Gedanken zur Welt der menschlichen Entwicklung, ihre Marktplätze, Irrtümer und Sternstunden, Coaching, Therapie, Selbserfahrung und die Reise darüber hinaus.

Propädeutischer Exkurs: ein Krieg, nicht dein Krieg


Anfang des Artikels gelesen von Andreas Eggebrecht (vollständiger Audio-Artikel als Produkt s.u.)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Button_Bezahlartikel.png

Nicht dein Krieg

Vielen ist bewusst – und es werden derer immer mehr – dass wir uns in so etwas wie einem Krieg befinden. Den Lesern dieses Blogs ist diese Ansicht vertraut.

Aber dieser sogenannte „Krieg“ ist nur ein Bild, das eigentlich ein Tor ist. Es ist ein dünner Schleier, der zwar faszinierend bemalt eine erschütternd-erschütterte Welt darstellt, aber doch nichts anderes ist als ein Vorhang vor einem Durchgang. Und wie Kafka bereits feststellte, gibt es vor solchen Durchgängen keine Torwächter, die einen hindern hindurch zu gehen, sondern eben nur fehlenden Elan, Zögern und falsches Warten.

Mit anderen Worten: wir müssen diese Faszination für den „Krieg“ um uns herum überwinden und hinter uns lassen, wenn wir aus jener Verstrickung mit der Welt herauswachsen und durch dieses Tor hindurch gehen wollen. Wir müssen dafür erkennen, dass jener Krieg da draußen nicht unser Krieg ist.

Es ist ein Geschehen innerhalb jener „Matrix“, die wir gewohnt sind, „die Welt“ zu nennen und bereits für das Ganze und vollständig halten. Aber jegliche Auseinandersetzung damit ist nichts anderes als weitere Verstrickung mit etwas, das außerhalb und getrennt von uns liegt und uns daher nur weiter von uns fernhalten kann – vielleicht auf eine noch kompliziertere und verflixter fesselnde Art und Weise als jede andere Selbstverlorenheit und Selbstvergessenheit.

Natürlich sind wir von dem Krieg oder besser gesagt, den Kämpfen und Widerständen betroffen und finden uns nicht selten auf ein Schlachtfeld versetzt, auf dem  wir leicht zwischen die Fronten geraten. Das aber bedeutet noch nicht, dass wir diesen Krieg gewinnen müssten, dass wir den Ausgang dieser Kämpfe zu verantworten hätten oder dass dies gar unser Krieg sei.

Es mag verführerisch sein, sich in einen großen Kampf hineinzuversetzen, der einem geradezu wie eine Attraktion, ja sogar wie ein Geheimnis oder ein besonderes Privileg angeboten wird, durch das man sich wie ein Held fühlen kann. Wir sehen zurzeit eine Reihe von Zeitgenossen im eilig angelegten Gewand des Mitstreiters, die sich von dieser verführerischen Abkürzung haben vereinnahmen lassen. Aber ist man auch schon Held dadurch, dass man in heldenartigem Geschehen mitmischt?

Helden kämpfen nur ihre eigenen Schlachten und das ist im Grunde immer nur eine einzige und eine ganz spezifische. Der wahre Held kann also erst da beginnen, wo wir unterscheiden können zwischen unserem einen, eigenen zu bestehenden Kampf und all den anderen Kämpfen der Welt um uns herum. Zwischen den tausend nie endenden Scharmützeln des Lebens und jenem einen Krieg, der uns über das Leben hinaus heben kann.

Denn nicht das Leben selbst kann uns über das Leben hinaus heben. Das erscheint, wenn es einmal ausgesprochen ist, so logisch und offensichtlich, dass es rätselhaft anmuten muss, dass doch fast alle, die behaupten, „über das Leben hinaus“ oder „zum Geistigen“ zu streben, dies immer nur mit den Argumenten und Triebfedern des Lebens selbst versuchen. Wer wirklich über das Leben, d.h. hier: das Biologische und Soziale hinaus wachsen will, der muss sich damit anlegen, ihm den Krieg erklären, sich die Emanzipation und Sezession davon erkämpfen. Der wahre Unabhängigkeitskrieg ist kein historisches Ereignis, sondern eine Entwicklungsaufgabe zum vollständigen Menschsein.

Erst eine solche Festsetzung von Souveränität kann als Eroberung des vollen Menschseins gelten, wenn wir dabei bleiben, dass der Mensch an sich und als Ganzes eben nicht nur ein biologisches und soziales Wesen, nicht nur ein „intelligentes Tier“ ist, sondern von Geistigem konstituiert und erst durch das Geistige zum Menschen wird. Und solange wir uns dieses Verständnis nicht erkämpft haben, sind wir nur jene „trüben Gäste auf der Erde“ – schlimmstenfalls böswillige Giftmischer und bestenfalls hoffungsvolle Sucher. 

Um diesen Kampf der Souveränität soll es in diesem Artikel gehen. Und wir werden uns den großen Kampf in der Welt – jenes teils sichtbare, teils im Unsichtbaren wirkende weltliche Geschehen – als orientierende Matrize und Gleichnis heranziehen, so dass wir zwar zunächst nicht direkt über den eigentlichen Krieg sprechen werden, für den uns hier das vermittlungsfähige Vokabular und überhaupt die notwendige Vermittelbarkeit fehlen, dafür werden wir aber den Gewinn haben, das letztlich Gemeinte mit ganz vertrauten, weil konkreten, erfahrenen und durchlebten Metaphern greifbar bildlich darstellen zu können. Und der Gewinn durch solche greifbaren Gleichnisse wird – für den aufgeschlossenen Leser – größer sein als wenn er durch den Versuch allzu direkter Benennung in lauter Missverständnisse und Fehlinterpretationen geführt würde.

Denn das Unbekannte lässt sich niemals durch bekannte Darstellungen zeigen oder durch bekannte Vokabeln beschreiben. Bekannte Darstellungen würden den Zuhörer oder Leser eben doch immer nur zu dem ihm schon Vertrauten zurück führen, was meist angenehm sein mag, jedoch gar nicht im Sinne dieses Artikels wäre. Der Kunstgriff, sich auf vertraute Bilder und Zusammenhänge zu beschränken und diese dann aber nur als Gleichnisse gelten zu lassen, ist uralt und für diese Größenordnung von Botschaft meistbewährt.

Wenn wir mit unseren körperhaften Augen schauen, dann betrachten wir Ideen und Bilder als Gleichnisse. Wenn wir aber aus der Welt der Ideen und Bilder heraus ins Körperhafte und Materielle schauen, dann werden wir sehen, dass vielmehr das, was wir „Geschehnis“, „Erlebnis“ oder „Erfahrung“ nennen, als Bild und Gleichnis zu betrachten ist, und dass eben diese Erlebens-Gleichnisse uns eine Lehre sein können – nicht nur in der Welt der Projekte, Entscheidungen und Handlungen, sondern besonders in der Welt der Erkenntnisse und des Verstehens. Der Gewinn solcher Lehren aus Geschehenem – das zuweilen auch „Geschichte“ genannt wird – liegt dann nicht bloß in physisch und biologischem Erfolg oder größerem Ertrag, sondern in größerer Klarheit und Freiheit.

Einen Krieg auszukämpfen, um klarer und freier zu werden, ist etwas gänzlich anderes, als um Macht oder Selbstbehauptung zu kämpfen.

Um nicht nur diesen Unterschied, sondern überhaupt die Möglichkeit zu jener ersteren Art des Krieges sehen zu können, wird man schon ein gerütteltes Maß an Klarheit haben müssen. Um sich dann für diesen auch entscheiden zu können, braucht man ebenso schon eine gewisse Menge an Freiheit. Wer keine Klarheit und keine Freiheit hat, der kann nur dem Kampf um Selbstbehauptung begegnen und nolens volens in ihn verwickelt werden.

So steht also der Kampf um den Selbsterhalt und die Selbstdurchsetzung als Notwendigkeit am Anfang. Erst dadurch können wir eine Grundlage an überblickender Klarsicht und Freiheit gewinnen, die es uns ermöglichen, den ganz anderen Kampf zu erkennen: den Kampf um unsere Vollständigkeit als Mensch.

Der Kampf um Vollständigkeit

Um die eigene Vollständigkeit und Integrität ringen kann nur derjenige, dem sie fehlt. Nur wer sich gefesselt fühlt, wird nach Freiheit streben können. Gegen einengende Bedingungen ankämpfen wird nur derjenige, der sich zu beschränkt und eingegrenzt fühlt.

Die Bereitschaft, um die eigene innere Freiheit zu ringen, beruht also auf der Erkenntnis eines Mangels. Es muss erstens spürbar etwas fehlen und zweitens muss bereits deutlich sein, dass dieses Fehlende nicht mehr im Außen gesucht werden kann. Es muss als Mangel im Eigenen, als inneres Defizit zumindest geahnt werden.

Wer sich in dieser Weise unvollständig fühlt und unter der nagenden Ahnung eines essentiellen Selbstmangels leidet, tritt der Welt nicht mehr als ambitionierter Eroberer und auch nicht mehr als misstrauischer Selbstverteidiger gegenüber, sondern er wird ihr gegenüber zunehmend zurückhaltend und gleichgültig – was bei aller Trübsal und allem Verdruss der Ausgangshaltung doch auch schon eine erste Entspannung ist, wenn auch meist noch eine reflexartig übertriebene bis ins resignierte Kollabieren und Erschlaffen hinein mit der Tendenz zu einer depressiv-gelähmten Grundstimmung. Diese neu ansetzende Gleichgültigkeit ist noch keine sortierte Erkenntnis, sondern nur eine allgemeine, ausufernde innere Reaktion der Gefühllosigkeit. Und diese kommt mehr aus dem Schrecken und der Ohnmacht vor dem noch gar nicht überschaubaren Unbekannten als aus einem mangelndem Bezug zur Welt.

