sich selbst), zu manipulieren, zu pervertieren und zu lügen, um ihre Illusion aufrecht zu halten.

Wenn Gesetzgeber die Bedürfnisse der Gemeinschaft nicht berücksichtigen, dann entsteht ein totalitäres System von Zwang und Unterdrückung. Wenn Architekten die physischen und ästhetischen Bedürfnisse des Menschen nicht kennen, dann entsteht jene dysfunktionale und abstoßende Hässlichkeit der „modernen Gebäude“, die heute unsere Städte und Neubaugebiete ausmacht. Wenn Ärzte und Therapeuten die Natur des Menschen und seines Körpers nicht mehr verstehen, dann machen sie krank und zerstören Lebendigkeit und Gesundheit. Wenn Lehrer und Professoren die Gesetzmäßigkeiten und Grenzen der Realität nicht berücksichtigen, dann unterrichten sie Lügen und Illusionen, die ihre Schüler für ihr Leben lähmen. Diese Verantwortungsunfähigkeit ist für die Gemeinschaft gefährlich.

Beide Seiten dieser Abkopplung wissen nichts von Objektivität. Die einen halten ihr subjektives Erleben („Meine Erfahrung“, „Meine Wahrheit“) für absolut und den höchsten Maßstab aller Dinge. Die anderen wissen zwar, dass ihre zusammenfantasierten Konzepte subjektiv sind, aber sie sind fest davon überzeugt, dass es Objektivität gar nicht gibt und nicht geben könne. Alles, die Welt, der Kosmos, das Leben ist bloß „konstruiert“.

Machen wir uns klar, dass es sich bei diesen beiden Aspekten nur um die zwei Pole ein-und-derselben inneren Spaltung handelt. Deshalb wirken sie in vielen verschiedenen Abstufungen meist gleichzeitig in einem Menschen, der dann nur oft zwischen Verständnislosigkeit und Wunschkonstrukten hin und her pendelt. Nur selten repräsentiert ein Mensch nur einen dieser beiden Aspekte. Die Spaltung zwischen Wahrnehmung und Denken bringt den Menschen in permanente Angst. Sowohl im Zustand infantiler Überforderung als auch in dem des mentalen Hochseilakrobaten regiert stets die Angst vor der Wirklichkeit.

Verantwortungsfähigkeit beginnt deshalb mit der Verknüpfung von direkter Wahrnehmung mit kognitiver Verarbeitung durch Begriffsbildung. Sowohl ihre Abkopplung als auch ihre Verbindung hat natürlich sehr viele Graduierungen. Im Extremfall der Trennung haben wir den Psychotiker, dessen mentales Bewusstsein haltlos im psychischen Raum schwebt. Je besser hingegen die Verbindung wird, desto integrer und bewusster – vor allem seiner-selbst-bewusster – ist der Mensch. Das macht ihn antwort- und verantwortungsfähig.

Die Entwicklung von Verantwortungsfähigkeit folgt den Entwicklungsstufen von immer besserer und genauerer Wahrnehmung und gleichzeitig immer differenzierterer und kongruenterer Begriffsbildung für das Wahrgenommene. Wie wir diese Entwicklung konkret fördern können, wird uns im nächsten Artikel beschäftigen.

Die historische Lektion für die Menschheit

Warum aber, wenn es doch so sehr um Verantwortung und Fürsorge geht, habe ich mich dann in den vorhergehenden Artikeln über so viele Seiten hinweg mit all den schrecklichen und krankhaften Auswüchsen des Zerfalls beschäftigt? Wäre es nicht sinnvoller und geradezu lebensnotwendig, all das so schnell wie möglich hinter uns zu lassen und den Blick nur nach vorne zu richten auf das, was wir wollen und brauchen? Sollten wir uns nicht den zeitgenössischen Propheten anschließen und alle unsere Aufmerksamkeit auf eine helle, gesunde Zukunft richten? Sollten wir nicht lachend und guten Mutes loslegen und uns eine schöne, gesunde Welt bauen?

Der Grund, warum ich das nicht nur für einen fatalen Irrtum und unmöglich sondern tatsächlich für eine Wiederholung genau jenes Fehlers halte, der zu unserem gegenwärtigen Niedergang bis fast in die Vernichtung menschlicher Kultur führte, liegt darin, dass wir dann die eigentliche Lektion nicht verstanden und also nichts gelernt hätten.

Was für eine Lektion?

Die Lektion, dass es nicht reicht, Werte zu haben, sondern dass wir sie verteidigen müssen; dass es nicht reicht, gute Ideen zu haben, sondern dass man sie gegen die falschen und schlechten Ideen durchsetzen muss; dass es nicht reicht, sich verantwortlich zu fühlen, sondern dass man dafür auch Macht braucht; dass es nicht reicht, ein kluger Kopf zu sein oder ein großes Herz zu haben, sondern dass man sich damit aktiv vor die anderen stellen, sich zeigen und die Führung übernehmen muss; dass es nicht reicht, herzlich zu lieben, sondern dass man alles, was man liebt auch mit Waffen verteidigen muss.

Wir müssen wieder zu den Waffen greifen. Vor allem zu den Waffen des Denkens und des Verstandes. Wir müssen die Argumente der Irrationalität durchschauen, die uns daran hindern wollen, Irrationalität zu durchschauen und zu bekämpfen. Wer auf eine Kriegserklärung damit antwortet, Rosen zu züchten, der wird ausradiert. Wer seine Kinder nicht verteidigen will, weil andere die Verantwortung für sie übernehmen sollen, der muss mit ansehen, wie sie entfremdet und missbraucht werden. Wer glaubt, mit Pazifismus seine Werte schützen zu können, der wird diesen Irrtum nicht nur mit ihnen, sondern mit seinem Leben bezahlen müssen. Einen Betrunkenen kann man gegen die Wand rennen lassen und in einer zivilisierten britischen Kolonie kann man Widerstand à la Gandhi veranstalten, aber in einer stalinistischen Diktatur oder in einer sozialistischen Konsum- und Betäubungsgesellschaft wartet man vergeblich auf den Wendepunkt. Er würde schon kommen, nur dass wir ihn nicht mehr erleben würden.

„Zu den Waffen greifen“ bedeutet umfassender ausgedrückt: Verantwortung und Macht miteinander verbinden. Sonst übernehmen die Rücksichtlosesten die Kontrolle und versklaven die Verantwortlichen. Diese Lektion müssen wir nun gründlich lernen, sonst sind wir übermorgen wieder die „Klugen“, die immer nachgeben und deshalb immer alles verlieren – am Ende sogar ihr Leben.

Die Lehre ist:

Sobald du dich verantwortlich fühlst, strebe damit nach Macht, d.h. Einfluss und Wirksamkeit.
Sobald du eine Macht ohne Verantwortung siehst, kämpfe gegen sie; unterwirf dich ihr niemals.
Sobald du jemanden in einer Machtposition aber ohne entsprechende Verantwortungshaltung siehst, kämpfe darum, ihm diese Macht zu nehmen oder ihn verantwortungsfähiger zu machen.
Sobald du siehst, dass Menschen ihre Macht an Verantwortungslose abgeben, kämpfe dafür, dass sie an Verantwortungsvolleren gegeben wird.

All dies ist für den modernen Menschen kaum zu verstehen und klingt für seine Ohren irgendwie falsch. Er hat gelernt, dass Macht etwas Schlechtes ist und abgeschafft werden muss, wie ich in Teil 3 dieser Reihe ausführlich erläutert habe. Diese emotionale Kurzschluss-Reaktion, die direkt in die Ohnmacht und die Unterwerfung unter die Rücksichtslosen führt, müssen wir durchschauen und ablegen. Wir müssen lernen, dass Macht, Kraft und Stärke nichts weiter sind als wirkungsvolle und notwendige Werkzeuge, die in die richtigen Hände gehören und dort bewahrt und geschützt werden müssen.

Die gesamte Menschheit muss lernen, ihre gesunden, d.h. lebensbejahenden Werte gegen den größten Feind zu verteidigen, den wir haben: gegen einen kranken Geist; das heißt gegen unsere eigene Möglichkeit, uns gegen unsere eigene Natur zu wenden, gegen die Natur überhaupt, und uns selbst und alles Leben zu vernichten.

Wir müssen lernen, mit all unserem Wissen, unserer Technologie, unserer feinsten Wahrnehmung und mit unseren edelsten Motiven diesem größten Feind im Menschen (in uns) ins Auge zu blicken und keine Angst zu haben, sondern bewusst und willentlich aufrecht und entschlossen zu stehen, um mit allem, was wir haben, ein einziges Wort vollkommen zu verkörpern: Nein. Und dann dafür zu kämpfen – mit allem, was wir haben. Also mit unserem Herzen, unserem Verstand und unserem Leben. Dafür brauchen wir Macht. Und wir müssen mächtiger sein als die Gegenseite, die sehr mächtig ist.

Was kann uns daran hindern?

Die Angst. Jenes Einknicken, dass uns von unseren Lebenssäften abtrennt und uns zu zögernden, abwartenden, zurückziehenden, zweifelnden, hysterischen, kompromissesuchenden, desorientierten, kollabierten Schatten macht, die nur noch mitlaufen und in Mittelmäßigkeit versinken. Der Feind, dem wir weltweit in die Augen sehen müssen, ist die Angst.

Der große Bogen, den ich mit den vorhergehenden sieben Artikeln dieser Reihe gegangen bin, ist auch ein Bogen der Angst. Alle darin vorgestellten Vertreter und Symptome der Geistes- und Wesenszerstörung funktionieren ausschließlich auf der Basis von Angst und können nicht anders. Ihre erste Vorhut, ihre umherziehenden Handelsvertreter und ihre ausgehängten Lockvögel haben alle denselben Grundgeschmack und senden ihre Balzsignale alle auf der gleichen Frequenz flimmernder Angst. Sie machen den Fehler – und können nicht anders – davon auszugehen, dass alle anderen (also auch die gesunde) Menschen so wie sie nur auf der Basis von Angst funktionieren und auf ihr einziges Fangnetz, nämlich Angstmache, genauso gefügig und selbstopfernd reagieren wie sie selbst.

Sie irren sich. Viele von uns können anders. Wir können Angst als Signal dafür sehen, dass der gesunde, lebendige Fluss unterbrochen ist und ihn dann wieder herstellen. Nicht immer sofort, aber wir wissen, dass es möglich ist. Wir bleiben auf das Leben und jenen Puls ausgerichtet, der mit dem Leben im Einklang ist.

Der Aufbau alles Gesunden kann nur auf der Basis von solcher Angstunabhängigkeit geschehen. Also auf der Basis all der Fähigkeiten, die Angst bewältigen, regulieren und überwinden können. Wir werden auf die Entwicklung dieser Fähigkeiten im nächsten Artikel ausführlicher zu sprechen kommen, wenn es um den Aufbau von Verantwortungsfähigkeit geht. Zuletzt schauen nun noch auf jene Kräfte, die uns helfen, Angst und Spaltung zu lindern und zu überwinden.

Entängstigung: das Weibliche und das Mütterliche

Die wichtigste Grundlage für die Reduktion von Angst liegt in unserem Bezug zum Weiblichen, speziell zum Mütterlichen. Wir haben gesehen, dass Hass durch eine Mischung aus Ohnmacht und Desintegration, d.h. durch Entwürdigung, Demütigung und Zerstörung der wesenhaften Intaktheit erzeugt wird.

Das Gegenelement zu diesen verletzenden Kräften sind die schützenden, bergenden, bewahrenden, nährenden und haltenden Kräfte, die wir zusammenfassen können im Archetyp des Mütterlichen. Dieser Archetyp ist Teil des umfassenderen Prinzips des Femininen. Das feminine Prinzip ist das der Materie, der Einbindung und Verbindung, also auch das Prinzip der organischen, lebendigen Entfaltung und Erhaltung von Leben und Lebendigkeit.

Ohne die Kräfte des weiblich-mütterlichen Pols erstarren wir in der Lebensvermeidung wegen Überforderung, Angst und Schmerz. Viele der Effekte von der Degeneration und der Abkopplung vom Weiblichen und damit von Lebendigkeit werden häufig als „Maskulinisierung“ verkannt. Die Bezeichnung ist nicht korrekt, denn das Maskuline kann sich nur im Wechselspiel mit dem Weiblichen entwickeln und entfalten. Der Mangel an Weiblichkeit ist keine Vermännlichung, sondern eine Degeneration ins Lebensunfähige, Zusammengezogene, Vertrocknete oder gar Verkrüppelte.

Ein Beispiel für dieses Austrocknung und Ent-Weiblichung ist der Feminismus mit all seinen Ablegern. Er ist das Produkt eines Mangels an Weiblichkeit und der daraus entstehenden Degeneration und hat deshalb nichts mit dem Femininen oder Femininisierung zu tun – außer insofern als dass er mithilft, sie zu verleugnen, zu bekämpfen und zu zerstören. Solche ideologischen Produkte sind geboren aus der Verzweiflung und genährt von Angst, Neid und Hass. Sie erschaffen nichts Lebendiges, weil sie gegen das Lebendige ankämpfen. Der Feminismus ist gegen das Feminine.

Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, das Feminine wieder zu entdecken und zu fördern. Und zwar auf allen Ebenen unseres Daseins.

Wir erkennen das Weibliche in allem, das aus seinem Wesen heraus strahlt. Eine Frau wirkt umso weiblicher, je mehr sie aus ihrem Inneren heraus leuchtet und glänzt. Natürlich können auch glitzernde und funkelnde Schmuckstücke den Effekt verstärken. Die gleichen Attribute an einem Mann machen auch ihn weiblicher. Eine Mutter wirkt umso mütterlicher, je mehr ein Feld von Wärme, Geborgenheit und Nährkraft aus ihr heraus strahlt und sie umgibt.

Das Weibliche ist magnetisch anziehend. Alle Menschen fühlen sich zum Weiblichen hingezogen und das liegt an seiner anziehenden Natur, nicht an irgendeinem „Mutter-Komplex“. (Mutter-Komplexe sind Störungen des Mutterfeldes und sorgen dafür, dass Menschen sich davon fernhalten wollen).

Ein Beispiel: Männerzeitschriften bilden schöne Frauen ab. Und Frauenzeitschriften? Auch schöne Frauen. Die Werbung arbeitet damit und unsere magnetische Reaktion lässt sich durch keinen Trick umgehen. Kein Mann könnte in irgendeiner Weise jemals eine Prinzessin Diana ersetzen (es wird im Übrigen auch nicht nötig sein).

Das Weibliche äußert sich in unserer Sprache meist in der Anfangssilbe MA. „Mama“, „Mater“, „Matriarchie“, „Materie“, „Magnetismus“, „Magie“ – all dies sind Phänomene des urweiblichen Prinzips. (Die klangliche Nähe zum Wort „Mann“ ist zwar verblüffend, aber kein Widerspruch. In alten Sprachen war damit wohl eher der gesellschaftlich oder institutionell eingebundene Mann gemeint oder sonst der „Mensch an sich“. Der für sich stehende Mann hatte interessanterweise die vergessene Bezeichnung Wer, (oder vir) was wir nur noch im „Werwolf“ kennen. In jedem Falle sollten wir die Silbe „man“ sprachlich von „Ma-“ getrennt sehen, auch wenn „man“ im Sanskrit wiederum mit den urweiblichen Prinzipien von „Mond“ und „(Natur-)Weisheit“ verbunden ist.)

Nur wenn wir das Weibliche in seiner eigenen Kraft wieder entdecken, hat auch das Männliche eine Chance, in seine gesunden Kräfte und Fähigkeiten hinein aufzuwachsen. Jungen wie Mädchen brauchen zunächst die mütterliche Geborgenheit und Nährkraft, um Vertrauen in sich selbst und innere Stabilität zu entwickeln. Dann haben sie das psychische Fundament, um darauf eine selbständige und intakte Männlichkeit oder oben Weiblichkeit aufzubauen.

Damit haben wir die integrierende und haltende Gegenkraft zu den fragmentierenden und destruktiven Kräften, die wir eingangs beschrieben haben und die Angst und Hass erzeugen. Mit der Wieder-Einbettung unseres Lebens von den allerfrühsten körperlichen Erfahrungen über die Gestaltung von Familie und Zusammenleben bis hin zu der Logik unserer Technologie und ihrer Anwendung können wir wieder Verbindung und Frieden schaffen zwischen unserem nicht-materiellen Bewusstsein und unserem materiellen Körper mit all seinen Bedürfnissen, Rhythmen und Vorlieben.

Zusammenfassung

Unser größter Feind ist unsichtbar. Weil er in uns steckt. Es ist Hass, der aus der Desintegration unseres Wesens entsteht und Menschen in Zerstörungs-Maschinen verwandeln kann. Aus Hass entstehen Gehässigkeit und Boshaftigkeit – Produkte eines Geistes, der sich gegen das Leben, gegen das Gesunde und gegen das Menschliche richtet. Hass ist keine Emotion, die verfliegen würde, und auch keine Körperreaktion, die bloß situativ auftaucht, sondern eine Haltung, die zu einem Charakter kristallisieren kann. Diese krankhaft destruktive, d.h. böse Haltung kann die volle Kapazität des Intellekts, des Denkens und Planens nutzen, um entsprechend lebensfeindliche Systeme aufzubauen. Erst Ideen- und Denksysteme, dann Organisations- und Gemeinschaftssysteme und schließlich Regierungssysteme, Wirtschaftssysteme, Gesundheitssysteme, Bildungssysteme, Kommunikationssysteme und Manipulationssysteme.

Wir befinden uns an dem historischen Punkt, dass alle maßgeblichen menschlichen Systeme weltweit durchdrungen sind von der Logik und der Agenda des Menschen- und Lebenshasses, also von der Logik der Fragmentierung und Zerstörung des menschlichen Wesens. Das bedeutet, wir befinden uns im Krieg. Und zwar seit über hundert Jahren. Dass wir – das sind die Lebensbejahenden bei gesundem Menschenverstand – das nicht erkennen oder nicht wahrhaben wollten, hat uns an den Rand des Untergangs gebracht.

Für diesen Feind des Menschen ist seine Unsichtbarkeit seine mächtigste Waffe und seine wirksamste Strategie. Ihn zu sehen und das Licht des Erkennens und Verstehens auf ihn zu werfen, macht ihn bereits weitgehend wirkungslos. Denn es handelt sich um einen Bewusstseinskrieg: Mangel an Bewusstsein bekräftigt das Imperium der Lebensverneinenden, mehr Bewusstsein lässt es zu erbärmlichem Staub zerfallen.

Wir leben in Zeiten der Offenbarung dieses Gegners und seines Gesichtes hinter den vielen Masken. Um ihn zu besiegen, müssen wir ihn erkennen – in uns, in anderen und in den Systemen, die ins unser Leben hinein konstruiert wurden. Dann müssen wir aktiv werden, indem wir die gesunden Gegenkräfte stärken und bündeln. Wir müssen zu den Waffen greifen, zu den Waffen des Verstandes, der im Dienste des Lebens steht.

Wir müssen gesundes, wesensbezogenes Denken wieder lernen für alle Bereiche unseres Lebens durchzudeklinieren, denn unser Denken wurde durch und durch von der Logik und den Axiomen von Hass, Spaltung und Lebensfeindlichkeit korrumpiert. Die schlimmste Einstellung ist die, die sich gegen den menschlichen Verstand selbst richtet und damit Verstehen und Entwicklung unmöglich macht.

Was also müssen wir tun?

An erster Stelle, dies verstehen und erkennen. Dann unsere Fähigkeit schulen zu unterscheiden zwischen dem Gegebenen und dem Gemachten. Dazu gehört schließlich auch die Unterscheidung zwischen unserem (gegebenen) Wesen mit seinen Möglichkeiten und Talenten und unserem (gemachten) Wissen, Können und Verstehen. Diese müssen mit unserem Wesen und unserer Lebendigkeit im Einklang stehen. Daraus entsteht dann ein gutes und starkes Wollen, eine konstruktive Ausrichtung auf Lernen, Wachstum, Forschung, Kreativität, Lösungssuche und Verbesserung.

Mit der Förderung dieser Verbindung entwickeln wir die Basis für Verantwortungsfähigkeit. Für ihre Entwicklung, oder besser gesagt für ihre gute und sichere Einbettung brauchen wir den Zugang zu den Kräften des Femininen: Mütterlichkeit, Fürsorglichkeit, Geduld und Nährkraft. Diese sind die Wurzeln der Gegenkraft zu jener Spaltung und inneren ohnmächtigen Verzweiflung, aus denen Hass und Zerstörungswut entstehen.

Die Wiederherstellung der Kraft des deutschen Wesens auf diese Weise stellt dabei eine besondere Aufgabe für uns dar, weil diese Kraft nun schon über so viele Generationen hinweg am meisten verleugnet wurde. Wir finden sie durch die Rückkehr zu einer allgemeinen Wertschätzung der Besinnung und Betrachtung. Wir kultivieren sie durch das Einüben und Fördern von differenzierter Begriffsbildung auf der Basis feiner und genauer Wahrnehmung. Die deutsche Sprache ist womöglich die bestgeeignete Sprache der Welt für die differenzierende Abstraktion von Erfahrung und Beobachtungen. Und sie wird auch unserem besonderen Wesenszug der Verinnerlichung gerecht, denn es entspricht uns nicht, bloß aus der Distanz heraus Dinge zu beschreiben, sondern wir wollen ihrer Bedeutung auf den Grund gehen. Bedeutung ist immer etwas Persönliches, Gefühltes, Verbindendes. Wenn wir uns auf das Erkennen und Beurteilen von Bedeutung einlassen, dann stellen wir die Verbindung wieder her, die durch Hass und Destruktivität zertrennt wurde, nämlich die Verbindung zu Werten. Und diese wiederum verbinden uns mit den Grundgegebenheiten des Lebens und seiner unumstößlichen, unbesiegbaren Kraft. Für dieses Begreifen des immer vorhandenen Wesentlichen in allem was wir tun, planen und probieren, braucht es mehr als Intellekt und scharfsinniges Denken. Es braucht Herz. Also fühlendes Denken, gutwilliges Urteilen und moralisch integeres Handeln.

Jeder Mensch trägt das Potenzial dazu in sich. Aber das deutsche Wesen trägt in seinem Kern eine Kraft, die danach streben muss, um mit sich im Einklang zu sein und sich authentisch zu entfalten. Den dafür notwendigen Raum – sprich: die Kultur – wieder aufzubauen und zu schützen, wird unsere große Aufgabe für die nächsten Generationen sein.

Im nächsten Artikel, der diese Reihe abschließen wird, werden wir uns anschauen, was wir dafür konkret wissen, beachten und tun müssen.

Fortsetzung hier.

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Akademische Verbildung und korrumpierte Intellektuelle: die systematische Zerstörung von Rationalität und Kultur


Vorbemerkung

Dieser Artikel ist länger geworden, als ursprünglich geplant war. Das Thema des in diesem Jahr gänzlich offenkundigen intellektuellen Totalversagens unserer Gesellschaft – genauer: der sogenannten „akademischen Schicht“ – hat sich im Laufe des Schreibprozesses, der hier nur ein erstes schriftliches Nachdenken sein soll, als facettenreicher und tiefgründiger erwiesen, als ich gedacht hätte. Ich habe auf nachträgliche Kürzungen zugunsten der Ausführlichkeit weitgehend verzichtet und nehme dafür in Kauf, dass dieser Artikel voraussichtlich der umfangreichste dieser Reihe ist. Er ist eine Materialsammlung zur Annäherungan das Thema, weil ich mir im Moment nicht die Zeit nehmen möchte, die systematische und komprimierte Darstellung daraus zu machen, die dieses äußerst bedeutsame Thema verdient. Wichtiger ist mir, diese Gedanken überhaupt erst einmal zu fassen und denjenigen zur Verfügung zu stellen, die sie im Moment gebrauchen und fortführen können – meinen Lesern.

Meine Leser mögen sich dabei motiviert fühlen von der Ankündigung, dass dies nicht nur der letzte Abschnitt der Katastrophenanalyse ist, sondern auch der wichtigste, weil er zeigt, warum wir kein kulturelles Immunsystem mehr haben bzw. warum es versagt hat.

Die darauffolgenden zwei Artikel werden sich dann konstruktiv und pragmatisch den Notwendigkeiten und Möglichkeiten für unsere Zukunft widmen.

Einleitung

Alles, was wir tun oder sagen, beruht auf Prämissen und impliziten Anschauungen über uns selbst und die Welt.

Über diese Prämissen nachzudenken, sie zu überprüfen und zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen ist nichts, was wir gelernt haben, und die meisten werden es ihr Leben lang auch nicht einmal in Betracht ziehen. Für sie ist ihre Identität und die Welt das, was sie irgendwie gelernt haben, was sie sind – sie nehmen ihre Überzeugungen unreflektiert als gegeben hin und halten an ihnen als ihre einzige Orientierung fest.

Traditionell ist das Nachdenken über Grundprämissen die Aufgabe von Philosophen. Doch diese Art von Philosophen ist wie ausgestorben, weil sie in unseren aktuellen Restbeständen von Kultur kein Sprachrohr mehr haben. Sie sind medial ausgerottet. Die verheerende Bedeutung dieses Mangels ist den wenigsten Menschen bewusst – was auch ein Symptom des Kulturzerfalls im Endstadium ist.

Als erste Verteilerstufe nach den Philosophen braucht es die Botschafter gesunder, rationaler Prinzipien. Das sind die Akademiker und Intellektuellen – jene Menschen, die auf der Basis von Prämissen und Anschauungen Ideen, Empfehlungen, Anleitungen, Vorgaben, Forschungsprojekte und Produkte kreieren, transponieren und wirksam machen. Die Gruppe der Akademiker und Intellektuellen ist nicht ausgestorben – dafür sind sie auch zu viele. Sie ist allerdings – vor allem durch die Abwesenheit philosophischen Einflusses – in perversen, kranken und absurden Prämissen und Weltanschauungen gefangen und dadurch über die letzten ca. 80 Jahre schwer degeneriert. So schwer, dass heutige Intellektuelle – im Folgenden ohne Rücksicht auf existierende Ausnahmen generisch als eine Gruppe genannt – weniger Denkfähigkeit und Verstand haben als Nicht-Akademiker. Damit haben sie die Anschuldigung verdient, ihre gesellschaftliche Aufgabe und damit ihre produktiven, mitwirkenden, lebenssichernden Mitmenschen verraten zu haben. Weil sie unserer Kultur den Kopf nahmen.

Und das bedeutet nichts weniger, als dass wir die denkende – und das ist die rationale und menschlicheFührung verloren haben. Dementsprechend führungslos, irrational, selbstverleugnend und chaotisch torkeln alle unsere gesellschaftlichen Institutionen seit über sechs Jahrzehnten die schiefe Ebene hinab und beschleunigen sich gegenseitig durch die Angst, die sich ausbreitet und – unregulierbar wie sie geworden ist – die Kontrolle übernimmt. An erster Stelle sind dabei alle Bildungsinstitutionen zu nennen, die die jungen Generationen für ihre eigene und die Zukunft der Gemeinschaft prägen.

Wir werden schon seit Jahren nicht mehr von Rationalität geführt, sondern von Angst. Die totalitären und lebensgefährlichen Zuspitzungen im Jahre 2020 sind nur der äußerst fortgeschrittene Zustand dieser Degeneration und Entgeisterung. Und die Hauptverantwortung dafür müssen jene tragen, die zumindest von ihren privilegierten Positionen aus die Pflicht hätten, dies zu erkennen, dem Einhalt zu gebieten und alternative Wege vorzugeben: Lehrer, Dozenten, Richter, Anwälte, Ärzte, Wissenschaftler, Autoren und Journalisten. Dies ist nicht geschehen. Die akademische Welt hat in ihrer primären Aufgabe auf ganzer Linie versagt und ist längst zum morschen Teil des Zerfalls geworden.

Ich will mir deshalb in diesem Artikel den Zustand unserer „Akademiker“ – also das, was von ihnen übrig blieb – ebenso wie die Ursachenkette, die zu ihrer beschämenden Degeneration bis hin zur Selbstvernichtung führte, genauer ansehen. Als weiteres Phänomen, das sich aus der kompletten akademischen Lähmung ergibt, werden wir uns die moderne Pseudo-Spiritualität des gewaltigen „New Age“-Marktes anschauen, denn sie stellt das Komplementär im Prozess des kulturellen Zusammenbruchs in der westlichen Welt dar.

Mit diesem siebten Artikel der Reihe werde ich dann auch die Analyse der Hauptelemente unseres kulturellen Niedergangs abschließen. Danach werde ich mich wie gesagt den Anforderungen und Möglichkeiten der zukünftigen Regeneration und des Aufbaus widmen.

Grundwissen: das teilbare Gehirn

Unser Gehirn ist unterteilbar in acht „Hälften“, von denen immer zwei ein polares Paar miteinander bilden. Zwischen diesen polar-komplementären Hälften gibt es jeweils eine Schalt- und Verbindungseinheit, die sie miteinander zu einer größeren Einheit verknüpfen kann. Die acht paarigen Hälften sind:

  1. Unten und oben: das basale, körper- und überlebensbezogene Stammhirn und der hochkomplexe, vernetzte, Verstehens- und Kultur-orientierte Neokortex mit dem emotionalen, sozialen „Mittelhirn“ dazwischen als Vermittler.
  2. Hinten und vorne: die sogenannte „unbewusste“, automatische Verarbeitung „für sich selbst“ in Hinterhirnbereichen gegenüber der willentlichen, nach vorne gewandten, auf andere bezogenen Verarbeitung in den frontalen Bereichen. Den Mittelbereich zwischen beiden bildet der somatosensorische Kortex, über den wir unseren Körper, unsere Haltung und Empfindungen wahrnehmen.
  3. Links und rechts: insbesondere der Neokortex teilt sich in die linke sequentiell, analytisch und dissoziativ arbeitende Hälfte und die rechte vernetzt, synthetisierend und assoziativ arbeitende Hälfte. Ihr Vermittler ist das Corpus Callosum, das die beiden Hälften in Kommunikation miteinander bringen und sie koordinieren kann.
  4. Außen und innen: diese am wenigsten bekannte Polarität bezieht sich auf die äußeren Schichten des Neokortex, die vor allem mit der Differenzierung und Interaktion zwischen einem selbst und der Außenwelt zu tun haben, und dem inneren Raum des Gehirns, wo um den Hohlraum des dritten Ventrikels herum hochpotente Drüsen liegen, die über spezielle Flüssigkeiten und Neurotransmitter das Eigenbewusstsein und Bewusstseinszustände steuern.

Für diesen Artikel über die Degeneration der akademischen Bildung werden wir uns auf die Polarität „linke Hirnhälfte – rechte Hirnhälfte“ beschränken, weil sie die grundlegende Spaltung und Einseitigkeit des „Akademismus“ widerspiegelt. Alles, was durch „Bildung“ gelernt wird, findet im Neokortex statt, in dem diese Polarität am stärksten wirkt.

Einer der wichtigsten Unterschiede dieser beiden Hemisphären liegt in ihrer funktionalen Ausrichtung: die linke Hemisphäre ist Experte für das Herauslösen von Signalen, Informationen oder Wahrnehmungen aus ihrem Kontext und ihren Verbindungen, während die rechte Hemisphäre besonders gut darin ist, Signale im Zusammenhang zu verarbeiten, und damit „das größere Ganze“ sehen kann.

Die linke Hemisphäre hat den Vorteil, sehr exakt, sehr fehler-, störungs- und veränderungssensibel zu sein und unabhängig vom Kontext und Zusammenhang Informationen erkennen, wiedererkennen und differenzieren zu können. Ihr Fokus auf Details und Einzelsignale erlaubt ihr, alles andere auszublenden und sich davon, z.B. auch von Empfindungen, Gefühlen, anderen Wahrnehmungen usw. zu distanzieren. Ihr Nachteil ist dementsprechend, dass sie auf Neues, Unbekanntes und Fehler labil reagiert, stets die Bäume, aber nicht den Wald sieht, also zur Verengung zu einem Tunnelblick und Zwanghaftigkeit neigt, weil sie eben nur Einzelinformationen, ‑objekte, Bilder oder Gedanken verarbeitet und keine Zusammenhänge und Beziehungen herstellen kann.

Die rechte Hemisphäre ist das komplementäre Gegenstück dazu. Ihre Stärken sind ihre breite Vernetzung, ihre enorme Geschwindigkeit der Verarbeitung von komplexen Zusammenhängen und Beziehungen und deshalb ihre Stabilität bei Störungen, Überraschungen und Fehlern. Ihre assoziative und vernetzende Arbeitsweise erlaubt ihr, schnell Verbindungen, Ähnlichkeiten, Beziehungen und Gesamtbilder zu erkennen und herzustellen. Der Nachteil dieser Modalität ist, dass sie nicht sehr genau ist, dass die großen Erinnerungsnetzwerke und verlässlichen Gewohnheiten das Lernen von Neuem und Anderem verlangsamen oder hemmen und dass es ihr unmöglich ist, „von außen“ zu schauen und sich von Wahrnehmungen zu distanzieren. Sie nimmt quasi alles „persönlich“ und ist stets emotional und subjektiv involviert.

Wir sehen bereits an dieser kurzen Zusammenfassung, dass umfassende Intelligenz und Verstand nur durch die optimale Zusammenarbeit dieser beiden Hirnhälften miteinander möglich ist. Diese optimale Zusammenarbeit besteht nicht nur aus einer einwandfreien Kommunikation der beiden hemisphärischen „Intelligenzen“ miteinander, sondern auch in einem flexiblen und gut regulierten Wechsel ihrer Dominanz je nach Situation und Anforderung.

Die Dominanz hat jeweils diejenige Hälfte, die die Entscheidungen trifft und die Möglichkeit hat, die Signale der anderen Hälfte zurückzustellen oder gar zu ignorieren. Diese laterale Vorherrschaft wird nicht so sehr durch größere Stärke einer Seite bestimmt, sondern durch die Signale des affektiven System des Mittelhirns, also durch unsere Emotionen und Stimmungen. Ganz allgemein gesprochen können wir sagen, dass (unregulierte) Emotionen von Unsicherheit, Bedrohung, Überforderung, Vorsicht, Unlust oder sogar Angst die Dominanz der linken Hemisphäre erzeugen, was wir als Konzentration und Fokus oder gar als „Tunnelblick“ und Anspannung erleben. Alle Emotionen des Wohlbefindens wie Sicherheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Freude, Beruhigung oder Zufriedenheit erleichtern die Dominanz der rechten Hemisphäre.

Die linke Hemisphäre ist gut darin, Details zu erkennen und vorsichtig, d.h. bedacht, schrittweise und kontrolliert vorzugehen. Immer wenn wir das brauchen, ist ihre Dominanz sinnvoll. Sie ist allerdings so gut wie unfähig, Emotionen und Stimmungen zu regulieren, weil dafür der netzwerkartige Zugriff der rechten Hemisphäre auf den Körper und das gesamte System notwendig ist. Die linke Hemisphäre kann Emotionen nur ignorieren und verdrängen. Ebenso alles, was Emotionen auslöst oder sonst irgendwie störend sein könnte. Sie kann aus dem gleichen Grunde auch nicht prüfen, ob etwas „stimmig“ ist, ob es den eigenen Erfahrungen, Werten und Bedürfnissen entspricht und ob es für einen selbst gut oder schlecht ist. Die linke Hemisphäre kann ohne die rechte nicht unterscheiden, ob etwas real (wirklich) oder irreal (erfunden) ist.

Über den Unterschied dieser beiden faszinierend spezialisierten und komplementären Hirnapparate ließe sich ein ganzer Artikel schreiben. Für unseren Zweck hier sollen nur die grundlegende Unterscheidung und die große Bedeutung der Hemisphären-Dominanz erwähnt sein, damit wir die folgenden Ausführungen über den einseitigen und hilflose Zustand der akademisch Gebildeten und ihrer Wirkung funktional verstehen können.

Zusammenfassend lässt sich dieser modern-akademische Zustand als die chronische Dominanz der linken Hemisphäre beschreiben, bei gleichzeitig chronischer Verkümmerung rechtshemisphärischer Fähigkeiten aufgrund chronischer negativer (verängstigender) emotionaler Zustände und Charakterprägung (Selbstwertverlust, Selbstunsicherheit, Selbstablehnung). Die wichtigsten Ursachen, Symptome und Merkmale dieser chronifizierten Einseitigkeit werden wir im Folgenden betrachten.

Das kulturell wirksamste Gegenstück zu dieser neurophysiologischen Linkslastigkeit ist die ebenso einseitige und abgekoppelte Rechtslastigkeit, die wir in jenem Neo-Mystizismus und jenem Regressions-Kult finden, wie sie auf dem „New Age“-Markt seit den 1960ern als „Spiritualität“ oder „Selbsterfahrung“ propagiert und verkauft werden. Das sind all die sanften, wohlriechenden und gesundheitsversprechenden Angebote, die durchgehend jegliches Denken, insbesondere jedes kritische Denken, rationalen Forschergeist, logisches Hinterfragen und ernsthafte Selbstreflexion (linke Hirnhälfte) als „unspirituell“ und „Egotrip“, also als unmoralisch ablehnen zugunsten einer Regression auf frühkindliche Stufen des naiven Glaubens, der einfältigen Fremdbestimmung, des magischen Denkens und besonders des reflexions- und verantwortungsbefreiten Wohlbefindens.

Das „Ego“ – tatsächlich eine lebensnotwendige psychische Struktur zur Ich-Fremd-Differenzierung – wird zwar in diesen Wellness-Gefilden nirgendwo greifbar definiert, aber dafür umso konsequenter als der ewige und größte Feind stilisiert, auf den – typisch rechtshemisphärisch – jede emotionale Ablehnung, Unstimmigkeit oder Unsicherheit assoziativ und impressionistisch projiziert werden können. Hauptmotiv, höchstes Ziel und beschränkender Rahmen bleiben bei aller Vielfältigkeit der angebotenen „spirituellen“ Wege und Mittelchen stets: das unmittelbare Wohlbefinden in möglichst sanft schwebender Abkopplung von der Welt – ein Leben in purer rechtshemisphärischer Dominanz ohne eine fragende, präzisierende, forschende oder autonom denkende linke Gehirnhälfte.

Mit diesem Thema werden wir uns im zweiten Teil dieses Artikels auch noch näher beschäftigen.

Die Lösung dieses allgemeinen pathologischen Gesellschaftszustands sowie der Ausweg aus seiner wuchernden Unkultur lässt sich also auch schon formulieren: Wir brauchen die Rückkehr zur fluiden und intelligenten Balance zwischen links- und rechtshemisphärischen Dominanzen.

Die Symptome des zeitgenössischen Akademismus‘

Eine akademische Laufbahn hinter sich zu haben bedeutet heute vor allem, den Eintritt in die Mündigkeit und Selbstbestimmung in der eigenen Biografie lange über den fälligen Zeitpunkt hinaus verzögert zu haben. Im akademischen Betrieb zu bleiben bedeutet dementsprechend in den meisten Fällen, vor dieser Reifestufe stehen zu bleiben.

