Gold zu Stroh – wie unser Geldsystem echte Werte zersetzt


Einleitung

Der letzte Artikel dieser Reihe war ein langer Exkurs über die Kräfte, die unser Denken lähmen, blockieren und von der Realität abkoppeln. Wer gut zwischen den Zeilen lesen kann, der wird in dem Artikel auch schon Richtungsweiser für Lösungen und für die Wiederherstellung des Denkens durchschimmern gesehen haben. Den ausführlichen Darlegungen dazu widme ich mich erst in den letzten Teilen dieser voraussichtlich neunteiligen Reihe.

In diesem Artikel werden wir uns den ersten von insgesamt noch drei weiteren wichtigen Aspekten unserer kulturellen Degeneration anschauen, nämlich das Unverständnis des Phänomens Geld. Danach gehe ich noch auf den intelligenzmindernden Einfluss der „akademischen Bildung“ und schließlich auf die lähmenden Effekte von Pseudo-Spiritualität à la „New Age“ und „Esoterik“-Markt ein – beides Felder, von denen sich geistig-moralische Desorientierung und Verwahrlosung ausbreiten.

Für die Betrachtung des Themas „Geld“ sollten wir gewappnet sein mit dem Wissen um die merkurischen Verwirrungen und hermetische Unreife und auf der Hut bleiben, dass uns ein selbstverliebter Intellekt nicht mit Voreiligkeit, Schablonen-Meinungen, Denkfaulheit und Bequemlichkeitsdenken vom Weg abbringt.

Dieser Weg sollte ein Weg zu mehr Verständnis und zunehmender Klarheit sein. Verständnis zeigt sich darin, dass wir einzelne Informationen, Erfahrungen oder Aspekte in einem größeren Zusammenhang sehen und einordnen können. Echtes Verstehen beruht vor allem darauf, dass wir einen Bezug von solchen Fragmenten zu uns selbst herstellen können, nur dadurch bekommt Wissen auch eine Bedeutung. Bezug zu uns selbst herstellen können wir nur, indem wir Wissen bzw. Informationen mit eigenen Erfahrungen und Werten verknüpfen. Gesammelte und auswendig gelernte Informationen können deshalb niemals zu Verstehen führen, sondern bloß zu einem konditionierten Wasserkopf.

Das Mittel gegen aufgeblähte Wasserköpfe, falsche Überzeugungen und fragmentierte Glaubensinhalte ist der Widerspruch. Nur wenn wir auf Widersprüche stoßen und sie uns näher ansehen, können wir unsere Ansichten ändern. Nur wenn wir auf Informationen oder Erfahrungen stoßen, die nicht in unsere bisherigen Erklärungs- und Glaubensraster passen, bekommen wir die Chance, ein neues, umfassenderes Verständnis zu entwickeln. Dafür müssen wir jedoch die Angewohnheit ablegen, Widersprüche als Angriff auf uns selbst zu interpretieren und sie mit mentaler Selbstverteidigung abzuwehren. Es geht dabei weniger um falsch oder richtig als vielmehr um bessere Integration in umfassendere Konzepte.

Wenn Glaubenssätze oder eine Theorie nicht zur Realität oder Erfahrung passen, was ist dann falsch – die Theorie oder die Realität?

Menschen, die sich mit ihren Meinungen und Anschauungen identifizieren, wenden eine Menge Energie auf, um sich gegen neue, unbekannte und unpassende Informationen zu wehren, weil sie sich bedroht fühlen. Sie reagieren mit ihrem Überlebensinstinkt. Es reicht in solchen Momenten, einen tiefen Atemzug zu nehmen, sich umzuschauen und hier und jetzt zu realisieren, dass es keine Gefahr gibt – auch wenn man seine Meinung über die Welt über den Haufen werfen muss. Die Fähigkeit dazu ist ein wichtiger Aspekt von Intelligenz und erlaubt lebenslanges Lernen. Beides zusammen erhöht die Lebensqualität und -tiefe in allen Bereichen, ganz besonders im Geistigen. Dafür lohnt es sich.

Was ist Geld?

Geld ist eine Erfindung, ein Konstrukt, ein Hirngespinst. Diese einfache Tatsache muss man sich immer wieder vor Augen führen, denn überall da, wo mit Geld hantiert und argumentiert wird, gerät man leicht in den hypnotischen Sog, es als eine naturgegebene Kraft oder ein reales Etwas zu betrachten. Seiner Natur nach ist Geld jedoch ein Fantasieprodukt. Wer sich Geld nicht vorstellen kann, für den kann es auch keines geben. Oder genauer gesagt: Geld existiert nur in und durch unsere Vorstellung. Der Wert, den wir Geld beimessen, beruht auf unserer Fähigkeit, uns einen abstrakten, d.h. von unmittelbarer Erfahrung abstrahierten Wert vorzustellen.

In dieser Eigenart des Geldes liegt seine Stärke und seine Falle. Denn für sich genommen ist es wert- und bedeutungslos. Es funktioniert – als Tauschmittel, als Wertspeicher, als Umrechnungsgröße und eben ganz besonders als schillerndes, blendendes bis hin zum süchtigmachenden Faszinosum – nur deshalb, weil es eine leere Projektionsfläche ist. Was wir „Geld“ nennen ist eine leere, weiße Leinwand, auf die wir im Geiste Bedeutungen projizieren, für die es in nahezu unbegrenzter Vielfalt zur Verfügung steht, weil diese Leinwand stets weiß bleibt.

Natürlich fließen in diese Projektionen auch reale Erfahrungen, wiederholbare Handlungen, konstant verlässliche Ergebnisse ein, wer sich aber mit dem psychologischen Phänomen der Projektion nur ein wenig beschäftigt, der weiß, dass sie vor allem von unerfüllten Wünschen, von frustrierten Bedürfnissen und unbewussten Emotionen gesteuert und moduliert wird. Diagnostiker und Therapeuten bedienen sich sogenannter „Motiv-Tests“, die meist aus unvollständigen, mehrdeutigen oder ungenauen Bildern bestehen, um aus den Reaktionen und Interpretationen der Betrachter deren unbewusste Vorlieben, Motivation und Entscheidungsgründe herauszulesen. 

Geld ist ein solcher Motiv-Test. Wenn Experten über Finanzmärkte oder die Mechanismen der Börse sprechen, betonen sie gerne, dass sie stark durch psychologische und emotionale Faktoren beeinflusst werden. Tatsächlich sind sie aber durch und durch psychologische und emotionale Spiele, die auf Imagination, Bedürfnissen und emotionalen Projektionen beruhen – und aus ihnen gemacht sind. Nicht das ist erstaunlich. Erstaunlich ist bei näherer Betrachtung vielmehr, dass es tatsächlich auch noch sowohl reliable als auch valide rational-mathematische Erklärungs- und Vorhersagemodelle gibt. Zumindest temporär für gewisse Zeitabschnitte. Diese verlässlichen rationalen Berechnungsmodelle schwimmen wie Eisberge im großen Meer der irrationalen, emotional gesteuerten Fantasie-Dynamiken aller Geldspiele.

Doch sobald diese Spiele eine gewisse Betriebstemperatur archaisch-instinktiver Mechanismen erreichen, schmelzen die Inseln logisch-mathematischer Gesetzmäßigkeiten und lösen sich in komplexen psycho-emotionalen Verwirbelungen auf. Das hängt nicht vom Geld ab, sondern von der psychischen Grundverfassung der Spielteilnehmer und ihren ins Geld hinein-fantasierten Projektionen. Denn diese können sehr weit auseinanderdriften und sich mehr und mehr gewissen Regeln, Bräuchen und Beschränkungen entziehen. Dann haben wir es mit exzentrischen, megalomanen, sogar psychopathologischen Antriebskräften zu tun, die dem Geld und seinen Systemen ihre entgleisten und letztlich zerstörerischen Traumbilder aufoktroyieren und es damit über kurz oder lang in den Abgrund der Vernichtung reißen.

Es ist so als würden Kinder, die mit Knete spielen, plötzlich in einem Anfall unkontrollierter Gier oder Wahnvorstellungen beginnen, sich ihre Knete als wichtigstes Nahrungs- oder Heilmittel einzureden, sie zu essen, sich in die Ohren und Nase zu stecken bis sie umfallen. Und an dieser Analogie wird auch die gefährliche Falle eines Projektions-Konstruktes wie Geld erkennbar: wenn nämlich die Grenze zwischen Vorstellung und Realität so sehr verschwimmt, dass wir sie beginnen zu verwechseln. Dann wollen wir von Geld satt werden wie jemand, der eine Luftspiegelung in der Wüste für Wasser hält und im trockenen Sand verdurstet.

