Mentale Tiefenbohrungen, Entkleidungen und Querverbindungen hinter den Kulissen der Theateraufführung genannt „Welt“.

Ein Aufruf zum Hinschauen und zur Befreiung des Denkens

Wie kann man ein „normales Gespräch“ führen, das inhaltlich über das persönliche Befinden oder das Wetter hinausgeht, wenn man keinen gemeinsamen Nenner, keine gemeinsame Basis hat? Wie ist ein inhaltlich sinnvolles Gespräch mit jemandem möglich, der an lauter Dinge glaubt, von denen man weiß, dass sie nicht real sind und dass sie erfundene Ideen und haltlose Konzepte sind, die der andere bloß von anderen übernommen hat?

Das geht nur, wenn der andere bereit ist, eine neue Perspektive einzunehmen und seine fest eingefleischten Meinungen beiseite zu stellen. Und genau das ist von blindgläubigen Menschen am wenigsten zu erwarten. Man riskiert bei ihnen viel eher, für verrückt gehalten oder gar als Bedrohung erlebt zu werden.

Also, dann lieber doch nur übers Wetter und ganz persönliche Empfindungen sprechen und ansonsten zu allem Aberglauben bedeutungsvoll nicken.

Denn das, was die Menschen in unseren Breitengraden für die „Realität“ halten, ist mittlerweile so weit entfernt von der überprüfbaren Realität der Fakten, dass eine kommunikative Brücke zwischen Skeptikern oder sogar Fakten-Kennern und den Gläubigen sehr schwierig und unwahrscheinlicher geworden ist. Die Menschen habe sich daran gewöhnt, in Blasen von eingebildeter Pseudo-Realität zu leben und lieber die Wirklichkeit, jede Skepsis und jedes Nachfragen soweit wie möglich von sich fern zu halten.

Was dazu führt, dass wir nicht mehr von und über die Wirklichkeit sprechen können.

Was ist passiert?

Vor über 15 Jahren stieß ich auf ein Buch von Johannes Jürgenson: „Die lukrativen Lügen der Wissenschaft“. Hinter diesem unscheinbaren Titel steckt die humorvolle und dabei intelligente und informationsreiche Aufdeckung der wichtigsten sogenannten „wissenschaftlichen Theorien“ als absichtlich verbreitete, manipulative Lügen. Nun spielt das vielleicht bei Themen wie z.B. der „Relativitätstheorie“ von Einstein keine so große Rolle, weil sie keinen unmittelbaren Einfluss auf unser Leben hat. Aber der eine oder andere wird sich vielleicht schon erschrecken zu erfahren, dass Einstein kein Theorie-Genie, sondern ein ausgefuchster Schummler und Blender war, und dass seine hoch gefeierten Theorien entweder von anderen gestohlen oder überwiegend bloß sinnloser, herbei fantasierter Blödsinn sind, der in der Physik schlichtweg ignoriert wird (denn Blödsinn ist für Real-Techniker wertlos).

Persönlich relevanter wird das Ganze schon, wenn wir erkennen müssen, dass FCKW kein Gift ist, sondern das Schlüsselwort eines Marketing-Tricks, um geschützte Patente zu umgehen und den Kühlschrankverkauf anzukurbeln. Da fangen wir nämlich an zu verstehen, dass wir über die Medien von Wirtschaft und Politik skrupellos nach Strich und Faden belogen und betrogen werden. Und dass kritische Stimmen so systematisch und erfolgreich unterdrückt oder manchmal auch „verunfallt“ oder „geselbstmordet“ werden, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.

So richtig ans Eingemachte geht es jedoch, wenn wir uns mit persönlich relevanten Themen z.B. aus der Medizin beschäftigen, der wir uns ja gern im guten Glauben ausliefern oder nahestehende Menschen sich ausliefern sehen. Was wäre Deine Reaktion, wenn du ganz ausführlich und logisch erklärt bekommen würdest, dass das, was „Krebs“ genannt wird, keine Krankheit, sondern ein natürlicher Heilungsprozess des Körpers ist und dass es ein Virus namens „HIV“ niemals nachgewiesen wurde? Würdest du dich nicht aufregen?

Jetzt ist der Moment, in dem du anfangen könntest, neugierige und skeptische Fragen zu stellen. Was passiert aber bei den meisten stattdessen? Sie geraten in einen emotionalen Schockzustand und verlieren den Zugang zum Denken. Sie sind emotional überfordert und reagieren auf dem psychischen Niveau eines dreijährigen Kindes, das sich bedroht und alleingelassen fühlt.

Das ist sehr interessant und ich habe es schon mehrfach in meinem Leben miterlebt. Ich glaube, irgendetwas in den Menschen versteht in dem Moment intuitiv, dass gerade ihr gesamtes Weltbild, der Boden unter ihren Meinungen und Entscheidungen, ihr gesamtes mentales Gebäude, das sie über Jahrzehnte aufgebaut haben, ins Wanken gerät. Und was tun sie automatisch? Sie schalten sofort das Denken ab und gehen in den instinktiven Vermeidungsmodus über. Sie reagieren mit ihrer persönlichen Variante von Angriff, Flucht oder Sich-tot-Stellen.

Das kann z.B. so aussehen, dass jemand in einen emotional aufgeladenen Gegenangriff übergeht: „Spinnst du? Was redest Du da für einen Blödsinn! Weißt du eigentlich, wie ignorant und arrogant du bist? Glaubst du tatsächlich so einen Schwachsinn? Was fällt dir ein? Wenn du das nicht sofort zurücknimmst, will ich mit dir nichts mehr zu tun haben!“ Ende des Gesprächs und Anfang der Radikalisierung.
Die gemäßigtere Form blockt bloß intellektuell ab: „Ach, das sind doch alles nur Verschwörungstheorien! Wenn das stimmen würde, hätte ich doch längst davon erfahren (eine narzisstische Illusion als Selbstschutz: ich weiß immer Bescheid, wenn’s wichtig ist). Das hätten doch Wissenschaftler längst aufgedeckt! Wenn das stimmen würde, stände es ja morgen in jeder Zeitung. Also, das ist doch Beweis genug, dass es nicht stimmen kann.“ Sache erledigt und kann vergessen werden.

Der beliebteste Selbstschutz ist aber das totale psychische Ausblenden. Die meisten Menschen haben einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass unbequeme Informationen direkt aus ihrem Gewahrsein gelöscht werden, noch bevor sie einen Gedanken oder eine Emotion auslösen können. Man kann ihnen solche Dinge sagen und es ist so, als hätte man nichts gesagt. Oder sie vergessen es sofort wieder. Nicht, weil es bedeutungslos ist, sondern weil sie keine Schublade für die neue Information haben.

Botschaften, die zum Glaubenssystem eines Menschen im Widerspruch stehen, bergen die Gefahr, es zu sprengen. Sie können nicht assimiliert (einverleibt) werden, sondern nur durch Adaption (Anpassung/Umbau) aufgenommen werden. Es ist so, als würde jemand ein riesiges altes Ölgemälde erstehen, das gar nicht in sein kleines Wohnzimmer passt. Für dieses neue Bild müsste er zumindest einige Möbel rauswerfen. Vielleicht muess er sogar anbauen. Oder in eine komplett andere Wohnung umziehen.

Auf geistiger und psychischer Ebene führt Adaption zu Entwicklung, Wachstum, Verfeinerung und Reifung. Nassim Taleb fasst dieses Phänomen und diese Fähigkeiten in seinem gleichnamigen Buch zusammen als „Antifragilität“. Antifragilität macht robuster und gleichzeitig flexibler und intelligenter. Assimilation hingegen bedeutet bloß Verdauung ohne Veränderung: „Ich will so bleiben wie ich bin.“ Da muss man dann auf das schöne Ölgemälde verzichten, weil die Wohnung zu klein ist.

Erreicht uns eine Wahrnehmung, die wir nicht in unsere bestehenden Schubladen einordnen können, weil sie unserem bisherigen Verständnis massiv widerspricht, dann haben wir zwei Möglichkeiten: entweder wir bilden ein neues Verständnis und Denken, die den Widerspruch umfassen und die neue Information integrieren können, oder wir retten bloß unser bestehendes Glaubenssystem und schirmen es gegen jegliche andere Information ab. Die meisten Menschen reagieren ab ihrem achten Lebensjahr mit der zweiten Variante, was dazu führt, dass ihr Weltbild von da an kaum noch weiter wächst, und sie alles nur noch „einsortieren“ – das heißt in ihr Weltbild eines Achtjährigen. Auf heftig widersprüchliche Informationen reagieren sie dann mit einer klassischen Traumareaktion so, als wäre ihr Leben in Gefahr. Also Angriff, Flucht oder Totstellen.

Ich glaube, das liegt daran, dass diese Informationen richtig sind. Denn sonst hätten sie kein Gewicht und keine Bedeutung.

Die interessante Frage ist nun: warum reagieren Menschen – nicht ein paar einzelne, sondern fast alle in unseren Breitengraden – auf eine wichtige Information oder einen Gedanken so, als wäre ihr Leben bedroht?

Die Antwort ist relativ simpel: weil ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität zu stark mit ihrem Glaubenssystem verwachsen sind, und sie sich selbst von dem, was sie glauben, nicht unterscheiden können. Ihr Glaubenssystem zu verlieren ist für sie dann so, als würden sie ihre Identität verlieren und zu Nichts werden, den Boden unter den Füßen verlieren, ausradiert werden. Sie sind nicht körperlich gefährdet, sondern psychisch. Es kommt ihnen vor, als würden sie ihre Seele verlieren. Das ist der Grund, warum sie mit den lebensrettenden Notmechanismen des Stammhirns reagieren, denn sie erleben einen Widerspruch als existenzielle Bedrohung.

Wann erscheinen Informationen als existenziell bedrohlich?

Wenn wir keine Fähigkeiten oder Mechanismen haben, um damit umzugehen.

Das mag zunächst seltsam klingen, da doch ein Erwachsener ein ganzes Spektrum an Kompetenzen haben sollte, um mit einer bloßen Information, einem Gedanken oder einer Frage anders umgehen zu können als auf dem Level eines Reptils, das nur Angriff, Flucht oder Sich-tot-Stellen kennt. Es lässt sich aber verstehen, wenn wir bedenken, dass diese menschliche Fähigkeit auch erst entwickelt und gelernt werden muss. Und diese Entwicklung kann schief gehen. Sie kann gestoppt oder zu wenig gefördert werden, so dass das angelegte Potenzial verkümmert.

Wenn ein Kind im Alter von etwa fünf bis zehn Jahren, also in der sensiblen Phase für die Entwicklung seiner Fähigkeiten zum eigenständigen Denken und zum Bilden eigenerMeinungen und Ansichten, nicht genug Dialog, Austausch und vor allem Fragen und Antworten erlebt, dann wird es höchst wahrscheinlich für den Rest seines Lebens diese Fähigkeiten nicht mehr entwickeln und bloß Meinungen sammeln, die andere ihm fertig servieren oder aufzwingen. So ein Kind hat entweder gar keine Meinung oder eben die, die am besten geeignet ist, sein (kindliches) Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Aufmerksamkeit zu erfüllen. Es denkt und prüft nicht, sondern benutzt Meinungen und Glaubenssysteme bloß als Mittel der Zugehörigkeit.