Der „akademische Betrieb“ ist heutzutage in Gänze nämlich nicht nur eine Fortsetzung der Schule, sondern kindlicher Abhängigkeit und Autoritätsgebundenheit. Die mittlerweile antiquierte Benennung der Universität als „Alma Mater“ und des Dissertationsbetreuers als „Doktor-Vater“ sagen vielleicht mehr über ihre psychosoziale Bedeutung aus als ihre lobsingenden Selbstbeschreibungen. Die Verlängerung der Schulzeit bis in die 30er Jahre oder eben auf Lebenszeit mag vor der Hand der „höheren Ausbildung“ dienen, ist aber schon seit langem bei genauerer Betrachtung nur noch als verlängerte Abschottung von der Realität und Selbstbestimmung einzustufen.

Ich beziehe mich damit gar nicht so sehr auf die bereits Jahrzehnte alten Klagen von Unternehmern, dass Studienabgänger für den realen Arbeitsmarkt immer weniger zu gebrauchen sind und teils fünfjährige Einarbeitung benötigen, bis sie höhere Verantwortungsposten übernehmen können. Nein, ich meine es noch grundsätzlicher: der Geist aller bedeutenden akademischen Einrichtungen steht schon seit geraumer Zeit unter dem Zeichen der Realitätsabkopplung, der konzeptuellen Selbstverliebtheit, der autoritätsgebundenen Hörigkeit, der intellektuellen Gängelung und mit alledem also der systematischen Entmündigung.

Entmündigung von was? Von intellektueller Selbstbestimmung, die nur durch eigenständiges, rationales Denken zu erkämpfen ist. Eigenständiges Denken ist jedoch das letzte, das in unserem Bildungssystem erlaubt wäre, geschweige denn gefördert würde. Die Generation der Pädagogen (wörtlich: „Kinderführer“) und Dozenten, die heute in allen Klassenzimmern, Hörsälen und Seminarräumen ihr anti-geistiges Zepter führt, ist längst schon das Resultat dieser Entmündigung in der zweiten oder dritten Generation. Eine Horde orientierungsloser intellektueller Schoßhündchen und Papageien hat den akademischen Betrieb von der Kita bis zum Lehrstuhl übernommen. Da ist jede Hoffnung auf eine Rückkehr zum eigenständigen Denken aus diesem System heraus vollkommen fehl am Platze.

Das ganze System muss von Grund auf neu gedacht und entwickelt werden. Wie das geht und was dafür notwendig und zu bedenken ist, wird auch Thema in den folgenden zwei Artikeln, den letzten beiden dieser Reihe, sein.

Zunächst einmal müssen wir das vorhandene „akademische Verbildungssystem“ verstehen und wie es dazu kommen konnte.

„Akademisch“-infantile Autoritätshörigkeit

Akademiker sind Menschen, die früh gelernt haben, dass sie in der physischen Wirklichkeit unangenehm unterlegen, hilflos und ausgeliefert sind und sich in der Folge dafür entschieden, sich stattdessen nur noch mit der sichereren Welt mentaler Konstrukte und abstrakt-allgemeiner Anschauungen zu identifizieren. Den Mangel an echtem Selbstwertgefühl, welches nur im Körper wurzeln kann, kompensieren sie durch das Streben nach Selbstwert-Bestätigungen von außen in Form von Anerkennung, Titeln und Autoritätspositionen – also durch Selbstwertschätzungen aus zweiter Hand.

Diese Autoritäts- und damit Personenbindung ist Teil der Infantilisierung, die durch den akademischen Ausbildungsweg geschieht bzw. zementiert wird. Ein großer Teil der Verirrungen im Akademischen kann darauf zurückgeführt werden, dass der Sprecher wichtiger genommen wird als das Gesprochene.

Was von Ferne wie ein Personenkult aussieht, dürfte sich beim näheren Hinschauen als Fixierung einer geistigen Unreife entpuppen, denn im Grunde bleibt die kindliche Haltung bestehen, dass etwas richtig und gut ist, weil Papa und Mama es sagen. Später werden die Eltern durch institutionelle Autoritäten ersetzt, eben die „Alma Mater“ und den Doktor-Vater.

Der Grund, warum es für Akademiker wichtiger ist, von wem eine Information kommt, als wie richtig, sinnvoll oder nützlich sie ist, also warum sie so autoritätshörig sind, liegt wahrscheinlich in dem Mangel an Fähigkeiten, Informationen eigenständig auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dafür müssten sie erkennen können, ob die Informationen in sich stringent und plausibel, mit anderen Informationen übereinstimmend, in sich logisch sind und ob sie in ihrer Darstellung authentisch oder eher erfunden und manipuliert wirken. Wer die Fähigkeiten hat, zusammenhängende Informationen auf diese Kriterien zu überprüfen, der ist auch unabhängig davon, jedes einzelne Detail empirisch zu überprüfen, was meistens gar nicht möglich und auch gar nicht notwendig ist. Der menschliche Verstand kann die Fähigkeit entwickeln, aus der Kohärenz von Informationen und ihrer Darstellung ihren Wahrheitsgehalt abzuleiten. Das ist die wörtliche Bedeutung des Wortes Intelligenz: zwischen den Zeilen lesen können (lat. inter legere = „dazwischen lesen“).

Je mehr Zeit Menschen in unserem „Bildungssystems“ verbracht haben, desto mehr wurde diese Intelligenz blockiert und unterdrückt durch den Zwang, zusammenhangslose, völlig widersprüchliche, nicht-plausible, vor allem aber falsche Informationen aufzunehmen, auswendig zu lernen und auf Befehl von sich zu geben.

Der moderne von diesem System Gebildete ist das Produkt einer autoritären intellektuellen Dressur. Sie sorgt über Zwang, emotionale Erpressung und soziale (später monetäre) Belohnungssysteme dafür, dass der „Gebildete“ Informationen abspeichert und für richtig hält, die nachprüfbar falsch, widersprüchlich und gegen seine Intuition sind. Dadurch verliert er seine Intuition – heute meist schon in der Grundschule – weil er sie zunehmend unterdrücken muss. Statt seine Intuition und Intelligenz als Prüfkompetenz zu entwickeln, werden diese gelähmt zugunsten einer Autoritätshörigkeit und -fügsamkeit.

Da er nichts mehr herleiten, verifizieren und kritisch prüfen kann, ist er darauf angewiesen, alles zu glauben. So entsteht die Kirche, die wir heute „akademische Bildung“ und „Wissenschaft“ nennen, mit all ihren Gemeindemitgliedern, Laienbrüdern, Ministranten und Priestern, die für ihren und nur ihren Glauben kämpfen und alle Ungläubigen – Ehrensache – zu bekehren versuchen und alle Ketzer selbstverständlich exkommunizieren.

Der so Indoktrinierte „weiß ganz sicher“, dass die Erde eine Kugel ist. Warum? Weil es doch alle sagen, weil er es in seiner globalen Kirche so gelernt hat und weil doch auch alle computergenerierten Bilder im Internet das „beweisen“! Seine Gewissheit beruht auf seinem Mangel an der Fähigkeit zu zweifeln in Kombination mit der Arroganz, sich damit allen anderen Ansichten überlegen zu fühlen. Jeder Idiot hält sich für klüger als sehr intelligente und kreative Wissenschaftler der Vergangenheit und Gegenwart, die beweisen können, dass die Erde keine Kugel sein kann und dass das Billardkugelmodell unseres Planeten nichts weiter als eine autoritär und medial durchgepeitschte Erfindung ist.

Und ein normaler Akademiker ist dank unseres intelligenzunterdrückenden Bildungssystems eine besonders arrogante und bornierte Variante eines solchen Standard-Idioten. Warum? Weil er Angst hat, etwas anders zu denken? Nein, er hat Angst, beschämt zu werden. Wer in unserer Zeit behauptet, die Erde sei keine Kugel, sondern z.B. eine Ebene, der wird massiv beschämt, sozial geächtet, ausgelacht und verschrien – aber nicht widerlegt.

Ich wähle dieses Beispiel mit der vermeintlichen Erdkugel, um den autoritären und psychologisch manipulativen Grundmechanismus unserer „Bildung“ und „Wissenschaften“ zu verdeutlichen. Der Akademiker fragt an dieser Stelle reflexartig: „Und das soll ich jetzt glauben?“, „Wer sagt mir denn, dass das stimmt?“. Auf die Idee, es selber zu überprüfen, kommt er gar nicht. Dafür ist er auch viel zu empört und verunsichert. Auch sein liebstes Gegenargument gegen jede Information, die nicht in seine Schemata passt, offenbart seine Dogmatik: „Wenn das stimmen würde, dann hätten das doch schon viele andere Menschen herausgefunden / gesagt!“ Dahinter steckt im Grunde ein Prämisse zum Selbstschutz, die lautet: „Wenn ein so intelligenter und gebildeter Mensch wie ich das nicht weiß und noch nichts davon gehört hat, dann kann es gar nicht stimmen.“

Wir sehen, dass es überhaupt nicht mehr um Wissen und Verstehen geht, sondern nur noch um soziale Anpassung und die Absicherung einer institutionell gelieferten Fertig-Identität und Herdenzugehörigkeit. In der Wurzel beruht unser Bildungssystem also auf Angst, und zwar primär auf der Angst vor sozialer Ächtung. Akademiker sind die Menschen in unserer Gesellschaft, die in höherem Grade durch Angst gebildet, d.h. angstgeprägt und angst-reaktiv sind. Deshalb stehen sie chronisch unter Stress und deshalb sind bei ihnen Kreativität, Neugier, Wissensdrang, allgemein das eigenständige Denken und Hinterfragen und bekanntermaßen auch die Fortpflanzungsfähigkeit stärker eingeschränkt als bei der sonstigen Bevölkerung. Deshalb werden unsere modernen Akademiker die letzten sein, die den Wandel, in dem wir uns befinden, verstehen und akzeptieren können. Deshalb kennen wir so erschreckend viele „hoch Gebildete“, die im Nazi-Regime applaudierten und seine „großartigen Ideen“ anpriesen und fleißig weitertrugen und vervielfältigten. Ebenso die Intellektuellen, die bis heute den Sozialismus, den Kommunismus und ihre modernen Ableger, die Verstaatlichung der Kindererziehung und den Öko-Faschismus anpreisen und befördern ohne im geringsten aus der Geschichte und den längst erwiesenen Folgen ihrer Unmenschlichkeit und moralischen Verwerflichkeit angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen. So etwas geht nur mit massiv durch Angst und Unterwerfung konditioniertem Denken, das von Reflexion, Realitätsprüfung und eigenen Werten komplett abgekoppelt ist.

Akademische Informations-Abwehr

Hinzu kommt allerdings noch die Unfähigkeit der meisten „gebildeten“ Menschen, Informationen überhaupt aufzunehmen, geschweige denn zu verarbeiten, die in irgendeinem Widerspruch zu dem Gelernten stehen. Das Gelernte ist ja das, was durch eine wichtige Bindung an eine Autoritätsperson (Eltern, Lehrer, Professor,…) durch Belohnung und Zuwendung als soziale Garantie für Zugehörigkeit und Anerkennung konditioniert wurde. Ob es richtig ist, spielt dabei keine Rolle. Für die allermeisten Akademiker sind „Wissen“, Welt- und Lebensanschauungen, Ideologien und Meinungen identitätsstiftende Garantiescheine für Gruppenzugehörigkeit, also eine intellektuelle Form von Herdenanbindung. Deshalb lassen sie auch in den meisten Fällen niemals ernsthaft mit sich darüber diskutieren und reagieren höchst aggressiv und unwissenschaftlich, wenn man ihre Dogmen in Frage stellt. Ein Großteil ihrer Persönlichkeitsdefinitionen beruht auf diesen unreflektierten Überzeugungen, d.h. eine Veränderung ihrer übernommenen Meinungen und Ansichten käme einem Identitätsverlust gleich, weshalb sie sich mit Zähnen und Klauen dagegen verteidigen müssen. Mit Andersdenkenden redet ein Akademiker nicht, es sei denn er kann den anderen zeigen, dass er recht hat und sie belehren. Sobald sein Monolog beendet ist, muss er gehen.

Die Ursachen des akademischen Verfalls

Die neurotische Suche nach Anerkennung

Die Masse der heutigen Akademiker besteht zum größten Teil aus Menschen, die gesellschaftlichen Status durch vermeintliche Bildung und eigentlich öffentlichkeitswirksame Prüfungstitel erreichen wollen. Das Kernmotiv ist Status und eine erhöhte soziale Stellung und nur selten Bildung. Letztere dient nur als Mittel zum Zweck. Deshalb ist Anerkennung das entscheidende Zauberwort für alle akademischen Betriebe, mit dem nämlich Hackordnungen, persönliche Macht und Geltung abgesteckt und gesichert werden.

Wer sich hingegen primär für das Fach, für Fakten und Erkenntnisse interessiert, der wird schnell aussortiert oder an den Rand geschoben, weil er das eigentliche bloß soziale Gesellschafts-Spiel nicht mitspielt und das ernst nimmt, was die große Masse der aufstrebenden Teilnehmer nur als Vorwand benutzt. Das Problem mit diesen echten Wissenschaftlern ist, dass sie in ihrer Unabhängigkeit von sozialem Geltungsdrang nicht kontrollierbar und manipulierbar sind und den ganzen Pomp der akademischen Augenwischereien ständig drohen, mit Substanz und nüchterner Ernsthaftigkeit zu zerstören. Im besten Falle kann man sie vielleicht noch als „Genies“ in speziell dafür vorgesehene, isolierte Abteilungen stecken, in denen sie brauchbare Resultate produzieren, aber ansonsten keinen Einfluss entwickeln.

Der aufgeblasene akademische Apparat als soziales Fahrstuhlsystem ist längst zu einem Sammelbecken für Status-Suchende geworden, die von Anerkennungs-Defiziten getrieben werden und von sozial erhöhten Privilegien träumen. Dadurch wurde die Inflation der akademischen Bildung in Gang gesetzt, zu deren Symptomen zählt, dass man zu jeder noch so simplen und praktischen Tätigkeit in oder und an der Gemeinschaft mittlerweile ein „Studienfach“ findet, um die Nachfrage nach Status und sozialem Aufstiegserfolg zu decken.

Tatsächlich hat man damit aber nur für den Abstieg der Bildungseinrichtungen und ihrer Graduierungen gesorgt. Wenn fast jeder studieren kann oder zumindest können sollte, dann hebt das kein Niveau, sondern senkt die Qualität des Studiums eben ab auf das, was früher vielleicht einmal ein Fachabitur war.

Wohlgemerkt ohne Ersatz für das damalige Universitäts-Studium, dessen ursprüngliche geistige Etage dadurch schlichtweg entfällt. Die polemische Zusammenfassung des Phänomens ist die Verblödung und Verdummung der akademischen Bildungsbetriebe. Damit entfällt dann allerdings auch die ehemals verlässliche Garantie für die verkappte Status-Produktion. Was übrig bleibt ist nur noch eine ad absurdum verlängerte Schule bis in die dreißiger Lebensjahre hinein, die dadurch umso quälender und erniedrigender in ihrer Plackerei ist, dass sie dazu zwingt, sinnlose, wertlose und zusammenhangslose Informationen und Konzepte bis auf Abruf zu speichern.

Geistige Unterwerfung und Entmündigung

Der akademische Ausbildungsgang ist bis auf wenige Ausnahmen der Gang der geistigen Unterwerfung. Als Belohnung erhält man sozialen Status und institutionell geschützte Anerkennung.

Die Qualifizierungsprüfungen der akademischen Betriebe sind Verblödungs- und Gehorsamkeits-Tests, kurz: Unterwerfungs-Examen. In den meisten Fällen wird man feststellen können, dass der Erfolg in diesen Prüfungen gleichzeitig dem persönlichen Scheitern an den Aufgaben des Lebens gleichkommt. Der akademisch hochdekorierte Ordensträger ist der Versager in der Lebens- und Seelen-Athletik. Die Universität ist das Auffangnetz für die, die mit dem Universum nicht so recht klar kommen und einen sicheren Unterschlupf suchen.

Staatsunterwerfung und das Gift des Kollektivismus

Einer der Hauptgründe des akademischen Verfalls in eine Welt unipolarer Dogmen und fixierter Denkschablonen ist die Verstaatlichung der Bildungseinrichtungen.

Staatlich kontrollierte Institutionen zur Ausbildung unabhängiger Denker sind ein Paradoxon in unserem Verständnis von „Staat“. Der Staat ist in seiner ursprünglichen, freigeistigen Definition aus dem Zeitalter der echten Aufklärung die Gesamtheit seiner Individuen, aber in der europäischen und besonders der deutschen Lebenshaltung der letzten 150 Jahre wird „der Staat“ gleichgesetzt mit „die Regierung“, mit irgendeiner Gruppe führender Oberhäupter oder allgemeiner: mit einer Entität, der man sich unterwerfen muss. Teil eines „Staates“ zu sein bedeutet also für die deutsche Volkspsyche nicht, an etwas teilzuhaben, sondern ein Untertan zu sein. Ein unzufriedener vielleicht, womöglich ein unterdrückter, ein aufbegehrender oder gar ein rebellischer, aber stets ein Untertan, der sich selbst einschränken und zurücknehmen muss für jene Kraft, die von oben herrscht.

Diese quasi religiöse, infantile Grundhaltung ergibt sich meiner Ansicht nach aus dem Mangel an Vermittlung und Unterstützung von persönlichem, individuellem Stolz und Selbstwertgefühl schon vom frühsten Kleinkindalter an. Dadurch entsteht eine chronische zusammenhangslose Scham, die sich in unbestimmten Schuldgefühlen ausdrückt. Eine weitere Ausführung dazu würde unseren Rahmen hier sprengen.

In einer solchen grundmasochistischen Kultur ist staatliche Kontrolle immer gleichbedeutend mit Unterdrückung des Individuums zugunsten irgendeiner Entität, die Macht hat. Und nichts ist gefährlicher für unterdrückende Macht als selbständige Denker. Denn diese würden stets für Selbstbestimmung und Freiheit sprechen.

Unsere derart staatlich kontrollierten Bildungseinrichtungen sind nicht nur finanziell „vollversorgt“ (diese Begründungsfantasie ist bereits in der Praxis widerlegt, wo man nur noch von maximaler Unterversorgung und Abbau sprechen kann), sondern auch inhaltlich und ideologisch geformt vom „Staat“. Und wer ist das effektiv? Minister und eine Armada von Bürokraten. Diese Clique bestimmt nicht nur Organisation, Struktur, Rahmen und Auftrag der Bildungsinstitute, sondern auch ihr Personal und ihre Inhalte. Muss da noch lange gesucht werden nach dem Grund, warum die Maßstäbe für Bildung – insbesondere der „höheren Bildung“ – aus Mittelmäßigkeit, Autoritätshörigkeit, Opportunismus und Realitätsverweigerung, in der Essenz also aus Kollektivismus statt Rationalismus abgeleitet werden?

Kollektivisten sind Menschen, die Angst vor dem Einzelnen, vor dem „Anderen“, dem „Abweichler“ haben. Die Geschichte menschlicher Kultur und Zivilisationen wurde jedoch immer nur von Einzelnen, von „Abweichlern“ geprägt und ihre Entwicklungssprünge von ihnen initiiert. Geist wirkt immer nur durch Einzelne, niemals durch eine Masse oder ein abstraktes „Kollektiv“. (Wer auch nur ein einziges Gegenbeispiel kennt, möge bitte aufstehen). Kollektivisten verstehen das nicht. Sie fantasieren sich lieber eine undefinierte gesichtslose „Masse“ als die höchste Quelle von Fortschritt und Entwicklung, weil sie sich in ihr verstecken und nur in ihr geborgen fühlen können. Diese infantile Bedürfnisorientierung ist die ideelle Basis unseres Bildungssystems.

Alles andere folgt daraus: sein Dogmatismus, seine Abkopplung von der Realität, seine ängstliche Abwehr gegen neue Denkansätze und kritisches Hinterfragen, seine Gleichmacherei, seine Lähmung gegenüber jeglichem realen Problem, seine Verflachung und Oberflächlichkeit, sein Hang zu sinnlosen ideologischen Wortblasen, sein triefender Pessimismus und seine Feindlichkeit gegen freies und selbständiges Denken bis hin zur Gewaltbereitschaft und Machtmissbrauch.

Und seit langem auch, dass Akademiker, also jene staatlich zertifizierten Bildungs-Fabrikate, Angst haben nicht nur vor eigenständigen Denkern, sondern sogar vor dem eigenständigem Denken selbst. Sie investieren ihre mentalen Instrumente ganz besonders in die Abwehr rationalen Denkens und prinzipieller Selbstreflexion. Das Resultat dieses ideologischen Hygienewahns ist jener intellektuelle Inzest, der das akademische (Bildungs-)System nicht nur frei hält von Selbstkritik und rationalem, reflektierenden Bewusstsein, sondern es auch stufenweise in tiefere infantile Abhängigkeit von machtvollen Beschützern und Erhaltern degenerieren lässt. Diejenigen, die die Kultur leiten sollten, sind längst zu den Schoßhunden einer kulturfernen Machtelite geworden.

Das ist die „staatlich kontrollierte Bildung“ im post-industriellen Deutschland.

Der Treibstoff Angst

Aus dem kindlichen Streben nach Anerkennung, um Selbstwertgefühl und ‑überzeugungen zu entwickeln, kann durch chronische Frustration und Vergeblichkeit ein lebenslangens Streben nach Ansehen, Status und Privilegien werden. Dieses Streben bleibt aber in seiner Infantilität ebenfalls gekoppelt an die Abhängigkeit von Autoritäten, die einen anerkennen, loben, fördern und beschützen. Aus der resultierenden Autoritätshörigkeit entwickelt sich dann zunehmend eine besondere Form der Angst, die wir als „akademische Angst“ bezeichnen können: die Angst davor, dass die Ansichten, Lehren und Dogmen der eigenen Autorität hinterfragt und womöglich zerstört werden könnten.

Aus dieser Angst, die man bei so gut wie jedem Akademiker antrifft, wenn man seine Grundüberzeugungen und die Prämissen seiner Konzepte hinterfragt, entwickeln sich jene „akademischen Abwehrmechanismen“, die einen neugierigen, forschenden Verstand immer wieder schockieren können: das unbegründete Ablehnen von Argumenten, das Ignorieren stichhaltiger Ideen und Belege, die aggressive und oft manipulativen rhetorischen Tricks, um andere mundtot zu machen, die unvermittelten, zuweilen demenzartigen Gesprächsabbrüche und ein militanter Meinungs-Faschismus, bei dem kein Fünkchen von Neugier und Wissbegier mehr zu spüren ist.

Wenn es sich bei diesen Angstwesen nur um irgendwelche Tüftler in den Elfenbeintürmen universitärer Institute handeln würde, wäre es zwar schlimm genug, aber noch nicht so grauenerregend wie die Tatsache, dass diese verängstigten, von Angst gesteuerten und durch und durch von Angst erfüllten Kinder die wichtigsten Prozesse unseres Gesellschaftslebens steuern und „verantworten“: als Lehrer, Ärzte, Anwälte, Richter, Aufsichtsräte, Vorstände, Polizeipräsidenten, Chefredakteure, Intendanten und gesetzgebende Politiker!

Ich spreche nicht von einigen von ihnen sondern von allen – bis auf die wenigen auffälligen und kaum noch geduldeten Ausnahmen, die um jedes Sprachrohr und ihr Überleben im System bangen müssen. Was für ein System außer einem Angst- und Kontrollsystem soll diese Mannschaft akademischer Angstapostel denn schaffen? Wie sollen sie anders denken, fühlen und agieren als zu ihrem bloßen Selbstschutz und Selbsterhalt? Was anderes sollte jemals für sie handlungsleitend sein als Anweisungen „von oben“, weil sie „von oben“ geschützt und ermächtigt werden? Was anderes könnten wir denn auch von fünf- bis zehnjährigen verängstigten und schutzsuchenden Kindern erwarten? Die Angst führt sie zum Herrn der Fliegen und der wird sie ohne ein Wimpernzucken zermalmen und dem gesichtslosen System opfern, wann immer das System es fordert.

In dieser epidemischen Angst sind die „Verantwortlichen“ gar nicht ansprechbar, also auch nicht ver-antwortungs-fähig, sondern nur benutzbar. Ihre humanoide Grundmechanik ist noch erhalten, aber sie ist abgekoppelt von ihrer menschlichen Essenz und ihrem Gewissen. Diese mögen sich in bitteren Stunden einmal beim persönlichen Restbewusstsein melden und für einen Zusammenbruch der dressierten öffentlichen Programmpersönlichkeit sorgen, aber in ihrer Rolle als akademische „Respektpersonen“ funktionieren sie stets weiter so mechanisch und geistesabwesend wie ein Schlafwandler. Die Menschen müssen erst einen langen Weg der psychischen Rehabilitation durchmachen, um sich aus ihrer Angst-Identität zu lösen und dann irgendwann einmal in einer menschlichen, gewissenhaften und verantwortungsbasierenden Gesellschaft konstruktiv mithelfen zu können. Bis dahin sind sie für gesunde Gesellschaft eine Störung und Zusatzbelastung.

Die Reduktion des Wissens auf konditionierte Schablonen

Ein „gut Gebildeter“ unserer Tage hat ein Weltbild, das zu über 90% völlig falsch, verdreht und irreal ist. Sein „Wissen“ ist von der Realität soweit abgekoppelt, dass man von allem das Gegenteil nehmen kann und damit der Wirklichkeit schon sehr nahe kommt.

Wenn wir das größere Bild betrachten, wie es dazu kommen konnte und wie dieser Zustand der vollkommenen Realitätsentfremdung aufrecht erhalten wird, in der die „Gebildeten“ gefangen sind, müssen wir die soziale Infrastruktur der modernen Gesellschaften betrachten – damit ist das gemeint, was landläufig mit „Kultur“ gemeint ist, allerdings kann von Kultur heute gar keine Rede mehr bei uns sein. Unsere soziale Infrastruktur wird vom Geld und damit von den Geldherstellern und Regulatoren bestimmt (s. meinen Artikel dazu). Das gilt für mittlerweile so gut wie für jeden menschlichen Lebensbereich.

Vor allem unsere zentralen Informations- und Kommunikationskanäle sind von Meinungskartellen komplett überwacht und kontrolliert, so dass wahrheitsgetreue, zutreffende Informationen keine Verbreitung mehr finden können. Das Internet hat das Informationsmonopol zwar erheblich beschnitten, aber zu der Zeit seiner Popularisierung waren die „Gebildeten“ bereits so weit programmiert, dass sie Informationen außerhalb ihres gelernten Kanons erstens gar nicht mehr aufnehmen konnten und zweitens sogar ablehnten, so dass deren allgemeine Zugänglichkeit im Internet in den letzten 20 Jahren keinen Einfluss auf die akademisch abgedichtete Gedankenwelt mehr hatte.

Zuvor wurden andere Ansichten und Fakten noch unmittelbar geächtet und ausgegrenzt. Das ist heute gar nicht mehr nötig, weil die konstituierende Mehrzahl der Akademiker sie „instinktiv“ ignoriert und aktiv bekämpft. So ist es heute mit weniger Aufwand denn je möglich, Menschen intellektuell in völlig irrealen Weltbildern gefangen zu halten und dafür zu sorgen, dass sie von dem, was real passiert und mit ihnen und ihren Kindern gemacht wird, nichts verstehen und zum großen Teil nicht einmal mehr etwas wahrnehmen.

Die Herstellung dieser speziell akademischen Blindheit erfolgt über die Fragmentierung und Abtrennung der Wissenschaften und Erkenntniszweige in immer kleinere Bereiche, zwischen denen kaum oder gar nicht mehr Zusammenhänge hergestellt werden. Wir haben Heerscharen von gut konditionierten „Spezialisten“ (Fachidioten) und fast keine Universaldenker mehr, denen Überblick, Synthese und damit tragfähige und richtungsweisende Bewertungen gelängen. So irrt jeder „Experte“ immer weiter voran in seiner Sackgasse und lenkt sich von der Bedeutungslosigkeit und Unbrauchbarkeit seiner „Forschung“ ab, indem er sich noch mehr spezialisiert und noch weniger den Kopf hebt um einmal nach links und rechts zu schauen.

Akademiker sind über die letzten drei Generationen hinweg degeneriert zu Wort- und Wissens-Jongleuren ohne die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken und aus Bezügen heraus praktische, veränderungswirksame Schlüsse zu ziehen. Nur durch das Herstellen von Zusammenhängen können Bedeutung und Anwendbarkeit entstehen, insbesondere durch den Bezug zu sich selbst, zu eigenen Werten und zu relevanten, ungelösten Problemen. Werte wiederum können nur durch den Bezug zum eigenen Leben, zur eigenen Motivation, zum eigenen Lebenswillen gedacht und entdeckt werden.

Wer keine Zusammenhänge und Bezüge zwischen Konzepten, Rezepten und eigenen Erfahrungen sieht, der ist geistig impotent. Man kann ihn forschen, denken und behaupten lassen, was er will – er hat keine Wirkkraft in der Welt mehr, weil er sein Wissen und Denken nicht versteht. Er ist nutzlos und wird zur Belastung.

Ein solcher Akademiker kann eine Forschungsarbeit über die Schädlichkeit des Nikotinkonsums schreiben und sich in seiner Schreibpause eine Zigarette anzünden. Er kann abends die Unfähigkeit, Korruption und Verlogenheit von Politikern und Parteien feststellen und am nächsten Tag zur Wahl gehen. Er kann Ingenieur sein und wissen, dass ein Auto komplett verbeult wird, wenn es in eine Leitplanke rast und dennoch ohne Zweifel davon überzeugt sein, dass ein einziges kleines Aluminium-Flugzeug das härteste und festeste Stahlbeton-Gebäude der Welt durchschneiden und zu Staub zerbröseln lassen kann.

Warum? Weil er nur einzelne Bilder und Wissensfragmente speichert und keine Zusammenhänge herstellt. Sein Maßstab für richtig und falsch liegt nicht im eigenständigen , kausalen und logischen Denken und schon gar nicht in kritischem und vernetzendem Denken, welches wir Verstand nennen, sondern in seiner hoch reaktiven, durchkonditionierten Fähigkeit, zu erkennen, was er glauben soll und was nicht. Er bleibt irgendwelchen Autoritäten hörig und seien es die Stimmen in der Tageszeitung – nicht weil sie recht haben oder er sie bräuchte, sondern weil er nichts anderes als diese einfache, bequeme und infantile Hörigkeit kennt.

Er ist nichts weiter als ein intellektuelles Zirkuspferd. Er glaubt dies und jenes und erreicht die mentale Stufe von Widerspruchserkennung gar nicht. Sein Denk- und Sprechapparat führen nichts als die Kunststückchen aus, für die er dressiert und belohnt wurde. Moralisch betrachtet ist das die Prostitution des Verstandes, was das höchste moralische Verbrechen eines Menschen ist, wenn wir bedenken, dass gerade das Denken den Menschen ausmacht und vom Tier unterscheidet. Wer seine Freiheit und seine menschlichen Fähigkeiten freiwillig aufgibt, begeht Verrat am Menschsein.

Das Ganze beruht jedoch bei den meisten Betroffenen dermaßen auf mechanischen und unbewussten sozialen Überlebensreaktionen, dass von Entscheidungen und Moral gar nicht mehr die Rede sein. Wir haben es überwiegend mit Opfern einer vollkommen degenerierten Kultur zu tun, denen bereits als Kindern die Möglichkeit der Wahl durch Zwang, Missbrauch und Vernachlässigung weggenommen wurde.

Zwischenspiel: kleiner epistemologischer Selbsttest

  1. Wissen Sie, dass es in diesem Jahr (2020) eine Virus-Pandemie gab/gibt? Oder glauben Sie es nur?
    (Verifizierbarer Fakt ist, dass die Sterberaten in Deutschland und weltweit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen.)
  2. Wissen Sie, dass Chemotherapie Krebs heilt? Oder glauben Sie es?
    (Chemotherapie beruht auf hochtoxischen Zytostatika und senkt statistisch die Überlebensrate von Krebspatienten.)
  3. Wissen Sie, dass AIDS eine Krankheit, verursacht durch den HI-Virus ist? Oder glauben Sie das?
    (Der „HI-Virus“ war (wie jede Virus-Theorie) nur eine Hypothese, die nie bestätigt werden konnte.)
  4. Wissen Sie, dass wir in einem demokratischen, souveränen Staat leben? Oder glauben Sie das?
    (Es lohnt sich, sich den völkerrechtlichen und handelsrechtlichen Status von „Germany“ genauer anzusehen.)
  5. Wissen Sie, dass „Nazis“ rechtsextrem sind? Oder glauben Sie das?
    (Nationalsozialisten ist die Bezeichnung für eine faschistisch-linksextreme Gruppierung/Partei.)
  6. Wissen Sie, dass Neil Armstrong am 21.7.1969 auf dem Mond gelandet ist? Oder glauben Sie das?
    (Schauen Sie sich die „Originalaufnahmen“ mit den Alufolien-Requisiten an und fragen Sie sich, warum wir nach 1972 nie wieder von Mondlandungen gehört haben.)
  7. Wissen Sie, dass die Erde eine Kugel ist, die sich um die Sonne dreht? Oder glauben Sie das?
    (Das heliozentrische Weltbild ist eine Erfindung aus dem 17. Jahrhundert. Es kann enorm viele Widersprüche/Gegenargumente nicht entkräften, wie z.B. den, dass wir (in dem angeblichen Wirbel in der „Milchstraße“) seit Jahrtausenden immer den gleichen, fixen Sternenhimmel über uns sehen.)

Auswertung:

Wenn Sie ein- oder mehrmals mit „Ich weiß es“ geantwortet haben, sind Sie entsprechend der Häufigkeit auf einem fortgeschrittenen oder sogar Experten-Niveau im Bezugsrahmen moderner akademischer Verbildung, d.h. intellektueller Unredlichkeit. Ihre Stärke ist, dass Sie sich selbst belügen können.

Wenn Sie ein- oder mehrmals mit „Ich glaube es“ geantwortet haben, sind Sie entsprechend der Häufigkeit auf einem guten Einstiegs-Niveau im Bezugsrahmen moderner akademischer Verbildung, d.h. Sie bringen die Grundqualifikationen mit, um verifizierbare Informationen aus der Welt des rationalen Denkens in die Welt emotionaler und religiöser Willkür zu übertragen.

Wenn Sie kein einziges Mal „Ich weiß es“ oder „Ich glaube es“ geantwortet haben, sind Sie für die gegenwärtige akademische Welt verloren. Als Trost können Sie aber darauf zählen, dass Sie aufrichtig sind und sich intellektuell nicht leicht korrumpieren lassen. Das ist doch auch nicht so schlecht, oder?

Die akademische Komplizenschaft mit der Gewalt

Es ist nicht so, dass die Axiome und Prämissen der Intellektuellen bloß fehlerhaft oder falsch sind – diese Phase haben wir spätestens seit den 1980ern schon hinter uns. Nein, sie haben mittlerweile gar keine festen Prämissen und beständigen Prinzipien mehr. Die Theorien, Ideen und Überzeugungen insbesondere im „geisteswissenschaftlichen“ Wirkungskreis sind auf konditionierte Reiz-Reaktionen reduziert worden: man glaubt, vertritt und vervielfältigt das, was gerade belohnt und beklatscht wird und bekämpft das, was untersagt, verpönt oder unbekannt ist.

Ihr Denken und Konzeptualisieren beruht nicht mehr auf Empirie, Logik und Verifizierung, sondern auf Gruppenzugehörigkeit durch Glaubensbekenntnisse. Daran ist nichts falsch, es ist das was in Kirchen üblich ist und entspricht der natürlichen Bewusstseins- und kognitiven Entwicklungsstufe eines Fünfjährigen.

Das ist auch der Grund, warum sich mittlerweile im „geisteswissenschaftlichen“ Betrieb und den von ihm imprägnierten wirtschaftlichen, technischen und „ökologischen“ Disziplinen niemand mehr auch nur die Mühe macht, hundertfach widerlegte und völlig absurde Denkgebäude wie Sozialismus, Kollektivismus, „Klimaschutz“, Relativitätstheorie, Genderpluralismus, Chemotherapie, Globalismus, Basis-Demokratie, Virologie oder eben das heliozentrische Weltbild argumentativ zu verteidigen. Man nimmt sie als richtig hin, weil sie gesetzt sind – von wem und warum, das weiß man nicht und will es auch nicht wissen. Wer etwas anderes behauptet, na, der gehört dann eben nicht mehr dazu und soll sehen, wie und wo er damit weiterkommt.

Wie konnten sich nur solch oberflächliche, offensichtlich absurde und Intelligenz-beleidigende Fantasie-Konstrukte bei so vielen Menschen durchsetzen? Durch Gewalt. Von dem Moment an, in dem die Fantasie-Ideologen und Theorie-Träumer sich mit Tyrannen, Diktatoren, Psychopathen und Kriminellen zusammentaten, hatten sie die Werkzeuge der „Überzeugung“ in der Hand, die Verstand, Logik und Stichhaltigkeit ersetzten: Zensur, Kontrolle über den monopolisierten Medien- (sprich: Propaganda-) Apparat und den gesamten Justiz-Apparat zur Durchsetzung ihrer „Wahrheit“.

Dies beschreibt exakt den Zustand unserer Denk- und Intellektuellen-Kultur seit 1933.

Sie wissen das nicht? Sie glauben das nicht? Noch nie davon gehört? Nun, einmal rein logisch gedacht: würde allein diese Tatsache (nämlich Ihrer Ungläubigkeit/Unwissenheit/Naivität) eher für oder eher gegen die Hypothese sprechen? Wo und wann beginnt das kritische Nachfragen und selbständige Überprüfen, wenn nicht mit dem Momentum des Staunens, der Überraschung oder der Irritation?

Man kann das Denken niemals durch Waffengewalt (bis etwa 1960), Zwang (bis etwa 1990) oder Manipulation (bis heute) überzeugen. Man kann es nur lähmen. Was das Denken lähmt oder unmöglich macht, ist Angst und man kann Menschen nur durch Angst bis in den Realitätsverlust, die Selbstverleugnung und die Pathologie der Selbstzerstörung treiben – das sind nur prä-kognitive, teils instinktive Überlebensstrategien, keine Philosophien und keine rationalen Prinzipien.

Ein Indiz dafür: seit Jahrzehnten geht es in allen wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen, in denen Intellektuelle federführend sind, bergab (und das sind so gut wie alle Bereiche). Sowohl mit Leistungen und Ergebnissen also auch moralisch, ästhetisch, organisatorisch und funktional. Überall akkumulieren sich die Konflikte, Misserfolge, Verluste, Einbußen, Notlagen, Pathologien und Leid; überall wuchert der Problem-Dschungel und keine erwähnenswerten Lösungswege werden auch nur ansatzweise geschlagen.