Wenn wir also erkennen, dass die Bedeutung von Geld und damit also auch sein Wert, seine Funktion, seine Verwendung und sein gesellschaftlicher Stellenwert auf Projektion und Vorstellungskraft beruht, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass wir jegliches Geldsystem nur insoweit regulieren, absichern und stabilisieren können, wie wir die Vorstellungen über das Geld steuern und regulieren können. Alles, was mit Geld zu tun hat, fängt in den Köpfen der teilnehmenden Menschen an.

Damit ist Geld ein Kulturphänomen, das auf geistiger Kultivierung beruht und auf sie angewiesen ist. Diese dafür notwendige Kultur als Basis geht weit über den intellektuellen und rationalen Drill der Ökonomie alias „Volkswirtschaftslehre“ oder „Betriebswirtschaftslehre“ hinaus. Diese Dressuren von Taktiken und fester Denk- und Reiz-Reaktionsschienen funktionieren als Erfolgsstrategien nur innerhalb einer gewissen verlässlichen Kultur, die die Dynamiken von Geld bestimmt. Diese „Wissenschaften“ sind vorübergehende künstliche Erzeugnisse von und innerhalb einer (Geld-)Kultur, die sie weder verstehen noch reflektieren. Denn der Wirt beweist sich ja nur durch geschicktes Handeln innerhalb des gegebenen Systems, das ihm die Regeln und die Spielfläche für seine Gewinnmaximierung zur Verfügung stellt. Diese Wirte sind allerdings aufgeschmissen, wenn das System, die Spielregeln und ‑dynamiken sich ändern – sie wurden nur für ein bestimmtes System trainiert. Und wahrscheinlich auch nur von diesem einen System.

Nur deshalb konnten Generationen von Kaufmännern und BWL-Studenten sich ihre wirtschaftlichen Erfolge und Konto-Expansionen mit einem festgelegten Arsenal an Strategien und Gewohnheiten herstellen ohne zu verstehen oder auch nur zu ahnen, von welchen Kräften und Strömungen sie dabei tatsächlich getragen wurden. Und das ist auch der Grund, warum jeder Erfolgling dieses Spiels, jeder Millionär, jeder Gewinnvertreter seine eigene und etwas andere Lieblingsphilosophie und -erklärung für seine Spieltriumphe hat: denn was tatsächlich zählte waren bestimmte Charaktereigenschaften und die individuelle Art und Weise, wie er sich die große Strömung persönlich zu Nutze machen konnte. Beides hat mit rationalen Ansätzen wenig zu tun. Es ist die psychische Passung zur jeweils wirksamen Geld-Kultur, was jemanden innerhalb des gerade gesetzten Spielszenarios erfolgreich macht. Wenn es eher archaisch skrupellos zugeht, dann gewinnt der Hemmungslosere, der sich nicht von moralischen Zweifeln bremsen lässt. Wo es eher berechnend und technisch zugeht, da gewinnt der kühle Stratege oder Programmierer. Wo es emotional-spontan zugeht, da wird der intuitiv Feinspürige größeren Gewinn machen. Und wenn es Korruptheit und Verantwortungslosigkeit braucht, dann wird derjenige sich finanziell durchsetzen, der sich an der Korruption am verantwortungslosesten beteiligen kann.

Nicht das Geld verdirbt den Charakter. Es ist der Charakter, also die Kultur, die die Bedeutung und Verwendung von Geld verderben.

Deshalb ist wenig damit zu erreichen, das aktuelle Finanzsystem zu ändern, wie diejenigen Finanzexperten vorschlagen, die seine Instabilität, seine Unnatürlichkeit und seine immanente Destruktivität erkannt haben. All diese Charakteristika inklusive ihrer Wirkmechanismen wie Zinseszins, privat gesteuerte Zentralbanken und Ponzi-Dynamik sind Ausdruck einer Geisteshaltung, einer Ideologie, eines Glaubenssystems, mentaler Richtlinien und Gewohnheiten, kurz: einer Kultur. Es ist richtig, dass das Spiel die Teilnehmer beeinflusst und formt, aber nichtsdestotrotz wird das Spiel von Spielern kreiert und aufrecht erhalten. Zu dem Spiel, das wir unser globales Geldsystem nennen, gehören die notwendige Inflation, der zyklische Währungszerfall, die Extremisierung von Verarmung und Hyperreichtum nicht nur als logische Konsequenz, sondern sie sind Intention und Ziel des Spiels selbst.

Denn es geht gar nicht um Geld – das ist frei erfindbar und stets nur Mittel zum Zweck – sondern um das Durchsetzen und Einüben von Haltungen und Überzeugungen dem eigenen Leben und der Gesellschaft gegenüber, die tief ins Existenzielle hinab reichen. Wer es schafft, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie für Geld arbeiten, dass Geld alles möglich oder unmöglich macht, dass also das Geld die Entscheidungen trifft, dass man ohne Geld gar nicht leben kann, dass Geld der beste Ausdruck von Wertschätzung, Anerkennung und Status ist, der hat die Menschen geistig gefangen genommen und versklavt. Sie leben dann in einer Art Hypnose, die sie durch ihre Teilnahme nur immer wieder bestätigen und deshalb auch immer wieder bestätigt finden. Ihre Projektionen in die Bedeutung von Geld sind so festgelegt, fremdgesteuert und im Kollektiv verbreitet, dass sie sie nicht mehr als reine Vorstellung erkennen können, sondern sie als reale Gegebenheit, als eine Art natürliche Ordnung annehmen. So lässt sich die natürliche Empfindung für Sinnhaftigkeit von allem wahrhaft und unmittelbar Sinnhaften umlenken auf das künstliche Konstrukt „Geld“, das wiederum in der konkreten Welt des Wirtschaftlichen frei erfindbar, druckbar, manipulierbar und steuerbar ist von denjenigen, die es durchsetzen, dass ihr Geld das einzige Geld ist.

Wir müssen uns klar machen, was das bedeutet: es bedeutet, dass uns die „Geldmacher“ ihre Projektionen aufoktroyieren und damit ihre Wertvorstellungen, ihre Bedürfnisse und Ziele, ihre Glaubenssätze und Prinzipien und ihre Haltung allem Leben und Gesellschaftlichen gegenüber. Ein essentieller Teil dieser Prinzipien ist, dass die Spielteilnehmer – also wir – nichts davon wissen, wer das Geld kreiert und darüber vollkommen willkürlich bestimmt, dass sie nicht wissen, dass sie an keiner natürlichen Dynamik teilnehmen, sondern am erfundenen Spiel dieser Entitäten; dass sie dieses Spiel ablehnen könnten und dass diese Entitäten gegen sie sind und ihr Spiel kreiert haben, um uns bis in die Wurzeln der Menschlichkeit hinein zu stören. Wer daran zweifelt, der muss sich nur die Dominanz des Finanzsystems über alle Bereiche der Gesellschaft in den letzten hundert Jahren anschauen und wie sie Schritt für Schritt alles Geistige und Moralische aus unserer Kultur zersetzt und vertilgt hat. Wir werden weiter unten noch dazu kommen, wenn wir uns die Wirkung des Ponzi-Schemas anschauen.

Wer eine Alternative zu unserem seit über hundert Jahren gewohnten Geldsystem denken möchte, der muss eine andere Kultur denken. Diejenigen, die glauben, ein neues Geldsystem würde uns aus dieser umfassenden Misere erretten, sind nicht weit genug der Verursachungskette gefolgt. Nur insofern als ein anderes Geldsystem den Menschen andere Erfahrungen, dadurch eine andere Haltung und Denkweise und schließlich eine andere Souveränität der Selbstbestimmung ermöglicht, ist es als Träger einer kulturellen Veränderung sinnvoll. Der Träger des neuen Geldsystems kann jedoch nur eine neue geistige Haltung sein, die bereit ist, ein ganz neues „Spiel“ zu definieren.

Geld ist Ausdruck einer Beziehung

Geld ist ein Beziehungsphänomen. Ob wir es nun als Tauschmittel oder Bezahlmittel oder Wertspeicher für zukünftige Transaktionen betrachten, die Grundlage ist immer die Beziehung zwischen mindestens zwei Parteien. Diese zwei bzw. alle Teilnehmer müssen sich auf ein gemeinsam anerkanntes Geld als Tauschmittel einigen. Wie sie zu einer „Einigung“ kommen hängt von ihrer Beziehung ab. Ist es eine Beziehung der Gleichberechtigung, so wird gegenseitiges Vertrauen wichtig sein, denn wer Geld anstatt realer Werte hält, der muss sich darauf verlassen können, dass er es auch wieder gegen reale Werte eintauschen kann. Da Geld als Tauschmittel immer ein Versprechen (für spätere Tauschmöglichkeiten) ist, muss es eine Grundlage für Vertrauen in dieses Versprechen geben. Und diese Grundlage muss geldunabhängig sein.