Wenn ein Kind in dieser entscheidenden Lernphase traumatisiert wird, z.B. durch Gewalt (auch verbale), unterdrückende Bevormundung oder auch Vernachlässigung oder Liebesentzug, dann wird es auch in Zukunft alles, was mit Meinung und Verständnis zu tun hat, als existenziell bedrohlich erleben und entsprechend radikal und vehement abwehren. So entstehen Fundamentalismus, Radikalismus und Extremismus. Menschen können in ihren Fähigkeiten zum Denken und Überprüfen traumatisiert werden und retten oder schützen sich dann selbst, das heißt ihre psychische Integrität, indem sie an bestimmten Glaubensinhalten festhalten, die ihnen Sicherheit geben. Z.B. dass man Autoritäten niemals hinterfragen darf. Oder wer „gut“ ist und wer „böse“. Oder was „richtig“ ist und was „falsch“. Sie erkennen ihre Glaubensinhalte nicht als Schutzmechanismus nicht. Sie können auch nicht darüber nachdenken oder es relativieren. Sie können ihre fest eingeschweißten Glaubenssätze nicht einmal im Zusammenhang miteinander sehen. Vor allem aber können sie sie nicht in Frage stellen. Ihr Überlebenstrieb ist mit ihren Meinungen und Glaubensstrukturen so sehr verwachsen, dass sie sie für absolute Realität (sie nennen das „Wahrheit“) halten müssen. Jeden Zweifel daran oder Widerspruch dagegen erleben sie deshalb nicht als mentale Herausforderung, sondern als Angriff auf sie selbst!

Es sei noch angemerkt, dass diese Prägung der Kindheit sich in der Pubertät noch einmal vollkommen ändern kann. In der Teenager-Zeit können wir ganz Neues lernen, Fähigkeiten nachentwickeln, völlig neue Lebensanschauungen und Perspektiven gewinnen und dadurch eben auch einen ganz anderen Charakter entfalten als der, den wir als Kinder entwickelt haben. Es können aber auch bestehende Prägungen vertieft und verstärkt werden, weshalb manche als Jugendliche radikaler und extremistischer werden.

Warum ist das gerade für uns so wichtig?

Weil dieses Prinzip nicht nur für Einzelne gilt, sondern auch für eine Gesellschaft oder ein ganzes Volk. Wenn ein Volk traumatisiert wird – z.B. durch eine brutale Unterwerfung und Unterdrückung – dann kann es seine Fähigkeiten zum eigenständigen Denken, Nachfragen und Reflektieren verlieren. Dafür muss man es in der Zeit der Desorientierung unmittelbar nach dem Trauma so beeinflussen, dass es nur über bestimmte, von außen vorgegebene Meinungen und Anschauungen wieder zu Orientierung und Sicherheit findet. Auf diese Weise werden existenzielle Bedürfnisse dann so eng mit erwünschten Anschauungen verknüpft, dass sie nicht getrennt und reflektiert werden können. Außerdem muss man mit Gewalt das Nachdenken, Nachfragen und Überprüfen unterdrücken. Man muss die Zeit der Angst und des Schreckens nutzen, um das Erleben von Sicherheit und Wohlbefinden mit bestimmten Tabus und Verboten zu verknüpfen.

Man muss nicht viel über die deutsche Geschichte wissen, um zu erkennen, dass exakt das nach dem Zweiten Weltkrieg passiert ist. Und zwar so koordiniert, durchgängig und konsequent – bis heute – dass man weder von einem Irrtum noch einem Zufall ausgehen kann. Wir haben es hier mit einem Programm zu tun, das die Amerikaner „Re-Education“ nannten. Der Wahnsinn und die Absurditäten, die wir heute gesellschaftlich erleben, sind das Ergebnis einer solchen „Umerziehung“ durch die Kopplung von Kriegstraumata und existenzieller Angst mit dem Verbot, darüber zu sprechen, darüber zu forschen oder überhaupt Fragen zu stellen. Wir haben in Deutschland sogar Gesetze, die das Fragen und Forschen zu manchen Themen verbieten. Wir haben massenweise verbotene Bücher dazu (angeblich aus „Jugendschutz“- Gründen). Das allein würde ein aufgewecktes Kind schon stutzig machen: wenn Papa und Mama das Nachfragen und jedes Sprechen zu einem Thema strengstens verbieten, muss etwas im Busch sein!

Damit verkümmert seit 1945 systematisch unsere Fähigkeit, über uns selbst und unsere Geschichte nachzudenken und „Meinungen“ anhand von Realitätsprüfungen zu überarbeiten. Stattdessen werden Meinungen und Anschauungen existenzialisiert, so dass wir auf sie wie auf Bedrohungen unseres Lebens reagieren. Jeder hält sich an den Ansichten fest, die ihm von außen eingepflanzt wurden, um sich sicher zu fühlen. Wir leben immer noch so wie unsere Großeltern zur Besatzungszeit (hat sie je offiziell geendet?). Und das Stockholm-Syndrom macht die Besiegten zu Kollaborateuren gegen sich selbst – bis heute. Wir denken und handeln immer noch im Wahn der „Entnazifizierung“ und suchen Gespenster, um uns abzusichern gegen „das Böse“, das die Sieger uns eingeredet haben. Dahinter aber leben wir in Angst. Und keiner weiß mehr, warum und wovor.

Wir können diesen Zustand als mentales Koma bezeichnen. Darin träumen wir in wirren Bildern und absurden emotionalen Fantasien über die Welt. Aber wir sehen die Wirklichkeit nicht mehr. Wir sehen uns selbst nicht mehr, sondern nur noch die Bilder und Meinungen über uns, die andere uns eingepflanzt haben – zu ihren, nicht zu unseren Gunsten.

Man hat uns z.B. tief eingeimpft, dass Deutschsein gleichbedeutend ist mit asozial, böse und schuldig sein. Das war und ist die Grundlage der „notwendigen Umerziehung“ nach dem zweiten Weltkrieg: der „deutsche Charakter an sich“ ist gefährlich und muss korrigiert werden, weil er sich weigert, sich der globalen (modernen, guten) Geld- und Denkherrschaft zu unterwerfen wie alle anderen Völker. Mit den Deutschen funktioniert die Versklavung nicht so leicht. Wir durchschauen zu viel und hängen zu sehr an geistiger, seelischer und individueller Freiheit. Wir setzen uns sogar für die Freiheit anderer ein. Das schmeckt den Machtbesessenen schon seit vielen Jahrhunderten überhaupt nicht. Ihr Hass auf freie Denker und Forscher ist existenziell, denn wenn diese sie entlarven, verlieren sie die Kontrolle und den Nährboden ihrer kranken unersättlichen Gier nach Macht.

Wenn wir beobachten, denken und uns austauschen können, sind wir kaum besiegbar. Man kann uns dann nicht so einfach gefügig machen und dem weltweiten Sklavensystem eines dumpfen Materialismus’ einfügen. Man musste uns betäuben. Das brauchte zwar ein wenig Zeit, weil wir doch recht zäh an unserem Streben nach Freiheit und Wach-Sein festhielten. Aber zwei Mechanismen funktionierten dann doch: erst schwer traumatisieren und dann als Retter auftreten, der die Versklavung als „Segen“ und „nur zu unserem Besten“ einführt. Damit auch kein neuer Keim von Rebellion und Befreiung entsteht, ist es dann noch sinnvoll, das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zum eigenständigen Nachdenken und Überprüfen so klein wie möglich zu halten.

Eine der mächtigsten Psychotechniken dafür ist die erzwungene Sexualisierung der Jugendlichen und (mittlerweile ganz offensichtlich) auch der Kinder. Dadurch können in dieser äußerst sensiblen Entwicklungsphase die geistige Reifung und Widerstandskraft sowie die Fähigkeiten zur Individuation so massiv zerstört werden, dass sie später kaum noch Chancen haben.
Von Natur aus wollen Kinder und auch Jugendliche mit erwachsener Sexualität noch nichts zu tun haben. Man muss sie dahin schon mit viel Aufwand und gegen ihren instinktiven und seelischen Widerstand drängen und manipulieren. Genau diese Manipulation und ihre Folgen sind heute bereits so deutlich erkennbar geworden, dass es keines weiteren Kommentars bedarf. Die unter dem Banner der „sexuellen Befreiung“ in Wirklichkeit sexualisierten und neurotisierten Generationen ab den 1970ern geben diese Entwicklungsstörung heute als ideologisch durchprogrammierte Pädagogen und Erzieher ganz selbstverständlich, ohne jegliche Selbstreflexion und mit dem typischen Missionseifer von Neurotikern an Kinder und Jugendliche weiter.

Wenn man Teenager frei lässt und ihnen Raum gibt, wollen sie ihre aufkeimende (sexuelle) Energie zunächst in die Entwicklung von Bewusstwerdung, Selbstverständnis, eigenständiger Orientierung und von Herzqualitäten investieren. Das beste und eingängigste Vorbild dafür finden wir in der „Deutschen Romantik“, die den bisher weltweit kühnsten Versuch unternommen hat, Wissenschaft, Religion und Kunst wieder zu einem großen Ganzen zu vereinen und in harmonischen Einklang miteinander zu bringen, damit der Mensch seine Stellung im Kosmos selbst erkennen und frei leben kann. Es ging in der Romantik um die Förderung und harmonische Verbindung von Verstand, Herz und Körper zu einer individuellen Einheit.

Das ist das natürliche Entwicklungs-Anliegen von jungen Menschen in ihren Zehnern – und von da ab für den Rest ihres Lebens. Nicht das Ausagieren von „Sex“ à la Hollywood oder die Übertönung ihrer Unsicherheiten und Ängste mit narzisstischem Posieren oder pornografischer Überreizung bis zur „coolen“ Abstumpfung. Nein, sie wollen wärmer werden und vor allem ihre eigene Identität und damit ihren eigenen, passenden Platz in der Gesellschaft finden, um als Erwachsene zugehörig zu sein – und nicht in der Anti-Haltung und Rebellion stecken bleiben. Sie wollen – orientierungslos und hilfsbedürftig wie sie noch sind – auch noch nicht Kinder in die Welt setzen. Die Natur fördert in der Zeit die geistige Individualisierung und erst wenn diese weit genug fortgeschritten ist, beginnt die authentische Bereitschaft zu sexuell ernsten Begegnungen – zwischen echten Individuen, nicht zwischen verunsicherten Kindern hinter Masken. Weil sie dann erst diese enorme neue Herausforderung meistern können.

Dieses sehr weite Thema will ich hier nur kurz anreißen, weil es sonst über den Rahmen dieses Artikels hinausgehen würde. Aber wir müssen es  einbeziehen – um Verständnis des allgemein gebrochenen Selbstbewusstseins und der geistigen Lähmung, in der wir nicht nur wie in einer Seuche leben, sondern die die schwer Verblendeten unter uns auch mit großem Eifer verstärken wollen. Traumatisierte Menschen agieren so. Sie wiederholen das, was man mit ihnen gemacht hat, immer wieder mit sich selbst und anderen. Sie können nicht anders. Das ist eine psychische Störung und braucht Heilung – und nicht den „Schutz“ dieser Minderheit.