Was sagt uns das?

Mit Waffengewalt und Unterdrückung lassen sich keine Erfindungen und Innovationen erzwingen. Die Mafia bringt keinen Leonardo, keinen Mozart, keinen Tesla, keinen Gandhi und keinen Kennedy hervor. Sie kann sie nur vernichten. Die rational Fähigen und moralisch Aufrechten können nur aus Brutstätten kommen, in denen der Geist und Intellekt sich noch frei entfalten konnten – also aus gewaltfreien Zonen.

Kehren wir zurück zum Zustand unserer akademischen Welt. Die Phase der diskursiven und rationalen Selbstbehauptung hat die akademische „Elite“ schon vor hundert Jahren hinter sich gebracht. Nach einer Zwischenphase der Pseudo-Diskurse bis etwa in die 1980er Jahre hinein, in der intellektuelle Auseinandersetzungen nur noch vorgetäuscht oder als dirigierte Schaukämpfe abgehalten wurden, „überzeugt“ unsere Denk- und Meinungs-Führung mittlerweile nur noch über mediale Durchsetzung, d.h. mit Gewalt: man lässt einfach keine Gegen-, Prüf- oder Kritik-Stimme mehr zu Wort kommen. Man hat die Bequemlichkeit der Komplizenschaft mit der Macht entdeckt und die mediale sowie die Staatsmacht in die „Wissenschaft“ und die Akademien eingeführt. Das bedeutet nichts weniger, als dass man die Wissenschaft abgeschafft hat. Was wir nun haben ist institutionell monopolisierte Wissens-Abschaft.

Die jüngeren Akademiker (die jetzt noch unter 40-Jährigen) sind schon so sehr auf diese „Demokratisierung“ – d.h. eigentlich Regierungshörigkeit – der Wissenschaften geeicht, dass sie nicht-autorisierte, nicht-mehrheitliche Ideen gar nicht nur für falsch halten, sondern nicht einmal mehr aufnehmen, geschweige denn verarbeiten können. Sie sind emotional immunisiert gegen alles Nicht-Autorisierte, gegen alles, das nicht von ganz bestimmten „Experten“ und Medien sanktioniert und freigeben wurde, also emotional immunisiert gegen freies, selbständiges Denken. Willkommen in der Sekte, genannt „akademische Führungsschicht“!

Unser buchstäbliches Überleben hängt davon ab, dieser Sekte der Degeneration den Einfluss auf unsere rationalen Fähigkeiten, unsere moralischen Überzeugungen und unser Selbstverständnis zu entziehen. Wie? Indem wir Rationalität und werte-treue Moral fördern.

Die Impotenz der akademischen Apostel

In der modernen pseudo-intellektuellen Welt müssen wir uns von dem Irrglauben verabschieden, wir könnten durch „Diskussionen“ in Form von Argument- oder meist nur noch Begriffs- und Parolen-Schlachten zu Erkenntnissen oder gar Veränderungen finden. Ich erinnere mich noch an die Verwirrung, die ich schon als Kind über scheinbare „Sach-Diskussionen“ hatte, die zuweilen sehr hitzig verliefen und immer das gleiche Ergebnis hatten: keins. Sie bestanden nur daraus, dass zwei oder mehr Menschen immer lauter und polemischer ihre Meinung vertraten, scheinbar in der Annahme, dass dann irgendwann der andere einknickt und einem kleinlaut Recht gibt. Was so gut wie nie passierte. Es waren sinnlose und zwecklose Machtkämpfe, die manchmal fanatisch bis zum letzten geführt wurden. Und das ist das Skript, dem heutzutage jegliche Darstellung intellektueller Differenzen, heterogener Ansichten und divergierender Interpretationen folgt – von der Polit-Talk-Show im Abendfernsehen bis zur „wissenschaftlichen“ Auseinandersetzung zwischen zwei Lehrstühlen.

Menschen greifen einander an oder verteidigen ihre Meinung so als würde es um ihr Leben gehen, danach aber sind sie unbeteiligt und sprachlos, ja sogar verwirrt und peinlich berührt davon, dass sie sich wie von einem fremden Geist besessen gegenseitig intellektuell an die Gurgel gingen für etwas, das für sie persönlich offensichtlich irrelevant ist – wie z.B. die Frage ob Atomenergie abgeschafft oder ausgebaut werden sollte oder ob diese oder jene Partei die „bessere“ sei.

Es geht in diesen Diskussionen niemals darum, eine Entscheidung zu treffen, auch nicht darum, eine Lösung zu finden, etwas zu lernen, noch nicht einmal darum, etwas Neues auch nur aufzunehmen. Nein, es geht auf eine komplizierte und verbrämt symbolische Weise nur darum, die eigenen festen Überzeugungen gegen die des anderen zu behaupten und auf gar keinen Fall zu verändern.

Diese akademische Diskussions-Neurose ist die Abstrahierung und Projektion einer spürbaren, realen, existenziellen Angst in irgendein intellektuelles Pseudo-Gefecht, das niemals zu einem Ergebnis führen kann außer zu einem peinlichen Abreagieren, d.h. emotionalen Kontrollverlust. Der Geist alter Verwundungen wird in der aussichtlosen Form von Meinungsstreits und Glaubenskriegen wirksam und entlarvt die hitzigen Besserwisser in den Augen des weniger neurotischen, aufmerksamen Betrachters – z.B. eines Kindes – als lächerlich-peinliche Verzweiflungstäter, die „aus heiterem Himmel“ die Kontrolle und ihre Fassung verlieren.

Dahinter steckt der verrückte akademische Glaube, dass ein Streitgespräch zu Erkenntnis führen könne. Warum halten Akademiker an sinnlosen und ergebnislosen Wortgefechten fest? Warum füllen sie ganze Bibliotheken mit „Diskursen“ über Pros und Kontras, mit Annahmen, ungeprüften Hypothesen, Theorien, Modellvorstellungen – und vor allem: Meinungen – wenn sie zu nichts führen, keine Verbesserung der Lebensqualität bringen und kein echtes Problem lösen?

Die Antwort ist genauso einfach wie erschreckend: weil sie zu nichts führen, keine Verbesserung der Lebensqualität bringen und kein echtes Problem lösen. Nutzlosigkeit ist eng verwandt mit Fruchtlosigkeit, also Unfruchtbarkeit und Kreativitätslosigkeit – das sind die Hauptcharakteristika der linken Hemisphäre und auch genau das, was alle diejenigen wollen, die vor der Kombination von Rationalität und Produktivität Angst haben. Sie wollen die vollständige Auflösung des menschlichen Geistes in realitätsferner, nutzloser (d.i. linkshemisphärischer) Gedankenakrobatik, ein ausgetrocknet-substanzloses Denken anstelle von lebenserfülltem, praktischem und bedeutungsvollem Denken.

Wer lange genug „auf der akademischen Laufbahn“ war, wird in dieser Art des Denkens zuhause sein. Die hohe Kunst des Vollakademikers oder staatlich zertifizierten Intellektuellen besteht darin, sein Denken von jeglicher Beziehung zu Erfahrung, zu Realität, zu menschlichen Bedürfnissen und Problemen zu entkoppeln und nur noch auf freischwebenden, auswendig gelernten Glaubenssätzen und Axiomen aufzubauen, für die er vor langer Zeit seine eigene Wahrnehmung, sein Gefühl für Sinn und Echtheit und seine freie Selbstbestimmung geopfert hat – für seine akademische Karriere, versteht sich.

Von seinen frühen Despoten und Tyrannen des Denkens (Lehrern, Dozenten, Professoren) kann man sich ein Leben lang abhängig machen, um sich auf diese Weise die eigene Unterwerfung und Selbstaufgabe nie eingestehen zu müssen. Der Selbstbetrug des erweiterten Bildungsweges hilft bei der Verleugnung der Tatsache, dass man seine Freiheit, seine wahre Identität und seine Seele aufgegeben hat für ein verhältnismäßig lächerliches Stück Anerkennung, Status und Zugehörigkeit. Doch in der Psyche liegen um diese kleine Identität aus Anpassung und Anerkennung herum, meist ungesehen und weggeblendet die prägenden Erfahrungen kindlicher Orientierungslosigkeit, Hilflosigkeit und Angst. Und die sind stärker als das wenig entwickelte Denken.

Der Verrat an der Denkfähigkeit

Wir haben bereits dargestellt, warum und inwieweit der irgendwie „akademisch“ Gebildete unserer Tage darauf konditioniert ist, Meinungen zu haben ohne sie begründen zu können, ohne eine eigene Betrachtung dazu zu haben, ohne zu wissen, warum und von wem er sie übernommen hat und ohne jemals zu denken. Statt Meinungen aus Beobachtungen und Denken abzuleiten, unterwirft er sein „Erleben“ (d.h. seine Interpretationen) und sein „Denken“ (d.h. seine Ideen) den fertig vorgegebenen Meinungen. Das ist pervers.

Man kann von solchen Akademikern – ausgenommen einige Naturwissenschaftler und Ingenieure – heute noch nicht einmal mehr erwarten, dass sie zwischen Meinung, Wissen, Glauben, Erkenntnis und Information unterscheiden können. Bei einem Fünfjährigen würde man einfach noch fünf Jahre warten, aber was soll man mit 40-, 60-, 80-Jährigen in so einer Vernebelung anfangen?

„Denken“ ist für den typischen Vertreter des postmodernen Akademismus‘ bloß noch ein Mittel zur immer komplizierteren, verworreneren und selbstbetrügerischen Rechtfertigung seiner Flucht vor der Notwendigkeit rationaler Wahrnehmung und Verarbeitung. Er benutzt sein Denken für die Rationalisierung seiner Angst vor und seiner Abwehr gegen Realitätskontakt und Selbsterkenntnis statt für die Entwicklung besseren Verständnisses und besserer Landkarten der Wirklichkeit. Sein Denken hat stets die Ausrichtung, von der Wirklichkeit immer weiter weg zu kommen, statt sie zu erkennen und zu verstehen. Er nutzt es als Abwehrmechanismus, nicht als Entwicklungswerkzeug. Das ist im Mindesten Missbrauch des menschlichen Potenzials, eher aber wohl noch Verrat an allen Menschen, denn er besetzt, blockiert und lähmt so die notwendige Leit- und Direktionsebene für Kultur und die Grundlage für moralische und menschliche Entfaltung. Das ist nicht bloß destruktiv, es ist kriminell, weil es das Gesamtgefüge produktiver Gemeinschaften zugunsten eines pathologischen Selbstschutzes zerstört.

Den tiefsten, also tiefst möglichen Punkt intellektueller Redlichkeit kann man diagnostizieren, wenn jemand das Denken selbst aberkennt, entwertet, ablehnt und – verwirft. Er gibt damit nicht nur das stärkste Fundament und Werkzeug von Kultur auf, sondern sich selbst. Damit schaltet er die Lungen des kulturellen Kreislaufsystems ab, was dazu führt, dass das Blut, das sind fertige Ideen, Konzepte, Leitlinien und Grundsätze weiterhin zirkuliert, aber nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Übrig bleiben dann nur noch Dogmen, fragmentierte Informationsfetzen, emotional aufgeladene und beliebige Glaubenssätze und irrationale Ge- und Verbote – die Abbauprodukte von Intellekt nach dem Tod der Ratio.

Die dermaßen verschlackten und halbtoten Menschen sind nicht anders denn als intellektuelle Zombies und Schablonen-Denker zu bezeichnen. Das Phänomen ließe sich über Seiten hinweg ausführlich beschreiben, aber ich gehe davon aus, dass der Leser mit diesen Andeutungen bereits den Status quo unserer sogenannten „geistigen Elite“ wiedererkannt hat. Die Betonung soll hier vielmehr auf der Ursache für die kulturelle Abschaltung und Einschläferung liegen: den tiefgreifenden Verlust von Denkfähigkeiten.

Der Unterschied zwischen einem rationalen, selbständigen Denker und einem konditionierten Ideologen besteht darin, dass der selbständige Denker immer versuchen wird, Probleme zu lösen; der Ideologe hingegen versucht, die Aufmerksamkeit vom Problem und seiner Realität abzulösen, d.h. abzulenken. Die Konsequenz ist, dass der selbständige und pragmatische Denker Probleme reduziert, während die ideologische Denk-Marionette Probleme wuchern lässt oder sogar zusätzlich schafft, nicht zuletzt, weil sie immer aufwendigere Ablenkungsmanöver erschaffen muss, die irgendwann sogar Lügen, Betrug, Kriminalität und Verrat erfordern – um seine Ideologie vor allem anderen zu retten. Dadurch zerstört er Vertrauen in ihn und seine Institutionen, er zerstört in der Folge jeglichen gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Rahmen für intelligente Kooperationen. Und damit schließlich sogar die Möglichkeit, Probleme überhaupt lösen zu können.

Der Pragmatiker fußt auf Verstand, Wissen und Kompetenz, die frei sind, weil sie seinem Willen und seinen Werten dienen können. Der Ideologe fußt auf einem basalen Trauma- und Abwehrreflex, der auf Überforderung beruht. Deshalb ist er nicht frei. Wir müssen nur lernen, den einen vom anderen zu unterscheiden.

Um zu verstehen, wie die Abwehr des akademische Betriebs gegen eigenständiges Denken funktioniert, müssen wir drei Aspekte der Wissensaneignung und Begriffsbildung verstehen, die pervertiert und degeneriert werden können:

  1. Mentalisierung als Begriffsbildung durch Integration von Erfahrung,
  2. Akkomodative Aufnahme von Informationen (versus akkumulative Aufnahme) und
  3. Integration von Wissen in immer umfassendere Landkarten (versus Fragmentierung von Informationen).

Mentalisierung ist der psychologische Begriff für die abstrakte Begriffsbildung aus konkreten Erfahrungen und später auch aus neuen Einsichten. Die Fähigkeit der Mentalisierung beruht auf dem gelernten Verständnis, dass man selbst denken kann und dass andere auch denken können, dass also Kommunikation und Austausch zu einem besseren Verstehen, zu akkuraten Vorhersagen, zu praktikablen Intentionen und Plänen und damit zu immer besseren Konflikt- und Problemlösungen führen können. Mentalisierung ist die Fähigkeit, eigene Erfahrungen in Worte und abstrakte Begriffe fassen und neue abstrakte Begriffe wiederum mit eigenen Erfahrungen verknüpfen zu können. Es ist nicht schwer nachzuweisen, dass unser Bildungssystem die Verbindung von Erfahrung und integrierender Abstraktion schon sehr früh vernachlässigt, wenn nicht sogar unterbindet.

Stattdessen findet die Begriffsbildung bereits auf den Vorstufen zum akademischen Betrieb durch die Vermittlung wahrnehmungs-unabhängiger und immer häufiger sogar wahrnehmungs-widersprechender Konzepte statt. Bereits Kinder in der Grundschule werden darauf geeicht, etwas als richtig anzunehmen, d.h. zu glauben, weil der Lehrer es sagt und nicht weil sie wissen, wie man es überprüft oder beweist. Sie erfahren und sehen z.B. den wachsenden und eklatanten Unterschied zwischen Jungen und Mädchen und müssen dann aber glauben, dass dieser Unterschied marginal oder gar nicht existent sei. Schon Kinder bekommen auf diese Weise Wissens- und Orientierungs-Landkarten, die nicht mit ihrer Wahrnehmung vereinbar sind, sondern sozial (durch Autorität, Belohnung und Anerkennung) erzwungen werden. Auf diese Weise haben wir heute bereits in der dritten Generation „erwachsene“ Menschen, die sich mit vollkommen irrealen und widersprüchlichen Landkarten in der Realität zu orientieren versuchen – und deshalb permanent mit der Wirklichkeit auf Kriegsfuß stehen. Sie sind ihr nicht gewachsen und fordern auf der mentalen Bedürfnisstufe und mit der existenziellen Vehemenz eines Dreijährigen Hilfe, Entlastung und Führung (!).

Das mag auch ein Grund für die extreme Sucht nach virtuellen Medien sein: sie lassen sich auf sehr geringen Mentalisierungsstufen anwenden und sind ein vermeintlicher Ersatz für reale soziale Konfrontationen. So angewendet sind sie allerdings nichts anderes als schlechte Prothesen für geistig Behinderte. Durch den frühen Bruch zwischen Wahrnehmung und Konzepten erzeugt man hilflose, abhängige und willfährige mentale Zombies, die in einer chronischen Frustrationsschleife hängen und selbst die unterste Stufe menschlicher Erkenntnis- und Problemlösefähigkeiten nicht mehr erreichen können.

Diesen Zombies kann man dann „Wissen“, d.h. Informationen, Konzepte und Meinungen einflößen à la Nürnberger Trichter. Das ist assimilierende oder akkumulative Aufnahme von „Wissen“. Sie besteht aus der bloßen Ergänzung und Ansammlung von Informationen und Denkschablonen, die ohne Bezug nebeneinander stehen. Sie können sich also auch untereinander widersprechen, weil das Kriterium für richtig und falsch nicht in der logischen oder empirischen Überprüfung liegt, sondern in der sozialen Erwünschtheit. Die Kinder und später Studenten sollen glauben und denken, wie und was die Institution verlangt, nicht was der Wirklichkeit entspricht. In der Wirklichkeit sind sie aber dauer-unglücklich und neurotisch, weil sie nur wegschauen und irreal denken können. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf das eigene Leben, auf soziale Umstände und das eigene Selbstwertgefühl.

Dies führt zu der immensen Inflation des Wissens bzw. von Information, in der wir heute leben. Das „Wissen“ (besser: Ansammlung von Glaubenssätzen) wird immer mehr und gleichzeitig immer bedeutungsloser, zusammenhangsloser und fiktionaler. Die junge Generation weiß über die Wirklichkeit so gut wie gar nichts mehr und hat so gut wie kein einziges intellektuelles Werkzeug mehr, um ihr zu begegnen. Die Entkopplung zwischen Worten und Bedeutung, zwischen Begriffen und Realitätsbezug ist so weit fortgeschritten, dass mit den Opfern dieser Verkrüppelungs-Pädagogik kaum noch sinnvolle Kommunikation möglich ist. Zumindest nicht über das Niveau von Dreijährigen hinaus, wobei Dreijährige normalerweise viel weniger frustriert, verängstigt und militant sind. Alles, was den jungen Fremdbestimmten bleibt, ist „so ein Gefühl“: ihre schwankenden, vagen Bauchgefühle und wortlosen Bedürfnisse. Sollen wir glauben, dass diese Menschen die Brücken und Hochhäuser der Zukunft bauen, eine neue Generation von Motoren entwickeln, geschweige denn neuen geistigen Paradigmen die Türen öffnen werden? Oder sollen wir uns nicht eher auf „Grundschulen für Erwachsene“ vorbereiten, in denen die basalen Fähigkeiten des Realitätskontaktes nachentwickelt werden können?

Im Gegensatz zu der beschriebenen Wissensansammlung führt die akkomodierende Informationsaufnahme zu einer Veränderung des bestehenden Wissens, so dass das Neue sinnvoll und widerspruchsfrei integriert werden kann. Das führt dazu, dass die eigenen Landkarten immer genauer und zusammenhängender werden. Diese Form der Wissensaufnahme und Reflexion ist im akademischen Betrieb so gut wie ausgestorben. Sie entspricht der ursprünglichen Idee der Bildung, also der Herausbildung eines selbständig denkenden und lernfähigen Charakters. Manche Informationen haben das Potenzial, bisher Gelerntes zu differenzieren, zu zerlegen oder manchmal sogar zu zerstören. Dadurch findet intellektuelle Entwicklung statt.

Ein Akademiker unserer Tage ist so weit abgeschnitten von der Möglichkeit mentaler Akkomodation, dass er Informationen, die dem von ihm Gelernten (also dem, was er glauben soll) widersprechen, nicht aufnehmen kann. Er muss sich dagegen wehren und sie als falsch darstellen – was innerhalb seines pervertierten Maßstabs auch richtig ist: alles, was die Autoritäten als falsch oder verboten darstellen, muss falsch sein (sonst gibt es keine Anerkennung und gemütliche Zugehörigkeit mehr).

Akkomodierendes Lernen führt zu immer höheren Integrationsstufen der Begriffsbildung und damit des Verstehens. Es löst Widersprüche zwischen Informationen oder Ansichten auf, indem es eine übergeordnete Perspektive einnimmt. Wer das nicht gelernt hat, der kann sich vor den zahllosen Widersprüchen zwischen seinen auswendig gelernten Denkschablonen nur dadurch schützen, dass er Widersprüche nicht sieht. Er darf über sein „Wissen“ niemals nachdenken. Stattdessen muss er es sorgfältig in einzelnen, gut isolierten Schubladen aufbewahren, aus denen er es bei Bedarf unverfälscht hervorholen kann. Allein auf dieses Prinzip gründen die „akademischen Prüfungen“ insbesondere in den „höheren Bildungseinrichtungen“. Gerade die Universitäten sind Papageienschulen dieser Art seit der Einführung des Bachelor- und Master-Systems auf einem Niveau, das weit unterhalb früherer Abiturprüfungen liegt.

Das ist der Grund, warum unter Akademikern die Fragmentierung des Wissens (besser: des Glaubens) so enorm ist. Diese Fragmentierung und Schubladen-Mentalität können nur von der linken Hirnhälfte geleistet werden, da sie sich auf Einzelheiten konzentriert und weder Zusammenhänge erkennen noch das Ganze überblicken kann. Fragmentierungs-Experten, zu denen Akademiker ganz besonders abgerichtet werden, müssen daher stets rein linkshemisphärisch denken und ihre linkshirnige Dominanz zu ihrem eigenen Schutz aufrecht erhalten. Denn sonst kommen sie in Konflikt mit der Wirklichkeit. Die macht ihnen Angst vor Überforderung.

Prä-akademische Qualifikationen

Wie kann man Menschen dazu bringen, sich in diesen Laufstall der Denkverkrüppelung, der Abhängigkeit und Selbstverleugnung zu begeben und daran sogar mit aller Kraft festzuhalten?

Die wichtigste Fähigkeit für die akademische Laufbahn ist offensichtlich die, das eigene Denken komplett abzuschalten oder zumindest soweit zu unterdrücken und zu „vergessen“, dass es keinen störenden Einfluss mehr ausüben kann. Selbständiges Denken entwickelt sich allerdings ganz natürlich aus den kindlichen Impulsen von Neugier, ausdauerndem Nachfragen und Verstehen-Wollen. Deshalb haben im akademischen Betrieb – mittlerweile schon in der Grundschule – jene Charaktere einen riesen Vorteil und Vorsprung vor allen anderen, bei denen diese Impulse schon früh unterdrückt oder gelähmt wurden. Frühe, lang andauernde Bestrahlung durch Fernseher, Computer(spiele) und sonstige virtuell-digitale Anästhetika sind für diese Prägung sehr hilfreich und unersetzlich. Sie sorgen dafür, dass schon das Kind lernt, passiv zu sein und sich bloß reaktiv auf die eindimensionale und geistlose (seelenlose) Welt von Computern einzustellen. Ein Mensch, der geistig von Computern erzogen wird, wird ein passiver, leicht steuerbarer, unreflektierter Zombie.

Die modernen akademischen Fabriken bevorzugen natürlich so ein vorbereitetes Menschenmaterial für ihre „Ausbildungen“, weil bei ihnen der Widerstand des eigenständigen Denkens und des wahrheitsliebenden Geistes wegfällt und deshalb die Abrichtung auf Reiz-Reaktions-Denken und einfach einprogrammierte Denkmodule viel leichter und schneller geht.

Warum funktioniert das? Und warum sind Akademiker in der Verteidigung ihrer Unwissenheit und Orientierungslosigkeit oft so aggressiv und fast verzweifelt militant?

Die kurze Antwort lautet: weil ihre eingeimpften Selbst- und Weltbilder ihre einzige verlässliche Identität mit positivem Vorzeichen sind. Würde diese Identität bröckeln oder gar wegfallen – weil ihre Glaubenssätze und Dogmen sich als falsch herausstellen – dann gibt es darunter keine auffangende psychische Struktur, aus der heraus sich diese Menschen einfach ein neues Weltbild bauen könnten. Sie finden unter ihren gelernten Überzeugungen dann nur Verwirrung, Desorientierung und Hilflosigkeit – oft auf dem Niveau eines massiv überforderten Kleinkindes. Diese massive Verunsicherung und Verstörung können sie nur verhindern, indem sie an ihrem einzigen Selbst- und Weltbild festhalten, auch wenn es irreal, labil und von ihren tatsächlichen Erfahrungen abgetrennt ist.

Das Resultat dieser fundamentalen psychischen Abspaltung von der eigenen Wirklichkeitswahrnehmung und damit von der Möglichkeit, eigene Wahrnehmung und eigenes Erleben in Begriffe zu fassen, ist für uns sehr wichtig zu verstehen, um die Verbohrtheit und Verbissenheit von Intellektuellen zu begreifen, mit denen sie an ihren noch so verrückten und absurden, unlogischen Theorien festhalten, selbst wenn sie damit buchstäblich über Leichen gehen.

Es sind bloß Rationalisierungen. Das heißt, ihre Lieblingstheorien und Ideologien (= Theoriensysteme) basieren nicht auf Verstand, Logik und Beobachtung, sondern sie sind symbolhafter Ausdruck von unverarbeiteten emotionalen Erlebnissen, Überforderungen und Traumata. Sie sprechen nicht über eine objektive Wirklichkeit der Natur oder der Welt. Sie denken, sprechen und schreiben von morgens bis abends nur über sich selbst, über ihre emotionale Prägung und Konstituierung (rechte Hirnhemisphäre), die sie nur in verzerrten, pseudo-wissenschaftlichen Begriffen „kodieren“ können (linke Hemisphäre), weil sie größtenteils abgeblockt, verdrängt und unterdrückt sind. Es ist Ausdruck einer Neurose, nicht Wissenschaft.

Wir müssen lernen, all die verrückten Theorien – damit ist besonders alles „Geistewissenschaftliche“ gemeint – als intellektuell verbrämten Selbstausdruck ihres Erfinders oder Vertreters zu dekodieren. Dann wird ein Schuh draus und wir können uns jede akademisch-diskursive, argumentative Auseinandersetzung sparen. Sie ist vergeblich, weil diese Menschen nur aus ihrer ideosynkratischen Wirklichkeit heraus sprechen und es nicht wissen. Sie verstehen sich selbst nicht. Wir können sie damit in Ruhe lassen (oder in guter Psychotherapie). Für die Konzeptualisierug gesunder Kultur- und Gesellschaftsbildung sind sie in dem Zustand selbstverständlich völlig unbrauchbar.

Die fatale Trennung von Kompetenz und Zugehörigkeit

Ein wichtiger Wirkmechanismus für diesen inneren Bruch zwischen ursprünglich lernbegierigem Kind und dann irgendwann nur noch passiv-folgsamem Erwachsenen ist die künstliche Trennung und Antagonisierung von zwei Bedürfnissen bereits bei Grundschulkindern durch die „moderne Pädagogik“.  Indem sie nämlich stets die Hauptaufmerksamkeit auf die Schwächsten und Langsamsten richtet und daraus alle Handlungsmaßstäbe und Rahmensetzungen für die Pädagogen und die Schüler ableitet, werden der Drang nach Kompetenz und der Drang nach Zugehörigkeit bzw. Verbundenheit gegeneinander gestellt, so dass sie erst sozial und dann innerpsychisch zu Widersprüchen werden, statt sich zu ergänzen wie es ohne solche „Pädagogik“ natürlicherweise geschehen würde.

In der Gruppe würde sich jeder frei denkende und wahrnehmende Mensch stets am Kompetentesten der Gruppe ausrichten, und zwar vorrangig in Bezug auf die Kompetenzen, die die Gruppe in einem bestimmten Kontext am meisten braucht. Dadurch gibt es innerhalb der Gruppe sowohl einen Führer (in Bezug auf eine Aufgabe, ein Ziel oder eine Problemstellung) als auch ein Vorbild, das zur eigenen Entwicklung anspornen kann. Wenn nun aber Betreuer und Lehrer ihre Leitungs- und Vorbildfunktion benutzen, um die Aufmerksamkeit der Gruppe (Klasse) stets auf die Schwächsten zu richten, so dass die schwächsten Glieder der Gruppe am meisten mit Aufmerksamkeit „belohnt“ und zu Trendsettern werden, dann kann jeder dem eigenen Drang nach Lernen und Entwicklung nur noch dadurch folgen, dass er sich von diesem künstlichen „sozialpädagogischen“ Korsett der Gruppe ablöst und unabhängig macht. Mit anderen Worten: sozialer Zusammenhalt und Kompetenz werden getrennt. Solidarität und Leistung widersprechen sich. Und das prägt den Charakter der Kinder, weil sie sich in diesem künstlichen Konflikt für eine Seite entscheiden müssen: entweder sie entwickeln ihre Talente und machen Fortschritte oder sie gehören dazu und verhalten sich „solidarisch“. Dieses „solidarisch“ bedeutet nach dieser neuen anti-progressiven Pädagogik die Ausrichtung und Anpassung von jedem und allem an den Schwächsten (siehe dazu diesen Artikel hier).

Wer sich für die Entwicklung seiner Leistungsfähigkeit entscheidet, wird dadurch notgedrungen zum Einzelkämpfer mit dem Stigma der „Unsolidarität“. Er kann hier und da mal als Experte oder Spezialkraft hinzu gerufen werden, aber in den Köpfen der Kinder wird verankert, dass Solidarität nur über das gemeinsame Schwachsein oder den gemeinsamem Fokus auf Schwächen, Defizite und Inkompetenz möglich ist. Dadurch entstehen die fast allen so vertraute Trennung zwischen „Leistungsmenschen“ und „Gemeinschaftsmenschen“, die wachsende Tendenz, sich schwach, bedürftig oder als Opfer zu inszenieren, um mehr Ressourcen zu bekommen, und eben der „akademische Charakter“, der seine Laufbahn auf Anpassung und systemhörige Zuge-hörigkeit aufbaut.

All dies ist keine Sache intellektueller Mechanismen oder Überzeugungen, sondern eine tiefe soziale Prägung. Diese kann nicht mit intellektuellen Mitteln allein, mit Erklärungen oder durch Einsicht, verändert werden, sondern nur über andere Erfahrungen. Dafür müssten wir den Kontext und die Haltung im System ändern, insbesondere die der Vorbilder und Autoritäten im Bildungsbetrieb.

Die fatalen Folgen der akademischen Retardierung

Nun wollen wir einige zentrale Folgen der beschriebenen De-Rationalisierung und Realitätsabkopplung der akademischen Welt betrachten.

Fast alle diese Folgen lassen sich unter dem Begriff massiver Destruktivität zusammenfassen. Was wird zerstört? Zunächst alles, was eine Kultur des Fortschritts, der Bewusstseinswerweiterung und der menschlichen Entfaltung ausmacht hervorbringt. Dann auch alles, was die Überreste einer solchen Kultur erhalten könnte. Schließlich werden die Fähigkeiten zerstört, solch eine Kultur aufzubauen und zu erhalten und schließlich sogar die Fähigkeit, sie zu erkennen oder sich auch nur vorzustellen. Das Ergebnis ist die vollkommene Entmenschlichung unserer Lebensumstände bis ins grauenhafte Chaos, das schließlich zu unserem existenziellen Tod führen würde. Das ist bisher nicht passiert und wird auch nicht passieren, weil sich stets doch wieder genug Menschen fanden, die sich ihres Verstandes-Potenzials bedienten und die selbstgewählte Regression und Lähmung eines selbstmörderischen Kollektivs überwanden. Hier geht es auch nicht darum, zur Rettung der Menschheit aufzurufen, sondern nur darum, zu verstehen, wie existenziell notwendig sie wurde und wie wir sie nun unterstützen können.

Die toxische Wirkung abgelaufener Denksysteme

Die Destruktivität der gegenwärtigen akademischen Grundhaltungen lässt sich darauf zurückführen, dass veraltete oder sterbende Weltanschauungen und Denksysteme ab einem gewissen Zeitpunkt beginnen, eine toxische Wirkung zu entfalten so wie Nahrungsmittel, die für Kinder aufbauend wirken, für Erwachsene aber belastend sind.

Denkgebäude und -systeme, die zu gewissen Zeiten der Kulturentwicklung eine Berechtigung hatten, sind heute in ihrer künstlichen Lebensverlängerung sehr schädlich, weil sie den Anforderungen der weiterentwickelten Kultur nicht mehr gerecht werden, sondern sie lähmen und in die geistige Regression führen. Das analytisch spaltende und segmentierende Vorgehen der Wissenschaften z.B. war sinnvoll in den ersten Entwicklungen der empirischen Wissenschaften, um Begriffe für Einzelteile, Elemente und einzelne Aspekte zu begründen. Heute und eigentlich seit 100 Jahren schon jedoch brauchen wir synthetisierendes, zusammenfügendes Verstehen im Sinne von Beziehungen, Interaktion und gegenseitigen Abhängigkeiten. Ansonsten sind wir immer wieder gezwungen, die tatsächliche Komplexität der Zusammenhänge und Wechselwirkungen aufgrund unserer retardierten Denkfähigkeiten auf ein künstliches, anti-komplexes Level zurechtzustutzen. Würden wir nur beobachten, wäre das kein Problem. Aber wir haben mittlerweile die Technologien, um in alles einzugreifen bis hinunter in den genetischen Code und die Schwingungs-Eigenschaften von Organismen. Unsere Eingriffe beruhen dabei auf falschen, weil in erster Linie hyper-simplifizierten Ansichten, so dass unsere unwissenden und infantilen Manipulationen verheerende Folgen haben können, die vor 150 und mehr Jahren noch gar nicht denkbar waren.

Je länger wir an obsoleten Denkstrukturen und Dogmen festhalten, desto mehr unlösbare Probleme erschaffen wir dadurch, weil unser Denken unseren gewachsenen Fähigkeiten, sprich unserer Macht, nicht mehr gewachsen ist. Anders ausgedrückt: wir verstehen nicht mehr, was wir tun, was wir bewirken und warum wir etwas tun oder lassen sollten. Damit entspricht unser aktueller intellektueller und moralischer Zustand also einer Definition von Verantwortungslosigkeit.

Eine intellektuelle Regression genannt „Materialismus“

Die wichtigste dieser alten und veralteten Denk-Paradigmen ist das Konglomerat von Annahmen, Haltungen und kindlich-einseitigen Ansichten, die wir „Materialismus“ nennen. „Materialismus“ lässt sich definieren als die hypnotische Faszination des menschlichen Geistes für die Welt und Gesetzmäßigkeiten der Materie, von Objekten und ihrer Manipulation.

An ihr ist nichts falsch. Sie entspricht der gesunden und notwendigen Entwicklungsstufe eines Kindes zwischen seinem dritten und siebten Lebensjahr. Dieser Entwicklungsstufe entsprechen die Prämissen und Grundhaltungen der westlichen Kultur spätestes seit der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Die moderne und weitreichend wirksame intellektuelle Fixierung auf die Bewusstseinsstufe des Materialismus‘ lässt sich definieren als die Kombination aus dem Mangel an Abstraktionsfähigkeit von Erfahrung und dem Mangel an Realitätsanbindung von Konzepten und Ideen.

Diese Fixierung des Intellekts auf ein kindliches Niveau ist deshalb so fatal, weil sie gleichzeitig einen mentalen Schutzwall um sich herum aufbaut, der alle Menschen in ihrem Einflussbereich, also unseren ganzen Kulturraun, davon abhält höher entwickelte Erkenntnisstufen zu erreichen. Dieser „Schutz“ beruht auf der Angst vor Überforderung, die das Kind in jungen Jahren in Bezug auf die komplexe Welt und besonders in Bezug auf die Welt der Konzepte tatsächlich erlebt. Wenn es nicht unterstützt wurde, Schritt für Schritt die erforderlichen Abstraktionen und Denkfähigkeiten zu entwickeln, dann wird es diese Angst behalten und später – als Erwachsener – weiterhin die Begegnung mit abstraktem, schlussfolgerndem und höher-begrifflichem Denken scheuen. Es wird sich aufgrund dieser alten Angstprägung sogar aktiv dagegen wehren, was paradox wirkt, denn diese Denkfähigkeiten würden die Angst beseitigen. Ein Teufelskreis der Angst und Abwehr.

Dies ist der Grund, warum heute kaum ein Akademiker noch nicht-materialistische, das sind abstraktere und komplexere Gedanken oder Ideen verstehen kann. Die jüngere Generation kann sie nicht einmal mehr aufnehmen. Der Intellekt dieser Menschen wurde durch die grundsätzliche Trennung von Erfahrung und Denken in unserem Bildungssystems so verdreht, dass er ihren Geist – damit meine ich ihr höher-begriffliches Bewusstsein versiegelt, so dass sie nur noch konkretistisch-materialistische, also ungeistige Ansichten, Informationen und Gedankengänge aufnehmen können. Aber sie können sie nicht mehr überprüfen, nicht mehr verknüpfen, nicht mehr weiterführen.

Da man Geist nicht abschaffen kann, kann man nur von ihm ablenken und die Verbindung von Körper, Denken und Geist trennen, so dass kein Verständnis mehr entstehen kann. So werden die Menschen in ihren Köpfen irreal und in Bezug auf die Realität hilflos.

Was ist die unmittelbare Gefahr darin? Wir müssen feststellen, dass diese Geisteshaltung unseren Bedürfnissen, Anforderungen und vor allem unserem technischen Können schon lange nicht mehr gewachsen ist. Es macht einen Unterschied, ob ein Grundschulkind über ein paar Pistolen und Kanonen verfügt oder über Nuklear-, Energie- und oder digitale Waffen. Ganz zu schweigen von unseren heutigen Möglichkeiten der Massenkontrolle, der sozialen Manipulation und der medialen Gehirnverdrehung.

Wir hinken geistig und kulturell hinterher und sind deshalb im großen Stil überfordert mit und von der Welt, die wir selbst schufen. Deshalb stehen nicht nur kulturell und akademisch, sondern existenziell „kurz vor Zwölf“.

Die prägnantesten Beispiele für die mentale Fixierung auf rein materielle Kräfte sind die Evolutionstheorie von Darwin und die Psychoanalyse nach Freud. Darwin vertrat trotz aller Widersprüche und Gegenbelege die Idee, der Mensch wäre nichts weiter als ein Produkt langer, zielloser und „zufälliger“ Genmutationen, also das Produkt chaotisch mutierender Materie, die irgendwie und irgendwann aus einem Fisch einen Affen und aus dem Affen einen kulturschaffenden Menschen machte.

Darwin hat seine Fantasien später revidiert, aber es war schon zu spät. Es gab mächtige Interessenkreise, die genau diese Idee des Menschen als zufälligen Genklumpen über die entsprechend geimpfte und ideologisierte Wissenschaft in die Köpfe der Bevölkerung bringen wollten.