Denn diese gar nicht mehr hilfreich erscheinende, für den aufkeimenden Schmerz bedeutungslose „Welt“ besteht aus Objekten, Dingen oder äußeren Vorgängen. Und weil all das für die ersten noch kindlich-naiven Augenblicke zum Beginn dieser Unterscheidung noch „die ganze Welt“ und alles Bekannte ist, scheint es auch „das ganze Leben“ zu sein, was da plötzlich so untauglich und unbedeutend erscheint. Das aber nur, solange jene andere Dimension, die erstmal nur als Mangel oder als diffuses schwarzes Loch im eigenen Leben wahrgenommen werden kann, noch gänzlich unbekannt ist.

Die intuitive Wahrnehmung bemerkt es schon: „Etwas ist faul im Staate…“. Aber was genau das ist, was da „ganz und gar nicht stimmt“, und vor allem auch, was dieser „Staat“ ist, der nicht mehr richtig, recht und rechtens ist, dafür gilt es in langsamen Lernschritten erst noch das Wahrnehmungsvermögen zu entwickeln.

Denn es ist keineswegs so, dass kürzlich erst etwas schief lief oder irgendein Unheil aus undefiniertem Ursprung heraus plötzlich einen Niedergang auslöste. Dies scheint nur zu Beginn so, wenn dieser fremdartige essentielle Mangel plötzlich ins Bewusstsein gerät und nicht mehr zu ignorieren ist. Wenn unser Blick zum ersten Mal am Riss in der Wand hängen bleibt, meinen wir zunächst, der Riss sei gerade erst entstanden.

Tatsächlich aber haben wir nur zum ersten Mal für einen Moment aufgehört, unsere Wahrnehmung von Rissen auszublenden. Solange wir die Welt mehr aufgrund unserer Vorstellungen als durch unsere wachen Sinne erfassen, übersehen wir fast alles, was wirklich vor uns liegt. Es sind unsere Sinne, die ewig jungfräulich und offen für das Neue bleiben, auch wenn sie mit Unbekanntem oder Höherem „geschwängert“ werden, weil sie keine Erinnerung und keine Archivbänder haben.

Solange unsere Vorstellungen von Wänden keine Risse enthalten, „sehen“ wir keine Risse. Solange unsere Vorstellungen von unserem Leben kein eigenes Inneres enthalten, nehmen wir nichts eigenes Inneres wahr – es existiert schlichtweg nur für uns. Solange wir selbst in unserer Beschreibung von „Leben“ und „Welt“ nicht vorkommen, nehmen wir uns selbst auch nicht wahr als Teil oder gar Zentrum des Lebens und der Welt. Und das ist das Loch, das wir irgendwann durch irgendein kleines Nachlassen unserer gedanklichen Überblendung von Wahrnehmung, durch irgendeine mentale Entspannung oder ein Quäntchen Selbstsicherheit, das den eisernen Griff der Angst in unserem Hirn lockert, plötzlich erkennen können: das Loch klafft in der Mitte unserer Beschreibung von Welt, von Leben, von uns selbst und von allem, dem wir Bedeutung geben.

Das ist der Grund, warum von diesem Moment an die Welt da draußen so rapide an Wichtigkeit und Bedeutung für uns verliert. Weil wir anfangen zu erkennen, dass der Mangel in unserer Wahrnehmung und Abbildung von Welt liegt, nicht in der Welt selbst. Es ist kein physischer Mangel – weder um uns noch an uns – sondern ein mentaler, ein psychischer Mangel. Unsere Sinne funktionieren ausreichend gut, sie sehen, hören, riechen, schmecken und spüren das Hundertausendfache von dem, was uns bewusst wird. Aber wir nehmen fast nichts davon wahr.

Das ist die große Enttäuschung, die am Anfang der Suche nach Wiederherstellung, nach Heilung, nach Entfaltung und schließlich nach Einsicht und Freiheit steht.

Und je deutlicher wir die Natur dieses tiefsitzenden Mangels spüren können, desto schneller werden wir erkennen, dass es kein Zurück gibt; dass ein „Zurück“ das Problem niemals lösen könnte, sondern es nur weiter umgeht. Wir können nicht zurück in die Kindheit, in kindliche Zustände oder vorgeburtliche Entgrenzung. In unserer Erinnerung gibt es nichts, das uns helfen könnte, weil wir dieses Problem nie gelöst haben. Es gab nur Zeiten, in denen wir noch nicht darunter litten. Das waren die frühkindlichen Zeiten, in denen wir die Welt noch nicht abstrakt repräsentieren konnten. Und dann die langen Zeiten, vielleicht Jahrzehnte über unsere Jugend hinaus, in denen wir die Diskrepanzen zwischen Welt-Wahrnehmung und mentaler Welt-Repräsentation verdrängten und betäubten. Wir lebten dann – zwar nicht glücklich, aber auch nicht fähig, unglücklich zu sein – in der Welt unserer gelernten Vorstellungen, Leitsätze, Vorgaben, Erklärungsmodelle und Glaubenskonstrukten.

Nicht unser Körper war gefangen, sondern unsere Psyche. Denn ohne die Verbindung von Wahrnehmung und Vorstellung kann sie sich nicht entfalten. Dem Körper reicht die unmittelbare Sinneswahrnehmung aus. Dem Intellekt reichen Konzepte und Vorstellungen aus, wenn sie nur ausreichend mit Selbstbestätigung verknüpft, bequem oder zumindest kompliziert-undurchdringbar daher kommen. Aber unsere Psyche braucht die Verbindung der beiden miteinander, weil sie sich nur in dem Raum entfalten kann, der von diesen beiden Kräften gemeinsam aufgespannt wird: von sinnlicher Wahrnehmung und mentalem Erfassen.

Die Zerbrechlichkeit des Menschen liegt nur gerade in dieser fragilen Verbindung. Der Intellekt für sich genommen ist robust und auf seinen inneren Selbsterhalt ausgerichtet. Ebenso alles Körperliche. Diese beiden Grundfunktionen – es sind nicht die einzigen, aber diejenigen, um die es hier vorrangig gehen soll – diese beiden Grundfunktionen sprechen vollkommen unterschiedliche Sprachen und sind in ihrer Art und Weise des Funktionierens grundverschieden. Es ist daher viel wahrscheinlicher, dass sie sich entzweien und jede für sich ein Eigenleben entwickelt, in dem sie sich voneinander und von ihren unterschiedlichen „Welten“ gegenseitig abschotten.

Wir haben dann einerseits die tausend unverarbeiteten Stimmen des Körpers in uns, die zwar von Moment zu Moment mächtig sind, jedoch kein Erinnerungsvermögen haben, nicht abstrahieren und über den Wahrnehmungskreis des Momentanen und Unmittelbaren nicht hinaus blicken können. Andererseits haben wir die Stimmen des Intellekts, die uns Orientierung und Richtung über den Moment und über die pure Sinneswahrnehmung hinaus geben könnten, sich dabei aber von der physischen Realität und jeder Wahrnehmung abkoppeln und uns daher in die Irre leiten.

Kurz: wir haben dann einen Körper, der nicht lügen, aber auch nicht verstehen kann. Und wir haben einen Intellekt, der verstehen kann, aber leicht in Lüge und Betrug verfällt.

Es gibt ein tief in unserem Wesen verankertes Bedürfnis – so tief, dass es meist übersehen wird – das dadurch frustriert wird. Es ist das Bedürfnis nach Ordnung. Und zwar nach Ordnung in uns, daher ist es identisch mit dem Bedürfnis nach Geist. Das Tier hat das Bedürfnis nach einer spezifischen, „artgerechten“ Ordnung in seiner Umwelt, also um es herum, außerhalb von ihm. Aber dem menschlichen Wesen ist etwas anderes elementar und gemäß. Der Mensch braucht etwas, mit dem er nicht geboren wurde: eine innere Ordnung, die mit der Ordnung des großen Ganzen, das wir „Welt“ oder „Kosmos“ nennen, kongruent ist.

Das Heranbilden einer solchen inneren Ordnung ist übrigens der einzig sinnvolle Kern und Referenzpunt für alles, das wir Bildung nennen wollen. Bildung ist nicht die Ansammlung enzyklopädischen Wissens oder der fragwürdige Ausbau gesellschaftlich anerkannter Konformitätskompetenzen, sondern die Formung einer eigenständigen, unverwüstlichen gesunden Ordnung im Verstand, in der Psyche und schließlich im Körperlichen.

Wo der Mensch diese Ordnung nicht in sich hat, hat er nicht bloß einige Unordnung oder eine fruchtlose Leere, sondern es bildet sich in ihm sehr wohl auch eine feste innere Formation, jedoch als Struktur des Konfusen und Falschen: eine falsche Ordnung, die dem Kosmos und seinem Wesen widerspricht – und das ist die Lüge.

Das innerlich Konfundierte, Durcheinandergeworfene (gr. diabállein, auch: „verleumden“), das sich aller Ordnung widersetzt (vgl. das hebräische śāān = „Widersacher, Revoltierer, Gegner“) resultiert nicht in desorganisierter Unwirksamkeit, sondern in einer korrumpierten und korrumpierenden Wirksamkeit, im Giftigen und Bösen. Die Lüge ist kein ungünstiger Makel, sondern eine Pervertierung des Verstandes zum Verächter und Verleumder.

Wer das einsieht, der wird mit Leichtigkeit einschätzen können, mit welchen Aussichten und Resultaten Menschen versuchen, den Diabolos oder den Satan mit Weihrauch, Beschwörungsformeln, monotonen Mantren, psycho-magischen Imaginationsübungen oder sonstigen kindlichen Unterwerfungsgesten von sich fern und machtlos zu halten. Solche psychologischen Gaunereien sind Teil jener Verdrehung, vor der sie angeblich schützen sollen und werden von genau den Kräften gesteuert, die sie behaupten zu bekämpfen.