Wenn die Beziehung der Spielteilnehmer untereinander jedoch nicht gleichberechtigt und „auf Augenhöhe“ ist, dann können einige Teilnehmer den anderen aufgrund einer mächtigeren Position ihr Geldsystem und damit ihr Spiel aufzwingen. Z.B. durch Androhung von existenzieller oder sozialer Bestrafung. Oder dadurch, dass sie kein anderes Tauschmittel zulassen. Dann beruht das Tauschmittel für alle primär nicht auf Vertrauen, sondern auf Zwang. Unser aktuelles Geldsystem ist so ein erzwungenes, aufoktroyiertes System, denn es bringt Bedingungen mit sich, auf die sich ein Mensch niemals freiwillig einlassen würde.

Dass wir es sekundär dann doch wieder mit einer Art Vertrauen zu tun haben, liegt daran, dass die Menschen sich an dieses System gewöhnt haben und es über genügend lange Zeiträume stabil und verlässlich erscheint. Das ist im Grunde aber nur ein Marketingeffekt, der dem System beigefügt wurde, um die Menschen zum folgsamen Mitmachen zu bewegen. Solange im alltäglichen Handeln eine gewisse Verlässlichkeit herrscht und hier und da auch mal einer gewinnen und sich überdurchschnittlich bereichern kann, bemerken die meisten Menschen nicht, dass das gesamte System von Anfang an so konstruiert wurde, dass letztlich nur die Spielbetreiber (die Geldhersteller und -verwalter) gewinnen und die teilnehmende Bevölkerung (99,9% der Menschen) stets verliert.

Die Menschen vertrauen also aktuell nicht wirklich dem Geld, sondern nur ihrer Alltagserfahrung mit diesem Geld, nämlich dass sie mit dem, was sie monatlich bekommen, irgendwie ihr Leben bestreiten können. Dem Geld können sie nicht vertrauen, weil es von Entitäten installiert wurde, die sie gar nicht kennen und die keinerlei Sicherheit für ihr Geld hinterlegt haben. Die Zeiten, in denen Geld (die Geldmenge) durch Gold, andere messbare Ressourcen oder Leistungsfähigkeit hinterlegt und damit kontrollierbar war, sind schon lange vorbei. Das, was wir „unser Geld“ nennen (Euro, Dollar und alle Währungen), ist von Privatbankiers bedrucktes Papier ohne jegliche Garantie. Diese Privatbankiers können damit tun und lassen, was sie möchten – z.B. so viel Geld drucken wie es ihnen beliebt, damit Politiker, Lobbyisten, Söldner, „gemeinnützige Organisationen“ und was auch immer bezahlen und somit steuern. Auch Richter, Anwälte, Gutachter, Berater, „Experten“ und Wissenschaftler sind empfänglich für besondere finanzielle Zuwendungen, für die sie dann die gewünschten Leistungen erbringen. Damit das nicht allzu schnell nach Korruption riecht und moralischen Juckreiz verursacht, werden diese Zuwendungen als „Gehalt“ oder Honorar bezeichnet.

Wer die gewünschten Leistungen nicht erbringt, der wird innerhalb des Kontrollsystems früher oder später aussortiert. Und je weiter man nach oben kommt in den Machthierarchien desto höher muss das „Gehalt“ ausfallen. Die Bedeutung des Geldes ist innerhalb dieses Machtsystems die einer Überwindungsprämie gegen Moral und Anstand: mit finanzieller Auspolsterung wird derjenige belohnt, der bereit ist, sein Gewissen und persönliches Verantwortungsgefühl dem System zu opfern. Somit wird unser Geld zum Antagonisten von Aufrichtigkeit, Menschlichkeit und geistiger Reife.

Ob das funktioniert? Es funktioniert zunächst nur mit einigen, die moralisch korrumpiert oder unterentwickelt genug sind, um auf diese Weise ihre Macht innerhalb des Systems auszuweiten. Mit der Zeit funktioniert es immer besser, weil integere Menschen von den Systemhörigen gar nicht mehr in einflussreiche Positionen gelassen werden. So bilden sich Machtzirkel durch die Auswahl Gleichgesinnter. Heutzutage funktioniert es wie geschmiert, weil es in den Schlüsselpositionen der vier Staatsgewalten so gut wie nur noch solche gibt, die das korrupte Spiel der Täuschung mitspielen wollen und unter keinen hemmenden Einflüssen von Moral oder Verantwortungsgefühl leiden.

Solange das Geld eines solchen Systems von Leistungsträgern und Händlern als Zahlungsmittel akzeptiert wird, funktioniert das im Ganzen. Was wir da tatsächlich mitmachen, wenn wir den Euro als Geld „akzeptieren“, muss jenseits unseres Horizontes liegen, denn sonst würde kein Mensch, der bei Verstand ist, sich darauf einlassen.

Den Beziehungscharakter von Geld zu sehen, fordert eine Erweiterung unseres Verständnisses, das über ein rein handlungsbezogenes und materielles Verständnis von Geld hinausgehen muss. Wenn Psychopathen ein Geldsystem kreieren, werden sie es als Mittel zum Zweck der Kontrolle, Manipulation und Unterdrückung anderer entwickeln, weil für sie eine andere Verwendung nicht denkbar ist. Für sie sind Geld und das Geldsystem eine Waffe gegen alles Gesunde und dazu gehören gleichberechtigte Beziehungen und moralische Leitprinzipien. Ihr Geldsystem wird stets Ausdruck von purem Materialismus sein. Die Möglichkeit, sich materiell zu bereichern und dadurch anderen überlegen machen zu können, ist ihre Projektion, mit der sie ihr erfundenes Geld „aufladen“. Wer auch immer an diesem Geldsystem teilnimmt setzt sich dem Sog dieses Materialismus aus, denn die Prinzipien und Regeln, nach denen dieses Geldspiel organisiert wird, sind von Anfang an materialistisch.

Die Idee, dass Geld sich selbst vermehren kann, ist eine der offenkundigsten Wunsch-Projektionen, die unser Geldsystem prägen. Wir erkennen daran, dass unser Geld einem biologischen Vorbild nachgebaut wurde, so dass es ein eigenständiges Leben inklusive Selbstvermehrung simuliert. Diese fantastische Konstruktion ist der Grund dafür, dass niemand so reich und mächtig ist wie die Besitzer von Banken, welche angeblich nichts anderes tun als frei erfundene, abstrakte „Werte“ alias Tauschmittel zu verteilen und zu verwalten. Sie profitieren dabei aber von einer (von ihnen selbst erfundenen) Spielregel, die da lautet, dass Geld sich, sobald es verliehen wird, vermehrt. Der Geldleiher muss stets mehr Geld zurückzahlen als er geliehen hat. Er muss dafür sorgen, dass sich das Geld, dass er sich geliehen hat, vermehrt – dazu zwingt ihn der Verleiher, weil wir nun einmal in einer Welt leben, in denen diejenigen, die das aktuelle Geldspiel erfunden haben, auch über das Geld verfügen und es nach eigenem Gutdünken herstellen können. Sie nennen die kleinen Verleih-Nachkommen ihres Geldes „Zinsen“. Auch diese kleinen Produkte der magischen Geldvermehrung sind immer schon gleich wieder zeugungs- und reproduktionsfähig, solange sie noch beim Schuldner verbucht sind, denn auch für sie muss er in diesem Geldspiel eine Vermehrung bewerkstelligen. Das nennen wir dann „Zinseszins“.

Wir müssen nicht lange nachgrübeln um einzusehen, dass dieses System einen dicken Makel hat: das Geld wird immer mehr und es gibt keine Kraft, die dieser Vermehrung entgegenwirkt so wie es in der Natur stets regulierende Kräfte und Grenzen gibt. Da so ein Geld eine freie Erfindung ist und der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, kann es sich endlos vermehren ohne Rücksicht auf reale Gegen- und Tauschwerte. Dadurch verliert es natürlich an Wert – es sei denn, man unterfüttert es mit immer neuen Werten, nimmt also für das Fantasieprodukt immer wieder neue Hypotheken auf. Damit sind wir bei der teuflischen, destruktiven Dynamik einer großen Täuschung: dem

Ponzi-Schema

Das Ponzi-Schema ist ein Betrugssystem benannt nach dem bekannten, aber  sicherlich nicht ersten Betrüger Charles Ponzi, der sich die Fantasie der wunderbaren Geldvermehrung zu nutze machte, um Menschen zu immer höheren Einlagen zu verführen, weil er ihnen versprach, dass sie nach einiger Zeit mehr Geld zurückbekommen würden als sie eingezahlt haben – einfach so.