Sigmund Freud hingegen war hypnotisiert von seinem persönlichen Erfolg und der Anerkennung, die ihm durch seine fixe Idee zuteil wurden, der Mensch werde von dunklen und wirren, vor allem sexuellen, auf jeden Fall unpersönlichen Kräften getrieben, die er notgedrungen zu kontrollieren lernen muss. Die (mentale) Ich-Entwicklung besteht seiner Ansicht nach in der Distanzierung und Abtrennung von diesen Kräften.

Eine weitere Schlussfolgerung aus der Freudsche Idee von Kultur als Notbehelf gegen die Auslieferung des Menschen an biologische und physiologische Treibkräfte ist, dass man vor „Sexualität“ und dem „Unbewussten“ durchaus Angst haben und sie deshalb irgendwie kontrollieren müsste. Dieses Konzept, das in Wirklichkeit eine pseudo-wissenschaftliche Rationalisierung von neurotischen Ängsten, also von psychischen Störungen darstellt, lässt sich hervorragend machtpolitisch instrumentalisieren, was interessierte Cliquen früh bemerkt und genutzt haben. Für ihre Absichten, die Menschen durch Verwirrung und Ablenkung von ihrem Selbstgewahrsein, ihrem Selbstwertgefühl und damit von ihrer Selbstsicherheit abzubringen, war es auch hilfreich, dass diese Ideen eben nicht der Natur und den Gegebenheiten des Menschen und der Beziehung zwischen Körper und Bewusstsein entsprechen.

Die Unterwerfung des Verstandes unter die Macht

Darwins und Freuds Ideen wurden zuweilen als zwei der Haupt-„Kränkungen der Menschheit“ bezeichnet. Dieser Begriff verfehlt gänzlich den Kern ihrer Wirkungsdynamik, indem er sie auf eine rein emotionale Ebene zieht, so als würde die Menschheit nur ein wenig beleidigt werden, nachdem sie vor diesen „großen Denkern“ dazu neigte eingeschnappt zu sein.

Nein, es geht um etwas viel Verheerendes: diese irrationalen Ideen halfen allen Lebens- und Menschenhassern bei der intellektuell verbrämten Entwürdigung des Menschen auf ganzer Linie. Wie? Indem sie allen weiteren Fantasieprodukten hasserfüllter, lebensfeindlicher Kleingeister eine Starthilfe und einen Anschub dafür gaben, den Menschen als Wesen ohne Verstand darzustellen. Ihm also den Verstand abzusprechen. Das heißt nichts weniger, als uns unsere menschliche Natur und unser existenziell wichtiges Potenzial abzusprechen, uns auf die Stufe eines seltsamen, lächerlichen, unpassenden und kaputten, halbtierischen Wesen zu degradieren.

Die todessüchtigen Atrozitäten der „existenziellen Philosophen“ sind für die Ableitung und Extremisierung dieser Haltung ein ebenso gutes Beispiel, wie fast alles, was wir heute an „moderner“ Kunst in Museen, auf Bühnen, im Radio und auf dem Büchermarkt präsentiert bekommen: sie alle stehen unter den Programmen und Programmierungen der Missachtung des menschlichen Verstandes und damit der Entwürdigung des Menschen. Deshalb sind sie hässlich, weil sie sich aus einer abgrundtiefen Haltung von Hass und Destruktivität nähren (die aus Angst und Überforderung entstanden sind).

Diese Entwürdigung des Menschen tief in die Köpfe der Intellektuellen und so in die westliche Kultur einzupflanzen, geschah selbstverständlich nicht durch „Denker“ wie Darwin, Freud und Konsorten selbst, sondern durch jene Armee von Intellektuellen und Bildungsmissionaren, die sich von ihren Autoritäten steuern und leiten lassen. Die moralische Integrität dieser Autoritäten oder ihrer Förderer und Schützer sollten wir allein aufgrund dieser falschen und verderblichen Glaubenslehren arg in Zweifel ziehen.

Gerade die perfide Vermischung von Richtigem und Hilfreichem mit Falschem und Schädlichem hat dafür gesorgt, dass solche irrealen und irrsinnigen Theorien von der akademischen Welt als intellektuelle Heilsbringer aufgenommen und schließlich von ihr zu dogmatisch geschützten Paradigmen erklärt wurden, die gar nicht mehr hinterfragt werden dürfen.

Die Kraft hinter dieser Entwicklung kann gar nichts mit Wissenschaft, Forscherdrang oder Neugier zu tun haben. Auch Unwissenheit und Inkompetenz reichen als Erklärung für sie nicht aus. Sie muss vielmehr in einer tief wurzelnden Angst, in Neid und Hass gegenüber dem Leben und jedem Ausdruck von Lebendigkeit und freiem Bewusstsein gesucht werden. Daraus erwachsen jene okkulten Bestrebungen nach der Macht über den Geist der Menschen, die heute allen akademischen Betrieb an ihren ideologischen und monetären Fäden halten.

In solchen fremdgesteuerten intellektuellen Biotopen werden Akademiker gezüchtet, die erstens vollkommen blind sind auf dem Auge, das Macht und Machtdynamiken erkennen könnte, und die zweitens unfähig sind, sich intellektuell über ihre emotionalen Prägungen und Abhängigkeiten zu erheben. Akademiker sind in der Folge die mit Abstand machtpolitisch naivste Bevölkerungsschicht. Jede nächste Generation von ihnen naiver als ihre Vorgänger und Lehrer.

Die blinde (und bequeme) Abhängigkeit vom „Lehrer und Meister“, eng verknüpft mit dem persönlichen Streben nach Anerkennung und gesellschaftlichem Status macht sie emotional dermaßen manipulierbar und verführbar, dass sie gegen ihre Intuition und gegen ihren kritischen Verstand zu Anhängern und Missionaren einer Haltung werden, die den Verstand und die Vernunft der politischen (oder finanziellen) Macht unterwirft. Wenn wir nach dem Grund für ihre Empfänglichkeit solcher Autoritätsabhängigkeiten suchen wollen, müssen wir wahrscheinlich in erster Linie die defizitäre und über Generationen hinweg pervertierte Rolle des Vaters in der westlichen Kultur untersuchen, was ich in einem vorhergehenden Teil dieser Artikel-Reihe schon ausführlicher begonnen habe.

Akademische Psychologie als schwarzmagischer Sondermüll

Ein beachtenswertes Beispiel für die Folgen akademischer Ideologiehörigkeit und Realitätsabkopplung ist die akademische Psychologie und die größtenteils aus ihr abgeleitete Welt der Psychotherapie. Beide sind allein schon durch ihre geistigen Wurzeln aus den Jahrzehnten um die 19. Jahrhundertwende herum miteinander verbunden und haben ihren Einfluss vor allem auf die höheren Schichten des Geldadels, des Groß- und des Bildungsbürgertums ausgeübt durch die sogenannte „Analytische Psychologie“ oder kurz „Psychoanalyse“.

Diese besteht aus fantasievoll konstruierten Konzepten auf der Basis des oben schon beschriebenen Freudschen (und anderer) Biologismus von „Triebkräften“ und einem experimentellen, später dann „therapeutischen“ Ansatz, dessen Wirkung bei genauerer Betrachtung auf Elementen dissoziativer, schwarzmagischer Rituale beruht. Denn ich wüsste nicht, wie anders ein Vorgehen zu charakterisieren wäre, das systematisch den intuitiven und emotionalen Kontakt zwischen „Therapeut“ und Klient unterbindet, den „Therapeuten“ in jeder Hinsicht unsichtbar und unerreichbar für den Klienten hält und letzteren in extrem rigiden Routinen dazu auffordert, assoziative, irrationale Bilder- und Gedankenfetzen in den kontaktlosen Raum zu produzieren. So ein Verfahren strotzt nur so von dissoziierenden Elementen, so dass die Effekte einer angeblichen „Therapie“ wohl vor allem auf die Abspaltung und Desintegration von Bewusstseinsinhalten zurückzuführen sind, die dafür sorgen, dass Probleme, Bedürfnisse, Schmerzen oder Motive weniger unmittelbar wahrgenommen werden und stattdessen ein davon isoliertes, körper- und kontakt-dissoziiertes Ich-Bewusstsein (linke Hirnhälfte) entsteht, das im wahrsten Sinne des Wortes „analytischer“ ist und nicht mehr integrierend. Dieses Zerlegen und Fragmentieren des Bewusstseins für eine darauffolgende fremdgesteuerte Neuzusammensetzung und programmierte Ich-Identifikation ist einer der Hauptaspekte schwarzer Magie.

Diese okkultistischen Methoden sind bis heute durch ständige Verwässerung zwar schon recht abgeschwächt, aber durchaus noch wirksam, vor allem durch „Hardcore“-Psychoanalytiker, die besonders in den USA eine ganze Dynastie von Therapieschulen hervorgebracht haben. Auch die Einbeziehung des Begriffs „Analyse“ in die Selbstbenennung dieser fragwürdigen „Behandlung“ und Theoriebildung wirkt ausgesprochen manipulativ und verdrehend: von allen Therapieansätzen ist die „Psychoanalyse“ die am wenigsten analytische und die, die mit dem höchsten Anteil an willkürlichen Interpretation, Manipulations-Instrumenten und märchenhaft-fantastischen Theoriebildungen. Was von Anhängern dieser Schule gerne hochtrabend als „Analyse“ bezeichnet wird ist bei nüchterner Betrachtung bloß eine entgrenzte und entgrenzende Sammlung von Narrativen, Fantasien und Traumbildern mit der noch grenzenloseren Addition von Interpretationen und Deutungen. Das ist so analytisch wie eine Märchenstunde unter LSD.

Dieses Themengebiet sei hier nur kurz erwähnt, weil eine ausführliche Darstellung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Interessant ist für unser Thema, dass die Psychoanalyse die politisch und lobbyistisch am meisten geförderte „Therapie“-Lehre/-Schule ist und vor allem unter Medizinern nach wie vor das höchste Ansehen genießt. Der Grund dürfte in der enorm wirksamen, synthetischen Machtdynamik dieser „Psycho-Therapie“ gefunden werden – ein Auge, auf dem Psychologen, Therapeuten, Lehrer, Sozialarbeiter, Priester und eben auch Mediziner nicht nur ganz besonders blind, sondern unbewusst hochgradig motiviert sind. Diese Mischung erzeugt eine fatale Verführbarkeit und Lenkbarkeit durch Macht- und Status-Anreize, welche die intellektuelle und Aufrichtigkeit und die moralische Integrität dieser Berufsgruppen sehr leicht korrumpieren können – was in hohem Maße geschehen ist. Wer daran zweifelt, schaue sich nur das „professionelle“ Verhalten dieser Personenkreise in Zeiten der „Corona“-Psychose an. Da dürften keine Fragen offen bleiben.

Diese Langzeitfolgen der psychoanalytischen Irrlehre sind moralisch und gesellschaftlich als immense Belastung und Bedrohung zu sehen. Diese Art von Sondermüll müsste von Experten der bodenständig-rationalen Analyse (der echten) entsorgt werden.

Irren-Psychologie Teil 2: Roboterpsychologie

Auf die „Massen“ der sonstigen, also eher nicht-akademischen Bevölkerung wirkt im Übrigen bis heute der pragmatische und anti-intellektuelle Ansatz der „Verhaltenstherapie“, deren Ursprünge in Tierexperimenten à la Pawlow und der daraus erwachsenen Verhaltensforschung liegen. Sie war in der Kultur der 1950er bis 1990er Jahre so effektiv in der (Wieder-) Herstellung einfacher sozialer Funktionalität innerhalb der gegebenen Leistungs- und Konsumgesellschaft mit ihren engen Erfolgsdefinitionen, dass sie mittlerweile von Krankenkassen vor allen anderen Therapieansätzen bevorzugt bezahlt und von regierungsnahen Institutionen gern gefördert wird.

Natürlich sind viele der Erkenntnisse aus allen möglichen psychologischen Forschungszweigen richtig und viele technische Ansätze funktionieren auch ziemlich effektvoll. Ihre verheerende destruktive Wirkung entsteht aus einem viel weniger offensichtlichen Aspekt, nämlich im Menschenbild all dieser modernen „psychologischen“ Ansätze. In der „wissenschaftlichen Psychologie“ hat man sich schon vor über 70 Jahren darauf verständigt, dass es so etwas wie „Seele“ und „Geist“ gar nicht gibt, dass es sich dabei nur um „Emergenzphänomene“, also Produkte von ein bisschen Elektrizität und einigen Neurotransmittern in der Schwabbelmasse des Gehirns handelt. Und alle wollen heute ja immer so „wissenschaftlich“ wie möglich auftreten, damit sie Anerkennung und Geld bekommen. Das Menschenbild dieser „wissenschaftlichen“ Psychologien ist im besten Fall ein rein biologistisches, materialistisches à la „Darwins Irrtum“. Der Behaviorismus, die Grundlage der Verhaltenstherapie, ist so technisch-mechanisch in seiner Grundhaltung, dass er nicht einmal mehr über sein eigenes Menschenbild nachdenken kann. Dafür bräuchte es echte Geisteswissenschaft, von der man sich in der Psychologie aber „emanzipiert“ hat. Leider ist ihr in ihrer Anbiederung an die ökonomisch und medial viel erfolgreicheren „Naturwissenschaften“ die Psyche abhanden gekommen. Die akademische „Psychologie“ ist in Folge bis auf die antiquierte geisteswissenschaftliche Grundhaltung einiger weniger Altprofessoren nur noch Verhaltensforschung: der Mensch wird als programmierbarer Roboter gesehen. Zwar ein komplizierter Roboter mit Bedürfnissen, Gefühlen, Erinnerungen und so weiter, aber wenn man die richtigen Manipulationstechniken anwendet oder die richtigen Psychopharmaka einwirft, dann bekommt man das alles schon in den Griff, um den perfekt funktionierenden Arbeits-System-Roboter herzustellen.

Psychologie-Absolventen der letzten 20 Jahre sind Experten für wohlklingende Psycho-Konzepte und Datenstatistiken im Bereich der Verhaltensbeobachtung und Verhaltensprogrammierung. Von Psyche, Seele und Geist wissen sie gar nichts mehr und reagieren meist verunsichert und hilflos oder bissig-aggressiv, wenn man sie danach fragt.

Weitere Folgen irrationaler Dogmen

Um zu veranschaulichen, dass es hier in diesem Artikel nicht nur um „akademisches“ Wäschewaschen oder betriebsinterne Mängel der obersten Bildungsetagen geht, sondern um die handfesten Ursachen für den Niedergang des gesunden Menschenverstandes, ja der Menschlichkeit, in unserer Gesellschaft, will ich ein paar weitere Folgen des akademischen Verfalls hier nur noch stichpunktartig erwähnen.

Ein Denken, das auf nur noch konkretistisch-dinghafte Wertvorstellungen und auf simple Operationen ohne begriffliche Selbstreflexion reduziert wird, führt(e) zu einer Philosophie, d.h. Lebensgrundhaltung, der Quantität und Quantifizierung (statt von Qualität, Wertschätzung und Urteilsbildung). Daraus leiten sich ab

  1. die gängigen Definitionen von „Erfolg“, „Glück“ und „Sinn“ auf der Basis rein quantitativer, meist materieller Errungenschaften sowie die daraus entstehenden Vergleichs-, Anreiz- und Motivationsdynamiken (inkl. Neid und Minderwertigkeitsgefühlen) einer „Leistung-für-Konsum“-Gesellschaft.
  2. die Reduktion der komplexen und vielschichtigen Anziehungs-Beziehung zwischen den (polaren, also zwei) Geschlechtern auf „Sexualität“, die wiederum reduziert wird auf „Sex“. (Das Idiom „Liebe machen“ als Bezeichnung für sexuellen Verkehr ist das alltagssprachliche Pendant zu dieser Begriffs-Regression auf unmittelbares Erleben und Handeln.)
  3. die Konzeptualisierung von Gerechtigkeit als quantifizierbare Gleichheit oder „Gleichverteilung“. Diese grob-amoralische und irrationale Schwurbelei wird in Form einer medial gepimpten Augenwischerei politisch eingesetzt, um die Reichen und Mächtigen noch reicher und mächtiger zu machen auf Kosten der Naiven und Fleißigen.
  4. die alles durchströmende und buchstäblich alles-aufkaufende Einstellung, dass Geld eine ultimative Motivations- und Entscheidungsgrundlage sei („Für den Betrag X bin ich bereit, es zu tun“, „Dafür reichte leider unser Budget nicht.“)
  5. alle Theorien und Ideologien, die Mehrheit als Maßstab setzen, wie der Utilitarismus, daraus abgeleitet Kommunismus, Sozialismus, die gegenwärtig modischen infantilen Dogmen von „Demokratie“, „Basis-Demokratie“, „Teamwork“ und der grotesk-absurde Begriffs-Mix der “Schwarm-Intelligenz“.
  6. eine Generation von jetzt Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die verzweifelt nach Antworten und Lösungen schreien und gleichzeitig tief-emotional davon überzeugt sind, dass es keine Antworten gibt und keine geben kann; die sich deshalb um keine bemühen, sondern jene Autoritäten anrufen, die ihnen die ganze Misere ihres Zustands eingebrockt haben. Sie fordern, statt zu leisten oder zu suchen. Sie schreien nach „Freiheit“, meinen aber bloß eine angenehmere und bequemere Abhängigkeit, weil sie sich keine Alternative dazu vorstellen können. 70 Jahre Akademiebetrieb, der Geist, eigenständigen Verstand und Willenskraft für nicht-existent erklärt und sich dementsprechend strukturiert, hat Folgen: die vollständige Resignation seiner Absolventen. Die Zukunft, nach der sie rufen, wurde ihnen mental als Möglichkeit genommen, nicht als ökologische Verschmutzung. Um das zu verstehen, müssten sie ihren Verstand, ihre Gefühle und ihre Motivation mentalisieren können. Aber…

Diese Liste ließe sich lange fortführen. Wir sehen daran, dass unser konkretes alltägliches Leben von Philosophien und Ideologien beherrscht wird, wenn die Akademiker sie mitmachen, verteidigen und verbreiten. Und das sollte hier nur andeutungsweise gezeigt werden.

Sekten-Gebrabbel und die Kinder des ideologischen Inzests

Das Prinzip Irreführung durch absurde und unreflektiert übernommene, teils nur nachgeplapperte Weltbilder und Ideologien gilt auch für die technischen Wissenschaftler wie zum Beispiel Ingenieure.

In den letzten Tagen fiel mir die Publikation eines „ökologischen Institutes“ in die Hände, in dem es seine von Bundesregierung, Ministerien und „Zukunfts-Stiftungen“ geförderten Forschungsprojekte beschrieb. Alle ihre Projekte engagierten sich für „hehre Ziele“ wie „Energiewende“, „karbonfreie Energie“, „CO²-Befreiung“, „reinen E-Verkehr“ usw. Natürlich alles im Namen von „Klimaschutz“ und „Klimarettung“. Diese „Wissenschaftler“ sind in ihren Weltbildern und bis in ihre Grundüberzeugungen hinein so durch und durch politisch ideologisiert, dass sie gar nicht mehr bemerken, geschweige denn reflektieren können, wie absurd ihre Ziele und Intentionen sind.

Jedem kritisch denkenden Menschen dürfte schlecht werden bei der Flut von leeren und sinnlosen Begriffshülsen, wie sie die junge Generation von „Wissenschaftlern“ und Akademikern am laufenden Band generiert. Sie bemerken nicht, dass ein Begriff wie „Klimaschutz“ nur auf undefinierbaren, dabei aber emotional hoch aufgeladenen Projektionen und Bedürfnissen beruht und gar keinen belastbaren Realitätsbezug hat (siehe diesen Artikel hier).

Niemand fragt, wie man denn ein Klima schützen kann und welche überplanetarische Macht man dazu bräuchte. Wortbedeutungen spielen keine Rolle mehr, Worte sind von denkbaren und nachprüfbaren Bedeutungen längst abgekoppelt und stellen keine begrifflichen Vektoren mehr da. Es geht nur noch darum, „irgendwie gut zu klingen“. In der babylonischen Sprachverwirrung der modernen durchideologisierten Generation spielen Worte also gar keine inhaltliche oder denkerische Rolle mehr. Sie sind nicht mehr semantische Bausteine des Denkens, der Differenzierung und des Symbolisierens, sondern bloß noch emotionale Reize oder Codes für Zugehörigkeit und Gleichschaltung (von Gleichgesinntheit kann bei dermaßen programmierten Papageien-Sprechern nicht die Rede sein).

Das Neusprech wie bei den „Öko-Wissenschaftlern“ kommuniziert nicht mehr überprüfbare Inhalte mit Realitätsbezug, sondern nur noch die Zugehörigkeit zu einer ideologischen Gemeinschaft (Kirche), was für viele den letzten und einzigen gewohnten Zugang zu einem Gefühl von Sicherheit und Anerkennung darstellt. Ihre Pseudo-Begriffe sind Erkennungs-Parolen, mit denen sie sagen: „Ich gehöre dazu. Nehmt mich auf. Beschützt mich und gebt mir Ressourcen (Geld und Anerkennung), dann verspreche ich auch, mich für eure Sache mit Herz und Bauch (nicht „Kopf!“) vereinnahmen zu lassen und keine weiteren Fragen zu stellen.“

Das ist pervertierte Kinder-Psychologie und weit davon entfernt, in die Nähe echter Wissenschaft zu kommen. Ein weiteres Charakteristikum dieser politisch frisierten, „gegenderten“ und irrealen Sprache ist, dass sie nicht nur eigenständiges Nachdenken explizit unmöglich macht und unterdrückt. Immer mehr ursprünglich einmal nur hypothetische oder ideologische Ansichten und Wunschvorstellungen sind schon lange von diesen Fantasie-Kämpfern zu unverrückbaren Leitlinien für alle erklärt worden, die gar nicht mehr hinterfragt werden dürfen. Und warum nicht? Weil ihnen das Etikett „moralisch besonders wertvoll“ aufgeklebt wurde und sie deshalb jeglichem Diskurs militant und kategorisch entzogen werden müssen. Denn das morsche Gerüst aus Wünschen, Projektionen und kindlich-naivem Größenwahn („Ich rette das Klima“ etc.) ist die letzte Bastion der Rechtfertigung und Identität all dieser selbsternannten Wissenschaftler und „Kämpfer für das Gute“.

Sie spüren, dass sie außerhalb ihrer dogmatisch gesicherten Diktatur (wörtlich: was ihnen diktiert wurde), nämlich in der illusionsbefreiten Realität weder sozial noch emotional und schon gar nicht intellektuell überleben könnten. Kinder, die in einer Sekte aufgewachsen sind, haben es schwer, in einer freien Gemeinschaft zu überleben. Und was tun sie als Herdentiere? Sie laufen so lange mit den anderen Sektenmitgliedern und ihren Leithammeln weiter, bis die Herde untergeht.

Erkennungsmerkmale akademischer Liederlichkeit

Im Folgenden seien die wichtigsten Symptome akademisch-intellektueller Schlampigkeit und Unredlichkeit genannt:

  1. Quantität statt Qualität:
    nicht das stichhaltigste Argument, die fundierteste Analyse oder die stringenteste Argumentation zählen, sondern die Anzahl der Vertreter eines Standpunktes, die Häufigkeit seiner Wiederholung (s. z.B. Zitierungsquoten).
  2. Form statt Inhalt:
    Die Form einer wissenschaftlichen Arbeit, ein Titel und die Position des Autors oder seine institutionelle Anbindung sind ausschlaggebend für ihre Bewertung, nicht ihre inhaltliche Relevanz, ihre Innovationskraft oder Wirkpotenz.
  3. Deduktion statt Induktion:
    man geht von abstrakten, meist ungeprüften oder fragwürdig bis offensichtlich absurden Denkschablonen aus, die bloß vervielfältigt oder als Fundament und Rechtfertigung für noch absurdere Schablonen benutzt werden, statt aus Beobachtungen und Praxiserfahrungen differenziertere, integrationsfähigere Konzepte und Landkarten zu erstellen. Den „Luxus“ solcher Nabelschau im Elfenbeinturm leisten sich vor allem die „Geistes“- oder „Humanwissenschaften“, da sie weder eine naturwissenschaftliche Prüfinstanz haben noch irgendeinem rationalen Redlichkeits-Kodex verpflichtet sind; sie bewegen sich frei schwebend ohne die Notwendigkeit einer Wirklichkeitsanbindung durch den mentalen Raum der Fantasie.
  4. Ideologietreue statt Realitätsbezug:
    man bewegt sich gedanklich nur im Rahmen von bestehenden, vertrauten und sanktionierten, politisch-korrekten (und daher finanzierten) Konzepten, Begriffen und Ideen, statt mit einem direkten Bezug zu Erfahrung, praktischer Relevanz und Umsetzbarkeit zu arbeiten.

Das Ergebnis dieser vier Vergehen gegen den Geist der Erkenntnis ist eine unüberschaubare, stets wachsende Masse an formell einwandfreien, politisch korrekten und erwartungsgemäßen Produktionen, die jedoch bedeutungslos, richtungslos, realitätsfern und oberflächlich sind – kurz: überflüssig und eine Beleidigung menschlicher Intelligenz.

Coronoia: die Bankrotterklärung der Intellektuellen

Wir können das bisher Beschriebene einmal wie folgt zusammenfassen: unsere akademische Welt ist korrumpiert und destruktiv, weil sie die höhere Integrationsfähigkeit und Bewusstseinsfunktion, nämlich das rationale Denken einer niedrigeren unterstellt hat, nämlich emotionalen Impulsen und irrationalen Fantasien.

Die vollständige Offenbarung dieser Entartung erleben wir in diesem Jahr mit dem Phänomen einer medial vorgetäuschten Virus-Epidemie alias „Corona“. Wir sehen daran in den Dimensionen eines moralischen Totalausfalls, was passiert, wenn Gruppen, Gesellschaften und Nationen keinen Kopf mehr haben, sondern von den unverdauten Giftstoffen irrationaler Ideen und krimineller Machenschaften gesteuert werden. Es wäre die Aufgabe einer intellektuellen Elite gewesen, das Lügen- und Katastrophen-Narrativ gar nicht erst zuzulassen, aber wir haben diese Elite schon lange nicht mehr. Ärzte, Juristen, Soziologen, Historiker, Geisteswissenschaftler und andere, die es hätten wissen und verhindern müssen, haben mitgemacht oder gelähmt geschwiegen. Die paar Einzelnen, die sich gegen die medialen Lügenflut stemmten, hatten kaum Chancen, gehört zu werden und wurden von der Masse ihrer Kollegen totgeschwiegen oder sogar verunglimpft.

Man kann von der nicht-akademischen Bevölkerung nicht erwarten, dass sie einen Betrug diesen Ausmaßes durchschaut. Sie verlässt sich auf die publiken Durchsagen von „Experten“ und Führungskräften gerade auch deshalb, weil kein Einspruch oder Widerspruch zu vernehmen waren. Und das ist die große Schande für die Akademiker: dass sie keine Gegenstimme verlauten ließen. Die grausige Einsicht gleich danach ist: die allermeisten hatten auch gar keine.

Damit sind sie per definitionem ihrer gesellschaftlichen Aufgabe und Verantwortung Verräter und müssen aus der Position von intellektuellen Anführern entfernt werden. Sie sind nicht bloß obsolet, sondern schädlich, weil sie nicht einmal das größte intellektuelle Übel abhalten konnten: die Unterwerfung der Ratio unter basal-instinktive Affekte. Die Verantwortung für die Massenpsychose und Massenpanik liegt bei ihnen. Die Akademiker und Intellektuellen müssen das moralische und rationale Immunsystem einer Gesellschaft bilden und aufrecht erhalten. Ansonsten haben sie kein Recht, von der Gesellschaft gefördert und unterstützt zu werden.

Dass die meisten von ihnen nicht einmal fähig sein werden, diese Schuld und Verantwortung zu bedenken und nachzuvollziehen, ist nur ein weiterer Beleg ihrer vollkommenen Untauglichkeit. Und des Mangels an philosophischen Fundamenten. Aber es gibt auch solche, die das verstehen. Und in ihre Hände sollten wir die Neuausrichtung und Neuverpflichtung unserer zukünftigen intellektuellen Elite legen. Der pseudo-akademische Rest wird lange nachsitzen müssen.

Zusammenfassung: die akademische Sprechpuppe

Ein „ordentlicher“ Vertreter heutiger Vollakademisierung lässt sich charakterisieren als eine spezielle und lang trainiert Kombination aus Ignoranz und Arroganz. Erstere schützt vor Verstehen und Einsicht während zweitere diesen Zustand durch eine künstlich erzeugte und institutionell gestützte Selbstverliebtheit fixiert.

Ein voll ausgebildeter System-Akademiker schafft es, sich selbst zur intellektuellen Avantgarde zu zählen ohne selbständig denken zu können, sich für klug zu halten ohne bedeutsames Wissen zu haben und sich für einen Leuchtturm der Orientierung für andere zu halten ohne die geringste eigene Orientierung zu haben. Dieses Maß an Selbstbetrug ist sehr schwer zu erreichen. Deshalb dauert die akademische Ausbildung heutzutage so lange und sogar immer länger, obwohl sie unterm Strich das Reife-Niveau und Realitätsverständnis ihrer Teilnehmer nicht über das eines Abiturienten von vor 100 Jahren hebt. Sie hält es eher deutlich darunter.

Wir können also einen modernen Akademiker auch beschreiben als einen Menschen, der das eigenständige Denken aufgeben hat aus Angst, sonst nicht mehr ausreichend dazuzugehören oder nicht mehr genug Anerkennung zu bekommen. Somit ist ein Akademiker auch eine Mensch, der intellektuell für oder gegen etwas kämpfen und dies auch laut und emotional begründen kann ohne dabei auch nur im geringsten zu verstehen, warum er das tut und wer oder was ihn dazu antreibt.

Die Schlussfolgerung daraus mit Bezug auf unser gegenwärtiges politisches Kontroll- und Täuschungssystem ist, dass ein „guter Akademiker“ eine sprechende Marionette darstellt, die im Namen ihres größten Gegners und Feindes intellektuell daran mitarbeitet, sich selbst und die seinigen zu unterdrücken und zu vernichten. Und dabei nichts Böses ahnt, nichts versteht und gegen ein tieferes Verstehen sogar immun ist.

Wenn wir uns das im vollen Ausmaß seiner erschreckenden Bedeutung bewusst machen, bekommen wir einen Eindruck davon, welche enorme kulturelle Arbeit in den nächsten Jahrzehnten vor uns liegt und dass die ersten Aufgaben der Restauration und Gesundung wohl kaum von der akademischen Welt getragen werden können.

Wir brauchen intellektuell aufrichtige und moralisch verankerte kulturelle Führung mehr denn je, weil wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Technologie haben, um uns selbst und alles andere zu zerstören – nicht nur physisch, was schlimm genug wäre, sondern geistig und moralisch, was um ein Vielfaches grauenhafter ist. Im Moment gleicht die Menschheit am meisten einer Horde Affen im Hightech-Labor. Und bis gestern Abend waren wir nicht nur den wilden und chaotischen Mitmenschen in den höchsten Machtpositionen ausgeliefert, sondern den fundamental bösen Strippenziehern über ihnen, die dermaßen degeneriert waren, dass sie intentional den menschlichen Geist und menschliches Potenzial zerstören wollten und konnten, wie ich es in den vorhergehenden Teilen dieser Artikel-Reihe schon analysiert habe.

Verhindern können wir dieses Szenario nur durch Kultur, die auch unser geistiges Immunsystem ist. Und eine solche Kultur kann nur von aufrichtigen Intellektuellen, geistig Tätigen, menschenfreundlichen Kreativen und moralisch redlichen Wissenschaftlern aufgebaut und bewahrt werden.

„Spiritualität“ als regressive Selbstberuhigung

Um der Einsicht der eigenen Selbstverleugnung und Selbstaufgabe zu entkommen, reicht es selten, sein Denken bloß in Konzepten und anerkannten Ideen zu vergraben. Das mag für eingefleischte Linkshemisphäriker möglich sein, weil sie Emotionen sowieso nicht identitätsstiftend erleben. Für alle anderen aber müssen auch die nagenden Gefühle von Minderwertigkeit, Abhängigkeit und Zwang irgendwie verdrängt oder betäubt werden. Nicht, um zu Freiheit und Selbständigkeit zu finden – diese Straßen sind ja nun ideologisch verboten – sondern um sich im Status quo wohler zu fühlen.

Hier kommen der mentale Wellness-Markt und seine vielfältigen Sedierungsprodukte ins Spiel, welche allgemein unter der Bezeichnung „Spiritualität“ gehandelt werden. Mit Geist haben diese Angebote allerdings nur insofern zu tun, als dass sie versprechen und auch mehr oder weniger ermöglichen, vom Geistigen abzulenken, es vergessen zu machen und zu betäuben.

Diese in der westlichen Welt breit angelegte „New Age“-Spiritualität als neue global-religiöse Freihandelszone bietet als eine Art Fisher-Prize-Mystizismus das Komplementär zum oben beschriebenen Akademismus: während letzterer den Kopf vom Körper trennt, um das Denken irreal, unselbständig und obrigkeitshörig zu machen, säuselt ersterer seinen Konsumenten ins Ohr, dass sie „ihren Kopf abschalten“ müssten, um eine höhere Wahrheit zu „erfahren“ und „wahrhaft frei“ zu werden.

In dieser Kurzfassung sind bereits die wichtigsten drei Absurditäten enthalten: der Kopf bzw. das Denken kann niemals intentional abgeschaltet werden, Wahrheit kennt keine Graduierungen und sie ist unter gar keinen Umständen „erfahrbar“. Der gesamte sogenannte „esoterische“ Ideenmarkt fußt auf solchen a-semantischen Nebelkerzen, die nur Emotionen und instinktive Bedürfnisse ansprechen können, weil sie vom wachen Intellekt sofort als sinnloses Geschwafel entlarvt würden. Tatsächlich basieren alle diese Angebote ohne Ausnahme funktional auf psychologischen Regressionsmechanismen, die sie nur unterschiedlich ausschmücken. Wir könnten sie des besseren Überblicks zuliebe einteilen in

  1. instinktiv-körperliche Sedierung: alle Angebote und Produkte zum besseren körperlichen Wohlbefinden von der Hot-Stone-Massage über Raumdüfte bis zum Wellness-Retreat in der Toskana.
  2. emotionale Sedierung: alle Angebote und Produkte zur „Bewältigung“, d.h. meist Verdrängung, Uminterpretation oder Ausagieren emotionaler Energien oft in hierarchisch-autoritätshörigen Gruppierungen mit forciert hoher anti-individueller Gruppendynamik und neurotischer Grundkonfiguration, die pathologische Eltern-Kind-Muster instrumentalisieren, um psychische Abhängigkeiten zu erzeugen.
  3. mentale Sedierung: alle Angebote und Produkte zur mentalen Ablenkung von existenziellen Fragen, vom eigenständigen Denken, von elementarer Selbstreflexion, vom kritisch-rationalen Überprüfen jeglicher Behauptung und von grundlegenden Prämissen, Prinzipien, Begründungen und Axiomen mithilfe von autoritativen Dogmen, wohlklingenden Kalendersprüchen, infantilen Erklärungsmodellen, impressionistisch-bildhafter Schriften-Exegese, sensationsreizender Informationsflut und eingängiger Küchenpsychologie.

Die scheinbare Vielfalt des riesigen Produktmarktes „spiritueller“ Sedierung entsteht nur durch das „eklektische“, d.h. willkürliche Zusammensetzen von Materialien aus diesen drei Sparten. Das, was in zunehmender Landläufigkeit als „Spiritualität“ bezeichnet wird, ist bei nüchterner Betrachtung bis auf sporadische Ausnahmen ein unüberschaubarer Marktplatz an Angeboten zur anti-produktiven Verarbeitung von Fantasieüberschüssen und zur Umlenkung von Individuations-Impulsen in infantilisierte Leerlaufprozesse. Das Angebot reicht vom Einsteiger-Gratis-Angebot zur einfachen Stilllegung intellektueller Fähigkeiten bis hin zu hochpreisigen Produkten und Veranstaltungen mit ausgefeilten Wellness-Programmen.

Dieser Marktplatz gehorcht der üblichen Dynamik zwischen Anbietern, die immer härter um Zielgruppen konkurrieren, und Konsumenten, die immer anspruchsvoller und wählerischer die unmittelbare Befriedigung ihrer Unzufriedenheiten einfordern. Die erfolgreicheren Service-Angebote der “Spiri”-Branche sind eben die, die sich besser nach den Erwartungen und dem Portemonnaie ihrer Zielgruppe richten oder schlichtweg das bessere Marketing haben. Ohne Youtube-Kanal, WhatsApp-Betreuung, Newsletter-Management und aktiv gepflegte Facebook-Community ist da heute nicht mehr viel zu holen. Kurz: die sogenannte „Spiritualität“ wird wie alles in der Marktwirtschaft vom Konsumenten bestimmt.

Wenn auch nur ansatzweise klar ist, dass echte Spiritualität etwas mit dem zu tun hat, was über den Menschen als neuro-biologischen Funktionsapparat, über seinen gewohnten Alltag und sein Denken und über seine irdischen und sozialen Fähigkeiten hinausgeht, dann dürfte an dieser Stelle bereits einleuchten, dass jene Konsum-Spiritualität mit echter Spiritualität gar nichts zu tun haben kann. Die menschlichen Fähigkeiten müssten, ganz besonders inklusive der rationalen Integrations- und Verständnisfähigkeiten, zunächst einmal zu einem organischen und gesunden Ganzen zusammengefügt funktionieren bevor man über eine darüber hinausgehende Entwicklung sprechen könnte. Diese müsste trans-rational, trans-sozial, trans-sexuell  (in der semantisch korrekten Bedeutung) und hyper-physisch sein, nicht prä-rational, prä-sozial, prä-sexuell und hypo-physisch, wie es all jene Erzeugnisse der Pseudo-Spiritualität nachweisbar sind. Letztere suchen die Ganzheit in der Regression und nicht in dem, was Goethe treffend als die Steigerung von Polaritäten zu einem höheren Ganzen bezeichnete – das ist ein Aspekt echter, integrierender Spiritualität, d.i. geistiger Reifung.

Die wirtschaftlich und kulturell so erfolgreiche regressive „Spiritualität“ hängt mit echter, progressiver Spiritualität nur insofern auf perfide Weise zusammen, als das sie einen sehr wirksamen Apparat gegen sie, also gegen geistige Entwicklung und Reifung bereitstellt.

Ein zentrales Symptom dieser regressiven und entwicklungsfeindlichen Dynamik ist die Denkschablone vom „Kampf gegen das Ego“. Der Kreuzzug gegen dieses ominöse „Ego“ hat mit seinen vagen und pseudo-psychologischen Schlachtrufen so gut wie alle Niveaus und Nischen des mentalen New Age-Imperiums erreicht. Ob dieses „Ego“ nun überwunden, verkleinert, bekämpft, zerstört, getötet oder bloß mit Verachtung gestraft werden soll – einig sind sich alle Anhänger dieser Religion darin, dass es „böse“ und „schlecht“ ist. Ich habe oben schon erwähnt, dass das Ego eine psychisch essentielle Struktur ist und die Basis für geistige Entwicklung darstellt.