Wir können diesem Dilemma des lügenden Intellekts ausweichen, indem wir auf das Verstehen und überhaupt das Streben nach Verständnis verzichten. Für die meisten Menschen dürfte das von je her die vertrauteste und greifbarste „Lösung“ gewesen sein. Sie verzichte auf den Verstand und missachten dadurch ihr elementares Wesensbedürfnis nach innerer Ordnung. Und gerade deshalb leben sie dann umso eigensinniger und konsequenter in der Lüge, nämlich in der eines nur von außen programmierten, „angepassten“ Intellekts.

Sie leugnen diesen Umstand, indem sie sich aus der Verantwortung dafür ziehen und sich mit allen möglichen Tricks, Selbsttäuschungen, Verdrängungen und Ablenkungen durchs Leben wursteln und sich „Erfolg“ und andere Maßstäbe schlichtweg ohne Beteiligung ihres psychischen Gewissens, d.h. ohne Rücksicht auf innere Integrität, zurecht definieren. Sie sehen die Ursache aller Probleme immer nur „da draußen“, bei den anderen, fern von sich selbst. Sie bekommen diese eingliedernde und entlastende Weltrepräsentation jeden Tag so gerechtfertigt und zurechtgebogen, dass sie sich instinktiv wohl fühlen und keine Reibung, keine Widersprüche, keine Risse erleben. Wir werden später klarer sehen, dass und warum sie für dieses Leben unter der Herrschaft des körperlichen Instinkts und mit entfremdetem, pervertiertem Verstand den höchsten Preis bezahlen. Sie bemerken dies jedoch regelmäßig erst dann, wenn es für jegliche Wiedergutmachung zu spät ist.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet beginnt also das Studium menschlicher Ganzheit und damit menschlich möglicher Freiheit und Klarheit mit dem Studium der Lüge und der mentalen Korruption.

Die Stufen der Lüge

Lüge ist nicht gleich Lüge. Sowohl psychologisch als auch ethisch und somit dann auch rechtlich und sozial gibt es bedeutende Unterschiede zwischen verschiedenen Stufen des Lügens. Je tiefer eine Lüge manipulierend in die Grundprämissen des Denkens und der Weltkonstruktion – und damit auch der Verständigung und gegenseitigen Abstimmung – eingreift, desto fataler und gefährlicher sind nicht nur ihre Folgen, sondern desto schwieriger ist sie auch zu erkennen, zu entlarven und unschädlich zu machen.


Den kompletten Artikel können Sie als PDF zum Download und als Audio-Daei (mp3, mit PDF inkl.) kaufen. Dafür klicken Sie bitte auf den entsprechenden Button “Artikel kaufen” oder “Artikel-Audio kaufen”, Sie werden dann zur Produktseite weitergeleitet.

Das Inhaltsverzeichnis des vollständigen Artikels können Sie auf der Produktseite einsehen, zu der Sie über den Button “Artikel kaufen” gelangen.

Erläuterungen zur Bezahlfunktion bei manchen Artikeln auf Catwise.de finden Sie unter Hinweise zur Bezahlung für Artikel.

Artikel Kaufen

Version 15.5.2024

Aufrufe: 963


Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog. Dagegen verstoßende Beiträge sowie Beiträge ohne klaren und engen Bezug zum Text werden umgehend und kommentarlos gelöscht. Beiträge mit Links bedürfen der manuellen Freigabe – diese kann einige Tage dauern. Dies hier ist eine Werkstatt und Privatgelände, bitte verhalten Sie sich dementsprechend.

Teil 1: Der dreifaltige Mensch


Anfang des Artikels gelesen von Andreas Eggebrecht (vollständiger Audio-Artikel als Produkt s.u.)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Button_Bezahlartikel.png

Menschsein

Das intelligenteste und komplexeste System unserer Realität ist der menschliche Organismus.

Zu seinen außerordentlichsten Eigenschaften gehört das Potenzial, sich selbst studieren zu können, genauer gesagt das Potenzial, die Fähigkeiten zu entwickeln, ein vollständiges Bewusstsein seiner selbst inklusive dieses selbstreflektierenden Bewusstseins zu erlangen.

Es kann daher mit gutem Grund behauptet werden, dass das Studium des Menschen das höchstmögliche Studium überhaupt ist. Es ist auch unschwer festzustellen, dass es das schwierigste und aus vielen weiteren Gründen seltenste und am meisten gemiedene oder verkannte Studium ist. Verkannt und gemieden wird das Menschenstudium nicht bloß durch vereinnahmende andere Fächer von Welt- und Objektuntersuchungen, sondern vor allem durch die Beschränkung und Fragmentierung dessen, was wir „Mensch“ nennen, auf kleine und kleinste, stets nur isoliert betrachtete Teilaspekte wie z.B. körperliche Besonderheiten, psychische, emotionale, mentale, soziale oder moralische, genetische, ontologische, historische oder kulturelle Aspekte.

Durch diese Reduktion nur auf Inseln des Beobachtbaren wird der Mensch objektifiziert und nur als zusammengesetztes Phänomen betrachtet – also als ein Sammelsurium von scheinbar endlosen und unübersichtlichen Einzelaspekten, die sich nie zu einem sinnvollen Gesamtbild zusammenfügen lassen. Den in diesem Strom schwimmenden Forschern, Denkern und Kommentatoren bleibt das „Objekt“ ihrer Betrachtungen fern und fremd. Die Idee, dass sie sich selbst studieren müssten, um „den Menschen“ zu studieren liegt ihnen fern, weil sie schon früher als sie zurückdenken können, darauf trainiert wurden, all ihre Aufmerksamkeit nach außen, auf die Welt der Dinge und Gestalten, zu richten und nur diese Ausrichtung als „wissenschaftlich“ und „richtig“ zu akzeptieren. Für sie zählt nur der Erkenntnisgewinn durch eine Suche, die von ihnen selbst wegführt.

Bedauernswert ist dieses derart eingeeichte Streben nach Wissen durch selbstfremde Objektstudien deshalb, weil es vollkommen blind an dem größten und aufregendsten Mysterium des Menschseins – und letztlich des Kosmos insgesamt – vorbeiläuft. Verhängnisvoll ist es, weil es uns mit dem Köder einer Fortschrittsillusion an der Nase (und im Kreis) herumführt und uns unfähig macht, das zu erkennen, was uns wirklich erfüllen, also auch unser Streben nach Sinn beantworten und uns zu vollständigen Menschen machen würde. Denn Selbsterkenntnis ist kein bloßes Extra-Potenzial des Menschseins, sondern als Kernaspekt seines Wesens eine Notwendigkeit für seine wesentliche Vervollkommnung.

Wie können wir erfüllt sein, wenn wir uns nicht auf dem Pfad der Vervollkommnung unsres Wesens bewegen? Und wie könnten wir vollkommen sein, wenn wir nicht allem voran unsere innersten Wesenspotenziale verwirklichten?

Es geht also nicht darum, alle möglichen menschlichen, wesenhaften oder individuellen Potenziale zu verwirklichen, sondern die wesentlichen. Es muss entgegen aller quantitativen Maßstäbe um die qualitative Ausrichtung auf das Höchste – das ist das Wesentlichste – gehen, sobald wir das Ultimative als den unzweifelhaften, unverrückbaren Referenzpunkt für uns suchen. Alles andere kann und muss dem folgen und nachrangig behandelt werden. Und müssen wir dafür nicht als erstes nach dem höchsten, allem anderen übergeordneten und alles ordnenden Referenzpunkt Ausschau halten? Wie sonst wollen wir jemals zu absoluter und unerschütterlicher Sicherheit gelangen?

Was wir psychische oder später auch geistige Entwicklung nennen, muss zunächst einmal die Verfeinerung unserer Ausrichtung und Strukturierung anhand von neuen, nicht-weltlichen Referenzpunkten sein. Es sind unsere zunächst instinktiven, dann emotionalen, dann sozialen und schließlich mentalen, ethischen und metaphysischen Referenzpunkte, die sich ändern. Alles, was den Titel einer Lehre oder Bildung für den Menschen verdienen will, muss darauf ausgerichtet sein, seine Orientierungs- und Referenzpunkte zu verfeinern und zu entwickeln. Alles andere ist nichts als Dressur, Bevormundung und Versklavung und nicht menschengerecht.

Menschwerdung heißt, zunehmend Geist zu verkörpern. Also Zugang oder Empfangsfähigkeit zum Geistigen zu entwickeln, das Geistige mental und moralisch, das heißt epistemologisch, ethisch, ästhetisch und politisch über das Physische und Biologische zu stellen und dann schließlich Repräsentant des Geistigen zu werden. Denn wenn nicht der Mensch potenziell dieser Repräsentant von Geist auf Erden ist und werden kann, was dann?

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei hier nochmals darauf hingewiesen, dass mit „Geist“ und „Geistigem“ nicht jene mentalen Beschäftigungen und Sammelaktivitäten gemeint sind, die intellektuell überspannte Menschen sich selbst und ihresgleichen so gern als „geistig“ attestieren, um ihre persönlich bevorzugten Ablenkungsstrategien und Ruhelosigkeiten zur Spitze einer fiktiven Hierarchie zu definieren. Gemeint ist damit auch nichts, das üblicherweise mit Religion, Glaubensgemeinschaften oder sonst irgendwelchen ideologisch fundierten Kollektiv-Beeinflussungen verknüpft wird.

Der Intellekt und somit auch der Verstand – das ist die wahrnehmungs- und realitätsangebundene Verwendung des Intellekts – sind Teil des biologischen, körperlichen Menschen und für sich genommen nicht geistig. Da aber nun mal jede Funktion und jeder Apparat des Körper-Menschen seine eigene Eitelkeit hat, neigt der geistig unbeeinflusste Intellekt zur Selbsterhöhung und Selbst-Verabsolutierung, so wie sensationelle Gefühle stets dazu tendieren, sich für „selig“ oder „göttlich“ zu halten, und außerordentliche Körper-Erfahrungen sich gerne als „spirituell“ oder „transpersonal“ verkaufen. Je nach mechanischem Schwerpunkt hat jeder seine eigenen Präferenzen und fixen Vorstellungen, wie er das für ihn Gewohnte und Angenehme ganz automatisch mit Etiketten moralischer und philosophischer Tugendhaftigkeit versieht, um das eigene Bild von sich selbst hoch zu halten.