Jedes Volk hat seine eigenen Talente und Stärken. So wie auch jede Ethnie und jeder Mensch. Die einzige ethische oder spirituelle Schande ist es, diese Talente nicht zu nutzen und zu entfalten. Und wie wir Deutschen unsere wahren Talente seit hundert Jahren, ganz besonders seit 1945, unterdrücken und zurückhalten ist eine Schande.

Für die meisten Deutschen ist diese Selbstverleugnung allerdings schon ganz selbstverständlich in Fleisch und Blut übergegangen. Die Position von zähneknirschender Unterlegenheit, Minderwertigkeit, masochistischer Duldung, verblendeter Selbstaufopferung und infantiler Einfältigkeit sind „normal“. Wir hoffen immer noch, verschont zu werden, wenn wir uns so naiv, blöd, hilfsbereit und gefügig wie möglich darstellen. Sind wir aber nicht. (die „anderen“ wissen das auch). Dadurch entsteht das chronische Gefühl von Schuld und Schlechtigkeit.

Warum Schuldgefühle? Schuldgefühle entstehen immer dann, wenn wir etwas unterdrücken, das in uns steckt und zu uns gehört. Z.B. Impulse, Wünsche, Reaktionen, Meinungen usw. Durch das Unterdrücken entsteht in uns das Gefühl von „Da ist noch etwas übrig, das ich tun wollte (aber ich kann oder darf nicht).“ Meistens entsteht so eine Unterdrückung aus Scham, weil wir etwas nicht mit unserer Identität, mit unserm Bild von uns selbst zusammenbringen können. Scham ist das Gefühl von „nicht passen“, „nicht in Ordnung sein“ und „störend herausragen“.

Solange wir mit Gewalt (z.B. per Gesetz oder sozialer Gängelung) daran gehindert werden, wir selbst zu sein, unsere reale Geschichte, also auch die wahren Intentionen und Zwänge hinter dem ersten und zweiten Weltkrieg zu erkennen und das vollständige Erleben unserer Großeltern, unserer Eltern und von uns selbst zu benennen, werden wir uns schuldig fühlen müssen, nur um nicht die darunter liegende Desintegration und Verwirrung wahrnehmen zu müssen. So funktioniert der psychische Schutzmechanismus, der uns ins geistige Koma versetzt hat. Und blind macht.

Die Frage ist:

Wie können wir aus dem geistigen Koma aufwachen?

Ich knüpfe jetzt nochmal an meine eigenen ersten Erkenntnisse von vor 15 Jahren an. Ich fing damals an einzusehen, dass fast alle Menschen Dinge glauben, die in Wirklichkeit falsch, nachweislich gelogen und absichtlich verdreht sind. Etwa zehn Jahre später war ich dann schon weiter: ich verstand, dass so gut wie alles, das wir zu wissen glauben, falsch ist. Von allem, was wir als „Allgemeinbildung“ und „Konsens“ in unseren Köpfen herumtragen ist das Gegenteil zutreffend oder zumindest näher an der Wahrheit. Das macht es jetzt einfacher: wenn wir von allem das Gegenteil nehmen und alles, was uns bisher erzählt wurde und täglich erzählt wird, um 180° drehen, sind wir der Wirklichkeit schon sehr nahe. Denken und prüfen müssen wir allerdings trotzdem.

Das ist schwer zu verdauen: so gut wie nichts ist so, wie wir es gelernt haben. Ok, die Menschen haben den Glauben an den Weihnachtsmann und den Osterhasen hinter sich gelassen, aber da hört es auch schon auf. Hier ist nicht der Platz, auf viele Beispiele einzugehen, aber nehmen wir eines heraus: was ist wohl der Effekt auf dich, wenn du einsiehst, dass die angeblich schlimmsten Krankheiten gar nicht gefährlich sind, sondern bloß deren „medizinische Behandlung“ (die tödlich sein kann); oder dass man sich nicht anstecken kann, weil „Ansteckung“ nur eine unbelegte und erfundene Hypothese ist, die längst wiederlegt wurde – genauso wie „HIV“ und „AIDS“; oder dass man von der Sonne keine schweren Hautkrankheiten und von Sex keine sog. „Geschlechtskrankheiten“ bekommen kann? Und dass dies auch bekannt ist, aber nicht bekannt gemacht wird – aus ganz abgeschmackten rein wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen? Und dass das all das Erfindungen und Lügengeschichten sind?

Am Rande: glaubst du das? Oder glaubst du genau das Gegenteil? Du sollst nichts glauben! Die „Wissenschaft“ und die Psychopathen in den Chef- und Regierungssesseln wollen, dass du blind glaubst und bitte schön aufhörst, Fragen zu stellen. Sie wollen nur dein Bestes (glaub‘ es ihnen!). Was ist das anderes als eine Kirche, die erwartet, dass du dich an ihre Dogmen hältst, damit du von ihr gesegnet und geführt wirst? Was für ein Segen!

Das hier ist keine Kirche, deshalb die viel schwierige Aufforderung, nichts zu glauben! Das hier sind nur Hinweise für eine neue Abzweigung zu mehr Freiheit – für die, die wollen.

Wenn du also diese ganzen Illusionen und Lügen aufdeckst, dann ist das zuerst ein Schock. Aber wenn du den überwindest und nur noch ein Stück weitergehst,dann hast du plötzlich viel weniger Angst als jemals zuvor. Ganze Brocken von Angst und Depression fallen von dir ab. Keine Angst vor der Sonne, keine Angst vor deinem Körper und irgendwelchen Symptomen, keine Angst vor Sex, vor FCKW, Ozon oder CO², vor unsichtbaren „Nazis“, Außerirdischen oder UFOs, vor Atomenergie, Trump, Putin oder tödlicher Klimaerwärmung.

Und stattdessen entsteht eine innere Freiheit, die sich normal-verängstigte Menschen gar nicht mehr vorstellen können. Wir können darüber spekulieren, was zuerst da war: die Angst oder die menschengemachten Angst-Systeme. Und ob das alles nur ein ungeschicktes Versehen ist oder ob gewisse Interessengruppen nicht vielleicht ganz absichtlich und wissentlich die Angst bei den Menschen schüren, um Freiheit und freies Denken zu unterdrücken. Je mmehr man sich mit den Mechanismen und Ursachen in und hinter den Angst-Systemen beschäftigt, desto wahrscheinlicher ist, dass sie mit Absicht errichtet und aufrecht erhalten werden, das ist aber hier nicht so relevant. Es könnte auch zu sehr entmutigen. Aber eines Tages musst du wissen, mit wem du es zu tun hast, um ihn zu durchschauen und ganz frei zu werden.

Die neue Angstfreiheit bewirkt nicht nur eine tiefe Entspannung und ein stabileres Wohlbefinden, sie schafft auch eine größere Beweglichkeit im Denken, Nachfragen und Aufnehmen von verschiedenen Ansichten. Oh, das entspricht übrigens schon fast der Definition von Intelligenz. Du wirst also intelligenter. Und alles wird leichter.

Vor allem wird die Wahrnehmung freier und feiner, was dazu führt, dass du Nuancen in der Darstellung von Informationen bemerkst. Lügner, Manipulatoren und Vertreter sprechen und schreiben anders als Menschen, die ihre eigene Wahrnehmung authentisch ausdrücken. Das führt dazu, dass du immer schneller und treffsicherer erkennen kannst, wie echt, ehrlich und wertvoll eine Information ist. Du hast wieder mehr die unmittelbare und ganzheitliche Wahrnehmung von gesunden Kindern, die intuitiv spüren, ob jemand lügt. Du muss keine Inhalte analysieren, sondern fühlst Unstimmigkeiten und Brüche in der Art und Weise des Ausdrucks.

Jeder kann das. Wir müssen dafür lernen, das Wie von Darstellungen und Informationen mehr zu beachten als das Was. Unsere Aufmerksamkeit wurde trainiert, nur auf das Was zu achten und das Wie zu ignorieren. Auch deshalb, weil das Wie, mit dem wir überflutet werden so krank und unstimmig ist, dass unser Nervensystem durch permanente Alarmsingale und Widerstände überfordert und betäubt wurde. Unsere menschliche, intelligente Wie-Wahrnehmung wurde gelähmt.

Dann müssen wir auch das Warum erkunden und erkennen: Warum sagt jemand etwas? Warum wird etwas ständig wiederholt? Warum wird es in dieser Art dargeboten? Warum vertritt jemand eine Meinung so emotional oder so radikal oder so missionarisch? Das Warum ist in der Kommunikation wichtiger als das Was.

Wir können immun werden gegen Lügen und angstmachende Theorien, indem wir lernen, diese drei Aspekte zu erkennen: das Wie, das Warum und das Was. Am besten in der Reihenfolge. Dafür müssen wir nur neugierig und offen sein, wie wir es als Kinder alle einmal waren. Es braucht keine komplizierten Theorien oder Trainings dafür. Vor allem geht es darum, unser Denken von den Blockaden der Angst zu befreien und den Mut zu entwickeln, kritisch, skeptisch und unbequem zu sein. Deshalb müssen wir diese ganzheitliche und fühlende Wahrnehmungsfähigkeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen fördern, denn dadurch werden sie immun gegen Manipulation, freier und selbständiger. Dadurch wird nicht nur jeder Einzelne bestärkt, sondern auch die Gemeinschaft, denn nichts trennt Menschen so sehr wie Lügen und Angst.

Wir leben im Land der Dichter und Denker. Das war es zumindest einmal. Dichter und Denker sind Menschen, die sich das Leben in Ruhe genauer ansehen. Aus verschiedenen Perspektiven. Immer wieder auch aus einer größeren Distanz zu den Dingen und sich selbst. Sie sind Beobachter, Zuschauer, Bewunderer und Forscher. Sie sind keine Macher und Produzenten, sondern geruhsame Tüftler, nachdenkliche Betrachter und innerliche Genießer. Sie können das materielle und tätige Leben auf eine höhere Stufe heben, indem sie Verbesserungen erfinden, Erleichterungen entdecken, vor allem aber den Sinn für das Wesentliche verfeinern und immer wieder die Beziehung zum Geistigen, zum Fühlen und zum Seelischen herstellen. Dafür sind die Deutschen bis heute weltweit bekannt und haben ihren guten Ruf (, den sie nur selbst nicht wahrhaben wollen).

Wir müssen das wieder entdecken: das Nachdenken, Diskutieren, Meinungen- nebeneinander-Stellen, das gemeinsame Einschätzen von Erfahrungen und vor allem das Ändern und das Weiterentwickeln von Ansichten! Wir müssen wieder neugierig in die Welt hineingehen, den Dingen auf den Grund gehen und alles mal aus der Adlerperspektive als große Gesamtschau sehen. Dafür sind die größten deutschen Dichter und Denker bis heute so berühmt und bewundert.