Die Sache ist leicht zu durchschauen, wenn man einmal verstanden hat, dass reale Werte sich nicht ohne Leistung und nicht ohne Risiko vermehren können. Aber die „Kunden“ (d.h. Opfer) von Ponzi-Betrügern werden an dieser Stelle von ihren kindlich-naiven Wunschträumen der wunderbaren Geldvermehrung ohne Anstrengung und ohne Risiko zu irrationalem Handeln verleitet. Sie sind letztlich nicht Opfer eines Betrügers, sondern ihrer Naivität, aus der heraus sie die Realitätsprüfung einer abstrakten Idee auslassen, weil sie gut klingt und scheinbar funktioniert.

Der Ponzi-Betrüger sammelt einfach Geld und zahlt einigen Menschen aus seinem Sammeltopf nach einiger Zeit mehr aus als sie ihm gegeben haben. Dieses Geld hat er aber anderen weggenommen. Damit diese nun auch wiederum mehr zurückbekommen können so wie diese ersten Gewinner, muss er immer neue und immer mehr Einzahler akquirieren. Dadurch entsteht eine Hierarchie der Umverteilung: einige wenige bekommen das Geld von vielen. Je früher man an dem System teilnimmt, von desto mehr Menschen bekommt man Geld – desto weiter ist man in dieser Pyramide also oben (der Erfinder eines solchen Systems natürlich mit Vorliebe an ihrer Spitze). Je später man jedoch teilnimmt, an desto mehr Menschen wird das eingezahlte Geld verteilt und man ist weiter unten in der Hierarchie.

Dieses auch als „Schneeballsystem“ bekannte Prinzip führt zu einer Situation, die für unser Verständnis unserer Geld-fixierten Kultur sehr wichtig ist: es müssen immer neue Teilnehmer und Einzahler gefunden werden, denn sobald es keine Einzahler mehr gibt, gehen die letzten leer aus. Denn hinter dem betrügerischen Versprechen von Wertvermehrung liegt nichts weiter als ein Umverteilungssystem.

Unser Geldsystem ist ein Ponzi-System. Die oben beschriebene systemimmanente Geldvermehrung zugunsten derer, die gar keine Werte schaffen, erzeugt im Kern eine typische Ponzi-Pyramide, in der die oberen durch den Zufluss von unteren „Teilnehmern“ immer reicher werden. Um an dem Spiel gewinnbringend teilzunehmen, muss man dafür sorgen, dass man mehr (Geld) bekommt als man Geld, Leistung oder Werte hineingesteckt hat. Dadurch bläht sich die Geldmenge immer mehr auf und muss als Ausgleich immer mehr reale Werte „akquirieren“, damit dieses erfundene Geld weiterhin als Tauschmittel funktioniert und nicht wertlos wird.

Und wie geht das? Indem man immer mehr reale Werte an Geld knüpft. Zunächst wird man die Arbeitskraft der Menschen ins System aufnehmen, indem man als Lohn für Arbeit nur noch das erfundene Ponzi-Geld zur Verfügung stellt. Jeder, der also für seine Arbeit entlohnt werden will, wird dadurch gezwungen an diesem System teilzunehmen. Natürlich muss die Entlohnung der Arbeit deutlich niedriger ausfallen als die Arbeit tatsächlich wert ist, und zwar desto niedriger, je weiter unten in der Ponzi-Pyramide jemand eingestuft ist. So werden echte Werte wie z.B. Leistung in die Pyramide eingespeist und nach oben weitergegeben.

Wenn also vor diesem Ponzi-System ein Handwerker mit seiner täglichen Arbeit seine Familie gut ernähren konnte, dann wird er nun im Ponzi-Schema mit der gleichen Arbeit nur noch so gerade eben seine Familie ernähren können. Der überschüssige Wert, der ihm dabei vorenthalten wird, wird an die oberen Ebenen im Ponzi-Schema verteilt.

Wenn man alle männlichen Arbeiter eingebunden hat, kommt das System irgendwann wieder an eine Grenze und würde zerfallen, es sei denn man bezieht neue Ressourcen mit ein, z.B. die Frauen. Plötzlich heißt es aus der Marketingabteilung des Ponzi-Apparates: „Frauen, emanzipiert euch, macht euch unabhängig und geht auch arbeiten!“ Damit kann man wieder ein paar Ponzi-Jahrzehnte überbrücken und das System füttern. Die nun ebenfalls am Ponzi-Schema teilnehmenden, d.h. einzahlenden und abhängigen Frauen sind vielleicht noch leichter zu verführen, zu gängeln und zu unterdrücken als die kämpferischen Männer, so dass man ihnen noch deutlich weniger für ihre Leistungen zurückgibt, also mehr davon im System nach oben leiten kann. Vielleicht, weil sie sich tief innerlich angesprochen fühlen von dem Versprechen, nun endlich in ihrer Kraft und Selbständigkeit gefördert zu werden? Oder vielleicht weil sie weniger geübt darin sind, sich politisch strategisch zu verbünden und unpersönliche Systeme zu durchschauen? Weil sie sich noch leichter und schneller auf unmittelbare, emotionale Beweggründe einlassen und nicht bemerken, vor wessen Karren sie damit gespannt werden?

Wie auch immer, wichtig ist, die immer neu – am besten lebenslänglich – einzahlenden unteren Ebenen in der Ponzi-Pyramide dumm und bei Laune zu halten. Sie dürfen die Strategie des Systems nicht durchschauen und müssen stets von der Hoffnung getrieben bleiben, „es später einmal besser zu haben“., aufzusteigen, „so wie ‚die da oben‘.“ Dass das für die meisten eine systemische Unmöglichkeit bleiben muss, muss ein Geheimnis bleiben.

Schließlich wird es immer schwieriger, die sich besser bildende, sich solidarisierende und an wachsenden Wohlstand gewohnte Bevölkerung im Hamsterrad der fruchtlosen Selbst-Investition zu halten. Was hilft den Ponzi-Profiteuren dann als nächstes? Auslagerung (‚Outsourcing‘) und Globalisierung: man lässt die Arbeit entweder woanders machen, wo die Menschen noch arm, ungebildet und lenkbarer sind, oder man holt sich Arbeitskräfte in den eigenen Wirtschaftsraum (so nennt man Länder und Nationen, wenn sie vom Geld-Ponzi-Schema vereinnahmt wurden). Saisonarbeitskräfte waren einmal Landsleute, dann wurden es Polen und Türken, dann Rumänen und schließlich Afrikaner und Syrer, die sich nicht einmal mehr die Mühe machen, ein wenig die Landessprache und Gepflogenheiten zu lernen. Dies muss so sein, denn Arbeitskraft muss immer billiger werden, d.h. die Menschen müssen immer mehr von sich ins System eingeben, um überhaupt noch ein wenig am Betrugs-Geld zu partizipieren, denn der größte Teil des von ihnen Eingegebenen wird dafür verwendet, andere zu versorgen, die weniger oder nichts dafür einzahlen möchten. Nur so kann der Schein der sich selbst vermehrenden Werte, des „Wirtschaftswachstums“ und der eigentümlichen Geldfortpflanzung aufrecht erhalten werden.

Der Aspekt der billigen Einbeziehung mittelloser Menschen in das Ponzi-Schema wird gern als Teil des „Sozialstaates“ verkauft. Wie bei allen Ponzi-Lügen ist auch hier das Gegenteil richtig: die soziale Fürsorge und Verantwortung werden untergraben und die Möglichkeiten einer moralischen Umverteilung vernichtet, weil es sich um ein Umverteilungs-System zugunsten der Faulen und Machtgierigen handelt, das gezwungenermaßen in die Sklaverei führen muss, weil man irgendwann unten in der Teilnehmer-Pyramide nur noch Leib und Leben investieren kann.

Die nächste Möglichkeit zur Schröpfung vom Verdienten ist die Einführung von Steuern. Steuern werden mit dem Argument gerechtfertigt, dass sie notwendig sind, um die Organisation der Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und ihre Grundbedürfnisse und -anforderungen zu erfüllen. Dies ist jedoch nur eine weitere Marketinglüge der Ponzi-Staatssimulation, denn dafür würde ein Bruchteil dessen reichen, was wir heute an Steuern nach oben abgeben. Im Kaiserreich gab es 1893 zum Beispiel nur eine Einkommenssteuer von 4% und auch nur auf überdurchschnittlich hohe Einkommen. Und dieses System gehörte zu einem Wohlfahrtsstaat, von dem wir heute nur noch träumen können.

Wozu Steuern tatsächlich da sind, können wir am besten an der Mehrwertsteuer erkennen: sie bedeutet nichts anderes, als dass bei jedem Tauschgeschäft zwischen Menschen stets Geld nach oben in der Ponzi-Pyramide weiter geleitet werden muss. So bedeutet jede Transaktion mehr Geld für die oberen Ponzi-Ebenen. Daran erkennen wir, dass unser Geld nicht primär ein Tauschmittel ist, sondern in erster Linie ein Ponzi-Betrugsmittel, das bloß sekundär auch als Tauschmittel dargestellt und verwendet wird.

