Hermetische Verdummung und der Not-wendige Göttervater


Einleitung

Ursprünglich wollte ich in diesem fünften Teil der Artikel-Reihe über den psychologischen und kulturellen Einfluss von Geld sowie über die geistig lähmende Wirkung unserer heutigen sogenannten „akademischen Ausbildung“ schreiben. In den vorbereitenden Gedankengängen zu diesen beiden zentralen Problemen unserer Geisteskultur stellte ich jedoch fest, dass beide einen großen gemeinsamen Nenner haben, den ich sogar als die tiefere psychologische Ursache für beide betrachte.

Dieses psychologisch-kulturelle Grundproblem lässt sich zusammenfassen als die Unfähigkeit, konkretes und abstraktes Denken miteinander zu verbinden.

Also entschied ich mich, diesen fünften Teil über diesen spezifischen Mangel an Denkfähigkeit zu schreiben; darüber, was und wie es den gesunden und reifen Menschenverstand untergraben hat, um erst danach (in Teil 6) auf dieser Basis die beiden Probleme „Geld“ und „akademische Verbildung“ zu analysieren.

Ich bin der Überzeugung, dass diese Reihenfolge dem Zweck der Reihe und dem transformierenden gedanklichen Nachvollzug beim Leser besser dient, denn die tiefere psychologische und geistige Ursache hinter den Problemen ist wichtig zu erkennen, um sie richtig anpacken zu können und aus ihrem Verständnis und ihrer Überwindung einen Weg zu finden zur Entwicklung von  Verantwortungsfähigkeit und zu unserer Wesenskernkraft – mein Zielthema für diese Artikel-Reihe.

Mini-Vorschau: Geld und Bildung als Beispiele mentaler Abkopplung

In der Beziehung zu Geld zeigt sich in unserer Zeit vor allem der verheerende Mangel an Abstraktionsfähigkeit, der dazu führt, dass die meisten Menschen „Geld“ nur im Rahmen unmittelbarer konkreter Erfahrungen verstehen können, was dem Phänomen aber überhaupt nicht gerecht werden kann, da „Geld“ in seinem Wesen etwas Symbolisches, d.h. Abstraktes ist. Mit anderen Worten: die Menschen verstehen Geld nicht, solange sie es nur als etwas Konkret-Sinnliches betrachten. Sie verstehen deshalb auch das weltweit etablierte Geldsystem nicht, wie es funktioniert, warum es so funktioniert, und vor allem warum es auf Täuschung, Machtmissbrauch und Zerstörung von Werten beruht.

Wegen dieses allgemeinen Unverständnisses auch unter sogenannten Ökonomen und „Fachleuten“ war es bisher so leicht, unsere gesamte Gesellschaft über monetäre und finanzielle Steuerungen in den kulturellen, geistigen und menschlichen Abgrund zu führen und die Mechanismen gesellschaftlicher Entwicklung, Verbesserung und sogar des Selbsterhalts zu untergraben. Nicht Geld, sondern Angst regiert die Welt. Aber Geld hat die Regierungen übernommen, weil es als einzige Antwort auf alle Probleme und Angst gehandelt wurde. Um das zu verstehen, werden wir uns die psychologischen Wirkmechanismen ansehen müssen, die dem Geld eine so mächtige Rolle in unserem Denken und unserer Motivation zugewiesen haben. Das sind vor allem Bedürfnisse, die Geld symbolisch befriedigen soll. Dafür jedoch müssen wir eine Verbindung vom Konkreten („Geld“) zum Abstrakten (symbolische Bedeutung) herstellen können.

In Bezug auf „akademische Bildung“ finden wir den anderen Pol des in sich abgespaltenen Denkens vor: sogenannte Akademiker und „akademisch Gebildete“ sind auf einer abstrakten Ebene des Denkens gefangen, die sie nicht mit Konkretem, mit eigenen Erfahrungen und vor allem nicht mit ihrer unmittelbaren Wahrnehmung verbinden können. Ihre Fähigkeit, mit der Welt denkend in Beziehung zu treten, ist massiv gestört und unterentwickelt, weil sie darauf getrimmt wurden, abstrakte Informationen ohne Überprüfung zu speichern (also zu glauben) und als alleinige Basis ihres „wissenschaftlichen Denkens“ zu benutzen, ohne sie jemals mit eigenen Erfahrungen, Überprüfbarkeit oder auch nur Plausibilität in Verbindung zu bringen.

Nur noch das Denken in vorgefertigten und engen, dogmatischen Bahnen wird von den systemeigenen akademischen Institutionen als „wissenschaftlich“ anerkannt. Umgekehrt werden uns jedes Denken und sogar Informationen außerhalb dieses sanktionierten Kanons als „unwissenschaftlich“ verkauft.

Die meisten Menschen bemerken in diesem verlogenen Kauderwelsch nicht, dass sie es der Organisation nach mit einer mächtigen Kirche oder sogar Sekte zu tun haben, nicht aber mit Wissenschaft. Dass sich diese moderne Sekte so herrisch und pompös als „Wissenschaft“ bezeichnet und alle Andersdenkenden von ihrer Segnung durch Fördergelder und von Seligsprechungen durch die Konzern-Lobby ausschließt, ist ein Symptom der gewollten Sprach- und Denkverwirrung und der fortgeschrittenen Hörigkeit im Systemmarketing. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass ihr „Denken“ und ihr Weltbild bloß auf gelernten Meinungen und Glaubenssätzen beruhen, die keine Verbindung zur Realität und zur Realitätswahrnehmung mehr aufweisen.

Wir können also beruhigt feststellen, dass die große Masse der Menschen heute mindestens so fromm ist, als wie man es uns über unsere Vorfahren im „dunklen Mittelalter“ erzählt: man befolgt still und ergeben die Weisungen der „wissenschaftlichen Studien“, die Verkündungen der Journale und Empfehlungen der Institute, denn über dem eigenen Schicksal steht lenkend auch heute noch ein Gott – jenes Numinosum, das durch „Wissenschaftler“ und „Experten“ zu uns spricht. Wir wollen deren komplizierte „theologische“ Begründungen gar nicht nachvollziehen, es reicht uns, wenn sie uns sagen, was wir wie und wann tun sollen, damit wir Erlösung erlangen: eine maximal verlängerte Jugend, erhebende Konsum-Messen und Freiheit von jedem Gedanken an die Vergänglichkeit.

Mangel an Denkfähigkeiten

Wir haben es hier also mit zwei Arten von Dummheit zu tun: die naive Dummheit, die im dinglichen, konkretistischen, sinnlich-handlungsbezogenen Denken steckengeblieben ist, und die akademische Dummheit der Wasserköpfe, die in den Lüften von Konzepten und Ideologien schweben und den Bodenkontakt zur Wirklichkeit verloren haben.

Es dürfte schon aus diesen kurzen Andeutungen ersichtlich werden, dass diese beiden Formen unreifen und abgespaltenen Denkens nicht miteinander kommunizieren können und sich deshalb am liebsten gegenseitig ignorieren oder, wenn das nicht geht, sich gegenseitig abwerten und beschimpfen. Diese Trennung und Vermeidung ist nicht nur ein inner-gesellschaftliches, interpersonales Phänomen, sondern auch ein inner-psychisches, intrapersonales. Diese Form der Ignoranz und kognitiven Inkompetenz ist zu einer Grundstruktur unseres Zeitgeistes geworden und Ursache einer sehr umfänglichen Lähmung und Retardierung in allen Bereichen menschlicher Kultur. Vor allem macht sie Verantwortung als Fähigkeit höherer Intelligenz ganz unmöglich. Deshalb müssen wir uns dieses Mangels bewusst werden und Wege finden, unser Denken zu „reparieren“ und unsere Denkfähigkeiten zu kultivieren.

Natürlich gibt es viel mehr negative Folgen und Degenerationssymptome aus diesem zerbrochenen Denken als bloß das naive Unverständnis von Geld und die verkomplizierende Verblödung durch „akademische Bildung“. Aber diese beiden Aspekte sind die folgenreichsten Gebrechen unserer Gesellschaft und müssen in allererster Linie verarztet werden.

Des Weiteren wäre noch die vollkommene Degeneration der „Kunst“ zu nennen (die es heute nicht mehr gibt, wir haben stattdessen Kunstbetrieb und Kunstmarkt), zu der insbesondere die Architektur gehört, die den alltäglichsten Beitrag zur Zerstörung von Ästhetik und Schönheit liefert; dann die damit einhergehende infantile Konsummentalität, in der Quantität zu Billigpreisen alles und Qualität nichts mehr ist; außerdem die völlige Verklebung des natürlichen menschlichen Strebens nach Höherem und Metaphysischem durch das, was wir „materiellen Spiritualismus“ nennen können: den unersättlichen Konsum von sphärischen Versprechen, vegetativen Beruhigungs-Sentenzen auf dem Niveau „tiefsinniger“ Kalendersprüche und den entsprechenden To-do-Listen und Ratschlägen zur spirituellen Selbstbefriedigung; schließlich ist durch die Unfähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, ein grundlegender Aspekt von Kultur zerstückelt, gelähmt und banalisiert worden: zwischenmenschliche Kommunikation.

In dem Maße wie Menschen nicht mehr denken können, können sie auch nicht mehr kommunizieren – oder besser: Kommunikation nicht mehr aktiv gestalten. Das ursprüngliche Gespräch und Miteinander-Reden ist nur noch Talk-Show. Was früher der Dialog war, ist nur noch Aneinanderreihung von Monologen und Meinungsverkäufen. Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Denn wir haben auch da den Kontakt verloren: man sendet oder empfängt, aber ein Austausch findet kaum noch statt. Zumindest auf den öffentlichen Bühnen und den beliebten digitalen Plattformen wurde das Gespräch – also das Antworten, Eingehen und sich-Beziehen auf das Gesagte eines anderen, insbesondere eines Anders-Denkenden so gut wie abgeschafft.

Bildung, Wissenschaft, Kommunikation und öffentlicher Diskurs haben eines gemeinsam: all diese Aspekte von Gesellschaftskultur, menschlichem Zusammenwirken und Ausdruck wurden über hunderte von Jahren sukzessive dem Geiste des Kaufmanns und Marktschreiers unterworfen. Sie alle werden heute dominiert, bestimmt und vor allem begrenzt und deklassiert vom Geiste des Handelns und Tauschens, von der Logik der (Markt‑)Wirtschaft, von der Dynamik des Feilschens und Übervorteilens. Über allen noch so akademischen, ideellen oder „gemeinnützigen“ Institutionen steht immer das Gesetz des Geldes und des Profits – also der Selbstbereicherung.

Wir sind spätestens seit der Jahrtausendwende an dem Punkt angekommen, dass alle unsere Lebensbereiche von Finanzen und also auch von den finanzsteuernden Institutionen kontrolliert und gelenkt werden. Dass Regierungen und Länder kontrolliert werden von dem, der das Geld regiert, wissen wir seit dem bekannten Zitat von Herrn Rothschild, der es wissen musste, denn er gründete damit das funktionierende Monopol-Geschäftsmodell der Zentralbanken, die die Steuerung der Geopolitik und ihrer Darsteller aus den Hinterzimmern der Bankiers heraus übernahmen. Weniger bekannt ist, dass weltweit alle sogenannten „Nationen“ seit Ende des Zweiten Weltkrieges juristisch als Unternehmen geführt werden und damit alles Recht innerhalb und zwischen Ländern dem Handelsrecht unterliegt.

Die eigentliche Erkenntnis aus all dem, die den Kern unserer Überlegungen hier ausmacht, kann jedoch gar nicht genug betont werden in ihrer Wichtigkeit: die Lebensphilosophie der Menschen, unsere gesamte Kultur und ihr Zeitgeist werden beherrscht vom Kaufmanns-Geist.

Seitdem alle unsere Lebensbereiche von der Selbstbereicherungs- und Handelsmentalität der Bankiers, Wirte und Verkäufer regiert werden, scheint nun alles käuflich geworden zu sein. Für den Menschen im Betriebs-, oder Volkswirt-Modus ist klar: alles ist stets nur eine Frage des Geldes. Der Rest ist Marktplatzgewimmel, in dem sich Kunden und Anbieter misstrauisch um die Dominanz über die Preise streiten.

Das Problem ist jedoch nicht, dass wir heute alles in Käuflichkeits- und Handelszahlen umrechnen – also in der Essenz glauben: „Zeit ist Geld“ und unsere Lebenszeit als Tauschwährung betrachten – sondern das eigentlich verheerende geistige Übel unserer Zeit ist, dass wir blind geworden sind für das Nicht-Käufliche und für alle Werte ober- und außerhalb des Krämer-Horizontes. Wir interpretieren unsere essentiellen Bedürfnisse und unsere tiefgreifende Verzweiflung bloß als ungestillten materiellen Hunger. Deshalb stecken wir so tief in der Falle und drehen uns im Teufelskreis, den man in der Postmoderne „Hamsterrad“ nennt („Hamster“ sind produktiver).

Mit anderen Worten: Der ursprünglich spirituell oder psychisch gemeinte Zustand der „Hölle“ wurde gewinnbringend in den Wirtschaftskreislauf als „produktive Kraft“ mit eingebaut. O Gloria in excelsis diabolo: die Hölle (neusprachlich: „der Stress“) dient als Turbine für die Stromversorgung des Lebensbetriebes. Sinnhaftigkeit, geistige Werte und mühsam zu tradierende Kultur wurden „überbrückt“ und wegrationalisiert mit der unmittelbaren Kurzschluss-Logik der Arbeits-und-Konsum-Philosophie:

„Warum arbeitest du?“ – „Damit ich konsumieren kann.“ – „Warum konsumierst du?“ – „Um zu vergessen.“ – „Um was zu vergessen?“ – „Dass ich arbeite.“

Wenn wir verstehen, dass der Teufel oder das Böse die Abtrennung von Natur und Ganzheit ist, dann verstehen wir, warum diese Nicht-Kultur durch und durch des Teufels ist.

Einer der theoretischen Handelsvertreter dieser verdammt guten Idee nannte die Kraft für dieses Teufels-Hamsterrad vor 150 Jahren schon: „Das Kapital“. Was natürlich nicht gern verraten wird ist dies: in Wirklichkeit wird der ganze Marktplatz mitsamt allen Kunden und Unkundigen der Hölle unterstellt. Das heißt nichts anderes, als dass die Destruktivität über der sogenannten „Produktivität“ steht – erst in den Köpfen der Menschen, dann in den Herzen und schließlich als dämokratisch gewählte Regierung.

Diese stichwortartigen Hinweise sollen an dieser Stelle reichen als skizzenartige Zusammenfassung von 200 Jahren Abendland im Untergangsmodus.

Womit wir zum Schlüssel des Verständnisses dieses ganzen traurigen Phänomens kommen. Denn die Frage ist ja: Warum lassen wir uns überhaupt auf eine so systematische Zerstörung von Denkfähigkeit und damit von Kultur und Werten ein? Warum bauen wir so emsig und geradezu hypnotisch-begeistert Systeme und Strukturen, die ganz offensichtlich nur dazu dienen, menschliche Kultur, Errungenschaften und Kompetenzen zu vernichten? Die Antwort dürfte für die Leser der vorhergegangenen Teile dieser Artikel-Reihe ebenso so einfach wie naheliegend sein: weil man nur so Macht über andere weiter ausbauen kann. Alle oben aufgezählten Degenerationssymptome laufen auf den gleichen Vorteil für die Kontroll-Elite hinaus: sie ermöglichen es, die Menschen bis ins letzte Detail zu kontrollieren und zu steuern. Daran erkennen wir, dass dahinter Intention, Wille und Systematik stecken und nicht Zufall, Versehen oder Pech.

Umgekehrt erkennen wir auch, dass Kultur, Bildung und die Fähigkeit zu realistischem Denken Antagonisten und Gegengewichte gegen den krankhaften Drang nach immer mehr Macht und Kontrolle sind. Während letzteres nur aus Angst und Minderwertigkeitsgefühlen kommen kann, so entwickeln sich die genannten Antagonisten aus der Überwindung von Angst und innerer Lähmung durch Auseinandersetzung und Entwicklung zu höherer Intelligenz. Diese führt uns dann auch zu Verantwortungsfähigkeit.

Die angedeuteten Degenerationen sind also nicht versehentliche Ausrutscher einer ansonsten sich entwickelnden und geistig wachen und wachsenden westlichen Welt, sondern gewollte Ergebnisse derjenigen Kräfte, die Macht und Kontrolle über alles andere stellen – und damit letztlich nur Leben zerstören. Ihre Machtgier und materielle Selbstaufplusterung aus Angst treiben sie schrankenlos an, bis wir alle untergehen würden. Intelligent ist das nicht. Es ist jedoch durch und durch merkurisch.

Der merkurische Geist

Wir betreten hier mit diesen Themen die Hoheitsgebiete von Merkur, der latinisierten Version von Hermes, dem Götterboten, der auch als „Schutzgott der Händler und Diebe“ verehrt wurde. Fast jeder weiß aus Erfahrung, dass diese beiden Berufszweige verwirrend nah beieinander liegen und sich nicht selten miteinander mischen oder sich doch zumindest zum Verwechseln ähneln können. Das liegt daran, dass beide Professionen ganz besonders fokussiert sind auf Geld, das deshalb auch zum Herrschaftsgebiet des Hermes-Geistes fällt. Denn Geld ist auf dem Marktplatz zunächst das Idiom des Tausches und hat seinen Platz und Wert erst einmal nur als Mittler zwischen Werten, quasi als künstliche Übersetzungssprache im Wertetausch. Und alles Sprachliche, Übersetzende und Mitteilende gehört zu Hermes, der als Bote der Götter selbst der Gott der Kommunikation ist.

Mit Göttern kann der moderne Mensch nicht viel anfangen, daher sollten wir hier einschieben, dass damit geistig–psychische Prinzipien und Kräfte gemeint sind. Die „Welt der Götter“ ist die innere Welt des Menschen, aus der heraus ihn Kräfte steuern. Unsere Vorfahren – in dem Falle insbesondere die der griechischen Hochkultur – waren so klug, die Prinzipien, Dynamiken und Aspekte der menschlichen Psyche in Form von Mythen, Figuren und Geschichten darzustellen, statt wie wir es heute kläglich versuchen, mit pseudo-wissenschaftlichen Begriffen aus der Verhaltenskunde (genannt „Psychologie“), der mechanischen Physiologie und der phantastischen Neuro-Irgendwas. Während wir uns nämlich heute in immer mehr Detailwissen in immer mehr isolierten Forschungszweigen verlieren, aus dem wir weder ein Gesamtbild synthetisieren noch den Bezug zu uns selbst jemals wieder herstellen könnten, war unseren Vorvätern in Zeiten von Hochkulturen bewusst, dass Wissen über uns selbst und unser Potenzial als Menschen vor allem emotional, zusammenhängend, intuitiv-eingängig und deshalb bildlich-sinnlich vermittelt werden muss. Denn nur so können wir daraus Bedeutung herstellen, die nur durch individuellen persönlichen Bezug entstehen kann. Heute haben wir massenweise Psychologen aller Couleur, die überhaupt keinen Bezug zwischen ihrem Wissen und sich selbst herstellen können. Mit anderen Worten: ihre „wissenschaftlichen“ Informationssammlungen sind im wahrsten Sine des Wortes bedeutungslos.

Wer es aber versteht, Götter (Prinzipien) zu erkennen, dessen Geist kann in umfassenderem, ganzheitlichem Bewusstsein wachsen, weil er – neuropsychologisch gesprochen – mit beiden Gehirnhälften versteht, vor allem eben auch mit der synthetisierenden, erfahrungsnahen rechten Gehirn-Hemisphäre. Wer in übergeordneten Prinzipien betrachten und denken kann, der kann Emotionen auf emotionale Weise, den Geist auf geistige (geisteswissenschaftliche) Weise, somit den Menschen auf menschliche Weise und das heißt, menschliche Intelligenz auf intelligente Weise verstehen. Wir sehen daran bereits, wie wichtig Sprache und Symbolik sind, denn sie bestimmen und entwickeln oder begrenzen unser Denken.

Auch diese Aspekte – Sprache, Symbole und Denken – gehören zum übergeordneten Prinzip „Merkur“.  Interessant ist, dass in diesen mythologischen Betrachtungsweisen die enge Verbindung von Handeln, Kommunikation und Betrug enthalten ist. Wer Handel betreibt – egal mit was – kommuniziert: wörtlich durch das Zusammen-Kommen für Tausch. Im übertragenen Sinne mit und über Sprache. Und wer kommuniziert, der hat die einzigartige Möglichkeit, zu lügen, also zu betrügen, zu fälschen, zu verzerren und zu vertuschen. Lügen können wir nur mental. Der Körper und spontane Gefühle lügen nicht. Warum nicht? Weil sie nicht sprechen. In ihnen sind Form, Wesen und spontane Geste noch ungetrennt eins und übertragen sich durch direkte Wirkung auf andere.

Dieses unmittelbare Wirken nennen wir in gewisser intellektueller Fahrlässigkeit ebenfalls „Kommunikation“ und staunen dann, dass sogar Pflanzen, Bäume und sogar Moleküle, Elektronen und andere bildgegebene Erfindungen „miteinander sprechen“. Sogar über tausende von Kilometer hinweg. So „kommunizieren“ einige dann auch mit „den Toten“, mit „höheren Geistern“ oder anderen Projektionen des Geistes. Irrtum. Gegenseitiges Einwirken und Aufeinander-Reagieren sind etwas anderes als Sprache. Erstere sind unmittelbar, während Sprache immer die Vermittlung durch (intentionale!) Kodierung, Übertragung und Dekodierung fordert. Sprache ist Ausdruck des Geistes und immer ein doppelter Akt der Übersetzung. Deshalb ist auch die Sprache die Quelle aller Missverständnisse. Ohne Sprache gibt es kein Missverständnis, weil es dann Kodierung, Dekodierung und Verstehen gar nicht gibt.