Der Dichter und Denker auf seiner Erde

Ich gebe ein Beispiel. Wir alle haben in der Schule gelernt: die Erde dreht sich um die Sonne, und die Sonne wirbelt als Sonnensystem mit ihren Planeten durch die unendlichen Weiten der Milchstraße, die wiederum in der endlosen Leere herumwirbelt wie ein Strudel. Ein Dichter und Denker (z.B. ein achtjähriges Kind) schaut sich aber den Sternenhimmel an, der sich seit Abertausenden von Jahren nicht verändert hat, und denkt bei sich: „Wie ist das möglich, wenn wir doch in Hochgeschwindigkeit durchs All rasen sollen? Dann müsste sich der Sternenhimmel doch ständig verändern! Doch nichts ist so fest und still wie die Sterne!“ Die Theorie passt nicht zur Wahrnehmung, und was ist nun falsch – die gelernte Theorie oder die Wahrnehmung? Wenn er diese Frage laut stellt, wird er vielleicht verhöhnt oder angegriffen, vielleicht schämt er sich auch vor den anderen, die ihn laut niederschreien, aber er hat einen  Widerspruch entdeckt und erkennt: „Die Menschen glauben, etwas zu wissen, aber sie schauen gar nicht hin! Sie glauben eher, was Fremde ihnen sagen, als ihren eigenen Sinnen.“

Er stellt fest, dass in früheren Zeiten die Menschen ganz andere Vorstellungen von der Erde hatten, die heute überall nur lächerlich gemacht werden, die aber tatsächlich zur direkten eigenen Wahrnehmung passen. Manchmal, an bewölkten Nachmittagen, sieht er, wie die Sonnenstrahlen durch die Wolken fallen und als breite Lichtstrahlen sichtbar werden. Der Winkel dieser Sonnenstrahlen ist so breit, dass die Sonne unmöglich sehr weit weg sein kann. Was seine Augen sehen und sein Verstand ableitet, ist: „Die Sonne ist viel näher als man uns in der Schule erzählt hat!“ Jetzt versteht er auch, warum die Temperaturunterschiede von Mittag zu Abend und von Sommer zu Winter so stark sind, denn das wäre bei einer riesigen Entfernung der Erde von der Sonne gar nicht möglich. Auch die Größe von Schatten (z.B. von Vögeln oder Flugzeugen), die die Sonne auf die Erde wirft, zeigt ihm, dass diese so geliebte, warme, wandernde Lichtquelle viel näher ist als uns eingeredet wird.

In uralten Texten findet er das Wort „Firmament“, was so viel bedeutet wie „Das Feste“ oder „das Festgemachte“ und das den Himmel bezeichnet, an dem die Sterne, die Sonne und der Mond „festgemacht“ sind. Er denkt: „Könnte vielleicht das, was wir voreilig und unreflektiert als Unsinn abtun, in Wirklichkeit näher an der Wahrheit sein, als all die computergenerierten Bilder und Simulationen, die man uns als „Beweise“ aufbinden will?“ Wir könnten diese Illusionen alle entlarven, wenn wir die richtigen Fragen stellen würden. Wenn wir uns trauen würden…

Der Dichter und Denker aber beginnt nun auch, etwas zu fühlen: er fühlt, dass es etwas ganz anderes bedeutet, in einer Kugel und unter einem sicheren Firmament zu leben, als auf einer Kugel, die angeblich verloren und sinnlos durch den leeren Raum saust. Ihm wird warm ums Herz, denn er fühlt sich geborgen. „Ist das nicht die Erfahrung, die wir alle schon vor der Geburt gemacht haben? In einer Kugel geborgen sein… Werden wir einfach in eine größere Kugel hineingeboren?“, fragt er. Er fühlt sich sicher in der Welt. Er erkennt intuitiv, dass die Sonne für die Erde da ist wie das Herz der Mutter für den Embryo, nicht umgekehrt. „Vielleicht ist die Sonne für den Menschen da!“, ruft er erstaunt, „Der große kleine Mensch, steht im Mittelpunkt eines Kosmos (= Ordnung), der ihn schützt und behütet!“ Und er hat keine Angst mehr, sondern freut sich.

Er ist nur ein wenig traurig, dass die Menschen so sehr an ihrem Angst-Glauben festhalten und diese aufgepfropfte Religion für echte „Wissenschaft“ und „Bescheid-Wissen“ halten. Sie bemerken nicht, das die Angst sie blockiert und dumm und arrogant macht. Sie können sich so wenig freuen und sind so verloren in ihren falschen Annahmen und werden so krank durch irrsinnige Konzepte und Ideen, die sie von ihrer Wahrnehmung und der Natur abtrennen bis sie sogar anfangen, sich gegenseitig und sich selbst zu zerstören in blinder Verzweiflung.

Er wünscht sich, dass sie auch sehen könnten, was vor ihnen liegt und wer sie wirklich sind. Er möchte ihnen zurufen:

Wacht auf, Ihr Dichter und Denker!

Aber natürlich gibt es psychische und weltliche Kräfte, die genau das nicht wollen. Die Angst davor haben, von diesem freien Denken und akribischen, mutigen Forschen, für das die Deutschen so bekannt sind, entlarvt und dadurch entmachtet zu werden. Rumpelstilzchen will nicht erkannt werden, weil es sonst seinen hypnotischen Bann der Angst über die Menschen verliert! Die machtbesessenen, empathielosen Psychopathen an den politischen Schalthebeln, die entseelten Technokraten in ihren Büros und die gewissenlosen Narzissten auf den öffentlichen Bühnen der Medien können die Welt nur solange betrügen und verderben, wie wir nicht sehen, nicht wissen und nicht sprechen. Aber wir könnten wissen! Weil wir sehen, fühlen und benennen könnten.

Die Welt schaut auf uns und hofft, dass wir endlich wieder wach werden, um die Dinge zu benennen, die Prinzessinnen und Kinder zu erlösen und das dumme, dumpfe Leben für Geld, Macht und ängstliche Absicherungen wieder mit höherem Sinn und Seele zu füllen. Um diese Angst-Welt mit Licht, Freude und Wachstum zu füllen. Wir haben die Magie und Medizin dafür, und sie wird dringend benötigt.

Deshalb: Erkennt Eure besondere Fähigkeiten und die Kraft, die darin liegt! Erkennt Eure Aufgabe in der Welt und für die Welt! Kehrt zurück!

Wacht auf, Ihr Dichter und Denker!

Wie wir durch Traumaauflösung als Gemeinschaft zu uns zurückfinden und wieder stark werden können

„Solidarität der Stärke“ bedeutet, sich mit Gleichgesinnten gemeinsam für die Stärken jedes einzelnen einzusetzen. Es bedeutet „Einer für Alle und Alle für Einen“. Es bedeutet auch, Kompetenz- und Leistungsträger im Namen der Gemeinschaft als Vorbilder hoch zu halten und zu fördern, d.h. sich an Stärke und Kompetenz zu orientieren, nicht am Mittelmaß.

Diese Verbindung von Solidarität mit Stärke und vor allem von Solidarität mit der Förderung von Stärken haben wir jedoch verloren.

Wir fördern Schwäche

Wir sind mit dem Gegenteil viel vertrauter: Die Schwächsten sollen die meiste Förderung bekommen! Die Intelligenten, Kreativen, Motivierten und Leistungsstarken sollen zusehen, wie sie alleine klar kommen! Alle Aufmerksamkeit der Verantwortlichen und der Gruppe soll auf die Langsamsten, Schwächsten, Unmotiviertesten, Beschränktesten und Unsozialsten  gerichtet sein. Alle Ressourcen von Zeit, Geld, Unterstützung, Beratung, Ausnahmeregelungen, besonderer Förderung und vor allem privilegierter Rücksicht sollen immer schön nach Schwäche verteilt werden: je weniger jemand leisten kann oder will, desto mehr soll er davon bekommen oder zumindest verlangen dürfen. Die anderen können sich doch gefälligst um sich selbst kümmern, oder nicht? Mit denen müssen wir doch nicht auch noch „solidarisch“ sein!?

Mittelmaß für alle!

Wenn ein Mensch besondere Leistungen erbracht hat, argwöhnen wir reflexartig als erstes einen rücksichtlosen Egoisten oder dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Wenn jemand seine Fähigkeiten oder Errungenschaften zeigt, wollen wir ihn sofort zu schuldbewusstem Schweigen bringen, denn er reizt doch nur den Neid und die Minderwertigkeitsgefühle derjenigen, die weniger haben und können – und das soll nicht passieren, denn sie könnten zornig werden! Wenn jemand etwas Besonderes, Erstrebenswertes oder auch nur Individuelles vorweist, melden sich bei uns gleich konditionierte Skrupel zu Wort und setzen sich im Kollektiv laut und empört für Nivellierung, Mittelmaß und Unauffälligkeit ein – angeblich zum Wohle der Unterprivilegierten.

Das klingt nach Sozialismus und es wäre schön, wenn es sich wenigstens als romantische Politik der Barmherzigkeit herausstellen würde. Stattdessen jedoch entpuppt es sich als Ideologie aus einer Angst-Herrschaft von Scham, Neid und Hass, jenen dunklen Stimmen, die laut werden, wenn Menschen das Gefühl ihrer Würde und Selbstachtung verlieren und sich von Minderwertigkeits­gefühlen und Selbsterniedrigung antreiben lassen. Da lassen Missgunst, Gehässigkeit und Rachegelüste nicht lange auf sich warten und geben den Ton an.

Wenn ohnmächtiger Neid schreit

Solche Menschen sind dann nur noch gegen andere und anderes, sie definieren sich durch ihr „Anti-Sein“: Anti-Kapitalismus, Anti-Atomstrom, Anti-Faschismus, Anti-Männer, Anti-Redefreiheit, Anti-Wettbewerb, Anti-Nationalismus, Anti-Patriotismus, Anti-Grenzen, Anti-Militär, Anti-Diskurs usw. Sie können gegen alles sein, aber sie sind vor allem gegen alles, was mit Stärke, Starksein und Starkwerden zu tun hat. Also eigentlich Anti-Stärke und Anti-Stolz. Sie können nur destruktiv reagieren auf das, was schon da ist. Sie können nicht „für“ etwas sein, bessere Vorschläge machen oder wenigstens eine positive Idee haben. Sie können nur ziellos und verzweifelt das kaputt machen, was nach Kraft und Selbstbewusstsein aussieht. Denn Stolz müssen sie unterdrücken und die Ohnmacht und Scham, die übrig bleiben und sich ausbreiten werden das Erkennungszeichen der neuen Zugehörigkeit: man schreit und zerstört am liebsten anonym und mit vermummten Gesichtern. In der Masse der Beschämten fühlt sich der Einzelne zugehörig und am sichersten, wenn er so gesichtslos wie möglich ist.

Wir können den Effekt so einer Verbundenheit der Schwäche bzw. Ohnmacht auch in Partnerschaften erkennen, in denen sich zwei Menschen nicht gegenseitig in ihren Stärken bestärken und ihre Unterschiede zusammenfügen, sondern sich ständig gegenseitig abwerten, klein halten, beschuldigen, einschränken und so im kleinsten gemeinsamen Mittelmaß enden. Ein trauriger Anblick.