Weder unser Körper mit seinen noch so überwältigenden Zustandserfahrungen, noch unsere umwerfendsten Gefühle oder unsere überweltlichsten Gedanken können die Dimension des Geistigen erreichen. Nur das Geistige kann sie „von oben“ prägen und über sich selbst als in sich geschlossene und blinde Funktionen hinausführen. Wer diese Daumenregel versteht, wird eine Ahnung davon bekommen, wie viel angeblich „Geistiges“ oder „Spirituelles“, „Überweltliches“ oder „Geistliches“ tatsächlich ungeistig und ohne Berührung mit Geist ist.

Der vorliegende Artikel soll als erster Teil einer voraussichtlich dreiteiligen Reihe bei der Sortierung und Orientierung im Bezug auf die geistige Dimension des Menschseins helfen.

Psychologie

Die praktische Beschäftigung mit der Möglichkeit, ein vollständiger Mensch zu werden, ist Psycho-Logie: die Logik und Lehre von der Seele.

Seele soll hier verstanden sein als die Zwitter-Instanz, die den Menschen als körperliches Wesen mit dem Menschen als geistiges Wesenverbindet, die also den Aspekt des Körperseins mit dem des Geistseins verknüpft und so den Körper-Menschen vergeistigt und ihn unter die direkte und bewusste Herrschaft der geistigen Dimension stellt.

Dafür muss diese vermittelnde und verbindende Zwischen-Instanz, die Seele, von eben jener Doppelnatur sein, durch die sie sowohl genetisch-biologisch-physisch bestimmt wird als gleichzeitig auch teilhat an der Dimension zeitloser Wesenhaftigkeit. Sie ist also kein Naturphänomen, auch wenn sie in das Natürliche eingebettet ist, sondern sie ist das Produkt individueller, absichtlicher Umformung und Verfeinerung des natürlichen Körpers und seinen Funktionen. Die Seele ist ein Kunstprodukt. Sie entsteht nicht mechanisch aus einer „genetischen Anlage“, sie entsteht aus keiner physiologischen oder existenziellen Notwendigkeit oder Selbstverständlichkeit heraus und sie ist daher nicht Teil des (biologischen) Lebens, auch wenn sie vom Leben mit beeinflusst wird und sich in ihm gestaltend auswirkt. Sie ist das Kind der kreativen Vereinigung von Körper-Mensch und Geist-Mensch und also das Ergebnis eines spezifischen schöpferischen Prozesses.

Echte Psychologie können wir daher nur verstehen als die Wissenschaft von diesem Prozess der Seelenerschaffung und Seelenförderung. Sie muss eine Wissenschaft sein, die sowohl den genetisch-biologischen als auch den geistigen Menschen erfasst und die darüber informiert, wie dieser „Apparat“ ihrer Vereinigung, das Amalgam eines geistkörpernden Menschen, das wir dann als „beseelten Menschen“ bezeichnen, richtig, d.h. den objektiven Gegebenheiten des derart zweinaturigen Menschen entsprechend hervorgebracht wird.


Den kompletten Artikel können Sie als PDF zum Download und als Audio-Daei (mp3, mit PDF inkl.) kaufen. Dafür klicken Sie bitte auf den entsprechenden Button “Artikel kaufen” oder “Artikel-Audio kaufen”, Sie werden dann zur Produktseite weitergeleitet.

Das Inhaltsverzeichnis des vollständigen Artikels können Sie auf der Produktseite einsehen, zu der Sie über den Button “Artikel kaufen” gelangen.

Erläuterungen zur Bezahlfunktion bei manchen Artikeln auf Catwise.de finden Sie unter Hinweise zur Bezahlung für Artikel.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Button_Artikel-kaufen_Audio-1.png
Artikel Kaufen

Version 25.11.2023

Aufrufe: 3.283


Bitte beachten Sie zum Kommentarbereich den Abschnitt “Kommentare und Rückmeldungen” im Haftungsausschluss und Widerrufsbelehrung zu diesem Blog. Dagegen verstoßende Beiträge sowie Beiträge ohne klaren und engen Bezug zum Text werden umgehend und kommentarlos gelöscht. Beiträge mit Links bedürfen der manuellen Freigabe – diese kann einige Tage dauern. Dies hier ist eine Werkstatt und Privatgelände, bitte verhalten Sie sich dementsprechend.


Dieser Artikel als Podcast

Artikel hier zum Download
(empfohlene Sicherung für Internetausfall (“darkness”))

Wie uns ein Virus de-maskiert und hilft, heil zu werden

Ten days. Darkness. (…) The Great Awakening.
(Q-Post 88)

Das Wirkliche ist nicht das, was wir wahrnehmen und was uns sichtbar vor Augen steht, sondern das, was wirkt. Das aber, was wirkt, liegt im Unsichtbaren, im Geistigen. Um das Wirkliche „sehen“ zu können, muss ich also die Augen des Geistes öffnen.

Ich sehe besser bei Nacht. Im Dunklen erst kann ich die Heimat der Dinge finden. Und meine innere Heimat. So dunkel wie im Inneren eines Kerns, in dem schon alles vorhanden ist und der noch verschlossen unter der Erde liegt. Wenn die Sonne untergeht und meine Augen sich langsam an die Lichtruhe gewöhnen, öffnet sich der stille Raum bis hinauf zu den Sternen im großen Dunkel mit ihrem langen Atem.

Diejenigen aber, die ihre innere Heimat verloren haben, haben Angst vor der Finsternis, denn sie ist ihnen fremd. Vertraut ist ihnen nur das Beleuchtete: die Bildschirme mit den täglichen Nachrichten, die bunten Smartphone-Oberflächen und die ständige helle Aufregung. Das ist ihre Welt.

Wovor haben wir solche Angst? Vor Krankheit? Vor Tod? Nein, was uns Angst macht ist das Unbekannte, das Fremde. Aber nicht alles Fremde macht uns Angst, sondern das Fremde, das wir nicht greifen und kontrollieren können. Sieht man einen Kranken, ist er häufig der Ruhigste und Vertrauensvollste unter den Umstehenden. Ebenso ein Sterbender. Aber die Menschen um sie herum können vor lauter Angst und Aufregung gar nicht still sein und verbreiten ihren nervösen Aktionismus. Ärzte können das täglich professionell praktizieren und sich als Anführer der Ängstlichen zu Diensten stellen.

Wenn etwas Großes stirbt

Wenn so ein angstgesteuerter Aktionismus und aufgeregtes Durcheinander das Kollektiv ergreifen und im Minutentakt über alle Monitore flackern, dann können wir davon ausgehen, dass etwas Großes stirbt. Und die Menschen strampeln, weil sie keine Kontrolle haben. Weil sie kein Vertrauen haben. Weil sie nicht gelernt haben sich in etwas Größeres fallen zu lassen.

Und die Angst macht eng und krank. Also rennen die Menschen zum Arzt und ins Krankhaus. Ihre Lunge kommt in Atemnot, die Angst-Enge verhindert das volle Ein- und Ausatmen, sie müssen künstlich beatmet werden. Die Maschine atmet für sie, weil das Lebendige ihnen Angst macht.

Aber die Angst verhindert auch die Heilung. Heilung – wieder so etwas, das wir nicht kontrollieren können. Etwas, das wir deshalb im Medizin-Business abschaffen mussten. Sie zu nennen klingt immer unwissenschaftlich und ein wenig peinlich. Rational hingegen klingt es, Krankheiten „in den Griff zu bekommen“. Die Medizin als Dompteur der Natur. Die Pharma-Branche als Waffenhersteller für den Krieg gegen das Leben: Antibiotika, dubiose Impfstoffe und sonstige Zellgifte. Der Arzt als pharmazeutisch gedrillter Soldat an der Front gegen den Feind: gegen die Verkörperung des Bösen. Und wie verkörpert sich das Böse? Mikroskopisch. In einem „Virus“.

Was ist ein Virus? Eine Idee. Eine Theorie, die keiner ernsthaft wissenschaftlichen Prüfung standhält. Aber sie stellt eine Verbindung her zwischen Angst, Bildern und dem Bedürfnis, einen bekämpfbaren Feind und Bösewicht zu haben. Zu Deutsch: einen Schuldigen. Die „Virus“-Idee dient als Projektionsfläche für unsere tiefsitzenden Ängste und Abwehrmechanismen, die uns sagen: das Böse ist immer da draußen! So ein Virus als Produktion von Populär- und Pseudo-Wissenschaft erfüllt alle Bedürfnisse des Publikums nach einfachen Bildern und einem gemeinsamen Feind. Und so verneigt sich die ängstliche Glaubens-Gemeinde der Wissenschaftsfrommen vor den weißen Priestern aus den Bio-Laboren, lauscht den Predigten der Institute und legt sich gern freiwillig als heiliges Versuchskaninchen auf den Altar der Testungen.

Die Menschen gehen zum Arzt wie man ein Auto zum Kfz-Mechaniker bringt. Er soll mit ein paar klugen Handgriffen alles wieder „in Ordnung“ bringen. In was für eine Ordnung? In die gewohnte. Das bedeutet: reibungsloses Funktionieren. Etwas Höheres kennt der moderne Mensch kaum noch. Sein innigster Wunsch ist: normal zu funktionieren. Das ist also die Zwischenbilanz eines tausende von Jahren alten Christentums und 250 Jahre nach der Aufklärung: der Mensch möchte eine Maschine sein. Wir beneiden die Computer, diese von uns erschaffenen Super-Autisten, weil sie so logisch und so schmerzfrei sind. Ob wir deshalb die kleinen Götzen immer bei uns tragen müssen? Sind Smartphones nicht spiritueller als wir? Sie haben doch kein Ego und sind mit allen anderen (Geräten) verbunden in einer weltweiten Netzwerkgemeinschaft. Wir sind die sehnsuchtsvollen Anhänger, die von ihnen mitgenommen werden wollen.