Dieses grundsätzliche Konzept von etwas, das in uns und „falsch“ ist, ist jedoch gemeinsamer Kern aller manipulierenden Religionen und Glaubenssysteme, um den Mensch in einen unendlichen, weil unsinnigen Kampf mit sich selbst zu verstricken. Genauer gesagt: in einen Kampf seiner linken und rechten Hirnhälfte gegeneinander. Das berühmte „Teile und herrsche“ macht auch neurophysiologisch Sinn, wenn man Menschen zu willfährigen Robotern machen will.

Mit der pseudo-mystischen Rezept-Plattitüde „Bekämpfe dein Ego“ kann man genau das erreichen: rechtshemisphärisch impressionistische Erlösungsfantasien erzeugen, die zur Selbstauflösung durch Hingabe an fremde Autoritäten („Retter“) antreiben und sich von jeglichem prüfenden Denken der linken Hemisphäre abwenden (selbständiges Denken sowie differenzierende Beurteilungen gelten in dieser Szene als verurteilungswürdige (!) „Ego-Trips“). Gleichzeitig wird linkshemisphärisch der Argwohn gegen eigene Bedürfnisse und Impulse geschürt (wahlweise z.B. instinktive, physiologische, emotionale, soziale oder sexuelle Impulse – also vor allem gegen den eigenen Körper), so dass das linkslaterale Ich-Bewusstsein zur Abwendung von der Selbstwahrnehmung zugunsten von mehr Fremdbestimmungundkontrollierbarer Entfremdung führt (Autonomie- und Selbstermächtigungs-Impulsen zu folgen gilt in dieser Ideologie-Szene als „egoistisch“).

Wir haben dann also eine Spaltung in ein rechtsseitiges und ein linksseitiges Ich-Bewusstsein, die sich gegenseitig bekriegen. Das linke „Ich“ klammert sich dann an Experten, Autoritäten und Gurus, um sich die „verlorene“ oder „für mich zu hohe Wahrheit“ von oben eintrichtern zu lassen. Das entspricht der oben analysierten Obrigkeitshörigkeit im akademischen Betrieb. Das rechte „Ich“ hingegen will damit gar nichts zu tun haben und geht lieber in die Wellness-Oase oder eine Selbsterfahrungsgruppe, um das „innere Kind“ zu pampern oder sich endlich in Gruppenübungen auf Vorschulniveau des begrifflichen Denkens entledigen zu können. Diese einseitig rechtshemisphärischen Regressionen werden dann als „höhere Zustände“, „Bewusstseinserweiterungen“ oder die „Glückseligkeit des wahren Selbst“ etikettiert.

Wir sehen an dieser plakativen Darstellung, dass Pseudo-Intellektualität und Pseudo-Spiritualität zwei Seiten der gleichen Medaille sind und sich in Bezug auf die gleiche Ursache gegenseitig begünstigen und extremisieren: den Verlust des gesunden Menschenverstandes. Dieser beruht auf der balancierten Interaktion zwischen rechter Hirnhälfte (Wahrnehmung) und linker Hirnhälfte (Abstraktion).

Die Marktteilnehmer der „Spiritualitäts“- oder „Esoterik“-Branche sind deshalb im großen Ganzen weiter entfernt oder besser gesagt: mehr dissoziiert und abgepuffert von wahrhaft geistigen Möglichkeiten als jene Menschen, die mit dem konkreten Leben ohne solche Ergänzungsmittel beschäftigt sind. Und das sogar, obwohl sie häufig angeblich viel weniger Interesse an Geistigem haben. Denn die Sucher nach etwas Übergeordnetem und geistig Orientierendem landen ja in erster Linie bei dem einen oder anderen Angebot, das ihnen vorgaukelt, ihnen das Gesuchte liefern zu können.

Der Anfang des geistigen Weges beginnt in diesem Stadium mit der Befreiung von den Versprechen, Täuschungen und Betäubungen, was zwar für viele für lange Zeit eine unüberwindbare Hürde darstellen wird, allerdings schon allein durch den ausdauernden Versuch jene geistigen Muskeln trainiert, die für die Emanzipation vom pseudospirituellen Marketing und von allen regressiven Selbstverstümmelungen dringend benötigt werden.

Gesamtschau zum Abschluss

Wir leben in Zeiten eines der größten und bedeutungsvollsten Wandlungsprozesse der menschlichen Kulturgeschichte. Und unsere Akademiker bekommen nichts davon mit. Wir erleben durch alle Gesellschaftsinstitutionen hindurch die komplexeste und packendste Kriminalgeschichte der Menschheit. Und unsere Journalisten und Historiker bemerken es nicht. Wir befinden uns mitten in einem monumentalen Gesellschaftsumbruch ohne geschichtlichen Vergleich. Und unsere Soziologen und Psychologen sehen es nicht. Wir erleben von den höchsten Machpositionen bis in die einfachsten Alltagsstrukturen hinein den gewaltigen und alles entscheidenden Kampf zwischen (menschlichem) Geist und Ungeist. Und unsere „Geisteswissenschaftler“ erkennen es nicht.

Sie alle haben es sich bequem gemacht in einem Wohlstand, den diejenigen erzeugen und erarbeiten, denen sie das Leben und Produktivität durch ihre abgekoppelten Ideen immer schwerer machen – statt es für sie zu erleichtern und zu be-geistern. Warum sollten sie ihre Bequemlichkeit und ihre systematisch intellektuell zementierte Verantwortungslosigkeit aufgeben? Sie können ja nicht einmal mehr erfassen, dass sie damit ihr eigenes Lebensfundament zerstören! Die meisten von diesen Verirrten werden in ihrem unverdienten Komfort und ihrer gesellschaftsfeindlichen, ja lebensfeindlichen Arroganz eingewickelt bleiben wie ein Parasit, der erst mit seinem Wirt stirbt.

Ich bin überzeugt, dass unsere Akademiker, unsere Intellektuellen und „Gebildeten“ zu den letzten gehören werden, die den realen Wandel und seine existenzielle Notwendigkeit wahrnehmen, einsehen und verstehen werden. Sie sind überwiegend eingewickelt und abgetaucht in den Nischen, Sackgassen und zwielichtigen Löchern ihrer selbstgebauten ideologischen Labyrinthe, ihrer Fach-Kolloquien oder im schöngeistigen Tourismus. Sie haben sich ihre semi-intellektuelle Decke über den Kopf gezogen und sind jetzt überall – nur nicht da, wo wir sie gebraucht hätten, dringend gebraucht hätten! Ihre am meisten geübte Fähigkeit ist, sich (mit linkshemispärischer Dauerdominanz) von der Wirklichkeit fernzuhalten und die Wirklichkeit von sich. Ablenkung ist alles. Und die Haltung, die sie gegenüber dem Zusammenbruch unserer Kultur mit all seinen offensichtlichen, himmelschreidnene Symptomen einnehmen, lässt sich zusammenfassen als: „Stillhalten und abwarten. Auch das wird vorüber gehen und sich von alleine lösen.“ Diese infantil-masochistische Passivität und Angstlähmung ist auf diesem Verantwortungsniveau kriminell. Es ist Verrat.

Sie haben seit Jahrzehnten nicht nur den Bodenkontakt verloren, sondern sowohl den Kontakt „nach oben“, von wo sie von den Herren des Geldes gefüttert und gelenkt werden, sondern auch zu all den produzierenden Menschen, die den gesamten realen Wirtschaftskreislauf und die Gesellschaft auf ihre eigenen Kosten aufrecht erhalten.

Der Zustand der Intellektuellen lässt sich meines Erachtens am besten charakterisieren als der von Kindern, die ohne ihre Eltern alleine zu Hause sind und sich im zunehmenden Chaos nur noch gegenseitig narren, Cliquen bilden, in einer Ecke einkauern oder die Einrichtung zerstören unter der unerkannten Hand ihres Herrn der Fliegen. Da ist nichts Gutes mehr zu erwarten, solange nicht die Eltern zurückkommen und für Ordnung sorgen (vgl. Mk 13,33–37).

Was bedeutet das? Aus den anfangs dargestellten komplementären Hirnhälften ergibt sich, dass zur Lösung jeder Ein-Seitigkeit und zur harmonischen Integration jeweils beider Hirnhälften miteinander zu einer gesteigerten, holistischen Intelligenz der Mittelbereich, die Brücke und Verbindung zwischen ihnen besonders wichtig ist. Es ist dieses Dritte, das wir ansprechen und fördern müssen.

Für unsere gehirnphysiologische links-rechts-Dichotomie ist das das Corpus Callosum. In unserer sozialen Welterfahrung dürfte dafür vor allem jener Aspekt zuständig sein, den wir als „Kultur“ bezeichnen: die geistig konstituierte Matrix für menschliche Entfaltung und Entwicklung und dafür insbesondere für abstrakt-begriffliche Kommunikation, das heißt Sprache. Diese Matrix kommt niemals ohne Tradition und geschichtliche Wurzeln aus und ebenso wenig ohne Vernunft und mutige Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Herausforderungen und Horizonten.

Kultur, also diese Matrix, die wir sowohl als aufgespannten Raum wie auch als stabilitätsgebenden Boden verstehen können, ist das notwendige Milieu, die Atmosphäre, welche bestimmt, wie und wie gut, leicht und weit wir unser menschliches Potenzial wirksam machen können. Und für dieses Milieu sind wir selbst zuständig. Es ist nicht naturgegeben, wie wir an unserem beinahe Komplettverfall durch jahrhundertelange Vernachlässigung leicht erkennen können. Dieses Milieu als Entfaltungsraum braucht Fähige und Verantwortliche die wir als „Priester“ bezeichnen können und die diesen Raum aufspannen, erhalten und schützen. Die „Priester“ unserer postindustriellen, hochtechnologischen Epoche müssen Priester des Verstandes und der holistischen Intelligenz sein, die sich weder in linkshemisphärischer Kleingeisterei, noch in rechtshemisphärischem Gefühls-Impressionismus verlieren.

Wir können sagen, es müssen verantwortungsfähige Intellektuelle sein. Auch Philosophen. Aber unsere gegenwärtigen Begriffe von „Intellektuellen“ und „Philosophen“ werden wir dafür kräftig überarbeiten und aktualisieren müssen entsprechend dem, was wir brauchen und weg von dem, was wir an verdrehtem und unreflektiertem mentalem Ballast mit uns herum schleppen.

Und es gibt diese neuen gewissenhaften Intellektuellen schon. Wir sehen sie nur kaum, weil sie klug genug sind, sich von dem geistigen Gulag und den moralisch korrupten Medienbühnen der Globalistenkultur fernzuhalten, und stattdessen im Stillen und in kleinen vertrauenswürdigen Kreisen Gleichgesinnter die werthaltige Basis für ein zukünftiges System ausarbeiten, mit der wir die existenziell notwendige intellektuelle Bildung wieder auf moralischer Gesundheit, Integrität und Lebensbejahung aufbauen können.

Unser modernes Bildungssystem und alle möglichen Formen der institutionalisierten Pseudo-Spiritualität ziehen an einem gemeinsamen okkult-destruktiven Strang: der Verhinderung von Individuation und geistigem Erwachsenwerden der Menschen. Während die Bildungsmaschinerie bis ins akademische Elfenbeinturm-Viertel für die Ablenkung vom und für die Zersetzung des Geistigen konzipiert ist, ist der pseudo-spirituelle Marktplatz die vielfältige Ablenkung vom rationalen und produktiv-schöpferischen Denken.

Das große Lern-Experiment der Menschheit in den letzten etwa 350 Jahren ist also auch der Versuch, sich absichtlich und mit Geist auf eine rein körperlich-materielle, ungeistige Entwicklungsstufe zurück zu katapultieren und sich dafür eben auch geistig zu kastrieren. Die Menschen haben sich (gerne?) auf den Versuch eingelassen, sich einreden zu lassen, sie seien bloß asexuelle Bioroboter. Ich möchte die vielleicht gewagte These aufstellen, dass sich die Motivation oder zumindest die Attraktion zu so einer abgrundtiefen Abscheulichkeit aus dem regressiv-perversen Wunsch nährt, die Last der Verantwortlichkeit loszuwerden. Vielleicht auch vergleichbar mit einem Jugendlichen, der sich in einer frühen pubertären Phase dumm und asexuell stellt, um dadurch den Komplikationen und der höheren Verantwortung aus dem Wege zu gehen, die wachsendes Gesamtbewusstsein und Zeugungsfähigkeit eben auch mit sich bringen. Wie lange kann das gut gehen?

Die akademische Bildung ist Teil einer großangelegten Zombisierung der Menschen, d.h. ihre Reduktion auf linkshemisphärische Dominanz, Steuerung und Ich-Identität. Der andere Teil dieser Regressionsdynamik ist der spirituelle Markt der „New Age“-Kirche, der rechtshemisphärische Retardierung als „die große Erlösung“ anbietet. Was beide Seiten gemeinsam haben, ist ihre Feindschaft und ihre Vernichtungsbereitschaft gegen den gesunden Menschenverstand, der aus dem Gleichgewicht und der Verbindung zwischen rechter und linker Hirnhälfte entsteht und realitätsbezogenes, rationales Denken bedeutet.

Was wir brauchen ist, dass solch „ganzhirnige“ Menschen wieder die kulturelle Führung übernehmen. Nicht auf der Basis von „Gefühlen“, „Glaubenssätzen“ oder unverarbeiteten Kindheitsprägungen, sondern auf der Basis von Integrität, Bewusstsein, moralischer Aufrichtigkeit und ästhetischem Urteilsvermögen. Also auf der Basis eines emanzipierten Geistes. (Wir haben alle möglichen Emanzipationen in den letzten hundert Jahren vorgesetzt und anempfohlen bekommen, aber diese interessanterweise noch nie).

An diesen Punkt kommt man nur durch die integrierende Kraft des Verstandes und der Selbstreflexion. Alles, was notwendig ist, um diesen wirklichkeits-loyalen und gesunden Kräften das Zepter über unsere Kultur zurückzugeben, ist, dass wir uns ihnen aktiv zuwenden, sie aktiv fördern und kultivieren und uns dafür mit Gleichgesinnten zusammentun.

Für die Kämpfer des freien und realitätsverpflichteten Denkens ist dafür besonders wichtig zu erkennen: Wenn Rationalität gegen Irrationalität antritt, gewinnt langfristig immer die rationale, weil höher entwickelte Bewusstseinsstufe. Immer. Sie gewinnt sogar kurzfristig und unmittelbar, wenn sie vorbereitet ist.

(Diejenigen, die über das Geschehen hinter den öffentlichen Schaubühnen und Medienkulissen im Bilde sind, wissen, dass dieser Kampf geopolitisch und systemisch bereits seit 2017 gewonnen ist. Was wir aktuell erleben, ist die Transponierung rationaler Moral in die Machtverhältnisse der untergeordneten Ebenen von den Länderregierungen abwärts bis zum Gruppenleiter der Dorfpolizei. Und das nicht per Dekret und Gewalt, was ein Widerspruch wäre, sondern per Überzeugung durch die Konfrontation irrationaler, irrealer Haltungen mit der Realität. Dies ist Sinn und Zweck der intensiven „Corona“-Inszenierung.)

Entscheidend ist – und nur dies ist entscheidend – dass wir überhaupt rational gegen jegliche Irrationalität aufstehen, denn das ist, was seit 150 Jahren kaum noch bis gar nicht mehr geschehen ist. Das einzige, was wir brauchen, ist rational, d.h. Realitäts-angebunden zu werden und daraus Entscheidungen zu treffen und Handlungsweisen abzuleiten.

Unsere gegenwärtige existenzielle Bedrohung durch Chaos und Perversion in allen gesellschaftlichen Institutionen konnte nur entstehen, weil sich rationales, realitätsverpflichtetes Bewusstsein und Urteilsvermögen zurückhalten haben und es geschehen ließen. Es waren niemals Unterlegenheit oder Schwäche, sondern Zurückhaltung und Passivität, die zu dem fatalen Übergewicht des Verrückten und Amoralischen führten, von dem wir uns heute allerorts umgeben sehen. Wir wurden besiegt, weil wir Schild und Schwert sinken ließen und nicht wieder erhoben. Nur deshalb.

Die Gründe für dieses scheinbar unsinnige Verhalten und diesen historischen Einbruch ins Morbide und Todeswütige werden wir wahrscheinlich in den Gesetzmäßigkeiten der moralischen Reifung und Bewusstseinsentwicklung finden: um Bewusstsein, Wertschätzung und Verantwortlichkeit für etwas, z.B. auch für eigene Fähigkeiten und Verpflichtungen, zu entwickeln, muss man sie nämlich einmal verlieren, um sie dann aus eigener Erkenntnis und Kraft wiederentdecken zu können. Nur dann sind sie einem wirklich zu eigen und rechtmäßiger, verlässlicher Teil der eigenen, selbst eroberten Identität.

Wenn die Engel also wollen, dass die Menschen die nächsthöhere Verantwortungsstufe für ihr Dasein und die Verwirklichung von „Kosmos statt Chaos“ entwickeln, dann werden sie es bestimmt so machen: sie schenken uns erst eine Phase des rationalen, gesunden Aufblühens, die alles bisherige überstrahlt (die Renaissance, 14.-16. Jahrhundert), und dann ziehen sie sich langsam zurück und lassen die Menschen bis in unermessliches Leid abrutschen, in dem sie erkennen müssen, was sie falsch gemacht und verloren haben. Denn die Menschen wissen in ihrem tiefsten Inneren immer, dass das Helle, Gesunde und geistig Getragene möglich ist. Sie müssen es sich dann aber selbständig erkämpfen und erobern – oder zumindest dafür empfangsbereit sein. Die Natur mit all ihren Gesetzen, die Ordnung der Dinge und die höchsten Kräfte der Schöpfung sind ja auf ihrer Seite. Der Feind ist nur ein Schatten, nicht mehr als ein Denkfehler und eine Nicht-Tat.

Unser Feind scheint zunächst die Irrationalität zu sein. Wir sehen ihre verzerrte, unmenschliche Fratze in den obersten Führungsetagen, und ihre angsterfüllte Aggressivität begegnet uns beim Einkauf im Supermarkt. Aber Irrationalität ist nichts weiter als die Behinderung oder Abwesenheit von Rationalität. Sie ist bloß eine Unterlassung, eine Auslassung, ein Mangel, ein Loch. Sie ist niemals der Gewinner irgendeines Spiels – und schon gar nicht des „Spiels“ des Lebens – sondern bloß die Verweigerung, irgendein Spiel mitzuspielen. Sie hat kein einziges eigenes Werkzeug, weil sie weder Regeln, noch Logik, noch Kausalität kennt. Sie kann uns nur mit den Waffen bedrohen, die der rationale Verstand gebaut hat. Ohne sie ist sie so hilflos und ohnmächtig wie ein gestörtes Kleinkind – und noch machtloser.

D.h. unser Feind ist das Fehlen rationaler Wahrnehmung, logischen Denkens und schlussfolgernden Entscheidens und Handelns. Sobald wir ein Spiel beginnen – irgendein Spiel – d.h. genauer gesagt: sobald wir wieder gewinnen wollen, haben all die Irrationalen, die mental Schwachsinnigen, Blinden und Tauben, schon verloren. Wir müssen nur unsere skurrile kopflose Lethargie und Angst überwinden und beginnen. Der Gegner ist – buchstäblich – vollkommen kopflos.

Unser einziger mächtiger Feind ist unsere Verwirrung, unser Zögern, unsere Passivität, unsere Apathie und Lähmung. Darüber hinaus gibt es keinen. Auch keine mächtigen „dunklen Eliten“, die die Welt regieren oder regieren wollen.

Dies ist also die gute und wichtige Einsicht für alle Kämpfer der intellektuellen und geistigen Freiheit: sie müssen sich bloß aus ihrer Lethargie erheben und gemeinsam für ihre Sache und Ziele einstehen. In dem Moment haben sie schon gewonnen. In dem Moment haben die bodenlosen Chaoten und mechanischen Angstgetriebenen schon verloren. Menschen können Affen domestizieren, nicht umgekehrt.

Dafür müssen wir aber das Licht des Verstandes wieder entzünden, hoch halten und weitergeben („From dark to light“). Dieses mag nicht das höchste Licht sein, es mag darüber hinaus sehr wohl noch hellere Lichter geben, aber für die meisten Menschen unserer Zeit ist bereits der realistische gesunde Menschenverstand so hell, dass sie eine Menge Zeit und Zuspruch brauchen werden, um aus ihren dunklen Höhlen der Verwirrung, Einbildung und Angst hervorzukommen und ihre verklebten Augen an den Glanz menschlichen Bewusstseins zu gewöhnen.

Wie wir uns auf diesen überlebenswichtigen Weg ins Helle begeben und den Boden für den gesunden und vollständigen Ausdruck unserer Wesensnatur wieder bereiten, wird Thema der folgenden Artikel sein.

Fortsetzung hier.

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Leseempfehlung zum Thema: Ayn Rand, „Philosophie – wer braucht das schon?“ und „Für den neuen Intellektuellen


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Geistige Infusionen für den kollektiven Aufwachraum


Einstieg: an der Abholstation im Psychose-Land

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Unser aktuell größtes und virulentestes Grundproblem ist, dass die meisten Menschen Fantasie und Realität nur noch in wenigen basalen Lebensbereichen und ansonsten kaum noch unterscheiden können. Ich würde behaupten, dass in den letzten Jahrhunderten, wahrscheinlich in der gesamten uns bekannten Menschheitsgeschichte das Ausmaß der Realitätsabkopplung noch nie so ungeheuerlich und noch nie so „normal“, d.h. so weit verbreitet war, wie in unseren Tagen.

Damit müssen diejenigen, die eine neue Zivilisation begründen wollen und wir, die wir das zumindest verstehen und befürworten, umgehen und arbeiten. Ein altes pädagogisches Prinzip sagt: „Hole die Menschen dort ab, wo sie stehen“. Im Falle der abgekoppelten und psychisch schwer manipulierten Masse bedeutet das, dass wir die Masse der Menschen in ihren irrealen und absurden Fantasien werden abholen müssen. Das heißt, wir müssen das Erkennen des real Falschen und Schlechten auf dem Niveau ermöglichen (zuweilen erzwingen), auf dem die Menschen noch realitätsfähig und ansprechbar sind. Wir dürfen nicht von unserem Verständnis und unserer Erkenntnisfähigkeit ausgehen, sondern wir müssen von den Möglichkeiten und der Intelligenz derer ausgehen, die wir mitnehmen und nicht verlieren wollen.

Mini-Exkurs: Intelligenz-Definition für den Alltagsgebrauch

Dafür werden wir hier zunächst einmal eine handliche und praktische Definition von Intelligenz einschieben: Intelligenz ist das Ausmaß der Fähigkeiten,

(1.) Informationen aufzunehmen,
(2.) Informationen zu verarbeiten (zu integrieren) und
(3.) Informationen zu kommunizieren.

Die aktuelle „Corona“-Psychose (sprich: mediale Informationsschlacht und Realitätsabkopplung in vivo) beweist, was wir vorher im Alltagstrott nicht so leicht erkennen konnten: dass die Menschen in der Mehrheit fast gar keine Fähigkeiten mehr haben, neue Informationen aufzunehmen, geschweige denn zu integrieren oder zu kommunizieren.

Die gängigen Intelligenztests, die gerne zitiert werden, sind zum großen Teil bloß Schlauheits-, Wissens- und Geschwindigkeitstests – die meisten von ihnen erfunden und angewendet von Menschen mit keinem erwähnenswert hohen IQ. Damit kann man gewisse Formen von mentalen Fähigkeiten erfassen, aber nicht menschliche Intelligenz, die immer auch soziale und emotionale Fähigkeiten einschließt und miteinander verknüpft. Könnte es sein, dass die kontrollierte und gesteuerte Psychologie und Pädagogik echte Intelligenztests verhindern, weil sie nicht viel für echte Intelligenz übrig haben? Wir haben dadurch nicht nur eine „Tendenz zum Mittelmaß“, sondern bereits die programmatische Tendenz und Bestrebung zur Verblödung, d.h. vor allem zu der Unfähigkeit, Informationen zu verarbeiten und zu kommunizieren. Dies wäre dann nichts anderes als die technisch ausformulierte Intention zur Entmenschlichung und Entgeisterung.

Die große Entgeisterung

Wir aber sollten begeistert bleiben!

Das geht nur, wenn wir uns bemühen, dieses wunderbare Machwerk aus zunächst Lügen, Täuschungen und Manipulationen zu verstehen, wie es sich gerade vor unser aller Augen abspielt und seit drei Jahren zunehmend in pädagogische Übertreibungen, Weckmechanismen und Aufklärungen kippt. Diese weltweite Umwandlung der menschengemachten Hölle in ein Klassenzimmer der Bewusstwerdung ist so bewundernswert, dass unser Staunen immer wieder neu aufkeimt, sobald wir die Intelligenz, die Stringenz, das Wissen und die unglaubliche Kohärenz und Souveränität dahinter erkennen.

Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der wirklich großen Freude, dass sich diese Intelligenz unser angenommen hat, sich zeigt und wirkmächtig eingreift: sowohl mit dem schützenden Schild für das, was schützenswert ist, als auch mit dem schlagbereiten Schwert für das, was getrennt und zerlegt werden muss. Und sie war längst siegreich, hat die Fäden der kranken und bösen Institutionen und Machtsysteme durchtrennt und ihren Ex-Akteuren die Hände gebunden, so dass diese nun nach ihrer Pfeife tanzen. Und diese Intelligenz kennt uns und weiß, was wir brauchen, wo unsere Grenzen liegen und welche verschütteten Potenziale in uns stecken. Sie weiß auch, dass wir nicht leicht ins Vertrauen finden und was es braucht, dass das wieder möglich wird.

Die schwierige Befreiung der Gefangenen

Wir haben in diesem Wandel der allesumfassenden Machstrukturen vom Zustand des totalen Missbrauchs in den Zustand maßgeblicher verantwortlicher Fürsorge eine riesige Aufgabe vor uns, die alle zivilisatorischen Aufgaben der letzten hunderte von Jahren soweit in den Schatten stellt, dass alles historisch uns Bekannte im Vergleich dazu wie kleine Spielchen auf einem Kindergeburtstag wirkt. Wir haben es vor uns, die Menschen auf diesem Planeten wieder an die Freiheit zu gewöhnen. Das ist schwierig. Die Menschen sind psychisch Gefangene einer links-hirnigen, materialistischen und fremdgesteuerten Todeslogik, in der das Leben selbst keinen Sinn und keinen Wert haben kann. Sie sind Insassen einer inhumanen, antisozialen, kriminellen und bis in die Wurzeln kranken Super-Institution, die alle anderen Institutionen infiltriert hat und kontrolliert und die sich am treffendsten als schwarzmagischer Griff um die Welt oder als komplette Vereinnahmung durch das Böse bezeichnen lässt.

Dieses Gefängnis ist ein geistiges und deshalb für viele schwer vorstellbar. Es wirkt nicht von außen auf den Körper ein, sondern auf die Psyche. Wir müssen bedenken, dass jeder Mensch in diesem Gefängnis sich selbst steuert – von seinem Gehirn aus, genauer gesagt von seinem Neokortex, noch genauer: von seinem linksseitigen Neokortex. Deshalb erscheinen die Menschen selbstgesteuert und autonom. Was die meisten nicht sehen können, weil sie auf diesem Auge blind sind, ist, dass ihre linksseitige Großhirnrinde komplett fremdgesteuert ist. Das ist möglich, weil die linke Hemisphäre unabhängig vom Körper, von Empfindungen und vom Gefühl funktionieren kann.

Dadurch kann ein abgespaltenes, körperfremdes Ich-Bewusstsein entstehen, das sich auf Ideen, Fantasien und Gedanken aufbaut, die abgekoppelt sind von den fünf (oder besser: sechs) Sinnen. Es ist ein autistoides oder Borderline-Ich-Bewusstsein, das durch sehr frühe (vorgeburtliche) oder spätere und sehr heftige, d.h. schmerzhafte Invasion und Überforderungen durch Abspaltung entsteht. Es kann aber auch dadurch entstehen, dass rechtshemisphärische Qualitäten wie z.B. Kreativität, Körpergefühl, Selbstbestimmung, Empathie und Musikalität systematisch unterdrückt und vernachlässigt werden. Damit dürften auch bereits die Grundzüge unseres Bildungssystems der letzten 50 oder mehr Jahre umrissen sein.

Neurobiologische Studien haben gezeigt, dass Menschen, denen man vorübergehend die rechte Hemisphäre narkotisierte, extrem wahnhaft, a-logisch und von wirren Bildern überflutet wurden. Die linke Hemisphäre kann ohne die rechte nicht zwischen Erinnerung und Gegenwart unterscheiden, sie hat keinen direkten Zugang zum biografischen Gedächtnis, sie kann komplexe Situationen nicht erfassen und sie ist äußerst fragil, weil sie nur sequentiell arbeiten kann und beim kleinsten Fehler zusammenbricht. Das Wichtigste ist: die linke Großhirn-Hemisphäre ist sehr leicht von außen zu programmieren, weil sie keinen eigenen Zugang zu Körperwahrnehmung und den fünf Sinnen hat und deshalb nichts überprüfen kann. Sie akzeptiert alles als wahr, was Angst reduziert.

Ohne die rechte, verbindende und empathische Hirnhälfte konstruiert die linke Hemisphäre ein isoliertes, von allem abgetrenntes Ich-Bewusstsein, dessen Grundmodus wir im Alltag als „egoistisch“ oder sogar egomanisch bezeichnen. Die extremeren Formen dieser neurophysiologischen Linkslastigkeit offenbaren sich als narzißtisch, rücksichtslos, materialistisch-gierig, selbstherrlich, anti-sozial,  gefühlskalt bis hin zu soziopathisch. Damit haben wir auf neurowissenschaftlicher Basis den pathologischen Grundcharakter der Postmoderne skizziert.

Linkshemisphärisch dominierte Menschen sind sehr leicht fremdzusteuern, sehr abhängig von ihrer Umgebung und sehr Stress-labil. Von außen betrachtet scheinen sie selbst zu bestimmen, was sie tun und sagen, und sie bestehen auch vehement darauf, dass es immer ihr eigenes „Ich“ ist, was in Kontrolle ist. Aber dieses Ich selbst ist von außen bestimmt und konditioniert und kann nur programmierten Anforderungen und Geboten folgen. Wer einmal mit einem typischen Behördenmitarbeiter, einem Paragraphenreiter oder sonst einem Menschen zu tun hatte, der nicht im geringsten fähig war, auf ein persönliches Anliegen oder eine komplexe Situation und Nachfrage einzugehen, sondern maschinenartig und emotionslos immer wieder nur die gleichen Verbalformeln wiederholte, der weiß, was linkshemisphärische Gefangenschaft (und rechtshemisphärisches Koma) ist.

Das ist die Gefangenschaft, von der hier die Rede sein muss. Es ist eine geistige oder psychische Gefangenschaft und sie ist nur aus einer gewissen geistigen Freiheit heraus zu erkennen. Linkshirnig gesteuerte Menschen können nicht erkennen, dass sie in Gefangenschaft leben. Ihnen fehlt jeglicher Vergleich. Das Wort Freiheit hat für sie keine existenzielle, ontische Bedeutung, sondern nur die Bedeutung, die ihnen über Pädagogik, Medien und sonstige Ideologie-Kanäle introjiziert wurde. Ihre Sprache, ihr Vokabular – wie facettenreich es auch sein mag – ist abgekoppelt von Erfahrung und Realität.

Wenn wir das verstehen, verstehen wir die Analogie, die wir sogleich fortsetzen wollen: Das Gefängnis ist die psychische Abkopplung vom eigenen Körper, den fünf Sinnen und damit der eigenen Wahrnehmung und Erfahrung. Die Freiheit ist „die Welt da draußen“, d.h. der psychisch integre Zustand von körper- und erfahrungsangebundenem Verarbeiten, Denken und Sprechen.

Nun weiter in der Analogie:

Natürlich spüren viele Insassen, dass „etwas nicht stimmt“ und dass sie gegen ihre Natur eingeengt und unter Zwang stehen. Sie sehnen sich mehr oder weniger bewusst nach Freiheit und einer gesünderen Lebensweise. Das Problem ist jedoch, dass sie sich die echte Freiheit gar nicht mehr vorstellen können. Sie leben seit Generationen im Gefängnis und haben das Denken, die Worte, die Bilder und viele sogar die Intuition in Bezug auf echte Freiheit und die eigene wahre Natur verloren. Und was tun sie? Sie erschöpfen sich darin, für ein zweites Auswahl-Gericht beim Mittagessen zu demonstrieren oder für mehr Grünpflanzen im Treppenhaus. Sie bilden Gruppen, in denen sie gemeinsam darauf hoffen, auch donnerstagabends mal länger fernsehen zu dürfen oder dass ihre Zelle bald neu und grün gestrichen wird. Das Dilemma ist, dass alle ihre Freiheitsimpulse und -ideen von der Gefängnisleitung kommen und von ihr generiert und gesteuert werden.

Wir müssen uns klar machen, dass der Großteil der Menschen aktuell, im Jahre 2020, in dieser totalen Gefangenschaft vor sich hin vegetiert und dass es daraus von Innen kein Entrinnen geben kann. Nur die paar wenigen, die entkommen konnten – wir sprechen hier von einem geistigen Entkommen – oder eben nie eingefangen wurden, haben überhaupt eine Möglichkeit, das Gefängnis von außen zu sprengen, zu stürmen, zu infiltrieren oder – zu übernehmen. Nur sie können das Gefängnis und seine Auswirkungen überhaupt sehen.

Wie würden sie vorgehen? Sie würden wohl kaum einfach die Mauern wegsprengen oder alle Türen aufreißen, denn dann würden alle Insassen sterben, weil sie nicht fähig wären, sich in der Freiheit am Leben zu halten. Die Freiheit wäre zu komplex für die Gefangenen und sie würden an den einfachsten Anforderungen wegen völliger Überforderung zugrunde gehen.

Was wäre klüger zu tun für eine Befreiung? Wie wäre folgendes: die freien Rebellen von außen würden zunächst nur einen neuen Gefängnisleiter einsetzen, der die Insassen im ersten Schritt so schnell wie möglich und so langsam wie nötig auf die kommende Freiheit vorbereitet. Er müsste dafür zwei Dinge offensichtlich tun: erstens Strukturen, Bilder, Ideen und vor allem Fähigkeiten fördern, die als Grundbausteine für die spätere Freiheit überlebenswichtig sind; und zweitens würde er irgendwann anfangen, den Menschen das Gefängnis mehr und mehr zur Hölle zu machen, denn nur dann wollen sie raus. Das ist dabei wichtig zu verstehen: die Menschen wollen dann nicht „in die Freiheit“ (denn die kennen sie nicht und haben bloß Angst vor ihr), sie wollen nur raus aus dem ungemütlichen, leidvollen Gefängnis. Wie bei der Geburt: der Fötus will nicht „in die Welt“ (die er nicht kennt), sondern raus aus der Enge und dem zu kleinen Raum. Diese „Vertreibung aus dem Paradies“ mit Feuer und Schwert hat für die Außenstehenden eine ganz andere Bedeutung und Valenz als für die Hinausgetriebenen im Geschehen.

Kann man das auch auf bequeme und angenehme Weise machen? Nein, denn dann würden die Menschen einfach in ihren gewohnten Gefängniszellen sitzen bleiben oder protestieren, dass sie pünktlich um 18 Uhr ihren Haferschleim haben wollen. Sie würden nicht erwachsen werden, nicht „aufwachen“, keine Verantwortung übernehmen und in der dunklen, feuchten Sackgasse ihrer linken Hemisphäre liegen bleiben.

Und warum sie nicht in ihren Löchern lassen? Dagegen spricht nur, dass damit das menschliche Potenzial unterdrückt und schließlich sogar die Menschlichkeit zerstört würde. Die Befreier-Rebellen werden also den zunächst undankbaren Kraftakt der Gefängnisöffnung und Austreibung nur dann unternehmen, wenn sie die Menschheit und ihr Potenzial mehr wertschätzen –  also mehr lieben – als alles andere. Denn sie kämpfen für etwas, das über sie selbst weit hinaus geht und größer ist als sie selbst alle zusammen.

Ich überlasse es dem Leser, diese Analogie weiter auf die realen Geschehnisse dieser Welt zu übertragen. Mir ist nur wichtig, mir selbst und hier auch dem Leser die fundamentale und verheerende Unfähigkeit der Menschen zur Freiheit und deshalb die absolute Notwendigkeit eines klugen und geführten Übergangs in diese echte Freiheit bewusst zu machen.

Das, was sich die jungen Öko-Ideologen und Pop-Futuristen aus den ersten Reihen der Knast-Propaganda mit ihren hochgiftigen Elektroautos, ihren Agrarland-Programmen und ihren faschistoiden Wünschen nach globaler moralischer Gleichschaltung und Kollektivierung als „Zukunft für alle“ vorstellen, hat nichts mit Freiheit zu tun und wird nicht annähernd stattfinden. Diese totalen Opfer der Gefängnis-Gehirnwäsche werden es ganz im Gegenteil ausgesprochen schwer haben, in der echten Freiheit, die jetzt kommt, geistig und moralisch zu überleben und mitzuhalten. Sie werden eine Menge Hilfe brauchen. Die Vorreiter und Gruppensprecher der offiziell geförderten Gefängnisprogramme werden vermutlich die letzten sein, die ihre gewohnten Pritschen und Versammlungs-Baracken verlassen werden. Manche wird man nur langsam und mit viel Aufwand herauslocken können in die geistige Freiheit. Manche werden in ihren düsteren Ecken verharren und sich, halb enttäuscht, halb überfordert, zusammenkauern. Damit ist zu rechnen.

Aufwachen – in Stufen

Jeder, der durch ein unerwartetes neues Verstehen aus der geistigen Umnachtung und dem Glauben an all die Lügen herausgerissen wird, wird durch die Phase der Empörung gehen. Es ist empfehlenswert, diese Phase so schnell und mit so wenig Energieverlust wie möglich hinter sich zu bringen. Das geht nur durch Selbstzentrierung und möglichst viel Verständnis der größeren Zusammenhänge inklusive der eigenen Position in all dem. Manche „Aufwachende“ bleiben nach einigen ersten Erkenntnissen über den Betrug und die Unterdrückung der Menschen in dieser Empörung stecken und agieren dann aus einer reflexartigen Aktivierung heraus, was dazu führt, dass sie sich selbst, ihre eigene Mitte und damit ihre Kraft verlieren. Wenn nicht sogar Schlimmeres. Das ist nicht konstruktiv.