Richtig aber ist, dass das Einwirken von einem auf ein anderes, jedes In-Resonanz-Gehen und Sich-aufeinander-Einstimmen Vorbedingung und Grundlage von Kommunikation per Sprache sind. Wir werden darauf zurückkommen, wenn wir später noch erläutern, dass „Sprache“, also Worte und Sätze ohne Resonanz eben keine Kommunikation mehr sind, so wie Mehl, Wasser und Feuer auch keine Brot ergeben, wenn man das Mehl ins Feuer wirft und dann das Wasser darüber kippt.

Nun verstehen wir auch, warum jener „Kommunikationsexperte“, der mit ironischen Anleitungen zum Glücklichsein verhelfen wollte, daneben lag als er uns einredete, niemand könne niemals nicht kommunizieren. Der Mann glaubte hoffentlich nicht wirklich, was er da als Axiom aufstellte und tatsächlich zu einem Fluch machte – den bis heute Abertausende von Psychologen, Coaches und Seminarleiter für Führungskräfte nachbeten müssen – denn er hätte dann nie mehr still auf einer Parkbank sitzen können, ohne dabei gleichzeitig permanenter Sprecher zu sein. Wenn tatsächlich schon das schlichte Dasein, jede Bewegung oder Geste „Kommunikation“ wären, dann würden wir in einer endlosen Flut von Gerede und Gequassel untergehen. Und gleichzeitig dazu verbannt sein, endlos Zuhörer, Empfänger und Publikum zu sein dafür. Sicher ein eingängiges Bild für die moderne reale Hölle der Endlos-Beschallung und Informierung, aber zum Glück kein natürlicher Zustand. Man sieht, die „Axiome“ übereilter Intellekte führen von luziferischer Selbstverliebtheit direkt in die Hölle, wenn man sie ernst nimmt.

Hiermit sei also die falsche Beschwörung des voreiligen Geistes vom Hohen Pfahl  nach 40 Jahren wieder aufgehoben: Sei beruhigt, Du kannst auch nicht kommunizieren! Und wir kommunizieren sogar noch viel weniger als uns gut täte. Und wenn schon das allererste seiner „Axiome“ so daneben ist, dann können wir davon ausgehen, dass die vier folgenden auch nicht viel taugen – außer zum schärfen unseres eigenen kritischen Denkens. Dazu seien sie empfohlen.

Denn nur dadurch können wir der typisch merkurischen Falle entkommen, Gesagtes oder Bebildertes für bare Münze zu nehmen und unser Gehirn mit Glauben zu verstopfen, den wir dann „Wissen“ nennen, der aber Denken und Wahrnehmung massiv blockiert.

Eine weitere Figur dieser geglaubten Illusionswelt ist Madame Marie Curie, von der wir schon als Kinder glauben sollten, es hätte sie wirklich gegeben. Sie ist eine kuriose Phantasmagorie, eine „Mär Curie“, durch welche uns Mercurius, (engl. ‚mercury‘) zublinzelt und zu verstehen gibt: „Wenn du nicht aufpasst, haue ich dich an jeder Ecke übers Ohr und ziehe dich dann über den Tisch wie es mir gefällt.

Die Köpfe, die sich diese ganzen Erfindungen und Geschichten ausdenken, die wir glauben sollen, mögen damit bestimmte dunkle Zwecke verfolgen oder auch nicht – was uns hier interessieren soll, sind nicht die Pläne hinter den Machenschaften, sondern der Geist dahinter, der all diese Machenschaften hervorbringt, lenkt und sie dann auf die Empfänger und Mitläufer so machtvoll hypnotisch wirken lässt.

Ich will in diesem Punkt ganz ausführlich sein, um klar zu machen, was die Archäologen menschlicher Verschwörungspyramiden vor lauter Empörung und Ausgrabungsstolz übersehen: nämlich wer oder was sich denn bitte gegen wen verschwört. Wir können diese Pyramiden immer weiter nach oben nachzeichnen – oder immer tiefer „in den Kaninchenbau kriechen“, wenn wir uns wie Alice im wunden Land vorkommen – aber irgendwo ist das Ende der Fahnenstange dann einmal erreicht und nachdem wir den Chef vom Chef vom Chef, den Obersten von den Obersten der Obersten bis zum 33. Grade oder weiter nachverfolgt haben, müssen wir uns fragen: wer steuert das Gehirn oder die Gehirne an der Spitze? Wer diktiert denn dem Diktator? Wer vermauerte das Gehirn des Freimaurers?

Die wenigen Informations-Pfadfinder und Sammler von Geheimstakten, die es tatsächlich in akribischer Kleinstarbeit geschafft haben, den Faden der Befehlsketten versteckter Machenschaften bis zum Allerobersten zurückzuverfolgen, sind dort meistens so erschöpft, oder so sehr eingenommen von der Idee des Erzbösewichts, dass ihnen diese Frage gar nicht mehr kommt. Und dann purzeln sie ins Kindlich-Religiöse so wie berüchtigte Quantenphysiker, die die Grenze ihrer Phantasie bereits für den Saum der Metaphysik halten, und stammeln etwas von „Satan“, „Dämonen aus anderen Dimensionen“ oder dem „Bösen aus vorsintflutlichen Zeiten“. Damit sind sie, deren Zweifel nie beruhigt ist und deren Suchgetriebe nicht still steht, plötzlich zufrieden und fertig.

Der Sprung ins Geistige aber gelingt ihnen nicht. Wer den ganzen Weg nur auf den journalistischen Pfaden von Informationsbrocken, Geheimdienstdokumenten und unterdrückten wissenschaftlichen Enthüllungen gegangen ist, der scheint am Ende dieses Pfades Schwierigkeiten zu haben, geistiges Verständnis zu entwickeln. Als ob Quantität an Enthüllungen und Unglaublichkeiten die Qualität verbindender und lösender Erkenntnis ersetzen könnte! Da hat man endlich den Erzschurken wie in einem Jugendbuch oder Hollywood-Thriller dingfest gemacht, der zwar nach wie vor unbekannt und gesichtslos ist, jedoch seine obersten Spuren in wohl „jesuitischen“ Clubs hinterlassen hat – also schlichtweg die „Inkarnation des Bösen“.

Was das denn sei, bleibt offen beziehungsweise dem kindlichen Selbstverständnis überlassen: „Na, das Böse eben!“. Hätte er Platon gelesen, würde er sich vielleicht erinnern, dass niemand so unfrei ist wie der Diktator oder Tyrann, der das ganze Volk unterdrückt, denn er ist vollkommen seinen Trieben, Ängsten und Zwängen unterworfen. Der Oberste in der Diktatur ist der am meisten Gefangene und Eingesperrte: er verkörpert das Prinzip von Versklavung und Unterwerfung in Reinform. Nur so kann er es anderen überstülpen, denn er kennt nichts anderes und kommt nicht in die Gefahr lästigen und schwächenden Zweifels oder hemmender Empathie. Von wem oder was aber wird der Tyrann tyrannisiert?

Jetzt können wir mit den Griechen am besten antworten: von den Göttern. Der oberste Puppenspieler unter den Menschen selbst ist Marionette der Götter, also der mechanischen, unsterblichen Triebkräfte der menschlichen Psyche. Er ist nicht frei, sondern der Unfreiste in seinem extraprojizierten und extrapolierten Machtsystem. Solche Tröpfe kommen nicht in die Hölle, sie sind dort die ganze Zeit schon. Was ist die „Hölle“ für unser besseres modernes Verstehen? Dante hat’s uns vor 600 Jahren schon verraten: der Ort (Zustand) in uns, an dem es keine Hoffnung gibt (wieder hinauszukommen).

Das Macht- und Kontrollsystem, das ich in den vorhergegangenen Teilen dieser Artikel-Reihe skizziert habe, ist ein Konstrukt der Hoffnungslosigkeit und der Vergeblichkeit, die Angst machen und dann jenes Monstrum von Weltherrschaftssystem aufbauen, das nichts als Angst und Betäubung kennt. Was aber auch immer damit angestrebt wird, es ist nichts als ein Rauschen im Wind.

Und der Wind, die Luft, ist das Element jenes kleinen Gottes mit den Flügeln an seinen Knöcheln, dessen Aufgabe es ist, Botschaften, Geschenke und Tauschwaren abzuholen, zu transportieren und zu überbringen. Mit diesem Gott geht alles gut wie mit allen anderen Göttern auch, solange er von den anderen göttlichen Prinzipien begrenzt und im Gleichgewicht gehalten wird. Der vorwitzige und schelmische Hermes muss vom überblickenden, väterlich-fürsorglichen Zeus, dem Vorsitzenden im Olymp, in seine Grenzen gewiesen werden, sonst wird er so übermütig wie übermächtig. Wenn das Prinzip von Kommunikation, schlauem Handel und spitzbübischer Cleverness Überhand nimmt und von höherer Ethik nicht mehr kontrolliert und kultiviert wird, dann plustert es sich immer weiter auf in egozentrischem Selbstbezug mithilfe betrügerischer Wortverdrehungen, listigem Betrug und linkem Handel.

Die Herrschaft der kleinen Geister

Wenn das Prinzip „Hermes“ herrscht, dann herrschen die Botschafter und nicht die Könige. Dann bestimmen die Vermittler und Händler, was wann wie gesagt und übermittelt wird und berauschen sich zunehmend an der Macht, die sie dadurch über alles bekommen, solange kein anderes Prinzip einschreitet und sie hemmt. Diese Hermes-Geister im Gewand des Unternehmers, Kaufmanns, Beraters und Vertreters – neuerdings auch des Journalisten und Politikers – wollen nicht, dass du denkst, sondern dass du kaufst. Sie kommen mit Produkten, Versicherungen, Abonnements, Unterschriften-Aktionen, Ideen, ideologisch geprüften Meinungen und Empfehlungen, die du annehmen und bezahlen sollst.

Sie alle sind in erster Linie Fußsoldaten im Marketing, genannt „Kommunikationsexperten“, d.h. also Schauspieler im Namen des besseren Verkaufs. Sie lieben die Hypnose und die Abrichtung der Menschen auf berechenbare Reiz-Reaktionen, damit sie im Wirtschaftsrad kontrolliert mitlaufen. Wir sehen das heute daran, dass eine Mehrheit der Menschen in unserem Lande nicht nur auf bestimmte Ideen, sondern bereits auf einzelne Worte mit einem konditionierten mentalen Reflex reagieren, der jegliches Denken und Nachdenken kurzschließt.

Das funktioniert mit einer Verkopplung von Worten und fixen Ideen mit emotionalen und moralischen Reizen bei einer solchen Beschleunigung der „Informierung“, dass keine Zeit zur Reflexion bleibt. Du hast die Idee „gekauft“, die du kaufen sollst, wenn du Ideen und Statements für richtig oder falsch hältst ohne es begründen zu können und ohne zu wissen, woher und warum du diese Meinung hast. Du hältst etwas für deine „eigene Meinung“, weil du dir nichts anderes mehr vorstellen und denken kannst. Das ist Gedankensteuerung in Perfektion: die Menschen identifizieren sich mit fremden, falschen und schädlichen Ideen so sehr, dass jeder andere Gedanke sich für sie wie ein Identitätsverlust anfühlt und damit existenziell bedrohlich wirkt. Ja, die Menschen haben Angst vor Gedanken und Ideen, die nicht offiziell und medial legitimiert sind. Und vom wem bekommen wir diese Identität? Von den Hermes-Darstellern auf den öffentlichen Bühnen.

Dies dürfte heutzutage die Normalität im „politischen Denken“ beschreiben. Menschen reagieren auf nicht-marketing-konforme Ideen und Gedanken mit kindischen Emotionen wie Empörung, Angst, Trotz, Schock, Wut und Überforderung und bemerken gar nicht, dass sie hypnotisiert und konditioniert wurden. Sie sagen: „So denke ich“ und wissen nicht, was „denken“ bedeutet. Aber sie sind laut und selbstgefällig mit „ihren Meinungen“ und gehen dann „frei“ wählen und demonstrieren. Hermes lacht sich ins Fäustchen, wenn er sieht, wie die Menschen „freiwillig“ genau das tun und sagen, was er ihnen eingeflüstert hat. Niemand ist so sehr Sklave, wie der Sklave, der glaubt er sei frei.

Die „Marketingexperten“ wollen dabei aber nicht, dass du zufrieden bist, denn zufriedene Menschen kaufen nicht viel und geben ihr Geld nicht gern her. Du sollst nur vorübergehend ruhig gestellt sein, doch immer unerfüllt und hungrig sein. Deshalb verkaufen sie lieber Versprechen als echte Werte.

Sie bleiben Kleingeister, auch wenn sie sich die Verantwortlichen von Ländern und Institutionen durch deren Unachtsamkeit, allzu großes Vertrauen oder Bestechlichkeit zu Marionetten ihrer Launen und Agenden machen. Und die Welt, die sie dann schaffen, bleibt kleingeistig, phantasielos, unreif und instabil. Was sind denn auch Boten, die keine neuen königlichen Botschaften mehr empfangen, sondern nur alte Botschaften immer neu manipulieren, entstellen und auftischen? Lauter Iagos ohne Othellos, die nur zerstören können, was höhere Geister aufbauten. Aber Othello muss seine Lektion erst noch lernen, um nicht nur ein heldenhafter, sondern auch ein edler, verantwortungsvoller Geist zu werden. Vorher fällt er in seiner Naivität auf den Dienstboten Iago herein, also auf die Aspekte von Hermes, die negativ und giftig wirken, wenn sie nicht gesehen und kontrolliert werden.

Eine weitere typische Eigenschaft für einen übersteigerten Hermes-Geist ist seine Tendenz zur Verkomplizierung. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und Menschen, die unter diesem „Verzettelungs-Syndrom“ leiden, verlangen häufig nach möglichst komplizierten Erklärungen und wollen einfache Zusammenhänge und Vogelperspektiven nicht gelten lassen: „Das ist doch viel zu einfach! Die Sache ist viel komplexer!“. Das liegt daran, dass ihnen die Fähigkeit des Überblicks und des vernetzenden Denkens fehlt. Ihr Verstehen beruht auf einzelnen Puzzlestücken von Insel-Wissen und Schubladen-Erklärungen, die untereinander nicht verbunden sind. Ihre Ansichten sind fragmentiert und sie brauchen die permanente Verkomplizierung, um ihr eigenes Unverständnis und ihre Überforderung rechtfertigen zu können. Sie brillieren gern mit Nischen-Wissen und müssen dabei verdecken, dass sie nichts verstehen. Dafür bräuchte es die verbindende und überschauende Fähigkeiten von „Zeus“.

Zeus und der kriminelle Hermes

Zeus weiß, dass er Hermes nie ganz trauen kann und deshalb hat er ein wachsames Auge auf ihn. Wenn uns Menschen aber der Zugang zu der jovialen Kraft des Götterherrschers – dem integrierenden, verantwortungstragenden Bewusstsein – verloren geht, dann übernimmt der Dienstbote den Thron unserer Psyche und wir werden blind dafür, wie unmoralisch, kurzsichtig und vor allem verantwortungslos diese jugendlichste aller (Götter‑) Kräfte ist. Und so wurde unsere Kultur, die eine Hermes-, also eine Kommunikations- bzw. Botenkultur wurde – jugendlich, leichtsinnig und verantwortungslos. „Kommunikation ist alles“ ist sein Motto und damit ist er der Schutzgott der Berater und Marketingexperten, die seit Jahrzehnten mit gestylten Präsentationen durch die ganze Welt jetten, die höchsten Honorare verlangen und meistens spurlos verschwunden sind, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen oder Konsequenzen mit zu tragen.

An dieser Stelle lohnt sich ein Gedankenexperiment, das für einige meiner Leser sicher mehr als nur ein Gedankenexperiment ist. Was würde passieren, wenn dieser hinterlistige, doppelzüngige Iago mithilfe seiner skrupellosen Schlitzohr-Freunde nicht nur Othello hinters Licht führt und Desdemona umbringen lässt, sondern wenn er dann auch Präsident des mächtigsten Landes der Welt werden würde? Dann kann so ein aalglatter, telegener Maskenspieler mit samtiger Stimme ein ganzes Volk verführen und seinen speziellen Freunden geheim und dienstlich alle Türen in der Welt öffnen, an die ihre Machtgelüste heran wollen. Und während er sich von seinen Komplizen Nobelpreise überreichen und sich medial als Traumpräsident inszenieren lässt, kann er im Hintergrund massenweise Kriege anzetteln, mit brutaler Gewalt Menschen unterdrücken und töten lassen und seinem Volk Schritt für Schritt seine Rechte, seine Freiheiten, sein Geld und seine Sicherheiten entziehen. Dabei lächelt er stets und verspricht den Himmel auf Erden.

Die schwierige Lektion für das weltweite Jubelvolk ist dann eine doppelte: erstens die Erkenntnis, dass Satan (der Erzbetrüger) strahlend lächeln kann und das beste Marketing beherrscht, dass also der äußere Schein das Gegenteil von der Realität sein kann; und zweitens, dass sie sich völlig haben täuschen und blenden lassen, sich schwarz für weiß verkaufen ließen, blind mithalfen, Kultur und Menschlichkeit zu zerstören – von der gesunden Lebensgrundlage und den Traumatisierungen der Kinder gar nicht zu sprechen – und es also mit der eigenen Intelligenz, Aufgewecktheit und selbsternannten Spiritualität doch nicht allzu weiter her sein kann. Ja, erwachsen werden ist anstrengend und steinig.

Wenn Othello nicht aufwacht – erschüttert vom eigenen verblendeten Mord an seinem wahren Wesen (dem Des-Dämonischen) –, wenn also der große Vater Zeus nicht für Ordnung sorgt, interpretiert der Hermes-Geist sein Motto („Kommunikation ist alles“) gerne zu seinen Gunsten um: „Schein ist alles!“. Denn seine raffinierten Betrügereien funktionieren eine Zeit lang mit allen und alle Zeit lang mit einigen. Betört von seiner Macht, die Einfältigen, Naiven und Gutgläubigen an der Nase herumführen, ihnen seine virtuelle Realität verkaufen und sie zu strebsamen Sklaven machen zu können, die sich für frei halten, baut er seinen Sommernachtstraum immer weiter aus. In Oberons Abwesenheit und Unaufmerksamkeit stellt er sich seine Legitimationen nach Belieben und ohne jede Ethik außer der der puren Selbstbefriedigung selbst aus. „Es ist doch nur ein Spiel“, denkt er sich und manipuliert die Sprache wie ein Lehrling, dem langweilig wurde. Dann bekommt er aber Kinder, die nehmen das Spiel schon ernster, und dann Enkelkinder, die kennen nichts anderes mehr und machen das Spiel zu einer Sache um Leben und Tod. Dann kippt das Ganze in die Dystopie und rast dem Untergang entgegen.

Wenn die Moral ersetzt ist durch das Gesetz der Selbstwert-Aufblähung, dann kann man sich auch eine Welt der erfundenen Werte und Illusionen schaffen, in denen psychologische und kosmische Gesetzmäßigkeiten (scheinbar) nicht mehr gelten. Dann kann man auch Geld „erfinden“ und als „Wert“ bezeichnen.

Für den Hermes-Geist ist die ganze Welt nichts weiter als ein Basar, auf dem es nur darum geht, die anderen mehr und besser zu übertölpeln als jeder andere. Sobald der Wettlauf von Betrug und Schlitzohrigkeit einmal eröffnet ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kultur langwierig aufgebauten Vertrauens vernichtet ist und jeder gegen jeden agiert. Dann gibt’s aber leider keine „Ordo ab chao“, wie sich der selbstverliebte Zauberlehrling einredet,  sondern nur Chaos bis zum Untergang. Irgendwann muss Papa Zeus also wiederkommen, den Laden aufräumen und alles wieder richtig herum aufstellen. Dann sitzt der Hermes-Junge weinend in der Ecke und versteht nicht, warum seine berauschende selbsterfundene Welt niemals so gut funktioniert wie die des Meisters, der es versteht, alle Götterkräfte untereinander in Balance zu halten.

Die Götter also sind es, die die Menschen beherrschen und wer das nicht einsehen kann oder möchte, der muss im Drama des Weltgeschehens verzweifeln, weil er seinen Glauben an „die Menschheit“ angesichts der Grausamkeit auf der einen und der unsäglichen Naivität auf der anderen Seite nicht aufrecht halten kann. Es gehört zum ausweglosen Drama dazu, dass der Mensch versucht, eine eigene Lösung zu finden und damit in die Hybris verfällt, in sein eigenes Schicksal eingreifen zu können. Nur wer den Göttern wieder Raum und Wirklichkeit zusprechen kann, der betritt das Feld der Tragödie, in denen der Held entsteht: derjenige, der sein Schicksal besteht statt es zu bekämpfen.

Die jesuitischen, ganz geheim dienstlichen oder freimaurerischen Gaukler, die uns mit ihrer Bilderwelt zwar nicht überzeugen, aber hypnotisieren können und uns die göttliche Erde mit computeranimierten „Beweisen“ als Billardkugel verkaufen wollen, sind also die am meisten Betrogenen von allen. Der Geist des Hermes, in seiner luziferisch giftigsten, dumpf-materialistischsten, nämlich der satanischen Variante, hat sie selbst an seinen Fäden komplett in die Irre geführt. Sie hatten nichts als Illusionen und so bleibt am Ende, in der sicheren Desillusionierung, nichts von ihnen übrig als ein Häufchen Elend: kranke, degenerierte, angstvolle Kinder, denen leuchtende Symbole und adrenoider Größenwahn in die Hände fielen, welche sie geistig und körperlich ausbrannten und zerstörten.