Wohin? In das virtuelle Land „Körperlos und Gefühllos“. Das Streben nach Selbstvergessenheit besonders für alle, die sich selbst nie kannten. Ein Pseudo-Ausstieg bevor man überhaupt jemals eingestiegen ist.

Hauptsache die Illusion von „Alles unter meiner Kontrolle“ bleibt bestehen! Wie gesagt: wir haben nicht Angst vor dem Unsichtbaren. Wir haben Angst vor dem, was sich unserer Kontrolle entzieht. Wir spüren etwas und können es nicht greifen. Um unsere vage Ahnung herum, um die verschwommenen Konturen des Fremden in der Dunkelheit herum ranken sich dann unsere Fantasien und schüren unsere Ängste. Und unser Instinkt wehrt sich mit hitzigem Aufruhr und möchte kämpfen oder fliehen. Aber wie können wir vor unseren eigenen Chimären und Albträumen weglaufen? Wohin wir auch gehen, sie werden doch nur noch größer, je mehr wir uns fürchten. Das ist ein seltsames Feuer in uns, während um uns herum alles ruhig ist und die Vögel singen. Die Hölle – ein Produkt der Angst.

Das winzige Böse

Damit wir es auch alle glauben, werden wir über alle öffentlichen Kanäle informiert, dass der Widersacher auf Erden angekommen ist. Er wagt es, es mit unserem Götter-Network und unseren wissenschaftlich geprüften Kontrollsystemen aufzunehmen. Aus dem Nichts heraus betritt er die Bühne der Presseagenturen: ein Winzling, der überall hindurch dringen kann, weil er so klein ist, dass man ihn nicht einmal sehen kann. Aber dafür können wir ihn uns umso besser vorstellen. Es grassiert ein Bild, das unsere Fantasie befeuert und uns aufregt.

Dieses Virus-Bild ist wirklich, denn es wirkt. Die Idee des unsichtbaren, durchdringenden, parasitären, zerstörenden, rücksichtslosen, omnipräsenten, sich selbst vervielfältigenden Winzigen Bösen geht um und wirkt. Wenn auch nicht auf den Körper, der Millionen Jahre Evolution und Biointelligenz in sich trägt, so doch auf unsere Hirne. Unser mentales Immunsystem scheint sehr schwach und sehr anfällig zu sein. Oder sollen wir sagen: minderbemittelt?

Mit den Augen können wir zwar Wirkungen sehen, aber die Wirklichkeit des „Virus“ ist nur für das Auge des Geistes erkennbar. Denn die Wirklichkeit des Bildes formt sich aus den vergessenen und vernachlässigten Bestandteilen unserer Traumwelt, aus den weggeschobenen, abgelehnten, verfluchten und gefürchteten Bruchstücken unserer Wesensnatur, die sich nun in den Vordergrund drängeln und mitreden wollen:

Die wirklichen Gesichter des „Virus“

Was spiegelt uns dieser Übeltäter von uns selbst zurück? Was entlarvt er über uns im großen Stil, was wir sonst gerne unter den Teppich des Medienlärms kehren?

Welche Archetypen und Figuren können wir erkennen an dieser mächtigen auftauchenden Gestalt aus der kollektiven Psyche?

Der Luftvergifter

Seit hundert Jahren geistert die Angst vor der Luft-Vergiftung durch die moderne Welt. Vielleicht seitdem wir wissen, dass Kriege mit Giftgas geführt werden können? Was auch immer der Auslöser war, der kollektive Motiv-Fundus der Menschheit hat diese neue Maske der Angst weltweit herausgekramt: die Bedrohung, die in der Luft liegt. Der moderne Mensch hat gelernt, sich bis in seine Atemluft hinein verletzlich zu fühlen.

Und von Verletzlichkeit ist es nur ein kleiner Schritt zu Ohnmachtsgefühlen. Unsere sozialen Ängste greifen auf den Instinkt über und was wir am meisten und stetig brauchen – Luft zum Atmen – ist plötzlich der Willkür der Mächtigen und Bewaffneten unterworfen. Atmen und Luftinhalte werden eine militärische Angelegenheit. Die Zeit, in der die Luft nur zur Natur (und damit zu Gott) gehörte, ist endgültig vorbei. Nun ist auch die Luft manipulierbar geworden. Wer spricht hier anderes als der gute alte Teufel im schicken neuen Gewand – in einem weißen Arztkittel zum Beispiel?

Der Diabolus wirft uns in die Ambivalenz der Abhängigkeit: wir brauchen Luft und können nicht ohne sie leben, aber sie könnte vergiftet sein! Einerseits ist sie das Natürlichste des Lebens, andererseits haben wir Angst vor ihr und rufen nach künstlicher Medizintechnik und menschen-gemachten Chemiecocktails, um sie zu kontrollieren und „in den Griff zu bekommen“. Denn sie könnte etwas enthalten, das gegen mich ist. Jeder der die Botschaft aufgenommen hat, versteht bis in seine Lungenspitzen hinein: Atmen ist zu einem Risiko geworden – weltweit, für alle und den ganzen Tag.

Wir haben das langsam lernen müssen. Die FCKW-Lüge hat noch keiner so recht beachtet. Der Ozon-Schwindel griff auch nicht lange. Aber zuletzt war die Angst endlich reif geworden, so dass die Peri-Pubertären der Bevölkerung sich in ihrer Angst vor CO² verbünden und die Zeremonien der Irrationalität wieder einführen konnten. Die Neophyten der Klimahysterie ließen sich von ihren finanziell gut ausgestatteten NGO-Priestern die neuen Dionysien wöchentlich freitags einrichten. Der Tag der Venus wurde zum Tag des Pan. Denn Schönheit, Harmonie und Liebe sind überflüssig in Zeiten kollektiv-verordneter Panik.

Jetzt aber ist der Angst-Mythos für die gesamte Bevölkerung amtlich: die Luft kann sterbenskrank machen. Atmen kann tödlich sein und das Unsichtbare liegt nun für Hinz und Kunz permanent als potenziell Tödliches in der Luft. Die Frage im Alltags-Thriller, ob die Luft rein sei, führt direkt in die existenzielle Unsicherheit: ich weiß es nicht, mein Nächster weiß es auch nicht und die Tests der Ärzte sind so wenig valide wie spätrömische Orakel-Zeremonien. Welcher Priester, welches Orakel kann uns jetzt noch sagen, ob wir frei atmen können?

Der bedrohliche Winzling

Was uns da entwischt und aus der Unsichtbarkeit heraus bedroht, sind winzige Partikelchen, die wir nie gesehen haben. Früher hatten die Menschen Angst vor übermenschlichen Kräften, vor Riesen, Göttern und Titanen – also vor Kräften aus der Wirklichkeit, aus dem Geistigen, in dem Menschen früher ihre Heimat sahen. Der vollständig entgeisterte Materialist hat heute jedoch Angst vor der allerkleinsten Materie.

Oder sollen wir das biblische Zittern wieder lernen und die Ehrfurcht? Zumindest die Medien-Propheten des Angst-Kults geben uns guten Grund dazu, nun endlich das auszuleben, was uns schon lange verunsichert und erschrickt: dass wir kein Vertrauen mehr haben. Der Stoff „Vertrauen“ ist uns ausgegangen. Es hilft uns auch nicht, dass sich täglich neue Anwärter dafür bei uns bewerben: wir sind emotional pleite und „das Virus“ macht es bloß sichtbar.

Der Unruhestifter im Kontrollsystem

Für uns ist der Wahn normal geworden, wir könnten mit unseren Technologie-Spielzeugen und unserer „Wissenschaft“, die Natur in den Griff bekommen. Dabei tun wir nichts anderes, als an dem Ast herum zu sägen, auf dem wir sitzen, und an den Wurzeln herum zu schneiden, die uns ernähren. „Wissenschaft“ ist tatsächlich längst zu einer völlig verblendeten Religion des Kontrollwahns mutiert. Und ihr Lieblingszögling ist die „Medizin“. Die fanatischen Kulte, die unter ihrem Namen wirken, sind beseelt von Angst, Machtgier und Geltungsdrang. Dafür gehen sie über Leichen, nachdem sie Ethik und Moral schon geopfert haben.

Die Geister, die sie riefen und schufen, werden sie nun nicht mehr los, die schwarzen Zauberlinge. Und das „Virus“, mit dem sie alles unter ihre tödliche Kontrolle bekommen wollten, ist nun außer ihrer Kontrolle. Ein Schwarzmagier versteht nichts von Weißer Magie. Er erkennt sie erst, wenn es für ihn zu spät ist.

Statt eines real gefährlichen Virus kommt nun also ein Illusions-Virus daher, beendet das Illusionstheater und lässt die Kaiser und Kaiserinnen des Medienrummels ohne Kleidung defilieren – einer nach dem anderen auf ihrem Weg in die Bedeutungslosigkeit.

Der Masken-Bildner

Die Angst berät uns sorg-fältig: verdecke Mund und Nase! Also legen wir uns eine Stoffmaske übers Gesicht. Das öffentliche Leben ist offiziell Kriegs- und Seuchengebiet und wir sind nur temporär Überlebende. Ob nun als Alltags-Soldaten oder als pflichttreue Assistenten am OP-Tisch menschlicher Begegnungen: die Maske erlaubt uns, endlich gesichtslos und ohne Individualität aufzutreten und dabei sogar noch das Prädikat „gesundheitlich wertvoll“ nach außen zu tragen. Der auffällig Vermummte kann sich jetzt als gewissenhafter Schutzmann für sich selbst und die Gemeinschaft fühlen.