Der Sinn von Empörung ist, Kraft zur Bewusstwerdung und Abgrenzung der eigenen Position und Haltung zu gewinnen. Die Energie der Empörung, die im Grunde eine Aktivierung und Ausdrucksbereitschaft in Kombination mit hoher Veränderungswilligkeit ist, sollte deshalb genutzt werden, um

  1. sich mit Menschen zu verbinden, die sich ebenfalls aus dem Lügengespinst befreien und am besten schon fortgeschrittener darin sind,
  2. Abstand zu halten von Menschen, die noch eingewickelt und narkotisiert sind („Bitte setzen Sie zuerst Ihre eigene Sauerstoffmaske sicher auf und helfen erst dann anderen!“) und
  3. mehr zu verstehen über das Wie, Was, Warum und Wie-Weiter.

Mit anderen Worten: um die eigene Position, aufbauend auf den eigenen Werten und Überzeugungen, zu erweitern, zu kräftigen und zu festigen.

Dafür ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht auszuagieren und – als Daumenregel – fürs erste in der gewohnten Umgebung nicht als Aufgewachter aufzufallen. Das bewahrt einen vor großem unnötigem Leid. Vom Selber-Aufwachen zum Andere-Aufwecken ist es eine längere Reise und die aufgedrehten Frischlinge in den Aufwachzimmern sind entgegen ihrer verzerrten Selbstwahrnehmung meist noch weit davon entfernt, dem Aufweck-Personal behilflich sein zu können. Bitte im Aufwach-Raum Ruhe bewahren.

Aus lebenslangen psychischen Narkosen wacht man nicht auf, indem an einem gerüttelt und geschüttelt wird. Es ist eine langsamer, schrittweiser Prozess der Annäherung an die Realität, bei dem sichergestellt werden muss, dass der Bezug zu einem eigenen Referenzpunkt (Zentrum) bestehen bleibt und die Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Intaktheit und Verbindung zu anderen erfüllt werden.

Basis-Lektion: Integrität und Kontakt als Grundbedürfnisse

Jede Neurose und jede psychische Störung beruht auf einem künstlich, d.h. durch die Umwelt erzeugten Grundkonflikt zwischen zwei fundamentalen Grundbedürfnissen, die eigentlich Grundmechanismen unseres Organismus‘ und unserer Psyche sind: dem Streben danach, die eigene Integrität, d.h. Gesundheit und Intaktheit, zu bewahren – was wir psychisch dann als unsere „Würde“ erleben – und unser Streben nach wechselseitigem Kontakt mit allen für uns relevanten Mitmenschen.

Kontakt ist das gegenseitige Eingehen auf Signale des anderen. Als Kinder und Jugendliche prägen uns vor allem die Erfahrungen, die uns zwingen, uns für eine der beiden essentiellen Bestrebungen zu entscheiden, weil sie sich durch irgendwelche Einflüsse von außen widersprechen. Z.B. kann es sein, dass wir Wut erleben, sie aber nicht teilen, also sie nicht im Kontakt zeigen können. Dann müssen wir uns entscheiden, ob wir entweder bei der Wut – oder welchem authentischen Gefühl auch immer – bleiben (Entscheidung für Integrität) oder ob wir uns an die Erwartungen der anderen anpassen und unsere Wut unterdrücken bis wir sie eventuell sogar nicht einmal mehr wahrnehmen können (Entscheidung für Kontakt ohne Integrität). Im letzteren Falle wird die Wut dann ins Unbewusste verdrängt und tritt als Projektion auf andere, als Fantasie, in Träumen oder Wahnvorstellung sehr heftig und unkontrollierbar wieder auf, ohne dass unser Tagesbewusstsein das verstehen und einordnen könnte.

Solche fundamentalen Dilemma- und Entscheidungserfahrungen prägen unseren Charakter in unsere Kindheit und Jugend. Auf der einen Seite gibt es also diejenigen Menschen, die sich überwiegend für ihre Integrität und dafür immer wieder auch für Nicht-Anpassung, für ein Einzelgänger- oder Außenseiterdasein oder im Extremfall für Isolation entschieden haben. Sie sind sich selbst treu geblieben und waren dafür bereit, auf soziale Einpassung und vor allem Zugehörigkeit inklusive Mitmachen und Mitlaufen zu verzichten.

Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die sich in Kindheit und Jugend in solchen Konflikten zwischen sich selbst und den anderen überwiegend für die Anpassung und Fügung entschieden haben. Sie haben den Vorteil der Zugehörigkeit und der sozialen Geborgenheit – allerdings zu dem Preis, Aspekte von sich selbst, von ihrer Essenz und ihren wahren Eigenschaften aufgegeben zu haben. Sie haben sich mehr oder weniger selbst aufgegeben und bleiben darauf angewiesen, von ihrer Umwelt gelenkt und geschützt zu werden. Wenn der äußere Schutz einmal wegfällt, sind sie dermaßen verloren, dass sie bis ins Mark von Angst und Schrecken erfüllt und wörtlich „alles zu tun bereit“ sind, um sich wieder gesichert und zugehörig zu fühlen. Ihre Verzweiflung über jede Form von Orientierungs- oder Haltlosigkeit ist instinktiv und stammhirngesteuert. D.h. sie reagieren darauf mit biologischen Traumareaktionen: Kampf, Flucht oder Totstellen.

Das ist es, was wir zurzeit vermehrt erleben bei den sozial abhängigen und Selbst-armen Menschen, denen der Halt der gewohnten Alltagsroutinen und schützenden Lebensstrukturen sichtbar davon schwimmt. Ihre gewohnten Anpassungs-Reaktionen wie Gehorsam und naives Vertrauen in die offiziellen Narrative und Erklärungen sowie ihr Verlangen nach Regeln und Orientierung an der Mehrheit und an gewohnten Autoritäten werden immer schwieriger für sie, weil die Vorgaben immer widersprüchlicher, verwirrender und fluktuierender werden (also keinen Halt mehr bieten) und weil die unreflektierte Anpassung immer unangenehmer und belastender wird.

Ihr charakterprägender Grundkonflikt wird also zunehmend aktualisiert und angestachelt, während ihnen die gewohnte „Lösung“ – nämlich die Flucht in die selbst-gelähmte Folgsamkeit und Anpassung – immer mehr verwehrt wird. Sie werden es trotzdem solange probieren bis sie sich auf dem Niveau ihres Selbsterlebens angegriffen fühlen, auf dem ihnen ihre grundlegende Integrität und Unversehrtheit doch noch wichtiger sind als die Zugehörigkeit zum schützenden System oder die lethargische Geborgenheit in der Norm. Dafür muss das bisher schützende System aber auch gewaltig ungemütlich und bedrohlich werden. Was aktuell verlässlich betrieben wird.

Das müssen wir verstehen, um die immer drastischeren Maßnahmen der Einschränkung und Entmenschlichung wertschätzen zu können: dies alles dient der pädagogisch sinnvollen und notwendigen Provokation (pro vocare = hervorrufen) des natürlichen Impulses zu Integrität und Würde. Nur wenn dieser Impuls zur eigenen Integrität bei einer ausreichend großen Anzahl von Menschen wirksam wird, kann man einen gesunden Staat auf der Basis sich selbst vertretender Menschen aufbauen.

Die Aussage „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ bekommt mit diesem tieferen Verständnis übrigens auch eine andere Bedeutung. Es müsste eigentlich heißen: die Würde des Menschen ist seine Unantastbarkeit. Aber diese kann durchaus verletzt, unterdrückt, beschnitten oder eben betäubt werden. Die Würde braucht deshalb enormen Schutz und sehr viel Entwicklungshilfe, was u.a. Aufgabe einer Kultur ist. Es ist viel leichter, einen Menschen in seiner Entwicklung – also Kinder und Jugendliche – zu entwürdigen als ihn in seinerWürde zu unterstützen. Vernachlässigung reicht bereits aus, um Integrität kollabieren zu lassen.

All die Kräfte, die die Integrität des Menschen minimieren oder vernichten wollen, um ihn zu schwächen und besser kontrollieren zu können, werden natürlich eher ein Fantasie-Konzept von „Würde“ propagieren, in dem Würde ein vages „unverletzbares“, „unantastbares“ Irgendwas ist, von dem keiner so genau weiß, was es sein soll, und man daher auch nichts mehr dafür tun kann. Das gehört mit zum großen Programm der Entmenschlichung, das sich paradoxerweise nur Menschen ausdenken können. Was für Menschen? Solche, deren (menschliche) Integrität/Intaktheit auf einer sehr essentiellen Ebene verletzt und korrumpiert wurde. Sie gründen dann Systeme und Institutionen, die diese Entwürdigung zum allgemeinen Kulturprogramm erheben. In moralphilosophischer oder religiöser Terminologie können wir von grundbösen oder bösartigen Menschen sprechen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Analyse des Kunst- und Kulturschaffens inklusive der Werke und Produktionen von „Kleinkunst“, Bühnenkunst, Film- und Musikindustrie, Literaturmarkt und ganz besonders auch der Architektur der letzten etwa 70 Jahre. Sie bauen bis auf einige wenige meist unbeachtete oder verpönte Ausnahmen durchgehend auf dem Habitus der Marginalisierung und Entwürdigung des Menschen in vielfältigen Formen auf. Das unterschwellige Hauptthema ist stets die Erniedrigung des Menschen und seine grell-verzerrte Präsentation als im Grunde schwach, amoralisch, störend und nutzlos. Der Mensch ist in der Ideenwelt der modernen Kreativ-Werkstätten stets nur ein Problem – das Problem – und man kann ihn wohl halbwegs tolerieren, besser aber noch entlarven, zur Schau stellen und lächerlich machen. Dafür wird stets das Kranke, Problematische und Beängstigende dargestellt, stets die Entfremdung vom Ganzheitlich-Menschlichen, vom Gefühlsbetonten und Ästhetischen, und zwar – das ist entscheidend – stets ohne Lösung und Heilung. Schiller und Goethe würden sich im Grabe drehen, wenn sie diesen Abstieg ins Anti-Humane und in den gesichstlosen Sumpf des Mephistophelischen nicht schon damals vorhergesehen hätten.

Die Überreste unserer geistigen Haltung und unserer Selbstbilder sind durchtränkt von Dysmorphophobie, Selbsthass und Minderwertigkeitswahn. Die Psychologie des Misanthropen ist neue Leitlinie und die finanziell und instutionell angeleinte Kunst- und Kreativ-Szene ist durch und durch zersetzt von dieser psychischen Störung.

Psychologisch kann man in all dem den fehlgeleiteten Versuch erkennen, den Menschen zu beschämen, also zur Scham zurück zu finden. Die jedoch kann in der schamlosen, weil linkshemisphärisch dominierten Einkästelung nicht gefunden werden. Ein Teufelskreis. Über dieses fundamentale Thema soll an anderer Stelle ausführlicher gesprochen werden (in den letzten Teilen der Reihe „Zur Genesung der deutschen Wesens-Kern-Kraft“).

Die Verbindung von Integrität und Kontakt

Integrität und Kontakt sind so eng miteinander verwoben, dass sie nur theoretisch, nur zur Verdeutlichung, trennbar sind. Ihre tatsächliche Separation oder Trennung ist immer pathologisch.

Denn Integrität kann nur durch wechselseitigen Austausch mit der Umwelt aufrechterhalten werden, so wie sich auch eine Zelle nur erhalten kann, wenn sie sich ernährt, Abfallprodukte ausscheiden kann und dafür mit ihrer Umwelt im Austausch bleibt. Echter Kontakt wiederum ist nur möglich, wenn der Organismus und auf höherer Entwicklungsstufe dann die Psyche intakt sind. Ansonsten kann nur oberflächlicher Pseudo-Kontakt entstehen – eine Erfahrung, die wir in milder Form auf Partys und im Alltags-„Small-Talk“ machen können, wenn viel geredet, aber nichts gesagt wird, und viel Kommunikation ohne Begegnung stattfindet. Letztlich sind Integrität und Wechselseitigkeit nur zwei Aspekte von Leben und ihre Trennung ist von Grund auf krank und krankmachend.

Sich für Kontakt statt Würde oder besser: für Anpassung statt Integrität zu entscheiden kann man auch als organismischen Kollaps bezeichnen, denn eine Stufe von Integrität wird dabei zugunsten der Selbsterhaltung auf einer niedrigeren Stufe aufgegeben. Sowohl organismisch-körperlich als auch muskulär und schließlich psychisch bedeutet das ein Kollabieren von Funktionen und damit Fähigkeiten und Kompetenzen: man verzichtet auf bestimmte Ressourcen und Stärken, um sich im System zu erhalten. Mit anderen Worten: man akzeptiert eine Schwächung und den Stopp einer Weiterentwicklung und wird dadurch abhängiger. Der Erhalt von Integrität auch auf Kosten von Kontakt und Bezogenheit können wir auch als organismische Anspannung bezeichnen, denn hier werden die Kompetenzen und Eigenschaften zwar innerlich aufrecht erhalten, aber vom sozialen Bezug, der Zugehörigkeit und dem gegenseitigen Austausch isoliert und abgetrennt. Auch hier wird die Weiterentwicklung zwar nicht ganz so vehement und fundamental, aber ebenfalls zu einem gewissen Grade gestoppt und erschwert.

Kollektive Charakter-Kollisionen

Warum ist all dies wichtig für das Verständnis unserer aktuellen Situation und öffentlichen Unordnung?

Weil wir unsere problematische Lage  und unsere Schwierigkeiten m.E. nur auf der Basis dieser essentiellen Kräfte und Mechanismen verstehen und bewältigen können. Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass Menschen mit überwiegend Integritäts-wahrenden Prägungen diejenigen sind, die schneller wahrnehmen und verstehen, wenn etwas im System schief, d.h. gegen ihre Werte, gegen Gesundheit und Aufrichtigkeit läuft, weil sie einen eigenen inneren Referenzpunkt in sich tragen: sei es ihre Intuition, ihr Bauchgefühl, ihre Erfahrung, ihre Fähigkeit, selbständig zu denken, oder ihre autonomere Identität, die weniger abhängig ist von Anerkennung, Zugehörigkeit und Anpassung.

Diese Menschen haben auch mehr Führungspotenzial, und zwar umso mehr, je mehr sie ihre Integrität, also ihr authentisch Eigenes, in Kontakt und Austausch bringen können. Sie sind dann sowohl Vorbild in ihrer Haltung und Handlungsweise als auch integer und deshalb vertrauenswürdig. Menschen vertrauen ihnen oft unmittelbar, weil ihre Kommunikation eben auf inneren Referenzpunkten beruht und deshalb konstanter, kohärenter und verlässlicher ist als die von nicht-authentischen Protagonisten. Diese Aspekte sind für Vertrauen und Folgebereitschaft wichtiger als soziale Annehmlichkeit und Bequemlichkeit. Das bedeutet, vertrauenswürdige Führungspersonen können durchaus auch ungemütlich sein.

Umgekehrt haben Menschen im Systemwandel, den wir gerade erleben, umso mehr Schwierigkeiten, je mehr ihr Charakter von Abhängigkeit, Anpassung und der Opferung der eigenen Integrität geprägt wurde. Da ihre stets nur äußeren und oberflächlichen Orientierungspunkte aktuell immer aversiver und chaotischer werden, befinden sich diese Menschen zunehmend in einem Zustand der Haltlosigkeit und Desorientierung, was den ein oder anderen zuweilen auch „ausrasten“ lässt. Das ist nicht nur der Grund für das zunehmend asoziale und anti-soziale Verhalten im täglichen Miteinander, sondern auch eine Ursache für das psychotoid-irreale Weltbild, an das sich eine große Masse von Menschen immer ängstlicher klammert.

Obwohl das öffentliche Leit-Narrativ und die politisch korrekten Meinungsvorgaben aus den gleichgeschalteten Medien immer weiter von der wahrnehmbaren Realität und von hinnehmbarer Moralität und Menschlichkeit abweichen, halten diese Menschen an ihnen fest, weil sie nichts anderes Haltgebendes und Identitätsstiftendes kennen. Sie müssen, um ihre sozial konstruierte Pseudo-Würde zu retten, den psychotischen Spagat über die Grenzen der Neurose hinaus mitmachen und immer mehr Aspekte ihres gesunden Menschseins aufgeben: zuerst ihre Freundlichkeit und Höflichkeit, dann respektvolles Verhalten, dann ihren Verstand und ihren Anstand, schließlich sogar ihren Gerechtigkeitssinn, ihre Intuition, ihre Grundbedürfnisse und am Ende sogar körperliche Unversehrtheit und ihren Kontakt mit der Realität.

Mit anderen Worten: sie lassen sich immer weiter zerreißen, bis sie nur noch auf der Basis rein biologischer Überlebensinstinkte ohne Kultur und menschlichen Geist reagieren. Manche von ihnen müssen in ihrer Überlebensstrategie der Systemanpassung so weit getrieben werden, dass sie tatsächlich im kollektiven Wahn mitschwimmen, eine phobische Projektion für die Realität halten und die Realität – auch ihre eigene – als „irreal“ und „falsch“ abblocken. Ja, der menschliche Geist ist so flexibel, dass er das kann!

Reset-Pädagogik

Wer begonnen hat, die Falschheit und Unmenschlichkeit des bestehenden Systems soweit zu erkennen, dass er bereit ist, es komplett abzuschaffen und sich auf etwas Neues einzulassen oder sogar daran mitzuwirken, der sieht sich zunehmend mit der Schwierigkeit konfrontiert, von ängstlichen, psychotoiden Menschen umgeben zu sein, die sich gegenseitig in ihren Wahnvorstellungen bestätigen und befeuern.

Und damit kommen wir zu dem Sinn der ganzen leidvollen Veranstaltung: genügend Menschen müssen bis an den Punkt gebracht werden, an dem sie nicht mehr anders können als an ihrem eigenen inneren Referenzpunkt anzudocken, um überhaupt noch funktions- und überlebensfähig zu sein.

Eine Schwierigkeit für die Menschen, die für den Systemwechsel längst bereit sind, besteht darin, in all dem Chaos und der wahnhaften Verwirrung erstens die eigene Integrität zu wahren und dann auch noch so gut wie möglich im Kontakt mit den Dissoziierten und Fremdgesteuerten zu bleiben. Diese Reihenfolge ist wichtig. Zuerst muss stets unsere Integrität gesichert sein. Wir müssen darauf achten, dass wir körperlich, emotional und mental intakt und „beisammen“ bleiben. Sobald wir uns zu weit von uns weg „aus dem Fenster“ lehnen ins Ungewohnte und Ungeübte, verlieren wir unsere innere Anbindung und damit unsere Integrität, was uns letztlich auch wieder der Basis von Kontaktfähigkeit und Wirksamkeit beraubt.

Wie geht man mit realitäts-dissoziierten Menschen in Kontakt? Jede Situation und jeder Kontext mögen dazu andere Möglichkeiten bieten, aber ich möchte drei grundsätzliche Varianten vorstellen:

  1. Anknüpfung an basale Grundbedingungen, z.B. an allgemein anerkannte Regeln, Gesetze, Maßstäbe, Vorgaben etc. Dies muss in sehr einfacher, aber ganz fester und bestimmter Weise geschehen, so als würde man mit einem hyperaktiven Kind sprechen, dass man auf den Teppich zurückholen muss. Das Risiko ist jedoch, dass die Menschen sich gemaßregelt oder angegriffen fühlen und sich dadurch noch weiter in ihren Wahn und ihre Dissoziation steigern.
  2. Anknüpfung an grundmenschliche Emotionen, z.B. indem man ganz offen und direkt die Wirkung des Verhaltens des anderen auf sich selbst ausdrückt, wie „Dein Verhalten macht mir Angst“, „Ich fühle mich von Ihnen bedroht“, „Ich bin traurig, dass ich dich nicht erreichen kann“ oder „Was Sie da tun/sagen verwirrt mich, ich verstehe das nicht, bitte seien sie langsamer/freundlicher/respektvoller/fairer/verständnisvoller“. Hier besteht das Risiko, dass der andere sich von der emotionalen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit überfordert fühlt und entsprechend weiter im Wahn, aggressiv oder ablehnend reagiert.
  3. Spontan am schwierigsten, aber auch am wirksamsten ist das Mitgehen und das Amplifizieren des Narrativs oder des Verhaltens des Gegenübers. Das heißt, man nimmt die Behauptungen, Forderungen oder sonstige Signale des anderen auf und reagiert darauf mit geradewegs verstärkenden Signalen oder Antworten. Z.B. reagiert man zunächst auf Angst-Signale so als würde man noch viel mehr Angst haben, man geht auf Wut und Empörung ein, indem man noch empörter und wütender über die gleiche Sache ist oder man reagiert auf Strenge und Autorität zunächst durch noch strengere und autoritärere Forderungen. Die Schwierigkeit besteht darin, diese amplifizierende Reaktion im Sinne der Kontakt-Intensivierung, also des zugewandten Eingehens und der zustimmenden Wechselseitigkeit zu halten und nicht in ein autonomes „Schauspiel“ zu verfallen, denn dann würde der andere sich eher genarrt vorkommen und entsprechend zornig werden. Man muss souverän genug sein, zunächst mitzumachen und sich nicht in eine Gegenhaltung zwingen zu lassen. Die Grundidee ist, keinen Gegenpol und damit keine Angriffsfläche zu bieten, sondern den Schulterschluss zu üben und dann die Irrationalität des anderen ad absurdum zu führen. Denn dann kippt der Wahn bei ausreichender und ernsthafter (!) Übertreibung irgendwann in eine Verbindung und Kommunikationsmöglichkeit, weil der andere nicht mehr aus purer Verunsicherung fliehen oder angreifen muss, sondern das findet, was er gesucht hat: Kontakt, d.h. wechselseitige Begegnung.

Ein Beispiel zu Variante (3): jemand fordert dich auf, eine Anti-Atemmaske aufzusetzen und du wickelst daraufhin den ganzen Kopf in einen dicken Schal ein und bindest am Ende noch eine Papier-Maske darüber. Oder verbal: du stimmst zu und steigerst es, indem du forderst, dass auch Babys und Hunde Masken tragen sollten oder dass es alle den ganzen Tag und überall tun sollten. Oder wenn jemand dich bittet, Abstand zu halten, nimmst du drei Meter Abstand ein und bittest auch alle anderen, einen größeren Sicherheitsabstand einzuhalten.

Du tust dies alles mit dem Ernst und der Gewissenhaftigkeit eines fünfjährigen Kindes das eine neue Regel gelernt hat und weitergibt (kein mokierendes Schauspiel). Wenn jemand darüber schimpft, dass manche Menschen sich nicht an diese oder jene Verordnung halten und „so schrecklich verantwortungslos sind“, dann schimpfst du mit, dass die Regeln sowieso viel zu lasch sind, dass solche Leute direkt ins Gefängnis gesperrt werden sollten und dass wir längst alle tot wären, wenn es nicht so gewissenhafte und regeltreue Menschen wie z.B. den Schimpfenden geben würde. Dabei geht es auf gar keinen Fall um Ironie oder gar Sarkasmus, sondern um ein Mitgehen mit dem Narrativ des anderen unabhängig davon, ob du es für richtig oder falsch hältst, sondern einfach als eines von tausend denkbaren Narrativen.

Denk daran, dass das Narrativ des anderen in seiner Welt irgendwie sinnvoll ist und eine Funktion hat (meist Sicherheit zu vermitteln). Dafür müssen wir souverän genug sein, um empathisch zu bleiben, egal wie fremd und fern uns das Weltbild des anderen vorkommt. Daumenregel: ernst zu sein bedeutet, nichts ernst zu nehmen. Also bleib ernst.

Integrität und Magnetismus

Das Wichtigste dabei bleibt, dass wir unsere Integrität wahren, also nicht aus Motiven oder für Zwecke handeln, die gegen unsere inneren Werte stehen. Primär entscheidend ist nicht, was wir tun oder was wir sagen, sondern warum und aus welcher Intention heraus wir etwas tun oder sagen. Letzteres nennt man situations- und adressatengerechte Kommunikation.

Mit Menschen im Wahn lässt sich eben nur durch wahnhafte Sprache Kontakt aufnehmen und es gibt sehr gute Gründe, das zu versuchen. Wenn wir jedoch bemerken, dass wir unsere moralische oder intellektuelle Intaktheit in einem gewissen Moment nicht anders wahren können, als dadurch, dass wir weggehen, uns fügen oder schweigen, dann sollten wir das tun. Es macht nur Sinn, gestaltend einzuwirken, wenn man aus der Stärke heraus agiert, niemals als Reaktion auf Unsicherheit. Wir können allerdings unser Wissen und unsere Fähigkeiten zum Gestalten und Wirken erweitern. Und das geht im momentanen Wandlungsfeld besser und schneller denn je. Und wir brauchen dieses Lernen für den Aufbau einer neuen gesunden Kultur.

Manche Menschen haben sich aufgrund ihrer Prägung in eine Isolation zurückgezogen, in der sie zwar eine gewisse Intaktheit für sich selbst bewahren konnten, sich jedoch auch vom sozialen, emotionalen oder intellektuellen Stoffwechsel mit der Welt abgeschottet haben. Diejenigen, die „nur noch nach innen gehen“ oder ihr Interesse an der Welt nur noch auf einen Radius von zwei Metern um sich herum beschränken, werden mit den aktuellen Veränderungen ebenfalls große Schwierigkeiten bekommen, denn es geht nicht bloß darum, dass „alle sich ein bisschen entspannen“ oder etwas für eine bessere Verdauung und ein ruhigeres Nervensystem tun.

Die von der Welt Überforderten werden lediglich wenig praktikable Lösungen aus ihrer inneren Emigration oder ihrer introvertierten Selbstbeschäftigung heraus anbieten können, vor allem deshalb, weil sie das Problem, seine Komplexität und seine Wirkmechanismen nicht erkennen können. Gerade die sogenannten „spirituellen“ und „alternativen“ Kreise wirken anziehend auf Menschen, die ihre Intaktheit in der Reduktion auf einfache Selbstversorgung und in allen möglichen Varianten des Ausstiegs und der Abschottung suchen.

Gegen einen vorübergehenden eremitischen Selbstschutz und Weltentzug ist auch gar nichts zu sagen. Sie stellen nur keinen Weg zur Veränderung des Systems und der Kultur dar, sondern bleiben bloß defensiver Rückzug und enthaltsame Selbstkonservierung. Wenn aber alle sich zurückziehen, dann haben die Kriminellen und Psychopathen umso freiere Hand, und dann gibt es irgendwann nicht einmal mehr die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, weil die Welt von destruktiven Mächten beherrscht wird. Kurz vor diesem Punkt waren wir bereits. Und dass die chronisch Mit-sich-Beschäftigten und Daueraussteiger mit ihren selbstgebauten Kopf-in-den-Sand-Philosophien davon nichts mitbekommen haben, ist natürlich nicht überraschend.

Ebenso wenig überraschend wird sein, dass diese, wenn sie demnächst mehr oder weniger freiwillig aus ihrer Verbuddelung auftauchen und einen Blick in die Welt des Systemwandels werfen werden, fürs Erste nichts verstehen werden und sich vermutlich gerne bis auf weiteres wieder wegschließen würden. An all dem ist nichts grundsätzlich Verwerfliches, es wird nur den ein oder anderen ernsthaften Sucher interessieren, dass das mit Spiritualität und geistiger Entwicklung nicht viel zu tun hat – egal wie es sich selbst benennt.

Sagen wir es noch einmal mit anderen Worten: Selbstheilung ist ohne den aktiven Kontakt mit der Umwelt nicht abschließend möglich (sondern wird höchstens zur Dauer-Selbstbeschäftigung): und Selbstentfaltung ist ohne Erweiterung des Verständnis- und Wirkungskreises in die Welt hinaus nicht möglich. Die angeblich „spirituelle“ Beschränkung auf das eigene unmittelbare Wohlbefinden und Gleichgewicht führt tatsächlich eher zu sedierter, zuweilen hochsensibel-überforderter Abkapselung und zu entrückten Wunschvorstellungen. Aber nicht zu magnetischer Veränderungskraft.

Auch die (psycho-) therapeutische Glasglocke und jedes andere gesonderte Gemeinschafts-Gehege können nur als temporärer, künstlicher Schutzraum für experimentelle, Lern- und Wiederherstellungsprozesse sinnvoll sein. Auf längere Sicht bilden sie sonst subkulturelle Biotope mit der Neigung zu intellektuellem und moralischem Inzest, was zu entsprechenden Degenerationen und Erschlaffungen führt, so dass ihre Langzeit-Bewohner nach einiger Zeit im größeren menschlichen Universum nicht mehr überlebensfähig sind.

Moralische Bewusstseinsgrenzen

Wenn die menschlich notwendige Kombination von Integrität und Kontakt, die wir oben dargestellt haben, also die Kombination von integrer Begegnung mit wechselseitiger Authentizität, zu wenig stattfindet oder sogar ganz fehlt, dann stoppt die Entwicklung der Fähigkeiten und Eigenschaften, die aus diesem menschlichen Miteinander ausgeschlossen werden.

Je früher dieser Mangel auftritt, auf desto niedrigeren Entwicklungsstufen bleibt der Mensch in seiner körperlichen, sozialen, emotionalen, intellektuellen und letztlich geistigen Entwicklung dann stehen. Denn jede Fähigkeit kann nur im Kontakt verinnerlicht werden und auch nur, wenn der Kontakt den authentischen Impuls im Kern der Fähigkeit einschließt. Das ist der Grund, warum ganz besonders Babys und kleine Kinder so dringend gespiegelt werden müssen, um sich zu entwickeln. Ansonsten findet nur ein anpassendes, fremdgesteuertes oder bloß imitierendes Lernen statt, bei dem nicht mehr von geistiger Reifung die Rede sein kann.

Die folgende Tabelle veranschaulicht, welche Moral- oder Wertevorstellungen sich auf den aufeinander aufbauenden Stufen der geistigen Reifung sukzessive entwickeln und wie man sie identifizieren kann.

Tabelle: Catwise Stufen der moralischen Orientierung (Arbeitsskizze)

Die früheren bzw. unteren Stufen können die späteren bzw. höheren nicht verstehen. Sie sind ihnen fremd oder sogar suspekt.

Was die enorme Spaltung, die Verwirrung und das Chaos im kollektiven „Corona“-Spektakel erzeugt, ist vor allem die Tatsache, dass man auf jeder Stufe der moralischen Orientierung zu anderen Schlussfolgerungen kommt und auf den unteren Stufen sogar zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen innerhalb einer Stufe. Deshalb schlagen sich die Menschen gegenseitig die Köpfe ein, sei es aus Angst vor einem angeblichen Virus oder aus Angst vor Bestrafung oder anderen Unannehmlichkeiten. Da es eben keine klaren Regeln, keinen verlässlichen Konsens und immer mehr wilde Fantasien, Annahmen und Drohkulissen gibt, sucht sich jeder einen anderen Orientierungspunkt und fühlt sich im wachsenden Chaos zunehmend verängstigt.

Die meisten Menschen dürften sich im aktuellen Zustand unserer Gesellschaft im großen Ganzen auf Stufe 4 bewegen und ihre Orientierung in dem suchen, was ihre anerkannten Autoritäten (Fernsehen, Radio, Behörden) sagen, fordern und vorgeben. Das entspricht der geistigen Entwicklungsstufe eines maximal sechsjährigen Kindes. Allerdings folgen die Menschen mittlerweile sehr unterschiedlichen Autoritäten, die sich zuhauf zu Wort melden und sich dabei immer kopfloser und gar nicht mehr miteinander kompatibel gebärden. Deshalb sind die Verwirrung und Verunsicherung groß und nähren Verzweiflung, Aggressivität und Gewaltbereitschaft.

Das hat übrigens nichts mit Bildung zu tun. Es gibt reichlich sogenannte „Akademiker“ wie Ärzte, Anwälte, Richter, Lehrer usw., deren moralische Orientierung sowohl grundsätzlich als auch besonders unter der momentanen Belastung medialer Verwirrung nicht mehr über die rein emotionale Stufe des Gehorsams hinausgeht. Wir werden sicher noch die peinlichen und beschämenden Momente erleben, wo sich diese „gebildeten“ Menschen, „Fachleute“ und „Autoritätspersonen“ mit kindlicher Naivität zu entschuldigen versuchen: „Das habe ich nicht gewusst. Ich habe doch nur getan, was mir gesagt wurde!

Déjà-vu? Nun ja, Geschichte wiederholt sich, wenn sie nicht aufgearbeitet und verstanden wird. Dazu demnächst mehr in Ihrem Nürnberger Reality-Kino und Guantanamo TV.

Die Ritualisierung von Wahnvorstellungen

In eine konstruktive Form von Kontakt können wir mit jemandem nur auf der Stufe kommen, die für ihn in dem Moment erreichbar ist. Mit den Menschen, die zurzeit bereits ihre höchstmögliche Ansprechbarkeit auf der rein emotionalen und autoritätshörigen Ebene erreichen, wäre ein Austausch also nur auf dieser Ebene möglich. Man kann versuchen, die nächsthöhere Stufe einzubringen, in dem Falle wäre dies der Zweck-Bezug: wem dient was und wem schadet was. Der Sprung ins Mentale, meistens noch verbunden mit der Aufnahme neuer Informationen, ist jedoch für viele in ihrer Anspannung und existenziellen Desorientierung nicht mehr zu leisten. Man muss sie vorübergehend mit ihrer Programmierung und Begrenzung akzeptieren und innerhalb ihres Rahmens kommunizieren. Menschen mit dem moralischen Verständnis auf der rein körperlichen Erfahrungsebene sind im Grunde stets auf der Grenze zur Psychose (Borderline), weil bereits Emotionsauslöser eine Überforderung ihres Nervensystems darstellen. Wenn wir einmal von Bio-Robotern sprechen wollten, müssten wir auch über dysfunktionale, unbrauchbare Bio-Roboter sprechen.

In der obigen Tabelle ist auch ablesbar, auf welches darunterliegende Level zur Orientierung man jeweils zurückfällt, wenn die Orientierung auf dem gewohnten zusammenbricht. Dies erklärt die zunehmende Autoritätshörigkeit und die wachsende selbstfixierte Blindheit auch bei Menschen, die man ganz anders, umsichtig und reflektiert kennt. Warum fallen manche Menschen, die sich bisher im Rahmen des Mainstreams als individualistisch und freiheitsliebend darstellen konnten, plötzlich in eine rigide Dominanz, in der sie allen vorschreiben möchten, wie sie sich zu verhalten und sogar, was sie zu denken haben? Weil der steigende Einfluss von Angst und Desorientierung die komplexeren Denk- und Fühlfähigkeiten untergräbt und kollabieren lässt. Auf ihrer hilfosen Suche nach Halt und Sicherheit bleibt ihnen nur noch der Griff zur radikalen Kontrolle ihrer Umwelt nach dem Motto: „Wenn alle sich an meine Vorstellungen anpassen, dann werde ich nicht mehr überfordert sein.“

Wir haben es hier mit einer klassischen Regression zu tun, die sich im Kollektiv noch zusätzlich beschleunigt, weil immer weniger Menschen die Dekompensierenden auffangen können. Es ist nicht schwer, aus diesen Beobachtungen die wahrlich erschreckende Vorstellung eines naheliegenden kulturellen Totalzusammenbruchs zu extrapolieren. Wir wanderten am Abgrund.

Wir können an der obigen Tabelle auch erkennen, dass der Pandemie-Betrug fast nur auf den Ebenen 3-5 erzeugt wird. Natürlich gibt es auch Menschen, die ihre latenten Ängste und Beklemmungen auf die Virus-Erfindung projizieren und sich dann an den Fantasie-Bildern zum Selberausmalen orientieren (Ebenen 1-2). Das sind die Menschen, die auch den sozialen Bezug schon soweit verloren haben (oder nie hatten), dass sie im Grunde schon als paranoid-psychotoid bezeichnet werden können.

Für die Masse aber kann die Pseudo-Epidemie nur dadurch aufrechterhalten werden, dass man sie über Autoritäten, Regeln und vage Zweckbegründungen zu einem bestimmten Verhalten zwingt. Das ist die Perversion des gesunden Menschenverstandes: man hält sich nicht an Vorsichtsmaßnahmen, weil es eine Gefahr gibt, sondern man glaubt an eine Gefahr, weil Vorsichtsmaßnahmen verkündet werden und die anderen sich daran halten.

Die meisten Menschen würden sich zwar ungern eingestehen, dass ihr Verstand völlig verdreht ist und sie den Realitätsbezug verloren haben, aber nur so funktioniert eine Massen-Psychose. Aus dem Druck und Zwang ergeben sich dann mit der Zeit Gewohnheiten, das sogenannte „neue Normal“, so dass irgendwann sogar die Ordnungs- und Gerechtigkeitsbezogenen (Stufen 6-7 in der Tabelle) anfangen, auf absurde Vorgaben zu bestehen, weil sie innerhalb der Psychose das Chaos reduzieren und neue Gruppenidentitäten schaffen. Ab dem Punkt können wir von einer abergläubisch-abgehobenen Gesellschaft sprechen, die nicht mehr realitätsfähig ist, sondern sich in der Ritualisierung von Wahnvorstellungen verliert. Vielleicht brauchen wir wieder Schamanen, die den Menschen diese bösen Geister austreiben.

Körper- und Schmerzpädagogik der Liebe

Fazit: Die Masse der Menschen kann nur durch körperliche Erfahrung, also durch Körperverletzung im juristischen Sinne, dazu gebracht werden, die Unterdrückung und Versklavung nicht mehr zu wollen. Denn die meisten haben nur noch diese körperliche Integrität (Unversehrtheit) als das höchste Maß, die Oberkante ihrer Würde. Darüber hinaus haben sie zu wenig Repräsentation von Integrität – weder in Werten, noch in eigener Willenskraft oder eigenen Anschauungen. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Die Menschen, die eine emotionale, volitionale (willensbezogene) oder sogar geistige Würde haben, können das nicht so leicht nachvollziehen, sie neigen dazu zu glauben, dass alle Menschen doch eine Würde über die bloße körperliche Unversehrtheit hinaus haben, aber das entspricht nicht den beobachtbaren Tatsachen.

Wie ich in anderen meiner letzten Artikel in diesem Blog schon ausführlich dargestellt habe, müssen wir wieder lernen, dass das Universum und eben auch das Universum der menschlichen Gemeinschaft hierarchisch aufgebaut ist. Nicht weil jemand das ideologisch begründet hat oder wir uns dafür entscheiden sollten, sondern weil dies der Ordnung und Natur der Dinge entspricht, die wir entweder erkennen und anerkennen oder eben verkennen. Letzteres haben wir nun über hunderte von Jahren so weit getrieben, dass wir die Verkörperung von Menschlichkeit bis an den Abgrund ihrer Vernichtung geführt haben.