Der Unterschied zwischen Tauschmittel und Täuschmittel ist für den einfachen Spielteilnehmer nicht sofort zu erkennen. So genanntes „Schwarzgeld“ ist ein echtes Tauschmittel, und deshalb auch innerhalb des Ponzi-Systems strengstens verboten. Auch die Lohnsteuer beruht auf dem gleichen Bereicherungs-Prinzip, denn hier bezahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ebenfalls für jede Geldtransaktion.

Irgendwann muss jeder Handschlag zwischen Menschen Geld für das System generieren, d.h. förmlicher ausgedrückt „besteuert werden“ und diese Steuern müssen mit der Zeit immer höher ausfallen, weil innerhalb der Versorgungs-Pyramide immer mehr Teilnehmer ohne Leistungsbeitrag gefüttert werden müssen. Diese Menschen haben nur die Aufgabe, das Marketing dieses Betrugs aufrecht zu erhalten. Heute nennen wir diese Teilnehmer „Angestellte der Verwaltung“ oder „Regierungsmitarbeiter“: Millionen Menschen, die keine Mehrwerte schaffen, aber vom System so sehr profitieren, dass sie alles tun, um es und sich darin zu erhalten.

Die Eigendynamik des Betrugs fordert, dass immer mehr Menschen auf diese Weise bestochen werden müssen, um nicht nur mitzumachen, sondern das System zu verteidigen – gegen Aufdeckung, Aufklärung, Widerstand usw. Es ist wie mit jeder Lüge: um sie aufrecht zu halten, muss man immer neue und kompliziertere Lügen erfinden, um sie zu stützen. Daraus entsteht ein hoch fragiles System, dass sich immer weiter aufbläht und immer weiter ins Irreale und Absurde versteigert, um sich gegen die gesunden Kräfte der Wiederherstellung von Gleichgewicht zu wehren.

Wenn wir unsere begonnene Kette der Vereinnahmung ins Ponzi-Schema weiterführen wollen, nachdem wir sowohl die werteschaffenden Männer als auch die Frauen dafür vereinnahmt haben, dann müssen wir nun beginnen, die Werte der Menschen, ihre Freizeitaktivitäten, ihre Vorlieben und schließlich sogar ihre Grundbedürfnisse in unser Ponzi-Geldschema einzubinden. Denn es muss stets weiter wachsen, um nicht zu kollabieren. Wir lassen die Menschen also vermehrt Geld zahlen für Dinge, die vormals als Teil des kulturellen Lebens und der Gemeinschaft aus dem Pool des allgemeinen Wohlstandes bereitgestellt wurden. Das bisher (fast) kostenfreie Radio und Fernsehen fordert nun eine Gebühr – zunächst nur von Nutzern, irgendwann dann jedoch von allen. Jegliche Art von Vergnügen, Freizeitbeschäftigung oder Hobby sollte auch zunehmend teurer werden. Wichtig ist, dass die Menschen sich kaum noch bewegen können ohne dafür Geld wieder ins System abzugeben. Auch die Erfüllung von Grundbedürfnissen sollte Geld kosten. Die Zeit der kostenlosen öffentlichen Toiletten muss enden. Bitte werfen Sie zuerst 70 Cent ein.

Die Menschen wollen lieber gesund als krank sein? Wunderbar, dann lass sie uns chronisch kränklich oder krank machen und ihnen dann Behandlungen und Therapien gegen Geld anbieten. Die Medizin- und Pharmaindustrie ist mittlerweile eine der größten Industriezweige der Welt, was den Umsatz angeht. Auf diese Weise fließt wieder etwas mehr des erfundenen Geldes von unten nach oben. Auch der natürliche sexuelle Trieb sollte zu Geld gemacht werden. Nein, wir wollen ihn nicht abschaffen! Wir wollen ihn nur so kontrollieren, dass er unserem Ponzi-Schema dient. Wir müssen diese kostenlose Einrichtung der Natur umleiten in eine kostenpflichtige Dienstleistung. Wir sorgen dafür, dass die Menschen eher Sex-Bilder und -Videos konsumieren anstatt sich miteinander zu verabreden. Macht die Internet-Pornoindustrie nicht Hunderte von Millionen pro Jahr? Wieder Geld, das von unten nach oben unsere Pyramide füttert.

Bei der Verkopplung von Bedürfnissen und Werten mit Geld hilft auch das Prinzip der künstlichen Verknappung: man sorgt dafür, dass es immer schwieriger wird, natürliche und existenzielle Bedürfnisse zu erfüllen und kann dann den Preis dafür anheben. Wenn beständige Produkte, ehrliche Dienstleistungen, sauberes Trinkwasser, frische Luft oder sichere Wohngebiete immer seltener werden, dann ist das gut, weil es ihren Preis steigert. Also müssen die Menschen wieder mehr einzahlen. Es gab eine Zeit, da waren alle Lebensmittel mindestens so gut wie heutige „Bio-Produkte“, sie waren alle „bio“. Heute muss man dafür einen Aufpreis zahlen, weil schlechte, nährstoffarme, chemisch vergiftete Nahrungsmittel die Norm sind. Wer sich natürlich und gesund ernähren will, muss eben drauf zahlen.

Schließlich bringen wir den Gedanken ein, dass Zeit Geld ist. Denn durch die Erfordernis des Betrugs- und Umverteilungssystems, immer mehr Werte aufzunehmen, um immer mehr Nicht-Leister füttern zu können, kommen wir irgendwann an den Punkt, an dem wir gezwungen sind, Lebenszeit zu monetarisieren. Das bedeutet, dass man von nun an Geld gegen Zeit tauschen kann. Arbeitnehmer werden nicht mehr nach Leistung bezahlt, sondern nach der Zeit („Arbeitszeit“), die sie ihrem Arbeitgeber „zur Verfügung stellen“. Wer schneller bedient werden möchte, der kann gegen Aufpreis den schnelleren Service der „Fast Lane“ buchen. So kann man sich Zeit kaufen, wenn man das Geld dafür hat. Die Daumenregel „Wenig Zeit, viel Geld – wenig Geld, viel Zeit“ stimmt seit der Vergeldlichung von Zeit auch nicht mehr so ganz: die unteren Teilnehmer der Ponzi-Pyramide haben meist wenig Zeit und wenig Geld, während in den oberen Etagen Überfluss und Langeweile bis zur Sinnlosigkeit herrschen.

Wir erkennen, dass das Betrugsgeld eines solchen Betrugssystems ohne Ende darauf angewiesen ist, stetig durch mehr und neue reale Werte unterfüttert zu werden, denn nicht das an sich wertlose Geld selbst lockt ja die Menschen, sondern nur all das, gegen das sie dieses Geld eintauschen können. Je reicher sie werden, desto mehr müssen sie dafür sorgen, dass sie für ihr Geld auch noch etwas echt Werthaltiges kaufen können. Diese Dynamik ist der Grund dafür, dass ein Ponzi-System den unmittelbaren Zugang zu echten Werten und als Effekt davon schließlich die echten Werte selbst vernichtet.

Dadurch entsteht auch die Abwärtsspirale von stetig sinkender Qualität und dem frenetischen Versuch, diesen Verlust durch Quantität auszugleichen. Das „Ikea-Prinzip“ ist, immer billiger zu produzieren und durch aufwendiges Marketing dafür zu sorgen, dass die Menschen mit schlechteren Produkten, die sie selbst zusammenbasteln und nach drei Jahren ersetzen müssen, ganz besonders zufrieden sind. Ebenso ist in der Film- und Musikbranche sowie im Kunstbetrieb die schnelle Neuproduktion längst wichtiger als Originalität, Qualität und Aussagekraft, so dass Musik bereits von Computerprogrammen „komponiert“ werden kann, Filme nur noch wie Variationen des immer gleichen Mischmasch von flachen, vorhersehbaren Plots und Spezialeffekten wirken und „moderne Kunst“ nicht mehr von den Versuchen einer psychiatrischen Kunsttherapie zu unterscheiden ist. Letzteres gilt in gesteigerter, weil oft schreiend-reißerischer und pathologischerer Form für „moderne“ Tanz- und Theaterinszenierungen sowie für die Produktionen für den Buchmarkt. Wir werden darauf im nächsten Artikel noch genauer eingehen.