Durch diese für alle identisch aussehende „synthetische Ersatzpersönlichkeit“, hergestellt in China und Indien, können wir nun sprechen (per-sonare = „hindurch tönen“). Wollten wir nicht schon immer alle gleich sein?

Wir begegnen der Welt nur noch mit heruntergeklapptem Visier und sprechen nur noch hinterm Vorhang. Der Mundschutz ist auch Sichtschutz, durch den niemand mehr erkennen kann, ob ich gerade lächle oder mir auf die Lippen beiße. Die Virus-Maske erlaubt emotionslos zu scheinen. Cool eben.

Der furchterregende Straßenfeger

Auf diese Weise können wir unser lange aufgeschobenes und verstecktes Bedürfnis nach Nicht-Kontakt und Kommunikationslosigkeit endlich leben, insbesondere den Wunsch, dass die anderen doch bitte mal den Mund halten sollen. So ganz schamlos und selbstbewusst gelingt uns das zwar nicht, aber gerechtfertigt und entschuldigt sind wir. Denn das sonst auffällig unsoziale und irritierende Vermeiden von Kontakt ist jetzt soziale Norm und moralisches Vorbild. Sprachlosigkeit und Nichts-zu-sagen-Haben werden von der unbequemen Direktive zur bequemen Norm für den inneren Kontaktmuffel. Jede Sperrigkeit im Kontakt ist nun epidemiologisch verzeihlich.

Die Virus-Angst erlaubt uns, uns von anderen fernzuhalten, weil sie uns fremd sind. Das ist die Stunde der Sozialphobiker, der Autisten, Asperger und „Hochsensiblen“. Endlich sind die Prinzipien menschlicher Kommunikation und des Austauschs außer Kraft gesetzt. Was für eine Erleichterung!

Dieser flotte Straßenfeger schafft es: wo Menschen für gewöhnlich Neugier, Interesse und Anziehung erleben, dürfen jetzt die Gegenkräfte das Leben gestalten: Gleichgültigkeit, Kontaktscheu und Abstoßung. Man darf jetzt auch offen seine Aggressivität und Feindlichkeit ausleben, denn jetzt gilt man dadurch umso fürsorglicher und schutzbewusster. Als größte gemeinsame Nenner bleiben dabei Hilflosigkeit und Misstrauen und so können wir uns endlich wieder als Gemeinschaft fühlen: die Gemeinschaft der ausgelieferten Opfer.

All das sind wir immer schon, aber jetzt dürfen wir es ungehemmt ausleben und haben dabei sogar das Ordnungsamt auf unserer Seite. Die Atemschutzmaske sorgt dafür, dass wir unsere sozialen Masken fallen lassen. Und was da hervorkommt ist, dass wir viel mehr fremdeln, viel mehr Abstand bevorzugen (1,50 Meter mindestens!) und viel authentischer missgelaunt sind, als wir uns sonst zu zeigen trauen.

Und so erkennen sich die Glaubensbrüder und -schwestern der Angst schon von Weitem: die frommen Gutgläubigen, die Mundschutz tragen. Und noch höher stehen die bewundernswerten Märtyrer der Volksgesundheit mit dem besonders teuren Mund- und Nasenschutz. Da sind aber auch die Heiden ohne jeglichen erkennbaren Schutz und schließlich die schamlosen Ketzer, die sogar lächeln und fröhlich sind (und sich nicht an den Mindestabstand halten).

Erhellend ist, wie besonders gewissenhaft sich die Ökoanhänger und die Menschen der alternativen Lebensträume dem medizinischen Jüngsten Gericht beugen. Der wahre Gläubige möchte ein angstvolles Schaf bleiben und geführt werden von einer saftigen Lüge zur nächsten. „Und führe mich nicht in Erkenntnis, sondern belasse mich in meiner Naivität und erlöse mich vom Denken.“ Nur sie wissen, was den Zweiflern nicht zugänglich ist: dass „so etwas wie 1933 uns nie wieder passieren kann!“ Deshalb fordern sie auch noch strengere Gesetze und noch drakonischere Strafen gegen Abweichler. Das „Virus“ bringt alle auf Linie.

Bevor wir ein Ostern als Fest der Wiederauferstehung haben können, brauchen wir diesen Schwarzen Karneval und 10 Tage Aschermittwoch zur De-Maskierung und Enthüllung: in hässlichen Zeiten dürfen wir alle hässlich sein. Und so schreiten wir nun kollektiv durch die Asche unserer ausgebrannten Hybris und überspannten Entfremdung.

Der Regel-Junkie

Jedes Volk reagiert anders auf die ansteckende Angst und in den spontanen Erstreaktionen zeigt sich das Wesen der Völker in ungeschminkter und zuweilen grotesk verzerrter Form. Hier im Deutscheland ist die erste Reaktion der verzweifelte Ruf nach Regeln und Gesetzgebern. Denn daran scheint es nun am allermeisten zu mangeln. Die erste Frage ist deshalb: „Was soll ich tun?“. Gibt es denn niemanden, der Befehle erteilt und strenge Verkehrsregeln für die Menschen aufstellt, so dass man sich weiterhin im Gehorsam geborgen fühlen kann? Die erste Geste des dressierten Deutschen ist die der Verantwortungsabgabe. Doch dieses „Virus“ ist intelligent und trifft uns unvorbereitet. Niemand ist fähig, Verantwortung zu übernehmen, und niemand fühlt sich verantwortlich. Da bricht hier und da schon die Sehnsucht nach einem starken Führer hervor. Nur ganz verschämt, weil man’s uns doch verboten hat. Und die Impulsiven reagieren mit der Inversion ihres Wunsches nach Ordnung: gerade jetzt muss man dem Chaos und der Anarchie doch endlich eine Chance geben!

Not macht erfinderisch, aber Angst lähmt. Und hier in Angstland ist Lähmung die gewohnte Dauerreaktion auf jegliche Veränderung. Da wird nichts hinterfragt, geschweige denn Lösungen erfunden, sondern man bleibt bei der bewährten Strategie aus stiller Kapitulation und naivem Gehorsam.

Denn das ist eine besonders geliebte Idee der Deutschen: dass wir das Leben in den Griff bekommen, indem wir es einschränken. Wenn wir ganz still sind, die Luft anhalten, mit gerunzelter Stirn alle anderen zu Regeln und Disziplin ermahnen, vielleicht geht das Virus dann an uns vorüber ohne uns zu bemerken? Oder vielleicht bekommen wir von ihm sogar eine Auszeichnung für besonders gute Kollaboration? Vielleicht sollten wir den ein oder anderen Regelbrecher diesem Virus melden, dass er ihn doch bitte infizieren und abtransportieren möge? An den schnellen Bau von Konzentrationslagern für irgendwie „Infizierte“ und Auszusondernde sind wir schnell wieder gewöhnt.

Ganz sicher: wenn wir uns allen unterwerfen, die Kommandos rufen und eine Agenda haben, dann muss doch irgendwann ein (Oster-?) Wunder geschehen und wir werden vom großen Papa gerettet, oder nicht?

Was wir verpassen in unserer Angststarre ist das Leben selbst. Wir heben erstaunt und erschrocken den Kopf und fragen unseren Nachbarn: „Glaubst du noch an ein Leben vor dem Tod?“

Der Revolutionär

Was die französische Revolution und jede andere danach nicht erreichten, schafft das Virus jetzt in stiller Arbeit in wenigen Wochen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Freiheit von Ordnung und von den Regierenden. Die Gleichheit vor dem Infektionstest und die Brüderlichkeit in der Hilflosigkeit und Verwirrung. Dieser Virus eint die Menschen, weil er sich als Feind gegen alle Menschen zu wenden scheint.

Gegen alle? Oh nein, dieser gescheite Revolutions-Virus ist tatsächlich unbestechlich und hat eine große Präferenz für die High Society, die Stars der Meinungsmache und die Häupter krimineller Netzwerke. Je weiter oben du in der Pyramide des Betrugs und der Menschenverachtung stehst, desto anfälliger bist du für diesen Mikro-Braveheart. Regierungschefs fallen, Könige und Königinnen fallen und sogar der Papst wird sterbenskrank und verabschiedet sich von seinen Schäfchen.

Und was wäre das Virus ohne seine Marketingabteilung? Die beste weltweit, wie es scheint, denn sie eroberte alle Zeitungen und Medien der Welt „im Sturm“. Und auch die Politiker hat sie gut im Griff: alle blasen in das gleiche Horn der Unvernunft: Es muss mehr Chaos geben! Wann hat die Welt zum letzten Mal wie aus einem Mund von nur einem Thema gesprochen? Dieser „Virus“ kommt wie ein Prometheus daher und möchte wohl die Menschen von ihren falschen Göttern befreien.

Der fieberhafte Erlöser ist für beide Seiten da: die Unterdrückten werden befreit von der Plage und dem Gift der Lüge und die Unterdrücker erhalten die Gnade, trotz ihrer Verbrechen an der Menschheit ohne eine öffentliche Bloßstellung sang- und klanglos in den Orkus zu verschwinden. Man sagt: „sie hatten ‚das Virus‘“ und die Gnade ist, ad hoc vergessen zu werden.

Der Nachrichten-Macher

Dieser Aktivisten-Virus macht, dass wir uns noch eifriger engagieren im Kult der Informationsflut und der Hörigkeit gegenüber den Nachrichten-Sendern: „Achtung, Achtung, hier spricht die Angst!“ Das Virus betritt als neuer Regierungssprecher die Pressekonferenz und verkündet die Botschaft: „Ihr habt noch nicht genug Angst. Ihr müsst euch mehr Mühe geben! Und helft auch euren Mitbürgern, dass sie in ihrer Angst nicht nachlassen.“ Es folgen Angst-Maßnahmen, Angst-Interviews, Angst-Talkshows, Angst-Dokus und abends dann die aktuelle Angst-Schau.