Das dadurch erzeugte Leid ist so groß, dass es sich die meisten Menschen nicht ansatzweise vorstellen können. Unsere Kleinsten, Jüngsten, Schwächsten und Schutzbedürftigsten haben wir – blind, unwissend und zerstreut – im Stich gelassen und unmenschlichsten, blutigen Kulten babylonischer Hybris geopfert. Nicht irgendjemand zu irgendeiner vergangenen Zeit, sondern wir und bis gestern. Wir werden nach unserem langen Dornröschenschlaf Zeit brauchen, um erkennen zu lernen, dass dies keine Metapher ist, sondern reale Tatsachen beschreibt, und um unser zweidimensionales Schauen an die Tiefe dieser Finsternis zu gewöhnen.

Diejenigen Integren aber, die dieses Leid schon vor vielen Jahrzehnten gesehen haben, konnten nicht mehr schlafen und mussten sich zusammentun, die Besten um sich versammeln, zu allen verfügbaren Waffen greifen und ihr Leben der Befreiung der Menschheit und ihrer Kinder widmen.

Aus Liebe zur Menschheit.

Das ist keine verträumte, schwärmende Liebe, sondern jene von uns fast vergessene Liebe, die das Schwert führt: das Schwert der Unterscheidung, der Abgrenzung und der Verteidigung.

Der Keim dieser Liebe und der Ruf, der von ihr ausgeht, ist übermenschlich und einer von vielen Beweisen, dass es etwas über uns gibt, einen freieren Raum, eine geistige Gesundheit, eine höhere Schwingung, die uns nicht vergessen hat, die uns mehr versteht und wertschätzt als wir uns selbst – und die uns hilft.

… und die jeder von uns empfangen kann, sobald er sich hingebungsbereit auf sie ausrichtet. Das bedeutet Integrität und Kontakt in Reinform und umfasst alle Ebenen unserer Intaktheit vom Körper über unsere Gefühle bis zu den feinsten Gedanken und die wechselseitige Verbindung mit allen und allem in uns und um uns.

Dann können wir sehen, dass um uns und durch uns stets dieser höheren Schwingung reiner und ganzer Wille geschieht und nichts als ihr Wille – so wahr wir uns von ihr berühren und helfen lassen.

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Warum die Kraft hinter dem Killer-Virus ewig wirkt


Die auffälligste Charakteristik der sogenannten „Corona-Epidemie“ als globaler kollektiver Ausnahmezustand ist die frappierende Irrationalität, in der sich das bisher scheinbar so gut geregelte, sprich: gewohnte Leben vor unseren Augen auflöst. Diese Irrationalität mit ihren Verwirrungen und emotionalen Daueraktivierungen scheint der große neue Konsens zu sein, in dem sich die Menschen auf absurde Weise verbunden, weil gleichermaßen ausgeliefert fühlen. Es gibt hunderte von Beispielen aus dem Alltag und von den alltäglichen Medienbühnen, die alle auf den gleichen Gesamteindruck hinauslaufen: die Masse der Menschen hat den Verstand verloren.

Ich möchte hier jedoch den Standpunkt vertreten, dass so viele Menschen gar nicht jetzt erst den Verstand verloren haben, sondern dass die Abwesenheit von Denkfähigkeit und gesundem Menschenverstand nur jetzt so deutlich sichtbar wird. Tatsächlich ist sie bereits seit langer Zeit blander Dauerzustand. Irgendetwas ist geschehen, dass den wahren geistigen und moralischen Zustand der Bevölkerung offenbart als wäre eine Decke von Illusion und Täuschung weggezogen worden. Oder vielleicht sind es mehrere Decken, die eine nach der anderen weggezogen werden und uns immer tiefer blicken lassen? Wie auch immer, wir leben offensichtlich in Zeiten der Offenbarung.

Und es scheint Wert darauf gelegt zu werden, dass möglichst Viele sehen und erkennen – jeder auf seine Weise. Diesmal ist es keine Insider-Sache mehr, sondern geht die Allgemeinheit an. Wann hatten wir das in der Geschichte zuletzt? Unsere Geschichtsbücher wissen nichts dergleichen zu berichten…

Das, was wir fürs erste nur als Virus-Epidemie betrachten und verkraften konnten, entpuppt sich nach und nach als eine Welle der Aufdeckung und Offenlegung. Zwei Aspekte dieser Offenlegungen machen den Menschen enorm zu schaffen und können nur langsam und schrittweise verarbeitet werden: erstens sind die bisher unbekannten und unterdrückten Tatsachen sehr tief gehend, berühren die Wurzeln unserer Selbstdefinition, d.h. wer wir glauben zu sein, sie gehen ans Mark unserer ethischen Vorstellungen und zerlegen tief sitzende Illusionen über so gut wie alles, was uns umgibt; und zweitens betreffen sie uns mit all dem unmittelbar selbst, d.h. wir können uns nicht mehr auf einer bequemen und entfernten Beobachterposition zurücklehnen und uns berieseln lassen mit Geschichten über „die Welt da draußen“, sondern wir sind mit Haut und Haar involviert. Problem! Wir kommen aus der Sache nicht mehr raus, werden unruhig, bemerken, dass wir nichts haben, um solch fundamentalen Veränderungen zu begegnen, fühlen uns angegriffen, verunsichert, ach, die ganze Gefühlspalette von Angst, Wut und Scham – und verlieren dann eben den Verstand. D.h., den Rest von Verstand, mit dem wir im gewohnten Alltag zurechtkamen und weder links noch rechts und schon gar nicht mal genauer hin schauten.

Und jetzt müssen wir hinschauen. Anders geht es nicht. Die nicht umsonst bedrohliche Aussage „Wir werden erst zur Normalität zurückkehren können, wenn es einen Impfstoff gibt“ ist wie fast alle vordergründig diktatorischen, irrationalen und schwachsinnigen Aussagen unserer „Führungselite“ ganz richtig, wenn man sie symbolisch versteht. Die Frage ist: welchen „Impfstoff“ brauchen wir, um wieder auf den Boden der Normalität, besser: Gesundheit und Natürlichkeit zurück zu kommen?

Für einen biologisch realen Virus könnte man sich einen biologisch wirksamen Impfstoff oder zumindest ein neutralisierendes Gegenmittel vorstellen – wenn es Viren denn biologisch real gäbe. Tatsächlich sind „Viren“ allerdings nichts weiter als eine Arbeitshypothese, d.h. eine unüberprüfte Idee, eine ausgedachte Theorie. Das ist für unsere moderne Vorzeige-Medizin nichts ungewöhnliches, sie beruht heutzutage zum allergrößten Teil nur noch auf Hypothesen, die allerdings wie Tatsachen gehandelt und unter Androhung medialer Exkommunikation vor kritischen Fragen geschützt werden, wie das in Sekten und Religionen eben nun mal so ist. Man hat sich in der Medizin aus sehr verständlichen, rein wirtschaftlichen Gründen über die letzten 60 Jahre vollkommen von der Naturwissenschaft emanzipiert und arbeitet nun in erster Linie mit erfundenen Konzepten, die man zwar nicht mehr evidenz-basiert belegen, die man aber über Angst, Druck und ausgefeilte Drohkulissen trotzdem durchsetzen kann. Dazu zählen z.B. auch die Erfindungen von „Krebsmetastasen“, überhaupt die kreative Defintion von „Krebs“ als letale Krankheit, die man rausschnibbeln, wegstrahlen und vergiften kann oder die erfundene Krankheit „AIDS“, die zum globalen medizinischen Exportschlager wurde, weil sie über Angst verkauft wird. Die Wirtschaft hat die Medizin als unschlagbaren Marktplatz entdeckt und gekapert und eines ihrer Hauptprinzipien in die neue Medizinwirtschaft eingeführt: die Priorität des Marketings.

Um die Dynamiken dieses neuen Umsatzfeldes zu verstehen, müssen wir also in die Psychologie wechseln, denn schon lange ist die Medizin ein Vasallenbetrieb der Geldmacher und Umsatzsteigerer geworden (man Frage nur irgendeinen Krankenhausangestellten für eine Verifikation), die die Nachfrage für ihre ganz besonderen Produkte natürlich gerne ankurbeln, indem sie zu den immer teureren Dienstleistungen immer auch die Krankheiten erzeugen und innovative Schreckens-Diagnosen erfinden. Um Menschen für erfundene, real nicht existierende Krankheiten zu unsinnigen, schädlichen und enorm aufwendigen „Behandlungen“ zu motivieren, muss man ihnen immer genügend Angst machen. Man droht ihnen am besten direkt oder indirekt mit dem baldigen Tod. Die meisten Menschen wissen nicht, was ein „baldiger Tod“ ist und gehen reflexartig in einen Angstzustand und regredieren auf das mentale und emotionale Niveau eines sechjährigen Kindes. All dies dient der fortlaufend notwendigen Kundengewinnung. Ein wenig leidet noch ein Teil des medizinischen Personals darunter, vor allem Krankenschwestern und medizinische Hilfsberufe, weil sie ja ursprünglich Menschen helfen und heilen wollten und nun in einem Apparat gefangen sind, der sie zwingt das Gegenteil zu tun. Sonst gibt es kein Gehalt mehr usw.

Eine dieser medizinischen Jahrunderterfindungen sind nun die „Viren“. Wer sich biologisch-naturwissenschaftlich auf die Suche nach diesen kleinen Dingern machen will, die ja nun in aller Munde sind, der wird nichts finden. Wir ersparen uns hier deshalb diesen Umweg und gehen direkt dorthin, wo wir das Virus finden werden: in der Welt der Fantasien, Projektionen und Erfindungen – kurz: ins Psychologische.

Das psychoaktive Virus

Niemand von uns – außer vielleicht ein paar Mitarbeiter in Molekular-Bio-Laboren, hat jemals dieses berühmte oder sonst irgendein Virus gesehen, gehört, gerochen oder gespürt. Deshalb wissen wir gar nicht, wenn wir uns so viel Ehrlichkeit zutrauen, ob dieses Virus real ist. Aber wir wissen, dass es wirklich ist. Den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit hatte ich in einem anderen Artikel (“10 Tage Dunkelheit“) schon ausführlicher erläutert. Wirklich ist das, was wirkt, also Wirkung hat bzw. hinter einer erfahrbaren Wirkung steht. Real hingegen ist das, was wir über unsere Sinne wahrnehmen können.

Was auch immer hinter dem Label „Corona“ steckt, es ist wirk-lich. Das sehen, hören und spüren wir momentan überall um uns herum. Dass es kein biologisches Virus ist, lässt sich schnell eruieren, dazu haben sich schon unzählige Experten unabhängig voneinander geäußert. Eine gezielte 10-minütige Internet-Recherche dürfte alle Zweifel daran aus dem Weg räumen, wenn man sich diese Blasphemie gegen die oberste Glaubensparole gedanklich zutraut.

Es ist aber viral und dieser Begriff fällt in den Bereich der Informationswissenschaft. Viral können sich nur Informationen verhalten, die sich in hohem Maße und zunehmender Geschwindigkeit ausbreiten können ohne – auf den ersten Blick – an Gehalt zu verlieren. Eine Art geistige Fortpflanzung oder Ansteckung, die auf den schwerfälligen Weg über Körper und Organe gar nicht angewiesen ist. Eine Information ist eine mentale Verknüpfung, ein In-Formation-Bringen von Gedanken, Bildern, Ideen, Konzepten, Symbolen. Diese können etwas Reales widerspiegeln, sie können aber auch rein fiktiv sein. Damit sie Wirkung haben, müssen sie an reale Erfahrungen und Emotionen anknüpfen, sonst haben sie keine Andockstelle, an der sie Menschen stimulieren, ergreifen und bewegen können. Ein guter Fantasy-Autor erschafft stets eine gute Mischung aus real Bekanntem und Fiktion, so dass seine Leser in seine erfundene Welt hineingezogen werden über die Resonanz, die sie in ihnen auslöst, d.h. über das, woran sie andocken können.

Falls das Killer-Virus „Corona“ oder wie auch immer es gerade genannt wird, eine Fantasy-Erfindung ist, ist es eine sehr gute, weil sehr wirksame.

Dieses „Virus“ hat die offensichtliche psychoaktive Fähigkeit, die Vorzeichen unseres alltäglichen Weltbewusstseins umzudrehen. Ich nehme das Narrativ von einer Ausgangsübertragung durch (chinesische) Flughunde gerne metaphorisch: der fliegende Nachtjäger, der tagsüber mit dem Kopf nach unten schläft aus dem fernen Osten. Das narrativ vom „chinesichen Fischmarkt“ tut’s auch: da kommt etwas aus den Urtiefen und dem wilden, ungebändigten Chaos des Meeres und überträgt sich wider alle menschlichen Kontrollen in ein sensibles Labor hinein: der Inbegriff menschlicher Hyperkontrolle und dem rationalen Spiel mit Grundsubstanzen. So oder so: Irgendetwas aus dem Dunklen hat sich in unsere heile Welt der Ordnung und Kontrolle eingeschlichen. Etwas lief schief und nun breitet sich diese dunkle, wilde Anti-Ordnung mit der Geschwindigkeit von Nachrichtentickern über die ganze Welt aus und macht alles, was gestern noch gerade erschien, schief, was fest war instabil und was linear verlief zu frei fluktuierenden Kurven.

So ist „Corona“ in erster Linie der große Umdreher: was bisher im Verborgenen lag, wird nun sichtbar, was bisher offensichtliche Oberfläche war, zerbröselt ins Fantastische. Die wortgewandten Weltretter von gestern sind plötzlich die engstirnigsten Angsthasen. Die vermeintlichen Gesundheitsfanatiker krallen sich nun an immunsschwächenden, medizinisch gefährlichen Atemmasken fest. Viele Vorzeige-Figuren des öffentlichen Lebens fallen in die Schmach perverser Korrumpiertheit. Und die bisher so störenden Außenseiter, die mit Stempeln wie „Verschwörungstheoretiker“ bisher einfach weggeklammert werden konnten, bilden nun plötzlich neue soziale Magnetzentren von Durchblick, Aufklärung und Hoffnung. Was oben war, ist unten, was als gut galt, entpuppt sich im gleichen Maße als schlecht und schädlich. Die so lang offizielle Wahrheit wird als Lüge entlarvt und der verpönteste „Unsinn“ entpuppt sich als erschütternde Wahrheit oder einzig logisch-stringente Beweisführung. Die Friedensstifter und -preisträger sind über und über mit Blut bedeckt und das (in Deutschland) gern verschmähte Militär ist die letzte Bastion von Anstand, Integrität und Rettungsmacht.

Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: nicht die Welt oder Realität wird umgedreht, sondern unsere Betrachtungsperspektive. In der realen Welt ändert sich durch das „Corona“-Zauberding gar nichts. Aber in unserer Wahrnehmung, in unserem Bewusstsein ändert sich alles um 180°. Wir werden vielleicht bald schon entdecken, dass wir seit Generationen alles falsch herum betrachten, so dass wir es jetzt, dank der Corona-Umwendung, endlich aber noch ganz ungewohnt wieder richtig herum sehen. Gleiches wurde mit gleichem behandelt: wer alles auf dem Kopf stehen sieht, der braucht eine Portion Flughund- oder Fledermaus-Information, um schwups wieder auf seine Füße und den Boden der Tatsachen gestellt zu werden. So funktioniert Psycho-Homöopathie.

Das macht am Anfang schwindelig, denn wir haben uns so sehr daran gewöhnt, alles kopfüber zu sehen und immer das Gegenteil vom Richtigen für richtig zu halten, dass wir zunächst noch das Richtige als falsch betrachten. Ist aber nur Gewohnheit. Corona zwingt uns dazu, auf den Füßen zu bleiben, und jetzt mal wieder alles richtig herum zu sehen. Diejenigen, die sich mit der Materie schon besser auskennen, wissen, dass es dafür auch höchste Zeit wurde, weil das chronische Falschherum kurz davor war, unser menschliches Potenzial zu zerstören. Wir hatten uns schon so weit von der physischen, echten planetarischen und ganz einfachen Realität des Lebens entfernt, dass wir uns ohne Umdrehung blind und verträumt umgebracht hätten. Irgendwer oder –was im Kosmos hat entschieden, dass das nicht passieren soll und hat uns „Corona“ geschickt, um uns wieder richtig herum auf den Boden zu stellen. Finde ich gut.

Diese „Umdrehung“ nennen manche „Aufwachen“. Wenn wir die Abwendung von der Realität, vor allem von unserer eigenen, gegebenen körperlichen Realität, als eine Art Schlaf sehen, dann ist die Rückbesinnung auf sie ein Aufwachen.

Das angekündigte „Great Awakening“ wird dabei auch oft interpretiert als „Großes (i.S.v. weitläufiges) Erwachen“. Damit ist jedoch nicht zu rechnen. „Great“ heißt „großartig“. Es ist ein großartiges Erwachen – für die, die es erleben. Für den Rest wird es einfach nur eine rumpelige und unbequeme Zeit, von der sie sich später beim Grillen im Garten gegenseitig bestätigen werden, dass „doch alles gar nicht so schlimm war.“ Der konsequent Unwissende hat auch den segensreichen vegetativen Vorteil, kein Gedächtnis für Kultur und Geschichte zu haben.

Der Schlaf der Menschheit bestand in den letzten 150-200 Jahren darin, das Bewusstsein immer weiter von der Realität und Wirklichkeit zu entfernen und sich stattdessen immer tiefer und verworrener in Fantasien, Einbildungen, Eigenkonstrukten, Fiktionen und Träumereien zu verlieren. Die Berührungsfläche mit dem Realen wurde immer kleiner und dünner. Immer mehr Menschen verloren in den letzten Jahrzehnten den Kontakt mit der Realität so sehr, dass sie für reale Tatsachen gar nicht mehr empfänglich waren. Insgesamt torkelten wir in einem schlafwandlerischen Zustand vor uns hin, fantasierten dabei von „Hochkultur“, „der Spitze der technologischen Entwicklung“, „Wirtschaftswachstum“, „Dauerwohlstand“ und „spirituellen Zeitenwenden“ während wir unbemerkt auf den Abgrund unserer Existenz zusteuerten. Damit meine ich keine Umweltretter-Parolen von der untergehenden Natur – das ist nur ein weiteres Traumgebilde, wenn auch eher aus der Albtraum-Abteilung – nein, ich meine die real und in greifbarer Nähe liegende Möglichkeit, dass der Mensch die Menschlichkeit so sehr zerstört, dass nur noch Unmenschlichkeit in Menschengestalt den Planeten bevölkert und jede geistige Entfaltung unmöglich macht. Die Natur selbst hat damit kein Problem. Diese Überreste menschlicher Monster hätten sich irgendwann auch selbst zerstört und die Natur hätte sich über ein paar hundert oder tausend Jahre in wenigen kosmischen Atemzügen friedlich erholt. Aber der Same der Menschlichkeit hätte neu angelegt werden müssen und möglicherweise war das nicht im Sinne des Gärtners.

Der große Wandel, der sich im Gewande von Corona nun erstmalig der breiten Öffentlichkeit vorstellt, ist ebenso nicht von Menschen gemacht. Die Menschen lassen sich in Bezug auf den Veränderungsprozess allerdings grob in drei Gruppen einteilen: erstens die große Masse derjenigen, die sich bloß passiv mitnehmen oder herumwirbeln lassen; zweitens diejenigen, die sich mit aller Kraft aktiv gegen den Wandel stellen und daran zugrunde gehen werden; und schließlich eine kleine Anzahl von Menschen, die den Wandel aktiv begleiten und erleichtern. Viele der letzteren sehen und erkennen sich untereinander in ihrem Bezug zu einer maßgebenden und führenden Entität „Q“. Man kann Q schlichtweg als Buchstaben an 17. Stelle unseres Alphabets und daher als Symbol für die Zahl 17 und all ihre positiven numerologischen Bedeutungen sehen.

Ich bevorzuge jedoch, das Q primär als Symbol zu sehen: ein Kreis mit einer Unterbrechungsmarkierung. Hier wird ein Kreis durchbrochen, aufgeschnitten oder geöffnet oder ein Kreislauf unterbrochen und beendet, vielleicht ein Teufelskreis. Man kann es auch als Eingriff von außen in einen geschlossenen Körper oder ein in sich geschlossenes System sehen, ähnlich einer Injektion. In jedem Falle signalisiert das große Q seiner Form nach einen unterbrochenen oder geöffneten Kreis, bei dem es eine Verbindung von Innen und Außen gibt.

Unabhängig jedoch von den vielen mehr oder weniger mächtigen und planvollen Helfern im Wandlungsprozess spricht vieles dafür, dass der Prozess selbst eine kosmische oder planetarische Notwendigkeit ist, die so oder so stattgefunden hätte. Offensichtlich gibt es aber auch eine Intelligenz, die sich dafür einsetzt, den Menschen mental, emotional, kulturell, politisch und praktisch bei diesem planetarischen Wandel zu helfen. Denn wenn der Planet, auf dem wir leben, sich so sehr verändert, dass wir darauf als Menschen nur weiter leben können, wenn wir uns und unsere Strukturen des Zusammenlebens anpassen und erweitern, dann braucht es Katalysatoren, die diesen Wandlungs- und Anpassungsprozess ermöglichen, beschleunigen und erleichtern. Ansonsten wären wir physikalschen Schwingungsveränderungen (s. Schumann’sche Frequenz) ausgeliefert, die wir energetisch, psychisch und kulturell nicht mitmachen und bewältigen könnten. Das Ergebnis wäre eine Art innere Sprengung und Zerfall bestehender politischer und kultureller Strukturen, ohne dass es nutzbare Alternativen gäbe. Der planetarisch-energetische Wandel würde die Menschheit kalt erwischen und in Chaos und psychiatrische Zustände stürzen.

Eben genau dies passiert jetzt – seit drei bis vier Jahren schon und im Jahre 2020 nun so deutlich spürbar, dass es keinem mehr entgehen kann – nur mit dem Unterschied, dass alternative Strukturen und Lösungen für alle zentralen Aspekte der globalen menschlichen Organisation bereits bereitstehen und parallel eingeführt werden, so dass der Wechsel in ganz neue Strukturen und Lebensorganisationen weltweit verhältnismäßig sanft und gesittet verlaufen kann. Dass uns der Prozess trotzdem außerordentlich holperig und intensiv vorkommt liegt an unserem westlich-komfortgeprägten Maßstab.

Die psychiatrischen Zustände derer, die nicht so schnell mit der Anpassung an die neuen erhöhten Frequenzen mitkommen oder sogar gänzlich überfordert sind, stellen nur ein Bruchteil dessen dar, was wir erleben würden, wenn das Ganze nicht intentional und von langer Hand geplant aufgefangen würde.

Und eines dieser Auffangnetze ist eben die Erfindung von „Corona“ und die Zündung des Alltagsmasken-Wahns. Denn so haben die Menschen etwas, worauf sie sich konzentrieren können, worüber sie miteinander reden können und auf das sie alles Neue und Ungewohnte projizieren können. Sie halten „Corona“ für einen Virus und haben damit eine Idee, die überschaubar, greifbar und auf ihre pseudo-naturwissenschaftliche Art berechenbar wirkt. Dass sie logisch und rational betrachtet ein äußerst schlampiges Bubenstück ist, spielt dabei keine Rolle, weil Logik und Verstand für die meisten Menschen gar keine Bedeutung haben. Und die, die es durchschauen und hinterfragen, sind damit auch schon reif für die nächste Stufe des Verstehens.

Für die Masse reicht es zunächst völlig, dass das Unbekannte einen Namen, ein passendes (computergeneriertes) Bild hat und das Wichtigste: klare Handlungsanweisungen für den Umgang damit. Für die große Masse der Menschen ist dieser Trick notwendig, so wie man Kindern erzählt, dass Babys vom Storch gebracht werden oder dass die Gestorbenen als Engel über uns schweben oder dass sie ihr Essen aufessen müssen, damit morgen die Sonne scheint. Wenn wir einsehen, das die meisten Menschen in Bezug auf das tatsächliche Geschehen auf diesem Planeten wie kleine überforderte Kinder sind, dann verstehen wir auch, dass eine schrittweise und vereinfachte, manchmal märchenhafte Erklärung notwendig ist, weil sie anders nicht verarbeitet werden kann. Und das Leben soll ja möglichst friedlich weitergehen.

Um all das besser verstehen und einordnen zu können, müssen wir von der symbolischen und analogischen Warte aus schauen. Im Gemenge der Handlungen und Wortproduktionen können wir keinen Überblick gewinnen, weil eine der handlungsleitenden Intentionen im aktuellen Spiel der Superkräfte ist, jeglichen Überblick zu verhindern und zu verwirren. Erst wenn wir von weit genug oben, d.h. aus einer prinzipiellen Sichtweise heraus schauen, erkennen wir eben diese Kräfte und Intentionen als Muster und Motive im Geschehen – und je länger wir beobachten bzw. je größere Zeiträume wir überblicken, desto klarer und eindeutiger treten die Handlungsmuster und Skripte der Verwirrer zutage. Wir brauchen also eine Mustererkennung, die nicht analytisch-sequentiell erreichbar ist durch das Sammeln von Einzelfakten und Beobachtungen, sondern nur in der Synoptik des Ganzen. Diese Betrachtungsweise fordert den Wechsel ins ganzheitliche, intuitive, bildhafte Denken und die Ablösung vom zerlegenden, wortgebundenen Denken.

Wir kommen dem näher, wenn wir auch unser Bauchgefühl mit einbeziehen, das, was die Psychologen gerne „felt sense“ nennen, also ein Verständnis der Situation, das die eigene Stimmung, Körperempfindungen und Gefühle miteinbezieht. Ja, dadurch werden wir subjektiver, aber die subjektive Sicht, die das Subjekt und seine Reaktionen mit einschließt, ist auch vollständiger und vor allem praktischer. Die sogenannte „objektive“ Sicht ist andererseits die, die uns von uns selbst, vom umittelbaren Erleben und von Bezug und Beziehung entfernt.

Corona als Lehrer

Die Anti-Atemmaske ist gut, weil sie eine körperliche Lernerfahrung ermöglicht. Schätzungsweise zwei Drittel der Bevölkerung werden ohne einschneidende körperliche Erlebnisse nicht verstehen können, dass sie systematisch unterdrückt und ausgebeutet werden. Es hätte keinen Zweck, es ihnen zu erklären, denn sie haben nie gelernt, solche Informationen und Erkenntnisse auf sich persönlich und ihr konkretes Leben zu beziehen. Über Aufklärung und Aufforderungen zum Hinterfragen und Selberdenken wird man wahrscheinlich höchstens 10% der westlichen Bevölkerung zu einer Neubetrachtung ihrer Lebenssituation und ihres „Öko-Systems“ bewegen können. Einen größeren Anteil schon eher über emotional verstörende Signale. Aber durch die jahrzehntelang eingeübte Dissoziation des Fühlens vom (körperlichen) Selbstbewusstsein und durch die Trennung zwischen Gefühl und Denkfähigkeiten, werden die meisten Menschen auch auf solche Reize nur mit Abwehr reagieren können. Ihre Abhängigkeit vom System und seinen Botschaften ist so durchgehend, dass sie auf fremde und ungewohnte Eindrücke nur mit grobem Selbstschutz reagieren können: Ignorieren, Meiden, Ablenken, Verdrehen oder Zerstören. Bei der Anti-Atem-Maske funktionieren all diese mentalen Konditionierungen nicht mehr, weil sie reale körperlich bedrohliche Ereignisse erzeugt. Wenn ihnen schwindelig oder übel wird, sie müde werden, Atemnot bekommen oder Herzrasen, dann bemerken einige von ihnen vielleicht doch auch mental, dass irgendetwas nicht gesund ist. Dass das alles hier so nicht weiter gehen kann. Und sie haben Recht: wenn das kranke System komplett zerbrochen und abgeschafft ist, dann werden die Menschen auch wieder frei atmen können.

Wer ist der Feind?

Die Menschen, die glauben, die Kabale , der Tiefstaat oder irgendwelche Psychopathen-Grüppchen seien der Feind, haben etwas sehr Grundlegendes nicht verstanden. Das Problem ist nicht die Psychopathen-Vereinigung mit ihrer globalen Mafia. Das Problem ist die schlafende Menschheit. Der Schlaf der Masse der Menschen ist der eigentliche Feind, den es zu besiegen gilt. Die Kabale und ihre Macht sind Traumprodukte der Menschheit und sie verschwinden sobald sich eine ausreichend große Masse der Menschen ihrer Situation bewusst wird. Die Psychopathen sind nur deshalb so machtvoll, weil die Menschen ihr Bewusstsein und ihre Macht abgegeben haben – in erster Linie als Entlastung. Diese Selbstentlastung hatte jedoch den hohen Preis des Freiheitsverlustes, der sich immer weiter ausdehnte bis zu dem Punkt, wo die Krankheit im System fähig war, Menschlichkeit und damit die Menschheit zu vernichten.

Diejenigen, die glauben, es müssten nur diese oder jenen bösen Personen oder diese und jene Institutionen, Netzwerke und Kontrollsysteme abgeschafft werden, sind übrigens oft auch diejenigen, die daran zweifeln, ob die Rebellen und ihre Anführer nicht vielleicht doch auch zu den Bösen gehören und nur ein doppelt böses Spiel mit uns spielen. Die ist ganz einfach zu widerlegen: die Kabale braucht schlafende Menschen. Wer sich für das Aufwachen einer kritischen Masse engagiert kann gar nicht zu ihr gehören. Das System der Psychopathen war bereits so sicher, stabil und machtvoll, dass es überhaupt keiner Sonderaktionen, schon gar nicht solch riskanter mehr bedurft hätte. Mit schlichter Logik betrachtet liegt damit der Beleg auf der Hand, wer zu den Systemumwandlern gehört und jeweils in welchem Grade: wir müssen nur schauen wie sehr jemand engagiert ist, aufzuklären, Transparenz zu schaffen und Bewusstsein mit eigenständigem Denken und Hinterfragen anzustoßen.

Was ist der Staat?

Ein weiteres Problem in der Debatte um Freund und Feind, Tiefstaat, Kabale und Patrioten ist die gängige Verwechslung und Vermischung von „Staat“ und „Regierung“. Der Staat besteht aus all den Menschen, die sich zu einer bestimmten gemeinschaftlichen Organisation bekennen und zugehörig fühlen. Der Staat ist zunächst einmal einfach die Gesamtheit dieser Menschen. Die Regierung hingegen ist nur ein Organ, das innerhalb eines Staates aber auch ohne einen Staat eine gewisse Macht bekommen und ausüben kann, nämlich die Macht, Gesetze und Bestimmungen zu erlassen und durchzusetzen. Ein diktatorisches System kann eine Regierung haben, wie auch die Mafia, eine Sekte oder ein Verein für Dackelzucht.

Ein Staat ist jedoch mehr als bloß ein Verbund von Menschen. Er besteht aus einer Ordnung, die sich die Menschen im Verbund miteinander geben. Diese Ordnung sorgt dafür, dass aus der Masse an zugehörigen Menschen ein übergeordneter Organismus entsteht, in dem jeder einzelne ein Organ ist. Der wichtigste Aspekt dieser organismischen Ordnung ist das Bewahren seiner Gesamt-Intaktheit und der Intaktheit jedes einzeilnen Organs. Wenn jedes Organ diese Kraft und Ordnung in hohem Maße in sich trägt, dann kann sich die Ordnung des Staates darauf stützen und braucht kaum zusätzliche Regulierungs- und Ordnungskräfte aus seiner übergeordneten Gesamtheit. Wenn jedoch die einzelnen Menschen eher schlaff und desorientiert sind, dann muss der Staat, aus übergeordneten Ebenen sehr stark ordnend und bestimmend auf das Individuum einwirken. Dies gilt ebenso für alle anderen Aspekte der menschlichen Gemeinschaft: je weniger Verantwortung der einzelne trägt, desto mehr muss diese von Instituitionen und Systemen übernommen werden; je weniger motiviert, selbstbestimmt, entwicklungsfreudig, fair, moralisch oder sozial die Menschen sind, desto mehr müssen Metastrukturen des Staates Ersatz schaffen und die Menschen in eine Gesamtheit zwingen. Diese wird dann jedoch immer weniger organisch und unterdrückt immer mehr den Einzelnen zugunsten eines strengen, starren und leblosen Systems, das auf Ideen und Konzepten beruht, und nicht auf lebendig von innen gestaltenden Menschen. In solchen quasi-toten Systemen florieren dann auch halb-tote, asoziale Charaktere am besten: Bürokraten, Psychopathen, Durchgeknallte, Degenerierte und Kriminelle. Die fehlende Vitalität der Menschen erzeugt einen morbiden Staat. Und je weniger die Menschen das Staatliche, also gemeinschaftlich Ordnendes und lebendig Organisierendes in sich tragen, desto diktatorischer und autoritärer muss Ordnung von oben übergestülpt und erzwungen werden.

Dadurch entsteht leider ein Teufelskreis, denn ein autoritäres, fremdbestimmendes System erzeugt keine autonomen, selbstbestimmenden Menschen, sondern schwächt sie umso mehr, was dazu führt, dass solche Systeme ohne Einfluss von außerhalb immer weiter in menschliche Abgründe und Degeneration herabgleiten.

Wir müssen hier weder in Geschichte, Staatsrecht noch politische Analysen einsteigen um einzusehen, dass wir heute keinen oder so gut wie keinen organischen, gesunden Staat mehr haben. Schon allein deshalb, weil die Menschen hierzulande sich kaum noch zu einer gemeinsamen Ganzheit bekennen.  Wir formen keinen Körper mehr, sondern leben in einer mit zunehmender Gewalt und Kontrolle zusammengehaltenen losen Ansammlung, in der es kein einheitliches Zugehörigkeitsgefühl mehr gibt und jeder mehr oder weniger die Haltung einnimmt, dass jeder allein für sich selbst kämpfen muss und man nur im Notfall nach der Autorität und Hilfe des Staates ruft, die jedoch als fremde Macht eingreifen und retten soll.

Unser Zusammengehörigkeitsgefühl wurde über Jahrzehnte hinweg sukzessive zerstört. Wahrscheinlich mit dem Ziel, ganz sicher aber mit dem Ergebnis, dass wir nun innerlich und äußerlich nicht nur staatenlos sind, sondern staatsunfähig, weil nicht mehr souverän aus unserem Bedürfnis nach Verbund, Sicherheit und Ordnung agierend. Wir sind von Generation zu Generation und besonders über die letzten 30 Jahre in einen allgemeinen Zustand der Unreife und damit Unmündigkeit degeneriert und agieren jetzt wie verwirrte Kinder, die nur noch durch Kontrolle von außen, also Fremdsteuerung zu lenken sind.

Wollen wir das? Diese Frage ist heikel, denn wir wissen nicht, von wem wir eine korrekte und belastbare Antwort bekommen können. Von den verwirrten und indoktrinierten Kindern? Sie können antworten, aber sie können nicht korrekt, nicht in ihrem wahren eigenen Interesse antworten.

Ebenso schlagen immer wieder veränderungswillige Stimmen vor und fordern ein, dass man das Volk – also alle Menschen – endlich wieder entscheiden lassen und dafür befragen sollte. Man kann das Volk aber nur befragen, wenn es antwortfähig ist. D.h. es muss die Frage verstehen, es muss die Fähigkeit und Souveränität haben, sich selbst (als Adressat der Frage) in seiner Antwort zu vertreten und es muss fähig sein, die Antwort angemessen zu artikulieren. Es ist nicht schwierig zu belegen, dass diese Kriterien in Deutschland momentan von der Masse gar nicht erfüllt werden können. Deshalb machen Befragungen und Wahlen in dieser Stufe der Entwicklung (bzw. Degeneration) noch gar keinen Sinn. Sinn macht jetzt und absolut notwendig ist jetzt, dass das Volk ersteinmal wieder antwortfähig und befragbar wird. Dann erst haben wir einen Zustand von Souveränität. Verwirrte, verängstigte, hilflose und manipulierte Kinder kann man nicht zu Entscheidungen befragen. Das ist auch vor Gericht so.

Das ist der Grund, warum alle Wahlen in den letzten Jahrzehnten nichts weiter als eine Farce, eine Augenwischerei waren. Es wurden Ergebnisse produziert von denen, die diese Wahlen veranstalteten, steuerten und entsprechend vorbereiteten. Wir haben eine durchorchestrierte und gesteuerte Show nach Drehbuch präsentiert bekommen, um uns gut zu fühlen. Aber nicht um irgendetwas mitzugestalten.

Unser völlig verdrehtes Verständnis von Demokratie beruht letztlich auf dem Glaubenssatz: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“ Das reicht aber nicht. Es muss auch solche geben, die an das Ganze denken. Das Ganz ist mehr als die Summe seiner Einzelnen. Unsere „Jeder denkt an sich und seine Interessen“-Demokratie muss scheitern, weil das zusammenfassend Gemeinsame nicht mehr beachtet wird und verloren geht. Für Kriminelle, die das System kapern wollen, ist das natürlich günstig und erwünscht, denn sie können das Ganze dann übernehmen – allerdings ohne Verantwortungsgefühl und zum Schaden aller anderen.

Niemand würde auf die Idee kommen, dass auf einer Flugreise der Pilot von den Passagieren „demokratisch“ gewählt werden sollte. Denn es ist klar, dass derjenige Pilot sein sollte, der die besten Kompetenzen dazu hat. Solange die Passagiere bei Verstand sind, würden sie diese kompetenteste Person ja auch von sich aus wählen, weil ihnen ihr Bedürfnis – nämlich sicher zu reisen und anzukommen – bewusst ist und an oberster Stelle steht. Und es ist allen gemeinsam.

Was aber, wenn es eine kleine Gruppe von Luftpiraten im Flugzeug gibt, die dafür werben, dass die Pilotenwahl geändert werden muss, weil sie ungerecht sei? Weil sie z.B. Frauen und Kindern zu wenig Chancen gäbe? Oder Behinderten. Weil sie historisch veraltet und patriarchalisch sei. Sie gründen also eine Partei der Fairness, Freiheit und des Friedens (‚FFF‘) und setzen sich dafür ein, dass in Zukunft jeder mal Pilot sein kann und alles andere unmoralisch und unmenschlich sei. Wenn ihre Propaganda gut genug ist und lang genug wirkt, wird diese Partei einigen Zulauf bekommen, vor allem wenn es den Passagieren rundum gut geht und sie keinen Grund haben, über die Pilotenfrage ernsthaft nachzudenken. Man wird Jugend-Bewegungen organisierne können, in denen man die Ängste der jungen Menschen aufgreift und ihnen eine bessere Zukunft mit frei zugänglichem Cockpit verspricht. Als nächstes werden die Anhänger der neuen Partei Minderheitenschutz beantragen, sich als unterdrückte Opfer der Allgemeinheit aufführen, am lautesten herumkrakelen, besondere Regeln zur Umerziehung der anderen einfordern, damit sie alle endlich gerechter, moralischer, ökologischer, demokratischer usw. werden, und schließlich werdne sie dafür sorgen, dass zumindest der Co-Pilot auch mal ein behindertes Kind oder eine kurzsichtige 85-jährige sein können. Aus ökologischen Gründen sollten außerdem die Triebwerke häufiger abgestellt werden und die Toiletten überwiegend geschlossen bleiben.