Wichtig ist zu erkennen, dass es einen direkten Bezug zwischen Geld und Mangel oder Hunger gibt: weil Geld keinen echten Wert widerspiegelt, macht auch mehr Geld nicht wirklich satt – weder physisch noch emotional noch intellektuell. Diese Abwärtsspirale der steigenden Quantität bei gleichzeitig wachsender Unzufriedenheit beschleunigt sich selbst und nimmt den Charakter einer Sucht an. Man bleibt stets nimmer-satt, weil man versucht, echte Werte durch symbolische Werte und Ersatzkonstrukte zu ersetzen. Das kann den Körper, den menschlichen Geist und die menschliche Seele niemals erfüllen – nur zeitweilig ablenken und betäuben.

Die zwei Wirkmechanismen des Ponzi-Systems

Damit sich die Betrugs-Pyramide nach oben hin immer weiter von den Werten anderer ernähren kann, müssen die Menschen in den unteren Teilen der Pyramide zu immer neuen und weiteren Investitionen motiviert und schließlich gezwungen werden. Die Motivierung läuft zunächst noch über das falsche Versprechen und die davon angesprochene falsche Hoffnung, dass jeder Gewinner sein kann, wenn er sich nur an die Spielregeln hält. Dass für jeden Gewinner mehrere andere verlieren müssen, wird geflissentlich verschwiegen und durch fantasievolle Ablenkungsmanöver verdeckt. Dies sind die zwei Schienen, auf denen ein Ponzi-System und ebenso unser bisheriges Geldsystem fahren: erstens das Umverteilen von unten nach oben, das in einem immer komplizierteren und undurchschaubareren Apparat versteckt werden muss, und zweitens das Marketing, das immer perfider und aggressiver, d.h. betrügerischer werden muss, damit die Menschen trotz der immer offensichtlicheren Ungerechtigkeit und Kluft zwischen Superreichen und Ausgeplünderten motiviert werden, teilzunehmen und einzuzahlen.

Beide Schienen beruhen auf dem Wunschdenken, etwas zu bekommen ohne dafür etwas leisten, geben oder ein Risiko eingehen zu müssen. Dieser Schlaraffenland-Traum, dass sich Materie aus dem Nichts von selbst vermehrt und man sich auf ein rein konsumierendes Dasein reduzieren kann, entspricht der Entwicklungsstufe des Säuglings: bedingungslos gefüttert werden einfach nur, weil man da ist. Diese Verkopplung sorgt dann für eine psychische Umkehrung zur Selbstbestätigung und Selbstversicherung: „Ich verbrauche, also bin ich.“ Die rücksichtlose Selbstbereicherung à la Ponzi benötigt wahrscheinlich einen existenziellen Selbstzweifel, um Geld und Konsum als Ersatz zu brauchen und diesen inneren Mangel zu überdecken.

Dieses Bedürfnis nach passivem Gefüttertwerden wird auf das Geld übertragen. Geld wird Träger einer Bedürfnisprojektion aus dem Säuglingsstadium. Damit wird das Geld bzw. das Geldsystem auch zum Gott gemacht: eine Entität, die aus absoluter Position (Alleingültigkeit), Macht (Kontrolle) und reinem Überfluss (Unbegrenztheit) geben und versorgen soll. In der Ponzi-Illusion sind wir „Kinder des Geldes“. Ein System, das von Menschen geschaffen wurde und auf Betrug und Täuschung beruht (etwas verspricht, das es nicht halten kann) und die Menschen so in Abhängigkeit und Blindheit (Unverständnis) gefangen hält, kann kaum anders als teuflisch genannt werden.

Innerhalb dieses Systems funktioniert Geld nicht auf der Basis von Vertrauen, wie oft behauptet wird, sondern auf der Abwesenheit von Misstrauen, Skepsis und Verständnis. Wir können auch sagen, es basiert auf Naivität, Gewohnheit und Manipulierbarkeit. Die Menschen nennen nur ihren Mangel an Misstrauen gerne „Vertrauen“, weil sie damit das gewohnte System leichter rechtfertigen können. Wie wenig Vertrauen wirklich da ist, wird sich in jedem Ponzi-System zeigen, sobald einer ruft: „Der Kaiser ist nackt!“ („Das Geld ist wertlos. Ihr zahlt für die Reichen mit. Und die letzten Einzahler gehen leer aus. Das System ist ungerecht.“), dann wird es von heute auf morgen zusammenbrechen und – wenn kein alternatives System bereit steht – zu Chaos und Verwirrung führen. Deshalb sind wir klug beraten, das System nicht von heute auf morgen abzuschaffen, sondern für einen kontrollierten Übergang zu sorgen. Andernfalls würden die Menschen aus purer Angst und Unsicherheit vor dem Neuen und Unbekannten am alten ungerechten System festhalten – was bis heute ja auch der Fall ist.

Sobald in diesem und unserem Geldsystem zu viele Teilnehmer bemerken, dass sie über den Tisch gezogen werden oder dass die wunderliche Geldvermehrung eine Trickbetrügerei ist und immer nur auf Kosten der Naiveren und Schwächeren möglich ist, muss das System zu Gewalt und Zwang übergehen, um sich am Leben zu erhalten. Spätestens dann muss es gemeinsame Sache mit der Justiz, der Regierung und der Presse machen, um nicht aufgedeckt und zerschlagen zu werden. Daher ist es klug, die Protagonisten dieser drei Staatsgewalten möglichst früh in die oberen, profitierenden Ebenen der Ponzi-Hierarchie einzubauen – damit sie mithelfen, das System zu verteidigen, wenn es den unteren Ebenen an den Kragen gehen muss. Also werden Faschismus und ein totalitärer Staat (oder eine Staatssimulation) notwendig, d.h. die Verschmelzung von Regierung, Wirtschaft, Justiz und Medien unter ein Machtmonopol.

Wir haben es also mit einem Schmarotzersystem zu tun, in dem sich der Schmarotzer zum Herrscher aufschwingen musste, um sich am Leben zu halten. Die Initiatoren und Nutznießer eines Ponzi-Schemas sind wie die Besitzer eines Kasinos: auch wenn hier und da mal ein Spieler Gewinn macht und dadurch eine werbewirksame Erfolgsgeschichte generiert – letztlich gewinnt immer der Besitzer und die getriebenen und hoffungsvollen Spieler verlieren. Die Besitzer sind in dieser Analogie wie auch in der Realität unseres Geldsystems die Besitzer der (Zentral-)Banken.

Durch das Ungleichgewicht von Geben und Nehmen jedoch ist dieses System so oder so zum Zerfall verurteilt und die Frage ist nur, wie viele reale Werte es „frisst“ für sein virtuelles Tauschmittel, also wie groß die Zerstörung ist, die es anrichtet bevor es an seiner eigenen Irrealität zusammenbricht.

Die Bagatellisierung dieser systemimmanenten Vernichtungs- und Abwärts-spirale als „Verschwörung“ ist so sinnvoll wie die Beschreibung eines Tornados als „ungünstige Wetterlage“. Es ist keineswegs so, dass dieses kranke Zerstörungssystem unentwegt von super-intelligenten Managern gesteuert werden müsste. Es handelt sich schlichtweg um eine sich selbst beschleunigende Dynamik, die sich aus der einmaligen Konstruktion des Systems als Folge ergibt und sich solange auswirkt, bis sie von einer anderen Kraft gestoppt wird – oder bis alles Zerstörbare zerstört ist. So wie ein Feuer, dass zunächst aus einer kleinen Kerze kommt, dann auf die Tischdecke übergeht, schließlich den ganzen Tisch ergreift und dann, wenn es den ganzen Raum in Flammen setzt, kaum noch zu stoppen ist bis das ganze Haus niedergebrannt ist. Ob der Übergang von der Kerze zur brennenden Tischdecke nun intentional war (eine „Verschwörung“), experimentell, aus Versehen oder durch eine Unzahl unglücklicher Zufälle, spielt für die Expansion des Feuers und damit der Zerstörung überhaupt keine Rolle mehr. Was eine Rolle spielt ist, ob eine Kraft auftaucht, die mächtig genug ist, die Dynamik der zerstörerischen Kraft zu stoppen und wieder in eine aufbauende Kraft umzukehren.

Was durch dieses über hundert Jahre alte Ponzi-Geldsystem, mit dem wir bis ins Jahr 2020 nun leben, zerstört wurde, sind moralische, menschliche und kulturelle Werte. Um dieses kranke und unnatürliche System aufrecht zu erhalten, haben wir Schritt für Schritt unseren Stolz, unsere Freiheit, unsere Selbstbestimmung, unsere Rechte, unsere Gefühlswelt, unseren Sinn für Individualität, Bedeutung und Lebenssinn, unseren Zugang zum Geistigen, unsere Zukunft und die unserer Kinder, schließlich sogar unsere Kinder selbst und unser Recht auf körperliche Unversehrtheit aufgegeben. Es bleibt uns nicht mehr viel übrig, womit wir das System noch weiter hätten füttern können. Unsere Kinder werden bereits hineingeboren in ein Ponzi-Schema, in dem sich alle und alles der Macht des Geldes unterwerfen müssen, weil es längst schon auch über Staats- und Waffengewalt verfügt.