Die Reintegration der Hermes-Kraft

Wofür das herzzerreißende Spektakel und das unzählige Leid? Vielleicht damit die Menschen lernen, mit Hermes, dem Feuer des Geistes und Ekstase umzugehen, den Versuchungen der bequemen Illusionswelten bewusst zu entsagen und den Kräften des Zeus: Großherzigkeit, Fürsorglichkeit und Väterlichkeit wieder mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Und große Lektionen brauchen große Erschütterungen. So kann sichergestellt werden, dass der Wellenschlag der Lernerfahrung sich über Generationen ausbreitet und daraus eine (neue) Kultur entsteht, die das Gelernte weiter transportiert und dem Wesen des Menschen – in jedem einzelnen – das Wissen über das Niedere, Falsche und Schädliche seelisch tief genug eingraviert. So kommen wir Menschen schließlich dazu, im Zusammenleben mehr Raum für höheres Potenzial schaffen zu wollen.

Diesen großen Bogen über die Welt der Götter – der psychischen Kräfte – mussten wir machen, um die Verbindung zwischen dem äußeren Geschehen in der Welt und uns selbst herstellen zu können. Es macht einen essentiellen Unterschied, ob wir uns „bösen Menschen“ und ihren Machenschaften gegenüber sehen oder psychischen Kräften, die Teil des Menschen und also auch von uns sind. Die geistige Lösung des Desasters, in dem wir uns kulturell und psychisch befinden, besteht nicht wie die praktische, politische, psychologische oder technische Lösung darin, einzugreifen und die tausend Knoten einzeln aufzudröseln, sondern darin, sich daraus zu lösen. Nur aus dem erhöhten Abstand zur Sache, aus dem heraus wir sie freischwebend überblicken können und gleichzeitig uns selbst darin noch involviert sehen können, können wir die Verstrickungen lösen, die uns ins Unglück hineingezogen haben. 

Wir müssen erst den Kopf über Wasser bekommen, bevor wir uns freischwimmen können. Ansonsten werden wir im Eifer der Lösungssuche die gleichen Fehler wieder machen und im ungeduldigen Herumzerren an unseren Fesseln die Knoten nur noch enger zuziehen. Wir müssen erst sehen, was wie passiert ist und wie es uns involviert hat, bevor wir handeln. Wir müssen erst verstehen, wie und warum wir so sehr verstrickt waren in Betrug und Irrtum, bevor wir uns aufs Podium neuer Aufklärungen stellen.

Leider geschieht dieser schweigsame und geduldige Schritt viel seltener als das Aufschwingen auf Auskunftsposten sobald sich einige neue Informationen oder auch nur tiefer bohrende Zweifel bemerkbar gemacht haben. Die wenigsten ahnen, wie tief der Kaninchenbau ist und sie schalten sich live aus der Dunkelheit bevor sie ganz durch sind. Durch den Kaninchenbau durch bist du, Alice, wenn du wieder und neu bei dir selbst angekommen bist. Solange du noch erstaunt, empört oder besorgt über „all das Böse da draußen“ bist, bist du noch im Wunderland hinter den Spiegeln.

Eine der Haupteigenschaften von Hermes alias Mercurius sind Ungeduld, Voreiligkeit und intellektuelle Oberflächlichkeit. Er ist immer in Bewegung und mag nicht gerne rasten und tiefer blicken. Eine Idee, ein Gedanke, ein Informationsbrocken reichen schon, den Rest fügt er geschwind und unreflektiert aus seiner Phantasie und Assoziationen hinzu. Das Internet, in dem man sich von Information zu Information im Sekundentakt bewegt, ist sein Element. Was gibt es Oberflächlicheres als einfach nur auf den Fluten von Informationen zu „surfen“? Der Wind der eigenen Geschwindigkeit ist berauschender als die tiefen Bewegungen unter dem gewichtlosen Brett, auf dem man sich bloß oben halten muss. Und man kommt beim Surfen immer dort wieder an, wo man angefangen hat. „In Bewegung sein ist das Ziel“, spricht der post-modern verdrehte Taoist und überholt sich selbst bevor er jemals bei sich ankommt. Es fordert eine Menge Reife, mit der Technik, die wir heute haben, konstruktiv umgehen zu können. Für die meisten ist sie erstmal das, was ein Hightech-Labor für eine Horde Affen wäre: ein gefährlicher Spielplatz zur Selbstvernichtung.

Wenn wir uns im Folgenden also der Reparatur des Denkens zuwenden, dann müssen wir ein scharfes und waches Auge auf den inneren Hermes haben, der zappelig und unruhig schon gleich woanders hin denken und aus seinen Assoziationen alles besser wissen möchte. Der ungeübte, das heißt verzogene und falsch verwöhnte ADHS-Geist möchte Quantität und Entertainment, aber bitte keine Tiefe oder Selbsterkenntnis! Das „Affen-Denken“ (monkey mind), wie die Buddhisten es wohl nennen, hüpft gern von Ast zu Ast und beklagt sich am Abend darüber, dass es keine Ruhe, keine (Kon-) Zentrierung und keinen Frieden findet.

Wir werden Hermes nicht allem mit dem Hermes-Geist verstehen und schon gar nicht wird diese jugendlich-ungestüme und selbstverliebte Kraft sich selbst Lehrer sein können. Ihn zu entwickeln braucht die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen (lat. inter-legere), um das geistige Bindegewebe zu begreifen, das aus Informationen Sinn macht. Der entsteht durch Selbstbezug. Wer also richtig zwischen den Zeilen liest, liest sich selbst mit.

Stufen des Denkens

Unser Denken entwickelt sich in unserer Kindheit und Jugend aus unseren sinnlichen Erfahrungen. Das, was wir Denken nennen, ist die Abstraktion von konkreten Erlebnissen und Sinneseindrücken mithilfe von Symbolen und Begriffen.

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Stufen der Abstraktion, die sich – von unten nach oben – aus einander, d.h. eine Stufe aus der vorherigen entwickeln.

Damit ist diese Tabelle einerseits ein Modell für die Ontogenese des Denkens wie sie bei jedem Menschen stattfinden kann, wenn sie nicht gestört wird, und andererseits eine Landkarte der vollständigen, ganzheitlichen und erwachsenen Denkfähigkeit vom ganz Konkreten zum hoch Abstrakten. Wir haben es hier mit einer organischen Entfaltung zu tun. Dieses Verständnis ist wichtig für die Reparatur des gesunden Denkens, denn das Denken entsteht nicht aus dem Denken (was absurd wäre) und auch nicht aus dem luftleeren Raum oder einer nebulösen „kognitiven Dimension“, sondern aus der abstrahierenden Verarbeitung von Körpererfahrungen und Sinneseindrücken.

Deshalb sind unmittelbare Erfahrungen über den Körper die Grundlage der Denkfähigkeiten. Vielfältige und differenzierte Körpererfahrungen wie z.B. durch das Kinderspiel in der (wilden) Natur und mit anderen Kindern zusammen, legen die Grundlage für flexibles, offenes und differenzierendes Denken. Das Training von körperlicher Ausdauer befähigt zu ausdauerndem Denken. Das Training von intentionaler, zielgerichteter Bewegung wie z.B. beim Turnen oder Tanzen und das sich-Üben an Herausforderungen wie z.B. beim Sport, ermöglichen zielgerichtetes, konsequentes und problemlösendes Denken. Die Ausbildung der Feinmotorik wie z.B. beim Balancieren auf einem Baumstamm, bei Hüpfspielen, im Ballett oder beim Spielen eines Instrumentes, legt die Grundlage für feinsinniges, emotional angebundenes und kritisches (i.S.v. auseinander haltendes) Denken. Und körperlich bildende Gruppen-Erfahrungen wie z.B. Gruppentänze und Teamsports bereiten den Boden für soziales, umsichtiges und systemisches Denken.

Diese Liste könnte man bis ins Endlose verfeinern, denn jede Qualität des Denkens wie Konzentration, Stringenz, Logik, Kohärenz, Plausibilität, Analysefähigkeit, Vernetzung, Flexibilität, Emotionalität, Moralität usw. lassen sich auf die entsprechenden körperlichen Erfahrungen und Fähigkeiten als ihre Vorbedingungen zurückführen.

Für die Unterstützung dieser Entwicklungsdynamik der Entfaltung aus der körperlichen Ebene sind zwei Aspekte maßgebend: zum einen die Tatsache, dass im Verlauf der natürlichen Entwicklung jede Qualität und Fähigkeit ihr optimales Zeitfenster hat, in dem sie gelernt und integriert werden können. Was in diesem Zeitfenster gelernt wird – ob nun konstruktiv fördernd oder destruktiv hemmend – ist fest in der Psyche gespeichert und kann später, außerhalb des natürlichen Lern-Zeitfensters – nur noch mit großem Aufwand und nur unter ganz bestimmten Bedingungen umgelernt werden. Dies ist der Grund, warum Menschen im Allgemeinen ihr Leben lang in den Denk- und Verhaltensmustern feststecken, die sie etwa bis zu ihrem achten Lebensjahr – manche früher, manche später – entwickelt haben.

Die zweite Grundregel ist, dass sich aus einer positiven, unterstützenden körperlichen Lernerfahrung die entsprechende Denk- und Abstraktionsfähigkeit so gut wie von selbst entfaltet. „So gut wie“ bedeutet: es braucht auch dafür natürlich bestätigenden, fördernden Einfluss, zumindest Spiegelung und Bejahung, aber es braucht eben keine „Denkschule“, keinen „Unterricht im besseren Denken oder Abstrahieren“.

Die Schlussfolgerungen aus dem bis hierher Angedeuteten sind also:

  • Für die Entwicklung des Denkens sind die vielfältigen und herausfordernden körperlichen Erfahrungen der Kindheit (bis zum 6. Lebensjahr vor allem) die wichtigste Grundlage.
  • Die „Reparatur“ des Denkens zu offenem, kritischem und konstruktivem Reflektieren und Hinterfragen geschieht über die Lösung von hemmenden, verletzenden oder verwirrenden Erfahrungen, die den Abstraktionsprozess in der Entwicklung (des Kindes oder Jugendlichen) gestoppt haben. D.h. durch die Verarbeitung ungelöster Entwicklungstraumata, was nicht dramatischer klingen soll als es ist: es geht um jegliche entwicklungshemmende Erfahrung.
  • Die gesunde und vollständige Verbindung zwischen Körpererfahrung und Denken wird durch das Fühlen, also durch die emotionale Verarbeitung von Erfahrungen hergestellt. Nur so können wir sowohl Erfahrungen als auch Gedanken eine Bedeutung geben. Bedeutung entsteht nur durch emotionalen und persönlichen Bezug. Ohne diese emotionale Verbindungsebene bleiben Gedanken und Reflexionen und sogar eigene Erinnerungen, egal wie „richtig“ und „gut“ sie sind, bedeutungslos und desintegriert. Extremstes Beispiel dafür sind traumatisierte Menschen, die die schrecklichsten eigenen Erfahrungen erzählen können als würden sie die Sportnachrichten vom letzten Jahr vorlesen – vollkommen unbeteiligt, d.h. abgespalten.
  • Es lohnt sich nicht, viel Aufwand und Energie in „Denkunterricht“ zu stecken, denn die wirkende Blockade des Denkens liegt auf der körperlichen und/oder emotionalen Ebene. Solange dieser „Stress“ im Körper nicht aufgelöst ist, kann das Denken nicht gesund werden. Umgekehrt wird es ganz von selbst gesund und intelligent, wenn das Nervensystem in einem gut regulierten Gleichgewicht ist. Über die pädagogischen Konsequenzen aus dieser Erkenntnis könnte man mindestens ein ganzes Buch schreiben. Bildlich zusammengefasst: ein Spaziergang im Wald und ein persönliches Gespräch über eigene Erfahrungen sind wirksamer zur Widerherstellung der Denkfähigkeiten als jeglicher Unterricht es sein könnte.
  • Wichtigstes Ziel der Entwicklung gesunden Denkens ist die Verbindung von konkretem und abstraktem Denken. Damit also auch die Verbindung von konkreter Wahrnehmung mit abstrakter Symbolisierung, Versprachlichung und Repräsentation (Induktion). Beginnend mit eindeutiger und differenzierter Verbindung von Worten und Bedeutungen wächst sie durch die konsequente Trennung von Fantasie und Realität und schließlich durch die Übung darin, konkretes Neues aus abstrakten Gedanken und Ideen ableiten und wirksam einsetzen zu können (Deduktion).

Die Abkopplung von der Realität

Um zu verstehen, was mit „Denken“ eigentlich gemeint ist, können wir den Begriff „Sprache“ stattdessen einsetzen. Denken ist inneres Sprechen bzw. Sprechen mit sich selbst. Sprache ist die Symbolisierung von Erfahrungen und das Bindeglied zwischen konkreter Handlung und „abstrakter Handlung“ im Kopf. Sprache bedient sich Worten, aber sie ist mehr als die Verkettung von Worten, denn diese kann auch imitiert werden. Ein Papagei kann Wörter nachsprechen, aber er spricht nicht mit ihnen. Diese Unterscheidung bringt uns auf den zweiten Blick zu der Erkenntnis, dass es auch unter Menschen sehr viele Beispiele für Papageien-Sprache gibt: sie benutzen Wörter, aber sie sprechen nicht. Das Kuriosum beim bunten Vogel ist eine Pathologie beim Menschen: die Abkopplung von Lauten (Wörtern) von Begriffen und die Abkopplung von Begriffen von konkreten Bedeutungen.

Die Fähigkeit des Menschen, Worte zu benutzen ohne damit eine bestimmte und konkrete Erfahrung auszudrücken, ermöglicht es uns, unser Denken von der physischen Realität abzukoppeln. Wir nennen das dann Phantasie, Imagination oder Erfindung. Wenn wir jedoch die Kontrolle über die Abkopplung (und Wieder-Ankopplung) verlieren, dann entsteht dadurch ein pathologischer Zustand chronischer Abstraktion, in der das wichtigste Korrektiv verloren geht: die Realitätsprüfung.

Kinder haben diese Fähigkeit bis zum 6 Lebensjahr meist noch so gut erhalten, dass sie ganz selbstverständlich zwischen Spiel und Realität oder zwischen Märchen und realer Geschichte unterscheiden können. Diese Fähigkeit wurde jedoch bei vielen im Laufe ihrer späteren Kindheit und Jugend korrumpiert, indem sie lernen mussten, dass Symbole und Phantasiefiguren keinen Wert hätten, weil sie irreal und damit bedeutungslos seien und dass aber gleichzeitig Ideologien und Meinungen, die gegen jede Erfahrung sprechen, Maßstab und Grundlage für Identität sind.

Wie im Artikel über das Phänomen „Links“ schon erläutert, wird so das Persönliche, Individuelle abgewertet und erstickt, während gleichzeitig als Ersatz eine Identität und Gruppenzugehörigkeit durch abstrakte Ideen und Konzepte erzeugt wird.

Dann haben wir z.B. Erwachsene, die Märchen „gendergerecht“ machen wollen, indem sie den Figuren die Geschlechtszuordnung nehmen. Oder sie stempeln die Geschichte vom „Mohr“ als „rassistisch“ ab, das Sterben des Wolfes als „Tierquälerei“, die Strafe für die böse Stiefschwester als „ungerecht“ und „unpädagogisch“ und den mutigen Einsatz des Prinzen als „Machogehabe“. Das Problem solch gewaltsamer Korrekturexzesse ist im Kern gar nicht die ideologisch-hypnotisierte Übergriffigkeit in Literatur, Tradition und Kultur, sondern die pathologische Verwechselung von realer mit der symbolischen Welt. Solche Menschen sind mental entgrenzt, was eine genauere Beschreibung ihrer speziellen Debilität ist: bei ihnen sind die Grenzen zwischen physischer und Phantasie-Welt aufgelöst und diese Bereiche verschmelzen in ihrem Denken miteinander ohne auseinandergehalten werden zu können so als wären sie in einem permanenten Halbschlaf.

Die fanatischeren unter diesen wörtlichen Spielverderbern personifizieren bereits psychotische Zustände: sie verlangen mit Gewalt, dass ihre Hirngespinste real werden und dass sich die Realität ihren Vorstellungen anpassen soll. Dieses eigentlich hochgradig klinische Phänomen hat es zuletzt geschafft, sich als politische Avantgarde zu inszenieren und einen ganzen Machtapparat über alle vier Gewalten des Staates zu bedienen. Das ändert jedoch nichts daran, dass es eine schwere geistige Störung und mentale Retardierung darstellt. Vernünftig wäre es, irgendwann dem Psychotiker das Messer aus der Hand zu nehmen.

Aber auch hier können wir annehmen, dass das degenerative Programm gewollt und geplant ist, denn so viel Inkompetenz braucht strategische und Waffen-Gewalt, um an der Macht zu bleiben.

Durch die Trennung von realer, persönlicher Erfahrung wird das Denken der Menschen „entwurzelt“ und vom Fühlen getrennt. Das heißt, man denkt und plant ohne Gefühl, ohne Empathie und in Folge ohne natürliche Ethik. Dadurch entsteht ein roboterhaftes, mechanisches Denken ohne Korrektiv im Realitäts- und persönlichen Bezug, das von außen „gefüttert“ und gesteuert, also „programmiert“ werden kann. Sobald Kinder ab dem etwa siebten Lebensjahr dann fähig sind, ihr eigenes Verhalten und vor allem auch die Verarbeitung ihrer Wahrnehmung über Gedanken zu kontrollieren, können sie dann zu entsprechend fremdbestimmten Robotermenschen weiter-„erzogen“ werden, solange sie nur immer schön von ihrem Körperempfinden und Fühlen abgetrennt bleiben. Ein Blick in das moderne Schulsystem und „moderne Pädagogik“ dürften jeden Zweifel über die erfolgreiche Implementierung dieser Grundlogik beseitigen. Und dies ist konsequent: wer um alles in der Welt an der Macht bleiben will, der muss den Menschen das verbundene Denken so früh wie möglich vergiften, blockieren und abgewöhnen.

Je nach Ausmaß dieser inneren Spaltung sind solche Menschen dann „zur Verteidigung ihrer (!) Ideen“ zu allem bereit. Solches mechanische, programmierte „Denken“ entpuppt sich meist sehr schnell als irrational, unlogisch, inkonsequent, realitätsfern, sprunghaft und Schablonen-fixiert. Vor allem fehlt ihnen jegliche Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken, also ihr Denken zu reflektieren. Technisch gesehen ist das die Unfähigkeit, auf eine höher abstrakte Ebene zu wechseln. Denkinhalte, die je nach Programmierung als „Wissen“, „Fakten“, „eigene Meinung“ oder „Wahrheit“ bezeichnet werden, sind nicht modulierbar und nur schallplattenartig abrufbar. Auch hier spiegeln sich wieder Denken und sprachlicher Ausdruck gegenseitig.

Es macht deshalb bei Menschen mit solchen mentalen Programmierungen – und damit ist leider heute bereits die Mehrheit der westlichen, medien-hypnotisierten Welt gemeint – keinen Sinn, auf die „Denkfehler“ hinzuweisen. So mancher Aufklärer hat sich daran schon den Mund fusselig geredet oder die Finger wund geschrieben. Wegen der meist schon frühen Abkopplung des „Denkens“ von der eigenen Wahrnehmung, sind die Menschen über die Ebene von Logik, Analyse und Information nicht erreichbar.

Und: sie selbst existieren in ihrem Denken nicht, sie kommen darin nicht vor. Oder genauer gesagt: in ihrem Denken sind ihre persönliche Erfahrung, ihre Gefühle und ihre Biografie nicht repräsentiert. Ich hoffe, ich kann damit die Entsetzlichkeit und den Grusel vermitteln, den dieser Zustand in einem verbunden-denkenden Menschen auslöst: da hat man vor sich Menschen, deren Denkfunktion nur rein mechanisch in Form von Reiz-Reaktionsmechanismen möglich ist und die wie Maschinen nur Gedanken reproduzieren können.

Das bedeutet auch, dass solche Menschen keine kognitive Identität entwickeln konnten, sondern mit ihrer Identität irgendwo auf dem Niveau eines unter sechsjährigen Kindes stehen geblieben sind. Ein solches Kind kann sich selbst nur impulsiv-emotional identifizieren, kaum aber reflektierend. Ihr Ich-Gefühl mag in körperlichen Empfindungen und Emotionen vorhanden sein, aber nicht mehr in Gedanken, Meinungen, Weltanschauungen und Überzeugungen. Die „Identität“, die sie mental annehmen ist eine von außen programmierte, die nur funktioniert, wenn sie permanent von außen gestützt und gefüttert wird. Solche Menschen können „Ich“ sagen und wissen (spüren, erleben) nicht, wen oder was sie damit meinen. Und ja, das ist beim näheren Hinsehen so gruselig wie es klingt. Die Hardcore-Variante solcher Abspaltung sagt jedoch ungern „Ich“, weil das bereits zu emotional vorgeprägt ist und somit die innere Spaltung fühlbar macht, sondern sie sprechen nur von „man“: „Man möchte sich doch mal ausruhen“ usw. Nimmt man ihnen diese Decke zusammengesetzter Pseudo-Identität weg, z.B. indem man ihre Gedankenkonstrukte hinterfragt oder Gedanken oder Informationen präsentiert, die in das gelernte Überzeugungsgerüst nicht passen, dann sind die Abwehrreaktionen oft erschreckend aggressiv und ungehalten: da reagiert das Stammhirn auf den drohenden Verlust von Sicherheit und Halt, und nicht der Intellekt auf interessante Neuigkeiten.