Ich denke, dieser Mangel an Solidarität mit Stärke, Kraft und Kompetenz ist  eines der zentralen Übel,  das an den Wurzeln unserer Gemeinschaft nagt und uns schwach und krank macht: Aber wir sehen diese Ursache unserer Probleme nicht. Wir können sie nicht sehen, weil dieser Schwachpunkt genau auf unserem blinden Fleck liegt. Und dieser blinde Fleck ist wie so häufig das Ergebnis eines Traumas, das unsere Selbstwahrnehmung lähmt und unser Bewusstsein trübt, solange es nicht verarbeitet und als Erfahrung vollständig und wahrheitsgemäß integriert ist.

Die Vermeidungsreaktionen nach Traumata

Über Traumata muss man wissen, dass unser Nervensystem alles, was wir im Zusammenhang mit dem Trauma erlebt haben, damit verknüpfen kann, um es in Zukunft als Warn- und Vermeidungssignal zu nutzen und nicht erneut traumatisiert zu werden. Wenn ich z.B. gerade eine Apfelsine esse, wenn mir etwas Erschreckendes oder Überforderndes widerfährt, kann es sein, dass mein Körper von dem Moment an jedes Mal allergische Reaktionen zeigt, wenn ich Apfelsinen esse. Bei intensiven Traumatisierungen kann es sogar ausreichen, etwas nur von Weitem zu sehen oder sogar nur daran zu denken, um Abwehr- und Schutzreaktionen zu aktivieren.

Besonders fatal ist das natürlich bei Aspekten, die zu einem selbst gehören. Wenn ein Kind in seinen ersten Schultagen für eine Frage oder den Ausdruck einer Meinung bereits so sehr beschämt wird, dass es dies nicht verarbeiten und „wegstecken“ kann, dann kann es passieren, dass es von dem Moment an für den Rest seines Lebens meidet, in Gruppen Fragen zu stellen oder die Meinung auszudrücken. Es kann sogar passieren, dass es das Fragenstellen und Standpunkte-Äußern komplett einstellt und vergisst, warum es das tut. Das ist ein natürlicher, instinktiver Vermeidungsmechanismus, um die Überforderung und Bedrohung der traumatischen Erfahrung nicht wieder zu erleben.

Wenn Stolz tabuisiert wird

Stellen wir uns vor, ein Team von 10-jährigen Kindern macht die schöne Erfahrung, dass es in einem Sportwettbewerb einen großen Preis gewinnt, also für eine starke Team-Leistung belohnt wird. Kurz nach dem Sieg vertritt aber in den Zeitungen eine Gruppe Pädagogen und Politiker die Meinung, diese Sportart sei doch schlecht und unmoralisch, was eine große Diskussion entfacht, auf die hin sich schließlich die Sportinstitutionen beraten lassen und beschließen, diese Sportart nicht mehr anzuerkennen oder sogar zu verbieten. Durch den moralischen Aspekt der neuen Lehre wird sogar tabuisiert, positiv darüber zu sprechen, wodurch der Eindruck von Schlechtigkeit und Verworfenheit noch vergrößert wird. Schließlich kann keiner der Sportler und ihrer Fans mehr nachvollziehen, dass einmal alle so begeistert davon waren.

Was passiert dann mit dem ehemals erlebten Stolz über den Sieg und die gute Teamleistung bei den Kindern der Mannschaft? Er  wird  ebenfalls tabuisiert und emotional in sein Gegenteil verkehrt:. man schämt sich für Sieg und Leistung  und versucht sie  zu verstecken. Und noch drastischer: die Kinder  beginnen, sich ihres Stolzes an sich zu schämen – nicht nur in Bezug auf ihre sportlichen Stärken und Teamleistungen, sondern auf alles. Stolz an sich wird immer mehr tabuisiert, als falsch, schlecht, „unsozial“, böse und verachtenswert betrachtet.

Der Sieg ist jedoch eine historische und biografische Tatsache. Nun müssen die Kinder lernen, ihr eigenes Erleben zu leugnen. Vielleicht verändert sich dazu ihre Erinnerung und sie beginnen sich einzureden, dass sie den Sport eigentlich nie wirklich gemocht haben und irgendwie dazu gezwungen oder „verführt“ wurden. Noch wahrscheinlicher ist aber, dass sie alles damit Zusammenhängende verdrängen und „vergessen“, dass sie diesen Sport überhaupt einmal gemacht haben und darin so erfolgreich waren.

Stolz aber ist ein natürliches, angeborenes Gefühl, und das muss nun verdrängt werden. Nach wenigen Jahren hätten wir in unserem Beispiel Jugendliche, die gar keinen Stolz mehr erleben können und sich stattdessen aus ungreifbaren Gründen selbst hassen. Sie hassen vor allem alles, was sie an die Empfindung von Stolz erinnert und bevorzugen automatisch alles, was Stolz negiert: Anpassung, Selbsterniedrigung, Selbstverleumdung, Selbstbenachteiligung, Unterwerfung, Fügsamkeit, Passivität, Verantwortungslosigkeit und die starke Identifikation mit allem, was Schwäche, Inkompetenz, Unterlegenheit, Abhängigkeit oder Wehrlosigkeit darstellt. Sie müssen eine seltsame Abart von Würde konstruieren, die darin besteht, die eigene Würde aufzugeben und zu verkleinern.

Schwachsein – das neue Ideal

Dann entsteht mit der Zeit ein seltsames Paradox: sie kommen untereinander in einen Wettbewerb der Schwäche, denn nun ist ja Schwachsein das neue Ideal (aus der Negation des Starkseins, aus dem Nicht-stark-sein-Dürfen): wer sich am schwächsten und beschämtesten zeigen kann, bekommt die meiste Aufmerksamkeit, Zuwendung und Förderung. Damit ist die natürliche Funktion der Emotionen bereits komplett pervertiert: wer sich schämt wird Vorbild für alle und wer stolz ist, der soll sich schämen und wird geächtet.

In der Natur ist Scham ein Signal, dass etwas „nicht in Ordnung ist“ und das dementsprechend wahr genommen und kommuniziert wird, damit es in Zukunft besser, z.B. sozialer gemacht werden kann. Stolz signalisiert in der Natur das Gegenteil: etwas ist oder war besonders gut und wichtig oder wertvoll und sollte möglichst von allen Zugehörigen der Gruppe als Vorbild gesehen und hochgehalten werden. Diese Funktionen kann man ganz leicht aus den instinktiven Körperhaltungen ableiten, die diese Emotionen auslösen. Scham: Ich will nicht gesehen werden. Stolz: Ich will ganz besonders gesehen werden.

Kollektives Selbstmobbing und Zerfall

Solange das Trauma nicht bearbeitet und das eigene Erleben darin anerkannt wird, werden die Kinder unseres fiktiven Beispiels später nicht nur sich selbst unterdrücken, sondern auch andere. So entsteht kollektives Selbst-Mobbing, das sich in immer perversere Formen steigern muss, weil jedes Gewinnen (von Aufmerksamkeit oder von Ressourcen) negiert werden muss, während natürlicherweise weiterhin alle danach streben. Die Realität wird doppelbödig und man darf nichts mehr als das zeigen und benennen, was es ist.

Jetzt ist Unterwerfung gleich Macht, Dummheit ist klug, Zerstörung gilt als konstruktiv, Gewinner sind Verlierer, Perversion ist richtig, Asoziales wird sozial belohnt, Ehrlichkeit ist strategisch dumm, Leistung ist ungerecht und muss bestraft werden, Minderheiten bestimmen über die Mehrheit, Unterschiede sind Fehler, Störungen sind der Maßstab und skrupellose Egoisten werden die Vorbilder und Anführer der Gemeinschaft.

Stärke ist Schwäche. Schwachsein ist stark. Diese perverse Logik werden psychisch gestörte Menschen viel besser mitmachen und nutzen können als ein gesunder Mensch, weil sie genug innere Spaltung mitbringen, um sich am Widerspruch nicht zu stören. Sie können A sagen und B tun ohne dabei irgendein Unbehagen zu empfinden.

Merke: in einem kranken System bzw. in einer kranken Gesellschaft sind die Kranken die Könige und die Gesunden die Irren. Eine kranke Minderheit kann so auch eine gesunde Mehrheit steuern und lenken, solange das System nicht angezweifelt und durchschaut wird.

Irre: jenseits der Realität

Der Grund, warum das funktioniert, liegt in der unverarbeiteten Traumatisierung. Aus einem unverarbeiteten Trauma bilden sich (falsche) Überzeugungen, die unter anderem den Zweck haben, den Schmerz des Traumas vom Bewusstsein fernzuhalten. Es etablieren sich völlig absurde und irreale Denkmuster, die zum ungelösten Konflikt des Traumas passen, aber nicht zur gesunden Realität. Diese tief eingravierten Trauma-Überzeugungen wirken unbewusst weiter – sie werden sogar der nächsten Generation weitergegeben, die trotz aller „Rebellion“ und „Befreiung“ auf dieser Schiene bleibt, weil sie unbewusst ist. Man kann etwas nicht durchschauen, wenn man es nicht sehen kann. Und man kann etwas nicht ändern, wenn man es nicht durchschauen kann.

Würden die Jugendlichen in unserem Beispiel sich bewusst machen, dass sie ihre eigenen Erfahrungen und ihren Stolz verdrängt und erstickt haben und dass sie dadurch ein absurdes, widernatürliches System gegen sich selbst errichtet haben, dann könnten sie lernen zu unterscheiden zwischen Damals und Heute, zwischen Stolz und Ungerechtigkeit, zwischen Verantwortung und Schuldgefühlen und zwischen Solidarität und Mitleid. Und dann, nach der Unterscheidung, hätten sie die Freiheit zur Entscheidung: was wollen wir? Was wollen wir wirklich?

Bis dahin geht alles Gesunde, Natürliche, Starke und Aufbauende immer weiter den Bach hinunter und zugrunde.

Kommt jemandem all das irgendwie bekannt vor?

Natürlich brauchen wir eine Solidarität der Stärke!

Unser Problem ist, dass wir Solidarität und Stärke bzw. Starksein getrennt und zu Gegensätzen gemacht haben. Diese Trennung ist unnatürlich und muss deshalb immer wieder künstlich gegen die Natur aufrecht erhalten werden. Ein Wolfsrudel überlebt nur, wenn es die Stärke jedes einzelnen Wolfes anerkennt, einbindet und fördert. Sie folgen dem gesündesten und altruistischsten Wolf als ihrem Alpha-Tier. Nicht dem muskulös stärksten. Was wir „Ökosystem“ nennen ist eine Art Netzwerk  ganz unterschiedlicher Lebewesen, die sich in ihrer Verschiedenheit stärken und im Gleichgewicht halten. Weder gegeneinander noch „alle gleich“. Auch unser Körper besteht aus Organen und Teilen, von denen sich jedes auf seine Art nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gesamtheit einsetzt, und zwar so, dass jedes andere Teil seine individuelle Funktion so gut wie möglich erfüllen kann. Das ist Solidarität der Stärke und der Unterschiedlichkeit.