Der wohltrainierte Mensch als Empfangsstation des zentralen Sendeapparates möchte die Krone einer Schöpfung sein, aber er kennt den Schöpfer nicht, dem er blind vertraut: die Gremien der Rundfunk-Intendanten, die von den freundlichen Scharen der Geheimdienste handverlesen und stets unterstützt sind. Als Krone des neuen „braven Soldaten Schweig“ bekommt er eine Antenne auf den Kopf und das smarte Zepter in die Hand: damit er immer online und bestens in-formiert ist.

Der ätzende Natur-Botschafter

Nachdem wir nun jahrelang den Fantasien der Ent-Grenzung verfallen waren, überkommt uns in den letzten Tagen und Wochen eine seltsame Angst vor zu wenig Grenzen. Das ewige Pendel der Psyche schlägt in die andere Richtung aus und wer sich bisher weit aus dem Fenster gelehnt hat, der hofft jetzt auf einen weichen Boden oder verlässliche Staatskontrolle. Es geht um Gleichgewicht. Nach dem neurotisch-verblendeten Geschrei für allzeit offene Grenzen, Grenzauflösung und Grenzenlosigkeit, kommt nun das ebenso neurotische Zetern nach Grenzverstärkung und Quarantäne: der Mensch im Wahn kann seinem eigenen Immunsystem nicht mehr vertrauen.

Nach der Invasion kommt nun die Infiltration. Welcher Filter hilft uns noch, wo wir doch bis zuletzt keinerlei Grenzen und Beschränkungen für Fremde mehr wollten? Extreme machen immer krank und Angst. Ist das nicht sichtbar genug?

Nun sollen also das System und die anderen es regeln (wie immer): die Menschen sollen noch mehr Abstand halten, Gummihandschuhe tragen, Glasscheiben montieren und am besten gar keinen Kontakt mehr aufnehmen. Denn merke: kein Mensch ist illegal, aber jeder Mensch ist eine potenzielle Bedrohung, ein potenzieller Seuchenträger. Und das einzige was jetzt noch hilft, ist: mehr Plastik und Synthetik zwischen den Menschen. Das Pendel schlägt zurück auf der Suche nach der gesunden Mitte.

„Zurück zur Natur!“ Wollen wir das? Sie macht uns doch sehr misstrauisch! „Bitte Abstand halten“ ist die beste und bündigste Zusammenfassung der modernen Naturbeziehung. Die Lektion, die uns noch bevorsteht, ist, dass nicht wir zur Natur zurückmüssen, sondern dass wir die Natur wieder an uns herankommen lassenmüssen. Und während wir noch versuchen, unsere kleine Kontrollillusion zu erhalten und dafür jede Kreativität in Angst ersticken, erfindet die Natur wie schon seit Urzeiten spielerisch immer neue Partikel, Viren und Stoffe, um ihre größte und heilsamste Botschaft für uns zu erhalten: du bist sterblich.

Und die Kinder spielen derweil fröhlich im Garten, weil sie endlich lange Frühlingsferien haben.

Der große Wandler

Der „Virus“ ist Träger einer großen Wende: das Unterdrückte wird sichtbar, das bisher Versteckte kommt ans Licht, Dunkles wird ausgeleuchtet, die Reichen sind arm dran, die Mächtigen sind ohnmächtig, die „Wissenschaftler“ reden dummes Zeug, die „Alternativlosen“ stehen in der Sackgasse und die Berufs-Toleranten dulden keine Abweichungen mehr.

Aber auch: die Spinner von gestern werden zu den Aufgeklärten und Wissenden von morgen, die Skeptiker und Vorsichtigen erhalten Bestätigung und Gehör, Tabu-Themen werden zu Straßenthemen und alles Alternative wird zur Hauptströmung. Die bisher Hoffnungslosen schöpfen wieder große Hoffnung und viele ernste Gesichter der letzten Jahre werden plötzlich hell und fröhlich.

Nie war der Unterschied zwischen den Skeptikern und den Mitläufern so groß wie in diesen Tagen: während die einen mit leichtem Herzen und einem Strahlen im Gesicht durch die Reihen der Verängstigten und Gestressten gehen, finden die anderen nichts mehr, woran sie sich klammern und festhalten können. Alles wackelt und zerbröselt in ihren Händen. Kaum ist die Propaganda gegen den dümmlich-bösen Trump, gegen den kaltherzig-erzbösen Putin und für die Verschmelzung in der EU-Zentralregierung einmal still, kommen die Leute zur Besinnung und fragen sich, was sie selbst denn wissen, wollen und brauchen. Und was uns Menschen und den Kindern guttun würde. Aber die täglichen Fremdanweisungen des Systems fallen aus und der Ausnahmezustand bringt sie in desorientierte Starre.

Von den höchsten Posten purzeln die Mächtigen und haben nichts mehr zu melden außer ihren Abschied in die kosmische Quarantäne. Das Militär und seine Waffen werden gebraucht, um Sicherheit, Ruhe, Frieden und Wohlfahrt zu begründen. Die heliumgefüllten Aktienmärkte erholen sich schrittweise vom ungedeckten Falschgeld und nähern sich wieder dem Boden der Tatsachen. Die grenzenlosen Pseudowährungen knicken ein beim Anblick von echten goldgedeckten Währungen am Horizont, denen die Menschen wieder vertrauen können. Die heiligen, gekrönten und fotogenen Häupter müssen zur Beichte beim Militärtribunal und ihre Höllensünden gestehen, die mit Rücksicht auf die Nerven der Menschen besser weitgehend unveröffentlicht bleiben.

Nach vier Wochen viraler Medienhysterie wird die Welt eine andere sein. Dieser Virus kommt nicht bloß mit einem sanften Windhauch der Veränderung, sondern mit einem gewaltigen Sturm, der durch die Systeme fegt. Die große Reinigung findet unsichtbar statt, aber ihr Ergebnis wird sichtbar sein. Sobald die Angst abebbt, können wir uns auf den Weg der Genesung machen. Nach der Infektion kommt die große Rekonvaleszenz und Erholung. 

Wie wir wieder ganz zu uns kommen

In schwankender Zeit gilt es, das Seine zu behaupten.
(Goethe)

Das Virus ist wirklich. Für die Ängstlichen ist es eine wirkliche Gefahr, für die Eifrigen eine wirkliche Aufgabe, für die Strebsamen ist es eine wirkliche Prüfung und für die Gelassenen eine wirklich kolossale Geschichte.

Wirklichkeit ist das, was wirkt. Sie selbst ist unsichtbar und das wollen wir nicht wahrhaben, weil Unsichtbares uns Angst macht. Wir haben nicht gelernt, einen Bezug zum Unsichtbaren herzustellen. Wir sind Fremde in der geistigen Welt des Wirklichen, weil wir fixiert sind auf das, was wir sehen und anfassen können.

Ein altes Heilmittel für die Abkopplung von der geistigen Welt und damit von der eigenen Psyche ist die Klage.

Wir haben uns angewöhnt, uns zu beschweren, aber zu klagen ist etwas anderes: die Klage macht uns leicht, weil wir uns selbst und unserem eigenen Erleben Gewicht geben. Nur wenn wir uns auf dieses (Ge)Wichtige, das Schwere in uns, einlassen, können wir im Körperlichen leicht werden.

Wer nur über die Dinge Bescheid wissen und reden will, der hält sich mit Oberflächen auf und widmet sich dem Un(ge)wichtigen. Ohne Eigengewicht und mit allzuviel Luft im Kopf werden wir zu Spielbällen der Welt und verlieren den Boden unter den Füßen. Abgehoben tänzeln wir dann von Attraktion zu Attraktion, lassen uns von Durchsage zu Durchsage leiten und drehen uns im Kreis. Von der Lenkung zur Ablenkung ist es nur ein kleiner Schritt.

Darin ist keine Nahrung für die Seele, die in solcher Verwahrlosung jämmerlich wird und sich nur noch beschweren kann. Warum? Weil sie ernst genommen werden will. Aber mit einer beschwerten Seele oder einem lähmenden Stein im Herzen können wir nicht leicht sein und die feinen Zwischentöne hören. Vor lauter Belastung hören wir nicht hin, weil wir glauben, zum ablenkenden Lärm zu gehören statt zur Stille.

Wir können nichts erkennen in uns, wenn wir nicht gelernt haben, in der inneren Dunkelheit zu sehen. Wir glauben, dass das, was wir in dieser Dunkelheit in uns finden würden, nur schlecht, schmutzig und falsch sei. Deshalb wenden wir uns ab von diesem ganzen Terrain in uns. Wir wollen bloß nichts mit uns selbst zu tun haben! Also brauchen wir Ablenkung.

Und so einseitig leben wir schon seit Jahrzehnten und haben die neurotische Gewohnheit der Verleugnung und Abspaltung von Generation zu Generation weiter vervollkommnet. Während wir nur noch das Helle und Leuchtende duldeten und unseren Korridor der Intoleranz immer enger werden ließen, wuchs der Schatten im Unsichtbaren ins Unermessliche und rüstete sich für seine Wiederkehr. Wie sollen wir all das Vergessene, Verurteilte und Ausgeschlossene nun wieder zurückholen und integrieren?

Die Klage wieder lernen

„…und schweigend bringt ihn die ältere Klage bis an die Talschlucht,
wo es schimmert im Mondschein: die Quelle der Freude.

In Ehrfurcht nennt sie sie, sagt: – Bei den Menschen ist sie ein tragender Strom.“
(Aus: R.-M. Rilke: Duineser Elegie X)

Ich möchte einen Vorschlag machen, der zunächst nur den Einzelnen ansprechen soll, auch wenn er mit der Zeit auch Wellen ins Kollektiv schlagen könnte.

Es könnte sich lohnen, wenn wir wieder lernen zu klagen und zu beklagen. In früheren Kulturen war die Klage fester Bestandteil wichtiger Rituale und wegen ihrer heilenden und vergeistigenden Wirkung galt sie als Kunst und Medizin zugleich.