Für die Wiederherstellung bzw. überhaupt Entwicklung eigenständigen Denkens muss man stets dort ansetzen, wo die Entwicklung gestoppt wurde. Im oben genannten Beispiel wäre das das basale Gefühl von Sicherheit und Halt, in dem das Ursprüngliche, Wesenhafte noch enthalten ist. Dies in Symbole und Worte zu fassen und von dort aus weiter zu abstrahieren ist dann der Weg, ein Denken zu entwickeln, das im Wesen verankert bleibt und sich organisch von innen entfaltet.

Dieser Prozess wird in der Entwicklungspsychologie Mentalisierung genannt. Mentalisierung ist die Fähigkeit, sich selbst als Wesen oder als Psyche zu verstehen und schließlich auch andere als fühlende, intentionale und denkende Wesen zu erkennen. Diese Fähigkeit entsteht nur durch Dialog. Im Laufe der Kindheit lernen wir so mehr oder weniger, eigene innere Zustände und Zustände von anderen gedanklich zu repräsentieren und symbolhaft, schließlich in Worten auszudrücken. Das Wort „Wut“ z.B. verknüpft sich dann sowohl mit inneren Empfindungen als auch mit Gesten und Ausdrücken von anderen. Wenn aber dem Kind gegenüber nie über Wut gesprochen wird, dann kann es sie nicht mentalisieren. Das ist der Grund, warum Tabus aus unserer Kindheit und Jugend oft zu „Denkblockaden“ führen, weil wir nie gelernt haben, Wahrnehmung und Symbolisierung miteinander zu verbinden. Wir können also innerlich damit nicht arbeiten, weil es keine kognitiven Abbildungen gibt. Das sind die Themen, bei denen wir im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos sind.

Ich will hier nur andeuten und es ansonsten den Reflexionen und Schlussfolgerungen des Lesers überlassen, was die Dominanz von Fernsehen, Computerspielen, Internet und Smartphones im Leben von Kindern und Jugendlichen mit ihrer Mentalisierung und ihren Denkfähigkeiten anrichtet. Einmal abgesehen von den vermittelten Inhalten dieser Medien, die für sich genommen schon Ausdruck massiver intellektueller Verblödung und moralischer Verrohung sind: all diese Technik zerstört die geistige Entwicklung und Fähigkeiten eines Kindes systematisch aufgrund zweier offensichtlicher Eigenschaften: sie vernachlässigen die Körpererfahrung und sie sind nicht dialogisch.

Die wichtigste Erfahrung für Mentalisierung und Denkfähigkeit ist aber die von Synchronisierung und Resonanz (zwischen zwei oder mehr Menschen) auf allen menschlich relevanten Ebenen, das sind in ontogenetischer Reihenfolge: Puls und Erregungslevel, Rhythmik, Mimik, Gestik, Affekt und Stimmung, Emotionsausdruck, Intentionsausdruck, Bewegung, Ausdruck von Geschlechtszugehörigkeit, Ausdruck von Überzeugungen und Meinungen, in Vorstellungen und Zielen und schließlich in Werten und Gesinnung. Diese alle bauen in dieser Reihenfolge aufeinander auf und wenn in einem Glied der Kette eine Störung oder Retardierung auftritt, dann sind davon alle folgenden Fähigkeiten beeinträchtigt oder sogar komplett blockiert. Der Mensch mag körperlich erstaunlich robust sein, in seiner geistigen Entwicklung ist er ein enorm fragiles Wesen. Oder anders: wir sehen daran, wie entscheidend Kultur ist, denn ohne Kultur gibt es die Entwicklung zum Menschen gar nicht.

Und die Kommunikations-Medien und Plattformen, die uns als Fortschritt angedreht  werden, sind die ultimativen Zerstörer menschlicher Kommunikation. Merke: je früher im Leben und je intensiver du „soziale Medien“ nutzt, desto sozial inkompetenter wirst du.

Womit wir zum Abschluss nochmal Hermes die Ehre geben:

Hermes, der Ruhelose

Der flinke Gott der Kommunikation und Manipulation ist geistiger Schirmherr über all diese Medien. Sein Händler-Geist möchte verkaufen, am liebsten sich selbst als Obergott. Aber es ist auch schon ein freudiger Erfolg, wenn man jemandem etwas schmackhaft machen und andrehen kann, dass der andere eigentlich gar nicht möchte, gar nicht braucht oder sogar eigentlich ablehnt. Der unreife Geist, der sich selbst nicht im Griff hat, strengt sich gerne an, um andere in den Griff zu bekommen: sie zu manipulieren.

Wir stellen fest: wir leben im Zeitalter der Manipulation. Jeder will jeden manipulieren, um sich einen Vorteil oder Vorsprung zu verschaffen. Eines der dadurch massiv frustrierten Grundbedürfnisse, das dadurch zu einer quälenden Gemeinschafts-Sehnsucht heranwächst, ist, endlich einmal in Ruhe gelassen zu werden, in Ruhe sein zu können.

Und dies ist tatsächlich das augenfälligste, prävalente Bedürfnis, auf das man bei den Deutschen stößt: in Ruhe gelassen zu werden. Braucht der Deutsche vielleicht gerade wegen seiner Dichter- und Denkernatur vor allen Dingen Muße? Muße, um betrachten und bedenken zu können. Dann kommt er irgendwann mit tiefen, umfassenden neuen Erkenntnissen oder faszinierenden Neuerfindungen und Ideen wieder hervor.

Den deutschen Geist zu untergraben ist nicht schwer: halte ihn stets in beschäftigter Unruhe, lenke ihn ab und bereite ihm so viele banale Alltagssorgen, dass er nicht mehr zur Ruhe kommt. Damit ist sein Wesenskern schon so sehr in die Enge getrieben und überfordert, dass er von da aus schnell zu einer von außen steuerbaren Marionette ohne Eigenreflexion degeneriert. Und das ist in den letzten 100 Jahren dermaßen systematisch und erfolgreich passiert, dass die meisten nicht mehr erkennen können, welchen Ausweg wir brauchen und wie er zu finden ist. Diese Art der Unruhe, der sinnenlosen Hyperaktivität, der Verzettelung, der Beschleunigung und damit Oberflächlichkeit, fasst sich zusammen im mytho-psychologischen Prinzip von Hermes, dem flinken Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Goethe nannte es das „Veloziferische“: die Verknüpfung von Ungeduld, permanenter Beschleunigung und Flüchtigkeit bis zur Besinnungslosigkeit und Seelenlosigkeit. Damit ist die Hermes-Kraft zum Dia-bolus geworden, zu dem, „der alles durcheinander wirft“ und die Ordnung in Krankheit und Zerfall gedreht hat.

Und wie macht Hermes-Mephistopheles das im modernen Gewand, wo er sich doch schon zum Obertrickster des 20. Jahrhunderts aufgeschwungen hatte? Indem er seine kleinen Apparate und Helferlein immer dazwischen schaltet, wo Menschen miteinander sprechen und interagieren wollen. Das ist der einzige Spielraum, in dem er wirken kann. Er bietet sich zunächst nur als dienstfertiger Bote, als freundlicher Helfer, als Anbieter von lauter Erleichterungen und kostenloser „Apps“ an. Warum er das tut wollen wir lieber doch nicht wissen, denn der Service scheint meist kostenlos und auf jeden Fall bequem zu sein.

Den wahren Preis, den wir im Nachhinein bezahlen dafür, dass wir uns in die Hände dieses Schlitzohrs begeben haben, ist unverhältnismäßig und geht uns an die Substanz: wir verlieren Vertrauen, direkten Kontakt und unsere Selbständigkeit. Und dann ist es auch gar nicht mehr bequem und später sind dann die Aufräum- und Reparaturmaßnahmen enorm, nachdem Chaos und Täuschung überall als Betriebssystem installiert wurden. Ach, seine schöne neue (Kommunikations-)Technik nahm uns die technische Vermittlung in der Kommunikation ab – und am Ende haben wir keine eigene Kommunikation mehr!

Wenn wir bereit sind, im Kontakt und im Gespräch die Seele menschlicher Kultur und die Seele von Geistesentwicklung zu sehen, dann können wir sagen: wir haben für die technologischen Vereinfachungen und Beschleuniger unsere Seele verloren.

Das vertrauliche Gespräch bleibt stets eine Sache von direkter Begegnung. Daher gibt es das kaum noch. In aller Vernetzung vereinsamen die Menschen in der Kontaktlosigkeit, weil ihre Kommunikations-Geräte ihnen Kontakt nur vorgaukeln und die virtuelle Realität bloß als „besserer Ersatz“ verkauft wird.

Und die Medien, von denen wir dachten, sie würden nur die Durchleitungs-Gefäße für wesentliche Botschaften sein, haben unter Hermes‘ Führung ihr Eigenleben entwickelt und verfolgen längst ihre eigene Agenda. Und die lautet stets: Gewinn machen. Der Kaufmanns-Geist hat erkannt, wie selbstbereichernd es doch ist, alle menschlichen Aktivitäten für den eigenen Gewinn zu nutzen. Dafür war nur eine kleine Veränderung notwendig: die Kommunikationsabteilung wurde der Marketingabteilung unterstellt. Seitdem ist jede Information bereits Werbung und Verkauf. Man verkauft die Agenda von denen, die am meisten zahlen, emotional aufbereitet und moralisch zurechtgemacht, und nennt dies dann „Nachrichten“ oder „Qualitäts-Journalismus“. Wer sich informiert, wird in Form gebracht, die Frage ist nur: in welche? Und für wessen Ziele?

Wenn wir den Boten und Überbringern von Nachrichten aber nicht mehr trauen können, dann ist Kommunikation als kulturförderndes Werkzeug gestorben. Damit stirbt dann auch die Kultur und die Schulung und Vermittlung von Geist. Wer dieses Schicksal der modernen Menschheit in den letzten 200 Jahren in Märchenform nachlesen möchte, der lese von den Gebrüdern Grimm das Märchen „Vom Mädchen ohne Hände“. Da manipuliert der Teufel höchst persönlich die Botschaften zwischen König und Königin, so dass alle Beteiligten in größtes Unheil und Kummer stürzen.

Rückkehr zur gesunden inneren Ordnung

Von dem Märchen lernen wir auch: wo transparente und ehrliche Mitteilung nicht mehr möglich ist, da müssen zunächst Stille und Rückzug die Möglichkeit einer Heilung einleiten – also die Beendigung der vergifteten Kommunikation. Sich nicht mehr verstehen können ist ein Zeichen dafür, dass man auf das „Informiert-Werden“ besser verzichten sollte und sich auf sich selbst besinnt. Diese Resignation ist überlebenswichtig, denn sie schafft Zugang zu einem anderen „Hören“ und „Verstehen“, das unmittelbar ist und dem Teufel keine Chance der Verdrehung und Manipulation gibt.

So können wir die Intuition wiederentdecken, die auf instinktives und organisches Wissen zurückgreift und gleichzeitig ganz allgemein und übergreifend sein kann, also ganzheitlich ist in der Verbindung von Wahrnehmen und Denken. Von dieser inneren Ganzheit und Stabilität aus können wir dann Hermes erneut herbeirufen und weise beauftragen, Kommunikationswege zu entwickeln, die unseren Bedürfnissen und unserer Ganzheit entsprechen statt uns Zerstückelung und Reduktion zu diktieren.

Mythologisch gesprochen: wie müssen vom agilen, hypnotisierend quasselnden Hermes erstmal wieder Abstand gewinnen, Ruhe und uns selbst wiederfinden und dann die „Zeus-Kraft“ in uns wieder stärken: den ruhigen, reflektierenden, verstehenden und vor allem selbstzentrierten Überblick über das Ganze und uns im Ganzen. Dazu zählen vor allem auch die grundlegenden menschlichen, ethischen und geistigen Werte, die das Ganze tragen und gesund halten.

„Zeus“ sieht und bewahrt diese Werte, indem er Denken und Fühlen verbindet und sich vor allem für das Gleichgewicht und die Balance der Kräfte – innerlich und äußerlich – einsetzt. Diese psychische „Zeus“-Kraft befördert die notwendigen männlichen Alpha-Qualitäten und das fürsorglich-väterliche Prinzip, von denen im dritten Teil dieser Reihe schon ausführlicher die Rede war und die wir im jetzigen Zustand unserer Gesellschaft am allerdringlichsten rehabilitieren und hoch halten müssen. Nur mit dieser Kraft können wir die übertriebene, ex-zentrische und hyperaktive Bewegung des Kommunikations-Gottes wieder zentrieren, regulieren und integrieren, so dass er wieder als Diener für höhere Werte eingesetzt werden kann, aber nicht als Trendsetter oder Steuermann Unheil stiftet, nur weil wir „Zeus“, also Gleichgewicht und Anbindung an Werte verloren haben.

Von diesem inneren, verbindenden Punkt des intuitiven Wahrnehmens und ethisch-prüfenden Denkens aus können wir leicht erkennen, wenn uns auf dem Bildschirm oder sonst irgendeiner Bühne wieder die freundliche und lächelnde Fratze des Teufels, Schlitzohrs oder Iagos begegnet, die uns etwas verkaufen will, das ideell „gut klingt“, jedoch unsere Bedürfnisse und Freiheit – vor allem unsere Freiheit im Denken – ignoriert oder sogar vernebelt.

Ich werde auf diese notwendige „Schulung der Intuition“ und auf das „richtige Zuhören“ in einem späteren Artikel noch näher eingehen an der Stelle, an der es um die Entwicklung von Verantwortungsfähigkeiten geht.

Bis dahin lasst uns ruhig ein bisschen kindlich sein: wachsam mitverfolgen, was die anderen so treiben, neugierig sein, was hinter den Masken und Etiketten steckt, und unserer gesunden Intuition vertrauen, das alles, was wirklich gut für uns ist, sich stimmig anfühlt und uns in unserer instinktiven, emotionalen und mentalen Mitte stark macht.

Fortsetzung der Reihe hier.

Aufrufe: 2.539

Zeus, Aphrodite, Cupido und Hermes

Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog.

Hier als PDF zum Download

  1. Vertrauen Sie immer auf Ihr Gesamt- und Bauchgefühl. Wenn es Unstimmigkeiten meldet, schauen Sie in Ruhe und aus größerem Abstand auf das Geschehen.
  2. Lassen Sie sich nicht von Etiketten-Begriffen, Parolen und emotional aufgeladenen Denkschablonen abspeisen (s. Liste unten). Fragen Sie nach.
  3. Glauben Sie nicht, was Ihnen von Medien serviert wird. Gerade dann nicht, wenn es immer und überall wiederholt wird. Unterscheiden Sie Werbung/Propaganda von Nachrichten/Informationen.
  4. Lassen Sie reden wer da und wie er möchte. Lassen Sie Meinungen stehen. Fragen Sie nach Begründungen, Belegen und Fakten.
  5. Achten Sie auf das Verhalten von Menschen, nicht bloß auf ihre Rede. Lügner, Manipulierer und Hausierer erkennt man an der Diskrepanz zwischen Gesagtem und Handlungen/Entscheidungen.
  6. Fragen Sie nach der Motivation und den Zielen hinter Darstellungen, Aufrufen und Aktionen.
  7. Erkennen Sie spaltende, abwertende und tabuisierende Absichten und Wirkungen und suchen Sie verbindende, versöhnende und aufklärende (Klarheit schaffende) Stimmen und Strömungen.
  8. Unterscheiden Sie Impulse, die zum Nachdenken und Prüfen anregen oder aufrufen von solchen, die Ihr Denken stoppen, lähmen oder bevormunden.
  9. Bleiben Sie bei Ihren Grundbedürfnissen und Werten. Formulieren Sie sie für sich selbst oder besser noch gegenüber anderen. Echte Bedürfnisse und Werte verbinden Menschen miteinander.
  10. Fürchten Sie sich nicht. Handeln Sie nicht aus Furcht. Bewahren Sie die Ruhe und suchen Sie Abstand und Zeit zum Nachdenken bevor Sie aktiv werden.

Stichwortsammlung zur Dekodierung von (System-) Nachrichten
und medialen Mitteilungen

BegriffeDekodierte Botschaft an Sie
Gut: Demokratie/demokratisch, freiheitliche Grundordnung, Rechtsstaat, grün, bunt, solidarisch, klimafreundlich, antifaschistisch, gender-gerecht, global, fortschrittlich, zukunftsweisend, europäisch, Wertegemeinschaft, humanitär, alternativlos,…Wenn Sie diese Begriffe lesen oder hören, fühlen Sie sich bitte sicher und geborgen, lösen Sie sich von allem weiteren Nachdenken oder -prüfen und folgen Sie den nachstehenden Denk- und Handlungsvorgaben der Medien und der Verwaltung.
Weitere Nachfragen oder Diskussionen sind nicht erwünscht und werden nicht beantwortet.
Schlecht/böse: Rechts, nationalsozialistisch („Nazi-…“), braun, Hassrede, Verschwörungstheorie, abstrus, xy Leugner (Klima-Leugner, Corona-Leugner,…), populistisch, Reichsbürger, antisemitisch, demokratiefeindlich, rückständig, sexistisch, rassistisch, diskriminierend,…Wenn Sie diese Etiketten lesen oder hören, haben Sie bitte Angst und meiden unbedingt die angesprochenen Themen, Meinungen, Personengruppen und Aktivitäten und wenden Sie sich nur Bereichen mit den Etiketten der Liste „Gut“ (s.o.) zu. Wenn Sie das nicht tun… na, Sie werden schon sehen!
Weitere Nachfragen oder Diskussionen sind nicht erwünscht und werden nicht beantwortet.

Aufrufe: 1.502


Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog.

Wie wir die Macht von der Angst befreien


Einleitung

Ich finde diese Krise gut. Einen besseren Weg in das notwendige Neue hätte ich mir nicht ausdenken können. Unter diesem enormen Wandlungsprozess leiden diejenigen am meisten, die beginnen zu verstehen, in was für einer Welt sie bisher gelebt haben und was für Umwälzungen auf sie zu rollen. Sie haben noch keinen Überblick und erhalten gerade einen Selbsterfahrungs-Schnellkurs in Sachen Unterdrückung, Willkürherrschaft und Manipulation durch Medien. Diejenigen, die das Ganze verstehen, schon länger studieren und mitverfolgen, leiden höchstens noch etwas an Ungeduld, ansonsten freuen sie sich. Ganz wenig leiden auch diejenigen, die überhaupt nichts verstehen und einfach so weiter vor sich hinleben wie eh und je und darauf hoffen, dass „bald alles wieder beim Alten sein wird“. Wird es nicht. Aber ob sie’s bemerken?

Neben der Freude über die große Befreiung und die neuen Möglichkeiten überwiegt bei mir ein weiteres Gefühl: größter Respekt für die Planer und Steuermänner hinter dem pädagogisch hoch effektiven, scheinbaren Chaos. Ihr umfassendes Verständnis für das Weltgeschehen, Machtstrukturen und für globale, gewaltfreie Veränderungsprozesse ist höchst bewundernswert.

(Ich weiß, dass mancher modern denkende Leser und „Systemtheoretiker“ lieber daran glauben möchte, dass solche Dinge „einfach so von selbst passieren“. So als würde sich aus einer Gruppe von Sechsjährigen auch irgendwann „ganz von selbst“ eine erste Schulklasse bilden. Abgesehen von jeglichem Verständnis von Steuerung und Politik entgeht solch einem Leser leider auch der erhebende Genuss einschließlich der Freude über die Einsicht der enormen menschlichen und geistigen Leistungen hinter schöpferischen und Transformations-Prozessen, die den wachen Beobachter in staunende Bewunderung versetzen.)

Wie befreit man Geisel in der dritten Generation, die sich an ihr Leben als Objekte ihrer Geiselnehmer gewöhnt haben und sich gar nichts anderes mehr vorstellen können? Ich hatte andernorts vor kurzem geschrieben, es ginge nur „gegen ihren Willen“ und mich damit vor allem auf die Situation und Möglichkeiten der Deutschen und im Grunde aller Westeuropäer bezogen. Das war nicht ganz korrekt, denn sie haben keinen eigenen Willen, sondern nur die Glaubenssätze im Kopf, sie hätten ihn. Wer zu dieser Differenzierung nicht bereit ist, der wird Schwierigkeiten mit der Realität bekommen, die sich nicht immer brav an unsere Wunschvorstellungen hält.

Einmal anders: wie holt man jemanden aus dem Koma zurück, in dem er schon so lange vor sich hin träumt, dass er Wachsein gar nicht mehr kennt, während in der Realität das Haus brennt? Man könnte seine Träume Schritt für Schritt zu Alpträumen machen. Nicht zu schnell, damit er nicht die Nerven verliert, und nicht zu langsam, damit er sich nicht bloß an schlimmere Zustände gewöhnt, sondern bereit ist, den gewohnten Traum gegen die ungewohnte Realität zu tauschen. Übersetzt in die Wirklichkeit heißt das z.B., man erfindet eine Geschichte von einem Killer-Virus und treibt von da aus die bekannten Politik- und Medien-Protagonisten dazu, den Menschen das Leben schrittweise zur Hölle zu machen. Irgendwann ist das schöne System, dessen PR-Abteilung seinen Sklaven und Opfern täglich die Parole von Freiheitlichkeit, Wohlstand und Entwicklung ins Hirn prügelt, dann in der Realität gar nicht mehr nett, denn die geduckten Mitläufer merken, dass noch mehr Wegducken, Gehorchen und Stillhalten das Leben unerträglich machen. Wenn die Betäubung von Arbeit und Konsum mal nachlässt, dann ent-decken die Menschen plötzlich ihre wahren Werte und Wesentliches wieder und wollen nicht mehr in einem System leben, das sie unterdrückt. Sie wollen lieber mehr Zeit für sich und ihre Familie haben, sie wollen sich regional zugehörig fühlen, sie wollen ihr Lebensumfeld selber bestimmen und – Donnerwetter! – das Geld, das sie erarbeitet haben, für sich selbst nutzen (statt über die Hälfte disesem ‚System‘ geben).