Im Schulalter lernen Kinder, Solidarität, nämlich die Zugehörigkeit zu und das Engagement für eine Gruppe, mit individueller Stärke zu verbinden. Im Optimalfall lernt ein Kind in dieser Zeit, dass es sich selbst mit seinen Fähigkeiten in der Gruppe voll und ganz zeigen kann, zur Gruppe gehört und sich entsprechend mit seinen Stärken für die Gruppe und ihren Zusammenhalt einsetzen kann. Dabei hat jedes Kind andere Stärken, was auch gut so ist. Jede Stärke kann der Gruppe zugutekommen und Unterschiede sind willkommen. Ein Kind mag besser zuhören und zusammenfassen können, ein anderes ist besser im Ideen-Sammeln und Visionen-Entwerfen, wieder ein anderes kann sich am besten um das Wohl aller kümmern und ein weiteres ist gut darin, Konflikte oder Problem sichtbar zu machen. Das macht die Gruppe stark. Wenn es gut läuft, dann werden diese Kinder die größte Solidarität mit der größten Leistungs- und Einsatzbereitschaft kombinieren – jedes auf seine Weise – und immer bevorzugen. Nicht bloß, weil sie effektiver sind und mehr Erfolg haben, sondern weil es so schlichtweg mehr Freude macht.

Die unnatürliche Trennung von Leistung und Solidarität

Leider lernen Kinder meistens etwas anderes: nämlich die Trennung ins Entweder-Oder. Entweder du bist richtig gut und erntest dafür eine Menge Neid, Missgunst und Ablehnung. Oder du passt dich an, machst das, was die anderen machen, sorgst vor allem dafür, nie aufzufallen und wirst zu einem Mitläufer, der sich und seine Fähigkeiten in der Gruppe nie direkt und kraftvoll zeigen kann – weil du dann nämlich den Gruppenanschluss verlieren würdest. So entstehen die leistungsstarken Einzelgänger und die leistungsschwachen Cliquen-Mitläufer.

Beide sind extrem schwach und benachteiligt im Verhältnis zu Menschen mit einer Solidarität der Stärke. Das ist es, was gute Teams ausmacht. Sie sind unschlagbar auch gegen eine viel größere Anzahl Einzelner, weil sie viel mehr sind als die Summe ihrer Mitglieder. Viele Teamentwickler wissen das und versuchen, die Menschen im Team dazu zu bringen, die künstliche Trennung von Zusammenspiel und eigener Leistung aufzuheben. Die wenigsten wissen jedoch, gegen welch tiefe Kindheitsprägungen und emotionalen Abwehrsysteme inkl. tief sitzender Ängste und Überzeugungen sie da anarbeiten.

Solidarisch mitleiden?

Solidarität entsteht durch gemeinsame Werte oder Ziele und kommt von „Solidität“, d.h. Festigkeit: eine feste gemeinsame Basis haben. Solidarität bedeutet nicht Mitleid, Barmherzigkeit oder Hilfsbereitschaft! Ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben, das alles zu verwechseln und Wortbedeutungen so durcheinander zu werfen. Wer heute nach „Solidarität“ für sich oder andere schreit, schreit meistens nach Hilfe und Anerkennung. „Solidarität!“ wird heute immer dann gerufen, wenn es um Minderheiten, Minderbemittelte oder sogar Außenseiter geht. Nach gemeinsamen Werten schaut da keiner. Es geht nämlich um etwas ganz anderes.

Doch diesen eigenen Widerspruch muss man verdecken: Nach Hilfe ruft man nämlich sinnvollerweise diejenigen an, die stärker oder kompetenter sind oder mehr Ressourcen haben. Nun müssen also die Anti-Kompetenten diejenigen anrufen und bitten, die sie für schlecht und unmoralisch halten. Sie lösen das Problem, indem sie „Solidarität“ zum moralischen Appell machen: „Sei doch jetzt endlich mal solidarisch, du Schwein!“. Die Botschaft ist klar: „Ich bin dir moralisch überlegen und muss dich deshalb nicht bitten, auch wenn du stärker bist! Mit meiner selbstdefinierten Überlegenheit kann ich dir Befehle erteilen und dir Schuldgefühle machen (um meine zu übertönen). So funktionieren Sado-Maso-Beziehungen: Der eine fühlt sich immer im Recht und überlegen und der andere fühlt sich immer schuldig und falsch. Das passt gut zusammen.

Ich bin überzeugt, dass wir die künstliche Polarisierung zwischen sozialem Zusammenhalt und persönlichem Engagement, die sich so tief in uns eingebrannt hat, dass wir sie nicht einmal mehr als Thema erkennen können, erst dann auflösen werden, wenn wir sie wieder in Verbindung denken, fördern und leben können. Erst dann können wir den Ausgang finden aus unserer wahnsinnigen und unnatürlichen Logik einer „Solidarität der Schwäche“ mit all ihren ideologischen Auswüchsen, krankmachenden Nebenwirkungen und zerstörerischen Folgen.

Vom kollektiven Trauma zur kollektiven Verwirrung

Das letzte Mal, dass die Deutschen solidarisch und stark zusammen waren, ist durch unverarbeitete Traumata, Scham und Beschämung, Reflexionsverbote und einfache Schuldschablonen dermaßen tabuisiert und negiert worden, dass wir selbst heute , über 70 Jahre danach, in der vierten Generation, immer noch in der psychischen Klemme stecken: wir halten Solidarität und Stärke an sich für böse. Wir bauen sie in unser undifferenziertes und schuldbeladenes Nachbeten des „Nie wieder!“ einfach mit ein: „Nie wieder solidarisch und stark!“ Am Ende führt das zu dem, was wir aktuell meisterhaft verwirklichen: „Nie wieder solidarisch!“ und „Nie wieder stark!“. Das heißt also: Immer gegeneinander – am besten jeder gegen jeden – und so schwach und unfähig wie möglich! Auf dass die kollektive Verblödung und Selbstverstümmelung uns  von allen Schuldkomplexen erlöse!

Die einzigen Eskapaden aus diesem übergreifenden moralischen Verbotskomplex erlauben wir uns in der Wirtschaft als „Teamwork“ gegen die Konkurrenz für mehr Marktanteile und – symbolisch – im Fußball.

Ich befürchte nur, dass wir uns auch dies immer weniger erlauben. Wir waren ja doch schon wieder zu sehr auf dem Weg, richtig gut zu sein. Zu gut, um noch als schwach gelten zu können. Und in der Welt waren wir doch leider schon wieder erkennbar geworden. „Made in Germany“ roch nicht bloß nach braver Leistung im globalen Klassenzimmer, sondern schon wieder nach Identität – nach einer kollektiven Stärke und bewundernswerter Zusammenarbeit. Genau das alles wollen wir doch vermeiden!

Wer auch immer unsere Gegner sind, sie haben verstanden, dass sie uns nur an genau dieser Stelle mit wenig Aufwand klein halten müssen. Indem sie uns nicht zur Besinnung kommen lassen. Indem sie unsere Verwirrung immer wieder hochhalten und unsere Selbstzerfleischung als die eigentliche große Leistung belohnen und fördern. Indem sie uns keine gemeinsamen Werte und Gruppenidentität finden lassen, sondern jede Zersplitterung und Selbstsabotage loben (während sie selbst wohl zusammenhalten wie die Wölfe).

Zurück zur gemeinsamen Stärke

Um aus dieser vernichtenden Schleife heraus zu kommen, müssen wir vor allem das erkennen. Wir müssen innehalten und uns die Frage stellen, warum wir Solidarität immer nur mit Schwachsein verbinden und warum uns Leistung und Stärke per se unmoralisch und asozial vorkommen. Dann sollten wir nachdenken über Möglichkeiten der echten Solidarität und wie sie funktioniert. Wie sie jedem einzelnen zugutekommt und damit die Gemeinschaft als Ganzes stärkt.

Schließlich sollten wir darüber nachdenken, wem wir zuhören und folgen. Welche Werte wir selbst wirklich haben und hoch halten, wer sie teilt und wer uns mit diesen Werten Vorbild und Führung sein kann.

Wir könnten auch – zumindest intuitiv – die Vorstellung wiederentdecken, dass Zusammenhalt und der individuelle Einsatz für gemeinsame Werte, für eine verbindende Identität und für die Förderung jedes Einzelnen in seiner Stärke einfach am meisten Freude, Zufriedenheit, Motivation und Lebendigkeit schaffen (suchen die Pädagogen und Arbeitgeber nicht ständig überall danach?). Wir könnten wiederentdecken, dass Stärke sich schlichtweg gut anfühlt. Dass Stolz eine natürliche und gesunde Empfindung ist, die wir notwendig zum Leben im Gleichgewicht und in jeder menschlichen Gemeinschaft brauchen. Dass jeder von Natur aus auf seine Weise und zusammen mit Gleichgesinnten stark und stolz sein möchte.

Warum wir Menschen mit Atmosphären-Ängsten
ernst nehmen sollten

Es ist sinnlos, einem Psychotiker zu erklären zu versuchen, er sei nicht Napoleon oder dass da doch gar keine grünen Männchen sind, die ihn verfolgen. Ebenso wenig sind neurotische Menschen für rationale Analysen und Reflektionen zugänglich. Warum? Weil der rationale und reflektive Teil ihres Gehirns von überfordernden Emotionen oder unbewältigenden Empfindungen überflutet und außer Gefecht gesetzt ist. Sie agieren Emotionen in Worten aus, aber ohne sinnvolles Denken. Sie mögen rational klingen, sind es aber nicht.

Ebenso zwecklos ist es, Menschen, die Angst vor Klimaveränderungen oder vor zu warmer Luft haben oder glauben, das Klima werde von („bösen“) anderen Menschen kaputt gemacht, diese Angst mit sachlichen und wissenschaftlich fundierten Argumenten ausreden zu wollen. Es spielt für all die Menschen, die in heller Aufregung und Panik über irgendwelche Katastrophenfantasien sind, keine Rolle, ob diese logisch, naturwissenschaftlich begründet, ja überhaupt physikalisch möglich sind. Denn für sie sind sie bereits begründet. Und zwar nicht faktisch real, sondern emotional.

Emotionen sind immer schneller und früher als Gedanken und Konzepte. Wenn wir Emotionen nicht regulieren und verarbeiten können, dann kreiert sich unsere Großhirnrinde irgendwelche Vorstellungen, die zu den Emotionen passen und verzichtet dafür auf die Wahrnehmung der Sinne und logisch-analytisches Denken. Jede psychische Störung und Persönlichkeitsakzentuierung funktioniert so und ist deshalb irrational, nachteilig und unfrei. Aber die Emotionen zwingen den Menschen in irre Konzepte und Verhaltensweisen, auch wenn er sie selbst störend findet und gerne los sein würde.

Das heißt, wir sollten jede Hysterie und Paranoia ernst nehmen – nicht rational, sondern emotional. Die Bilder und Angstfantasien sind Hinweise auf reale innere und unverarbeitete Emotionen und Empfindungen.