Aus der pyramidenförmigen Hierarchie der Ausbeutung im Ponzi-System ergibt sich mit der Zeit ganz von selbst auch eine Psychologie der Unterwerfung, die heute so normal geworden ist. Sie ist nichts weiter als die Übertragung der bestehenden Spieldynamiken und -mechanismen auf das Denken und Fühlen der Teilnehmer. Es ist kaum zu verbergen, dass in so einem System in den oberen Ebenen die Spielregeln gemacht werden, die den darunterliegenden Ebenen rücksichtslos diktiert werden, und dass es oben um Selbstbereicherung und Machterhalt und weiter unten um Gehorsam, Anpassung und Anstrengung für das eigene Überleben geht.

Die Menschen erleben deshalb „den Staat“ oder „die Regierung“ als unerreichbare Autoritäten, denen sie ausgeliefert sind. Das sind sie auch, weil es kein Staat, sondern eine Mafiaorganisation nach Ponzi ist. In einem echten demokratischen Staat wäre das Volk der erste Souverän. In einem Mafiasystem gibt es den Paten und hierarchisch abgestufte verängstigte Mitläufer. Wir sind nicht Volk und Souverän, sondern Teilnehmer an einem (Geld-)Spiel, zu dem wir keine Alternative mehr denken können.

Ich vermute, dass diese immanente Ponzi-Macht-Psychologie auch der Grund dafür ist, warum es seit ein paar Jahrzehnten so „in“ ist, gegen Hierarchien zu sein. Besonders die jüngeren Generationen können offensichtlich nicht mehr unterscheiden zwischen falschen, unterdrückenden und sinnvollen, förderlichen Hierarchien. Sie kennen nur erstere, von der sie umgeben sind, und wollen nun alle Hierarchien abschaffen. Das kommt den Ponzi-Profiteuren übrigens auch wieder sehr entgegen, dass die jungen Menschen sich an irrigen Konzepten aufreiben und dabei nicht durchschauen, vom wem sie dabei sowohl intellektuell abgelenkt als auch emotional verunsichert werden. Sollen sie innerhalb ihrer Ponzi-Teilnehmerebene ruhig die Hierarchien abschaffen! Das macht sie alle umso leichter manipulier- und lenkbar – wie verlorene Schafe, die sich dem Hirtenhund verweigern, um dem Wolf zu folgen.

Das Ende des globalen Ponzi-Systems

Mit diesen ausführlichen Erläuterungen zur Ponzi-Logik und ihrer Effekte lässt sich das fatale, zum Scheitern verurteilte Geldsystem, in dem wir leben, auch ohne den Erklärungs-Joker einer Verschwörung und ohne die Personifizierung des Bösen verstehen. Es handelt sich um eine menschengeschaffene Dynamik, die auf einer wunschgetriebenen Illusion beruht und deshalb in der Realität nur mit immer größerem Betrugsaufwand aufrecht erhalten werden kann – und am Ende, wenn alle Ressourcen der Täuschung und Vertuschung aufgebraucht sind, zerplatzt.

Üblicherweise wird in so einem Endstadium, in dem es nicht mehr genug Einzahler ins System geben kann, ein Krieg angezettelt, der das System durch Angst, Terror und materielle Zerstörung für einen neuen Zyklus mit noch drakonischerer Versklavung „rettet“. Für die lokale Zurechtstutzung einer Bevölkerung eignen sich auch Bürgerkriege oder geheimdienstlich gesteuerter Terrorismus. Auch „unerwartete“ Wirtschaftskrisen haben sich bewährt. Wenn es global sein muss und man nicht allzu viel Material verbrauchen und zerstören will, gibt es neuerdings auch die Option, einen gefährlichen Virus zu erfinden, der dann als Allzweck-Begründung für alle möglichen Verknappungen, Beschneidungen, Schikanen und Umverteilungen dient. Wer Angst hat, lässt sich leichter steuern und verzichtet gerne auch auf Besitz, Rechte und Selbstbestimmung, die auf diese Weise an die oberen Teilnehmerebenen weitergegeben werden können.

Kombiniert mit solchen „Krisen“ oder auch für sich allein wirkend sind Reformen aller Art, insbesondere Währungsreformen zu empfehlen, um das vorhandene Geld zu entwerten und damit die Ponzi-Teilnehmer auf den unteren Rängen zu enteignen und wieder bei Null starten zu lassen. Wir erkennen hierin die kontrollgierige geopolitische Version von „Mensch ärgere dich nicht“. Vom realen Besitz geht in solchen „bedauernswerten Katastrophen“ stets eine große Menge in die Hände der Banken und ihrer Besitzer über.

Allerdings ist die letzte notwendige „Krisen-Intervention“ des globalen Ponzi-Managements offensichtlich nicht gelungen. Die Versuche, endlich den lang ersehnten großen dritten Weltkrieg ins Leben zu rufen, schlagen seit vier Jahren kläglich fehl. Irgendjemand, irgendeine Kraft hat sich wohl dem Erhalt des diabolischen Systems entgegengestellt und die Abwärtsspirale gestoppt. Das sind die größten und guten Nachrichten. Die weniger gute Nachricht ist, dass wir gezwungenermaßen eine lange Zeit des Wiederaufbaus vor uns haben, denn die Hypnose des Ponzi-Systems mit seinem Hoffnungs-Marketing und seiner völligen Werteverdrehung, muss langsam aufgelöst und in klares Denken, reale Wahrnehmung und gesunden Menschenverstand zurückgeführt werden. Die Köpfe der Menschen müssen wieder frei gemacht werden, reale Werte und die gesunde Hierarchie von Werten klar sehen zu können. Die Verbindung von Herz und Verstand muss wieder direkt, ohne den vermittelnden Umweg über ein Ponzi-Geld funktionieren.

Dann kann die natürliche und gesunde Beziehung zu Geld und zwischen Geld und realen Werten wiederhergestellt werden: als Tauschmittel muss es sich stets echten Werten unterordnen und statt dass die Menschen dem Geldsystem dienen, dient das Geldsystem wieder den Menschen.

Die Psychologie des Geldes

Wir haben nun gesehen, dass Geld eine Erfindung ist, dass es als Tauschmittel eine Vereinbarung darstellt, die auf einer bereits bestehenden Beziehung fußen muss, und dass es als abstraktes Konzept eine offene Projektionsfläche für alle möglichen Wünsche, Fantasien, Bedürfnisse und Motive darstellt.

Damit ist Geld primär ein psychologisches Phänomen.

Es lohnt sich, sich einmal die Zeit zu nehmen und sich bewusst zu machen, was Geld für einen persönlich symbolisiert, womit es persönlich „aufgeladen“ ist. Die üblichen Verdächtigen sind: Sicherheit, Reichtum, Fülle, Status, Macht, Potenz, Freiheit, Unabhängigkeit, Anerkennung, Zugehörigkeit, Stärke, Leistungsfähigkeit und Wohlstand. Der gefühlte Mangel an einem dieser Motive kann dazu führen, dass wir sie versuchen durch Geld zu erlangen, was ja zu einem gewissen Grade auch möglich ist. Allerdings ist es ja niemals das Geld selbst, das uns zufriedenstellt, sondern es stellt nur ein Mittel zum Zweck dar, es ist nur ein Zwischenschritt zum Eigentlichen. Doch es kann unsere Aufmerksamkeit so sehr fesseln und unsere Faszination so sehr binden, weil es im Gegensatz zu den inneren Motiven und Bedürfnissen auf rein materielle, handlungsbezogene Weise in der Außenwelt zu erlangen ist. Das ist einfacher und dadurch manchmal attraktiver als die Auseinandersetzung mit tatsächlichen inneren, oft schmerzhaften Beweggründen wie dem Mangel an Selbstsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen oder fehlender Selbstbestimmung.

Wenn wir in die Hypnose des Mediums „Geld“ geraten, schlichtweg weil es mit der Logik und den Mechaniken von Wirtschaft und Finanzmärkten einfacher zu haben ist, dann kann es passieren, dass es psychisch an die Stelle unserer eigentlichen Bedürfnisse und Wünsche tritt. Dann wird aus der Suche eine Sucht. Sucht lässt sich definieren als der unendliche weil vergebliche Versuch, ein Bedürfnis durch eine Ersatzbefriedigung zu stillen bzw. einen echten Mangel durch einen Ersatz zu betäuben.

Die Verständnisebenen von Geld

Um sich aus der Trance der irrationalen Projektionen zu lösen, ist es wichtig, Geld sowohl konkret als auch abstrakt zu verstehen und diese Ebenen stets in Verbindung sehen zu können. Unser konkretes Verstehen von Geld kommt durch unsere Erfahrungen damit. Unser abstraktes Verstehen ist nur durch das Erkennen der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, Prinzipien und Wirkmechanismen möglich, dafür müssen wir über die konkrete persönliche Erfahrung hinaus denken und vom Einzelfall abstrahieren.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht, wie das Phänomen „Geld“ auf unterschiedlichen Ebenen des Denkens gesehen und verstanden werden kann. Gleichzeitig stellt die Tabelle dar, wie sich das Verständnis von Geld Stufe um Stufe vom sinnlich-konkreten, kindlichen Verständnis zum abstrakt-umfassenden, prinzipiellen Verstehen entwickelt. Nur durch die Verbindung dieser Verständnisstufen miteinander, also dass wir sie aufeinander beziehen und im Zusammenhang miteinander sehen können, können wir das Phänomen „Geld“ ganzheitlich durchdringen.

Eine der Schwierigkeiten, die wir heute haben, ist, dass wir Geld überwiegend nur noch bis zur Ebene 3 (s. Tabelle) verstehen und deshalb – wie ein Kind – als gegebenes Faktum betrachten. Wir glauben, Geld käme aus Bankautomaten so wie Strom aus Steckdosen. Das ist nicht falsch, es ist nur eine sehr beschränkte Sicht. Wir lesen in der Zeitung von neuen „Rettungspaketen“ der Regierung für dieses oder jenes Unternehmen oder Land und vergessen dabei, dass die Regierung nur unser Geld verwaltet und dass die Rettungspakete für wen auch immer von uns bezahlt werden. Wir vergessen, dass Geld kein Besitz ist, sondern nur ein Schuldschein, also eine Bestätigung, dass irgendjemand uns noch etwas schuldet. Wer finanziell reich ist, hat eine Menge uneingelöste Versprechen gesammelt, ist also Gläubiger, der darauf angewiesen ist, dass irgendjemand ihm für seine Papiere auch reale Werte eintauscht.

Uns fehlt die höher abstrakte Einsicht, dass dieses Geld, mit dem wir täglich und so selbstverständlich wie mit einem festen, realen Wert umgehen, nichts weiter als eine temporäre Erfindung ist, die wir mitmachen. Deshalb fragen wir auch nicht, wer dieses Geld erfunden hat, mit welchen Motiven und zu welchem Zweck. Wir kommen auch nicht auf die Frage, ob man ein gerechteres, stabileres, moralisch gestütztes Geldsystem erfinden könnte, das für uns besser wäre als unser bekanntes.

All diese Fragen und Ideen können erst auf einer abstrakten Verständnisstufe auftauchen, auf der klar wird, dass Geld ein mentales Konstrukt und somit menschlichen Motiven, Vorlieben, Schwächen und Einseitigkeiten unterworfen ist. Wir glauben, dem Geldsystem als absolute Erscheinung unterworfen zu sein und kommen nicht auf die Idee, es zu ändern oder unsere natürliche Freiheit zu nutzen, bei dem derzeitigen Monopoly nicht mehr mitzuspielen.

Anders ausgedrückt: wir haben die Fähigkeit verloren, überhaupt über Geld nachzudenken. Damit also auch die Fähigkeit, einen enorm wichtigen und einflussreichen Teil unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens zu gestalten und zu steuern. Dass diese Unfähigkeit ganz im Sinne eines Geldsystems zur Unterdrückung und Bereicherung einiger weniger ist, ist in den Erläuterungen zum Ponzi-Schema bereits deutlich geworden.

Unser erster Schritt, um aus der Abhängigkeit dieses unmoralischen Systems herauszukommen, ist es, es zu durchschauen, gerade auch in seinen verführerischen und attraktiven Aspekten. Der zweite Schritt ist es, sich ein besseres System vorzustellen. Wer in diese Gedanken und Überlegungen ganz anschaulich einsteigen möchte, der schaue sich den Film „Das Wunder von Wörgl“ von 2018 an. Die meisten zentralen Aspekte dieses Artikels hier werden darin zumindest angedeutet und sind sehr lebendig nachvollziehbar. Ich würde diesen Film vor allem für Jugendliche und für den Schulunterricht empfehlen. Er gibt reichlich Reflexions- und Diskussionsmaterial über die Welt in der wir leb(t)en. Die dazugehörige Doku „Der Geldmacher – Das Experiment des Michael Unterguggenberger“ ist mit kritischer Vorsicht zu genießen, da sie an den entscheidenden Stellen unvollständig und tendenziös bleibt. Sie stellt allerdings ein gutes Analyse-Objekt dar, an dem man sehen kann, wie die klassische Auseinandersetzung per These-Antithese-Synthese heutzutage auf allen offziell sanktionierten „Bildungskanälen“ ersetzt wird durch These-Thesenvariation-pluralistische Orientierungslosigkeit. Man kommt nur noch bis zum aussichtlosen Schulterzucken und zur lähmenden Richtungslosigkeit.

Wie die Dinge jetzt stehen wird es nicht nötig sein, gedanklich bei Null zu beginnen und sich ein Geldsystem auszudenken, dass sich moralischen Werten unterordnet. Das haben andere schon längst getan. Das Neue und Besondere wird sein, dass wir uns nicht bloß auf ein globales Geld- und Bankensystem einigen, sondern auf ein globales menschliches Wertesystem, dem sich jedes Geldsystem und damit auch alle nationalen Währungen unterordnen müssen. Das ist neu. Damit ein Geldsystem gesund, stabil und menschlich sein kann, muss ein höheres Wertesystem über ihm stehen. Anders ausgedrückt: Geld darf niemals an oberster Stelle stehen.

Die Aufgabe von uns als Teilnehmende des alten und eines schon an der Schwelle wartenden neuen Systems wird vielmehr darin liegen, uns selbst zu besinnen auf unsere eigene stimmige Wertehierarchie und uns von alten Irrtümern, Projektionen und kindlichem Wunschdenken zu lösen.

So wie das verlogene Ponzi-Geldsystem moralische Werte zersetzt hat, so kann ein gesundes Geldsystem auch helfen, moralische Werte wieder zu etablieren und in den gesellschaftlichen Vordergrund zu rücken. Wir werden sehen, dass Geld an sich gar keinen Wert hat und dass Geld nicht von Geld kommen kann. Dass alle echten Werte in uns liegen und wir nicht sie steigern können, sondern unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung für sie. Dass wir auf diese Weise wieder zu geistig geführten und nicht materiell verführten Wesen und Gemeinschaften werden können. Auch auf diesem Weg kann uns ein Geldsystem, das auf gesunden Prinzipien beruht, helfen.

Wir können uns darauf besinnen, dass Geld Ausdruck einer Beziehung ist, innerhalb derer wir ein Versprechen empfangen oder abgeben, und dass es nicht darum geht, das Geld zu retten, sondern eine Kultur, die verlässliche Beziehungen und dafür verlässliche Menschen fördert und fordert.

Wir können uns darauf besinnen, dass Geld nur ein Tauschmittel ist und uns fragen, was im Leben sich gegen was zu tauschen lohnt. Wir können uns daran erinnern, dass die schönsten und berührendsten Dinge des Lebens für Geld allein nicht zu haben sind, weil sie unmittelbar gegeben und empfangen werden müssen. Geld als Tauschmittel unterbricht diese Unmittelbarkeit und steht dem direkten Geben und Nehmen immer im Weg – deshalb schenken wir auch nicht so gerne Geld, sondern lieber etwas, das direkt Freude macht.

Wir können uns darauf besinnen, dass gültiges Geld eine Form von Energie ist, die sowohl für abwärts führende, demoralisierende, betäubende und destruktive Zwecke verbraucht als auch für erhebende, kultivierende und bildende Prozesse verwendet werden kann. Wenn Geld als ermöglichende Energie benutzt wird, um Wissen und Bildung, Möglichkeiten, Freiheiten, Linderung von Leiden, Ästhetisierung und Verschönerung unserer Umwelt zu vermehren, dann dient es einem höheren Zweck. Und wenn es um Geld geht, können wir erkennen, dass es der Zweck ist, der die Mittel heiligen kann.

Wenn wir diese Prinzipien verstanden haben, können wir all die Rumpelstilzchen, die gerne unsere Königskinder fressen wollen, durchschauen und uns jene Kunst wieder aneignen, die unserer wahren menschlichen, königlich-geistigen Natur entspricht, nämlich Geld in geistige Entwicklung und moralische Bildung, also in Kultur zu investieren, das heißt Stroh in Gold zu verwandeln.

Fortsetzung hier.

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