Dann kann man das System wechseln und den aufgewachten Komapatienten aus dem brennenden Haus holen, ohne dass er sich gleich in seinen bequemen Traumzustand zurückwünscht. Es geht nämlich gar nicht darum, dass wir etwas Neue erfinden müssten oder alleine von Null beginnen müssten. Es geht nur darum, dass sie das Neue annehmen, im Übergang kein Chaos anrichten und mit den Veränderungen mitgehen.

Das System der Unterdrückung und Angst, das wir abzustreifen haben, nannte sich selbst „Demokratie“ – eine der üblichen Wortverdrehungen totalitärer Systeme, die stets den Geist der Menschen lahmlegen müssen. In ein paar Jahren wird „Demokratie“ vielleicht eine Art Spottwort sein. „Demokratisch“ wird dann selbst von Kindern verstanden werden im Sinne von „heuchlerisch“, „betrügerisch“, „scheinheilig“, „im Geheimen manipuliert“ und „die wahre Macht verdeckend“. „Lasst es uns demokratisch machen“ wird dann bedeuten: Lass uns viel ziellos und verantwortungslos reden und diskutieren und so tun als dürfte jeder mitbestimmen; danach entscheiden dann diejenigen, die im Hintergrund die Strippen ziehen – so demokratisch wie die Mafia.

Das Lernprogramm zum Aufwachprozess

Einen gesunden Impfstoff gegen virale und kollektive Angst gibt es nicht und darf es auch nicht geben, weil er unser Fühlen und damit unsere sozialen Fähigkeiten und unsere Intelligenz lähmen würde (sogenannte „Impfstoffe“ scheinen im Allgemeinen diese Neben- oder Hauptwirkung zu haben). Aber wir können unser Repertoire an emotionalen Heilmitteln erweitern. Das nennt sich Kultur. Wir haben über hundert Jahre hinweg sukzessive unsere eigene Kultur und Kultur überhaupt durch eine Abhängigkeit von sehr fragwürdigen, komplett geldgesteuerten Institutionen ersetzt, die uns sehr motiviert und kompetent darin unterstützen, infantile, regredierte Mitläufer zu bleiben. Dazu weiter unten im Artikel noch etwas mehr unter der Überschrift „Kollektiv-Menschen versus Individuen“.

Wir können zum jetzigen Zeitpunkt bereits statuieren: das nahezu weltweite Menschheits-Experiment über die Auswirkungen von moralisch-geistiger Massenretardierung und Verantwortungsvermeidung kann nun guten Gewissens beendet werden mit der nahezu schon salonfähigen Erkenntnis, dass wir Menschen tatsächlich frei und fähig sind, uns geistig selbst zu vernichten. Verkennen wir auf keinen Fall die Notwendigkeit einer solchen globalen Pubertät: wie sonst sollte die Menschheit in ihrer Entwicklung von Verantwortungsfähigkeit und Selbst-Bewusstsein voranschreiten? Für den gesunden und reifen Umgang mit den fertig vor der Tür stehenden neuen Technologien, wissenschaftlichen Erkenntnissen und damit Möglichkeiten ist diese prägende Lernerfahrung inklusive ihrer Opfer absolut notwendig.

Innerhalb dieses aktuellen „Aufwachprozesses“ wird vieles sichtbarer, das bisher nur latent wirkte und von lauter Ablenkungen überdeckt wurde. Mit den Konturen werden nun auch die Kanten und Grenzen klarer und damit auch die Entscheidungen und Positionierungen. Wir können viel klarer sehen, wo wir selbst und wo andere stehen. So eine Anti-Atemmaske zum Beispiel, wie sie gerade zur Zwangsmode geworden ist (aber Moden sind nur flüchtige Affären), lässt in der Öffentlichkeit bereits auf hundert Meter Entfernung erkennen, wo jemand zwischen Koma und Wachsein steht.

Ganz allgemein wird unter dem realen sozialen Druck der Unterschied zwischen selbstherrlichen Lippenbekenntnissen und wahrem Standpunkt viel deutlicher erkennbar. Ebenso die Unterschiede zwischen Ideologie und Realisierbarkeit, zwischen Propaganda und Information und zwischen Wunschdenken und Wahrnehmung. Dem „Corona“-Lernprogramm sei Dank.

Dass wir dabei auch der Selbsterkenntnis immer weniger ausweichen können, stellt für viele Menschen allerdings eine Überforderung dar, weil ihre Illusionen und geliebten Selbstdefinitionen allzu weit weg sind von ihrem tatsächlichen Reifegrad und Können. Unter der ideologischen oder narzisstischen Hülle ist dann erstmal nicht viel mehr zu finden als ein eingeschüchtertes, emotional unterernährtes, trauriges und verletztes Kind. Wer seinen Blick für solche als Erwachsene verkleidete Kinder schulen möchte, der braucht nur den Fernseher einzuschalten. Ich bin mir sicher, dass die meisten sich sehr wundern werden, wenn sie „die Großen“ aus den täglichen Medieninszenierungen bald einmal in einem anderen Kontext z.B. im Saal eines alliierten Militärgerichts – zu sehen bekommen. Die Häufchen Elend, die dann dort sitzen werden, werden kaum wiederzuerkennen sein. Aber auch das gehört zum Lern- und Aufwachprozess dazu: schmerzlich zu erkennen, von was für kleingeistigen Pappnasen wir uns an unserer Nase herumführen ließen.

Und wer kümmert sich um all die kleinen, hilflosen, desorientierten und bedürftigen Kinder sowohl von den Bühnen als auch von den Zuschauerplätzen, die sich bisher in irgendeine schützende Nische des Systems gequetscht und dort ganz erwachsen gefühlt haben? Das wird auch Aufgabe des Neuen sein, den Menschen eine sichere und emotional verkehrsberuhigte Staatsordnung zu bieten. Volkswohlfahrt.

Da also aktuell so vieles geradezu ins Auge springt, das verstanden und verdaut werden will, drängt es mich, einige elementare Zusammenhänge des Ganzen in Worte zu fassen und auf die wirkenden Prinzipien dahinter hin zu durchleuchten. Deshalb dieser Artikel zum Themenkomplex Macht, Angst und Regeneration einer gesunden Ordnung.

Worum es mir geht

Der kleine Mann in meinem Ohr sagt mir, ich müsse doch viel mehr an meiner Artikel-Reihe „Zur Genesung der deutschen Wesen-Kern-Kraft“ weiterarbeiten. Teil 5 davon liegt schon in den Geburtswehen und kommt in Kürze auch hier in den Blog. Aber da sich mir im Moment immer mehr zusätzliche Themen, Fragen und Antworten aufdrängen, muss jetzt nochmal so ein gesonderter Artikel hier „außer der Reihe“ her.

Ich schreibe im Blog hier in erster Linie, um mir gewisser Dinge selber klarer zu werden. Also als eine Art schriftliches Denken. Dass ich das in Blog-Form so halb-öffentlich tue, hat damit zu tun, dass die Ausrichtung auf potentielle unbekannte Leser beim Schreiben den Fokus und den Zwang zu Klarheit und Stringenz fördert. Ob Leser meine Gesichtspunkte und Schlussfolgerungen dann mögen oder nicht, ist mir egal. Dazu habe ich letztens einen Haftungsausschluss geschrieben, den ich jedem zu lesen empfehle, der hier zum ersten Mal liest oder kommentieren will.

An einigen Reaktionen, die ich auf bisherige Artikel bekommen habe, wird mir nochmal bewusst, was mir von Anfang an klar war: dass ich hier nur für wenige schreibe. Damit meine ich: nur für wenige konstruktiv nutzbar. Es freut mich dann natürlich, wenn ich mitbekomme, dass jemand sich inspiriert fühlt oder eine neue Sichtweise gewinnt. Ich freue mich auch über Rückmeldungen, die mir helfen, andere Positionen oder das Problem der intellektuellen Schutzwände besser zu verstehen. Das mag mich dann zu weiteren Texten inspirieren. Die Anti-Reaktionen auf meine Texte wären ein Thema für einen separaten Artikel, denn sie sind oft hilfreiche Beispiele, um die Psyche des Menschen besser zu verstehen.

Darum soll es in diesem Artikel unter anderem gehen. Ich will den Fragen nachgehen, warum die Idee von „Verschwörungstheorien“ – oft schon allein dieser Begriff – bei den meisten Menschen auf so starke emotionale Reaktionen, meist Abwehr stößt; was das mit dem Themenkomplex von Macht und Ohnmacht zu tun hat; was uns daran hindert und was uns helfen kann, aus diesen fatalen Verstrickungen heraus zu kommen; was das mit Erwachsenwerden (Individuation) und Kollektivabhängigkeit zu tun hat und warum nicht nur im Märchen am Ende der König und/oder die Königin den Thron ihres Reiches besteigen, damit alles in Ordnung kommt und alle glücklich sind.

Verschwörungstheorien

In meinem letzten Artikel „Einstürzende Weltbilder: Erste Hilfe und Überlebenstipps“ hatte ich betont, wie wichtig Fragen sind, bevor man mit Antworten aufwartet. Aktuell leben wir in einer Zeit, in der sich lang gesuchte Antworten und lang erwartete Verwirklichungen in so hohem Tempo und so dicht gepackt einfinden und wirksam zeigen, dass die meisten Menschen gar nicht mehr nachkommen, überhaupt erstmal die Ausgangsfragen und Probleme zu verstehen.

Aber wer sich die Geschichte anschaut, wird sehen, dass Veränderungen immer von wenigen initiiert und durchgesetzt wurden, hierarchisch gesprochen: von oben nach unten, auch wenn im Nachhinein zur Beruhigung oder zur Betäubung der Masse das Narrativ verbreitet wurde, es handle sich um eine „Revolution von unten“. So etwas kann es gar nicht geben, denn Steuerung funktioniert per se nur top-down, vom Kopf zum Muskel, vom Gedanken zur Umsetzung. Und der Volksmund weiß auch: „Der Fisch stinkt immer vom Kopf zuerst.“

Es gibt jedoch zwei lautstarke Parteien, die ein Interesse daran haben, allen einzureden, dass Fische doch gar keine Köpfe haben, sondern auch einfach so sein (stinken) können: erstens die, die von der Geheimhaltung des Kopfes profitieren und zweitens die, die Angst vor Fischköpfen haben. Diese beiden Parteien können gemeinsam mit dem vollen Engagement ihrer aktuell zu Recht gesteigerten Angst psychologische, systemische, ideologische und fantastische Erklärungen ins Volk senden, dass es Macht eigentlich doch gar nicht gibt, dass sie sich unsichtbar irgendwie auf alle verteilt, dass die, die sie haben, sie eigentlich nicht haben, weil andere sie doch auch haben oder weil es doch bloß unpersönliche Institutionen sind, kurz: dass alles gut ist und dass der Fisch halt einfach stinkt – und zwar kopflos. Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu bedenken.

Eine Verschwörung ist eine Konspiration und das ist buchstäblich betrachtet ein gemeinsamer und zusammenkommender Geist, wörtlich übersetzt nämlich das „Zusammen-Atmen“ (lat. con-spirare). Also eine Art von Im-gemeinsamen-Rhythmus-Sein: Gleichklang. Heute würden wir das eher in einer technologischen Metapher ausdrücken: enge Vernetzung.

Interessant ist, dass für die selbstsüchtigen, angstmotivierten, tyrannischen Herrscher seit eh und je die eigenwillige Vernetzung der Menschen untereinander die größte Gefahr darstellte. Sie müssen jedes Konspirieren kontrollieren, weil sonst eine Gegenmacht entstehen könnte, die die Herrschenden stürzt. Der gute, wohlwollende Herrscher kann das gelassen sehen, weil seine Position durch das Wohl und die Freiheit der Menschen bestärkt und geschützt wird. Wer jedoch seine Macht auf Unterdrückung und Ausbeutung gründet, der muss vor allem die Kommunikationswege kontrollieren, damit ihm keine Vernetzung von aversiven Befreiungsimpulsen entgeht. Heutzutage ist das kein Problem mehr, wenn man über die Technik verfügt, jedes Mobiltelefon, jeden Internetanschluss, jede Emailadresse und sogar jede Wohnung zu überwachen. Wer meint, dass das doch kein Problem sei, weil „man“ ja nichts zu verbergen habe, der möge sich fragen, welchen Kräften und Interessengruppen er denn alle seine persönlichsten und intimsten Daten freiwillig und ohne Begrenzung zur Verfügung stellen würde. Die gewohnte Naivität stößt erst durch Nachdenken auf die Gefahr, dass überhaupt keine Selbstbestimmung (keine wirtschaftliche, keine sexuelle, keine körperliche, keine religiöse) mehr möglich ist, weil das System der Macht durch Überwachung alle unpassenden oder unbequemen Menschen einschüchtern oder eliminieren kann. Und wenn das Nachdenken nicht so weit kommt, dann kommt die Erkenntnis eben erst mit der realen Freiheitsbeschränkung und Schikanierung. Das lernen wir gerade.

Wenn der Stigmatisierungsbegriff „Verschwörungstheoretiker“ fällt, treffen meist zwei grundsätzlich Denktypen aufeinander: der eine glaubt das offizielle bzw. verbreitete Narrativ und der andere stellt es in Frage. Das ist der entscheidende Unterschied, wir vor kurzem auch ein wissenschaftliche Studie herausfand, die die Kommentare in Online-Foren sprachlich und psychologisch analysierte. Was den fanatischen Anhänger von Mainstream-Erklärungen und -Konzepten so sehr irritiert und aggressiv macht, ist das Hinterfragen seines Weltbildes.

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ oder „Verschwörungstheoretiker“ ist argumentativ und inhaltlich vollkommen sinnlos und funktioniert nur als verbales Kommunikationssignal, das sich am besten als Abwertung und Marginalsierung des anderen in die Bedeutungslosigkeit übersetzen lässt. Mit anderen Worten, wer diese Begriffe als Reaktion auf Inhalte verwendet, steigt aus dem Gespräch aus. Er könnte auch genauso gut die Faust erheben und brüllen: „Wenn Du nicht die Schnauze hältst, hau ich Dir in die Fresse!“ Die abweisende Botschaft ist hier nur ein wenig subtiler: „Wenn Du solche Dinge sagst, dann nehme ich Dich als Mensch nicht mehr ernst und schließe Dich aus der Gemeinschaft der Redeberechtigten aus.“ Die Drohung ist also eine psychische und zwar eine der heftigsten, die wir sozial haben: wir drohen mit Kontaktabbruch, Tabuisierung und Ausschluss. Das funktioniert jedoch nur solange, wie die Menschen glauben, die Hinterfragenden, Faktenkenner und -analytiker seien in der Minderheit und machtlos. Das könnte sich bald offensichtlich ändern.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Vor kurzem sprach ich mit einem bekannten Arzt, einem Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt auf homöopathische und alternative Behandlung, in einer kurzen Begegnung auf der Straße und fragte ihn, was er als Arzt von der Nachricht halte, dass Corona-Symptome auch von 5G-Strahlungen hervorgerufen werden könnten. Seine Antwort war ebenso kurz wie bemerkenswert: „Das klingt nach einer Verschwörungstheorie.“ Dieses Beispiel ist deshalb besonders interessant, weil hier ein Arzt spricht, der nicht nur akademisch ausgebildet ist, sondern verantwortliche Entscheidungen für die Gesundheit anderer Menschen treffen muss und einen gewissen Eid geschworen hat. Seine Antwort auf eine doch mindestens wissenschaftlich interessante und beachtenswerte Frage entsprach dem alten Sprichwort: „Watt de Bur nit kennt, dat will er nit.“ Und dieser Arzt hält sich vermutlich für einen besonders reflektierten, wissenschaftlich denkenden, aufgeklärten Menschen. Ich benutze dieses Beispiel gerne, um zu veranschaulichen, dass wahrscheinlich gerade (solchen) Akademikern aus nennbaren Gründen der Veränderungsprozess und Wandel größte Schwierigkeiten und eine Menge Überforderungen bereiten werden.

Um das Beispiel noch abzurunden: derselbe Arzt trug schon tagelang den ganzen Tag eine Anti-Atemmaske in seiner Praxis, von der im regelmäßig schwindelig wurde. Aber er reagierte sichtlich erstaunt und interessiert auf die Aufklärung, dass bereits nachgewiesen ist, dass wir mit diesem Luftfilter um ein vielfaches mehr Kohlendioxid und weniger Sauerstoff einatmen und dadurch sogar lungenkrank werden können. Hatte er noch nie gehört. Er erzählte dann nur noch emotional aufgeregt, dass eine junge Patientin unter 30 zuletzt „wegen Corona“ ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und „beinahe gestorben wäre“. Auf die Nachfrage, ob man denn sicher sein könne, dass die Symptome usw. auf den Corona-Virus zurückzuführen seien, war er über jeden Zweifel erhaben: „Ja, natürlich, das konnte man an den Symptomen ganz eindeutig erkennen!

In weniger als fünf Minuten wurde mir vor Augen geführt, was in Deutschland trauriger Standard ist: da steht ein kleiner, verängstigter, emotional hoch aufgeladener und völlig überforderter Jung vor mir und nennt sich „Arzt“. Das gleiche gilt natürlich für die kleinen Mädchen, die sich „Ärztinnen“ nennen sowie für Massen an „Richtern“, „Anwälten“, „Beratern“, „Wissenschaftlern“ und wie die Endprodukte der modernen akademischen Entwicklungshemmung alle so heißen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wir werden sicher einige Jahre brauchen, bis wir uns bei Ärzten (und den anderen verantwortungsvollen Berufen) wieder darauf verlassen können, erwachsene, denkfähige, reife und verantwortungsbewusste Menschen vor uns zu haben und keine verängstigten, vollkommen indoktrinierten und reflexionsunfähigen Systempuppen und (Pharma-)Lehrbuch-Referenten.

Geistige Faulheit

Sich Mund und Nase zu verdecken ist schlichtweg die intellektuell einfachere und geistig bequemere Variante als nachzudenken, Fragen zu stellen und sich zu informieren. Also gilt auch: wer glaubt, der Anti-Atem-Lappen sei ihm oder anderen zu Nutze, hat sich eben für den bequemen Weg der Unwissenheit und der kindlich naiven Folgsamkeit entschieden.

Dass das bei der offensichtlichen Verachtung der Regierenden für das Volk, ihrer Inkompetenz, Unehrlichkeit und Korruptheit irgendjemandem außerhalb psychiatrischer Dimensionen überhaupt noch möglich ist, mag diejenigen erstaunen, die das Phänomen des Schlafwandelns unterschätzen: diese Menschen sehen auf die Ferne aus und bewegen sich wie denkfähige Menschen, und doch… Damit können wir ihnen aber auch zugestehen, dass sie ein für allemal entschuldigt sind für ihre Fehleinschätzungen und großen „Meinungen“ über die Welt, die sie heute Morgen in der Zeitung gelesen haben. Wir können sie freistellen und in die wohlverdiente Verantwortungslosigkeit entlassen.

An der Anzahl der Maskenträger können wir unmittelbar sehen, warum eine funktionierende „Demokratie“ (d.h. wenn die Masse tatsächlich mitbestimmen würde) uns in den Abgrund führen würde. Denn siehe da, sobald die ungebildete, medienverstrahlte Masse entscheiden darf, was wissenschaftlich und politisch für alle und das Ganze das Beste ist, dann kann man z.B. auch ein totalitäres Infektionsschutzgesetz schon bei der Idee von einem Virus in voller Härte einsetzen. Vernünftige Menschen hatten dieses Gesetz einmal für echte Krankheiten und tatsächliche epidemische Bedrohungen (B-Waffen) vorgesehen, aber in einer digitalen und hochgradig virtuellen Welt muss es reichen, dass die Medien uns bloß von einem Virus erzählen, damit wir unsere Grundrechte aufheben und ein Grundgesetz (ebenfalls eine virtuelle Idee) aushebeln lassen.

Vor lauter irrealer Angstpropaganda fällt dem Bürger gar nicht mehr auf, dass er in der Realität immer den Kürzeren zieht, noch mehr eingeschränkt wird und schließlich selber noch draufzahlt. Die Gefahr ist zwar nur virtuell und erfunden, aber die Angst ist wirksam und der Verlust ist real. Wen aber interessiert schon die Realität während einer Massenpsychose, in der sich die meisten doch endlich einmal einig sind: es ist gut, Angst zu haben und zu verbreiten und es ist besser, noch mehr Angst zu haben und zu verbreiten.

Kein Grundbedürfnis des Menschen ist stärker als das, sich sicher zu fühlen. Und wenn alle großen Medien sagen, dass die Welt plötzlich wegen eines unsichtbaren Irgendwas, das uns allen an den Kragen will, höchst unsicher ist, dann lassen die Menschen alles stehen und liegen, auch sogenannte „innere Werte“, Freundschaft und gesunden Menschenverstand (sogar ihren Geschäftssinn) und spielen das „Titanic-Spiel“ mit. Und wie Blaise Pascal schon feststellte: wenn man etwas nicht glauben kann, dann kann man einfach so tun, als würde man es glauben. Irgendwann glaubt man es dann.

Das Bedürfnis nach Unterwerfung

Warum machen die Menschen das mit?

Ich meine, dass vor allem das Bedürfnis nach Angst und Unterwerfung bei vielen schon so groß geworden ist, dass ihnen jeder Vorwand genügt, um sich niederwerfen, auspeitschen oder eben die Atemluft abschnüren zu lassen. Es ist kein natürliches Bedürfnis, sondern eine neurotische Prägung der Schmerzvermeidung, indem man seine eigentlichen Ängste auf ein anderes vorgestelltes Geschehen projiziert. So kann man Angst haben ohne sich dem wahren Grund der eigenen Angst stellen zu müssen. Und dieser Selbstbetrug funktioniert – wie immer – im Kollektiv am besten.  