So gesehen haben die Klimahysteriker, die „Fridays-for-Future“-Jugendlichen, die empörten Demo-Mitläufer für sich betrachtet Recht. Sie empfinden das Klima, in dem sie leben als unerträglich. Das diffuse Gefühl, dass sie nicht mehr genug Raum zum freien Atmen haben, dass die Atmosphäre irgendwie vergiftet und bedrohlich ist, dass ihnen Vitalität und Lebensenergie um sie herum fehlen und dass sie unter einem permanenten Druck stehen, der ihnen die Luft abschnürt – diese Gefühle sind echt und ernst zu nehmen.

Gefühle und Körperempfindungen jedoch kennen keine Zeit, das heißt wir können im Gefühl nicht unterscheiden, ob es eine Erinnerung ist oder etwas, das sich auf den jetzigen Moment bezieht. Wir fühlen Gefühle immer jetzt. Auch wenn es Gefühle aus unserer Kindheit sind. So funktioniert Erinnerung. Das gleiche gilt für Körperempfindungen und -erfahrungen. Nur unsere Großhirnrinde, die sich viel später entwickelt, kann lernen, zwischen Jetzt-Gefühlen und Erinnerungsgefühlen zu unterscheiden. Und wenn wir das nicht lernen, interpretieren wir auch Gefühle aus unserer Kindheit als Stimmungen und Reaktionen auf unser aktuelles Leben. Wir suchen uns dann die Rechtfertigung für unsere Empfindungen im Nachhinein. Sie müssen nur gefühlsmäßig passen. Das ist der Grund, warum Menschen fanatisch an den irrigsten Vorstellungen, Glaubenssätzen und Ideologien festhalten: weil das die einzige Möglichkeit darstellt, ihre angestauten und unbewältigten Gefühle und inneren Zustände zu erfassen und auszudrücken. Für sie ist das nicht irre, sondern idiosynkratisch korrekt. Es ist nicht logisch, sondern psycho-logisch.

Hilflose Empörung

Könnte es sein, dass eine ganze empörte und aufgeregte Generation, die sich so leicht zu einer vollkommen irrationalen und verhohlen radikal-politisch motivierten Bewegung verführen lässt, darin schlichtweg ihr bisher unartikuliertes Lebensgefühl endlich ausgesprochen findet? Und zwar mit all der Aktivierung, Wut, verkappten Ohnmacht, Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Angst und Verzweiflung, die sie genau so erleben und unausgedrückt in sich tragen und die sie nun als gerechtfertigte Empörung endlich so zur Schau tragen können, dass sie gesehen werden?

Allerdings 15 Jahre oder mehr zu spät. Das Gefühl einer chronisch angespannten und schlechten Atmosphäre und eines permanent aversiven und vernachlässigenden Familienklimas ist nachvollziehbar bei einer Generation, deren Eltern so modern sind, dass sie beide Vollzeit arbeiten oder sich noch während der ersten Lebensjahre ihrer Kinder wieder trennen, alles planen und „zeitmanagen“ – sogar die Geburt, die termingerecht als Kaiserschnitt erledigt wird;  sich in Alleinerziehungs- und Patchwork-Experimenten aufreiben, unter dem inneren Druck stehen, perfekte Eltern zu sein und gleichzeitig gar nicht wissen, wie das geht; mehr Wert auf soziale Außenwirkung als auf echte Präsenz legen und ansonsten massiv unter medial überreiztem Aufmerksamkeitsdefizit leiden.

Wie fühlen sich Kinder unter solchen Bedingungen? Mangel an Kontakt und Aufmerksamkeit führt zu einer Hypotonie oder Verkrampfung der Atemmuskeln, was wiederum dazu führt, dass der Atem nicht voll und tief werden kann. Das fühlt sich dann an wie Nicht-genug-Luft-Bekommen. Asthmatiker erleben eine lebensbedrohliche Extremvariante davon. Solche Kinder werden später ihr Leben lang irgendwelche Probleme mit der Luft haben. Sie leben in dem Gefühl, es sei nicht genug davon da oder sie sei zu schlecht oder zu schwer, um darin gut leben zu können. Weil sie nie erfahren haben, wie es ist, frei und leicht zu atmen und zu leben.

Dicke Luft; Quelle: Pixabay.com
Dicke Luft?

Und Mangel an Atem führt zu Mangel an Sauerstoff. Die Wirkungen davon sind so zahlreich, dass sie einen Artikel für sich ergeben würden. Im Grunde gehen dadurch alle Vitalität, Leistungsfähigkeit und Robustheit in den Keller. Und wie fühlt man sich dann? Ständig lustlos, kraftlos, überfordert, unter Druck und eingeengt. Das Kind rebelliert auch dagegen und versucht, für bessere Bedingungen zu kämpfen. Aber weil das nichts bringt, resigniert es und gewöhnt sich an ein Lebensgrundgefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Kommt uns das nicht bekannt vor? Sind das nicht genau die Stimmungen und Töne, die so viele Teenager in diesen Tagen auf den Straßen kundtun? „Ihr zerstört unsere Zukunft“. Das ist richtig. Nur, wie Alice Miller uns schon ausführlich erklärt hat, an den falschen Adressaten gerichtet. Statt es an ihre Eltern zu richten und dann in die Eigenverantwortung zu gehen, plärren sie ihre alten Säuglings- und Kindheitsgefühle auf der Straße gegen imaginäre „Die-da-oben“ und lassen sich für mediale Inszenierungen missbrauchen und politisch lenken. Bemerken es aber nicht in ihrer emotionalen Besessenheit und kindlichen Naivität.

Umweltzerstörung und Luftverschmutzung sind ernste Probleme, denen man sich ernsthaft, also besonnen und reflektiert, strategisch und klug widmen sollte. Das unreflektierte, affektive Geschrei der Verängstigten und Empörten ist ein ganz anderes Problem und sollte damit nicht verwechselt werden.

Die Botschaft hören und ernst nehmen

Ich schlage vor, dass wir die Schreienden und Verzweifelten ernst nehmen. Nicht unbedingt in dem, was sie sagen, sondern in ihrer Unfähigkeit, sich auf erwachsene Weise auszudrücken. Und in dem, was sie eigentlich ausdrücken wollen:

  • dass sie sich ohnmächtig, übergangen und vernachlässigt fühlen,
  • dass sie Angst haben,
  • dass sie zornig sind und mit ihren überbordenden Gefühlen nicht konstruktiv umgehen können,
  • dass sie vor allem Orientierung suchen und brauchen,
  • dass sie lauter Missstände sehen und zu wenig Kompetenzen für eine Veränderung haben,
  • dass sie Hilfe und Unterstützung brauchen, aber Angst haben, nur wieder manipuliert und benutzt zu werden,
  • dass sie wachsen und nicht ohnmächtig in infantilen Verhaltensweisen stecken bleiben wollen,
  • dass sie verstanden werden wollen auch in dem, was sie nicht oder nur ungeschickt ausdrücken können (z.B. in ihren Emotionen und ihrer Haltlosigkeit)
  • dass sie dafür natürlich von vertrauenswürdigen, integren Erwachsenen unterrichtet, angeleitet und gefördert werden wollen und
  • dass sie dafür Erwachsene brauchen, die mehr Erfahrung und Grenzen repräsentieren, souverän Reibungsfläche bieten und verlässliche Stabilität anbieten können – also auf keinen Fall vor pubertären Ausbrüchen auf die Knie sinken oder sich abwenden,
  • dass sie gerne etwas sehr Wichtiges und sehr Persönliches sagen würden, das alle Menschen angeht,
  • dass sie das auch überhaupt nicht politisch meinen, sondern ganz und gar mit sich selbst beschäftigt sind und
  • dass sie trotzdem doch gerne einen guten, sinnvollen Beitrag leisten würden. So wie jeder.

Das sollten wir hören. Und ernst nehmen. Das könnten die wahren Probleme sein. Inklusive der kindlichen Hilflosigkeit, sich nicht verständlich machen zu können. Ein Teufelskreis. Ja, richtig, das „Klima“, in dem Kinder aufwachsen, ist nachweislich in den letzten Jahrzehnten immer schlechter geworden. ADHS, das Syndrom von Aufmerksamkeitsmangel und Hyperaktivierung („Stress“ im Volksmund) ist für Erwachsene schädlich, aber für Kinder und Jugendliche zerstörend. Das hat nichts mit FCKW, Ozon, CO² oder anderen obskuren Theorien zu tun. Aber erdrückend, giftig, beängstigend und überhitzt ist es ganz sicher für sehr viele.

Wir können „CO²“ und alle Klima- und Umweltthemen symbolisch verstehen und ernst nehmen. Ernst nehmen heißt, auf Emotionen eingehen, nicht nur auf Inhalte. Sie an- und aussprechen: Ok, ihr habt Angst und seid orientierungslos. Ihr seid laut und aufgeregt. Nachfragen: Wovor habt ihr Angst? Was genau braucht ihr? Mehr Sicherheit? Mehr Gehörtwerden? Was gibt euch das Gefühl von Machtlosigkeit oder Ohnmacht? Was genau sucht ihr oder hättet ihr gerne? Welche Wirkung hättet ihr gerne? Wie würde eine Lösung konkret aussehen?

Vor allem müssen wir lernen, die Motivation von der Ideologie zu trennen, und auf die erstere eingehen. Sonst verschärfen wir die neurotische Abspaltung, die Kommunikation unmöglich macht, nur umso mehr. Zu einem Gespräch, einer Auseinandersetzung und zu Beruhigung führt das nicht.

Menschen drücken sich so aus, wie sie können. Babys schreien und strampeln. Dreijährige bekommen einen Wutanfall. Achtjährige plappern jede Theorie nach, die man ihnen einimpft. Jugendliche schließen sich einer Sekte oder Demogruppe an, die für sie spricht. Gesunde Erwachsene vertreten und entwickeln eigene Ansichten im Gespräch, im Austausch und in Kooperation mit anderen. Sie schreien nicht.

Und Kultur beginnt damit, dass man es richtig vormacht.

Gedanken zum Film „Einfach das Ende der Welt“

Der Film „Einfach das Ende der Welt“ (Juste la fin du monde, 2016) ist ein bewundernswertes Kondensat von Beziehungen und Wirkungen, die kaum besser unsere aktuelle gesellschaftliche Situation widerspiegeln könnten. Man kann ihn als eine Abwandlung des Themas „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ verstehen: Was passiert, wenn der verlorene Sohn zurückkehrt – und es gibt keinen Vater mehr im Hause? Der Film stellt aber nicht bloß die Frage, er liefert eine – und ich meine: die – Antwort. Und es geht gar nicht um den Sohn, sondern um etwas viel Verheerenderes:

Wie sieht es aus, wenn niemand da ist, wo ein Vater sein sollte?

Da ist zum einen die aufgedrehte Ehefrau und dreifache Mutter als verlorener und hilfloser Rest Eltern. Sie ist zerrissen zwischen ihren verschiedenen Motivationen und Instinkten. Nämlich erstens, den friedlichen Zusammenhalt der Familie wiederherzustellen oder zu retten was davon übrig ist – zur Not auf Kosten der Realitätswahrnehmung und Intelligenz. Dann zweitens, die Rolle des fehlenden Vaters zu ersetzen oder zumindest so zu tun als wäre der Verlust nicht so gravierend, womit sie wiederum gegen die offensichtliche Realität antritt. Und drittens, wenn auch an den Rand ihrer Noch-Kapazitäten gedrängt, der Wunsch, eine attraktive, erotisch-verführerische Frau zu sein. Das billige Make-up und die bunten Maskierungs-Prozeduren, die sie in Eile nach allen Küchenarbeiten für diesen Zweck aufwendet, sind wiederum eine Form der Realitätsverleugnung, nämlich der Realität, dass die Zeit nicht spurlos an ihr vorüber gegangen ist. Sie greift hilflos auf Teenager-Routinen zurück, wo scheinbar nichts anderes zur Verfügung steht.

Dann haben wir das Pärchen „Der älteste Sohn mit seiner Frau“ in seiner konservativen Kostümierung – mit zwei Kindern und regelmäßigen Besuchen bei den Eltern – hinter der allerdings in Wirklichkeit eine Verwicklung aus Verzweiflung, Ohnmacht, Gewalt und Verbitterung steckt.

Die junge Ehefrau und Mutter muss sich in der täglichen Zerreißprobe zwischen emanzipierter und durschauender Intelligenz einerseits und einem emotional völlig zurückgebliebenen Ehemann andererseits bewähren, wobei sie ihren Mann als Erwachsenen zu behandeln versucht, während der sich wie ein Fünfjähriger benimmt. Mit all seiner angestauten Wut und Hilflosigkeit will er am liebsten von allem weglaufen, was er aber wegen seiner kaum kaschierbaren Unsicherheit und Abhängigkeit nicht kann. Also bricht er stattdessen ständig in verbale und physische Gewalttiraden gegen alles und jeden um sich herum aus.

Das Verhältnis der Männer (Brüder) untereinander ist bestimmt durch die Unfähigkeit, auch nur ein einziges aufrichtiges Wort miteinander zu sprechen. Geschweige denn, dem anderen empathisch zuzuhören. Das ist nur indirekt möglich – über die Frauen, die die überlastende Übersetzungsarbeit verweigern wollen, weil und obwohl es ihre größte Hoffnung ist, dass die Männer endlich einmal miteinander reden. Wenn die Männer sich nicht mehr aus dem Weg gehen können, können sie nur eine Zeitlang Signale in hilflosen Gebärden senden oder stumm nebeneinander sitzen, bis irgendwann der Damm bricht und sie in den offene und rohen Kampf übergehen: der aggressive Angreifer und der gelähmte Unterworfene.

Da haben wir die zwei dichotomisierten Männer(stereo)typen der Moderne vor uns: einerseits den gefühllos narzisstischen Macho, der im Grunde asozial ist und Spannungen nur über Brutalität von sich ableiten kann. Und andererseits den gefühlvollen, nachdenklich-introvertierten Jungen, der zwischen den Zeilen – und vor allem den Menschen – lesen kann, dabei aber dermaßen über-femininisiert ist, dass er seine eigenen Entscheidungen in der Passivität, seine Stimme in der Wehrlosigkeit und seine Wirkungsfähigkeit in kindlicher Sentimentalität verliert. Er hat die Seiten vollkommen gewechselt: er hört den Frauen aufmerksam zu, wenn sie über ihre Kinder sprechen, er befolgt ohne jegliche eigene Modulationen die Eingaben der Mutter, wenn sie ihm sagt, wie er sich anderen – wörtlich – mehr zur Verfügung stellen soll; und seine Erotik lebt er – mit Männern. Sind die zwei Brüder zwei entmannte Männer? Nein, es sind zwei Jungen, die nie Männer wurden: der zornige Dummkopf und der verweiblichte Sensible.

Und zuletzt ist da noch die Tochter, die ihren heimgekehrten Bruder nur aus Erzählungen und von Postkarten kennt. Man merkt schnell, dass ihr jeder Boden unter den Füßen fehlt. In ihrer psychisch labilen Situation wird sie wohl kaum jemals die Chance bekommen, wenigstens bis zu einer stabilen Mutterrolle im Sinne der traditionellen Kleinfamilien-Idylle heran zu wachsen. Und als verzweifelt Liebesbedürftige hat sie auch nichts, mit dem sie Männern den Kopf verdrehen könnte (stattdessen wird sie wohl eher an schon schwer verdrehte Männer geraten). Und das wird ihr sogar lieber sein, denn sie will allem, das nach Mann aussieht, den Kopf abreißen. Und dafür hat sie ansonsten nur den aggressiven Macho-Bruder, denn der schwule Künstler-Bruder ist im realsten Sinne des Wortes hinweggehoben und unerreichbar für sie – in die Sphären der abstrakten Ästhetik und der körperlichen Abwesenheit.

Warum muss sie Männliches angreifen? Zum einen als pure Selbstverteidigung gegen die Zerstörungswut ihres Bruders. Dann aber auch, um nicht an die Wunde des Vatermangels zu rühren, die bei einer Frau tiefer reicht und zerstörerischer ist als selbst die meisten aktuellen Bücher zum Thema zugeben wollen. Diese noch junge Frau hat eine Hasskarriere vor sich unter der viele leiden werden, doch sie selbst am meisten. Sie wird sich selbst verleugnen und hassen müssen: „Ich brauche keinen Vater! Ich habe nie einen gebraucht!“ Der Hass könnte dann auch bald ein Ventil nach außen finden, z.B. in der Maxime: „Tod den Vätern!“ oder, weil das dann doch wieder zu konkret ist, doch besser abstrakter, unpersönlicher: „Tod dem Patriarchat!“ Gemeint ist emotional das gleiche. Und wird sie damit nicht in die vordersten und lautesten Reihen aktiver Feministinnen aufgenommen?

Ein Bild unserer Gesellschaft und Zeit

Das Skript des Films wurde geliefert von einem Theaterstück, das mit diesen fünf Protagonisten auskommt. Der eigentliche Protagonist des Stücks – der Vater – ist abwesend, und Abwesenheit ist und bleibt sein Hauptcharakteristikum.

Seine Abwesenheit steht so markant und alles-dominierend in der Mitte des gesamten Films – ich möchte sagen: jeder einzelnen Szene – dass sie sogar noch verstärkt wird durch ihre komplette Tabuisierung unter den Personen. Über sein Wegsein wird (fast) kein Wort verloren . Aber für psychologisch offene Ohren wird den ganzen Film hindurch über nichts anderes gesprochen! Das Thema ist: Abwesenheit von Väterlichkeit. Das lateinische Wort für Vater ist pater. Daraus leitete sich unter anderem die Idee der patria, der Vaterstadt bzw. des Vaterlandes ab, was für die damaligen Sprachnutzer „Heimat“ bedeutete.

Dieser in mehrerer Hinsicht (also bitte mehr als einmal hinsehen!) sehr sehenswerte Film zeigt allegorisch verdichtet die psychologische Gesamtsituation unserer Zeit. Und so einprägsam bis über die Schmerzgrenze, wie er die Personen hilflos um das eine und entscheidende Problem kreisen lässt, so eindeutig und klar verweist er auf den Bedarf, aus dem wir eine echte Lösung als Not-Wendigkeit ableiten können: wir brauchen wieder Väter. Ansonsten sind wir verloren. Als Söhne und dann als Männer untereinander, als Mütter, als Liebende und bereits als Töchter. Wenn das alles verloren ist, was können wir dann noch leben und sein? Zombies im Produktions-Konsumkreislauf? Leistungsträger im Stromnetz der Wirtschaftsmaschinerie? Psychiatrische Patienten, die sich als Bürger ausgeben?

Die Vater-Substanz, die wir brauchen

Was aber fehlt denn nun, was ein Vater, also die Kraft von Väterlichkeit, einbringen würde? Zum ersten Begrenzung, Abgrenzung und Grenzverteidigung. Jemand, der die Autorität hat, zu stoppen und damit Regeln und Werte aufrecht zu erhalten. Und damit also auch jemand, der einen Rahmen setzt und hält. Ein Rahmen von Ge- und Verboten, Regeln und Ansprüchen ist ein psychisches Gefäß, in dem Menschen sich zunächst vor allem einmal sicher fühlen können, weil sie einen gemeinsamen Bezugspunkt haben. Der muss nicht einwandfrei und pädagogisch klug sein, um zu wirken. Er wirkt bindend und verbindend durch sein Ausrichten.

Das zweite, fragilere Element ist die väterliche Aufmerksamkeit. Es ist für die psychische Entwicklung und Gesundheit des Menschen unabdingbar, Aufmerksamkeit im richtigen Moment und in der richtigen Form von außen zu bekommen. Denn nur so lernen wir, Wohlwollen und Sichtbarkeit zu verinnerlichen. Wir werden damit nicht geboren. Und es liegt ein großer Unterschied zwischen der Aufmerksamkeit von der Mutter und der vom Vater – beide hier als archetypische Rollen gegenüber dem Kind verstanden, nicht bloß als Personen. Dazu ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Ich will einmal versuchen, den bedeutendsten entwicklungspsychologischen Kern dieses Unterschieds in einem Satz zusammen zu raffen: Die Aufmerksamkeit des Vaters stärkt und fördert die maskulinen Eigenschaften im Kind/Jugendlichen, die für die Ablösung aus der Abhängigkeit von Mütterlichkeit notwendig sind: Differenzierung, damit Ent-Scheidungsfähigkeit, Grenzsetzung, Mut, Konfrontation, Eigen-Positionierung und letztlich Selbständigkeit in der umfassendsten Bedeutung des Wortes.

Die Aufmerksamkeit des Vaters ist wie ein Transportmedium dieser Fähigkeiten. Ihr Potenzial liegt in jedem angelegt, es muss jedoch aktiviert werden, indem es vor allen Dingen gesehen und damitbestätigt und bestärkt wird.

Der Film zeigt, was passiert, wenn diese rahmensetzende Funktion verloren geht. Es führt in kürzester Zeit zu Entgrenzungen auf allen Ebenen: emotional in der unkontrollierbaren Steigerungs-Spirale von Verzweiflung und Zerstörungswut; sozial in der Ausuferung von Gewalt und Verrat; moralisch als Auflösung von bindenden Werten und damit der Basis für Solidarität; familiär in der Zerrüttung von Respekt und natürlichen Rollen; kommunikativ im Auseinanderdriften der Menschen ohne sich noch verständigen und erreichen zu können. Kurz: die Menschen radikalisieren sich in ihren Mustern von instinktivem Selbstschutz. Wir sehen eine Zuspitzung auf rohe Kampf-, Flucht- und Lähmungsreaktionen.

Aber hat man uns nicht eingetrichtert, dass das Mütterliche, Weibliche oder sogar „die Frauen“ dies lindern und verhindern sollen? Wer glaubt das noch? Was kann eine Mutter, eine Frau oder Schwester denn bewirken, wenn die Vaterkraft grundsätzlich fehlt? … um die Talfahrt aufzuhalten? Der Film beantwortet ganz realistisch und deutlich: nichts.