Was passiert dann irgendwann? Das Flugzeug stürzt ab. Und warum? Weil die Mehrheit ihr Hauptbedürfnis (Sicherheit und Wohlfahrt) vergessen hat und sich hat hypnotisieren lassen von nachrangigen Werten und Ideen, ohne sich um den Gesamtrahmen, um das Gesamtwohl zu kümmern. Diese Vergessenheit oder Nachlässigkeit ist der Grund dafür, dass verkehrte und zerstörerische Ansichten an die Macht kommen. Und wir können diesen Zustand als Schlaf, am ehesten als moralischen Schlaf bezeichnen.

Genau so kapert man auch Völker und Nationen (dauert nur ein paar Jahre länger) und führt sie in den Absturz oder in die Sklaverei. Bis die Passagiere eines Tages wieder aufgeweckt werden, weil irgendetwas sehr sehr unbequem geworden ist während das Flugezug in den Sturzflug fällt…

Was hat all das mit Corona zu tun?

Wir sehen an den Zuständen der Menschheit sowohl im Globalen auf höchster Organistaionebene als auch im einfachen eigenen Alltagsgeschehen, dass unser Leben keinen Raum mehr hat, sich an menschlichen Werten auszurichten. Dass wir den Bodenkontakt verloren haben und uns nur noch als Teile mächtiger, anonymer und computerisierter Systeme selbst verlieren. Dabei ist auch der gesunde Menschenverstand als Steuerzentrale verloren gegangen. Vor allem aber leben die Menschen in einer unheimlichen Lähmung und Starre, die sie in dem Teufelskreis aus Unterdrückung, Überforderung und innerem Kollaps gefangen hält.

All das lässt sich nicht verändern, indem man hier und da für kleine Verbesserungen kämpft. Es gibt wegen der moralischen Entkräftigung der Menschen auch keine Möglichkeit, das System „von unten“ durch Massenbewegungen zu verändern. Systeme organisieren sich niemals besser von unten. Revolutionen erhöhen stets nur Chaos, Willkür und Autoritätsherrschaft. Es ist stets das Gehirn, das die Muskeln besser koordiniert. Niemals können die Muskeln eine Revolution starten, die ein besseres Gehirn hervorbringt. Die Flunkereien von den „Graswurzelbewegungen“ und dem „Aufstand der Massen“ sind leicht zu durchschauen, wenn wir verstehen, dass Organismen und erst recht unlebendige Systeme immer nur von oben, nur top-down optimiert werden können. Alles andere ist bloß Fragmentierung, Zerfall und Auflösung.

Was auch immer hinter Corona steht, es hat eine enorm koordinierende und steuernde Kraft. Es ist stark genug, alles umzudrehen. Es ist stark genug, die Menschen während des Sturzfluges aufzuwecken und gleichzeitig soweit unter Kontrolle zu halten, dass keine überbordenden Massenpaniken ausbrechen. Es ist stark genug, immer mehr Menschen zu einem Bewusstsein der Tatsachen zu bringen und aus ihren eindoktrinierten Weltbildern und Glaubenssystemen heraus zu holen. Es ist stark genug, die mächtigsten Figuren des bisherigen Systems umfallen zu lassen wie die Fliegen und die bisher ohnmächtigsten Menschen an die Front der Veränderung zu holen.

All die hunderte von erstaunlichen Geschehnissen, Schauplätzen und Entdeckungen der letzten 12 oder 36 Monate, die für sich gesehen zufällig und losgelöst erscheinen (und in der Mainstreampresse so gut wie komplett nicht-existent sind), ergeben von hoher Warte aus betrachtet ein völlig kohärentes Gesamtbild mit einer einheitlichen Ausrichtung: Gesamt-System-Wechsel; die kontrollierte Beendigung des alten Systems und gleichzeitige Etablierung eines neuen Systems auf der Basis ganz anderer Werte und Ideen. Wie kann so ein klar ausgerichtetes Gesamtbild auf allen Ebenen menschlichen Lebens, in der nationalen und Geo-Politik, in der Wirtschaft, im Gesundheitsbereich, in den Wissenschaften, im Sozialen, in den Medienlandschaften, in Verwaltungsprozessen, bis in die Themen der Alltagsgespräche und in Familien hinein so einheitlich und ausgerichtet sein, wenn es nicht von einer intentionalen und vorausschauenden Position aus koordiniert und gelenkt ist?

Wer nur von mittendrin aus schauen und sich herumwirbeln lassen kann, dem kommt das Ganze im Moment noch nur als Chaos und wirre Bedrohung vor. Vor allem im Verhältnis zu der bequemen und gewohnten Ruhe davor. Wir müssen von sehr weit oben auf alles drauf schauen, um zu sehen, dass diese Kraft der Umdrehung eines ganzen hunderte Jahre alten Systems von Machtmissbrauch, Betäubung und Zerstörung in sein Gegenteil nur zielsicher wirken kann, wenn sie intelligent und kontrolliert arbeitet. Das bedeutet, sie muss innerhalb der bestehenden Macht-Hierarchien menschlicher Organisationen von oben nach unten wirken. Wirksamkeit braucht menschliche Macht, also Können. Ganz oben anfangen bedeutet, bei den Mächtigsten zu beginnen und von dort aus Ebene für Ebene, Stufe um Stufe die Hierarchie-Pyramide der Macht hinab zu arbeiten bis hinunter zum Einzelnen in der Bevölkerung, der nur über sich selbst und sonst niemanden bestimmen kann.

Das braucht Zeit. Solange dieser Umdrehungsprozess von oben nach unten läuft, gibt es immer wieder die skurille Situation, dass obere Ebenen schon „gedreht“ sind, während sich untere Ebenen noch ganz und gar im alten vertrauten System bewegen. Die als nächstes folgende Umdreh-Ebene wird die am meisten verunsicherte sein und sich dadurch wahrscheinlich auch am lautesten bemerkbar machen. Daran können wir erkennen, wieweit der Prozess schon ist.

Bevor die Menschen in allen Ländern mit dem Killer-Virus-Märchen und Maskenverordnungen bombardiert wurden, wussten sie von dem bevorstehenden Wechsel nichts und bekamen nichts mit. Sie waren noch sicher eingepackt in das Narrativ des Altbekannten. Nun aber sind sie verunsichert und suchen nach Halt. Das zeigt uns, dass der Top-down-Umdrehungsprozess bereits auf der untersten Ebene angekommen ist. Was wiederum bedeutet, dass er kurz vor dem Abschluss steht und längst konsolidiert ist.

Was bist Du, Corona?

Ist dies ein menschengemachter Wandel?

Ich würde sagen, es ist ein menschen-mitgemachter Wandel. Die Kraft hinter Corona wirkt durch Menschen, aber sie kommt nicht von Menschen. Die Kraft der Umdrehung vom Kranken ins Gesunde, vom Falschen ins Richtige und vom Denaturierten ins Natürliche ist eine psychisch-geistige Kraft, die unabhängig von Zeit und Raum Teil des Menschheitsgeistes ist. Sie kann sich stärker oder weniger stark manifestieren und durchsetzen, was wiederum von geistigen Dynamiken, Gesetzen und Notwendigketen bestimmt wird. Wir Menschen drücken diese Kraft durch unser Denken und Handeln lediglich aus.

Das, was wir „Corona“ nennen ist ein Erkennungszeichen dieser Kraft von vielen. Es ist die einfache dinghaft-bildliche Version von dem Wandel, der gerade geschieht. Es/Er/Sie ist zunächst einmal die bis ins Körperliche und Alltags-Soziale heruntergebrochene Botschaft, dass es nicht mehr so weitergehen kann und dass es sehr unangehm spürbare Gründe gibt, warum sehr vieles und sehr Grundlegendes jetzt ganz anders werden muss und demnächst auch ganz anders wird. Überbringer von Botschaften werden im Griechischen ángelos (ἄγγελος, ‘Bote, Botschaft’) genannt. Wir haben daraus das Wort Engel gemacht. Und da ist kein Zweifel: wenn dermaßen umwälzende, allebetreffende und große Prozesse so angekündigt werden müssen, dass alle Menschen sie erkennen und eine Chance zum Mitgehen und zur Anbindung bekommen, dann werden sicher Engel mit im Spiel sein. Wie anders soll sich diese übermenschliche Kraft sonst bemerkbar machen? Wenn alle Menschen erst dann aufmerksam werden, wenn es um einen Killer-Virus geht, dann wird diese Kraft eben durch das Kostüm eines Virus-Märchens sprechen und wirken.

Natürlich macht dieser längst wirkende Wandel den Menschen Angst. Bereits kleine Veränderungen machen den meisten Angst, umso mehr also solch große, für die wir über hunderte von Jahren rückblickend kein Vorbild und in uns keine Orientierung finden. Was uns Angst macht ist das Unbekannte, das Unheimliche und starke Energien, die wir nich kanalisieren können. Die Menschen haben nicht Angst wegen eines Killer-Virus, sondern sie werden durch das Unbekannte hinter Corona in den Zustand von Angst versetzt und die Erzählung vom Virus bindet diese Angst an etwas Greifbares. Da spielt es keine Rolle, ob dieses Etwas real oder Fantasie ist. Die Funktion des Virus-Narrativs ist die Bündelung von Irritation, Sorgen und Verwirrung zu einem sozial mitteilbaren Feindbild. Sobald dieses nicht mehr gebraucht wird, weil der Umbau der Welt soweit fertig ist, dass sie wieder frei benutzbar ist, wird ein neues Narrativ von einem Heil- oder Schutzmittel gegen alle Corona-Gefahren auftauchen und die Sache ist erledigt.

Also, wir haben nicht Angst, weil es den Virus gibt. Wir haben nicht all diese Einschränkungen unseres sozialen und natürlichen Lebens, weil es eine „Epidemie“ gibt. Nein, wir haben eine „Epidemie“, weil wir die Einschränkungen brauchen. Es gibt das Virus, weil wir Angst haben.

Und im Moment erleben wir die großen Auftritte bestimmter Angsttypen, besser gesagt verschiedener neurotischer Abwehrtypen gegen Angst, die im allgemeinen Milieu von Angst, Verunsicherung und Desorientierung zu Glanzauftritten ihrer persönlichen Perversion aufblühen:

  • Den zwanghaften Bürokraten, der durch Angst zur Massenproduktion von immer mehr und genaueren Gesetzen und Verordnungen angetrieben wird. Er möchte alles Leben und alle Welt in ein mechanisch kontrolliertes Uhrwerk verwandeln und verzweifelt an jedem neuen Beweis der Unmöglichkeit dessen.
  • Den antisozialen Psychopathen, für den Angst schon immer das belebendste Grundelixier darstellte, weil sein ganzer Charakter auf Angstmechanismen beruht. Er glaubt, nun endlich die Herrschaft über die ganze Welt gewinnen zu können und alles für immer in Angst und Schrecken halten zu können.
  • Den aggressiven Chaoten, der Angst stets direkt in Zorn und Wut überträgt, um nur ja seine umfassende Ohnmacht nicht zu spüren, und deshalb regelmäßige Gelegenheiten braucht, auf irgendetwas einzuschlagen, etwas zu zerstören oder zumindest laut schimpfend durch die Straßen zu ziehen. Die Antifa freut sich stets über Zulauf disregulierter Vandalen.
  • Den pedantischen Denunzianten, der von der Wahnvorstellung angetrieben wird, alle Angst würde verschwinden, sobald jede Form von Freiheit und Freizügigkeit unter Kontrolle oder ins Gefängnis gebracht wurde. Er muss dafür der überlasteten Polizei und seinem strategischen Komplizen, dem Bürokraten, stets Hilfe leisten, im Schutze irgendeiner Institution Selbstjustiz betreiben und die Bewegung anderer Lebewesen im Namen von Gesetz und Ordnung soweit wie möglich einschränken. Er steht unter chronischer Meldepflicht. Dieser besonders deutsche Angsttypus hat eine paranoide Tendenz, mit der er sich sogar für die Einhaltung von Regeln einsetzt, die es gar nicht gibt, aber seiner Meinung nach geben sollte, um die Welt zu einem kontrollierteren, sprich besser unterdrückten Ort zu machen.
  • Den Warner des sicheren Untergangs, der seit er sich erinnern kann ganz sicher weiß, dass die Welt bald untergeht und daran verzweifelt, dass er davon nur so wenige überzeugen kann. Deshalb gibt er sich über eigene Video-Kanäle oder erhöhtes Facebook-Engagement alle Mühe, uns über den Stand der aktuellsten und wahrscheinlichsten Bedrohungsszenarien auf dem Laufenden zu halten. Seine Angst versucht er durch vermehrte schwarzmalerische Aktivität abzubauen, in der heimlichen Hoffnung, dass seine eigenen Horror-Prophezeiungen am Ende die Realität übertreffen und er noch bedeutungsschwanger sagen kann: „Da haben wir aber noch mal Glück gehabt!“
  • Den hyperaktiven Macher, der Angst als permantenes Startsignal für Sprints und Langstrecken-Läufe interpretiert. Seine Lebenshaltung bei jeglicher Schwierigkeit leitet sich aus der instinktiven Traumareaktion von Kampf-oder-Flucht ab: „Es muss sofort etwas getan werden!“ Seine Unfähigkeit, nachzudenken und einen Überblick zu gewinnen kaschiert er mit existenziellem Handlungsdruck und Zeitmangel. Zögern bedeutet für ihn stets Verlust und Untergang. Deshalb möchte er impfen und geimpft werden bevor Impfstoffe überhaupt getestet geschweige denn auf Wirksamkeit geprüft wurden, er möchte Menschen verhaften und exekutieren, bevor ihre Schuld bewiesen ist, und alle Menschen, die Fragen stellen, um Erklärungen bitten, Zweifel anmelden oder gar Gegenargumente vorbringen per Befehl zu stillschweigendem Gehorsam und aktiver Hysterie-Teilnahme zwingen. Sein permanter Alarmzustand und Rettungszwang sorgen dafür, dass um ihn herum immer wieder Panik ausbricht, obwohl es gar keine Gefahr gibt.

Was alle diese Angsttypen gemeinsam haben, ist dass sie am alten System festhalten. Denn der Mensch sucht instinktiv Halt und Sicherheit im Bekannten und Gewohnten, egal wie schädlich und destruktiv es ist.

Die scheinbare Macht und Bedeutung dieser Angsttypen wird mit dem Ende der Umwandlungszeit jedoch spurlos verschwinden. In der Zwischenzeit dienen sie aber auch der Sache von Corona: sie sorgen für wachsenden Unmut und gesteigerte Aufmerksamkeit – beides wichtige Zutaten, um das notwendige Umdenken in den Köpfen von ausreichend vielen zu erzeugen. Daran sollten wir denken, wenn wir diese Menschen in Aktion sehen dafür, den Ausnahmezustand zu verlängern, weil er ihnen endlich eine Bühne gibt, ihre sonst unerwünschten Charakterschwächen voll und frei auszuleben. Sie schreiben und schreien davon, dass „Corona“ und Killer-Virus-Alarm niemals enden werden oder sollten. Wie schön das in ihrer Fantasie sein muss!

Den Ring schließen: Macht und Verantwortung

Der zentrale Wirkmechanismus der Kraft hinter Corona und Co. in den Köpfen und Herzen der Menschen scheint mir dieser zu sein: Macht und Verantwortung werden wieder zusammengebracht im menschlichen Miteinander auf dem gesamten Planeten. Macht und Verantwortung wurden in den letzten Jahrhunderten und bis in die 2010er Jahre hinein so weit auseinandergerissen, dass menschliches Leben sich nicht mehr frei entfalten und menschliche Moral und Geist sich nicht mehr durchsetzen konnten gegen die chaotischen Urkräfte ungezügelter Macht. Macht und Verantwortung gehören in gesunden menschlichen Systemen immer zusammen. Das lernen wir Menschen gerade neu. Macht ohne Verantwortung führt zu Korruption und Niedergang. Verantwortungsgefühl ohne Macht führt im besten Fall zu hilfloser Klugheit und Weitsicht, meist aber eher zu gelähmtem Entsetzen und Ohnmacht.

Jedes Mehr an Macht muss stets durch ein entsprechendes Mehr an Verantwortung balanciert werden. Dann blühen Menschen und menschliche Gemeinschaften auf. Corona und Co. sorgen dafür, dass nach langer Dissoaziation nun die Macht wieder Ebene für Ebene an Verantwortungsfähigkeiten und -gefühl, also an gewissenhafte, integere Menschen geknüpft wird.

Wir werden uns umgewöhnen und wieder lernen müssen, uns in solchen gesunden Hierarchien zu orientieren. Dazu gehört auch das Verständns dafür, dass Hierarchien wie Pyramiden nach oben dünner werden und eine Spitze haben und dass dies richtig so ist, weil nur so die Bündelung von Macht und Verantwortung und nur dadurch Ordnung, Förderung und Hilfe möglich sind. Macht wird dann wieder ein Werkzeug von Menschlichkeit und freier Entfaltung. Corona macht’s möglich.

Ich vermute sehr, dass es für weite Teile der Generation der jetzt Sechzig- und Älterjährigen fast unmöglich sein wird, die Tiefe dieses Wandels zu verstehen und mitzumachen. Das gilt vor allem für die Westdeutschen, weil es in Ostdeutschland seit DDR-Zeiten allen offensichtlich und bekannt war, dass die Bevölkerung vom System unterdrückt, belogen und kontrolliert wird. Dieses Bewusstsein hat sich im Westen nie entwickelt, wo der Betrug langsamer und sehr viel perfider aufgebaut wurde. Dieses Bewusstseins-Defizit für Richtig und Falsch wird für jemanden, der sein ganzes Leben lang nur das Weltbild von Tagesschau und Mainstream-Medien aufgesaugt und nie ernsthaft angezweifelt hat, kaum aufzuholen sein. Wir müssen bedenken, dass allein die Scham und Orientierungslosigkeit darüber, sein ganzes Leben lang belogen und betrogen worden zu sein, für die meisten unüberwindbare Hürden darstellen. Da wird es schwer überwindbare Schutzmechanismen geben, die sich den neuen Tatsachen und Aufklärungen entgegenstellen werden.

Schwer wird es voraussichtlich auch für die jetzt junge Generation der etwa 15 bis 30-Jährigen, denn obwohl sie noch viel mehr Kapazität zum Umlernen hätten, fehlen ihnen im hohen Grade die Fähigkeiten der Realitätsanbindung, weil sie von Geburt an einer durch und durch ideologisierten, irrealen und entmündigenden Pädagogik ausgesetzt waren, aus der die meisten ihre einzige verlässliche Basis für Identität und Weltverständnis ziehen. Wenn diese künstlich erzeugten Selbst- und Weltbilder wegbrechen, weil sie nicht mehr medial und durch Massenmanipulation (social engeneering) gestützt werden, werden die Menschen dieser Generation – insbesondere im Westen – in ein psychisches Loch aus Mangel an eigener Substanz fallen, in dem sie gesellschaftlich erstmal wieder aufgefangen werden müssen. Es ist mir zumindest unmöglich, mir diese Generation als Träger des aktuellen Wandels vorzustellen, auch wenn sie sich selbst dafür seit eh und je hält.

VielViel einfacher wird der Wandel vermutlich zu integrieren sein für die jetzigen Kinder ab etwa Jahrgang 2008, weil sie schnell umlernen und das ergreifen können, worauf sie schon seit langem warten: eine mitgestaltbare positive Zukunft. Und so wird es auch der Generation der jetzt 40-60-Jährigen gehen, die in ihrer Jugend noch nicht so kosequent ideologisch verdreht wurde und deshalb ein aktives Potential für gesunden Menschenverstand und umsichtiges Denken in sich trägt. Das dürfte auch die Generation sein, die den tragenden Mittelstand unserer Gesellschaft bildet und deshalb wichtigster Motor und Tragfläche im neuen Wirtschaftssystem sein wird.

Corona Immaculata

Verstehen wir also dies: wir haben es hier mit einer psychisch-geistigen Kraft zu tun, die über jegliche menschliche und kreatürliche oder planetarische Macht hinausgeht. Sie steuert all das, was wir mit Macht verbinden. Sie ist der Chef über alle menschliche Macht und irdische Wirksamkeit.

Deshalb kann nichts und niemand sie bremsen oder verhindern. Weil wir als Menschheit von dieser und anderen Kräften abhängen. Deshalb kann auch nichts aufhalten, was seit Jahren und immer anfassbarer kommt. Deshalb braucht es auch keine Aktion, keine besonderen Bemühungen, kein Extra-Engagement von irgendjemandem über die eigene Stimmigkeit und die eigene schlichte Authentizität hinaus. Wir könnten das Wirken dieser Umdreh-Kräfte zwar hier und da ein wenig stören, indem wir uns mit Gegenkräften verbinden und Widerstand leisten. Aber das würde uns bloß selbst schaden, weil die Kräfte in uns aufeinanderprallen und uns zerreißen würden. Viele Menschen, die sich psychisch nicht von den Gegenkräften lösen können, werden diese schmerzhafte Erfahrung machen.

Ich sage es gern noch einmal: wir müssen nichts tun. Nur dem folgen, was sich im Fluss der Dinge für uns stimmig ergibt.

Ein gesunder Staat ergibt sich aus Menschen, die mit sich selbst übereinstimmen und ihren Talenten folgen. Das ist der Grundzustand, der als erstes (wieder)hergestellt werden muss. Keine personelle oder institutionelle Veränderung kann diese Basis ersetzen. Nur vorübergehend können Institutionen streng dafür sorgen, dass der Rahmen für die Wiederherstellung –  in unserem Falle der Souveränität – geschützt und eingehalten wird.

Dem Regisseur kann keiner in die Karten schauen und wir wissen nicht, welche Rolle er für uns vorgesehen hat. Aber wir können wahrnehmen, dass wir im laufenden Spiel unsere Rolle richtig spielen. Weil es sich dann richtig anfühlt. Weil es dann mit der übergeordneten Kraft geht und nicht gegen sie. Und jeder wird sein Mitgehen anders ausdrücken.

An den/die/das hinter Corona kommt niemand heran. Es ist wirk-lich und deshalb unberührbar und unbefleckt von jeder zeitlich-räumlichen Wirkung. Es leuchtet von einer Ebene des Seins aus, die immer leuchten wird, immer als Hilfe von uns empfangen wird, wenn wir für Hilfe offen sind, immer als Kraft bei uns ankommt, wenn wir für Kraft empfänglich sind, und immer als ein kurioses Killer-Virus von umgedrehten Flughunden verkleidet auftauchen wird, wenn so ein Killer-Virus für die Umdrehung zum Licht notwendig ist. All das nicht nur immer, sondern in Ewigkeit. Amen.

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Gold zu Stroh – wie unser Geldsystem echte Werte zersetzt


Einleitung

Der letzte Artikel dieser Reihe war ein langer Exkurs über die Kräfte, die unser Denken lähmen, blockieren und von der Realität abkoppeln. Wer gut zwischen den Zeilen lesen kann, der wird in dem Artikel auch schon Richtungsweiser für Lösungen und für die Wiederherstellung des Denkens durchschimmern gesehen haben. Den ausführlichen Darlegungen dazu widme ich mich erst in den letzten Teilen dieser voraussichtlich neunteiligen Reihe.

In diesem Artikel werden wir uns den ersten von insgesamt noch drei weiteren wichtigen Aspekten unserer kulturellen Degeneration anschauen, nämlich das Unverständnis des Phänomens Geld. Danach gehe ich noch auf den intelligenzmindernden Einfluss der „akademischen Bildung“ und schließlich auf die lähmenden Effekte von Pseudo-Spiritualität à la „New Age“ und „Esoterik“-Markt ein – beides Felder, von denen sich geistig-moralische Desorientierung und Verwahrlosung ausbreiten.

Für die Betrachtung des Themas „Geld“ sollten wir gewappnet sein mit dem Wissen um die merkurischen Verwirrungen und hermetische Unreife und auf der Hut bleiben, dass uns ein selbstverliebter Intellekt nicht mit Voreiligkeit, Schablonen-Meinungen, Denkfaulheit und Bequemlichkeitsdenken vom Weg abbringt.

Dieser Weg sollte ein Weg zu mehr Verständnis und zunehmender Klarheit sein. Verständnis zeigt sich darin, dass wir einzelne Informationen, Erfahrungen oder Aspekte in einem größeren Zusammenhang sehen und einordnen können. Echtes Verstehen beruht vor allem darauf, dass wir einen Bezug von solchen Fragmenten zu uns selbst herstellen können, nur dadurch bekommt Wissen auch eine Bedeutung. Bezug zu uns selbst herstellen können wir nur, indem wir Wissen bzw. Informationen mit eigenen Erfahrungen und Werten verknüpfen. Gesammelte und auswendig gelernte Informationen können deshalb niemals zu Verstehen führen, sondern bloß zu einem konditionierten Wasserkopf.

Das Mittel gegen aufgeblähte Wasserköpfe, falsche Überzeugungen und fragmentierte Glaubensinhalte ist der Widerspruch. Nur wenn wir auf Widersprüche stoßen und sie uns näher ansehen, können wir unsere Ansichten ändern. Nur wenn wir auf Informationen oder Erfahrungen stoßen, die nicht in unsere bisherigen Erklärungs- und Glaubensraster passen, bekommen wir die Chance, ein neues, umfassenderes Verständnis zu entwickeln. Dafür müssen wir jedoch die Angewohnheit ablegen, Widersprüche als Angriff auf uns selbst zu interpretieren und sie mit mentaler Selbstverteidigung abzuwehren. Es geht dabei weniger um falsch oder richtig als vielmehr um bessere Integration in umfassendere Konzepte.

Wenn Glaubenssätze oder eine Theorie nicht zur Realität oder Erfahrung passen, was ist dann falsch – die Theorie oder die Realität?

Menschen, die sich mit ihren Meinungen und Anschauungen identifizieren, wenden eine Menge Energie auf, um sich gegen neue, unbekannte und unpassende Informationen zu wehren, weil sie sich bedroht fühlen. Sie reagieren mit ihrem Überlebensinstinkt. Es reicht in solchen Momenten, einen tiefen Atemzug zu nehmen, sich umzuschauen und hier und jetzt zu realisieren, dass es keine Gefahr gibt – auch wenn man seine Meinung über die Welt über den Haufen werfen muss. Die Fähigkeit dazu ist ein wichtiger Aspekt von Intelligenz und erlaubt lebenslanges Lernen. Beides zusammen erhöht die Lebensqualität und -tiefe in allen Bereichen, ganz besonders im Geistigen. Dafür lohnt es sich.

Was ist Geld?

Geld ist eine Erfindung, ein Konstrukt, ein Hirngespinst. Diese einfache Tatsache muss man sich immer wieder vor Augen führen, denn überall da, wo mit Geld hantiert und argumentiert wird, gerät man leicht in den hypnotischen Sog, es als eine naturgegebene Kraft oder ein reales Etwas zu betrachten. Seiner Natur nach ist Geld jedoch ein Fantasieprodukt. Wer sich Geld nicht vorstellen kann, für den kann es auch keines geben. Oder genauer gesagt: Geld existiert nur in und durch unsere Vorstellung. Der Wert, den wir Geld beimessen, beruht auf unserer Fähigkeit, uns einen abstrakten, d.h. von unmittelbarer Erfahrung abstrahierten Wert vorzustellen.

In dieser Eigenart des Geldes liegt seine Stärke und seine Falle. Denn für sich genommen ist es wert- und bedeutungslos. Es funktioniert – als Tauschmittel, als Wertspeicher, als Umrechnungsgröße und eben ganz besonders als schillerndes, blendendes bis hin zum süchtigmachenden Faszinosum – nur deshalb, weil es eine leere Projektionsfläche ist. Was wir „Geld“ nennen ist eine leere, weiße Leinwand, auf die wir im Geiste Bedeutungen projizieren, für die es in nahezu unbegrenzter Vielfalt zur Verfügung steht, weil diese Leinwand stets weiß bleibt.

Natürlich fließen in diese Projektionen auch reale Erfahrungen, wiederholbare Handlungen, konstant verlässliche Ergebnisse ein, wer sich aber mit dem psychologischen Phänomen der Projektion nur ein wenig beschäftigt, der weiß, dass sie vor allem von unerfüllten Wünschen, von frustrierten Bedürfnissen und unbewussten Emotionen gesteuert und moduliert wird. Diagnostiker und Therapeuten bedienen sich sogenannter „Motiv-Tests“, die meist aus unvollständigen, mehrdeutigen oder ungenauen Bildern bestehen, um aus den Reaktionen und Interpretationen der Betrachter deren unbewusste Vorlieben, Motivation und Entscheidungsgründe herauszulesen. 

Geld ist ein solcher Motiv-Test. Wenn Experten über Finanzmärkte oder die Mechanismen der Börse sprechen, betonen sie gerne, dass sie stark durch psychologische und emotionale Faktoren beeinflusst werden. Tatsächlich sind sie aber durch und durch psychologische und emotionale Spiele, die auf Imagination, Bedürfnissen und emotionalen Projektionen beruhen – und aus ihnen gemacht sind. Nicht das ist erstaunlich. Erstaunlich ist bei näherer Betrachtung vielmehr, dass es tatsächlich auch noch sowohl reliable als auch valide rational-mathematische Erklärungs- und Vorhersagemodelle gibt. Zumindest temporär für gewisse Zeitabschnitte. Diese verlässlichen rationalen Berechnungsmodelle schwimmen wie Eisberge im großen Meer der irrationalen, emotional gesteuerten Fantasie-Dynamiken aller Geldspiele.

Doch sobald diese Spiele eine gewisse Betriebstemperatur archaisch-instinktiver Mechanismen erreichen, schmelzen die Inseln logisch-mathematischer Gesetzmäßigkeiten und lösen sich in komplexen psycho-emotionalen Verwirbelungen auf. Das hängt nicht vom Geld ab, sondern von der psychischen Grundverfassung der Spielteilnehmer und ihren ins Geld hinein-fantasierten Projektionen. Denn diese können sehr weit auseinanderdriften und sich mehr und mehr gewissen Regeln, Bräuchen und Beschränkungen entziehen. Dann haben wir es mit exzentrischen, megalomanen, sogar psychopathologischen Antriebskräften zu tun, die dem Geld und seinen Systemen ihre entgleisten und letztlich zerstörerischen Traumbilder aufoktroyieren und es damit über kurz oder lang in den Abgrund der Vernichtung reißen.

Es ist so als würden Kinder, die mit Knete spielen, plötzlich in einem Anfall unkontrollierter Gier oder Wahnvorstellungen beginnen, sich ihre Knete als wichtigstes Nahrungs- oder Heilmittel einzureden, sie zu essen, sich in die Ohren und Nase zu stecken bis sie umfallen. Und an dieser Analogie wird auch die gefährliche Falle eines Projektions-Konstruktes wie Geld erkennbar: wenn nämlich die Grenze zwischen Vorstellung und Realität so sehr verschwimmt, dass wir sie beginnen zu verwechseln. Dann wollen wir von Geld satt werden wie jemand, der eine Luftspiegelung in der Wüste für Wasser hält und im trockenen Sand verdurstet.

Wenn wir also erkennen, dass die Bedeutung von Geld und damit also auch sein Wert, seine Funktion, seine Verwendung und sein gesellschaftlicher Stellenwert auf Projektion und Vorstellungskraft beruht, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass wir jegliches Geldsystem nur insoweit regulieren, absichern und stabilisieren können, wie wir die Vorstellungen über das Geld steuern und regulieren können. Alles, was mit Geld zu tun hat, fängt in den Köpfen der teilnehmenden Menschen an.

Damit ist Geld ein Kulturphänomen, das auf geistiger Kultivierung beruht und auf sie angewiesen ist. Diese dafür notwendige Kultur als Basis geht weit über den intellektuellen und rationalen Drill der Ökonomie alias „Volkswirtschaftslehre“ oder „Betriebswirtschaftslehre“ hinaus. Diese Dressuren von Taktiken und fester Denk- und Reiz-Reaktionsschienen funktionieren als Erfolgsstrategien nur innerhalb einer gewissen verlässlichen Kultur, die die Dynamiken von Geld bestimmt. Diese „Wissenschaften“ sind vorübergehende künstliche Erzeugnisse von und innerhalb einer (Geld-)Kultur, die sie weder verstehen noch reflektieren. Denn der Wirt beweist sich ja nur durch geschicktes Handeln innerhalb des gegebenen Systems, das ihm die Regeln und die Spielfläche für seine Gewinnmaximierung zur Verfügung stellt. Diese Wirte sind allerdings aufgeschmissen, wenn das System, die Spielregeln und ‑dynamiken sich ändern – sie wurden nur für ein bestimmtes System trainiert. Und wahrscheinlich auch nur von diesem einen System.

Nur deshalb konnten Generationen von Kaufmännern und BWL-Studenten sich ihre wirtschaftlichen Erfolge und Konto-Expansionen mit einem festgelegten Arsenal an Strategien und Gewohnheiten herstellen ohne zu verstehen oder auch nur zu ahnen, von welchen Kräften und Strömungen sie dabei tatsächlich getragen wurden. Und das ist auch der Grund, warum jeder Erfolgling dieses Spiels, jeder Millionär, jeder Gewinnvertreter seine eigene und etwas andere Lieblingsphilosophie und -erklärung für seine Spieltriumphe hat: denn was tatsächlich zählte waren bestimmte Charaktereigenschaften und die individuelle Art und Weise, wie er sich die große Strömung persönlich zu Nutze machen konnte. Beides hat mit rationalen Ansätzen wenig zu tun. Es ist die psychische Passung zur jeweils wirksamen Geld-Kultur, was jemanden innerhalb des gerade gesetzten Spielszenarios erfolgreich macht. Wenn es eher archaisch skrupellos zugeht, dann gewinnt der Hemmungslosere, der sich nicht von moralischen Zweifeln bremsen lässt. Wo es eher berechnend und technisch zugeht, da gewinnt der kühle Stratege oder Programmierer. Wo es emotional-spontan zugeht, da wird der intuitiv Feinspürige größeren Gewinn machen. Und wenn es Korruptheit und Verantwortungslosigkeit braucht, dann wird derjenige sich finanziell durchsetzen, der sich an der Korruption am verantwortungslosesten beteiligen kann.

Nicht das Geld verdirbt den Charakter. Es ist der Charakter, also die Kultur, die die Bedeutung und Verwendung von Geld verderben.

Deshalb ist wenig damit zu erreichen, das aktuelle Finanzsystem zu ändern, wie diejenigen Finanzexperten vorschlagen, die seine Instabilität, seine Unnatürlichkeit und seine immanente Destruktivität erkannt haben. All diese Charakteristika inklusive ihrer Wirkmechanismen wie Zinseszins, privat gesteuerte Zentralbanken und Ponzi-Dynamik sind Ausdruck einer Geisteshaltung, einer Ideologie, eines Glaubenssystems, mentaler Richtlinien und Gewohnheiten, kurz: einer Kultur. Es ist richtig, dass das Spiel die Teilnehmer beeinflusst und formt, aber nichtsdestotrotz wird das Spiel von Spielern kreiert und aufrecht erhalten. Zu dem Spiel, das wir unser globales Geldsystem nennen, gehören die notwendige Inflation, der zyklische Währungszerfall, die Extremisierung von Verarmung und Hyperreichtum nicht nur als logische Konsequenz, sondern sie sind Intention und Ziel des Spiels selbst.

Denn es geht gar nicht um Geld – das ist frei erfindbar und stets nur Mittel zum Zweck – sondern um das Durchsetzen und Einüben von Haltungen und Überzeugungen dem eigenen Leben und der Gesellschaft gegenüber, die tief ins Existenzielle hinab reichen. Wer es schafft, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie für Geld arbeiten, dass Geld alles möglich oder unmöglich macht, dass also das Geld die Entscheidungen trifft, dass man ohne Geld gar nicht leben kann, dass Geld der beste Ausdruck von Wertschätzung, Anerkennung und Status ist, der hat die Menschen geistig gefangen genommen und versklavt. Sie leben dann in einer Art Hypnose, die sie durch ihre Teilnahme nur immer wieder bestätigen und deshalb auch immer wieder bestätigt finden. Ihre Projektionen in die Bedeutung von Geld sind so festgelegt, fremdgesteuert und im Kollektiv verbreitet, dass sie sie nicht mehr als reine Vorstellung erkennen können, sondern sie als reale Gegebenheit, als eine Art natürliche Ordnung annehmen. So lässt sich die natürliche Empfindung für Sinnhaftigkeit von allem wahrhaft und unmittelbar Sinnhaften umlenken auf das künstliche Konstrukt „Geld“, das wiederum in der konkreten Welt des Wirtschaftlichen frei erfindbar, druckbar, manipulierbar und steuerbar ist von denjenigen, die es durchsetzen, dass ihr Geld das einzige Geld ist.

Wir müssen uns klar machen, was das bedeutet: es bedeutet, dass uns die „Geldmacher“ ihre Projektionen aufoktroyieren und damit ihre Wertvorstellungen, ihre Bedürfnisse und Ziele, ihre Glaubenssätze und Prinzipien und ihre Haltung allem Leben und Gesellschaftlichen gegenüber. Ein essentieller Teil dieser Prinzipien ist, dass die Spielteilnehmer – also wir – nichts davon wissen, wer das Geld kreiert und darüber vollkommen willkürlich bestimmt, dass sie nicht wissen, dass sie an keiner natürlichen Dynamik teilnehmen, sondern am erfundenen Spiel dieser Entitäten; dass sie dieses Spiel ablehnen könnten und dass diese Entitäten gegen sie sind und ihr Spiel kreiert haben, um uns bis in die Wurzeln der Menschlichkeit hinein zu stören. Wer daran zweifelt, der muss sich nur die Dominanz des Finanzsystems über alle Bereiche der Gesellschaft in den letzten hundert Jahren anschauen und wie sie Schritt für Schritt alles Geistige und Moralische aus unserer Kultur zersetzt und vertilgt hat. Wir werden weiter unten noch dazu kommen, wenn wir uns die Wirkung des Ponzi-Schemas anschauen.

Wer eine Alternative zu unserem seit über hundert Jahren gewohnten Geldsystem denken möchte, der muss eine andere Kultur denken. Diejenigen, die glauben, ein neues Geldsystem würde uns aus dieser umfassenden Misere erretten, sind nicht weit genug der Verursachungskette gefolgt. Nur insofern als ein anderes Geldsystem den Menschen andere Erfahrungen, dadurch eine andere Haltung und Denkweise und schließlich eine andere Souveränität der Selbstbestimmung ermöglicht, ist es als Träger einer kulturellen Veränderung sinnvoll. Der Träger des neuen Geldsystems kann jedoch nur eine neue geistige Haltung sein, die bereit ist, ein ganz neues „Spiel“ zu definieren