Vielleicht sind gewisse bizarre Praktiken der Lust doch viel verbreiteter als wir dachten. Es kann sich aber in der Not nicht jeder eine Latexmaske leisten. Ein Stück Stoff mag es dann auch tun. Die Lust an der Selbstaufopferung und dem Beinahe-Ersticken hat schon vielen Psychologen Kopfzerbrechen bereitet. Am wahrscheinlichsten bleibt die Erklärung, dass sich hier unverarbeitete Kindheits-Traumata in verzerrter und fragmentierter Form Bahn brechen. Vom (oft medikamentös verursachten) Sauerstoffmangel während der Geburt bis zur Selbstquälerei, um endlich die volle Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen – was den Außenstehenden oft verwirrt, ist die paradoxe Verknüpfung von einem unnötigen Leiden mit Grundbedürfnissen, die wie jede Sucht vergeblich aber immer heftiger nach Befriedigung suchen.

Und wir hatten schon so lange keinen Krieg mehr! Otto Normalverbraucher hatte also seit allzu langem schon keine Bühne mehr für eine öffentliche Selbstaufopferung, was die Sehnsucht vieler nach einer publiken Selbstquälerei für einen guten Zweck ins unerträgliche gesteigert haben könnte. Corona hat sie erlöst. Haben sie alle ihr Soll nicht erfüllt? Gehen sie nicht wenn auch namenlos so doch zumindest nicht ohne Borniertheit als Märtyrer der Naivität in die jüngste Geschichte ein?

Wer freiwillig eine Maske trägt, kann sich einreden, etwas für die Gemeinschaft, die Gesundheit oder sonst irgendein allgemeines, schwer überprüfbares Konzept zu tun. Und zwar umso mehr, weil er leidet. Die masochistisch-katholische Haltung von „Ich leide, also verdiene ich (Gottes) Anerkennung“ mündet heute vielleicht in einem Show-Leiden und Exhibitionismus der Selbstaufopferung für etwas Höheres („die Menschheit“) und spiegelt doch nur die neurotische Verdrehung der Sehnsucht wider, gesehen und gewertschätzt zu werden.

Diese Herleitung ist gar nicht nur theoretisch aus der Luft gegriffen. In meiner Stadt ist das Stadtviertel, das am dichtesten mit öko-moralischen Idealisten besiedelt ist, auch das Viertel mit den meisten Maskenträgern, die die Selbstfolterung auf offener Straße konsequenter zelebrieren als alle anderen. Ich habe mich anfangs gewundert, dachte ich doch zuerst, diese Apostel der persönlichen Freiheit, der Super-Gesundheit, der Anti-Autorität und des Naturschutzes müssten den widernatürlichen Zwang doch am ehesten ablehnen. Das war ein Irrtum. Die Anti-Atemmaske ist die lang ersehnte Möglichkeit für sie, sich im Namen eines Rettungs-Narrativs zu opfern.

Ihr viel beschworener Anti-Egoismus und die darin verborgene Selbstablehnung können sich nun besser denn je als Opfer für das höhere Gute feiern und die masochistisch verlässliche Identität festigen. Die geradezu schon typisch deutsche (weil lange eingeübte) Überzeugung, dass wir uns und die Welt verbessern, indem wir unser Wesen (und unsere Natur) unterdrücken, gängeln und verraten lassen, bringt nun den tröstenden Ausgleich durch die moralische Selbstgefälligkeit und medial aufgeklärte Selbstgewissheit. Der Stolz des Masochisten ist: „Seht her, ich leide mehr und effektiver als ihr!“ und beschwingt ihn zu immer höheren Leidens-Leistungen. Er scheut weder Krankheit noch Tod, denn er weiß, dass er dafür umso mehr die sonst schmerzlich fehlende Beachtung verdient.

Zu dieser traurigen Verdrehung deutscher Geduld und Hilfsbereitschaft gehört allerdings auch der schon lange geprobte Hass auf alle anderen, vor allem alle die, die anders denken und sich ohne Selbstaufopferung wohl in ihrer Haut fühlen. Denn wer sich mit einer Idee identifiziert, der muss jede andere Idee als Feind betrachten.

Der blinde Fleck

Wir denken bei der Untersuchung von Verschwörungen oder Machenschaften meistens nur an die Seite der Verschwörer, Betrüger oder Kriminellen. Aber zu einer erfolgreichen Irreführung oder Geheimhaltung gehört immer auch die andere Seite, also der, der sich in die Irre führen lässt, etwas nicht sieht oder nicht versteht. Da schauen wir nicht so gerne hin, denn dann müssten wir ja auf unsere eigene Rolle in dem Spiel schauen. Da lehnen wir doch lieber Betrug als solchen rundherum ab und erklären ihn für „unmöglich“. Nach dem bewährten Motto: Wenn die Fakten nicht zu Deiner Lieblingstheorie passen, müssen die Fakten falsch sein.

Ebenso lehnen wir auch ganz grundsätzlich Macht als reales Phänomen überhaupt ab, weil wir sonst vielleicht erkennen müssten, dass wir sie nicht haben und am Ohnmachts-Ende der Polarität hängen. Von weiterreichender Kontrolle oder globaler Steuerung wollen wir auch nichts wissen, denn es könnte der Gedanke aufkommen, dass wir seit eh und je ohne es zu bemerken auf der Position der Kontrollierten und Gesteuerten festsitzen. Dann doch lieber Augen und zu und jeden Hinweis auf die Fragestellung abtun. In einer unbequemen Realität halten sich Kinder lieber an ihre Fantasien.

Es geht also vor allem um eine Ablehnung und die Schutzreflexe gegenüber dem Themenkomplex von Macht und Ohnmacht, zu dem wir uns nun langsam vorgearbeitet haben. Sowohl der Wunsch nach Fremdbestimmung, die Tendenz zur naiven Folgsamkeit als auch der Unterwerfungszwang und die kindliche Verantwortungslosigkeit der Systemopportunisten, die wir bis hierhin betrachtet haben, sind Facetten eines ungeklärten Verhältnisses zur Dynamik von Macht, das für die meisten durch Angst definiert ist.

Macht und Selbstbestimmung

Wir alle waren in unserer Kindheit in ein starkes Hierarchie-Gefälle eingebunden. Je jünger wir waren, desto abhängiger und hilfloser waren wir und desto größer war der Unterschied zu den Älteren um uns herum, die viel mehr konnten, viel mehr wussten und dadurch in der physischen Welt vor allem viel mehr Einfluss hatten. Diese unsere Erfahrungen mit Abhängigkeit von einflussreicheren Menschen haben uns somatisch und emotional geprägt lange bevor wir darüber nachdenken oder eine Meinung darüber haben konnten.

Wir hatten nicht die Wahl, ob wir uns ausliefern wollten oder wem. Wir waren ausgeliefert – und zwar den Menschen, die sich unserer annahmen. Das liegt in der Natur des Kindseins und seiner Bedürftigkeit. Was uns geprägt hat, sind die angenehmen und unangenehmen Erfahrungen innerhalb dieses Ausgeliefert-  und Abhängig-Seins. Die Erfahrungen unserer ersten zwei Lebensjahre mit den größeren, mächtigeren Wesen bilden für den Rest unseres Lebens unsere intuitive und emotionale Einstellung gegenüber der Welt, insbesondere gegenüber Menschen, die uns in irgendeiner Weise nahe kommen – es sei denn, wir begeben uns später als Erwachsene mit unserem eigenen Bewusstsein nochmal zurück in die Tiefen dieser frühen nonverbalen Prägungen, um sie zu verändern.

Ab spätestens dem dritten Lebensjahr entsteht in der Kindheitsentwicklung jedoch eine weitere Differenzierung und Reifung dadurch, dass das Kind mehr und mehr Selbstkontrolle gewinnt, also Kontrolle über Impulse und Handlungen, dadurch eigene Handlungen planen, intentional und strategisch vorgehen und sich dabei an Maßstäben von „richtig“ und „falsch“ orientieren kann. So entsteht die Basis von Willenskraft, weil sich das Kind nun immer weniger mit seinen Impulsen dafür aber immer mehr mit der Steuerung seiner Impulse identifiziert. Das Ich-Gefühl verbindet sich nun mit den Fähigkeiten, Dinge absichtlich zu tun, zu lassen, aufzuschieben und in geplanter Reihenfolge auszuführen. Damit beginnt die handlungsbezogene Selbstbestimmung, die das Fundament für die spätere kognitive, dann soziale und schließlich geistige Selbstbestimmung legt. Wenn das Kind darin nicht gestört wird, entwickelt es einen gesunden Stolz auf diese neuen und wertvollen Fähigkeiten. Sie sind später wichtige Werkzeuge für Ausdauer, selbstgewählte Disziplin und soziale Einpassung ohne dabei das Selbstgefühl zu verlieren.

In dem Zeitfenster von ca. 2,5 Jahren für diese „Willensentwicklung“ lernt das Kind nicht nur sich zu kontrollieren, sondern auch, inwieweit diese Kontrolle im sich nach eigenen Bedürfnissen und Impulsen richten kann (Selbststeuerung) oder sich nach Erwartungen und Bedürfnissen anderer richten muss (Fremdsteuerung).

Lange Zeit herrschte in der Kleinkindpädagogik und Erziehungskonzeption in Deutschland die militärische Idee, man müsse „den Willen des Kindes brechen“, damit es später kein Tyrann werde. Um es an dieser Stelle kurz zu halten: jede Empirie beweist das Gegenteil, wie die Entwicklungspsychologie heute auch weiß; erst und gerade durch die Unterdrückung der Entfaltung kindlicher Selbstkontrolle und seiner essentiell wichtigen Kraft- und Grenzen-Experimente entsteht eine lebenslange Konditionierung zum unterwürfigen, masochistischen Charakter („Der Untertan“) oder zu seiner Inversion, dem sadistischen, machthungrigen Charakter („Der Tyrann“), die beide bloß zwei Varianten einer massiven Störung von Willenskraft und Selbstausdruck darstellen.

Die Dominanz solcher als Pädagogik getarnter Unterwerfungsphilosophien ist Teil einer geistig verdunkelten Epoche der Deutschen von über 50 Jahren, denn wir waren in der Zeit der Romantik, die aus den Ansätzen der Aufklärung eine einmalige, ganzheitliche Philosophie der menschlichen Entfaltung entwickelte, schon viel weiter. Die strategische Elternberatung für den Machtkrieg mit ihren Kindern gehört zwar seit den 1960ern der Vergangenheit an, wir haben aber bis heute noch sowohl mit ihren Ausläufern als vor allem auch mit ihrer radikalen Gegenbewegung zu tun, die sich als „anti-autoritär“ bezeichnet und wiederum übers Ziel hinaus schoss, weil sie meist auf „Anti-Struktur“, also auch „Anti-Halt“ und deshalb auf „Anti-Sicherheit“ hinausläuft.

Kinder brauchen vor allen Dingen Halt und Sicherheit. Darauf bezieht sich die bekannte Erziehungslosung „Kinder brauchen Grenzen“ – gemeint sind nicht mechanische Beschränkungen und schon gar nicht Unterdrückung durch Machtkämpfe (die das Kind nur verlieren kann), sondern Grenzen als Kontakt- und Erfahrungsflächen, um sich selbst, die eigenen Kräfte und Wirkungen auf andere kennen zu lernen.

Wenn ihre experimentellen Impulse zur Einflussvergrößerung unbegrenzt oder sogar unbeantwortet bleiben, dann schlagen sie irgendwann ins Asoziale und Manipulative um. Statt Selbstkontrolle und Selbstdisziplin lernen sie, andere und die Welt für ihre Bedürfnisse und Impulse zurechtzubiegen und andere geschickt oder gewaltsam zu ihren eigenen Zielen zu verführen. Dann haben wir kleine Narzissten-Persönlichkeiten, die auf ihre Manipulation und Kontrolle der Außenwelt angewiesen sind, um sich… stark und mächtig zu fühlen? Nein, um sich sicher, gehalten und nicht ohnmächtig zu fühlen.

Das ist der entscheidende Punkt: sowohl das Kind, das keinen eigenen Willen haben und äußern darf als auch das Kind, das seinen Willen nicht im Kontakt testen und realistisch-sozial begrenzen kann, erleben in dieser enorm wichtigen Entwicklungsphase eine überfordernde Ohnmacht. Entweder die Ohnmacht, von der Macht der Größeren, Stärkeren, ja, Verantwortlichen chancenlos überwältigt zu werden. Ein Kind wird immer den Weg wählen, der ihm die weitere Zuwendung und den Schutz der Bezugsperson sichern – dafür ist das Kind auch bereit, seine eigene Kraft komplett zu leugnen und zu unterdrücken, was dann eine generelle Lebenshaltung werden kann.

Oder das Kind erfährt die Ohnmacht, im Austesten der eigenen Einflusssphäre kein haltgebendes Gegenüber und dadurch keinen Austausch zum Lernen zu finden. Damit laufen die eigenen Machtimpulse ins Grenzenlose, das heißt genauer: ins Kontaktlose. Ein Kind wird alles tun, um sich nicht ohnmächtig zu fühlen. Entweder, indem es eine Konfrontation in Zukunft komplett meidet und die eigenen Bedürfnisse, Impulse, Interessen, Fragen, usw. dafür unterdrückt (es unterwirft sich den äußeren Bedingungen: der Untertan). Oder indem es sich selbst aus seinen kindlichen Fähigkeiten, seiner Fantasie und seinen Bedürfnissen eigene Grenzen behelfsmäßig konstruiert, bei denen die Bedürfnisse und Grenzen anderer, soziale Anforderungen oder Hierarchien gar keine Rolle spielen (es entwickelt eine fantastische, megalomane Persönlichkeit: der Narzisst und der Tyrann).

Der narzisstisch-tyrannische Charakter lebt dann in der tatsächlich erlebten und tief verinnerlichten Haltung, dass die Welt ihn nicht begrenzen kann, dass nur er selbst sich Rahmen, Grenzen und Maßstäbe setzen kann und folglich alle anderen macht-hierarchisch unter ihm stehen müssen. Die größtenteils unterdrückte Fantasie aus dem Mangel an Grenzerfahrung ist: „Wenn ich mich nicht streng selbst kontrolliere, dann kann ich die ganze Welt vernichten“. Auch wenn er später intellektuell einsehen muss, dass das natürlich nicht stimmt, so bleibt dies doch seine emotional fest verankerte Grundeinstellung, deren Wurzel Angst ist. Angst vor dieser speziellen Ohnmacht, nicht genug begrenzt und im Kontakt sein zu können mit der eigenen Kraft. Angst davor, dass dieser Drang nach Grenztestung, so weit über das eigene Ich-Gefühl hinausgeht und dann nicht mehr kontrolliert werden kann, dass es tatsächlich letztlich die Angst vor dem Selbstverlust, also vor einer Art Psychose ist. Das soll hier nur erwähnt sein, um das Ausmaß und die Tiefe dieser Angst zu verdeutlichen.

Die Angst vor der Macht

Für unsere Untersuchung hier ist wichtig, dass beide Varianten der Entwicklungstraumatisierung – die Willen-unterdrückende und die Willen-vernachlässigende – dazu führen, dass Menschen Angst in Bezug auf Macht und Hierarchien somatisch und emotional verinnerlichen.

Erst später entwickeln sie dann aus dieser Angst und emotionalen Prägung heraus eine Macht-ängstliche Lebensphilosophie oder sogar eine Macht-ablehnende Ideologie, die sie für richtig halten, weil sie ihren eigenen Erfahrungen und Gefühlen entspricht. Deshalb helfen gegenüber solch wahrhaft eingefleischten Konzepten kaum Argumente und Erklärungen, weil sie auf einer nicht-intellektuellen, meist unbewussten Ebene idiosynkratisch richtig sind – eben in Bezug auf die eigenen frühen Erfahrungen, die nur verallgemeinert werden. Wenn derart geprägte Menschen sich später soziale Verbindungen suchen, die sie in ihren Überzeugungen bestätigen und befeuern, bleiben sie in der unreflektierten Gewissheit stecken, dass Macht an sich schlecht und bedrohlich ist.

Wie sehen sie dann die Welt? Sie sehen sie durch ihre Erfahrung und Gewissheit hindurch, dass Macht ein Problem ist, das irgendwie abgeschafft oder bekämpft werden muss; dass jegliche Form von Hierarchien zu Machtmissbrauch führt; dass Rangstufen des Einflusses und Entscheidens gefährlich sind.

Wenn die Erfahrung von Macht, Rangordnung und Einfluss-Möglichkeiten eng verknüpft ist mit der Erfahrung von Machtmissbrauch (Unterdrückung oder Vernachlässigung), dann verschmelzen diese beiden Konzepte zu einem Angst-Macht-Komplex, der hauptsächlich einen psychischen Effekt hat, den wir für unsere Betrachtungen herausstellen wollen: Macht muss dann chronisch gemieden werden – sowohl symbolisch-gedanklich als auch real. Mit anderen Worten: Macht wird ein emotionales, intellektuelles und soziales Tabu. Sie wird im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar. Außerdem böse und falsch.

Damit sind dann leider auch die verantwortungsvollen, fürsorglichen, beschützenden, fördernden, gestaltenden und erhebenden Formen von Macht ausgeschlossen. Das ist die geistige Sackgasse, in der heute bereits mehrere Generationen auf ihre Weise feststecken: da sie Macht als solche ablehnen, finden sie keinen funktionierenden Weg mehr zu Verantwortung, Allgemeinwohl, Sicherheit, Loyalität, Entwicklung und Freiheit. Sie suchen nach einer gesunden Ordnung ohne Macht und Hierarchien, was ein Ding der Unmöglichkeit ist, weil es in ihren ausgedachten Systemen keine Orientierung und keine Personifikation von Verantwortung und Anerkennung gibt. Ihnen fehlt eben genau das, was sie emotional verdrängt und tabuisiert haben. Zu der förderlichen Macht mit positivem Vorzeichen und was wir dafür benötigen, kommen wir weiter unten im Text noch ausführlicher.

Ein Kind kann eine reale Gegebenheit, wie Macht und Hierarchie sie nun einmal im Kinderleben sind, nur auf eine Weise vermeiden: es muss sie aus seiner Wahrnehmung verdrängen. Die Psyche des Kindes baut einen Filter in die Wahrnehmung ein, der jedes Signal in Zusammenhang mit Einfluss, Macht oder Rangunterschieden von der bewussten Verarbeitung fernhält. So entstehen die sprichwörtlichen blinden Flecken. Wenn sie vor dem vierten Lebensjahr essentiell wichtig sind für das Kind, dann sind sie nicht reflektierbar, weil das Kind bis zu dem Alter noch kein ausreichendes selbstbeobachtendes Denken entwickelt hat. Ein dermaßen geprägter Mensch kann ohne intensive äußere Hilfe weder über seinen Filter noch über tatsächliche Machtverhältnisse nachdenken, weil sie für ihn schlichtweg nicht erkennbar sind. Und wenn man es schafft, sie ihm dennoch an seinen gewohnten Filtern vorbei sichtbar zu machen – z.B. in bildlicher, sehr plakativer und einfacher Sprache – dann wird man feststellen, dass sein Verständnis von Machtbeziehungen auf dem Niveau eines dreijährigen Kindes steht. Wahrscheinlich sogar auf dem Niveau eines verletzten, also ängstlichen und misstrauischen dreijährigen Kindes.

Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn wir uns im Geschäft der Aufklärung oder des politischen Systemwandels engagieren. Wir müssen mit vielen Unmündigen rechnen und arbeiten.

Nicht sehen können – nicht verstehen können

Was sind die weiteren Effekt vom Angst-Macht-Komplex und dem Anti-Macht-Filter? Aus dem Nicht-Sehen-Wollen (weil zu sehr mit Schmerzen und Ohnmacht verbunden) wird ein Nicht-Sehen-Können, welches die hartnäckige innere Haltung bildet für die weitere persönliche Entwicklung über das Grundschulalter, durch die Jugend bis ins Erwachsenenleben hinein. Wir haben dann später erwachsene Menschen – politisch gesprochen also auch: Wähler – die

  1. Macht und Hierarchien für etwas grundsätzlich Falsches und Böses halten und
  2. reale Machtverhältnisse nicht wahrnehmen können.

Natürlich funktioniert das in der extremen Ausprägung, die wir heute als Verblendung einer komplette Generation erleben, nur, wenn besonders die Jugendlichen entsprechend indoktriniert werden. Denn ihre Neugier und ihr erwachender Geist der Emanzipation müssen gelähmt und klein gehalten werden. Der moderne Weg dafür lässt sich als Zumüllen zusammenfassen. Die Glaubenssätze, die gefühlsmäßig passen und dann auch noch sozial am meisten belohnt werden, werden deshalb von den jungen Menschen aufgesogen wie Naturgesetze. Sie lassen sich auf zwei Axiome zurückführen:

  1. „Macht und Hierarchien sind schlecht, veraltet und deshalb zu meiden.“ Ideologische Stichworte dazu: Hierarchielosigkeit, Basis-Demokratie, Liberalismus, Anarchie, Gleichstellungs-irgendwas, Emanzipation usw.
  2. „Es gibt gar keine echte Macht und Hierarchie mehr.“
    Mit anderen Worten: glaube den Machthabern, dass sie gar keine Macht mehr hätten, alles ist „demokratisch“, du kannst bei allem mitreden, deine Stimme ist wichtig und du darfst dich für selbstbestimmt halten, solange du dich genau an die Spielregeln des Systems hältst.