Wir haben diese Kunst verloren und müssen erneut lernen, unserem Inneren, unserem eigenen Erleben und unserer eigenen Sichtweise eine Stimme zu geben. Dafür müssen wir die Sinnlosigkeit von „objektiven Daten“, „Informationen“ und rationalen Verfahren erkennen, wenn es um den Kern unseres subjektiven Erlebens geht: das Wesentliche. Wir müssen dafür wieder lernen, das Echo der Welt in uns selbst zu hören. Dann entdecken wir nicht nur uns selbst in der Resonanz auf die Welt, sondern auch das, was uns heil und ganz macht. Denn wenn wir bei uns sind, haben wir keine Angst.

Was auch immer „da draußen“ passiert oder angeblich passiert, welche Bilder auch immer wir geliefert bekommen: das Entscheidende ist, welche Bedeutung es in uns hat. Deshalb hört ein guter Arzt seinen Patienten zu und schenkt ihren Klagen Gehör – weil sie darin zu sich selbst finden. Und darin liegt auch die Heilungskraft. Deshalb sind so viele Großmütter, Großväter, Eltern, Freunde und viele andere für uns bessere Ärzte als viele Profi-Mediziner in den überfüllten Praxen. Auch ein Tagebuch, aus dem man sich die eigenen Klagen laut vorliest, kann diese heilende Wirkung haben, wenn wir uns dabei in ein aufrichtiges Lauschen begeben.

Es geht eben nicht um eine schnelle, technische, wissenschaftliche Lösung, die aus der alten Angst kommt und diese Angst und Abspaltung nur weiter befördert, sondern um das innere Gleichgewicht. Ein gutes Immunsystem – auch ein Bild des Geistes – beruht auf innerer Harmonie. Dann kann man auch über äußere Medizin nachdenken.

Die Klage kommt aus der ganz persönlichen Hinwendung nach innen, zum eigenen Gefühl, so dass wir unser Inneres sehen und Ein-sicht gewinnen können. Sie ist sehr intim und betrifft doch alle Menschen umso mehr, je tiefer sie ist. Eine solche Klage könnte zum Beispiel sein:

„Ich habe Angst. Wenn ich aufschaue oder nachts aufwache, dann sehe ich wie alle, denen ich vertraute, blind und hohl sind. Wie Puppen sprechen sie auf den Bildschirmen Tag und Nacht und bewegen ihre Kiefer ruckartig und hart unter ihren leeren Augen. Ich verstehe nicht, was sie von mir wollen. Wer hat ihnen ihren Text gegeben? Andere ausgehöhlte Blinde? Eine endlose Kette von Halbtoten, die sich ins Neonlicht stellen, aber kein Licht in sich tragen. Was für eine Pyramide aus geistiger Asche und seelischer Leere türmt sich da vor mir auf!

All die bunten Bilder, die mich täglich verfolgen, ersticken meine eigenen Träume und Fantasien. Ach, meine Träume! Habe ich welche? Als ich ein Kind war… aber selbst meine Erinnerung ist jetzt so dünn, dass sie überall reißt und sich auflöst. Wohin ist die Kraft meiner Kindheit gegangen? Es gab eine Zeit, da war ich ein Königskind und wusste es ohne Zweifel. Alle Märchen handelten von mir und erinnerten mich an mich selbst und an meine große Zukunft.

Und nun ist all meine Zukunft weggeben, restlos investiert in Versicherungen und Werbeversprechen, die sich nun um mich herum als lauter Krimskrams manifestieren. Ein Leben voller Krimskrams.

Ich hätte so gerne eine Fackel aus Finsternis, dass ich wieder das Dunkle zurückholen kann in diese grelle, schattenlose Bilderwelt ohne Tiefe und Ausgang. Ich weiß, dass jeder echte Ausgang dunkel ist, aber ich finde die Dunkelheit nicht mehr.

Und du, der du mich erlösen wolltest, warum stirbst du vor mir am Kreuz? Du sagst, du seiest stark und hättest die größte aller Kräfte auf deiner Seite, aber jetzt, da ich dich brauche, bist du nicht greifbar, sondern löst dich auf vor mir mit der Geste von einem, der sich hin- und weggibt. Du schweigst, wenn ich dich frage? Meine schmerzhaftesten Fragen habe ich dir entgegen geschrien, aber du schaust mich nur still an. Und wenn ich dir von meinen Freuden erzählte, dann weintest du nur ein wenig. Warum ist deine letzte Botschaft immer die von einem, der an ein Kreuz genagelt ist?“

Es geht bei einer solchen Klage nicht um die Antwort oder Lösung, sondern um die Kontaktaufnahme mit dem Unstimmigen, Schmerzhaften, Unheilen.

Vertrauen lernen

Hello darkness, my old friend,
I’ve come to talk with you again.
 (Paul Simon, The Sound of Silence)

Zu keiner Zeit ist es wichtiger, uns auf uns selbst und unsere innere Stimme zu besinnen, als in Zeiten mächtiger kollektiver Veränderungen. In solchen Zeiten leben wir.

Mich auf mich zu besinnen, bedeutet nicht, mich misstrauisch zurückzuziehen und mich zu isolieren, sondern nach innen zu lauschen und die Anbindung an mich selbst und an das in mir zu finden, das so verlässlich ist wie die Schwerkraft. Dann finde ich mein Vertrauen wieder. Echtes Vertrauen beruht auf Selbstvertrauen. Aber Selbstvertrauen lernen wir nur dadurch, dass wir uns einmal jemandem anvertrauen konnten und uns gehört fühlten. Dazu kann die Klage dienen, weil sie hörbar macht, was uns in der Tiefe bewegt.

Leider sitzt in uns auch der Wahn sehr tief, dass wir im Zweifelsfall selbst am besten Bescheid wüssten und uns in der Not lieber auf nichts und niemanden verlassen. Deshalb strampelt der Ertrinkende auch dann noch wild um sich, wenn ein Rettungsschwimmer ihn an Land ziehen will. Wie häufig reißen wir so nicht nur uns selbst, sondern auch andere mit ins Unglück!

Wir alle schlafen besser, wenn wir wissen, dass die Männer, die geschworen haben, uns zu beschützen, da draußen ihre Arbeit intelligent und verlässlich machen. Das Gefühl von Sicherheit macht die Kinder ruhiger und die Frauen noch schöner. Und es gereicht den verantwortungsvollen Männern zu Ehren.

Vertrauen lernen bedeutet auch, sich helfen und retten zu lassen. Nicht aufzugeben, sondern sich schützen und hinaufziehen zu lassen. Sich nicht bloß auf die bekannten Werkzeuge, das geläufige Wissen und alte Gewohnheiten zu stützen, sondern sich aktiv mit dem zu verbünden, das neue, höhere und stärkere Kräfte anbietet. Dafür muss das Kleinliche, Enge, Gewohnte von uns sterben.

Vielleicht muss es sich von einem Virus angreifen und umwandeln lassen.

Das Heil der Finsternis

„Jetzt ist eure Stunde gekommen. Jetzt hat die Finsternis das Wort.“
(Christus in der Nacht auf Karfreitag;
Lukas 22,53)

Ganz bestimmt müssen wir uns dafür zuerst auf die Dunkelheit einlassen, auf das Nichtwissen und Nichtkönnen, die vielleicht 3 Tage in Ungewissheit, vielleicht die ganzen 7 Tage einer Karwoche oder vielleicht die 10 Tage dauert, die für eine derart virusgebannte (Welt-) Bevölkerung notwendig sein mögen. Die Dunkelheit ist die Vorbedingung für Transformation und sie umfasst das Gebot loszulassen.

In der Dunkelheit werden die Gegensätze vereint und zu einem neuen Ganzen verschmolzen. Was sich in der Welt des Lichts und des logischen Verstandes teilt in Ding und Schatten, Gut und Schlecht, Wollen und Ablehnen, Richtig und Falsch, Gesund und Krank, das liegt im Dunklen der Erde als ein Ursprung. Wenn wir bereit sind, durch das Dunkle zu gehen, durch Unwissenheit, Kummer, Depression, Mangel, Orientierungslosigkeit oder auch durch Angst, Zorn, Verzweiflung und Sucht, dann – und nur dann – können wir das Ganze des Lebens frei umfassen. Was sonst soll Freiheit auch sein?

Sonst bleiben wir immer in der Spaltung, die uns bequem ist, aber unvollständig macht. Alles von uns Ausgeklammerte und Weggeschobene kommt uns irgendwann als Schatten aus der Fremde wieder entgegen. Je länger wir es hinauzögern, desto heftiger und gewaltiger baut es sich vor uns auf. Das sehen wir an dem, was dieser „Virus“ mit uns macht. Je mehr wir uns einseitig als die Guten definiert haben und unsere Ängste mit Ideologien, Tabus und Aktionismus zuklebten, desto größer wächst der Schatten des Verdrängten um uns herum an und holt all diese Ängste mit ihren seltsam verzerrten Gesichtern in uns wieder hervor. Und so ernten wir stets die Feindschaft (Trennung), die wir gesät haben.

Wir können lernen, uns im Dunklen nicht mehr zu fürchten. Wir können darin unsere Heimat und unseren Ursprung wiedererkennen, so wie die Stille der Ursprung von Klang und Musik ist. Jeder kann lernen, sich dem eigenen Dunklen und Stillen zuzuwenden und auszusetzen. Und die eigenen Ängste, Tabus und Engstirnigkeiten willkommen zu heißen: „Sei gegrüßt, Dunkelheit, du meine alte Freundin. Ich wollte schon so lange einmal wieder mit dir sprechen…“

So verbinden wir uns wieder mit jenem Naturprinzip, das auch für die Psyche gilt: dass wir erst durch einen dunklen Geburtskanal hindurch müssen, bevor wir zu Ostern in ein neues Licht hineingeboren werden können. Nur so können wir Teil von der großen Genesungsbewegung werden, nach der wir uns so sehr sehnen und die uns aufnimmt und erhebt und heilt.

Aufrufe: 24.005