Die Botschaft von Indoktrination 1 lässt sich auch formulieren als: „Denk nicht nach!“, während die von Indoktrination 2 lautet: „Schau nicht hin!“ Beide zusammen bilden die paradoxe Botschaft von: „Glaube das, was du von den Autoritäten des Systems lernst, damit du dir innerhalb des Glaubenssystem einbilden kannst, du seist unabhängig, emanzipiert und selbstbestimmt (während du komplett fremdbestimmt bist)“. Kurz: das Matrix-Phänomen: innerhalb der Matrix kannst du glauben du seist frei, solange du nicht zweifelst und keine Fragen stellst.

Das Ergebnis dermaßen emotional und konzeptuell indoktrinierter und betäubter Menschen sehen wir heute in den massenhaften Überzeugungen von vor allem jungen Erwachsenen, die das Nachsprechen unreflektierter Ideologien und Slogans schon für ihre erfolgreiche Emanzipation halten und sich exakt nach den Vorgaben des Systems bewegen können in der festen Überzeugung, sich dabei tapfer gegen das System und für die wahre Freiheit zu engagieren.

Da sind Generationen von „Männern“, die nicht bloß Gewalt, sondern jeglichen Einsatz von Einflussnahme ablehnen. Sie haben ihren inneren Zugriff auf Aggressionsfähigkeit, Kampfbereitschaft, Selbstbehauptung und Eigenpositionierung auf so früher Ebene blockiert, dass sie nun davon ausgehen, dass es dieses Potenzial in ihnen gar nicht gibt. Sie halten sich für die gesegnete neue Generation von Friedensbringern und bemerken nicht, dass sie ihren herbeigeträumten Marihuana-Frieden gegen keine Gegenkraft durchsetzen geschweige denn verteidigen könnten. Sie halten ihren ängstlich-überforderten, prä-pubertären Verzicht auf Selbstbestimmung für ihre ganz besondere Form der Selbstbestimmung und bilden Gruppen, Initiativen und Projekte, um sich darin gegenseitig zu bestätigen.

Und sie schwärmen von „Schwarm-Intelligenz“ – ein irriges Konzept, das sich jemand ausgedacht muss, der gerne Kollektive steuert oder sie zumindest gerne hilflos in den Abgrund taumeln sieht. Vielleicht auch einfach nur ein weiteres Beispiel für menschliches Wunschdenken. Es gibt keine Schwarm-Intelligenz, sondern höchstens Schwarm-Instinkt. Schwarm- und Herdentiere agieren aus dem Instinkt ihrer Art. Wenn Menschen aus diesem Herdentrieb oder aus ihrem „größten gemeinsamen Nenner“ agieren, dann ist das eine mächtige Reduktion menschlicher Intelligenz und menschlichen Potenzials. Alle großen konstruktiven Leistungen und Bewegungen der Menschheitsgeschichte gingen von einem oder ein paar wenigen (sehr individuellen) Geistern aus. Wo so etwas wie „Schwarm-Intelligenz“ wirkte, kann man nur vom Horror der „Massendummheit“ sprechen: Massenhysterie, Massenpsychose, Massendestruktivität. Jeder Fortschritt, Aufbau, jede Innovation folgte stets der gleichen Dynamik: einer hat die Idee, einige wenige setzen sie um und die Masse übernimmt sie später mechanisch und lässt sie zum neuen Standard werden.

Was aber all die Ideen à la Schwarm-Instinkt ermöglichen, ist das Mitschwimmen mit einer Gruppe oder einem Kollektiv ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Der authentisch freie Geist eines Menschen sollte sich ab der Pubertät über jegliches Mitlaufen und Schwarm-Sonstwas empören. Diesen geistigen Entwicklungsschritt zu betäuben und zu blockieren braucht eine mächtige Gegenkraft und diese Gegenkraft ist der beschriebene Angst-Macht-Komplex. Den gilt es zu durchschauen, um frei zu werden.

Er sorgt dafür, dass Menschen Kinder bleiben und sich als Teenager dafür entscheiden, sich vom umfassenden System lenken und bestimmen zu lassen. Warum? Weil es einfacher, greifbarer, sozial anerkannter und vertrauter Weg ist. Und weil es keine sichtbare Alternative mehr gibt. In unserer Gesellschaft wurde die Unterstützung für die Emanzipation der Jugendlichen – also echtes Erwachsenwerden – fast gänzlich abgeschafft. Marginale Reste solcher Unterstützung haben sich ins Unsichtbare innerhalb und außerhalb der Institutionen zurückgezogen. Einer unserer dringendsten Aufgaben besteht darin, sie aus ihren Überlebenswinkeln und Nischen wieder an die sichtbaren Führungsspitzen zu heben und geistiges Erwachsenwerden wieder zu fördern.

Zusammenfassung zum Macht-Angst-Komplex

Fassen wir einmal zusammen: Menschen mit emotional verankertem und ideologisch fixiertem Angst-Macht-Komplex wollen und können Macht, Machtstrukturen und Hierarchien des Einflusses nicht sehen. Ihnen fehlt sowohl die Erkenntnisfähigkeit für Wirk- und Machtstrukturen in der Außenwelt als auch psychisch-innerlich. Ihre Selbstkontrolle beruht auf der Anpassung an äußere Bedingungen, von denen sie abhängig bleiben, um sich gehalten und sicher zu fühlen. Diese Abhängigkeit gilt sowohl für den Sich-Unterwerfenden mit seiner kollabierten oder unterdrückten Willenskraft als auch für den narzisstischen „Anführer“ mit seinen egozentrisch inflationierten Machtfantasien. Beiden fehlt echte Selbstkontrolle, Selbstdisziplin und Selbstregulation. Und damit echte Eigenständigkeit und (Selbst)Verantwortungsfähigkeit. Wir können auch sagen: Mündigkeit. Beide hängen psychisch vollkommen am Tropf eines Systems, das ihnen das Milieu gibt, das sie brauchen, um sich zu stabilisieren und nicht an ihre Angst vor Ohnmacht zu rühren.

Wenn man Menschen mit kollabierter Willenskraft reale Machstrukturen aufzeigen oder erklären möchte, stößt man auf eine betonharte emotionale Mauer, die außerhalb jeglichen rationalen Verhaltens liegt. Sie können und wollen nicht nur Machtdynamiken nicht sehen, sie können und wollen vor allem Machtmissbrauch nicht sehen und werfen ihn mit Macht gerne in einen Topf. Deshalb reagieren sie emotional aufgeladen, wenn ihnen Macht offen entgegen tritt, denn sie wittern sofort überall nur Missbrauch. Die Folge ist noch irrationaler: sie bevorzugen es (emotional/psychisch), dass Macht unsichtbar und im Verborgenen also manipulativ bleibt, denn dann können sie sie besser leugnen. Dass sie dadurch zu Objekten der Fremdsteuerung werden, nehmen sie gar nicht wahr. So infantil-naiv wie das klingt ist es tatsächlich.

Und sich mit realen Machtstrukturen intellektuell aufrichtig auseinanderzusetzen – also ohne ideologische Wunschprämissen und Axiome – bedeutet stets, sich mit der eigenen Ohnmacht auseinanderzusetzen, was auf sehr früher Ebene blockiert, sprich: traumatisiert sein kann. Und mit einem traumatisierten Menschen kann man nicht wissenschaftlich sprechen. Das muss anders ablaufen, wenn es konstruktiv sein soll.

Was die Macht-Ängstlichen tun, ist, ihre Macht abzugeben. Da jegliche Einflussnahme per se als etwas Schlechtes in ihrem Unterbewusstsein gespeichert ist, müssen sie sie soweit wie möglich von sich wegschieben. So werden auch Selbstbehauptung, Mitbestimmung und Mitgestaltung wie ein Schwarzer Peter möglichst weit weggereicht und ausgeblendet. Dann können sie ihre tatsächliche Machtlosigkeit als Erleichterung und Fortschritt feiern.

Diese Menschen werden selbst den offensichtlichsten und leicht nachprüfbaren Fakten über Machtdynamiken mit aggressiver Ablehnung begegnen. Der kopflose Pauschalangriff: „Verschwörungstheorie!“ ist wie oben schon beschrieben ihr letzter hilfloser, irrationaler Versuch der Abschottung gegen die bedrohliche Erkenntnis der eigenen Ohnmacht.

Denn wer sich mit den tatsächlichen Machtstrukturen in der Welt beschäftigt, der ist zunächst auch einmal mit der eigenen Ohnmacht und dem Zerbrechen eigener Macht-Illusionen konfrontiert. Wer dieses intellektuelle „Aufwachen“ schon erlebt hat, der weiß sofort, wovon hier die Rede ist. Ohnmacht zu integrieren und dabei nicht in neue neurotische Abwehr-Mechanismen oder paranoide Zwangsgewohnheiten zu verfallen, ist ein schmaler und steiler Pfad, auf dem schon viele abgerutscht oder steckengeblieben sind.

Wer all dem ausweichen will, der kann es sich nur in der Ohnmacht bequem machen: sich mit gleichgesinnten Macht-Verweigerern zusammentun, dem Diktat der kollektiven und ideologischen Fremdbestimmung folgen, das mutige eigene Denken betäuben und sich einreden, man sei in der formlosen Zugehörigkeit doch schon ganz schön individuell – weil man sich ja seinen Bildschirmschoner, sein Facebookprofil und den Klamottenkauf „personalisieren“ kann. Lebenswichtig ist für die derart Kind-Gebliebenen, dass sie jede Information über die realen Machtverhältnisse oder über ihre Position der vollkommenen Abhängigkeit akribisch von sich fernhalten müssen. Zur Not mit Gewalt.

Es darf daher nicht überraschen, wenn wir gerade in den Gruppen mit den lautesten Autonomie-, Anti-, Außenseiter- und Aussteiger-Bekundungen die Abhängigsten und System-Ängstlichsten finden. Wenn Fernseher, Radio und „offizielle Kanäle“ des angeblich doch so abgelehnten Systems sagen, es müssten jetzt Mundmasken getragen werden, sind sie sofort und geflissentlich in der ersten Reihe dabei – und bekämpfen die Systemfeinde mit der typischen Zuverlässigkeit von Angst und Ignoranz. Werden sie nicht auch dafür einstehen, dass bestimmte Menschen einen gelben Stern tragen sollten, dass man bestimmten Menschen ihre Grundrecht entziehen sollte? Und wenn die Regierung und ihre Wissenschaftler sagen, sie sollen rote Nasen aufsetzen, sich die Augen verbinden und aus dem Fenster springen – dann muss es getan werden. Ach, die vollmundige Kinderrevolte findet nur statt bis die Mutti ins Kinderzimmer kommt und „Schluss!“ oder zum Essen ruft.

Es bedarf nur ein paar weniger skrupelloser Leute, die sich diese gebündelte Angst zu Nutze machen wollen, und sie in die gewollte Richtung innerhalb ihres Systems kanalisieren: so baut man das, was man Faschismus nennt und muss dabei den macht-ängstlichen und willenlosen Mitläufern nur täglich einreden, dass es gar keine Macht gibt und dass alles nur zu ihrem Besten ist. So spaltet sich über die Zeit hinweg die Gesellschaft: auf der einen Seite die betäubt-träumenden Systemmitläufer in ihrer chronisch ängstlichen Überforderung und auf der anderen Seite die aufmerksam Wacheren, die erkennen, wie das gesamte Schiff mit voller Kraft und Begeisterung auf das Eismassiv zusteuert.

Damit kommen wir zur Differenzierung zwei fundamental unterschiedlicher Entwicklungszustände des Menschen:

Individualität versus Kollektiv-Mensch

Man könnte nach unseren bisherigen Betrachtungen zu der Meinung gelangen, Macht sei ein Spezialthema für Psychologen, Sozialwissenschaftler und geopolotische Analysten. So ist es hier jedoch nicht gemeint. Auch wenn wir uns im weiten Bogen angenähert haben, möchte ich doch auf den Punkt kommen, dass Macht eines der essentiellsten Themen des menschlichen Lebens ist. Und zwar nicht nur sozial oder in Bezug auf die Organisation und Steuerung einer Gesellschaft, sondern vielmehr für jeden einzelnen.

Jeder selbstreflektierte Mensch wird sich früher oder später die Frage nach der Macht stellen. An dieser Frage führt kein Weg vorbei – außer Ignoranz und Ablenkung, die nicht nur die Wurzeln des Leids sind, wie die Buddhisten wissen, sondern auch die der Retardierung. Spätestens bei der Frage nach der eigenen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit oder nach dem eigenen Willen taucht das Thema der Macht auf: wer oder was bestimmt, was und wie ich denke, was ich fühle und was ich tue? Die Frage nach der Macht ist die Frage der Emanzipation. Und die Emanzipation ist die Vorbedingung für die Individuation.

Wer sich nicht emanzipiert, der kann keine individuelle Identität entwickeln. In der ungenauen Alltagssprache, die unsauberes Denken spiegelt und deshalb mittlerweile sogar in sogenannte „Expertenrunden“ Einzug erhalten hat, wird Individualität meist mit Einzigartigkeit verwechselt. Jede Schneeflocke ist einzigartig, aber sie ist nicht individuell. Jeder Mensch mag ebenso einzigartig sein – individuell, also Individuen sind nur wenige.

Individuum ist, wer sich mit einem unteilbaren inneren Kern identifiziert (lat. in-dividere = un-teilbar), also mit seinem eigenen Wesenskern. Eine entscheidende Eigenschaft von individuierten Menschen ist, dass sie von innen nach außen leben und aus ihrer Eigenart heraus agieren. Sie bringen dadurch eine wiedererkennbare Konstanz im Ausdruck mit sich, die Kinder und nicht-individuierte Menschen nicht haben, weil sie re-agieren und sich dadurch überwiegend von der Außenwelt gesteuert verhalten. Eine weitere Eigenschaft des Individuums ist, dass Denken, Fühlen und Sinneswahrnehmung eine Einheit bilden. Unterhalb dieser Reifestufe führen diese Funktionen ein weitgehend getrenntes, unkoordiniertes Eigenleben und sorgen stets für Chaos untereinander, das nur durch haltgebende und steuernde äußere Bedingungen im Zaum gehalten werden kann.

Bevor der Mensch ein Individuum wird, ist er ein Kollektiv-Mensch. Der Kollektiv-Mensch denkt, fühlt und tut das, was das Kollektiv denkt, fühlt und tut. Er stellt nichts Eigenes, Separates oder Autonomes dar, sondern bloß eine verkörperte Sammelstelle für unpersönliche äußere Strömungen. Wenn die meisten Menschen um den Kollektivmenschen herum sich einen Lappen vor den Mund binden, tut er das auch. Wenn sie „grün“ schreien, schreit er „grün“, wenn sie sagen, „Chemotherapie hilft“, dann lässt er sich vergiften, wenn die Regierungs-Statistiken sagen, die Bürger seien zufrieden, dann hält er sich für zufrieden und wenn der Arzt ihm sagt, er habe eine tödliche Krankheit, dann stirbt er, wie es sich gehört. Verstehen von alldem tut er nichts. Einen eigenen Standpunkt dazu hat er auch nicht – höchstens imitierte Standpunkte von anderen. Der Ersatz für „die anderen“ und „was man tut“ ist heute der Fernseher. Der moderne Kollektivmensch kann also gänzlich isoliert leben und trotzdem glauben, er sei Teil von etwas Größerem. Das ist er auch, er hat nur keine Ahnung, was dieses Größere wirklich ist und wozu es ihn benutzt.

Was dem Kollektivmenschen fehlt, sind Innen-Orientierung und ein eigener innerer Bezugspunkt aus Wissen, Erfahrung und Verstehen. Seine Orientierung beruht weiterhin auf einem Kleinkind-Mechanismus, der sich „social referencing“ (in etwa: „soziale Bezugnahme“ oder „sozialer Rückbezug“) nennt. Das Kind schaut in neuen oder Entscheidungs-Situationen danach, wie die Eltern reagieren oder handeln und richtet sich danach. Wir können auch daran erkennen, dass der Kollektiv-Erwachsene im Grunde ein ältergewordenes Kind ist, das die Eltern bloß durch Autoritäten und den Fernseher ersetzt hat.

Stress frisst Hirn

Social referencing als basale Hirnfunktion tritt übrigens auch vermehrt unter Stress, Überforderung und Druck auf, denn das eigene Denken kann erst einsetzen, wenn das Nervensystem dafür genug Freiraum lässt. Es müssen im Nervensystem genügend Ressourcen frei sein, um Kapazität zum Denken, Nachdenken und Hinterfragen zu haben. Der moderne Hamsterrad-Mensch, der oft schon seit seiner frühen Schulzeit an den Zustand der Dauerüberforderung und -angst gewöhnt ist, hat kaum Kapazität zum Nachdenken. Er muss sich mit primitiveren Lösungsstrategien und Entscheidungswegen behelfen, z.B.: „Tu was die anderen tun. Fall nicht auf. Schau, was du für dich rausholen kannst. Schau nicht links und rechts, bleib auf der schmalen Straße des unmittelbaren Selbsterhalts.“

Stress frisst Hirn. Und damit Intelligenz, Weitsicht, Empathie und Verstand. Es ist nicht fair, solch überforderten Menschen die Aufgabe zu geben, die beste Regierung für ein komplexes Ganzes zu bestimmen, das sie nicht einmal annähernd überschauen. Sie werden ja doch nur an der Nase herumgeführt von denen, die die Massen bzw. die Medien steuern. Man verstehe den Teufelskreis von Beeinflussung und Unterwerfung und bringe damit das gesamte System der Pseudo-Demokratie mit ihren blühenden Fantasie-Versprechen ein für allemal hinter sich!

Natürlich ist der Übergang vom reinen Kollektivmenschen zur höheren Reifestufe des Individuums fließend und man kann alle möglichen Mischverhältnisse von Kollektiv-Verschmelzung und Elementen echter Individualität finden. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit der Menschen im Zustand der Kollektivabhängigkeit lebt.

Die inneren und äußeren Bewegungen von Kollektivmenschen werden von Kräften bestimmt, die außerhalb von ihnen liegen und für sie unsichtbar sind. Diese Kräfte lenken die Menschen so wie der Mond das Meer bewegt. Einer dieser ferngesteuerten Automatismen im modernen Kollektivmenschen sind die Überzeugungen: „Ich bin ein Individuum“, „Ich bin einzigartig“ und „Ich bin etwas besonderes“. Diese Überzeugungen sind nicht begründbar, aber begründet: nämlich in der Imitation der Umwelt. Diese imitierten Gedanken-Schnipsel sind zwar falsch, aber daran ist nichts falsch.

Ich kenne keinen Hinweis, dass es jemals anders war in der Menschheitsgeschichte geschweige denn zukünftig anders wird. Die unauslöschliche Idee, dass „die Menschen“ einen „Bewusstseinssprung“ machen und sich Abrakadabra durch rätselhafte kosmische Einflüsse in individuelle erwachte Wesen verwandeln ist ein moderner Mythos der – nicht verwunderlich – Kollektivmenschen besonders anzieht. Einer genaueren Prüfung halten solche Traumprophezeiungen nicht stand. Man kann genauso wenig zum Individuum „gemacht werden“, wie man unbewusst bewusst oder mechanisch menschlich werden kann.

Der stets von außen bewegte Kollektivmensch jedoch fantasiert unter anderem auch von seiner eigenen Himmelfahrt als Abholservice. Solche Träumereien sind Zeichen und Wächter für tiefen und festen Schlaf weit ab von den initiatischen Schwellen zu echtem individuellen Bewusstsein als Einzelner. Man kann mit ihnen allerdings durchaus eine Menge Geld, Ruhm und Macht gewinnen – innerhalb der Matrix, versteht sich.

Wer vom „Massen-Erwachen“ spricht, der spricht tatsächlich von nichts Weiterem als dem Wechsel der Filmrolle in Platos modernisierten Höhle. Er spricht von der Matrix reloaded, nicht vom Ausstieg aus der Matrix. Bewusstsein ist ein Punkt-Phänomen, das sich nur in der ersten Person Singular spiegeln kann. C. G. Jungs „Kollektives Unbewusstes“ ist eine Art versteckter terminologischer Pleonasmus: das Unbewusste tritt immer im Kollektiv auf und das Kollektiv ist stets unbewusst. Hat schon mal jemand ein Kollektiv erlebt, das sich individuiert? Oder Bewusstsein entwickelt?

Eine der Standard-Durchgaben zur Beruhigung der Kollektiv-Psyche ist der Gedanke „Alle Menschen sind gleich“. Solche geistig toten Leitsätze können dazu dienen, die Masse der mechanisch Denkenden und mechanisch Fühlenden in eine gemeinsame Richtung zu delegieren, z.B. in den Glauben an ihre Freiheit. Ein Sklave, der glaubt, er sei frei, wird keinen Aufstand machen, sondern seine Arbeit. Und die Menschen wollen Sklaven sein. Oder „Schafe“, um es leichter verdaulich auszudrücken. So oder so: daran ist nichts falsch. Wir müssen nur unsere Prämisse überdenken, dass alle Menschen „frei“ und „keine Sklaven“ sein sollten und uns stattdessen mehr an die psychologische Realität halten. Wunsch-Projektionen sind keine Wissenschaft.

Wovon wollen wir uns fesseln lassen?

Es kann deshalb gar nicht darum gehen, alle Menschen in die Freiheit der Selbstbestimmung zu führen oder die Hierarchie zwischen Führenden und Geführten abzuschaffen. Es muss um etwas ganz anderes gehen, was vielen mehr stürmischen als bedachten Freiheitskämpfern entgeht: es geht darum, die schlechten Herren durch menschliche, wohlmeinende, entfaltungsfördernde Herren zu ersetzen. Früher nannte man diese Herren poeto-religiös „von Gott ernannt“. „Gott“ mag hier als das vereinheitlichende, natürliche, gesunde, schöpferische und raumgebende Prinzip verstanden werden. Herren oder Führende „im Namen Gottes“ sind Garanten, Verteidiger und Verwirklicher von gesunden Prinzipien, vor allem dem Prinzip menschlicher Entfaltungsförderung und -freiheit (nicht -zwang!).

Es gibt ein Sufi-Sprichwort, das dies andeutet: „Es ist besser, einen Mann durch Liebe zu fesseln als tausend Sklaven zu entlassen“.

Wie die lieblosen, schlechten oder falschen Herren aussehen, habe ich an anderer Stelle schon ausführlicher behandelt. Sie sind des Teufels: spaltend, widernatürlich, krank, zerstörend und ängstlich-verengend – das sind in biblischer Terminologie die satanischen Prinzipien. Deren Wirkung haben wir die letzten 100 Jahre ganz besonders deutlich zu spüren bekommen und in diesem Jahr (2020) erleben wir… nein, nicht den Kollaps (denn Satan kann sich letztlich nur selbst zerstören, wenn das Kranke Überhand nimmt), sondern die große weltweite Umräumaktion auf allen entscheidenden Steuerpositionen: die „Herren“ werden ausgetauscht.

Werden die Menschen dadurch befreit? Ja, von der Herrschaft des moralisch und geistig Kranken. Werden die Menschen dadurch freier? Nicht mehr als sonst auch.

Also nochmal: unser Fokus sollte nicht auf irgendeine „Befreiung der Massen“ (an welchen Betrug erinnert uns das?), sondern auf den Systemwechsel gerichtet sein. Einen Systemwechsel, der eine gesunde, freiheitsfördernde Führung sicherstellt. Die realistisch befriedigende Freiheit der Menschen besteht nicht darin, alle zu Herren und Führern (oder Wählern und Bestimmern) zu machen, sondern darin, dass jeder auf seine Art sein und sich auf seine Weise entwickeln kann. Die meisten wollen in den unpersönlichen, übergeordneten Systemen gar nicht mitbestimmen. Die meisten sind davon überfordert. Ein System der Dauerüberforderung ist nicht gesund und nicht stabil.

Was wir brauchen ist ein System der Freiheit der Möglichkeiten. Diejenigen von uns, die ihr Glück in der Selbstbestimmung sehen, werden dafür auch einsehen müssen, dass Selbstbestimmung viele Graduierungen hat und für viele (noch) gar kein erstrebenswertes Ziel ist.

Damit sind wir wieder beim Thema Macht angelangt. Eine sinnvolle Freiheit muss angemessen sein, d.h. den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen entsprechen. Sie muss auch erlauben, dass Menschen sich führen lassen. Bei Kindern und ihren Eltern, bei Schülern oder Studenten und ihren Lehrern, bei Mitarbeitern und ihren Führungskräften, bei Flugzeugpassagieren und ihren Piloten und in tausend anderen Lebensbereichen ist das ganz normal für uns. Nicht die Führung an sich ist das Problem, sondern der Geist des Führenden. Also brauchen wir eine Ordnung, die ein starkes eigenes Immunsystem gegen falsche Führung, Korruption und Machtmissbrauch hat.

Morgen ein König

Im Fundus der weltweiten Volkstraditionen finden wir kleine unscheinbare Lektionen über die Gesetzmäßigkeiten menschlicher Ordnung, Reifung und Gesundung. Diese Kleinode der Überlieferungen nennen wir „Märchen“. Es sind zierliche Gefäße, häufig als „Erzählungen für Kinder“ getarnt, die zu unserem intuitiven und emotionalen Verstehen sprechen und uns an tiefes geistiges Wissen in uns erinnern. Sie haben sich mit ihrer Unscheinbarkeit über hunderte von Jahren bis heute sowohl den Methoden der politischen Indoktrination, genannt „Pädagogik“ als auch den sezierenden Messern der psychologischen Analyse entzogen. Das heißt, wir finden darin noch echtes, nicht-manipuliertes Wissen, das in Bildern kodiert ist.

In diesen Märchen also geht es häufig um die Entwicklung eines Helden, der klein und arm anfängt, viele Abenteuer und Prüfungen bestehen muss und am Ende, wenn alles gut gegangen ist König bzw. Königin wird. König von was? Von seinem eigenen Reich. Die Märchen erinnern uns daran, dass es eine gesunde Grundordnung gibt, die nicht weniger als alle glücklich macht und zwar „bis an ihr Lebens Ende“. Und weil Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten nicht sterben können, so leben sie noch heute.

Psychologisch interpretiert können wir solche Helden- oder Königs-Märchen als Wegbeschreibungen der Individuation betrachten. Interessant ist, dass es letztlich um Macht geht, die erobert oder zurückerobert werden muss. Die Macht des Königs bekommt aber am Ende nur derjenige, der sich vorher ausreichend als geeignet, integer und nicht wenig „gottbegnadet“, also talentiert erwiesen hat. Der Held muss ein großes Herz haben, demütig aber auch mutig sein, keine Angst vor dem Tod haben und seinen rechten Weg oder seine eigentliche Aufgabe stets vor Augen behalten. Wer die Prüfungen besteht ist König, d.h. Herr seines eigenen Reiches. Psychologisch: ein selbstbestimmtes Individuum.

Damit ist eine höhere Ordnung hergestellt, die das Reich aufblühen und alle Wesen darin glücklich werden lässt. Märchen sind Wegweiser zu dieser höheren Ordnung. Einen König an der Spitze zu haben, damit alles in Ordnung ist, ist ein Hinweis darauf, dass eine gesunde und stabile Ordnung stets hierarchisch aufgebaut sein muss, denn nur so können geistige Prinzipien und Werte verkörpert und verwirklicht werden. Die richtige, schöpferische Hierarchie vom König abwärts ist nichts weiter als die stufenweise Übersetzung von geistig-abstrakten Prinzipien in Form, Struktur, Handlung, Fleisch und Blut. Diese stufenweise Übersetzung vom Abstrakten, Ewigen herunter ins Konkrete und Situative ist keine ideologische Präferenz, sondern eine geistige Gesetzmäßigkeit, der wir folgen oder die wir ignorieren können, aber um die wir nicht herum kommen.

Die Psychologie hat sich immer wieder darum bemüht, die Botschaft der Märchen auf die Innenwelt und das Erleben des Einzelnen zu übertragen. Da kann z.B. der König verstanden werden als Symbol für das Prinzip der Selbstbestimmung, Selbststeuerung, inneren Ordnung und geistigen Reife; als das Ergebnis einer langen und steinigen moralischen Entwicklung. Vielleicht steht uns allen eine neue essentielle Lektion aus diesen Symbolkodierungen bevor: nicht aus den kollektiven, gesellschaftlichen Erfahrungen Bilder nur für das Innere zu finden, sondern nun auch aus den ordnenden Erfahrungen des Inneren Vorlagen und Prinzipien für das Soziale und das Kollektiv abzuleiten! Ein Land und ein Volk wieder als geistigen Körper zu betrachten, der eine bestimmte Ordnung braucht, um nicht krank zu werden und zu zerfallen.

Dass diese beiden Dimensionen – die Psyche des Einzelnen und die Gesellschaft – parallel zueinander laufen, dürften schon viele Denker erkannt haben. In Platons „Politeia“  weiß man nie genau, ob er tatsächlich von Politik und Staatswesen spricht oder nicht eigentlich eine Metapher für den geistig vollentwickelten, selbständigen und individuierten Menschen erschafft. Es läuft Hand-in-Hand und unsere Aufgabe besteht darin, unseren Geist für eine souveräne Gesellschaftsordnung zu öffnen.

Anerkennung und Verantwortung

Innerhalb dieser Übersetzungspyramide ist Macht also das, was nach oben hin zunimmt, weil der Effekt und die Wirkung nach unten hin umso größer werden. In der gesunden Pyramide steigt nach oben hin mit der Macht jedoch auch die Verantwortung, also die Maßgaben von Integrität, Wohlgesonnenheit und Treue gegenüber höheren Werten. Deshalb können auch niemals alle König sein. Damit wäre das Prinzip der (hierarchischen) Ordnung wieder aufgelöst.

Diese pyramidale Ordnung erfüllt noch einen weiteren essentiellen Zweck: sie ermöglicht Anerkennung. Anerkennung kann nur „von oben“ gegeben werden. Die psycho-sozialistisch anmutenden Experimente der jüngeren Generationen, sich untereinander „hierarchielose“ Anerkennung und Wertschätzung zu geben sind kläglich gescheitert. Das Ergebnis war ein Marktplatz der Eitelkeiten im Stile von Facebook und Whatsapp, auf dem jeder versuchte, mehr Aufmerksamkeit, mehr „Likes“ oder mehr Klicks zu bekommen. Die Wertlosigkeit solcher Aufmerksamkeitsschnipsel zeigte sich in der dadurch entstehenden Suchtdynamik: es musste immer mehr sein, es war trotzdem nie genug und die Sekunden-Signale im sms- und Twitter-Stil stürzten in die emotionale Bedeutungslosigkeit von Gebrabbel und Rauschen.

Die Sehnsucht nach echter Anerkennung aber blieb. Wer sie sich nicht als „Leistungsträger“ karrierewillig in einem Unternehmen von den modernen Fürsten und Regenten in den Chefetagen holen kann, der konnte sich noch auf den Medienbühnen tummeln, sich in eigenen Video-Kanälen vervielfältigen oder in der Masse für eine bessere Welt mit besserem Klima mitlaufen. An der verzweifelten Enttäuschung einer ganzen Generation können wir das Ergebnis ablesen: ohne personalisierte und verkörperte Werte-Hierarchie fehlt ein lebenswichtiges Element menschlicher Gesellschaft: Anerkennung. Und somit auch Stolz. Und somit auch Motivation. Und somit auch Engagement, Stärke und Stabilität.

Anerkennung im Namen des Ganzen fördert den Einzelnen in seinem Charakter und in seinen Talenten. Jeder kann nur so gut als möglich sich selbst treu sein und dann schauen, auf welcher Stufe der Pyramide er sich am wohlsten, am meisten in seinem Element fühlt. Karriere im gesunden System heißt nicht: möglichst weit nach oben kommen, sondern den passenden Platz für sich selbst in der Gemeinschaft zu finden. Das geht nur, wenn „oben sein“ und mehr Macht nicht an Selbstbereicherung, Rücksichtlosigkeit und Gewissenlosigkeit gekoppelt sind, sondern an Verantwortungspflicht. In der Pyramide wird jeder über sich zwar stets mehr Macht und Einfluss jedoch gleichzeitig auch mehr Verantwortung finden. Nach unten hin wird er selbst erhöhten Einfluss haben, der im gleichen Maße durch die für alle geltenden Prinzipien und Pflichten beschränkt und kontrolliert wird.

Dadurch wird in der gesunden Ordnung die Macht vor Machtmissbrauch geschützt. Und so wird die Macht von der Angst gelöst. Sie kann nicht abgeschafft werden, weil dann geistige Prinzipien sich nicht mehr durch- und umsetzen könnten. Dann zerfiele jede Ordnung in Chaos und Krankheit. Sie kann nur richtig eingesetzt werden.

Jedem Land sein König

Nun ist es kein großer Sprung mehr, unsere Erkenntnisse von der Ordnung auf die Ordnung in einem Land oder Staat zu übertragen. Ein Staat beruht auf der Verwirklichung von Ordnungs-Ideen. Ideen können nur umgesetzt werden, wenn es Einflussmöglichkeiten und -fähigkeiten gibt, d.h. wenn es Macht gibt. Wenn wir den Gesetzmäßigkeiten der gesunden Einflussnahme folgen wollen, so müssen wir eine hierarchische Ordnung annehmen, in der Macht mit Verantwortung gekoppelt ist, nicht mit Angst.

Der Grundriss einer gesunden Staats- und Gesellschaftsstruktur ist ganz simpel. Lassen wir uns nichts anderes einreden von denen, die uns lieber (weiterhin) bevormunden wollen. Jeder möchte so frei wie möglich sein, so zu leben wie es ihm gemäß ist. Darin inbegriffen sind natürlich auch diejenigen, die es vorziehen, fremdbestimmt und ausgenutzt zu werden. Für diese Freiheit braucht es eine starke Gesellschaft, die sich gegen Manipulation, Unterdrückung und Terrorismus schützen kann.

Die entscheidende Frage ist also diese: wie können wir als Gesellschaft so stark wie möglich sein und ein kräftiges Freiheits-Immunsystem aufbauen? Auch die Antwort darauf ist simpel: erstens, die Schlüsselrollen in der Gesellschaft müssen nach Kompetenz und Talent verteilt werden und nicht nach Korruptheit, Vetternwirtschaft oder Opportunismus.

Wer Entscheidungen treffen will, muss kompetent sein. Wie soll die heterogene Masse eines ganzen Volkes kompetent genug sein, sich selbst die beste Führung zu wählen? Das wäre ein ausgesprochen hohes allgemeines Bildungsniveau, das es bisher in der Geschichte nicht gab. Wie viele Menschen werden schon mit den einfachsten Dingen des Alltags, mit kleinsten Konflikten in der Größenordnung von korrekter Mülltrennung nicht fertig und sollen dann aber die Führungselite für eine der komplexesten und verantwortungsvollsten Aufgaben des Landes bestimmen? So eine Unmöglichkeit kann nur jemand wollen, der es auf die Manipulierbarkeit der Masse abgesehen hat, um seine Macht aus dem Verborgenen heraus zu seinem eigenen Nutzen zu stützen. Wenn wir das einsehen, ist es ein Leichtes, uns mit einer allemal besseren und nützlicheren Ordnung anzufreunden.

Der zweite Aspekt für stabile Freiheit ist, dass jeder in höherer Steuerungs- oder Entscheidungsrolle bereit und motiviert sein muss, primär dem Ganzen und dem Zusammenhalt zu dienen – das nennt man dann Treue. Wenn solche Garanten der Struktur in ihren Positionen sind, dann können alle anderen Menschen innerhalb dieser Struktur sich frei entfalten – solange sie das Ganze – also die Freiheit – nicht angreifen und zerstören. Durch das oben genannte Kompetenzgebot für Führungspositionen entsteht ganz von selbst eine Hierarchie der Kompetenzen in den staatstragenden Strukturen: wer am meisten Fähigkeit und Bereitschaft für Verantwortung und Treue gegenüber der Gesamtfreiheit hat, der steht an ihrer Spitze.

An dieser Spitze hat er zwar die einflussreichste Position und die höchsten Privilegien, diese werden aber eben durch die ebenfalls höchste Verantwortung und Verpflichtung reguliert. Natürlich darf jeder auch gegen diese Steuerungs-Position oder die Menschen auf ihnen sein, aber es sind und bleiben gerade diese Positionen in der Hierarchie die notwendigen Garanten und Stützpfeiler dieser Denk-, Meinungs- und Äußerungsfreiheit. Deshalb kann man sie nicht abschaffen, denn sie abzuschaffen hieße wiederum, die Freiheit abzuschaffen.

Ich vermute, dass die Notwendigkeit von Kompetenz und Verantwortungsfähigkeit all denen nicht klar ist, die für „flache Hierarchien“, „Basisdemokratie“ oder sonst eine hierarchielose Struktur plädieren. Sie erträumen sich eine Welt, in der alle Menschen sich von selbst so gut regulieren können, dass jeder sich stets dem Wohle des Ganzen und der Freiheit verpflichtet fühlt und keine äußere Struktur braucht. In ihren Fantasien sind alle Händler fair, alle Richter gerecht, alle Ärzte und Lehrer kompetent, alle Polizisten menschlich und jeder Politiker ein Diener des Volkes. Von Engstirnigkeit, Selbstsucht, Destruktivität, Kriminalität und anderen freiheitszerstörenden Tendenzen wollen sie einfach nichts wissen. Die Realität zeigt jedoch, dass es stets nur ganz wenige sind, die Verantwortung für ein größeres Ganzes übernehmen können und sich selbst und persönliche Präferenzen dafür zurücknehmen können.

Die Masse versteht nicht einmal, wovon hier die Rede ist. Der Durchschnittsmensch ist vollkommen ausgelastet damit, sein eigenes Leben halbwegs vernünftig zu steuern und seine eigenen Bedürfniss zu befriedigen. Darüber hinaus und vom großen Ganzen will er nichts wissen, auch wenn er sich täglich darin tummelt und von dessen Milieu vollkommen abhängt. Deshalb bestehen Firmen auch nicht nur aus Führungskräften, sondern kämpfen nicht selten mit einem Kompetenz- und Verantwortungsmangel bei den vorhandenen Führungskräften. 

Der König und die echte Demokratie

So wie wir wollen, dass der Held im Film oder in der Geschichte so mächtig und wirksam wie möglich ist, so werden wir uns dann auch wieder erlauben können, uns eine hierarchische Führung zu wünschen, die sich sowohl für Sicherheit und Wohl des Ganzen einsetzen möchte als auch möglichst viel Macht und Befugnis dazu hat.

Von wem kommt die Befugnis? Von Gott. Wie zeigt Gott sich? Im ungetrübten, freien Gefühl der Menschen für Richtigkeit, Stimmigkeit und Gesundheit. Wenn dies freigelegt ist von den verdeckenden und verzerrenden Schichten falscher Überzeugungen, Angst und realitätsferner Ideologie, dann können wir zurückkehren zu dem, was uralte Märchen für uns als Erinnerung bewahrt haben: dass nicht nur Kinder sich nach echten und guten Königen und Königinnen sehnen, sondern dass wir Menschen sie brauchen.

Wir werden darin eine echte Demokratie finden oder zumindest auf dem Weg zu ihr sein, denn der echte König als Ausdruck des Königsarchetyps ist der erste Diener des Staates, also des Volkes, also für uns. Da können wir also als Volk tatsächlich frei schalten und walten und uns entfalten, solange jemand sichtbar als Garant für diese unsere Freiheit und Ermächtigung persönlich einsteht und auf dieser Position von uns geschützt wird.

Die echte Demokratie beruht nicht auf den Meinungen und Interessen des Volkes („demos“), sondern auf seinen Bedürfnissen! Grundlegende Bedürfnisse sind auch für alle Menschen gleich. Wir haben uns intellektuell so weit von dieser Grundwahrheit von Gemeinschaft wegleiten lassen, indem wir uns einreden ließen, es seien Meinungen und persönliche Interessen, die die Grundbausteine für demokratische Entscheidungen bilden. Dadurch entstehen Lobbysysteme und schließlich Korruption und der Handel mit Macht, aber keine gesunde Staatsordnung zum Wohle aller. Meinungen sind höchstens sekundär relevant.

Primär muss sich das Volk für sich als Einheit auf die Erfüllung der Grundbedürfnisse verlassen können: Sicherheit und Wohlfahrt. Wenn wir das vergessen – ein bereits über 100 Jahre trainiertes Vergessen – dann helfen uns die aktivsten Interessengruppen, Vertreter und Parteien nicht, denn sie kümmern sich dann in erster Linie um ihre eigenen Bedürfnisse und nicht um die des Ganzen (Volkes). Das Volk zerfällt und wird nicht nur zur Beute für kleine Interessengruppen, die das System für ihre Zwecke manipulieren und nutzen, sondern geradezu zum Feind für mächtige Splittergruppen. Es gibt kein gesundes vereinheitlichendes Prinzip. Es gibt keine fürsorgliche Spitze. Es gibt keinen König. Dann herrscht eben nicht das Volk mit seinen einigenden Werten und Bedürfnissen, sondern es herrscht das Gesetz des Stärkeren oder des gewieften Betrügers. Das dürfte zusammengefasst die Krux und der Grund für unseren umfassenden Abstieg der letzten 100 Jahre darstellen.

Der Ausweg aus diesem gelenkten Dauer-Kriegsszenario unter dem Deckmantel der Pseudo-Demokratie kann nur einer sein: eine ausreichend starke Gruppe muss das System von außerhalb des Systems in Frage stellen und beenden, um die Menschen dann in eine gesunde Ordnung zu führen. Von innerhalb der Schein-Mitbestimmung kann nichts wirklich mitbestimmt geschweige denn verändert werden. Damit dies nicht missgedeutet wird von „Nazi“- und „Diktatur“-Phobikern: wie oben ausführlich erklärt, geht es darum, dass die richtigen Führer sich einsetzen und eingesetzt werden. Nur dann ist es ein Systemwechsel und nicht bloß der übliche Personalwechsel, den wir seit 100 Jahren gelähmt mitmachen.

Die Verfechter von „Grundgesetz“ und einem „BRD-Rechtssystem“ – also der Scheindemokratie – erkennen diese Notwendigkeit eines Systemwechsels nicht. Andere haben aber durchaus schon den sprichwörtlichen archimedischen Hebel gefunden, mit dem sie „die Welt bewegen können“.

Und wir?

Wir alle sind diejenigen, die gerade in dieser umbewegten und umgehebelten Welt leben. Wir können unsere Sinne schärfen für die richtigen Führer – diejenigen, die uns in unserer Wohlfahrt, unseren Werten und unserer freien Entwicklung fördern. Das müssen ganz andere Geister sein als das bisherige Politpersonal. Die richtigen müssen wir fördern. Ohne unsere Unterstützung sind sie machtlos in dem, was sie für und mit uns wollen.

Wir sind jetzt gefragt, für unsere Bedürfnisse und Werte aufzustehen und nicht beschämt, auch nicht schüchtern zu sein, die gesunde Ordnung im Äußeren wie im Inneren zu fordern und richtige Könige auf die Plätze zu rufen, auf denen sie gebraucht werden.

Aufrufe: 2.166

Integrität und Verantwortung
Teile und Herrsche
Vereine und Schütze

Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog.